5. Die Beeinflussung von Konjunktur und Konjnnkturwandel. 245 *) Nach Wiewiorowski, a. a. 0. S. 93. gesehen, daß diese Anschauungen dann auch für die tatsächliche Politik der Kreditbanken maßgebend sind, daß diese dann bestrebt sind, im Hinblick auf den kommenden Umschwung der Konjunktur durch Verminderung ihrer Engagements usw., ihre Liquidität zu stärken. Diese Tatsache kommt dann auch in den Geschäftsberichten zum deutlichen Ausdruck. In ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 1906 schrieb z. B. die Bank für Handel und Industrie: „Unter diesen Umständen (hoher Diskontsatz und Lähmung der Unternehmungs lust au der Börse), haben wir es im Interesse der Liquidität des Bank status für unsere Aufgabe gehalten, unbeschadet der Anknüpfung wertvoller Beziehungen in der Eingehung neuer, nicht kurzfristiger Gemeinschaftsgeschäfte und Effekten-Transaktionen, die tunlichste Zurückhaltung zu üben. Unter den Aktiven gibt der Rückgang der Effektenbestände von unseren Bemühungen, die Engagements der Bank, soweit angängig, zu verringern, Zeugnis“*). Es liegt auf der Hand, daß nicht nur ein solches Vorgehen der Banken, sondern auch derartige Äußerungen in ihren Berichten, auf die Industrie und auf das Publikum nicht ohne Einfluß bleiben, und damit auch einen solchen auf den weiteren Gang der Hochkonjunktur ausüben. Auch durch Rundschreiben, welche die Großbanken häufig regelmäßig in kurzen Abständen an ihre Kunden zu Versendern pflegen, und in denen sie auf die vorhandene Lage am Geldmarkt und dgl. hinweisen, und gegebenenfalls ihre Kunden auffordern, ihre Engage ments zu verringern, werden ähnliche Einwirkungen erzielt. Auch in den Einwirkungen auf die Effektenspekulation ist das eben geschilderte Vorgehen der Kreditbanken keineswegs zu unter schätzen. Nur daß den Kreditbanken für diesen Zweck durch die Art ihrer Kreditgewährung, von welcher ja oben die Rede gewesen ist, noch weit kräftigere Mittel zu Gebote stehen, als lediglich solche platonischen Äußerungen. Mit Recht hat Hilferding hervorgehoben, daß immer mehr die Spekulationsbewegungen mit der wachsenden Macht der Banken von diesen, und nicht mehr umgekehrt, die Banken von den Spekulationsbewegungen, beherrscht werden. Es ist eine sehr umstrittene Frage, welches die Rolle ist, welche die Kreditbanken im Verlaufe der Hochkonjunktur spielen, vor allem, welche Beziehungen zwischen Kreditbanken und Industrie be stehen, ob die Banken in dieser Wirtschaftsperiode die treibende Kraft der industriellen Entwicklung sind oder ob sie selbst von der Industrie vorwärts getrieben werden. Die Verhältnisse sind hier zu vielgestaltige, der Einblick in die Kreditpolitik der Großbanken ein