Kap. II. Der Sinn der Ausdrücke. diesen Gegenstand unter den Lehrern der Nationalökonomie herrscht, kann sie in jeder Bibliothek, wo ihre Werke nebeneinander stehen, finden. Ls macht zwar wenig Unterschied, welchen Namen wir den Dingen geben, wofern wir nur bei Anwendung des Namens immer dieselben Dinge im Auge behalten. Aber der Ubelstand, der in nationalöko nomischen Untersuchungen aus solchen unbestimmten und wechselnden Definitionen des Kapitals erwächst, ist der, daß der Ausdruck nur in den Prämissen in dem durch die Definition ihm beigelegten, besonderen Sinne gebraucht wird, während derselbe bei den praktischen Schlüssen, zu denen man gelangt, stets in einem allgemeinen und bestimmten Sinne gebraucht oder wenigstens verstanden wird. peißt es z. B., daß der Arbeitslohn dem Kapital entnommen wird, so versteht man das Wort Kapital in demselben Sinne, als wenn wir von Mangel oder Überfluß, von Ab- oder Zunahme, von Vernichtung oder Erzeugung von Kapital sprechen — ein allgemein verstandener und bestimmter Sinn, der das Kapital von den anderen Faktoren der Produktion, dem Grund und Boden und der Arbeit, trennt und es auch von ähnlichen Dingen, die nur dem Genusse dienen, scheidet. Zn der Tat verstehen die meisten Leute gut genug, was Kapital ist, bis sie ansangen dasselbe zu definieren, und ich denke, die in ihren Definitionen so weit voneinander abweichenden ökonomischen Schriftsteller beweisen durch ihre Werke, daß sie den Ausdruck in diesem allgemein verstandenen Sinne in allen Fällen gebrauchen, außer bei ihren Definitionen und den darauf ge gründeten Argumenten. Dieser gewöhnliche Sinn des Wortes ist der von Gütern, die zur Produktion von mehr Gütern benutzt werden. Adam Smith drückt diesen gewöhnlichen Gedanken richtig aus, wenn er sagt: „Derjenige Teil eines Vermögens, von welchem jemand ein Einkommen er wartet, wird sein Kapital genannt." Und das Kapital eines Landes ist augenscheinlich die Summe solcher individuellen Vermögen oder derjenige Teil des Gesamtvermögens, von dem erwartet wird, daß er mehr Güter verschaffe. Dies ist auch der etymologische Sinn des Ausdrucks. Das Wort Kapital ist, wie die Philologen nachweisen, aus einer Zeit auf uns gekommen, wo die Güter in Rindern geschätzt wurden und jemandes Einkommen von der Kopfzahl, die er zu ihrer Vermehrung halten konnte, abhing. Die Schwierigkeiten, welche den Gebrauch des Wortes Kapital als eines exakten Ausdrucks umgeben und welche in den gewöhnlichen politischen und sozialen Erörterungen sogar noch schlagender als bei den Definitionen der ökonomischen Schriftsteller hervortreten, entstehen aus zwei Umständen: erstens, daß gewisse Klassen von Dingen, deren Besitz für den einzelnen ganz gleichbedeutend mit dem Besitz von Kapital ist, keine Teile des Kapitals der Gesellschaft sind, und zweitens, daß die nämlichen Dinge Kapital sein können oder nicht, je nach dem Zwecke, dem sie gewidmet sind.