Arbeitslohn und Kapital. Buch I. machen. Es ist zu einem ganz anderen Zwecke erforderlich. Welcher Zweck, dies ist, können wir leicht sehen. Werden die Löhne in natura bezahlt, d. h. in Gütern derselben Art, wie sie die Arbeit erzeugt, z. B. wenn ich Leute dinge, um Holz schlagen zu lassen, und ihnen einen Teil des Holzes als Lohn überlasse (wie dies bisweilen von Waldbesitzern oder Pächtern geschieht), so ist es klar, daß kein Kapital für die Lohnzahlung erforderlich ist. Auch dann, wenn ich zu beiderseitigem Vorteil — etwa weil eine große Menge Holz leichter und vorteilhafter zu verwerten ist als eine Anzahl kleiner Quantitäten — einen Geldlohn anstatt eines Naturallohnes bedinge, werde ich kein Kapital brauchen, vorausgesetzt, daß ich den Umsatz des Holzes gegen Geld bewerkstelligen kann, ehe die Löhne fällig werden. Nur wenn ich einen solchen Umsatz oder einen so vorteil haften Umsatz, wie ich ihn wünsche, nicht bewerkstelligen kann, bis ich eine große Menge Holz anhäufe, werde ich Kapital brauchen. Aber selbst dann brauche ich kein Kapital, falls ich einen teilweisen oder versuchsweisen Tausch dadurch machen kann, daß ich Geld auf mein Holz leihe. Kann ich jedoch oder will ich mein Holz weder verkaufen noch darauf borgen, und wünsche doch einen großen Vorrat hinzu legen, dann allerdings werde ich Kapital brauchen. Aber augenschein lich brauche ich dies Kapital nicht für die Zahlung von Löhnen, sondern für die Anhäufung eines Holzlagers. Ebenso ist es beim Bohren eines Tunnels, würden die Arbeiter in Tunnel bezahlt (was, wenn man wollte, unschwer durch Zahlung in Aktien der Gesellschaft zu machen wäre), so wäre kein Kapital für die Lohnzahlung erforderlich. Erst dann, wenn die Unternehmer wünschen, Kapital in der Gestalt eines Tunnels anzuhäufen, brauchen sie Kapital. Um zu unserem ersten Bei spiel zurückzukehren: der Makler, dem ich mein Silber verkaufe, kann sein Geschäft nicht ohne Kapital betreiben. Aber er braucht dies Kapital nicht, weil er mir einen Kapitalvorschuß machte, wenn er mein Silber empfängt und mir Gold dagegen aushändigt, er braucht es, weil die Natur seines Geschäfts es nötig macht, einen gewissen disponiblen Kapitalbestand zu halten, damit, wenn ein Kmrde kommt, er den von demselben gewünschten Austausch machen kann. Und so werden wir es in jedem Produktionszweige finden. Kapital braucht nie für die Lohnzahlung bereit gestellt zu werden, wenn die Erzeugnisse der Arbeit, wofür der Lohn gezahlt wird, umgesetzt werden, so bald sie produziert sind; es wird erst dann gebraucht, wenn diese Er zeugnisse aufgespeichert, oder, was für den einzelnen auf das gleiche hinausläuft, in den allgemeinen Kurs der Umsätze gestellt werden, ohne daß sogleich darauf gezogen, d. h. auf Kredit verkauft wird. Aber das auf diese Weise erforderliche Kapital ist nicht für die Lohnzahlung, noch für Vorschüsse an die Arbeiter nötig, denn es ist stets in dem Pro dukte der Arbeit vorhanden. Lin Produzent braucht nie als Arbeit geber Kapital; wenn er Kapital braucht, so ist es, weil er nicht bloß