Abschnitt IV. 45 Man könnte ferner leicht der Meinung verfallen, daß sich die Kritische Wertfrage ihrem Sinne nach auf die Frage vereinfachen ließe: „Ist der Wert?“ Aber auch bei dieser Frage bleibt doch das jenige, worauf sich die Kritische Wertfrage richtet, ganz außer Zweifel: Das Dasein eines Gegenstandes, wie er dem Wertgedanken gemäß zu denken wärel Diese weitere Frage zielt vielmehr nur ungefähr dahin ab, ob der unter „Wert“ — unentwegt als der Eine — zu erledigende Gegenstand sich bei seiner durchgeführtenErledigung als etwas Tatsächliches, oder etwa bloß als etwas Gedachtes herausstellt. Auch der Antwort auf diese, gleichwie jener auf die Naive Wertfrage, muß daher schon ein Erledigen des im Sinne des Wertgedankens zu denkenden Gegenstandes vorausgehen. Derart sind beide Fragen die ich der Kritischen Wertfrage zur Erläuterung entgegenstelle an die Wahrheit der Behauptung im Wertgedanken für ihren Aufwurf gebunden, sind beide also von der Antwort auf die Kritische Wert frage abhängig, bei welcher allein diese Behauptung selber zu einer Frage umgestürzt erscheint. Die Beantwortung der Kritischen Wertfrage ist eben so weit davon entfernt, ein Erledigen jenes — im Sinne des Wertgedankens zu denkenden — Gegenstandes in sich zu schließen oder gar vorauszu- sie in einer „unkritischen Voraussetzung aufgeworfen“ sei. (S. „Ursprung und Haupt gesetze des w. W.“, S. 52.) Allein er bezieht sich dabei nur auf den tatsächlichen Um- sland,^daß man die Frage „Was ist der Wert?“ von der Frage „Was bedeutet das Wort er nicht gehörig zu trennen weiß. Die „unkritische Voraussetzung“ sieht v. Wies er UI ' Tn ^' dem Glauben vorhanden, die Frage „Was ist der Wert?“ ohne weiteres auf- erfen zu können, während er es kritischem Vorgehen gemäß findet, zuerst die Zwei- g eit zu beheben, die von jenem tatsächlichen Umstand der häufigen Vermengung jener beiden Fragen her droht. Wenn hier nun die Frage „Was ist der Wert?“ die Naive Wertfrage genannt wird, ^^ om mt damit allerdings zum Ausdruck, daß etwas Unkritisches dieser Frage anhaftet, er keineswegs die „unkritische Voraussetzung“ im Sinne v. Wiesers. Denn eine der Frage „Was ist der Wert?“ mit der Frage „Was bedeutet das Wort ert? kann im obigen Zusammenhänge schon deshalb nicht eintreten, weil ich die erstere, die Naive Wertfrage ausdrücklich mit der Betonung zur Sprache bringe, daß ihr der Wertgedanke als eine stille Voraussetzung unterliege, was doch bei der Frage „Was bedeutet das Wort Wert?“ offenbar nicht der Fall ist. Das Unkritische der deshalb von uns so genannten Naiven Wertfrage beruht eben gerade in der unkritischen Duldung, in dem unkritischen Nichtwissen der stillen Voraus setzung, welche dieser Frage unterliegt, des Wertgedankens nämlich. Diese Einsicht aber mußte v. Wies er naturgemäß ebenso verborgen bleiben, wie jedem anderen Theoretiker, der im Geiste der herkömmlichen Anschauung für die Wertforschung tätig wird.