2. Die Konjunktur während und nach dem Kriege. 53 Wir haben oben gesehen, daß eine der volkwirtschaftlich wich tigsten Seiten der Hochkonjunktur darin liegt, daß während dieser Zeit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes auf ihrem Höhepunkt steht, daß keine Arbeitslosigkeit herrscht, niemand müßig geht, daß alle Maschinen und sonstigen Produktionsmittel in voller Tätigkeit sind und daß damit in einer solchen Zeit auch der Wohl stand des ganzen Volkes zunimmt. Wir werden das alles später noch im einzelnen kennen lernen. Man wird also auch sagen können, daß in solchen Zeiten einer günstigen Konjunktur, wenn auch mit Ein schränkungen, von denen oben bereits die Rede gewesen ist, die Interessen der einzelnen Erwerbswirtschaften mit denen der Gesamt heit Hand in Hand gehen, daß man also in einer solchen Zeit nicht nur von einer Hochkonjunktur für die einzelnen Erwerbswirtschaf- teh, sondern auch für die ganze Volkswirtschaft reden kann. Eine einfache Überlegung zeigt jedoch, daß trotz zahlreicher äußerer Symptome einer solchen Hochkonjunktur, während des Krie ges von einer solchen Übereinstimmung privatwirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Interessen keineswegs so allgemein die Rede sein konnte. Es wurden zwar auch während des Krieges, von ein zelnen Industriezweigen abgesehen, die vorhandenen Produktions anlagen und Maschinen voll ausgenutzt, die Löhne stiegen, von einer allgemeinen Arbeitslosigkeit war keine Rede, aber niemand wird behaupten wollen, daß mit diesen äußeren Erfolgen der privaten Er werbswirtschaften eine wirtschaftliche Kräftigung und eine Zu nahme des Wohlstandes der ganzen Volkswirtschaft Hand in Hand gegangen ist. Das deutsche Volk lebte eben in dieser Zeit in hohem Maße von dem Verbrauch vorhandener Gütervorräte, vor allem an Rohstoffen. Maschinen und sonstige Produktionsmittel wurden nicht nur bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit ausgenutzt, sie wurden vielfach abgenutzt, ohne daß im allgemeinen von einer entsprechen den Erneuerung hätte die Rede sein können. Das war nicht nur in der Industrie der Fall, das gleiche gilt vielmehr auch für die Land wirtschaft. Man denke nur daran, was in der deutschen Landwirt schaft, vor allem an Vieh und sonstigen Produktionsmitteln, ohne Er satz verbraucht worden ist, oder man denke daran, in welchem Um fange durch Mangel an Düngemitteln und zureichenden Arbeits kräften zur Felderbestellung, ein Raubbau am Boden stattgefunden hat, unter dessen Nachwirkungen wir ja jetzt alle noch zu leiden haben. Von einer Zunahme in der Leistungsfähigkeit der Volkswirt schaft , von einer Blüte derselben, von einem Aufschwung des ganzen Wirtschaftslebens, wie wir ihn sonst bei guten Konjunkturen zu finden