124 „Die Herrschaft des Wortes“, schon deshalb keine echte mehr sein kann, weil dabei nunmehr ein Widerspruch gegen das nationalökonomische Herkommen unterläuft. Derlei passive Auflehnung gegen das „Herrschen“ dieser Worte, um auch dies vorgreifend zu berühren, bleibt auf halbem Wege stecken, so gut und richtig sie gemeint ist. • Gegen jene Vorstellung, von der man trotzdem notwendig aus gehen muß, lehnt sich noch etwas anderes auf. Es widerspräche zwar unseren herkömmlichen Anschauungen selber, anzunehmen, daß die Nationalökonomie gleich mit einer richtigen Aufzählung jener Worte ins Dasein getreten wäre. Das schlösse gerade vom Boden des Her kömmlichen aus in sich, daß eine Wissenschaft mit der Erkenntnis ihrer „Grundbegriffe“ ins Dasein treten würde; eine durchaus unwirk liche Vorstellung. Es legt sich jedoch um anderer Umstände wegen gefühlsmäßig nahe, daß alles nationalökonomische Denken von Haus aus in einem wesentlichen Sinne mit jenen Worten zu schaffen hatte; in dem Sinne, daß es gleichsam als ein Denken aus diesen Worten heraus geboren wurde; als ein Denken nämlich über „die Wirtschaft“, „den Wert“, „die Güter“ und so fort. Für dieses Vorurteil lassen sich zwei Wurzeln vorweisen. Die Nationalökonomie mag wie immer emporgewachsen sein, zum rechten Bewußtsein ihrer selbst ist sie, gleich jeder anderen Wissenschaft, erst dadurch gelangt, daß man zwischen vielerlei Erkenntnissen genug Einheit wahrnahm, um sie zu einem gegliederten Aufbau, zu einem „Systeme“ zu vereinen. Es liegt aber nahe, daß bei aller „Systemati sierung“ der Wissenschaft die Worte, an denen man herkömmlich die „Grundbegriffe“ aufzählt, irgendwie zum Anhalt wurden. In der Tat, wo immer die nationalökonomischen Erkenntnisse in Reih und Glied zu bringen waren, fiel den Eingeborenen Fachausdrücken dabei die Rolle der Flügelmänner zu; ihnen selber, oder doch Worten, die sich für ihr eigenes Verhältnis zu unserem Denken auf jenes von einzelnen dieser Ausdrücke berufen — man denke zum Beispiel an „Produktion, Konsumtion, Verteilung der Güter“ und ähnliches. So haftet unserem Denken die Neigung an, nach jenen Flügelmännern auszublicken; un willkürlich suchen wir jede gegebene nationalökonomische Erörterung mittelbar oder unmittelbar mit einem der Eingeborenen Fachausdrücke in Beziehung zu bringen. In solcher Weise erstehen unserem Denken für den überschauenden Blick die verschiedenen „Lehren“: „Lehre von der Wirtschaft“, „Lehre vom Werte“, „Lehre vom Einkommen“ und so fort. Das sind übrigens „Lehren“ im weiteren Sinne; sie haben nur mittelbar mit jenen „Lehren“ im engeren Sinne zu schaffen, die sich damit ergeben, daß sich die Eingeborenen Fach