70 Zweiter Abschnitt. Der Ablauf der Konjunktur seit Gründung des Reiches. Konjunktur auf dem Weltmärkte kann nur in dem Maße eintreten, in dem die Kaufkraft in den valutaschwachen Ländern selbst wieder zunimmt und auch das Gleiche von den übrigen Teilen der Welt gilt. Aßt diesen Tatsachen hängt dann auch die Erscheinung zusam men, daß in denjenigen Ländern, die so aus eigenen wirtschaftlichen Interessen an der Aufnahmefähigkeit des deutschen Marktes interes siert sind, immer wieder Stimmen und Vorschläge laut wurden, um durch die Schaffung einer großzügigen Kreditorganisation den deut schen Markt wieder aufnahmefähiger für ihre Erzeugnisse zu ge stalten und auf dem gleichen Wege dann auch die deutschen Pro duktionsleistungen und damit die reale Kaufkraft Deutschlands zu steigern. Auf der gleichen Linie lagen auch alle jene Versuche, unmittel bar der deutschen Industrie Rohstoffe zur Verarbeitung zu geben und die Bezahlung dafür in einem Teil der daraus hergestellten Fa brikate zu empfangen. Freilich hatte auch die deutsche Industrie, soweit sie auf die Verarbeitung ausländischer Rohstoffe angewiesen ist, selbst das größte Interesse an dieser Lohnarbeit, weil sie ohne diese oft gar nicht in der Lage gewesen wäre, ihre Betriebsanlagen auch nur einigermaßen auszunutzen. In einer Zuschrift an die Frank furter Zeitung*) heißt es über diese Lohnarbeit in der Textil industrie: „Ganze Konzerne weben und spinnen heute in Lohn für holländische und andere ausländische Firmen, die ihnen das Roh material liefern. Vielfach erfolgt der Absatz in der Weise, daß der deutsche Abnehmer, z. B. die Rohbaumwolle direkt von der hol ländischen Firma kauft und sie bei den, mit dieser in Geschäfts verbindung stehenden inländischen Spinnereien und Webereien ver arbeiten läßt.“ Es ist im Vorangegangenen bereits darauf hingewiesen worden, daß diese krisenhaften Zustände in so vielen Ländern ihre Ursache nicht nur in der geringen Aufnahmefähigkeit der valutaschwachen Staaten hatten, sondern, daß dies auch darauf beruhte, daß die In dustrie dieser valutaschwachen Staaten, vor allem auch die deutsche Industrie, diesen Ländern auf ihrem eigenen und auch auf fremden Märkten, eine so verhängnisvollle Konkurrenz bereitete. Das war der Fall, obgleich die deutsche Warenausfuhr seit Kriegsende wesentlich geringer war, als in den letzten Jahren vor dem Kriege.“ Auf der Newyorker Tagung der American Bankers Association vom 2. bis 6. Oktober 1922 hat Mac Kenna, einer der angesehensten englischen Bankleute, diese Tatsache in die folgenden Worte gekleidet: U Erstes Morgenblatt Nr. 266 (1922).