20 ,Der Wertgedanke", Belang. Aber man könnte nicht in voller Unbefangenheit von einer „Lehre, Doktrin, Theorie usw. des Wertes“ sprechen (dabei immer ein und dasselbe meinend), ohne nicht im stillen auf den Komplex jener vier Gedanken Berufung einzulegen. Sobald aber, wie es hier ge schieht, diese vier Gedanken in der bestimmten Absicht zur wörtlichen Aussprache kommen, um über sie zu erörtern, sobald sie also, im Dienste der Kritik, ihrer Selbstverständlichkeit entkleidet werden, dann wird jene stillschweigende Berufung natürlich hinfällig. Dann ist es auch mit der Unbefangenheit in der Verwendung jener Ausdrücke vorbei. Das ist der Grund, weshalb ich vom Standpunkte dieser Untersuchung aus immer nur von der „sogenannten Wertlehre“ sprechen darf, und ebenso nur von der „sogenannten Wertdoktrin“ usw. sprechen dürfte J ). ’) Dieser unvermeidliche Gegensatz in der Art und Weise des Sprechens wird zu einem Hinweise darauf, wie uns das Streben nach der Selbstbesinnung dieses Forschen» dazu zwingt, aus dem Rahmen der herkömmlichen Anschauung herauszutreten. Es ist damit schon geschehen, daß wir jene vier Gedanken, für die sonst nur vereinzelte Worte einstehen, zur eigentlichen Aussprache gebracht haben. Es wird in verstärktem Maße geschehen, indem wir nunmehr an die Erörterung jener Gedanken schreiten. Unsere Untersuchung bewegt sich von da an gleichsam in den Souterrains des herkömmlichen Denkens. Wenn aber im Geiste einer Anschauung, die für eine ganze Wissenschaft als die herkömmliche gelten darf, gewisse Dinge als selbstverständlich betrachtet und behandelt werden, ist diesen Dingen gegenüber überhaupt noch eine Erörterung zulässig? Es kann einen ganz verschiedenen Grund haben, weshalb wir von irgend etwas dafürhalten, daß es sich von selbst verstünde. Entweder haben wir darüber ein für allemal ausgedacht, oder wir haben es bisher unterlassen, darüber zu denken. Das will etwas ganz Verschiedenes besagen, und läuft in der Wirkung doch auf ein und dasselbe hinaus. Denn in beiden Fällen bleibt das Betreffende außer jeglicher Erörterung; wir denken mit ihm, ohne doch über es zu denken. Dort könnten wir von einem festen Niederschlag des Evidenten sprechen, den das eigentliche, das bewegliche, flüssige Denken ausgeschieden hat; hier aber von einem festen Bodensätze des unbesehen Hingenommenen, von dem wir nicht wissen, ob er wirklich unlösbar sei, oderseiner Auflösung in dem eigentlichen Denken bisher nur entgangen ist. Nichts aber als ein solcher Bodensatz von unbesehen Hingenommenem ist nun auf gerührt, indem jene vier Gedanken zu ihrer Aussprache gekommen sind. Denn über sie ist eben keineswegs ein für allemal ausgedacht, es ist bisher nur unterlassen worden, über sie zu denken. Da müßte es sich erst zeigen, ob dieser Bodensatz, gleich einem ausgeschiedenen Niederschlag, als etwas fernerhin Unlösliches von dem eigentlichen, dem flüssigen Denken sich scheidet. Das will sagen, ob wir in jenen Gedanken letzten Wahr heiten gegenüberstehen, die nicht bloß alle Erörterung überflüssig machen, die erst gar keine Erörterung mehr zulassen — ob es sich also bei ihnen um Dinge handelt, die wir für wahr halten müßten, um überhaupt denken zu können. In Wahrheit ist es aber ganz anders um jene vier Gedanken bestellt. Geschweige, daß sie jede weitere Erörterung ausschließen, werden sie sich einer solchen dringend bedürftig zeigen.