2. Die Konjunktur während und nach dem Kriege. 73 vielen Punkten die Macht der Tatsachen und Verhältnisse weit stärker ist 1 ).“ Auch bei diesen weltwirtschaftlichen Beziehungen handelt es sich um wirtschaftliche Zusammenhänge, welche z. T. so strenge sind, daß dabei mit künstlichen Maßnahmen, wie z. B. mit Einfuhr zöllen, auf die Dauer die gewünschte Wirkung nicht erzielt werden kann. Auch von diesen Zusammenhängen gilt das Wort des Äschylos: „Klugheit, wie viel ist’s schwächer, als Notwendigkeit.“ Die großen Entschädigungssummen, welche Deutschland an seine Gegner zu leisten hat, zwingen es, seinen Export zu forcieren und zwingen es, auf fremden Märkten die heimische Industrie zu unterbieten. Es ist dies ein viel erörterter Zusammenhang, den man auch in den Ländern der Entente genau kennt und dem eine finan zielle Persönlichkeit der Londoner City an einen englischen Kauf mann in Hamburg schon vor mehr als 3 Jahren folgenden drastischen Ausdruck verliehen hat: „Deutschland kann nur in Waren zahlen; wenn es die Waren in großen Mengen auf Frankreich und England ausgießt, dann wird der Rest des Handelsgeschäftes, der Frankreich geblieben ist, fast ganz vernichtet und die Industrie Englands in alarmierender Weise stranguliert werden, so daß unser Volk unter ausgedehnter Arbeits losigkeit zu leiden haben wird 2 ). r)Mombert, Besteuerung und Volkswirtschaft. Karlsruhe 1922, S. 104. e ) Zitiert nach der Frankfurter Zeitung, Abendblatt, 8. Febr. 1921. Genau den gleichen Gedanken hat der auch in Deutschland sehr gut bekannte französische Nationalökonom Charles Rist (Les Finances de Guerre, de l’Allemagne, Paris 1921) ausgesprochen: Er sagt hier unter anderem: „Das ganze Problem der Kriegsentschädigung wird durch die elementare Tat sache beherrscht, daß das einzige Gut, von dem (abgesehen von den fremden Werten, die sie im Besitze hat) eine Nation sich trennen kann, aus Material, Gütern und Dienstleistungen besteht. Geld (mit Ausnahme von Gold) kann in dieser Frage nur als ein Mittel zur Berechnung und zur Flüssigmachung des Betrages herangezogen werden. Das ist die Tatsache, welche J.-B. Say vor langem in seine berühmte Formel brachte: Waren werden mit Waren gekauft. Die praktische Wirkung einer Entschädigung ist die, unentgeltliche Lieferung an Stelle des Kaufs zu setzen; aber die Frage bleibt nichtsdestoweniger eine Güterfrage. Zwei Schlußfolgerungen ergeben sich daraus. Erstens bedart Deutschland, um seine Schuld zu bezahlen, des Außenhandels, und ohne diesen kann begreiflicherweise keine Entschädigung erzielt werden. Ein Boy kott deutscher Waren ist keine Maßregel, die mit der Zahlung einer Entschä digung vereinbart werden kann. Der Begriff des .Wirtschaftskrieges' mag in diplomatischer Hinsicht während der Feindseligkeiten nützlich gewesen sein, aber nun, wo der Feind niedergerungen ist, kann er nur zur Förderung von Sonderinteressen dienen. Zweitens wird der Betrag der jährlichen Zahlung, die Deutschland machen kann, und infolgedessen der Zeitraum, innerhalb dessen die ganze Schuld (was auch immer die schließlich festgestellte Gesamt summe sein mag) beglichen werden kann, in großem Umfange von dem Ge samtumfang des deutschen Handels abhängen.“ Zitiert nach dem Berliner Börsen-Courier Nr. 207, 5. Mai 1921. Zweite Beilage.