4. Die Prognose des Konjunkturwandels. 207 Beurteilung der Konjunktur, denn aus diesen Erscheinungen und nicht minder aus» der anhaltenden Geldspannung 1 ) können, wie zu versichtlich noch immer die Industriellen selbst ihre Lage ansehen, nur allzu leicht sicn Hemmungen entwickeln.“ Der Berliner „Tag“ hatte sich damals an eine Reihe führender Männer des deutschen Wirtschaftslebens gewandt und sie um ihre Meinung über die Kon junkturaussichten ersucht. Einer der ersten Großindustriellen, August Thyssen, äußerte sich dann darüber folgendermaßen: „Die Konjunktur ist gut, denn die Werke sind für längere Zeit reichlich beschäftigt. Der teure Geldstand hat auf die Entwicklung der Industrie hemmend eingewirkt, was ich nicht beklage, weil da durch eine Einschränkung der Unternehmungslust erfolgt ist, die notwendig war, um nicht über das zulässige Ziel hinauszugehen. Eine zu große, plötzliche Entwicklung der Industrie muß nachteilig wirken, weil die großen Produktionen, die dadurch geschaffen werden!, dauernd nicht aufrecht zu erhalten sind, und ungesunde Verhältnisse für Arbeitgeber und -nehmer schaffen müssen... Weil niemand in der Lage ist, den Weltmarkt über eine gewisse, kurzbemessene Frist hinaus richtig zu beurteilen, bin ich im allgemeinen für kürzere Verträge, besonders in Fertigfabrikaten, damit das Risiko, welches Käufer und Verkäufer dabei übernehmen, möglichst eingeschränkt wird * 2 ). Eine Stimme aus der oberschlesischen Montanindustrie, die jenige des Oberbergrats a. D. P. Wachler, spricht sich dagegen noch überaus zuversichtlich aus und bestreitet, daß der Höhepunkt der Konjunktur bereits erreicht und ein Rückschlag zu befürchten sei. „Überrasche Vermehrung der Produktionsstätten liege nicht vor (abgesehen vielleicht vom Kalibergbau). Die Gefahr der Überpro duktion bedrohe also die Konjunktur nicht, nicht einmal in abseh barer Zeit; auch sehe er keinerlei Anzeichen, daß ein Rückgang des ungewöhnlich hohen Konsums bevorstehe, im Gegenteil, verspreche die gesteigerte Güterbewegung mehr Bestellungen der Eisenbahnen; die gute Ernte aller Länder alimentiere Handel und Gewerbe; Kanal bauten, Schiffsbau usw. bieten günstige Aussichten, die Montan industrie selbst wende, wie der Staat, fortgesetzt nicht unerhebliche Mittel für Arbeiterhäuser auf, die Verwendung elektrischer Kraft sei immer noch erst im Anfangsstadium. Das Preisniveau der Fabrikate sei bei den gegen 1889 und 1901 erhöhten Produktionskosten noch mäßig und fange jetzt erst an ohne Übertreibungen zu steigen; in Ü Am 9. Oktober 1906 hatte die Reichsbank ihren Diskontsatz von * /a o/o auf 5, und am 17. Dezember auf 6 o/o erhöht. 2 ) Frankf. Zeitung, a. a. 0.