76 Arbeitslohn und Kapital. Buch I. wenige unter ihnen, welche erhebliche Beträge von Kapital besitzen und verwenden. Gleicherweise würde es ein Irrtum sein, die einfachen Methoden der Produktion und des Tausches, zu welchen man in neuen Ländern greift, bloß einem Mangel an Kapital zuzuschreiben. Diese wenig Kapital erfordernden Methoden sind an sich roh und wenig wirksam, aber in Anbetracht der Verhältnisse solcher Länder werden sie sich in der Tat als die wirksamsten herausstellen. Line mit allen neuesten Ver besserungen ausgestattete Fabrik ist das wirksamste Instrument, das bis jetzt ersonnen worden ist, um lVolle oder Baumwolle in Tuch umzu wandeln, aber nur da, wo große Mengen davon gemacht werden. Das für ein kleines Dorf nötige Tuch kann mit weit wenigerArheit durch Spinn rad und Bandstuhl hergestellt werden. Eine Schnellpresse macht auf jeden dabei beschäftigten Mann viele tausend Abdrücke, während aus eine Stanhope- oder Franklin-Presse ein Mann mit seinem Burschen nur etwa hundert zu drucken imstande ist; aber für die kleine Auflage des Landstadt-Blättchens ist die altmodische Presse bei weitem die wirk samste. Um hin oder wieder zwei oder drei Passagiere zu fahren, jist der Kahn ein dienlicheres Fahrzeug als das Damxfboot; einige Sack Korn können mit weniger Aufwand von Arbeit durch ein Maultier transportiert werden als durch einen Lisenbahnzug; ein großes Waren lager in einem Kreuzwegladen der Hinterwäldler zu errichten, wäre nur weggeworfenes Geld. Und im allgemeinen wird man finden, daß die unter den weitläufigen Bevölkerungen neuer Länder üblichen rohen Vorrichtungen für Produktion und Austausch nicht so sehr von dem Mangel an Kapital herrühren als von der Unfähigkeit, dasselbe vorteil haft zu verwenden. Ebenso wie man in einen Eimer nie mehr Wasser gießen kann, als einen Eimer voll, ebenso wird nie ein größerer Betrag von Gütern als Kapital benutzt werden, als unter allen obwaltenden Umständen —> Intelligenz, Gewohnheit, Sicherheit, Dichtigkeit der Bevölkerung — dem Volke dient. Und ich bin geneigt zu glauben, daß in der Regel dieser Betrag vorhanden ist —> daß der soziale Organismus den not wendigen Kapitalbetrag, sozusagen, absondert, gerade wie der mensch liche Organismus in gesundem Zustande die erforderliche Menge von Fett absondert. Ob nun aber der Kapitalbetrag je die Ergiebigkeit des Gewerb- fleißes beschränkt und so ein Maximum festsetzt, welches der Arbeits lohn nicht überschreiten kann, es ist augenscheinlich, daß die Armut der Massen in den zivilisierten Ländern nicht von der Knappheit des Kapitals herrührt. Denn der Arbeitslohn erreicht nicht nur nirgends die durch die Ergiebigkeit des Gewerbfleißes gezogene Grenze, sondern der Lohn ist auch relativ am niedrigsten, wo am meisten Kapital vorhanden ist. Die Werkzeuge und Maschinen der Produktion sind in den vorgeschrittensten Ländern offenbar der von ihnen gemachten