Kap. I. Die Malthussche Theorie, ihr Ursprung und ihre Stütze. 83 der Godwins, der Anklagen der Lobbetts und aller der Pfeile, die von Gründen, von Spott, ksohn und Gefühl auf sie abgeschossen werden konnten, steht sie heute in der Gedankenwelt als eine anerkannte Wahr heit da, welche die Anerkennung selbst derjenigen erzwingt, die gerne nicht daran glauben rnöchten. Die Ursachen ihres Triumphes, die «Duellen ihrer Stärke sind klar genug. Anscheinend durch eine unwiderlegliche, auf Zahlen gegründete Wahrheit gestützt, nämlich: daß eine fortwährend zunehmende Bevölke rung schließlich über die Fähigkeit der Erde, Nahrung oder nur einen Platz zum Stehen zu liefern, hinauswachsen müßte, wird die Malthussche Theorie durch Analogien im Tier- und Pflanzenreich bestätigt, wo das Leben allenthalben verheerend gegen die Schranken stößt, welche die verschiedenen Pflanzen- und Tierarten im Zaum halten — Analogien, welchen der moderne Zdeengang, indem er die Unterscheidungen zwischen den verschiedenen Lebensformen verwischte, immer größeres Gewicht verlieh; und sie wird anscheinend durch viele offenbare Tatsachen ge kräftigt, wie das Vorherrschen der Armut, des Lasters und des Elends unter dichten Bevölkerungen; die allgemeine Wirkung des materiellen Fortschritts auf Zunahme der Bevölkerung ohne Verminderung des Pauperismus; die schnelle Vermehrung der Menschen in neu besiedelten Ländern und die augenscheinliche Verhinderung der Zunahme in dichter bevölkerten Ländern durch die Sterblichkeit unter der zum Mangel verurteilten Ulasse. Die Malthussche Theorie liefert einen allgemeinen Grundsatz, der diese und ähnliche Tatsachen erklärt und sie in einer weise erklärt, welche mit der Lehre, daß der Arbeitslohn aus dem Kapital genommen wird, sowie mit allen den Grundsätzen übereinstimmt, welche davon abgeleitet sind. Nach der herrschenden Lehre vom Lohn sinken die Löhne, sobald eine Vermehrung der Arbeiterzahl eine weitere Teilung des Kapitals erheischt; nach der Malthusschen Theorie erscheint die Armut, sobald eine Zunahme der Bevölkerung die weitere Teilung der Unter haltsmittel erfordert. Ls bedarf nur der Gleichsetzung von Kapital und Unterhaltsmitteln, sowie von Arbeiterzahl und Bevölkerung, einer Gleich setzung, die in den hergebrachten Lehrbüchern der Nationalökonomie, wo die fraglichen Ausdrücke oft miteinander vertauscht werden, gang und gäbe ist, um die beiden Sätze formell so übereinstimmend zu machen, wie sie es dem Wesen nach sind*). Und daher kommt es, daß, wie Buckle in dem vorhin angeführten Satze sagt, die von Malthus aufgestellte Bevölkerungstheorie die von Smith entwickelte Lohntheorie in ent scheidender weise zu erhärten scheint. Ricardo, der einige Jahre nach der Veröffentlichung des „Ver- *) Die Wirkung der Malthusschen Lehre auf die Definitionen des Kapitals läßt sich meines Erachtens daraus ersehen, daß man die Definition Smiths, der vor Malthus schrieb, mit denen Ricardos, McLullochs und Mills vergleicht, die später schrieben.