Ausblicke, XVI. 331 ist ja der Segen alles Forschens, daß dabei stets was herauskommt, wie einseitig und verbohrt immer man das Gegebene aufsuchen, dem Erlebten nachleben will; im Gegensatz zu dem Drechseln bloßer „Systeme“, dem Froschmäusekrieg der wortverhetzten „Theorien . Eine theoretische Umformung, die an das Menschheitsleben gemahnt, steht hinter dem Worte „Gesellschaft“ eher noch dort, wo es ausgesprochen als Schlüsselwort den übrigen: „Recht“, „Kunst , „Sitte“ usf., gegenüber gehalten wird. Ähnliches gilt auch für das Wort „Volkswirtschaft“. Aber es gilt da und dort nur in höchst bedingtem Sinne; mit der einzigen Ausnahme, sobald der national ökonomische Forscher das Wort „Volkswirtschaft“ in den Mund nimmt; und dies aus noch zu erklärenden Gründen. Sonst steht hinter diesen Worten selbst in den Augenblicken ihrer Schlüsselgewalt nur der Schatten, die Ahnung theoretischer Umformungen, die unserem Denken ja nicht in den Schoß fallen. Die Verwendung ist gut gemeint, aber der Sinn ist zu schwach. Wird nun gar schlechthin vom „Volkswirtschaftlichen“ gesprochen, oder wird etwas „volkswirtschaft licher Bedeutung“ gewürdigt, oder vom „volkswirtschaftlichen Stand punkte“ geurteilt, dann liegt die Sache erst recht anders. Nur vor der Grammatik bezieht sich derlei Wendung auf das Wort „Volks wirtschaft“, in seinem ernsten theoretischen Sinne. Tatsächlich liegt dieser Bezug gar nicht vor. Solche Wendungen münzen es geradeaus auf einen Sachverhalt, der leicht aufzudecken ist. Es liegt auch dem harmlosen Denken nahe, auf die gewisse „Kette“ zu stoßen, mit der sich z. B. selbst der Kaffeepreis von Tripstril an die Ernte in Ceylon geschmiedet sieht. Ebenso liegen auch die gewissen „Zweckreihen“ furchtbar nahe, die z. B. Bergwerk, Hüttenwerk, Walzwerk, Maschinen fabrik usw., im Gänsemarsch bedingenden Zusammenhanges erfaßbar machen. Schließlich muß es aber zur Einsicht kommen, daß es neben „Kette“ und „Reihen“, neben „Konjunktur“, „Produktions-Stamm baum“, „Arbeitsteilung“, „Arbeitsvereinigung“, und solcher Ver knüpfungen mehr, immer noch etwas anderes gibt. Natürlich ist das einfach der Allzusammenhang des Erlebten — im nüchtern erfahiungs- wissenschaftlichen, nicht im mystischen Sinnei — der sich da selbst harmlosen Gemütern aufdrängt; und dies wollen jene Wendungen stammeln. Vom „volkswirtschaftlichen Standpunkte“, das heißt einfach, mit dem Blick auf den Allzusammenhang; doch nur so weit, als er praktisch wird. Denn auch da handelt es sich mehr um alltägliche, ungeklärte Anschauungen, die bloß die rechte Witterung von etwas haben, dessen theoretische Umformung ihnen gar nicht ab sehbar ist. Gerade in dieser ahnungsvollen Unbegriffenheit, wie immer