Ausblicke, IX. 29I ein persönlicher vorhanden, aber als der oberpersönliche. Statt auf die ursprünglichsten, berufen sich diese Zustände und Entwick lungen stets auf bestimmte in sich ruhende Einheiten des Handelns; auf jene, die mehr oder minder unmittelbar als ihre Träger erscheinen. In dieser Art tritt hier überall das Zuständliche Gebilde in den Vordergrund, wird seine schildernde Auflösung zum Rückgrat dieser Wissenschaft! Hier wird das Geschehen aufs Korn genommen, das innerhalb dieser Gebilde wirbelt, nicht das Geschehen, das für unser Denken diesen Gebilden ausfließt; wenigstens nicht im eigentlichen Sinne. Dieses oberpersönliche Handeln kommt selber nur als ein zu- ständliches in Betracht. Es hängt dies mit dem Ineinander jener Ge bilde zusammen. Sie schachteln sich nicht einfach ein, sie gliedern sich ein. Dabei steuert unter anderem auch das oberpersönliche Handeln, das dem eingeschlossenen Gebilde ausfließt, zu dem ganzen Geschehen bei, das im Rahmen des umschließenden Gebildes „geronnen erscheint. Den „Ereignissen“ der Geschichte entsprechen hier also die „Gebilde“, wie sie in zeitlich-örtlicher Bestimmtheit „fortbestehen ; wobei immerzu mit dem Versagen der inneren Bedingnis eine Auflösung, mit dem Eintritt solcher Bedingnis eine Neubildung vor sich geht. Zugleich hört niemals der umgliedernde Wandel dieser Gebilde auf, weder in ihrem eigenen Gefüge, noch in der Art, wie sie einander eingefügt sind. Wenn es nicht selber Oberpersonen sind, so vegetieren sie doch inmitten solcher, im Sinne der „Pflanze“. In ihrer Gesamt heit, mehr oder minder deutlich zu einem Ganzen ausgegliedert, gehen sie neben dem Zeitenlauf einher, als das Menschheitsleben. Nie darf man eben vergessen, daß auch diesem Vorwurf der schildernden Wissenschaft das Gleiche unterliegt, wie dem Vorwurf der Historie, also der Geschichte. Von dem wunderbaren Gewebe, das vom Web stuhl der Zeit unablässig in die Vergangenheit gleitet, faßt die schildernde Wissenschaft den massigen Grund ins Auge, wie er nach Kette und Einschuß gewoben ist: als Zustände und Entwicklungen. Die Historie aber verfolgt das fortlaufende Muster, das zeitflüssige Gewebe der Ereignisse; das sich nur für unser geistiges Auge abzuheben scheint vom „Grunde“, mit dem es ja in Einem gewirkt ist, als „der Gottheit lebendiges Kleid“ I So bilden auch bei der schildernden Wissenschaft lauter Sonder begriffe das Mark. Zum lebendigen Wissensschatz gehört da z. B. der Sonderbegriff „Straßburger Tücher- und Weberzunft“. Hier tritt keine Definition in die Mitte; der Schwerpunkt liegt notwendig bei der schildernden Auflösung nach Zustand und Entwicklung. Anders wieder der Artbegriff „Zunft“. Dieser bedeutet nicht mehr lebendiges Wissen,