8 „Der Werlgedanke“, belehrend über den Zustand unserer Wissenschaft, •— im eigentlichen Sinne gar nichts lehrt; die „Wertlehre“ als solche nämlich, als das unpersönliche Ganze. Und zwar deshalb, weil sie als dieses Ganze nur aus lauter Teilen besteht, die sich gerade inhaltlich untereinander ausschließen. Belehrung im eigentlichen Sinne könnte also unserem Neulinge nur von einer der sogenannten Werttheorien werden. Die Wahl bliebe ihm frei. Jedoch einer von ihnen müßte er zuschwören; und damit hätte er auch schon allen anderen abgeschworen! Soll er nun über diese Art, in der eine Wissenschaft seinem Erkenntnisdrang begegnet, nicht den Kopf schütteln? Vielleicht denkt er mit Bitterkeit an ein Wort, das sich nun, wider sein besseres Wollen an ihm zu verwirk lichen droht: „Am besten ist’s auch hier, wenn ihr nur Einen hört, Und auf des Meisters Worte schwört.“ Ein Zwischenwort. Welcher Fachmann würde nicht in die hellste Verlegenheit geraten, sollte er jemandem klipp und klar darüber Rede stehen, was denn eigentlich in der „Wertlehre“ gesicherter Besitzstand der Wissenschaft sei, überhoben allem Für und Wider subjektiver Anschauung! Ich darf dabei wohl die ungezwungene Voraussetzung machen, daß jener unbequeme Fragesteller von den kritischen Bedenk lichkeiten frei sei, deren ich mich für meinen Teil nicht zu entschlagen weiß. Seine Frage wird also, durchaus gemäß den Anschauungen, die in unserer Wissenschaft die herkömmlichen sind, ungefähr lauten: „Was steht über den Wert so weit fest, daß man es für den jetzigen Stand der Wissenschaft als objektiv gültig ansehen dürfte?“ Jedem Außenstehenden muß diese Frage so natürlich, so berechtigt Vorkommen, daß er von dem Fachmanne voraussetzen wird, es sei ihm ein Leichtes, darauf zu antworten. Der Fachmann selber dürfte anderer Meinung sein. Ist es nicht sehr bezeichnend, daß er sich die Antwort überhaupt erst zurechtlegen muß? Und sehr mühsam zurechtlegen! Denn erstens muß er sozusagen seiner eigenen Überzeugung Gewalt antun, wenn er jemanden „über den Wert“ — wie die Frage es fordert — aufklären soll, und dabei doch nicht seine eigene „Wert theorie“ entwickeln darf; das letztere würde ja offenbar dem Sinn der Frage zuwider sein. Zweitens aber könnte er für den Zweck der *) In der Wirklichkeit bleibt dem Jünger der Wissenschaft die Qual jener Wahl in der Regel erspart. Er fällt wohl dem ersten Lehrbuche, das er liest, oder dem ersten Kollegium, das er hört, zur Beute. Er hat sich mit der „Wertlehre“ inhaltlich längst abgefunden, ehe ihm die Möglichkeit jener Wahl recht zum Bewußtsein kommen konnte.