72 Arbeitslohn und Kapital. Buch I. Die frühere Untersuchung hat die Antwort klar gemacht. Das Kapital besteht, wie wir gesehen haben, aus Gütern, die zur Beschaffung von mehr Gütern benutzt werden, zum Unterschied von Gütern, die zur direkten Bedürfnisbefriedigung benutzt werden, oder, wie es meines Erachtens definiert werden kann, aus Gütern, die im Austausch be griffen sind. Das Kapital erhöht daher die Macht der Arbeit, Güter hervor zubringen: j. indem es die Arbeit in den Stand setzt, sich auf wirksamere Weise zu betätigen, wie z. B. durch Ausgrabung der Muschel mit einem Spaten anstatt mit der bsand, oder durch Fortbewegung eines Schiffes durch die Dampfkraft anstatt des Ruders; 2. indem es die Arbeit in den Stand setzt, sich die reproduktiven Kräfte der Natur zunutze zu machen, wie z. B. das Getreide durch Säen und Tiere durch Züchtung zu erhalten; z. indem es die Teilung der Arbeit gestattet, und so einerseits die Wirk samkeit des menschlichen Produktionsfaktors durch Nutzbarmachung spezieller Fähigkeiten, Erwerbung von Geschicklichkeit und Verringerung der Vergeudung erhöht, andererseits die Kräfte des Naturfaktors dadurch aufs äußerste auszunützen gestattet, daß man die Verschiedenheiten von Boden, Klima und Lage so vorteilhaft benutzt, daß man jede besondere Art von Gütern da gewinnt, wo die Natur für ihre Erzeugung am günstigsten ist. Das Kapital liefert nicht die Rohstoffe, welche die Arbeit zu Gütern macht, wie irrtümlich gelehrt wird; die Rohstoffe der Güter werden von der Natur geliefert. Aber die teilweise verarbeiteten und im Aus tausch begriffenen Rohstoffe sind Kapital. Das Kapital liefert nicht den Lohn und schießt ihn nicht vor, wie irrtümlich gelehrt wird. Der Lohn ist der Teil des Arbeitsproduktes, den der Arbeiter erhält. Das Kapital unterhält nicht die Arbeiter während des Fortganges ihrer Arbeit, wie irrtümlich gelehrt wird. Die Arbeiter werden durch ihre Arbeit erhalten, und der Mann, der ganz oder teilweise etwas pro duziert, was für Unterhaltsmittel ausgetauscht werden kann, produziert virtuell diese Unterhaltsmittel selbst. Das Kapital beschränkt deshalb den Gewerbfleiß nicht, wie irr tümlich gelehrt wird, sondern die einzige Schranke des Gewerbfleißes ist der Zugang zu den Stoffen der Natur. Aber das Kapital kann die Form und die Ergiebigkeit des Gewerbfleißes beschränken, indem es die Anwendung von Werkzeugen und die Teilung der Arbeit beschränkt. Daß das Kapital die Form des Gewerbfleißes beschränken kann, ist klar. Ohne die Fabrik könnte es keine Fabrikarbeiter geben, ohne die Nähmaschine kein Maschinennähen, ohne Pflug keinen Pflüger, und ohne große bsandelskapitalien könnte der Gewerbfleiß nicht die vielen Spezialformen annehmen, die sich mit dem Handel beschäftigen. Ebenso klar ist es, daß der Mangel an Werkzeugen die Ergiebigkeit des Gewerb fleißes aufs äußerste beschränken muß. Wenn der Landmann den