39« ,Die Grenzen der Geschichte 1 ', Gegenstück zu einer fortwährenden Wiedergeburt und einem dauernden Wiedererlöschen der Logik im Geschehen. Die Andauer der logischen Zusammenhänge wäre bloß durch die Existenz der Gattung, durch das dauernde Nebeneinander von Exemplaren verbürgt. In der Geschichte ist dagegen das Geschehen selber in stetigem Flusse, und mit ihm sind seine logischen Zusammenhänge stetig. Man darf weder sagen, daß das historische Geschehen, als solches, unaufhörlich einer spontanen Neubildung, noch daß es einer fortwährenden Rück bildung in etwas anderes unterliegt. Es fließt seinen logischen Zu sammenhängen entlang dahin und ändert nur die Modalität seines Verlaufes. Dazu gehört der Wechsel in den Knotenpunkten der Zusammenhänge, also die Mehrung und Minderung der „Subjekte“ des Geschehens, und der Wandel in seinen Bedingungen. So ist z. B. das Hineinwachsen eines Kindes in die geschichtliche Welt eins damit, daß ein neuer Knotenpunkt des Geschehens hinzutritt, um den sich der Geschehensverlauf differenziert, und daß ein Komplex neuer Bedingungen des Geschehens in den Gesamtkreis der Bedingungen einfließt. Bildlich kann man da von einer „Verjüngung“ des Ge schehens sprechen. In der Tatsache ist kein spontanes Auftauchen historischen Geschehens, nur eine Differenzierung seines Ver laufes eingetreten; Ähnliches gilt auch vom Tode. Und dieser Wandel in der Modalität des Geschehens tritt auch gar nicht als ein allmäh licher ein, wie es der naturwissenschaftlichen Vorstellung entspräche. Denn vom Standpunkte der Geschichte gilt immer nur das starre Ent- wederoder: Entweder gilt uns das Geschehen als ein solches, das vom Boden der logischen Denkgesetze aus er faßlich ist; dann hat es am Geschehenszusammenhang der Geschichte selber teil. Oder es gilt als vom Boden der Denkgesetze nicht erfaßlich, dann bedeutet es bloß eine Verschiebung in den Bedingungen des histo rischen Geschehens. Ein Kind, z. B., ist so lange überhaupt nur ein beweglicher Komplex von Bedingungen des Geschehens, bis es durch etwas, das wir ihm attributiv als „Tat“ zusprechen, zu einem Knotenpunkt der Zusammenhänge des nachher wie vorher stetig dahinfließenden Geschehens geworden ist. Für dieses Geschehen selber wäre eben die Geburt der Logik, wie sie mit den Grenzen der Geschichte vorläge, etwas im Wesen Einmaliges, nicht aber das gattungsmäßig von Exemplar zu Exemplar sich Wiederholende. Und so hätte auch in diesem Sinne das Auftauchen des „Werkzeugtieres“ gar nicht die Bedeutung, das natur wissenschaftliche Gegenstück der Grenzen der Ge schichte zu sein.