46 ,Der Wertgedanke“, setzen, daß es sich vielmehr erst durch die Antwort auf die Kritische Wertfrage entscheiden soll, ob in diesem Sinne überhaupt etwas zu erledigen seil Die Tragweite der Kritischen Wertfrage wird richtig ermessen, sobald man sich vorhält, daß mit ihr die Gültigkeit des Wertgedankens ­ in Frage gestellt ist. An dieser Gültigkeit hängt aber doch sehr viel! Der Wertgedanke ließ sich als eine unbewußte Grundlage ­ des Denkens nachweisen, das für unsere Wissenschaft als das herkömmliche ­ gelten darf. Die Gültigkeit dieses Gedankens in Zweifel setzen, heißt eigentlich die ganze nationalökonomische Forschung in Mitleidenschaft ziehen. Nach dieser Hinsicht kann man sich die Tragweite ­ jener Frage im Hinblicke auf den Umstand vergegenwärtigen, daß es sich mit ihr entscheiden muß, zunächst, ob in unserer Wissenschaft ­ die Naive Wertfrage („Was ist der Wert?“) ihren zugleich alltäglichen ­ und brennenden Charakter beibehalten darf. Weiters, ob man auch fernerhin, wie es bisher mit naiver Unbefangenheit geschieht, die Namen „Wertlehre“, „Wertdoktrin“ usw. aber auch Ausdrücke wie „Wertproblem“, „Dogmengeschichte des Wertes“ u. a. m. buchstäblich ­ nehmen kann. Vor allem aber, ob es ganz im allgemeinen angeht, ­ mit jener Unbefangenheit von „dem Werte“ zu sprechen, wie es in den verschiedensten Zusammenhängen und bei unzähligen Gelegenheiten ­ bisher getan wird. Denn in allen diesen Fällen muß man sich den Wertgedanken als eine stillschweigende Voraussetzung unterliegen denken, wird also die Behauptung im Wertgedanken unbewußt als wahr behandelt. Alle diese Vorkommnisse gewinnen daher einen fraglichen Charakter, sobald einmal jene Behauptung zur Kritischen Wertfrage umgestürzt erscheint; und von der letzteren Antwort muß es offenbar abhängen, ob die herkömmliche Denk- und Sprechweise, soweit jene Vorkommnisse ­ in Betracht fallen, zu berichtigen oder zu bestätigen sei. Dahinaus könnte unser Beginnen von einer merkwürdig einschneidenden ­ Wirkung sein. Denn es ist zweifellos eine höchst befremdende ­ Vorstellung, daß sich die Wissenschaft der Nationalökonomie genötigt sehen könnte, ihr bisheriges Verhalten zu einem ihrer vielgebrauchtesten ­ Ausdrücke von Grund aus ändern zu müssen. Noch dazu, wenn sie hinter diesem Ausdrucke etwas zu vermuten gewohnt ­ ist, was einmal schon geradezu als der „Eckstein“ ihres theoretischen ­ Gebäudes gerühmt worden und was nie aufgehört hat, dieser Wissenschaft gegenüber die Rolle der „Großen Unbekannten“ zu spielen. Und nun — denn im Grundsätze erscheint ja nunmehr auch dies möglich — der Gedanke an eine Nationalökonomie, die nicht etwa