50 Arbeitslohn und Kapital. Buch I. suche nur die Gesetze zu entdecken, auf denen ein großes soziales Problem, beruht, und wenn der Leser dahin gelangt ist, sich eine klare Vorstellung davon zu machen, welche Dinge wir meinen, wenn wir von Kapital reden, so ist mein Zweck erreicht. Ehe ich jedoch diese Abschweifung schließe, möchte ich die Ausmerk- samkeit aus etwas lenken, was oft übersehen wird, nämlich, daß die Ausdrücke „Güter", „Kapital", „Arbeitslohn" und dergleichen, wie sie in der Nationalökonomie gebraucht werden, abstrakte Benennungen sind, und daß nichts von ihnen generell behauptet oder bestritten werden kann, was nicht auch von der ganzen Klasse von Dingen, welche sie repräsentieren, behauptet oder bestritten werden könnte. Daß dies nicht immer im Auge behalten wurde, hat zu vieler Gedankenverwirrung geführt und läßt Zrrtümer, die sonst durchschaut worden wären, als anerkannte Wahrheiten passieren. Da Gut ein abstrakter Ausdruck ist, so involviert der Begriff der Güter, wie man sich erinnern muß, den Begriff der Austauschsähigkeit. Der Besitz von Gütern eines gewissen Betrags ist gleichwertig mit dem Besitz einer oder aller Gattungen von Gütern, die im Austausch dasselbe wert sind. Und dasselbe ist folg lich auch mit dem Kapital der Fall. Kapitel III. Der Lohn wird nicht dem Kapital entnommen, sondern durch die Arbeit geschaffen. Die Wichtigkeit dieser Abschweifung wird, denke ich, mehr und mehr zutage treten, je weiter wir in unserer Untersuchung vorschreiten; aber ihre Zusammengehörigkeit mit dem Zweige, der uns nun be schäftigt, dürfte schon jetzt in die Augen fallen. Es ist auf den ersten Blick ersichtlich, daß, wenn behauptet wird, der Lohn würde dem Kapital entnommen, der nationalökonomische Sinn des Wortes Lohn aus den Augen gesetzt und die Aufmerksamkeit auf den gewöhnlichen und beengten Sinn des Wortes gerichtet wird. Denn in all den Fällen, in welchen der Arbeiter fein eigener Arbeit geber ist und direkt das Produkt seiner Arbeit als Lohn empfängt, ist es klar genug, daß der Lohn nicht aus dem Kapital entnommen wird, sondern sich direkt als Arbeitsertrag ergibt, widme ich z. B. meine Arbeit dem Einsammeln von Vogeleiern oder dem Pflücken wilder Beeren, so sind die Eier und Beeren mein Lohn. Sicher wird niemand behaupten, daß in einem solchen Falle der Lohn dem Kapital entnommen würde. Zn diesem Falle ist kein Kapital vorhanden. Ein völlig nackter.