Aap. II. Die Fortdauer der Armut inmitten des Reichtums. 2(5 wählte. Denn jene Klassen, die inmitten des Reichtums zum Mangel verdammt sind, leiden alle die Entbehrungen des wilden, ohne sein Gefühl persönlicher Freiheit zu haben; sie sind zu größerer Beschränktheit ­ und Niedrigkeit verurteilt als er, ohne seine rohen Tugenden entwickeln ­ zu können; wenn ihr Horizont weiter ist, so dient dies nur dazu, ihnen Glück zu enthüllen, das sie nicht genießen können. Manchem mag dies übertrieben scheinen, aber nur darum, weil er nie selbst die wahre Lage jener Klassen, auf die der eiserne Absatz der modernen Zivilisation mit voller Macht drückt, kennen gelernt hat. wie de Tocqueville in einem seiner Briefe an Madame Swetchine bemerkt: „man gewöhnt sich so schnell an den Gedanken des Elends, das man nicht fühlt, daß ein Übel, welches für den Betroffenen größer wird, je länger es dauert, für den bloßen Beobachter dagegen eben durch die Tatsache seiner Dauer geringer erscheint", und vielleicht der beste Beweis, der Richtigkeit dieser Bemerkung ist, daß in Städten, wo es eine Armenklasse und eine Verbrecherklasse gibt, wo junge Mädchen zusammenbrechen, ­ während sie für Brot nähen, und zerlumpte und barfüßige Kinder auf den Straßen wohnen, regelmäßig Geld gesammelt wird, um Missionäre zu den Heiden zu senden! Missionäre zu den Heiden! es wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Baal streckt nicht mehr seine gierigen, scheußlichen Arme aus; aber in christlichen Ländern erschlagen ­ Mütter ihre Kinder für eine Begräbnisgebühr. Und ich fordere getrost dazu heraus, aus authentischen Berichten des Lebens der wilden solche Beispiele der Entwürdigung nachzuweisen, wie sie in offiziellen Dokumenten hochzivilisierter Länder — in Berichten von Sanitätskommissionen ­ und Untersuchungen über die Lage der arbeitenden Klassen zu finden sind. Die einfache Theorie, die ich aufgestellt habe (wenn eine bloße Zusammenstellung offenbarer Verhältnisse überhaupt Theorie genannt werden kann), erklärt diese Paarung von Armut mit Reichtum, von niedrigem Lohn mit hoher Produktionskraft, von Erniedrigung inmitten der Aufklärung, von virtueller Sklaverei bei politischer Freiheit. Sie bringt Tatsachen, die sonst rätselhaft scheinen, als Resultate eines allgemeinen ­ und unerbittlichen Gesetzes in Übereinstimmung und stellt Folge und Verbindung zwischen Erscheinungen her, die ohne sie unzusammenhängend ­ und widersprechend erscheinen. Sie erklärt, warum Zins und Lohn in neuen Ländern höher als in alten sind, obgleich sowohl die durchschnittliche, wie die Gesamtproduktion von Gütern dort geringer ist. Sie erklärt, warum Verbesserungen, die die produktive Kraft der Arbeit und des Kapitals vermehren, die Vergütung weder des einen noch des anderen erhöhen. Sie erklärt den sogenannten Konflikt zwischen Arbeit und Kapital und beweist die tatsächliche Harmonie der Interessen Zwischen ihnen. Sie schneidet den Trugschlüssen des Schutzsystems den letzten Zoll des Bodens ab und zeigt, warum der Freihandel den arbeitenden ­ Klassen keinen dauernden Vorteil bringen kann. Sie erklärt, warum