36 III. Kapitel. gestellten Anforderungen entsprechen. Auch könnte die Bank die Konto inhaber ersuchen, sich zu gedulden bis diese Wertpapiere in Bargeld umgesetzt worden sind 1 ). Da eine Bank keinen dieser Wege einschlagen kann, so sucht sie bei einer bevorstehenden Unzulänglichkeit an Barmitteln einer solchen Ver mögenslage durch,,Kündigung“ einiger Darlehen zuvorzukommen oder, wenn deren rasche Einziehung nicht möglich ist, durch den Verkauf von Wert papieren oder anderem Besitztum gegen Bargeld. Leider ist aber dem Bar geldbetrage, der von einer Bank ohne weiteres realisiert werden kann, eine Grenze gesetzt. Keine einzige Bank könnte der Zahlungseinstellung ent gehen, wenn ein großer Prozentsatz ihrer Noteninhaber und Deponenten gleichzeitig Barzahlung fordern würde * 2 ). Das Paradoxon einer Panik findet in dem Falle den richtigen Ausdruck, wo sich ein Mann bei seiner Bank erkundigt, ob sie zur Auszahlung seines Deposits verfügbares Bargeld habe, indem er erklärt: „Wenn Sie mich bezahlen können, so brauche ich es nicht; wenn Sie es aber nicht können, so brauche ich es!“ Dies war die Situation in Wall Street im Jahre 1907. Alle Deponenten wollten zu ein und derselben Zeit die Gewißheit haben, daß ihr Geld „da sei“. Aber alles Geld ist zu ein und derselben Zeit niemals da. Wenn also die Unzulänglichkeit an Barmitteln eine so beunruhigende Lage schafft — so schwierig zu beseitigen, wenn sie eingetroffen, und so schwierig ihr zuvorzukommen, wenn sie sich zu nähern beginnt — so muß eine Bank ihre Darlehen und ihre Ausgabe von Noten derart regulieren, daß ihr stets eine genügende Barreserve zur Verfügung steht, um auch schon das bloße Drohen einer Unzulänglichkeit an Barmitteln zu verhüten. Sie kann die Reserve abwechselnd durch den Verkauf von Wertpapieren gegen Bar und durch das Darleihen von Bar auf Wertpapiere regulieren. Je größer die Zahl der Darlehen im Verhältnis zu dem verfügbaren Barbestand, desto größer ist der Gewinn und somit auch das Risiko. Auf die Dauer erhält eine Bank ihre Reserven durch die Anpassung des für die Darlehen festgesetzten Zinsfußes. Wenn die Bank nur wenige Darlehen und eine genügend große Reserve besitzt, um Darlehen von bedeutend größerem Umfange zu tragen, so trachtet die Bank, durch Herabsetzung des Zins fußes ihre Darlehen zu erweitern. Wenn die Darleihen der Bank eine Höhe erreichen, die befürchten läßt, daß die Anforderungen an die Reserve B Siehe Irving Fisher, The Nature of Capital and Income, V. Kapitel. 2 ) Vgl. Ricardo, Wortes, 2. Aufl., London (Murray), 1852, S. 217 (Principles of poli- tical economy and taxation, XXVII. Kapitel).