412 ,Die Grenzen der Geschichte' seinem Ausmaß — ein gültiger, wenn er nicht an beliebige Ähnlich keiten, an oberflächliche Übereinstimmungen Anlehnung nimmt, sondern an jene besten, gültigsten Vergleichsergebnisse, die gerade im Denken der Gattungen enthalten sind. Will man also das zu interpolierende Geschehen formen, dann ist man an das Denken der Gattungen gebunden. Zur Interpolation aber wird man gezwungen, weil anders eine metahistorische Konstruktion gar nicht möglich wäre, wenn sie die Bedeutung einer zeithaften Ordnung, einer Schichtung der Seinsdinge haben soll, um die letzteren als Gewordenes erfaßlich zu machen. In so wesentlichem Sinne erscheinen also Metahistorie und Denken in Gattungen unzertrennlich. Die Metahistorie ist generischen Charakters, oder sie ist über haupt nicht. Man sieht, die beiden Verhältnisse könnten nicht harmonischer sein. Nach dem einen versteht es sich von selbst, daß die zeithafte Ordnung der räumlichen Dinge über die Klassifikation der letzteren hinaus, als ihre Perfektionierung vollzogen wird; laut dem anderen ergibt sich diese Klassifikation als das, was ein zeithaftes Ordnen über haupt erst möglich macht I So vereinen sie sich zur Wider legung der Annahme, als ob der generische Charakter der Metahistorie ein metahistorisches Prinzip der Auswahl unterliegen hätte. Der Gedanke, die Dinge nicht als Individuen, sondern bloß nach ihrer Zugehörigkeit zur Gattung in Betracht zu nehmen, geht in seiner praktischen Durchführung nicht bloß der Metahistorie voraus, ist also nicht bloß unabhängig von der Einsicht, daß sich der Kausalzusammenhang nur beschränkt auf- rollen läßt, er hat auch für die ganze Metahistorie den Sinn einer conditio sine qua non. Würde es sich um ein Prinzip der Auswahl handeln, nach dem sich die Forschung zu richten hat, dann stünde es im Be lieben der Forschung, dieses Prinzip im einzelnen zu durch brechen. Das geschieht dann freilich auf Kosten der Forschungs ergebnisse, die in proportionalem Maße an Wert verlieren, oder an Belang. Aber es ist doch möglich! Die historische Forschung mag oft genug gegen die richtige Auswahl verstoßen, um das eine Mal in Akribie zu sündigen, ein andermal weniger eindringlich zu arbeiten, als es geboten wäre. Ein solcher Verstoß ist dort aber im Wesen aus geschlossen. Es steht absolut nicht im Belieben der metahistorischen Forschung, den generischen Cha rakter dieser Erkenntnisart abzustreifen. Sie kann z. B. mit der Nutzanwendung ihrer Ergebnisse noch so sehr ins Konkrete