— 81 — „organische‘‘ Konstruktion von „Arbeitsgeld‘“ und ‚Nationalbank‘ und „,Warendocks‘ ist nur Traumgebild ... Das Arbeitsgeld ist eine ökonomisch klingende Phrase für den frommen Wunsch, das Geld, mit dem Geld den Tauschwert, mit dem Tauschwert die Ware und mit der Ware die bürgerliche Form der Produktion loszuwerden‘ (Kritik, S. 711lg.). Die Marxschen Ausführungen bringen über das Problem des Arbeitsgeldes nach einer Seite hin volle Klarheit: sie er- weisen die Unmöglichkeit, das Recht auf den vollen Arbeitsertrag durch eine bloße Änderung der Verteilungsordnung innerhalb der Konkurrenzwirtschaft zu lösen. Die Arbeitswährung hat nur dann einen Sinn, wenn sie auf gesellschaftliche Arbeit abgestellt ist. Die gesellschaftliche Leistung im Kapitalismus ist aber gerade nicht die Arbeit — diese vollzieht sich im Bereich der Einzelwirtschaft —, sondern erst das Anbieten der Ware auf dem Markt. Also entscheidet auch nicht die Arbeitsleistung als solche, sondern das Warenangebot über die gesellschaftliche Wertgröße. Dieses aber wird keineswegs nur durch die Arbeitsleistung, sondern auch durch Kapital- und Risikoverhältnisse wesentlich bestimmt. Die erste Voraussetzung der Einführung eines Arbeits- geldes ist somit die Aufhebung der Konkurrenz in der Güter- beschaffung: die Vergesellschaftung der Produktion. Wie aber nun, wenn diese Bedingung erfüllt ist? Kann dann das Recht auf den vollen Arbeitsertrag durch das Arbeitsgeld verwirklicht werden? Ist dann die durchschnittliche gesellschaft- iche Arbeitszeit genau zu ermitteln und die Zurückführung jeder einzelnen Arbeitsleistung und ihrer Entlohnung auf diese Zeit- einheit möglich? Bei Marx und Engels bleibt die Frage des Arbeitsgeldes in der sozialistischen Wirtschaft — ebenso wie deren Gestaltung überhaupt ‚Kollektivismus? Kommunismus?) — ungeklärt. Nach Bourguin ist der Arbeitsbon ‚‚dasjenige Geld, das nach dem marxistischen Wertprinzip einer sozialisierten Produktionsordnung entspricht“ (S. 116); Marx hin- gegen betont wieder, daß das „Owensche Arbeitsgeld ebenso wenig Geld ist wie etwa eine Theatermarke ... Das Arbeitszertifikat konstatiert nur den individuellen Anteil des Produzenten an der Gesamtarbeit und seinen individuellen Anspruch auf den zur Konsumtion bestimmten Teil des Gemein- produkts‘“ (Kapital, I, Anm. 50). Ganz und gar zweitelhaft ist vollends der {olgende Ausspruch: „Nur zur Parallele mit der Warenpro- duktion setzen wir voraus, der Anteil eines jeden Produzenten an den Lebensmitteln sei bestimmt durch seine Arbeitszeit‘, — und auch dies wieder ınter der weiteren Voraussetzung, daß ‚die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen zu ihren Arbeiten und Arbeitsprodukten hier durchsichtig einfach bleiben in der Produktion sowohl als in der Distribution‘ (ebenda. 5ohn, Kann das Geld abgeschafft werden?