370 ,Die Grenzen der Geschichte“, Ergebnis der Deutung so radikal zu ändern vermag, daß der Inter pretation ein so unbegrenzter Spielraum gewährt ist, das erscheint eben nur deshalb möglich, weil hier nicht schlechthin ein Wandel in der Interpretation, sondern ein Wechsel in der Inter polation vorgegangen ist, weil hier das Geschehen ein von der Er kenntnis gestalteter Einschübling ist, der Form nach also ein Konstruktionsbehelf. Noch in einer zweiten Hinsicht zeichnet sich die Historie vor der Metahistorie aus. Sie erschließt das Geschehen in solcher Art und Weise, daß es von Haus aus in einem innigeren Verhältnis zu unserem erkennenden Denken steht, als dies für das metahistorische Geschehen gilt Dieses wird vom Boden der Naturgesetze, jenes vom Boden der logischen Denkgesetze aus erfaßt. Hinter den Naturgesetzen aber steht, als letzte Instanz, erst noch die Erfahrung. Nicht auch hinter den logischen Denkgesetzen, die sich selber schon die letzte Instanz sind. Dieser Unterschied gibt hier den Ausschlag, und es ist leicht gezeigt, wie er es tut. Alle Erfahrung, die ein Geschehen betrifft, wurzelt in dem, was um uns her vorgeht. Um die Abfolge A—B als Erfahrung hinzu nehmen, muß ein Geschehen seinen Lauf nehmen. Träger der Er fahrung ist stets das Geschehende. Hinter den Naturgesetzen steht also das Geschehende, und ein Geschehen vom Boden der Naturgesetze aus erfassen, heißt nichts anderes, als daß man das Geschehene nach der Analogie zum Geschehenden gestaltet. Dem entspricht nun auch das Verhältnis des metahistorischen Geschehens zu unserem Denken. Unsere Einsicht ei schöpft sich hier darin, daß wir die Vorgänge aus der Analogie des Geschehenen zum Geschehenden begreifen. So mögen wir in unserem Bei spiele den Verwitterungsprozeß noch so eindringlich in lauter kausale Verkettungen auflösen, für unsere Erkenntnis ist damit nichts weiter erreicht, als daß wir nun jeden Teilvorgang für sich aus der Analogie des Geschehenen zum Geschehenden begreifen. Ein weiterer Zu sammenhang im Geschehen selber offenbart sich uns nicht. Es ver bleibt bei jenem kausalen Zusammenhang nach dem Schema A—B, der stets nur das Nächste an das Nächste kettet. Die Einsicht in diesen kurzatmigen Zusammenhang aber bedeutet vom Standpunkte unseres erkennenden Denkens aus immer nur ein Begreifen aus der Analogie. Dafür, daß es so und so geschehen ist, berufen wir uns einfach darauf, daß es aller Erfahrung nach immer so ge schieht.