Kap. V. Die wahren Funktionen des Kapitals. 75 von Kapital verhindern. Sie sind es, nicht der Kapitalmangel, welche tatsächlich die Schranke bilden. Dem Bewohner des Feuerlandes eine Kreissäge, dem Beduinen eine Lokomotive oder dem Indianerweibe eine Nähmaschine zu geben, würde die Ergiebigkeit ihrer Arbeit nicht vermehren. Auch erscheint es überhaupt unmöglich, durch irgendetwas ihr Kapital zu vermehren; denn alle Güter, die über den bei ihnen her kömmlichen Kapitalaufwand hinausgehen, würde man konsumieren oder verderben lassen. Nicht der Mangel an Saatkorn und Werkzeugen hält die Apachen und die Sioux ab, den Boden zu bebauen, wenn man sie mit Saatkorn und Werkzeugen versorgte, so würden sie diese nicht produktiv verwenden, falls man sie nicht gleichzeitig am Umherstreifen hinderte und die Bebauung des Bodens lehrte, wenn ihnen in ihrer gegenwärtigen Lage das ganze Kapital einer Stadt wie London gegeben würde, so hörte es einfach auf Kapital zu sein, denn sie würden nur den unendlich kleinen Teil, der für die Jagd verwendbar wäre, produktiv verwenden und auch diesen erst nachdem der ganze eßbare Teil der über sie ausgeschütteten Vorräte verzehrt worden wäre. Trotzdem wissen sie sich solches Kapital, wie sie es brauchen, zu verschaffen, und in einigen Gestalten selbst mit den größten Schwierigkeiten. Diese wilden Stämme jagen und kämpfen mit den besten Waffen, welche amerikanische und englische Fabriken erzeugen und halten mit den neuesten Verbesserungen Schritt. Erft nachdem sie zivilisiert sind, werden sie wert auf das andere Kapital legen, das der zivilisierte Zustand erfordert, und erst dann wird dasselbe ihnen von Nutzen sein. Unter der Regierung Georgs IV. nahmen einige heimkehrende Missionäre einen neuseeländischen Häuptling, namens Hongi mit nach England. Seine edle Erscheinung und schöne Tätowierung zogen viel Aufmerksamkeit auf sich, und als er zu seinem Volke zurückkehrte, wurde er vom Monarchen und einigen der religiösen Gesellschaften mit einem beträchtlichen Vorrat von Werkzeugen, Ackerbaugeräten und Saaten beschenkt. Der dankbare Neuseeländer verwendete dies Kapital zwar zur Produktion von Nahrungsmitteln, aber in einer weise, wie es sich seine englischen Gönner wohl kaum träumen ließen. Auf der Rückreise tauschte er in S'tzdne'tz alles gegen Waffen und Munition um, mit welchen er, zu Hause angekommen, einen anderen Stamm mit Krieg überzog und zwar mit solchem Erfolge, daß auf dem ersten Schlachtfelde drei hundert seiner Gefangenen gebraten und gefressen wurden, nachdem Hongi das Hauptmahl damit eingeleitet hatte, daß er seinem tödlich verwundeten Gegner, dem feindlichen Häuptlinge, die Augen aus- stach, sie verschluckte und sein warmes Blut trank*). Jetzt aber, wo ihre vormals beständigen Kriege aufgehört, und die Überbleibsel der Maoris viele europäische Gewohnheiten angenommen haben, gibt es nicht *) New-Zealand and its Inhabitants. Rev. Richard Taylor, London 1855, Kap. XXI.