XXVI Begleitwort. kümmern I Er sieht sich nun einmal gezwungen, seine Sachen selber ins Reine zu bringen; der Philosophie verdankt er die Anregung dazu, aber mehr kann sie ihm nicht bieten. So darf es ihm genügen, daß er die Selbstbesinnung bis zu dieser Stelle vorzutreiben vermag; er gewinnt damit gleich von Grund aus Klarheit, wie man sich beim fachwissenschaftlichen Denken zu verhalten hat und wohinaus der Weg der Erkenntnis geht. Anspruchslose Philosophie dieser Art, nur für den Hausgebrauch eines Faches bestimmt, scheint hier durchaus am Platze. Vor dem Philosophen von Fach, der es zu seinem besonderen Fache macht, über andere Fächer nachzudenken, hat der Fachwissen schaftler doch einiges voraus. Er allein weiß, wo ihn als Forscher der Schuh drückt. Auf der anderen Seite hält ihn stets das Bewußtsein in scharfer Spannung, daß er alle Theorie der Erkenntnis durch praktische Tat des Erkennens zu verantworten hat. Das System einer rein philo sophischen Wissenschaftslehre — in diesem pragmatischen Sinne — bleibt stehen, selbst wenn es ins Blaue gebaut wäre. Der Fachwissen schaftler, wenn er von einer neuen Grundauffassung her ans Werk schreitet, setzt sich einer erbarmungslosen Kritik aus, gleich dem In genieur, dem die nach fehlerhaften Grundsätzen gebaute Brücke ein fach einstürzt. Ganz so schlimm ist es zwar bei der Fachwissenschaft nicht, besonders, wenn sie eingefahrene Geleise einhält. Hier lösen sich selbst krasse Widersprüche, eben die zwischen der überkommenen Auffassung und dem wirklichen Tun, oft in der einfachsten Weise: im Wege der glücklichen Inkonsequenzen 1 Man verkündet z. B. die „Gesetze der Volkswirtschaft“ vorzulegen; aber was man wirklich zu standebringt, ist doch nur eine Aufrollung des Allzusammenhangs ein schlägigen Sinnes, ob nun mehr oder minder gelungen. Im wohl tuenden Gegensatz dazu ist Selbstbesinnung ein Gebot der wissen schaftlichen Ehrlichkeit 1 Das Zusammenspiel der logischen Kennzeichnung im ersten, der erkenntniskritischen im zweiten Artikel, liefert immer noch nicht das volle Verständnis der sozial wissenschaftlichen Erkenntnis. Ihre Eigen art liegt damit erst im Rohguß vor. Die letzten Feinheiten arbeitet an ihr erst der Abgleich heraus zwischen Sozial- und Geschichtswissen schaft. Für beide Wissenschaften läuft das Erkennen weithin parallel, dennoch heben sie sich deutlich voneinander ab, als zwei getrennte Möglichkeiten der Erkenntnis. Der „Stoff“, den beide Wissenschaften gemein haben, ist gleichbedeutend mit einer besonderen Einstellung des erfahrenden Denkens auf die empirische Wirklichkeit. Als „Stoff“ vergegenständlicht sich je ein besonderer Weg der Erfahrung, und zwar in Gestalt dessen, was auf diesem Wege zum Erfahrbaren