78 VI. Kapitel. lierarbeiten, Kunstwerke und andere Erzeugnisse, in die sie verarbeitet wer den können. In diesem unverarbeiteten oder rohen Zustand heißen die Edel metalle Barren. Aus Gold geprägtes Geld kann in Barrengold umgewandelt werden und umgekehrt. Tatsächlich gehen beide Umwandlungen beständig vor sich, denn wenn im Vergleich mit anderen Waren, der Geldwert des Goldes in dem einen Verwendungsgebiete größer ist als in dem anderen, so ergießt sich das Gold sofort dorthin, wo seine Anwendung gewinnbringender ist, und der Marktpreis des Barrengoldes bestimmt die Richtung des Abflusses. Da 100 Unzen Gold, 9 /io fein, in $ 1860 umgewandelt werden können, muß der Markt- geldwert von soviel Barrengold, 9 /io fehl, die Summe von $ 1860 erreichen. Wenn das Prägen des Barrengoldes in Geld nicht mit Kosten verbunden wäre, und wenn es nichts kosten würde, Geld in Barren zu schmelzen, so würde ein automatisches Hin- und Herströmen von Geld in Barren und von Barren in Geld stattfinden, das ein bedeutendes Schwanken des Barrenpreises ver hütet. Wenn der Preis von Barrengold die Geldmenge übersteigt, die daraus geprägt werden kann, so werden die Goldkonsumenten, die Barren gold benötigen,—hauptsächlich Juweliere,—einerlei wie gering die Differenz sein mag, durch Einschmelzen der Goldmünzen in Barrengold diese Differenz ausnützen. Ist dagegen der Preis des Barrengoldes geringer als der Wert der Goldmünzen, so werden die Besitzer von Barrengold nicht versäumen, die Differenz wahrzunehmen, indem sie das Barrengold zur Münzstätte bringen, um es in Golddollar prägen zu lassen, anstatt es auf dem Barrengold markte zu verkaufen. Das Einschmelzen der Münzen bewirkt eine Abnahme in der Quantität des Goldgeldes und eine Zunahme der Barrengoldmenge, wobei der Geldwert des Goldes als Barrengold herabgesetzt und der Wert des Goldes als Geld erhöht wird; das Preisniveau wird dadurch erniedrigt und die Gleichheit zwischen dem Barrengolde und dem Gelde wiederherge stellt. Bei dem entgegengesetzten Verfahren hat ein Prägen des Barren goldes in Münzen die Wirkung, daß der Geldwert des gemünzten und der Geldwert des Barrengoldes ebenfalls ins Gleichgewicht gebracht werden. In der Praxis wird der Ausgleich größtenteils wahrscheinlich x ) dadurch aufrechterhalten, daß die neueste Goldausbeute je nach der Stimmung des Marktes in der einen oder anderen Weise verwendet wird. Durch eine der artige Versorgung der beiden Reservoirs in Übereinstimmung mit deren respektivem Bedarf fällt die Notwendigkeit eines nennenswerten Hin- und Herströmens von Gold zwischen Münze und Goldwarenindustrie weg. *) Vgl. De Launay, The World’s Gold, New York (Putnam), 1908, S. 179—183.