52 Arbeitslohn und Kapital. Buch I, heit der Arbeiter das Verhältnis derer, welche ihren Verdienst direkt, ohne Vermittelung eines Arbeitgebers, gewinnen, selbst in Europa vor joo Jahren viel größer gewesen sein muß. Denn außer den in jedem Lande in beträchtlicher Anzahl vorhandenen selbständigen Arbeitern, ist seit der Zeit des römischen Reiches der Ackerbau großer Distrikte Europas nach dem Halbpachtsystem betrieben worden, wobei der Kapitalist seinen Ertrag vom Arbeiter, nicht aber der Arbeiter vom Kapitalisten erhält. Jedenfalls muß in den vereinigten Staaten, wo ein allgemein gültiges Lohngesetz dieselbe Anwendung finden muß wie in Europa, und wo trotz der Fortschritte der Fabriken ein sehr großer Teil der Bevölkerung noch selbständige Bauern sind, der Teil der Arbeiter, der seine Löhne von einem Arbeitgeber bekommt, verhält nismäßig klein sein. Es ist jedoch nicht nötig, das Verhältnis, in welchem irgendwo die selbständigen Arbeiter zu den gedungenen stehen, zu erörtern, noch die Beispiele für die Tatsache zu vermehren, daß, wo der Arbeiter seinen Lohn unmittelbar erhält, derselbe der Ertrag seiner Arbeit ist; denn sobald man sich vergegenwärtigt, daß der Ausdruck Lohn allen Arbeitsverdienst, sowohl den vom Arbeiter in dem Ergebnisse seiner Arbeit direkt gewonnenen, als den von einem Arbeitgeber erhaltenen, einschließt, ist es klar, daß die Annahme, die Löhne würden dem Kapital entnommen — eine Annahme, auf der in den gewöhnlichen volks wirtschaftlichen Büchern so unbedenklich ein ungeheurer Oberbau auf gerichtet wurde —, wenigstens großenteils unrichtig ist, und das Äußerste, was mit einem gewissen Anschein von Wahrheit behauptet werden kann, ist, daß manche Löhne (d. h. die vom Arbeiter durch Ver mittelung eines Arbeitgebers empfangenen) dem Kapital entnommen sind. Diese Beschränkung der größeren Prämisse entkräftet sofort alle Folgerungen, die daraus abgeleitet werden, aber ohne hier dabei zu verweilen, wollen wir prüfen, ob dieselbe selbst in diesem beschränkten Sinne mit den Tatsachen übereinstimmt, wir wollen den Faden da aufnehmen, wo Adam Smith ihn fallen ließ und Schritt für Schritt vorgehend, zusehen, ob das Verhältnis der Tatsachen, welches bei den einfachsten Produktionsformen klar zutage liegt, nicht auch in der verwickeltsten Stich hält. Am nächsten an Einfachheit kommt jenem „ursprünglichen Zu stande der Dinge" (von dem noch viele Beispiele zu finden wären, und wobei der ganze Arbeitsertrag dem Arbeiter gehört) jene Einrichtung, bei welcher der Arbeiter, obgleich für eine andere Person oder mit dem Kapital einer anderen Person arbeitend, seinen Lohn in natura empfängt, d. h. in den Dingen, welche seine Arbeit erzeugt. )n diesem Falle ist es ebenso klar wie in dem des auf eigene Rechnung Arbeitenden, daß die Löhne wirklich aus dem Arbeitserträge und keineswegs aus dem Kapital entnommen werden, wenn ich einen Mann dinge, Eier zu sammeln, Beeren zu pflücken oder Schuhe zu machen und ihn aus den