Abschnitt V. 55 Im Grunde genommen renne ich mit dieser Feststellung nur offene Türen ein. Sie wird niemand überraschend kommen. Wir stehen da einfach vor jenem längstbekannten, vielbeklagten „Chaos“, vor jener Zerfahrenheit der „Wertlehre“, mit der man sich nun einmal abge funden hat. Die Sache selber ist eine alte und längstbekannte; aber sie muß uns hier in einer neuen Beleuchtung erscheinen. Wir werden hier auf einen bedenklichen Zwiespalt aufmerksam, in welchen die tatsächlichen Verhältnisse in der „Wertlehre“ zu der überkommenen Anschauung geraten, die im Wertgedanken ihren prägnanten Ausdruck findet. So weit nämlich ein erster Überblick ein Urteil darüber zuläßt, scheinen diese Antworten auf die Frage „Was ist der Wert?“ ganz und gar nicht darauf hinzudeuten, daß es sich bei ihnen um die subjektiven Erledigungen von einem und demselben zu Erledigenden handelt. Es bedarf da sofort einer Erklärung, weshalb man nicht schon längst über diese Dinge stutzig geworden ist. Diese Erklärung ist aber leicht zu geben. Um nämlich den Widerspruch herauszufühlen zwischen den Verhältnissen der „Wertlehre“, die im Geiste der her kömmlichen Anschauung erstanden ist, und dieser Anschauung selber, dazu bedarf es einer Selbsterkenntnis der letzteren, die ihr bisher eben unbestreitbar gefehlt hat. Solange der Wertgedanke die verborgene Grundlage der herkömmlichen Anschauung bleibt, solange er gleichsam das Denken beherrscht, ohne selber von ihm beherrscht zu werden, solange vermag er ebensowenig kritische Bedenken auszulösen, als er selber kritischen Zweifeln erreichbar ist. Da war es erst nötig, den Wertgedanken bewußt zur Annahme zu setzen, um daraufhin bei der Betrachtung der „Wertlehre“ jenen Widerspruch herausfühlen zu können. Zum Überfluß ist der Wertgedanke gerade auf seine stille Geltung hin dazu angetan, alle kritischen Bedenken über die Wirrnis in der „Wertlehre“ im Keime zu ersticken. Wer nämlich unter der Herrschaft der herkömmlichen Anschauung steht, wer also im Ein klänge mit dem Wertgedanken denkt, ohne sich darüber Rechenschaft ablegen zu können, der muß sich dadurch schon einem Singularobjekte , Wert“ gegenübersehen, das er — nach seiner subjektiven Ansicht — entweder schon durch eine der vor handenen „Werttheorien“ für erledigt hält, oder erst durch eine eigene „Werttheorie“ zu erledigen sucht. Er sieht also nicht bloß ein unter „Wert“ zu Erledigendes vorhanden, das er für alle gemeinsam wähnt, es gibt ihm auch die angeeignete oder eigene „Werttheorie“ ein Ur