2. Die neueren Krisentheorien. 31 Anschauung aus, daß gerade die Hausse das Anormale, die Depres sion dagegen das Normale in der wirtschaftlichen Entwicklung sei. Die Zeit der Stagnation in der Volkswirtschaft sei von wirtschaft lichen Gesichtspunkten aus gar nicht so ungünstig zu beurteilen, sie sei eigentlich der natürliche Zustand des modernen Wirtschaftslebens. Die Hausse selbst zerfällt nach Spiethoff in vier Stadien: „Der erste Einfluß der Hausse auf die Warenerzeugung besteht darin, daß die vorhandenen Produktionsanlagen voll ausgenutzt werden. Es folgt ein zweites Stadium, in dem neue Produktions anlagen geschaffen werden. Dies ist diejenige Periode, in der es sich um ein wirkliches Knappsein von Kapitalien handelt. Die Neuan lagen verschlingen erhebliche Investierungen und bedingen einen großen reproduktiven Konsum, ohne daß zunächst die Erzeugnisse des erweiterten Reproduktionsprozeßes als Gegengewicht auftreten. Dies geschieht in einem dritten Stadium, wo Neugründungen nicht nur als Nachfrager, sondern auch als Anbieter erscheinen; es beginnt die Zeit, in der die hohen Preise bereits gefährdet werden. Die letzte Periode ist eine Umkehrung der zweiten, eine fieberhaft vermehrte Produktion wirft ihre Erzeugnisse auf den Markt, ohne daß ihr ein gleicher Verbrauch entspricht. Die Herleitung dieses Zustandes ist das Entscheidende.“ Die Hausse und spätere Überproduktion kulminiert nicht in den Produkten des elementaren, immittelbaren Verbrauchs, sondern in denen der großen Industrien, die dem reproduktiven Konsum dienen.“ Eine Grenze für diesen, während der Hausse gewaltig ange stiegenen reproduktiven Konsum ist jedoch nicht nur durch die Be dürfnisse gesetzt, sondern auch durch das zur Verfügung stehende Kapital. Zunächst steht solches durch die in der Depression ange sammelten Vorräte in erheblicherem Umfange zur Verfügung, aber in dem Maße, wie dieses Kapital langsam in die Produktion ein geht, muß dann immer wieder auf neugebildetes Kapital zurück gegriffen werden. Der reproduktive Konsum wird zunächst ins Stocken geraten „durch Erledigung besonderer neuer oder aufge laufener alter Aufgaben, durch Aufbrauch des müßigen Kapitalvor rates, durch Nichtanpassung der Preise und dadurch Nichtgewinnung neuer Absatzkreise sowohl für den reproduktiven wie für den unmittelbaren Konsum“. Es treten noch andere Faktoren hin zu, welche diese Entwicklung verstärken helfen. „Mit der extensiven Ausdehnung des Kreises von Einzel- und Volkswirtschaften, die in steigenden intensiven Kontakt und arbeits teilige Abhängigkeit voneinander treten, .werden immer zahlreichere