52 IV. Kapitel. des Depositenumlaufs eine Schranke setzen, und die eine Tendenz zu seiner Einschränkung einleiten. Der Höchstbetrag der Depositenumlaufsmittel ist nicht nur durch das Gesetz und durch Klugheit auf ein gewisses Vielfaches des Betrages der Bankreserven beschränkt, sondern die Bankreserven selbst sind durch den Geldbetrag der zu Reservezweeken verfügbar ist, auf eine gewisse Höhe beschränkt. Ferner beginnt mit dem Steigen des Zinses der Kurs gewisser, als Sicherung hinterlegten Wertpapiere, wie z. B. der Obli gationen, auf Grund deren Anleihen gemacht wurden, zu fallen. Solche Effekten, deren Preis in dem diskontierten Werte fixer Summen beruht, fallen, wenn der Zins steigt, und sie können daher nicht als Sicherheit für Anleihen in demselben Umfange als zuvor benützt werden. Diese Hemmung der An leihen ist, wie vorher erklärt, auch eine Hemmung für Depositen. Wer damit gerechnet hatte, seine Anleihen zu den früheren Sätzen und in der früheren Höhe zu erneuern, ist nach der Erhöhung des Zinsfußes außer stande, dies zu tun. Es folgt daraus, daß einige von ihnen genötigt sind, ihre Zahlungen einzustellen. Der Konkurs (oder die Voraussicht eines solchen) von Firmen, welche von Banken stark geborgt haben, führt seitens vieler Deponenten zu der Befürchtung, daß die Banken nicht imstande sein werden, diese Anleihen einzubringen. Die Banken kommen daher selbst in Verdacht, und die Deponenten verlangen aus diesem Grunde Bargeld. Dann kommt es zu „Runs“ auf die Banken, welche die Bankreserven gerade in dem Augenblick erschöpfen, wo sie am notwendigsten gebraucht werden 1 ). Die nicht hinreichend mit Reserven versehenen Banken müssen nun ihre Anleihen einschränken. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo der Zinsfuß die Höhe der Panik erreicht. Diejenigen Unternehmer, welche betroffen werden, müssen Umlaufsmittel * 2 ) haben, um ihren Verbindlichkeiten nachkommen zu können, und um sie zu erhalten, sind sie bereit, hohe Zinsen zu zahlen. Einige von ihnen geraten in Konkurs, und mit ihrem Bankerott vermindert sich die Nachfrage für Anleihen in entsprechendem Maße. Diese Kulmina tion einer Preisbewegung nach aufwärts ist eben das, was man Krisis 3 ) !) Ein Teil der Mer dargelegten Theorie über Krisen wurde in ähnlicher Weise in einer Schrift von Harry G. Brown, Yale Review, August 1910, unter dem Titel „Typical Commercial Crises versus a Money Panic“ erklärt. 2 ) Irving Fisher, Rate of Interest, S. 325 und 326. 3 ) Dies ist die von Juglar gegebene Definition einer Krisis, und seine im Detaü aus- geführte Geschichte der Krisen entspricht der Beschreibung. Siehe Juglar, Des Crises Commerciales et de leur Retour piriodigue en France, en Angleterre et aux Etats-Unis. 2. Auf!., Paris (Guillaumin), 1889, S. 4 und 5. Vgl. auch die Übersetzung des die Ver