Aap. IV. Auf welche Weise die moderne Zivilisation zurückgehen kann. 389 erzeugt, die alles zerreißen und zerschmettern, sobald ein anscheinender Zufall ihnen Luft macht. Starke, vor nichts zurückschreckende Männer, die sich erheben, sobald die Gelegenheit da ist, werden die ausführenden Organe blinder Triebe des Volkes oder seiner wilden Leidenschaften werden und formen beiseite schleudern, die ihre Lebenskraft verloren haben. Das Schwert wird wieder mächtiger als die Feder fein, und im Rarnevalstaumel der Zerstörung werden rohe Gewalt und wilder Wahn sinn mit der Lethargie einer untergehenden Zivilisation abwechseln. woher sollen aber die neuen Barbaren kommen? Man gehe nur durch die schmutzigen Viertel großer Städte und man wird, selbst jetzt schon, ihre sich sammelnden ksorden sehen! wie soll aber das wissen untergehen? Die Menschen werden aufhören zu lesen, und die Bücher werden Brände anzünden und in Patronen verwandelt werden. Ls ist schrecklich daran zu denken, wie schwache Spuren von unserer Zivilisation übrig bleiben würden, wenn sie den Todeskampf durchmachen müßte, der den Untergang jeder früheren Zivilisation begleitet hat. Papier dauert nicht wie Pergament, und unsere massivsten Gebäude und Monumente sind an Festigkeit mit den aus Felsen gehauenen Tempeln und titanischen Bauwerken der alten Zivilisation nicht zu vergleichen*). Und der Lrfindungsgeist hat uns nicht nur die Dampf maschine und die Druckerpresse, sondern auch Petroleum, Nitro-Gl'fzerin und Dynamit gegeben. Allein heutzutage anzudeuten, daß unsere Zivilisation möglicher weise sinken könne, scheint ein ausschweifender Pessimismus zu sein. Die besonderen von mir hervorgehobenen Tendenzen leuchten Denken den ein, aber bei der Mehrheit der Denkenden sowohl als auch bei der großen Masse ist der Glaube an den Fortschritt noch stark und tief — ein fundamentaler Glaube, der nicht den Schatten eines Zweifels zuläßt. Aber jeder, der sich in die Sache hineindenkt, wird einsehen, daß dies überall notwendig der Fall sein muß, wo der Fortschritt allmählich in Rückgang übergeht. Denn in der sozialen Entwicklung wie in allem übrigen, strebt die Bewegung in geraden Linien zu verharren, und es ist daher, wo vorher Fortschritt stattgefunden hat, überaus schwer, einen Rückgang zu erkennen, selbst wenn derselbe tatsächlich schon be gonnen hat; es besteht eine fast unwiderstehliche Neigung, zu glauben, daß die Vorwärtsbewegung, die Fortschritt war und noch anhält, immer noch Fortschritt sei. Das Gewebe von Glauben, Gebräuchen, Gesetzen, Einrichtungen und Denkgewohnheiten, welches jedes Gemeinwesen fortwährend spinnt, und welches in dem von ihm umgebenen Individuum *) Ls ist, wie mir scheint, auch lehrreich, zu beobachten, wie unzulänglich und überaus irreführend die Vorstellung von unserer Zivilisation sein würde, die man aus den Airchen und Denkmälern unserer Zeit gewinnen könnte, und doch sind Gebäude dieser Art die einzige Quelle, aus der wir unsere Kenntnis der versunkenen Zivilisationen schöpfen können.