Der Stoff der Sozialwissenschaft, II. 543 liehe Vorstellung sollen wir diesem Bilde unterlegen, um über das Zweierlei der möglichen Denkweise klar zu werden? Von einer gedanklichen „Aussonderung“, einmal des Zusammenhanges, dann wieder des Mannigfaltigen der Wirklichkeit, im Sinne „isolierender Abstraktion“, kann absolut nicht die Rede sein. Denn es ist ja dieser Gegensatz mitnichten gegenständlicher Natur; er hält sich streng im Bereiche einer formalen Charakteristik des Anschaulichen. So bleibt nur die Vorstellung übrig, daß es die Wirklichkeit selber ist, die uns in verschiedener Weise vorliegt, indem sie jedesmal wieder anders als das kategorial nun erst zu Formende, als das Objektivierbare sich darstellt. Unserem Denken wäre es also eigen, daß ihm gegenüber niemals die ungeschmälerte Wirklich keit das Objektivierbare sein kann. Für die erkenntnistheoretische Auffassung würde sich vielmehr zwischen die Wirklichkeit und unser Denken erst noch etwas einschieben: die in bestimmter Weise objektivierbar gewordene Wirklichkeit. Und als das in bestimmter Weise Objektivierbare stellt die Wirklichkeit einen bestimmten Stoff unseres Denkens vor. So bleibt dann die Wirklichkeit selber, als das unberührt anschauliche Erlebnis, wohl immerzu das Eine; aber in der Relation auf unser begriff liches Denken — als das Objektivierbare, das nun erst der Ob- jektivation unterliegt — wird sie zu einer Mehrheit von Stoffen. Man könnte ein Problem darin ersehen, durch welchen Vorgang die ungeschmälerte Wirklichkeit in bestimmter Weise zu etwas Ob jektivierbarem, also zu einem bestimmten Stoffe wird. So hält es Münsterberg, der sich diesem Probleme eingehend zuwendet; die Lösung sucht er ungefähr mit der Alternative: Ablösung oder Nicht ablösung des „Objekts“ vom „Subjekte“ zu geben. Aber gerade an dieser Stelle versagt seine Darlegung gegenüber der Frage, wie auch Wissenschaften von der Art der Geschichte objektivierend denken. Ls ist nun keine bloße Ausflucht, sondern eine Auffassung, berechtigt wie jede andere und dabei wohl zweckdienlicher, wenn man hier überhaupt kein Problem anerkennt! Damit spricht man es einfach der ureigenen Art unseres Denkens zu, daß ihm die Wirklichkeit niemals schlechthin, sondern stets nur in bestimmter W eise als das Objektivierbare entspricht. Man schneidet damit Er wägungen ab, die sich auf die Natur unseres Denkens beziehen, aber ln ihrer Durchführung an das Verständnis eben jener Gegensätze gebunden sind, die hier erst abzuleiten wären. Das Prinzipielle im Gegensatz jener beiden Denkweisen ist dann freilich nicht sachlich erläutert, sondern nur mittelbar daran vorgewiesen, daß sich das