Kap. III. Der Lohn wird nicht dem Kapital entnommen. 59 Recht sagen, daß der Arbeiter mt Lohn die Güter erhält, die er rnit seiner Arbeit geschaffen hat. Daß diese allgemein gültige Wahrheit so oft verdunkelt wurde, ist größtenteils die Schuld jener fruchtbaren Quelle nationalökono mischer Verdunkelungen: der Verwechselung von Gütern mit Geld, und es ist merkwürdig, so viele von denen, welche, seit Adam Smith das Li auf die Spitze stellte, die Trugschlüsse des Merkantils'fstems weitläufig demonstriert haben, bei Behandlung des Verhältnisses von Kapital und Arbeit in Irrtümer genau derselben Art fallen zu sehen. Da Geld das allgemeine Tauschmittel, die große flüssige Masse ist, vermittels welcher alle Verwandlungen von Gütern aus einer Form in die andere stattfinden, so werden sich die dem Austausch entgegen stehenden Schwierigkeiten meist bei der Umwandlung in Geld zeigen; und daher ist es bisweilen leichter, Geld gegen irgendeine andere Art von Gütern, als Güter einer spezielleren Art gegen Geld umzutauschen; aus dem einfachen Grunde, weil es mehr Besitzer von Gütern gibt, die irgend etwas, als solche, die etwas Spezielles einzutauschen wünschen. Deshalb mag ein Produzent, der sein Geld für Löhne ver ausgabte, es bisweilen schwierig finden, den erhöhten wert, den er für sein Geld wirklich eingetauscht hat, schnell wieder in Geld umzusetzen, und so sagt man von ihm, er habe sein Kapital ganz für Löhne aus gegeben oder vorgeschossen. Dennoch besitzt er, wenn der durch die Arbeit geschaffene Neuwert nicht etwa geringer ist als der Betrag der verausgabten Löhne (was nur in Ausnahmefällen stattfinden kann), das Kapital, das er vorher in Geld hatte, jetzt in waren; es hat wohl die Form gewechselt, sich aber nicht vermindert. Ls gibt einen Produktionszweig, bei dem die aus der Gewohnheit, Kapital in Geld zu schätzen, entspringende Gedankenverwirrung am wenigsten eintreten kann, weil das Produkt desselben das gewöhnliche Material und der Wertmesser des Geldes ist. Und es trifft sich, daß dies Gewerbe uns fast nebeneinander Bilder der Produktion von den einfachsten bis zu den verwickeltsten Formen bietet. In den frühesten Zeiten Kaliforniens, wie später in Australien, sammelte sich der sogenannte Goldwäscher, der in Flußbetten oder im Steingeröll die glänzenden Goldteilchen suchte, welche die langsamen Prozesse der Natur seit Zahrhunderten daselbst angehäuft hatten, seinen „Lohn" (so auch von ihm genannt) in wirklichem Gelde; denn da Münze selten war, so wurde abgewogener Goldstaub als gangbares Zahlungs mittel gebraucht, und am Ende des Tages hatte er seinen Lohn in Geld in einem Lederbeutel in der Tasche. Es kann kein Streit darüber sein, ob dieser Lohn vom Kapital kam oder nicht. Er war offenbar der Ertrag seiner Arbeit. Auch dann konnte kein Zweifel obwalten, wenn der Besitzer eines besonders reichen Striches Leute annahm, die für ihn ar beiteten, und sie in demselben Gelde bezahlte, welches ihre Arbeit aus der bjöhle oder aus dem Flußgeröll geschafft hatte. Als gemünztes