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        <title>Die Kaufkraft des Geldes</title>
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            <forname>Irving</forname>
            <surname>Fisher</surname>
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        </author>
        <author>
          <persName>
            <forname>Harry Gunnison</forname>
            <surname>Brown</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>1028803699</idno>
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        ﻿
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        ﻿
        <pb n="3" />
        ﻿Die

Kaufkraft des Geldes

Ihre Bestimmung und ihre Beziehung zu
Kredit, Zins und Krisen

von

Irving Fisher

Professor der Nationalökonomie an der Yale Universität
New Haven, Connecticut

Unter Mitwirkung von Harry G. Brown, Dozent
der Nationalökonomie an der Yale Universität

Aus dem Englischen übersetzt von Ida Stecker,
durchgesehen von Professor Dr. St. Bauer in Basel

IV.

Berlin 1916

Druck und Verlag von Georg Reimer
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        ﻿
        <pb n="5" />
        ﻿Dem Gedächtnis

Simon Newcombs

des großen Gelehrten, des anregenden Freundes,
des Bahnbrechers im Studium der
„Societary Circulation“
gewidmet.
        <pb n="6" />
        ﻿Vorwort zur deutschen Ausgabe,

Dieses Buch will die Grundsätze darlegen, die die Kaufkraft des Geldes
bestimmen, und diese Grundsätze dem Studium der geschichtlichen
Veränderungen dieser Kaufkraft nutzbar machen. Dabei soll insbesondere
die in neuerer Zeit fühlbar gewordene Steigerung der „Lebenskosten“,
die in allen Ländern der Welt so lebhaft erörtert wird, Berücksichtigung
finden.

Wenn die hier vertretenen Grundsätze richtig sind, so hängt die Kauf-
kraft des Geldes — oder ihr Gegenstück, das Preisniveau — ausschließlich
von fünf bestimmten Faktoren ab: 1. von der in Umlauf befindlichen Geld-
menge; 2. von ihrer Umlaufsgeschwindigkeit; 3. von dem Volumen der dem
Scheckverkehr unterworfenen Bankdepositen; 4. von deren Verkehrs-
geschwindigkeit und 5. von der Menge der Umsätze, dem Handelsvolumen.
Jede dieser fünf Größen ist scharf abgegrenzt, und ihre Beziehung zur Kauf-
kraft des Geldes wird durch die „Verkehrsgleichung“ erschöpfend aus-
gedrückt. Meiner Meinung nach sollte und wird das Gebiet der National-
ökonomie, das von diesen fünf Regulatoren der Kaufkraft handelt, als exakte
Doktrin anerkannt werden, die genauer Formulierung, Beweisführung und
statistischer Kontrolle unterliegt.

Im Grunde genommen bestehen die wesentlichsten Thesen dieses Buches
lediglich in einer neuen und erweiterten Darstellung der alten „Quantitäts-
theorie“ des Geldes. Diese kann, wenn ihre übliche Formulierung gewissen
Korrekturen unterworfen wird, noch immer als grundsätzlich richtig be-
trachtet werden. Es ist wohl mehr eine vorurteilsfreie Nachprüfung und
Revision dieser ehrwürdigen Theorie, nicht aber ihre Verwerfung, die seit
langem als Bedürfnis empfunden werden.

Die umfangreiche Literatur über das Geldwesen bietet jedoch nur sehr
weniges, was einer theoretisch oder statistisch genauen Formulierung und
strengen Beweisführung nahekommt.
        <pb n="7" />
        ﻿VIII

Vorwort zur deutschen Ausgabe.

Indem ich nun diesen Versuch eines Wiederaufbaus der Quantitäts-
theorie unternehme, erfüllt es mich mit Genugtuung, mich diesmal in der
Volkswirtschaftstheorie eher bei einer konservativen als bei einer radikalen
Stellungnahme zu ertappen. Ich empfinde es als Unfug, daß sich aka-
demische Nationalökonomen durch das Gelärm der Interessenten zu Meinungs-
verschiedenheiten über die grundsätzlichen Theorien des Geldwesens verleiten
ließen. Schuld daran ist die Verwirrung, die politische Streitfragen, mit denen
der Gegenstand verquickt wurde, gestiftet haben.

Man hat einmal gesagt, daß selbst die Theoreme Euklids in Frage
gestellt und angezweifelt würden, wenn sich eine politische Partei gegen
die andere auf sie beriefe. Jedenfalls hat die „Quantitätstheorie“, seitdem
sie Gegenstand politischen Streites geworden ist, an Ansehen verloren, und
es ist sogar so weit gekommen, daß sie von manchen als längst widerlegter
Irrtum betrachtet worden ist. Die Versuche der Anhänger fauler Währungs-
projekte, von der Quantitätstheorie einen unzulässigen Gebrauch zu machen
— wie dies im ersten Bryanschen Wahlfeldzuge geschah —, haben manche
Freunde einer gesunden Währung zur völligen Verwerfung der Quantitäts-
theorie bewogen. Es ist infolgedessen erforderlich, daß die Quantitäts-
theorie aufs neue, insbesondere in Amerika, der allgemeinen Erkenntnis
zugänglich gemacht werde.

Neben der Aufgabe, die die Kaufkraft des Geldes bestimmenden Grund-
sätze darzulegen, setzt sich das Buch den Zweck, diese Grundsätze durch
historische Tatsachen und Statistiken zu illustrieren und auf ihre Richtig-
keit hin zu prüfen. Insbesondere ist das neuerliche Steigen der Preise in seinen
Einzelheiten untersucht und auf seine verschiedenen Ursachen zurückgeführt
worden.

Das Studium der grundsätzlichen und der tatsächlichen Fragen, die sich
mit der Kaufkraft des Geldes beschäftigen, ist von weit mehr als rein aka-
demischer Bedeutung. Solche Fragen berühren das Wohlergehen jedes
einzelnen in der zivilisierten Welt. Von jeder Wendung in der Bewegung
der Preise ziehen Millionen von Menschen Nutzen, während Millionen anderer
durch dieselbe Bewegung zu Schaden kommen.

Seit einem Jahrhundert leidet die Welt unter periodischen Veränderun-
gen im Preisniveau, die wechselweise Krisen und Handelsdepressionen ver-
ursachen. Nur durch die Kenntnis ihres Ursprunges und der damit ver-
bundenen Tatsachen können solche Schwankungen in Zukunft vermieden
oder abgeschwächt werden, und nur durch ihre genaue Kenntnis können
die Verluste, welche diese Schwankungen nach sich ziehen, aufgehoben oder
gemildert werden. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß
        <pb n="8" />
        ﻿Vorwort zur deutschen Ausgabe.

IX

die Mißstände einer unbeständigen Währung zu den bedenklichsten volks-
wirtschaftlichen Übeln gehören, mit denen die Zivilisation zu kämpfen hat,
und daß das praktische Problem, eine Lösung dieser Schwierigkeit zu finden,
von internationaler Bedeutung und Tragweite ist. Nur versuchsweise habe
ich ein Mittel vorgeschlagen, den Übeln der Wertschwankungen des Geldes
abzuhelfen. Jedoch ist die Zeit zur Annahme irgendwelches zweckdien-
lichen Planes noch nicht gekommen. Was gegenwärtig vor allen Dingen
notwendig ist, ist ein klares und allgemeines Verständnis der Grundsätze
und Tatsachen. Zur Erreichung dieses Zieles soll dieses Buch folgendes
beitragen:

1.	einen Neuaufbau der Quantitätstheorie;

2.	eine Erörterung der besten Form von Indexziffern;

3.	einige mechanische Methoden, um die Bestimmung des Preis-
niveaus schaubildlich darzustellen;

4.	eine praktische Methode zur Abschätzung der Umlaufsgeschwindig-
keit des Geldes;

5.	statistische Ermittelungen der in den Vereinigten Staaten dem
Scheckverkehr unterworfenen Bankdepositen zum Unterschiede von
den gewöhnlich veröffentlichten „individuellen Depositen“;

6 eine verbesserte statistische Schätzung des Handelsvolumens und
der übrigen Elemente der Verkehrsgleichung;

7. eine gründliche statistische Kontrolle der (neuaufgestellten)
Quantitätstheorie des Geldes.

Da es ganz unmöglich ist, einigen dieser Gegenstände ohne Anwendung
der Mathematik gerecht zu werden, so habe ich diese nach freiem Ermessen
eingeführt, sie aber, soweit es angängig war, in den Anhang verwiesen.
Diese Methode, nach der bereits meine früheren Bücher, The Nature of Capital
andlncome und The Rate of Interest, gearbeitet sind, gestattet einen fast gänz-
lichen Ausschluß der Mathematik aus dem Text.

In dieser der zweiten amerikanischen Auflage folgenden deutschen
Ausgabe habe’ich am Schlüsse des Anhanges zum XIL Kapitel einen Zusatz
eingeschaltet, welcher die von Professor Wesley Clair Mitchell verbesserten
Zahlen der dem Scheckverkehr unterworfenen Depositen enthält. Außer-
dem habe ich am Schlüsse des Buches einen allgemeinen Anhang über die
„Wertstabilisierung des Dollars“ beigefugt.

Der größte Teil der statistischen Ergebnisse bestätigt die Schluß-
folgerungen, die Professor Kemmerer in seinem wertvollen Werke Money
and Credit Instruments in their Relation to General Prices, das während der Be-
arbeitung des vorliegenden Buches im Druck erschien, niedergelegt hat.
        <pb n="9" />
        ﻿X

Vorwort zur deutschen Ausgabe.

Herr Professor Kemmerer war so gütig, das ganze Manuskript durchzulesen
und einer eingehenden Kritik zu unterziehen, wofür ich ihm zu großem
Dank verpflichtet bin.

Aufrichtiger Dank gebührt Herrn Professor F. Y. Edgeworth vom
All Souls'1 College in Oxford und Herrn Professor A. W. Flux in Manchester,
die das Manuskript des Anhanges über die Indexnummern durchgesehen,
kritisiert und mir wertvolle Anregungen gegeben haben.

Herrn Dr. A. Piatt Andrew, gegenwärtig zweiter Sekretär des Schatz-
amtes, danke ich für die Bereitwilligkeit, mit der er mir in seiner Eigenschaft
als Spezialexperte der National Monetary Commission die Hilfsmittel dieser
Kommission zur Verfügung gestellt und aus den Aufzeichnungen des Bureaus
zur Kontrolle des Währungswesens das Volumen der dem Scheckverkehr
unterworfenen Depositen zu den verschiedenen Zeitpunkten verflossener
Jahre ausgerechnet hat; ebenso danke ich Herrn Lawrence 0. Murray,
Comptroller of ihe Currency, für seine gütige Mitarbeit bei solchen und ähn-
lichen Berechnungen. Diese wertvollen Zahlen sind die ersten ihrer Art.

Ferner danke ich Herrn Gilpin vom New York Clearing House für
die Besorgung der verschiedenen Zahlen, die im Texte spezifisch auf-
geführt worden sind; Herrn Richard M. Hurd, Präsident der Laivyers
Mork/age Co., für das Durchlesen eines Teiles des Manuskriptes und für
seine wertvolle Kritik; Herrn John 0. Perrin, Präsident der American
National Bank of Indianapolis, für die Statistik über die „Aktivität“ der
Bankguthaben in seiner Bank, und den Beamten der National New Häven
Bank sowie der City Bank of New Haven für analoge Ziffern.

Dem Economic Journal bin ich für die Erlaubnis, einige Teile meines
Artikels über „The Mechanics of Bimetallism“, welcher im Jahre 1894 in
genanntem Journal erschien, unverändert abzudrucken, und dem Journal of
the Royal Statistical Society für die gleiche Erlaubnis in bezug auf meinen
im Dezember 1909 erschienenen Artikel über „A Practical Method for esti-
mating the Velocity of Circulation of Money“ zu Dank verpflichtet.

Wertvolle Dienste sind mir von einer Anzahl meiner Studenten durch
das Sammeln und die Anordnung statistischer Angaben geleistet worden.
Ich möchte hierbei folgende Herren erwähnen: Mr. Seimin Inaoka, Mr. Morgan
Porter, Mr. N. S. Fineberg, Mr. W. E. Lagerquist, Messrs. G. S. und L. A.
Dole, Dr. John Bauer, Dr. John Kerr Towles, Dr. A. S. Field, Mr. A. G.
Boesel, Mr. W. F. Hickernell, Mr. Yasuyiro Hayakawa, Mr. Chester A. Phil-
lips und Mr. R. N. Griswold. Letzterer hat die mit der Ermittlung einer
Indexnummer für das Handelsvolumen verbundenen mühsamen Berech-
nungen vorgenommen.
        <pb n="10" />
        ﻿Vorwort zur deutschen Ausgabe.

XI

Mehr als irgend jemand bin ich jedoch meinem Bruder, Herrn Herbert
W. Fisher, und meinem Kollegen, Herrn Dr. Harry G. Brown, aufrichtigen
Dank schuldig; dem ersteren verdanke ich eine scharfe und gründliche Kritik
des ganzen Buches vom Standpunkte didaktisch einwandfreier Darstellung,
dem letzteren sowohl eine allgemeine, anregungsreiche Kritik als auch
Detailarbeiten zu allen Teilen des Buches. In Anerkennung der mir durch
Mr. Brown geleisteten Unterstützung habe ich seinen Namen auf das Titel-
blatt gesetzt.

Außer der vorstehend anerkannten Unterstützung habe ich seit Ver-
öffentlichung der ersten amerikanischen Ausgabe wichtige Anregungen,
Hinweise auf Druckfehler und weitere Kritiken erhalten. Nachstehenden
Herren bin ich nach dieser Bichtung hin zu großem Dank verpflichtet:
Major W. E. McKechnie vom indischen Sanitätsdienst in Etawah in
den Vereinigten Provinzen Indiens; Professor Warren M. Persons, Colo-
rado College, Colorado Springs, Col.; Mr. J. M. Keynes, Herausgeber des
Economic Journal, Kings College, Cambridge; Mr. Carl Snyder, Schriftsteller,
New York City; Mr. James Bonar, königl. Münzmeister in Ottawa, Canada;
Professor Allyn A. Young an der Washington Universität in St. Louis, Mo.;
Professor Stephan Bauer, Direktor des Internationalen Arbeitsamtes in
Basel, Schweiz; Professor Wesley Clair Mitchell, New York City und Pro-
fessor 0. M. W. Sprague, Harvard Universität, Cambridge, Mass.

Ganz besonders aber möchte ich Herrn Professor Stephan Bauer von
der Universität Basel meinen aufrichtigsten Dank für die Revision der Über-
setzung aussprechen. Nur dank seiner großen Bemühung und technischen
Sachkenntnis war es möglich, den an eine derartige Übersetzung gestellten
Anforderungen gerecht zu werden.

Auch drängt es mich, Herrn Dr. August Carl Mahr von der Yale Uni-
versität, dessen Mitwirkung zum Gelingen der Übersetzung beigetragen
hat, an dieser Stelle meinem besten Dank Ausdruck zu geben.

Und schließlich möchte ich Herrn Dr. V. Furlan in Basel, der die
Güte hatte, den Anhang zu diesem Buche auf die mathematische Ausdrucks-
weise hin zu prüfen, meiner aufrichtigen Dankbarkeit versichern.

Die erste amerikanische Auflage (1911) hat sich in Amerika und in
Europa gleichgroßer Zustimmung erfreut. Die Rezensionen, die das Buch
ausführlich beurteüt haben, sind hauptsächüch folgende:

Warren M. Persons, Quarterly Publications of the American Sta-
tistical Association, Bd. XII, Dezember 1911.

0. M. W. Sprague, The Quarterly Journal of Economics, Bd. XXVI,
November 1911.
        <pb n="11" />
        ﻿XII

Vorwort zur deutschen Ausgabe.

David Kinley, Journal of the American Economic Association.

4.	Serie, Nr. 5, September 1911.

E. W. Kemmerer, Yale Reviere, Bd. 1, Nr. 3, April 1912.

Wesley C. Mitchell, Political Science Quarterly, Bd. XXVII,

5.	160 ff.

S. J. Chapman, Manchester University, Journal of the Royal
Statistical Society, Bd. LXXIV, Teil VII, Juni 1911.

G. Frantjois, Le Monde Economique, Paris, November 1912.

A. Aftalion, Revue d'Eistoire des Doctrines economiques et sociales,
Paris 1911, Nr. 4.

Achille Loria, Scientia, Bologna, Bd. X, 1911, XX—4.

Corrado Gini, Rivista Italiana di Sociologia, anno XVII, fase. II,
März-April 1913.

In deutsch sprechenden Ländern haben sich die Zeitschriften: „Conrads
Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik“, III. Folge 44. Band,
Jena 1912, S. 91 ff., das „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“,
36. Band, Tübingen 1913, S. 213 ff. und S. 548 ff., und die „Zeitschrift für
Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung11, Wien, 21. Band, 1912,
Seite 293 ff., lebhaft mit der vorliegenden Arbeit beschäftigt. Letztere
brachte eine äußerst günstige Besprechung aus der Feder des früheren
Finanzministers Geh. Rat Dr. Robert Meyer in Wien. Doch befinden
sich unter den Kritiken auch solche, die sich gegen die Ergebnisse
des Buches richten, und es scheint besonders in Deutschland eine
gewisse Voreingenommenheit gegen jede Theorie zu herrschen, die der
alten Quantitätstheorie ähnelt. Aus diesem Grunde wünsche ich, daß
das Buch bei den deutschen Lesern für sich selbst sprechen möge.

Yale Universität, New Haven, Conn., 4. Januar 1916.

Irving Fisher.
        <pb n="12" />
        ﻿Ratschläge für die Leser.

1.	Der allgemeine Leser wird sich hauptsächlich für die Kapitel I bis VIII
interessieren.

2.	Der flüchtige Leser findet den Kernpunkt des Buches im Kapitel II.

3.	Die Gegner der Quantitätstheorie finden ihre theoretischen und sta-
tistischen Einwendungen im VIII. und XII. Kapitel erörtert.

4.	Studierenden der Währungsgeschichte wird das XII. Kapitel empfohlen.

5.	Für Umlaufsmittelreformer wird das XIII. Kapitel von In-
teresse sein.

6.	Der Anhang richtet sich in der Hauptsache (doch nicht ausschließ-
lich) an mathematische Nationalöleonomen, die wohl wiederum vornehmlich
am Anhang zum X. Kapitel über die Indexnummern (der als Ganzes gelesen
werden sollte) und am § 6 des Anhanges zum XII. Kapitel über die Methode
zur Feststellung der Umlaufsgeschwindigkeit besonders interessiert sein
werden.

7.	Der übrige Anhang zum XII. Kapitel wurde hauptsächlich für
statistische Kritiker geliefert, um sie in den Stand zu setzen, die Richtigkeit
der im Text beschriebenen Verfahren festzustellen.

8.	Das X. Kapitel und dessen Anhang ist vornehmlich für Studierende
von Indexnummern von Interesse, einem Gegenstände, der die Einen ebenso
fesselt, wie er den Anderen trocken erscheint.

9.	Das analytische Inhaltsverzeichnis, das Register und die laufenden
Seitenüberschriften dienen der raschen Orientierung für jede Art von Leser-
interessen.

10.	Das Buch stellt jedoch ein vollständiges Ganzes dar, und es wird
der Hoffnung Raum gegeben, daß recht viele Leser, die von besonderen Ge-
sichtspunkten aus Einblick in das Buch nahmen, es schließlich ganz lesen
möchten.
        <pb n="13" />
        ﻿Inhaltsverzeichnis.

Kapitel	Seite

I.	Begriffsbestimmungen......................................................... 1

II.	Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur Verkehrsgleichung.............. 7

III.	Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die Gleichung und infolgedessen auf

die Kaufkraft............................................................... 26

IV.	Störung der Gleichung und der Kaufkraft in Perioden des Übergangs ....	44

V.	Indirekte Einflüsse auf die Kaufkraft ..................................... 59

VI.	Indirekte Einwirkungen (Fortsetzung).....................................  72

VII.	Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft .............................. 89

VIII.	Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft und

ihre Wechselwirkung........................................................ 118

IX.	Die Zerstreuung der Preise macht eine Indexnummer für die Kaufkraft

erforderlich............................................................... 149

X.	Die besten Indexnummem der Kaufkraft...................................... 160

XI.	Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick .............. 189

XII.	Statistiken der letzten Jahre............................................ 225

XIII.	Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten ....................... 261

Anhang zum	II.	Kapitel ................................................... 286

Anhang zum	III.	Kapitel ................................................... 302

Anhang zum	V.	Kapitel ................................................... 304

Anhang zum	VI.	Kapitel ................................................... 305

Anhang zum	VII.	Kapitel ................................................... 308

Anhang zum	VIII.	Kapitel ................................................... 311

Anhang zum	X.	Kapitel ................................................... 316

Anhang zum	XII.	Kapitel ................................................... 357

Anhang zur zweiten Auflage über die „Wertstabilisierung des Dollars“ ........... 416
        <pb n="14" />
        ﻿•f

Analytisches Inhaltsverzeichnis.

I. Kapitel.	Selte

Begriffsbestimmungen.

§ 1. Reichtum und Austausch ................................................ 1

§ 2. Austauschbare Güter ................................................... 3

§ 3. Umlauf des Geldes gegen Güter ......................................... 5

II.	Kapitel.	)(

Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur Verkehrsgleichung.

§ 1. Die verschiedenen Zirkulationsmittel .................................. 7

§ 2. Die Verkehrsgleichung arithmetisch ausgedrückt......................... 11

§ 3.	Die	Verkehrsgleichung mechanisch ausgedrückt............................ 17

§ 4.	Die	Verkehrsgleichung algebraisch ausgedrückt .......................... 19

§ 5.	Schlußfolgerung und Erläuterungen........................................ 23

III.	Kapitel.

Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die Gleichung und infolgedessen

auf die Kaufkraft.

§ 1. Das Mysteriöse des Kreditumlaufs ...................................... 26

§ 2. Die Basis des Kreditumlaufs ........................................... 32

§ 3. Beschränkungen des Bankwesens ......................................... 34

§ 4. Revision der Verkehrsgleichung......................................... 38

§ 5. Depositenumlaufsmittel in ihrem normalen Verhältnis zum Gelde.......... 40

§ 6. Zusammenfassung ....................................................... 43

IV.	Kapitel.

Störung der Gleichung und der Kaufkraft in Perioden des Übergangs.

§ 1.	Langsamkeit der Zinsadjustierung an die Preisbewegungen.................. 44

§ 2.	Wie ein Steigen der Preise ein weiteres Steigen nach sich zieht	..*...... 47

§ 3.	Umfang der Störungen in der Gleichung ................................... 43

§ 4.	Wie ein Steigen der Preise in einer Krisis seinen Höhepunkt	erreicht..	51

§ 5.	Vollendung des Kreditzyklus ............................................. 54

§ 6.	Zusammenfassung ......................................................... 58
        <pb n="15" />
        ﻿ggSSäSSfe..







XVI	Analytisches Inhaltsverzeichnis.

V.	Kapitel.

^	Seite

Indirekte Einflüsse auf die Kaufkraft.

§ 1. Einfluß der Produktions- und Konsumtionsbedingungen auf den Handel und

daher auf die Preise...................................................... 59

§ 2. Einfluß der Beziehungen zwischen Produzenten und Konsumenten auf den

Handel und daher	auf die Preise .......................................... 62

§ 3. Einfluß persönlicher Gewohnheiten auf die Umlaufsgeschwindigkeit und daher

auf die Preise..........................................................   63

§ 4. Einfluß der Zahlungssysteme auf die Umlaufsgeschwindigkeit und daher auf

die Preise ............................................................... 67

§ 5. Einfluß allgemeiner Ursachen auf die Umlaufsgeschwindigkeit und daher auf

die Preise ............................................................... 70

§ 6. Einflüsse auf den Umfang der dem Scheckverkehr unterworfenen Depositen

und daher auf	die	Preise ............................................... 71

VI.	Kapitel.

Indirekte Einwirkungen (Fortsetzung).

§ 1. Einfluß des Außenhandels auf die Geldmenge und daher auf die Preise.....	72

§ 2. Einfluß des Schmelzens und Ausmünzens auf die Geldmenge und daher auf

die Preise ............................................................. 77

§ 3. Einfluß der Produktion und Konsumtion der Geldmetalle auf die Geldmenge

und daher auf	die	Preise ............................................... 79

§ 4.	Mechanische Darstellung dieser Einflüsse .............................. 84

VII.	Kapitel.

Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

§ 1.	Das Greshamsche Gesetz.................................................   89

§ 2.	Fälle, in denen der Bimetallismus sofort versagt......................... 91

§ 3. Fälle, in denen der Bimetallismus versagt, nachdem die Produktion die Kon-
sumtion überholt hat............................................................ 97

§ 4.	Die hinkende Währung; die Golddevisenwährung............................ 101

§ 5.	Der Bimetallismus in Frankreich ........................................ 105

§ 6.	Lehren aus dem französischen Experiment................................. 108

§ 7.	Die hinkende Währung in Indien.......................................... 110

§ 8.	Die hinkende Währung in den Vereinigten Staaten......................... 112

§ 9.	Allgemeine Beschreibung des Systems in den Vereinigten Staaten .......... 114

VIII.	Kapitel.

Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft

und ihre Wechselwirkung.

« °

§ 1. Die Verkehrsgleichung drückt keinen kausalen Zusammenhang zwischen ihren

Gliedern aus............................................................. 118

§ 2. Wirkungen einer Veränderung im Gelde(G). Die Quantitätstheorie in kausalem

Sinne ................................................................... 120
        <pb n="16" />
        ﻿Analytisches Inhaltsverzeichnis.

XVII

§ 3. Die Quantitätstheorie in Übergangsperioden nicht vollständig gültig....

§ 4. Wirkungen einer Veränderung in den Depositen (G') in Beziehung zum

8 5 Wirkungen von Veränderungen in der Umlaufsgeschwindigkeit (17 und U') ..

8 6. Wirkungen von Veränderungen im Handelsvolumen (in den Q)...............

8 7. Kann das Preisniveau als Ursache und als Wirkung betrachtet werden? ...
§ 8. Unterscheidung zwischen der Verursachung individueller Preise und dem Preis-

niveau ................................................................

§ 9. Zusammenfassung .......................................................

Seite

129

132

134

134

138

142

148

IX.	Kapitel.

Die Zerstreuung der Preise macht eine Indexnummer für die Kaufkraft

erforderlich.

§ 1. Einige Preise reagieren nur schwerfällig auf allgemeine Preisbewegungen ... 149

§ 2. Infolgedessen müssen andere Preise überstark reagieren................. 154

§ 3. Umformung der rechten Seite der Verkehrsgleichung von 2 pQ in PH ....	157

§ 4. Zusammenfassung ....................................................... 159

X.	Kapitel.

Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

§ 1. Formen der Indexnummem ....................

§ 2. Die verschiedenen Zwecke der Indexnummem

§ 3. Die Indexnummer als Norm für aufgeschobene Zahlungen..

§ 4. Aufgeschobene Zahlungen auf dem Gesamtaustausch beruhend. .

§ 5. Praktische Beschränkungen ..........

§ 6. Zusammenfassung ....................

160

165

168

176

182

187

XI.	Kapitel.

Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

§ 1.	Die letzten tausend Jahre ............................................... ^gg

§ 2.	Die letzten vier Jahrhunderte ........................................... jqj

§ 3.	Das neunzehnte Jahrhundert............................................... 492

§ 4.	Seine fünf Preisbewegungen............................................... 494

§ 5.	Rückblick ............................................................... 200

§ 6.	Ausblick................................................................   201

§ 7.	Papiergeld ............................................................... 202

§ 8.	Das Papiergeld in Frankreich ............................................. 204

§ 9.	Das Papiergeld in England................................................. 205

§ 10.	Das Papiergeld in Österreich ............................................. 207

§ 11.	Frühamerikanisches Papiergeld ............................................ 208

§ 12.	Die „Greenbacks“ ......................................................... 209

§ 13.	Vertrauen auf den „Greenback“ ............................................ 212

§ 14.	Das Papiergeld der konföderierten Südstaaten ............................. 214

Fisher Kaufkraft des Goldes.	^
        <pb n="17" />
        ﻿XVIII	Analytisches Inhaltsverzeichnis.

Seite

§ 16. Depositenumlaufsmittel und Krisen ..................................... 216

§ 16. Besondere Krisen ...................................................... 218

§ 17. Depositenumlaufsgeschwindigkeit und Krisen............................. 220

§	18.	Zusammenfassung	................................................... 223

XII.	Kapitel.

Statistiken der letzten Jahre.

§	1.	Kemmerers Statistiken, 1879—1908 ....................................... 225

§	2.	Neue Schätzungen	von	G und G',	1896—1909 ............................. 228

§	3.	Neue Schätzungen	von	G' 17' und	17', 1896—1909 ....................... 230

§	4.	Neue Schätzungen	von	GU und 17, 1896—1909 ............................ 233

§	6.	Schätzungen von II und P, 1896—1909 .................................... 237

§ 6. Direkte und indirekte Berechnung von P ...........................,..... 238

§	7.	Korrektur von Abweichungen ............................................. 243

§	8.	Die Endergebnisse...................................................... 248

§	9.	Die relative Wichtigkeit preissteigernder Ursachen...................... 251

§ 10. Einfluß vorausgehender Ursachen, z.	B.	der	Zölle usw.................... 255

§ 11. Resultate und Nebenergebnisse des XII.	Kapitels ......................... 258

XIII.	Kapitel.

Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

§ 1. Das Problem der Geldreform................................................ 261

§ 2. Der Bimetallismus als dessen Lösung	................................... 264

§ 3. Vorschläge anderer Lösungen............................................... 269

§ 4. Die Tabellenwährung ...................................................... 272

§ 5. Der Vorschlag des Verfassers.............................................  276

§ 6. Zusammenfassung und Schluß................................................ 284

Anhang.

Anhang zum II. Kapitel.

§ 1	(zum	II.	Kapitel,	§	3).	Der Begriff	eines Mittelwertes............... 286

§ 2	(zum	II.	Kapitel,	§	5).	Der Begriff	„Umlaufsgeschwindigkeit“ ........ 289

§ 3	(zum	II.	Kapitel,	§	6).	Anordnung	der p, Q und pQ.................. 291

§ 4	(zum	II.	Kapitel,	§	5).	Anordnung	der a, g und 17 ................. 294

§ 5	(zum II.	Kapitel, § 6). Der Münzenübertragungsbegriff der Geschwindigkeit

und der	Begriff Umsatzzeit ........................................ 298

§ 6	(zum II.	Kapitel, § 5). Algebraische Darlegung der Verkehrsgleichung.... 299

§ 7	(zum II.	Kapitel, § 5). P muß eine spezifische Form des Durchschnittes	sein,

um sich	direkt wie G und U und umgekehrt wie die Q zu verändern .... 300
        <pb n="18" />
        ﻿Analytisches Inhaltsverzeichnis.	XIX

Anhang zum DI. Kapitel.

Seite

§ 1	(zum	III. Kapitel,	§ 2).	Anordnung der h und r............................. 302

§ 2	(zum	III. Kapitel,	§ 4).	Algebraische Darlegung der Verkehrsgleichung mit

Einschluß der Depositenumlaufsmittel..................................... 303

Anhang zum V. Kapitel.

§ 1 (zum V. Kapitel, § 5). Wirkung des Zeitkredits auf die Verkehrsgleichung... 304
Anhang zum VI. Kapitel.

§ 1 (zum VI. Kapitel, § 1). Die durch den internationalen Handel erforderliche

Modifikation der Verkehrsgleichung .......................................... 305

Anhang zum VII. Kapitel.

§ 1	(zum	VII. Kapitel,	§ 2).	Geldsurrogate ungleich anderen Ersatzmitteln ....	308

§ 2	(zum	VII. Kapitel,	§ 2).	Grenzen der Verhältnisse, innerhalb deren der Bi-
metallismus möglich ist	 310

Anhang zum VIII. Kapitel.

§ 1 (zum VIII. Kapitel, § 6). Umsatzstatistik an der Yale Universität..... 311

§ 2 (zum VIII. Kapitel, § 8). Gegenüberstellung von vier Warengattungen	....	314

Anhang zum X. Kapitel.

§ 1. Jede Form der Indexziffer für Preise umfaßt eine korrelative Form der Index-
ziffer für Quantitäten......................................................... 3pg

§ 2. Indexziffern für Preise kommen ebenso wie die Indexziffern für Quantitäten

in antithetischen Paaren vor................................................. 32p

§ 3. Allgemeine Bedeutung der p und Q......................................... 323

§ 4. Übersicht über die 44 Formeln als Kolonnentitel der Tabelle.......... 324

§ 5. Übersicht über die als Titel der Tabellenreihen figurierenden acht Proben	...	330

§	6.	Der innere Teil der Tabelle, insbesondere	Kolonne	11....................... 338

§	7.	Vergleich der 44 Formeln................................................... 346

§	8.	Gründe für die Bevorzugung der Mittelzahl	für	praktische Zwecke ........... 353

§	9.	Kurze zusammenfassende Übersicht........................................... 35g

Anhang zum XII. Kapitel.

§	1	(zum	XII.	Kapitel,	§	1).	Kemmerers Berechnungen............................ 357

§	2	(zum	XII.	Kapitel,	§	2).	Methode zur	Berechnung von	G .................. 359

§	3	(zum	XII.	Kapitel,	§	2).	Methode zur	Berechnung von	G' ................. 3g2

§	4	(zum	XII.	Kapitel,	§	3).	Methode zur	Berechnung von	G' U' für die Jahre

1896 und 1909 .............................................................   368

§ 5 (zum XII. Kapitel, § 3). Methode zur Berechnung von G' V für die Jahre

1897—1908 ................................................................... 373
        <pb n="19" />
        ﻿XX	Analytisches Inhaltsverzeichnis.

Seite

§ 6 (zum XII. Kapitel, § 4). Allgemein anwendbare Formel zur Berechnung

von U .................................................................... 375

§ 7 (zum XII. Kapitel, § 4). Anwendung der Formel zur Berechnung von U

für die Jahre 1896 und 1909 .............................................. 386

§ 8 (zum XII. Kapitel, § 4). Interpolation der 17-Werte für die Jahre

1897—1908 ................................................................ 401

§ 9	(zum	XII.	Kapitel,	§	5).	Methode zur Berechnung von H................... 402

§ 10	(zum	XII.	Kapitel,	§	5).	Methode zur Berechnung von P................... 409

§ 11	(zum	XII.	Kapitel,	§	7).	Gegenseitige Angleichungen der berechneten Werte

von G, G', TJ, V, P und H ................................................ 411

§ 12 (zum XII. Kapitel, § 8). Kredit- und Bargeldgeschäfte. Vergleich mit

Kinleys Schätzungen ...................................................... 413

Nachtrag zur zweiten (amerikanischen) Auflage................................... 415

Anhang zur zweiten (amerikanischen) Auflage über die „Wertstabilisierung des

Dollars“................................................................... 416
        <pb n="20" />
        ﻿I. Kapitel1).

Begriffsbestimmungen.

§i-

Um die Beziehungen des in diesem Buche behandelten Problems zu
dem Gesamtgebiete der Nationalökonomie klarzustellen, sind einige Grund-
begriffe zu definieren.

In erster Reihe kann die Nationalökonomie selbst als die Wissenschaft
vom Reichtum (wealth) und Reichtum als der Inbegriff materieller, im Be-
sitze der Menschen befindlicher Gegenstände bezeichnet werden. Zum
Reichtum gehören daher zwei Hauptmerkmale: Stofflichkeit und An-
eignung. Nicht alle materiellen Dinge können daher im Reichtum inbe-
griffen werden, sondern nur solche, von denen man Besitz ergriffen hat.
Weder Sonne, Mond und andere Himmelskörper, noch alle Teile der Ober-
fläche unseres Planeten können als Reichtum betrachtet werden, sondern
nur solche Teile, welche zu menschlichem Gebrauche angeeignet worden
sind. Es sind daher angeeignete Stücke der Erdoberfläche und angeeignete
Gegenstände darauf, die den Reichtum bilden.

Man kann zweckmäßigerweise drei Kategorien von Reichtum unter-
scheiden: Boden (real estate), Waren (commodities) und Menschen. Unter
Boden verstehen wir ein Stück Erdoberfläche und andere hiermit verbundene
Reichtumsbestandteile — Meliorationen, wie Gebäude, Dämme, Gräben,
Eisenbahnen, Straßenbauten usw. Unter Waren verstehen wir allen Mobiliar-
reichtum (mit Ausnahme des Menschen selbst), sowohl Rohmateriahen als
Fertigprodukte. Es gibt nun eine besondere Warengattung — ein gewisses
Fertigprodukt —, das für den in diesem Buche behandelten Gegenstand von
besonderer Bedeutung ist, nämlich das Geld. Um Geld zu sein, muß eine
Ware im Austausch ahgemein annehmbar sein, und jede im Austausch i)

i) Dieses Kapitel bildet vornehmlich eine gedrängte Wiedergabe der Kapitel I und II
des Buches des Verfassers „The Nature of Capital and Ineome1'1', New York (Macmillan)
1906.

Fisher, Kaufkraft des Geldes.

1
        <pb n="21" />
        ﻿2

I. Kapitel.

allgemein annehmbare Ware sollte Geld genannt werden. Den besten
Typus einer als Geld fungierenden Ware stellen heutzutage Goldmünzen dar.

Von allem Reichtum ist der Mensch gleichfalls eine Spezies. Seinen
Pferden oder Rindern gleich ist er selbst ein materieller Gegenstand und
gleich diesen der Aneignung unterworfen; denn ist er Sklave, so gehört er
einem anderen an, und ist er frei, sich selbst1).

Obwohl jedoch der Mensch als Reichtum betrachtet werden kann,
sind menschliche Eigenschaften, wie Geschick, Intelligenz und Erfindungs-
gabe kein R eichtum. Ebensowenig wie die Härte des Stahls kein Reichtum
ist, sondern nur die Eigenschaft einer besonderen Art von Reichtum — harten
Stahls —, so ist die Geschicklichkeit eines Arbeiters kein Reichtum, son-
dern nur die Eigenschaft einer anderen besonderen Art von Reichtum:
„des tauglichen Arbeiters“. Ebenso ist nicht die Intelligenz an sich Reich-
tum; dagegen ist ein intelligenter Mensch Reichtum.

Da Stofflichkeit eines der beiden Hauptmerkmale des Reichtums ist,
kann jeder Reichtumsbestandteil durch physikalische Einheiten gemessen
werden. Land wird in Hektaren, Kohle in Doppelzentnern, Milch in Litern
und Weizen in Scheffeln gemessen. Zur Abschätzung der Quantität der
verschiedenen Reichtumsbestandteile können daher die verschiedenen
physikalischen Maßeinheiten angewandt werden: Längen-, Flächen-,
Hohlmaße und Gewichte.

Wenn immer ein Reichtumsbestandteil mittelst einer solchen Einheit
gemessen wird, so bedeutet dies zugleich den ersten Schritt zur Messung
jener geheimnisvollen Größe, die „Wert“ genannt wird. Zuweilen wird der
Wert als psychisches und zuweilen als physisches Phänomen betrachtet.
Obgleich aber die Wertbestimmung immer einen psychischen Prozeß, die
Fällung eines Urteils, bedeutet, so ist doch die Ausdrucksweise, in der die
Resultate bestimmt und bemessen werden, physikalischer Natur.

Der Klarheit wegen ist es wünschenswert, vermittelst dreier grund-
legender Begriffe zum eigentlichen Wertbegriff zu gelangen. Diese sind:
Übertragung, Austausch und Preis.

Unter Übertragung von Reichtum versteht man einen Wechsel der
Eigentümer. Ein Austausch besteht aus zwei gegenseitigen und freiwilligen
Übertragungen, von denen sich die eine auf die andere bezieht.

1) Wenn wir vorziehen, Sklaven allein und nicht freie Männer in den Begriff Reich-
tum einzuschließen, so müssen wir die Definition von Reichtum folgenderweise abändern:
Reichtum besteht aus materiellen, vom Menschen angeeigneten Gütern seiner Außenwelt.
Für den Zweck dieses Buches ist es gleichgültig, ob der engere oder weitere Begriff ange-
wandt wird.
        <pb n="22" />
        ﻿Begriffsbestimmungen.

3

Wenn eine gewisse Quantität irgendwelcher Art von Reichtum gegen
eine gewisse Quantität einer anderen Art umgetauscht wird, so können wir
die eine der beiden Quantitäten durch die andere dividieren und erhalten
damit den Preis der letzteren. Wenn z. B. zwei Dollar in Gold in drei Scheffel
Weizen umgetauscht werden sollen, so ist der Preis des Weizens in Gold
zwei Drittel eines Dollar per Scheffel, und der Preis des Goldes, in Weizen
ausgedrückt, ist ein und ein halb Scheffel pro Dollar. Es ist zu beachten,
daß dies die Verhältnisse zwischen zwei physischen Quantitäten sind, deren
Messungseinheiten voneinander ganz verschieden sind. Die eine Ware wird
in Scheffeln oder Einheiten der Weizenmenge, die andere in Dollar oder
Einheiten des Goldgewichtes gemessen. Im allgemeinen ist der Preis irgend-
welcher Spezies eines Reichtums bloß das Verhältnis zweier materieller
Quantitäten, in welcher Weise eine jede von beiden ursprünglich auch ge-
messen werden mag.

Wir kommen nun schließlich zum Wertbegriff. Der Geldwert (value)
irgendwelches Postens von Reichtum ist dessen Preis multipliziert mit seiner
Quantität. Wenn daher ein halber Dollar per Scheffel der Preis des Weizens
ist, so beträgt der Geldwert von hundert Scheffeln Weizen fünfzig Dollar.

§ 2.

Wir haben bisher unsere Betrachtung auf einige Ableitungen aus dem
ersten der Begriffsmerkmale des Reichtums, dem seiner Stofflichkeit, be-
schränkt. Wir wenden uns nun dem zweiten Grundmerkmale, seiner An-
eignung, zu. Reichtum eignen (own) bedeutet einfach das Recht, von ihm
Nutzen zu ziehen, d. h. die Dienst- und Nutzleistungen (services and bene-
fits) des Reichtums zu genießen. So kann der Eigentümer eines Laibes Brot
aus ihm dadurch Nutzen ziehen, daß er es ißt, es verkauft oder anderweitia:
darüber verfügt. Der Besitzer eines Hauses hat das Nutzungsrecht, das
ihm dadurch gebotene Obdach selbst zu genießen, es zu verkaufen oder es
zu vermieten. Dieses Recht, das Recht an oder auf die Nutzleistungen des
Reichtums — oder kurz das Recht auf den oder an dem Reichtum selbst —
wird hier „Eigentumsrecht“ oder kurzweg „EigentumP genannt.

Wenn die Objekte des Reichtums stets in vollem ungeteilten Eigen-
tum stünden, d. h. wenn keine Teilung des Eigentums — keine Teilhaber-
rechte, keine Gewinnanteile damit verbunden wären, ferner, wenn es keine
Aktiengesellschaften gäbe, so wäre es ziemlich irrelevant, zwischen Eigen-
tum und Reichtum zu unterscheiden. Aber das Eigentumsrecht auf ein
Vermögen ist häufig geteilt, und durch diese Tatsache wird eine sorgfältige

1*
        <pb n="23" />
        ﻿4

I. Kapitel.

Unterscheidung zwischen dem im Besitz befindlichen Gegenstand und den
Rechten der Eigentümer notwendig. Eine Eisenbahn ist also ein Stück
Reichtum. Aktien und Prioritäten sind Ansprüche auf diesen Reichtum.
Jeder Inhaber von Aktien oder Prioritäten hat ein Amecht auf einen Bruch-
teil des von der Eisenbahn abgeworfenen Gewinnes. In ihrer Gesamtheit
umfassen diese Berechtigungen das vollständige Verfügungsrecht über die
Eisenbahn oder das Eigentum an der Eisenbahn.

Ebenso wie der Reichtum können auch Eigentumsrechte gemessen
werden; ihre Maßeinheiten tragen aber einen anderen Charakter. Die Ein-
heiten des Eigentumsanrechts sind nicht physischer Natur, sondern sie
bestehen aus abstrakten Ansprüchen auf die Nutzleistungen des Reichtums.
Für einen Mann, der fünfundzwanzig Aktien einer Eisenbahngesellschaft
besitzt, besteht das Maß seines Eigentums in fünfundzwanzig Einheiten so
gut, wie wenn er fünfunzdwanzig Scheffel Weizen besäße. Was er besitzt,
sind aber fünfundzwanzig Anrechte einer besonderen Gattung.

Es gibt verschiedene Einheiten zur Messung des Eigentums, wie es ver-
schiedene Einheiten zur Bemessung des Reichtums gibt; und dieselben Be-
griffe der Übertragung, des Austausches, des Preises und Wertes, die auf
den Reichtum Anwendung finden, können auf das Eigentum genau so gut
angewandt werden.

Neben der Unterscheidung zwischen Reichtum und Eigentum soll hier
noch eines anderen Unterschiedes gedacht werden. Dies ist die Unter-
scheidung zwischen Eigentumsanrechten und Ausweisscheinen (certificates)
dieser Amechte. Erstere sind die Amechte auf die Benutzung des Reich-
tums; letztere sind nur schriftliche Beweismittel für das Vorhandensein
dieser Anrechte. Der Anspruch auf die Dividenden einer Eisenbahn ist also
ein Eigentumsrecht, das geschriebene Dokument indessen, durch das dieses
Anrecht anerkannt wird, ist ein Ausweisschein. Das Recht auf eine Eisen-
bahnfahrt ist ein Eigentumsrecht; die Fahrkarte, die dieses Recht zugesteht,
ist ein Eigentumsausweisschein. Das Versprechen einer Bank ist ein Eigen-
tumsrecht; die Banknote, auf der dieses Versprechen aufgedruckt ist, ist
ein Eigentumsausweis.

Jedes Eigentumsrecht, das im Austausch zur allgemeinen Annahme ge-
langt, kann „Geld“ genannt werden. Das gedruckte Beweismittel seiner
Existenz wird ebenfalls Geld genannt. Hierdurch entstehen drei Bedeutungen
des Ausdruckes Geld, nämlich: seine Bedeutung im Sinne von Reichtum;
seine Bedeutung im Sinne von Eigentum*) und seine Bedeutung im Sinne

D Siehe K. M enger, Handwörterbuch der Staatswissenschaften, Jena (Fischer),
Bd. IV, 1910, Artikel „Geld“, Seite 566—568.
        <pb n="24" />
        ﻿B egriff sb estimmungen.

5

eines urkundlichen Nachweises. Vom Standpunkt volkswirtschaftlicher
Analyse ist seine Bedeutung im Sinne von Eigentum die wichtigste.

Das Eigentumsanrecht in dem oben angenommenen Sinne ist das Recht
auf die Dienstleistungen, auf die Nutzungen oder Nutzleistungen des Reich-
tums. Unter Nutzleistungen (benefits) des Reichtums sind die wünschens-
werten Ergebnisse, die mittelst des Reichtums erzielt werden, zu verstehen.
Ebenso wie Reichtum und Eigentum, können auch die Nutzleistungen ge-
messen werden; es tragen jedoch ihre Maßeinheiten wieder einen anderen
Charakter. Nutzleistungen werden entweder „nach der Zeit“ berechnet,
wie die Dienstleistungen eines Gärtners oder eines Wohnhauses; oder
„stückweise“, wie der Gebrauch eines Pfluges oder eines Telephons. Und
die nämlichen Begriffe von Übertragung, Austausch, Preis und Wert, die
in bezug auf den Reichtum und das Eigentum angewandt werden, gelten
ebenso für die Nutzleistungen.

Die Nutzleistungen (benefits) des Reichtums, von welchen wir gesprochen
haben, müssen aber von der Nutzbarkeit des Reichtums deutlich unterschie-
den werden. Unter dem einen sind wünschenswerte Ergebnisse und unter
dem anderen die Wünschbarkeit dieser Ergebnisse zu verstehen. Das eine
liegt gewöhnlich außerhalb des subjektiven menschlichen Ermessens, das
andere hängt stets von ihm ab.

Wann immer wir von Ansprüchen auf Nutzleistungen sprechen, beziehen
sich diese auf zukünftige Nutzleistungen. Der Eigentümer eines Hauses,
besitzt das Recht, es vom gegenwärtigen Augenblick an bis auf weiteres zu
benutzen. Sein bisheriger Gebrauch ist verfallen und nicht mehr dem
Eigentumsrecht unterworfen.

Der Ausdruck „Güter“ wird in diesem Buche einfach als geeigneter
Kollektivausdruck gebraucht, der Reichtum, Eigentum und Nutzleistungen
umfaßt. Übertragung, Austausch, Preis und Wert der Güter nehmen un-
zählige Formen an. Unter den Begriff des Preises fallen in voller Anwendung
auf alle Güter auch Mieten, Löhne, Zinsraten, in Geld und in Quantitäten
anderer Güter ausgedrückte Preise. In diesem Buche werden wir aber
hauptsächlich auf die in Geld ausgedrückten Preise von Gütern eingehen.

§3.

Über das Verhältnis des Reichtums, des Eigentums und der Nutz-
leistungen zur Zeit ist bisher wenig gesagt worden. Eme gewisse Menge von
Gütern kann entweder eine Quantität sein, welche zu einem besonderen
Zeit funkt vorhanden ist, oder sie kann eine Quantität sein, die während
        <pb n="25" />
        ﻿6

I. Kapitel.

einer gewissen Zeitperiode produziert, verbraucht, transportiert oder umge-
tauscht wird. Die erstere Gütermenge ist eine Bestandmasse (stock) oder
ein Güterfond (fund), die zweitgenannte Quantität befindet sich im Flusse;
sie ist ein Güterstrom (flow or stream). Der Gesamtbestand von Weizen
in einer Mahlmühle an irgendeinem bestimmten Tage ist ein Weizenfond,
während der ein- und ausgehende monatliche oder wöchentliche Bestand
einen Weizenstrom darstellt. Die Menge der geförderten Kohle in den
Vereinigten Staaten, die zu einem gewissen Zeitpunkt vorhanden ist, ist
ein Fond geförderter Kohle; was wöchentlich hinzugefördert wird, bildet
einen Kohlenstrom.

Diese Unterscheidungen finden vielfache Anwendung; z. B. auf das
Verhältnis des Kapitals zum Einkommen. Eine Güterbestandmasse, gleich-
viel ob Reichtum oder Eigentum, die zu einem gewissen Zeitpunkt vor-
handen ist, heißt Kapital. Der Strom der Nutzleistungen eines solchen
Kapitals während einer Zeitperiode heißt „Einkommen1'. Das Einkommen
bildet daher eine bedeutsame Art volkswirtschaftlicher Ströme. Außer
dem Einkommen kann man drei Hauptklassen volkswirtschaftlicher Ströme
unterscheiden, die — je nachdem — Veränderungen durch Wirtschafts-
prozesse (wie: Produktion und Konsumtion), Veränderungen durch räum-
liche Verschiebungen (wie: Transport, Ausfuhr und Einfuhr) oder Ver-
änderungen durch Wechsel des Eigentumsrechtes, die wir bereits „Über-
tragungen“ genannt haben, darstellen. Der Handel ist ein Strom von
Übertragungen. Er ist, sei er Außen- oder Innenhandel, einfach der Aus-
tausch eines Stromes übertragener Rechte an Gütern gegen einen gleich-
wertigen Strom übertragenen Geldes oder von Geldersatzmitteln. Der
letztere dieser beiden Ströme wird der „Umlauf“ des Geldes genannt. Die
Gleichung zwischen den beiden Strömen wird die „Verkehrsgleichung“
(equation of exchange) genannt und gerade diese Gleichung ist es, die das
Hauptproblem dieses Buches bildet.
        <pb n="26" />
        ﻿Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur Verkehrsgleichung.

7

II. Kapitel.

Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur
V erkehrsgleichung.

§1-

Wir definieren das Geld als das, was im Austausch für Güter allgemein
zur Annahme gelangt1). Die Leichtigkeit, mit der das Geld also ausge-
tauscht werden kann, oder seine allgemeine Annehmbarkeit bildet sein
charakteristisches Unterscheidungsmerkmal. Die allgemeine Annehmbar-
keit kann durch das Gesetz besonders erzwungen werden; dadurch wird
das Geld ein sogenanntes „gesetzliches Zahlungsmittel“ (legal tender); doch
ist dieser Zwang nicht das wesentliche. Um irgendeinem Gute die Bedeutung
des Geldes zu geben, ist nur erforderlich, daß die allgemeine Annahme da-
mit verknüpft ist. An der Landesgrenze gelten manchmal Goldstaub oder
Goldklumpen als Geld ohne irgendwelche gesetzliche Sanktion. In der
Kolonie Virginia war es Tabak. Bei den Indianern in New England galt
der Wampum als Geld. „In Deutsch-Neu-Guinea werden die gebogenen
Hauer des Ebers als Geld benutzt. In gleicher Weise werden in Kalifornien
die Köpfe roter Vögel verwendet“ 1 2). In Melanesien kommen Steine und
Muscheln als Geld in Anwendung3). „In Birma sind es chinesische Spiel-
marken, welche als Geld dienen. Man sagt, daß in Südamerika die von
Straßenbahngesellschaften herrührenden Kautschukmarken ähnlich kur-
sieren“ 4). Vor nicht allzulanger Zeit gelangten in einer Stadt im Staate
New York ähnliche Wertzeichen in lokalen Umlauf, bis ihre Ausgabe durch
die Eegierung der Vereinigten Staaten verboten wurde. In Mexiko bediente
man sich als Geld großer Kakaobohnen von verhältnismäßig geringer Quali-
tät, und an der Westküste Afrikas wurden kleine Matten als solches verwandt5).
Diese Aufzählung könnte bis ins Unendliche fortgesetzt werden. Aber was
auch immer die Substanz des Artikels sein mag, es ist seine allgemeine Aus-
tauschbarkeit, die ihn zum Geld macht.

1)	Erörterungen über genaue Begriffsbestimmungen des Geldes finden sich bei:
A. Piatt Andrew, „What ought io le called Money“ im Quarterly Journal of Economics,
Bd. XIII; Jevons, Money and the Mechanism of Exchange, London (Kegan Paul) and
New York (Appleton), 1896; Palgrave, Dictionary of Political Economy; Walker, Money
und in anderen Monographien und Lehrbüchern.

2)	Sumncr, Folkways, Boston (Ginn), 1907, S. 147.

3)	A. a. 0. S. 150.

*) A. a. 0. S. 148.

s) A. a. 0. S. 148.
        <pb n="27" />
        ﻿8

II. Kapitel.

Andererseits kann sogar das, was als gesetzliches Zahlungsmittel erklärt
worden ist, durch allgemeinen Brauch seines praktischen Geldcharakters ent-
kleidet werden. Während des Bürgerkrieges versuchte die amerikanische
Regierung Fünfzigdollarnoten, die 7,3 % Zinsen eintragen sollten, in Um-
lauf zu setzen, so daß die Zinsen den sehr leicht ausrechenbaren Betrag eines
Cents per Tag ergaben. Es gelang jedoch nicht, den Notenumlauf zu sichern.
Trotz der Anstrengungen, ihren Austausch zu erleichtern, zog man vor, sie
der Zinsen wegen zu behalten1). Geld trägt nie Interessen, außer in dem
Sinne, daß sein Gebrauch im Austauschprozesse Vorteil bringt. Diese Be-
quemlichkeit ist die spezielle Dienstleistung des Geldes, und dies macht den
scheinbaren Zinsverlust wett, den die Verwahrung des Geldes in unserer
Tasche an Stelle seiner Anlage nach sich zieht.

Es gibt verschiedene Stufen der Austauschbarkeit, die überschritten
werden müssen, bevor wir zum wirklichen Gelde gelangen. Unter allen
Gattungen von Gütern ist Grundbesitz vielleicht am wenigsten austauschbar.
Nur wenn zufällig gerade die Person gefunden wird, die das Grundstück
benötigt, kann es ausgetauscht werden. Eine Hypothek auf Grund und
Boden ist um einen Grad leichter auswechselbar. Doch selbst eine Hypo-
thek ist schwerer austauschbar als ein bekanntes und sicheres Privateffekt
und ein solches Wertpapier weniger leicht austauschbar als ein Staatspapier.
Es kommt tatsächlich häufig vor, daß Personen nur zu vorübergehender
Kapitalsanlage Staatspapiere kaufen, um sie wieder zu verkaufen, sobald
höherverzinsliche dauernde Kapitalanlagen erhältlich sind. Ein Wechsel
ist um einen Grad leichter austauschbar als ein Staatspapier; eine Tratte
auf Sicht ist um einen Grad leichter umzusetzen als ein Wechsel, während
ein Scheck beinahe ebenso austauschbar ist als Geld selbst. Jedoch keines
dieser Papiere ist wirkliches Geld, denn keines derselben gelangt zur „all-
gemeinen Annahme“.

Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf gegenwärtige und normale Ver-
hältnisse, sowie auf die Tauschmittel konzentrieren, die entweder Geld oder
annähernd Geld sind, so werden wir finden, daß das Geld selbst zu einer
allgemeinen Klasse von Eigentumsrechten gehört, die wir „Umlaufsmittel“
(currency) oder „Tauschmittel“ (circulating media) nennen wollen. Die
Umlaufsmittel umfassen jedweden Typus von Eigentumsrechten, die, gleich-
viel ob allgemein annehmbar oder nicht, in ihrem Hauptzweck und ihrem
Gebrauche nach faktisch als Tauschmittel dienen., '

Man unterscheidet zwei Klassen dieser Tauschmittel: 1. Geld, 2. Bank-

1) Vgl. Jevons, Money and the Meehanism of Exchange, S. 245.
        <pb n="28" />
        ﻿Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur Verkehrsgleichung.

9

depositen, welch letztere im nächsten Kapitel ausführlich behandelt wer-
den. Mittels der Schecks dienen die Bankdepositen als Zahlungsmittel im
Austausch für andere Güter. Ein Scheck ist der „Ausweisschein“ oder das
Beweismittel der Übertragung von Bankdepositen. Er ist nur unter Zu-
stimmung des Empfängers annehmbar; er würde im allgemeinen von dritten
Personen nicht akzeptiert werden. Dennoch fungieren die Bankdepositen
vermittelst der Schecks gegenwärtig als Tauschmittel sogar in größerem
Maße als Geld. Vom praktischen Standpunkte aus sind Geld und dem Scheck-
verkehr unterworfene Bankdepositen die einzigen Zirkulationsmittel. Wenn
Postanweisungen und telegraphische Übertragungen mit inbegriffen werden
sollen, müssen diese als Übertragungsausweise besonderer Depositen be-
trachtet werden; das Post- oder Telegraphenamt dient zum Zwecke dieser
besonderen Geschäftsvorgänge als Depositenbank.

Obgleich aber ein durch Scheck übertragenes Bankdeposit den Um-
laufsmitteln zuzurechnen ist, so ist es doch kein Geld. Eine Banknote hin-
gegen ist ebensogut Zirkulationsmittel wie Geld. Zwischen diesen beiden
liegt die endgültige Grenzlinie der Unterscheidung, was Geld ist und was
kein Geld ist. Allerdings ist diese Linie überaus fein gezogen, besonders
wenn es sich um Kassenschecks oder mit der Annahmeerklärung der
bezogenen Bank versehene „zertifizierte“ Schecks handelt, denn letztere
sind fast identisch mit Banknoten. Beide begründen Forderungs -
ansprüche an eine Bank, und beide erteilen dem Inhaber das Recht, Geld zu
erheben. Aber während eine Note im Austausch allgemein annehmbar ist,
ist ein Scheck nur speziell annehmbar, d. h. nur unter der Zustimmung des
Empfängers. Reale Geldansprüche akzeptiert der Empfänger ohne weiteres,
denn dazu wird er entweder durch Gesetze betreffend die gesetzlichen Zah-
lungsmittel oder durch eingewurzelten Brauch bewogenx).

Es gibt zwei Arten realen Geldes: Bargeld (primary) und Kreditgeld
(fiduciary). Es wird Bargeld genannt, wenn es aus einem Gute besteht,
das in irgendeiner anderen Verwendung wie zu Geldzwecken genau den-
selben Wert besitzt. Unabhängig von irgendeinem anderen Reichtum be-
sitzt das Bargeld seinen vollen Eigenwert. Kreditgeld hingegen ist Geld,
dessen Wert teilweise oder gänzlich von dem Vertrauen abhängt, daß der
Besitzer es für andere Güter auswechseln kann, wie z. B. gegen Bargeld auf
einer Bank oder an einer Staatskasse, oder daß er jedenfalls damit Schulden
bezahlen oder Handelsartikel dafür einkaufen kann. Der Haupttypus
des Bargeldes ist die Goldmünze; der Haupttypus des Kreditgeldes sind die
Banknoten. Der Eigenschaften, die die Austauschbarkeit des Bargeldes

i) Siehe Francis Walker, Money, Trade, and Industnj, New York (Holt), 1879, Kap. I.
        <pb n="29" />
        ﻿10

II. Kapitel.

bewirken, gibt es viele. Die wichtigsten sind: Transportierbarkeit, Dauer-
haftigkeit und Teilbarkeitx). Die Hauptgrundlagen der Austauschbarkeit
des Kreditgeldes sind seine Einlösbarkeit in Bargeld oder auch der ihm zu-
gesprochene Charakter, als gesetzmäßiges Zahlungsmittel zu fungieren.

Banknoten wie auch alles andere Kreditgeld sowie auch Bankdepositen
zirkulieren in Gestalt von Ausweisscheinen, die oft „Wertzeichen“ (Token)
genannt werden. Hierzu gehören auch „Scheidemünzen“. Abgesehen von
den durch sie gewährleisteten Ansprüchen ist der Wert dieser Scheidemünzen
gering. So ist der Wert eines Silberdollars als Reichtum nur ungefähr
vierzig Cents; mehr ist das tatsächlich darin enthaltene Silber nicht wert.
Sein Wert als Eigentum hingegen ist einhundert Cents, denn der
Inhaber des Silberdollars ist gesetzlich befugt, von ihm zur Bezahlung
einer Schuld in der Höhe dieses Betrages Gebrauch zu machen, und
er kann, kraft Gewohnheitsrechts, diesen Dollar zur Bezahlung von Gütern
verwenden. Ebenso ist der Eigentumswert (property value) eines Fünfzig-
centstückes, eines Quarters, eines Zehncentstückes, eines Fünfcentstückes
oder eines Centstückes bedeutend größer als deren Wert als Reichtum. So
hat z. B. ein Papierdollar — ein Silberzertifikat — als Reichtum beinahe
gar keinen Wert. Er besitzt eben nur den Wert des Papiers und nicht mehr.
Aber sein Eigentumswert ist einhundert Cents, d. h. das Äquivalent eines
Golddollars. Bis zu diesem Betrage repräsentiert er einen Anspruch des In-
habers auf den Reichtum des Staates.

Figur 1 gibt die Klassifizierung aller Umlaufsmittel in den Vereinigten
Staaten wieder. Aus ihr ist zu ersehen, daß der Gesamtbetrag der Umlaufs-
mittel sich auf ungefähr IO1/,, Milliarden beläuft, von denen etwa 8,/2 Mil-
liarden auf Bankdepositen entfallen, die dem Scheckverkehr unterworfen
sind, ferner auf l2/3 Milliarden in Geld, und daß von diesen l2/3 Milliarden
in Geld eine Milliarde Kreditgeld ist, während nur ungefähr 2/s Milliarden
bares Geld darstellen.

In diesem Kapitel wollen wir die Bankdepositen oder den Scheckum-
lauf nicht behandeln und unsere Aufmerksamkeit auf den Umlauf des baren
— und des Kreditgeldes beschränken. In den Vereinigten Staaten ist die
Goldmünze das einzige Bargeld. Das Kreditgeld umfaßt: 1. Scheide-
münzen, nämlich Silberdollar, Bruchteile dieses Silberdollars und geringere
Münzen („Nickels“ [Fünfcents] und Cents); 2. Papiergeld, nämlich: a)Gold-
und Silberzertifikate, b) Noten der Regierung der Vereinigten Staaten
(„Greenbacks“) oder der Nationalbanken. * V.

Q Siehe Jevons, Geld und Geldverkehr (Money and the Mechanism of Exchange)

V. Kap.
        <pb n="30" />
        ﻿Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur Verkehrsgleichung.

11

Wenn wir die Schecks beiseite lassen, können wir den Tauschverkehr
in drei Klassen einteilen: in den Austausch von Gütern gegen Güter oder
den Tauschhandel; in den Austausch von Geld gegen Geld oder Geldwechsel
und in den Austausch von Geld gegen Güter oder Kauf und Verkauf. Nur
die letztgenannte Art des Austausches führt zu der Erscheinung, die wir den
„Umlauf“ des Geldes nennen. Der Geldumlauf bedeutet daher den Gesamt-
betrag seiner Umsätze gegen Güter. Alles für den Umlauf bestimmte Geld,
d. h. alles Geld mit Ausnahme dessen, das sich in den Banken und in den
Kassen der Regierung der Vereinigten Staaten befindet, wird „in Umlauf
befindliches Geld“ genannt.

BARGELD

2/3

MILLI-

ARDEN

DEM SCHECKVERKEHR
UNTERWORFENE
BANKDEPOSITEN
87*

MILLIARDEN

KREDITGELD

or~

mr~

Fig. 1.

Hauptaufgabe dieses Buches ist die Erklärung der Ursachen, durch
die die Kaufkraft des Geldes bestimmt wird. Die Kaufkraft des Geldes
wird durch die Quantitäten anderer Güter bestimmt, die eine gegebene Geld-
quantität zu kaufen vermag. Je niedriger die Preise von Gütern sind, desto
größer sind die Quantitäten, die mit einem gegebenen Geldbeträge gekauft
werden können, und desto höher ist daher die Kaufkraft des Geldes. Je
höher wir die Preise von Gütern finden, desto geringer sind die Quantitäten,
die mit einem gegebenen Geldbeträge gekauft werden können, und desto
niedriger ist daher die Kaufkraft des Geldes. Kurz, die Kaufkraft des j
. Geldes ist das Gegenstück (reciprocal) des Preisniveaus; das Studium der;
f! Kaufkraft des Geldes ist daher mit dem Studium der Preisniveaus identisch.

§ 2.

Wenn man von dem Einfluß der Depositenumlaufsmittel oder Schecks
absieht, kann man sagen, daß das Preisniveau nur von drei Ursachengruppen
        <pb n="31" />
        ﻿12

II. Kapitel.

bestimmt wird: 1. von der Quantität des im Umlauf befindlichen Geldes;

2.	von seiner „Leistungsfähigkeit“ oder Umlaufsgeschwindigkeit (oder der
Durchschnittszahl der jährlichen Umsätze von Geld gegen Güter); und

3.	vom Umsatzvolumen (oder von der Menge der mittelst Geld gekauften
Güter). Die sogenannte „Quantitätstheorie“v), nach der die Preise in
direktem Verhältnis zur Geldmenge variieren, ist oft unrichtig formuliert
worden; die Theorie ist aber (wenn man vom Scheckumlauf absieht) korrekt
in dem Sinne, daß das Preisniveau direkt mit der in Umlauf befindlichen
Geldquantität variiert, vorausgesetzt, daß die Umlaufsgeschwindigkeit dieses
Geldes und das Volumen des Umsatzes, den es zu vollbringen hat, keine Ver-
änderung erfahren.

Die Quantitätstheorie ist stets eine der schärfstumstrittenen Theorien
der Nationalökonomie gewesen, und zwar größtenteils darum, weil die An-
erkennung ihrer Richtigkeit oder Unrichtigkeit mächtige Interessen in Handel
und Politik berührte. Man hat gesagt — und der Ausspruch ist kaum eine
Übertreibung — daß selbst die Theoreme des Euklid angefochten würden,
wenn einmal finanzielle und politische Interessen mit ihnen in Widerstreit
geraten sollten.

Die Quantitätstheorie ist leider zum Tummelplatz für ungesunde Wäh-
rungsprojekte mißbraucht worden. Man berief sich auf sie zur Verteidigung
uneinlöslichen Papiergeldes und der freien Silberausprägung im Verhältnis
16 zu 1 in den Vereinigten Staaten. Infolge dessen gibt es nicht wenige
„Anhänger einer gesunden Währung“, die der Meinung sind, daß eine
Theorie, die zur Aufrechterhaltung solcher Verirrungen benutzt wird, falsch
sein müsse, und die aus Angst vor der politischen Tragweite ihrer Verbreitung
bewogen wurden, nicht nur gegen die ungesunde Propaganda, sondern auch
gegen die gesunden Grundsätze selbst Stellung zu nehmen, durch die ihre
Verteidiger die Theorie künstlich zu halten suchten* 2). Diese Angriffe auf

Q Diese, wenngleich oft nur vag formulierte Theorie ist von Locke, Hume, Adam
Smith, Ricardo, Mill, Walker, Marshall, I-Iadley, Fetter, Kemmerer und den meisten
Autoren, die sich über diesen Gegenstand geäußert haben, angenommen worden. Der
Römer Julius Paulus sprach im Jahre 200 nach Ohr. Geb. seine Überzeugung aus, daß
der Wert des Geldes von seiner Quantität abhänge. Vgl. Zuckerkandl, Theorie des Preises,
Kemmerer, Money and Credit Instruments in their Relation to General Prices, New York
(Holt), 1909. Allerdings wenden sich noch viele Schriftsteller gegen die Quantitätstheorie.
Vgl. insbesondere Laughlin, Principles of Money, New York (Scribner), 1903.

2) Vgl. Scott, „Sie ist eine sehr ergiebige Quelle falscher Lehren in geldwirtschaft-
lichen Fragen gewesen und wird beständig und erfolgreich zur Verteidigung schädlicher
Gesetzgebung und als Mittel gebraucht, notwendige geldwirtschaftliche Reformen zu
hintertreiben.“ Money and Banking, New York, 1903, S. 68.
        <pb n="32" />
        ﻿Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur Verkehrsgleichung.

13

die Quantitätstheorie sind durch das mangelhafte Verständnis seitens derer
erleichtert worden, die sich auf diese Weise zugunsten einer unhaltbaren
Sache auf sie beriefen.

Nach meiner persönlichen Überzeugung kann es kaum eine gefähr-
lichere und in letzter Linie verderblichere geistige Voreingenommenheit
geben, als eine solche, die eine gesunde Praxis durch Verleugnung gesunder
Prinzipien aufrechterhalten will, weil einige Denker von diesen Prinzipien
eine falsche Anwendung machen. Auf jeden Fall gibt es für das wissen-
schaftliche Denken keine andere Alternative, als die ungeschminkte Wahr-
heit zu finden und zu konstatieren.

Die Quantitätstheorie wird in der Verkehrsgleichung (equation of
exchange), zu deren Analyse wir nun übergehen, klarer gestellt werden.

Die Verkehrsgleichung ist eine in mathematischer Form ausgedrückte
Darlegung der gesamten Transaktionen, die in einer gewissen Periode in
einem bestimmten Gemeinwesen vollzogen werden. Man erhält sie einfach
durch Summierung der Verkehrsgleichungen aller individueller Transak-
tionen. Nehmen wir z. B. an, daß eine Person 10 Pfund Zucker zu 30 Pfen-
nigen per Pfund kauft. Dies ist eine Austauschtransaktion, in der 10 Pfund
Zucker als gleichwertig mit 300 Pfennigen betrachtet werden, und diese Tat-
sache wird folgendermaßen ausgedrückt: 300 Pfennige = 10 Pfund Zucker
multipliziert mit 30 Pfennigen per Pfund. Jeder andere Kauf und Verkauf
kann in derselben Weise ausgedrückt werden, und wenn wir diese Posten
zusammenaddieren, erhalten wir die Verkehrsgleichung für eine gewisse
Periode in einem bestimmten Gemeinwesen. Während dieser nämlichen
Periode kann indessen das nämliche Geld für mehrere Transaktionen dienen,
und gewöhnlich ist dies der Fall. Aus diesem Grunde ist die Geldseite der
Gleichung natürlich größer als der Gesamtbetrag des in Umlauf befindlichen
Geldes.

Die Verkehrsgleichung betrifft alle während einer bestimmten Zeit
durch Geld gemachte Einkäufe in einem gewissen Gemeinwesen. Nach wie
vor wollen wir von Schecks oder von irgendeinem anderen Zirkulations-
medium, mit Ausnahme des Geldes, sowie vom Außenhandel absehen und
uns auf den Handel innerhalb eines hypothetischen Gemeinwesens be-
schränken. Später werden wir diese Faktoren wieder in unsere Erörterungen
einschließen, indem wir mittelst einer Beihe von Näherungen durch auf-
einanderfolgende hypothetische Voraussetzungen zu den gegenwärtig herr-
schenden Verkehrsbedingungen vorschreiten. Wir dürfen natürlich nicht
vergessen, daß die Schlüsse, die in jeder folgenden Näherung ausgedrückt
sind, einzig und allein für die speziell angenommene Hypothese gelten.
        <pb n="33" />
        ﻿14

II. Kapitel.

Die Verkehrsgleichung ist einfach die Summe der Gleichungen, die alle
individuelle Austausche eines Jahres ausdrücken. In jedem Kauf und Ver-
kauf sind Geld und ausgetauschte Güter ipso facto gleichwertig; das für
Zucker bezahlte Geld zum Beispiel hat denselben Wert wie der gekaufte
Zucker. Und in der großen Gesamtsumme aller Austausche eines Jahres
ist der Gesamtgeldbetrag gleichwertig mit dem Gesamtwert der gekauften
Güter. Die Gleichung hat daher eine Geldseite und eine Güterseite. Die
Geldseite stellt das gesamte bezahlte Geld dar und kann als das Produkt der
Geldquantität multipliziert mit seiner Umlaufsgeschwindigkeit betrachtet
werden. Die Güterseite besteht aus den Produkten von ausgetauschten
Güterquantitäten multipliziert mit deren respektiven Preisen.

Die wichtige Größe der sogenannten Umlaufsgeschwindigkeit oder Um-
schlagsfrequenz ist einfach der Quotient, der dadurch erlangt wird, daß man
die Gesamtsumme der im Laufe eines Jahres bezahlten Güter durch den im
Umlauf befindlichen Durchschnittsgeldbetrag, durch den diese Zahlungen
bewirkt werden, dividiert. Diese Umlaufsgeschwindigkeit für ein ganzes
Gemeinwesen ist eine Art Durchschnitt der Umschlagssätze (rates of tur-
nover) des Geldes für verschiedene Personen. Jede Person hat ihren eigenen
Umschlagssatz, der durch Division des jährlich verbrauchten Geldbetrags
durch den von ihr geführten Durchschnittsbetrag leicht ausgerechnet werden
kann.

Beginnen wir mit der Geldseite. Wenn in einem Lande die Anzahl der
Dollar 5,000,000 und die Zahl ihrer Umschläge, ihre Umlaufsgeschwindigkeit,
zwanzig per Jahr beträgt, dann ist der Gesamtbetrag des seinen Besitzer
(für Güter) wechselnden Geldes jährlich 5,000,000 mal zwanzig oder
$ 100,000,000. Dies ist die Geldseite der Verkehrsgleichung.

Da nun die Geldseite der Gleichung $ 100,000,000 beträgt, so muß die
Güterseite dieselbe Summe aufweisen. Denn wenn im Laufe des Jahres
$ 100,000,000 für Güter ausgegeben wurden, dann müssen in dem Jahre
Güter im Werte von $ 100,000,000 verkauft worden sein. Um die Mühe
zu ersparen, die Mengen und Preise der unzähligen Kategorien faktisch aus-
getauschter Güter anzuschreiben, wollen wir jetzt annehmen, daß es nur
drei Arten von Gütern gibt — Brot, Kohle und Tuch — und daß die Ver-
käufe die folgenden sind:

200,000,000 Laibe Brot zu $ 0,10 per Laib
10,000,000 Tonnen Kohle zu $ 5,00 per Tonne und
30,000,000 Meter Tuch zu $ 1300 per Meter.

Der Wert dieser Umsätze ist, wie ersichtlich, $ 100,000,000, d. h.
$ 20,000,000 Wert des Brotes plus $ 50,000,000 Wert der Kohle plus
        <pb n="34" />
        ﻿Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur Verkehrsgleichung.

15

$ 30,000,000 Wert des Tuches. Die Verkehrsgleichung (man beachte, daß
die Geldseite aus zwanzigmal ausgewechselten $ 5,000,000 bestand) ist
daher die folgende:

$ 6,000,000 x 20 mal per Jahr

= 200,000,000 Laibe x $ 0,10 per Laib,

+ 10,000,000 Tonnen x $ 6,00 per Tonne,

+ 30,000,000 Meter x $ 1,00 per Meter.

Diese Gleichung enthält auf der Geldseite zwei Größen, nämlich: 1. die
Geldmenge und 2. ihre Umlaufsgeschwindigkeit. Auf der Güterseite befinden
sich zwei Gruppen von Größen in zwei Kolonnen, nämlich: 1. die Mengen
der ausgetauschten Güter (Laibe, Tonnen, Meter) und 2. die Preise dieser
Güter. Die Gleichung zeigt, daß diese vier Gruppen von Größen sich in
wechselseitiger Abhängigkeit befinden. Um diese Gleichung zu befriedigen,
müssen die Preise eine Funktion der drei anderen Größengruppen — Geld-
quantität, Umlaufsgeschwindigkeit und ausgetauschte Güterquantitäten —
bilden. Im großen ganzen müssen diese Preise infolgedessen im Verhältnis
mit der Geldquantität und mit ihrer Umlaufsgeschwindigkeit sowie umge-
kehrt mit den Quantitäten der ausgetauschten Güter variieren.

Nehmen wir zum Beispiel an, daß die Geldmenge verdoppelt wird,
während ihre Umlaufsgeschwindigkeit und die Quantitäten der ausgewechsel-
ten Güter dieselben blieben; dann würde es für die Preise ganz unmöglich
sein, unverändert zu bleiben. Die Geldseite wäre dann $ 10,000,000 x
20 mal per Jahr, gleich $ 200,000,000, wohingegen, wenn die Preise sich
nicht veränderten, die Güter $ 100,000,000 blieben und die Gleichung un-
möglich würde. Da individuelle und kollektive Austausche stets ein äqui-
valentes quid pro quo bedeuten, müssen die zwei Seiten gleich sein. Nicht
nur Einkäufe und Verkäufe müssen den gleichen Betrag aufweisen — da
ja notwendigerweise jeder durch eine Person gekaufte Artikel von einer
anderen verkauft worden ist — sondern auch der Gesamtwert der Güter
muß dem Gesamtbeträge des ausgetauschten Geldes gleich sein. Unter den
gegebenen Umständen müssen sich die Preise daher dermaßen verändern,
daß die Güterseite von $ 100,000,000 auf $ 200,000,000 erhöht ward. Diese
Verdoppelung kann durch eine gleiche oder ungleiche Preissteigerung voll-
führt werden, aber irgendeine Art Preiserhöhung muß stattfinden. Wenn
die Preise gleichmäßig steigen, so werden sie sich offenbar allesamt verdop-
peln, so daß die Gleichung wie folgt lautet:

$ 10,000,000 x 20 mal per Jahr

= 200,000,000	Brotlaibe	x	$	0,20 per Laib,

+ 10,000,000	Tonnen	x	$	10,00 per Tonne,

+ 30,000,000	Meter	x	$	2,00 per Meter.
        <pb n="35" />
        ﻿16

II. Kapitel.

Wenn die Preise ungleichmäßig steigen, muß die Verdoppelung augen-
scheinlich durch einen Ausgleich herbeigeführt werden; wenn einige Preise
weniger als doppelt steigen, müssen andere zum genauen Ausgleich um ent-
sprechend mehr als das Doppelte steigen.

Aber gleichviel, ob alle Preise gleichmäßig steigen und jeder sich genau
verdoppelt, oder ob einige Preise mehr und andere weniger steigen (und
zwar derart, daß der Gesamtwert des Geldes der gekauften Güter stets ver-
doppelt wird), so verdoppeln sich die Preise jedenfalls im Durchschnitt1).
Dieser Satz wird gewöhnlich so ausgedrückt, daß man sagt, das „allge-
meine Preisniveau“ sei um das doppelte gestiegen. Aus der bloßen Tat-
sache, daß das für Güter verausgabte Geld den Quantitäten dieser Güter
multipliziert mit deren Preisen gleichkommen muß, folgt also, daß das
Preisniveau, den Veränderungen der Quantität des Geldes gemäß, steigen
oder fallen muß, es sei denn, es träten Veränderungen in der Umlaufsge-
schwindigkeit oder in den Quantitäten der ausgetauschten Güter ein.

Wenn Veränderungen in der Geldquantität auf die Preise einwirken, so
haben Änderungen in den anderen Faktoren — den Güterquantitäten und
der Umlaufsgeschwindigkeit — auf die Preise denselben Einfluß, und zwar
in ganz ähnlicher Weise. Eine Verdoppelung in der Umlaufsgeschwindigkeit
des Geldes verdoppelt also das Preisniveau, vorausgesetzt, daß die im Um-
lauf befindliche Geldquantität und die Quantitäten der gegen Geld ausge-
tauschten Güter vor- und nachher die gleichen bleiben. Die Gleichung wird
folgendermaßen aussehen:

$ 5,000,000 x 40 mal im Jahre

= 200,000,000	Brotlaibe	X	$	0,20	per Laib,

+ 10,000,000	Tonnen	x	$	10,00	per Tonne,

+ 30,000,000	Meter	x	$	2,00	per Meter.

Es kann natürlich die Gleichung auch eine solche Gestalt annehmen,
daß einige der Preise um mehr als das Doppelte und andere Preise um soviel
weniger als das Doppelte steigen, als nötig ist, nur um den Gesamtwert der
Umsätze zu erreichen.

Ebenso wird die Höhe des Preisniveaus durch eine Verdoppelung in den
Quantitäten der ausgetauschten Güter nicht verdoppelt, sondern um die
Hälfte sinken, vorausgesetzt, daß die Geldquantität und ihre Umlaufs-
geschwindigkeit dieselben bleiben. Unter diesen Umständen gestaltet sich
die Gleichung wie folgt:

r) Das heißt natürlich nicht, daß ihr einfacher arithmetischer Durchschnitt genau
verdoppelt wird. Bezüglich der Definition „Durchschnitt“ oder „Mittel“ im allgemeinen
vgl. § 1 des Anhanges zu diesem (II.) Kapitel.
        <pb n="36" />
        ﻿Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur Verkehrsglei

17

$ 5,000,000 X 20 mal im Jahr

= 400,000,000	Brotlaibe	$	0,05	per	Laib,

4- 20,000,000	Tonnen	x	$	2,50	per	Tonne,

+ 60,000,000	Meter	x	$	0,50	per	Meter.

Oder die Gleichung nimmt eine solche Gestalt an, daß einige Preise
um mehr und andere um weniger als die Hälfte sinken, um dem Ansätze
Genüge zu leisten.

Wenn schließlich gleichzeitig Veränderungen in zwei oder in sämtlichen
drei Wirkungsfaktoren, d. h. in der Geldquantität, in der Umlaufsgeschwin-
digkeit und in den Quantitäten der ausgetauschten Güter eintreten, dann
wird das Preisniveau eine Verbindung oder die Resultierende dieser ver-
schiedenen Wirkungsfaktoren darstellen. Wenn z. B. die Geldquantität
sich verdoppelt und ihre Umlaufsgeschwindigkeit um die Hälfte abnimmt,
während die Quantität der ausgetauschten Güter unverändert bleibt, so er-
leidet das Preisniveau keinerlei Störung. Ebenso wird es unverändert
bleiben, wenn die Geldquantität und die Quantität der Güter verdoppelt
werden, während die Umlaufsgeschwindigkeit sich nicht verändert. Daher
bedeutet eine Verdoppelung der Geldquantität nicht immer eine Verdoppe-
lung der Preise. Wir müssen klar erkennen, daß die Geldquantität nur einer
von drei Faktoren ist, die alle für die Bestimmung des Preisniveaus von
gleicher Wichtigkeit sind.

§ 3.

Die Verkehrsgleichung ist nun durch ein arithmetisches Beispiel er-
läutert worden. Sie soll jetzt auch durch ein Bild der Mechanik symbolisch
dargestellt werden. Eine solche Darstellung wird in Figur 2 zum Ausdruck
gebracht. Diese stellt eine im Gleichgewicht befindliche Wage vor, von

Fig. 2.

deren zwei Armen der eine die Geldseite, der andere die Güterseite der Ver-
kehrsgleiehung vorstellen soll. Das zur Linken durch eine Geldbörse sinn-
bildlich dargestellte Gewicht repräsentiert das in Umlauf befindliche Geld.
Der „Arm“ oder die Entfernung vom Drehpunkte der Wage, an welchem

Fisher, Kaufkraft des Geldes.

2
        <pb n="37" />
        ﻿18

II. Kapitel.

dieses Gewicht (Geldbörse) hängt, stellt die Leistungsfähigkeit dieses Geldes
oder dessen Umlaufsgeschwindigkeit dar. Auf der rechten Seite befinden
sich drei Gewichte — Brot, Kohle und Tuch, die durch einen Brotlaib,
einen Kohleneimer und einen Ballen Tuch sinnbildlich dargestellt sind.
Der Wagebalken oder die Entfernung jedes einzelnen Gewichtes vom Dreh-
punkte der Wage, repräsentiert dessen Preis. Um den Hebelarm zur Rechten
nicht unverhältnismäßig lang zu gestalten, haben wir es zweckmäßig ge-
funden, die Maßeinheit der Kohle von Tonne auf Zentner und diejenige des
Tuches von einem Meter (yard) auf den dritten Teil eines Meters, resp. auf
einen „Fuß“ (foot) zu reduzieren und dementsprechend die Anzahl der Ein-
heiten zu erhöhen. (Das Ausmaß der Kohle wird von 10,000,000 Tonnen
auf 200,000,000 Zentner und das Maß des Tuches von 30,000,000 Yards
auf 90,000,000 Fuß reduziert.) In der neuen Einheit, in Zentnern beträgt
der Preis der Kohle 25 Cents per Zentner und der Preis des Tuches für einen
„Fuß“ ist 33V3 Cents per Fuß.

Die Tendenz zur Senkung ist bekanntlich bei einer im Gleichgewicht
befindlichen Wage nach beiden Richtungen die gleiche. Jedes Gewicht löst
auf der Seite, auf der es sich befindet, eine Tendenz zur Abwärtsbewegung
aus, deren Stärke durch das Produkt aus der Länge des Wegearms mit dem
Gewichte zu messen ist. Das Gewicht zur Linken bewirkt auf dieser Seite
eine durch das Produkt 5,000,000 x 20 gemessene Tendenz, während die
Gewichte zur Rechten eine vereinigte Gegentendenz ausüben, die dem
Produkte 200,000,000 x 10 + 200,000,000 x 0,25 + 90,000,000 x 0,337s
entspricht. Die Gleichheit dieser entgegengesetzten Tendenzen stellt die
Yerkehrsgleichung dar.

Zur Beibehaltung des Gleichgewichts erfordert eine Zunahme in den
Gewichten oder Armlängen auf der einen Seite eine entsprechende Zunahme
in den Gewichten oder Armlängen auf der anderen Seite. Dieses einfache
und wohlbekannte Prinzip, das hier auf die sinnbildliche Darstellung ange-
wandt ist, bedeutet, daß, wenn z. B. die Umlaufsgeschwindigkeit (am linken
Arme) unverändert und der Umsatz (Gewichte zur Rechten) ebenfalls
gleich bleibt, jedwede Zunahme der Geldbörse zur Linken die Verlängerung
einer oder mehrerer Armlängen auf der rechten Seite, welche die Preise dar-
stellen, erfordert. Wenn diese Preise gleichmäßig zunehmen, dann steigen
sie in demselben Verhältnis wie die Zunahme an Geld; wenn sie nicht gleich-
mäßig zunehmen, werden einige mehr und andere weniger als in diesem
Verhältnis steigen, so daß doch der Durchschnitt erhalten bleibt.

Es ist ebenso klar ersichtlich, daß, wenn der Arm zur Linken sich ver-
längert, und wenn die Geldbörse sowie die verschiedenen Gewichte zur Rechten
        <pb n="38" />
        ﻿Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur Verkehrsgleichung.

19

unverändert bleiben, eine Zunahme in den Armlängen zur Rechten ein-
treten muß.

Wenn ferner eine Zunahme in den Gewichten zur Rechten besteht, und
wenn der linke Arm und die Geldbörse unverändert bleiben, dann muß eine
Verkürzung im rechten Arme eintreten.

Im allgemeinen muß jede Änderung in einer der vier Arten von Größen
von einer solchen Änderung oder von Änderungen in einer oder mehreren
der anderen drei Größen, die das Gleichgewicht aufrechterhalten sollen,
begleitet sein.

Da wir mehr an der Veränderung der allgemeinen Preislage als an jener
der individuellen Preise Interesse nehmen, können wir diese mechanistische
Darstellung dadurch vereinfachen, daß wir sämtliche auf der rechten Seite
befindlichen Gewichte an einen Durchschnittspunkt hängen, so daß der Arm
die Durchschnittspreise darstellt. Diese Armlänge ist ein „gewogener Durch-
schnitt“ der drei ursprünglichen Armlängen, deren Gewichte buchstäblich
diejenigen sind, die zur Rechten hängen.

Dieser Preisdurchschnitt ist in Figur 3 dargestellt; sie veranschaulicht
die Tatsache, daß der Durchschnittspreis der Güter (rechter Arm) direkt
mit der Geldquantität (Gewicht zur Linken) und direkt mit ihrer Umlaufs-
geschwindigkeit (linker Arm) sowie umgekehrt mit dem Umfang des Um-
satzes (Gewicht zur Rechten) variiert.

§4.

Wir kommen nun zur rein algebraischen Darstellung der Verkehrs-
gleichung. Eine algebraische Darstellung ist gewöhnlich ein gutes Schutz-
mittel gegen unklares Räsonnement, und diese Unklarheit des Gedanken-
ganges ist es vor allem, die häufig ökonomische Theorien in Mißkredit ge-
bracht haben. Wenn es in der Geometrie für der Mühe wert gehalten wird
Lehrsätze, die beinahe selbstverständlich sind, zu Anbeginn sorgfältig abzu-

2*
        <pb n="39" />
        ﻿20

II. Kapitel.

leiten, so ist es hundertmal wichtiger, die Sätze über die Bildung der Preis-
niveaus, die weniger selbstverständlich sind, und die in der Tat von den einen
vertrauensvoll angenommen, von anderen a limine abgewiesen werden, mit
Sorgfalt klarzulegen.

Bezeichnen wir den Gesamtgeldumlauf, d. h. den Geldbetrag, der in
einem bestimmten Gemeinwesen während eines bestimmten Jahres für
Güter ausgegeben wurde, mit A (Aufwand) und den Durchschnittsbetrag
des in dem Gemeinwesen während des Jahres in Umlauf befindlichen Geldes
mit G (Geld). Dann wird G der einfache arithmetische Durchschnitt der
Geldbeträge sein, die an aufeinanderfolgenden, durch einander gleiche
Intervalle von unendlich kurzer Dauer voneinander getrennten Zeitpunkten
vorhanden sind. Wenn wir die Jahresausgaben A durch den mittleren
Geldumlauf G dividieren, so erhalten wir die Durchschnittsrate des Geld-

Umsatzes in seinem Austausche für Güter, ^, das heißt, die Umlaufsgeschwin-
digkeit des Geldes1). Diese Geschwindigkeit soll mit U (Umlaufsgeschwindig-
keit) bezeichnet werden, so daß — U;A können wir somit durch GU

ausdrücken. In Worten: Der Gesamtumlauf des Geldes im Sinne der Geld-
ausgabe ist gleich dem gesamten in Umlauf befindlichen Gelde multipliziert
mit seiner Umlaufs- oder Umschlagsgeschwindigkeit. A oder GU drücken
also die Geldseite der Verkehrsgleichung aus. Wenden wir uns nun der
Güterseite der Gleichung zu, so haben wir es hier mit den Preisen und mit
den Quantitäten der ausgetauschten Güter zu tun. Der Durchschnitts-
verkaufspreis * 2) irgendeines besonderen Gutes, z. B. des von einem gegebenen
Gemeinwesen während eines bestimmten Jahres gekauften Brotes soll mit
f (Preis) und die gekaufte Gesamtquantität desselben mit Q (Quantität)
bezeichnet werden. In gleicher Weise wollen wir den Durchschnittspreis
eines anderen Gutes (sagen wir Kohle) mit p' und dessen gesamte ausge-
tauschte Quantität mit Q' bezeichnen. Der Durchschnittspreis und die
Gesamtquantität eines dritten Gutes (Tuch) soll durch p" beziehungsweise
durch Q" ausgedrückt werden, und so weiter für zahllose andere ausge-
tauschte Güter. Die Verkehrsgleichung kann in klarer Weise folgender-
maßen dargestellt werden3):

*) Zur Erörterung des Begriffes der Umlaufsgeschwindigkeit vgl. §§ 2, 4 und 5 des
Anhanges zu diesem (II.) Kapitel.

2)	Dies ist ein, auf Grund der aus verschiedenen Anlässen gekauften Quantitäten,
für einen gegebenen Zeitabschnitt und für ein bestimmtes Land gewogener Durchschnitt.
Vgl. § 3 des Anhanges zu diesem (II.) Kapitel.

3)	Eine algebraische Darstellung der Verkehrsgleichung ist von Simon Newcomb in
        <pb n="40" />
        ﻿Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur Verkehrsgleichung.

21

GU =pQ

+ p' Q'

+ v" Q"

+ usw.

Die rechte Seite dieser Gleichung ist die Summe von Produkten von
der Form pQ — ein Preis multipliziert mit einer gekauften Quantität. In
der Mathematik ist es Brauch, eine derartige Summe von Produkten, die
alle dieselbe Form haben, dadurch abzukürzen, daß „5“ als ein Symbol
der Addition angewandt wird. Dieses Symbol bedeutet keinesfalls eine
Größe, wie dies bei den Symbolen G, U, p, Q usw. der Fall ist. Das Zeichen
stellt nur die Operation des Addierens vor und ist folgenderweise zu lesen:
„die Summe von Produkten von folgender Form“. Die Verkehrsgleichung
kann daher geschrieben werden:

GU = 2pQ,.

Das heißt, die Größen Ä, G, U, p und Q beziehen sich auf das ganze Gemein-
wesen und auf ein volles Jahr, aber sie beruhen und beziehen sich auf die
entsprechenden Größen für die individuellen Personen, aus denen sich das
Gemeinwesen zusammensetzt, auf die individuellen Zeitpunkte, aus denen
das Jahr besteht* x).

Die algebraische Ableitung dieser Gleichung ist natürlich in der Haupt-
sache die gleiche wie die vorher gegebene arithmetische Ableitung. Sie be-
steht einfach in der Addition der Gleichungen für alle individuellen Käufe
innerhalb des Gemeinwesens während des Jahres 2).

Mittelst der Gleichung GU = 2p Q können die in diesem Kapitel weiter
oben dargelegten drei Theoreme nun folgendermaßen ausgedrückt werden:

seinen trefflichen aber wenig geschätzten Principles of Political Economy, New York (Harper
1885, S. 346, gegeben worden. Eine solche findet sich auch bei Edgeworth im „Report on
Monetary Standard“, sowie im Report of the British Association for the Advancement of Science,
1887, S. 293 und bei A. T. Hadley, Economics, New York (Putnam), 1896, S. 197. Siehe auch
Irving Fisher, „The Röle of Capital in Economic Theory“, Economic Journal, December
1899, S. 515—521 und E. W. Kemmerer, Money and Credit Instruments in their Relation
to general Prices, New York (Holt), 1907, S. 13. Obwohl die Quantitätstheorie auch erst
seit wenigen Jahren mathematisch ausgedrückt worden ist, so ist ihre Aufgabe, die
Wechselbeziehungen zwischen den Faktoren: Geldquantität, Umlaufsgeschwindigkeit und
Umsatz festzustellen, schon seit langer Zeit erkannt worden. Vgl. Mill, Principles of Poli-
tical Economy, Bd. III, Kap. VIII, § 3. Das Hauptverdienst, die Theorie lanciert zu
haben, gebührt wohl Ricardo.

x) Über die Beziehungen zwischen diesen Größen (für das ganze Gemeinwesen und
das volle Jahr) und den entsprechenden elementaren Größen für jedes Individuum und
jeden Zeitpunkt vgl. § 4 des Anhanges zu diesem (II.) Kapitel.

s) Siehe § 6 des Anhanges zu diesem (II.) Kapitel.
        <pb n="41" />
        ﻿22

II. Kapitel.

1.	Wenn U und Q unverändert bleiben, während G in irgendeinem Ver-
hältnis variiert, dann wird sich die Geldseite der Gleichung in demselben
Verhältnis verändern, und ihre gleiche Größe, die Güterseite, muß sich daher
in demselben Verhältnis ebenfalls verändern. Infolgedessen werden sich
entweder alle p in diesem Verhältnis ändern, oder es werden sich einige p
in diesem Verhältnis mehr und andere weniger verändern, und zwar in aus-
reichendem Maße, um einen Ausgleich herbeizuführen und denselben Durch-
schnitt beizubehaltenx).

2.	Wenn G und die Q unverändert bleiben, während U in irgendwelchem
Verhältnis variiert, dann wird die Geldseite der Gleichung in demselben
Verhältnisse variieren und ihre gleiche Größe, die Güterseite, muß daher
in diesem Verhältnis ebenfalls variieren; demzufolge werden alle p in dem-
selben Verhältnis variieren, oder aber es werden einige mehr und andere
entsprechend weniger variieren, um einen Ausgleich herbeizuführen.

3.	Wenn G und U sich nicht verändern, so werden die Geldseite und die
Güterseite unverändert bleiben; infolgedessen müssen, wenn alle Q in einem
gegebenen Verhältnis variieren, entweder alle p in dem entgegengesetzten
Verhältnis variieren, oder einige davon werden sich mehr und andere ent-
sprechend weniger verändern, um den Ausgleich herbeizuführen.

Wenn uns daran liegt, können wir die rechte Seite noch weiter verein-
fachen, indem wir sie in der Form von PH schreiben, wobei P einen gewogenen
Durchschnitt aller p und H die Summe aller Q darstellt. P drückt dann
m einer Größe das Preisniveau und II in einer Größe das Handelsvolumen
(volume of trade) aus. Diese Vereinfachung ist die algebraische Auslegung
der in Figur 3 gegebenen mechanischen Illustration, in der alle Güter, statt,
wie in Figur 2, getrennt aufgehängt zu sein, vereint an einem Durchschnitts-
punkte hängen, der ihren Durchschnittspreis angibt.

Wir haben die Verkehrsgleichung GU = 2p Q, für die rechte Seite durch
Zusammenzählen der von verschiedenen Personen verausgabten Summen ab-
geleitet. Es hätte jedoch die Verkehrsgleichung in derselben Weise abge-
leitet werden können, wenn nicht die verausgabten, sondern die von ver-
schiedenen Personen empfangenen Summen betrachtet worden wären. Wenn
ein Gemeinwesen keinen Außenhandel besäße, so stimmten die Ergebnisse
der beiden Methoden überein, denn abgesehen vom Außenhandel muß das,
was von einer Person in dem Gemeinwesen ausgegeben worden ist, not-
wendigerweise von einer anderen Person dortselbst empfangen worden sein.

D Über das Wesen des Durchschnitts, um den es sich hier handelt, und über die
Durchschnitte in den beiden folgenden Fällen vgl. § 7 des Anhanges zu diesem (II.) Kapitel.
        <pb n="42" />
        ﻿Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur Verkehrsgleichung.

23

Wenn wir unsere Deduktionen auch auf den Außenhandel ausdehnen
wollen, so haben wir zwei Verkehrsgleichungen aufzustellen, von denen die
eine auf dem verausgabten und die andere auf dem empfangenen oder von
Mitgliedern des Gemeinwesens angenommenen Geld beruht. Diese Glei-
chungen werden stets annähernd übereinstimmen und können innerhalb
eines Landes, gemäß der zwischen diesem und anderen Ländern bestehenden
„Handelsbilanz“, ganz oder nicht ganz gleich sein. In der auf den Geldaus-
gaben beruhenden rechten Seite der Gleichung sind außer den bereits ver-
tretenen inländischen Güterquantitäten die Quantitäten der importierten
Güter und deren Preise inbegriffen, nicht aber die der exportierten Güter,
während das Gegenteil bei der auf Geldempfängen beruhenden Gleichung
zutrifft.

§5.

Dies zur Vervollständigung unserer Erörterungen über die Verkehrs-
gleichung mit Ausnahme des Elementes der Scheckzahlungen, das dem
nächsten Kapitel Vorbehalten bleibt. Wir haben gesehen, daß in letzter
Linie die Verkehrsgleichung auf den elementaren, auf gegebene Personen
und gegebene Zeitpunkte bezüglichen Verkehrsgleichungen beruht; mit
anderen Worten, sie beruht auf den Gleichungen, die sich auf individuelle
Umsätze beziehen. Diese elementaren Gleichungen bedeuten soviel, daß
das in irgendwelcher Transaktion gezahlte Geld das Äquivalent der zum
Verkaufspreis erlangten Güter ist. Von dieser sicheren und naheliegenden
Voraussetzung ist die Verkehrsgleichung Gü = 2p Q abgeleitet, in der
jeder Bestandteil eine Summe oder ein Durchschnitt der gleichen Elementar-
bestandteile für verschiedene Individuen und verschiedene Zeitpunkte ist,
und auf diese Weise alle in dem Gemeinwesen während eines Jahres gemachten
Käufe umfaßt. Schließlich erkennen wir aus dieser Gleichung, daß die
Preise direkt wie G und U und umgekehrt wie die Q variieren, vorausgesetzt,
daß in jedem Falle nur eine dieser drei Größengruppen variiert und die
anderen beiden unverändert bleiben. Ob eine Veränderung in einer der
drei Größen notwendigerweise eine Störung in den anderen herbeiführt, ist
eine Frage, die wir in einem späteren Kapitel erörtern werden. Wer den
Ein wand erheben will, daß die Verkehrsgleichung nur eine Binsenwahrheit
sei, wird gebeten, sein Urteil bis nach Durchlesung des VIII. Kapitels auf-
zuschieben.

Kurz wiederholend finden wir also, daß unter den angenommenen Be-
dingungen das Preisniveau variiert: 1. direkt wie die im Umlauf befindliche
Geldquantität (G), 2. direkt wie deren Umlaufsgeschwindigkeit (ü) und
        <pb n="43" />
        ﻿24

II. Kapitel.

3., umgekehrt, wie das durch diese erwirkte Handelsvolumen (H). Auf die
erste dieser drei Beziehungen ist Nachdruck zu legen. Sie konstituiert die
„Quantitätstheorie des Geldes“.

Dieses Prinzip ist so wichtig und ist so heftig umstritten worden, daß
wir uns veranlaßt sehen, es noch weiter zu illustrieren. Wie bereits ange-
deutet, ist unter der „Quantität des Geldes“ die im Umlauf befindliche
Menge der Dollar (oder einer anderen gegebenen Münzeinheit) gemeint.
Diese Anzahl kann auf verschiedene Weise verändert werden, doch sind die
nachstehenden drei Arten die bedeutendsten. Ihre Darlegung wird dazu
dienen, die gewonnenen Schlüsse zu vollem Verständnis zu bringen und die
fundamentalen Eigentümlichkeiten des Geldes, auf denen sie beruhen, zu
offenbaren.

Nehmen wir als erstes Beispiel den Fall an, daß eine Begierung die
Nennwerte alles Geldes verdoppelt, d. h. wir wollen annehmen, daß das,
was bisher ein halber Dollar war, von nun an ein Dollar und das, was bis
jetzt als ein Dollar galt, zwei Dollar genannt werden soll. Demnach wird
die Anzahl der im Umlauf befindlichen „Dollar“ verdoppelt und das in neuen
„Dollarn“ bestimmte Preisniveau wird das doppelte des sonst herrschenden
sein. Jedermann wird mit denselben Münzen auszahlen, als ob kein der-
artiges Gesetz gegeben worden wäre, obgleich in jedem Falle zweimal soviel
„Dollar“ bezahlt werden müssen. Wenn z. B. der Preis für ein Paar Schuhe
früher $ 3,— war, so sind jetzt für dasselbe Paar Schuhe $ 6,— zu bezahlen.
Wir sehen also wie die nominelle Geldquantität auf die Preisniveaus einwirkt.

Eine zweite Illustration finden wir in einer Wahrungsverschlechterung.
Nehmen wir an, daß die Regierung jeden Dollar in zwei Stücke schneidet
und aus den beiden Hälften neue „Dollar“ prägt, und daß ferner alle Papier-
noten eingezogen und durch das Doppelte der ursprünglichen Anzahl ersetzt
und sonach für jede alte zwei neue Noten mit demselben Nennwerte aus-
gegeben werden. Kurz, wir setzen den Fall, daß das Geld nicht nur, wie
in dem ersten Beispiel, eine andere Benennung, sondern auch eine Neuaus-
gabe erfährt; in der verschlechterten Währung werden die Preise genau wie
in der ersten Illustration ebenfalls verdoppelt. Wenn die Teilung und Um-
prägung nicht soweit getrieben werden, daß die Auszahlungen erschwert
werden, und daß diese Operationen störend auf die Bequemlichkeit des Geld-
wesens einwirken, so sind sie belanglos. Wo immer vor der Verringerung
ein Dollar gezahlt worden ist, sind nun statt dessen zwei Dollar — d. h. zwei
aus den ursprünglichen zwei halben Dollar neugeprägte Dollar — zu zahlen.

In dem ersten Beispiel war die Steigerung der Quantität rein nominell;
sie wurde durch eine Umtaufe der Münzen herbeigeführt. In dem zweiten
        <pb n="44" />
        ﻿Beziehungen der Kaufkraft des Geldes zur Verkehrsgleichung.

25

Falle wird neben der Umnennung die weitere Tatsache der Umprägung ein-
geführt. Im ersten Fall blieb die Anzahl der tatsächlichen Geldstücke jeder
Gattung unverändert und nur ihre Nennwerte wurden verdoppelt. Im
zweiten Fall wurde die Anzahl der Stücke auch verdoppelt, und zwar durch
eine Spaltung jeder Münze und durch deren Umprägung in zwei Münzen,
wobei jede der Münzen dieselbe nominelle Benennung wie das ursprüngliche
Ganze erhält, von dem es die Hälfte darstellt, und durch analoge Ver-
doppelung des Papiergeldes.

Als dritte Illustration setze man den Fall, daß die Regierung, statt die
Anzahl der Dollar durch deren Spaltung in zwei Stücke und durch eine
Umprägung der halben Stücke zu verdoppeln, jedes vorhandene Geldstück
verdopple und das Duplikat dem Besitzer des ursprünglichen Geldstückes
einhändige Q. (Hierbei müßten wir weiter annehmen, daß wirksame Maß-
regeln getroffen wurden, um ein eventuelles Einschmelzen des Geldes oder
seinen Export zu verhüten; andernfalls würde ein großer Teil des Zuwachses
an Geld verschwinden und die Quantität des in Umlauf befindlichen Geldes
nicht verdoppelt werden.) Wenn nun die Quantität des Geldes in dieser
Weise verdoppelt wird, so werden sich die Preise ganz genau so verdoppeln
wie in dem zweiten Beispiel, in dem es ganz dieselben Nennwerte gab. Der
einzige Unterschied zwischen dem zweiten und dritten Beispiele besteht
in der Größe und im Gewichte der Münzen. Statt eine Verringerung zu er-
fahren, bleiben die Gewichte der einzelnen Münzen unverändert, und nur
ihre Anzahl wird verdoppelt. Diese Verdoppelung der Anzahl der Münzen
muß dieselbe Wirkung haben wie ihre Verschlechterung um 50 Prozent,
d. h. sie muß die Verdoppelung der Preise zur Folge haben.

Die Beweiskraft des dritten Beispiels wird noch schlagender, wenn wir
der Darstellung Ricardos gemäß * 2) durch die Annahme eines Schlagschatzes
von dem dritten auf das zweite Beispiel übergehen. Nehmen wir an, die
Regierung behalte, nachdem sie alles Geld verdoppelt hat, von jeder Münze
die Hälfte des ursprünglichen Wertes für sich, es werde also damit das Ge-
wicht auf das der verschlechterten Münzen des zweiten Beispiels herunter-
gebracht und so das einzige Unterscheidungsmerkmal beider Beispiele be-
seitigt. Solange die Anzahl der Münzen unverändert bleibt, wird dieser
Abzug des „Schlagschatzes“ ihren Wert nicht beeinflussen.

1)	Vgl. J. S. Mill, Prindples of Political Economy, Teil III, Kap. VIII, § 2. Ein im
Prinzip ähnliches Beispiel, das von dem gegebenen nur in der Form etwas abweicht, wird
von Ricardo in seiner Antwort an Bosanquet benützt. Siehe Works, 2. Aufl., London
(Murray), 1852, S. 346.

2)	Works, 2. Aufl., London (Murray), 1852, S. 346 u. 347. (Antwort an Bosanquet,
Kap. VI); siehe auch S. 213 u. 214.
        <pb n="45" />
        ﻿26

III. Kapitel.

Kurz, die Quantitätstheorie behauptet, daß (falls Umlaufsgeschwindig-
keit und Handelsvolumen unverändert bleiben) eine Vermehrung der An-
zahl der Dollar, sei es durch eine Umnennung, eine Verschlechterung oder
durch eine Verstärkung der Ausprägung oder durch irgendwelche anderen
Mittel, eine Steigerung der Preise in demselben Verhältnis nach sich zieht.
Nicht das Gewicht, sondern die Anzahl ist hier das Entscheidende. Auf diese
Tatsache muß großer Nachdruck gelegt werden. Es ist eine Tatsache, durch
die sich das Geld von allen anderen Gütern unterscheidet, und in der die
Eigenart seiner Kaufkraft im Verhältnisse zu anderen Gütern zum Vorschein
kommt. Der Zucker hat z. B. einen spezifischen subjektiven Nutzwert
(desirability), der von seiner Quantität im Pfundgewicht abhängt. Das
Geld hat keine derartige Eigenschaft. Der Wert des Zuckers hängt von
dessen aktueller Quantität ab. Wenn die Quantität des Zuckers von 1,000,000
Pfund auf 1,000,000 Zentner verändert wird, so folgt hieraus nicht, daß ein
Zentner den früheren Wert eines Pfundes hat. Aber wenn das in Umlauf
befindliche Geld von 1,000,000 Einheiten des einen Gewichtes auf 1,000,000
Einheiten eines anderen Gewichtes verändert wird, so wird der Wert jeder
Einheit unverändert bleiben.

Die Quantitätstheorie des Geldes beruht also letzten Endes auf der
fundamentalen Eigentümlichkeit, die unter allen Gütern das Geld allein
besitzt — nämlich auf der Tatsache, daß es nicht imstande ist, die Bedürf-
nisse des Menschen zu befriedigen, sondern nur die Kraft besitzt, Dinge zu
kaufen, die diese Kraft der Bedürfnisbefriedigung besitzen1).

III. Kapitel.

Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die
Gleichung und infolgedessen auf die Kaufkraft.

§i.

Wir sind nunmehr in der Lage, das Wesen der Bankdepositen als Zah-
lungsmittel oder des Kreditumlaufs zu erklären. Kredit bedeutet im allge-

Q Vgl. G. F. Knapp, Staatliche Theorie des Geldes, Leipzig, 1905; L. von Bortkiewicz,
„Die geldtheoretischm und die währungspolitischen Konsequenzen des ‘Nominalismus,“,
Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft, Oktober 1906; Bertrand
Nogaro, „L’expörience bimetalliste du XIXieme siede et la tlieorie generale de la monnaie
Revue d’Economie politique, 1908.
        <pb n="46" />
        ﻿Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die Gleichung usw.

27

meinen den Zahlungsanspruch eines Gläubigers gegenüber einem Schuldner.
Dem Scheckverkehr unterworfene Bankdepositen sind Ansprüche der Bank-
gläubiger gegen die Bank, kraft deren sie vermittelst Scheck spezifizierte
Geldsummen von der Bank auf Verlangen ziehen können. Da wir nur diese
und keine andere Art der Bankdepositen erörtern werden, so sind unter
„Bankdepositen“ stets „dem Scheckverkehr unterworfene Bankdepositen“
zu verstehen. Sie werden auch „Zirkulationskredit“ genannt. Bankschecks
sind, wie wir gesehen haben, nur Anweisungen, die zur Ziehung, d. h. zur
Übertragung von Bankdepositen berechtigen. Die Schecks selbst sind keine
Zahlungsmittel; die durch sie repräsentierten Bankdepositen hingegen sind die
Zahlungsmittel.

Aus dieser Übertragung von Bankdepositen ist das sogenannte „Ge-
heimnis des Bankwesens“, der „Zirkulationskredit“ entstanden. Viele Per-
sonen, einschließlich einzelner Nationalökonomen, haben angenommen, daß
der Kredit eine spezielle Form des Reichtums sei, der von einer Bank sozu-
sagen aus Nichts geschaffen werden kann. Andere behaupten, daß der
Kredit in dem wirklichen Reichtum überhaupt keine Grundlage besitze
sondern nur eine Art fiktiver und aufgeblähter Seifenblase von prekärer',
wenn nicht gar völlig unberechtigter Existenz sei. Tatsächlich kann man
das Wesen der Bankdepositen ebensogut verstehen wie das der Banknoten
und was in diesem Kapitel über Bankdepositen gesagt wird, kann im wesent-
lichen auch auf Banknoten angewendet werden. Der Hauptunterschied
ist ein formeller: während die Noten von Hand zu Hand umlaufen, zirku-
lieren die Depositenumlaufsmittel nur vermittelst spezieller Anweisungen
der sogenannten „Schecks“.

Um die wahre Natur der Bankdepositen zu erkennen, wollen wir uns
eine hypothetische Institution vorstellen, und zwar wählen wir eine primitive
Bank, die hauptsächlich nur der Depositen und der sicheren Verwahrung
wirklichen Geldes wegen bestehe. Die ursprüngliche Bank in Amsterdam
glich einigermaßen derjenigen, die wir uns nun vorstellen. In dieser Bank
werden von einer Anzahl von Personen $ 100,000 in Gold niedergelegt, wo-
gegen jede Person eine Bestätigung für den Betrag ihres Depositums in Emp-
fang nimmt. Wenn diese Bank eine „Kapitalabrechnung“ oder einen
Status herausgäbe, so würde diese Abrechnung $ 100,000 in ihren Kellern
und $ 100,000 als den Deponenten schuldigen Be\trag aufweisen, und zwar
wie folgt:

Aktiva	Passiva

Gold.......................$ 100,000 Schuld an Deponenten ........$100 000

Die rechte Seite der Aufstellung besteht natürlich aus kleineren, den
        <pb n="47" />
        ﻿28

III. Kapitel.

einzelnen Deponenten schuldigen Beträgen. Wenn wir annehmen, daß die
Bank einem Deponenten A $ 10,000, einem Deponenten B $ 10,000 und
allen anderen $ 80,000 schuldig ist, so schreiben wird die Bankbilanz folgen-
dermaßen:

Gold

Aktiva

$ 100,000

$ 100,000

Passiva

Schuld an Deponent A.........$ 10,000

Schuld an Deponent B........$ 10,000

Anderen Deponenten schuldig . $ 80,000

$ 100,000

Nehmen wir nun an, daß A dem B $ 1000 zu zahlen wünscht. A kann
mit B auf die Bank gehen, Anweisungen oder Schecks für $ 1000 präsen-
tieren, hierauf das Geld in Empfang nehmen und es dem B einhändigen,
welches letzterer vielleicht in derselben Bank wieder deponiert, indem er
das Geld durch die Schalterklappe des Kassiers zurückgibt und dagegen
eine neue Anweisung in seinem eigenen Namen entgegennimmt. Statt daß
aber A und B die Bank besuchen und das Geld heraus- und hereinzahlen,
kann A dem B einfach einen Scheck auf $ 1000 geben. In jedem der beiden
Fälle bedeutet die Übertragung, daß das Guthaben A’s auf die Bank von
$ 10,000 auf $ 9000 reduziert und das des B von $ 10,000 auf $ 11,000 er-
höht worden ist. Der Status lautet dann folgendermaßen:

Gold

Aktiva

$ 100,000

$ 100,000

Passiva

Schuld an Deponent A.......$	9,000

Schuld an Deponent B ......$ 11,000

Anderen Deponenten schuldig . $ 80,000

$ 100,000

Die Anweisungen oder Schecks zirkulieren also unter den verschiedenen
Deponenten der Bank an Stelle des Bargeldes. Was tatsächlich in solchen
Fällen seinen Eigentümer wechselt oder „zirkuliert“, ist das Recht, Geld
zu erheben. Der Scheck ist nur die Beweisurkunde dieses Rechtes und der
Übertragung des Rechtes von einer Person auf eine andere.

In dem von uns angenommenen Falle würde die Bank mit Verlust
arbeiten. Sie würde zur Bequemlichkeit ihrer Deponenten Zeit und Arbeit
ihres Beamtenpersonals liefern, ohne irgend etwas als Ersatz dafür zu be-
kommen. Eine solche hypothetische Bank würde aber — wie dies bei der
Amsterdamer Bank der Fall war1) — bald finden, daß sie durch das zins-
tragende Ausleihen eines Teils des in Depot befindlichen Goldes „Geld ver-

l) Siehe Dunbars Theory and Eistory of Banking, 2. Aufl., herausgegeben von O. M.
W. Sprague, New York und London (G. P. Putnam’s Sons), 1901, S. 113—116.
        <pb n="48" />
        ﻿Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die Gleichung usw.

29

dienen“ kann. Die Deponenten werden dadurch nicht geschädigt, denn sie
haben weder den Wunsch noch das Verlangen, genau dasselbe Gold, das sie
deponiert haben, zurückzuerhalten. Sie verlangen lediglich, jederzeit in
der Lage zu sein, denselben Betrag des Goldes zu erhalten. Wenn nun die
Abmachung der Deponenten mit der Bank nicht die Zahlung irgendwelcher
besonderen Art von Gold sondern nur eines bestimmten Betrages, und dies
nur gelegentlich, zum Inhalte hat, so steht es der Bank frei, einen Teil des
Goldes, das sonst nutzlos in ihren Kellern läge, auszuleihen. Das Geld un-
benutzt liegen zu lassen, bedeutete eine große und unnötige Vergeudung von
Anlagewerten.

Setzen wir nun den Fall, die Bank entschließe sich, die Hälfte ihres
Bargeldes auszuleihen. Dies geschieht gewöhnlich im Austausch gegen ur-
kundliche Versprechen der Entlehnen Nun ist ja ein Darlehen wirklich ein
Austausch von Geld gegen ein Versprechen, welches der Darleiher — in diesem
Falle die Bank — an Stelle des Geldes empfängt. Nehmen wir an, der so-
genannte Entlehner zöge wirklich $ 50,000 in Gold. Die Bank tauscht
hierbei Geld für Versprechen aus, und ihre Bücher werden wie folgt lauten:

Aktiva

Goldreserven..................$ 50,000

Versprechen ..................S 50,000

$ 100,000

Passiva

Dem Deponent A schuldig .... ?	9,000

Dem Deponent B schuldig .... $ 11,000
Anderen Deponenten schuldig . $ 80,000

$ 100,000

Hieraus ist zu ersehen, daß das in der Bank befindliche Gold nur
$ 50,000 beträgt, während die Gesamtdepositen noch immer $ 100,000
betragen. Mit anderen Worten: die Deponenten haben nun mehr depo-
niertes Geld als die Bank in ihren Kellern! Wie wir aber beweisen, involviert
diese Ausdrucksweise in dem Worte „Geld“ einen landläufigen Irrtum.
Etwas Gutes liegt hinter jedem Darlehen, es muß aber nicht notwendig
Geld sein.

Nehmen wir weiter an, daß die Entlehner in gewissem Sinne gleichfalls
Deponenten werden, indem sie die geliehenen $ 50,000 Bargeld für das
Recht, auf Verlangen dieselbe Summe zu ziehen, wieder deponieren. Mit
anderen Worten: wir nehmen an, daß sie nach Entleihung der $ 50,000
von der Bank diese Summe der Bank zurückleihen. Die Aktiven der Bank
erhöhen sich also um $ 50,000, und ihre Verbindlichkeiten (oder der er-
weiterte Kredit) werden in gleichem Maße erhöht. Die Bilanzen gestalten
sich somit folgendermaßen:
        <pb n="49" />
        ﻿30

III. Kapitel.

Aktiva

Passiva

Goldreserven

Versprechen

$ 100,000 Schuldig Deponent A
$ 50,000 Schuldig Deponent B

$ 9,000

I 11,000

Schuldig den früheren Depo-
nenten .......................

Schuldig den neuen Deponenten,
d. h. den Entleihern..........

$ 80,000

$ 50,000
$ 150,000

$ 150,000

In diesem Falle ereignete sich folgendes: es wurde Gold im Austausch
gegen ein Zahlungsversprechen geliehen, und dieses Zahlungsversprechen
wurde gegen ein Recht, Gold vermittelst Schecks zu erheben, ausgewechselt.
Das Gold hat sich also tatsächlich nicht gerührt; die Bank empfing jedoch
ein Zahlungsversprechen und der Deponent die Befugnis, auf sie zu ziehen.
Offenbar würde auch dasselbe Resultat herbeigeführt worden sein, wenn jeder
Entlehner einfach sein Zahlungsversprechen übergeben und dagegen ein Recht,
zu ziehen, empfangen hätte. Da dieses Verfahren Anfänger im Bankstudium
sehr oft verwirrt, wiederholen wir die Tabellen, welche die Sachlage vor und
nach diesen „Darlehen“ repräsentieren, d. h. diesen Austausch von Zah-
lungsversprechen gegen gegenwärtige Rechte, zu ziehen1).

Vor den Darleihungen

Aktiva

Passiva

Gold-Reserven

$ 100,000 Schuld an Deponenten.........$ 100,000

Nach den Darleihungen

.. $ 100,000 Schuld an Deponenten........$ 150,000

.. $ 50,000

Gold-Reserven
Versprechen .

Es ist also klar, daß die Vermittlung des Geldes in diesem Falle eine
unnötige Komplizierung bedeuten würde, obwohl sie zu einem theoretischen
Verständnis der resultierenden Verschiebung von Rechten und Verbind-
lichkeiten beiträgt. Eine Bank kann also Depositen in Gold oder Depositen
in notalen Zahlungsversprechen empfangen. Im Austausch gegen die
Zahlungsversprechen kann sie entweder das Recht, auf sie zu ziehen, oder

1) In letzter Analyse und abgesehen von ihrer Aufgabe der Sicherung des Kredits
ist eine Bank tatsächlich eine Vermittlerin zwischen Entlehnem und Darleihern. Infolge
davon, daß sie Entlehner und die letzten Darleiher zusammenbringt und den ersteren

Darlehensgelder verschafft, welche sonst gar nicht existieren würden, hat das Bankwesen
gleichzeitig die Tendenz, den Zinsfuß zu erniedrigen und den Vorrat an Kreditumlaufs-
mittein zu erhöhen. Vgl. die Abhandlung von Harry G. Brown im Quarterly Journal of
Economics, August 1910, über ,,Commercial Banking and the Rate of Interest“.
        <pb n="50" />
        ﻿Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die Gleichung usw.

31

Gold selbst — dasselbe Gold das von einem anderen Kunden deponiert
worden ist — geben oder darleihen. Sogar wenn der Entlehner nur ein
Zahlungsversprechen besitzt, so wird noch immer fingiert, daß er Geld
deponiert habe, und ist gleich den wirklichen Deponenten von Bargeld er-
mächtigt, Schecks zu ziehen. Den Gesamtwert der Ansprüche auf das
Ziehen von Geld, gleichviel woher sie stammen, nennt man „Depositen“.
Die Befugnis zu ziehen (oder die Depositenanrechte) leihen die Banken
öfters her als wirkliches Geld, teils weil dies für die Entlehner bequemer ist,
teils weil die Banken bedeutende Barreserven zu halten wünschen, um
großen oder unerwarteten Anforderungen gegenüber genistet zu sein. Wenn
eine Bank Geld ausleiht, so wird allerdings ein Teil des so geliehenen Geldes
von den Personen, welche von den Entlehnern nach Abwicklung der Ge-
schäfte bezahlt wurden, wieder deponiert werden; es ist aber nicht unbedingt
nötig, daß dieses Geld in derselben Bank zurückdeponiert wird. Dem
Durchschnittsbankier wird es daher lieber sein, wenn der Entlehner ihm
kein Bargeld entzieht.

Außer Depositenanrechten können die Banken auch ihre eigenen Noten,
die sogenannten „Banknoten“, ausleihen; und das Prinzip, welches die
Depositenanrechte beherrscht, gilt in gleicher Weise für die Banknoten.
Der Inhaber empfängt einfach anstatt eines Bankguthabens die Tasche voll
Banknoten. In beiden Fällen muß die Bank stets bereit sein, den Inhaber
zu bezahlen — ihre „Noten einzulösen“ — ebenso wie ihre Deponenten auf
Verlangen zu bezahlen, und in beiden Fällen tauscht die Bank ein Zah-
lungsversprechen gegen ein anderes aus. Was die Banknote betrifft, so hat
die Bank ihre Banknote gegen das Zahlungsversprechen eines Kunden ein-
getauscht, Die Banknote trägt keine Zinsen, ist aber auf Verlangen sofort
zahlbar. Die Note des Kunden trägt Zinsen, ist aber nur an einem be-
stimmten Verfalltage zahlbar.

Angenommen die Bank gebe $ 50,000 in Noten aus, so wird ihre Bilanz
jetzt folgendermaßen aussehen:

Aktiva

Goldreserven.................. $ 100,000

Darlehen .....................$ 100,000

$ 200,000

Passiva

Schuld an Deponenten.........$ 150,000

Schuld an Noteninhaber.......$ 50,000

$ 200,000

Wir wiederholen, daß vermöge des Kredits die Depositen (und Noten)
einer Bank ihre Barmittel überschreiten können. In dieser Tatsache läge
nichts Mysteriöses oder Dunkles, noch überhaupt in dem Kreditwesen im
allgemeinen, wenn man es dem Publikum beibringen könnte, die Operationen
        <pb n="51" />
        ﻿32

III. Kapitel.

einer Bank nicht mit Geldoperationen auf gleichen Fuß zu stellen. Dies
wäre eine metaphorische und irreführende Vorstellung. Die Bankoperationen
sind ebensowenig Geldoperationen wie etwa Grundbesitzübertragungen.
Ein Bankdeponent A hat gewöhnlich kein „deponiertes Geld“ und kann
eigentlich nicht sagen, daß er „Geld in der Bank hat“, ob er nun solches
hat oder nicht. Was er besitzt, ist das Versprechen der Bank, auf Ver-
langen Geld zu zahlen. Die Bank schuldet ihm Geld. Wenn eine Privat-
person Geld schuldet, so fällt es dem Gläubiger nicht ein zu sagen, daß er
in der Tasche des Schuldners ein Depot besitzt.

§2.

Es kann nicht nachdrücklich genug betont werden, daß in jeder Bilanz
der Wert der Passiva auf dem der Aktiva beruht. Die Depositen einer
Bank bilden davon keine Ausnahme. Man darf sich durch die Tatsache
nicht irreführen lassen, daß die Baraktiven einen geringeren Betrag auf-
weisen können als die Depositen. Wenn der Laie zum ersten Male erfährt,
daß die Anzahl der Dollar, welche Noteninhaber und Deponenten berechtigt
sind, aus der Bank zu ziehen, größer ist als die im Besitze der Bank befind-
liche Anzahl der Dollar, ist er geneigt, den vorschnellen Schluß zu ziehen,
daß die Noten oder die Depositenpassiva nicht gedeckt sind. Dennoch
steckt, vorausgesetzt, daß es sich um eine zahlungsfähige Bank handelt,
hinter allen diesen Verbindlichkeiten der volle Wert, und wenn es auch
nicht wirkliche Dollar sind, so ist es auf jeden Fall Eigentum im Werte von
wirklichen Dollarn. Durch keinerlei Kniffe können die Aktiven durch die
Passiven überschritten werden, es sei denn im Falle der Insolvenz und selbst
in diesem Falle kann das nur in nomineller Weise geschehen, denn der wahre
Wert der Verbindlichkeiten („uneinbringliche Posten“) wird allein dem
wahren Werte der hinter denselben befindlichen Aktiven gleichkommen.

Wie bereits erwähnt, setzt sich der Stand dieser Aktiven zum großen
Teil aus Kaufmannsnoten zusammen, obwohl sie, rein banktheoretisch ge-
sprochen, aus irgendwelchem Eigentum bestehen könnten. Wenn die
Aktiven in dem Besitz von Grundstücken oder anderem unbelasteten
Immobiliarbesitz bestünden, so daß der greifbare Reichtum, welchen Eigen-
tum stets repräsentiert, klar auf der Hand läge, dann verschwände das ganze
Rätsel der Erscheinungen. Die Wirkung wäre jedoch keine andere. Anstatt
im Austausch für die geliehenen Summen Getreide, Maschinen oder Fluß-
stahl in Depot zu nehmen, ziehen die Banken die zinstragenden Wertpapiere
von Gesellschaften, Firmen und Privatpersonen vor, welche direkt oder
        <pb n="52" />
        ﻿Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die Gleichung usw.

33

indirekt Getreide, Maschinen oder Flußstahl repräsentieren, und durch die
Bankgesetze sind die Banken sogar gezwungen, anstatt des Stahls die Noten
anzunehmen. Wenngleich eine Bank Verbindlichkeiten eingeht, welche die
Höhe ihrer Kassenaktiva, übersteigen, so werden doch in jedem Falle die
die Aktiva überschreitenden Passiva durch den Besitz anderer Aktivmasse
im Gleichgewicht gehalten. Dieses andere Aktivum der Bank besteht ge-
wöhnlich aus den seitens der Geschäftsleute eingegangenen Verbindlich-
keiten. Wechselseitig werden derartige Schulden durch die Aktivbestände
der Geschäftsleute getragen. Wenn wir die endgültige Basis der Bank-
passiva noch weiter verfolgen, so finden wir dieselbe in dem sichtbaren und
greifbaren Reichtum der Welt.

Wenn diese endgültige Basis des ganzen Kreditaufbaues auch nicht
sichtbar ist, so ist sie doch vorhanden. Wir können tatsächlich sagen, daß
das Bankwesen den sichtbaren und greifbaren Reichtum gewissermaßen
zu zirkulieren veranlaßt. Wenn auch die Ländereien eines Gutsbesitzers
oder die eisernen Öfen eines Ofenhändlers nicht in buchstäblich demselben
Sinne wie Golddollar zirkulieren, so kann doch der Gutsbesitzer oder der
Ofenhändler der Bank einen Schein geben, der dem Bankier zur Basis
von Banknoten oder Depositen dient, und diese Banknoten und Depositen
zirkulieren dann wie Golddollar. Durch das Bankwesen kann derjenige,
welcher schwer auszutauschenden Reichtum besitzt, ein Umlaufsmittel
schaffen. Er gibt einfach der Bank einen Schein, — für welchen sein Eigen-
tum natürlich haftpflichtig ist —, erhält dafür das Recht, Geld zu ziehen,
und siehe da, sein in gewissem Sinne unauswechselbarer Reichtum wird
fließendes Umlaufsmittel. Drastisch ausgedrückt bedeutet das Bankwesen
ein Mittel, durch welches Ländereien, Öfen und anderer sonst allgemein
nicht austauschbarer Reichtum in Dollar ausgemünzt werden kann.

Es ist interessant wahrzunehmen, welch eine gewaltige Triebkraft dem
Depositenumlaufsmittel durch die großen modernen „Trusts“ gegeben
worden ist, insofern als die Wertpapiere großer Gesellschaften als Sicherheit
für Bankanleihen eine größere Verwendung finden als die Aktien und Pfand-
briefe kleinerer Gesellschaften oder als Papiere über Teilhaberanrechte.

Wir begannen damit, eine Bank dem Wesen nach als ein kooperatives
Unternehmen zu betrachten, das zur Annehmlichkeit und auf Kosten seiner
Deponenten betrieben wird. Wenn aber die Bank auf dem Punkte anlangt,
dem X, Y und Z auf eine gewisse Zeit Geld zu leihen, während sie selbst auf
Verlangen sofort zahlbares Geld schuldig ist, so übernimmt sie dem X, Y
und Z und den Deponenten ihrer Barmittel gegenüber ein Risiko, das die
letzteren keinesfalls auf sich nehmen würden. Um einer solchen Sachlage

Fisher, Kaufkraft des Geldes.	3
        <pb n="53" />
        ﻿34

III. Kapitel.

zu begegnen, übernimmt eine dritte Klasse von Personen — die Aktionäre —
die Yerantwortlickkeit und die Betriebskosten der Bank, was des voraus-
sichtlichen Gewinnes wegen geschieht. Um die Deponenten gegen Verlust
zu schützen, werden von den Aktionären eigene Barmittel eingelegt. Die
Aktionäre sind vertraglich gebunden, für einen eventuellen die Deponenten
treffenden Verlust aufzukommen. Nehmen wir an, daß die Aktieninhaber
$ 50,000 einzahlen, von denen | 40,000 für den Barbestand und $&gt; 10,000
für den Kauf eines Bankgebäudes zur Verwendung kommen. Das Konto
lautet dann folgendermaßen:

Aktiva

Barmittel..................... $	140,000

Darlehen ..................... $	100,000

Gebäude........................$	10,000

$ 250,000

Passiva

Schuld an	Deponenten.........$ 150,000

Schuld an	Noteninhaber.......$ 50,000

Schuld an	Aktieninhaber......§ 50,000

$ 250,000

In der jetzigen Form umfaßt das Konto alle für eine gewöhnliche moderne
Bank charakteristischen Hauptzüge, d. h. für eine mit Geld- und Noten-
ausgabe sowie mit Diskontierung verbundene sogenannte Depositenbank.

§3-

Wir haben gesehen, daß die Aktiva hinreichend groß sein müssen, um
die Verbindlichkeiten zu erfüllen, und es soll nun gezeigt werden, daß
die Form des Aktivbestandes die prompte Ausgleichung der Verbindlich-
keiten gewährleistet. Da es Sache der Bank ist, ihre Deponenten an Stelle
ihres „langsameren“ Eigentums mit rasch verfügbarem Eigentum (Bar-
mittel oder Kredit) zu versehen, verfehlt sie ihren Zweck, wenn sie mit
ungenügendem Bargeld angetroffen wird. Dennoch „verdient“ die Bank
zum Teil dadurch Geld, daß sie ihr rascher verfügbares Eigentum fest-
legt, d. h. dadurch, daß sie es dorthin ausleiht, wo es weniger leicht
verfügbar ist. Das Problem der Bankpolitik besteht darin, genügend viel
Kapital zur Vergrößerung ihres Eigentums festzulegen, ohne aber soviel
festzulegen, daß die Bank selbst festgelegt wird. Insofern bisher noch
nichts Gegenteiliges gesagt worden ist, könnte man annehmen, eine Bank
dürfe ihre Darlehen im Verhältnis zu ihren Barmitteln oder im Verhältnis
zu ihrem Kapital ins Unbegrenzte erhöhen. Wenn dies der Fall wäre,
könnten die Depositenumlaufsmittel eine Inflation bis ins Unendliche er-
fahren.

Vorsicht und gesunde Volkswirtschaftspolitik haben jedoch beiden
Operationen eine Grenze gezogen. Insolvenz und Unzulänglichkeit an
Barmitteln müssen vermieden werden. Wenn bei unzulänglichem Ka-
        <pb n="54" />
        ﻿Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die Gleichung usw.

35

pital Darleihen gemacht werden, tritt Insolvenz ein. Es droht Unzuläng*
lichkeit in Barmitteln, wenn die Gewährung von Darlehen nicht im Ver-
hältnis zu den Barmitteln stattfindet. Insolvenz ist unausbleiblich, wenn
die den Kreditoren (Aktieninhaber nicht inbegriffen) gegenüber einge-
gangenen Verbindlichkeiten von dem Aktivbestand nicht mehr gedeckt
werden, so daß es der Bank unmöglich ist, ihre Schulden zu bezahlen. Un-
zulänglichkeit an Barmitteln tritt ein, wenn die zur Verfügung stehenden
tatsächlichen Barmittel für die Anforderungen des Augenblicks nicht zu-
reichend sind und die Bank außerstande ist, auf Verlangen ihre Schulden
sofort zu bezahlen, selbst wenn sich die Gesamtaktiva der Bank mit ihren
Verbindlichkeiten auf völlig gleicher Höhe befindet.

Je niedriger das Wertverhältnis der Ansprüche der Aktionäre zu dem
Werte der Verbindlichkeiten an andere Personen, desto größer ist die
Gefahr der Insolvenz; je geringer das Verhältnis des Kassenbestandes
zu den auf Verlangen sofort zahlbaren Verbindlichkeiten, desto größer
ist das Risiko der Unzulänglichkeit an Bargeld. Mit anderen Worten:
die Hauptschutzwehr gegen eine Insolvenz besteht in einem großen Kapital
und Überschuß, während die Hauptschutzwehr gegen eine Unzulänglich-
keit an Barmitteln große Barreserven sind. Die eigentliche Insolvenz
Vann bei jedwedem Geschäftsunternehmen Vorkommen. Von Unzu-
länglichkeit an Barmitteln werden besonders die Banken betroffen, deren
Funktion es ist, Noten und Depositen einzulösen.

Illustrieren wir die „Unzulänglichkeit an Barmitteln“. In unserer
letzten Bankabrechnung befand sich eine Reserve von $ 140,000 in bar und
$200,000 Forderungsverbindlichkeiten (Depositen und Noten). Den Di-
rektoren der Bank können der Reservefonds als zu hoch oder die Darlehen
als zu niedrig erscheinen. Sie können dann ihre den Kontoinhabern in
Form von Bargeld, Noten und Depositen gewährten Anleihen so erweitern,
bis die Kassenreserve vielleicht auf $40,000 reduziert und die den Deponenten
und Noteninhabern gegenüber eingegangene Schuld auf $ 300,000 erhöht
worden ist. Wenn ein Deponent oder Noteninhaber unter solchen Umständen
$ 50,000 in bar verlangt, so erweist sich eine sofortige Auszahlung dieser
Summe als unmöglich. Allerdings sind die Aktiven den Verbindlichkeiten
noch immer gleich. Hinter den geforderten $ 50,000 befindet sich der volle
Wert; abmachungsgemäß sollen aber die Deponenten und Noteninhaber in
Geld und auf Verlangen sofort bezahlt werden. Wenn dies in dem Depositen -
vertrage nicht festgelegt wäre, könnte die Bank die von ihren Debitoren er-
haltenen Schuldscheine auf ihre Gläubiger übertragen und somit den an sie

3*
        <pb n="55" />
        ﻿36

III. Kapitel.



gestellten Anforderungen entsprechen. Auch könnte die Bank die Konto-
inhaber ersuchen, sich zu gedulden bis diese Wertpapiere in Bargeld umgesetzt
worden sind1).

Da eine Bank keinen dieser Wege einschlagen kann, so sucht sie bei
einer bevorstehenden Unzulänglichkeit an Barmitteln einer solchen Ver-
mögenslage durch,,Kündigung“ einiger Darlehen zuvorzukommen oder, wenn
deren rasche Einziehung nicht möglich ist, durch den Verkauf von Wert-
papieren oder anderem Besitztum gegen Bargeld. Leider ist aber dem Bar-
geldbetrage, der von einer Bank ohne weiteres realisiert werden kann, eine
Grenze gesetzt. Keine einzige Bank könnte der Zahlungseinstellung ent-
gehen, wenn ein großer Prozentsatz ihrer Noteninhaber und Deponenten
gleichzeitig Barzahlung fordern würde* 2). Das Paradoxon einer Panik
findet in dem Falle den richtigen Ausdruck, wo sich ein Mann bei seiner Bank
erkundigt, ob sie zur Auszahlung seines Deposits verfügbares Bargeld habe,
indem er erklärt: „Wenn Sie mich bezahlen können, so brauche ich es nicht;
wenn Sie es aber nicht können, so brauche ich es!“ Dies war die Situation
in Wall Street im Jahre 1907. Alle Deponenten wollten zu ein und derselben
Zeit die Gewißheit haben, daß ihr Geld „da sei“. Aber alles Geld ist zu
ein und derselben Zeit niemals da.

Wenn also die Unzulänglichkeit an Barmitteln eine so beunruhigende
Lage schafft — so schwierig zu beseitigen, wenn sie eingetroffen, und
so schwierig ihr zuvorzukommen, wenn sie sich zu nähern beginnt — so muß
eine Bank ihre Darlehen und ihre Ausgabe von Noten derart regulieren,
daß ihr stets eine genügende Barreserve zur Verfügung steht, um auch schon
das bloße Drohen einer Unzulänglichkeit an Barmitteln zu verhüten. Sie
kann die Reserve abwechselnd durch den Verkauf von Wertpapieren gegen
Bar und durch das Darleihen von Bar auf Wertpapiere regulieren. Je
größer die Zahl der Darlehen im Verhältnis zu dem verfügbaren Barbestand,
desto größer ist der Gewinn und somit auch das Risiko. Auf die Dauer
erhält eine Bank ihre Reserven durch die Anpassung des für die Darlehen
festgesetzten Zinsfußes. Wenn die Bank nur wenige Darlehen und eine
genügend große Reserve besitzt, um Darlehen von bedeutend größerem
Umfange zu tragen, so trachtet die Bank, durch Herabsetzung des Zins-
fußes ihre Darlehen zu erweitern. Wenn die Darleihen der Bank eine
Höhe erreichen, die befürchten läßt, daß die Anforderungen an die Reserve

B Siehe Irving Fisher, The Nature of Capital and Income, V. Kapitel.

2) Vgl. Ricardo, Wortes, 2. Aufl., London (Murray), 1852, S. 217 (Principles of poli-
tical economy and taxation, XXVII. Kapitel).
        <pb n="56" />
        ﻿Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die Gleichung usw.

37

zu groß werden, dann wird sie die Darlehen durch Erhöhung des Zins-
fußes einschränken. Auf diese Weise wird durch abwechselnde Erhöhung
oder Erniedrigung des Zinsfußes eine Bank ihre Darlehen innerhalb solcher
Grenzen halten, daß sie der Reservefonds decken kann, gleichzeitig die Dar-
lehen (des Gewinnes wegen) so weit ausdehnen, als der Reservefonds dies
zuläßt.

Wenn die einzelnen Deponenten schuldigen Beträge im Verhältnis
zur Gesamtschuld beträchtlich sind, so muß die Reserve dementsprechend
hoch sein, weil der Entschluß weniger Deponenten den Reservefonds rasch
erschöpfen kann1). Auch muß die Reserve gegenüber schwankenden Depo-
siten (wie diejenigen der Effektenmakler) oder den als temporär bekannten
Depositen größer sein2). In einer Großstadt mit lebhaftem Bankbetrieb
muß der Reservefonds im Verhältnis zu den Forderungsverbindlichkeiten
der Bank größer sein als an kleineren Plätzen, wo die Geschäftstätigkeit
einer Bank nur gering ist.

Die Erfahrung lehrt, daß die verschiedenen Banken verschiedene
Durchschnittsbeträge an Depositen erheischen, die dem allgemeinen Cha-
rakter und dem Geschäftsumfange der Bank gemäß variieren. Für jede
Bank gibt es dafür ein Normalverhältnis (ratio), und daher auch für
ein ganzes Gemeinwesen ein Normalverhältnis — einen Durchschnitt der
Verhältnisse der verschiedenen Banken. Eine absolute numerische
Regel kann dabei nicht in Frage kommen. Willkürliche Bestimmungen
werden oft durch die Gesetzgebung aufgestellt. Die Nationalbanken in
den Vereinigten Staaten z. B. haben für ihre Depositen eine Reserve zu
halten, deren verschiedene Höhe sich darnach richtet, ob sie sich in ge-
wissen gesetzlich zu ,,Reserve“-Städten bestimmten Plätzen befinden oder
nicht, d. h. in Städten, in welchen die Nationalbanken Depositen anderswo
gelegener Banken in Besitz haben. Alle diese Reserven dienen zur Sicher-
stellung der Depositen. Für die Noten hingegen wird eine Barreserve
nicht verlangt, wenigstens wird den Nationalbanken eine solche Reserve
nicht vorgeschrieben. Zwar gelten die nämlichen volkswirtschaftlichen
Prinzipien für Banknoten und Depositen, doch behandelt sie das Gesetz
verschieden. Die Regierung zieht vor, die Einlösung der Nationalbanknoten
auf Verlangen selbst zu besorgen.

Die Einzelstaatenbanken (state banks) sind verschiedenartigen Sonder -

l) Victor Morawetz, The Banking and Currency Problem in the United States, New
York (The North American Review Publishing Co.), 1909, S. 36 und 37. Ebenso Kem-
merer, Money and Prices, 1909, S. 80.

2) a. a. 0.
        <pb n="57" />
        ﻿38

III. Kapitel.

bestimmungen unterworfen1). So schwankt das gesetzlich geforderte
Normalverhältnis der Reserven zu den Depositen von 12% bis 22% Prozent,
wobei 15 bis 20 Prozent der gewöhnliche Prozentsatz ist. Bei der Reserve
variiert die Teilsumme, welche aus Bargeld bestehen muß, zwischen 10 und
50 Prozent (der Reserve) und beträgt gewöhnlich 40 Prozent.

Eine derartige gesetzliche Regulierung der Bankreserven ist jedoch
kein notwendiges Entwicklungsergebnis des Bankwesens. In Kanada stellt
das Gesetz die Noten tatsächlich auf die gleiche Stufe mit den Depo-
siten. Das Bankwesen könnte in der Tat auch ohne jedwede staatliche
Verfügung bestehen. Eine Illustration hierzu liefert das „Geld von George
Smith“ („George Smith’s money“). Der Genannte gründete im Verein mit
Alexander Mitchell und anderen im Jahre 1839 eine Versicherungsgesell-
schaft, welche trotz des Verbotes, „Bankprivilegien“ auszuüben, dem Inhaber
auf Sicht zahlbare Depositenzertifikate herausgab, und diese Zertifikate ge-
langten tatsächlich wie Banknoten in Umlauf* 2).

§4.

Das Studium der Bankgeschäfte führt uns also zwei Umlaufsmittel-
gattungen vor Augen: erstens die zur Kategorie des Geldes gehörenden Bank-
noten und zweitens die Depositen, die zwar außerhalb dieser Kategorie
liegen, jedoch einen ausgezeichneten Ersatz für Geld darstellen. Wenn wir
diese Depositen zu der umfassenderen Kategorie der Güter zählen, so können
wir die Güter in drei Klassen einteilen, nämlich: 1. in Geld, 2. in Depositen-
umlaufsmittel oder einfach Depositen und 3. in alle anderen Güter. Unter
diesen Gütern gibt es sechs mögliche Austauschtypen, und zwar:

1.	Geld gegen Geld,

2.	Depositen gegen Depositen,

3.	Güter gegen Güter,

4.	Geld gegen Depositen,

5.	Geld gegen Güter,

6.	Depositen gegen Güter.

Für unseren Zweck sind nur die letzten beiden Austauschtypen von Be-
deutung, denn diese bilden die Umlaufsmittelzirkulation (circulation of
currency). Was die anderen vier Typen anbelangt, so ist die erste bereits

D „Digest of State Banking Statutes“ in Reports of the National Monetary Commission,
61. Kongreß, 2. Session, Senatsdokument Nr. 353.

2) Siete Horace White, Money and Banking.
        <pb n="58" />
        ﻿Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die Gleichung usw.

39

als „Geldwechsel“ und die dritte als „Tauschhandel“ (harter) erklärt
worden. Die zweite und vierte sind Banktransaktionen; zur zweiten ge-
hören solche wie der Verkauf von Zahlungsanweisungen für Schecks oder
die gegenseitige Ausgleichung von Bankclearings, während sich unter der
vierten Art Transaktionen wie das Deponieren oder die Zurücknahme von
Geld befinden, was vermittelst Einzahlung von Bargeld oder die Ziehung
von Schecks geschieht.

Nachdem wir die Bankbilanzen einer Analyse unterzogen haben,
können wir nunmehr die Bankdepositen oder den zirkulierenden Kredit in
die Verkehrsgleichung aufnehmen. Nach wie vor wollen wir die Quantität
tatsächlichen Geldes mit G und die Umlaufsgeschwindigkeit desselben mit U
bezeichnen. In gleicher Weise sollen die gesamten Depositen, welche durch
den Scheckverkehr Gegenstand der Übertragung sind, mit G' und die Durch-
schnitts-Umlaufsgeschwindigkeit mit V bezeichnet werden. Der Gesamt-
wert der während eines Jahres vorgenommenen Käufe ist daher nicht
mehr durch GU, sondern durch GU + G’U' zu bemessen. Die Verkehrs-
gleichung gestaltet sich also folgendermaßen:

GU + G'ü’ = 2pQ = PE i).

Wir wollen uns nun die Verkehrsgleichung wieder mittelst eines mechani-
schen Schaubildes vorstellen. In Figur 4 ist der Handel nach wie vor auf der

rechten Seite durch das Gewicht eines Komplexes verschiedener Güter ver-
anschaulicht, deren Durchschnittspreis durch die Entfernung vom Dreh-
punkte der Wage nach der rechten Seite oder durch die Länge des Wage-
armes, an welchem das Gewicht hängt, dargestellt ist. Zur Linken wird
wieder das Geld (G) durch ein in Geldbörsenform gekennzeichnetes Ge-

x) Die Verkehrsgleichung wurde auch von Kemmerer in Money and Credit Instru-
ments in their Relation to General Prices, und zwar mit Einschluß des Bankkredits aufge-
stellt, doch ist seine Darstellungsweise eine etwas verschiedene. Daß der Kredit genau so
wie das Geld auf die Preise einwirkt, ist keineswegs ein neu aufgestclltes Prinzip. Siehe
z. B. Mill, Principles of Political Economy, III. Teil, XII. Kapitel, § 1 und 2.
        <pb n="59" />
        ﻿40

III. Kapitel.

wicht und die Umlaufsgeschwindigkeit desselben (D) durch den Wagearm
dargestellt. Auf dieser linken Seite haben wir nun aber noch ein anderes
Gewicht in Form eines Bankbuches, welches die Bankdepositen ((?') ver-
anschaulicht. Die Umlaufsgeschwindigkeit dieser Bankdepositen (G') ist
ebenfalls durch die Entfernung vom Drehpunkte der Wage oder durch
den Wagearm, an welchem dieses Buch hängt, dargestellt.

Dieser Mechanismus führt die Tatsache vor Augen, daß sich der Durch-
schnittspreis (rechter Arm) mit der Zunahme des Geldes oder mit derjenigen
der Bankdepositen und mit der Zunahme in deren Umlaufsgeschwindigkeit
erhöht, während sich dieser Preis mit der Zunahme des Handelsumfanges
erniedrigt.

Auf die linke Seite der Verkehrsgleichung oder auf GU + G'U' zurück-
kommend, sehen wir, daß in einem Gemeinwesen ohne Bankdepositen die
linke Seite der Gleichung einfach auf GU, d. h. auf die im II. Kapitel ange-
wandte Formel umgewandelt wird, denn in einem solchen Gemeinwesen
fehlt der Posten ,,G'Z7'“. Mit der Einführung von G' tritt die Tendenz zu
einem Steigen der Preise ein. Das heißt, durch das Anhängen des Depositen-
bankbuches auf der linken Seite wird die Verlängerung des Armes zur
Hechten notwendig.

Gerade wie A zur Bezeichnung des gesamten Geldumlaufes, also von
GU verwendet wurde, so soll jetzt der gesamte Depositenumlauf G’U' mit A'
bezeichnet werden.

Wie A, G und U sind auch A', G' und U' Summen und Mittelwerte
korrespondierender Größen, die auf verschiedene Zeitpunkte des Jahres
oder verschiedene Personen zu beziehen sind1).

§5.

Durch den Einschluß des Depositenumlaufes in die Gleichung der Geld-
zirkulation wird der von der Quantität des Geldes auf das allgemeine Preis-
niveau ausgeübte Einfluß weniger direkt, und die weitere Verfolgung
dieses Einflusses wird schwieriger und komplizierter. Es ist sogar behauptet
worden, daß durch das Hinzutreten des zirkulierenden Kredits jedwede
zwischen den Preisen und der Quantität des Geldes bestehende Beziehung

Q Die in der Anordnung von a', g’ und «' usw. ausgedrückte mathematische
Analyse von A!, G' und U' stimmt mit der im Anhang zum II. Kapitel gegebenen von A
G und TJ vollkommen überein. Siehe auch §§ 1 und 2 des Anhanges zu diesem (III. ) Ka-
pitel.
        <pb n="60" />
        ﻿Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die Gleichung usw.

41

durchbrochen wirdQ. Wäre der zirkulierende Kredit vom Gelde unab-
hängig, so träfe dies zu. Tatsächlich hat aber die Quantität des zirkulieren-
den Kredits, G', die Tendenz, eine bestimmte Beziehung zu G, zu der in
Umlauf befindlichen Geldquantität, aufrechtzuerhalten, d. h. die Depositen
sind unter normalen Umständen ein mehr oder weniger bestimmtes Viel-
faches von Geld.

Zwei Tatsachen bringen die Depositen unter normalen Umständen in
ein mehr oder weniger bestimmtes Verhältnis zum Gelde. Die eine davon,
nämlich, daß die Bankreserven in einem mehr oder weniger bestimmten
Verhältnis zu den Bankdepositen gehalten werden, ist bereits erwähnt worden.
Die andere besteht darin, daß Einzelpersonen, Firmen und Gesellschaften
ein mehr oder weniger bestimmtes Verhältnis zwischen ihren Bargeld- und
Schecktransaktionen und auch zwischen ihrer Geld- und Dep'ositenbilanz
bewahren1 2). Diese Verhältnisse werden durch Motive individueller Be-
quemlichkeit und Gewohnheit bestimmt. Die Geschäftsfirmen benützen
im allgemeinen Geld für Lohnzahlungen und für verschiedene Geschäfte
geringerer Bedeutung, die in den Begriff „Kleingeld“ eingeschlossen sind,
während zum Ausgleich der Geschäfte von ihnen untereinander gewöhn-
lich Schecks vorgezogen werden. Die Vorliebe hierfür ist so groß, daß wir
uns schwerlich einen Bruch mit dieser Praxis vorzustellen vermögen,
es sei denn etwa nur zeitweise und in geringem Umfange. Eine Geschäfts-
firma wird schwerlich Straßenbahnfahrgelder mit Schecks bezahlen
und große Zahlungsverpflichtungen mit Bargeld liquidieren. Jedermann
strebt in der Benützung der beiden Zahlungsmethoden nach einem Gleich-
gewicht und stört dieses nicht nennenswert, wenigstens nicht auf längere
Zeit. Er paßt seinen Geldbestand oder sein Bankkonto beständig den
von ihm in Geld oder per Scheck zu erledigenden Zahlungen an. Sobald
der Geldbestand verhältnismäßig gering wird und das Bankkonto ein
verhältnismäßig großes Guthaben aufweist, wird ein Scheck gezogen.
Im entgegengesetzten Falle wird bares Geld deponiert. Auf diese Weise
wird eines der beiden Austauschmittel fortwährend in das andere um-

1)	Laughlin ist der beinahe entgegengesetzten Ansicht, daß der normale Kredit die
Preise nicht beeinflussen kann, weil er kein Angebot von vollwertigem Gelde darstellt und
daher auf den Wert des Maßgutes, das das Preisniveau einzig und allein bestimmt, keinen
Einfluß hat. Siehe Principles of Money, New York (Scribner), 1903, S. 97. Beide An-
sichten stehen mit der in diesem Buche vertretenen in Widerspruch.

2)	Diese Tatsache ist von Laughlin anscheinend übersehen worden, wenn er den
Schluß zieht, daß „there is not any reason for limiting the amount of the deposit currency,
or the assumption of an absolute scarcity of specie reserves“. Siehe Princi'ples of Money,
S. 127.
        <pb n="61" />
        ﻿42

III. Kapitel.

gesetzt. Eine Privatperson versieht sich gewöhnlich aus ihrem Bankkonto
mit Taschengeld. Eine Detailhandelsfirma stärkt ihr Bankkonto mit dem
Ertrage der Ladenkasse. In beiden Fällen besorgt die Bank die Vermittlung
des Austausches.

In irgend einem Gemeinwesen wird das quantitative Verhältnis von
Depositenumlaufsmitteln*) zum Gelde durch verschiedene Bequemlich-
keitsrücksichten bestimmt. Je höher vor allen Dingen der Geschäfts-
verkehr in einem Gemeinwesen entwickelt ist, desto vorherrschender ist
daselbst der Gebrauch von Schecks. An Plätzen mit hochentwickeltem Ge-
schäftsbetrieb werden die von den Kaufleuten untereinander abgeschlossenen
bedeutenden Geschäfte gewöhnlich mittelst Scheck und die kleineren durch
Barzahlung erledigt. Je konzentrierter die Bevölkerung ist, desto mehr ge-
winnt der Gebrauch von Schecks die Oberhand. In Städten ist es für den
Zahlenden und auch für den Empfänger bequemer, große Zahlungen per
Scheck vorzunehmen, während auf dem Lande das Aufsuchen einer Bank
infolge Zeit- und Geldverlustes zu teuer zu stehen kommt, um den Schecks
den Vorzug zu geben. Aus diesem Grunde wird im Verhältnis zum Umfange
der zustande kommenden Geschäfte auf dem Lande mehr Geld gebraucht1 2).
Je wohlhabender ferner die Mitglieder des Gemeinwesens sind, desto aus-
giebiger kommen Schecks zur Verwendung. Arbeiter gebrauchen sie selten;
Kapitalisten, Angehörige der gelehrten Berufe und Gehalt beziehende Per-
sonen hingegen gebrauchen sie gewöhnlich, und zwar sowohl für persön-
liche als auch für geschäftliche Zwecke.

Es herrscht also, was Bequemlichkeit und Gewohnheit betrifft, eine
gewisse Beziehung zwischen der Scheck- und Bargeldzirkulation und ein
mehr oder weniger stabiles Verhältnis zwischen der Depositenbilanz des
Durchschnittsmenschen oder der Durchschnittsgesellschaft und dem Geld-
bestand in Tasche oder Ladenkasse. Diese Tatsache, auf ein ganzes Land
angewendet, bedeutet, daß sich aus Bequemlichkeitsgründen ein ungefähres
Verhältnis zwischen G und G' herausbildet. Wenn dieses Verhältnis zeit-
weilig gestört wird, dann wird eine Tendenz zur Wiederherstellung des
alten Verhältnisses einsetzen. Es erfolgt dann ein Deponieren des Über-
schusses an Bargeld oder ein Flüssigmachen des Zuviel an Depositen.

Es hat also sowohl das in Umlauf befindliche als auch das in Reserve

1)	Laughlin benützt in seinen Principles of Money den bequemen Ausdruck „Depo-
sitenumlaufsmittel“ (deposit currency) S. 118.

2)	Siehe Kinleys „Credit Instruments", Report of (he Äational Monetary Commission,
Senatsdokument 399, 61. Kongreß, 2. Session, 1910, S. 188.
        <pb n="62" />
        ﻿Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die Gleichung usw.

43

gehaltene Geld die Tendenz, ein bestimmtes Verhältnis zu den Depositen
beizubehalten. Es folgt daraus, daß die beiden Geldbestände in einem
bestimmten Verhältnis zueinander stehen müssen.

Es folgt ferner, daß, da jede Veränderung in G, dem in Umlauf befind-
lichen Geldquantum, unter normalen Umständen eine verhältnismäßige Ver-
änderung in G', dem Volumen der dem Scheckverkehr unterworfenen Bank-
depositen, bedingt, eine solche Änderung eine sich in bestimmten Ver-
hältnissen vollziehende Veränderung im allgemeinen Preisniveau hervorruft,
ausgenommen natürlich, daß Veränderungen in den V oder den Q als
Begleitumstände diese Wirkung beeinträchtigen. Die Richtigkeit dieser
Behauptung ist aus der Gleichung QU + G'W = SpQ klar ersichtlich,
denn wenn sich z. B. G und G' verdoppeln, während U und U' unverändert
bleiben, so wird die linke Seite der Gleichung verdoppelt, worauf folglich
auch die rechte Seite verdoppelt werden muß. Aber wenn die Q unver-
ändert bleiben, dann müssen sich offenbar alle p verdoppeln, oder, wenn
einige p weniger als eine Verdoppelung erfahren, müssen sich andere ge-
nügend mehr verdoppeln, um einen Ausgleich zu bewirken.

§6.

Der Inhalt dieses Kapitels soll in einigen einfachen Sätzen zusammen-
gefaßt werden:

1.	Die Banken liefern zwei Arten von Umlaufsmitteln, nämlich Bank-
noten, die Geld darstellen und Bankdepositen (oder Rechte zur Ziehung
von Schecks), die kein Geld sind.

2.	Ein Bankscheck bedeutet nur ein Zertifikat über ein Bezugs -
recht.

3.	Die Anrechte der Deponenten und Noteninhaber sind nicht allein
durch die Barreserve, sondern auch durch sämtliche Aktiva der Bank
gedeckt.

4.	Das Depositenbankwesen ist eine Einrichtung, durch die der zu
direktem Umlauf nicht geeignete Reichtum zur Basis für die Zirkulation
von Bezugsrechten gemacht wird.

5.	Die Grundlage solcher zirkulierender Bezugsrechte oder Depositen
muß zum Teil in wirklichem Gelde und sollte zum Teil auch in rasch in
Geld umzusetzenden Aktiven bestehen.

6.	Die drei Güterkategorien: Geld, Depositen und alle anderen Güter
ermöglichen sechs verschiedene Austauscharten. Für unsere Zwecke ist der
Austausch von Geld und Depositen gegen Güter der wichtigste.
        <pb n="63" />
        ﻿44

IV. Kapitel.

7.	Mit Einschluß der Bankdepositen lautet die Gleichung der Geld-
zirkulation folgendermaßen:

GU + G'l7 = 2pQ oder PH.

8.	Es herrscht die Tendenz zu einem normalen Verhältnis der Bank-
depositen (G') zur Geldquantität (Cr), und zwar aus dem Grunde, weil die
Geschäftsbequemlichkeit gebietet, daß die zur Verfügung stehenden Um-
laufsmittel sich auf Depositen und Geld in einem gewissen, mehr oder weniger
bestimmten, wenn auch elastischen Verhältnis verteilen.

9.	Das quantitative Verhältnis zwischen Geld und Preisen wird unter
normalen Bedingungen durch die Einbeziehung der Depositenumlaufsmittel
nicht gestört.

IV.	Kapitel.

Störung der Gleichung und der Kaufkraft in
Perioden des Übergangs.

§i.

Im vorigen Kapitel wurde dargelegt, daß die Quantität der Bank-
depositen unter normalen Umständen ein bestimmtes Verhältnis zu der im
Umlauf befindlichen Geldquantität und zu dem Quantum der Bankreserven
aufrechterhält. Solange sich dieses normale Verhältnis behauptet, erhöht
das Vorhandensein der Bankdepositen die durch die im Umlauf befind-
liche Geldquantität hervorgerufene Wirkung auf das Preisniveau und ver-
zerrt diese Wirkung nicht im geringsten. Veränderungen in der Umlaufs-
geschwindigkeit oder im Handel üben übrigens auf die Preise, gleichviel ob
Bankdepositen inbegriffen sind oder nicht, dieselbe Wirkung aus.

Dieses Verhältnis zwischen Geld (G) und Depositen ((?') ist jedoch
in Übergangsperioden kein starres.

Wir wollen nun auf diese Übergangsperioden näher eingehen. Die Ver-
änderung, welche einen Übergang konstituiert, kann durch eine Veränderung
in der Quantität des Geldes oder in einem anderen Faktor der Verkehrs-
gleichung oder durch alle Faktoren zugleich stattfinden. Gewöhnlich
tragen alle Faktoren zu der Veränderung bei. Der Hauptfaktor aber, den
wir uns (gleichzeitig mit seiner Wirkung auf die anderen Faktoren) zum
Studium wählen, ist die Geldquantität. Wenn die Quantität des Geldes
plötzlich eine Verdoppelung erführe, so würde die Wirkung der Veränderung
        <pb n="64" />
        ﻿Störung der Gleichung und der Kaufkraft in Perioden des Übergangs. 45

später eine andere sein als zu Beginn derselben. Die Endwirkung ist, wie
wir gesehen haben, eine Verdoppelung der Preise; bevor diese aber eintritt,
schwanken die Preise auf und nieder. In diesem Kapitel wollen wir auf die
temporären Wirkungen während der Übergangsperiode näher eingehen ohne
Rücksicht auf die permanenten oder Endwirkungen, welche im vorigen Ka-
pitel besprochen wurden. Diese permanenten oder Endwirkungen folgen
jedoch erst, nachdem ein neues Gleichgewicht hergestellt worden ist, — wenn
man die Herstellung eines Gleichgewichtszustandes überhaupt in das Bereich
des Möglichen ziehen kann. Wir haben es in diesem Kapitel lediglich mit
den temporären Wirkungen, d. h. mit den Wirkungen in der Übergangs-
periode zu tun.

Übergangsperioden charakterisiert entweder ein Steigen oder ein
Fallen der Preise. Steigende Preise müssen von hohen Preisen und fallende
von niedrigen Preisen deutlich unterschieden werden. Mit stationären
Preisniveaus, seien sie hoch oder niedrig, haben wir in diesem Kapitel
nichts zu tun. Wir wenden unsere Aufmerksamkeit steigenden und fallen-
den Preisen zu. Steigende Preise markieren den Übergang von einem
niedrigen zu einem hohen Preisniveau genau so, wie ein Abhang den Über-
gang von flachem Tieflande zu flachem Hochlande bezeichnet.

Da das Studium dieses Steigens und Fallens mit der Adjustierung des
Zinsfußes fest verknüpft ist, so ist unsere erste Aufgabe, die Wirkungen
steigender und fallender Preise aut den Zinsfuß kurz zu erörtern. Der
Hauptgegenstand dieses Kapitels ist, zu beweisen, daß das eigenartige Ver-
halten des Zinsfußes in Übergangsperioden für die Krisen und Depressionen,
mit welchen Preisbewegungen gewöhnlich enden, in starkem Ausmaße
verantwortlich zu machen ist.

Obwohl Geschäftsdarlehen stets in Form von Geld gemacht werden,
so wolle man beachten, daß ein Mann, der sich Geld leiht, dies nicht tut,
um Geld zu thesaurieren, sondern um für dasselbe Ware zu kaufen. Wenn
z. B. A hundert Dollar von B borgt, um einhundert Einheiten eines ge-
gebenen Artikels zu einem Dollar per Einheit zu kaufen, so kann man jeden-
falls sagen, daß B dem Wesen nach dem A hundert Einheiten dieses Artikels
leiht. Und wenn am Schlüsse des Jahres A dem B hundert Dollar zurück-
erstattet und der Preis des Artikels mittlerweile höher geworden ist,
dann hat B einen Bruchteil der ursprünglich dem A geliehenen Kaufkraft
verloren. Denn selbst wenn A dem B die gleichen Münzen, in denen
das Darlehen ausbezahlt wurde, zurückerstatten würde, so repräsentieren

O Bezüglich vollständiger Darlegung s. Irving Fisher, The Rate of Interest, New York
(Macmillan), 1907, Kap. V und XIV.
        <pb n="65" />
        ﻿46

IV. Kapitel.

diese Münzen etwas weniger als die ursprüngliche Quantität der damit kauf-
baren Artikel. Indem wir dies in unserer Untersuchung des Zinsfußes berück-
sichtigen, wollen wir jetzt annehmen, daß die Preise jährlich um 3 Prozent
steigen. Es ist klar, daß der Mann, welcher zu Beginn des Jahres hundert
Dollar ausleiht, um 5 Prozent Zinsen in Kaufkraft zu erhalten, $ 103 (das
Äquivalent der geliehenen $ 100) plus 5 Prozent auf diesen Betrag oder
eine Gesamtsumme von $ 108,15 zurückerhalten muß. Das heißt, um 5
Prozent Zinsen in gegenwärtiger Kaufkraft zu erlangen, muß er etwas mehr
als 8 Prozent Zinsen in Geld erhalten. Die 3 Prozent Preissteigerung
sollten daher den Zinsfuß um annähernd 3 Prozent erhöhen. Damit die
Beziehungen zwischen Gläubiger und Schuldner während des Steigens der
Preise die gleichen bleiben wie vorher und nachher, verlangen steigende
Preise einen höheren Geldzins als ihn gleichbleibende Preise erfordern.

Nicht nur Gelddarleiher können auf Zahlung höherer Interessen
Anspruch erheben, sondern die Geldentlehner können auch ganz gut
höhere Zinsen zahlen. Bis zu einem gewissen Grade wird die Konkur-
renz sie allmählich hierzu zwingen1). Wir sind in unserem Geschäfts-
leben aber so daran gewöhnt, das Geld als den stabilen Faktor zu be-
trachten und, ohne Rücksicht auf den Zeitablauf, den Dollar für einen Dollar
zu halten, daß wir nur widerstrebend diesem Prozeß der Wiederausgleichung
nachgeben, die wir dadurch sehr langsam und unvollständig gestalten.
Wenn die Preise um 3 Prozent per Jahr steigen und der normale Zins-
fuß, d. h. der Zinsfuß, der bestände, wenn sich die Preise immer gleich
blieben, 5 Prozent wäre, so wird der wirkliche Zinsfuß, obwohl er von Rechts
wegen 8,15 Prozent sein sollte, um für die Preissteigerung Ersatz zu bieten,
diese Ziffer gewöhnlich nicht erreichen; der Zinsfuß mag sich vielleicht auf
6 Prozent und später auf 7 Prozent erhöhen. Diese Unzulänglichkeit und
Langsamkeit in der Ausgleichung werden außerdem durch das Gesetz sowie
durch Brauch und Sitte gefördert, die nach Willkür streben, den Zinsfuß
möglichst niederzuhalten.

Dieselbe Unzulänglichkeit der Ausgleichung ist bei einem Fallen der
Preise wahrzunehmen. Nehmen wir an, daß $ 97 am Ende des Jahres
ebensoviel kaufen als $ 100 zu Anfang des Jahres. Um also eine Kauf-
kraft im gleichen Werte seiner ursprünglichen und 5 Prozent Zinsen zurück-
zuerhalten, sollte in diesem Falle der Verleiher nicht $ 105, sondern nur
$ 97 plus 5 Prozent von $ 97 oder $ 101,85 empfangen. Der Zinsfuß in Geld
sollte also in diesem Fall statt der ursprünglichen 5 Prozent 1,85 Prozent, oder

1) Rate of Interest, Kap. XIV.
        <pb n="66" />
        ﻿Störung der Gleichung und der Kaufkraft in Perioden des Übergangs. 47

weniger als 2 Prozent sein. Mit anderen Worten: die 3 Prozent Preiser-
niedrigung sollten den Zinsfuß um annähernd 3 Prozent herabsetzen. Tat-
sächlich wird aber ein so vollkommener Ausgleich selten erlangt, und der
Zinsfuß hält sich für eine beträchtliche Zeit weit über 2 Prozent*).

§2.

Wir kommen nun zur Erörterung der vorübergehenden oder Über-
gangsveränderungen in den Faktoren unserer Yerkehrsgleichung. Zunächst
wollen wir eine geringfügige Störungsursache annehmen, wie sie zum Bei-
spiel durch eine Zunahme in der Quantität des Goldes herbeigeführt würde.
Daraus entsteht, wie die Verkehrsgleichung lehrt, eine Steigerung der Preise.
Wenn die Preise steigen, so erhöht sich der in Geld bemessene Gewinn der
Geschäftsleute ebenfalls, selbst wenn die Geschäftsunkosten in demselben
Verhältnis steigen sollten. Wenn also ein Mann, der Güter, die ihn $ 6000
gekostet haben, für $ 10,000 verkauft und auf diese Weise $ 4000 rein ver-
dient, doppelte Preise bei doppelten Unkosten erhalten könnte, so würde
sich sein Gewinn verdoppeln, also $ 20,000 — $ 12,000 = $ 8000 Rein-
gewinn. Natürlich würde eine solche Preissteigerung rein dem Namen
nach bestehen, da sie ja lediglich mit der Steigerung im Preisniveau gleichen
Schritt hält. Dem Geschäftsmann würde daraus kein Vorteil erwachsen,
denn sein größerer Gewinn an Geld würde nicht mehr kaufen, als sein vor-
heriger geringerer Gewinn an Geld früher kaufte. Tatsächlich erhöht sich
aber der Gewinn des Geschäftsmannes mehr, als es nach diesen Ziffern
scheint, weil der von ihm zu zahlende Zinsfuß sich nicht augenblicklich
anpaßt. Unter seinen Unkosten befinden sich Zinsen, und diese Unkosten
steigen anfänglich nicht. Der Gewinn erhöht sich demnach schneller als
die Preise. Daraus ist zu entnehmen, daß ein höherer Gewinn als gewöhnlich
erzielt werden kann, was den Geschäftsmann ermutigt, durch weitere Auf-
nahme von Kapital sein Geschäft auszudehnen. Dies geschieht haupt-
sächlich in Form von kurzfristigen Anleihen bei Banken und, wie wir
gesehen haben, erzeugen kurzfristige Darlehen Depositen. Bekanntüch
korrespondieren Anleihen und Depositen bemerkenswert genau mitein-
ander * 2). Der Umlauf von Depositen ((?') vermehrt sich also, doch bewirkt
diese Vermehrung des Depositenumlaufs eine weitere Steigerung des allge-
meinen Preisniveaus, und zwar ebenso, wie es im Anfang die Zunahme des

*) Rate of Interest, loc. cit.

2) S. J. Pease Norton, Statistical Studies in the New York Money Market (Macniiilan),
1902, Tabelle am Schlüsse.
        <pb n="67" />
        ﻿48

IV. Kapitel.

Goldquantums getan hattex). Die Preise, welche der Höhe des Zinsfußes
vorher bereits vorausgeeilt waren, streben darnach, ihr noch weiterhin vor-
auszueilen und setzen dabei die Entlehner, welche ihre Gewinne ohnedies
schon erhöhten, in den Stand, sie noch weiter zu erhöhen. Die Nachfrage
nach weiteren Anleihen wächst und, obwohl der nominelle Zinsfuß etwas
in die Höhe geschraubt wird, so bleibt er doch unter dem normalen Niveau
zurück. Nominell hat sich die Zinsrate doch erhöht, und infolgedessen
werden auch die Darleiher, die Banken inbegriffen, zu größeren Unterneh-
mungen veranlaßt. Durch die höheren nominellen Raten zur irrtümlichen
Annahme verleitet, daß ziemlich hohe Zinsen erlangt werden können, er-
weitern sie ihre Darlehen, und mit der resultierenden Erweiterung des all-
gemeinen Bankkredits vermehrt sich der an sich schon umfangreiche De-
positenumlauf (Cr') in noch höherem Maße. Wenn die Preise steigen, kann
auch der Geldwert von Effektendepots größer geworden sein, wodurch es
den Entlehnem leichter gemacht wird, großen Kredit zu erhalten1 2). In-
folgedessen steigen die Preise noch weiter3). Diese Wirkungsfolge der
Ereignisse kann in folgender Form kurz ausgedrückt werden:

1.	Die Preise steigen (die Ursachen können verschieden sein; wir haben
zur Verdeutlichung ein Anwachsen des Goldbestandes gewählt).

2.	Die Zinsrate nimmt zu, aber nicht genug.

3.	Die durch großen Gewinn ermutigten Unternehmer („Enterprisers“,
um Professor Fetters Ausdruck zu gebrauchen) erweitern ihre Anleihen.

4.	Der Depositenumlauf (Cr") vermehrt sich im Verhältnis zum Gelde (Cr).

5.	Die Preissteigerung dauert fort, d. h. das Phänomen Nr. 1 wiederholt
sich. Dann wiederholt sich Nr. 2 und so weiter.

Mit anderen Worten: eine geringfügige anfängliche Preissteigerung
setzt eine Reihe von Ereignissen in Bewegung, welche die Tendenz haben,
diese Preissteigerung zu wiederholen. Eine Preissteigerung bringt immer
die andere mit sich, und zwar solange, wie der Zinsfuß hinter seiner
normalen Ziffer zurückbleiM.

1)	Siehe den Artikel von Knut Wicksell in den Jahrbüchern für Nationalökonomie
1897 (Band 68), S. 228—243, betitelt: „Der Bankzins als Regulator der Warenpreise.“
Obgleich es sich in diesem Artikel nicht direkt um einen Kreditzyklus in bezug auf Paniken
handelt, so bezeichnet er doch den Zusammenhang zwischen der Zinsrate auf Bankanleihen
und Veränderungen im Preisniveau, welche auf die resultierende Vermehrung und Ver-
minderung solcher Anleihen zurückzuführen ist.

2)	Siehe Kinley, Money, New York (Macmillan), 1904, S. 223.

3)	Siehe Wicksell, a. a. 0.
        <pb n="68" />
        ﻿Störung der Gleichung und der Kaufkraft in Perioden des Übergangs. 49

§3.

Die Ausdehnung des Depositenumlaufs, die in dieser sich ständig ver-
stärkenden Bewegung zutage tritt, erhöht in abnormer Weise das Ver-
hältnis von G' zu G. Dies ist klar ersichtlich, wenn die Preissteigerung in
der Veränderung eines anderen Elementes oder mehrerer Elemente in der
Gleichung beginnt, als des Geldes; denn wenn G unverändert bleibt und
G' erhöht wird, so muß das Verhältnis G' zu G sich ebenfalls erhöhen
Wenn G in irgendeinem Verhältnis zunimmt, so wird G' in einem noch
größeren Verhältnis zunehmen. Wenn die Zunahme nur in demselben
Verhältnis stattfände, so würden die Preise in diesem Verhältnis steigen
(unter der Annahme, daß die Geschwindigkeiten und Quantitäten unver-
ändert bleiben); und wenn die Preise in diesem Verhältnis zunehmcn
würden, so müßten die Anleihen (welche zum Einkauf von Gütern gemacht
und den Preisen der Güter gemäß adjustiert wurden) in diesem Verhält-
nis erhöht werden, nur um dieselben Güter wie vorher kaufen zu
können. Die Unternehmer aber, welche aus dem Nachhinken des Zins-
fußes zu profitieren wünschen, würden aber die Anleihen über diesen alten
oder ursprünglichen Punkt hinaus ausdehnen. Demnach würden sich die
auf Anleihen gegründeten Depositen in einem größeren Verhältnis ver-
mehren. Das heißt, das Verhältnis G' zu G würde sich erhöhen Mit
anderen Worten: während der Periode, in welcher G zunimmt, wächst! -
G' noch rascher und stört auf diese Weise das normale Verhältnis'
zwischen diesen beiden Formen von Umlaufsmitteln

Dies ist jedoch nicht die einzige durch eine Zunahme von G verursachte
Störung. Es gibt auch Störungen in Q (oder anders bezeichnet in H) in U
und in U . Diese sollen der Reihe nach vorgenommen werden. Der Ge-
schäftsgang (die Q) wird durch die leichten Bedingungen für Anleihen
angespornt. Diese Wirkung wird bei einer Preissteigerung immer beob-
achtet, und die Leute erklären dann mit Befriedigung, daß das „Geschäft
gut ist“ und die „Konjunktur eine steigende ist“. Derartige Behauptungen
repräsentieren den Gesichtspunkt des gewöhnlichen Geschäftsmannes,
welcher ein „kreditsuchender Unternehmer“ ist. Sie stellen nicht die
Meinung des Gläubigers, des Gehalt beziehenden Mannes oder des Arbeiters dar
von denen die meisten schweigend und geduldig leiden, indem sie die höheren
Preise zahlen müssen, nicht aber entsprechend höheres Einkommen beziehen

Die erste Ursache der ungesunden Zunahme des Geschäfts liegt in
der Tatsache, daß die Preise, den Zinsen gleich, hinter ihrer völligen An-
passung Zurückbleiben und durch erhöhte Käufe sozusagen empor-

Fisher, Kaufkraft des Geldes.	^
        <pb n="69" />
        ﻿50

IV. Kapitel.

getrieben werden müssen. Dies gilt namentlich dann, wenn der ursprüng-
liche Anstoß von einer Geldzunahme herkam. Die Ausgabe zuschüssigen
Geldes erfolgt anfangs fast auf der alten Preisstufe, durch seine fort-
gesetzte Verausgabung hingegen werden die Preise allmählich erhöht.
Mittlerweile wird der Umfang der Käufe etwas größer, als er gewesen
wäre, wenn die Preise schneller gestiegen wären. Vom Gesichtspunkte der-
jenigen, welche Güter verkaufen, ist es tatsächlich die Möglichkeit stärke-
ren Umsatzes zu den alten Preisen, welche zu einer Steigerung der
Preise ermutigt. Wenn sie sehen, daß sie Käufer für mehr Güter als vorher
zu den früher herrschenden Preisen finden können oder für ebensoviele Güter
wie vorher zu höheren Preisen, dann werden sie diese höheren Preise fordern.

Aber der Umfang des Geschäftes hängt fast gänzlich von allem anderen
eher ab als von der Quantität der Umlaufsmittel, so daß eine Zunahme in
den Umlauf smitteln den Geschäftsumfang nicht einmalzeitweilig beträchtlich
erhöhen kann. In gewöhnlichen guten Zeiten ist tatsächlich das ganze Ge-
meinwesen mit Arbeit, mit der Produktion, dem Transport und dem Aus-
tausch von Gütern beschäftigt. Die Zunahme der Umlaufsmittel während
einer Periode geschäftlichen Aufschwungs kann von sich selbst aus nicht die
Bevölkerung vermehren, die Leistungsfähigkeit der Arbeiter erhöhen oder
weitere Erfindungen hervorbringen. Diese Faktoren begrenzen ziemlich
genau den Umfang des Geschäftsverkehrs, der füglich bewältigt werden
kann. Und obwohl der Gewinn der kreditsuchenden Unternehmer einen
psychologischen Ansporn für das Geschäft bilden kann, obwohl einige
Arbeitslose beschäftigt werden können und andere in verschiedenen Branchen
zu Überzeitarbeit veranlaßt werden, und obwohl eine größere Anzahl spe-
kulativer Käufe und Verkäufe effektuiert werden, so ist doch beinahe die
völlige Wirkung einer Zunahme an Depositen in einer Veränderung der
Preise zu erblicken. Normalerweise würde so die volle Wirkung zum Aus-
druck kommen, in Übergangszeiten hingegen findet auch eine gewisse
Zunahme in den Q statt.

Zunächst können wir wahrnehmen, daß die Preissteigerung — das
Sinken in der Kaufkraft des Geldes — den Umlauf des Geldes beschleunigt.
Wir alle beeilen uns, eine Ware los zu werden, welche, wie eine reife
Frucht unter unseren Augen verdirbt1). Das Geld macht keine Aus-

x) Einen statistischen Beweis liefert Pierre des Essars, Journal de la Sociäe
de Statistique de Paris, April 1896, S. 143. Die Zahlen beziehen sich nur auf die Umlaufs-
geschwindigkeit der Bankdepositen. Entsprechende Zahlen für die Umlaufsgeschwindig-
keit des Geldes gibt es nicht. Pierre des Essars hat bewiesen, daß TJ' in europäischen
Banken in Jahren der Krisis mit fast unfehlbarer Sicherheit ein Maximum erreicht. Ich
        <pb n="70" />
        ﻿Störung der Gleichung und der Kaufkraft in Perioden des Übergangs. 51

nähme; wenn es im Werte sinkt, so will es der Inhaber so schnell wie mög-
lich los werden. Sobald er das Fallen bemerkt, ist es sein Bestreben, Güter
zu kaufen, welche in Geld ausgedrückt im Preise steigen, um durch den Auf-
schlag im Werte der Güter zu profitieren. Das unvermeidliche Resultat ist,
daß diese Güter noch weiter im Preise steigen. Die in der Erhöhung der
Preise begonnene Reihe der Veränderungen, ausführlicher als zuvor ausge-
drückt, lautet wie folgt:

1.	Die Preise steigen.

2.	Die Umlaufsgeschwindigkeiten (U und U') erhöhen sich; der Zinsfuß
nimmt zu, aber nicht genug.

3.	Der Gewinn steigt, die Anleihen vermehren sich und die Q wachsen.

4.	Der Depositenumlauf ((?') vermehrt sich im Verhältnis zum Gelde (G).

5.	Die Preise steigen weiter; d. h. Phänomen Nr. 1 wiederholt sich.
Dann wiederholt sich Nr. 2 und so fort.

Es ist ersichtlich, daß diese Veränderungen nun alle Größen in der Ver-
kehrsgleichung in Mitleidenschaft ziehen. Es sind temporäre Veränderungen,
welche sich nur auf die Übergangsperiode beziehen. Sie gleichen der zeit-
weiligen Kraftzufuhr und dem darauffolgenden Kraftausgleicheines Auto-
mobils, das eine Steigung nimmt.

§4.

Die aus diesem Ursachenkreis entspringende Ausdehnung kann natürlich
nicht ewig dauern; sie muß sich schließlich selbst erschöpfen. Es ist
der Zinsfuß, der dieser fortgesetzten Wirksamkeit Einhalt gebietet. Die
Verzögerung im Steigen des Zinses war für den abnormen Zustand verant-
wortlich. Wenn das Steigen des Zinses auch verspätet eingetreten ist, so ist
es doch ein fortschreitendes, und sobald der Zinsfuß die Stufe der Preissteige-
rung überschreitet, ändert sich die ganze Situation. Wenn die Preise um
2 Prozent per Jahr steigen, so wird der Aufschwung nur solange fortdauern,
bis die Zinsen 2 Prozent höher sind. Erst damit wird die Preis-
steigerung wettgemacht. Die Banken sind zur Selbstverteidigung gezwungen,
den Zins zu erhöhen, denn sie können einer im Verhältnis zu den Reserven
so abnormen Ausdehnung von Anleihen nicht standhalten. Sobald die
Zinsrate adjustiert ist, können die Entlehner nicht mehr hoffen, großen
Gewinn zu erzielen, und die Nachfrage nach Anleihen hört auf zu wachsen.

Es gibt auch noch andere Kräfte, welche der weiteren Vergrößerung

fand dasselbe, wie das Verhältnis der Clearings zu Depositen in New York, Boston und
Philadelphia lehrt, auch für die Vereinigten Staaten zutreffend.
        <pb n="71" />
        ﻿52

IV. Kapitel.

des Depositenumlaufs eine Schranke setzen, und die eine Tendenz zu seiner
Einschränkung einleiten. Der Höchstbetrag der Depositenumlaufsmittel ist
nicht nur durch das Gesetz und durch Klugheit auf ein gewisses Vielfaches
des Betrages der Bankreserven beschränkt, sondern die Bankreserven selbst
sind durch den Geldbetrag der zu Reservezweeken verfügbar ist, auf eine
gewisse Höhe beschränkt. Ferner beginnt mit dem Steigen des Zinses der
Kurs gewisser, als Sicherung hinterlegten Wertpapiere, wie z. B. der Obli-
gationen, auf Grund deren Anleihen gemacht wurden, zu fallen. Solche
Effekten, deren Preis in dem diskontierten Werte fixer Summen beruht, fallen,
wenn der Zins steigt, und sie können daher nicht als Sicherheit für Anleihen
in demselben Umfange als zuvor benützt werden. Diese Hemmung der An-
leihen ist, wie vorher erklärt, auch eine Hemmung für Depositen.

Wer damit gerechnet hatte, seine Anleihen zu den früheren Sätzen und
in der früheren Höhe zu erneuern, ist nach der Erhöhung des Zinsfußes außer-
stande, dies zu tun. Es folgt daraus, daß einige von ihnen genötigt sind,
ihre Zahlungen einzustellen. Der Konkurs (oder die Voraussicht eines
solchen) von Firmen, welche von Banken stark geborgt haben, führt
seitens vieler Deponenten zu der Befürchtung, daß die Banken nicht
imstande sein werden, diese Anleihen einzubringen. Die Banken
kommen daher selbst in Verdacht, und die Deponenten verlangen aus
diesem Grunde Bargeld. Dann kommt es zu „Runs“ auf die Banken,
welche die Bankreserven gerade in dem Augenblick erschöpfen, wo sie
am notwendigsten gebraucht werden 1). Die nicht hinreichend mit
Reserven versehenen Banken müssen nun ihre Anleihen einschränken.
Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo der Zinsfuß die Höhe der
Panik erreicht. Diejenigen Unternehmer, welche betroffen werden,
müssen Umlaufsmittel* 2) haben, um ihren Verbindlichkeiten nachkommen
zu können, und um sie zu erhalten, sind sie bereit, hohe Zinsen zu zahlen.
Einige von ihnen geraten in Konkurs, und mit ihrem Bankerott vermindert
sich die Nachfrage für Anleihen in entsprechendem Maße. Diese Kulmina-
tion einer Preisbewegung nach aufwärts ist eben das, was man Krisis 3)

!) Ein Teil der Mer dargelegten Theorie über Krisen wurde in ähnlicher Weise in
einer Schrift von Harry G. Brown, Yale Review, August 1910, unter dem Titel „Typical
Commercial Crises versus a Money Panic“ erklärt.

2)	Irving Fisher, Rate of Interest, S. 325 und 326.

3)	Dies ist die von Juglar gegebene Definition einer Krisis, und seine im Detaü aus-
geführte Geschichte der Krisen entspricht der Beschreibung. Siehe Juglar, Des Crises
Commerciales et de leur Retour piriodigue en France, en Angleterre et aux Etats-Unis.
2. Auf!., Paris (Guillaumin), 1889, S. 4 und 5. Vgl. auch die Übersetzung des die Ver-
        <pb n="72" />
        ﻿Störung der Gleichung und der Kaufkraft in Perioden des Übergangs. 53

nennt, — eine Sachlage, die durch Bankerotte charakterisiert wird, und
zwar von Bankerotten infolge eines Mangels an Bargeld zu einer Zeit, wenn
es am nötigsten gebraucht wird.

Es wird allgemein anerkannt, daß der durch Vertrauensverlust herbei-
geführte Zusammenbruch des Bankkredits, ganz abgesehen von der Ursache
des Vertrauensverlustes, das Hauptmoment jeder Krisis ist. Was nicht
allgemein anerkannt wird, und was dieses Kapitel nachdrücklich hervorheben
will, ist, daß dieser Vertrauens Verlust (in der hier geschilderten typischen
Handelskrisis) die Folge einer Verzögerung in der Anpassung des Zins-
fußes ist.

Auf andere Ursachen von Krisen, nämlich auf solche, die in keinerlei
Beziehung zum Gelde stehen, beabsichtigen wir nicht einzugehen. Statt
dessen erklären wir, daß die mit dem Geld zusammenhängenden Ursachen,
wenn sie mit der mangelhaften Anpassung des Zinsfußes in Ver-
bindung gebracht werden, die wichtigsten sind. Die anderen Faktoren
nämlich, auf welche oft Nachdruck gelegt worden ist, sind bloße Wirkungen
dieser mangelhaften Anpassung. »Überkonsumtion“ (overconsump-
tion) und „zu große Kapitalanlage“ (overinvestment) sind hierhergehörige
Fälle. Der Grund, weshalb viele Leute mehr ausgeben, als sie sich gestatten
können, ist, daß sie sich auf den Dollar als stabile Einheit noch dann ver-
lassen, wenn seine Kaufkraft tatsächlich schon in raschem Fallen begriffen
ist. Der Inhaber von Obligationen z. B. läßt sich verlocken, sein Kapital
anzugreifen. Er denkt nicht daran, daß er einen Schuldentilgungsfond bei-
seite legen sollte, weil die Abnahme der Kaufkraft des Geldes den tatsächlichen
Wert seines Hauptkapitals herabsetzt. Aktieninhaber und Unternehmer
werden gewöhnlich durch gedankenlosen Verlaß auf die Stabilität des Zins-
fußes in gleicher Weise getäuscht, und so legen sie zuviel an. Allerdings
verdienen sie eine Zeitlang, was der Inhaber von Wertpapieren verliert;
sie sind daher berechtigt mehr auszugeben und anzulegen, als wenn die Preise
nicht steigen würden, und anfangs fahren sie gut dabei. Aber früher oder
später steigt der Zinsfuß über die Ziffer hinaus, mit welcher sie gerechnet
hatten, und sie werden sich der Tatsache bewußt, daß sie sich auf Unter-
nehmungen eingelassen haben, die sich bei diesen hohen Zinssätzen nicht be-
zahlt machen.

Dann ereignet sich etwas Seltsames: die Entlehner, welche außerstande
sind, leichte Anleihen zu erhalten, machen den hohen Zinsfuß für Zustände

einigten Staaten betreffenden Teiles von De Courcey W. Thom, A Brief Eistory of Panies
in the United States, New York (Putnam), 1893, S. 7—10.
        <pb n="73" />
        ﻿54

IV. Kapitel.

verantwortlich, die in Wirklichkeit der Tatsache zuzuschreiben sind, daß der
Zinsfuß vorher nicht hoch genug war. Wäre der frühere Zinsfuß hoch genug
gewesen, so würden die Entlehner nicht zuviel Kapital angelegt haben.

§5-

Die Einschränkung von Anleihen und Depositen ist von einer Abnahme
in den Umlaufsgeschwindigkeiten begleitet, und diese wirken zusammen,
um eine weitere Preissteigerung zu verhindern, und führen zu einem Pallen
derselben. Die Woge hat ihren Höhepunkt erreicht, und eine Keaktion
U. ! setzt ein. Wenn nun die Preise nicht mehr weiter steigen, so sollte der Zins-
| fuß, welcher sich erhöhte, um die Preissteigerung auszugleichen, wieder fallen.
Aber genau so langsam, wie er im Steigen war, so ist er es jetzt im Fallen.
Tatsächlich hat der Zinsfuß noch für einige Zeit die Neigung, weiter zu
steigen.

Der ehemalige Fehler, in der Kapitalaufnahme zuweit gegangen zu sein,
zwingt die unglücklichen Opfer dieses Irrtums, noch weiter zu borgen, um
ihre Zahlkraft zu schützen. Diese Abnormität kennzeichnet die Periode
ganz besonders als „Krisis“. Es werden Anleihen gebraucht, um alte Ver-
pflichtungen aufrechterhalten zu können oder um die alten Schulden ver-
mittelst neuer Schulden zu bezahlen. Die Anleihen werden nicht zu neuer
Kapitalsanlage benötigt, sondern um Verpflichtungen, welche mit alten
(und verhängnisvollen) Kapitalanlagen in Verbindung stehen, nachzu-
kommen. Das Problem ist nun, wie man sich aus den Schlingen einge-
gangener Verbindlichkeiten freimachen kann. Es ist das Problem der Liqui-
dation. Selbst wenn der Zinsfuß zu fallen beginnt, so fällt er langsam, und
Zahlungseinstellungen treten noch fortgesetzt ein. Die Entlehner erkennen
nun, daß es immer noch schwierig ist, dem, wenn auch niedrig stehenden,
Zins zu entsprechen. Sie finden dies besonders, wenn sie un-
mittelbar, bevor das Steigen der Preise aufhörte, oder gerade, bevor sie
zu fallen begannen, Kontrakte abgeschlossen hatten. In solchen Fällen hat
man sich über den Zinsfuß geeinigt, bevor eine Veränderung in der Geschäfts-
lage eingetreten ist. Infolgedessen wird die ausgleichende Erniedrigung
des nominalen Zinsfußes, wenn überhaupt eine stattfindet, sehr geringfügig
sein. Da es schwer fällt, den Zins zu bezahlen, kommt es zu weiteren Zah-
lungseinstellungen. Es wachsen die Bedenken, irgendein Wertpapier zu
beleihen, es sei denn ein ganz erstklassiges, und auch die Bedenken, Kapital
aufzunehmen, werden größer, außer wenn die Aussichten auf Erfolg die
günstigsten sind. Die Bankanleihen sind geringfügig, und infolge-
        <pb n="74" />
        ﻿Störung der Gleichung und der Kaufkraft in Perioden des Übergangs. 55

dessen reduzieren sich die Depositen ((?'). Die Verminderung der Depositen-
umlaufsmittel verursacht ein weiteres Fallen der Preise. Diejenigen, welche
Geld geborgt haben, um Warenvorräte zu kaufen, machen nun die Wahr-
nehmung, daß sie die Waren nicht hoch genug verkaufen können, selbst
um nur das zuriickzuzahlen, was sie sich geborgt haben. Infolge dieser Lang-
samkeit, mit der die Zinsrate auf ein niedrigeres und ein normales Niveau
herabsinkt, gestaltet sich nunmehr die Reihenfolge der Ereignisse der früheren
entgegengesetzt:

1.	Die Preise fallen.

2.	Der Zinsfuß nimmt ab, aber nicht genug.

3.	Die durch geringen Gewinn entmutigten kreditsuchenden Unter-
nehmer schränken ihre Anleihen ein.

4.	Die Depositenumlaufsmittel ((?') vermindern sich im Verhältnis zum

Gelde (G).

5.	Das Fallen der Preise dauert fort; d. h. Phänomen Nr. 1 wiederholt
sich. Dann wiederholt sich Nr. 2 und so fort.

Auf diese Weise erzeugt ein Fallen der Preise ein weiteres Sinken der-
selben. Offenbar wiederholt sich der Zyklus solange, wie der Zinsfuß zurück-
bleibt. Derjenige, welcher hierbei am meisten verliert, ist der Geschäfts-
mann, welcher Schulden hat. Er ist der typische Geschäftsmann, und er
klagt nun, daß „das Geschäft schlecht ist“. Eine „geschäftliche Depression“
ist eingetreten.

Während dieser Depression sind die Geschwindigkeiten (U und U')
abnorm niedrig. Die Leute haben es weniger eilig, Geld oder Schecks aus-
zugeben, wenn die Dollar, die sie repräsentieren, in der Kaufkraft steigen.
Die Q (oder die im Handel befindlichen Quantitäten) verringern sich, 1. weil
die Leute, die die Initiative für den Handel geben — die kreditsuchenden
Unternehmer — entmutigt sind; 2. weil das Beharrungsvermögen der hohen
Preise nur durch eine Abnahme der Ausgaben überwunden werden kann und 3.,
weil der Handel gegen Geld, welchen die Q allein repräsentieren, einigermaßen
dem Tauschhandel Platz macht. Eine Zeitlang ist zur Abwicklung von Ge-
schäften, welche zu den gerade bestehenden Preisen durchzuführen sind,
nicht genügend Geld vorhanden, denn diese Preise stehen noch immer hoch
und wollen sich nicht sofort der plötzlichen Verminderung anpassen. Wenn
eine solche „Geldhungersnot“ entsteht, so gibt es, um all die Geschäfte zu
effektuieren, keinen anderen Ausweg, als sich bei den Gelddtransaktionen mit
Tauschhandel durchzuhelfen. Während aber die Zuflucht zum Tausch-
handel das erste Fallen der Preise erleichtert, so beginnt die Unannehmlich-
keit des Tauschhandels sofort als eine weitere, auf die Herabsetzung der
        <pb n="75" />
        ﻿m

IV. Kapitel.

Preise gerichtete Kraft zu wirken, und zwar insofern, als der Verkäufer ver-
anlaßt wird, mit Verlust zu verkaufen, um nur Geld in die Hand zu be-
kommen und Tauschhandel zu vermeiden; freilich wird diese Wirkung eine
Zeitlang durch eine quantitative Abnahme der Geschäfte, in welche
die Leute unter so ungünstigen Bedingungen sich einlassen, zum Teil auf-
gehoben.

Diese Vorgänge sind in der folgenden Aufstellung zusammenzufassen:

1.	Die Preise fallen.

2.	Die Umlaufsgeschwindigkeiten (TJ und U') nehmen ab; der Zinsfuß
nimmt ab, aber nicht genug.

3.	Der Gewinn nimmt ab; die Anleihen und die Q verringern sich.

4.	Die Depositenumlaufsmittel ((?') vermindern sich im Verhältnis zum
Gelde (G).

5.	Das Fallen der Preise dauert fort; d. h. Phänomen Nr. 1 wiederholt
sich. Dann wiederholt sich Nr. 2 und so fort.

Die aus diesem Ursachenkreis entspringende Einschränkung der Um-
laufmittel hört von selbst auf, sobald der Zinsfuß tiefer gesunken ist, als der
Senkung der Preise entspricht. Nach einiger Zeit kehren die normalen Zu-
stände wieder. Die schwächsten Produzenten sind hinausgedrängt oder
wenigstens verhindert worden, ihr Geschäft durch erhöhte Anleihen auszu-
dehnen. Es bleibt den stärksten Firmen überlassen, ein neues Kreditge-
bäude aufzuführen. Das fortgesetzte Fallen der Preise hat es den meisten
Entlehnern unmöglich gemacht, die alten hohen Zinsraten zu zahlen; das
Verlangen nach Anleihen vermindert sich, und der Zins fällt bis zu dem
Punkt, wo ihn die Entlehner endlich zahlen können. Die Entleiher sind
wieder bereit, Unternehmen zu wagen; die Zahl der Bankerotte nimmt
ab; die Bankanleihen hören auf, sich zu verringern; das Sinken der Preise
läßt nach; das Borgen und die Geschäftsbetriebe bringen Gewinn; es
herrscht wieder Bedarf an Anleihen; die Preise beginnen wieder zu steigen,
und eine Wiederholung der bereits beschriebenen Bewegung nach aufwärts
tritt ein.

Wir haben nun das Steigen, die Kulmination, das Fallen und die
Wiederherstellung der Preise betrachtet. Diese Veränderungen sind
abnorme Schwankungen, die auf eine anfängliche Störung zurückgehen.
Die Auf- und Abwärtsbewegung zusammengenommen stellt einen ge-
schlossenen Kreditzyklus dar, welcher der Hin- und Herbewegung eines
Pendels gleicht1). In den meisten Fällen beträgt die Dauer eines ein-

l) Eine mathematische Behandlung dieser Analogie bei Pareto, Cours d’economie
politique, Lausanne, 1897, S. 282—284.
        <pb n="76" />
        ﻿Störung der Gleichung und der Kaufkraft in Perioden des Übergangs. 57

maligen Hin- und Herschwingens des Geschäftspendels zehn Jahre. Wenn /
das Pendel auch fortgesetzt in die Ruhelage strebt, so tritt tatsächlich
immer irgendein Ereignis ein, um vollständiges Gleichgewicht zu verhindern.

Es werden Schwingungen hervorgerufen, die trotz ihrer Tendenz, sich selbst
zu korrigieren, infolge erneuter Störung ständig fortdauern. Jede das Gleich-
gewicht störende Ursache genügt, um Schwingungen zu veranlassen. Eine
der häufigsten dieser Ursachen ist die Zunahme der Quantität des Geldes1) /
Eine andere besteht in der Erschütterung des Geschäftsvertrauens (die den l
Unternehmungsgeist, Anleihen und Depositen berührt). Eine dritte ist J
in schlechten Ernten zu suchen, da diese auf die Q einwirken. Eine vierte v
Ursache besteht in Erfindungen.

Die Faktoren in der YerEehrsgleicliung suchen daher fortgesetzt einen nor -
malen Ausgleich. Auf ruhiger See wird ein Schiff nur einige Male „stampfen“,
bevor es zu Ruhe kommt, bei hochgehender See aber hört das Stampfen gar
nicht auf. Während das Schiff fortgesetzt das Gleichgewicht zu erreichen
sucht, begegnet es andauernd Ursachen, welche die Schwankung verstärken.

Die Faktoren, die gegenseitigen Ausgleich suchen, sind das in Umlauf befind-
liche Geld, Depositen, die Umlaufsgeschwindigkeiten beider, die Q und die p.
Diese Größen müssen immer durch die Gleichung GU + G'U' = JEpQ mit-
einander verkettet sein. Dies steht den Mechanismus des Austausches dar
Um sich aber einem solchen Verhältnis fügen zu können, dehnt die Ver-
schiebung eines beliebigen Teils in diesem Mechanismus ihre Wirkungen
während der Übergangsperiode über alle anderen Teile aus. Da die Über-
gangsperioden die Regel und diejenigen des Gleichgewichtes die Ausnahme .
sind, so befindet sich der Mechanismus des Austausches fast immer mehr |
in einem dynamischen als in einem statischen Zustand.

Man muß nun nicht annehmen, daß sich jeder Kreditzyklus dadurch
kennzeichnen müßte, daß er auf künstliche Weise zu einer Zeit übermäßigen
Geschäftsaufschwung und zu einer anderen „schlechte Zeiten“ herbeiführt.

Der Rhythmus kann in seiner Schwankungsweite mehr oder weniger extrem
sein. Wenn die Banken in der Bewilligung von Anleihen während der
Perioden der Preissteigerung konservativ sind und die Ausdehnung des
Kreditumlaufs daher beschränkt ist, so ist das Steigen der Preise ebenfalls
beschränkt, und es ist zu erwarten, daß der nachfolgende Preissturz nicht
so tief wird und allmählicher stattfindet. Wenn ein besseres Verständnis
für die Bedeutung der Veränderungen im Preisniveau und das Bestreben

*) In dieser Ursache scheint die Panik im Jahre 1907 ihre Erklärung zu finden Sieh
Irving Fisher, Rate of Interest, S. 386.
        <pb n="77" />
        ﻿58

IV. Kapitel.

herrschte, diese Veränderungen durch Ausgleichung des Zinsfußes aufzu-
wiegen, so könnten die Schwankungen bedeutend abgeschwächt werden.
Nur durch das Nachhinken des Zinsfußes vermögen die Schwankungen so
große Verhältnisse anzunehmen. Über diesen Punkt äußert sich Marshall
sehr treffend:

„Die Ursache für die abwechselnden Perioden des An- und Ab-
schwellens der geschäftlichen Tätigkeit ... ist innig verknüpft mit jenen
Schwankungen des tatsächlichen Zinsfußes, die von den Veränderungen
in der Kaufkraft des Geldes ausgehen. Denn wenn Wahrscheinlichkeit
vorhanden ist, daß die Preise steigen, dann nehmen die Leute eiligst Geld
auf und kaufen Güter ein und tragen dadurch zur Preissteigerung bei; die
Hochkonjunktur ist da, und das Geschäft wird skrupellos undunökonomisch
betrieben; wer mit geborgtem Kapital arbeitet, zahlt weniger an realem
Wert zurück, als er aufgenommen hat, und bereichert sich auf Kosten
der Allgemeinheit. Wenn dann nachher der Kredit erschüttert ist und
die Preise zu fallen beginnen, will Jeder Güter loswerden, deren Wert sich
verringert, und Geld in die Hand bekommen, dessen Wert sich rapid
erhöht; dadurch fallen die Preise nur noch rascher, und das weitere Fallen
verringert den Kredit noch weiter, und so fallen denn auf lange Zeit die
Preise weiter, weil die Preise einmal gefallen sind“x).

Einen Zyklus von etwas verschiedener Art bilden die jahreszeitlichen
Schwankungen, die alljährlich stattfinden. Solche Schwankungen werden
meistenteils nicht durch die Abweichung von einem Gleichgewichtszustand
veranlaßt, sondern vielmehr durch eine fortgesetzte Angleichung an Zustände,
welche, wenn auch veränderlich, so doch normal sind und erwartet werden.
Wenn im Herbst die Zeit der Ernte und deren Transport heranrückt, so ist
eine Tendenz zu einem niedrigeren Preisniveau wahrzunehmen, der ein
Steigen der Preise folgt, sobald diese Periode vorüber ist und der Winter
herannaht.

§6.

In dem vorliegenden Kapitel haben wir die den Übergangsperioden
eigentümlichen Phänomene analysiert. Wir haben gesehen, daß eine solche
Periode des „Aufschwungs“ zu einer Reaktion führt, und daß Wirkung und
Gegenwirkung einen geschlossenen Kreislauf von „Prosperität“ und „Depres-
sion“ darstellen.

1) Marshall, Principles of Economics, 5. Aufl., London (Macmillan), 1907, Bd. I
S. 594.

*
        <pb n="78" />
        ﻿Indirekte Einflüsse auf die Kaufkraft.

59

Wir haben gefunden, daß steigende Preise nach einem höheren nomi-
nellen Zins und fallende Preise nach einem niedrigeren Zins streben, daß die
Anpassung im allgemeinen aber unvollständig ist. Mit einem anfänglichen
Steigen der Preise tritt infolge der Tatsache, daß der Zins sich nicht sofort
anpaßt, eine Erweiterung der Anleihen ein. Dem kreditsuchenden Unter-
nehmer bringt dies Gewinn, und sein Bedarf an Anleihen dehnt den
Depositenumlauf weiter aus. Durch diese Ausdehnung steigen die Preise
noch höher, ein Kesultat, das durch die Steigerung der Umlaufsgeschwindig-
keiten verschärft wird, wenn es auch einigermaßen durch eine Zunahme des
Geschäfts eine Abschwächung erfährt. Wenn sich der Zins den steigenden
Preisen angepaßt hat und sowohl Anleihen wie Depositen die durch die
Bankreserven und andere Bedingungen festgesetzte Grenze erreicht haben,
so macht die Tatsache, daß die Preise nicht mehr steigen, eine neue An-
passung notwendig. Wer sein Geschäft unverhältnismäßig erweitert hat,
findet nun die hohen Zinsraten drückend. Die Folge davon sind Zahlungs-
einstellungen, die dann eine Handelskrisis hervorrufen. Eine Reaktion
setzt ein; die umgekehrte Bewegung nimmt ihren Anfang. Einem einmal be-
gonnenen Fallen der Preise wohnt die Tendenz zu seiner Beschleunigung inne,
und zwar aus Gründen, die mit denen, die in der entgegengesetzten
Situation wirken, genau übereinstimmen.

V.	Kapitel.

Indirekte Einflüsse auf die Kaufkraft.

§1.

Bisher haben wird die Beeinflussung des Preisniveaus durch den Handels-
umfang, die Umlaufsgeschwindigkeiten des Geldes und der Depositen und
durch die Quantität des Geldes und der Depositen in Betracht gezogen. Dies
sind die alleinigen Einwirkungen, welche das Preisniveau direkt treffen können.
Alle anderen Einflüsse auf die Preise müssen sich durch diese fünf geltend
machen. Es gibt Myriaden von Einwirkungen (außerhalb der Verkehrs-
gleichung), die die Preise mittels der aufgeführten fünf berühren. In diesem
Kapitel wollen wir die hauptsächlichsten Einflüsse kennzeichnen, mit Aus-
nahme derer, welche die Quantität des Geldes (G) betreffen; letztere werden
in den beiden folgenden Kapiteln erörtert.

Wir wollen zunächst die äußeren Einwirkungen erwägen, die den Um-
        <pb n="79" />
        ﻿60

V. Kapitel.

fang des Handels und durch diesen das Preisniveau berühren. Die Ver-
hältnisse, welche die Ausdehnung des Handels bestimmen, sind zahlreich
und technischer Natur. Die bedeutendsten können in folgende Gruppen
eingeteilt werden:

1.	Verhältnisse, welche die Produzenten berühren.

a)	Geographische Unterschiede in natürlichen Hilfsquellen.

b)	Die Arbeitsteilung.

c)	Kenntnis der Produktionstechnik.

d)	Die Akkumulation des Kapitals.

2.	Verhältnisse, welche die Konsumenten berühren.

a)	Die Ausdehnung und Verschiedenheit der Bedürfnisse des Menschen.

3.	Verhältnisse, die Produzenten und Konsumenten verknüpfen.

a)	Verkehrsmittel.

b)	Relative Handelsfreiheit.

c)	Charakter des Geld- und Banksystems.

d)	Geschäftsvertrauen.

1	a. Wenn alle Plätze in ihren natürlichen Hilfsquellen und in
ihren jeweiligen Produktionskosten ganz gleich wären, so würde offenbar
zwischen den verschiedenen Plätzen nur ein geringer oder gar kein Handel
aufkommen. Je größer der Unterschied in den Produktionskosten der ver-
schiedenen Artikel an verschiedenen Orten ist, desto wahrscheinlicher ist
das Aufkommen des Handels zwischen diesen Plätzen, und desto größer ist
der Umfang des Handels. Der ursprüngliche Handel hatte seine raison
d'etre in der Tatsache, daß die Regionen der Erde in ihren Produkten un-
gleich sind. Die Handelsleute waren nichts als Reisende, die ferne Länder
aufsuchten. Veränderungen in der Handelsgeographie bringen noch immer
Änderungen in der Verteilung und im Umfang des Handels hervor. Die
Erschöpfung der Gold- und Silberminen in Nevada und des Bauholzes in
Michigan haben zu einer Verminderung des Umfanges des Innen- sowie
Außenhandels in diesen Gebieten beigetragen. Umgekehrt hat die Vieh-
zucht in Texas, die Produktion von Kohle in Pennsylvanien, der Versand
von Apfelsinen in Florida und derjenige von Äpfeln in Oregon den Handels-
umfang in den betreffenden Distrikten erhöht.

1	b. Ebenso unverkennbar ist der Einfluß der Arbeitsteilung. Sie
ist zum Teil auf die Unterschiede in den jeweiligen Kosten oder auf die
        <pb n="80" />
        ﻿Indirekte Einflüsse auf die Kaufkraft.

61

Leistungen der Menschen untereinander gegründet, entsprechend den geo-
graphischen Unterschieden der einzelnen Länder. In ihrem Zusammen-
wirken führen diese beiden Umstände zu lokalen Spezialisierungen, durch
welche beispielsweise die Stadt Sheffield für ihre Messerschmiedeware Meißen
für Porzellan, Venedig für Glas, Paterson für Seide und Pittsburg für seinen
Stahl ihr Renommee erworben haben.

1 c. Außer den lokalen und persönlichen Differenzierungsgründen übt die
Kenntnis des Produktionsprozesses einen Einfluß auf den Handel aus Die
Bergwerke Afrikas und Australiens wurden jahrhundertelang unberührt ge-
lassen von den unwissenden Eingeborenen und wurden erst durch weiße
in der Wissenschaft der Metallurgie bewanderte Menschen geöffnet. In
China warten ausgedehnte Kohlenfelder ihrer Ausbeutung, hauptsächlich
wegen mangelnder Kenntnis, wie Kohle zu fördern und wie ihr Vertrieb zu
organisieren ist. Ägypten wartet auf das Kommen wissenschaftlichen Acker-
baues, um eine Ausdehnung seines Handels zu erfahren. Die Zahl der Ge-
werbeschulen in Deutschland, England und in den Vereinigten Staaten
die die Kenntnis produktiver Technik steigern und ausbreiten, ist in
dauernder Zunahme begriffen.

1	d. Wenn aber diese Kenntnis von Nutzen sein soll, so muß sie an-
gewandt werden, und ihre Anwendung erfordert gewöhnlich die Unter-
stützung durch Kapital. Je größer und je produktiver das Kapital
m einem Gemeinwesen ist, desto mehr Güter kann es in den Strom des
Handels bringen. Eine Fabrik kann eine Stadt zu einem Zentrum des
Handels machen. Docks, Getreidespeicher, Lagerhäuser und Eisenbahn-
endstationen tragen dazu bei, einen bloßen Ankerplatz in einen Handels-
hafen zu verwandeln.

Da die Zunahme im Handel zu einer Verminderung des allgemeinen
Preisniveaus beiträgt, so trägt alles das, was den Handel erhöht, gleichfalls
zu einer Herabsetzung des allgemeinen Preisniveaus bei. Wir können da-
her hieraus folgern, daß zu den Ursachen, die eine Verminderung der Preise
herbeiführen, zunehmende geographische oder persönliche Spezialisierung,
Verbesserungen in derProduktionstechnik und die Akkumulation von Kapital
gehören. Die Geschichte des Handels beweist, daß alle diese Ursachen
während einer langen Zeit, das letzte Jahrhundert inbegriffen, in zunehmen-
dem Maße wirksam gewesen sind. Infolgedessen war, soweit diese Quellen
in Betracht kommen, eine beständige. Neigung zu einem Fallen der Preise
vorhanden.

2	a. Wenden wir uns der Seite der Konsumenten zu. Es ist offenbar
daß ihre Bedürfnisse von Zeit zu Zeit wechseln. Dies ist sogar bei dem
        <pb n="81" />
        ﻿62

V. Kapitel.

sogenannten natürlichen Bedarf der Fall, wenn es auch bei dem erworbenen
oder künstlichen klarer vor Augen tritt.

Die Bedürfnisse sind sozusagen die Grundtriebkräfte ökonomischer Tätig-
keit, welche letzten Endes die volkswirtschaftliche Welt im Gange halten.
Der Wunsch, ebenso feine oder feinere oder auch von anderen ver-
schiedene Kleidung zu besitzen, führt zu der Mannigfaltigkeit in Seiden,
Satins, Spitzen usw., und derselbe Grundsatz kann auf Möbel, Vergnügungen,
Bücher, Kunstwerke und alle anderen Mittel zur Befriedigung des Menschen
angewandt werden.

Die zu einer Erhöhung des Handels führende Zunahme der Bedürfnisse
trägt zu einer Erniedrigung des Preisniveaus bei. Die Geschichte lehrt,
daß in neuerer Zeit durch Erfindungen, Erziehung und den dem wachsenden
Kontakt in den Bevölkerungszentren entspringenden Wetteifer, eine große
Vermehrung und Vervielfältigung der Bedürfnisse des Menschen und daher
eine Zunahme des Handels herbeigeführt worden ist. Infolgedessen ist
aus diesen Ursachen eine Tendenz zum Sinken der Preise herzuleiten.

§2.

3	a. Alles, was denVerkehr fördert, trägt zu einer Zunahme im Handel
bei. Alles, was auf denVerkehr störend ein wirkt, ist auf eine Verringerung
des Handels gerichtet. Da sind vor allen Dingen die mechanischen Ver-
kehrsmittel. Nach dem Ausspruch Macaulays hat, mit Ausnahme des Alpha-
bets und der Druckerpresse, keine Art von Erfindungen soviel zu einer Um-
wälzung der Zivilisation beigetragen, wie die, welche zu einer Verkürzung
von Entfernungen dienen, — wie z. B. die Eisenbahn, das Dampfschiff,
der Telegraph, das Telephon und jenes Verbreitungsmittel von Information
und Reklame: die Zeitung. Alles dies trägt daher zu einem Sinken der
Preise bei.

3 b. Handelsschranken sind nicht nur physischer sondern auch gesetz-
licher Natur. Ein Zolltarif hat denselben Einfluß auf die Herabsetzung
des Handelsverkehrs zwischen einzelnen Ländern wie eine Gebirgskette.
Je freier der Handel ist, desto größer seine Umsätze. In Frankreich be-
sitzen manche Gemeinden eine Torsteuer (octroi), welche den lokalen
Handel stark beeinflußt. In den Vereinigten Staaten ist der Handel inner-
halb des Landes selbst frei, doch besteht zwischen diesem Staate und anderen
Ländern ein hoher Schutzzoll. Gerade die Tatsache der Zunahme der
Transporterleichterungen, welche die physischen Schranken niedriger machen
oder hinwegräumen, hat die Nationen und Gemeinwesen zur Errichtung gesetz -
        <pb n="82" />
        ﻿Indirekte Einflüsse auf die Kaufkraft.

63

licher Schranken an deren Stelle angespornt. Zollgesetze führen nicht allein
zu einer Minderung des tatsächlichen Austausches, sondern, insofern sie
internationale oder interlokale Arbeitsteilung verhindern und die Länder
sowohl gleichartiger, als auch weniger produktiv machen, tragen sie weiter
dazu bei, die Quantitäten der Güter, welche ausgetauscht werden können
herabzusetzen. Die endgültige Wirkung ist daher eine Steigerung der Preise'

3 c. Die Entwicklung eines wirksamen Geld- und Banksystems hat die
Tendenz, den Handel zu erweitern. In der Weltgeschichte hat es Zeiten ge-
geben, in welchen sich die Geldverhältnisse in einem so zweifelhaften Zustande
befanden, daß die Leute sich nicht entschließen konnten, viele Handels-
kontrakte abzuschließen, und zwar, weil sich nicht voraussehen ließ, was
man von ihnen bei der Erfüllung der Kontrakte erwarten könnte. In gleicher
Weise werden die Leute, wenn sie sich auf die Rechtschaffenheit oder Sta-
bilität der Banken nicht verlassen können, Bedenken tragen, Depositen und
Schecks zu benutzen.

3 d. Das Vertrauen, nicht nur zu den Banken im besonderen, sondern
zu Geschäftsleuten im allgemeinen, wird mit Recht „die Seele des Handels“
genannt. Ohne dieses Vertrauen kann keine größere Anzahl von Kontrakten
zustande kommen. Alles, was zur Vermehrung dieses Vertrauens beiträgt,
vermehrt auch den Handel. In Südamerika harren viele Plätze ihrer Ent-
faltung einfach aus dem Grunde, weil Kapitalisten dort keinen Schutz gegen
Kontraktbruch finden. Sie fürchten, daß ihnen durch die eine oder die
andere Spitzbüberei die Frucht jeglicher Kapitalsanlage genommen werden
wird.

Wir sehen also, daß die Preise bei einer Erhöhung des Handels einem
Sinken zuneigen, das je nach den Umständen durch verbesserte Transport-
verhältnisse, durch erhöhte Handelsfreiheit, durch Vervollkommnung der
Geld- und Banksysteme und durch Geschäftsvertrauen herbeigeführt
werden kann. Geschichtlich haben in neuerer Zeit mit Ausnahme der
Handelsfreiheit alle diese Ursachen das Bestreben gehabt, an Kraft zuzu-
nehmen. Die Zollschranken haben aber die Wirkungen der Beseitigung
physischer Schranken nur teilweise aufgehoben. Das Endergebnis ist eine
fortschreitende Herabsetzung der Handelseinschränkungen gewesen, und es
herrschte daher, soweit diese Gruppe von Ursachen in Betracht kommt
die Tendenz zu einem Fallen der Preise.

§3.

Nachdem wir die den Umfang des Handels berührenden und außerhalb
der Gleichung liegenden Ursachen erörtert haben, ist es unsere nächste Auf-
        <pb n="83" />
        ﻿gäbe, die äußeren Ursachen, die auf die Umlaufsgeschwindigkeiten des Geldes
und der Depositen einwirken, in Erwägung zu ziehen. Meistenteils betreffen
die Ursachen, welche eine dieser Geschwindigkeiten berühren, auch die
andere. Diese Ursachen können folgenderweise eingeteilt werden.

Gewohnheiten des Individuums.

a)	In bezug auf Wirtschaftlichkeit und Thesaurierung.

b)	In bezug auf Buchkredit.

c)	In bezug auf die Verwendung von Schecks.

2. Zahlungssysteme in dem Gemeinwesen.

a)	In bezug auf die Häufigkeit der Geldeinnahmen und -ausgaben.

b)	In bezug auf die Regelmäßigkeit der Geldeinnahmen und -ausgaben.

c)	In bezug auf das Zusammentreffen der Zeitpunkte und der Beträge
der Geldeinnahmen und -ausgaben.

3. Allgemeine Ursachen.

a)	Bevölkerungsdichte.

b)	Transportschnelligkeit.

1 a. Wir nehmen nun diese Ursachen der Reihe nach vor und wollen
zunächst in Erwägung ziehen, welchen Einfluß die Sparsamkeit auf die
Umlaufsgeschwindigkeit ausübt. Die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes ist
dasselbe wie seine Umsatzrate. Sie wird durch die Division der gesamten
durch Geld in einem Jahre effektuierten Zahlungen durch den in diesem
Jahre in Umlauf befindlichen Geldbetrag gefunden und hängt ab von den
Umsatzraten der Individuen, aus denen sich die Gesellschaft zusammen-
setzt. Diese Umlaufsgeschwindigkeit oder Umsatzschnelligkeit des Geldes
ist bei jeder einzelnen Person umso größer, je mehr diese bei einem gegebenen
in Händen befindlichen Durchschnittsbarbetrag ausgibt, oder je weniger
Durchschnittsbargeld die Person bei einem gegebenen jährlichen Geldauf-
wand in Händen hat.

Die Umlaufsgeschwindigkeit kann bei einem Verschwender als eine
über-durchschnittliche angenommen werden1). Er pflegt immer
„knapp“ an Geld zu sein und einen geringen Durchschnittsaldo zur
Verfügung zu haben. Sein sparsamer Nachbar hingegen gibt sich Mühe,

J) Siehe Jevong, Money and the Mechanism of Exchange, New York (Appleton), 1896,
S. 336.
        <pb n="84" />
        ﻿Indirekte Einflüsse auf die Kaufkraft.

65

sich mit genügender Kasse zu versehen, damit er seinen unvorhergesehenen
Ausgaben Genüge leisten kann. Der letztere treibt mit seinem Gelde
Schatzbildung, und wird daher eine langsamere Umlaufsgeschwindigkeit
aufweisen. Wenn, wie es in Frankreich der Brauch war, die Leute ihr Geld
in Strümpfen aufbewahrten und es durch Monate dort ließen, so muß die
Umlaufsgeschwindigkeit äußerst niedrig gewesen sein. Dasselbe gilt von den
Depositen. In einer gewissen Universitätsstadt lehnen die Banken es oft
ab, von Studenten, die mit Geld etwas verschwenderisch umgehen, Depositen
anzunehmen, da ihr Durchschnittssaldo sehr niedrig ist; oder die Banken
stellen die spezielle Bedingung, daß der Saldo niemals unter 100 Dollars
fallen darf.

Es wird zuweilen gesagt, daß zurückgelegtes Geld der Zirkulation ent-
zogen worden sei. Dies besagt aber nur in anderer Form, daß das Zurück-
legen zu einer Verminderung der Umlaufsgeschwindigkeit führt.

Ein sparsamer Mensch ist bis zu einem gewissen Grade ein Schatz-
bildner von Geld1) oder Bankdepositen. Arbeiter, welche sich Geld sparen
pflegen ihre Ersparnisse in Form von Geld zu behalten, bis sie genügend
angehäuft haben, um es in einer Sparkasse zu deponieren. Diejenigen,
welche Bankkontos haben, sammeln gleichfalls beträchtliche Depositen’
bevor sie Anstalten zu einer Kapitalsanlage treffen. Es wird behauptet’
daß Banken, deren Deponenten „rasch Geld machen“ und es in bestimmten
Zeitperioden anlegen, weniger aktive Büanzen haben als Banken, deren
Deponenten „nicht über die Verhältnisse leben“.

1 b. Die Gewohnheit des „Belastens“ (charging), d. h. die Gewohnheit
sich des Buchkredits zu bedienen, erhöht die Umlaufsgeschwindigkeit des
Geldes, weil der Mann, der Waren „belasten“ läßt, es nicht nötig hat
soviel Geld zu seiner Verfügung zu halten, wie er haben müßte, wenn alle
seine Zahlungen per Kasse zu erledigen wären. Derjenige, welcher täglich
b ar bezahlt, muß sich auch für die täglich möglichen Fälle mit Geld vorsehen.
Ungleich dem System des Buchkredits erfordert das System der Barzah-
lungen, daß das Geld für Einkäufe im voraus bereitgehalten wird. Wenn
für Geld im voraus Sorge getragen werden muß, so muß es offenbar in größeren
Quantitäten beschallt werden, als wenn es bloß zur Liquidation vergangener
Schulden benötigt wird. Und dies aus zwei Gründen: erstens herrscht vor
den Einkäufen Ungewißheit darüber, wann und wieviel Geld gebraucht
werden wird, während, nachdem die Rechnungen eingelaufen sind, die

l) Siehe Hairison H. Brace, Gold Production and Fulure Prices, New York (Bankers'
Publishing Co.), 1910, S. 122.

Fisher, Kaufkraft des Geldes.

5
        <pb n="85" />
        ﻿66

V. Kapitel.

genaue benötigte Summe bekannt ist. Zweitens, und dieser Grund ergibt sich
aus dem eben genannten, muß das im voraus bereitgehaltene Geld eine längere
Zeit zurückgehalten werden als das Geld, welches eingenommen wurde,
nachdem seine Verwendung schon beschlossen war. Kurz, das Bereithalten
des Geldes im voraus erfordert a) einen breiteren Spielraum für unvorher-
gesehene Fälle und b) einen längeren Zeitraum vor seiner Verausgabung,
während dessen das Geld unbenützt bleibt. Bei dem System der Bar-
zahlungen muß der Mann im voraus das Geld unbenützt liegen lassen, damit
er nicht in die unangenehme Lage kommt, dann an Geld Mangel zu
leiden, wenn er es am notwendigsten braucht. Beim Buchkredit weiß
der Mann, daß, selbst wenn er ohne einen Pfennig in seiner Tasche an-
getroffen wird, er stets auf Kredit Waren erhält, die er bezahlen kann,
sobald er in den Besitz von Geld gelangt. Außerdem braucht dieses
Geld nicht lange in seiner Tasche zu liegen. Sobald er es erhalten hat,
wird es zur Bezahlung der inzwischen angesammelten Schulden ver-
wendet. Nun vermindert die Verkürzung der Wartezeit offenbar die
vorgetragene Durchschnittsbilanz, selbst wenn am Ende dieselben Summen
empfangen und verausgabt werden. So muß ein Arbeiter, welcher $ 7
die Woche verdient und ausgibt, wenn er nicht „belasten“ lassen kann,
mit seinem Wochenlohn die ganze Woche ausreichen. Wenn er $ 1 täglich
ausgibt, so muß sein wöchentlicher Zyklus an den aufeinanderfolgenden
Tagen wenigstens $ 7, $ 6, $ 5, $ 4, $ 3, $ 2 und $ 1 aufweisen. An diesem
Zeitpunkt kommen dann wieder weitere $ 7 herein. Dies ergibt einen Durch-
schnitt von mindestens $ 4. Wenn er hingegen alles gutschreiben lassen und
bis zum Zahltage warten kann, um dann den sich ergebenden Verbindlich-
keiten nachzukommen, so braucht er, wenn er seine $ 7 erst auszahlt, nach-
dem sie in seinen Besitz gelangen, die ganze Woche hindurch nichts zurück-
zubehalten. Sein wöchentlicher Zyklus braucht keine höheren Saldi auf-
zuweisen als $ 7, $ 0, $ 0, $ 0, $ 0, $ 0, $ 0, was einen Durchschnitt von nur
$ 1 ergibt.

Durch den Buchkredit wird daher der Durchschnittsbetrag des Geldes
oder der Bankdepositen, den jedermann zur Hand haben muß, um ent-
stehenden Ausgaben gewachsen zu sein, verringert. Dies bedeutet eine
Erhöhung der Umsatzrate, denn wenn die Leute dieselben Beträge wie
zuvor verbrauchen, dagegen aber kleinere Beträge zu ihrer Verfügung halten,
so muß der Quotient, der sich aus der Division des verausgabten Betrages
durch den in Händen befindlichen ergibt, eine Zunahme zeigen.

Wir haben aber gesehen, daß eine Erhöhung der Umsatzrate zu einer
Erhöhung des Preisniveaus führt. Folglich führt der Buchkredit zu
        <pb n="86" />
        ﻿Indirekte Einflüsse auf die Kaufkraft.

67

einem Steigen des Preisniveausx). Außerdem kann ein Gemeinwesen bis
zu einem gewissen Grade den relativen Mangel an Geld in einer
Zeit guten Geschäftsganges mit dem relativen Überschuß einer Zeit-
periode decken, in der weniger Ansprüche an ihr Geldangebot ge-
stellt werden. Denn sonst wäre zur Aufrechterhaltung des allgemeinen
Preisniveaus bei einem guten Geschäftsgänge bedeutend mehr Geld
erforderlich. Und dieses Geld läge während der Jahreszeiten, in denen
das Geschäft flau ist, nutzlos, es sei denn, daß es die Form eines
elastischen Umlaufsmittels annähme, das eingelöst und eingezogen
werden kann.

Kurz, durch Buchkredit wird Geld (G) gespart, auch wenn durch ihn
keine Ersparnis an Geldzahlungen (A) eintritt, und daher erhöht der
Buchkredit auch die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes (A/G).

1	c. Die gewohnheitsmäßige Bevorzugung von Schecks gegenüber
Bargeld wirkt gleichfalls auf die Umlaufsgeschwindigkeit ein, da der Deponent
entbehrliches Geld sofort in der Bank, gegen das Recht, mittelst Schecks
Geld zu erheben, niederlegt.

Die Banken bieten auf diese Weise einen Abfluß für alles überflüssige
Taschen- und Kleingeld und verhüten dadurch das Vorhandensein unpro-
duktiver Geldhorte. Auf die gleiche Art kann ein Überschuß an Depositen
in Bargeld umgewandelt werden, d. b. er kann auf Verlangen in bar aus-
gezahlt werden. Kurz, diejenigen, welche sowohl von Bargeld, als auch
von Depositen Gebrauch machen, haben Gelegenheit, durch Anpassung
beider Umlaufsmittel an den jeweiligen Bedarf ein Müßigliegen des einen
oder des anderen zu verhüten.

Wir sehen also, daß drei Gewohnheiten — Verschwendung, „Konto-
belastung“ und Benützung von Schecks — durch ihre Einwirkungen auf
die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes oder der Depositen zu einer Er-
höhung des Preisniveaus beitragen. Es ist anzunehmen, daß diese Ge-
wohnheiten (wahrscheinlich mit Ausnahme der erstgenannten) in neuerer
Zeit rasch zugenommen haben.

§ 4.

2	a. Je öfter Geld oder Schecks empfangen und verausgabt werden,
desto kürzer ist der Durchschnittsintervall zwischen Empfang und Ver-

l) Diese indirekte Einwirkung auf das Preisniveau darf nicht mit der direkten Wir-
kung, die zuweilen angenommen wird, verwechselt werden. Siehe § 1 des Anhanges z
diesem Kapitel (V).

5*
        <pb n="87" />
        ﻿68

V. Kapitel.

ausgabung des Geldes oder der Schecks, und desto rascher ist die Umlaufs-
geschwindigkeit.

Dies kann am besten aus einem Beispiel ersehen werden. Der Über-
gang von monatlichen zu wöchentlichen Lohnzahlungen erhöht die Um-
laufsgeschwindigkeit des Geldes. Wenn ein Arbeiter per Woche $ 7 aus-
gezahlt bekommt und diese täglich gleichmäßig verringert und jede Woche
mit leeren Händen beschließt, so würde sein Durchschnittsbargeld, wie wir
gesehen haben, wenig über die Hälfte von $ 7 oder ungefähr $ 4 betragen.
Dies ergibt einen beinahe zweimaligen Umsatz per Woche. Bei monat-
licher Auszahlung muß der Arbeiter, welcher im Durchschnitt $ 1 per Tag
erhält und ausgibt, die $ 30 mehr oder weniger gleichmäßig auf die folgenden
30 Tage verteilen. Wenn er am nächsten Zahltag mit leeren Händen dasteht,
so ist sein Durchschnittsgeld während des Monats ungefähr $ 15 gewesen.
Sein Umsatz ist dann ungefähr ein zweimaliger per Monat. Folglich ist die
Umsatzrate bei wöchentlichen Auszahlungen rascher als bei monatlichen
Lohnzahlungen.

Dasselbe Resultat würde sich ergeben, wenn wir annähmen, daß der
Arbeiter, anstatt den Zyklus mit leeren Händen zu beenden, einen gegebenen
Bruchteil seines Lohnes, sagen wir die Hälfte desselben, übrig behält. Bei
wöchentlicher Auszahlung würde er mit $ 10,50 beginnen und mit $ 3,50
schließen, was einen Durchschnitt von ungefähr $ 7 ergibt. Bei monat-
licher Auszahlung würde er so mit einem Durchschnitt von $ 45 beginnen
und mit $ 15 aufhören, wonach sich der Durchschnittsbetrag auf un-
gefähr $ 30 belaufen würde. Im ersten Falle würde seine Durchschnitts-
umlauf sgeschwindigkeit einmal die Woche und im letzteren Falle einmal im
Monat sein. Bei wöchentlicher Auszahlung ist der Umsatz also auch dann
ungefähr viermal rascher als bei monatlicher Zahlung. Wenn daher die Ver-
teilung des Geldaufwandes auf die beiden Zyklen genau dieselbe „zeitliche
Gestaltung“ („time shape“)1) haben sollte, so würden die wöchentlichen Zah-
lungen die Umlaufgeschwindigkeit in demselben Verhältnis beschleunigen,
in welchem ein Monat zu einer Woche sich verhält. Als geschichtliche Tat-
sache betrachtet, ist es jedoch nicht wahrscheinlich, daß die Einführung von
wöchentlichen Zahlungen an Stelle von monatlichen die Schnelligkeit des
Geldumlaufes unter den Arbeitern um das Vierfache erhöht hat, weil die
Veränderung eines anderen Elements, nämlich des Buchkredits, geeignet sein
dürfte, eine ungefähr ausgleichende Abnahme zu verursachen. Bei wöchent-

1) Vgl. Adolphe Landry, „La Rapidit6 de la Circulation Mon6taire“, Auszug aus
La Revue d'JEconomie politique, Februar 1905.
        <pb n="88" />
        ﻿Indirekte Einflüsse auf die Kaufkraft.

69

liehen Auszahlungen kommt der Buchkredit weniger in Anwendung als bei
monatlichen. Dort, wo die Gewohnheit des Buchkredits oder des Belastens“
vorherrscht, wird die Hauptmasse des Geldes am Zahltag verausgabt Aller
Wahrscheinlichkeit nach hat die Einführung von Wochenzahlungen an
Stelle von Monatszahlungen, wenn eine solche stattfand, viele Arbeiter die
früher auf Kredit einkaufen mußten, in den Stand gesetzt, ihre eigenen
Zahlungen in bar vorzunehmen, und auf diese Weise zu einer Abnahme
der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes beigetragen.

Die Häufigkeit der Ausgaben hat offenbar eine ähnliche Wirkung wie
diejenige der Häufigkeit von Einnahmen, d. h. sie beschleunigt die Umsatz-
geschwindigkeit oder den Umlauf.

2 b. Die Regelmäßigkeit der Zahlung begünstigt den Umsatz ebenfalls
Wenn der Arbeiter seiner Einnahmen und Ausgaben ziemlich gewiß ist so
kann er bei genauer Ausrechnung dieselben ebenso genau wie sicher seinen
Verpflichtungen anpassen, um jeden Zahlungszyklus mit leerer Tasche zu
beschließen. Diese Gewohnheit ist bei gewissen städtischen Arbeiterklassen
äußerst häufig anzutreffen. Wenn andererseits die Einnahmen und Aus-
gaben entweder hinsichtlich des Betrages oder der Zeit unregelmäßig sind
so erfordert es die Vorsicht des Arbeiters, daß er, um gegen unliebsame
Zwischenfälle gesichert zu sein1), eine größere Summe zur Verfügung hält
Selbst wenn die Höhe der Einnahmen mit Sicherheit im voraus bekamt ist’
so erfordert ihre Unregelmäßigkeit dennoch eine größere Zahlungsbereitschaft.’
Dies trifft wenigstens dann zu, wenn wir annehmen, daß die Häufigkeit
dei jährlichen Zahlungen dieselbe ist wie im Falle regelmäßiger Zahlungen
und daß die „zeitliche Gestaltung“ der Ausgaben während sukzessiver Ein-
nahmen ebenfalls dieselbe ist. Wir wollen den Fall annehmen, daß ein
Arbeiter durchschnittlich $ 1 täglich ausgibt und einen DurchschnittsbetreLv
von $ 1 den Tag empfängt. Wenn seine Eingänge affe vierzehn Tage einmal
stattfinden, wird der Durchschnittsbetrag, den er zu seiner Verfügung haben
muß, ein geringerer sein, als wenn sie abwechselnd in Zeiträumen von drei
Wochen und einer Woche Vorkommen. Denn angenommen, daß er genau vor
jeder Zahlung mit leeren Händen dasteht, so wird er im ersten Falle alle vier-
zehn Tage offenbar einen Durchschnittsbetrag von $ 7 benötigen; im letzteren
Falle hingegen wird er für die erste Periode von drei Wochen oder in ein-
undzwanzig Tagen $ 10,50 und in der zweiten Periode $ 3,50 benötigen
deren Durchschnitt — unter Berücksichtigung der Tatsache, daß sich die
$ 10,50 auf drei Wochen und die $ 3,50 auf eine Woche beziehen__$ 8 75

1) Vgl. Landry, a. a. 0.
        <pb n="89" />
        ﻿70

Y. Kapitel.

beträgt. Hieraus können wir also schließen, daß die Regelmäßigkeit in Ein-
nahmen und Ausgaben die Umlaufsgeschwindigkeit erhöht.

2 c. Weiter haben wir den Synchronismus von Einnahmen und Aus-
gaben in Erwägung zu ziehen, d. h. die Vornahme von Zahlungen und
Geldeingängen in gleichen Intervallen. In den Fällen', wo Zahlungen wie
Mieten, Zins, Versicherung und Steuern ohne Rücksicht auf die Zeit der
Geldeingänge erfolgen, ist es oft notwendig, Geld oder Depositen im vor-
aus anzusammeln, wobei dann der im Besitz befindliche Durchschnitts-
betrag erhöht, das Geld zeitweilig seinem Verbrauche entzogen und die
Umlaufsgeschwindigkeit herabgesetzt wird. Diesem Resultat kann indessen,
wenn das Individuum es will und zu borgen in der Lage ist, vorgebeugt
werden, wobei das zur Bezahlung von Steuern oder anderen Spezialaus-
lagen geliehene Geld später, wenn es ihm paßt, zurückgezahlt wird. Dies
ist einer der Fälle, in denen das Bankwesen, wie bereits erklärt, durch An-
leihen und Depositen der Bequemlichkeit des Publikums dient und die Um-
laufsgeschwindigkeit des Geldes und der Depositen erhöht. In ähnlicher
Weise kann der Buchkredit den der Disharmonie zwischen den Zeiten der
Einnahmen und Ausgaben entspringenden Unannehmlichkeiten abhelfen,
denn, wie wir gesehen haben, ist es eine große Annehmlichkeit für denjenigen,
der in Bargeld oder Depositen zahlt, wenn Kaufleute, denen er Geld
schuldig ist, ihm gestatten, seine Zahlungen bis nach Empfang seines
Geldes oder seines Bankdeposits aufzuschieben. Durch diese Maßnahme
wird der Notwendigkeit, viel Geld oder Depositen zur Verfügung zu halten,
abgeholfen und infolgedessen wird dadurch deren Umlaufsgeschwindigkeit
erhöht.

Wir ziehen also den Schluß, daß der Synchronismus und die Regel-
mäßigkeit der Zahlungen nicht minder als die Zahlungsfrequenz durch
Erhöhung der Umlaufsgeschwindigkeit zu einem Steigen der Preise bei-
getragen haben.

§5.

3a. Je dichter die Bevölkerung eines Bezirkes ist, desto rascher ist die Um-
laufsgeschwindigkeit 1).

Es kann mit Bestimmtheit nachgewiesen werden, daß dies bei den
Bankdepositen der Fall ist. Nachstehende Zahlen2) geben die Depositen-

x) Kinley weist in seinem Buche Money, New York (Macroillan), 1904, S. 156, auf
diese Tatsache Mn.

2) Diese Zahlen stellen die Medien der von Pierre des Essais für europäische Banken
angeführten dar, (Journal de laSocüU deStatistique de Paris, April 1895), die ich durch Ma-
terial ergänzt habe, das mir von einigen amerikanischen Banken zur Verfügung gestellt wurde.
        <pb n="90" />
        ﻿Indirekte Einflüsse auf die Kaufkraft.

71

Umlaufsgeschwindigkeiten in zehn Städten, die der Größe nach auf-

gestellt wurden:		 116	Lissabon 	
		161	Indianapolis ..
		123	New Haven ..
		14	Athen 	
Rom		 •			 43	Santa Barbara

Madrid ist die einzige Stadt, welche in bezug auf die Umlaufsgeschwindig-
keit bedenklich aus der Reihe fällt.

3	b. Je ausgedehnter und je geschwinder der Transport im allgemeinen
ist, desto rascher ist der Umlauf des Geldes 1). Alles was die Übertragung
des Geldes von einer Person zur anderen erleichtert, trägt zur Erhöhung der
Umlaufsgeschwindigkeit bei. Die Eisenbahnen üben diese Wirkung aus.
Der Telegraph hat die Umlaufgeschwindigkeit der Depositen erhöht, denn
durch ihn können letztere in wenigen Minuten Tausende von Meilen weit
überwiesen werden. Die Post und die Eilbeförderung haben durch Er-
leichterung der Übermittlung von Bankdepositen und von Geld in gleicher
Weise zu einer Erhöhung ihrer Umlaufsgeschwindigkeit beigetragen.

Wir ziehen also den Schluß, daß die Bevölkerungsdichte und die Schnellig-
keit des Transportes durch Erhöhung der Geschwindigkeiten ein Steigen der
Preise bewirken. Geschichtlich ist diese Konzentrierung der Bevölkerung in
Städten ein bedeutender Faktor der Preissteigerung in den Vereinigten
Staaten gewesen.

Die Umlaufsgeschwindigkeiten des Geldes und die der Depositen werden
in gewöhnlichen Zeiten durch gleichartige Ursachen in ähnlicher Weise be-
einflußt. Dagegen herrscht in der Zeit von Paniken, wenn das Vertrauen der
Deponenten erschüttert ist, die Tendenz, die Depositen zurückzuziehen,
während andererseits Geld gehütet wird. Deshalb können sich die beiden Ge-
schwindigkeiten für eine gewisse Zeit in entgegengesetzten Richtungen ver-
ändern, wenn auch eine verläßliche Statistik zur Feststellung der Richtigkeit
dieser Vermutung nicht vorhanden ist.

§ 6.

Die hauptsächlichsten spezifischen Einwirkungen von außen auf den
Umfang der dem Scheckverkehr unterworfenen Depositen sind:

1.	Das Banksystem und die Gewohnheiten der Personen, die dieses
System benützen.

2.	Die Gewohnheit des „Belastens“.

l) Vgl. Jevons, Money and the Mechanism of Exchange, New York (Appleton),
1896, S. 336; ebenso Kinley, Money, New York (Macmillan), 1904, S. 156 u. 157.
        <pb n="91" />
        ﻿72

VI. Kapitel.

1.	Selbstverständlich muß ein Banksystem, bevor es in Anwendung
kommt, ausgedacht und entwickelt werden. Die Erfindung des Bank-
wesens hat die Depositenumlaufsmittel möglich gemacht, und ihre An-
nahme hat zweifellos zu einer großen Zunahme in Depositen und infolge-
dessen zu einer Steigerung der Preise geführt. Auch im letzten Jahrzehnt
hat die Ausdehnung der Depositenbankgeschäfte in den Vereinigten Staaten
einen außerordentlich großen Einfluß nach dieser Richtung ausgeübt. In
Europa befindet sich das Depositengeschäft noch im Anfangsstadium.

2.	Das „Belasten“ geht öfter einer Zahlung per Scheck als einer
solchen in bar voraus. Wenn einem Kunden seine Verbindlichkeiten
nicht „belastet“ würden, so bezahlte er in bar und nicht per Scheck1).
Die letzte Wirkung dieses Verfahrens ist daher, daß das Verhältnis
der Scheckzahlungen zu Zahlungen in bar (A! zu A) und das Verhältnis
der Depositen zu dem disponiblen Bargelde (G' zu G) erhöht und folglich
eine Zunahme im Umfange der Kreditumlaufsmittel herbeigeführt wird,
den eine gegebene Geldquantität aufrechthalten kann.

Diese Wirkung, die Substitution von Schecks für Zahlungen in bar,
ist aller Wahrscheinlichkeit nach das wichtigste Ergebnis des „Belastens“,
und sie übt einen gewaltigen Einfluß auf das Steigen der Preise aus.

VI.	Kapitel.

Indirekte Einwirkungen.

(Fortsetzung.)

§ 1.

Wir haben nun diejenigen Einwirkungen außerhalb der Verkehrs-
gleichung in Erwägung gezogen, die den Umfang des Handels (die Q), die
Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes und der Depositen (U und IV) und die
Quantität der Depositen (G') berühren. Die gesonderte Behandlung der
äußeren Einwirkungen, welche die Quantität des Geldes (G) betreffen, blieb
für dieses und das folgende Kapitel Vorbehalten. Die Haupteinwirkungen
können wie folgt klassifiziert werden:

1) Andrew, „Credit and the Value of Money“. Sonderabdruck von Papers and
Proceedings of the Seventeenth Annual Meeting American Economic Association, Dezember
        <pb n="92" />
        ﻿Indirekte Einwirkungen.

73

1.	Einwirkungen, die durch den Export und den Import von Geld
hervorgebracht werden.

2.	Einwirkungen, die durch das Einschmelzen oder das Prägen von
Geld verursacht werden.

3.	Einwirkungen, die durch die Produktion und den Verbrauch von
Geldmetallen herbeigeführt werden.

4.	Einwirkungen der Geld- und Banksysteme, die den Gegenstand
des nächsten Kapitels bilden sollen.

Das erste, was wir zu erörtern haben, ist der Einfluß des Außen-
handels. Bisher haben wir das Studium des Preisniveaus auf ein
isoliertes Gemeinwesen beschränkt, das mit anderen Gemeinwesen in keiner-
lei Handelsverbindung steht. Die moderne Welt weist jedoch kein der-
artiges Gemeinwesen auf, und es ist wichtig festzustellen, daß der interna-
tionale Handel den heutigen Problemen des Geldes und des Preis-
niveaus einen internationalen Charakter gibt. Wenn alle Länder ihr unein-
lösbares Papiergeld hätten und keines ihrer Gelder anderwärts zur Annahme
gelangte, so könnte es keine internationale Adjustierung im Geldwesen
geben. Die Preisniveaus in den verschiedenen Ländern ständen nicht in
engem Zusammenhänge. Tatsächlich ist die Verbindung zwischen Ländern
mit verschiedener Metallwährung — z. B. zwischen einem Lande mit Gold-
währung und einem anderen mit Silberwährung — bis zu einem gewissen
Grade wirklich gebrochen, wenngleich diese beiden Metalle durch den Um-
stand, daß sie nicht Geldzwecken allein dienen, doch noch immer einiger-
maßen aneinander gebunden sind. Aber wo bei zwei oder mehreren in
Handelsverbindung stehenden Nationen dieselbe Geldwährung besteht, ist
die Tendenz wahrzunehmen, daß die Preisniveaus der einen Nation durch
die Preisniveaus der anderen stark beeinflußt werden.

In einem kleinen Lande, wie der Schweiz, hängt das Preisniveau zum
großen Teil von dem anderer Länder ab. Das Gold, welches das primäre
oder vollwichtige Geld der meisten zivilisierten Nationen ist, wandert be-
ständig von Land zu Land oder von einem Gemeinwesen ins andere. Wenn
ein einzelnes kleines Land in Betracht gezogen wird, so sagt man besser,
daß die Quantität des Geldes in dem betreffenden Lande durch das univer-
selle Preisniveau festgesetzt wird, als daß dessen Preisniveau durch die inner-
halb seiner Grenzen befindliche Geldquantität bestimmt wird. Ein einzelnes
Land steht zu der übrigen Welt in demselben Verhältnis, wie eine
Lagune zum Ozean. Das Niveau des Ozeans hängt natürlich von den
in ihm befindlichen Wassermassen ab. Wenn wir aber von einer Lagune
sprechen, so kehren wir die Erklärung um und sagen, daß die Quantität
        <pb n="93" />
        ﻿74

VI. Kapitel.

des darin enthaltenen Wassers vom Niveau des Ozeans abhängt. Ebenso
wie draußen im Ozean Ebbe und Flut miteinander abwechseln, so regu-
lieren sich demgemäß die Wassermassen in der Lagune.

Um das Problem der Verteilung des Geldes unter die verschiedenen Ge-
meinwesen einfacher zu veranschaulichen, wollen wir einstweilen die Tat-
sache außer acht lassen, daß das Geld gewöhnlich aus einem Material besteht,
das auch zu anderen als zu Geldzwecken verwendbar ist, und daß es geschmol-
zen und geprägt werden kann.

Wir wollen also einmal die Ursachen erörtern, welche die Quantität des
Geldes in einem Staate wie Connecticut bestimmen. Wenn das Preisniveau
in Connecticut zeitweilig unter dasjenige der umgebenden Staaten Rhode
Island, Massachusetts und New York herabsinkt, so wird ein Export von
Geld aus diesen Staaten nach Connecticut platzgreifen, da man die Güter
stets dort kauft, wo sie am billigsten, und verkauft, wo sie am teuersten sind.
Durch die niedrigen Preise wäre Connecticut ein guter Platz für den Ein-
kauf von Gütern, hingegen ein schlechter für den Verkauf. Wenn nun aber
Auswärtige in Connecticut kaufen, so haben sie zum Kaufen Geld mitzu-
bringen. Es wird sodann die Tendenz wahrzunehmen sein, daß das Geld
nach Connecticut abfließt, bis das Preisniveau daselbst so steigt, daß es den
Zufluß auf hält. Wenn andererseits die Preise in Connecticut höher als in den
umgebenden Staaten sind, so wird es ein guter Verkaufsplatz und ein
schlechter Platz für den Einkauf. Wenn aber Auswärtige nach Connecticut
verkaufen, so erhalten sie im Austausch Geld dafür. Das Geld zeigt dann die
Tendenz, aus Connecticut abzufließen, bis das Preisniveau in Connecticut
niedriger geworden ist.

Hieraus darf aber nicht geschlossen werden, daß die Preise der ver-
schiedenen Artikel oder gar das allgemeine Preisniveau in den verschiedenen
Ländern genau dasselbe wird. Entfernung, Ungewißheit darüber, wo die
besten Märkte zu finden sind, Zolltarife und Transportkosten unterstützen
die Aufrechterhaltung von Preisdifferenzen. Die einheimischen Erzeugnisse
pflegen in der betreffenden Gegend immer billiger zu sein als anderwärts.
Solange nun der auswärtige Preis genügend höher ist, um Transportkosten
mehr als zu decken, solange wird der Export andauern. Faktisch wird
keine Ware exportiert, wenn ihr Preis nicht mindestens ebenso hoch wie
der des Ursprungslandes plus Frachtkosten ist. Viele Waren werden nur
nach einer Richtung hin transportiert. So wird Weizen aus den
Vereinigten Staaten nach England, nicht aber von England nach den
Vereinigten Staaten verschifft. In letzterem Lande ist er billiger. Eine
große Ausfuhr erhöht den Preis in Amerika dem in England gegenüber;
        <pb n="94" />
        ﻿Indirekte Einwirkungen.

75

er hält sich aber gewöhnlich um den Betrag der Transportkosten unter diesem
Preise. Andere Waren, deren Transport billig ist, werden je nach der
Konjunktur nach beiden Richtungen versandt.

Obgleich aber der internationale und interlokale Handel niemals eine
genaue Gleichförmigkeit der Preisniveaus herbeiführt, so führt dieser Handel
doch, soweit er besteht, durch die oben beschriebene Regulierung der Ver-
teilung des Geldes die Tendenz nach Gleichförmigkeit dieser Niveaus herbei.
Wenn eine Ware in den internationalen Handel gelangt, so genügt diese
allein, um sie, wenn auch nur langsam, als Regulator der Geldverteilung
wirken zu lassen; denn als Entgelt dieser Ware fließt Geld ein und, je
nachdem das Preisniveau steigt oder fällt, wird die Quantität des Verkaufs
dieser Ware entsprechend adjustiert. Selbst wenn im gewöhnlichen
Verkehr der Nationen untereinander der vorsätzliche Versuch gemacht wird,
sich durch Schutztarife dagegen ins Mittel zu legen, wird es immer eine
große Anzahl von Waren geben, die in dieser Weise als Mittel des Ab-
und Zuflusses dienen. Und da die Quantität des Geldes selbst auf die Preise
aller Warengattungen einwirkt, so erstreckt sich die regulierende Wirkung
des internationalen Handels nicht nur einfach auf die in diesen Handel ge-
langenden Waren, sondern ebenso auch auf alle anderen. Es folgt daraus,
daß der internationale und der interlokale Handel heutzutage die Preis-
niveaus in der ganzen Welt beständig regulieren.

Wir dürfen diesen Gegenstand nicht verlassen, ohne die Wirkungen
eines Zollgesetzes auf die Kaufkraft des Geldes hervorzuheben. Wenn ein
Land einen Zolltarif annimmt, so tritt die Tendenz zu einem Steigen des
Preisniveaus ein. Es ist klar, daß ein Zoll die Preise der „geschützten“
Güter erhöht. Er hat aber eine noch größere Wirkung, — der Zoll erhöht
nämlich auch die Preise der ungeschützten Güter. Auf diese Weise ver-
ursacht der Zoll zunächst eine Abnahme der Einfuhren. Obgleich nun
diese Abnahme der Einfuhr auf die Dauer zu einer entsprechenden Abnahme
der Ausfuhr führt, so wird doch anfangs eine derartige Adjustierung nicht
stattfinden. Der Ausländer setzt seine Einkäufe aus dem geschützten Lande
in fast demselben Umfange eine Zeitlang fort. Dies wird zeitweilig ein
Steigen des Exports dieses Landes über den Import oder eine sogenannte
„günstige“ Handelsbilanz und einen daraus folgenden Zufluß an Geld be-
wirken. Schließlich erhöht dieser Zufluß nicht nur die Preise der geschützten,
sondern auch die der ungeschützten Güter. Das Steigen dauert dann so
lange fort, bis es einen Punkt erreicht, der hoch genug ist, um der
„günstigen“ Handelsbilanz Einhalt zu tun.

Obgleich die durch einen Zolltarif geschaffene „günstige Handelsbilanz“
        <pb n="95" />
        ﻿7G

VI. Kapitel.

nur eine Zeitlang anhält, so hinterläßt sie doch eine permanente Zunahme
des Geldes und der Preise. Die Zollschutzmauer ist eine Art Damm, der eine
Erhöhung in den Preisen der dahinterliegenden Güter verursacht.

Diese Tatsache wird in der üblichen Darstellung der Theorie des
internationalen Handels zuweilen übersehen. Statt dessen wird die Tat-
sache betont, daß letzten Endes der Handel ein solcher von Gütern gegen
Güter und nicht von Geld gegen Güter ist, und daß ein Einfuhrzoll nicht nur
die Einfuhr, sondern auch die Ausfuhr reduziert, also somit bloß zeitweilig
den virtuellen Tauschhandel der Nationen unterbricht. Die Wirkung eines
Einfuhrzolls wird damit der eines Ausfuhrzolls analog behandelt. Aber hin-
sichtlich der Wirkungen auf die Preisniveaus ist ein Einfuhrzoll einem
Ausfuhrzoll diametral entgegengesetzt. Wenn wir unseren Zoll auf den
Export legen, so wirken wir zunächst störend auf den Export ein. Dem
Import wird kein Hemmnis in den Weg gestellt, bis das Geld abgeflossen
ist und das allgemeine Preisniveau genug reduziert hat, um die vorher ge-
schaffene „ungünstige“ Handelsbilanz zu zerstören. Wir schließen daraus,
daß die allgemeine Kaufkraft des Geldes durch einen Zolltarif vermindert
wird, und daß sie durch einen Ausfuhrzoll erhöht werden würde.

Dies ist vielleicht der Hauptgrund, warum ein Schutzzoll vielen eine
Quelle wirtschaftlichen Aufschwungs zu sein scheint. Er liefert nicht nur
den geschützten Industrien, sondern dem Handel im allgemeinen einen tem-
porären Antrieb, der in Wirklichkeit einfach den Antrieb zu einer Geld-
inflation bildet.

Vorläufig wollen wir den internationalen Handel hauptsächlich darauf-
hin betrachten, welche Wirkungen er auf das internationale Preisniveau
ausübt. Mit Ausnahme des Umstandes, daß der Export oder Import von
Geld die Preisniveaus adjustiert, ist der internationale Handel im Grunde
bloß ein gegenseitiger Austausch von Gütern. Wo das Preisniveau nicht
berührt wird, ist der Geldwert der in einem Lande verkauften Güter dem
Geldwerte der gekauften Güter ganz gleich. Nur wenn eine Differenz in
diesen Werten oder eine „Handelsbilanz“ vorhanden ist, wird ein Zu- oder
Abströmen des Geldes und infolgedessen eine Tendenz zur Veränderung
des Preisniveaus eintreten1).

Wir haben nun dargelegt, wie das internationale und interlokale Gleich-
gewicht der Preise durch differentielle Veränderungen in der Geld-
quantität allein gestört werden kann. Es kann auch durch differentielle
Änderungen im Umfang der Bankdepositen, in der Umlaufsgeschwindigkeit

Q Betr. mathematischer Darlegung siehe § 1 des Anhanges zu diesem Kapitel (VI).
        <pb n="96" />
        ﻿Indirekte Einwirkungen.

77

des Geldes, in der Umlaufsgeschwindigkeit der Bankdepositen oder im Um-
fange des Handels gestört werden. Aber was auch immer die Quelle der
Differenz in den Preisniveaus sein mag, das Gleichgewicht wird schließlich
durch eine internationale oder interlokale Wiederverteilung von Geld und
Gütern, die durch den internationalen und interlokalen Handel herbeigeführt
wird, wiederhergestellt. Außer Geld und Waren können keine anderen Ele-
mente in der Yerkehrsgleichung von einem Orte zum anderen transportiert

werden.	.	.	.

Abgesehen von Übergangswirkungen bringen also internationale Diffe-
renzen in den Preisniveaus nur in einem der Elemente der Verkehrsgleichung,
und zwar in der Menge des Geldes, Veränderungen hervor. Tatsächlich
können natürlich die Übergangsperioden unabsehbar oder chronisch sein. Es
kommt selten vor, daß ein Volk keine Handelsbilanz aufweist. Jahrzehnte-
lang bezogen Länder des Orients Silber von denen des Okzidents, selbst wenn
das Silber unter dem bimetallischen Regime in einem stabilen Verhältnis
zum Golde stand. In Europa herrschte infolgedessen eine langanhaltende
Tendenz zu einem Fallen der Preise, während in Asien, in Verbindung mit
allen anderen einen Übergang begleitenden Wirkungen, die Preise eine
steigende Tendenz verfolgten.

§2.

Wir haben gesehen, wie G in der Verkehrsgleichung durch den Import
und Export des Geldes beeinflußt wird. Hinsichtlich ihrer Beziehung zu G
in irgendeinem der in Betracht kommenden Länder sind die G in allen
anderen Ländern „äußere Einflüsse“.

Wenn wir nun einen Schritt weitergehen, so müssen wir jene Einwir-
kungen auf G in Erwägung ziehen, die nicht nur außerhalb der für ein be-
sonderes Land, sondern auch außerhalb der für die ganze Welt gültigen
Verkehrsgleichung liegen. Außer dem durch Import und Export hervor-
gebrachten Zufluß und Abfluß des Geldes, gibt es einen Zufluß und Abfluß
durch Prägen und Schmelzen. Mit anderen Worten: nicht nur die in der
Welt befindlichen Geldbestände stehen, wie kommunizierende Wasser-
behälter miteinander in Zusammenhang, sondern sie hängen in derselben
Weise auch mit dem auswärtigen Barrenbestand zusammen. In der mo-
dernen Welt spielt ein so kostbares Metall wie das Gold gewöhnlich die Rolle
des primären Geldes, und dieses Metall findet eine zweifache Verwendung:
es wird zu Geldzwecken und zur Anfertigung von Waren verwandt. Das
beißt, Gold ist nicht nur ein Geldmaterial sondern es ist ebensowohl Ware.
In ihrer Eigenschaft als Waren bilden die Edelmetalle das Material für Juwe-
        <pb n="97" />
        ﻿78

VI. Kapitel.

lierarbeiten, Kunstwerke und andere Erzeugnisse, in die sie verarbeitet wer-
den können. In diesem unverarbeiteten oder rohen Zustand heißen die Edel-
metalle Barren.

Aus Gold geprägtes Geld kann in Barrengold umgewandelt werden und
umgekehrt. Tatsächlich gehen beide Umwandlungen beständig vor sich,
denn wenn im Vergleich mit anderen Waren, der Geldwert des Goldes in dem
einen Verwendungsgebiete größer ist als in dem anderen, so ergießt sich das
Gold sofort dorthin, wo seine Anwendung gewinnbringender ist, und der
Marktpreis des Barrengoldes bestimmt die Richtung des Abflusses. Da 100
Unzen Gold, 9/io fein, in $ 1860 umgewandelt werden können, muß der Markt-
geldwert von soviel Barrengold, 9/io fehl, die Summe von $ 1860 erreichen.
Wenn das Prägen des Barrengoldes in Geld nicht mit Kosten verbunden wäre,
und wenn es nichts kosten würde, Geld in Barren zu schmelzen, so würde ein
automatisches Hin- und Herströmen von Geld in Barren und von Barren
in Geld stattfinden, das ein bedeutendes Schwanken des Barrenpreises ver-
hütet. Wenn der Preis von Barrengold die Geldmenge übersteigt, die
daraus geprägt werden kann, so werden die Goldkonsumenten, die Barren-
gold benötigen,—hauptsächlich Juweliere,—einerlei wie gering die Differenz
sein mag, durch Einschmelzen der Goldmünzen in Barrengold diese Differenz
ausnützen. Ist dagegen der Preis des Barrengoldes geringer als der Wert
der Goldmünzen, so werden die Besitzer von Barrengold nicht versäumen,
die Differenz wahrzunehmen, indem sie das Barrengold zur Münzstätte
bringen, um es in Golddollar prägen zu lassen, anstatt es auf dem Barrengold-
markte zu verkaufen. Das Einschmelzen der Münzen bewirkt eine Abnahme
in der Quantität des Goldgeldes und eine Zunahme der Barrengoldmenge,
wobei der Geldwert des Goldes als Barrengold herabgesetzt und der Wert
des Goldes als Geld erhöht wird; das Preisniveau wird dadurch erniedrigt
und die Gleichheit zwischen dem Barrengolde und dem Gelde wiederherge-
stellt. Bei dem entgegengesetzten Verfahren hat ein Prägen des Barren-
goldes in Münzen die Wirkung, daß der Geldwert des gemünzten und der
Geldwert des Barrengoldes ebenfalls ins Gleichgewicht gebracht werden.
In der Praxis wird der Ausgleich größtenteils wahrscheinlichx) dadurch
aufrechterhalten, daß die neueste Goldausbeute je nach der Stimmung des
Marktes in der einen oder anderen Weise verwendet wird. Durch eine der-
artige Versorgung der beiden Reservoirs in Übereinstimmung mit deren
respektivem Bedarf fällt die Notwendigkeit eines nennenswerten Hin- und
Herströmens von Gold zwischen Münze und Goldwarenindustrie weg.

*) Vgl. De Launay, The World’s Gold, New York (Putnam), 1908, S. 179—183.
        <pb n="98" />
        ﻿Indirekte Einwirkungen.

79

Dort, wo für die Umwandlung von Barrengold in Goldmünzen ein
sogenannter „Schlagschatz“ („Seigniorage“) in Anrechnung gebracht wird,
oder dort, wo dieser Prozeß mit Unkosten oder Verzögerungen verbunden ist'
wird der Zufluß von Barrengold in die Umlaufsmittel bis zu einem gewissen
Grade aufgehalten. Unter einem modernen System der freien Prägung und bei
den modernen Methoden der Metallurgie kann indessen sowohl das Schmelzen
als auch das Prägen auf eine nichts weniger als kostspielige Weise und so
schnell ausgeführt werden, daß, wie aus der Praxis hervorgeht, weder Ver-
zögerungen noch Kosten damit verbunden sind. In der Tat gibt es wenige
Beispiele genauerer Preisadjustierung als die Anpassung des Preises von
Barrengold und dem von Goldmünzen. Es folgt daraus, daß die Quantität
des Geldes und damit seine Kaufkraft direkt von der des Barrengoldes ab-
hängt.

Die Stabilität des in Goldmünze ausgedrückten Preises für Barrengold
verwirrt die Vorstellung vieler Leute insofern, als sie sich unter dem irr-
tümlichen Eindruck befinden, daß es eine Veränderung im Wert des Geldes
nicht gibt. Tatsächlich ist diese Stabilität oft als Beweis dafür angeführt
worden, daß das Gold ein stabiler Wertregulator sei. Die Goldwarenhändler
scheinen die Bedeutung der Tatsache mißzuverstehen, daß eine Unze Gold
in den Vereinigten Staaten immer ungefähr $ 18,60 und in England £ 3
17 sh 1014 d kostet. Darunter ist nichts weiter zu verstehen, als daß Gold
in einer Form und in einer Art gemessen, immer ein konstantes Verhältnis
zu Gold in einer anderen Form und auf eine andere Art gemessen, beibehält
Eine Unze Barrengold ist eine genau bestimmte Anzahl Golddollar wert'
und zwar aus demselben Grunde, wie ein Pfund Sterling in Gold eine genau
bestimmte Anzahl von Golddollar oder daß ein „Gold Eagle“ (= $ 10 —)
eine bestimmte Anzahl Golddollar wert ist.

Abgesehen von äußerst geringen und zeitweiligen Schwankungen
muß Barrengold und aus Gold gemünztes Geld daher immer den gleichen
Wert haben. In der folgenden Erörterung über die bedeutenderen Schwan-
kungen, denen diese beiden Werte unterliegen, wollen wir deswegen von
diesen Werten unterschiedslos als von dem „Wert des Goldes“ sprechen.

§ 3.

Der Barrengoldbestand ist nicht die letzte äußere Einwirkung auf
die Quantität des Geldes. Wie das Barrenquantum und das Geld-
quantum aufeinander einwirken, so wird das Gesamtquantum beider
durch Produktion und Verbrauch beeinflußt. Die Produktion des Goldes
besteht in der Ausbeute der Goldminen, die fortgesetzt Gold zur Ver-
        <pb n="99" />
        ﻿80

VI. Kapitel.

mehrung der vorhandenen Bestände an Barrengold und Goldmünzen
hinzufügen. Der Verbrauch von Gold besteht in der Verwendung
des Barrengoldes im Kunstgewerbe, seiner Verarbeitung in Juwelier-
waren, Vergoldungen usw. sowie in den durch Verschleiß, Schiffbruch
usw. verursachten Abgängen. Wenn wir uns das Quantum der Goldmünzen
und des Barrengoldes als in einem Reservoir enthalten vorstellen, so würde
die Produktion den Zufluß aus den Minen und der Verbrauch den Abfluß
bedeuten, der durch die Verwendung im Kunstgewerbe sowie durch den
Verlust infolge von Zerstörung und Abgang verursacht wird. Dem Einströmen
aus den Minen müßte das Wieder einströmen aus der Welt der
Goldwaren beigerechnet werden, in welche das Gold zuvor verarbeitet
wurde, und die nutzlos geworden sind. Ein gutes Beispiel hierfür
ist die Verbrennung goldener Bilderrahmen zur Gewinnung von Barrengold.

Wir wollen zunächst das Einströmen oder die Produktion und dar-
auf den Ausfluß oder den Verbrauch betrachten. Den Regulator des
Zuströmens (das doch in der Praxis mit der Goldproduktion aus den
Minen gleichbedeutend ist) bilden die Schätzungen seiner „Grenz-
produktionskosten“.

Der Bergwerksbetrieb ist ein gewagtes Unternehmen und Schätzungen
sind bedeutenden Irrtümern unterworfen. Doch wie irrig die Kostenvoran-
schläge auch immer sein mögen, so üben sie doch eine regulierende Macht
auf die Produktion aus. Wenn der Kostenvoranschlag für die Produktion
eines Dollars in Gold geringer ist als der bestehende Wert eines Golddollars,
dort wird er normalerweise produziert werden. Wenn hingegen die
Produktionskostenschätzungen den bestehenden Wert eines Golddoflars
übersteigen, wird er normalerweise nicht produziert werden. Im ersten
Falle ist die Goldproduktion gewinnbringend, im letzteren Falle ist sie
unrentabel. Es gibt hier einen mittleren oder neutralen Punkt, wo die
einträgliche Produktion unter normalen Verhältnissen aufhört und die
unrentable beginnt, ein Punkt, wo die Produktionskosten von $ 100
genau $ 100 betragen. Die Kosten an diesem Punkt werden die Grenz-
kosten der Produktion genannt. Für die ergiebigsten Minen sind die
Produktionskosten äußerst gering. Von diesem niedrigen Satze steigen
die Kosten bei den anderen Minen allmählich an, bis der Kosten-
punkt in der Grenzmine erreicht ist, bei welcher die Unkosten dem
Werte des Produktes gewöhnlich gleich sind. Tatsächlich gibt es einen
Produktionsgrenzpunkt, nicht für die verschiedenen Minen, sondern
für jede einzelne Mine. Die Tatsache, daß die Kosten im allgemeinen
mit der Produktionssteigerung wachsen, ist darauf zurückzuführen,
        <pb n="100" />
        ﻿Indirekte Einwirkungen.

81

daß das Gold eine extraktive Industrie ist. Es ist dem Gesetz der
zunehmenden Kosten unterworfen oder, wie es oft ausgedrückt wird dem
Gesetz der abnehmenden Erträge“. Wenn eine Grube nur mittelmäßig
ausgebeutet wird, so werden die Produktionskosten für eine Unze Gold
geringer sein, als wenn sich die Ausbeutungsweise ihrer vollen Produktions
fähigkeit nähert, und es wird hierbei immer eine Normalstufe der Ausbeutu
geben, auf der die Kosten per Unze so beschaffen sind, daß eine Überschrei-
tung dieser Ausbeutungsstufe die erhöhte Produktionstätigkeit kaum ren-
tabel erscheinen läßt. Es verlohnt sich, die Produktion bis zu dem Punkte
auszudehnen, wo die Ertragssteigerung die entstandenen Mehrkosten ge-
rade deckt, weiter aber nicht. Der Bergwerksuntemehmer kann unab-
sichtlich oder zeitweilig über das beabsichtigte Ziel hinausschießen oder es
nicht vollständig erreichen. Solche Irrtümer werden ihn aber nur anspornen
derartige Fehler wieder gut zu machen und die Goldproduktion neigt immer
einem Gleichgewichtszustände zu, in welchem die Grenzkosten der Produktion
(unter Hinzurechnung des Zinses) dem Wert des Produktes gleich sind
Dies bestätigt sich immer, ob die Produktionskosten nun in Gold
selbst gemessen oder ob sie in irgendeiner anderen Ware wie Weizen oder
in Waren im allgemeinen, oder in irgendeiner anderen beliebigen absoluten“
Wertnorm ausgedrückt werden. In Ländern mit Goldwährung berechnen
die Bergwerksbesitzer die Kosten der Goldproduktion in Gold Von
ihrem Standpunkte aus ist es eine überflüssige Anstrengung, die Produktions
kosten und den Wert des Produktes in ein anderes Wertmaß als Gold zu über
tragen. Sie haben em Interesse an dem Verhältnis zwischen den beiden
und dieses Verhältnis wird durch die Wahl des Wertmaßes nicht beeinflußt
Um die Kosten und den Wert von Goldgeld in Weizen zu übertragen
braucht man nur die Kosten und den Wert durch den in Goldgeld ausgedrückten
Preis des Weizens zu dividieren. Eine solche Änderung in der Methode,
Kosten und Wert auszudrücken, beeinflußt ihr Verhältnis zueinander nicht'
Um es deutlich zu machen, wie der Goldproduzent alles in Gold-
sätzen bemißt, wollen wir nun annehmen, daß das Preisniveau steigt. An-
genommen, daß die Preissteigerung sich auf Löhne, Maschinerie, Brenn-
materialien und andere Unkosten der Goldproduktion bezieht, hat der Gold-
produzent dann mehr Dollar für Löhne, Maschinerie, Heizung usw. zu
zahlen, während die für sein Produkt erlangten Preise (in eben denselben
Dollar ausgedrückt) wie immer unverändert bleiben. Umgekehrt erniedrigen
sich bei einem Fallen des Preisniveaus seine Produktionskosten (in Dollar
bemessen), während der Preis seines Produktes noch immer derselbe istJ)
x) Siehe Mill, Principles of Political Economy, III. Teil, IX. Kap. § 2

Fisher, Kaufkraft des Geldes.	0
        <pb n="101" />
        ﻿82

VI. Kapitel.

Wir haben also eine feststehende Zahl, die den Preis des produzierten Goldes
darstellt und eine veränderliche Zahl, welche dessen Produktionskosten aus-
drückt.

Wenn wir dieselben Phänomene nicht in Gold, sondern in Weizen oder
vielmehr in Gütern im allgemeinen ausdrücken, so haben wir die umgekehrte
Sachlage. Wenn die Preise steigen, fällt die Kaufkraft des Geldes, und diese
Kaufkraft ist der Wert des Produktes, ausgedrückt in Gütern im allgemeinen.
Wenn sich die Kosten der Goldgewinnung aus den Minen mit der allgemeinen
Preisbewegung ändern, so wird es eine Veränderung in den Kosten der Gold-
produktion in bezug auf Güter nicht gehen. Dagegen wird jedoch eine Ver-
änderung im Werte der Goldproduktion eintreten. Das heißt, wir haben
dann eine veränderliche, den Preis des Goldproduktes bezeichnende Zahl und
eine feststehende Zahl, welche dessen Produktionskosten ausdrückt.

Der Vergleich zwischen Preis und Produktionskosten ist also derselbe,
gleichviel ob wir Gold oder andere Waren als unser Kriterium benützen.
Von dem einen Gesichtspunkte aus betrachtet — d. h. wenn die Preise in
Gold bemessen werden — bedeutet eine Preissteigerung ein Steigen in den
Produktionskosten des Goldminenbesitzers; von dem anderen — d. h. wenn
die Preise in anderen Gütern bemessen werden — bedeutet dieselbe Preis-
steigerung ein Fallen im Preise (der Kaufkraft) seines Produktes. In beiden
Fällen wird er sich entmutigt fühlen. Er betrachtet sein Mißgeschick von
dem ersterwähnten Standpunkt aus, d. h. als eine Folge der Steigerung der
Kosten der Produktion. Wir werden es aber zweckmäßiger finden, es vom
letzterwähnten Gesichtspunkte aus in einem Fallen der Kaufkraft des Pro-
duktes zu suchen. In jedem der beiden Fälle findet der Vergleich zwischen
den Produktionskosten des Goldes und der Kaufkraft des Goldes statt.
Wenn diese Kaufkraft über den Produktionskosten einer besonderen Mine
steht, so verlohnt es sich, diese Mine auszubeuten. Wenn die Kaufkraft
des Goldes niedriger ist als die Produktionskosten einer besonderen Mine,
so verlohnt sich eine Ausbeutung dieser Mine nicht. Die Goldproduktion
steigt oder sinkt also je nach dem Steigen oder Fallen der Kaufkraft des
Goldes.

Soviel über den Goldzufluß und die ihn regulierenden Umstände. Wir
wenden uns nun dem Abfluß oder dem Verbrauch des Goldes zu. Dieser
Verbrauch vollzieht sich in zwei Formen: der des industriellen Verbrauches
und der des Verbrauches zu Geldzwecken.

Wir wollen zunächst den industriellen Verbrauch des Goldes be-
trachten. Wenn die aus Gold verfertigten Gegenstände sich durch Billig-
keit auszeichnen — d. h., wenn die Preise anderer Gegenstände Verhältnis-
        <pb n="102" />
        ﻿Indirekte Einwirkungen.

83

mäßig hoch sind —, so wird die verhältnismäßige Billigkeit der Goldgegen-
stände zu einer Steigerung ihrer Anwendung und ihres Verbrauches führen.
Wenn wir diesen Vorgang in Geldpreisen ausdrücken, so werden mehr
goldene Uhren und Wertsachen gekauft und verbraucht werden, wenn die
Preise aller sonstigen Objekte höher sind und das Einkommen der Leute
ebenfalls höher ist, während goldene Uhren und Goldschmuck im allge-
meinen ihre früheren Preise beibehalten.

Dies sind Beispiele des Goldverbrauchs in Form von Waren. Der Ver-
brauch und Abgang von Gold als Münze erfolgt durch Abnützung, durch Ver-
lust bei Schiffbruch und anderen Unglücksfällen. Er wechselt mit den Ver-
änderungen des in Gebrauch befindlichen Goldquantums und mit dessen
Austauschschnelligkeit. Die Abflüsse aus diesem Reservoir repräsentieren
den Verbrauch der Goldmünzen durch Verlust. Geradeso wte die Produk-
tion durch die Grenzkosten des Produzierten reguliert wird, so wird der
Konsum durch den Grenznutzen des Konsumierten reguliert. Es ist hier nicht
der Ort auf eine Erörterung der wesentlichen Symmetrie zwischen diesen
beiden Grenzgrößen einzugehen, einer Symmetrie, die oft übersehen wird, weil
die Kosten gewöhnlich objektiv und der Nutzen subjektiv bemessen
werden. Sie können beide auf die eine oder die andere Weise bemessen
werden. Die subjektive Methode ist die grundlegendere, sie entfernt uns
aber von unserer vorliegenden Erörterung mehr als notwendig oder nutz-
bringend ist.

Wir sehen also, daß durch ein Fallen des Wertes (der Kaufkraft) des
Goldes der Verbrauch an Gold einen Ansporn erhält, während die Produk-
tion des Goldes dadurch herabgesetzt wird. Die Kaufkraft des Geldes, auf
die die entgegengesetzten Kräfte von Produktion und Konsum auf diese
Weise einwirken, wird je nach den Umständen, nach aufwärts oder nach ab-
wärts getrieben1).

J) Die hier dargelegte Theorie, daß der Wert des Barrengoldes und die Produktions-
kosten des Goldes vermittelst der Quantität des Geldes die Preise beeinflussen, ist von
Nationalökonomen im allgemeinen vertreten worden. Eine abweichende Ansicht hierüber
hat Laughlin. Er sagt: „Die Geldmenge, die als tatsächliches Austauschmittel dient
bestimmt den Preis nicht mehr, als der Eintrag von Kaufurkunden und Zessionen in das
Kreisgrundbuch die Preise der Ländereien bestimmt, deren Verkauf in den erwähnten Ur-
kunden verzeichnet wird.“ Und weiter: „Der Preis ist ein Austauschverhältnis zwischen
Gütern und dem Währungsgute, mag dieses Währungsgut als Tauschmittel gebraucht
werden oder nicht.“ Siehe The Principles of Money, New York (Scribner), 1903, S. 317
und 318.

6*
        <pb n="103" />
        ﻿84

VI. Kapitel.

§4.

In jeder vollständigen Darlegung der Kräfte, welche die Kaufkraft
des Geldes bestimmen, ist es notwendig, drei Gruppen von Faktoren fest ins
Auge zu fassen: 1. die Produktion oder den „Zufluß“ von Gold (d. h. aus
den Minen); 2. den Verbrauch oder den „Abfluß“ des Goldes (a) in die
Industrie, b) durch Zerstörung und Verlust); 3. den „Vorrat“ oder
das Reservoir von Gold (entweder Münzen oder Barrengold), welches den
Zufluß erfährt und den Abfluß erleidet. Die Verhältnisse dieser drei
Arten von Größen zueinander können vermittelst eines Schaubildes
wiedergegeben werden, wie es in Figur 5 ersichtlich ist. Dieses stellt

zwei miteinander verbundene, eine Flüssigkeit enthaltende Reservoire dar,
Gb und Gm. Der Inhalt des ersten Reservoirs repräsentiert den Vorrat
an Barrengold (Gold lulliori) und der des zweiten Behälters den Vorrat
des gemünzten Goldes (Gold money). Da nun die Kaufkraft mit der Selten-
heit zunimmt, soll der Abstand zwischen dem Rand der Zisternen oo und
dem Spiegel der Flüssigkeit die Kaufkraft des Goldes für andere Güter dar-
steflen. Ein Sinken des Flüssigkeitsniveaus zeigt eine Zunahme in der
Kaufkraft des Geldes an, da wir ja diese Kaufkraft von der Linie oo nach
abwärts zur Oberfläche der Flüssigkeit bemessen. Wir wollen es unter-
lassen, andere Formen der Umlaufsmittel in dem Diagramm ausführ-
licher zur Veranschaulichung zu bringen. Wir haben gesehen, daß
normalerweise die Quantitäten anderer Umlaufsmittel zur Quantität des Bar-
geldes, das wir uns in Gold vorstellen, in einem bestimmten Verhältnisse
stehen. Die Veränderung in der Kaufkraft dieses Bargeldes kann daher
        <pb n="104" />
        ﻿Indirekte Einwirkungen.

85

als maßgebend für die Veränderung aller übrigen Umlaufsmittel angenommen
werden. Wir kommen nun zur Erklärung der Gestaltung dieser Zisternen. Die
Gestalt der Zisterne Gm muß so beschaffen sein, daß sie bei einer Zunahme der
Flüssigkeit eine Abnahme der Distanz zwischen der Oberfläche der Flüssig-
keit und der Linie oo in genau derselben Weise bewirkt, wie die Kaufkraft
des Goldes mit einer Zunahme in seiner Quantität abnimmt. Mit anderen
Worten- wenn sich die Flüssigkeit in Gm verdoppelt, so sollte sich der
Abstand der Oberfläche von der Linie oo um die Hälfte verringern. In ähn-
licher Weise muß die Form der Barrengoldzisterne so beschaffen sein, daß
sie die Entfernung der Flüssigkeitsoberfläche von der Linie oo bei einer Zu-
nahme der Flüssigkeit verringert, und zwar in dem Maße, wie der Wert des
Barrengoldes mit einer Zunahme des Barrengoldvorrats abnimmt. Die
Form der beiden Zisternen braucht nicht und wird auch gewöhnlich nicht
die gleiche sein, denn wir können kaum annehmen, daß eine Halbierung der
Kaufkraft des Goldes immer das Quantum des vorhandenen Barrengoldes
genau verdoppelt.

Beide Reservoire haben Zuflüsse und Abflüsse. Betrachten wir zunächst
diejenigen des Barrengoldreservoirs (Gb). Jeder Zufluß stellt hier eine
besondere Barrengold liefernde Mine dar, und jeder Abfluß repräsen-
tiert eine besondere Verwendung des Goldes in Industriezweigen, wo
Barrengold verbraucht wird. Jede Mine und jede Verbrauchsmöglichkeit
hat ihren eigenen Abstand von oo. Es gibt daher drei Arten von Distanzen
von oo: die Zufluß-, die Abfluß- und die Flüssigkeitsoberflächendistanz.
Jeder Zuflußabstand stellt, in Gütern bemessen die Produktionskosten für
jede Mine dar; jede Abflußdistanz repräsentiert den Wert des Goldes in
irgendeiner besonderen Verwendung und ist ebenfalls in Gütern bemessen;
die Entfernung von der Oberfläche stellt, wie bereits erklärt, den gleichfalls
in Gütern bemessenen Wert des Barrengoldes, — mit anderen Worten
dessen Kaufkraft dar.

Es ist klar, daß es unter diesen drei Niveaugruppen Diskrepanzen geben
kann. Diese Konflikte können dazu dienen, die relativen Verhältnisse zwischen
dem Barrengold und den verschiedenen Zuflüssen und Abflüssen zu er-
klären. Wenn ein Zufluß zu einem gewissen Zeitpunkte über dem Niveau
der Flüssigkeit, also in geringerem Abstande von oo stattfindet, so bedeutet
das, daß die Produktionskosten geringer sind als die Kaufkraft des Barren-
goldes. Der Bergwerksbesitzer wird nun den Hahn aufdrehen und ihn offen
lassen," bis vielleicht das Niveau der Flüssigkeitshöhe zu dem seiner Mine
steigt — und zwar bis der Abstand der Oberfläche von oo ebenso gering ist
wie der Abstand vom Zuflusse — d. h. bis die Kaufkraft des Barrengoldes
        <pb n="105" />
        ﻿86

VI. Kapitel.

ebenso gering ist wie die Produktionskosten. An diesem Punkte bringt die
Bearbeitung der Mine keinen Gewinn mehr. Soviel in bezug auf die Zu-
flüsse; wir wollen nun die Abflüsse betrachten. Wenn ein Abfluß in einem
bestimmten Augenblick sich unterhalb der Höhe der Oberfläche befindet
— d. h. in einer größeren Entfernung von oo, so bedeutet dies, daß
der Wert des Goldes in dieser besonderen Anwendung größer ist als die
Kaufkraft des Barrengoldes. Nun wird das Barrengold nach diesem Ver-
wendungsgebiete, wo seinWert größer ist, abfließen, und zwar fließt es dann
aus allen Ausflüssen des Reservoirs unterhalb der Oberfläche ab.

Es ist hieraus zu ersehen, daß zu einem gegebenen Zeitpunkte nur die
Zuflüsse oberhalb der Flüssigkeitsoberfläche und nur die Abflüsse unterhalb
derselben in Tätigkeit gesetzt werden. Mit einem Steigen der Oberfläche
treten also mehr Abflüsse, jedoch weniger Zuflüsse in Tätigkeit. Das heißt,
je geringer die Kaufkraft des Goldes im Barren ist, desto größer wird sein
Verbrauch in der Industrie sein, desto weniger gewinnbringend hin-
gegen wird es für die Mine sein, es zu produzieren, und desto geringer
wird die Förderung aus den Minen sein. Sobald die Oberfläche sinkt, treten
mehr Zuflüsse und weniger Abflüsse in Tätigkeit.

Wir wenden uns nunmehr dem Geldreservoir (Gm) zu. Die Tatsache,
daß das Gold auf Grund des zwischen Barrengold und Goldmünzen statt-
findenden Hin- und Herströmens in Barren oder Münze den gleichen Wert
besitzt, wird in dem Diagramm durch die Verbindung des Barrengold-
reservoirs mit dem der Goldmünzen dargestellt, und infolgedessen haben
beide (ebenso wie Wasser) dieselbe Niveauhöhe. Die Oberflächen der
Flüssigkeit in beiden Reservoirs haben dieselbe Entfernung von der Linie oo,
und dieser Abstand stellt den Wert des Goldes oder dessen Kaufkraft dar.
Sollte der Zufluß zu irgendeiner Zeit den Abfluß übersteigen, so ist das
Resultat notwendigerweise eine Zunahme in dem vorhandenen Geldvorräte.
Dies wird eine Herabsetzung der Kaufkraft des Goldes oder des Goldwertes
herbeiführen. Sobald sich aber die Oberfläche erhöht, kommen weniger
Zuflüsse und mehr Abflüsse in Tätigkeit. Das heißt, auf der einen Seite
nimmt der übermäßige Zufluß oder die Produktion ab, und auf der anderen
Seite nimmt der unzureichende Abfluß oder der Verbrauch zu, wodurch die
Ungleichheit zwischen Zufluß und Abfluß eingeschränkt wird. Wenn hingegen
der Abfluß zeitweilig größer als der Zufluß sein sollte, so wird sich der Inhalt
des Reservoirs vermindern. Die Kaufkraft erhöht sich, dem übermäßigen
Abfluß wird auf diese Weise Einhalt getan und der unzureichende Zufluß
angespornt, wobei das Gleichgewicht wiederhergestellt wird. Der genaue
Gleichgewichtspunkt kann selten oder nie erreicht werden, aber es herrscht
        <pb n="106" />
        ﻿Indirekte Einwirkungen.

87

wie bei einem Pendel, das durch die Gleichgewichtslage hin und her schwingt,
stets eine Tendenz sie zu erreichen.

Es bedarf wohl keiner Erwähnung, daß unser mechanisches Diagramm
nur den Zweck hat, ein Bild der hauptsächlichsten variablen Größen zu
geben, die in dem in unsere Erörterung aufgenommenen Problem enthalten
sind. Es bildet weder an sich selbst ein Argument, noch fügt es irgendeinen
neuen Faktor bei; auch darf nicht angenommen werden, daß es ausdrücklich
alle zu berücksichtigenden Faktoren umfaßt. Doch setzt uns dieses Diagramm
in den Stand, die in der Bestimmung der Kaufkraft des Geldes enthaltenen
Hauptfaktoren zu erfassen. Es ermöglicht, die nachstehenden wichtigen
Variationen und deren Wirkungen zu beobachten und zu verfolgen:

Erstens, wenn eine Erhöhung der Goldproduktion eintritt—die, wie wir
einmäl annehmen wollen, durch Entdeckung neuer Minen oder durch ver-
besserte Ausbeuteverfahren in alten Minen veranlaßt würde______so kann

diese durch eine Vermehrung in der Anzahl oder in der Größe der Zuflüsse
in das Gb Reservoir dargestellt werden. Die Folge davon wird, wie klar
ersichtlich, eine Vermehrung des „Zuflusses“ in das Barrengoldreservoir und
von diesem in das Umlaufsmittelreservoir sein, und dieser Zufluß wird infolge-
dessen ein allmähliches Vollfüllen beider Reservoirs sowie eine Abnahme der
Kaufkraft des Geldes herbeiführen. Diesem Prozeß wird schließlich durch
eine Zunahme im Verbrauch Einhalt geboten. Und wenn die Produktion
und der Konsum emander gleichkommen, wird das Gleichgewicht wieder-
hergestellt. Es ist klar, daß eine Erschöpfung der Goldminen in genau
umgekehrter Weise wirksam wird.

Wenn zweitens eine Zunahme im Verbrauch des Goldes eintreten sollte
wie z. B. durch einen Wechsel in der Mode, so kann dies durch eine Ver-
mehrung m der Anzahl oder in der Größe der Abflüsse aus Gb dargestellt
werden. Das Ergebnis ist dann ein allmähliches Abfließen aus dem Barren-
goldreservoir und infolgedessen eine Inhaltsverminderung des Umlaufs-
mittelreservoirs; es tritt nun eine Erhöhung in der Kaufkraft des Goldes
ein, der schließlich durch eine Zunahme der Förderung aus den Minen und
auch durch Abnahme des Konsums Einhalt geboten wird. Wenn die erhöhte
Produktion und der verminderte Verbrauch einander gleichkommen, ist das
Gleichgewicht wieder erreicht.

Wenn die Verbindung zwischen dem Umlaufsmittel- und dem Barrengold-
reservoir mittelst eines Ventils abgesperrt wird, d. h. wenn die Münzstätten
geschlossen werden, so daß das Barrengold nicht in das gemünzte Gold
fließen kann (dem seinerseits ein Rückströmen ins Barrengold nicht ver
wehrt wird), dann wird die Kaufkraft des Goldes als Geld eine größere wer-
        <pb n="107" />
        ﻿88

VI. Kapitel.

den, als dessen Wert als Barrengold ist. Jede Zunahme in der Produktion
des Goldes wird darauf gerichtet sein, nur das Barrengoldreservoir zu füllen
und den Abstand der Oberfläche von der Linie oo zu verringern, d. h. den
Wert des Barrengoldes zu erniedrigen. Die Oberfläche der Flüssigkeit in
dem Geldreservoir wird der Linie oo nicht näher gebracht. Sie kann bei all-
mählichem Verlust sogar noch weiter von ihr entfernt werden. Mit anderen
Worten: die Kaufkraft des Geldes wird durch ein solches Ventil gänzlich
unabhängig vom Werte des Barrengoldes gemacht, woraus es zuvor erzeugt
worden ist.

Ein Beispiel für dieses Prinzip ist in der Geschichte der Silberumlaufs-
mittel in Indien zu finden. Nach langen Verhandlungen wurden im Jahre
1893 die indischen Münzstätten dem Silber verschlossen. Vor jener Zeit
folgte der Wert des gemünzten Silbers genau dem Werte des Barren -
silbers; die Schließung der Münze brachte jedoch sofort eine Abweichung
zwischen den beiden hervor. Die Rupie ist seitdem vom Silber unab-
hängig geblieben, und während der ersten sechs Jahre — bis 1899 — war sie
auch unabhängig vom Gold. Das gegenwärtige Verhältnis der Rupie zum
Gold soll im nächsten Kapitel erörtert werden.

Wir haben nun, mit Ausnahme einer einzigen, alle von außen kommen-
den Einwirkungen auf die Verkehrsgleichung untersucht. Diese eine besteht
im Charakter des Geld- und Banksystems, der die Quantität des Geldes und
der Depositen berührt. Eine spezielle Erörterung dieses Punktes behalten
wir uns für das nächste Kapitel vor. Inzwischen ist es noch bemerkenswert,
daß fast alle entweder die Quantität oder die Umlaufsgeschwindigkeiten
berührenden Einwirkungen sich hauptsächlich in der Richtung einer Preis-
erhöhung geltend gemacht haben und sich noch immer geltend machen. Fast die
einzige entgegengesetzte Einwirkung übt die Steigerung des Handelsvolumens
aus, doch wird diese teilweise durch erhöhte, der Zunahme des Handels
selbst zuzuschreibende Umlaufsgeschwindigkeiten neutralisiert. Hierbei
muß bemerkt werden, daß sich einige der in diesem und dem vorhergehenden
Kapitel erörterten Einwirkungen auf mehr als eine Weise geltend machen.
Nehmen wir z. B. technisches Wissen und Erfindung, die durch eine Steige-
rung des Handelsvolumens auf die Verkehrsgleichung einwirken. Insofern
als diese den Handel vergrößern, besteht eine Tendenz zu einer Preiser-
niedrigung; insofern sie aber die Metallurgie und die anderen Gewerbe, die die
Produktion erhöhen und den Transport der Edelmetalle erleichtern, zur
Entwicklung bringen, tragen sie zu einer Erhöhung der Preise bei. Sofern
Technik und Erfindungen den Transport und die Übertragung des Geldes
und der Depositen rascher gestalten, führen sie ebenfalls eine Steigerung
        <pb n="108" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

89

der Preise herbei. Sofern sie zur höheren Entwicklung des Bankwesens
führen, bringen sie gleicherweise eine Steigerung der Preise hervor, und zwar
durch die Vermehrung des Depositenumlaufs (G') und ebenso durch die Er-
höhung der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes wie der Depositen. Soweit
sie zur Konzentration der Bevölkerung in den Städten führen, erhöhen sie
die Preise durch Beschleunigung der Zirkulation.

Schließlich herrscht eine Tendenz zu einem Fallen der Preise, insofern
als sich durch diese oder jene Ursache der Umsatz pro Kopf der Bevölkerung
vergrößert. Das Endergebnis der Entwicklung der Gewerbe während
einer gewissen Zeitperiode hängt davon ab, nach welcher Richtung sich vor-
wiegend die Gewerbe entwickeln.

VII.	Kapitel.

Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

§1.

Bisher haben wir die die Kaufkraft des Geldes bestimmenden Ein-
wirkungen erörtert, bei denen das in Umlauf befindliche Geld durchgehend
von Einer Gattung ist. Die im vorhergehenden Kapitel gegebene Illustration
lehrt, wie der Geldmechanismus arbeitet, wenn ein einziges Metall in Ge-
brauch ist. Wir haben nun die Geldsysteme zu untersuchen, bei welchen
mehr als eine Art Geld in Anwendung kommt.

Eine der ersten Schwierigkeiten in der frühesten Geschichte des Geldes
bestand darin, zwei oder mehr Metalle im Umlauf zu erhalten. Wurde eins
der beiden Metalle billiger als das andere, so vertrieb das billigere Metall das
teurere. Diese Tendenz wurde ungefähr im Jahre 1366 von Nicolas Oresme,
dem nachmaligen Bischof von Lisieux in einem Bericht an Karl V. von
Frankreich und von Kopernikus um 1526 in einem für Sigismund I, König
von Polen geschriebenen Bericht oder Traktat erwähnt1). Macleod gab,
bevor er von den früheren Formulierungen von Oresme und Kopernikus* 2)
erfuhr, in seinen im Jahre 1857 veröffentlichten Elements of Political Eco-
nomy 3) zu Ehren von Sir Thomas Gresham, welcher das Prinzip in der Mitte

1)	Henry Dunning Macleod, Tlie Eistory of Economics, New York (Putnam), 1896,
S. 37 u. 38.

2)	Macleod, a. a. 0. S. 38 u. 39.

3)	S. 477.
        <pb n="109" />
        ﻿90

VII. Kapitel.

des sechzehnten Jahrhunderts darlegte, dieser Tendenz den Namen „das
Greshamsche Gesetz“ (Gresham’s Law). Die Tendenz scheint tatsächlich
sogar von den alten Griechen erkannt worden zu sein, denn sie wird in den
„Fröschen“ von Aristophanes erwähnt1):

„Häufig will mir’s scheinen daß bei uns daheim so, wie im Feld,

In betreff der Gentlemen unter uns sich’s so verhält,

Wie mit unsrer alten Münze und dem neuen goldnen Geld.

Nämlich jene nicht, die wahrlich weder falsch ist noch zu leicht.

Sondern unter allen Münzen stets die beste, wie mir däucht,

Und als einzig vollgeprägte und bewährte im Metall,

Geltung hat bei allen Griechen und Barbaren überall,

Diese nicht mehr braucht ihr, sondern jene gleißnerische Bronze
Jenen ärgsten Schlag von Münzen, erst seit gestern aus der Bonze.“

Das Gresham- oder Oresmesche Gesetz wird gewöhnlich in der
Form von: „Schlechtes Geld vertreibt gutes Geld“ ausgedrückt, denn
es ist gewöhnlich beobachtet worden, daß das abgenützte, entstellte,
untergewichtige, gekippte, gewippte („sweated“) sowie auf andere
Weise verschlechterte Geld die vollwichtigen, neu gemünzten Stücke
vertrieben hat. Diese Formel trifft jedoch nicht völlig zu. Es ist
nicht wahr, daß „schlechte“ Münzen, wie abgenützte, verbogene, ver-
unstaltete oder selbst gekippte Münzen, anderes Geld gerade deshalb
vertreiben, weil sie sich in abgenütztem, verbogenem oder gekipptem
Zustande befinden. Korrekt formuliert lautet das Gesetz einfach: Das
billige Geld vertreibt das teure. Der Grund, daß von zwei Geldarten das
billigere die Oberhand gewinnt, liegt darin, daß die Wahl zwischen den Geld-
sorten vorwiegend bei dem liegt, der das Geld ausgibt, nicht bei dem, der es
empfängt. Jemand der die Wahl hat, seine Schulden in der einen oder
anderen von zwei Geldarten zu bezahlen, wird ökonomischerweise hierzu
das billigere der beiden benutzen. Wenn die Initiative und die Wahl in der
Hauptsache bei der Person läge, die das Geld empfängt, so würde der um-
gekehrte Fall eintreten. Das teurere oder „gute“ Geld würde dann das
billigere oder „schlechte“ Geld vertreiben.

Was wird nun aus dem teureren Gelde ? Es kann thesauriert werden,
in den Schmelztiegel oder ins Ausland gehen, — thesauriert und geschmolzen
des Gewinnes halber und ins Ausland gesandt, weil beim Auslandshandel
der Ausländer, der das Geld empfängt, und nicht wir, die es geben, darüber
entscheiden, welche Art Geld er akzeptiert. Er wird nur das beste nehmen,
denn er ist durch unsere Währungsgesetzgebung nicht gebunden.

D V. 718—732, Übersetzung von Joh. Gust. Droysen.
        <pb n="110" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

91

Denkbarerweise kann das bessere Geld im Umtausch mit einem Agio,
d. h. zu seinem Barrenwerte, benutzt werden; die Schwierigkeiten aber,
Zahlungen damit so vorzunehmen, daß beide Parteien sich zufriedengeben,
sind derartig, daß es in der Praxis nie in großem Umfang dazu kommt.
Tatsächlich ist der Einfluß des Greshamschen Gesetzes so groß, daß ihm
sogar die Bequemlichkeit einer ganzen Nation geopfert wird. So trieb vor
fünfzehn Jahren die übermäßige Ausgabe von Papiergeld in Italien nicht nur
das Gold sondern auch Süber und Kupfer über die Alpen. Diese konnten
in Südfrankreich zum gleichen Werte wie die entsprechenden dortigen
Münzen zirkulieren, weil Frankreich und Italien zur Lateinischen Union
gehören Infolgedessen blieb eine Zeitlang sehr wenig Kleingeld unter dem
Betrage der 5-Lire-Noten übrig. Es war den Käufern in Detailgeschäften
oft unmöglich, ihre Einkäufe zu besorgen, weil ihnen das nötige Kleingeld
fehlte und auch der Kaufmann hatte es nicht und konnte daher nicht
wechseln. Um der mißlichen Lage abzuhelfen, wurden 30,000,000 Noten
zu 1 Lire ausgegeben, und es herrschte eine so große Nachfrage danach, daß
man ein Agio dafür zahlte.

Das Greshamsche Gesetz bezieht sich nicht nur auf zwei konkurrierende
Geldarten aus ein- und demselben Metall, sondern überhaupt auf alles Geld,
welches gleichzeitig zirkuliert. Bis zu der Zeit, wo das „Reifein“ der Münz-
ränder erfunden und seitens der Münzstätten ein „Remedium“ (eine Grenze,
innerhalb welcher eine Abweichung vom gesetzlichen Schrot und Korn er-
laubt ist) angenommen wurde, traten dadurch, daß das Kippen (clipping)
und Münzenverschlechterung etwas ganz Gewöhnliches war, große Ver-
wirrungen ein. Heutzutage hört jedoch jede Münze, deren Gewicht durch
Feingehaltsverschlechterung oder durch Kippen merklich herabgesetzt
worden ist, auf, gesetzliches Zahlungsmittel zu sein und, indem sie aus
diesem Grunde allgemein zurückgewiesen wird, nimmt ihre Geldfunktion
ein Ende. Innerhalb der gebräuchlichenx) oder gesetzmäßigen Schranken
des Remediums indessen — d. h. solange das billigere Geld die „Geld“-
funktion beibehält — vertreibt es das teurere.

§2.

Die natürliche Folge des Greshamschen Gesetzes ist eine Abnahme der
Kaufkraft des Geldes bei jeder Gelegenheit. Die Geschichte der Umlaufs-
mittel der Welt ist zum großen Teil eine Chronik von oft lediglich auf

i) Die Verkehrsusancen sind zuweilen weniger streng als das Gesetz. In Califomien
z. B. zirkulieren abgenützte und unter der Toleranzgrenze befindliche Goldmünzen weiter.
Sie werden „Bankgold“ genannt.
        <pb n="111" />
        ﻿92

VII. Kapitel.

das Geheiß des Staatsoberhauptes ausgeführten Geldverschlechterungen.
Bei der Betrachtung des Greshamschen Gesetzes haben wir nun unser Haupt-
augenmerk auf die klarere Erkenntnis der Ursachen zu richten, welche die
Kaufkraft des Geldes unter den der Wirkung des Greshamschen Gesetzes
unterworfenen Geldsystemen bestimmen. Das erste Paradigma bildet der
Bimetallismus.

Um den Einfluß eines Geldsystems auf die Kaufkraft des Geldes gründ-
lich zu verstehen, müssen wir zuerst wissen, wie das System arbeitet1). Es
ist in Abrede gestellt worden, daß sich der Bimetallismus jemals bewährt
hat, oder daß er sich überhaupt bewähren kann, weil das billigere Metall stets
das teurere vertreibt. Unsere erste Aufgabe ist, ohne irgendwelche Rück-
sicht auf die Frage, ob der Bimetallismus wünschenswert ist, zu beweisen, daß
er sich unter ganz bestimmten Umständen „bewähren“ kann, aber nicht
unter anderen. Um klarzumachen, wann sich der Bimetallismus bewährt
und wann nicht, wollen wir das im letzten Kapitel benützte Schaubild 1 2), in
welchem die Quantität des Barrengoldes durch den Inhalt des Reservoirs Gb
dargestellt ist, noch weiter anwenden. (Figur 6 und 7.) Genau wie vorher
stellen wir die Kaufkraft oder den Wert des Goldes dar durch die Entfernung
vom Niveau des Wassers unter dem Niveau der Nullpunkte bzw. oo. Die Figur
im letzten Kapitel veranschaulichte nur ein Metall, nämlich Gold, und zwar
in zwei Reservoirs, im Barrengold- und im Goldmünzenreservoir. Wir wollen
nun Schritt für Schritt diese Figur ausarbeiten. Zuerst fügen wir, wie aus
Figur 6 ersichtlich, ein Reservoir für Barrensilber (Sb) hinzu, welches in
Größe und Form von dem Reservoir Gb etwas ab weicht. Wir benützen
dieses Reservoir, um das Verhältnis zwischen dem Werte oder der Kauf-
kraft des Silbers sowie dessen Quantität in der Industrie und als Barren-
silber zu zeigen. Wir haben es also hier mit drei Reservoirs zu tun. Das
Silberreservoir bleibt zunächst gänzlich isoliert, später werden wir es aber
mit dem mittleren verbinden. Für den Augenblick wollen wir annehmen,
daß das mittlere Reservoir, welches Geld enthält, nur mit aus Gold ge-
münztem Gelde gefüllt ist (Figur 6 a), da noch kein Silber als Geld
fungiere. Mit anderen Worten: Das im letzten Kapitel erörterte Geld-
system wird beibehalten; wir haben es nur insoweit verändert, als wir
der Zeichnung ein weiteres Reservoir, (8b), hinzugefügt haben, das, gänzlich

1)	Irving Fisher, „The Mechanics oj Bimetallism“, London, Economic Journal,
September 1894, S. 527—536.

2)	In der vorliegenden Anwendung gleicht es einigermaßen einer von Jevons in
seinem Money and the Mechanism of Exchange, New York (Appleton), 1896, S. 140, an-
geregten Versinnbildlichung.
        <pb n="112" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

93

Fig. 6.

Silber Wenn z. B. ein Silberdollar 16 Gran Silber für jedes Gran Gold
in einem Golddollar enthält, so wird dieses Verhältnis 16 zu 1 genannt.
Unter diesem System hat ein Schuldner, wenn er durch seinen Kontrakt
nicht auf andere Weise gebunden ist, die freie Wahl, Zahlung entweder in
Gold- oder in Silbergeld zu leisten. Tatsächlich sind die zwei Bedingungen
des vollkommenen Bimetallismus folgende: 1. die freie und unbeschränkte
Ausmünzung beider Metalle zu einem festgesetzten Verhältnis und 2. die un-
besChränkte&amp;gesetziiche Zahlungskraft jedes Metalls zu diesem Verhältnis *).

i) Die Möglichkeit der Festsetzung eines Verhältnisses zwischen Gold und Silber
seitens der Regierung, dem das Marktverhältnis sich anzupassen hat, ist Gegenstand so

abgesondert von den anderen, die Quantität und den Wert des Barrensilbers
darstellt.

Nunmehr nehmen wir an, daß zur Rechten ein Rohr, durch welches
das Sb-Reservoir mit dem Geldreservoir verbunden ist, geöffnet wird; d. h.
wir führen den Bimetallismus ein. Bei Bimetallismus öffnen die Regierungen
ihre Münzstätten der freien Münzprägung beider Metalle zu einem fest-
gesetzten Verhältnis, d. h. zu einer ständigen Relation zwischen Gold und
        <pb n="113" />
        ﻿94

VII. Kapitel.

Diese neuen Bedingungen sind in Figur 6 b (und später in Figur 7 b), in der
das Silber durch ein Bohr in das Geld- oder Zentralreservoir geleitet wird,
veranschaulichtx).

Es sind nicht die Verhältnisse zwischen den Minen, den Barren und
den gewerblichen Verwendungen, welche wir nunmehr zur Darstellung
bringen, sondern diejenigen zwischen Barren (zwei Arten) und Münzen.
Wir können daher für jetzt, mit Ausnahme der Verbindungen zwischen den
beiden Barrenreservoirs und dem Münzreservoir, alle Zuflüsse und Abflüsse
unberücksichtigt lassen.

Wie bereits erwähnt, stellen nun die Abstände der Oberflächen dieser
Beservoirs unter oo die Kaufkraft des Goldes und des Silbers dar. Jede
Silbereinheit (sagen wir, jeder Tropfen Silberflüssigkeit, gleichgültig ob in
Geld oder in Barren) enthält jedoch sechzehnmal soviel Gran als jede Gold-
einheit (sagen wir, jeder Tropfen Goldflüssigkeit, gleichgültig ob in Geld
oder in Barren). Das heißt, eine Einheit Wasser repräsentiert einen Dollar
in Gold oder einen Dollar in Silber. Es ist die relative Kaufkraft der über-
einstimmenden Einheiten, welche wir zur Darstellung bringen wollen.

Die Wassermengen, welche Gold- und Silbergeld vorstellen, sind durch
einen beweglichen Filjn (/) getrennt. In Figur 6 a befindet sich dieser Film
zur äußersten Kechten; in Figur 6 b zur äußersten Linken; in Figur 7a wieder
zur Bechten und in Figur 7b in der Mitte. Die a-Figuren stellen die Sachlage
dar, bevor die Münzstätten dem Silber erschlossen wurden. Die b-Figuren
diejenige, nachdem sie geöffnet worden sind und das Greshamsche Gesetz
gewirkt hat. Wenn gerade vor der Einführung des Bimetallismus das Niveau
des Silbers in Sb unter dem Niveau des Goldes in Gb liegt, wird das
den Bimetallismus einführende Gesetz unwirksam, d. h. das Barren-
silber wird nicht sozusagen bergauf in das Geldreservoir fließen; wenn hin-
gegen, wie in Figur 6 a oder 7 a angezeigt, das Niveau des Silbers höher ist,
dann wird dieses, sobald die Münzstätten dem Silber geöffnet sind, in die
Zirkulation fließen. Da es anfangs billiger als Gold ist, so drängt es das Gold-
geld durch das Bohr zur Linken (d. h. durch Schmelzen) auf den Barrenmarkt

erbitterten Streites gewesen, daß außer dem im Text enthaltenen positiven Argumente
noch eine negative Kritik der u. E. diesen Streitfragen zugrunde liegenden Haupttrug-
schlüsse in § 1 des Anhanges zu diesem (VII.) Kapitel anhangsweise folgt.

x) Eine Einheit Wasser stellt natürlich Gold und Silber in ihren Münzgewichten dar.
Wenn das bimetallische Verhältnis 16 zu 1 ist, so müssen die Zisternen derart konstruiert
sein, daß ein Kubikzoll Wasser eine Unze Gold oder 16 Unzen Silber darstellt, und daß die
Anzahl der Zoll, welche die Elüssigkeitsoberflächen von oo trennen, den Grenznutzen einer
Unze Gold bzw. von 16 Unzen Silber vorstellt.
        <pb n="114" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

95

hinaus. Diese Verdrängung des Goldes kann, laut Figur 6b, eine voll-
ständige oder, wie in Figur 7b, eine teilweise sein. Die Verdrängung
hält gerade solange an, als es eine Prämie auf Gold gibt; d. h. solange,
als das Niveau des Silbers im Barrenreservoir über dem Niveau des
Goldes im Geldreservoir steht, und zwar solange, als das Barrensilber
billiger als Goldgeld ist.

Kg- 7.

' Nehmen wir an, wie in Figur 6 a, mm sei das mittlere Niveau, d.h. stellen
wir uns das Niveau derart vor, daß das Volumen x über ihm den vereinigten
leeren Volumen y und z unter ihm gleichkommt. Diese Linie mm bleibt
das mittlere Niveau, wie die Verteilung des Inhaltes in die drei Reservoirs
auch immer sein mag. Sobald das Verbindungsrohr eingesetzt ist, fließt
das Silber in das Geldreservoir und tritt, dem Greshamschen Gesetz gemäß,
an die Stelle des Goldes.

Wir haben hier zwei Fälle zu unterscheiden: 1. wenn das Silber x über
der mittleren Linie mm den Gesumtiniialt des Geldres&amp;rvoiys untav dieser Z/inie
übersteigt; 2. wenn x geringer ist als der besagte unten befindliche Inhalt. Im
        <pb n="115" />
        ﻿96

VII. Kapitel.

ersten Falle ist es klar, daß das Silber, wie in Figur 6b veranschaulicht, in
welcher sich der Film von der äußersten Rechten zur äußersten Linken
fortbewegt hat, das Gold gänzlich aus der Zirkulation fegt. Der Inhalt
des Silbers im Barrenreservoir ist geringer als vorher und der Inhalt des
Goldes im Barrenreservoir größer als zuvor.

Diese Wiederverteilung ist jedoch nur die erste Wirkung der Zulassung
des Silbers zu den Münzstätten. Das Gleichgewicht zwischenProduktion und
Konsumtion ist für Gold wie auch für Silber gestört worden. Einerseits
hat der erhöhte Wert des Silbers (das erniedrigte Niveau in 8b) die Pro-
duktion angespornt, indem Silberminen (die ungedeckten Zuflüsse zur
Rechten) in Betrieb gebracht wurden; anderseits hat der herabgesetzte
Wert des Goldes (das erhöhte Niveau in Gb) die Goldproduktion entmutigt
und die Goldminen (die gedeckten Zuflüsse zur Linken) stillgelegt. Gleiche
Änderungen werden in den Abflüssen, d. h. im Verbrauch, Abgang und in
der Absorption eines jeden Metalls bewirkt.

Das Ergebnis ist, daß die von der ersten Wiederverteilung herrührenden
Niveaus nicht unbedingt dauernde sind. Sie können auf ihre entsprechenden
ursprünglichen Niveaus zurückgehen, und sie werden es unter allen normalen
Verhältnissen auch tun. Auf jeden Fall aber — und auf diesen Punkt muß
Nachdruck gelegt werden — können sie nicht gänzlich auf diese Niveaus
zurückkehren. Eine solche Annahme würde unhaltbar sein, wie die folgende
Beweisführung zeigt: Nehmen wir für den Augenblick an, daß das Silber
auf sein ursprüngliches Niveau zurückkehrt. Dann würde der Silberzufluß
(Produktion) auch auf seine ursprüngliche Rate, die von dem Silberniveau
abhängt, zurückgehen, dagegen würde der Abfluß des Silbers (Verbrauch,
Abgang usw.) größer als der ursprüngliche sein. Der Verbrauch im Gewerbe
würde der gleiche bleiben; der Verschleiß und die Absorption des Silbergeldes
bilden jedoch eine weitere Ableitung. Folglich wird nun die Konsumtion
(vorher der Produktion gleich) die Produktion übersteigen und das ursprüng-
liche hohe Niveau kann nicht beibehalten werden. Die Schlußfolgerung ist:
Das neue Niveau des permanenten Gleichgewichtes, wo es auch sein mag,
liegt unter dem früheren. Dasselbe Argument, mutatis mutandis, beweist,
daß das neue permanente Gleichgewichtsniveau für Gold über dem früheren
liegt. Der Abstand zwischen den beiden ursprünglichen Niveaus ist dem-
nach geringer geworden. Selbst wenn der Bimetallismus eine gleichzeitige
Zirkulation beider Metalle und eine Wertparität zu dem gegebenen Münz-
verhältnis nicht herbeiführen könnte, so hat er doch die Herabsetzung des
Wertes des teureren Metalls (Gold) und die Erhöhung des Wertes des billigeren
(Silber) zur Folge gehabt. Wir kommen auf dieses Resultat einer gegen-
        <pb n="116" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.	97

seitigen Annäherung bei der Erörterung des nachstehenden zweiten Falles
zurück.

§3.

Soviel von dem ersten Fall, in welchem x größer ist als der Inhalt des
Goldreservoirs unter mm. Im zweiten Falle wird angenommen, daß x
kleiner ist als der Inhalt des Goldreservoirs unter der Linie mm; d. h. es
ist nicht genügend Silber vorhanden, um das ganze Gold aus der Zirkulation
zu drängen. Unter diesen Umständen wird, wenn wir für den Augenblick
iede Änderung in der Produktion und Konsumtion außer acht lassen, das
Öffnen der Leitung — die Zulassung des Silbers zu den Münzstätten —
das ganze Flüssigkeitssystem auf das gemeinsame Niveau mm bringen. Mit
anderen Worten: Die Prämie auf Barrengold verschwindet (Figur 7b), und
dessen Kaufkraft sowie die Kaufkraft des Barrensilbers bilden die Mitte
zwischen der ursprünglichen Kaufkraft der beiden Metalle, und diese Mitte
ist der Abstand der mittleren Linie mm unter oo. Noch anders ausgedrückt:
Der Bimetallismus hat in diesem Falle Erfolg, d. h. er wird eine Zeitlang
zum gleichen Stande von Gold- und Silberdollar im Geldreservoir führen
und ihn aufrechterhalten.

Das soeben gefundene Gleichgewicht bedeutet aber lediglich einen Aus-
gleich der Niveaus, der durch eine Neuverteilung der in den verschiedenen
Reservoirs vorhandenen Gold- und Silbervorräte hervorgerufen wurde.
Es wird gestört, sobald die geringste Störung in diesen Vorräten eintritt.
Ein permanentes Gleichgewicht verlangt, daß die Vorräte die nämlichen
bleiben, — mit anderen Worten: Es verlangt für jedes Metall eine Gleichheit
von Produktion und Konsumtion. Es ist klar, daß weder die Produktion und
die Konsumtion des Goldes noch die Produktion und Konsumtion des
Silbers einander gleich zu sein brauchen, nachdem das Silber vom Reservoir
des Barrensilbers in das Geldreservoir eingeströmt ist. Genau wie in dem
im vorigen Abschnitt behandelten Fall wird dann derselbe Antrieb zur Silber-
produktion und dieselbe Entmutigung der Goldproduktion zutage treten.
Hieraus kann sich ergeben, daß das Gold vom Silber gänzlich verdrängt wird,
oder auch, daß es dem Silber nicht gelingt, dies zu bewirken.

Es gibt also zwei Möglichkeiten. Die eine, daß das Gold vollständig
verdrängt werden kann, liegt auf der Hand; es wird hierbei das gleiche
Resultat erzielt wie das bereits im unteren Teil der Figur 6 dargestellte.
Die zweite Möglichkeit ist, daß das Gold nicht verdrängt wird.

Die Existenz dieser zweiten Möglichkeit wird klar und deutlich, wenn
wir erst versuchen, sie zu leugnen. Nehmen wir also an, daß sich der Film /

Fisher, Kaufkraft des Geldes.
        <pb n="117" />
        ﻿zur äußersten Linken befindet, und daß schließlich ein permanentes Gleich-
gewicht hergestellt worden ist. Wir haben bereits gesehen, daß das
Niveau des Goldes niedriger und das des Silbers höher wird als zuvor.
Wieviel niedriger oder höher, hängt offenbar von den technischen Be-
dingungen der der Sachlage entsprechenden Produktion und Konsumtion
ab. Es ist natürlich nicht undenkbar, daß das Goldniveau soviel niedriger
und das Silberniveau soviel höher sein kann, daß ihr relativer Stand sich um-
kehrt, d. h. daß das Niveau des Goldes höher wird als das des Silbers. In
diesem Falle ist es aber ganz unmöglich, daß sich der Film / auf der linken
Seite befindet. Das nun billigere Gold flösse in die Zirkulation und ver-
drängte das Silber. Unter den von uns angenommenen Bedingungen kann
der Film auf keinem der beiden Extreme bleiben. Befindet er sich zur
Kochten, so ist das Silber billiger als Gold und wird den Film veranlassen
nach links zu gehen; gelangt er auf die linke Seite, so wird das Gold billiger
als das Silber und der Film wird nach rechts getrieben. Unter diesen Um-
ständen muß das Gleichgewicht, wie in Figur 7b, offenbar zwischen diesen
Extremen liegen. Die Produktions- und Konsumtionsbedingungen, unter
denen der Bimetallismus erfolgreich sein kann, sind daher: 1., daß unter dem
Silber-Monometallismus ein Golddollar im Gleichgewicht billiger als ein Silber-
dollar ist, und 2., daß unter dem Gold-Monometallismus das Silber billiger
als Gold zu stehen kommt. Deshalb muß ein bimetallisches Niveau, wenn
der Bimetallismus durchführbar sein soll, stets zwischen den Niveaus liegen,
w'elche die beiden Metalle unter Gold-Monometallismus angenommen haben
würden, bei welchem Gold und nicht Silber das Umlaufsmittel ist, und aus
denselben Gründen muß es zwischen den Niveaus liegen, welche die beiden
Metalle unter Silber-Monometallismus haben würden, bei dem Silber und
nicht Gold das Umlaufsmittel ist1). In unserer ganzen Beweisführung
haben wir ein gesetzliches Wertverhältnis zwischen den beiden Metallen
angenommen. Der zu dem einen Verhältnis unmögliche Bimetallismus ist
aber stets zu einem anderen möglich. Es wird stets zwei begrenzende Re-
lationen geben, zwischen denen der Bimetallismus möglich ist2).

Es ist klar, daß die Grenzen für eine Nation enger als für mehrere Na-
tionen sind, da das Umlaufsmittelreservoir für eine Nation kleiner ist als für
viele, während die Reservoirs der industriellen Verwendungen virtuell um
die Quantität der monometallischen Umlaufsmittel der übrigen Nationen
größer sind. Wenn der Bimetallismus bei einem gewissen Wertverhältnis

r) Es braucht aber nicht notwendig zwischen dem Währungsniveau unter dem Gold-
Monometallismus und seinem Niveau unter dem Silber-Monometallismus zu liegen.

*) Siehe § 2 des Anhanges zu diesem Kapitel (VII).
        <pb n="118" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

99

unhaltbar geworden ist, kann er stets zu einem anderen wieder in Tätigkeit
treten doch erfordert der Übergang eine Wertverringerung des Währungs-
geldes ’ Das einzige Mittel, das aus dem Umlaufsmittelreservoir abgegangene
Metall wieder einzuführen, ist eine Herabsetzung der Quantität dieses Metalls
in der Geldeinheit — wenn nicht die noch drastischere Maßnahme ergriffen
wird, das Münzgewicht des bereits in Zirkulation befindlichen Geldes zu

erhöhen.^ ^ daran zu erhmeni) daß zwei Nationen einen Bimetallismus

zu zwei verschiedenen Wertverhältnissen nicht beiderseits aufrechterhalten
können wenn der Unterschied in den Relationen nicht geringer ist als die
Transportkosten Die eine der beiden Nationen würde das Metall, das sie
unterwertet hat, verlieren und sich dann selbst auf einer monometallischen
Basis befinden.

Es sollen noch einige weitere Bemerkungen hinzugefugt werden. Das
zeitweilige und das normale Gleichgewicht, die beide getrennt behandelt
wurden, sind zeitüch tatsächlich ganz voneinander geschieden. Nach Ein-
setzung des neuen Systems hängt die Zeit der Wiederverteilung der vor-
handenen Metallvorräte von der Schnelligkeit des Transports, des Schmelzens
und des Ausmünzens ab und wäre nach Wochen oder Monaten zu bemessen.
Das normale Gleichgewicht hängt aber von den langsam wirkenden Ände-
rungen in den Produktions-und Konsumtionsraten ab und wäre nach Jahren
zu bemessen. Einmal erreicht, hält das normale Gleichgewicht solange an,
als sich die Produktions- und Konsumtionsbedingungen nicht ändern.
Geringe Abänderungen dieser Bedingungen — die Erschöpfung von Minen,
die Entdeckung neuer Adern usw. — verursachen leichte wechselweise
Veränderungen in den Verhältnissen des Gold- und Silbergeldes, d. h. in
der Stellung des Films /. Die Schwankungen dieses Films (und nicht die
der Preisrelation, wie in dem Fall von zwei nicht miteinander in Verbindung
stehenden Waren) spiegeln diese wechselnden Zustände wieder. Aller
Wahrscheinlichkeit nach wird dieser Film jedoch früher oder später einen
seiner Grenzpunkte erreichen. Die mutmaßliche Zeit für das Eintreten
eines solchen Falles ist aber sehr lang. Die Goldumlaufsmittel der Welt
belaufen sich auf ungefähr 5,000,000,000 Dollar; zum jetzigen Marktpreis
berechnet beträgt die jährliche Silberproduktion ungefähr 100,000,000
Dollar. Nähme man an, es würde ein System des internationalen Bi-
metallismus im Verhältnis von 36 zu 1 eingeführt, das sich im Anfang in
normalem Gleichgewichte befindet, so läßt sich die Wirkung einer enormen,
sagen wir, doppelten Zunahme in der Silberproduktion, also um 50,000,000
Dollar, in Erwägung ziehen. Es würde dann ein Zeitraum von hundert

7*
        <pb n="119" />
        ﻿100

VII. Kapitel.

Jahren nötig sein, um das Gold hinauszutreiben, ohne die Tatsache in An-
schlag zu bringen, daß der Überschuß der Produktion über die Konsumtion
beständig abnimmt, während das Verdrängen des Goldes fortschreitet.
Wenn dieser Überschuß gleichmäßig von 50,000,000 Dollar auf Null zu-
sammenschrumpfen sollte, so würde die Zeitperiode die doppelte sein, also
200 Jahre. Wird zu diesen Erwägungen der Umstand hinzugefügt, daß,
während der Antrieb zur Produktion des einen Metalls rasch wirkt, das
sich ergebende Abflauen in der Produktion des anderen Metalls, infolge
des fixen Charakters des einmal investierten Kapitals, langsamer eintritt,
und daß daher die Menge der Umlaufsmittel schließlich größer ist als am
Anfänge; wird ferner der Umstand hinzugefügt, daß das Umlaufsmittel-
reservoir selbst sich beständig erweitert, und schließlich der Umstand, daß
Schwankungen in der Produktion nach beiden Eichtungen und für beide
Metalle wahrscheinlich sind, so können wir ziemlich sicher sein, daß der
internationale Bimetallismus während mehrerer Generationen von Erfolg
begleitet wäre, wenn er lei einer Filmstellung nahe der Mitte anfangs erfolg-
reich ist. Der anfängliche Erfolg hängt, wie wir gesehen haben, von der
dekretierten Kelation ab.

Es ist zu beachten, daß der Bimetallismus ein geringes Agio nie ver-
meiden kann. Andrerseits liefert gerade dieser Unterschied in den
Niveaus die Kraft, die die Schwankung von einem Punkt des Gleich-
gewichtes zu dem anderen erzwingt1).

Während einer Keihe von Jahren bleibt das bimetallistische Niveau in
der Mitte zwischen den wechselnden Niveaus, die die zwei Metalle getrennt
voneinander annehmen würden. Der Bimetallismus breitet die Wirkung
einer einzigen Schwankung über die vereinigten Gold-und Silbermärkte aus1 2).

1)	Solange das Agio besteht, wird das billigere Metall zweifellos etwas schneller und
das teurere etwas langsamer zirkulieren, als wenn es kein Agio gibt. Dies kann, wenn er-
forderlich, dadurch dargestellt werden, daß man sich die Stärke der Flüssigkeitsmenge im
Umlaufsmittelreservoir auf der einen Seite von / abnehmend und auf der anderen Seite
wachsend denkt, indem ein Metall „weitergehender“ gemacht wird als unter normalen
Verhältnissen (mehr Fläche in dem Diagramm bedeckend) und die Bewegung des / zum
Gleichgewichtspunkte beschleunigt. Auf die geringere Umlaufsgeschwindigkeit (Zunahme
an Stärke der Flüssigkeitsmenge), welche im „Thesaurieren“ ihren Hauptfaktor findet,
kommen wir nachstehend zurück.

2)	Um die stetigende Einwirkung auf eine einzelne Schwankung hin darzustellen,
bemerken wir, daß unter dem Bimetallismus die drei Reservoirs als ein einziges tätig sind.
Im Vergleich zum Monometallismus vermindern sich daher die Schwankungen umgekehrt
proportional zur Flüssigkeitsoberfläche, über die sich die Schwankungen ausbreiten. Wenn
also die vereinigten Breiten der zwei linken Reservoirs (auf Niveauhöhe gemessen) zwei
Drittel der vereinigten Breiten aller drei sind, dann würde ein Goldzufluß, der, nur über
        <pb n="120" />
        ﻿Y

Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

Die stetigende Kraft des Bimetallismus hängt von den Breiten der Reservoirs
und nicht von der Position des Films / ah. Sie bleibt in voller Stärke, gleich-
gültig welches die Proportionen des Gold- und Silbergeldes sein mögen und
ist ebenso groß, wenn nur eine Nation bimetallistisch wird, wie wenn die
ganze Welt das System annimmt. Selbst wenn die Schweiz allein ein System
des Bimetallismus erfolgreich betriebe, würde es bis zu seinem Zusammen-
bruch die Umlaufsmittel der ganzen Welt Zusammenhalten und ausgleichen,
wo immer auch Gold oder Silber die Währung wäre. Tatsächlich würde die
ganze Welt all den Nutzen, den die Schweiz durch den Bimetallismus ge-
nießt ohne dessen Übel und Gefahren mitgenießen. Diese internationale
Funktion würde, sobald das System des Bimetallismus versagte, plötzlich

aufhören.	,

Es ist darauf hinzuweisen, daß die behauptete ausgleichende Wirkung
nur relativ ist. Es ist denkbar, daß ein Metall allein für sich noch stetiger
sein würde, als wenn es dem anderen angeschlossen wird. In einem
späteren Kapitel wollen wir untersuchen, bis zu welchem Grade dieser
Ausgleich von Vorteil ist. Hier beschränken wir uns darauf, bloß die mechani -
sehe Wirksamkeit des bimetallistischen Systems zu veranschaulichen1).

§4.

Der Bimetallismus ist heutzutage nur noch Gegenstand historischen
Interesses. Er wird nicht mehr praktisch angewandt, doch hat seine frühere
Herrschaft in vielen Ländern, Frankreich und die Vereinigten Staaten inbe-
griffen, ein Geldsystem hinterlassen, welches zuweilen die „hinkende“ Wäh-
rung genannt wird. Eine solche kommt zustande, wenn in einem System
des Bimetallismus, bevor das eine der beiden Metalle das andere gänzlich
vertreiben kann, die Münzstätte dem billigeren von beiden verschlossen,
aber das bis zu diesem Tage gemünzte Geld nicht einberufen wird.
Nehmen wir an, daß es das Silber ist, das, wie in Frankreich und in den Ver-

die zwei Reservoirs verteilt, eine Schicht von einem Zentimeter Tiefe ausmachen würde,
über die drei Reservoirs verteilt, eine Tiefe von zwei Dritteln eines Zentimeters haben.
Da das rechte Reservoir gleichfalls ein Drittel der Gesamtweite hat, würde eine Schwan-
kung von einem Zentimeter Silber, wenn es bloß Ware ist, auf ein Drittel eines Zentimeters
herabgesetzt werden, wenn die Verbindung mit dem Geldreservoir aufrechterhalten wird.
Die Breiten des Reservoirs, die hier die wichtigste Rolle spielen, sind die Rate der Zunahme
der Ware im Verhältnis zur Verminderung des Grenznutzens. Das Gesetz der umgekehrten
Breiten bezieht sich mit Genauigkeit nur auf statische oder raschvorübergehende Wieder-
anpassungen.

1) Vgl. Leonard Darwin, Bimetcillh&amp;m, London (Murray), 1897, S. 341; Bertrand
Nogaro, ,,L'expörience timHalliste“, Revue d'economie poliiv[ue, 1908.
        <pb n="121" />
        ﻿102

VII. Kapitel.

einigten Staaten, auf diese Weise ausgeschaltet wurde. Alles in diesem Me-
tall bereits geprägte und in Zirkulation befindliche Geld wird zu Pari mit
Gold im Umlauf gehalten. Diese Parität kann festgehalten werden,
selbst wenn beschränkte weitere Silberquantitäten von Zeit zu Zeit
geprägt werden. Es wird sich dann eine Differenz im Werte des Barren-
silbers und des gemünzten Silbers ergeben, wobei die Silbermünzen
überwertet werden. Diese Situation ist in Figur 8 dargestellt. Hier
ist das Verbindungsrohr zwischen dem Geld- und dem Barrensilber-
reservoir sozusagen abgeschnitten, oder, wir wollen sagen, durch ein Ventil,
das den Durchgang des Silbers vom Barrenreservoir in das Geldreservoir

Fig. 8.

verhindert, abgesperrt worden, was aber nicht umgekehrt der Fall sein
kann, denn kein Gesetz kann je ein Schmelzen der Silbermünzen in Barren-
silber verhindern. Neu gewonnenes Silber kann nun nicht Geld werden und
so die Kaufkraft des Geldes erniedrigen.

Andererseits wird der Umlaufsmittelwert, und zwar nicht nur der Wert
des Goldes, sondern auch der des gleichzeitig zirkulierenden überwerteten
Silbers durch fortgesetzte neue Goldzuflüsse nach wie vor beeinflußt.
Wenn mehr Gold in das Geldreservoir fließt, so erhöht es das Umlaufsmittel-
niveau. Steigt dieses Niveau jemals höher als das Niveau des Barrensilber-
reservoirs, so fließt das Silber vom Geldreservoir in das Barrenreservoir,
denn der Durchgang ist nach dieser Richtung (d. h. durch das Schmelzen)
stets frei. Solange sich jedoch das Umlaufsmittelniveau unter dem Silber-
niveau befindet, d. h. solange als das geprägte Silber einen größeren Wert
hat als das ungeprägte, wird es ein Fließen des Silbers in der einen oder
anderen Richtung nicht geben. Nach der einen Richtung wird das Fließen
durch die gesetzliche Untersagung verhindert, und nach der anderen Rich-
tung sind es die Gesetze der relativen Niveaus, welche das Fließen verhindern.
        <pb n="122" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

103

In dem soeben erörterten Falle ist der Wert des geprägten Silbers dem
Werte des Goldes zur gesetzlichen Relation gleich. Genau dasselbe Prinzip kann
auf eine jede Geldart, deren Münzwert größer ist als der Wert des Materiales,
welches das Geld konstituiert, angewandt werden. Betrachten wir z. B.
das Papiergeld. Solange es das unterscheidende Merkmal des Geldes hat
- allgemeine Annahme zum gesetzlichen Werte - und in seiner Quantität
beschränkt ist wird der Wert desselben gewöhnlich dem des gesetzlichen
Äquivalentes in Gold gleich sein. Wenn die Quantität dieses Papiergeldes
unbegrenzt zunimmt, so wird es allmählich das ganze Gold hinausdrängen
und das Geldreservoir völlig ausfüllen, genau so wie das Silber unter dem
Bimetallismus es tun würde, wenn seine Produktion in genügend großen
Quantitäten erfolgte. In gleicher Weise würde Kreditgeld und Kredit in
Form von Bankdepositen diese Wirkung ausüben. Soweit sie in Gebrauch
sind verringern sie die Nachfrage nach Gold, setzen dessen Wert als Geld
herab und führen dazu, daß mehr Gold in die industriellen Verwendungs-
gebiete oder in andere Länder zieht.

Solange die Quantität des Silbergeldes oder des Zeichengeldes wie
z. B. des Papiergeldes zu gering ist, um das Gold vollständig zu verdrängen,
wird das Gold in Zirkulation verbleiben. Der Wert des anderen Geldes kann
in diesem Fall nicht unter den des Goldes sinken. Denn sollte dies geschehen,
so würde dieses andere Geld, zufolge des Greshamschen Gesetzes, das Gold
verdrängen, was wir mangels genügender Quantität als nicht ausführbar
angenommen haben. Die Parität zwischen Silbermünzen und Gold ist daher
unter der hinkenden Währung nicht notwendigerweise von einer Einlösbar-
keit in Gold abhängig, sondern sie kann allein aus einer Einschränkung in
der Quantität der Silbermünzen resultieren. Eine solche Einschränkung
genügt gewöhnlich, um eine Parität trotz der Nichteinlösbarkeit zu be-
haupten. Dies trifft indessen nicht immer zu; denn wenn die Leute
zu irgendeiner Form uneinlösbaren Papieres oder Geldwertzeichen das
Vertrauen verlieren, selbst wenn nicht zuviel davon ausgegeben worden
ist, kann es im Werte sinken und in Geldform beinahe ebenso billig sein
als sein Rohstoff. Ein Mann ist, solange er das Vertrauen hat, daß
jeder andere willens ist, dasselbe zu tun, bereit, Geld zum Nennwerte an-
zunehmen. Dieses Vertrauen kann aber schon durch die bloße Befürchtung,
daß eine zu starke Ausgabe erfolgt ist, erschüttert werden. Der Empfänger
einer Zahlung, der unter gewöhnlichen Umständen sich allem Gelde, das
gebräuchlich und gesetzmäßiges Zahlungsmittel ist, duldsam unterwirft,
kann dann mitsprechen und auf einer „vertraglichen Abdingung“ der
        <pb n="123" />
        ﻿104

VII. Kapitel.

schädigenden Währung bestehen1). Das heißt, er kann darauf bestehen,
daß alle seine künftigen Verträge auf das bessere Metall — zum Beispiel auf
Gold — lauten und auf diese Weise zu einem weiteren Niedergang des ent-
werteten Papieres beitragen.

Unseren nicht einlösbaren Dollarn gleich, kann also uneinlösbares Papier-
geld zum gleichen Werte mit anderem Geld zirkulieren, wenn es in seiner
Quantität beschränkt und nicht allzu unbeliebt ist. Wenn es allmählich
an Quantität zunimmt, kann solches nicht einlösbare Geld alles Metallgeld
austreiben und in den unbestrittenen Besitz des Feldes gelangen.

Aber wiewohl ein solches Resultat — ein Zustand nicht einlösbaren
Papiergeldes als alleinigen Umlaufsmittels — möglich ist, so hat es sich
selten, wenn überhaupt jemals, als wünschenswert erwiesen. Die Uneinlös-
barkeit ist, wenn sie nicht unter sicherem Schutze steht, eine beständige
Versuchung zu Mißbrauch, und diese Tatsache allein verursacht den Ge-
schäftsleuten Mißtrauen, sie benimmt den Mut zu langfristigen Kontrakten
und Unternehmungen. Uneinlösliches Papiergeld hat sich fast unwandelbar
als ein Fluch für das Land, das es zur Anwendung brachte, erwiesen.
Während also die Einlösbarkeit zur Erzielung der Parität des Wertes mit
dem primären Gelde nicht unbedingt notwendig ist, so ist sie praktisch eine
weise Vorsichtsmaßregel. Die Nichteinlösbarkeit der Silberdollar in den
Vereinigten Staaten ist einer der Hauptfehler in unserem unzulänglichen
Geldsystem und eine fortgesetzte Gefahr.

Es sind verschiedene Grade der Einlösbarkeit möglich. Eines der
interessantesten Systeme teilweiser Einlösbarkeit ist das als „Golddevisen-
währung“ bekannte, bei dem Länder, die sich zwar nicht ausdrücklich auf
einer Goldbasis befinden, trotzdem aber wesentlich eine Parität mit Gold
im Auslandswechselverkehr unterhalten. Während die Regierung oder ihre

!) Im mechanischen Schaubild würde, da das Gesetz nun unwirksam wäre, der Film
nicht mehr dem Druck von der rechten Seite nachgeben, und eine merkliche Niveau-
differenz zu dessen beiden Seiten würde folgen. Ein solcher Mechanismus würde die
konkurrierende Zirkulation zweier Metalle zu unabhängigen Wertbestimmungen illu-
strieren, doch lehrt die Erfahrung, daß eine solche Situation zu reich an Unannehmlich-
keiten ist, um lange aufrechterhalten zu werden. Das Silber wird nach und nach in Verruf
geraten, d. h. die Umlaufsgeschwindigkeit verringert sich allmählich. Wie wir gesehen haben,
kann dies dadurch bildlich dargestellt werden, daß man sich die Flüssigkeitsmenge im
Umlaufsmittelreservoir (nur zur Rechten des Films) stärker denkt und auf diese Weise
den Film nach rechts bringt. Wenn das Silber vollständig in Verruf gekommen ist, wird
de; Film ganz nach rechts kommen, und es wird einen Gold-Monometallismus geben. Das
Ergebnis einer solchen Stellungnahme gegen das Silber ist daher eine Wertsteigerung des
Goldes.
        <pb n="124" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

105

Beauftragten bei diesem System die Einlösung ihrer Umlaufsmittel in Gold
ablehnt, so löst sie sie doch durch Anweisungen auf Gold im Auslande ein.
Das heißt, die Regierung verkauft Wechsel auf London oder New York zu
einem bestimmten Preise. Das Umlaufsmittel, welches die Regierung auf
diese Weise empfängt und in gewissem Sinne einlöst, wird von der Zir-
kulation ausgeschlossen, bis der ausländische Wechselkurs fällt (d. h. bis
die Nachfrage nach der Einlösung aufhört).

Die Golddevisenwährung kann als eine Art hinkender Währung mit dem
weiteren charakteristischen Merkmal teilweiser Einlösung betrachtet werden.

Dieses weitere Merkmal verändert jedoch den Charakter der hinkenden
Währung ganz bedeutend. Ohne Golddevisenpolitik kann die hinkende
Währung jederzeit zusammenbrechen, wenn das Silber (oder welcher Art
auch immer das überwertete Geld sein mag) im Handel so überhand nimmt,
daß das Gold vollständig verdrängt wird. Sobald das ganze Gold ins
Ausland getrieben worden ist, hört die Parität mit dem Golde auf. Durch
das System der Golddevisenwährung wird diese Katastrophe jedoch ver-
mieden. Tatsächlich ist es bei diesem System nicht notwendig, jederzeit
Gold in Zirkulation zu haben. Die Bereitwilligkeit seitens der Regierung,
Auslandswechsel zu einem bestimmten Preise zu verkaufen und das hierbei
empfangene Silber abzuschließen, nimmt soviel Umlaufsmittel aus der
Zirkulation, daß genau dieselbe Wirksamkeit erzielt wird, wie wenn der
Gegenwert in Gold exportiert worden wäre. Solange die Regierung bereit
und in der Lage ist, den Wechselkurs mit einem Lande, das die Gold-
währung führt aufrechtzuerhalten, behauptet sie, ipso facto, annähernde
Paritat mit Gold *).

§5.

M ir haben nun die eben dargelegten Grundsätze durch historische Bei-
spiele zu illustrieren. Der erste und zugleich wichtigste Fall ist der Frank-
reichs. Im Jahre 1785 wurde in diesem Lande das Verhältnis 15% zu 1
adoptiert und durch das Gesetz von 1803 beibehalten. Die Geschichte Frank-
reichs und der Lateinischen Union während des Zeitraumes von 1785 und be-
sonders von dem Jahre 1803 an bis 1873 ist lehrreich. Sie gibt eine prak-
tische Illustration der Theorie, daß unter günstigen Bedingungen mittelst
des Bimetallismus Gold und Silber während einer beträchtlichen Zeit zu-
sammengekoppelt werden können. Während dieser Periode war sich das
Publikum irgendwelchen Unterschiedes im Werte der beiden Metalle ve-

U Vgl Charles A. Conant, „The Gold Exchange Standard“, Economic Journal T •
1909, S. 190—200.	’ dum
        <pb n="125" />
        ﻿106

VII. Kapitel.

wohnlich nicht bewußt und beobachtete nur den Übergang vom relativen
Vorherrschen des Goldes zu dem relativen Vorherrschen des Silbers im Um-
laufe und vice versa. Auf dem Engros-Barrenmarkte gab es allerdings
geringe Abweichungen von dem Verhältnis 15% zu 1. Doch lieferten solche
Abweichungen nur den Anlaß zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes.

Von 1803 bis ungefähr 1850 hatte das Silber die Tendenz, das Gold zu
verdrängen. In unsrer schaubildlichen Ausdrucksweise gab es größtenteils
einen Zufluß auf der rechten Seite des Geldreservoirs und der Film wurde
allmählich nach links gedrückt. Eine spezielle Statistik der Gold- und
Silberbewegungen vor dem Jahre 1830 gibt es nicht, doch gab es von 1830
bis einschließlich 1847 einen Nettoexport in Gold im Betrage von 73,000,000
Francs, obgleich fünf der Jahre einen Import aufwiesen, was einen Durch-
schnittsexport von über 4,000,000 Francs pro Jahr ergibt1). Von 1830
bis 1851 war in jedem Jahre ein Nettoimport in Silber zu verzeichnen,
welcher sich während der Periode auf insgesamt 2,297,000,000 Francs oder
einen Durchschnitt von über 104,000,000 Francs pro Jahr belief1 2). Die
Statistiken für das Silber betrachten wir bis zum Jahre 1851, denn nach dieser
Zeit trat für das Silber die umgekehrte Bewegung ein, während das Einfließen
des Goldes mit dem Jahre 1848 begann. Das Silber nahm die Stelle des
Goldes ein und füllte das Umlaufsmittelreservoir aus. Nichtsdestoweniger
dehnte sich das Reservoir so schnell aus, das heißt, der Handel nahm so sehr
zu, daß es kein Steigen, sondern eher ein Fallen der Preise gab. Um das Jahr
1850 hatte der Film tatsächlich seinen Grenzpunkt erreicht. Es würde ein
Zusammenbruch des Bimetallismus erfolgt sein, und das Resultat wäre auf
der Stelle Silber-Monometallismus gewesen, wenn nicht zur Rettung der
Situation gerade zu dieser Zeit in Californien Goldminen entdeckt worden
wären. Die Folge davon war, daß die neue und erhöhte Goldproduktion
die umgekehrte Bewegung veranlaßte, nämlich einen Zufluß von Gold in
den französischen Geldumlauf und ein Abfließen des Silbers. Von 1848 bis
einschließlich 1870 belief sich der Nettoimport in Gold auf 5,153,000,000
Francs oder über 224,000,000 Francs pro Jahr, während der Nettoexport
des Silbers vom Jahre 1852 bis einschließlich 1864 1,726,000,000 Francs
oder nahezu 133,000,000 Francs pro Jahr betrug3). Das Gold verdrängte
das Silber und füllte den Geldumlauf. Es schien wahrscheinlich, daß Frank-

1) W. A. Shaw, The History of the Currency, 3. Aufl., London (Clement Wilson),
1899, S. 183.

s) a. a. O. S. 184.

3) a. a. O. S. 183 u. 184.
        <pb n="126" />
        ﻿

Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

iol

reich seines Silberumlaufsmittels beraubt werden und auf eine Goldbasis
gelangen würde. Jm Jahre 1865 bildete Frankreich mit Belgien, Italien,
der Schweiz und im Jahre 1868 mit Griechenland die Lateinische Münzunion
Der Silbergehalt in den Scheidemünzen wurde reduziert, der Münzfuß der
vollwertigen Silbermünzen hingegen zum alten Verhältnis mit Gold beibe-
halten. Die neuen Goldminen wurden jedoch allmählich erschöpft, während
die Silberproduktion zunahm, welcher Umstand wiederum eine Umkehrung
der Bewegung zur Folge hatte. Vom Jahre 1871 bis einschließlich 1873
ergab der Goldexport einen Nettobetrag von 375,000,000 Francs oder einen
Durchschnitt von 125,000,000 Francs pro Jahr, während der Nettoimport

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des Silbers von dem Jahre 1865 bis einschließlich 1873 860,000,000 Francs
oder über 94,000,000 Francs pro Jahr betrug. Auf diese Weise hatte das
Silber, selbst bevor das Gold im Jahre 1871 abzufließen begann, bereits zu-
zufließen begonnen, und zwar im Jahre 1865. Das Gold wurde vom Silber
allmählich aus der Zirkulation gedrängt, und hätten Frankreich sowie die
anderen Länder der Lateinischen Union in den Jahren 1873 bis 1878 nicht
nacheinander die freie Ausprägung des Silbers suspendiert,' so hätten sie
sich anstatt auf einer Goldbasis, auf eine Silberbasis versetzt gefunden.
Es ist von den Bimetallisten behauptet worden, daß diese Maßregel der
Demonetisierung des Silbers selbst die Ursache des Zusammenbruches war.

In Wirklichkeit war der Zusammenbruch die Ursache der Demonetisierung,
obgleich die letztere, indem sie das Silber von der Zirkulation zurückhielt
und das Gold in Zirkulation beließ, eine Vergrößerung des bereits geschehenen
Bisses bewirkte.

Mit anderen Worten, der Film befand sich nahe der linken Grenze,
und das Umlaufsmittelreservoir war größtenteils mit Silber gefüllt.
Möglicherweise würde die Lateinische Union den Bimetallismus länger haben
aufrechterhalten können, wenn weitere Länder sich ihr angeschlossen hätten.
Sie hatte aber nicht nur die von den Minen bereitgehaltene Silbermenge,
sondern auch noch eine bedeutende Quantität Silber zu absorbieren, die
zuvor einen Teil des Geldvorrates im Deutschen Beiehe gebildet hatte, und
die, dem Deutsch-Französischen Kriege folgend, nach Annahme der Gold-
währung von diesem Lande auf den Markt geworfen wurde. Das heißt,
es waren nicht nur die Silberminen, sondern auch die das Silber demoneti-
sierenden Länder, welche dieses Metall auf die Lateinische Union schleu-
derten. Fügt man noch die Bewegung zur Goldwährung in Skandinavien
und in den Vereinigten Staaten hinzu, so wird man erkennen, daß es für
eine Union, die so wenige und hauptsächlich unbedeutende Staaten um-
faßte, der Hindernisse viele gab.
        <pb n="127" />
        ﻿108

VII. Kapitel.

Die Parität des in der Lateinischen Union verbleibenden Silbers mit Gold
wird gegenwärtig gemäß den in diesem Kapitel früher erklärten Prinzipien
aufrechterhalten, und zwar sowohl durch Einschränkung seiner Quantität
als auch dadurch, daß es zu vollem gesetzlichen Zahlungsmittel und für
öffentliche Abgaben als annahmeberechtigt erklärt wurde.

§6.

Es ist sonderbar, daß die Lehren der französischen und andere Ex-
perimente nicht allgemein, und zwar weder von den Monometallisten noch
von den Bimetallisten verstanden zu werden scheinen. So haben intransigente
Monometallisten, indem sie auf die während 75 Jahren stattgefundenen
Variationen im Gold- und Silberwerte hinwiesen, die Möglichkeit der Auf-
rechterhaltung eines gesetzlichen Verhältnisses zu widerlegen versucht.
Sie könnten ebensogut auf die sich kräuselnden Wellen eines Weihers oder
auf die leichte Neigung eines Flusses hinweisen, um die Tatsache zu wider-
legen, daß das Wasser ein Niveau sucht. Diese sich kräuselnden Wellen
sind der natürliche Beweis für die Tendenz zu einem Niveau und sind gering-
fügig im Vergleich zu Wellen, welche aller Wahrscheinlichkeit nach auf-
getreten wären, wenn es keine gesetzliche Relation gegeben hätte. Das
in Shaw’s History oj the Currency benutzte Diagramm und seine Tabellen
sowie das ähnliche hier gegebene Diagramm zeigen, daß trotz der großen
Zunahme in der Quantität des Silbers in der Periode des Silberzuflusses
während der Jahre 1803 bis 1850, das Verhältnis von 15,5 zu 1 um nur
höchstens 0,75 Punkte oder etwas über 4,8 Prozent in irgendeinem Jahre
schwankte, und die Abweichung betrug im Durchschnitt nur 0,29
Punkte oder 1,9 Prozent. Außerdem ist der größere Teil der Abweichung
durch die zu jener Zeit in Frankreich in Kraft befindliche Erhebung der
Prägegebühr (Seigniorage) erklärbar1). Während der darauffolgenden
und größtenteils durch einen Goldzufluß charakterisierten Periode von 1851
bis 1870 betrug die Maximalabweichung (nach der entgegengesetzten Rich-
tung) 0,31 Punkte oder 2 Prozent bei einer Durchschnittsabweichung von
0,14 Punkten oder 9 Prozent, während in der nachfolgenden Periode von
1871 bis 1873, in der ein Zufluß des Silbers und ein Abfluß des Goldes zu ver-
zeichnen war, das Verhältnis bei einem Maximum von 0,42 Punkten oder
2,7 Prozent und einem Durchschnitt von 0,21 Punkten oder 1,4 Prozent
über 15,5 zu 1 stieg. Wir wollen nun diese Zahlen denen seit 1873 gegen-

1) Vgl. J. F. Johnson, Money and Currency, Boston (Ginn) 1905, S. 227.
        <pb n="128" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

109

überstellen *). Seit diesem Jahre beträgt die Maximalabweichung von
dem Verhältnis 15,5 zu 1 23,65 Punkte oder 152,6 Prozent und die Durch-
schnittsabweichung 10,4 Punkte oder 67,1 Prozent*). Die Geschichte des
Verhältnisses ist in Figur 9 dargestellt.

Obgleich Frankreich die Ausprägung der Silber-Fünffrankstücke erst im Jahre
1876 gänzlich suspendierte, so begann deren Einschränkung bereits mit dem Jahre 1874.
Siehe W. A. Shaw, The Eistory o\ the Currency, S. 194 u. 196.

2) Diese Zahlen wurden aus dem von W. A. Shaw gegebenen Material, The Eistory
o/ the Currency, S. 159, und den Reports of the Dvredor of the Mint zusammengestellt.
        <pb n="129" />
        ﻿110

VII. Kapitel.

Die Bimetallisten haben nun andrerseits oft übersehen oder nicht wahr-
nehmenwollen, daß dieses Experiment ebenso die Schranken wie die Möglich-
keiten des Bimetallismus kennzeichnet. Im Jahre 1850 war der Bimetallismus
in Frankreich seinem Zusammenbruch nahe, und es würde ihm der Silber-
Monometallismus gefolgt sein, wenn die erhöhte Goldproduktion nicht eine
entgegengesetzte Strömung veranlaßt hätte. Jm Jahre 1865 hatte das
Gold das Silber zum großen Teil vertrieben. Im Jahre 1873 wiederum war
das Gold meistens verschwunden und wahrscheinlich wäre es gänzlich ver-
schwunden, wenn nicht die Suspendierung der freien Prägung von Silber
erfolgt wäre. Eine Fortdauer des Bimetallismus bei einem Verhältnis
15,5 zu 1 seitens Frankreichs und der Lateinischen Union allein, wäre zweifel-
los unmöglich gewesen. Wenngleich der Versuch mißlungen wäre, so wäre
das Wertverhältnis aber doch der Relation von 15,5 zu 1 näher geblieben,
als es tatsächlich gewesen ist, denn die Union hätte einen großen Markt für
das Silber abgegeben. Ungeachtet der erhöhten Silberproduktion wäre der
Bimetallismus möglicherweise länger aufrechterhalten worden, wenn mehrere
andere Länder in diesen kritischen Jahren nicht die Goldwährung ange-
nommen hätten. Diese Tatsache trug mit dazu bei, die Länder der Lateini-
schen Union mit Silber zu überschwemmen und ihnen ihr Gold zu entziehen.
Diese Länder hatten alle Kosten zu tragen und Unannehmlichkeiten zu er-
dulden, die die Aufrechterhaltung des Verhältnisses zwischen Gold und
Silber mit sich brachte, während andere Länder den meisten Nutzen davon
ernteten. Hierin liegt eine der Schwächen des Bimetallismus in bezug auf
eine praktische politische Verwirklichung, — jedes Land überläßt es irgend-
einem anderen Lande oder anderen Ländern, den Bimetallismus anzu-
nehmen. Es ist daher für die Zukunft nur geringe Aussicht vorhanden,
daß ein einzelnes Land hierzu die Initiative ergreift, und noch weniger Aus-
sicht besteht für ein internationales Übereinkommen.

§ 7-

Das nunmehr in Frankreich in Gebrauch befindliche System ist auch
in vielen anderen Ländern zur Anwendung gekommen, die ebenso wie Frank-
reich gezwungen waren, dieses System anzunehmen oder andernfalls Länder
mit Silberwährung zu werden. Nach dem Zerreißen der bimetallistischen
Bande, welche bis zum Jahre 1873 alle Länder mit Gold- und Silberwährung
aneinanderketteten, brach die Handelswelt in zwei Teile: in die Gold- und
in die Silberwährungsländer. Viele, die in die Reihen der ersteren treten
wollten, sich jedoch in Gefahr befanden, in die der letzteren getrieben zu
        <pb n="130" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

111

werden, retteten sich dadurch, daß sie ihre Prägestätten dem Silber ver-
schlossen und somit die hinkende Währung annahmen. Eines dieser
Länder war Britisch Indien.

Der Fall Indiens ist interessant, weil es nie ein bimetaljistisches
Land war und zur Zeit der Annahme des jetzigen Systems, in welchem Gold
die Währung ist, sich kein Gold in Umlauf befand. Im Juni 1893 wurden
die Prägestätten dem Silber verschlossen, und die Rupie wurde gesetzlich
auf 16 Pence festgesetzt. Zum großen Verdruß derer, die das neue System
befürwortet hatten, konnte dieser Wert zuerst nicht aufrechterhalten werden.
Es war jedoch dieser anfängliche Mißerfolg zu erwarten, da sich kein Gold
in Umlauf befand und ungeahnte Bestände gemünzten Silbers vorhanden
waren, durch die die Zirkulation, trotz der Verschließung der Prägestätten,
anschwoll. Außerdem akzeptierte die Regierung von Banken und von
anderer Seite bedeutende Silberquantitäten, die vor der Absperrung der
Prägestätten bereits nach Indien versandt worden waren und nun von der
Regierung geprägt wurden. Ebenso wurde eine beträchtliche Menge Silbers
von den Reserven der Regierung zurückgezogen und in Umlauf gebracht.
Mit dem Jahre 1895 fiel der Wert der Rupie bis auf 13 Pence herab. Doch
hielt sich der Wert der Rupie selbst von allem Anfang an über dem Werte
ihres Silbergehaltes. Wenn sie im Vergleich zu dem damals im Werte
steigenden Golde fiel, so stieg sie im Vergleich zum Werte des Barrensilbers.
Sicher kann man dies als ein Symptom dafür betrachten, daß der Wert
des Geldes zu seiner Quantität in Beziehung steht, ganz abgesehen von dem
Quantum und dem Werte des konstituierenden Materials. Selbst in bezug
auf die Goldwährung stieg der Wert der Rupie allmählich von 13 Pence im
Jahre 1895 auf 15 V3 Pence im Jahre 1898 und auf 16 Pence, den gesetzlichen
Wert, mit dem Jahre 1899, der seitdem eingehalten wurde. Da die indische
Regierung während des letzten Jahrzehnts auf Verlangen Rupien für Gold
zu diesem Satze ausgezahlt hat, kann der Wert der Rupie nicht merklich
höher gehen. Sollte dies der Fall sein, so würde Gold für Rupien angeboten
werden, mehr Rupien würden auszugeben sein, und dies würde solange fort-
dauern, bis deren Wert auf 16 Pence per Rupie gefallen ist Q.

Dem Wesen nach ist das System Indiens die in § 4 beschriebene Gold-
devisenwährung. Dasselbe System ist nun auf den Philippinen, in Mexiko,
in den Straits Settlements, Siam und in Panama erfolgreich in Kraft* 2).

*) Eine kurze Geschichte und Auseinandersetzung der Erfahrungen Indiens bei
E. W. Kemmerer, Money and Credit Instruments in their Relation to Prices, S. 36—39.

2) Siehe Charles A. Conant, „The Gold Exchange Standard in the Light of Experience“
Economic Journal, Juni 1909, S. 190—200; Hanna, Conant und Jenks, Report on the Intro-
        <pb n="131" />
        ﻿112

VII. Kapitel.

Im Jahre 1908 bestand es in Indien insofern eine harte Probe, als die Handels-
bilanz ungünstig war und den Verkauf von über £ 8,000,000 in Wechseln
auf London erforderte, bevor das indische Geldwesen genügend gefestigt
war, um wider den Strom segeln zu können.

Unter den Nationen, welche nun die hinkende Währung haben, befinden
sich die Vereinigten Staaten. Im Jahre 1792 nahm der Kongreß vollkom-
menen Bimetallismus an. Den Gold- wie den Silbermünzen wurde die
Eigenschaft als vollständiges gesetzliches Zahlungsmittel verliehen; beide
Metalle waren in einem Verhältnis von 15 Unzen Silber zu 1 Unze Gold
frei und ohne Einschränkung auszuprägen.

Bald kam es dazu, daß das Marktverhältnis das Verhältnis 15 zu 1
übertraf, da ersteres durch verschiedene Bedingungen, besonders durch
Verhältnisse in anderen Ländern und speziell in Frankreich bestimmt wurde.
Gold strömte infolgedessen aus. Es ist zwar nicht möglich, mit Genauigkeit
festzustellen, zu welcher Zeit diese Bewegung begann, doch erklärt Pro-
fessor Laughlin, daß sie bereits im Jahre 1810 einsetzte, und zieht den
Schluß, daß sich im Jahre 1818 wenig Gold in Zirkulation befand1). Das
nominell bimetallistische Amerika wurde tatsächlich Silberwährungsland.

Teilweise durch den Wunsch, das Gold wieder in Umlauf zu bringen, und
teilweise vielleicht auch durch die angeblichen Goldentdeckungen in den süd-
lichen Staaten beeinflußt, nahm der Kongreß in den Jahren 1834 und 1837
Gesetze an, die das Verhältnis „16 zu 1“ — oder genauer, 16,002 zu 1 im
Jahre 1834 und 15,998 zu 1 im Jahre 1837 — festsetzten. Während durch
die vorigen Gesetze das Silbergeld überwertet worden war, wurde durch diese
neuen Gesetze nunmehr das Gold überwertet. Das heißt, das Wertverhält-
nis im Handel blieb fortdauernd nahe 15,5 zu 1, während das gesetzliche
Verhältnis etwas höher war. Dies war der Fall bis zum Jahre 1850. DieFolge
davon war, daß, dem Greshamschen Gesetze gemäß, das billigere Goldgeld
das Silbergeld hinaustrieb und die Vereinigten Staaten ein Land mit Gold-

duclion oj the Gold Exchange Standard into China, the Philippine Islands, Panama, and other
Silver-using Countries and on the Stdbility oj Exchange, Washington (Government Prin-
ting Office), 1904; Kemmerer, „Establishment oj the Gold Exchange Standard in the Philip-
pines“, Qwrterly Journal oj Economics, August 1905, S. 600 605.

G The History oj Bimetallism in the United States, New York (D. Appleton and Com-
pany), 1901, 4. Aufl., S. 29.

;
        <pb n="132" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

113

Währung wurden. Um den Export unserer Silberscheidemünzen zu ver-
hindern, wurde deren Gewicht im Jahre 18o3 reduziert.

Bis zur Zeit des Bürgerkrieges herrschte der Goldumlauf in den Ver-
einigten Staaten; während des Bürgerkrieges wurden „Greenbacks“ oder
Noten der Vereinigten Staaten in erheblichem Übermaß ausgegeben. Wie-
derum trat das Greshamsche Gesetz in Kraft. Jetzt wurde das Gold seiner-
seits aus dem Verkehr vertrieben, und die Vereinigten Staaten gerieten
in die Papierwährung 1). Das Land blieb noch für einige Jahre nach der
Beendigung des Krieges bei der Papierwährung; außer an der Küste des
Großen Ozeans befand sich nur wenig Gold in Zirkulation und nirgends
viel Silber.

Im Jahre 1873 nahm der Kongreß ein Gesetz an (das von Bimetallisten
das „Verbrechen von 1873“ genannt wurde), durch das der Standard Silber-
dollar aus der Liste der gesetzlichen Münzen gänzlich weggelassen wurde.

Dies konnte natürlich auf den Gold- und Silberwert keine unmittelbare
Wirkung ausüben, weil sich das Land zu jener Zeit auf einer Papierbasis
befand. Als aber im Jahre 1879 Zahlungen in klingender Münze (d. h.
Zahlungen in Gold und Silber) wieder aufgenommen wurden, gelangte das
Land durch die Aufhebung der freien Prägung von Silber in eine Gold-,
und nicht in eine Silberwährung. Hätte das Gesetz von 1873 nicht exi-
stiert, so wären die Vereinigten Staaten, als sie im Jahre 1879 auf eine
Metallbasis zurückkehrten, ein Silberland geworden, dessen Währung sich
bedeutend unter dem Goldwert bewegt hätte, den sie tatsächlich erreichten.
Unsere Geldprobleme hätten sich dann ganz anders gestaltet, als wie sie
sich faktisch entwickelt haben.

Als wir aber auf eine Goldbasis zurückkehrten, wurde der Silberdollar
in einer untergeordneten Bolle wieder eingeführt. Wenngleich die freie Aus-
prägung des Silbers nicht wiederaufgenommen wurde, gelang es den Silber-
leuten, durch die „Bland-Allison Akte“ vom Jahre 1878 und die „Sherman
Akte“ vom Jahre 1890, die die erstere ersetzte, die Regierung zum Einkauf
großer, aber nicht unbeschränkter Silberquantitäten und zu der Prägung
einer großen, aber nicht unbeschränkten Anzahl Silberdollars zu verpflichten.
Das Bland-Allison-Gesetz trug dem Schatzsekretär auf, jeden Monat
2,000,000 bis 4,000,000 Dollar Silberwert zu kaufen und in Standard—Silber-
dollars zu prägen. Das Sherman-Gesetz schrieb den monatlichen Einkauf
von 4,500,000 Unzen Silber vor.

*) Siehe besonders Wesley Clair Mitchell, Eistory of the Greenbacks, Chicago (The
Univcrsity of Chicago Press), 1903; ebenso dessen Gold, Prices, and Wages under the Green-
back Standard, Berkeley, Califomien (University of California Press), 1908.

Fisher, Kaufkraft des Geldes.	g
        <pb n="133" />
        ﻿114

VII. Kapitel.

Unter diesen Gesetzen wurden 554,000,000 Silberdollar geprägt, ob-
gleich weniger als 20 Prozent davon jemals in tatsächliche Zirkulation ge-
kommen sind. An Stelle dieser ungeheuren Silbermasse haben während einer
Zeit Schatzscheine und auf Verlangen in Silberdollars einlösbare Silber-
zertifikate zirkuliert. Die Silberdollars (und folglich die Silberzertifikate)
halten ihre Wertparität mit dem Golde aufrecht, hauptsächlich aus dem
Grunde, weil sie in ihrer Anzahl beschränkt sind. Wenn ihre Gleichwertigkeit
mit Gold in Frage gestellt werden sollte, so würde das Schatzamt wahr-
scheinlich sich anheischig machen, sie in Gold einzulösen. Kein Gesetz sieht
direkt die Einlösung des Silbers in Gold vor, doch ist dem Schatzsekretär
zur Pflicht gemacht worden, Maßnahmen zu treffen, daß die Parität des
Silbers mit dem Golde aufrechterhalten bleibt.

Im Jahre 1893 wurde das Sherman-Gesetz aufgehoben und im Jahre
1900 ein Gesetz angenommen, das ausdrücklich erklärte, daß die Ver-
einigten Staaten eine Goldbasis haben sollen.

§9.

Das System der hinkenden Währung, das nun in den Vereinigten
Staaten besteht, bildet logisch ein Verbindungsglied zwischen dem voll-
kommenen Bimetallismus und jenen „zusammengesetzten“ Systemen, bei
denen eine beliebige Anzahl verschiedener Arten von Geld gleichzeitig in
Zirkulation gehalten werden. Die Art und Weise, wie die meisten Staaten
der zivilisierten Welt das Problem nebeneinanderbestehender Umlaufsmittel
gelöst haben, war, Gold als Währung zu benützen und hauptsächlich Silber,
Nickel und Kupfer in beschränkten Quantitäten als Scheidemünze sowie
in den meisten Fällen auch eine beschränkte Menge Papiergeld zu ver-
wenden, das gewöhnlich einlösbar ist. In diesem zusammengesetzten
System sind unbegrenzte Variationen möglich. Wir haben zurzeit in den
Vereinigten Staaten ein sehr kompliziertes System, das in vieler Hinsicht
nicht einwandfrei ist und (wie wir gleich sehen werden) besonders an dem
Mangel an Elastizität leidet. Währung ist Gold und eswird freigeprägt. Eine
beschränkte Anzahl Silberdollars, deren Geldnennwert mehr als das Doppelte
ihres Metallwertes beträgt, bilden ein Vermächtnis früherer bimetallistischer
Gesetze, die seit langem durch das Papiergeld des Bürgerkrieges unwirksam ge -
macht und im Jahre 1873 ausdrücklich aufgehoben wurden. Die beiden Ver-
suche, in den Jahren 1878 undl890 durch den Einkauf von Silber—Versuche,
die im Jahre 1893 eingestellt wurden — halbwegs zum Bimetallismus zurück-
zukehren, haben die Menge des geprägten Silbers in hohem Grade ange-
        <pb n="134" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

115

schwellt. Der Versuch, Silberdollars mit Gewalt in Zirkulation zu bringen,
scheiterte am Widerstand der Geschäftswelt, und der Kongreß gab deshalb
an Stelle der Silberdollars die beiden vorerwähnten Arten von Papiergeld
heraus. Die Hauptform ist das „Silberzertifikat“. Für jedes Silberzerti-
fikat wird in den Schatzkammern der Regierung der Vereinigten Staaten
ein Silberdollar aufbewahrt.

Das Absurde der Situation besteht in der Fiktion, daß das Silber die Pa-
rität des Papiergeldes mit dem Golde aufrechterhält. Das Papier behielte seine
Parität mit dem Golde genau so gut, wenn es kein Silber gäbe. Ein Silber-
dollar als Silber ist weniger wert als ein Golddollar, geradeso wie ein Papier-
dollar als Papier weniger wert ist als ein Golddollar. Die Tatsache, daß das
Silber mehr wert ist als das Papier, trägt nicht im geringsten dazu bei, das
Papier einen ganzen Dollar wert zu machen, solange als das Silber selbst
keinen ganzen Dollar wert ist. Ein Pfeiler, der nur zur Hälfte an die Decke
reicht, kann diese ebensowenig stützen wie ein Pfeiler, der nur einige Zenti-
meter hoch ist.

Die Papiersurrogate des Silbers würden ebensogut weiterzirkulieren
wie gegenwärtig, wenn das „hinter ihnen befindliche Silber“ nicht existierte,
wenngleich dann das Sinnwidrige der Situation so offenbar wäre, daß sie
wahrscheinlich zurückgezogen würden. Ob die halbe Milliarde Dollar
neuer Umlaufsmittel, die mit den Bland- und Sherman-Gesetzen in Zir-
kulation kamen, aus bis zum Betrage von 50 Prozent überwertetem Silber
oder aus bis zur Höhe von 100 Prozent überwertetem Papier bestehen, übt
auf das Prinzip der hinkenden Währung, die Silberdollars zum gleichen Werte
mit Gold beibehält, faktisch keinen Einfluß aus. Das in den Schatzkammern
des Finanzministeriums müßig liegende Silber stellt nichts als eine Ver-
schwendung dar, eine Liebesgabe der Regierung zur Unterstützung
des Silberbergbaus. Seine einzige wirkliche Bedeutung heutzutage ist,
das Publikum zu dem Glauben zu verleiten, daß jenes Silber auf
irgendeine Art die Silberzertifikate auf dem gleichen Wert mit Gold er-
hält oder zu erhalten behilflich ist1), während aber in Wirklichkeit die
Parität nur durch die Beschränkung ihrer Quantität behauptet wird.
Das Silber und dessen Papiersurrogate können nicht unter Pari fallen, ohne
das Gold zu verdrängen, und sie können das Gold nicht verdrängen, weil ihre
Anzahl nicht groß genug ist.

Eine andere und gleichfalls nutzlose Anomalie besteht in der vorhandenen

Q Seager macht in seiner Introdudwn to Economics, 3. Aufi., New York (Holt)
1908, S. 317 nachdrücklich geltend, die Regierung solle den Versuch machen, nach und
nach über dieses Süber zu verfügen und es durch den gleichen Wert in Gold zu ersetzen

8*
        <pb n="135" />
        ﻿116

VII. Kapitel.

Menge von „Greenbaeks“. Diese sind Noten der Regierung der Vereinigten
Staaten. Unter dem Gesetze vom Jahre 1875 wurden die „Greenbaeks“
mit dem Jahre 1879 in genügender Anzahl eingezogen, um die Parität mit
Gold wiederherzustellen. Durch ein Gegengesetz vom Jahre 1878 wurden
jedoch 847,000,000 davon in Zirkulation erhalten, die sich noch jetzt in
Umlauf befinden. Sobald eine Einlösung dieser „Greenbaeks“ stattfindet,
muß ihre Wiederausgabe erfolgen; sie können nicht eingezogen werden. Sie
bilden einen festen Bestandteil unseres Geldpotpourris, der weder aus-
dehnungsfähig noch zusammenziehbar ist. Sie sind mit dem Golde im
gleichen Werte erhalten worden, weil sie 1. in ihrer Quantität beschränkt sind,

2.	auf Verlangen in Gold eingelöst werden können, 3. weil sie für Abgaben zu-
lässig und gesetzliches Zahlungsmittel sind. Doch ist es absurd, einzulösen, aber
nicht zurückzuziehen, — ja tatsächlich fast ein logischer Widerspruch. Diese
Sinnwidrigkeit hat die Regierung zuweilen in ernste Verlegenheiten gebracht.

Der nächst zu betrachtende Bestandteil unseres Kurantgeldes ist die
Banknote. Obgleich die National-Bank-Gesetze mit dem alten Durcheinander
von Staatsbanknoten aufräumten, verkoppelten sie die neuen Noten mit
der Kriegsschuld, und trotz der Tatsache, daß dieseVerbindung längst keine
Vorteile mehr aufwies, ihre Nachteile jedoch immer ausgesprochener zutage
traten, blieben beide seither miteinander festverbunden. Gesetzmäßig
kann die Ausgabe von Nationalbanknoten die Staatsschulden nicht über-
schreiten, wie dringend der Bedarf hierfür auch sein mag; und die Regierung
kann ihre Schulden nicht bezahlen, ohne damit die Nationalbanken zu
zwingen, ihre Noten in dem gleichen Betrage einzuziehen.

Eine der merkwürdigen Anomalien der Situation ist, daß die Preise
von Obligationen der Vereinigten Staaten so hoch sind und der Zinsfuß
dieser Obligationen folglich so niedrig ist, daß tatsächlich ein geringerer
Antrieb dadurch gegeben wird, in Gegenden Banknoten auszugeben, wo
der Zinsfuß hoch ist (z. B. im Westen), als in solchen Gegenden, wo er (wie
im Osten des Landes) niedrig ist.

Das Resultat ist ein unelastisches Währungssystem, das, anstatt sich
den im Handel vorkommenden jahreszeitlichen Schwankungen anzupassen
und auf diese Weise die sich ergebenden Variationen im Preisniveau abzu-
schwächen, eine harte und feste Masse bleibt, der sich die anderen Elemente
in der Verkehrsgleichung anpassen müssen1).

l)	Das Aldrich-Vreeland-Gesetz vom Jahre 1908 hat diese Situation nicht geändert.
Wenn es auch in bezug auf die Abschwächung von Krisen noch so nützlich ist, so gibt es
doch dem Umlaufsmittel keine Elastizität in gewöhnlichen Zeiten. Wenigstens ist diese
Wirkung bisher nicht zutage getreten.
        <pb n="136" />
        ﻿Einwirkung der Geldsysteme auf die Kaufkraft.

117

Die übrigen Teile unseres Umlaufsmittelsystems, solche wie Teil- und
geringere Münzen, die der Nachfrage des Publikums angepaßt werden, sind
zufriedenstellend. Die Gold- und Währungsdepositenzertifikate können
kaum als unabhängige Erscheinungen betrachtet werden, da sie einfach
zur Bequemlichkeit des Publikums gegebene Quittungen der Regierung
sind, die Depositen von Gold oder „Greenbacks repräsentieren.

Geld in den Vereinigten Staaten (in Millionen).

•T			Noten der		Hilfs- und	
	Gold	Silber	Ver.  Staaten	Banknoten	Scheide-  Münzen	insgesamt
Im Schatzamt der Ver. St		264 Q 801* 2)	264 * 6)	9	40	26	365
In den Banken ..		217 s)	253	108	38	1417
Außerhalb der- selben		7523)	323°)	85	597	107	1864
Im ganzen	1817	566	347	745	171	3646

Der in dieser Tabelle wiedergegebene gegenwärtige Zustand in den Ver-
einigten Staaten vom 1. Juli 1912 wurde den Berichten des Comptrollers
und des Staatsschatzmeisters entnommen.

Wir sehen hier ein Umlaufsmittelsystem, in dem das Gold, die Basis
des ganzen Planes, außerhalb des Schatzamtes und der Banken zu einem
Anteile von einem Drittel bis zur Hälfte des Quantums in die Zirkulation
eindringt, und in dem etwas über die Hälfte des in den Banken befindlichen
Geldes als Reserven für Depositen (und für Banknoten, wenn auch diese
von der Regierung garantiert werden) im Gebrauch sind. Das übrige in
Zirkulation befindliche Geld besteht fast gänzlich aus unelastischen und fast
konstanten Elementen. Infolgedessen verursacht eine Veränderung in der

Q -Freies“ Gold (d. h. ausschließlich des Goldes, das im Schatzamt für Goldzerti-
fikate, die sich im Besitze des Publikums befinden, zurückbehalten wird)

2)	Einschließlich 563 Millionen Goldzertifikate, für die sich Gold als Depositum in
den Schatzkammern der Regierung der Vereinigten Staaten befand.

3)	Einschließlich 380 Millionen Goldzertifikate, für die sich Gold als Depositum in
den Schatzkammern der Kegierung der Vereinigten Staaten befand.

') „Freies“ Silber (d. h. ausschließlich des Silbers, das im Schatzamt für Silber-
zertifikate, die sich im Besitze des Publikums befinden, zurückbehalten wird).

E) Einschließlich 194 Millionen Silberzertifikate, für die sich Silber als Depositum
in den Schatzkammern der Regierung der Vereinigten Staaten befand.

6) Einschließlich 275 Millionen Silberzertifikate, für die sich Silber als Depos't
in den Schatzkammern der Regierung der Vereinigten Staaten befand.
        <pb n="137" />
        ﻿118

VIII. Kapitel.

Quantität des in Zirkulation befindlichen Goldes keine proportionale Ver-
änderung in der Quantität des ganzen in Zirkulation befindlichen Geldes,
sondern nur ungefähr für ein Drittel. Da aber fast jede Geldart als
Reservefonds dienen kann und selbst Nationalbanknoten von Einzelstaaten-
banken und Trustgesellschaften zu diesem Zwecke Verwendung finden, so
werden die proportionalen Beziehungen zwischen dem in Zirkulation be-
findlichen Gelde, dem als Reserven dienenden Gelde und den Bankdepo-
siten annähernd die normale Geldsituation bilden. Die in bezug auf die
Reserven bestehenden gesetzlichen Vorschriften fördern die Tendenz zur
Bewahrung eines solchen Verhältnisses.

Wir haben also in den Vereinigten Staaten ein Umlaufsmittelsystem,
in dem das Gold, wie bereits erwähnt, tatsächlich das einzige anpassungs-
fähige Geld ist. Da das Gold Zeit für das Prägen oder für den Transport
erfordert, ist die Ausgleichung langsam und schwerfällig im Vergleich zu
der in anderen Ländern ausgeübten prompten Ausgabe oder Zurückziehung
von Banknoten. Die jahreszeitlichen Veränderungen in der Kaufkraft
des Geldes ebenso wie die mit Krisen und Kreditzyklen verbundenen
Schwankungen werden daher in hohem Grade und unnötigerweise ver-
schärft. Wenn diese zweite Auflage in Druck geht, liegt die Möglich-
keit vor, daß der Kongreß in Washington endlich eine Gesetzgebung
zur Abhilfe dieser Sachlage beschließt.1)

VIII.	Kapitel.

Einwirkung der Geldquantität und anderer Fak-
toren auf die Kaufkraft und ihre Wechselwirkung.

§ i.

Die vorhergehenden Kapitel waren vor allem der Darlegung der
Umstände gewidmet, welche die Kaufkraft des Geldes bestimmen. Wie wir
gesehen haben, ist diese Kaufkraft das Resultat von fünf, und zwar nur fünf
Ursachenkomplexen, nämlich: Geld, Depositen, deren beiderseitige Umlaufs-

') Seit Herausgabe der zweiten amerikanischen Auflage ist in den Vereinigten
Staaten ein neues Bankgesetz in Kraft getreten. Durch dieses Gesetz wird eine
neue Art Papiergeld mit größerer Elastizität geschaffen und ein Zentralbanksystem
eingeführt, das den Kredit (Depositenumlaufsmittel) bedeutend elastischer gestaltet,
als dies bisher der Fall war.
        <pb n="138" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 119

geschwindigkeit und Umfang des Handels. Diese Ursachen und ihre Wir-
kungen — die Preise — sahen wir durch eine Gleichung verbunden, welche
wir die Yerkehrsgleichung GU + G'U' = 2p Q nannten. Wir haben ge-
funden, daß die fünf Ursachen ihrerseits selbst Wirkungen tiefer liegender
Ursachen sind, welche völlig außerhalb der Yerkehrsgleichung liegen, und
zwar in folgender Weise: Der Umfang des Handels wird erhöht und daher
das Preisniveau entsprechend erniedrigt durch die veränderten Bedürfnisse
des Menschen, durch erhöhte Spezialisierung in der Industrie und durch
Verbesserungen im Transportwesen. Die Umlaufsgeschwindigkeiten werden
erhöht und das Preisniveau zu einem Steigen veranlaßt durch Unwirt-
schaftlichkeit, durch Ausnützung des Buchkredits und durch beschleunigten
Transport. Die Quantität des Geldes wird erhöht und dementsprechend
auch das Preisniveau unmittelbar durch den Import sowie das Prägen von
Geld, mittelbar aber durch die steigende Produktion des Geldmetalls; durch
den Bimetallismus, der ein anderes und anfangs billigeres Geldmetall ein-
führt, oder durch die Ausgabe von Banknoten und anderem Papiergeld.
Durch Ausdehnung des Banksystems sowie die Ausdehnung des Buch-
kredits wird die Quantität der Depositen erhöht und folglich auch das
Preisniveau gesteigert. Die entgegengesetzten Ursachen bringen natürlich
entgegengesetzte Wirkungen hervor.

So finden wir hinter den fünf Ursachenkomplexen, welche einzig und
allein die Kaufkraft des Geldes unmittelbar bestimmen, über ein Dutzend
mittelbarer Ursachen. Wenn wir die Untersuchung noch weiterhin ver-
folgen wollten, so würden wir finden, daß sich die Anzahl der Ursachen mit
jedem Stadium erhöht, ganz ähnlich wie sich die Anzahl der Vor-
fahren einer Person mit jeder älteren Generation erhöht. Im Grunde
genommen wirken schließlich Myriaden von Faktoren auf die Kaufkraft
des Geldes ein, doch wäre es weder möglich noch zweckmäßig, sie auf-
zuzählen. Der Wert unserer Untersuchung besteht vielmehr darin, das
Problem durch eine klare Darlegung der fünf unmittelbaren Ursachen,
durch die sich schließlich alle anderen doch geltend machen müssen, zu ver-
einfachen. Am Schlüsse ebenso wie am Anfang unserer Untersuchung tritt
die Verkehrsgleichung als der letzten Endes entscheidende Faktor der Kauf-
kraft des Geldes hervor. An der Hand dieser Gleichung sehen wir, daß
regelmäßig die Quantitätsschwankungen der Depositenumlaufsmittel direkt
mit denen des Geldes parallel laufen und daß daher die Verhältnisse, welche
wir zuvor als bewährt gefunden haben, durch die Einführung von Depositen
nicht gestört werden. Das heißt, es bestätigt sich, daß 1. die Preise gleich-
mäßig mit der Geldquantität variieren, sofern das Handelsvolumen und
        <pb n="139" />
        ﻿120

VIII. Kapitel.

die Uinlaufsgeschwindigkeiten unverändert bleiben; daß sich 2. die Preise
direkt wie die Umlaufsgeschwindigkeiten verändern (wenn diese Geschwin-
digkeiten in derselben Richtung variieren), soferne ihrerseits die Quantität
des Geldes und der Umfang des Handels unverändert bleiben, und daß sich

3.	die Preise im umgekehrten Verhältnis zum Handelsumfang verändern,
vorausgesetzt, daß die Quantität des Geldes — und folglich auch der De-
positen — und deren Umlaufsgeschwindigkeiten unverändert bleiben.

§2.

In diesem Kapitel werden wir untersuchen, inwieweit diese Behaup-
tungen wirklich kausale Zusammenhänge betreffen. Wir werden deshalb
den Einfluß jeder der sechs Größen auf jede der anderen fünf ausführlich er-
örtern. Diese Untersuchung wird auf die Einwendungen, welche so oft
gegen die Quantitätstheorie des Geldes erhoben werden, Antwort erteilen.

Um alle Tatsachen und Möglichkeiten in bezug auf die Kausalität dar-
zulegen, ist es nötig, die Wirkungen der verschiedenen Größen in der Ver-
kehrsgleichung, und zwar jede für sich, zu studieren. In jedem Fall müssen
wir zwischen den Wirkungen während der Übergangsperioden und den
endgültigen oder normalen Wirkungen nach Beendigung der Übergangs-
perioden unterscheiden. Der Einfachheit halber werden wir in jedem Fall
die normalen oder endgültigen Wirkungen zuerst und hierauf die abnormen
oder Übergangswirkungen in Erwägung ziehen.

Da fast alle denkbaren Wirkungen der Veränderungen in den Elementen
der Verkehrsgleichung bereits in früheren Kapiteln dargelegt worden sind,
so besteht unsere Aufgabe in diesem Kapitel hauptsächlich in einer noch-
maligen Prüfung und Umordnung.

Unsere erste Frage ist daher folgende: angenommen es ist eine Ver-
doppelung der in Umlauf befindlichen Geldquantität gegeben (ß), was sind
dann die normalen oder letzten Endes auftretenden Wirkungen auf die
anderen Größen in der Verkehrsgleichung, nämlich auf Gr, U, U', die p
und die Q?

Im III. Kapitel haben wir gesehen, daß unter normalen Umständen
die Wirkung einer Verdoppelung des in Umlauf befindlichen Geldes (G)
zugleich eine Verdoppelung der Depositen bedeutet (G'), da letztere unter
allen nur denkbaren Verhältnissen der Industrie und Zivilisation stets das
Bestreben haben, ein bestimmtes oder normales Verhältnis zu dem in Um-
lauf befindlichen Gelde aufrechtzuhalten. Die endgültige Wirkung einer Ver-
doppelung in G ist daher dieselbe als diejenige einer Verdoppelung von
        <pb n="140" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 121

G und G'. Sodann wollen wir beweisen, daß diese Verdoppelung von G und G’
unter normalen Umständen nicht U, V oder die Q, sondern nur die p
verändert. Die Verkehrsgleichung verlangt oder widerspricht diesen Behaup-
tungen an sich nicht.

Denn nach der Verkehrsgleichung allem können sogar die Quantitäten
des Geldes und der Depositen umgekehrt wie ihre respektiven Umlaufs-
geschwindi°keiten variieren. Träfe dies zu, so würde eine Zunahme
der Geldquantität in einer Herabsetzung der Umlaufsgeschwindigkeit ihre
ganze Wirkung erschöpfen und könnte keinen Einfluß auf die Preise ausüben.
Wenn die Gegner der „Quantitätstheorie“ ein solches Verhältnis herstellen
könnten so würden sie, ungeachtet der Verkehrsgleichung, ihre Sache be-
wiesen haben. Sie haben aber nicht einmal den Versuch gemacht, eine
solche Behauptung zu beweisen. Denn tatsächlich hängt die jeweilige
Geschwindigkeit des Geld- und Depositenumlaufes von technischen Be-
dingungen ab und steht in keiner sichtbaren Beziehung zu der in Zirkulation
befindlichen Geldmenge. Die Umlaufsgeschwindigkeit ist die Durch-
schnittsrate des „Umsatzes“ und hängt von unzähligen Einzel-Ümsatzraten
ab Diese wiederum sind, wie wir gesehen haben, von individuellen Ge-
wohnheiten abhängig. Jede Person reguliert ihren Umsatz nach eigenem
Ermessen. Eine gegebene Umsatzrate für eine Person umfaßt eine ge-
gebene Umsatzzeit — das heißt, eine Durchschnittszeitdauer, während
welcher z. B. ein Dollar in ihren Händen bleibt. Dieser Umsatzzeit wird
durch Anpassung der Durchschnittssumme des Taschengeldes oder des
Kassengeldes Rechnung getragen, um die Ausgaben begleichen zu können.
Einerseits herrscht das Bestreben, nicht zu geringe Geldsummen bereit-
zuhalten, um nicht gelegentlich unnötig in Verlegenheit zu geraten, und
anderseits sucht man zu vermeiden, zuviel Geld bei sich zu haben, um der
Unbequemlichkeit des Mitsichschleppens, dem Zinsverlust und der Gefahr der
Beraubung aus dem Wege zu gehen. Die Anpassung des Geldbetrages an
den individuellen Bedarf kann natürlich nur eine ungefähre sein, die meist
vom Zufall des Augenblickes abhängt; aber für die Dauer und für eine
große Anzahl von Menschen ist die Durchschnitts-Umsatzrate, oder, was
auf dasselbe hinausläuft, die Durchschnittszeit, während welcher Geld
in denselben Händen bleibt, eine ganz genau bestimmte. Sie hängt ab
von der Bevölkerungsdichte, von Verkehrsgewohnheiten, der Transport-
Schnelligkeit und anderen technischen Bedingungen, nicht aber von der
Quantität des Geldes und der Depositen oder vom Preisniveau. Diese
können sich ohne irgendwelche Wirkung auf die Geschwindigkeit ver-
ändern. Wenn die Quantitäten des Geldes und der Depositen verdoppelt
        <pb n="141" />
        ﻿

122

VIII. Kapitel.

werden, gibt es, soweit die Umlaufsgeschwindigkeit in Betracht kommt,
nichts, was das Preisniveau vor einer Verdoppelung bewahren könnte.

Es kann z. B. nicht bewiesen werden, daß (ausgenommen in Perioden
des Überganges) eine Zunahme in der Quantität des Geldes die Tendenz
habe, die Umlaufsgeschwindigkeit dieses Geldes zu vermindern. Leute,
die diesem Gegenstand niemals Beachtung geschenkt haben, sind der
Meinung, daß die Preise keineswegs zu steigen brauchen, wenn die Quantität
des Geldes urplötzlich eine Verdoppelung erführe, da die Wirkung sich ein-
fach in einer Halbierung der Umlaufsgeschwindigkeit äußern würde. Dies
wäre der Fall, wenn sich das Publikum aus irgendeinem unerklärlichen
Grunde entschlösse, unter Beibehaltung genau derselben Ausgaben das
doppelte Quantum des Geldes in Händen zu behalten. Wir haben aber gesehen,
daß die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes durch die Gewohnheiten des
Publikums bestimmt wird. Die Leute finden die Höhe des Betrages, der
ihrem persönlichen Aufwande gemäß der angemessenste ist, selbst heraus.
Wenn demnach Geld und Aufwand mit Rücksicht auf die Bequemlichkeit
des Publikums sich gegenseitig anpassen, so bedeutet das, daß bei einem
gegebenen Preisniveau eine jede Erhöhung des in Händen befindlichen
Betrages sich als unbequemer Überfluß erweisen würde.

Um das Bild zu vervollständigen, wollen wir annehmen, daß der in den
Vereinigten Staaten tatsächlich in Umlauf befindliche und auf den Kopf
berechnete Durchschnittsgeldbetrag außerhalb des Schatzamtes und der
Banken dieses Landes ungefähr $ 15 beträgt, und daß ein geheimnisvoller
Weihnachtsmann den im Besitz jedes Individuums befindlichen Geldbetrag
plötzlich verdoppele. Das heißt, wir nehmen an, daß das Durchschnitts-
individuum, das vorher $ 15 besaß, nun $ 30 besitzt. Statistischen An-
gaben gemäß verändert sich der auf den Kopf berechnete und in Umlauf
befindliche Durchschnittsbetrag von Monat zu Monat nur um einige Cents.
Während der durchschnittliche Betrag der flüssigen Barmittel eines Indi-
viduums auf Grund seiner Einnahmen und Ausgaben notwendigerweise
schwankt, ist der Durchschnittsbetrag der flüssigen Barmittel, der aus den
einzelnen Personen bestehenden großen Masse nur geringen Schwankungen
unterworfen. Wenn nun zur Gesamtzirkulation plötzlich der so große Zu-
schlag von weiteren $ 15 per capita kommt, so werden die meisten Leute
nur den Gedanken haben, wie man sich von dieser unbequemen Vermehrung
ihres üblichen Bargeldes befreien kann. Wenn das Geld im Strumpfe oder
im Geldschranke aufbewahrt, in die Erde vergraben oder in das Meer ver-
senkt würde, so könnte es keinerlei Tendenz zu einer Erhöhung der Preise
herbeiführen. Statt dessen wird man aber trachten, von diesem Gelde
        <pb n="142" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 123

Gebrauch zu machen, was entweder durch Einkauf von Waren oder durch
dessen Deponieren in den Banken geschieht. So werden die überraschten
Empfänger des Extrageldes einige Tage nach dem angenommenen Besuch
des Weihnachtsmannes in den meisten Fällen in der einen oder der anderen
Weise über das Geld verfügt haben. Wenn sie es für den erstgenannten
Zweck, nämlich zum Einkauf von Waren, verwendet haben, muß die Tendenz
zu einem Steigen der Preise auftreten, denn der auf den Kopf berechnete
plötzliche Zuschuß von $ 15 wird, selbst bei einem kleinen Bruchteil der
Bevölkerung der Vereinigten Staaten, einen phänomenalen Andrang in die
Kaufhäuser bedeuten. An tatsächlichem Gelde gibt das Durchschnitts-
individuum nicht mehr als 15 Dollar in zwei Wochen aus. Dies beträgt
ungefähr einen Dollar pro Tag oder ungefähr $ 100,000,000 pro Tag für
das ganze Land. Wenn die Durchschnittsperson, sagen wir innerhalb fünf
Tagen nach dem unerwarteten Glücksfalle eines Zuschusses von $ 15 diese
besondere Summe ausgibt, so beträgt dies auf den Kopf berechnet $ 3 pro
Tag oder täglich $ 300,000,000 für die ganze Nation. Diese Summe zu den
gewöhnlichen $ 100,000,000 pro Tag addiert, ergibt $ 400,000,000 pro Tag
oder das Vierfache des gewöhnlichen Aufwandes. Ein so lebhafter Handels-
verkehr würde die Inhaber der Warenhäuser in Staunen setzen und prompt
zu einer Erhöhung ihrer Preise veranlassen, weil sonst in vielen Fällen eine
gänzliche Erschöpfung ihrer Vorräte eintreten würde.

Auf den ersten Blick scheint es, als ob jedermann nur einige Tage Zeit
brauchte, um seinen Überschuß an Geld los zu werden, und daß daher die
große Bewegung in den Preisen nur zeitweilig wäre. Dies erwiese sich aber
als eine irrige Schlußfolgerung, denn wir dürfen nicht vergessen, daß die
einzige Möglichkeit, das Geld loszuwerden, darin besteht, es jemand anderem
zuzuschieben. Die bürgerliche Gesellschaft ist von dem Gelde noch
nicht befreit. Wenn die Inhaber der Warenhäuser, deren Geldbestand unter
unserer Weihnachtsmannhypothese auf geheimnisvolle Weise bereits eine
Verdoppelung erfuhr, noch außerdem das überflüssige Bargeld ihrer Kunden
bekommen, so sind sie es jetzt, die durch den Überfluß an Bargeld in Ver-
legenheit geraten und sich nun ihrerseits bemühen, das Geld durch Einkauf
von Waren für ihr Geschäft loszuwerden, oder es in denBanken zu deponieren.
Wenn das Bestreben, sich von dem Gelde durch Übertragung zu befreien,
bloß dahin führt, daß jemand anderer das Zuviel erhält, dann bleibt das
Zuviel in dem Gemeinwesen unverändert. Das Bestreben, das Geld loszu-
werden und die konsequente Wirkung auf die Preise dauert solange fort
bis das Preisniveau die genügende Höhe erreicht hat.

Um diese Schlußfolgerung kann man auch durch die Annahme nicht
        <pb n="143" />
        ﻿124

VIII. Kapitel.

herumkommen, daß der größte Teil des Geldes nicht im Handel verausgabt,
sondern in den Banken deponiert wird. Jetzt sind es die Bankiers, deren
Depositen auf diese Weise plötzlich anschwellen, die sich bemühen, den
Überschuß an Bargeld los zu werden. Kein Bankier will Reserven unbe-
nutzt daliegen haben und ein jeder trachtet, erhöhte Reserven zur Basis
einer Erweiterung des Geschäftsumfanges zu machen und weitere Depo-
siten aufzunehmen. Wir haben gesehen, daß diese Tendenz letzten Endes
in der Wahrung der relativen Beträge der folgenden drei Elemente resultiert:
des in Zirkulation befindlichen Geldes, des Bankreservengeldes und der auf
diese Reserven gegründeten Depositen. Eine Verdoppelung des Geldes der
bürgerlichen Gesellschaft bedeutet demnach 1. eine Verdoppelung des in
Zirkulation befindlichen Geldes, 2. des Geldes in den Banken und 3. der
auf dieses Geld gegründeten Depositen. Binnen kurzer Zeit wird diese Ver-
doppelung auch noch eine Verdoppelung der Preise bedeuten, denn solange
die Preise nicht doppelt so hoch wie die früheren sind, herrscht dasselbe
Phänomen des unbequemen Zuviels. Privatpersonen, Geschäftsleute,
Bankiers usw. tun ihr möglichstes, um sich von dem Überschuß zu befreien
und ihre Bemühungen nach dieser Richtung haben notwendigerweise die
Tendenz zu einer Steigerung der Preise zur Folge. Wenn aber die Preise
auf das Doppelte ihres ursprünglichen Niveaus gestiegen sind, wird das Be-
streben, sich von dem Überfluß an Bargeld zu befreien, aufhören, weil es
dann kein überflüssiges Bargeld mehr gibt. Angesichts der Tatsache, daß
die Preise doppelt so hoch sind als die früheren, und daß die Leute, die das
doppelte Geld bei sich führen, durchschnittlich auch doppelten Lohn oder
doppeltes Einkommen haben, werden die auf diese Weise geschaffenen
30 Dollar pro Kopf der Bevölkerung nicht mehr als zuviel betrachtet.
Während also die Durchschnittsperson $ 300 auszugeben und einen Durch-
schnittsbetrag von $ 15 zur Verfügung zu halten pflegte, so wird sie nun
$ 600 ausgeben und einen Durchschnittsbetrag von $ 30 bei sich führen.
Die Anpassung der $ 30 zu den $ 600 ist genau dieselbe wie die frühere
Anpassung der $ 15 zu den $ 300. In jedem der beiden Fälle beträgt das
Verhältnis 1 : 20, woraus hervorgeht, daß das Individuum sein Geld im
Durchschnitt jährlich 20mal umsetzt. Letzten Endes äußert sich also eine
Verdoppelung der Quantität des Geldes nicht in einer Störung der Um-
laufsgeschwindigkeit, sondern in einer Erhöhung des allgemeinen Preis-
niveaus.

Es ist erwähnenswert, daß das hier angenommene Beispiel, abgesehen
von Einzelheiten, genau das darstellt, was sich nach Entdeckung neuer Gold-
minen tatsächlich ereignet. Die Goldproduzenten wandeln ihr Erzeugnis
        <pb n="144" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 125

in Geld um; sie benützten es zuweilen als solches in Form von Klumpen
oder Goldstaub, zuweilen bringen sie es in die Münzstätte zur Prägung.
Sie sehen sich im Besitze von gefüllten Geldbeuteln, die viel mehr enthalten
als den Betrag des Taschengeldes, der ihnen am bequemsten ist. Wenn
z. B. ein solcher Mann von der Münzstätte soeben $ 1000 in Gold empfangen
hat, so kann er ziemlich sicher sein, entweder durch Ausgeben oder durch
Deponieren in einer Bank, wenigstens $ 950 dieser Summe so schnell wie
möglich los zu werden. In jedem der beiden hälle hat er und haben
Plünderte anderer, die dasselbe tun, die Tendenz, eine Steigerung der Preise
in dem Gemeinwesen herbeizuführen, wo sie ihr Geld oder Schecks auf die
Banken ausgeben, in denen sie ihr Geld deponieren.

Auf diese Weise stiegen die Preise vor ungefähr sechs Jahrzehnten in
Kalifornien und vor ein oder zwei Jahrzehnten in Kolorado sowie in Klondike.
Das lokale Steigen der Preise teilte sich dann von selbst anderen Plätzen
mit, denn, wie wir gesehen haben, kann das Preisniveau in einem Bezirke
das des Nachbarbezirks nicht in hohem Maße übersteigen, ohne einen Export
von Geld nach dem billigeren Platze zu verursachen. So sucht sich neues
Geld allmählich seinen Weg in die Zirkulation der ganzen Welt, indem es
von Ort zu Ort fließend die Preise erhöht. Der Vorgang dabei bedeutet in
allen Fällen eine Äußerung des Bestrebens, sich von einem unbequemen
Zuviel an Geld zu befreien, was durch ein bloßes Übertragen von Hand zu
Hand auf die Dauer nicht möglich ist, sondern nur durch ein Steigen der
Preise geschehen kann.

Dieses Bild, das verdeutlichen soll, auf welche Art und Weise eine Ver-
mehrung des Geldes eine Preissteigerung verursacht, ist hier gewählt worden,
um klar zu veranschaulichen, daß eine Vermehrung der Geldquantität (G)
nicht in einer bloßen Abnahme seiner Umlaufsgeschwindigkeit (U) resultiert.

Soweit die überzähligen Depositen in Betracht kommen, mag es den
Anschein haben, als ob es einen Weg gäbe, dieselben durch Aufhebung von
Bankanleihen los zu werden; dies würde aber das normale Verhältnis, in
dem G' zu G steht, reduzieren, das aber, wie wir gesehen haben, die Ten-
denz besitzt, das gleiche zu bleiben.

Wir kommen auf den Schluß zurück, daß die Umlaufsgeschwindigkeit
des Geldes sowohl wie der Depositen unabhängig ist von der Quantität
des Geldes oder der Depositen. Es hat sich noch kein Grund finden lassen,
ja sogar, soweit es den Anschein hat, kann kein Grund dafür nachgewiesen
werden, daß die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes oder der Depositen
verschieden sein müßte, je nachdem die Quantität des Geldes.oder der
Depositen groß oder klein ist.
        <pb n="145" />
        ﻿126

VIII. Kapitel.

Scheinbar bleibt noch eine Möglichkeit, um der Schlußfolgerung zu ent-
rinnen, daß die alleinige Wirkung einer Zunahme in der Quantität des in
Umlauf befindlichen Geldes in einer Erhöhung der Preise besteht. Man
kann behaupten —und diese Behauptung ist tatsächlich gemacht worden —,
daß eine solche Zunahme einen erhöhten Handelsumfang veranlaßt. Wir
versuchen daher nunmehr zu beweisen, daß (mit Ausnahme von Übergangs-
perioden) das Handelsvolumen ebenso wie die Umlaufsgeschwindigkeit
des Geldes von der Quantität des Geldes unabhängig ist. Eine außerordent-
liche Erhöhung der Umlaufsmittel kann weder die Erzeugnisse von Ackerbau
und Industrie, noch die Fahrgeschwindigkeit von Lastzügen oder Schiffen
erhöhen. Der Strom der Geschäfte hängt von natürlichen Hilfsquellen und
technischen Vorbedingungen, nicht aber von der Quantität des Geldes ab.
Der ganze Mechanismus von Produktion, Transport und Verkauf ist Gegen-
stand physischer und technischer Leistungsfähigkeit, die beide von der
Quantität des Geldes nicht abhängig sind. Die einzige Art und Weise,
in welcher die Quantität des Geldes auf den Umfang des Handels einzuwirken
scheint, besteht in der Beeinflussung solcher Hilfsgewerbe, die unmittelbar
mit der Herstellung des Geldes und Erzeugung der Geldmetalle zu tun
haben. Eine Zunahme an Goldgeld führt, wie gesagt, eine Zunahme im
Handel in Goldgegenständen herbei. Ebenso bringt diese Zunahme eine Ver-
mehrung der Verkäufe von Maschinen zum Goldbergbau, der Zahl der im
Goldbergbau beschäftigten Arbeiter, der Münzapparate und der Arbeit
hervor. Diese Umwälzungen können Veränderungen in verwandten
Gewerben nach sich ziehen. Wenn z. B. mehr Goldwaren verkauft werden,
so mögen weniger Silberwaren und Diamanten abgesetzt werden. In
gleicher Weise kann die Ausgabe von Papiergeld auf das Papiergewerbe und
die Druckereien, sowie auf die Anstellung von Bank- und Regierungs-
beamten usw. einwirken. Tatsächlich könnte man zahllose derartiger un-
bedeutender Änderungen in den Q, die auf die erwähnten Wandlungen
und noch viele andere zurückzuführen sind, nennen. Vom praktischen oder
statistischen Gesichtspunkt aus bedeuten sie nichts, denn sie können nicht
den zehnten Teil eines Prozentes zum Gesamtumfange des Handels hinzu-
fügen oder von demselben wegnehmen. Nur einige wenige Q würden merk-
lich beeinflußt und diese wenigen in ganz unbedeutender Weise. Dies wird
wohl niemand in Abrede stellen, doch könnten einige Gegner geltend machen,
daß, obwohl Produktionstechnik und Handel die meisten dieser Verhältnisse
bestimmen, sie dessenungeachtet die Q — die tatsächlichen Quantitäten
von gegen Geld und Depositenumlaujsmittel ausgetauschten Gütern — be-
greiflicherweise variieren können, jenachdem zum Tauschhandel Zuflucht
        <pb n="146" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 127

genommen wird oder nicht. Wenn der Tauschhandel ebenso bequem wie
Kauf und Verkauf wäre, würde dieser Einwurf überzeugende Kraft
haben. Es würde dann keine Veranlassung vorliegen, zwischen Geld als
dem allgemein annehmbaren Austauschmedium und anderem Eigentum,
das nicht allgemeine Beliebtheit als Tauschmittel besitzt, einen Unterschied
zu machen. Wenn alles Eigentum in gleicher W eise annehmbar wäre, würde
alles Eigentum in gleicher Weise Geld sein, oder wenn es viele Arten von
Eigentum gäbe, die beinahe ebenso austauschbar wie Geld wären, würde die
Zuflucht zum Tauschhandel so leicht sein, daß einige der für Geld verkauften
Güter fast ebensogut für etwas anderes vertauscht werden könnten. Solange
man aber dem Gebrauch von Geld überhaupt den Vorzug gäbe, würde man
nur widerstrebend zum Tauschhandel Zuflucht nehmen und ihn nur als
zeitweiligen Notbehelf benützen. Wir haben dies bei unserem Studium
der Übergangsperioden kennen gelernt. Unter normalen Bedingungen und
auf die Dauer kann nur ein ganz unbeträchtlicher Bruchteil des modernen
Handels durch Tauschhandel erledigt werden. Wir schließen daraus, daß
eine Änderung der Geldquantität die für Geld verkauften Güterquantitäten
nicht merklich beeinflußen kann.

Wenn also eine Verdoppelung der Quantität des Geldes: 1. regelmäßig
die dem Scheckverkehr unterworfenen Depositen in demselben Verhältnis
verdoppelt und 2. weder auf die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes oder
der Depositen, noch auf den Umfang des Handels merklich einwirkt, so muß
notwendig und mit mathematischer Bestimmtheit das Preisniveau sich
verdoppeln. Während demnach die Verkehrsgleichung an sich über einen
Kausalzusammenhang zwischen Geldquantität und Preisniveau ebensowenig
Auskunft gibt, wie über einen Kausalzusammenhang zwischen zwei be-
liebigen anderen Faktoren, so gibt es dennoch, wenn wir Verhältnisse in
Betracht ziehen, die völlig außerhalb dieser Gleichung liegen, nämlich die
Tatsache, daß ein Wechsel in G eine entsprechende Veränderung in G',
aber keine Veränderung in U, V oder in den Q hervorruft, kein Ent-
rinnen von der Schlußfolgerung mehr, daß eine Änderung in der Quantität
des Geldes (G) unter normalen Umständen eine proportionale Veränderung
im Preisniveau (in den p) verursachen muß.

Einer der Gegner der Quantitätstheorie versucht die Verkehrsgleichung
in der Formulierung Newcombs damit abzutun, daß er sie für eine bloße
Binsenwahrheit erklärte. Wenn man will, ist ja die Verkehrsgleichung
eine bloße Binsenwahrheit, welche auf die Tatsache gegründet ist, daß das
im ganzen in Einkäufen aufgewandte Geld zusammen mit den Schecks dem
Werte der damit gekauften Güter gleich ist; da uns aber unabhängig von
        <pb n="147" />
        ﻿128

VIII. Kapitel.

der Verkehrsgleichung bekannt ist, daß zwar Q' von G abhängt, daß aber G,
U, U' und die Q nicht von G abhängen, so liefert die Verkehrsgleichung
den Nachweis dafür, daß sich die p unter normalen Verhältnissen parallel
mit G bewegen müssen, mit anderen Worten, sie demonstriert die Quan-
titätstheorie. „Binsenwahrheiten“ sollten niemals vernachlässigt werden.
Die größten Grundlehren der Naturwissenschaft, wie z. B. die, daß Kräfte
im Verhältnis zu Masse und zunehmender Geschwindigkeit stehen, sind
Binsenwahrheiten. Wenn diese aber durch spezifische Tatsachen in
richtiger Weise ergänzt werden, bilden diese „Binsenwahrheiten“ die wert-
vollsten Quellen der Erkenntnis mechanischer Gesetze. Die Verkehrs-
gleichung geringschätzig zu verwerfen, weil sie eine so selbstverständliche
Wahrheit ist, heißt die Gelegenheit verabsäumen, für die Wissenschaft
der Nationalökonomie einige der wichtigsten und exaktesten Gesetze, deren
sie fähig ist, zu formulieren.

Wir wollen nun neu feststellen, in welchem kausalen Sinne die Quanti-
tätstheorie auf Wahrheit beruht. Sie ist wahr in dem Sinne, daß eine der
normalen Wirkungen einer Quantitätsvermehrung des Geldes eine genau pro-
portionale Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus istx).

Die Leugnung dieser Schlußfolgerung erfordert die Leugnung einer oder
mehrerer der folgenden Behauptungen, auf welchen sie beruht:

1.	Der Verkehrsgleichung GU + G'Ur = 2p Q.

2.	Dessen, daß unter normalen Verhältnissen eine Zunahme in G eine
proportionale Zunahme in G' verursacht.

3.	Daß TI, U' oder die Q unter normalen Verhältnissen durch eine
Zunahme in G nicht beeinflußt werden.

Wenn diese drei Annahmen als richtig zugegeben werden, so muß auch
die Schlußfolgerung zugegeben werden, und wenn eine davon in Abrede
gestellt wird, so muß der Gegner beweisen, wo der Trugschluß liegt. Die
Berechtigung der ersten Prämisse ist im II. und III. Kapitel nachgewiesen
und im Anhang zu den erwähnten beiden Kapiteln mathematisch bewiesen
worden. Die Wahrheit der zweiten Prämisse ist im III. Kapitel und die
dritte Prämisse im vorliegenden Kapitel bewiesen worden.

Es ist deshalb soviel Sorgfalt darauf verwendet worden, diese Theoreme
aufzustellen und die Resultate der Beweisführung, die darauf aufgebaut ist,

1) Vgl. Albert Aupetit, Essai sur la theorie generale de la monnaie, Paris (Guillaumin),
        <pb n="148" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 129

zu betonen, weil es nicht Geringeres als einen Skandal in der volkswirtschaft-
lichen Wissenschaft bedeutet, wenn über einen so grundlegenden Satz Anlaß
zum Streite bestehen sollte.

Die Quantitätstheorie, wie sie hier aufgestellt ist, behauptet nicht, daß,
während das Geld an Quantität zugenommen hat, nicht auch andere Ursachen
&lt;7, U, U' und die Q beeinflussen können, durch welche die Wirkung von G
auf die p erhöht oder neutralisiert wird. Dies sind aber keine Wirkungen
von G auf die p. Soweit G allein in Betracht kommt, ist dessen Wirkung auf
die p eine strikt proportionale.

Die Bedeutung und Realität dieses Satzes wird durch die Tatsache
nicht im geringsten beeinträchtigt, daß diese anderen Ursachen geschicht-
lich nicht im Hintergründe bleiben und uns erlauben, die Wirkung einer
Zunahme in G lediglich auf die p wahrzunehmen. Die Wirkungen von G
sind mit solchen, die durch die Veränderungen anderer Faktoren der Ver-
kehrsgleichung hervorgerufen werden, verbunden, und zwar genau so,
wie die Wirkungen der Schwere auf einen fallenden Körper mit den Wir-
kungen der Widerstandskraft der Luft verbunden sind.

Schließlich ist zu beachten, daß in Übereinstimmung mit den früher
erklärten Prinzipien eine große Zunahme des Geldes (G) in irgendeinem
Lande oder Landesteile nicht stattfinden kann, ohne daß sie sich auf andere
Länder und Distrikte ausbreitet. Sobald die lokalen Preise soweit gestiegen
sind, daß der Verkauf von Waren, die zu niedrigen Preisen irgendwo anders
eingekauft werden, wegen der an dem betreffenden Platze herrschenden
hohen Preise lohnend erscheint, wird Geld exportiert. Die Produktion von
Gold in Kolorado und Alaska hatte zunächst zur Folge, daß die Preise in
Kolorado und Alaska stiegen. Durch die Weiterversendung des Goldes rief
sie dann eine Preissteigerung in anderen Teilen der Vereinigten Staaten
hervor. Der Export nach anderen Kontinenten ergab endlich eine Preis-
erhöhung in der ganzen goldverbrauchenden Welt.

§3.

Wir haben auf die Tatsache Nachdruck gelegt, daß die streng propor-
tionale, durch eine Zunahme in G hervorgebrachte Wirkung auf die Preise
nur die normale oder leidliche Wirkung ist, nachdem die Übergangsperioden
vorüber sind. Der Satz, daß die Preise mit dem Gelde variieren, be-
stätigt sich nur bei einem Vergleich zweier hypothetischer Perioden, in
welchen die Preise feststehend bleiben oder sich in gleichem Verhältnisse
auf- oder abwärts bewegen.

Fisher, Kaufkraft des Geldes.

9
        <pb n="149" />
        ﻿130

VIII. Kapitel.

Was die Übergangsperioden anbelangt, so haben wir gesehen, daß eine
Vermehrung in G nicht nur auf die p eine Wirkung ausübt, sondern auf alle
Größen der Verkehrsgleichung. Im vierten, von den Übergangsperioden
handelnden Kapitel sahen wir, daß diese Vermehrung G' nicht nur im nor-
malen Verhältnis zu G erhöht, sondern häufig zeitweilig über dieses Ver-
hältnis hinaus. Ebenso haben wir gefunden, daß eine Zunahme in G zeit-
weilig auch U und TJ' beschleunigt.

Während sich TJ und ü' gewöhnlich in gegenseitiger Übereinstimmung
bewegen, so können sie sich, wenn eine Panik das Vertrauen in Bank-
depositen herabsetzt, wie bereits früher erwähnt, in entgegengesetzter
Richtung bewegen. Dann wird so schnell wie möglich mit Depositen und
so langsam wie möglich mit Geld ausgezahlt — letztgenannte Tendenz
wurde „Thesaurieren“ genannt.

Auch haben wir gefunden, daß eine Zunahme in G während einer Preis-
steigerungsperiode die Q anspornt. Und schließlich sahen wir, daß ein Ab-
nehmen in G die entgegengesetzten Wirkungen hervorruft, indem es U und
V vermindert, G' nicht allein absolut genommen, sondern auch im Verhält-
nis zu G verringert und die Q vermindert, teils wegen der Abneigung, zu
niedrigen Geldpreisen, die nur als vorübergehend angenommen werden, zu
verkaufen, teils wegen eines bei Verkäufen stattfindenden partiellen Er-
satzes von Verkäufen durch Akte des Tauschhandels; denn wenn G ganz
plötzlich reduziert werden sollte, so würde irgendein Weg ausfindig zu machen
sein, den Handel im Gange zu halten, und es würde trotz der Nachteile des
Tauschhandels zeitweilig zu diesem Zuflucht genommen werden. Dies würde
einige Erleichterung schaffen, doch würden die damit verbundenen Nachteile
die Verkäufer veranlassen, Geld zu verlangen, wenn immer die Möglichkeit
hierzu vorhanden ist, und weiterblickende Käufer würden sich rechtzeitig mit
Geld versorgen. Die starke Nachfrage nach Geld würde dessen Wert in die
Höhe treiben — das heißt, die Preise anderer Dinge herabsetzen. Das so sich
ergebende Sinken der Preise würde die zur Erledigung der nötigen Geschäfte
erforderlichen Umlaufsmittel zulänglich erscheinen lassen und somit den
Tauschhandel weniger notwendig machen. Das Fallen der Preise würde
anhalten bis der dem Nachteil des Tauschhandels zuzuschreibende abnorme
Druck aufhört. Tatsächlich ist jedoch in der heutigen Welt selbst eine
solche zeitweilige Zuflucht zum Tauschhandel ohne besondere Bedeutung.
Die Annehmlichkeit des Austausches durch Geld ist soviel größer als die des
Tauschhandels, daß die Preisanpassung fast sofort geschieht. Wenn der
Tauschhandel als ein Mittel zur Erleichterung einer Geldknappheit ernstlich
in Erwägung gezogen werden muß, so lassen wir ihm volle Gerechtigkeit
        <pb n="150" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 131

widerfahren, wenn wir ihn als ein Sicherheitsventil betrachten, das so
mächtig gegen einen Widerstand arbeitet, daß dieser fast niemals zutage
tritt und auch dann nur ganz vorübergehend. Für alle praktischen Zwecke
und alle normalen Fälle können wir annehmen, daß Geld und Schecks Not-
wendigkeiten für den modernen Handel sind.

Die charakteristischen Wirkungen während der Übergangsperioden
gleichen den eigentümlichen Wirkungen, die durch das Ingangsetzen
oder Anhalten eines Zuges hervorgerufen werden. Unter normalen
Verhältnissen hält der letzte Wagen mit der Lokomotive gleichen Schritt,
wenn sich aber der Zug in Bewegung setzt oder anhält, wird dieses
Verhältnis durch die allmähliche Fortpflanzung der Wirkungen durch
die Zwischenwagen gestört. Jede einzelne Erschütterung eines Waggons
wird in ähnlicher Weise auf alle anderen und auf die Lokomotive über-
tragen.

Wir haben zum Beispiel gesehen, daß eine plötzliche Veränderung in
der Quantität des Geldes und der Depositen zeitweilig auf ihre Umlaufs-
geschwindigkeit und auf das Handelsvolumen einwirkt. Umgekehrt üben
jahreszeitliche Veränderungen im Handelsvolumen auf die Umlaufsge-
schwindigkeiten einen Einfluß aus und, wenn das Währungssystem elastisch
ist, sogar auf die Quantität des Geldes und der Depositen. In lebhaften
Jahreszeiten, in denen „Geld gebraucht wird, um die Ernte zu transpor-
tieren“, ist die Umlaufsgeschwindigkeit offenbar größer als in stillen Jahres-
zeiten. Zu einer Zeit wird das Geld unbenützt liegen gelassen, um zu einer
anderen gebraucht zu werden, und solche jahreszeitliche Schwankungen
der Geschwindigkeit reduzieren wesentlich die Schwankungen, die sich sonst
im Preisniveau als notwendig erweisen würden. In ähnlicher Weise werden
jahreszeitliche Änderungen des Preisniveaus durch die abwechselnde Aus-
dehnung und Zusammenziehung eines elastischen Bankumlaufsmittels
reduziert. In diesem Falle kann man sagen, daß sich das Geld oder die De-
positen oder beides zeitweilig und bis zu einem durch die Menge der ge-
setzlichen Zahlungsmittel bestimmten Grade dem Handelsumfange selbst
anpassen. In beiden Fällen wird dann das Steigen wie das Fallen der
Preise abgeschwächt1). Daher wird während der Übergangsperioden
die „Quantitätstheorie“ also nicht strikt und absolut sich bewahrheiten.

1) Vgl. Hildebrand, Theorie des Geldes, XL Kapitel, der, ohne die Wirkung auf die Um -
laufsgeschwindigkeit klar zu erkennen, auf den Unterschied zwischen zwei Gemeinwesen
aufmerksam macht, die denselben Verbrauch aufweisen, von denen das eine jedoch einen
gleichmäßigen, das andere hingegen einen solchen Handel hat, in dem das Geschäft sich
2,1 bestimmten Zeiten, z. B. in der Erntezeit, anhäuft.

9*
        <pb n="151" />
        ﻿132

VIII. Kapitel.

Wir sind nun am Schlüsse unserer Skizze über die Wirkungen von G
und gehen nun zu den anderen Größen über.

§4.

Was die Depositen (Gr) anlangt, so hängt diese Größe stets von G ab.
Depositen sind auf Verlangen in Geld zahlbar. Es sind für dieselben Bank-
reserven in Geld erforderlich und zwischen der in Umlauf befindlichen Geld-
menge (G), dem Betrage der Reserven (ft) und der Quantität der Depo-
siten ((?') muß eine gewisse Beziehung bestehen. Wir haben gesehen, daß
unter normalen Umständen die drei in gegebenen Verhältnissen zueinander
bleiben. Was aber als normales Verhältnis bei einem gegebenen Stande
der Industrie und Zivilisation gilt, kann in einem anderen für nicht normal
gelten. Veränderungen in der Bevölkerung, im Handel, in den Gewohn-
heiten der Geschäftsleute, in den Gesetzen, ebenso wie Fortschritte im Bank-
wesen können große Veränderungen in diesem Verhältnis herbeiführen.
Statistisch hat sich das Verhältnis G' : G, wie wir im XII. Kapitel beweisen
werden, innerhalb vierzehn Jahren von 3,1 auf 4,1 verschoben.

Da unter normalen Verhältnissen G' von G abhängt, brauchen wir nicht
auf die Frage einzugehen, welches die Wirkungen einer Zunahme von &lt;7
sind, denn diese Wirkungen sind in denjenigen von G inbegriffen. Da sich
aber das Verhältnis von G' zu G verändern kann, haben wir uns mit der
Frage zu beschäftigen, welches die Wirkungen dieser Veränderung sind.

Nehmen wir den Fall an, der tatsächlich in den letzten Jahren vorge-
kommen ist, daß sich das Verhältnis von G' zu G in den Vereinigten Staaten
erhöht. Wenn die Größen der Verkehrsgleichung anderer Länder, mit denen
die Vereinigten Staaten in Handelsverbindung stehen, beständig sind, so
wird die endgültige Wirkung auf G die sein, es auf ein geringeres Maß zu
bringen, als dies sonst der Fall wäre, indem der Export von Gold aus
den Vereinigten Staaten erhöht oder der Import reduziert wird. Auf
keine andere Weise kann ein Steigen des Preisniveaus der Vereinigten
Staaten über das anderer Nationen hinaus verhindert werden, bei
welchen wir dieses Niveau und die anderen Größen der Verkehrsgleichung
als gleichbleibend angenommen haben. Die endgültige Wirkung be-
steht zwar in einer Erhöhung des Volumens der Umlaufsmittel, doch
breitet sich diese Erhöhung über die ganze Welt aus. Obgleich die Aus-
dehnung des Bankwesens rein lokaler Natur ist, haben die Wirkungen
doch einen internationalen Charakter. Tatsächlich wird dann in allen
Ländern mit Goldwährung nicht nur eine Wiederverteilung des Gold-
geldes vorsichgehen, sondern es wird auch eine Tendenz zum Ein-
        <pb n="152" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 133

schmelzen von Münzen in Barrengold zu industriellen Zwecken wahr-
zunehmen sein.

Die übrigen Wirkungen sind die nämlichen wie die bereits bei einer
Zunahme in G dargelegten. Das heißt, es tritt keine (endgültige) merkliche
Wirkung auf U, U' oder auf die Q ein, sondern nur auf die p und diese
steigen dann in allen Ländern im Verhältnis zu der Höhe, die sie sonst auf-
gewiesen hätten. In fremden Ländern ist die normale Wirkung propor-
tional der Zunahme des in Umlauf befindlichen Geldes, die sie infolge der
Verdrängung von Gold in den Vereinigten Staaten erfahren haben. In den
Vereinigten Staaten ist die Wirkung nicht proportional einer Zunahme
von (?', da sich G ja nach der entgegengesetzten Richtung bewegt hat. Sie
ist vielmehr proportional einer Zunahme von G -j- G', wenn U und V gleich
sind und geringer, als diesem Verhältnis entsprechen würde, wenn U kleiner
ist als U’, was gegenwärtig zutrifft.

Auf jeden Fall ist die Wirkung auf die Preise äußerst gering, da sie
sich über die ganze Handelswelt ausbreitet. Wenn man die Welt als ein
Ganzes nimmt, so besteht die endgültige Wirkung, wie wir gesehen haben,
in einer leichten Erhöhung der Weltpreise und in einem Einschmelzen von
etwas Münze. Die einzige nennenswerte Wirkung einer Erhöhung des
Verhältnisses von G' zu G in einem Lande ist letzten Endes eine Ver-
drängung von Geld aus diesem Lande in andere Länder. Alle diese
Wirkungen sind genau dieselben wie die einer Erhöhung der Ausgabe von
Banknoten, solange sie in Gold oder in anderem exportierbaren Geld ein-
gelöst werden können. Eine Ausgabe über diesen Punkt hinaus hat eine
Isolierung des ausgebenden Landes und infolgedessen ein rasches Steigen
der Preise dortselbst zur Folge, statt daß sich die Wirkung einer Erhöhung
auf andere Länder ausbreitet. Dies war der Fall in den Vereinigten Staaten
während des Bürgerkrieges.

Was die Übergangswirkungen anbetrifft, so ist es klar, daß vor der Ver-
treibung des Goldes aus den Vereinigten Staaten ein merkliches Steigen
der Preise daselbst wahrzunehmen sein muß, das sich die Handelsleute so-
dann durch Verkauf in den Vereinigten Staaten zunutze machen, indem
sie das Geld dem Land entziehen und damit im Auslande einkaufen. Während
der Zeit der steigenden Preise werden alle anderen einer solchen Periode
eigentümlichen zeitweiligen Wirkungen, die an anderer Stelle ausführlich
beschrieben worden sind, klar zutage treten.

Genau die entgegengesetzten Wirkungen folgen natürlich einer Abnahme
von G’ im Verhältnis zu G.
        <pb n="153" />
        ﻿134

VIII. Kapitel.

§5.

Wir kommen nun zu den Wirkungen von Veränderungen in den Ge-
schwindigkeiten (U und U'). Diese Wirkungen sind den soeben beschrie-
benen sehr ähnlich. Die endgültigen Wirkungen treffen die Preise und
nicht die Geldquantität oder das Handelsvolumen. Doch wird eine Ände-
rung in der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes in einem Lande, das durch
internationalen Handel mit anderen Ländern in Verbindung steht, eine
entgegengesetzte Veränderung der Quantität des in diesem Lande in Um-
lauf befindlichen Geldes verursachen. Es tritt dann eine Neuverteilung
des Geldes unter die Länder der Welt und der zu industriellen sowie der
zu Geldzwecken erforderlichen Edelmetallmengen ein.

Die normale Wirkung einer Erhöhung von U oder V in einem Lande
besteht also in einer Abnahme von G durch den Export, einer entsprechen-
den Abnahme von G' und einer leichten Preiserhöhung (p) in der ganzen
Welt. Es liegt kein Grund vor, anzunehmen, daß sich dabei unter normalen
Umständen irgendwelche Wirkungen auf das Handelsvolumen fühlbar
machen. Es ist wohl möglich, daß eine Veränderung in einer der beiden
Geschwindigkeiten eine entsprechende Veränderung in der anderen ver-
ursacht, oder, auf jeden Pall, daß die meisten Ursachen, die die eine erhöhen,
auch eine Erhöhung in der anderen herbeiführen. Eine Steigerung der
Bevölkerungsdichte zum Beispiel beschleunigt aller Wahrscheinlichkeit nach
den Geldumlauf wie den Scheckverkehr. Leider haben wir jedoch nicht ge-
nügende tatsächliche Kenntnis der beiderseitigen Geschwindigkeiten, um
die zwischen ihnen bestehenden Beziehungen mit Zuverlässigkeit feststellen
zu können.

Während der Übergangsperioden sind die Wirkungen der Veränderungen
in den Geschwindigkeiten zweifellos dieselben wie die Wirkungen einer
Vermehrung der Umlaufsmittel.

§6.

Unsere nächste Frage bezieht sich auf die Wirkungen einer allgemeinen
Zunahme oder Abnahme in den Q, d. h. im Handelsvolumen.

Eine Zunahme im Handelsvolumen eines Landes, sagen wir der Ver-
einigten Staaten, erhöht endgültig das in Umlauf befindliche Geld (G). In
keiner anderen Weise könnte in den Vereinigten Staaten im Vergleich mit
fremden Ländern eine Depression des Preisniveaus verhindert werden.
Eine Zunahme in G führt eine proportionale Zunahme in G' herbei.
Außerdem übt eine Zunahme des Handelsvolumens zweifellos eine gewisse
        <pb n="154" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw.

Wirkung dadurch aus, daß sie die Gewohnheiten eines Gemeinwesens in
bezug auf das Verhältnis der Scheck- zu den Bargeldgeschäften beeinflußt,
nnd sie kann so das Verhältnis von G' zu G zugunsten von G' verschieben;
je höher sich Handel und Verkehr eines Landes entwickeln, desto mehr
macht sich das Bedürfnis nach dem Gebrauch von Schecks fühlbarx).

Bezüglich der Wirkungen auf die Umlaufsgeschwindigkeit können wir
drei Fälle unterscheiden. Im ersten Fall wird angenommen, daß die Ver-
änderung des Handelsvolumens einer Veränderung in der Bevölkerung ent-
spricht, wie etwa dann, wenn eine Zunahme im Handel durch Besiedlung
neuen Landes stattfindet, und zwar ohne eine größere Konzentration in früher
besiedelten Gegenden und ohne irgendwelche Veränderung im Umsatz pro
Kopf oder in der Verteilung des Handels unter den Einzelgliedern der
Bevölkerung. Unter derartigen Bedingungen ist kein Grund gefunden
worden und anscheinend kann ein solcher auch nicht gefunden werden, wes-
halb die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes eine andere sein sollte, je
nachdem das Handelsvolumen groß ist oder gering.

Der zweite Fall tritt dann ein, wenn die Zunahme des Handelsvolumens
einer Steigerung der Bevölkerungsdichte entspricht, aber keine Änderung
im Handelsumfang pro Kopf vor sich geht. In diesem Falle kann durch die
dichtere Besiedlung eine etwas größere Geschwindigkeit ermöglicht werden.

Der dritte Fall schließlich tritt dann ein, wenn die Veränderung des
Handelsvolumens auf den Handelsumfang pro Kopf der Bevölkerung oder
auf die Handelsverteilung in der Bevölkerung einwirkt.

Es sind also verschiedene Wege denkbar, auf denen die Umlaufs-
geschwindigkeit beeinflußt werden kann.

Erstens: Eine Veränderung im Handel, die eine Änderung in den
l Methoden des Gütertransports nach sich zieht, bringt eine Veränderung in
den Methoden des Geldtransports mit sich. Ein rascher Transport bedeutet
gewöhnlich eine raschere Zirkulation.

Zweitens: Eine veränderte Verteilung des Handels verändert den rela-
tiven Verbrauch verschiedener Personen. Wenn ihre Umschlagssätze ver-
schieden sind, so verändert eine Änderung ihrer Ausgaben deutlich die

x) Damit soll aber nicht im entferntesten behauptet werden, wie Laughlin dies getan
hat, daß „die Grenze, die der Ausdehnung gesetzlicher Kreditoperationen gesetzt ist,
immer im Verhältnis zur Ausdehnung der tatsächlichen Güterbewegung erweitert werden
kann“; siehe Principles of Money, New York (Scribner), 1903, S. 82. Im IV. Kapitel
haben wir gesehen, daß die Depositenumlaufsmittel im Verhältnis zur Geldquantität
stehen; eine Veränderung im Handel kann das Verhältnis indirekt d. h. durch eine Ver-
änderung in den Gewohnheiten des Gemeinwesens, beeinflussen, aber mit Ausnahme der
Übergangsperioden kann dieses Verhältnis nicht direkt beeinflußt werden.
        <pb n="155" />
        ﻿136

VIII. Kapitel.

relative Bedeutung oder das Gewicht dieser Sätze im allgemeinen Durch-
schnitte, führt also einen Wechsel in diesem Durchschnitte herbei, ohne not-
wendigerweise die individuellen Umschlagssätze zu verändern. Ein erhöhter
Handel in den Südstaaten zum Beispiel, in denen die Umlaufsgeschwindig-
keit des Geldes mutmaßlich eine niedrige ist, würde die Tendenz haben,
die Durchschnittsgeschwindigkeit in den Vereinigten Staaten zu ver-
mindern, indem in ihnen einfach die Geschwindigkeit in den langsameren
Teilen des Landes größere Bedeutung erhielte.

Drittens kann eine Veränderung im individuellen Geldaufwande, wenn
er durch eine wirkliche Änderung in der Quantität der gekauften Güter
veranlaßt worden ist, eine Veränderung in den Geschwindigkeiten im Einzel-
falle verursachen. Tatsächlich scheint der Umsatz eines Menschen desto
rascher zu sein, je größer sein Aufwand bei einem gegebenen Preissatze ist;
d. h. die Reichen haben einen höheren Umschlagssatz als die Armen. Sie
geben das Geld schneller aus, und zwar nicht nur absolut, sondern auch im
Verhältnis zu dem Gelde, das sie zur Verfügung halten. Die an der Yale
Universität gesammelten Statistiken einer Anzahl von Fällen individueller
Umsätze beweisen dies klar und deutlich1). Mit anderen Worten: Ein
Mann, der viel ausgibt, braucht, wenn er auch im ganzen mehr Geld zur
Verfügung haben muß, im Verhältnis zu seinen Ausgaben nicht soviel Geld
bei sich zu führen wie derjenige, der wenig ausgibt. Man darf das auch
insofern erwarten, als ja im allgemeinen ein Betrieb, je größer er ist, desto
ökonomischer geleitet werden kann. Professor Edgeworth2) hat nachge-
wiesen, daß dieselbe Regel für das Bankwesen gilt. Wenn sich zwei Banken
vereinigen, so benötigen sie eine geringere Reserve als die Summe der beiden
früheren Reserven.

Wir können also hieraus schließen, daß, wenn der Reichtum einer
Nation, auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, zunimmt, die Umlaufs-
geschwindigkeit des Geldes sich erhöht. Diese Behauptung bezieht sich
natürlich nicht auf die nominelle Zunahme der Ausgaben. Denn, wie wir
gesehen haben, würde eine Verdoppelung aller Preise und Einkommen die
Geldumschlagssätze des einzelnen nicht berühren. Jede Person würde genau
den doppelten Aufwand für dasselbe tatsächliche Ergebnis zu machen und
genau das zweifache Geld zur Verfügung zu halten haben, um den nämlichen
unvorhergesehenen Ausgaben in derselben Weise entsprechen zu können.
Was die Geschwindigkeit bestimmt, ist der tatsächliche Verbrauch und nicht

1)	Siehe § 1 des Anhanges zu diesem Kapitel (VIII).

2)	„Mathematical Theory of Banking“, Journal of the Royal Statistical Society, März

1888.
        <pb n="156" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 137

der nominelle. Der tatsächliche Aufwand einer Person ist nur ein anderer
Name für deren Handelsvolumen. Wir ziehen also den Schluß, daß eine
Veränderung im Handelsvolumen, wenn sie auf den Handel per Kopf ein-
wirkt, gleichzeitig auch die Umlaufsgeschwindigkeit beeinflußt.

Wir finden also, daß ungleich einer Zunahme der Umlaufsmittel (G
und G') oder der Geschwindigkeiten (U und U') eine Zunahme im Handel
andere Wirkungen haben kann als nur auf die Preise, nämlich Wirkungen
einer Erhöhung der Größen auf der entgegengesetzten Seite der Gleichung,
U und ü\ und (wenn auch nur indirekt durch einen Einfluß auf
die Geschäftsbequemlichkeit und Gewohnheit) auf G' im Verhältnis zu G.
Wenn diese Wirkungen die finke Seite der Gleichung um ebensoviel er-
höhen als die Zunahme im Handel selbst (in den Q) die rechte Seite
direkt erhöht, dann wird die Wirkung auf die Preise gleich Null sein.
Wenn die Wirkung auf der finken Seite die auf der rechten Seite übertrifft,
dann steigen die Preise. Nur unter der Voraussetzung, daß die Wirkung
auf der finken Seite geringer ist als die Zunahme im Handel, wird ein
Fallen der Preise eintreten, dann aber nicht im Verhältnis zur Zunahme
im Handel.

In einem früheren Kapitel wurde dargelegt, daß eine Veränderung
im Handel, vorausgesetzt, daß die TJmlaufsmittel (G und G') und die Ge-
schwindigkeiten U und TJ’ gleichbleiben, eine umgekehrte Veränderung in den
Preisen hervorruft. Nun finden wir aber, daß Voraussetzung und Obersatz
nicht recht stimmen; Umlaufsmittel und Geschwindigkeiten können dieselben
bleiben nur unter der schwerfälligen Annahme, daß die mannigfachen anderen
Ursachen, welche auf sie einwirken, eine solche Änderung erfahren, daß die
Zunahme im Handel durch sie genau neutralisiert wird. Wenn diese ver-
schiedenen anderen Ursachen dieselben bleiben, dann werden die Umlaufs-
mittel und die Geschwindigkeiten nicht dieselben bleiben.

Es geschieht hier zum erstenmal, daß in unserer Untersuchung, wir
finden, daß unter normalen Umständen, d. h. abgesehen von zeitweiligen
oder Übergangswirkungen, nicht dasselbe Kesultat erzielt wird, wenn wir je
eine der Ursachen variieren lassen, wie wenn wir annehmen, daß je einer der
algebraischen Faktoren in der Gleichung variiert. Die „Quantitätstheorie“
daß die Preise (p) mit dem Gelde (ß) variieren — bewahrheitet sich
sowohl, wenn wir annehmen, daß andere Ursachen dieselben bleiben, wie
wenn wir bloß annehmen, daß andere algebraische Faktoren dieselben bleiben;
und wir haben gefunden, daß alle algebraisch bewiesenen Theoreme, mit Aus-
nahme des auf die Variation des Handels bezüglichen, auch kausal genommen
richtig bleiben. Da es der Hauptzweck dieses Kapitels ist, die Quantitäts-
        <pb n="157" />
        ﻿138

VIII. Kapitel.

theorie insofern zu rechtfertigen, als sie sowohl einen Kausalzusammenhang,
als auch ein algebraisches Verhältnis ausdrückt, so ist es wichtig, hervor-
zuheben, daß kausale und algebraische Theoreme nicht immer identisch sind.

Was die Übergangswirkungen einer Veränderung im Handelsvolumen
betrifft, so hängen diese hauptsächlich von einer der beiden möglichen
Richtungen ab, in denen sich die Preise bewegen. Wenn sie nach aufwärts
gehen, sind die Wirkungen des Überganges denen ähnlich, mit denen wir
bereits in bezug auf die Perioden steigender Preise vertraut sind;
wenn die Preise sinken, gleichen sie den mit einer solchen Bewegung ver-
bundenen.

§ 7-

Wir haben nun die Wirkungen der Variationen jedes einzelnen Fak-
tors der Verkehrsgleichung (mit Ausnahme eines einzigen) auf die anderen
Faktoren genau untersucht und haben gefunden, daß mit Ausnahme des
Faktors „Handel“ (der Q) in jedem Falle die endgültige Wirkung die Preise
(die p) traf. Die einzige Gruppe der Faktoren, die wir als Ursache noch
nicht erörtert haben, sind die Preise (die p) selbst. Sie sind bisher einzig
und allein als Wirkungen anderer Faktoren betrachtet worden. Die Gegner
der Quantitätstheorie haben aber behauptet, daß die Preise eher als Ur-
sachen, denn als Wirkungen zu betrachten sind. Unsere nächste Aufgabe
ist daher, diese Behauptung einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

Algesehen von beschränkter Wirkung während Übergangsperioden oder
einer vorübergehenden Saison (z. B. im Herbst) liegt, soweit ich entdecken
kann, keinerlei Wahrheit in dem Gedanken, daß das Preisniveau eine un-
abhängige Ursache von Veränderungen in irgendeiner der anderen Größen
G, G', U, U' oder in den Q ist. Um die Unhaltbarkeit eines solchen Ge-
dankens darzulegen, wollen wir des Beweises halber zugeben, daß — aus
irgendeiner andern Ursache als durch Veränderungen in G, G', U, Ur und
den Q — die Preise (sagen wir) in den Vereinigten Staaten sich (sagen
wir) um das Doppelte ihrer ursprünglichen Höhe verändert haben, und wir
wollen nun sehen, welche Wirkung diese Ursache auf die anderen Größen
der Gleichung hervorbringen wird.

Es ist klar, daß die Gleichheit der Geldseite und der Güterseite auf
irgendeine Art aufrechterhalten werden muß, und daß, wenn die Preise
erhöht werden, die Quantität des Geldes oder die Quantität der Depositen
oder ihre Geschwindigkeiten erhöht werden müssen, oder aber, es muß das
Volumen der Geschäfte reduziert werden. Die Untersuchung wird aber
lehren, daß keine dieser Lösungen annehmbar ist.
        <pb n="158" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 139

Die Quantität des Geldes kann nicht erhöht werden. Es kommt kein
Geld aus dem Ausland, denn wir haben gesehen, daß ein Platz mit hohen
Preisen das Geld vertreibt. Die Konsequenz einer Erhöhung der Preise in
den Vereinigten Staaten würde sein, daß die Geschäftsleute in den Ver-
einigten Staaten, woselbst die Preise hoch sind, verkaufen und den Geld-
gewinn nach anderen Erdteilen nehmen, um dort zu kaufen, wo die Preise
niedrig sind. Es ist ebenso schwierig, Geld in ein Land mit hohen Preisen
strömen zu lassen wie zu bewirken, daß das Wasser bergauf fließt.

Aus ähnlichen Gründen kommt auch kein Geld auf dem Wege der Münz-
stätten ins Land. Da das Barrengold und die Goldmünzen in bezug auf
Güter ursprünglich denselben Wert hatten, so haben die Goldmünzen nach
der angenommenen Preisverdoppelung die Hälfte ihrer Kaufkraft verloren.
Niemand wird Barrengold zur Münzstätte bringen, wenn er dabei die Hälfte
des Wertes verliert. Umgekehrt führen, wie wir in einem früheren Kapitel
gesehen haben, hohe Preise zur Einschmelzung der Münzen.

Endlich wird der Goldbergbau durch hohe Preise nicht gefördert, sondern
im Gegenteil, entmutigt. Auch wird die Konsumtion von Gold durch hohe
Preise nicht entmutigt, sondern gefördert. Alle diese Tendenzen sind in ihren
Einzelheiten erörtert worden. Jeder Grundsatz, der die Verteilung des
Geldes unter die Nationen bestimmt, (die Verteilung des Geldmetalls zwischen
die Gebiete der Gelderzeugung und der industriellen Verwendung oder die
Produktion und Konsumtion von Metallen) arbeitet genau dem entgegen,
was eintreten müßte, wenn das Geld sich den Preisen anpassen sollte und
nicht die Preise dem Gelde.

In gleicher Weise ist es sinnwidrig, anzunehmen, daß hohe Preise die
Quantität der Depositen (G') erhöhen. Wie wir gesehen haben, würde die
Wirkung eine Verringerung der Quantität des in Umlauf befindlichen Geldes
((?) sein; aber dieses Geld ist doch die Basis der Depositenumlaufsmittel
(C?'), und die Verminderung des ersteren hat daher eine Verminderung der
letzteren zur Folge. Eine Reduzierung von G und G' hat nicht die Tendenz,
die von uns willkürlich angenommenen hohen Preise zu heben, sondern im
Gegenteil herabzudrücken.

Eine Berufung auf die Geschwindigkeiten (U und U') gewährt ebenso-
wenig Befriedigung. Diese sind bereits adjustiert worden, um sich der
individuellen Bequemlichkeit anzupassen. Sie zu verdoppeln, mag keine
Physische Unmöglichkeit sein, würde aber sicher eine große Unannehmlich-
keit bedeuten.

Es bleibt nun noch als letzte Hoffnung, daß die hohen Preise das
Handelsvolumen (die Q) vermindern. Wenn aber alle Preise einschließlich der
        <pb n="159" />
        ﻿140

VIII. Kapitel.

Preise der Dienstleistungen verdoppelt werden, liegt doch kein Grund vor,
weshalb der Handel reduziert werden sollte. Da die Durchschnittsperson
nicht nur hohe Preise zahlt, sondern auch hohe Preise empfängt, ist es offen-
bar, daß die gegebenen hohen Preise sie in den Stand setzen, die zu zahlenden
hohen Preise auszuhalten, ohne ihre Käufe einschränken zu müssen.

Unsere Schlußfolgerung geht dahin, daß die Hypothese eines ver-
doppelten Preisniveaus, das, als unabhängige Ursache auftretend, zwar auf
die anderen Faktoren in der Yerkehrsgleichung bestimmend einwirkt, selbst
aber von diesen unabhängig ist, unhaltbar ist. Jeder Versuch, hohe
Preise künstlich aufrechtzuerhalten, muß unseren Erörterungen nach
das Resultat ergeben, daß sich die anderen Größen der Verkehrsgleichung
nicht etwa adjustieren, um sich den hohen Preisen anzupassen, sondern daß
sie im Gegenteil den hohen Preisen entgegenarbeiten. Das Gold wird ins
Ausland gehen, in den Schmelztiegel wandern, weniger produziert und
mehr konsumiert werden, bis sein Mangel in seiner Geldgestalt die Preise
herab drücken wird. Das Preisniveau ist unter normalen Verhältnissen das
einzige absolut passive Element in der Verkehrsgleichung. Es wird einzig
und allein von den anderen Elementen und den ihnen vorherwirkenden Ur-
sachen bestimmt, übt aber keinen bestimmenden Einfluß auf diese
Elemente aus.

Wiewohl es aber ein Irrtum ist, zu glauben, daß das Preisniveau
in einem Gemeinwesen das Geld in diesem Gemeinwesen auf die Dauer be-
einflussen kann, so ist es richtig, daß das Preisniveau in einem Gemeinwesen
auf das Geld in einem anderen Gemeinwesen einwirken kann. Von dieser
Behauptung, die von dem obenerwähnten Trugschluß deutlich zu unter-
scheiden ist, ist in unserer Erörterung wiederholt Gebrauch gemacht worden.
Das Preisniveau in einem auswärtigen Gemeinwesen ist eine Größe, die
außerhalb der Verkehrsgleichung eines anderen Gemeinwesens liegt, und wirkt
auf das darin in Umlauf befindliche Geld, nicht aber direkt auf das Preis-
niveau in dem Gemeinwesen ein. Das Preisniveau außerhalb der Stadt
New York zum Beispiel wirkt auf das Preisniveau in dieser Stadt nur auf
dem Umwege von Veränderungen im Gelde in der Stadt New York ein.
Innerhalb der City von New York ist es das Geld, das auf das Preisniveau
einwirkt, und es ist nicht das Preisniveau, das das Geld beeinflußt. Das
Preisniveau ist Wirkung und nicht Ursache. Wenngleich das Preisniveau
außerhalb New Yorks eine unmittelbare Ursache von Geldveränderungen
in New York ist, so ist dieses Preisniveau seinerseits nur sekundäre Ursache,
da es selbst eine Wirkung der anderen Faktoren in der Verkehrs-
gleichung außerhalb der Stadt New York ist. Für die Welt im ganzen
        <pb n="160" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 141

ist das Preisniveau nicht einmal eine sekundäre Ursache, sondern lediglich
eine Wirkung des Geldes der Welt, ihrer Depositen, Geschwindigkeiten
und des Welthandels.

Wir haben gesehen, daß hohe Preise an einem Platze daselbst keine
Zunahme der Geldzufuhr verursachen, denn das Geld fließt von einem
solchen Platze fort. Gleichfalls verursachen hohe Preise zu irgendeiner
Zeit keine Zunahme an Geld zu dieser Zeit, denn das Geld fließt sozusagen
von diesem Zeitabschnitte hinweg. Wenn also das Preisniveau im Januar
im Vergleiche mit demjenigen der anderen Monate hoch ist, so wird keine
Neigung zu einer Ausgabe großer Quantitäten von Banknoten in diesem Zeit-
punkte vorhanden sein. Im Gegenteil, man wird trachten, bei den hohen
Preisen Geldzahlungen zu vermeiden und warten, bis die Preise niedriger
sind. Wenn diese Zeit kommt, werden mehr Umlaufsmittel gebraucht;
der Banknoten- und Depositenbestand dehnt sich dann aus, um der
außergewöhnlichen Nachfrage, die sich hierbei ergeben kann, zu entsprechen.
Die Umlaufsmittel vermehren sich also bei niedrigen Preisen und nehmen
ab bei hohen Preisen und diese Expansion und Kontraktion führt zum Sinken
hoher Preise und zum Steigen niedriger Preise, wirkt also preisausgleichend.
Weit entfernt davon, daß hohe Preise ein erhöhtes Geldangebot verursachen,
können wir aus vorstehendem ersehen, daß das Geld den Standort und die
Zeit hoher Preise vermeidet, hingegen Standort und Zeit niedriger Preise auf-
sucht, und daß dadurch die Ungleichheit der Preisniveaus abgeschwächt wird.

Das Gesagte setzt voraus, daß die Käufer Platz und Zeit ihrer Ein-
käufe nach Belieben wechseln können. In dem Maße, in dem ihre Freiheit,
den Marktplatz und die Marktzeit selbst zu wählen, beeinträchtigt wird,
wird die Korrektur durch die Anpassung der Quantität des Geldes geschmälert.
Die anormale Zeit einer Panik kann sogar dadurch charakterisiert werden,
daß Kontrakte, die vor langer Zeit abgeschlossen worden sind und hin-
sichtlich deren eine Zahlungsaufschiebung nicht statthaft ist, erfüllt werden
müssen. Es kann dann eine „Geldhungersnot“ und eine fieberhafte Nach-
frage nach Krisengeldzeichen eintreten, um mit ihnen die ausstehenden Ver-
bindlichkeiten liquidieren zu können, die man, hätte man die Situation vor-
aussehen können, auf keinen Fall eingegangen wäre. Daß derartige abnorme
Zustände die allgemeine These, daß die Preise die Wirkung und nicht die Ur-
sache der Umlaufsmittel (Depositenumlaufsmittel inbegriffen) sind, nicht
widerlegen, ist durch Minnie Throop England statistisch bewiesen worden1). i)

i) „Statistical inquiry into the influence of credit upon the level of prices“, Dniversity
Studies (University of Nebraska), Januar 1907, S. 41 83.
        <pb n="161" />
        ﻿142

VIII. Kapitel.

§8-

Wenn es sich hier nicht darum handelte, dem geradezu fanatischen
Eifer entgegenzutreten, mit dem einige Nationalökonomen immer wieder
bestreiten, daß in letzter Konsequenz das Preisniveau Wirkung und nicht
Ursache ist, so brauchten wir uns keine so große Mühe zu geben, diese über
allen Zweifel hinaus zu beweisen. Wir sind es unserer Wissenschaft schuldig,
ihre Wahrheiten darzulegen. Damit übernehmen wir die weitere Ver-
pflichtung zu untersuchen und klarzulegen, soweit dies eben möglich ist,
warum eine so offenbare Wahrheit nicht allgemein anerkannt wor-
den ist.

Ein Grund ist bereits angeführt worden, nämlich die Befürchtung, daß
die Gegner aller klardenkenden Nationalökonomen — die Anhänger fauler
Währungssysteme — dadurch unterstützt und ermutigt werden könnten.
Wir wollen nun unsere Aufmerksamkeit einem anderen Motive der Gegner-
schaft zuwenden, und zwar der irrigen Idee, daß das Preisniveau durch
andere Faktoren in der Verkehrsgleichung nicht bestimmt werden kann,
weil es bereits durch andere Ursachen, gewöhnlich „Angebot und Nach-
frage“ genannt, bestimmt worden sei. Diese allgemeine Redensart hat für
eine Unmasse von Versündigungen nachlässiger Analyse der Volkswirtschaft
als Deckmantel gedient. Wer ein so unbedingtes Vertrauen in die Zuläng-
lichkeit von Angebot und Nachfrage für die Festlegung der Preise setzt,
und zwar ohne Rücksicht auf die Quantität des Geldes und der Depositen,
auf die Umlaufsgeschwindigkeit und auf den Handel, dürfte in seinem Ver-
trauen gewaltig erschüttert werden, wenn er der Beweisführung in bezug
auf die Preisbildung einzelner Artikel folgt. Er wird finden, daß zur Be-
stimmung der „unbekannten Größen“ immer gerade eine Gleichung fehlt1).
Die Verkehrsgleichung ist in jedem Falle erforderlich, um die Gleichungen
von Angebot und Nachfrage zu ergänzen.

Es würde uns zu weit von unserem Wege abführen, wollten wir hier
eine vollständige Darlegung der preisbestimmenden Prinzipien einschalten.
Jedoch kann die Vereinbarkeit der Verkehrsgleichung mit den Gleichungen,
die sich auf die individuelle Preisbildung beziehen, dem Leser für den vor-
liegenden Zweck genügend zum Verständnis gebracht werden, wenn auf
die Unterscheidung zwischen 1. den individuellen Preisen in ihrem gegen-
seitigen Verhältnis und 2. dem Preisniveau Nachdruck gelegt wird. Die

1) Vgl. Irving Fisher, „Mathematical Investigations in the Theory and Value of Prieet“,
Transaciions of the Connecticut Academy of Arts and Sciences, Band IX, 1892, S. 62.
        <pb n="162" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 143

Verkehrsgleichung bestimmt nur das letztere (das Preisniveau), und nur das
letztere ist Gegenstand dieses Buches. In die Diskussion über Preisniveaus
die Prinzipien hineinzubringen, die die einzelnen Preise in ihrer gegenseitigen
Beziehung bestimmen, würde den Leser nicht fördern, sondern nur aufhalten.
Es ist erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit so viele an der irrigen Idee
festhalten, daß ein individueller Preis, wenngleich er in Geld ausgedrückt
ist, ganz und gar ohne Bezug auf Geld bestimmt werden könne. Andere
erkennen minder vorurteilsvoll, aber nicht weniger konfus, zwar die
Notwendigkeit an, die Geldquantität in die Ursachen der Feststellung der
Preise einzuschließen, werfen sie aber in sorglosem Eklektizismus
mit einer buntgemischten Menge anderer auf die Preise einwirkender Ein-
flüsse ohne Rücksicht auf ihre gegenseitigen Beziehungen einfach durch-
einander. Es sollte unbedingt anerkannt werden, daß Preisniveaus unab-
hängig von individuellen Preisen studiert werden müssen.

Die Berechtigung, das Studium der Preisniveaus von dem der Preise
getrennt zu halten, erkennt man sofort klar und deutlich, wenn man sieht,
daß die einzelnen Preise durch Angebot und Nachfrage, Geldproduktions-
kosten usw. nicht vollkommen bestimmt werden können, daß man vielmehr
durch eine Hintertüre das Preisniveau hineinbringen muß. Wir können die
Tatsache gar nicht genug hervorheben, daß die Preise von „Angebot und
Nachfrage“ oder den in Geld ausgedrückten „Produktionskosten“ der Güter
nicht vollständig bestimmt werden und bestimmt werden können. In jedem
vollständig ausgedrückten Preissatze ist das Geld bereits inbegriffen. Immer
wird die Voraussetzung eines allgemeinen Preisniveaus irgendwie voraus-
gesetzt. Schriftsteller wie A. D. Wells 1) haben ernsthaft die Erklärung
einer allgemeinen Veränderung der Preisniveaus in den individuellen
Preisveränderungen verschiedener getrennt betrachteter Waren gesucht.
Ihre Beweisführung geht zumeist nicht weiter, als einen Preissatz durch
andere Preissätze erklärend auszudrücken. Wenn wir versuchen, den Geld-
preis eines fertigen Produktes durch GeMpreissätze der Rohmaterialien
dieses Produktes und andere GeMkosten von Produktionspreisen zu er-
klären, so ist es klar, daß das Problem nur verschoben wird. Wir haben
dann immer noch die Preise zu erklären, wie sie vorher waren. In elemen-
taren Lehrbüchern wird großer Nachdruck auf die Tatsache gelegt, daß
»Angebot und Nachfrage“ unvollständige Bezeichnungen sind, und daß
es zur Bedeutung derselben notwendig ist, jeder den Zusatz „zu einem
gegebenen Preise“ beizufügen. Es muß aber auch Nachdruck darauf gelegt

G Recent Economic Changes, New York (Appleton), 1890, IV. Kapitel.
        <pb n="163" />
        ﻿144

VIII. Kapitel.

werden, daß „Angebot zu einem gegebenen Preise“ und „Nachfrage zu
einem gegebenen Preise“ noch immer unvollständige Bezeichnungen sind, und
daß, um ihnen Sinn zu verleihen, hinzugefügt werden muß: „bei einem
gegebenen Preisniveau“. Die Nachfrage für Zucker bezieht sich nicht nur
auf den Preis des Zuckers, sondern auch auf das allgemeine Preisniveau
anderer Gegenstände. Zu zehn Cent per Pfund ist die Nachfrage für Zucker
nicht nur größer als die Nachfrage zu zwanzig Cent per Pfund (bei einem
gegebenen Preisniveau anderer Gegenstände) sondern die Nachfrage zu
zwanzig Cent bei einem hohen Preisniveau ist auch größer als die Nachfrage
zu zwanzig Cent bei einem niedrigen Preisniveau. Wenn das Preisniveau
verdoppelt wird, so ist die Nachfrage zu zwanzig Cent per Pfund tatsäch-
lich ebensogroß wie zuvor die Nachfrage zu zehn Cent per Pfund, wobei
wir annehmen, daß die Verdoppelung sich in gleicher Weise auf Löhne und
Einkommen im allgemeinen bezieht. Das Bedeutsame eines Dollars liegt in
seiner Kaufkraft, und die Äquivalenz zwischen Zucker und Dollars
ist im Grunde eine Äquivalenz zwischen Zucker und der in Dollar ausge-
drückten Kaufkraft. Eine Veränderung in der Menge dessen, was Dollar
kaufen, ist ebenso bedeutsam wie eine Veränderung in der Menge des Zuckers.
Der Preis des Zuckers in Dollar hängt teils vom Zucker und teils von den
Dollarn ab, — von dem, was Dollar kaufen, und zwar was sie bei dem ge-
gebenen Preisniveau kaufen. Deshalb steckt hinter dem Zuckerpreise im
besonderen, als einer der Grundfaktoren dieses besonderen Preises, das
allgemeine Preisniveau. Vor einer Untersuchung des Zuckerpreises das
allgemeine Preisniveau zu erörtern, ist viel notwendiger, als vor einer Unter-
suchung des Preisniveaus den Zuckerpreis zu studieren. Das Niveau des
Meeres kann nicht durch die Höhe der einzelnen Wellen erklärt werden,
sondern es kann der Charakter dieser Wellen zum Teil aus dem allgemeinen
Meeresniveau seine Erklärung finden. Jede „Angebotskurve“ oder „Nach-
fragekurve“ beruht auf der unbewußten Voraussetzung eines bereits be-
stehenden Preisniveaus. Obwohl sich die Kurven auf eine Ware beziehen,
so beziehen sie sich auf diese im Vergleiche mit dem Gelde. Ein Preis ist ein
Austauschverhältnis zwischen der Ware und dem Gelde. Die Geldseite
jedes Austausches darf niemals vergessen werden und auch die Tatsache
nicht, daß schon in der Vorstellung des Käufers das Geld als ein allgemeines
Kauf mittel figuriert. Obwohl jeder Käufer und Verkäufer, der einen Preis
für irgendeine Ware fordert oder anbietet, stillschweigend eine gegebene
Kaufkraft des geforderten oder angebotenen Geldes voraussetzt, so ist er
sich dessen gewöhnlich ebenso unbewußt wie der Beschauer eines Bildes
sich der Tatsache unbewußt ist, daß er den Hintergrund des Bildes benützt,
        <pb n="164" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 445

um daran die Gestalten im Vordergründe zu messen. Wenn das allgemeine
Niveau sich verändert, so verändern sich folglich die Angebot- und Nach-
fragekurven der in Betracht kommenden einzelnen Ware dementsprechend.
Wenn die Kaufkraft des Dollars auf die Hälfte ihrer früheren Ziffer reduziert
wird, so verdoppelt sich die Höhe dieser Kurven, denn jedermann gibt oder
empfängt dann für ein gegebenes Quantum der Ware das Doppelte des früheren
Geldes. Wenn durch Einwirkung spezieller Ursachen auf eine spezielle
Ware die Angebot- und Nachfragekurven dieser Ware und ihr Schnittpunkt
erhöht oder erniedrigt werden, so müssen sich die Angebot- und Nachfrage-
kurven anderer Güter in der entgegengesetzten Richtung verändern. Das
heißt, wenn eine Ware im Preise steigt (ohne irgendeine Veränderung ihrer
vorhandenen Menge oder anderer gekaufter und verkaufter Gegenstände
und ohne jedwede Veränderung des Bestandes an Umlaufsmitteln oder der
Umlaufsgeschwindigkeit), dann müssen andere Waren im Preise fallen.
Das Geld, das für diese Ware mehr ausgegeben wird, muß von anderen Ein-
käufen abgezogen werden. Mit anderen Worten: Die Wellenberge in der
See der Preise haben Wellentäler. Dies ist aus der Verkehrsgleichung zu
ersehen. Wenn wir die Geldquantität und ihre Umlaufsgeschwindigkeit als
unverändert annehmen, bleibt die linke Seite der Gleichung dieselbe und
die rechte Seite muß daher ebenfalls unverändert bleiben. Infolgedessen
muß jede Zunahme eines ihrer vielen Glieder, die durch eine Erhöhung eines
individuellen Preises veranlaßt worden ist, auf Kosten der übrigen Glieder
erfolgen.

Es ist natürlich richtig, daß ein Sinken des Preises einer einzelnen Ware
gewöhnlich von einem Anwachsen ihrer ausgetauschten Menge begleitet
ist, so daß das Produkt beider nicht notwendig fällt, sondern womöglich
sogar steigt, wenn nämlich die ausgetauschte Menge genügend steigt. Da
die rechte Seite der Gleichung dieselbe bleibt, bedeutet die Wirkung der
Zunahme des einen oder anderen Gliedes in diesem Falle notwendigerweise
eine Abnahme in den anderen, und die übrigen Glieder der rechten Seite
müssen bis zu einem gewissen Grade abnehmen. Das Ergebnis kann dann
ein allgemeines oder sogar ein universelles Fallen der Preise sein. Doch
selbst in diesem Falle steht das Sinken des Preisniveaus mit dem Sinken
des Preises der besonderen Ware nicht direkt in Verbindung, sondern es ist
der Zunahme der ausgetauschten Menge dieser Ware zuzuschreiben1).

Der rückwirkende Einfluß des Preises einer Ware auf die Preise anderer
Waren darf niemals aus dem Auge gelassen werden. Manche Verwirrung

Q Der weiteren Erläuterung dient § 2 des Anhanges zu diesem Kapitel VIII.

Fisher, Kaufkraft des Geldes.	IQ
        <pb n="165" />
        ﻿146

VIII. Kapitel.

könnte vermieden werden, wenn jeder Versuch, direkt von individuellen
Preisen zu folgern, aufgegeben würde. Fortschritte in der Produktions-
technik wirken auf die jeweilige Preislage nur insofern ein als sie den Um-
fang der erledigten Geschäfte beeinflussen. Jede rationelle Untersuchung
der Einwirkung von Verbesserungen der Produktionsmethoden auf das Preis-
niveau sollte daher die Aufmerksamkeit zunächst auf den sich ergebenden
Handelsumfang lenken und ausfindig zu machen suchen, ob dieser seiner-
seits die Preise aufwärts und abwärts bewegt.

Als eine der mutmaßlichen Ursachen der heutigen hohen Preise, die in
jetziger Zeit so lebhaft erörtert werden, werden die Industrie- und Arbeit-
nehmerverbände angesehen. Aus dem Gesagten muß aber hervorgehen,
daß, ceteris paribus, die Trusts durch Manipulation der Preise spezieller
Waren das allgemeine Preisniveau nicht anders beeinflussen können, als
durch Änderungen des Umsatzes. Wenn die Preise einer Ware ohne eine
Veränderung ihres Umsatzes abnehmen oder zunehmen, so wird die Wirkung
auf das Preisniveau durch ausgleichende Veränderungen in anderen Preisen
aufgehoben. Wenn die Arbeitnehmerverbände die Löhne zu erhöhen suchen
und die Trusts die Warenpreise erhöhen, so kann allgemein die Preislage
aller Waren steigen oder fallen; steigen kann sie aber nur durch eine allge-
meine Abnahme der verkauften Quantitäten der Waren, der Arbeit usw.
oder durch eine Zunahme an Umlaufsmitteln, oder durch eine Zunahme
der Umlaufsgeschwindigkeit. Wenn weder eine Zunahme noch eine Abnahme
im Geschäftsvolumen eintritt, und wenn die Quantität sowie die Umlaufs-
geschwindigkeit des Geldes und dessen Surrogate unverändert bleiben,
kann sich das Preisniveau nicht verändern. Änderungen in Teilen des Preis-
niveaus können nur auf Kosten von entgegengesetzten Änderungen in anderen
Teilen stattfinden.

Wir haben gesehen, daß das Preisniveau nicht durch individuelle Preise
bestimmt wird, sondern daß im Gegenteil jeder individuelle Preis ein Preis-
niveau voraussetzt. Ebenso sahen wir, daß die vollständige und einzige
Erklärung eines Preisniveaus in den Faktoren der Verkehrsgleichung und in
ihnen zugrunde liegenden Ursachen zu suchen ist. Die in bezug auf die
einzelnen Preise benützten Ausdrücke „Nachfrage“ und „Angebot“ haben
keinerlei Bedeutung für die Erklärung eines Steigens oder Fallens der je-
weiligen Preisniveaus. Wenn wir die auf die individuellen Preise gerichtete
Einwirkung betrachten, so sagen wir, daß eine Zunahme des Angebots die
Preise drückt, eine Zunahme in der Nachfrage hingegen die Preise in die
Höhe treibt. Wenn wir aber die Einflüsse, die auf die Preisniveaus einwirken,
betrachten, haben wir es mit ganz anderen Begriffen zu tun, und wir dürfen
        <pb n="166" />
        ﻿Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 147

den Lehrsatz, daß eine Zunahme im Handel (in den Q) die Tendenz hat,
das Preisniveau zu drücken, nicht mit dem Satze verwechseln, daß eine Zu-
nahme im Angebot darauf gerichtet ist, einen individuellen Preis zu drücken.
Der Handel (die Q) ist kein Angebot, denn er hat tatsächlich ebensowenig
damit zu tun wie mit der Nachfrage. Die Q sind vielmehr die letzten Endes
von den Produzenten verkauften und von den Abnehmern gekauften
Quantitäten.

Es soll hier ein Paradoxon aufgestellt werden, das dazu dienen soll,
den Unterschied zwischen der Bestimmung individueller Preise in Beziehung
zueinander und der Bestimmung des allgemeinen Preisniveaus klar und
deutlich darzulegen. Das Paradoxon besteht darin, daß, wenn auch eine
erhöhte Nachfrage für eine einzelne Ware eine größere Konsumtion zu
höherem Preise ergibt, eine erhöhte allgemeine Nachfrage nach Gütern
dennoch zu einem größeren Handel (den Q) zu niedrigeren Preisen führen
wird.

Wir können also nicht direkt von den besonderen auf die allgemeinen
Preise schließen, sondern nur indirekt unter Berücksichtigung der Wir-
kungen auf die Quantitäten Schlüsse ziehen. Durch das Steigen eines indi-
viduellen Preises wird das allgemeine Preisniveau manchmal erhöht und
manchmal erniedrigt1). Um eine physikalische Parallele zu ziehen, wollen
wir annehmen, daß tausend Pfähle in Flugsand getrieben worden sind,
und daß der Besitzer beabsichtigt, ihr Niveau um einen Fuß zu erhöhen.
Er verschafft sich Krahne, setzt sie auf die Pfähle und hebt einen Pfahl
um einen Fuß. Sodann werden alle tausend Pfähle einer nach dem anderen
emporgezogen. Jedesmal aber, wenn ein Pfahl einen Fuß emporgezogen
wurde, wurden 999 über V999 eines Fußes hinuntergestoßen und nach
Fertigstellung der Arbeit wird der Mann finden, daß seine tausend Pfähle
niedriger stehen als zuvor. Bei jedesmaligem Emporheben eines Pfahles
ist das Durchschnittsniveau aller Pfähle gefallen.

Die Behauptung, daß eine allgemeine Erhöhung in der Nachfrage, die
eine Zunahme im Handel zur Folge hat, die Tendenz zeigt, das allgemeine
Preisniveau zu erniedrigen und nicht zu erhöhen, kann man als eine Art pons
asinorum betrachten, um seine Kenntnis des fundamentalen Unterschiedes
zwischen den Einwirkungen, die das allgemeine Preisniveau, und denen,
die das Steigen und Fallen eines besonderen Preises im Verhältnis zu diesem
Niveau berühren, zu prüfen.

1) Zur weiteren Erläuterung vergleiche § 2 des Anhanges zu diesem Kapitel VIII.

10*
        <pb n="167" />
        ﻿148

VIII. Kapitel.

§9-

Wir haben gesehen, daß die verschiedenen in der Verkehrsgleichung
auftretenden Faktoren nicht auf einer und derselben kausalen Grundlage
beruhen. Die Preise bedeuten das passive Element und ihr allgemeines
Niveau muß sich nach den anderen Faktoren richten. Kurz zusammen-
gefaßt sind die kausalen Lehrsätze, die wir unter normalen Verhältnissen,
d. h. nachdem die Übergänge vollzogen sind, richtig befunden haben, die
folgenden:

1.	Eine Zunahme der Geldquantität (G) führt zu einer proportionalen
Zunahme der Depositen ((?') und die Zunahme dieser beiden Faktoren [G
und G') zu einer proportionalen Preiserhöhung.

2.	Eine Zunahme der Geldquantität in einem Lande hat die Tendenz,
sich auf andere Länder, in denen dasselbe Geldmetall zur Verwendung
kommt, und auf die goldverwendenden Gewerbe auszubreiten, sobald die
Preisniveaus oder der relative Wert des Geldes und des Barrenmetalls
genügend abweichen, um den Export oder das Einschmelzen des Geld-
metalls gewinnbringend zu gestalten, sowie die Weltpreise in geringem
Maße zu erhöhen.

3.	Eine Vermehrung der Depositen (G') im Verhältnis zum Gelde (G)
führt ebenfalls zur Verdrängung und Einschmelzung von Geldmünzen und
erhöht die Weltpreise.

4.	Eine Zunahme der Geschwindigkeiten bringt ähnliche Wirkungen
hervor.

5.	Eine Zunahme des Handelsvolumens (der Q) führt nicht nur zu
einer Erniedrigung der Preise sondern auch zu einer Erhöhung der Ge-
schwindigkeiten und Depositen im Verhältnis zum Gelde und dadurch zu
einer teilweisen oder gänzlichen Neutralisierung der genannten Preis-
erniedrigung.

6.	Das Preisniveau ist die Wirkung einer Veränderung in den anderen
Faktoren und kann nicht die Ursache einer solchen Veränderung sein.

7.	Außerhalb der Verkehrsgleichung können unzählige Ursachen auf
G, G', U, U' und die Q einwirken und durch sie die p beeinflussen. Unter
diesen äußeren Ursachen befinden sich die Preisniveaus in den benachbarten
Ländern.

8.	Der Kausalnexus individueller Preise kann die Preise nur in ihrem
Gegenseitigkeitsverhältnis erklären. Sie kann dagegen nicht das allgemeine
Preisniveau in seinem Verhältnis zum Gelde erklären.

9.	Einige der vorstehenden Lehrsätze sind während Übergangsperioden
        <pb n="168" />
        ﻿Die Zerstreuung der Preise macht eine Indexnummer usw.

149

geringfügigen Modifikationen unterworfen. So ist es zum Beispiel richtig,
daß eine Zunahme in der Quantität des Geldes (6?) abgesehen von den vor-
erwähnten Wirkungen das Verhältnis von G' zu G zeitweilig verändert,
zeitweilige Störungen von U, U' und in den Q hervorruft und einen „Kredit-
zyklus“ hervorruft.

Unsere Schlußfolgerung in bezug auf Ursachen und Wirkungen geht
demnach im allgemeinen dahin, daß unter normalen Verhältnissen das Preis-
niveau (die p) die Wirkung aller anderen Faktoren in der Verkehrsgleichung
(G, G', U, U' und der Q) ist; weiter, daß unter diesen anderen Faktoren
die Depositen (G') hauptsächlich vom Gelde abhängen, wenn das Verhältnis
von G' zu G ein normales ist; ferner, daß dieses Verhältnis zum Teil das
Ergebnis des Handels (der Q) ist; daß U und ü' ebenfalls zum Teil die Er-
gebnisse der Q sind, und daß alle diese Größen, G, G , U, U und die Q, die
Wirkungen vorangehender und außerhalb der Verkehrsgleichung liegender
Ursachen ad infinitum sind.

Zusammenfassend können wir nichts entdecken, was gegen die Wahr-
heit der Quantitätstheorie, daß Veränderungen im Gelde (G) unter normalen
Verhältnissen Veränderungen in den Preisen hervorbringen, eingewandt
werden könnte.

IX.	Kapitel.

Die Zerstreuung der Preise macht eine Index-
nummer für die Kautkraft erforderlich.

§1.

Wir sind zu dem Schlüsse gekommen, daß das allgemeine Preisniveau
von den anderen Größen in der Verkehrsgleichung bestimmt wird, haben
aber bisher noch nicht genau festgestellt, was ein „allgemeines Niveau“
bedeutet. Solange wir, wie dies bisher der Fall war, annahmen, daß sich
alle Preise in vollständiger Übereinstimmung bewegen, erübrigte sich eine
solche Definition. Tatsächlich bewegen sich aber die Preise niemals in voll-
kommen einheitlicher Richtung. Ihre Dispersion würde das statistische
Studium der allgemeinen Preisbewegungen unmöglich machen, wenn es
keine praktische Methode der Feststellung der allgemeinen Bewegung gäbe.
Eine einfache Ziffer, welche die allgemeine Richtung Tausender von Preisen
        <pb n="169" />
        ﻿150

IX. Kapitel.

angibt, bietet einen großen statistischen Vorteil. Sie vereinfacht auch
unsere Verkehrsgleichung, indem sie die rechte Seite, die ursprünglich aus
Tausenden von einzelnen Posten besteht, einfach in einem einzigen Posten
zusammenfaßt.

Eine solche zusammenfassende Ziffer wird „Indexnummer“ oder „Index-
ziffer“ des Preisniveaus genannt. Ihr Gegenwert bedeutet natürlich die
Kaufkraft des Geldes.

Das vorliegende Kapitel soll demnach von der Dispersion (der Zer-
streuung) der Preise handeln; das nächste Kapitel behandelt Indexnummern,
deren Benützung diese Dispersion praktisch notwendig macht und in den
beiden folgenden Kapiteln werden wir uns mit dem praktischen statistischen
Gebrauch von Indexziffern beschäftigen.

Der Hauptschluß unserer vorhergehenden Untersuchung war, daß
unter sonst gleichen Umständen die Zunahme im Gelde ein proportionales
Steigen des Preisniveaus verursacht. Mit anderen Worten: Die p in der
Summe 2p Q haben die Tendenz, im Verhältnis zur Zunahme des Geldes
zu steigen. Wir wissen nun aber, daß die Anpassung nicht notwendiger-
weise gleichmäßig sein muß, daß vielmehr, wenn einige p nicht soviel wie es
diesem Verhältnis entspräche, steigen, andere dafür mehr steigen müssen.
In dieser Verbindung bemerken wir, daß sich einige Preise nicht sofort und
andere überhaupt nicht anpassen. Das letztere gilt zum Beispiel von kon-
traktlich festgesetzten Preisen. Vom Tage der Kontraktschließung ab
bis zu dem Tage seiner Erfüllung kann keinerlei Veränderung, die während
dieser Zeit in Kraft tritt, auf einen derartig festgesetzten Preis einwirken.
Selbst wenn es sich nicht um ausdrückliche Kontrakte handelt, können die
Preise durch stillschweigendes Einverständnis und durch die bloße Macht
der Gewohnheit der Anpassung entzogen bleiben. Außer diesen Beschrän-
kungen der freien Preisbewegung gibt es oft gesetzliche Beschränkungen.
So zum Beispiel kann den Eisenbahngesellschaften untersagt werden, von
einem Fahrgast über zwei Cent für die Meile zu verlangen, oder es
kann das Fahrgeld auf Straßenbahn auf fünf oder drei Cent festgelegt
werden.

Was immer auch die Ursachen der Nichtanpassung sein mögen, das
Resultat ist, daß die Preise, die sich verändern, sich in einem größeren Ver-
hältnis verändern müssen, als dies der Fall sein würde, wenn es keine Preise
gäbe, die sich nicht verändern. Ebenso wie eine über den halben Lauf eines
Stromes gelegte Sperrung eine Zunahme des Gefälles der anderen Hälfte
des Stromes verursacht, so muß jeder Ausfall in der Bewegung der einen
Preise ein Mehr in der Bewegung anderer Preise verursachen.
        <pb n="170" />
        ﻿Die Zerstreuung der Preise macht eine Indexnummer usw.

151

Um uns ein Bild von den Gruppen der steigenden und fallenden Preise
zu machen, müssen wir das ganze Gebiet der Preise überblicken. Preise,
die so wie wir sie zu messen gewöhnt sind, d. h. in Geld ausgedrückt werden,
stellen die Austauschverhältnisse zwischen anderen Gütern und Geld dar.
Der Ausdruck „Güter“ ist, wie bereits früher erklärt wurde, ein Kollektiv-
ausdruck, der allen Reichtum, alles Eigentum und alle Nutz- und Dienst-
leistungen umfaßt; dies sind alle dem Verkaufe unterworfenen Größen. Die
wichtigsten Unterklassen dieser drei Gruppen, die Verkäufen zugrunde
liegen, können folgenderweise eingeteilt werden.

Grundbesitz
Waren
Aktien
Obligationen
Hypotheken
Privatnoten
Wechsel auf Zeit
gepachteten Grundbesitzes
gemieteter Waren
gedungener Arbeiter

einiger oder aller dieser Ertragsquellen zu-
sammengenommen.

Die Preise dieser verschiedenen Güterklassen können sich nicht voll-
kommen gleichmäßig auf- und abbewegen. Die einen sind bedeutend an-
passungsfähiger als die anderen. Eine vollkommene Anpassungsfähigkeit
aller Preise können wir uns nur vermöge höchst künstlicher Hypothesen
denken. Die Reihenfolge der Preise nach der Anpassungsfähigkeit mit der
geringsten beginnend kann ungefähr wie folgt angegeben werden1).

1.	Stipulierte Preise von Eigentum und Dienstleistungen, besonders bei
langfristigen Kontrakten; hierzu gehören: Obligationen, Hypotheken-
scheine, Nutznießung von Grundbesitz durch Verpachtung.

2.	Stipulierte Preise von Eigentum und Dienstleistungen, in denen es
sich um Abschlüsse für kürzere Zeit handelt; in diesen sind Wechsel, Nutz-
nießung von gepachtetem Grundbesitz und von Waren, Dienstleistungen
von Arbeitern usw. inbegriffen.

i) Vgl. Jevons’s vortreffliche „Classification of Incomes according as they suffer from
Deportation“, Investigations inCurreruiy and Finance, London (Macmillan), 1884, Seite 80
und weiter unten. Siehe auch The Gold Suppig and Prosperity, herausgegeben von Byron
W. Holt, New York (The Moody Corporation), 1907, besonders den auf S. 193 beginnenden
Schluß oder Überblick des Herausgebers.

Reichtum

Eigentum

Nutz- und
Dienst-
leistungen
        <pb n="171" />
        ﻿152

IX. Kapitel.

3.	Preise aus Geldmetall verfertigter Waren.

4.	Preise der Ersatzmittel für genannte Waren.

5.	Gesetzlich geregelte Preise, wie Gerichtsgebühren, Postporti, Wege-
und Brückengelder, Gebühren für den Gebrauch öffentlicher Anstalten,
Gehälter usw.

6.	Durch Brauch und Sitte festgesetzte Preise, wie Honorare von
Ärzten, Lehrergehälter usw. und bis zu einem gewissen Grade Löhne.

7.	Bodenpreise.

8.	Preise der meisten Waren im Kleinhandel.

9.	Preise der meisten Waren im Großhandel.

10.	Effektenkurse

Nehmen wir zum Beispiel Obligationen und Hypotheken. Um die
Preise dieser Wertpapiere vollkommen anpassungsfähig zu gestalten, müßten
wir nicht nur annehmen, daß eine Einschränkung durch Brauch oder Gesetz
nicht vorhanden sei, sondern auch, daß die Kontrakte mit jedem neuen
Preisniveau wieder vollkommen erneuert würden. Wir müßten zum Bei-
spiel annehmen, daß, nachdem sich das Preisniveau um das Doppelte erhöhte,
weil sich der Umlaufsmittelbestand verdoppelte, aus einer Obligation zu
1000 Dollar eine solche zu 2000 Dollar werden würde. Offenbar ist dies nicht
der Fall. Außer den in der Zwischenzeit fähigen Zinsen kann der Inhaber
dieser Obligation an ihrem Fälligkeitstage nur 1000 Dohar verlangen. Er
erhält nicht mehr, selbst wenn sich auch das Preisniveau mittlerweile ver-
doppelt hat. Es ist richtig, daß eine Veränderung im Preisniveau mit der
Zeit das Volumen neuer Anleihen verändert. Bei hohen Preisen muß ein
Kaufmann, der ein gegebenes Warenlager sich verschaffen will, eine größere
Summe ausborgen als bei niedrigen Preisen. Die Beträge von Privatnoten
und von Wechseln müssen auf das Doppelte der Summen lauten, die nötig
wären, wenn sich das Preisniveau nicht verdoppelt hätte. Ebenso muß eine
Gesellschaft, die Obligationen für neue Projekte ausgibt, solche in größerem
Maßstabe ausgeben. Die emittierten Obligationen hingegen können bei
Veränderungen im Preisniveau nicht in dieser Weise angepaßt werden.
Während der Zeit ihrer Emission und Fälligkeit können ihre Preise nur
geringfügig variieren. Die Tatsache, daß der Nominalwert dieser Obliga-
tionen in Geld ausgedrückt ist, setzt ihrem Preise sehr enge Grenzen1). Wenn
infolge einer Verdoppelung in der Quantität des Geldes, der in Geld be-

1) Siehe den Artikel von Walter S. Logan über die „Duty of Gold“ in The Gold Supply
and Prosperity, herausgegeben von Byron W. Holt, New York (The Moody Corporation),
1907, S. 106. Siehe auch Bicardo, „Essay on the High Price of Bullion“, Works, 2. Aufl.
London (Murray), 1852, S. 287.
        <pb n="172" />
        ﻿Die Zerstreuung der Preise macht eine Indexnummer usw.

153

messene Kapitalwert und Gewinn einer Eisenbahngesellschaft auch ver-
doppelt würde, kann der Obligationsinhaber deswegen für seine Obligation
nicht mehr Geld beanspruchen. Der Wert der Obligation wird von der Bilanz
und vom Gewinn der Eisenbahn nicht sonderlich berührt, solange diese aus-
reichen, um den Wert der Obligation zu verbürgen. Die Obligation ist
ein Übereinkommen, bestimmte Summen zu bestimmten Zeiten zu zahlen.
Sie repräsentiert einen beschränkten, aus dem Eisenbahnertrag abgeleiteten
Geldwert. Die einzige Art und Weise, in der der Geldpreis einer Obligation
oder einer verkäuflichen Schuld überhaupt variieren kann, wird durch
Schwankungen des Zinsfußes und durch Veränderungen im Grade der
Zahlungsgewißheit veranlaßt. Nur soweit diese Punkte durch die Ver-
änderungen des Geldvolumens berührt werden, wird der Wert von Obliga-
tionen beeinflußt. So haben wir gesehen, daß eine Inflation während ihrer
Dauer den Zins erhöht1). Sie erniedrigt daher während einer Übergangs-
periode den Preis der Obligationen 1 2). Wenn ferner gewaltige Veränderungen
im Preisniveau die Anzahl der Zahlungseinstellungen vermehren oder ver-
mindern, so wirken diese hierdurch auf den Grad der Zahlungsgewißheit
und infolgedessen auf den Wert der Obligationen ein. Doch ist eine der-
artige Einwirkung auf die Preise solcher in Geld ausgedrückter Wert-
papiere von geringerer Bedeutung, als die gewöhnliche Wirkung einer künst-
lichen Preissteigerung oder eines Preissturzes auf die jeweilige Preislage und
auch ganz verschiedenen Charakters.

Die Haupteigentümlichkeit dieser Eigentumsformen hegt demnach in
der Tatsache, daß sie in Geld ausgedrückt und daher gezwungen sind, sich
in gewissen besonderen Beziehungen zum Gelde zu halten. Da sie auf Kon-
trakte gegründet sind, deren Geldbedingungen während eines gegebenen
Zeitraumes nicht verändert werden dürfen, sind sie der gleichen Einwirkung
■wie anderes Eigentum nicht ausgesetzt. Das Vorhandensein solcher Kon-
trakte stellt eines der Hauptargumente für ein Umlaufsmittelsystem dar,
bei dem die Ungewißheiten der Kaufkraft auf ein Minimum reduziert sind.
Eine unbeständige Geldwährung wirkt störend aul die Kontrakte ein und
entmutigt deren Abschluß.

Je länger die Zeitdauer des Kontraktes, desto größer ist die Nicht-
anpassungsfähigkeit an Preisänderung. Eine Obügation auf fünfzig Jahre
bedeutet gewöhnlich verhältnismäßige Preisbeständigkeit für ein halbes

1)	Siehe oben Kapitel IV, § 1.

2)	Siehe den Artikel von Robert Goodbody, „More Gold means Higher Time“
Money and Lower Bond Prices“ in The Gold Supply and Prosperity, herausgegeben von
byron W. Holt, New York (The Moody Corporation) 1907, S. 163 und weiter unten.
        <pb n="173" />
        ﻿Jahrhundert. Erst am Schlüsse dieser Zeit können, wenn eine Preissteige-
rung eingetreten ist, zum Einkauf von Gütern de novo ausgegebene Obliga-
tionen in entsprechend größerer Anzahl oder zu entsprechend größerem
Nennwert emittiert werden. Ein Wechsel auf dreißig Tage hingegen, der
sich im Preise nicht viel verändern kann, wird nach Ablauf eines Monats
annulliert. Die relative Preisbeständigkeit ist daher von kürzerer Dauer.

Eine spezielle Klasse von Gütern, deren Preise nicht wie andere Preise
bedeutend schwanken können, stellen jene besonderen Waren dar, die ganz
oder zum größten Teil aus Geldmetall bestehen. Daher variieren die Preise
für das in der Zahnheilkunde benötigte Gold, für goldene Ringe und Orna-
mente, goldene Taschenuhren, goldgefaßte Augengläser, vergoldete Bilder-
rahmen usw. in einem Lande mit Goldwährung nicht in gleichem Maße
wie die anderen Preise, sondern viel weniger. Je mehr der Preis des Artikels
vom Golde, als einem seiner Rohmaterialien, abhängt, desto geringer sind
die Schwankungen.

Aus der Tatsache, daß aus Gold verfertigte Artikel auf diese Weise im
Werte mehr oder weniger von der Goldwährung abhängen, folgt ferner, daß
die Preise der Ersatzstoffe solcher Artikel die Tendenz haben, weniger zu
variieren als die Preise im allgemeinen. In diesen Substituten sind silberne
Taschenuhren, silberne Ornamente und verschiedene andere Juwelierwaren
inbegriffen, ohne Rücksicht darauf, ob sie Gold enthalten oder nicht. Es
ist ein Grundprinzip des Verhältnisses der einzelnen Preise zueinander, daß
sich die Preise der Substitute gleichmäßig mit den durch sie ersetzten Waren
bewegen. Im Falle vollkommenen Ersatzes müssen die Preise stets gleich
sein oder in einem festen Verhältnisse zueinander stehen1).

Die übrigen Posten unserer Aufstellung bedürfen keines Kommentars.
Die unvollkommene Anpassungsfähigkeit der durch das Gesetz und den
Brauch festgesetzten Preise und die vollkommene Anpassungsfähigkeit der
Großhandelpreise von Waren und die von Aktien sind jedermann bekannt.

§2.

Die Tatsache, daß Löhne, Gehälter, der Preis von Gold in anderer als
in Geldform usw. und besonders die Preise von Obligationen und anderen
Wertpapieren gleichen Wesens sich nicht im Verhältnis zu den Schwankungen
des Geldbestandes verändern können, bedeutet also, daß sich die Preise

D Siehe Irving Fisher, „Mathematical Investigations in fhe Theory of Value and
PricesTransactions of the Connecticut Academy of Arts and Sciences, 1892, S. 66 und
weiter.
        <pb n="174" />
        ﻿Die Zerstreuung der Preise macht eine Indexnummer usw.

155

anderer Dinge wie Waren im allgemeinen und Aktien, viel mehr als
dem Verhältnis entsprechen würde, verändern müssen. Diese Über-
empfindlichkeit gegen die Einwirkung des Umlaufsmittelbestandes (oder
der Umlaufsgeschwindigkeit oder aber des Geschäftsvolumens) besteht be-
sonders für Aktien. Würde der Geldwert einer Eisenbahn verdoppelt, so
hätte dies, da der Geldwert der Obligationen nicht merklich steigen könnte,
zur Folge, daß der Geldwert der Aktie sich mehr als zu verdoppeln hat.
Aktien sind Anteile an greifbarem Reichtum, dessen Wert in Geld Schwan-
kungen unterworfen ist. Da der Geldpreis von Obligationen verhältnis-
mäßig unelastisch ist, so schwankt der der Aktien mehr als der Preis dieses
Reichtums im ganzen genommen. Der Grund ist darin zu suchen, daß diese
Wertpapiere nicht nur die allgemeine Bewegung verspüren, die von allen
anpassungsfähigen Elementen empfunden wird, sondern daß sie auch noch
einer speziellen Anpassung unterworfen sind, um die starre Nichtanpassungs-
fähigkeit der mit ihnen verbundenen Obligationen auszugleichen.

Um dies zu illustrieren, wollen wir die rechte Seite der Verkehrsglei-
chung als aus folgenden Elementen bestehend annehmen:

Verschiedene anpassungsfähige Elemente, z. B. Waren, im Werte von.... $ 95,000,000

Fünftausend Aktienscheine zu $ 1000 per Aktie im Gesamtwert von...... $ 5,000,000

Fünftausend Obligationen zu $ 1000 per Stück, denen derselbe Reichtum

zugrunde liegt, im Werte von insgesamt........................ $ 5,000,000

Verschiedene nichtanpassungsfähige Elemente, wie etwa andere Obligationen,

Noten, Staatsgehälter, staatliche Abgaben, Gold für die Zahnärzte

usw. im Werte von insgesamt .................................. $ 20,000,000

$ 125,000,000

Nehmen wir an, daß, ohne irgendwelche Veränderung in den Geschwin-
digkeiten des Geldumlaufes oder im Geschäftsvolumen, eine Zunahme von
40% im Bestände der Umlaufsmittel eintritt. Der Gesamtwert der ausge-
tauschten Güter muß sich dann von $ 125,000,000 aüf $ 175,000,000 erhöhen.
Setzen wir nun den Fall, daß die beiden letzten Posten absolut anpassungs-
unfähig sind; alsdann kann kein Bruchteil der Erhöhung um $ 50,000,000
durch eine Veränderung in diesen Posten erfolgen, die Summen bleiben
nach wie vor $ 5,000,000 und $ 20,000,000 oder zusammengenommen
$ 25,000,000. Infolgedessen müssen die ersten beiden Posten um das Ganze
der $ 50,000,000 steigen, und zwar von $ 100,000,000 auf $ 150,000,000 oder
um 50%. Um diese Erhöhung von $ 50,000,000 auf die ersten beiden, also
auf die anpassungsfähigen Posten zu verteilen, wollen wir weiter annehmen,
daß die gesamten $ 10,000,000, die den Wert des tatsächlichen Reichtums
repräsentieren, der zur einen Hälfte aus Aktien und zur anderen Hälfte aus
        <pb n="175" />
        ﻿156

IX. Kapitel.

Obligationen besteht, in demselben Verhältnis steigen wie die $ 95,000,000,
die den Wert der anpassungsfähigen Elemente darstellen. Offenbar steigt
nun das Ganze (alle drei Posten umfassend) von $ 105,000,000 auf
$ 155,000,000, was eine Zunahme von 47,6% ergibt. Dies ist demnach der
gemeinschaftliche Prozentsatz, der sich unserer Annahme gemäß gleich-
mäßig auf den ersten Posten und die Kombination des zweiten und dritten
Postens bezieht. Hinsichtlich des ersteren ergibt dies eine Zunahme von
$ 95,000,000 auf $ 140,200,000 und mit bezug auf den letzteren eine solche
von $ 10,000,000 auf $ 14,800,000. Da aber die Hälfte des Eigentums aus
Obligationen besteht, die sich nicht erhöhen können, so muß die ganze Er-
höhung und zwar die Summe von 4,800,000 den Aktien allein zukommen.
Diese steigen infolgedessen von $ 5,000,000 auf $ 9,800,000, was eine Er-
höhung von 96% bedeutet. Die vier Posten verändern sich sodann folgender-
maßen:

Der erste Posten steigt im Werte von $ 95,000,000 auf $ 140,200,000 oder um 47,6 %.
Der zweite Posten von $ 5,000,000 auf $ 9,800,000 oder um 96%.

Der dritte und vierte Posten weisen keinerlei Veränderung auf.

Alle zusammen steigen von $ 125,000,000 auf $ 175,000,000 oder um 40%.

Neben der Dispersion der Preisveränderungen, die durch die Tatsache
hervorgerufen werden, daß manche Preise bereitwilliger als andere auf die
Veränderungen der die Preisniveaus bestimmenden Faktoren G, G', U, U'
und in den Q reagieren, wird eine weitere Zerstreuung der Preise durch
die Tatsache bewirkt, daß die speziellen Kräfte von Angebot und Nach-
frage bei jedem einzelnen Preise in Tätigkeit sind und Schwankungen in
ihrem Verhältnis zueinander verursachen. Obwohl diese Kräfte, wie wir
früher nachdrücklich hervorgehoben haben, nicht notwendigerweise auf
das allgemeine Preisniveau ein wirken, so beeinflussen sie doch die An-
zahl und die Ausdehnung individueller Abweichungen über und unter
diesem allgemeinen Niveau. Jeder individuelle Preis hat seine eigene
Schwankung.

Unter den speziellen Faktoren, die sich durch Angebot und Nachfrage
geltend machen, sind Veränderungen im Zinsfuß besonders zu erwähnen.
Eine Schwankung des Zinsfußes, gleichviel ob sie Geldveränderungen zuzu-
schreiben ist oder nicht, wird dazu führen, die Preise der verschiedenen
Artikel in verschiedenen Richtungen oder in verschiedenem Grade zu vari-
ieren. Der Preis aller Güter, deren Nutzung in ferner Zukunft bevorsteht,
hängt vom Zinsfuß ab. Als maßgebendes Beispiel sind Obligationen und
andere Wertpapiere anzuführen. Ein anderes gutes Beispiel bilden Grund
und Boden. In dem Falle, wo es sich um landwirtschaftliche Grundstücke
        <pb n="176" />
        ﻿Die Zerstreuung der Preise macht eine Indexnummer usw.

157

handelt, die einen stetigen Pachtzins abwerfen, verursacht eine Herabsetzung
des Zinsfußes eine Wertzunahme im umgekehrten Verhältnis. Wenn der
Zins von 5% auf 4% fällt, so erhöht sich der Wert im Verhältnis 4 zu 5.
Wenn die Nutzungen oder Dienstleistungen sich nicht gleichmäßig auf jedes
Jahr verteilen, sondern auf ferne Zeiten aufgespart werden, so kann der
Preis gegen eine Veränderung im Zinsfuß noch immer empfindlich sein. Im
Falle von Ländereien, die zur Forstkultur verwandt werden, und deren Be-
stände in einem halben Jahrhundert gefällt werden sollen, ist der Wert äußerst
empfindlich. Ein Fallen im Zinsfuß von 5% auf 4% verursacht ein Steigen
im Werte der Ländereien nicht im Verhältnisse von 4 zu 5, sondern beinahe
von 4 zu 7 1). Bergwerksgrundstücke oder Steinbrüche hingegen mit nur
beschränkter Lebensdauer sind weniger empfindlich. Dasselbe gilt auch
von Wohnungsstätten, Maschinerie, Inventarstücken und anderen halt-
baren oder nicht unzerstörbaren Gegenständen und so weiter die Stufen-
leiter hinab, bis wir auf leicht verderbliche und vergängliche Waren kommen,
wie z. B. Nahrungsmittel und Kleidungsstücke, die von den Veränderungen
im Zinsfuß nur indirekt beeinflußt werden.

Es ist also klar, daß sich die Preise stetig im Verhältnis zueinander ver-
ändern müssen, was auch immer mit ihrem allgemeinen Niveau geschieht.
Es ist ebenso nutzlos, auf eine gleichförmige Preisbewegung zu rechnen, wie
eine gleichförmige Bewegung aller Bienen in einem Schwarm zu erwarten.
Und ebenso vergeblich ist es, die Existenz einer allgemeinen Preisbewegung
zu verleugnen, weil sich die Einzelpreise nicht in gleicher Weise bewegen,
wie die allgemeine Bewegung eines Bienenschwarms zu verleugnen, weil
die einzelnen Bienen verschiedene Bewegungen haben.

§3.

Den Veränderungen in einem einzelnen Preis entsprechend, gibt es
Veränderungen in der Quantität der gegebenen Ware, die zu diesem Preise
ausgetauscht wird. Mit anderen Worten: Sobald sich ein p verändert,
verändert sich das mit ihm in Verbindung stehende Q ebenfalls, und zwar
deshalb, weil gewöhnlich jeder auf den Preis einer Ware ausgeübte Einfluß
auch ihre Konsumtion berührt. Veränderungen in Angebot oder Nach-
frage oder in beiden bewirken Veränderungen in der ausgetauschten Quan-
tität. Noch anders ausgedrückt: Der Schnittpunkt der Angebot- und

!) Aus Zahlen, die den Waldertrag von Weimutskiefern in New Hampshire darstellen,
New Hampshire Forestry Commission Report, 1906—1906, S. 246. Siehe F. R. Fairchild,
nTamtion oj Timberland“, Report of the National Conservation Commission, 60. Kongreß,
2. Session, Senatsdokument 676, Bd. II, S. 624.
        <pb n="177" />
        ﻿158	IX. Kapitel.

Nachfragekurve kann sich ebensowohl in wagrechter wie in senkrechter
Richtung bewegen.

Durch diese Änderung der Q tritt eine neue Verwicklung ein. In
mehreren unserer vorhergehenden Erörterungen haben wir, was theoretisch
zulässig ist, angenommen, daß, während wir die Veränderungen in den p
untersuchen, die durch Veränderungen des Bestandes der Umlaufsmittel
oder der Umlaufsgeschwindigkeiten veranlaßt wurden, alle Q unverändert
blieben. Praktisch bietet sich aber zu einem solchen Studium niemals eine
Gelegenheit. Andererseits nahmen wir, um die Wirkung einer Veränderung
im „Geschäftsvolumen“ auf das Preisniveau auseinanderzusetzen, einen
Fall an, in dem sich alle Q gleichmäßig veränderten. Eine solche Hypothese
kann aber nicht nur in der Praxis unmöglich ausgeführt werden, sondern
sie ist auch in der Theorie schwer denkbar aus dem Grunde, weil, wie wir
soeben gesehen haben, jedes Q einem p entspricht. Wenn wir die Wirkung
einer Veränderung im Geschäftsvolumen auf das Preisniveau darlegen,
können wir nicht annehmen, daß sich alle Q gleichmäßig nach der einen und
alle p gleichmäßig nach der anderen Richtung verändern. Wenn sich die
erste Gruppe gleichmäßig verändert, so kann sich die zweite nicht gleich-
mäßig verändern. Eine Verdoppelung in den Quantitäten aller verkauften
Waren oder (was beinahe dasselbe ist) eine Verdoppelung der konsumierten
Quantitäten würde deren relativen subjektiven Nutzwert und daher ihre
bezüglichen Preise verändern. Die Verdoppelung einer Quantität Salz
könnte dessen subjektiven Grenznutzen auf Null herabdrücken, während
eine Verdoppelung der Quantität von Rosen deren subjektiven Grenznutzen
überhaupt kaum erniedrigen könnte 1).

Wir sehen also, daß es beinahe zwecklos ist, von gleichmäßigen Ver-
änderungen in den Preisen (p) oder von gleichmäßigen Veränderungen in den
ausgetauschten Quantitäten (Q) zu sprechen. Anstatt solche Veränderungen
aufzustellen, müssen wir nun zu dem Problem schreiten, eine geeignete
Methode zu finden, diese beiden Gruppen von Veränderungen zu erforschen.
Wir müssen zwei Größen formulieren: das Preisniveau und das Handels-
volumen. Dieses Problem ist äußerst schwierig, weil wir in der Bemessung
von Veränderungen im Preisniveau auf die eine oder andere Weise die Quan-
titäten (die Q) als Gewichte in unserem Verfahren der Durchschnittsbildung
zu benützen haben werden. Wir finden nun, daß nicht nur die Preise, deren
Durchschnitt wir suchen, ungemein veränderlich sind, sondern auch, daß
die Gewichte, durch die wir den Durchschnitt zu konstruieren versuchen,
ebenfalls veränderlich sind.

l) Vgl. Jevons, Theory of Political Economy, London (Macmillan), 1888, S. 155—156.
        <pb n="178" />
        ﻿Die Zerstreuung der Preise macht eine Indexnummer usw.

159

Es ist daher erforderlich, in der Verkehrsgleichung die rechte Seite
2p Q in die Form PH umzuwandeln, in welcher H das Handelsvolumen
bemißt und P eine „Indexnummer“ ist, die das Preisniveau ausdrückt,
auf dem dieser Handel durchgeführt wird. Diese Größen — Preisniveau
(P) und Handelsvolumen (H) — bedürfen nur einer genaueren Formulierung
und ganz besonders ist es P, das von nun an der Brennpunkt unserer Unter-
suchung wird.

Wie wir im nächsten Kapitel erklären werden, gibt es eine große Anzahl
Mittel und Wege, Indexnummern der Preise und des Handelsvolumens aus-
zudenken und zu formulieren. Wir erwähnen hier nur die einfachste. Man
stelle sich H als die Summe aller Q und P als den Durchschnitt aller p vor.
Diese Methode ist praktisch anwendbar nur unter der Voraussetzung, daß
passende Maßeinheiten gewählt werden. Man bedenke, daß die verschie-
denen Q in verschiedenen Einheiten bemessen werden. Der Verkauf von
Kohle geschieht per Tonne, Zucker per Pfund, Weizen per Scheffel usw.
Wenn wir nun diese Tonnen, Pfunde, Scheffel usw. zusammenaddieren
und diese Gesamtsumme soundso viele „Einheiten“ von Waren nennen,
so erhalten wir eine sehr willkürliche Summierung. Es ist zum Beispiel ein
großer Unterschied, ob wir die Kohle per Tonne oder per Zentner bemessen.
Das System wird weniger willkürlich, wenn wir als Einheit zur Bemessung
von irgendwelchen Gütern nicht die Einheit benützen, in der sie gewöhnlich
verkauft werden, sondern den Betrag, der einen „Dollarwert“ in einem be-
stimmten Jahre, das wir das Basisjahr nennen wollen, darstellt. Im Basis-
jahre ist dann jeder Preis ein Dollar, und der Durchschnitt aller Preise in
diesem Jahre ist daher auch ein Dollar. Für jedes andere Jahr ist der
Durchschnittspreis (d. h. der Durchschnitt der Preise der neugewählten Ein-
heiten, die im Basisjahr einen Dollar wert waren) die das Preisniveau dar-
stellende Indexnummer, während die Anzahl solcher Einheiten das Handels-
volumen vorstellt.

Die Verkehrsgleichung nimmt nun die Form
GU + G'lV = PH

an, und ihr rechtes Glied ist das Produkt der Indexnummer (P) der Preise,
multipliziert mit dem Handelsvolumen (H).

§4.

Wir haben in diesem Kapitel gesehen, daß die Preise sich nicht in voll-
kommenem Einklang bewegen und tatsächlich nicht bewegen können. Der
Gründe für diese Dispersion ihrer Bewegungen gibt es in der Haupt-
        <pb n="179" />
        ﻿160

X. Kapitel.

sache drei: 1. Viele Preise werden durch vorhergehenden Kontrakt, durch
gesetzliche Bestimmung oder durch den Brauch in ihrer Bewegung gehemmt.

2.	Einige Preise stehen zum Geldmetalle in enger Beziehung. 3. Jeder
einzelne Preis ist unter der Einwirkung von dessen besonderem Angebot
und Nachfrage speziellen Schwankungen unterworfen. In den Preisbe-
wegungen existiert indessen ein Ausgleich in dem Sinne, daß das Versagen
einer Gruppe von Preisen, sich jeglicher Einwirkung auf das Preisniveau an-
zupassen, eine entsprechend größere Veränderung in anderen Preisen not-
wendig macht.

Die verkauften Quantitäten variieren in gleicher Weise, und deren
Variationen sind mit denen der Preise fest verknüpft.

Um die allgemeine Preisbewegung in einer einzigen Zahl auszudrücken,
wird eine Indexnummer (P) konstruiert, und um die allgemeine Handels-
bewegung in einer einzigen Zahl auszudrücken, wird eine Indexnummer
des Handels (H) konstruiert. Die Natur dieser Indexnummem bildet den
Gegenstand des nächsten Kapitels.

X.	Kapitel.

Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

§i.

Im vorigen Kapitel wurde die Notwendigkeit der Indexnummem (P)
erklärt und auf eine besondere Form von Indexnummer hingewiesen. Diese
besondere Form erfüllt, wie im II. Kapitel und dessen Anhang gezeigt
worden war, gewisse Bedingungen (der Verhältnismäßigkeit des Preis-
niveaus zur Geldquantität usw.), die die Verkehrsgleichung GTJ + G'TJ' = PU
stellt. Im vorliegenden Kapitel wird diese Indexnummer mit anderen ver-
glichen und der allgemeine Zweck der Indexnummem erörtert, wobei auch
solche Zwecke inbegriffen sind, die zur Verkehrsgleichung nur wenig direkte
Beziehung haben.

Die Vergleichung der Indexnummern kann geschehen: 1. hinsichtlich
ihrer Form, eines Begriffes, unter den die Methoden des Wägens und die
Bestimmung der „Basispreise fallen; 2. mit Hinsicht auf die Auswahl der
einzuschließenden Elemente. In diesem Abschnitte soll die Formfrage in
Erörterung gezogen werden.
        <pb n="180" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

161

Es gibt eine unendlich große Anzahl möglicher Formen von Index-
nummern. In bezug auf Kompliziertheit, Leichtigkeit der Berechnung und
Übereinstimmung mit anderen Symptomen sind diese Indexnummem un-
gemein verschieden. Es sollen hier einige der einfachsten Formen an-
geführt werden. Ihre für viele Fälle nur dogmatische Erörterung kann
nur in aller Kürze geschehen. Ausführliche Beweise und Erörterungen sind
im mathematischen Anhang enthalten1).

Wenn der Durchschnittspreis eines Pfundes Zucker im Jahre 1900
6 Cent und im Jahre 1910 8 Cent betrug, so muß das Verhältnis des Preises
von 1910 zu dem von 1900 % oder 133y3 % gewesen sein. Wenn sich der
Durchschnittspreis der Kohle per Tonne in derselben Zeitperiode von 8 4
zu $ 6 verändert hat, so war das entsprechende Verhältnis für Kohle 6 */4 oder
150 %. Wenn hingegen der Preis einer gegebenen Qualität von Tuch von
10 Cent auf 8 Cent per Yard gefallen ist, so muß das Verhältnis für das
Tuch 8/i0 oder 80 % gewesen sein. P ist der Durchschnitt sämtlicher drei
Preisverhältnisse und zwar ein Durchschnitt von 133% %, 150 %, 80%
usw. Spezifiziert wäre der einfache arithmetische Durchschnitt dieser drei

Verhältnisse 1337,&gt; +150°;, + 80% oder

6 ________________________________________________

Der einfache geometrische Durchschnitt wäre dann f 13378 x 150 x 80
oder 117 %.

Dies sind Beispiele einfacher oder ungewogener Durchschnitte. Da
jedoch gewogene Durchschnitte in der Theorie viele und in der Praxis einige
Vorteile haben, so wollen wir sie in reifliche Erwägung ziehen.

Es gibt zahlreiche Methoden des Wägens * 2 * * *) und der Durchschnitts -
bildung. Vom theoretischen Standpunkte ist keine davon vollkommen
zufriedenstellend. Wir müssen die auswählen, die vom praktischen Stand-
punkte am zweckmäßigsten erscheint. Die Wirkung einer Veränderung
des Bestandes der Umlaufsmittel oder der Zirkulationsgeschwindigkeit auf
sämtliche Preisreihen ist kompliziert und kann selbst in der Theorie eben-
sowenig in eine Zahl, die alle Preisveränderungen darstellt, zusammengefaßt

*) Siehe den Anhang zu diesem (X.) Kapitel, §§ 1—8, wo 44 Typen von Index-
nummem verglichen werden.

2) Eine Prüfung der verschiedenen Vorschläge in bezug auf Art und Weise gibt

Walsh, The Measurement of General Exchange Value, New York und London (Macmillan)

1901; Edgeworth, „Report on Best Methods of Ascertaining and Measuring Variations in
Ihe Value of the Monetary Standard“; Report of the British Association for the Advancemeni

of Science for 1887, S. 247—301; dgl. für 1888, S. 181—209; dgl. für 1889, S. 133—164.

Nitti, La misura delle variazioni di valore della moneta, 624 S.; ebenso den Anhang zu

(diesem) Kapitel X.

Fisher, Kaufkraft des Geldes.

11
        <pb n="181" />
        ﻿162

X. Kapitel.

werden, wie eine Linse konstruiert werden kann, die alle Lichtstrahlen, die
sie von einem gegebenen Punkte erreichen, in einem Brennpunkte vereinigt.
Obgleich wir aber in der Wissenschaft der Optik erfahren, daß eine voll-
kommene Linse theoretisch unmöglich ist, so können Linsen nichtsdesto-
weniger für praktische Zwecke beinahe so vollkommen hergestellt werden,
daß es der Mühe wert ist, sie zu studieren und zu konstruieren. Während
es nun also theoretisch unmöglich ist, eine Indexnummer P zu finden, die
allen Anforderungen Genüge leistet1), so ist es dennoch möglich, Index-
nummern zu konstruieren, die für praktische Zwecke so wertvolle Er-
gebnisse liefern, daß es von großem Vorteil ist, dem Studium und der Kon-
struktion von Indexnummern volle Aufmerksamkeit zu widmen.

Die im IX. Kapitel erwähnte Indexnummer kann in folgender Weise
aufgebaut werden: Nehmen wir an, daß das Jahr 1910 die unserer Ver-
kehrsgleichung GU + G'U' = 2p Q = PH zugrunde zu legende Zeit-
periode ist. Wir wählen nun ein anderes Jahr (sagen wir 1900) und nennen
es das „Basis“- Jahr. Darunter ist zu verstehen, daß die Preise von 1910
als ein Prozentsatz der Preise der Verkehrsgleichung für 1900 auszu-
drücken sind.

Ferner suchen wir nach einem Ausdruck für den Handel (oder H).
Wie im Anhang zu diesem Kapitel erklärt wurde, umfaßt jede Form einer
Indexnummer für Preise, P, eine korrelate Indexform für den Handel,
E, und umgekehrt. Der Bequemlichkeit halber wählen wir H zuerst. Wir
bemerken, daß der Handel (oder E) nicht der Wert von Transaktionen ist,
der zu den wirklichen Preisen des Jahres 1910 bemessen wird, denn dieser
Wert ist PE oder 2p Q, das heißt, er ist die ganze rechte Seite der Gleichung.
Der Handel (E) selbst muß vom Preisniveau (P) getrennt werden; man
denke sich ihn als den Wert, den die gesamten Transaktionen gehabt hätten,
wenn die tatsächlich verkauften Quantitäten zu den Basispreisen verkauft
worden wären. Er ist also die Summe einer Anzahl von Ausdrücken, von
denen jeder Ausdruck das Produkt aus der Quantität oder Q, berechnet für
das Jahr 1910 und dem Preise oder p ist, der dem Basisjahre 1900 zukommt.
Algebraisch ist es p0Q + p'0Q' + p"0Q" + usw., oder kürzer 2p0Q, wo-
mit die Preise vom Jahre 1910 einfach als p, p', v" usw- und die des Basis-
jahres 1900 als Po, p'o, p"o usw. ausgedrückt sind.

Q Vgl. Mill, Political Economy, III. Buch, Kap. XV; Sidgwick, Principles of Political
Economy, I. Buch, Kap. 11; „Report oj Committee onValue of Monetary Standard“, Report of
the British Association for ihe Advancement of Science, 1887; Wcsley C. Mitchell, Gold, Prices,
and Wages under the Greenback Standard, Berkeley, 1908 (University of California Press),
S. 19; und den Anhang zu diesem (X.) Kapitel.
        <pb n="182" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

163

Nachdem wir diesen idealen Wert (H) definiert haben, kommen wir
nun zur Bestimmung von P als dem Verhältnis des wirklichen Wertes der
Transaktionen des Jahres 1910 (2pQ) zu diesem idealen Werte (^p0Q)-
Vollständiger ausgedrückt ist P das Verhältnis des wirklichen Wertes (des
Wertes des Handels des Jahres 1910 zu den Preisen des Jahres 1910) zu dem
idealen Werte (dem Wert des Handels des Jahres 1910 zu den Preisen des
Jahres 1900). In Wirklichkeit ist dieses Verhältnis ein gewogener arith-
metischer Durchschnitt der Preisverhältnisse 1). Diese Methode ist begriff-
lich sowie in der mathematischen Ausdrucksweise sehr einfach2) und
scheint, wenigstens theoretisch, die beste Form von P oder der Index-
nummer der Preise zu liefern. Die soeben beschriebene besondere F orm von
P (nämlich 2pQ-^2p0Q) entspricht somit der besonderen Form des H
(nämlich ^PoQ) und ist von derselben abhängig. H kann eine Hundels-
Indexnummer genannt werden und wir können die besondere Form von H
(nämlich 2p0Q) als die beste Indexform oder als das Handelsbarometer
betrachten.

Eine andere Methode zur Veranschaulichung derselben Form einer
Preis-Indexnummer ist die am Schlüsse des vorigen Kapitels angeführte
und zwar wie folgt! "Wir stellen uns vor, daß alle Güterarten in einer neuen
physikalischen Einheit zu bemessen sind — nämlich dem Quantum, welches
im Basisjahre (1900) einen Dollar wert war — und benützen diese Einheit
für jedes andere Jahr (z. B. 1910). Als Einheit für Zucker nehmen wir
anstelle des Pfundes irgendein Zucker-Quantum, das im Jahre 1900 den
-Wert eines Dollars hatte. Im Basisjahre 1900 betrug der Preis des Zuckers
daher $ 1, der natürlich der Preis aller anderen Dinge war. Wenn nun in
einem anderen Jahre (z. B. 1910) der Preis des Zuckers in den Ausdrücken
der neuen Einheit (der Menge nämlich, die im Jahre 1900 den Wert
eines Dollars hatte), $ 1,25 ist, so ersehen wir, daß der Preis um 25 %
gestiegen ist. Auf diese Weise kann P einfach als ein Durchschnitts-Preis
statt als eine Durchschnitts-PmsreMcm (price ratio) und 11 als die Gesamt-
anzahl der neuen Einheiten der verkauften Güter aller Art definiert werden.
Die rechte Seite der Gleichung ist nun einfach das Produkt der Gesamt -
anzahl der verkauften Einheiten multipliziert mit deren Durchschnittspreis.

Die beiden gegebenen Definitionen von P, (nämlich das Verhältnis
der wirklichen zu den idealen Werten und der Durchschnittspreis des
Jahres 1910 aller Gütereinheiten, berechnet zum Werte der Quanta, die

1)	giehe den Anhang zu (diesem) Kapitel X, enthaltend eine Tabelle und die Er-
örterung von 44 Mustertypen von Indexnummern.

2)	Es ist Formel 11 der großen Tabelle im Anhang zu diesem (X.) Kapitel

11*
        <pb n="183" />
        ﻿164

X. Kapitel.

einen Dollar wert waren im Jahre 1900), sind gegenseitig auswechselbar.
Ebenso sind beide Definitionen von H (ideale Werte der im Jahre 1910
stattgehabten Transaktionen zu den Preisen des Jahres 1900 und Gesamt -
anzahl der im Jahre 1910 verkauften Einheiten, deren jede im Jahre 1900
den Wert eines Dollars hatte) gegenseitig auswechselbar. Zur Definition
von P und H gibt es, ohne deren Bedeutung zu verändern, noch andere
Mittel und Wege. „P ist daher der gewogene arithmetische Durchschnitt
der Verhältnisse der Güterpreise des Jahres 1910 zu denen des Jahres 1900,
wenn diese Verhältnisse den Werten der im Jahre 1910 ausgetauschten
Güter gemäß gewogen und zu den Preisen von 1900 berechnet sind.“ Welche
dieser Definitionen wir auch immer vorziehen mögen, das System der Index -
nummem ist dasselbe und hat Vorteile über die meisten anderen Systeme.
Vor allem setzt es uns in den Stand, ohne Einschränkung sagen zu können,
daß, wenn die verkauften Quantitäten unverändert bleiben, sodaß H sich
nicht verändert, P direkt wie die linke Seite der Verkehrsgleichung vari-
ieren muß x).

Als eine der besten Preis-Indexnummern wählen wir also den Durch-
schnittspreis der verkauften Güter, den wir seinerseits in Einheiten, die
einen Dollar im Basisjahre wert waren, bemessen. Mit anderen Worten:
wir wählen das Verhältnis des Wertes der Verkäufe zu den tatsächlichen
Preisen zum Werte derselben Verkäufe, wenn sie zu Basispreisen gemacht
worden wären: Noch anders ausgedrückt: wir wählen den gewogenen arithme-
tischen Durchschnitt aller Preisverhältnisse, von denen jedes Verhältnis
den verkauften Werten gemäß gewogen und zu Basispreisen berechnet ist.

Wir haben nun noch die Auswahl der Basis zu erörtern. Nicht nur
absolut, sondern auch relativ bedeutet es für obige Indexnummern einen
großen Unterschied, ob zum Beispiel das Basisjahr 1900 oder 1860 ist.

Mit Ausnahme der Indexnummern von Jevons, die aus geometrischen
Durchschnitten bestehen, gibt es wenige Indexnummern, die nicht etwas
darunter gelitten haben, daß ihre Basis von den Jahren, für die die Ver-
gleiche am nötigsten sind, fernliegt. Wie Marshall behauptet und Flux
nachdrücklich hervorgehoben hat, scheint das beste Basisjahr das vorher-
gehende Jahr zu sein.

Anstatt also ein festgesetztes Basisjahr zu gebrauchen, für das alle
Preise 100 % genannt werden und in Bezeichnungen zu denen alle anderen
Preise in Prozentsätzen ausgedrückt sind, kann jedes Jahr als Basis für

*) Siehe den Anhang zum II. Kapitel sowie denjenigen zu diesem (X.) Kapitel und
zwar §§ 5, 6 und 7.
        <pb n="184" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

165

das folgende Jahr genommen werden. Auf diese Weise erhalten wir eine
Kette von Indexnummern, von denen jede Nummer, statt mit einem ge-
meinsamen Basisjahre, mit dem vorhergehenden Jahre in Verbindung steht.

Der große Vorteil dieses Kettensystems besteht darin, daß es für die
Fälle den besten Vergleich liefert, in denen ein Vergleich am nützlichsten
und notwendigsten ist. Mit großem Interesse sehen wir alljährlich der Index-
nummer von Sauerbeck entgegen, um sie mit der Nummer des vorher-
gehenden Jahres, weniger aber, um sie mit anderen Jahren zu vergleichen.
Die Nummer, wie sie tatsächlich konstruiert wird, ist aber etwas ganz
anderes. Sie gibt uns als beste und genaueste Vergleichung das Verhältnis
zwischen dem laufenden Jahre und den Jahren 1867—1877. Diese Ver-
gleichung ist für jedermann nur von geringem oder gar keinem Interesse.
Was diejenigen, die diese Statistiken benützen, in Wirklichkeit tun, ist,
zwei Vergleiche zu vergleichen. Es wird ein Vergleich der Indexnummern
1909 und 1910 (jede in den Ausdrücken von 1867—1877 berechnet) vor-
genommen. Dagegen würde ein direkter Vergleich zwischen 1909 und 1910
ein ganz anderes und wertvolleres Resultat ergeben. Eine gemeinsame Basis
zu benützen, bedeutet dasselbe, wie die Berechnung der relativen Größe
zweier Männer durch die Abmessung ihrer Höhe vom Boden, anstatt die
beiden Männer Rücken an Rücken zu stellen und die Höhendifferenz ihrer
Scheitelpunkte direkt zu messen. Eine direkte Vergleichung ist genauer,
obgleich in dem Falle der Größenmessung der beiden Männer theoretisch
beide Methoden übereinstimmen. Was die Preisniveaus anbelangt, so geben
hei einer Verschiebung der Basis selbst theoretisch leider nur wenige Index-
nummern folgerichtige Resultate1). Und auch diese wenigen versagen,
wenn sie anderen und ebenso wichtigen Proben unterworfen werden.

Man kann sagen, daß der Hauptvorzug des aufeinanderfolgenden Basis-
oder Kettensystems die Leichtigkeit ist, mit der neue Waren aufgenommen
und veraltete Waren ausgeschaltet und veränderten Bedingungen ent-
sprechend die Wägungen angepaßt werden können. Ein feststehendes Basis-
System bleibt im wahrsten Sinne des Wortes sehr bald hinter seinerzeit zurück.

§ 2.

Unsere nächste Frage ist: Welche Preise sollen zur Konstruktion einer
Indexnummer gewählt werden? Die Antwort darauf hängt zum großen
Teil vom Zwecke der Indexnummer ab. Bisher haben wir nur einen Zweck
davon erörtert, und zwar, wie den Anforderungen der Verkehrsgleichung am

1)	Siehe den Anhang zu diesem (X.) Kapitel, § 5, Probe 7.
        <pb n="185" />
        ﻿166

X. Kapitel.

besten entsprochen werden kann. Die Indexnummern können aber für viele
andere Zwecke benützt werden, wovon die zwei hauptsächlichsten die Be-
messung des Kapitals und die des Einkommens sind. Jeder der drei an-
geführten Zwecke (Tausch, Kapital und Einkommen) kann, je nachdem
der gewünschte Vergleich sich auf Plätze oder Zeiten bezieht, in Unter-
klassen eingeteilt werden. Die Indexnummern können daher für die Ver-
gleiche einzelner Plätze in bezug auf ihren Güteraustausch, ihres Kapitals
oder ihres Einkommens benützt werden. Wenn zum Beispiel das Britische
Handelsministeriumx) die Lebenskosten in verschiedenen Städten Englands,
Deutschlands und der Vereinigten Staaten vergleichen will, so geschieht die
Vergleichung unter Bezugnahme auf die Preise des Lebensunterhalts (oder
des Einkommens) der Arbeiterklassen.

Wir haben also mindestens sechs große Klassen von Zwecken, für
welche die Indexnummern angewandt werden können, nämlich: zu einem
Vergleiche der Preise der ausgetauschten Güter, der Kapitalgüter und der
Einkommengüter an verschiedenen Orten und zu einem Vergleiche der-
selben drei Gütergruppen zu verschiedenen Zeiten.

In jedem der sechs Fälle werden die Güterpreise und die Güterquan-
titäten miteinander vereinigt, sodaß die Indexnummer (P) für die einen
die Indexnummer (H) für die anderen in sich schließt. (H wird hier im
allgemeinen Sinne eines Indexes von Güterquantitäten benützt, gleichviel
ob, wie bisher, ausgetauschte Güter gemeint sind, oder Kapitalgüter oder
Einkommengüter.)

Offenbar müssen wir, je nachdem wir einen der sechs Vergleiche an-
stellen, einen großen Unterschied in der Auswahl der zu vergleichenden
Preise machen. Nehmen wir zum Beispiel an, daß wir Veränderungen im
allgemeinen Preisniveau der Kapitalgüter* 2) — Eisenbahnen, Schiffe,
Grundstücke usw. — und ebenso die relativen Veränderungen in den
Quantitäten dieser Güter messen wollen. Die Preise einiger Kapitalarten
können gestiegen und anderer gefallen sein; die einen wiederum können
in höherem Maße als andere gestiegen sein. Wie bemessen wir nun die all-
gemeine Veränderung in den Preisen der Kapitalgüter? Ebenso kann die
Quantität der einen Kapitalarten, z. B. der Eisenbahnen, rascher zuge-
nommen haben, als die anderer Arten, z. B. von Segelschiffen. Wieder andere
Kapitalarten können abgenommen haben. Auf welche Weise wird nun fest-

Q Siehe den Report (an das Parlament) of an Enquiry by the Board of Trade into
Working Class Rents, Housing and Retail Prices, London (Darling), 1908 und 1909.

2)	Dies ist eine Anregung von Nicholson, Journal of the Royal Statistical Societu,
März 1887.
        <pb n="186" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

167

gestellt, ob sich das Kapital im allgemeinen erhöht hat und um wieviel?
Es kann angenommen werden, daß diese beiden Probleme (der Kapitalpreise
und der Kapitalquantitäten) in der Bemessung der Durchschnittsveränderung
des Preises derselben Kapitalquantität und der bei den gleichen Preisen be-
obachteten Durchschnittsveränderung der Kapitalquantität bestehen.

Für jeden der beiden Indices sollten (da wir nur Kapital und nicht Ein-
kommen oder anders bezeichnete Güter, seien es Vorräte oder Güterbe-
wegungen erörtern) sich die Indexnummern nicht auf allgemeine Preise und
Quantitäten, sondern nur auf Preise und Quantitäten der Kapitalgüter be-
ziehen. Die Preise und Quantitäten aller Arbeitsleistungen sollten also weg-
bleiben. Die Benutzung von Kapital und der für diese gezahlte Zins, zum
Beispiel die für Wohnung gezahlte Miete, sollte ebenfalls weggelassen werden.
Kur das Kapital als Schaffer von Werten, nicht aber die durch dieses ge-
lieferten Nutzleistungen sollten inbegriffen sein. Wir können zunächst
den Preisindex und sodann den Quantitätsindex dadurch erhalten, daß wir
den Kapitalwert eines Jahres durch den Preisindex dividieren; oder wir
können auch in der umgekehrten Weise Vorgehen Q. Wenn wir Index-
nummern von Kapitalpreisen und Kapitalquantitäten berechnen, wählen
wir für unsere Aufstellung natürlich solche Artikel, welche als Kapital von
Bedeutung sind und bewerten sie demgemäß.

Um diese allgemeine Veränderung in den Kapitalpreisen zu bestimmen,
müssen wir jede Relation dem Werte des besonderen Kapitals gemäß
wägen, auf den sich diese Relation bezieht. In diesem Falle müßte jedes
Verhältnis nicht den jährlichen Verkäufen, sondern dem existierenden Kapital
gemäß gewogen werden. Es ist klar, daß der Unterschied zwischen diesen
beiden Methoden der Bewertung ein großer sein kann. So besteht ein
bedeutender Teil alles existierenden Kapitals aus Boden, doch bilden Ver-
käufe von Grundbesitz einen relativ unbedeutenden Teil aller Verkäufe. Nah-
rungsmittelprodukte hingegen tragen wenig zum Kapital und viel zum Aus-
tausch bei. Infolgedessen würden die Preise und Quantitäten von Nahrungs-
mittelprodukten in Kapitalindexnummern nicht figurieren, dagegen in den
auf die Verkehrsgleichung bezüglichen Indexnummern eine große Rolle spielen.

Nehmen wir ferner an, daß der Zweck der Preis-Indexnummern in einer
Bemessung der Quantitäten sowie der Preise des Einkommens und nicht der
Elemente des Kapitals besteht. In diesem Falle wird die Liste der Artikel
und deren Bewertung von der eines Kapital-Index ganz verschieden sein.

Q Giffen nimmt in seinem Growth of Capital, London (Bell &amp; Sons), 1899, S. 50—54
Korrekturen von Preisveränderungen vor, ohne indessen den Versuch zu machen, eine
spezielle Indexnummer für Kapital zu konstruieren.
        <pb n="187" />
        ﻿168

X. Kapitel.

Wenn es sich um das Einkommen von Arbeitern handelt, haben wir es
mit Preisindexnummern von Gütern zu tun, die in Arbeiterbudgets auf-
treten und mit den Indexnummern der Quantitäten dieser Güter. Die erste
zeigt die Lebenskosten eines Arbeiters oder die Kaufkraft des Dollars dieses
Arbeiters. Die zweite gibt seinen „Reallohn“ oder seine „Konsumtion“
an. In diesem Falle wird nicht ein Vergleich von Vermögensbeständen zu
zwei gegebenen Zeitpunkten, sondern ein Vergleich von Güterströmen
während zweier Zeitperioden bezweckt. Eine Methode zur Erlangung einer
Indexnummer wirklicher Löhne besteht darin, die Nominal- oder Geld-
löhne unter Benützung der Indexnummer der Preise solcher Güter zu korri-
gieren, für welche Löhne ausgegeben werden. Wenn also die Geldlöhne
für 1908 das doppelte derer für 1900 sind, die Geldpreise der Bedürfnisse und
Lebensannehmlichkeiten sich aber ebenfalls verdoppelt haben, so bleiben
die Reallöhne unverändert.

Es ist klar, daß die in dem Falle der Quantitäten und der Preise der
Arbeiterlebenskosten benützten Indexnummern nicht dieselben sind, wie
die für die Kapitalberechnungen gebrauchten Indexnummern. Jedes ein-
zelne Gut sollte in der Indexnummer die Wichtigkeit haben, die von deren
Bedeutsamkeit in den Arbeiterbudgets abhängt. In diesem Falle bedeuten
die Güter Ströme, während in dem des Kapitals die der Betrachtung unter-
zogenen Güter Vorräte waren. Bei einer Vergleichung von Kapital müssen
sich die Indexnummern auf das Kapital und bei einer solchen des Ein-
kommens müssen sie sich auf das Einkommen beziehen 1).

§3.

Der wichtigste Zweck der Indexnummern besteht vielleicht in ihrer
Anwendung als Basis für Darlehenskontrakte. Es ist wünschenswert, so-

Q Sir George Shuckburgh Evelyn, Bart., F. R. S. und A. S. machte im Jahre 1798
in einem Artikel in den Philosophical Tramactions of the Royal Society of London,
Bd. LXXXVIII, S. 133 bis 182, betitelt „An Account of Some Endeavors to Ascertain a
Standard of Weight and Measure‘l einen der ersten Versuche, eine Reihe von Index-
nummem, die die allgemeine Preisveränderung kennzeichnen sollten, zu konstruieren.

Bischof Wm. Fleetwood warf im Jahre 1707 im Chronicon Preciosum-, or an Account
of English Money, the Price of Com and Other Commodities for the Last 600 Years, ch. VI.
die Frage auf, ob der Inhaber eines in den Jahren 1440 und 1460 gestifteten Stipendiums,
das nur Personen offen stand, die einen Grundbesitz von geringerem Werte als £ 6 pro
Jahr haben, mit Recht beschwören kann, daß sein Eigentum weniger als £ö beträgt, wenn
er £ 6 besitzt, da jedenfalls der Geldwert mittlerweile bedeutend im Werte gesunken ist.

Der Gedanke, eine Indexnummer oder eine Maßtafel des Geldwertes zu be-
nützen, wurde später von Joseph Lowe in The Preseyit State of England in regard to Agri-
        <pb n="188" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

169

wohl die zu diesem Zwecke passendste besondere Form und Bewertung, als
auch die beste Auswahl der einzuschließenden Preise zu bestimmen.

Eine Indexnummer, die zum Zweck der Bemessung der Erhöhung oder
der Erniedrigung des Wertes von Darlehen — oder den sogenannten „aufge-
schobenen Zahlungsverbindlichkeiten“ — dient, gehört offenbar eher der
Zeit- als der Ortsgruppe von Vergleichungen an. Zu welcher der drei Unter-
gruppen (Austausch, Kapital oder Einkommen) sie im eigentlichsten Sinne
gehören, wenn dies überhaupt der Fall ist, ist zuerst nicht Idar ersichtlich.
Bevor wir aber die beste Indexnummer für die zwischen Entlehner und
Darleiher abgeschlossenen Kontrakte ausfindig machen, müssen wir zuvor
zu einer Meinung darüber gelangen, welche Basis für Darlehenskontrakte
als die ideale zu betrachten ist.

Zunächst muß bemerkt werden, daß es sich, obwohl es bei einer Ver-
änderung im Preisniveau Gewinn und Verlust gibt, nicht notwendig da-
mit eine „Ungerechtigkeit“ einhergeht. So ist ein Mann, der 1000 Dollar
borgt und sich kontraktlich verpflichtet, diese am Ende von fünf Jahren
mit 40 Dollar Zinsen zurückzuzahlen, wenn die Preise mittlerweile um das
doppelte gestiegen sind, entschieden im Vorteil. Obwohl er zweifellos die-
selbe Anzahl von Dollar zu zahlen hat, braucht er nur ungefähr halb soviel
von seinem Warenlager zu verkaufen, wie er erwartete. Im Grunde ge-
nommen zahlt er nur die Hälfte der geliehenen wirklichen Kaufkraft zurück.
Der Darleiher hingegen hat durch die Veränderung verloren.

Der Kontrakt war jedoch vollkommen recht und billig. Jeder Teil
wußte oder sollte gewußt haben, daß sich das Preisniveau verändern kann,
und übernahm das Kisiko. Es lag hier ebensowenig ein Betrug vor, wie
wenn Weizen auf künftige Lieferung zu einem gewissen Preise gekauft wor-
den ist und der Markt eine unerwartete Wendung nimmt; oder wenn eine
Versicherungsgesellschaft vorzeitig ein „Risiko“ verliert.

Tatsächlich wäre es im allgemeinen an sich ungerecht, wenn eine Re-
gierung durch Gesetzgebung versuchen wollte, den Gewinner seines Profits
zu berauben x). Von Rechts wegen können die verlierenden Parteien, um sich

culture and Finanee, London 1822 (siehe S. 261-291, Anhang S. 89-101) vorgebracht
und später von G Poulett Scrope in seinen Pnneiples of Political Economy . . . applied to
the present State of Britain, London 1833, S. 405-408 aufgestellt, obgleich, wie wir ge-
sehen haben, die Idee einer Indexnummer auf ein viel früheres Jahr zuruckdatiert. Siehe
Correa Moylan Walsh, The Measurement of General Exchange Value, New York and London
(Macmillan), 1901; Bibliographie, S. 555.

i) Vgl. Irving Fisher, „Appreciation and Interest“, Teil 3, Publications of the American
Economic Association, 1896.
        <pb n="189" />
        ﻿170

X. Kapitel.

vor Verlusten, deren Risiko sie selbst auf sich nahmen, zu schützen, nach
Abschluß von Kontrakten nicht ihre Zuflucht zur Gesetzgebung nehmen.

Die Unbilligkeit eines solchen Vorgehens tritt umso klarer zutage,
wenn man in Betracht zieht, daß, wenn eine Veränderung im Preisniveau
überhaupt erwartet wird, einer solchen vermittelst einer Anpassung der Zins-
rate *) häufig Genüge geleistet wird. Wenn das Preisniveau steigt, so wird
der Nominalzinsfuß wahrscheinlich etwas höher sein, wodurch der Darleiher
für den Verlust eines Teiles seines Darlehens einigermaßen entschädigt wird,
während bei einem Fallen des Preisniveaus der Entlehner Aussicht hat,
für seinen Verlust durch einen niedrigeren Nominalzinsfuß teilweise ent-
schädigt zu werden. Es wäre ungerechtfertigt, wenn die eine oder die andere
Partei bei der Regierung ihren Einfluß geltend machen wollte, um die Ver-
bindlichkeiten bereits eingegangener Kontrakte abzuschwächen* 2). Es ist
indessen gesunde Wirtschaftspolitik, das Element des Risikos so bald wie
möglich im Voraus zu verringern, sodaß künftige Kontrakte von allen Parteien
auf möglichst sicherer Basis abgeschlossen werden können. Das Ideal auf
dem Gebiete der Zeitkontrakte zwischen Entleiher und Darleiher besteht
darin, daß weder Schuldner noch Gläubiger, wenn sie durch unvorhergesehene
Veränderungen getäuscht worden sind, irgendwelchen Schaden leiden. Die
Erfahrung lehrt, daß der Zinsfuß sich nur selten den Veränderungen im
Preisniveau vollkommen anpaßt, weil diese Veränderungen nur zum Teil
vorausgesehen werden können. Es sollte daher darnach getrachtet werden,
die Währung so sicher oder so zuverlässig als möglich zu gestalten. Das
bedeutet, praktisch gesprochen, daß sie so wertbeständig als nur irgend
möglich zu gestalten ist.

Bei einem idealen Wertmaßstab würde die Preisindexnummer fortgesetzt
100 % registrieren 3). Solange aber eine absolut stabile Währung nicht vor-

*) Irving Fisher, Rate of Interest, Kapitel XIV.

2)	Vgl. Irving Fisher, Appreciation and Interest, Teil 3, § 4. Publications of the
American Economic Association, 1896.

3)	Es ist vorgebraeht worden, daß der ideale Wertmaßstab so beschaffen sein sollte,
daß er nicht objektive, sondern subjektive Preise auf gleicher Höhe hält, damit eine Schuld
in der gegebenen Menge von „Arbeit“ oder „Nützlichkeit“ zurückgezahlt werden könne.
Aber abgesehen von den praktischen Schwierigkeiten, solche subjektive Größen zu bemessen,
— die unüberwindlicher Natur sind und daher ihre Erörterung rein akademisch erscheinen
lassen — gibt es noch wichtigere theoretische Einwendungen auf Grund der Tatsache, daß
die Werteinheit sich bei einigen Personen erhöhen und bei anderen erniedrigen würde, je nach-
dem diese reicher oder ärmer werden; daß ferner diese Veränderungen bei Abschluß von Dar-
lehenkontrakten vorauszusehen, ja in der Tat die treibenden Ursachen solcher Kontrakte
sind. Siehe §4untenund Irving Fisher, „Appreciation and Interest", XII. Kapitel §2, loc. cit.
        <pb n="190" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

171

handen ist und nicht aufgestellt werden kann, ist die Indexnummer selbst
ein möglicher Maßstab für langfristige Kontrakte. Man nennt sie den
„Tafelmaßstab“, da sie von einer Preistafel abhängt. Wenn sich z. B. ein
Mann 1000 Dollar borgt zu einer Zeit, da die Indexnummer 100 beträgt,
so kann er sich damit einverstanden erklären, nicht dieselben Dollars,
sondern dieselbe allgemeine Kaufkraft samt den Zinsen zurückzuzahlen.
Wenn nun zur Zeit der Rückzahlung die Indexnummer die Zahl 150 er-
reicht hat, könnte man unter der Hauptsumme der Schuld 1500 Dollar
verstehen, da diese die geliehene Kaufkraft repräsentieren. Wäre hingegen
das Preisniveau auf 80 gefallen, so würde sich das geliehene Kapital
automatisch auf nur 800 Dollar belaufen. Beide Parteien würden auf
diese Weise gegen Schwankungen im Werte des Geldes geschützt. Dieselbe
Berichtigung bezöge sich auf die Zinszahlungen, von welchen jede einzelne
der Indexnummer gemäß angepaßt würde, die zur Zeit der Bezahlung gilt.

Wir sind nun in der Lage, die Frage zu erörtern, welche Güter es sind,
deren Preise bei einer Indexnummer inbegriffen sein sollen, um den Zwecken
der Bemessung von Veränderungen in Darlehenskontrakten zu dienen.

Wenn alle Güter zueinander dieselben Preisrelationen beibehielten,
so wäre es gleichgiltig, ob ein Darlehenskontrakt in den Ausdrücken der
einen oder der anderen Indexnummer lautet, oder ob er in Ausdrücken von
so und soviel Weizen, Tonnen Kohle oder Pfund Zucker abgeschlossen würde.
Da die Preise aber nicht in ein- und demselben, sondern in verschiedenen
Verhältnissen variieren, ist eine Indexnummer, die das allgemeine Niveau
der Preise bemißt, notwendig. Wenn die Rückzahlung in der gleichwertigen
Kaufkraft (plus Zinsen) für eine bestimmte Güterart geleistet wird, so kann
dies entweder eine höhere oder geringere als gleichwertige Kaufkraft für
andere Arten von Gütern bedeuten. Je nach der Güterart, die der eine oder
der andere Teil als Produzent herstellt oder als Konsument zu verbrauchen
vorzieht, ist daher der eine oder der andere der verlierende Teil. Selbst wenn
jede vertragschließende Partei ausmachen könnte, die Kaufkraft in dem
Quantum der Güterarten, die für sie am meisten Interesse haben, im gleichen
Werte zu dem was sie geliehen oder geborgt hat, einschließlich Zinsen zu
empfangen oder zurückzuzahlen, so würde das spekulative Element, das für
den einen Gewinn und für den anderen Verlust bedeutet, wohl vermindert,
keineswegs aber gänzlich beseitigtx).

Nehmen wir zum Beispiel an, daß ein Darleiher die Kaufkraft über ein
Quantum von Gütern solcher Gattung, die er zu benützen beabsichtigte, im

’) Vgl. Kinley, Money, New York (Macmillan), 1904, S. 267.
        <pb n="191" />
        ﻿172

X. Kapitel.

gleichen Werte zu dem, was er ausgeliehen hatte, plus Zinsen zurück-
empfängtx). Nehmen wir ferner an, daß während der Zeit des Darleihens
diese Güter im Verhältnis zu anderen Gütern im Werte steigen. Dann gewinnt
der Darleiher wirklich, da er nunmehr im Austausch gegen Güter, die zu be-
nützen sein ursprünglicher Zweck war, mehr andere Güter erhalten kann —
ein Schritt, zu dem er nun veranlaßt wird, was unter anderen Umständen
nicht der Fall sein würde. Für den Entlehner indessen könnte das Steigen
im Werte der Güter, auf deren Basis die Rückzahlung vereinbart wurde,
im Verhältnis zu den Gütern, mit deren Produktion er sich beschäftigt, als
verlustbringend betrachtet werden. Die nämliche Kaufkraft für die Güter,
auf deren Basis er Zahlung zu leisten hat, bedeutet in einem solchen Falle
eine größere Kaufkraft für die Güter, mit deren Produktion er sich beschäftigt.

Es ist klar, daß keine Art von Gütern als annehmbarer Wertmaßstab
dienen kann. Eine Indexnummer, welche als Wertmaß für aufgeschobene
Zahlungen dienen soll, muß eine breite Basis haben.

Wären alle Entleiher und Darleiher nur als Konsumenten interessiert,
— würden die Darleiher um darleihen zu können, auf die unmittelbare
Konsumtion in dem Gedanken verzichten, bei der Rückzahlung mehr zu ver-
brauchen und die Entleiher sich darauf einrichten, unverzüglich mehr zu
konsumieren in der Absicht, später weniger zu verbrauchen — so würde sich
eine ganz zufriedenstellende Indexnummer für jedes Einzelwesen als un-
möglich erweisen. Die Güter, für die sich der Darleiher in einem gegebenen
Falle interessiert, könnten für den Entleiher nicht von der größten Bedeutung
sein. Es könnte nur ein annähernder Durchschnitt getroffen und eine Index-
nummer gefunden werden, die von allen Parteien in ihren Kontrakten be-
nutzt werden kann. Dieser Durchschnitt würde zweifellos ein solcher sein,
in dem jede Preisrelation der Totalkonsumtion der Güter gemäß gewogen
würde, auf die sie sich bezöge, gemäß der totalen Konsumtion aller Ent-
leiher und aller Darleiher in dem betreffenden Lande.

Die Sache ist indessen noch komplizierter, denn viele Entleiher und Dar-
leiher sind weniger an der Konsumtion als an der Kapitalanlage interessiert* 2).
Die Wahl ist ebensowohl zwischen Darlehen und anderer Kapitalsanlage,
als zwischen Darlehen und Konsumtion zu treffen. In gleicher Weise kann
der Entleiher ebensogut borgen, um Geld anzulegen, als um zu konsumieren
und er kann vorziehen, das Geld zur Riickzalilung durch Verminderung der

*) Das Argument des letzten Teiles dieses Abschnittes ist im wesentlichen dasselbe
wie das einer Schrift von Harry G. Brown im Quarterly Journal of Economics, August 1909,
betitelt: „A Problem in Deferred Payments and the Tabular Standard“.

2) Vgl. Kemmerer, Quarterly Journal of Economics, August 1909.
        <pb n="192" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

173

Kapitalsanlage, als durch Verminderung der Konsumtion aufzunehmen. Mit
anderen Worten: Entleiher und Darleiher können mehr an Ankäufen von
Fabriken, Eisenbahnen, Bodenwerten, dauerhaften Häusern usw., die während
langer Jahre Dienstleistungen ergeben, interessiert sein, als am Einkauf von
reichlicherer und besserer Nahrung, besserer Wohnung undVergnügungen, die
unmittelbare Befriedigung gewähren. Es wäre daher unlogisch, wenn wir
unsere Indexnummer für Zeitkontrakte einzig und allein auf Dienstlei-
stungen und Güter des unmittelbaren Verbrauchs gründen wollten. Obgleich
die praktischen Unterschiede nur gering sein mögen, so sind sie zum wenig-
sten in der Theorie von Bedeutung.

Wir wollen nun annehmen, daß jede Preisrelation durch den Wert (zu
Normalpreisen) der während einer gegebenen Periode genossenen Dienst-
leistungen rasch konsumierbarer Güter zu bemessen und daß die Preise von
Anlagekapitalien außer Acht gelassen werden. Weiter wollen wir den Fall
setzen, daß, bevor die Zeit der Rückzahlung herankommt, die Zinsrate ge-
stiegen ist. Bei einem höheren Zins ist der Wert von Land, von Eisenbahnen
und anderem dauernden Kapital niedriger, weil deren Wert von zukünftigem
Einkommen oder zukünftigen Dienstleistungen abhängt und diese nun zu
einer höheren Zinsrate bewertet werden1). Durch die Rückzahlung der
gleichen Kaufkraft für verbrauchbare Güter und Dienstleistungen zahlt
der Entleiher eine viel höhere Kaufkraft für Objekte wie Land, Häuser
und Fabriken, d. h. eine viel höhere Kaufkraft für zuTcünjtüjes Einkommen
zurück, als er geborgt hat. Der Darleiher empfängt daher eine größere
Kaufkraft für diese dauernden Kapitalposten zurück, als er ausgeliehen hat,
wenngleich er keine größere Kaufkraft (mit Ausnahme des Zinses) für sofort
konsumierbare Güter und Dienstleistungen zurückbekommt. Er erhält
keine größere Verfügungsgewalt über ein gegenwärtiges Einkommen, dagegen
eine Kaufkraft für einen größeren Betrag des zeitlich hinausgeschobenen
Einkommens zurück. Hätte er von allem Anfang an, anstatt auszuleihen,
Kapital in Land angelegt, so hätte ihn das Steigen des Zinses mit demselben
Betrag, aber mit geringerem Wert an Land belassen. So aber erhält er die
Kaufkraft für einen größeren Betrag und denselben Wert von Land zurück.
Ein Zufall hat veranlaßt, daß der Darleiher besser daran ist, als er er-
wartete und zwar steht er sich besser, als dies der Fall gewesen wäre, wenn
er, anstatt auszuleihen, Kapital angelegt hätte. i)

i) über die Wirkung einer Änderung des Zinsfußes auf die Preise siehe Irving
Fisher, Nature of Capital and Income, New York (Macmillan), 1906, S. 227 und Rate of
Interest, New York (Macmillan), 1907, S. 226 und 227.
        <pb n="193" />
        ﻿174

X. Kapitel.

Wenn hingegen der Zinsfuß fällt, so zieht der Entleiher den Nutzen,
und der Darleiher wird geschädigt. Der Wert von Land und von anderem
Eigentum, dessen Einkommen sich die in ferne Zukunft erstreckt, würde
im Vergleich zum Werte der Lebensmittel, der Wohnung usw. steigen. Der
Wert eines Hauses ist der diskontierte Wert seiner zukünftigen Rente oder
seiner Nutzleistung durch Gewährung von Obdach. Wenn der Zinsfuß
fällt, erhöht sich der Wert des Hauses im Vergleich zu dem früheren jährlichen
Ertragswert. Den nämlichen wie den geliehenen Betrag der Kaufkraft für
Wohnung zurückzahlen, heißt, weniger als denselben Betrag der Kaufkraft
für Häuser zurückgeben. Der Entleiher hat einen Nutzen, insofern er bei
der Rückzahlung zur Verkürzung von Kapitalanlagen zu schreiten hat, da
er wohl eine ebensogroße Ausgabekraft, aber doch eine geringere Anlagekraft
zurückzahlt. Er braucht daher seine Kapitalanlagen in Land und Maschi-
nerie nicht um ganz soviel einzuschränken, als er es sonst tun müßte. Der
Darleiher hingegen wird in demselben Grade geschädigt. Wenn er dauerndes
Kapital anzulegen wünscht, z. B. in einem Bureaugebäude, einem Bergwerk
oder in Eisenbahnanteilscheinen, so kann er mit dem zurückgezahlten Dar-
lehen nicht soviel kaufen, wie er mit derselben Summe zur Zeit der An-
leihe hätte kaufen können. Hätte der Darleiher das Fallen des Zinses vor-
ausgesehen, so würde er die Anleihe wohl abgelehnt und statt dessen Kapital
angelegt haben. Anstelle des Anleihezinses hätte er dann eine Einnahme
aus seiner Kapitalanlage und einen Kapitalzuwachs gehabt, aus dem er zu-
künftiges Einkommen hätte ziehen können. Die Wirkung des Sinkens des
Zinses wäre dann nicht eine Erniedrigung der Erträge seiner Kapitalanlage,
sondern eine Erhöhung des kapitalisierten Wertes der Kapitalsanlage gewesen.

Während demnach eine auf Dienstleistungen und auf weniger dauer-
hafte Waren gegründete Indexnummer für Zeitkontrakte geeignet sein mag,
die von einem Entleiher abgeschlossen sind, der sich eine augenblickliche
Konsumtion zu leisten beabsichtigt, und einem Darleiher, der im Sinne hat,
die Konsumtion bis zur Rückzahlung der Anleihe aufzuschieben, so zeigt es
sich, daß eine solche Indexnummer für Kontrakte, bei denen der eine oder
der andere Teil an einer langfristigen Kapitalanlage Interesse hat, nicht
völlig geeignet ist.

Anstatt also unsere Indexnummer auf konsumierbare Güter und auf
während einer Zeitperiode genossene Dienstleistungen zu gründen, sollten
wir sie lieber zum Teil auf diese und zum Teil auf den Betrag des dauernden
Kapitals gründen. Jeder Entleiher und jeder Darleiher kann den Wunsch
haben, seinen Einkommenstrom zeitlich verschieden zu verteilen1). Der

D Rate oj Interest, S. 121—125.'
        <pb n="194" />
        ﻿Die besten Indexnummera der Kaufkraft.

175

eine will ein größeres Einkommen in der Zukunft haben und legt zu diesem
Zwecke Kapital an, der andere hingegen zieht ein großes Einkommen in
kürzester Zeit vor und will kein Kapital anlegen. Der eine Darleiher hat also
ein Interesse daran, von dem dauernden Kapital soviel, wie er geliehen hat,
zurückzuerhalten, und dem anderen Darleiher ist daran gelegen, eine eben-
sogroße Kaufkraft für Dienstleistungen und konsumierbare Güter, wie er
ausgeliehen hat, zurückzuerhalten.

Nichtsdestoweniger werden nun von Personen, die sich in bezug auf die
Verwendungsabsichten ihres Geldes gänzlich unterscheiden, Anleihekontrakte
miteinander abgeschlossen. Selbst wenn für jedes Paar eine unabhängige
und speziell bewertete Indexnummer benutzt werden könnte, wäre eine so
gewonnene Einheit nicht für beide Teile in gleicher Weise passend. Und
doch kann ein und dieselbe Schuld nicht in zwei verschiedenen Bemessungs-
einheiten bezahlt werden. Eine absolute Gleichstellung kann daher nicht
in Frage kommen. Wir können wohl die Übel einer schwankenden Geld-
währung abschwächen, vermögen aber bei Zeitkontrakten das Element der
Spekulation nicht gänzlich beseitigen.

Obgleich verschiedene Personen und verschiedene Klassen für spezielle
Kontrakte verschiedene Währungen ausbedingen können, so würde für die
große Masse der Geschäftskontrakte, in denen es sich um aufgeschobene
Zahlungen handelt, eine einzige Reihe von Indexnummern, die von allen
Klassen gebrauchte und gekaufte Artikel einschließen und auch Dienst-
leistungen umfassen würde, wahrscheinlich ratsam gefunden werden. Diese
Indexnummer würde für Kontrakte zwischen den verschiedenen Klassen und
Individuen mit verschiedenartigen Konsumtionsgewohnheiten am passend-
sten sein; ebenso für die Berechnung der Geldzahlungen an Inhaber von
Obligationen, die an das gesamte Publikum verkaufte Wertpapiere sind.

Ohne den Versuch zu machen, solche Indexnummern zu konstruieren,
die besondere Personen und besondere Klassen jeweilen als Norm nehmen
könnten, wollen wir bloß die Bildung einer solchen allgemeinen Index-
nummer untersuchen. Wie hervorgehoben worden ist, muß eine solche
alle Güter und Dienstleistungen umfassen. In welchem Verhältnisse sollen
diese aber „gewogen“ werden? Wie können wir bei der Bildung des
Indexes entscheiden, welches Gewicht dem Bestand des dauernden
Kapitals und welches Gewicht dem Strome der Güter sowie der Dienst-
leistungen während einer Zeitperiode — ihrem Zuströmen an die einzelnen
Personen, das die Konsumtion widerspiegelt — gegeben werden soll?
Diese beiden Dinge sind inkommensurabel. Sollen wir den Eisen-
        <pb n="195" />
        ﻿176

X. Kapitel.

bahnen des Landes die gleiche Bedeutung einräumen wie dem Konsum an
Zucker während eines Monats oder eines Jahres?

§4.

Das beste und praktischste Mittel, diese gordischen Knoten zu lösen,
ist vielleicht das in der Erklärung von P in unserer Verkehrsgleichung an-
gewandte, nämlich eine Indexnummer, in der jeder Artikel und jede Dienst-
leistung deren Werte gemäß gewogen wird, zu dem sie in dem Jahr, dessen
Preisniveau gefunden werden soll, zu Basispreisen ausgetauscht wird1).
Hierdurch werden für unmittelbare Konsumtion gekaufte Güter in die
Bewertung eingeschlossen, wie dies auch bei allen dauernden Kapitalgütern
der Kall ist, die während der Zeitperiode, die die Indexnummer in sich begreift,
ausgetauscht wurden. Was in derart bemessenen Kontrakten zurückgezahlt
wird, ist dieselbe allgemeine Kaufkraft. Diese umfaßt die Kaufkraft über alle
gekauften und käuflichen Gegenstände, einschließlich Boden, Wertpapiere,
Arbeit und andere Dienstleistungen wie solche von Körperschaften und
Waren.

Betreffs der Richtigkeit des Einschlusses von Dienstleistungen mensch-
licher Wesen oder der sogenannten „Arbeit“ hat es lebhafte Diskussionen
gegeben. In einer Hinsicht erklärt sich die Frage selbst, da nämlich deren
Ein- oder Ausschluß auf der Basis der Stückarbeit nur geringen oder gar
keinen Einfluß auf das Resultat hat.

Es ist zur Genüge bekannt, daß die Löhne entweder „per Stück“ oder
„nach Zeit“ bemessen werden können. In jedem der beiden Fälle treten sie
in die allgemeine Indexnummer, die das Preisniveau ausdrückt, ein und
wirken auf diese ein, doch ist der Einfluß in beiden Fällen ein verschiedener.
Wenn wir Arbeitsstunden als Basis nehmen und die per Stunde oder per
Tag gezahlten Löhne bemessen, dann finden wir wahrscheinlich, daß in einer
Periode des gewerblichen Aufschwungs die Geldlöhne steigen, während
die Güterpreise fallen, oder daß die Geldlöhne rascher steigen als die Güter-
preise oder langsamer fallen. Wenn aber die Löhne per Stück bemessen
werden, so finden wir in den Resultaten weniger Inkonsequenz. Wenn die
Güter schneller zunehmen als das Umlaufsmittel, sodaß die Preise einem

') H. S. Foxwell ist in bezug auf die beste Norm für aufgeschobene Zahlungen bei
einer etwas anderen Beweisführung zu demselben Schlüsse gekommen. Siehe die Be-
merkungen von F. Y. Edgeworth (als Sekretär des Committee on Variations of ihe Monetary
Standard). Report of the British Association for the Advancement of Science für 1889, S. 134
bis 139.
        <pb n="196" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

177

Fallen zuneigen, so -werden die Stücklöhne eine sinkende Tendenz an-
nehmen, und zwar durchschnittlich in fast gleichem Verhältnis. Da die
Fortschritte der Produktionstechnik den Ertrag per Arbeitsstunde d. h. der
Stückarbeit erhöhen, so kann der Preis per Stück sinken.

Die beiden Bemessungsmethoden, welche diese verschiedenen Ergeb-
nisse für die Preis-Indizes liefern, ergeben im Handelsvolumen entgegen-
gesetzte Abweichungen. Bei fortschreitender Technik erhöht sich der
Umfang der Stückarbeit schneller als der der Zeitarbeit.

Betrachtet man die Indexnummer als Maßziffer für aufgeschobene
Zahlungen, so beruht der Wunsch, für die Stücklöhne analoge Bewegungen
wie für die Warenpreise anzunehmen, größtenteils auf der Schwierigkeit
und der daraus folgenden praktischen Unmöglichkeit, die auf Arbeitszeit
basierten Löhne einzuschließen. Auf der Stücklohnbasis liefern Verände-
rungen der Geldpreise anderer Güter einen annähernden Maßstab der Ver-
änderungen in den Geldpreisen der Arbeit.

Wer Zeitkontrakte auf der Basis einer solchen Indexnummer abschließt,
weiß, daß er Kaufkraft über dieselben Güterquantitäten, deren Kaufkraft
er leihweise erhalten oder vergeben hat, zurückzahlen oder zurückerhalten
wird. Diese Form einer Indexnummer ist eine objektive Norm der Güter.

Wenn eine Indexnummer von Zeitlöhnen allein (unter Ausschluß jed-
weder Güter) zu konstruieren wäre, so würden die Schuldner eine gleich-
wertige Kaufkraft über Arbeitsstunden zurückzahlen und die Gläubiger
eine solche empfangen. Wenn sowohl Zeitlöhne wie Güterpreise einge-
schlossen werden, so geht das Problem dahin, wieviel Gewicht jedem der
beiden zu geben ist. Kemmerer bewertet die Löhne (aus einem Total von
100 %) zu 3 %. Jedenfalls würde ihr Einfluß nicht besonders fühlbar und,
wenn wir Stücklöhne nehmen, überhaupt nicht wahrnehmbar sein, d. h. es
hat nicht viel zu bedeuten, ob hierbei Löhne inbegriffen sind oder nicht. Da
wir tatsächlich keinerlei Statistik relativer Stücklöhne haben und nur über
Wenig zuverlässige Statistiken für Zeitlöhne verfügen, so ist es im allgemeinen
ebensogut, die Löhne ganz wegzulassen.

Dieses Verfahren hat noch einen anderen Vorteil. Es ist klar, daß in
eine Indexnummer, die als Basis für aufgeschobene Zahlungen für Lohn-
arbeiter dienen soll, die Löhne nicht aufgenommen werden sollten. Ein
Lohnempfänger beurteilt seine Kaufkraft nicht nach der Menge der Arbeit,
Oie er kaufen kann x).

In diesem Zusammenhänge wollen wir die Aufmerksamkeit noch auf

l) Vgl. Edgeworth, in Palgrave’s Dictionary of Political Economy, „Index Numbers“.

Fisher, Kaufkraft des Geldes.	2.2
        <pb n="197" />
        ﻿178

X. Kapitel.

einen anderen Maßstab der Kaufkraft des Geldes lenken, der zuweilen zur
Angleichung von Kontrakten vorgeschlagen worden ist. Es ist dies der Maß-
stab des Nutzens. Demgemäß würde jede Person einen Grenznutzen gleichen
"Wertes wie das, was sie geliehen oder geborgt hat, empfangen oder zurück-
zahlen. Der Grenznutzen der nämlichen Güter ist aber für die einzelnen
Personen ein anderer; er ist ferner für ein und dieselbe Person in ver-
schiedenen Lebensabschnitten verschieden. Ein solcher Maßstab kann
daher praktisch nicht angewendet werden.

Ein Preis ist ein objektives, der Bemessung zugängliches Moment, das
für alle Menschen ein und dasselbe ist. Die Grenznutzen hingegen haben
für verschiedene Personen ungleichen Wert und variieren individuell ver-
schieden; sie zu bemessen ist unmöglich. Die Kaufkraft des Geldes in
objektivem Sinne ist daher eine ermittelbare Größe mit einer für alle
Menschen gemeinsamen Bedeutung. Allerdings ist es richtig, daß der Grenz-
nutzen des Geldes eine fundamentale Größe ist, und daß er in gewissem
Grade von der Kaufkraft des Geldes abhängt. Aber er hängt auch von
dem Einkommen eines jeden Menschen ab. Die Grenznutzen des Geldes
variieren direkt mit der Kaufkraft des Geldes, wenn sich alle Preise und
alle Geldeinkommen in demselben Verhältnis verändern oder wenn sich (wenig-
stens ungefähr) die Einkommen im Verhältnis der Durchschnittspreis-
veränderung verändern. Theoretisch sollte sich dieses feste Verhältnis
zwischen Grenznutzen und Kaufkraft bestätigen müssen, wenn (angenommen,
daß die Depositen in gleicher Weise variieren und daß die Umlaufsgeschwindig-
keiten und das Handelsvolumen unverändert bleiben) die Quantität des
Geldes variiert, nachdem die Übergangsperioden vorüber sind. Tatsächlich
variieren aber alle diese Elemente, und zwar in ungleicher Weise. Die Geld-
einkommen wachsen manchmal rascher und oft langsamer als die Preise.
Das Resultat ist, daß die Veränderungen in der Kaufkraft des Geldes den
Veränderungen in den Grenznutzen des Geldes nicht entsprechen.

Während der Zeit, in der ein Kontrakt läuft, kann die menschliche Ge-
sellschaft mehr oder weniger wohlhabend werden. Man sollte denken, daß
diese Tatsache das Verhältnis des zurückgezahlten Betrages zu dem ge-
liehenen Betrage beeinflußt. Es ist die Forderung gestellt worden, daß die
Wohltaten des Fortschrittes zwischen dem Entleiher und dem Darleiher
gleichmäßig verteilt werden solltenx).

1) Siehe z. B. die Schrift von J. B. Clark „The Gold Standard in Recent Theory
Political Science Qmrterly, September 1895. Vgl. hiermit „The Standard of Deferred Pay-
ments“ von Edward A. Roß, Ännals of the American Academy of Political and Social
Science, November 1892; Lucius S. Merriam „The Theory of Final Utility in its Relation
        <pb n="198" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

179

Während aber Leihkontrakte im Hinblick auf die Grenznutzen abge-
schlossenwerden, sind wir der Ansicht, daß auf Veränderungen im Einkommen
zurückzuführende Variationen im subjektiven Geldwerte in die Berich-
tigungen eines Zahlungsmittelsystems nicht nur nicht aufgenommen werden
können, sondern auch nicht aufgenommen werden dürfen; sie sollten sich auf
Veränderungen in der objektiven Kaufkraft beschränken. Einen Maßstab
objektiver Kaufkraft zu erlangen, ist auf jeden Fall ein Schritt, der ver-
nünftigerweise zuerst getan werden sollte, bevor ein weiterer Schritt in Er-
wägung gezogen werden kann. Das Suchen nach einem Maßstabe aufge-
schobener Zahlungen, der automatisch die richtige Verteilung der „Segnungen
des Fortschrittes“ vorsieht, scheint ein ebenso aussichtsloses Streben zu
sein wie das Suchen nach dem Stein der Weisen. Da die Nützlichkeit
statistisch nicht bemessen werden kann, können auch die Verbesserungen
in der Nützlichkeit, die zur Wiederverteilung der „Segnungen des Fort-
schrittes“ nötig sind, nicht bemessen werden. Durch das Fehlen statisti-
scher Bemessung kann irgendeine ausführbare Verbesserung nicht in Frage
kommen. Die Aufstellung des „Nützlichkeitsmaßstabes“ ist daher undurch-
führbar, selbst wenn die Theorie eines solchen Maßstabes haltbar wäre.

Ähnliche Theorien für eine vollkommene Norm aufgeschobener Zah-
lungen gehen von dem Gedanken aus, daß ein Dollar immer mit dem gleichen
Quantum von Arbeit erworben werden sollte. Da der Grenznutzen und der
Grenzarbeitsaufwand unter normalen Verhältnissen gleich sind, ist in ge-
wissem Sinne der Arbeitsmaßstab mit dem Maßstabe des Grenznutzens iden-
tisch. In welchem Sinne die „Arbeit“ aber immer definiert werden mag, sie
stellt eine schwer faßbare Größe dar, die als eine meßbare Basis für Statis-
tiken der Kaufkraft ganz unbrauchbar ist. Anscheinend kann die Arbeit in
Ausdrücken der Zeit bemessen werden und auf der Grundlage der „Arbeit
eines Tages“ ist sie auch als eine geeignete Einheit zur Bemessung aufge-
schobener Zahlungen vorgeschlagen worden. Doch selbst die „Arbeit eines
Tages“ ist keine genügend definierte Einheit, in der mit ziemlicher Genauig-
keit die Kaufkraft des Geldes bemessen werden kann. Die Tagesarbeit
differiert in Bezug auf die Zahl der Stunden, die Intensität und die Un-
annehmlichkeit der Arbeit ebenso wie in bezug auf die Qualität der ausge-
führten Arbeit, gleichviel ob sie körperlicher oder geistiger Natur ist. Eine
Größe, deren Bemessung so viele theoretische Schwierigkeiten bietet, kann
niemals als eine praktische Norm für aufgeschobene Zahlungen dienen.

to Money and the Standard of Deferred Payments" ebendaselbst, Januar 1893; Frank Fetter
„The Exploitation of Theories of Value in the Discussion of the Standard of Deferred Pay-
ments", ebenda, Mai 1895.

12
        <pb n="199" />
        ﻿180

X. Kapitel.

Wir sehen also, daß der Versuch, einen Nützlichkeits - oder Arbeits-
maßstab aufzustellen, zu hohe Ansprüche stellt, um ausführbar zu sein1).
Wir sollten uns damit zufrieden geben, in dem Maßstab aufgeschobener
Zahlungen das Maximum erreichbarer Vervollkommnung zu erzielen, ohne
daran zu denken, eine ideale Verteilung der „Segnungen des Fort-
schrittes“ sicherzustellen.

Unser Problem wird auch vereinfacht, wenn wir im Auge behalten, daß
unser Ideal in erster Reihe nicht in der Beständigkeit, sondern vielmehr in
der Zuverlässigkeit des Dollars besteht. Schwankungen, die vorauszusehen
sind und auf die Rücksicht genommen werden kann, verursachen keinen
Schaden. Man kann wohl erwarten, daß jedermann das Risiko für die Ver-
änderungen trägt, die in seinem eigenen Vermögen, in der Nützlichkeit und
Arbeit sowie vielleicht auch selbst in weitem Umfange infolge der allge-
meineren Wirkungen der Erfindungen und des Fortschrittes eintreten können.
Auf jeden Fall sollte niemand erwarten, daß er durch die Beschaffenheit
der Geldeinheit gegen jeden Windstoß gesichert ist.

Die Art und Weise, in der jede Person derartige von ihr vorauszusehende
zukünftige Veränderungen berücksichtigt, besteht in der Anpassung der Höhe
von Anleihen, die sie gibt oder aufnimmt, und des Zinsfußes dieser Anleihen.
Wenn das Durchschnittseinkommen steigt, so kann der Entleiher eine größere
Rückzahlung erschwingen, und der Darleiher kann sodann mehr erhalten,
während bei einem Fallen des Durchschnittseinkommens der gezahlte Be-
trag geringer sein sollte. Tatsache ist, daß dies die Tendenzen in Fällen
sind, in denen das Steigen oder Fallen des Durchschnittseinkommens voraus-
zusehen ist. Wenn sich das Durchschnittseinkommen erhöht, so ist der
Darleiher weniger darauf bedacht, sein gegenwärtiges und verhältnismäßig
dürftiges Einkommen zu erschöpfen, um sein zukünftiges Einkommen zu
erhöhen, das er wahrscheinlich ohnehin zunehmen sieht. Eine zunehmende
Prosperität (unter der nicht eine große, sondern eine wachsende Prosperität
zu verstehen ist) hat also die Tendenz, das Angebot für Anleihen einzu-
schränken. Gleichzeitig ist sie auf eine Erhöhung der Nachfrage gerichtet,
wodurch der Zins erhöht wird. Umgekehrt trägt ein abnehmendes Durch-
schnittseinkommen zu einer Erniedrigung des Zinses bei * 2).

Alle die vorstehenden Tatsachen treten nur dann ein, wenn das Steigen
oder das Fallen des Einkommens vorausgesehen wird; wenn dies nicht der

*) Vgl. Charles A. Conant, The Principles of Money and Banking, Bd. II, Kap. VII.

2) Rate of Interest, S. 95—98 und 304—306. Diese Stellung wird von Correa Moylan
Walsh in The Fundamental Problem in Monetary Science genommen, New York (Macmillan),
1903, S. 345, Fußnote.
        <pb n="200" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

181

Fall ist, können sie keinen nennenswerten Einfluß auf die Zinsrate ausüben.
Je unerwarteter sich derartige Veränderungen einstellen, nachdem Anleihen-
kontrakte eingegangen worden sind, ohne Rücksicht auf diese zu nehmen,
desto spekulativer sind die Anleihekontrakte. Wenn die Einkommen fallen,
so ist der Darleiher im Vorteil im Vergleich zum Entleiher, weil er einen
höheren Zins erzielt, als er erhalten hätte, wäre die Veränderung voraus-
zusehen gewesen. Die Hauptlast der Veränderung hat dann der Entleiher
zu tragen. Wenn dagegen die Einkommen ein unerwartetes Steigen er-
fahren, so ist die Sachlage gerade umgekehrt; der ganze Gewinn geht auf den
Entleiher über. Die normale Wirkung einer fortgesetzten Ausdehnung des
Einkommens besteht in einer Erhöhung des Zinsfußes.

Bei dem vorliegenden Problem handelt es sich jedoch nicht darum, die
Interessen der Schuldner und Gläubiger gegen alle möglichen Elemente
der Veränderung zu schützen, sondern nur gegen solche, die rein monetärer
Natur sind. Industrielle Veränderungen bilden eine Klasse für sich, und
es muß den kontraktschließenden Parteien überlassen bleiben, ihr Interesse
selbst wahrzunehmen. Uns ist nur daran gelegen, ihnen eine stabile oder
zuverlässige Geldwährung zu verschaffen. Eine sichere Geldwährung kann
weder eine Bürgschaft gegen Erdbeben bieten, noch die gleichmäßige Ver-
teilung der Prosperität sichern. Aber sie kann die durch Veränderungen in
der Beziehung des Geldwertes zu anderen Gütern erlittenen Verluste ab-
schwächen.

Die Statistik der Nominal- oder Geldzinsraten und der virtuellen
oder Warenzinsraten beweisen, daß die letzteren in viel höherem Grade
Schwankungen unterworfen sind, als die ersteren1). Dieses Fehlen eines
Ausgleichs hat nachteilige Folgen. Vor allen Dingen steht dieser Tat-
bestand einer normalen Verteilung des Reichtums und des Einkommens ini
Wege. Bei steigendem Preisniveau erhält der Darleiher, da sich Während einer
längeren Zeit der Nominalzins nicht genügend erhöht, um einen Ausgleich
zu schaffen, ein geringeres Quantum von Reichtum oder Dienstleistungen
zurück, als er billigerweise erwarten konnte. Die Gläubiger verlieren und
die Schuldner gewinnen. Man beachte auch, daß alle Personen mit verhält-
nismäßig festem Geldgehalt bei dieser Preissteigerung verlieren. Wenn
hingegen das Preisniveau fällt, haben die Gläubiger und Personen mit relativ
festem Einkommen auf Kosten der Schuldner den Gewinn. In beiden
Fällen erfährt die Verteilung des Reichtums aus rein monetären Ursachen
eineVeränderung, und diese Veränderung kann dadurch abgewendet werden,
daß der Maßstab der aufgeschobenen Zahlungen stabiler gestaltet wird.

l) Rate of Interest, Kapitel XIV.
        <pb n="201" />
        ﻿182

X. Kapitel.

§5.

Wir kommen somit auf die Schlußfolgerung zurück, daß im allgemeinen
die beste Indexnummer als Maßstab für aufgeschobene Zahlungen im Ge-
schäftsleben diejenige ist, die wir für die Angabe der Preisveränderungen aller
abgeschlossenen Geschäfte als die beste gefunden haben. Mit anderen Worten:
die Indexnummer ist das P auf der rechten Seite der Verkehrsgleichung 1).

Natürlich ist es gänzlich unmöglich, Angaben für jede Art von Aus-
tausch zu erhalten, was sich auch keineswegs als ratsam erweisen würde.
Nur Angaben für solche Artikel, die in bestimmten Verkehrstypen ge-
handelt werden und die lange Jahre hindurch Gebrauchsartikel bleiben,
sind aufzutreiben und von genügender Bedeutung, um in die Indexnummer
eingeschlossen zu werden. Bei diesen Spezifikationen ist Grundbesitz nicht
inbegriffen und zu einem gewissen Grade sind auch Löhne, Detailpreise und
Wertpapiere ausgeschlossen, und es bleibt auf diese Weise in der Liste der
Güter tatsächlich nichts übrig als die Engrospreise der einzuschließenden
Waren, deren Preise in eine Indexnummer zusammenzusetzen sind. Diese
Einschränkungen sind jedoch nicht von solcher Bedeutung, wie man an-
nehmen könnte. Die Gesamtumsätze von Grundstücken in New York
City (Manhattan und Bronx) im Jahre 1909 (das sich durch große Akti-
vität auszeichnete), die durch veranschlagte Abschätzung (wahrscheinlich
zu 4/s der Marktbewertung) bemessen wurden, betrugen nur $ 620,000,000.
Im Vergleich zu den 104 Milliarden Bank - Clearing - Umsätzen der New
York City ist diese Summe ziemlich bedeutungslos. Dabei stellen die Um-
sätze von Grundstücken in New York wahrscheinlich einen höheren Prozent-
satz der Gesamttransaktionen dar, als dies in den Vereinigten Staaten
der Fall ist* 2 *). Wir können also mit einiger Sicherheit sagen, daß sich
die Grundbesitzumsätze in den Vereinigten Staaten nur auf einen Bruch-
teil eines Prozentes der Gesamtumsätze belaufen. Was den Umsatz

x) Dies ist tatsächlich dieselbe Folgerung, zu der Walsh in seinem The Fundamental
Problem in Monetary Science gelangte und in der der Verfasser nach einer gründlichen und
kritischen Durchsicht der Literatur über den Gegenstand den Schluß zieht, daß die in dem
Maßstab für aufgeschobene Zahlungen erforderliche Art von Stabilität die „Stabilität des
Tauschwertes“ ist.

2) Auf jeden Fall befindet man sich stark unter dem Eindruck, daß die Umsätze
von Grundbesitz in New York „aktiver“ sind, als in den meisten anderen Städten und
zwar auf Grund der raschen Veränderung im Charakter der örtlichen Lage, die auf die Enge
der Insel Manhattan und infolgedessen auf das rasche Wachsen nach einer Richtung (nörd-
lich) zurückzuführen ist, sowie daß im allgemeinen die Städte einen größeren Handel in

Grundbesitz aufweisen als das Land, und zwar nicht nur absolut, sondern auch im Ver-

hältnis zu anderen Handelszweigen.
        <pb n="202" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

183

in Wertpapieren anlangt, so gelangt Kemmerer auf Grund Von Trans-
aktionen der New Yorker Effektenbörse zu dem Schlüsse, daß ungefähr
8 % der Gesamtumsätze des Landes in der Übertragung von Wertpapieren
bestehen * 4). Wie bereits bemerkt, veranschlagt Kemmerer die Löhne auf
ungefähr 3 % 2). In bezug auf die relative Bedeutung der Detailpreise im
Vergleich mit den Engrospreisen besitzen wir einige von Kinley für die
Monetary Commission3) aufgestellte Zahlen. Auf dieser Basis und auf Grund
der Tatsache, daß Engros- und Detailpreise in ihren Bewegungen ziemlich
übereinstimmen 4), können wir die Detailpreise überhaupt weglassen. Zwar
ist es richtig, daß die Detailpreise gewöhnlich hinter den Engrospreisen
Zurückbleiben, doch ist es mehr ein scheinbares als tatsächliches Zurück-
bleiben. Bei einer raschen Preissteigerung, wie sie gegenwärtig vorhanden
ist, gehen, nach Aussage Sachverständiger, die diesbezügliche Statistiken
gesammelt haben, die Detailhändler der Notwendigkeit, ihre Kunden vor
häufige und rasche Erhöhungen der Preise zu stellen, dadurch aus dem Wege,
daß sie unveränderte Preise ansetzen, aber an Stelle der Erhöhung eine
minderwertige Qualität oder in einigen Fällen kleinere Laibe oder Packungen
verkaufen.

Allerdings ist es richtig, daß die Engrostransaktionen nur einen Bruchteil
der gesamten Transaktionen bilden; sie belaufen sich vielleicht nur auf ein
Fünftel5). Nichtsdestoweniger sind die Engrospreise typischer, als irgend-
welche anderen Preise. Sie sind in hohem Grade typisch für Preise der
Produzenten, die den Engrospreisen vorausgehen, und für Detailpreise, die
den genannten folgen. Sie sind typisch für viele große und oft schwer zu
beschreibende Gruppen, die zusammengefaßt die Gesamtumsätze bilden,
z. B. diejenigen, welche in Kinleys Bericht an die Monetary Commission
unter dem Titel „andere Depositen“ klassifiziert sind und welche Hotel-
rechnungen, Honorare der liberalen Berufe usw. sowie Löhne umfassen.

*) Money and Prices, 2. Aufl., New York (Holt), 1909, S. 138.

J) Ebenda, S. 138.

a) Credit Instruments, 1910, 61. Kongreß, 2. Session, Senatdokument 399, S. 69, 73,
134 und 136. Die Schrift gibt an, daß der Engroshandel ungefähr doppelt soviel Aus-
tauscharbeit erfordert als der Detailhandel.

4)	Die vom Arbeitsamt bezüglich der Detailpreise angestellten Untersuchungen
scheinen eine allgemeine Übereinstimmung zwischen den Bewegungen der Detail- und
Engrospreise anzuzeigen, wie auch tatsächlich erwartet werden kann.

5)	Siehe die im Report of National Monetary Commission on Credit Instruments zu
einem Ganzen vereinigten Summen, die durch Engroskaufleute und andere Handeltreibende
in den Banken deponiert sind. Wenn diese auch keine genaue Vergleichung gewähren, so
gestatten sie doch eine ungefähre Mutmaßung.
        <pb n="203" />
        ﻿184

X. Kapitel.

Unter den Posten, für die Engrospreise nicht besonders typisch sind, befinden
sich Transaktionen in Wertpapieren (spekulativer und anderer Art), Eisen-
bahn- und Transportgebühren sowie Versicherungsprämien. In letzter Zeit
sind die Preise von Aktien schneller gestiegen als die Engrospreise, während
die Transport- und die Versicherungsgebühren nicht so rasch in die Höhe
gingen. Die von Kemmerer und mir selbst (in Kapitel XII) angestellten
Versuche, die Durchschnittsengrospreise und die Preise der Aktien sowie der
Löhne zu verbinden, ergeben Resultate, die nur wenig von den auf Engros-
preise gegründeten abweichen. Vom praktischen Standpunkt sind die
Warenengrospreise die einzigen bis jetzt hinreichend als typisch zu betrach-
tenden Preise, und der Gebrauch der Güter zu diesen Preisen ist während
einer längeren Zeitperiode allein genügend konstant, um ihre Verwendung
für die Gewinnung der Indexnummer zweckdienlich erscheinen zu lassen.

Wir dürfen nicht nur annehmen, daß die Engrospreise ungefähr alle
Preise repräsentieren, sondern wir dürfen auch und das mit größerer Zuver-
sicht, unsere Statistik für Engrospreise auf eine verhältnismäßig kleine An-
zahl beschränken. Edgeworth und andere haben sowohl praktisch wie
theoretisch bewiesen, daß eine große Anzahl von Artikeln nutzlos ist und
sogar nachteilig sein kann. Die von „The Economist“ angewandten 22
Warengattungen gewähren eine Indexnummer von großem Werte; jene 45
von Sauerbeck haben uns einen wertvollen Maßstab geliefert, und die im
Aldrich Report benutzten 200 und mehr Warengattungen, sowie die Bulletins
des Arbeitsamtes der Vereinigten Staaten sind sicher zahlreich genug,
wenn nicht allzu zahlreich, um eine ganz genaue Preisindexnummer zu geben.

Die seitens des „Committee of the British Association for the Advance-
ment of Science“ gemachten Vorschläge gingen dahin, daß die Indexnummer
sechs Gruppen umfassen solle, die siebenundzwanzig Klassen von Artikeln
enthalten, und daß die Preise in abgerundeten Zahlen, die annähernd den
relativen Aufwand eines Gemeinwesens an diesen Gegenständen repräsen-
tieren, gewogen werden sollten. Die Gruppen und die Klassen sowie deren

Bewertung waren die folgendenx):

Brot- und Hülsenfrüchte (Weizen 5, Gerste 5, Hafer 5, Kartoffeln, Reis usw. 5). 20

Fleisch- und Molkereiwaren (Fleisch 10, Fisch 2*/2, Käse, Butter, Milch 7*4). 20

Genußmittel (Zucker 2*4, Tee 2*4, Bier 9, Spirituosen 2*/2, Wein 1, Tabak 2*4) .... 20

Kleidung (Baumwolle 2*4, Wolle 2*/2, Seide 2*/2, Leder 2*/2) ................ 10

Mineralien (Kohle 10, Eisen 5, Kupfer 2*4, Blei, Zink, Zinn usw. 2%)......... 20

Verschiedene Waren (Bauholz 3, Petroleum 1, Indigo 1, Flachs und Leinsamen 3,

Palmöl 1, Kautschuk 1) ................................................ 10

*) Siehe den Report des Komitees im Report of the British Association for the Ad-
vancement of Science für das Jahr 1888, S. 186.
        <pb n="204" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

185

Dieser Bericht wurde nach reiflichster Überlegung von einem außer-
ordentlich kompetenten Komitee erstattet, das aus folgenden Mitgliedern be-
stand: S. Bourne, F. Y. Edgeworth (Sekretär), H. S. Foxwell, Robert Giffen,
Alfred Marshall, J. B. Martin, J. S. Nicholson, R. H. Inglis Palgrave und
H. Sidgewick. Der Bericht gibt auch eine genaue technische Beschreibung
der Artikel, deren Preisnotierungen zu benutzen sind (z. B. von rohem
Eisen, dem sogenannten „Scotch pig iron“) und ebenso den Preistarif oder
die anderen Quellen für Preisnotierungen (beispielsweise für Weizen das
„Gazette average“).

Dieser Vorschlag des britischen Komitees könnte, mit einigen gering-
fügigen Änderungen, für amerikanische Zahlen verwendbar gemacht werden.
Wir haben in Amerika eine ganze Anzahl von Indexnummern von Engros-
preisen, von denen die Nachstehenden die wichtigsten sind: 1. die von
Roland P. Falkner im Aldrich Senate Report verzeichneten Indexnummern,
welche die Zeitperiode von 1840 bis 1891 umfassen und mit dem Jahre 1860
beginnend 223 Warengattungen enthielten. Die Resultate wurden auf
zweierlei Art gegeben, und zwar sowohl gewogen, wobei das Abwägen dem
relativen, in diesen Artikeln gemachten Aufwande oder den von Arbeitern
benutzten gleichartigen Gegenständen gemäß vorgenommen wurde, und
auch ungewogen. 2. die vom Arbeitsamt der Vereinigten Staaten für 251
bis 261 Warengattungen gelieferten Indexnummern, deren Aufzeichnung
mit dem Jahre 1890 begann und, wie man allgemein annimmt, jedes Jahr
veröffentlicht werden soll. 3. Die Indexnummern von Dun vom Jahre 1860
bis 1906, die vor kurzem von Dr. J. P. Norton für Gibson fortgesetzt
wurden, und 4. seit dem Jahre 1895 Bradstreets Indexnummern für
96 Warengattungen.

Es ist unnötig, auf eine ausführliche Kritik dieser Indexnummern ein-
zugehen. Im großen ganzen scheinen sie zu viele Warenarten zu enthalten
und sind außerdem auf dem nicht einwandfreien System der festen Basis
aufgebaut. Es würde von großem Vorteil sein, wenn wir uns in Amerika
für ein System entschließen könnten, das nicht nur allgemein maßgebend
wäre, sondern auch die Ergebnisse wenigstens einmal im Jahr und zwar
pünktlich lieferte.

Für praktische Zwecke ist der „Medianwert“ eine der besten Index-
nurnmern. Er kann in einem geringen Bruchteil der erforderlichen Zeit, die
die Berechnung der theoretisch genaueren Indexnummern erheischt, aufge-
stellt werden und bewährt sich glänzend bei den vielen Proben, auf die eine
gute Indexnummer gestellt wird. Sie hat (vermittelst der „Quartilen Grade“)
auch den Vorteil, die Tendenz zur Dispersion der Preise (von jedem Jahre
        <pb n="205" />
        ﻿186

X. Kapitel.

als Basis für das nächste Jahr) vom Medianwerte nach beiden Seiten leicht
darzustellen. Der Medianwert sollte in abgerundeten Ziffern gewogen werden,
und zwar analog dem bereits erörterten Abwägen für die mehr theoretisch
vollkommene Indexnummer1). Der Medianwert einer statistischen Reihe
ist dasjenige ihrer Glieder, dem in der Reihe ebensoviele Nummern voran-
gehen wie folgen. Wenn die Zahl der Posten in der Reihe eine ungerade
Zahl Glieder enthält, dann ist der Medianwert die Mitte der der Größe nach
geordneten Zahlenreihe. Wenn die Zahl der Posten eine gerade ist, so fällt
der Medianwert zwischen zwei Glieder. Wenn diese gleich sind, ist der
Medianwert mit beiden identisch; wenn sie ungleich sind, liegt der Median-
wert zwischen denselben und kann als ihr einfacher arithmetischer, geo-
metrischer oder als irgendein anderer Durchschnitt gewonnen werden.
Tatsächlich liegen die beiden Mittelposten fast unvermeidlich so nahe bei-
sammen, daß es keine nennenswerte Bedeutung hat, welche Methode zur
Durchschnittsbildung der beiden Mittelposten adoptiert wird. Die Methode,
die Posten, von denen ein Medianwert berechnet wird, zu wiegen, besteht
darin, daß jeder Posten soviel mal gezählt wird, wie deren Gewicht anzeigt.
Als Beispiel zu dieser Darstellung mag dienen, daß der Medianwert der
Nummern 3, 4, 4, 5, 6, 6, 7 der Größe nach geordnet 5 und der Medianwert
von 3, 4, 4, 5, 6, 6 gleich 4% ist.

4	„	2

4	„	3

5	„	4

6	„	2

so ist der Medianwert in folgender Weise zu finden:

3, 4, 4, 4, 4, 4, 5, 5, 5, 5, 6, 6, 6

Zahlenreihe......

die Gewichte sind

1	2	3	4	2	1

Der Medianwert dieser Nummern ist 5. Die mit den drei erwähnten Median-
werten in Übereinstimmung befindlichen entsprechenden arithmetischen
Durchschnitte (5, 4J/2 und 5) sind: 5, 4,67 und 4,69.

Tatsächlich ist es nicht nötig, die Posten genau der Größe nach zu
ordnen. Die leicht zu erkennenden niedrigen Posten können sofort den
leicht zu erkennenden hohen gegenübergestellt werden, und nur die wenigen

) Siehe den Anhang zu diesem Kapitel X, § 8.
        <pb n="206" />
        ﻿Die besten Indexnummern der Kaufkraft.

187

übrigen in der Mitte liegenden Posten sind genau in Ordnung zu bringen.
Die nahe der Mitte liegenden Posten, die gewöhnlich beinahe oder gänzlich
gleich sind, machen die Auswahl des Medianwerts äußerst leicht.

Um den Medianwert für eine Preisindexnummer zu benutzen, haben
wir zuerst unsere Preisrelationen zu ordnen und sodann den Medianwert zu
wählen.

§6-

Wir haben gesucht, in diesem Kapitel nachzuweisen, daß das auf
Basispreise aufgebaute Verhältnis der wirklichen Werte zu idealen Werten
eine ausgezeichnete Form der Preisindexnummer ist, und daß die zur Kon-
struktion von Indexnummern eingeführten Elemente den verschiedenen
Zwecken gemäß, für die sie bestimmt sind, differieren. Wenn Kapital be-
messen werden soll, so sollten die Preise für Nutzleistungen nicht inbe-
griffen werden, sondern nur die Preise der verschiedenen, zu irgendeinem
Zeitpunkte bestehenden Reichtumsartikel. Wenn der Zweck verfolgt wird,
die Mittel zur Bemessung der Reallöhne zu erlangen, so sollte man nur
solche Gegenstände aufnehmen, die von Arbeitern gekauft werden; ihre Auf-
nahme sollte zu den während einer gegebenen Zeitperiode gekauften
Werten erfolgen und diese Werte zu Standardpreisen bemessen werden.

Die Frage eines gerechten Ausgleiches zwischen Entleiher und Dar-
leiher, in der es sich um die Aufstellung der besten Indexnummer als Maß-
stab für aufgeschobene Zahlungen handelt, wurde gleichfalls in Erwägung
gezogen. Es wurde erklärt, daß es keineswegs eine Verletzung des Gerechtig-
keitsgefühls bedeutet, wenn auf Grund der Schwankungen in der Geld-
währung der eine durch den Verlust des anderen gewinnt, denn der Kon-
trakt, in dem unter normalen Umständen jeder Teil, eines möglichen Ge-
winnes willen, jedes Risiko eines Verlustes übernahm, ist freiwillig einge-
gangen worden. Weiter wurde einerseits ausgeführt, daß es unrecht wäre,
wenn einer Person, die das Risiko eines Verlustes übernahm, durch gesetz-
liche Verordnung der Gewinn weggenommen würde. Nichtsdestoweniger
wurde aber andererseits Nachdruck darauf gelegt, daß es wünschenswert ist,
ein Mittel zu finden, durch das für die Zukunft abgeschlossene Kontrakte
weniger spekulativ gemacht werden.

Es -wurde mit Nachdruck erklärt, daß es nicht zu der Funktion einer
Indexnummer allgemeiner Preise gehöre, das wirkliche Einkommen vor
einem Steigen oder einem Fallen zu bewahren. Die Funktion einer solchen
Indexnummer ist, die Veränderung im Niveau der Preise zu bemessen, da-
mit in Kontrakten, bei denen es sich um aufgeschobene Zahlungen handelt.
        <pb n="207" />
        ﻿188

X. Kapitel.

insoweit Geld in Betracht kommt, das Element des Eisikos ausgeschlossen
werde. Ohne die Norm einer Indexnummer sind solche Kontrakte in hohem
Grade spekulativ. Die Anpassung des Zinsfußes gewährt einigermaßen eine
Entschädigung für die Schwankungen im Geldwerte, doch nicht in hin-
reichender Weise. Diese Schwankungen wirken auf die Verteilung des
Reichtums unter die verschiedenen Personen und die verschiedenen Klassen
ein und führen Krisen und Geschäftsdepressionen herbei. Es ist sehr
zu wünschen, daß für die Zeitkontrakte eine Basis gefunden wird, welche
diesen Übeln abhilft. Es wurde angenommen, daß eine in die Verkehrs-
gleichung eingeführte Indexnummer, die das Preisniveau ausdrückt, als
eine solche Basis eingeführt werden könnte. Als Ideal wurde ein Zustand
hingestellt, bei dem weder der Schuldner noch der Gläubiger benachteiligt
wird, wenn sie in ihren Erwartungen durch Veränderungen im Niveau der
Preise aller gekauften und verkauften Güter getäuscht werden. Es muß
also ein System gefunden werden, bei dem die tatsächlichen Ergebnisse des
Vertrages den erwarteten Ergebnissen in fast allen Fällen nahegebracht
werden.

Es wurde dargelegt, daß es für die verschiedenen Personen und die ver-
schiedenen Klassen von Interesse ist, für ihre Zeitkontrakte Indexnummern
zu besitzen, die auf etwas verschiedene Weise aufgebaut wurden, und zwar
aus dem Grunde, weil die einzelnen Personen an der Konsumtion verschie-
dener Warengattungen interessiert sind, und weil sie größere oder kleinere
Teilbeträge ihres Verdienstes arzulegen beabsichtigen. Aber für allgemeine
Zwecke und als bester Kompromiß, den Bedürfnissen der verschiedenen
Klassen zu entsprechen, wurde eine Indexnummer vorgeschlagen, die auf
die Preise aller während einer gegebenen Periode ausgetauschten Güter ge-
gründet ist. Zugleich aber wurde hervorgehoben, daß die verschiedenen
Formen der Indexnummern, die Anerkennung gefunden haben, tatsächlich
zu denselben Resultaten führen.

Schließlich wurde dargelegt, daß der Medianwert für ungefähre und
doch zuverlässige Berechnungen Vorteile über alle anderen Formen von
Indexnummern aufweist.
        <pb n="208" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

189

XI.	Kapitel.

Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer

Rückblick.

§i-

Da weder das Preisniveau noch die Quantität des in Umlauf befindlichen
Geldes in der Praxis genau bewertet werden können, und da das erstere neben
der Geldmenge noch von anderen Faktoren abhängt - nämlich von der
Quantität des zirkulierenden Kredits, von der Umlaufsgeschwindigkeit

dieses Kredits sowie des Geldes und weiter von dem Geschäftsumfang —
so wäre es sinnwidrig, eine genaue Übereinstimmung der Schwankungen der
Quantität des zirkulierenden Geldes mit denen des Preisniveaus zu erwarten.
Ebenso sinnwidrig ist es, zu folgern, wie dies vielfach geschehen ist, daß das
Pehlen einer genauen statistischen Übereinstimmung das Nichtvorhandensein
irgendwelchen Einflusse’s der Geldquantität auf das Preisniveau beweise. Wenn
sich die Menge des Geldes stark und schnell verändert, so ist dennoch die
Wirkung dieser Ursache auf die Preise gewöhnlich von genügender Be-
deutung, um bemerkbar zu sein.

Wie Figur 10x) zeigt, ist die allgemeine Bewegung der Preise gewöhn-

i) Dieses Diagramm zeigt die Veränderungen im Preisniveau, wie sie in Aupetits
Essai sur la theorie g&amp;n&amp;rate de la monnaie, Paris (Guillaumin), 1901, S. 245, nach den
voneinander unabhängigen Schätzungen von D’Avenel, Hanauer und Leber gegeben sind.
        <pb n="209" />
        ﻿190

XI. Kapitel.

lieh nach aufwärts gerichtet. Diesem Diagramm gemäß sind die Preise jetzt
ungefähr fünfmal so hoch wie vor tausend Jahren und zwei- bis dreimal
so hoch wie in der Zeit zwischen 1200 und 1500 n. Chr.1). Von dem letzt-
genannten Zeitpunkt ab oder kurz nach der Entdeckung Amerikas sind die
Preise fast beständig gestiegen.

Der Entdeckung Amerikas folgte im Jahre 1519 die Besitzergreifung
Mexikos durch Cortez und zwanzig Jahre später die Eroberung von Peru
durch Pizarro. Von diesen Eroberungen und der darauffolgenden Ent-
wicklung der Edelmetallproduktion in der Neuen Welt datiert der unge-
heure Aufschwung des Gold- und besonders des Silberbergbaus während
des sechzehnten Jahrhunderts. Von der Entdeckung Amerikas bis zu der
Zeit, in der ihre Nachwirkungen fühlbar zu werden begannen, oder genauer
bis zum Jahre 1544, betrug der jährliche Goldertrag nahezu fünf Millionen
Dollar und der des Silbers ungefähr dasselbe * 2). Die reichen Minen von
Potosi in Bolivia wurden im Jahre 1546 entdeckt. Vom Jahre 1545 bis
1560 betrug die jährliche Produktion von Silber durchschnittlich achtzehn
Millionen Dollar, was mehr als das Vierfache des vorhergehenden Betrages
bedeutet. Die Produktion des Goldes stieg ebenfalls, wenn auch nur in ge-
ringem Maße. Die Produktion beider Metalle wuchs fortgesetzt (mit geringer
Unterbrechung in den Jahren 1811—1840) bis zur Gegenwart.

Diese Bergwerke der Neuen Welt begannen ihre Produkte über Europa
zu ergießen, und zwar zuerst nach Spanien, der Haupteigentümerin der
Minen, dann durch den Handel in die Niederlande und andere Teile Europas
und schließlich in den Orient — dieses große „Aufnahmereservoir von Silber“.
Wie Cliffe Leslie3) dargelegt hat, stiegen die Preise zunächst in Spanien,
hierauf in den Niederlanden und dann in anderen Gebieten.

Aber obwohl die neue Zufuhr von Edelmetallen sich nur ganz allmählich

x) Diese Zahlen wurden durch Ergänzung derer von D’Avenel, Hanauer und Leber
durch die von Jevons und Sauerbeck für das 19. Jahrhundert gefunden. Ohne diese Er-
gänzung ist das Steigen der Preise zehnmal größer in den letzten tausend Jahren und vier-
bis sechsmal größer in dem Zeitraum von 1200—1500.

2) Diese und die folgenden Zahlen sind „The World's Production of Gold and Silver
front 1493—1905u, von J. D. Magee im Journal of Political Economy, Januar 1910, S. 50 ff.
entnommen. Bis zum Jahre 1885 sind Magees Zahlen auf jene von Soetbeer gegründet
und seit diesem Zeitpunkte auf die Berichte des Direktors der Münze der Vereinigten
Staaten. Betreffs Soetbeers Zahlen siehe Adolf Soetbeer, Edelmetallproduktion und Wert-
verhältnis zwischen Gold und Silier seit der Entdeckung Amerikas bis zur Gegenwart, Gotha
(Justus Perthes), 1879, S. 107. Diese und andere Zahlen sind auch in den Materialien
des nämlichen Verfassers gegeben, sowie in L. L. Price, Money and its Relation to Prices,
London (Sonnenschein), 1900, New York (Scribner) S. 82 ff. aufgeführt und besprochen.

s) Essays in Political Economy, 2. Aufl., Nr. 19.
        <pb n="210" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

191

über Europa verbreitete und die Preissteigerung infolgedessen in einigen
Gebieten verzögert wurde, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß die
Preise stiegen, und daß diese Steigerung von Bedeutung war. Von der Ent-
deckung Amerikas an bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts betrug das
Steigen mehrere hundert Prozent. Dieses Ansteigen ereignete sich gleich-
zeitig mit einer Zunahme des Bestandes an Edelmetallen, weil die Erzeugung
den Verbrauch überholte.

Wenngleich das Ansteigen der Gesamtproduktion der Edelmetalle bis
zum Jahre 1810 andauerte, so wurde doch das Verhältnis der jährlichen
Produktion zu dem vorhandenen Bestände allmählich geringer. Diesem
Nachlassen in der Produktion entsprechend und wahrscheinlich dadurch
veranlaßt, hielt das Steigen der Preise nicht mit derselben Geschwindigkeit
wie am Anfang an. Mit der fortschreitenden Entwicklung der Handels-
beziehungen zum Osten fand ein zunehmender Bruchteil der neuen An-
gebote ihren Weg dorthin. Das schnellste Steigen ei folgte während des
sechzehnten Jahrhunderts.

§2.

Offenbar bestehen die Geldmetallbestände stets und in jedem Lande
aus der Differenz zwischen dem Gesamtprodukt und der Größe des Kon-
sums sowie des Nettoexportes. Jacob1) hat zu verschiedenen Zeit-
punkten ungefähre Schätzungen des Bestandes in Europa vorgenommen.
In nachstehender Tabelle wird ein Vergleich der abgeschätzten Metallbe-
stände in Europa mit den abgeschätzten Preisniveaus gezogen:

Geld und Preise.

Abgeschätztes Produkt, Konsumtion und Bestand der Edelmetalle in Europa,
ausgedrückt in Millionen Dollar und Preisniveaus2).

Jahr	Produkt	Konsumtion und Export	Bestand	Preise
1500		}	670	290	{	170	35
1600		1	1640	740	\	650	75
17DO	i		1450	90
1800		j 4280	3880	{	1850	100
1900		j 13 000	8960	{	6890	125 (?)

0 William Jacob, F. R. S., An Historical Inquiry into the Production and Consump-
tion of the Precious Metals, 2 Bde., London (Murray) 1931; II. Bd. S. 63. Siehe auch
Price, Money and its Relation to Prices, S. 78.

2) Die Schätzungen des Produktes und des Bestandes sind die von Jacob und Soet-
        <pb n="211" />
        ﻿192

XI. Kapitel.

Bei der ungeheuren Zunahme des Edelmetallbestandes ist es nicht zu
verwundern, daß ein Steigen der Preise eintrat!

Wir sahen, daß eine allgemeine Zunahme erstens in den Beständen der
Geldmetalle und zweitens im Preisniveau eintrat, und daß die größte Zu-
nahme in beiden Fällen im sechzehnten Jahrhundert erfolgte. Ferner haben
wir gefunden, daß die Preise nicht so rasch stiegen wie die Menge des Geldes.
Auf Grund des erhöhten Geschäftsumfanges war diese verhältnismäßige
Verlangsamung der Preissteigerung zu erwarten. Wir wissen, daß diese
Erhöhung durch die Zunahme der Bevölkerung und durch die gewerb-
lichen Fortschritte — besonders in den Handelsgewerben — und durch
die Entwicklung der Transportverhältnisse herbeigeführt worden ist. Die
Veränderungen in der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes sind uns völlig
unbekannt.

§3.

Die während des letzten Jahrhunderts mit größerer Sorgfalt aufge-
zeichneten Preisbewegungen weisen ein vielfaches Steigen und Fallen auf.

beer (a. a. 0.) sowie Del Mar in Eistory oj the Precious Metals, New York (Cambridge
Encyclopaedia Co.), 1902, S. 449. Die jeweilige Preislage (mit Ausnahme dessen vom
Jahre 1900) ist ermittelt als Durchschnitt der Angaben von Vicomte D’Avenel, Histoire
Economique de la Proprietö des Salaires et des Denrties, I. Bd., S. 27 und 32, Leber und
Hanauer (siehe A. Aupetit, Essai sur la theorie generale de la monnaie, Paris (Guillaumin),
1901, S. 245); jede der drei Schätzungen wurde für das letzte Viertel des achtzehnten Jahr-
hunderts oder vielmehr von 1770—1790 auf 100 Prozent reduziert. In jedem Falle stellt
die angegebene Zahl den Durchschnitt der von den drei Autoritäten gefundenen Zahlen
für das vorangehende und folgende Vierteljahrhundert dar. Als ein Kompromiß
zwischen sehr widerstreitenden Forschungsergebnissen ist für das Jahr 1900 die
Zahl 125 gegeben. Leber, Hanauer und D’Avenel stimmen in ihren Feststellungen
ziemlich überein, und D’Avenel (1890 bis 1894) fand das „gegenwärtige“ Preisniveau in
Frankreich doppelt so hoch, als es in den Jahren 1776 bis 1790 gewesen war (S. 32), was
die erforderte Zahl 200 ergibt. Die in Investigations in Currency and Finanee, London
(Macmillan), 1884, S. 144, durch Jevons für die Jahre von 1782 bis 1818 für England
aufgestellten Zahlen hingegen in Verbindung mit denjenigen Sauerbecks in Course of
Average Prices in England, London (King), 1908, vom Jahre 1818 bis zur Gegenwart, zeigen
ein tatsächliches Fallen der Preise an, wobei sich für 1900, auf der oben erwähnten Basis,
eine Ziffer zwischen 75 und 80 ergibt. Die englischen Zahlen sind viel vollständiger als die
Zahlen des Kontinents von D’Avenel, Leber und Hanauer, weshalb ihnen auch mehr Ge-
wicht beigemessen wird, und die Zahl 125 scheint einen angemessenen ungefähren Durch-
schnitt für Europa darzustellen. Die großen Abweichungen der einzelnen Zahlen von-
einander lassen aber diese und jede andere Zahl, die man wählen mag, als äußerst ungewiß
erscheinen.
        <pb n="212" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

193

Am vollständigsten sind die in Figur 11*) dargestellten statistischen An-
gaben für England (von Sauerbeck). Bekanntlich erlitten die englischen
Preise durch die Ausgabe von uneinlösbarem Papiergeld während der
Napoleonischen Kriege eine künstliche Steigerung. Diese Periode der
Papierwährung erstreckte sich vom Jahre 1801 bis 1820. Die Preise in
Papiergeld waren jedoch nur unbedeutend höher als die Preise in Gold
und die Hauptpreisbewegungen wurden (außer in wenigen Jahren) durch
das Vorhandensein der Papierwährung nur in geringem Grade beeinflußt.
Die Hauptperioden der Preisbewegungen in England seit dem Jahre 1789
können in folgender Weise dargestellt werden.

Die Preise stiegen vom Jahre 1789-1809, der Geldbestand nahm zu.

Die Preise fielen vom Jahre 1809-1849, der Geldbestand büeb stationär.

Die Preise stiegen vom Jahre 1849-1873, der Geldbestand nahm zu.

Fig. ll.

Die Preise fielen vom Jahre 1873—1896, der Geldbestand nahm nur
wenig zu.

Die Preise stiegen vom Jahre 1896 bis zur Gegenwart, der Geldbestand
nahm zu.

In jedem dieser fünf Fälle ist die Bewegung im Bestand der Geldmetalle
in Europa laut der Tabelle von Del Mar angeführt2).

!) Die Zahlen sind verschiedenen Heften des Journal of the Royal Statistical Society
entnommen. Sauerbeck hat während vieler Jahre seine Indexziffer in der Märzausgabe
dieser Zeitschrift veröffentlicht.

2)	Ristory of the Precious Metalls, S. 449. Die von Del Mar gelieferten Angaben
sind auf die Schätzungen von King, Humbolt, Jacob, Tooke, Newmarch, McCulloch und
auf seine eigenen gegründet. Die Angaben beziehen sich etwa auf das Ende der oben
angegebenen Perioden der Preisbewegungen. Die folgenden Zahlen bilden eine kurze
Zusammenfassung der Del Marschen Angaben in bezug auf die Edelmetall-Bestände
(in Milliarden Dollars ausgedrückt):

Fisher, Kaufkraft des Geldes.	^
        <pb n="213" />
        ﻿194

XI. Kapitel.

Die einzige Periode, die auf den ersten Blick nicht mit dem Ergebnis
übereinstimmt, das erwartet werden kann, wenn unsere Theorie vom Ein-
flüsse des Geldbestandes auf das Preisniveau zutrifft, ist die Periode von
1873 bis 1896. Von den anderen vier Perioden weisen drei eine Preis-
steigerung mit zunehmenden Geldbeständen auf. Die vierte ist eine
Periode, während der die Bestände stationär blieben. Da das Handels-
volumen zweifellos zunahm, war natürlicherweise ein Fallen der Preise
zu erwarten.

Die Ausnahmeperiode der Jahre 1873 bis 1896, in der ein Sinken der
Preise zu verzeichnen war, ist wahrscheinlich durch die Zunahme im Handels-
volumen und die schrittweise Demonetisierung des Silbers in den ver-
schiedenen Ländern zu erklären.

Angesichts der Unvollständigkeit des zugrunde liegenden Materials
ist der vorstehende Parallelismus zwischen den Geldbeständen und den Preisen
bemerkenswert1). Es fehlen in der Tabelle nicht nur genaue statistische
Angaben über das Handelsvolumen sowie über die Umlaufsgeschwindig-
keit, sondern auch zahlenmäßige Belege über den Bestand an Banknoten,
Staatspapieren und auf Depositen beruhenden Umlaufsmitteln. Bekannt
ist uns jedoch, daß das moderne Bankwesen, das vor der französischen Re-
volution überhaupt kaum zu einer Entwicklung gelangt war, sich während
des neunzehnten Jahrhunderts schnell entfaltete. Ebenso wissen wir, daß
sich das Bankwesen und die Depositenumlaufsmittel während der in der
Tabelle verzeichneten dritten Periode (1849—1873) rascher entwickelte,
als in der vierten Periode (1873—1896) 2), eine Tatsache, die einigermaßen
zu einer Erklärung des verschiedenen Verlaufes der Preisbewegungen dieser
beiden Zeitabschnitte beiträgt.

§4-

Der Verlauf der Preisbewegungen während des neunzehnten Jahr-
hunderts kann demgemäß durch die folgenden auf hoher Wahrscheinlichkeit
beruhenden Darlegungen zusammengefaßt werden:

1776			 1,4	1870			 3,6
1808			 1,9	1876			 3,7
1838		..... 1,3	1893			 3,7
1850			 2,0	1896			 4,5

x) Vgl. Albert Aupetit, Essai sur la theorie genörale de lamonnaie. Paris (Guillaumin),
1901, S. 271—285.

s) Siehe Mulhall, Dictionary of Statistics, unter „Banks“.
        <pb n="214" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

195

1.	Von 1789 bis 1809 fand ein rasches Steigen der Preise statt. In
dieser Zeit bewegte sich die von Jevons aufgestellte Indexziffer von 85 bei
Goldwährungspreisen auf 157, oder in Papierwährung ausgedrückt, auf 1611).
Das heißt, es trat tatsächlich innerhalb zwanzig Jahren eine Verdoppelung
der Preise ein. Diese Steigerung war die Folge der Zunahme der Gold-
und Silberbestände, die wiederum der starken Produktion dieser Metalle
zuzuschreiben war, die im Vergleich zu den vorherigen und nachherigen
Perioden zu jener Zeit herrschte. Besonders groß war die Silbererzeugung * 2).
Die Napoleonischen Kriege, die den Wohlstand untergruben und störend
auf den Handel einwirkten, machten sich wohl in gleicher Weise geltend3).

2.	Von 1809 bis 1849 fielen die Preise. Der Jevons’schen Bemessung
nach sanken sie von 157 in Goldwährung oder 161 in Papierwährung auf 64.
Das heißt, es trat innerhalb vierzig Jahren ein Fallen der Preise um mehr als
die Hälfte, oder genauer, bis zu zwei Fünftel ein. Aller Wahrscheinlichkeit
nach wurde dieses Fallen der Preise durch den Stillstand in der Produktion
der Edelmetalle veranlaßt, der zur Folge hatte, daß die angesammelten Be-
stände mit dem Geschäftsvolumen nicht gleichen Schritt hielten; tatsäch-
lich blieben die Gesamtbestände stationär, während der Umfang der Ge-
schäfte zunahm. Selbst die Entwicklung des Banknotenwesens genügte
nicht, um der steigenden Zunahme des Geschäftumfanges zu entsprechen.
Interessant ist die Beobachtung, daß diese Periode des Sinkens der Preise
durch ein nach dem Jahre 1833 eintretendes zeitweiliges Steigen unter-
brochen wurde, das sich Jevons nicht zu erklären vermochte. Anscheinend
war dieses Steigen dem von Rußland einströmenden Golde zuzuschreiben,
da ja zu jener Zeit (im Jahre 1830) in Sibirien Goldfunde gemacht wurden 4 *).

3.	Von 1849 bis 1873 war (jedoch mit zwei großen Unterbrechungen)
ein Steigen der Preise zu verzeichnen. Den von Sauerbeck ergänzten Jevons-
schen Zahlen gemäß 6) stiegen die Preise von 64 auf 86 und nach den Sauer -
beckschen Zahlen allein von 74 auf 111. Demnach stiegen die Preise in

U Jevons, Investiqations in Currency and Finance, London (Macmillan), 1884
S. 144.

a) Siehe Magee, „World’s Produktion of Gold and Silver“, Journal of Political Eco-
n°my, Januar 1910, S. 54, 56.

3)	Siehe Harrison H. Brace, Gold Production and Future Prices, New York (Bankers’
Publishing Co.) 1910, S. 16 und 17.

4)	Price, Money and its Relation io Prices, S. 112.

s) Dieses Steigen wird gefunden, indem man zu Jevons’ Tabelle, die mit 1856 schließt,

eme mutmaßliche Zahl (86) für 1873 hinzufügt, die im selben Verhältnis zu der Zahl (78)
für 1865 ausgerechnet ist, in der Sauerbecks Ziffer (111) für das Jahr 1873 zu seiner
Ziffer (101) für 1865 steht.

13*
        <pb n="215" />
        ﻿24 Jahren nach der einen Berechnungsweise um ein Drittel und nach der
anderen um die Hälfte. Mutmaßlich war diese Steigerung auf den Gold-
inflationismus, der den berühmten Goldentdeckungen in Kalifornien im
Jahre 1849 und in Australien in den Jahren 1851—1852 folgte, zurück-
zuführen. Die gleichzeitige rasche Entwicklung des Bankwesens trug trotz
der andauernden Zunahme des Handels zum gleichen Ergebnis bei.

4.	Von 1873 bis 1896 trat ein Preisfall ein, der wahrscheinlich in
dem Nachlassen der Goldproduktion seinen Grund hatte. Außerdem war
dieses Fallen dem Umstand zuzuschreiben, daß Nationen, die sich zuvor
auf einer Silberbasis befanden, zur Goldwährung übergingen und so Gold
dem Weltvorrat entnehmen mußten; ein weiterer Grund des Fallens der
Preise lag in dem Aufhören der Ausbreitung des Silbergeldes, und zwar
infolge der Schließung der Münzstätten für dieses Metall, und schließlich
trat noch die Abnahme in der Entwicklung des Bankwesens und das an-
dauernde Anwachsen des Handels hinzu x).

Während des andauernden Fallens der Preise von 1873 bis 1896 nahm
ein Land nach dem anderen die Goldwährung an. Wie bereits erwähnt,
ging Deutschland in den Jahren 1871—1873 zur Goldwährung über und
trug auf diese Weise dazu bei, die Aufrechterhaltung des Bimetallismus
durch die Lateinische Union unmöglich zu machen. Die Skandinavische
Münzunion nahm die Goldwährung im Jahre 1873 an. Von diesem Zeit-
punkte ab bis zum Jahre 1878 hoben die Länder der Lateinischen Union
die freie Ausprägung von Silber auf und gelangten tatsächlich auf eine
Goldbasis. Für die Vereinigten Staaten bedeutete die Gesetzgebung von
1873, daß unter eventueller Wiederaufnahme der Barzahlung (die im
Jahre 1879 tatsächlich stattfand) das Währungssystem dieses Landes
auf eine Goldbasis gestellt werden sollte, wenn auch daselbst, mit Aus-
nahme des Kleingeldes, seit mehreren Jahrzehnten kein bedeutendes

J) Es steht nicht so, als hätte die linke Seite der Gleichung keine Erhöhung auf-
gewiesen, aber sie nahm nicht so rasch wie der Handel zu; aus diesem Grund fielen die
Preise. Laughlin glaubt Mills Behauptung über den Haufen zu werfen, daß der Kredit
auf gleiche Weise wie das Geld die Preise beeinflußt (eine Zunahme des Kredits erhöht
die Preise, wenn die anderen Faktoren gleichbleiben), indem er sich auf die Tatsache eines
enormen Anwachsens der Depositenumlaufsmittel in dieser Periode beruft, das die Preise
weder erhöht, noch ihr Fallen verhindert habe. Wenn aber der Handel noch schneller
zunahm (und Laughlin gibt selbst eine Zunahme im Handel zu, wenngleich er in Abrede
stellt, daß dies eine zufriedenstellende Erklärung ist), dann steht ein Fallen der Preise
nicht im Gegensatz zu Mills Theorie, sondern mit ihr im Einklang. Siehe Laughlin,
The Principles of Money, New York (Scribner), 1903, S. 319 und 320.
        <pb n="216" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

197

Quantum Silber geprägt worden war. Die Goldwährung wurde in den
Niederlanden in den Jahren 1875—1876, in Ägypten im Jahre 1885, in
Österreich im Jahre 1892, in Indien im Jahre 1893, in Chile im Jahre 1895,
in Venezuela und Costa Rica im Jahre 1896, in Rußland, Japan und Peru
im Jahre 1897, in Ecuador im Jahre 1899 und in Mexiko im Jahre 1905
virtuell angenommen. Tatsächlich haben nunmehr fast alle Länder von
Bedeutung endgültig die Goldwährung angenommen.

Die vorgenannten Zahlen beziehen sich nur auf „Goldländer“. Im
Jahre 1873 fielen jedoch die Gold- und Silberländer sozusagen auseinander.
Es ist daher von Interesse, zu untersuchen, ob die Bewegung der Preise in
den Ländern mit Goldwährung der in den Ländern mit Silberwährung
parallel- oder entgegenlief. Wie zu erwarten, ist das letztere der Fall.
Durch die Demonetisierung des Silbers in Goldwährungsländem wurde ein
größeres Quantum dieses Metalles den Silberwährungsländem zur Ver-
fügung gestellt. Wir finden, daß die Preise demgemäß in Indien von 107
im Jahre 1873 auf 140 im Jahre 1896 *), in Japan von 104 im Jahre 1873
auf 133 im Jahre 1896 1 2) und in China von 100 im Jahre 1874 auf 109 im
Jahre 18933) stiegen. Wenngleich diese Zahlen nicht so zuverlässig und
typisch sind, wie die Zahlen für die Goldwährungsländer, so stimmen sie
doch in der Feststellung einer Preissteigerung überein. Wie hoch sich die
Steigerung belief, ist auf verschiedene Weise angegeben; sie schwankt
zwischen 10 und 35 Prozent. Nachstehende Tabelle stellt den Gegensatz
zwischen den Gold- und Silberländern dar, und zwar von 1873—1876 und
1890—1893. Das Schlußjahr ist das der Schließung der indischen Münz-
stätte für Silber4).

1)	F. J. Atkinson, „Silver Prices in India“, Journal oj the Royal Statistical Society,
März 1897, S. 92. Die Zahlen für 1893, 1894, 1895 und 1896 erfuhren eine Minderung, da
die indische Münzstätte im Jahre 1893 dem Süber verschlossen wurde.

2)	Die Zahlen für die Jahre 1873 bis 1893 sind den Japanese Monetary Reports vom
Jahre 1895 entnommen und von Mr. Sakata von der Yale Universität für mich übersetzt
worden. Die Zahlen für 1894,1895 und 1896 stammen ebenfalls aus offiziellen japanischen
Quellen und wurden von japanischen Studenten beschafft.

3)	Aus dem in obiger Anmerkung erwähnten Bericht.

4)	Die Zahlen der indischen Preise sind zu dürftig und zu lokaler Natur, um von
solchem Werte wie die entsprechenden Indexnummem für Europa und Amerika zu sein.
Vgl. die in J. Barr Robertsons Artikel (1903) zitierten Zahlen, Report of Commission on
international Exchange, 58. Kongreß, 2. Session, House of Representatives Dokument 144,
Washington, 1903, S. 357—378.
        <pb n="217" />
        ﻿198

XI. Kapitel.

Preise in Gold- und Silberwährungsländern1).

		Gold	Silber
1873—1876		100	100
1890—1893		78	117

Es ist zu ersehen, daß die Goldpreise um etwas mehr als 20 Prozent ge-
fallen und die Silberpreise um etwas weniger als 20 Prozent gestiegen sind2).

Wenn es möglich gewesen wäre, Mittel zu ersinnen, durch die die Gold-
und Silberpreisbewegung einheitlich geregelt worden wäre, (z. B. durch
einen die ganze Welt umfassenden Bimetallismus), so wären die Preise
in den Goldwährungsländern nicht in solchem Maße gefallen und in den
Silberwährungsländern nicht so stark gestiegen (wenn es überhaupt zu
einem Steigen gekommen wäre!); höchst wahrscheinlich wäre in den Gold-
ländern nur ein unbedeutendes Fallen zu verzeichnen gewesen — aller Ver-
mutung nach um 10 Prozent bis zu den Jahren 1890—1893 und etwas mehr
bis 1896. Der Grund liegt darin, daß die Bargeldvorräte in den Silberländern
weniger als die Hälfte der in den Goldländern vorhandenen betrug3) (mit
Einschluß der Länder, die infolge von Silberüberflutung zur „hinkenden
Goldwährung“ übergegangen sind), sodaß, wenn ein gegebenes Quantum
Silber vom Silber-Orient auf den Gold-Okzident übertragen worden wäre,
die Wirkung auf die orientalischen Preise ungefähr zweimal so stark wie
auf die okzidentalen Preise gewesen wäre.

Der Übergang Indiens von der Silber- auf die Goldseite hat ungefähr
neun Zehntel4) des Bargeldvorrates (Gold- und überwertetes Silber) in der
Goldkolonne gelassen. Mit anderen Worten: Die Welt befindet sich nun
tatsächlich auf einer Goldbasis. Die Folgewirkung war, daß die indischen
Preise sich statt in entgegengesetzter nunmehr in der gleichen Richtung wie
die europäischen Preise5) bewegten.

5.	Vom Jahre 1896 bis zur Gegenwart sind die Preise auf Grund der

Q Irving Fisher, „Prices in Silver Countries“, Yale Review, Mai 1897, S. 79. Die
Indexnummem für die Goldländer beruhen auf denjenigen von Sauerbeck für England,
Soetbeer, Heintz und Conrad für Deutschland und Falkner (Aldrich Report) für die Ver-
einigten Staaten. Die Indexnummern für Silberländer sind von Atkinson für Indien
und dem Bericht der obenerwähnten Japanese Currency Commission entnommen.

2)	Nebenbei bemerken wir, daß diese Abweichung zwischen den beiden Preisarten
etwas größer ist, als die Abweichung zwischen dem Gold und Silber selbst.

3)	Siehe Muhleman, Monetary Systems of the World, New York (Nicoll), 1897, S. 177.
*) Siehe Muhleman, Monetary Systems of the World, New York (Nicoll), 1897, S. 177.
') Siehe J. B. Robertson, „Variations in Indian Price Levels since 1861 expressed in

Index Numbers“, Department of Commerce and Industry (Government of India).
        <pb n="218" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

199

außerordentlichen Erhöhung der Goldproduktion und der andauernden
Zunahme der Geldmedia aller Art gestiegen. Das südafrikanische Gold in
Verbindung mit dem Golde der reichen Minen von Cripple Creek sowie
anderer Teile des Rocky Mountain Plateaus, das durch das Gold aus dem
Klondike-Bezirk noch Verstärkungen erfuhr, verursacht und bewirkt noch
immer eine Wiederholung des gleichen Phänomens, wie es vor einem halben
Jahrhundert zutage trat.

Daß ein entschiedenes Steigen der Preise stattgefunden hat, ist aus
allen Indexnummern klar ersichtlich. Die hier folgende labelle gibt
eine Aufstellung der Zahlen des Economist, von Sauerbeck, Dun, den
Berichten des Arbeitsamtes und von Bradstreet:

Englische Indexziffern

Ende Dez.

1896

1897

1898

1899

1900

1901

1902

1903

1904

1905

1906

1907

1908

1909

Economist I Sauerbeck

1950

1890

1918

2145

2126

1948

2003

2197

2136

2342

2499

2310

2197

2373

61

62

64

68

75

70

69

69

70

72
77
80

73

74

Amerikanische Indexziffern

Dun

74

72

77

85

91

91

102

99

97

98
105

Arbeitsamt! Bradstreet

90

90

93

102

111

109

113

114
113
116
123
130
123
127

59

61

66

72

79

76

79

79

79
81

84
89

80

85

Die im Vergleich zu dem niedrigen Niveau von 1896 hoch erscheinenden
Punkte von 1900 und 1907 müssen wenigstens zum Teil auf eine Expansion
der Kreditgewährungen zurückgeführt werden. Der passendste Vergleich
(unter Nichtberücksichtigung der Wirkungen außergewöhnlicher Verände-
rungen des Kredits) ist vielleicht der der Jahre 1896, 1903 und 1909 mit-
einander. Der Beweis, daß in der ganzen Welt ein Steigen der Preise statt-
gefunden hat, ist nicht nur aus den Indexnummern zu ersehen, die ohnehin
nur für eine beschränkte Anzahl von Ländern zu Gebote stehen, sondern
auch aus dem allgemeinen Eindruck auf die Konsumenten sowie aus
speziellen Berichten und Untersuchungen *).

l) Siehe den Report of the Seleä Committee on Wages and Prices of Commodities Senats
bericht 912, 61. Kongreß, 2. Session, 1910.
        <pb n="219" />
        ﻿200

XI. Kapitel.

Eine ausführlichere Erörterung der Verhältnisse in den Vereinigten
Staaten während der Jahre 1896—1909 folgt im nächsten Kapitel.

§5.

Die Geschichte der Preise ist im wesentlichen die Geschichte eines Wett-
laufes zwischen der Zunahme der Austauschmedia (0 und G') und der Zu-
nahme des Handels (H) gewesen, während sich (nach unserer Annahme)
die Umlaufsgeschwindigkeiten in viel geringerem Maße veränderten. Da
uns über die Veränderungen in der Entwicklung des Handels nur wenig be-
kannt ist, wollen wir versuchsweise ein beständiges Wachsen annehmen und
den Variationen der Zirkulationsmittel unsere Hauptaufmerksamkeit wid-
men. Zuweilen wurde der Handel von den Zirkulationsmitteln überflügelt,
was ein Steigen der Preise zur Folge hatte. Zweifellos ereignete sich dies
in den unter 1, 3 und 5 aufgeführten der vorher erörterten fünf Zeitperioden.
Andrerseits blieben zuweilen die Zirkulationsmittel hinter dem Handel
zurück, worauf die Preise fielen. Dies muß in den unter Nummer 2 und 4
angeführten Perioden der Fall gewesen sein.

Es ist von Bedeutung, an dieser Stelle Nachdruck auf die in einem
vorhergehenden Kapitel erwähnte Tatsache zu legen, daß nämlich der Zu-
sammenbruch des Bimetallismus und die sich daraus ergebende Spaltung
der Welt in einen Gold- und einen Silberabteil jeden der beiden Teile in
bezug auf die Schwankungen der Produktion der Edelmetalle empfindlicher
als zuvor gemacht hat. Die gegenwärtige Goldflut kann sich nur über
den Goldabteil der Welt und nicht über den ganzen Erdkreis ausbreiten,
wie dies tatsächlich unmittelbar nach dem Jahre 1849 mit dem Kalifornischen
Golde der Fall war. Im bimetallistischen Frankreich wurde zu jener Zeit
das Silber durch Gold verdrängt und nach dem Oriente abgeleitet. Der
Orient gewährte auf diese Weise den bimetallistischen Ländern Unter-
stützung, indem er das Silber aufnahm und für das Gold Baum schaffte;
dadurch wurde wiederum durch die bimetallistischen Länder den Gold-
ländem Erleichterung verschafft.

Seit dem Jahre 1873 ist also das Goldreservoir von Europa und Amerika
von dem Silberreservoir des Ostens getrennt worden, woraus sich ergab,
daß das Niveau des europäischen und amerikanischen Keservoirs gegen einen
Mangel wie gegen einen Überfluß an Gold empfindlicher wurde. Das Resultat
war, daß sowohl das Fallen der Preise von 1873 bis 1896 als auch ihr gegen-
wärtiges Steigen verschärft wurde, obgleich die spätere Wirkung durch
die vorhergehende Ausdehnung der Goldwährung abgeschwächt ist.
        <pb n="220" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

201

§ 6.

Voraussichtlich werden auch künftig die Preise weiter steigen, und zwar
wegen der andauernden Zunahme der Goldzufuhr, denn heutzutage wird in
einem Jahre soviel Gold produziert, als während des ganzen 16. Jahrhunderts
gewonnen wurde.

Eine äußerst sorgfältige Prüfung der gegenwärtigen Verhältnisse im
Goldbergbau ergibt, daß wir mit Bestimmtheit auf eine Fortdauer der
Goldinflation während einer Generation oder noch länger rechnen können.
„Wenigstens für dreißig Jahre haben wir eine Ausbeute in Gold zu er-
warten, die höher oder zum mindesten ebenso hoch ist wie die der letzten
Jahre1).“ Dieses Gold wird aus den Vereinigten Staaten, aus Alaska,
Mexiko, Transvaal und anderen Teilen Afrikas und Australiens sowie später
aus Kolumbien, Bolivien, Chile, den Ural-Provinzen, Sibirien und Korea
kommen. Man bedenke, daß es nicht die jährliche Produktion sondern die
Vorräte an Gold sind, die auf das Preisniveau einwirken, und daß diese höchst-
wahrscheinlich noch während vieler Jahre anwachsen werden, nachdem die
Produktion bereits abzunehmen begonnen hat—tatsächlich solange, wie sich
die Produktion über der Konsumtion hält.

Das Anschwellen eines Sees hält noch lange an, nachdem das Hoch-
wasser, durch das er gespeist wird, sein Maximum erreicht hat. So wird
die Zunahme der Goldvorräte noch fortdauern, wenn die jährliche Goldpro-
duktion schon lange zuzunehmen aufgehört hat. Ob das Steigen der Preise
andauem wird oder nicht, hängt davon ab, ob die Zunahme des Goldes und
der auf Gold gegründeten Zirkulationsmittel das Anwachsen des Handels
fortgesetzt übersteigt. Es ist das Verhältnis des Goldes zum Handel, das
hauptsächlich auf die Preise einwirkt. Selbst wenn die Vorräte an Gold
während vieler Jahre zunehmen sollten, ist es möglich, daß ein Steigen der
Preise nicht stattfindet, denn der Handel kann noch rascher zunehmen.
Wenn die jährlichen Goldzunahmen zu den Gesamtvorräten sich gleich
bleiben und infolgedessen die Vorräte stetig zunehmen, so wird das Ver-
hältnis der sich gleichbleibenden Jahreszunahmen zu den zunehmenden
Vorräten offenbar abnehmen, wodurch die Zunahme in den Vorräten einen
andauernd abnehmenden Einfluß auf das Steigen der Preise hati) 2).

i) L. de Launay, The World's Gold, Englische Übersetzung, New York (Putnam),
1908, S. 227.

*) Vgl. Jevons, Investigations in Currency and Finance, London (Macmillan), 1884,
S- 64, 65 und 66; ebenso Harrison H. Brace, Gold Production and Future Prices, New York
(Bankers’ Publishing Co.), 1910, S. 113.
        <pb n="221" />
        ﻿202

XI. Kapitel.

Es ist schwer, das künftige Wachsen des Handels vorauszusehen, und es
ist daher unmöglich, zu sagen, wielange die Goldexpansion der Handels-
expansion überlegen bleiben wird. Daß jedoch der Handel für viele Jahre
vom Golde überholt wird, ist zu erwarten aus dem Grunde, weil keine un-
mittelbare Aussicht auf einen Rückgang des prozentualen Wachstums der
Goldbestände noch auf eine Zunahme des prozentualen Wachstums des
Handels besteht. Die Bergwerksingenieure berichten nicht allein von un-
ermeßlichen ausbeutungsfähigen Goldlagern in entlegenen Gegenden (z. B.
eines solchen im Werte einer vollen Milliarde Dollar in einer Gegend
Kolumbiens allein), sondern jeder Ausblick in die Zukunft deutet mit Be-
stimmtheit auf eine mögliche und höchstwahrscheinliche Verbilligung der
Goldgewinnung. Bei Anwendung des Zyanitverfahrens lohnt sich die
Ausbeutung von Bergbauen mit geringhaltigen Erzen. Wenn wir die Phan-
tasie unserer Zeit ein wenig vorauseilen lassen, können wir auch in Zukunft
mit ähnlichen technischen Fortschritten rechnen, durch die noch gering-
haltigere Erze bearbeitet werden können, und möglicherweise auch die
See gezwungen werden kann, ihr Gold auszuliefern. Gleich der Ober-
fläche der Kontinente enthalten die Gewässer der Ozeane viel tausendmal
größere Mengen dieses kostbaren Metalles, als all das Gold, das in der
ganzen Weltgeschichte bis jetzt gewonnen worden ist. Es ist zu hoffen,
daß die Kenntnis, wie dieser verborgene Schatz zu heben ist, nie erlangt
werden wird. Denn wenn Erfinder und Goldminenbesitzer hierdurch auch
reich würden, so kann man sich doch kaum eine schlimmere volkswirt-
schaftliche Kalamität ausdenken, als die sich daraus ergebende Ent-
wertung. Es könnte aber auch sein, daß die Nationen der Welt nur durch
eine solche Kalamität zum Bewußtsein der Notwendigkeit gebracht werden
könnten, sich von den Metallwährungen ganz und gar freizumachen.

§ 7-

Wir haben nun die Geschichte der Preisbewegungen seit der Entdeckung
Amerikas kurz zusammengefaßt und ihre Beziehung zu den Vorräten an
Edelmetallen dargelegt. Wie aber in vorhergehenden Kapiteln hervor-
gehoben worden ist, umfassen die Edelmetalle nicht alle Formen der Um-
laufsmittel. Papiergeld und Bankdepositen haben während des neunzehnten
Jahrhunderts einen großen Raum in den Währungssystemen eingenommen.

Es ist nicht unsere Absicht, auf eine vollständige Untersuchung der
Wirkungen des Papiergeldes auf die Preise einzugehen. Das einzige, was
wir tun können, ist eine kurze Darlegung besonders schlagender Fälle
        <pb n="222" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

203

starker Inflation und Kontraktion des Papiergeldwesens. Dieses sind alles
Fälle von nicht einlösbarem Papiergeld. Sobald es einlösbar ist, wird durch
dieses Moment die Möglichkeit seiner Vermehrung eingeschränkt und, was
noch wichtiger ist, die Wirkung seiner Vermehrung auf einen so großen
Flächenraum verteilt, daß nur eine ganz geringe Einwirkung auf die Preise
wahrnehmbar ist. Diese Verteilung wird bewirkt durch die Ausfuhr von
Metallgeld aus dem Lande, in dem die Papierausgabe erfolgt. Wenn-
gleich das Papier selbst nicht exportiert werden kann, so verdrängt es
doch das Gold und Silber, was bezüglich der Einwirkung auf die Preise
auf dasselbe hinausläuft.

Wenn jedoch das Papiergeld nicht einlösbar ist, so besteht, nachdem
das Metallgeld aus der Zirkulation verbannt worden ist (sei es durch die
Ausfuhr, durch Einschmelzen oder durch Thesaurieren zur Vermeidung
einer verhängnisvollen Krisis), keinerlei Möglichkeit einer derartigen weiteren
Ausbreitung. Die Einwirkungen auf die Preise sind dann gänzlich lokaler
Natur und äußern sich daher viel merklicher1).

Die Folge davon ist, daß die schlagendsten Beispiele eines Preisinflatio-
nismus solche Fälle sind, bei denen es sich um uneinlösbares Papiergeld
handelt. Oft wird das Steigen der Preise noch beschleunigt durch die
allmähliche Substituierung anderen und besseren Geldes oder durch die
Rückkehr zum Tauschhandel, der die Sphäre, in der das Papier benutzt
wird, noch weiter einschränkt und so den Überfluß an Papiergeld inner-
halb dieser Sphäre noch verstärkt. Dort, wo das Papiergeld aus irgend-
einem Grunde scheel angesehen wird, — sei es, weil die versprochene
Einlösung auf ungewisse Zeit aufgeschoben wurde, sei es aus dem bloßen
Grunde, weil es im Werte sinkt oder aus irgendeiner anderen Ursache
Einbuße erleidet — bleibt sein Umlaufskreis beschränkt2). Gläubiger und
Geschäftsleute suchen die Annahme solchen Papiergeldes nach Möglich-
keit zu vermeiden, indem sie entweder im voraus kontraktliche Bestim-
mungen über die Einlösung oder Bezahlung treffen, zum Tauschhandel Zu-
flucht nehmen, zweierlei Preisgruppen aufstellen, eine in Papiergeld und die
andere in irgendeiner anderen Geldart, oder durch offene Verweigerung der
Annahme. Zu guter Letzt kann es Vorkommen, daß das Papier überhaupt
aufhört benutzt zu werden. In diesem Falle sinkt der Wert immer weiter

,) siehe Ricardo, Essay on the „Bvjh Price of Bullion“, Works, 2. Aufl., London

'“"TÄTa. Walker, Me»» *.£«* &lt;■«). S. m. Ygl. Jo.epk
French Johnson, Money and Currency, Boston (Gmn), 1906, S. 269.
        <pb n="223" />
        ﻿204	XI. Kapitel.

herab und die Preise steigen infolgedessen (soweit sie noch in Papier aus-
gedrückt sind) ins Maßlose.

Wie sich die Situation auch immer gestalten mag, die Verkehrsgleichung
bestätigt sich nach wie vor, obwohl sie an Bedeutung verliert, weil unter H,
das tatsächlich den ganzen Handel umfassen sollte, nunmehr nur jener ver-
schwindende, noch mittelst Papiergeld durchzuführende Teil des Handels
zu verstehen ist.

Der Wert uneinlösbaren Papiergeldes ist daher äußerst prekär. Wenn
es — aus irgendwelcher Ursache — einmal zu fallen begonnen hat, besteht
die Gefahr eines weiteren Sinkens, und zwar nicht nur der stets bestehen-
den Versuchung wegen, zu weiteren Emissionen zu greifen, sondern auch
infolge des steigenden Mißtrauens des Publikums gegen das Papiergeld,
das früher oder später seinen Gebrauch einschränktx). In vielen Fällen
gelingt es, dem nicht einlösbaren Papiergelde eine genügende Akzepta-
bilität zu bewahren, um ihm ein virtuelles Monopol als Austauschmedium
zu sichern.

Obwohl vom theoretischen Standpunkte nicht einlösbares Papiergeld
die billigste und am leichtesten regulierbare Umlaufsmittelform sein mag,
und obwohl es in gewissen Fällen während einer beträchtlichen Zeit ein
stabiles Umlaufsmittel geblieben ist, so lehren die Erfahrungen der Ge-
schichte doch nachdrücklich, daß nicht einlösbares Papiergeld Währungs-
manöver, Geschäftsmißtrauen, spekulative Geschäftsverhältnisse und alle
sich hieraus ergebenden Übelstände zur Folge hat.

§8.

Eine der ältesten Anwendungen des Papiergeldes ist die von John Law,
der im Jahre 1716 in Frankreich eine Emissionsbank errichtete. Zwei Jahre
später (4. Dezember 1718) wurde die Bank vom Staate übernommen.
Schlaue Geschäftsleute erwarben sehr bald für Noten Bargeld und, ob-
gleich der Export von Metallgeld gesetzlich untersagt war, exportierten sie
dieses insgeheim. Am 27. Mai 1720, also schon vier Jahre nach ihrer
Gründung, stellte die Bank die Bareinlösung ein. Bis November genannten
Jahres fiel das Papier auf ein Zehntel seines Nominalwertes und wurde
sodann ganz wertlos.

Klassisch ist die Geschichte der während der französischen Revolution

1)	Vgl. die Erwähnung dieses Einflusses auf die Entwertung im Bullion Report III.
        <pb n="224" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

205

ausgegebenen Assignaten1). Im Dezember 1789 erfolgte die erste Aus-
gabe dieser Geldanweisungen in Höbe von vierhundert Millionen Franken,
deren Wert ausdrücklich durch den der Nation gehörenden Grundbesitz
als gedeckt gelten sollte. Die Noten gelangten im April 1790 zur Ausgabe
und trugen 3 Prozent Zinsen. Dem ursprünglichen Projekte zufolge waren
alle für Landeigentum in Zahlung empfangenen Assignaten zu verbrennen.
Aber die ursprünglichen Absichten scheint man bei der Ausgabe von Papier-
geld nie verwirklichen zu können. Statt dessen wurden hundert Millionen
in Form kleiner Noten aufs neue ausgegeben. Die Preise begannen alsbald
zu steigen. Im Juni des Jahres 1791 erfolgte eine weitere Ausgabe von
sechshundert Millionen, worauf sofort ein Disagio in Höhe von 8 bis
10 Prozent zu verzeichnen war. Binnen kurzer Zeit verschwand das Metall-
geld. Im Dezember 1791 wurden weitere dreihundert Millionen Franken
verausgabt. Februar 1792 standen die Assignaten über 30 Prozent unter Pari.
Im darauffolgenden April erschien ein Dekret zur Ausgabe von weiteren
dreihundert Millionen, der im Juli eine Ausgabe in der Höhe des gleichen
Betrages hinzugefügt wurde. Beinahe alle Preise waren sehr hoch, die Löhne
hingegen scheinen auf dem Niveau von 1788 geblieben zu sein. Mit dem
14. Dezember 1792 waren dreitausendvierhundert Millionen Franken in
Assignaten ausgegeben worden, von denen sechshundert Millionen verbrannt
und zweitausend achthundert Millionen in Zirkulation belassen wurden. Zur
Festsetzung von Maximalpreisen erlassene Gesetze wurden umgangen. Im
Jahre 1796 erreichten die insgesamt ausgegebenen Geldanweisungen die
Summe von fünfundvierzig Milliarden Franken, von denen sechsunddreißig
Milliarden zirkulierten. Im Februar dieses Jahres betrug der Wert eines
Gold-Louisdors von 25 Franken 7200 Franken in Assignaten und letztere
galten y288 ihres Pariwertes. Hierauf wurde eine neue Art Papiergeld, die
sogenannten Mandate, ausgegeben, die aber alsbald auf 5 Prozent ihres
Nominalwertes fielen. Zuletzt wurden die Mandate, die sich auf fünfund-
zwanzighundert Millionen beliefen, sowie die sechsunddreißig Milliarden
Assignaten vom Publikum zurückgewiesen und somit vollständig wertlos.

§9.

Die Erschütterungen Englands durch die Ausgabe uneinlösbaren Papier-
gelds waren weniger heftiger Natur. Unter dem Drucke der Napoleonischen i)

i)	Über die folgenden Tatsachen siehe Andrew D. White, Paper Money Inflation
in France, Economic Tracts, Nr. VII, Nr. 3 der Serie, 1882.
        <pb n="225" />
        ﻿206

XI. Kapitel.

Kriege war die Bank von England im Jahre 1797 genötigt, Barzahlungen der
Noten einzustellen. Hierdurch wurde die Kraft, die eine zu starke Aus-
gabe von Banknoten automatisch einschränkte, gelähmt. Im Jahre 1821
nahm die Bank die Barauszahlungen wieder auf. Während eines großen
Teils der dazwischenliegenden Periode standen die in Papiergeld ausge-
drückten Preise sehr hoch. Die folgende Tabelle von Jevons zeigt die
relativen Preise in Noten und Bargeld von 1801 bis 18201).

Jahr	Goldwährung	Papierwährung
1801		140	153
1802		110	119
1803		125	128
1804		119	122
1805 		132	136
1806		130	133
1807		129	132
1808		145	149
1809		157	161
1810		142	164
1811		136	147
1812		121	148
1813		115	149
1814		114	153
1815		109	132
1816		91	109
1817		117	120
1818		132	135
1819		112	117
1820		103	106

Die Ursachen der Preissteigerung wurden in dem berühmten „Bullion
Report“ untersucht. Man gelangte allgemein zu der Schlußfolgerung, daß,
wenn das lokale Umlaufsmittel eines Landes nicht mehr in Gold einlösbar
ist und gleichzeitig zu irgendeiner Zeit im Übermaß ausgegeben würde,
ein „Steigen des Gold-Marktpreises über dessen Miinzpreis“ stattfände.
Dieser Notenüberschuß kann nicht nach anderen Ländern exportiert
werden und, da er nicht in Bargeld einlösbar ist, braucht er nicht notwendig
an die Stelle, die ihn ausgegeben hat, zurückzufließen; er bleibt in Zirku-
lation und wird allmählich durch die Steigerung aller Warenpreise aufge-
braucht. Eine Zunahme in der Quantität des lokalen Umlaufsmittels

1)	Investigations in Currency and Finance, London (MacmiUan), 1884, S. 144.
        <pb n="226" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

■i

IcH

eines Landes erhöht die Preise in diesem Lande genau in derselben We%&lt;^
wie eine Zunahme des Gesamtangebotes von Edelmetallen die Preise in d(^
ganzen Welt erhöht. Infolge der Zunahme der Quantität wird der Wert
eines gegebenen Teiles dieses zirkulierenden Mediums im Austausch gegen
andere Waren erniedrigt. Mit anderen Worten: die Geldpreise aller an-
deren Waren — die Preise des Barrenmetalles wie die aller übrigen Waren —
werden erhöht. Es ist dies eine ausgezeichnete Darlegung der Theorie
des uneinlöslichen Papiergeldes, sofern sich die Ausgabe dieses Geldes inner-
halb der Schranken der allgemeinen Verkehrsbedürfnisse hält. Von einer
teilweisen oder gänzlichen Aufgabe seiner Benutzung infolge seiner Wert-
losigkeit wird keinerlei Erwähnung getan. Dies beruht wohl auf der Tat-
sache, daß die Papiergeldwirtschaft in England niemals ein so kritisches
Stadium erreichte, wie dies zweifellos in vielen Fällen in Frankreich, Öster-
reich, Amerika und anderen Staaten der Fall gewesen ist.

§10.

Lehrreich sind die Erfahrungen, die Österreich mit dem Papiergelde
gemacht hat1). Gleich vielen europäischen Banken, wurde die Öster-
reichische Bank von der Regierung als ein Instrument zur Vermittlung von
Anleihen benützt. Dies geschah durch die der Bank erteilte Erlaubnis, große
Summen in Noten auszugeben. Die Feldzüge mit Napoleon erforderten große
Geldmittel, und während dieser Kriege mußte die Notenausgabe bedeutend
erhöht werden. Im Jahre 1796 betrug die Notenausgabe 47,000,000 Gulden,
1800 erreichte sie die Höhe von 200,000,000 und im Jahre 1806 die Summe von
449,000,000 Gulden. Die Banknoten standen bedeutend unter Pari. Im
Jahre 1810 fielen sie nach und nach auf x/6,1/a und ungefähr 1/11 ihres Pari-
wertes. Eine im Jahre 1811 erlassene Proklamation bewertete sie rückhalt-
los auf ein Fünftel ihres Nominalwertes und ordnete ihre Auswechslung
gegen Einlösungsnoten zu diesem Satze an. Diese Ersatznoten zirkulierten
unter dem Namen „Wiener Bankozettel“, die sodann das österreichische
gesetzliche Umlaufsmittel wurden. Aber selbst diese Neuemission fiel im
Mai 1812 auf V216 und im desselben Jahres auf V338 ihres Nominalwertes,
während die Banknoten auf 1690 zu 100 in Silber standen. Hierauf wurden
unter einem anderen Namen neue Notenausgaben hinzugefügt, bis im
Jahre 1816 das insgesamt ausgegebene Papiergeld über 638,000,000 Gulden

Q Siehe W. G. Sumner, History of American Currency, New York (Holti 1R74.
Kapitel in.	’	’
        <pb n="227" />
        ﻿208

XI. Kapitel.

betrug und die Preise natürlich ungeheuer in die Höhe getrieben waren.
Zur Einziehung des Papiergeldes wurde im Jahre 1816 die österreichische
Nationalbank gegründet. Das Quantum des zirkulierenden Papiers wurde
sodann von Zeit zu Zeit reduziert, wobei es jedoch nicht ohne gelegentliche
Rückfälle ablief. Gegenwärtig (1913) besitzt Österreich kein Papiergeld,
das nicht Pariwert hat.

§11.

Auch eine Anzahl amerikanischer Kolonien hat im Papiergeldwesen Er-
fahrungen gemacht. Eine der gegen England erhobenen Beschwerden be-
stand im Verbot der Ausgabe von Papiergeld durch das englische Parlament!
In fast allen Fällen x) war eine zu starke Ausgabe und Entwertung zu ver-
zeichnen. Dies trifft zum Beispiel für Massachusetts zu, woselbst zur
Deckung der Kosten für die Feldzüge gegen Kanada1 2) Papiergeld ausge-
geben wurde, und in Rhode Island, einem Land, das unter dem Papiergelde
vielleicht mehr litt als irgend ein anderes. Die hier folgende Tabelle enthält
dem Rechnungsbuch von Thomas Hazard entnommene Zahlen für Rhode
Island3) (die Posten und Anmerkungen erstrecken sich vom Jahre 1750
bis 1785), die die Höhe sowie die Veränderlichkeit der Preise anzeigen4).

1755. Heu £ 20 'per Ladung.

	Korn per Scheffel	Butter per	Pfund
1751.		1751			 7 s.
1758.		1760			 16 s.
1762.		 100 s.		
	Wolle per Pfund	Kartoffeln per	Scheffel
1752.		1750			 10 s.
1756.		1753			 20 s.
1759.		 28 s.	1774			 35 s.
1768.			

Während der Revolution machten wir auch eine nationale Erfahrung
mit Kontinentalpapiergeld, das zu der schlimmen und noch immer ge-
läufigen abfälligen Redensart „das ist keinen Kontinentalen wert“ (not worth
a Continental) Veranlassung gab. Fast vom Augenblick der Ausgabe an

1)	Pennsylvanien scheint eine Ausnahme gebildet zu haben.

2)	W. G. Sumner, Bistory of American Currency, 1. Kapitel.

3)	Ebenda.

4)	Rowland Hazard, Sundry prices taken from Ye Account Book of Thomas Hasard,
son of Roit. Wakefield, R.I. (Times Print), 1892.
        <pb n="228" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

209

begann seine Entwertung (1755), und schließlich bekannte selbst der Kon-
greß, daß dieses Geld auf Vm ('es Nominalwertes zuriickgegangen sei1).
Sämtliche Preise standen natürlich fürchterlich hoch. Selbst das neue,
für die alten Emissionen zum Satze eines Dollars für vierzig Dollar1 2) aus-
gegebene Tenorpapier nahm rasch im Werte ab. Zu jener Zeit war ein
Scheffel Weizen fünfundsiebzig Dollar, ein Pfund Kaffee vier Dollar und ein
Pfund Zucker drei Dollar wert3). Es ist interessant, die Beobachtung zu
machen, daß in diesem Falle die Entwertung, die eigentlich nur durch eine zu
starke Ausgabe hervorgebracht worden war, anscheinend weit darüber hin-
aus verschärft wurde durch Mißtrauen gegen das Geld und durch Weigerung,
es im Handelsverkehr anzunehmen. Vor allen Dingen waren verschiedene
Kreise abgeneigt, das Geld anzunehmen und, je mehr das Vertrauen
schwand, desto mehr stieg die Zahl derer, die die Annahme des Geldes ab-
lehnten. Häufig trat der Tauschhandel an die Stelle des Geldverkehrs 4).

Zweifellos war die Entwertung um so größer, als das aus den verschie-
denen Kolonien kommende Papiergeld dazu beitrug, die Zirkulation zu
überschwemmen, indem es mit dem vom Kongreß bewilligten Gelde kon-
kurrierte und dessen Zirkulationssphäre einschränkte.

§ 12.

Die Wirkungen waren so unheilvoll, daß der Verfassung der Vereinigten
Staaten eine Verordnung einverleibt wurde, die den Staaten die Ausgabe
von Kreditscheinen („bills of credit“) untersagte. Während des Bürger-
krieges war aber wiederum die Versuchung groß, zur Gewinnung von Zahlungs-
mitteln zu dieser leichten Methode Zuflucht zu nehmen, und die Bundes-
regierung selbst gab Noten der Vereinigten Staaten, die sogenannten „Green -
backs“, aus. Die Barzahlungen waren von den Banken bereits eingestellt
worden, und für Gold wurde ein kleines Agio in Banknoten gezahlt5 * *).

Während des Krieges wurden von Zeit zu Zeit solche „Greenbacks“
ausgegeben, die, jemehr ihre Umlaufsmenge zunahm und je nachdem ein
Erfolg oder ein Mißerfolg der Unionsarmeen auf das Vertrauen zu dem

1)	Siehe Albert S. Bolles, Financial History of tlie United States, I. Bd., von 1774
bis 1789, New York (Appleton), 1879, S. 135.

2)	Ebenda, S. 137 und 138.

3)	Ebenda, S. 141.

*) Ebenda, IX. Kap.

6) Davis Rieh Dewey, Financial Eistory of the United States, New York (Lonemansl

3- Aufl., § 29.	8	’

Fisher, Kaufkraft des Geldes.

14
        <pb n="229" />
        ﻿210

XI. Kapitel.

Papiergelde einwirkte, eine mehr oder weniger starke Entwertung erlebten.
Die ausgegebenen Summen betrugen: $ 150,000,000 auf Grund des Ge-
setzes vom 25. Februar 1862, $ 150,000,000 auf Grund desjenigen vom

11.	Juli 1862 und $ 150,000,000, die durch die Gesetze vom 17. Januar und

3.	März 1863 bewilligt wurden. Außer den „Greenbacks“, die in keinem Falle
zu geringerem Betrage als einem Dollar ausgegeben wurden, erfolgte auch
die Ausgabe eines Umlaufsmittels in Bruchteilen eines Dollars und von zins-
tragenden Noten, mit kurzer Umlaufszeit; beide Geldsorten erhielten
Zwangskurs1). Nachstehende Tabelle zeigt an, wie die Preise stiegen* 2):

Preisindexnummern wahrend der „Greenback“-Entwertung.

Jahr	Preis  des  Goldes3 * *) in  Greenbacks	Indexnummern der Preise in nördlichen Ländern (1860=100)			
		Fal  in Gold6)	mer *)  in Papier6)	Dun7) in Papier	Mitchell7) Mittelzahl in Papier
1861	100	94	94	89	96
1863	144	91	132	150	134
1865	163	107	232	169	158
1867	138	123	166	164	150
1869	136	112	152	143	158
1871	112	123	136	132	130
1873	114	115	129	124	130
1875	115	116	129	117	121
1877	105	107	114	95	100
1879	100	. 95	95	85	85

Es ist behauptet worden, daß die während der „Greenback“-Entwertung
erfolgte Preissteigerung nicht ihrer Massenausgabe, sondern dem seitens des

x) Ein kurzer Bericht über die „Greenbacks“ bei Dewey, Financial Eistory of
the United States, Kapitel XII. Die vollständigste Darstellung bei Wesley Clair Mitchell,
A History of the Greenbacks, Chicago (University of Chicago Press), 1903, zu linden.

2)	Aldrich, Senate Report on Wholesale Prices and Wages, 52. Kongreß, 2. Session,
Tabelle 24, S. 93.

3)	Durchschnitt von Notierungen im Januar, April, Juli und Oktober, von Wesley
Clair Mitchell, Gold Prices and Wages under the Greenback Standard, Berkeley (University

Press), März 1908.

*) Gewogener arithmetischer Durchschnitt von Preisangaben 68,60 Prozent des
Totalaufwandes umfassend.

6) Aldrich Report, S. 100.

6)	Ebenda, S. 93.

7)	Von Wesley Clair Mitchell, ebenda, S. 59.
        <pb n="230" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

211

Publikums gegen diese „Greenbacks“ empfundenen Mißtrauen zuzuschreiben
war. In Wahrheit sind wohl beide Ursachen wirksam gewesen. Dieses Miß-
trauen, das die Sphäre der „Greenbacks“ ganz wesentlich einschränkte, lag
klar zutage. Kalifornien, ja tatsächlich alle Gegenden westlich der Rocky
Mountains machten gewaltige Anstrengungen, das Kursieren der „Green-
backs“ zu verhindern, was auch zum großen 1 eil von Erfolg begleitet war.
Selbstverständlich konnten ferner in den Südstaaten die „Greenbacks“ nicht
kursieren. Durch diese Beschränkungen allein wurde ihr Umlauf von einer im
Jahre 1860 aus 31 Millionen bestehenden Gesamtbevölkerung auf eine Be-
völkerung von ungefähr 20 Milhonen, also auf weniger als zwei Drittel der
Gesamtbevölkerung eingeschränkt. Das Handelsvolumen, für das die „Green-
backs“ benutzt wurden, muß daher in hohem Grade reduziert worden sem.
Der Gesamtbetrag der während des Krieges kursierenden Umlaufsmittel ist
mit Gewißheit nicht bekannt, doch sind die zuverlässigsten Abschätzungen
der verschiedenen Formen von Umlaufsmitteln wohl die von Mitchellx).
Obwohl er bescheidenerweise den Leser warnt, Berechnungsversuche der
Summen anzustellen, so können die von ihm gegebenen Ergebnisse doch
als einigermaßen wertvoll betrachtet werden. Unter Weglassung des Geldes
im Schatzamte und der zinstragenden Geldformen, deren langsame Zirku-
lation bekannt war, waren die Gesamtbeträge die folgenden.

	Ungefähr abgeschätzter	Durchschnittspreise aller
	Umlauf in den (loya-	Artikel3) je nach ihrer Be-
Jahr	listischen) Nord-Staaten	deutung und 68,60 % des
	und solchen, die auf ihrer	Gesamtaufwandes um-
	Seite standens)	fassend
1860		433	100
1861		490	94
1862		360	104
1863		677	132
1864		708	172
1865		774	232
1866		759	188

Wenn wir die Unzuverlässigkeit der für die Umlaufsmittel gegebenen
Zahlen *) und den in bezug auf die anderen Größen in der Verkehrsgleichung

1)	~Wesley C. MitcheU, History of the Greenbacks, Chicago (University of Chicago
Press), 1903, S. 179.

2)	loc. cit. S. 179.

3)	Aldrich, Report on Wholesale Pnces.

4)	So ist z. B. die große Reduktion im Jahre 1862 auf die Voraussetzung zurückzu-
führen, daß außer in Kalifornien tatsächlich das ganze Gold aus der Zirkulation gezogen

14*
        <pb n="231" />
        ﻿bestellenden Mangel an Material in Berücksichtigung ziehen, so ergibt sich
hier eine ungefähre Übereinstimmung zwischen dem Volumen der Umlaufs-
mittel und dem Preisniveau.

§ 13.

Es darf nicht vergessen werden, daß das Vertrauen, mit dem wir es zu
tun haben, nicht vornehmlich in einem Vertrauen zur Einlösung, sondern
in einem Vertrauen zum Papiergelde besteht, d. h. zur Kaufkraft des letzteren.
Dieses Vertrauen kann auf der Erwartung baldiger Bareinlösung oder auf
anderen Umständen beruhen, besonders aber auf der Erwartung weiterer
Ausgaben oder Einlösungen. Den Wert der „Greenbacks“ erkläre ich mir
in kurzem folgendermaßen:

Das Einlösungsgesetz vom Jahre 1875 kündigte an, daß die Regierung
der Vereinigten Staaten beabsichtige, die „Greenbacks“ am und nach dem
1. Januar 1879 einzulösen. Jeder „Greenback“, der auf diese Weise dem
diskontierten Werte eines am 1. Januar 1879 fälligen Dollars gleichkam,
stieg, je näher diese Zeit heranrückte, stetig dem Pariwerte entgegen. Eine
Anzahl davon wurde aus der Zirkulation gezogen, um sie währenddes Steigens
festzuhalten. Einerseits konnte der Wert eines „Greenbackdollars“ nicht viel
geringer sein als dieser diskontierte Wert des für das Jahr 1879 versprochenen
Golddollars, sonst würden die Spekulanten die,,Greenbacks“ gänzlich zurück-
gezogen haben. Unter der bestimmten Voraussetzung, daß die Regierung
das gegebene Versprechen erfüllen würde, hätte sich dies auch verlohnt.
Anderseits konnte der Wert der „Greenbacks“ angesichts des Überflusses,
der an Papiergeld im Verkehr herrschte, nicht größer sein als der besagte
diskontierte Wert, weil die Spekulanten in diesem Falle alles Papiergeld in
die Zirkulation wiedereingeführt haben würden, zumal die in Aussicht
stehende Steigerung zu gering war, um die Zinsen, die durch die Nichtanlage
verloren gingen, einzubringen. Auf diese Weise funktionierte die Speku-
lation als ein Regulator der Quantität des Geldes.

wurde. Begründeter ist wohl die Annahme, daß es nur zum Teü eingezogen wurde. Ein großes
Quantum davon mag thesauriert worden sein, um es für den Export oder zur Ein-
schmelzung bereit zu halten. Wenn dies der Fall war, so kursierte es höchstwahrscheinlich bis
zu einem gewissen Umfange. Die „Schatzbildung“ besteht in einem längeren Zurück-
behalten des Geldes in ein- und denselben Händen, womit jedoch eine vollständige Ein-
stellung des Austausches nicht verbunden sein muß. Zu jener Zeit bildete das Gold eine
wertvolle Form von Bank-„Reserven“. Wenn es auch nicht zur Bezahlung von Sicht-
forderungen verwendet wurde, so stellte es doch ein sehr liquides Aktivum dar, das rasch
realisiert werden konnte.
        <pb n="232" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

213

So warf das Steigen des Wertes der „Greenbacks“, wie dies bei heran-
nahenden Ereignissen gewöhnlich der Fall ist, seine Schatten voraus. Dieses
Steigen war „im voraus diskontiert“. Es ist richtig, daß hier die endgültige
Ursache der Zunahme im Werte des Papiergeldes in dem Vertrauen auf die
Einlösung bestand; in den durch dieses Vertrauen verursachten Ausglei-
chungen ist jedoch eine Reduzierung der Quantität des in Umlauf befindlichen
Geldes inbegriffen. Wie die Verkehrsgleichung deutlich zeigt, würde die
Zunahme im Werte ohne eine solche Ausgleichung unmöglich sein. Wir
müssen aber beachten, daß, wenn der Preis der Umlaufsmittel bereits ge-
nügend hoch ist, er durch die Aussicht auf eine künftige Einlösung nicht
weiter erhöht werden kann. Es hätte geschehen können, daß der Wert der
Umlaufsmittel sich schon über dem diskontierten Pariwerte befand, der zu der
für die Einlösung festgesetzten Zeit versprochen wurde. In einem solchen
Falle bedarf es keinerlei Spekulation oder einer unmittelbaren Wertsteige-
rung, bis die Zeit der Bareinlösung nahe genug rückt, um sich selbst fühlbar
zu machen. Sobald aber die Regierung während des Krieges die weitere
Ausgabe eines bereits im Werte gesunkenen Papierumlaufsmittels ankündigte,
kam das Publikum durch Freigabe von bisher thesaurierten und verfüg-
baren Edelmetallvorräten und Beständen seiner weiteren Entwertung zuvor;
mit anderen Worten: das Publikum beschleunigte den Umlauf des Geldes.
Jedermann beeilte sich, sein Geld auszugeben, bevor eine Preissteigerung
eintreten würde, und gerade diese Handlungsweise beschleunigte das Ein-
treten dieser Preissteigerung.

Die Bekanntgabe von Niederlagen der verbündeten Armeen im Kriege
wirkte in derselben Richtung, insofern sie für die weitere Ausgabe von
»Greenbacks“ das Signal gaben, während sich die Ankündigungen von
Siegen nach der entgegengesetzten Richtung hin geltend machten und als
Vorzeichen zu einer voraussichtlichen Einlösung betrachtet wurden.

Wenn eine Geldwertsteigerung vorausgesehen wird, so ist unter den
Geldbesitzern die Tendenz zur Thesaurierung oder Zurückhaltung des Geldes
wahrzunehmen und unter den Besitzern von Gütern das Bestreben, diese
schnellstens zu verkaufen. Die Wirkung ist diese, daß durch Erniedrigung
der Umlaufsgeschwindigkeit und Erhöhung des Handelsvolumens die Preise
herabgesetzt werden. Wenn im Gegenteil ein Sinken im Geldwerte voraus-
gesehen wird, so ist unter den Geldbesitzern die Tendenz zu einer raschen
Ausgabe und unter den Güterbesitzern der Hang, die Güter für ein Steigen
zurückzuhalten, zu beobachten, woraus sich ergibt, daß durch Erhöhung
der Umlaufsgeschwindigkeit und Verringerung des Handelsvolumens die
Preise erhöht werden. Mit anderen Worten: Die Erwartung eines künftigen
        <pb n="233" />
        ﻿214	XI. Kapitel.

Steigens oder Faliens der Preise verursacht ein sofortiges Steigen oder Fallen
der Preise.

Diese Vorahnungen folgen jedem Anzeichen und jedem Gerücht so pünkt-
lich auf dem Fuße, daß oberflächliche Beobachter das Steigen und Fallen
der „Greenbacks“ direkt und allein als mit der erwarteten Einlösung in Be-
ziehung stehend und ohne irgendwelche Verbindung zur Quantität be-
trachtet haben. Diese Beobachter übersehen die wirklichen Triebfedern des
Mechanismus; sie sehen nicht, daß diese wenn auch raschen Wirkungen
unbedeutend und begrenzt sind. Sie stellen die einfachen Anpassungen
der im IV. Kapitel beschriebenen Übergangsperioden dar. Aus der Tat-
sache, daß die Verluste in Chickamauga an einem einzigen Tage ein Fallen
der „Greenbacks“ um 4 Prozent verursachten, den Schluß zu ziehen, daß deren
Wert in keinerlei Beziehung zu ihrem Volumen stehe, wäre ein großer Fehler.
Dieses Fallen bedeutete eine geringe Beschleunigung in der Umlaufsge-
schwindigkeit und eine geringe Verzögerung des Handelsvolumens. Unter
gewöhnlichen Umständen kann aber die Umlaufsgeschwindigkeit nur wenig
beschleunigt werden, während das dauernde und vollkommene Darnieder-
liegen des Handels nur durch einen vollständigen Zusammenbruch der Wirt-
schaftsordnung verursacht werden kann.

§ 14.

In den südlichen Staaten ist es „selbst annähernd unmöglich, zu kon-
statieren, wieviel konföderierte Schatzanweisungen zu irgendeiner Zeit aus-
ständig waren“ 1). Schwab hat jedoch den Wert des Goldes in konföderierter
Währung und Indexnummern von Preisen in den Südstaaten gegeben. Er
zieht folgenden Schluß 1 2):

„Diese Bewegung der Goldprämie entspricht ungefähr dem Betrage der
in den einzelnen Perioden ausstehenden Noten der Kegierung. Die nach
dem August des Jahres 1862, während der letzten Monate des Jahres 1863
und während der letzten Monate des Krieges verhältnismäßig rasche Er-
höhung der Notenausgabe spiegelt sich in der in diesen drei Zeiträumen
erfolgten raschen Erhöhung der Goldprämie wider. Als zu Beginn des
Jahres 1863 der Betrag der ausstehenden Noten stationär blieb, rückte
während dieser Monate die Goldprämie etwas langsamer vor, die Abnahme

1)	J. C. Schwab, Confederate States of America, 1861—1865, New York (Scribner),
1901, S. 165.

2)	loc. cit. S. 167—169.
        <pb n="234" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

215

der während der ersten Hälfte des Jahres 1864 ausstehenden Noten
gelangt dagegen deutlich in einem zeitweiligen Sinken der Prämie zum
Ausdruck.

„In den Nordstaaten ließ der Kurs der Goldprämie während des
Bürgerkrieges das Quantum der zu irgendeiner Zeit ausstehenden Noten nur
ganz undeutlich erkennen. Die Prämie stieg sehr rasch, oder, mit anderen
Worten, die Noten sanken sehr rasch im Werte zu Beginn des Jahres 1863;
während des zweiten Viertels dieses Jahres erholten sie sich wieder, sanken
nach dem August 1863 von neuem, bis sie im Sommer 1864 ihren niedrigsten
Punkt erreichten, worauf sie während der letzten Monate des Krieges wieder-
um stiegenx). Der Wert der ,Greenbacks‘ war eher das Barometer der
öffentlichen Stimmung in bezug auf den Ausgang des Krieges, als der Maß-
stab ihres im Umlauf befindlichen Quantums, denn nach dem Juli des Jahres
1863 und sicherlich nach dem Juli des folgenden Jahres wies dieses keine
wesentliche Erhöhung auf. Tatsächlich lief während des Krieges der Gold-
wert der ,Greenbacks‘ der Nordstaaten mit dem Goldwerte der Schuld-
scheine dieser Staaten ziemlich parallel. Dies gilt auch von den konföde-
rierten Schuldscheinen und Schatzanweisungen. Offenbar wurden diese
beiden Parallelschwankungen durch die Schwankungen des Zutrauens zu
dem Kredit der beiden betreffenden Regierungen verursacht.

„Eine sowohl auf den einfachen als auch den gewogenen Durchschnitt
gegründete allgemeine Indexziffer kann für jeden der beidenTeile konstruiert
werden. Die Kurven, die diese zwei Zahlenreihen darstellen, laufen nicht
parallel, sondern konvergieren und divergieren während der verschiedenen
Perioden des Krieges; die Kurven nähern sich dann, wenn die Er-
eignisse auf militärischem, politischem oder finanziellem Gebiete die Süd-
staaten entmutigten, und dadurch in den Nordstaaten die Zuversicht einer
baldigen Beendigung des Krieges verstärkten. Dagegen wichen sie zu
solchen Zeiten voneinander ab, wenn die Wechselfälle der Verbündeten
oder Ereignisse auf einem anderen Felde wie auf dem Kriegsschau-
plätze den Südstaaten neue Hoffnung machte und auf beiden Seiten
zu der Meinung führte, daß der Krieg sich weiter in die Länge ziehen
würde * 2).“

Wir sehen also, daß eine übermäßige Notenausgabe nicht nur infolge
erhöhter Quantität, sondern auch infolge schwindenden Vertrauens ein

Q J. C. Schwab, Conjederate States of America, 1861—1865, New York (Scribnerl
1901, Tabelle auf S. 167.	’’

2)	J. C. Schwab, loc. cit. S. 179.
        <pb n="235" />
        ﻿216

XI. Kapitel.

Steigen der Preise verursacht1), ein Umstand, der auf die Sphäre, in der
das Geld zur Verwendung kommt, einwirkt und infolgedessen auf das mittelst
des Geldes bewältigte Handelsvolumen einen Einfluß ausübt und dessen
Umlaufsgeschwindigkeit beschleunigt.

§ 15.

Wir haben historische Beispiele von den Wirkungen, die Veränderungen
in den Edelmetallen und im Papiergelde auf die Preise ausüben, gegeben.
Es bleibt uns noch übrig, historische Beispiele von den Wirkungen, die Ver-
änderungen in den Depositenumlaufsmitteln auf die Preise ausüben, näher
zu betrachten. Die durch Veränderungen der Depositenumlaufsmittel
veranlaßten Preisbewegungen schließen gewöhnlich jene Kulminationen ein,
die als Krisen und Depressionen bezeichnet werden.

Die Wirtschaftsgeschichte des letzten Jahrhunderts ist durch eine
ganze Beihe von Krisen gekennzeichnet. Juglar gibt in seiner Beschreibung
als Vorzeichen einer nahenden Krise die Merkmale großen Wohlstandes,
der Unternehmungslust sowie Spekulationen aller Art, ferner das Steigen
der Preise, Arbeitsnachfrage, steigende Löhne, das Streben, schnell reich
zu werden, erhöhten Luxus und einen übermäßigen Aufwand ana).

Nach Juglars Begriffsbestimmung bedeutet eine Krise ein Aufhalten
der Preissteigerung. Zu höheren als den bereits erreichten Preisen können
keine Käufer mehr gefunden werden. Wer eingekauft hat und mit Vorteil
zu verkaufen hofft, kann seine Güter nicht mehr anbringen * 2 3).

Unsere vorige Untersuchung hat uns gezeigt, daß vor dem Eintreten
einer Krise, wenn die Preise bereits anziehen, eine große Zunahme der Bank-
depositen wahrzunehmen ist, und daß diese, da sie ein Zirkulationsmedium
sind, das Steigen beschleunigen.

') Vgl. Wesley Clair Mitchell, Eistory of the Greenbacks, S. 208 und 210. Ebenso
Francis A. Walker, Political Economy, 3. Aufl., New York (Holt), 1888, S. 164.

2)	Clement Juglar, Des Crises Commerciales et de leur Retour Periodique en France,
en Angleterre et aux Etats-Unis, 2. Aufl., Paris (Guillaumin), 1889, S. 4 und 5. Siehe auch
die Übersetzung des Werkes, die sich mit den Vereinigten Staaten beschäftigt, von De
Courcy W. Thom: A Brief Eistory of Panics in the United States, New lork (Putnam),
1893, S. 7 bis 10. Juglar irrt sich, wenn er hinzufügt, daß der Zinsfuß bei steigenden
Preisen fällt. Die Tatsachen beweisen, daß er steigt, wenn auch nicht genug, um der
übermäßigen Kreditgewährung Einhalt zu tun. Siehe Irving Fisher, The Rate of Interest,
XIV. Kapitel.

3)	Juglar, loc. cit., S. 14.
        <pb n="236" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

217

Es ist hervorgehoben worden, daß bei unseren internationalen Handels-
beziehungen das aus der Ausdehnung der Depositen resultierende Steigen
der Preise ebenfalls international zu sein pflegt. Selbst wenn sich in einigen
Ländern die Depositen nicht ausdehnen sollten, so würde nichtsdestoweniger
ein Steigen im Preisniveau eintreten. Auch würde selbst in einem Lande
von beträchtlicher Größe die Ausdehnung der Depositen dadurch, daß sie
daselbst die Preise erhöht, den Export von Gold verursachen. Auf diese
Weise würden sich die Geldzulieferungen in anderen Ländern erhöhen und
die Preise ebenfalls ein Steigen erfahren. Hierdurch würde die Ausdehnung
der Depositen in diesen anderen Ländern angespornt und ein weiteres Steigen
herbeigeführt. Selbst wenn also die Ausdehnung des Kredits in den haupt-
sächlichsten Handelsländern nicht zu ein- und derselben Zeit begonnen hätte,
so würde sich der Anfang in einem Lande den anderen Ländern rasch mit-
teilen. Aus demselben Grunde würde das Anhalten des Steigens der Preise
und der Beginn ihres Sinkens in fast allen hauptsächlichen Ländern zu unge-
fähr derselben Zeit eintreten. In der lat finden wir, daß dies auch der
Fall ist. Juglar hat eine Tabelle aufgestellt, die die Krisen in England,
Frankreich und in den Vereinigten Staaten vom Jahre 1800 bis 1882 veran-
schaulicht !). Unter Hinzufügung der Daten späterer Krisen gestaltet sich

die Tabelle folgenderweise:

Frankreich

1804

1810

1813—1814

1818

1825

1830

1836—1839

1847

1857

1864

1873

1882

1889—1890

1907

England	Vereinigte Staaten
1803	
1810	
1815	1814
1818	1818
1825	1826
1830	
1836—1839	1837—1839
1847	1848
1857	1857
1864—1866	1864
1873	1873
1882	1884
1890—1891	1890—1891
	1893
1907	1907

*) Juglar, loc. cit. Tabelle am Schlüsse; Thoms Übersetzung bringt die Tabelle bis
zum Jahre 1891, S. 19.
        <pb n="237" />
        ﻿§ 16.

Ein Studium der Tabellen von Juglar oder Thom zeigt, daß sich der
Banknoten- und Depositengeldumlauf im allgemeinen vor einer Krise er-
höht und zur Zeit der Krise sein Maximum erreicht. Die Indexziffern der
Preise zeigen allgemein dieselbe Kichtung.

In gleicher Weise beweist die in den Vereinigten Staaten in den Jahren
1837 bis 1839 stattgehabte Krise1), daß der Umlauf von Banknoten der Einzel-
staatenbanken jedes Jahr stieg, und zwar von 61 Millionen im Jahre 1830
auf 149 Millionen im Jahre 1837, und im nächsten Jahre auf 116 Milhonen
fiel; daß die individuellen Depositen jährlich von 55 Millionen im Jahre 1830
auf 127 Milhonen im Jahre 1837 stiegen und im nächsten Jahre auf 84 Mil-
lionen sanken; ferner, daß sich vom Jahre 1844 bis 1848, also während des
Zeitraumes der nächsten Krise, der Umlauf von 75 auf 128 Millionen erhöhte,
im darauffolgenden Jahre auf 114 Millionen zurückging und daß die Depo-
siten von 84 auf 103 Milhonen stiegen, worauf sie auf 91 Millionen zurück-
gingen; daß während der nächsten Krise in den Jahren 1851 bis 1857 der
Umlauf von 155 auf 214 Milhonen stieg, im darauf folgenden Jahre auf
155 sank und daß sich die Depositen von 128 auf 230 Millionen vermehrten
und im nächsten Jahre auf 185 Millionen sanken. Diese Tatsachen, nämlich
daß während der Krisen von 1837, 1846 und 1857 Preise und Depositen
stiegen, ihren Höhepunkt erreichten und dann wieder fielen, sind durch die
von Sumner gegebenen Zahlen für den auf den Kopf der Bevölkerung berech-
neten Umlauf und Depositenbestand bestätigt worden1 2). Diese Zahlen
veranschauhchen die charakteristische plötzliche Unterbrechung der Auf-
wärtsbewegung in den Jahren der Krise, und zwar mäßiger in der leichteren
Krisis des Jahres 1846 und scharf hervortretend in den mehr ausgesprochenen
Krisen der Jahre 1837 und 1857. Ähnliche Phänomene zeigten sich bei der
nächsten Krise der Jahre 1863—1864. Die nach dieser Zeit gegebenen haupt-
sächlichsten Statistiken betreffen die Nationalbanken, und diese zeigen
analoge Ergebnisse. Vom Jahre 1868 bis 1873 stieg der Umlauf der National-
banknoten von 295 auf 341 Millionen und begann hierauf wieder zu sinken,
während in derselben Periode die Depositen von 532 auf 656 Millionen stiegen

1)	Siehe Thom, Tabellen folgend nach S. 18.

2)	Ilistory of Banicing in the United States, I. Bd. der History of Banking in all Nations,
New York (Journal of Commerce), 1896, S. 456. Die Zahlen sind dem 37. Kongreß, 3. Ses-
sion, 5 Ex., 210, entnommen.
        <pb n="238" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

219

und sodann sanken. Ähnliche, wenn auch weniger markierte Bewegungen
traten in den schwächeren Krisen der Jahre 1884 und 1890 ein, die Thom
als letzte in seine Tabelle aufgenommen hat. Die im Jahre 1893 stattge-
fundene Krise nimmt eine Ausnahmestellung ein und beschränkte sich
größtenteils auf die Vereinigten Staaten; diese Krise war in der Hauptsache
eine Folge der Zweifel an der Stabilität der Goldwährung und bezog
sich weniger auf den Geldumlauf und die Ausdehnung der Depositen*).
Während, wie in den Jahren 1873, 1884 und 1907, das Verhältnis der
Depositen zu den Reserven in dem typischen Spekulationszyklus sich all-
mählich zugunsten der ersteren verschiebt, bis es gerade vor der Krisis
seinen Höhepunkt erreicht, war dies im Jahre 1893 nicht der Fall.
Das Depositenquantum der Nationalbanken war allerdings im Jahre 1892
größer als das der Jahre 1890 oder 1891, nicht aber im Verhältnis
zu den Reserven, wenngleich möglicherweise die Zunahme in den Re-
serven, die der leichten Krise von 1890—1891 folgte, für diese Tatsache
verantwortlich zu machen ist. Ebenso richtig ist es, daß das Verhältnis
der Depositen zu den Reserven der Nationalbanken im Jahre 1893 ein
schlechtes war, doch bot nicht die Ausdehnung der Depositen die Veran-
lassung hierzu — denn die Depositen nahmen während dieses Jahres ab —,
sondern es war dies auf den Run auf die Banken und die konsequente
Erschöpfung ihrer Reserven zurückzuführen 2). Die Krise des Jahres 1907
hingegen war, gleich der des Jahres 1857, eine typische Krise der Aus-
dehnung der Umlaufsmittel. Die Begleitumstände dieser Krisen werden im
nächsten Kapitel eingehender erörtert.

Dieselbe Tendenz des Geld- und Notenumlaufs und des Depositen-
bestandes, beim Eintreten oder Herannahen einer Krise das Maximum ihrer
Ausdehnung zu erreichen und unmittelbar darauf zurückzugehen, ist in
Frankreich ziemlich gut illustriert worden 3).

J) Lauck, Causes of the Panic of 1893, Boston (Houghton, Mifflin), 1907, S. 118.
O. M. W. Sprague bemerkt in „History of Crises under the National Banking System“,
National Monetary Commission Report, Senatsdokument 538 (61. Kongreß, 2. Session),
daß bei den Runs auf die Banken keine spezielle Nachfrage nach Gold zutage trat
und neigt der Ansicht zu, daß der Einfluß der Ausdehnung in den Umlaufsmitteln über-
trieben worden ist.

2)	Betreffs eines statistischen Vergleiches dieser Verhältnisse mit typischen Krisen
siehe den Artikel von Harry G. Brown, „Typical Commercial Crises versus a Money Panic“
T ale Review, August 1910.

3)	Juglar, a. a. 0. Tabellen nach S. 339 und Karte am Schluß. Juglar nennt die
        <pb n="239" />
        ﻿220

XI. Kapitel.

Bei der Bank von England finden wir im allgemeinen den gleichen
Zusammenhang zwischen Krisen, Umlauf und Privatdepositen1).

§ 17.

Abgesehen davon, daß Geld- und Depositenumlaufsmittel (G und G')
zur Zeit einer Krise regelmäßig auf ein Maximum steigen, geht auch
deren Umlaufsgeschwindigkeit, soweit uns die Statistik erkennen
läßt, durch denselben Entwicklungsgang. Pierre des Essars hat dies
für die Umlaufsgeschwindigkeit der Depositen über allen Zweifel
dargetan* 2).

Für die Vereinigten Staaten besitzen wir kaum eine Statistik über die
Umlaufsgeschwindigkeit der Depositen, doch zeigt die zweier Banken in
New Haven und einer in Indianapolis, die ich für die letzten Jahre erlangte,
ein Maximum im Krisisjahre 1907.

Nach einer Krisis tritt eine Abnahme von G, G", U und U' ein. Die
Bankreserven nehmen zu, und dies verursacht eine Abnahme von G.

Da sowohl die Umlaufsmittel als auch deren Geschwindigkeit vor einer
Krise zunehmen, zurZeit der Krise ihren Höhepunkt erreichen und nach der
Krise fallen, so ist es nicht verwunderlich, wenn die Preise denselben Verlauf
nehmen. Daß dies geschieht, ist die eigentliche Bedeutung einer Kise.
Wie bereits erwähnt, erklärt Juglar in der Tat eine Kisis als das Aufhalten
einer Preissteigerung. Die Preisindexnummern zeigen das Steigen, den
Höhepunkt und das plötzliche Fallen beinahe aller Kisisjahre an, für die
Preisstatistiken vorhanden sind3).

Die nachstehenden Zahlen sollen ein Bild der Kisis des Jahres 1907
in den Vereinigten Staaten geben und damit den Gipfelpunkt eines typischen
Kreditzyklus illustrieren:

Krisis des Jahres 1873 in Frankreich eher eine politische als eine Handelskrisis. Die Sta-
tistiken des Geld- und Notenumlaufes und der Depositen sowie deren Umlaufsgeschwindig-
keit, die Pierre des Essars geliefert hat, ergeben für das Jahr 1873 ihren Höhepunkt und
gehen unmittelbar darauf zurück.

D Juglar, a. a. 0., Tabellen nach S. 291.

2) „La vitesse de la circulationJournal de la SocitM de Statistique de Paris, April
1895, S. 148. Des Essars findet bei Betrachtung der dreizehn Krisisjahre und der zwölf
„Liquidations“-Jahre in Frankreich von 1810 bis 1892, daß ohne Ausnahme die Umlaufs-
gesehwindigkeit von Depositen der Bank von Frankreich in den Krisisjahren ihr Maximum
und in den Liquidationsjahren ihr Minimum erreicht.

s) Die ausführlichen Zahlen sind aus dem Anhang zum nächsten Kapitel (Kapitel XII)
zu ersehen.
        <pb n="240" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

221

Jahr	J-&lt; rj  'Sa'«'  ’-f es f-i  Ö-2 «5 -273:5  ■§§§	M Ö (1) 5)0 03 M Pj  r*1 02  s3j  ® 50^3 &gt; Ö 1*—(  S.2^	Ö  o&gt;	n  02 Ö £  § £ ^ rj	02  ■3.111  -4-3 co	1  3 ° S b	learingsa)  echnungsver-  (in Milliarden)	&lt;?' TI’1)  Milliarden)	o /-n q  S 0, |o-  B-i  &lt;D i-,
	«Ja	s n.s	'S Vg 2  »©'■S-e  •	O ^  6J	.2	T3 Cu  a  nd
1904	3.31	658	5.0	113	228	113.2
1905	3.78	649	5.8	144	279	114.0
1906	4.06	651	6.2	160	315	120.0
1907	4.32	692	6.2	145	323	127.9
1908	4.38	849	5.1	132	294	125.7

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&gt;-3 O

0.7

5.3

6.6

—1.7

4.2

4.3
5.7

6.4

4.4

3.5

—1.0

—0.9

8.1

In der ersten Kolonne bemerken wir eine stetige und rasche Zunahme
in den Depositen der Nationalbanken bis einschließlich zum Krisisjahr.
Obgleich für das Jahr 1908 keine Abnahme der Depositen zu verzeichnen
ist, so bleiben sie doch, mit denen des vorhergehenden Jahres verglichen,
beinahe stationär. Die für Keserven aufgestellte zweite Kolonne zeigt,
wie zu erwarten ist, eine große Zunahme in dem der Krisis folgenden Jahre,
nachdem sich die Banken gegen die Abnahme des Geschäftsvertrauens ge-
sichert haben. Wir finden alsdann (dritte Kolonne) eine Zunahme der De-
positen im Verhältnis zu den Reserven, wobei in den Jahren 1906 und 1907
die größte Spannung erreicht wurde, nicht etwa infolge einer Erschöpfung
der Reserven —, sie erweiterten sich im Gegenteil in diesen Jahren —, son-
dern weil sich die Depositen noch rascher ausdehnten. Wenn die im IV. Ka-
pitel aufgestellte Theorie zutrifft, so ist es genau genommen dieses hohe
Verhältnis der Depositen zu den Reserven, eine Folge des Zurückbleibens * 2 3 4

D Die Zahlen für Depositen und Reserven der Nationalbanken sind die in den Re-
Ports of the Comptroller of the Currency angeführten und stellen den Stand der Banken
zur Zeit ihres dritten Jahresberichtes an den Comptroller dar (gewöhnlich um den 1. Juli)
Die Kolonne, die die Verhältnisse angibt, erklärt sich von selbst.

2)	Die Zahlen für die Clearings sind der Financial Review für 1910, S. 33, entnommen.
Die für G'U' sind von den Zahlen für Clearings gebüdet, und zwar mittels der in § 5 des
Anhanges zum XII. Kapitel erklärten Methode.

3)	Die Indexnummern der Preise sind die des Arbeitsamtes (Bureau of Labor) (Bulle-
tin 81, März 1909) und beziehen sich auf den Januar der in Rede stehenden Jahre. Die
unter dem Titel „Jährliches prozentuales Steigen der Preise“ aufgeführte nächste
Kolonne zeigt das Steigen vom Januar des betreffenden Jahres bis zum nächsten Januar an

4)	Die Zahlen für die Zinsraten sind dem Anhang meines Buches The Rate of Interest
S. 418, entnommen. Diese sind auf Grund von Angaben der Financial Review für den Ver-
lauf der Jahres 1908 berechnet. Das prozentuale Steigen der Preise wird vom Geldzin"
subtrahiert, und das hierdurch erlangte Resultat ist der virtuelle Zins.
        <pb n="241" />
        ﻿der Zins- hinter der Preissteigerung, das die Banken nötigte, ihre
Diskontraten zu erhöhen und damit einer weiteren Ausdehnung des
Kredites Einhalt zu tun. Dann kam die Krise und die kurze nach-
folgende Depression. Die nächste, den Titel „Clearings“ tragende Ko-
lonne, zeigt das Volumen der Schecktransaktionen, d. h. die Zirkulation
der Depositenumlaufsmittel an. Da ein ziemlich konstanter Bruchteil der
Schecks durch die verschiedenen Clearinghäuser des Landes beglichen wird,
so kann der Abrechnungsverkehr einigermaßen als ein Kriterium von G'U'
betrachtet werden. Die fünfte Kolonne wurde aus der vierten und von
anderen Angaben abgeleitet und als Schätzung von G'U' betrachtet.
Diese zwei Kolonnen weisen im Verlaufe des Jahres 1906 ein Steigen auf,
beginnen jedoch mit dem Herbste des Jahres 1907 (da sie sich auf das ganze
Jahr und nicht auf einen Zeitpunkt in der Mitte des Jahres beziehen) die
Wirkungen des plötzlichen Zusammenbruches des Kredites zu zeigen, sodaß
ihr Anwachsen in diesem Jahre und mehr noch im darauffolgenden aufge-
halten wurde. Wir sollten also ein Steigen der Preise, das im Jahre 1907
seinen Höhepunkt erreicht und im Jahre 1908 nachläßt, erwarten und finden
dies auch in der sechsten Kolonne. Kolonne sieben zeigt das Steigen während
jedes einzelnen Jahres in Prozenten ausgedrückt. So ist die Indexnummer
oder P für Januar 1904 113,2 und für Januar 1905 114,0. Das Steigen be-
trägt daher etwas weniger als 1 Prozent. Das Minuszeichen bedeutet ein
Fallen. Die achte Kolonne stellt den Zinsfuß dar und zeigt, wie zu erwarten
steht, ein Steigen, das im Jahre 1907 seinen Höhepunkt erreicht. Der
virtuelle Zins — d. h. der in Waren ausgedrückte Zins — war während der
demJahre 1907 unmittelbar vorausgehenden Jahre außerordentlich niedrig,
weil die Preise so rasch stiegen. Dies ist in Kolonne neun angegeben, in der
der nominelle (in Geld bemessene) Zins mit dem Steigen oder mit dem
Fallen der Preise in Einklang gebracht ist, um den Zins seiner wirklichen
Kaufkraft gemäß bemessen zu können. Als der Höhepunkt des Ent-
wicklungsganges im Jahre 1907 erreicht wurde und ein Sinken der Preise
einsetzte, finden wir ein plötzliches Anziehen des virtuellen Zinsfußes. Kein
Wunder, daß borgende Unternehmer es oft schwer fanden, mit ihren
Mitteln auszukommen.

Die Tatsachen der zyklischen Kreditentfaltung bestätigen also vollständig
die bereits in früheren Kapiteln gegebene Analyse und zeigen an, daß die
Preise mit den Umlaufsmitteln und deren Geschwindigkeit steigen oder fallen.
Für diejenigen, die bezweifeln, ob die Ausdehnung der Depositenumlaufs -
mittel die Preise erhöht, oder ob das Steigen der Preise Depositenumlaufs-
mittel erzeugt, soll hinzugefügt werden, daß sowohl Tatsachen als auch die
        <pb n="242" />
        ﻿Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick.

223

Theorie beweisen, daß die Preissteigerung eine Wirkung der Depositen-
umlaufsmittel ist. Miss England hat zum Beispiel gezeigt, daß sich An-
leihen und Depositen ausdehnen, bevor die Preise steigen und daß, wenn-
gleich die Preise oft fallen, bevor Anleihen und Depositen abnehmen, diese
anomale Reihenfolge der Ereignisse durch das nach einer Krise folgende
Wiederaufblühen des Handels zu erklären istx).

Es ist in diesem Kapitel keinerlei Versuch gemacht worden, alle Phäno-
mene oder auch nur alle typischen Krisenphänomene zu untersuchen.
Wir haben es hier nur insofern mit Krisen zu tun, als sie in Verbindung mit
den Umlaufsmitteln stehen. Unser Interesse betrifft vor allem die in der
Verkehrsgleichung enthaltenen Größen, besonders auf G, G' und TJ’, denn
dies sind die unmittelbaren Elemente, deren Veränderungen auf das Preis-
niveau einwirken und es zum Steigen und zum Fallen veranlassen.

§ 18-

Dieses Kapitel war einem historischen Studium der Veränderungen
der Quantität der Umlaufsmittel und der Wirkungen dieser Veränderungen
auf die Preise gewidmet. Wir haben gesehen, daß im großen Ganzen Zu-
nahmen im Geldbeträge die Tendenz hatten, die Preise während der letzten
tausend Jahre von Jahrhundert zu Jahrhundert und ganz besonders seit der
Entdeckung Amerikas zu erhöhen. Die Veränderungen im letzten Jahr-
hundert, oder genauer von 1789 bis 1909, die fünf Perioden abwechselnd
steigender und fallender Preise umfassen, sind etwas ausführlicher behandelt
worden. Wir haben nachgewiesen, daß diese Preisbewegungen mit den Ver-
änderungen in der Geldquantität und im Geschäftsvolumen zu verbinden
sind. Die Perioden von 1789 bis 1809, von 1849 bis 1873 und von
1896 bis 1909 waren Perioden steigender Preise und großer Zunahmen der
Geldzufuhr. Aller Wahrscheinlichkeit nach fielen die Preise in der Periode
1809 bis 1849 auf Grund einer Abnahme in der Gold- und Silberproduktion
sowie einer andauernden Geschäftszunahme; nachher in den Jahren zwischen
1873 und 1896 fielen die Preise in den Goldwährungsländern, obgleich die
Weltvorräte der Edelmetalle sich langsam vermehrten, weil zum zunehmen-
den Geschäftsvolumen noch ein wilder Wettbewerb unter den Nationen
kam, die Goldwährung einzuführen und die Silberprägung einzustellen oder
einzuschränken.

i) Minnie Throop England, „Statistical Inquiry into the Influence of Credit upon the
Level of Prices4‘, University Studies (University of Nebraska), 1907.
        <pb n="243" />
        ﻿224

XI. Kapitel.

Wir haben die in letzter Zeit andauernde Zunahme der Goldproduk-
tion beobachtet und Gründe gefunden, die zu prophezeien gestatten,
daß die Goldproduktion in Zukunft andauern und wahrscheinlich noch
einige Zeit die Fortdauer des gegenwärtigen Steigens der Preise zur Folge
haben wird.

Ferner haben wir einige der hauptsächlichsten Beispiele einer über-
mäßigen Ausgabe von Papiergeld beschrieben und bewiesen, daß die An-
gaben über den Umlauf und die Preisveränderungen die in vorigen
Kapiteln dargelegten Prinzipien in allgemeiner Weise rechtfertigen. Die
Erfahrungen, die Frankreich während der französischen Revolution, Eng-
land während der Kapoleonisehen Kriege, Österreich, die amerikanischen
Kolonien, die Vereinigten Staaten und die konföderierten Staaten mit Papier-
geld gemacht haben, sind einer kurzen Betrachtung unterzogen worden.
Wir haben bemerkt, daß in diesen wie auch in anderen Fällen die Preise von
der Geldquantität, der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes und dem Ge-
schäftsvolumen abhängig waren. Ebenso sahen wir, daß die scheinbaren
Ausnahmen, die einem Mangel an Vertrauen zum Papiergeld zuzuschreiben
sind, keine wirklichen Ausnahmen darstellen, weil sich der Mangel an Ver-
trauen durch die Größen in der Verkehrsgleichung ausdrückt. Mißtrauen
erhöht die Umlaufsgeschwindigkeit und verringert das durch das Geld
bewältigte Handelsvolumen. Es ist ferner bewiesen worden, daß die all-
gemeine Wirkung von Emissionen von uneinlösbaren Papiergeld, die, unge-
achtet aller gegenteiligen Zusicherungen, fast immer in großen Quantitäten
erfolgen, in einem Steigen der Preise bestand.

Endlich hat unser Studium des Depositenumlaufs und der Krisen eine
weitere Illustration ermöglicht. Einer typischen Krise vorausgehend,
ist im allgemeinen die Tendenz einer Zunahme der Depositen und ebenso
auch ihrer Umlaufsgeschwindigkeit zu beobachten, während die Preise das
Bestreben einer Steigerung zeigen. Nach der Krise kommt eine Abnahme
der Bankdepositen und deren Umlaufsgeschwindigkeit, eine Zunahme der
Bankreserven mit einer entsprechenden Tendenz, das in Umlauf befindliche
Geld zu vermindern, sowie ein Fallen der Preise zum Vorschein. In den
Jahren der Hauptkrisen fanden diese Vorgänge gleichzeitig in verschiedenen
Ländern statt.
        <pb n="244" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

225

XII.	Kapitel.

Statistiken der letzten Jahre.

§i-

Das letzte Kapitel war einer kurzen Betrachtung über Preisbewegungen
und deren Ursachen gewidmet, soweit die zur Verfügung stehenden dürftigen
Angaben eine auch nur den Versuch einer Auslegung möglich machten. Von
dieser teleskopischen Betrachtung der Vergangenheit wenden wir uns nun
einer mikroskopischen Untersuchung der Gegenwart zu. Wir beschränken
uns daher auf ein Studium der Ereignisse in den Vereinigten Staaten während
der letzten drei Jahrzehnte. Beim Studium des vorigen Kapitels fanden wir
die historischen Tatsachen in Übereinstimmung mit den bereits in der Ver-
kehrsgleichung a priori dargelegten Prinzipien. Doch waren diese ge-
schichtlichen Tatsachen zu allgemeiner und unbestimmter Natur, um die
quantitative Befriedigung der Verkehrsgleichung zu gestatten. Für die
letzten Jahrzehnte hingegen finden wir viel ausführlichere Angaben vor.
Wir werden sehen, daß die Verkehrsgleichung, für die bereits der Beweis
a priori erbracht wurde, auch durch Statistiken der Gegenwart bewiesen
werden kann, d. h. wenigstens innerhalb der Fehlergrenzen, denen Statistiken
in der Regel unterworfen sind.

Einen guten Anfang eines solchen Studiums bildet die schon oft erwähnte
Pionierarbeit von Professor Kemmerer. Er hat die Hauptgrößen derVerkehrs-
gleichung ungefähr abgeschätzt1) und gefunden, daß diese mit den Be-
dingungen, die die Verkehrsgleichung vorschreibt, in allgemeiner Beziehung
übereinstimmt. Mit dem Jahre 1879 (dem Jahre der Wiedereinführung der
Goldwährung) beginnend und mit dem Jahrel908endigendhat Genannter den
gesamten Geld- und Scheckumlauf (den wir GU und G'V genannt haben)
und das Handelsvolumen (H) abgeschätzt und aus diesen Größen berechnet* 2),

GU -(- G'U'

welches das von diesen Faktoren, d. h.-—------ bestimmte Preisniveau

H

sein sollte. Kemmerer vergleicht sodann diese berechnete Größe, die er den

1)	Money and Credit Instruments in their Relation to General Prices, New York (Holt),
1909, II. Teil.

2)	In bezug auf weitere Einzelheiten über die von Kemmerer allgestellten Berech-
nungen verweisen wir den Leser auf sein Buch. Eine gedrängte Übersicht und Kritik sind
in § 1 des Anhanges zu diesem (XII.) Kapitel gegeben.

Fisher, Kaufkraft des Geldes.

15
        <pb n="245" />
        ﻿„relativen Umlauf des Geldes“ nennt, mit den tatsächlichen Zahlen für Preis-
niveaus, wie sie in den Statistiken der Indexnummern gegeben sind.

Meiner Meinung nach ist Kemmerers Berechnung der erste ernstliche
Versuch, der je gemacht wurde, die sogenannte „Quantitätstheorie“ des
Geldes statistisch zu prüfen. Die Resultate zeigen eine Übereinstimmung,
die in Anbetracht des außerordentlich skizzenhaften und fragmentarischen
Charakters der verwendeten Angaben sehr überraschend ist.

Die meisten anderen Autoren, die die Quantitätstheorie statistisch zu
prüfen versuchten, scheinen von dem Wunsche beseelt gewesen zu sein, sie
keiner unparteiischen Prüfung zu unterziehen, sondern sie zu widerlegen.
Sie haben sorgfältig vermieden, noch andere Faktoren außer Geld und

relative Zirkulation, ......... allgemeine Preise.

Fig. 12.

Preise in Anschlag zu bringen. Man braucht sich nicht darüber zu ver-
wundern, daß sie nur eine geringe statistische Wechselbeziehung zwischen
diesen beiden Faktoren finden 1). Der Vorzug der Arbeit von Kemmerer
besteht darin, daß er außer dem Gelde auch anderen Faktoren gebührende
Aufmerksamkeit schenkt.

Der Hauptfehler in seiner Untersuchung ist, daß er die Zahl 47 als Um-
laufsgeschwindigkeit des Geldes annimmt. Wie wir sehen werden, ist der
richtige Wert genauer 18 bis 20. Doch ist das Volumen der Geldzahlungen,
selbst mit Kemmerers übertriebener Zahl für die Geschwindigkeit, wenn
sie mit Scheckzahlungen verglichen wird, so gering, daß diese Schwäche
seine Schlußvergleiche nicht besonders beeinflußt. Auf mein Ersuchen hat
Prof. Kemmerer seine Kurven auf der Basis von 18 statt 47 als derUmlaufs-

1) Siehe z. B. Miss S. M. Hardy, „The Quantity of Money and Prices, 1860—1891.
An Inductive Study.“ Journal of Political Economy, Bd. III, S. 145—168.
        <pb n="246" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

227

geschwindigkeit des Geldes nochmals berechnet. Die Resultate sind in Figur 12
wiedergegeben. Wenn diese mit den in Kemmerers Buch enthaltenen ver-
glichen werden, sieht man, daß der Unterschied nur ein geringer ist. Es
ist interessant zu beobachten, daß, wenn ein ganz genauer Vergleich ange-
stellt wird, die Wahl der Zahl 18 als Schätzung der Geschwindigkeit eine
etwas bessere Übereinstimmung zwischen den beiden Kurven gibt, als sie
die Zahl 47 liefert.

Als „Korrelationskoeffizienten“ zwischen Kemmerers Resultaten für P,
von denen sich das eine direkt aus den Statistiken ergab und das andere
indirekt aus den andern Faktoren der Verkehrsgleichung berechnet wurde,
fand Professor Persons 1) vom Dartmouth College nur 0,23 (oder 23 Prozent
vollkommener Korrelation) mit einem wahrscheinlichen Irrtum von 0,13.
Nach Persons Ausspruch ist dies ein sehr niedriger Grad der Korrelation.

Indessen ist Persons Methode, die Übereinstimmung vermittelst eines
Korrelationskoeffizienten zu prüfen, eigentlich nicht auf zwei Kurven
anwendbar, die zeitlich wechselnde Größen darstellen. Denn diese Me-
thode läßt tatsächlich einen ganz wesentlichen Faktor unbeachtet: ihre
Zeitfolge. Ein Vergleich von Jahr zu Jahr ist ratsamer. Wenn wir die
Kurven der Preise und der „relativen Zirkulation“ betrachten 2), sehen wir
auf den ersten Blick, daß fast alle aufeinanderfolgenden Veränderungen in
der Richtung der einen Kurve von entsprechenden Veränderungen in der
der anderen Kurve begleitet sind. In der Tat finden wir von 28 möglichen
Fällen solchen Zusammentreffens als tatsächliche Zahlen 16 Fälle von Über-
einstimmung in den Veränderungen der Richtung, 9 Fälle von Nichtüber-
einstimmung und 3 Fälle neutraler Art (d. h. Fälle, die keinen Wechsel in
der Richtung der einen der beiden Kurven zeigten).

Die obengenannten Zahlen beziehen sich auf die Kurven in Kemmerers
Buche. Die späteren Kurven, die die Zahl 18 anstatt 47 für Geldgeschwindig-
keit verwenden, zeigen ungefähr dieselben Resultate, indem 16 Fälle von
Übereinstimmung, 8 Fälle von Nichtübereinstimmung und 4 Fälle neutraler
Art zu verzeichnen sind. Die Übereinstimmung zwischen Preisen und
„relativer Zirkulation“ ist hier nur sehr wenig größer als vorher. In beiden
Diagrammgruppen sind die Übereinstimmungen nicht nur viel zahlreicher,
sondern auch ausgesprochener als die Nichtübereinstimmungen.

Schließlich scheinen einige der Nichtübereinstimmungen in Wirklich-
keit Übereinstimmungen zu sein, insofern sie durch eine Verschiebung um

D „ Qmntity Tlieory as tested ly Kmmerer“, Quarterly Journal of Economics, Februar
WC«, S. 287.

2)	Kemmerer, op. eit. S. 149.

15*
        <pb n="247" />
        ﻿228

XII. Kapitel.

ein Jahr nach vorwärts unseren Blicken entzogen sind. Daher sind die
Senkungen der „relativen Zirkulation“ der Jahre 1899, 1900 und 1901,
obgleich sie alle als Fälle von Nichtübereinstimmung gezählt werden,
den Senkungen der „allgemeinen Preise“ der Jahre 1900, 1901 und 1902
auffallend ähnlich. Aus der Tatsache, daß die Statistiken teilweise für Ka-
lenderjahre und teilweise für Finanzjahre gelten, ist, wie Professor Kemmerer
bemerkt, mit einer solchen Verschiebung der Übereinstimmung um ein Jahr
zu rechnen.

§2.

Ich will nun versuchen, eine so genaue statistische Schätzung der
Größen in der Verkehrsgleichung für die Jahre 1896 bis 1909 vorzunehmen,
wie die verfügbaren Angaben es erlauben. Die Periode 1896 bis 1909 ist
hauptsächlich deshalb gewählt worden, weil ihre zwei Endjahre die einzigen
bekannten Daten gewähren, die eine Schätzung der Umlaufsgeschwindigkeit
des Geldes und der Bankdepositen ermöglichen.

Wir wollen nun die Größen in der Reihenfolge G, G', U, U', H, P einer
näheren Betrachtung unterziehen. Für jede der Größen sind die in An-
wendung kommenden Zahlen neu.

G. Nachstehende Tabelle gibt den abgeschätzten Betrag des in Umlauf
befindlichen Geldes in den Vereinigten Staaten wieder. Hierunter verstehen
wir die außerhalb des Bundesschatzamtes und der Depositen- und Diskont-
banken (nationaler, staatlicher, privater und Trust-Gesellschaften) befind-
liche Geldmenge (Münzen und Papier). Der Bestand im Schatzamt ist nicht
inbegriffen, und zwar aus dem Grunde, weil er Vorräte darstellt, die sich
nicht in dem Sinne — oder auf jeden Fall nicht in dem Maße — den Zahlungs-
bedürfnissen anpassen, wie die Bestände in den Betriebskassen der Kaufleute
und in den Taschen des Publikums. Die Bankreserven sind deshalb ausge-
schlossen, weil sie, wie wir erklärt haben, für Bankgeschäfte und nicht zu
Handelszwecken benutzt werden.

Abgeschätztes und in Umlauf befindliches Geld (G) in den Vereinigten Staaten

(in Milliarden Dollar).

1896 .	0,87	1903			 1,38
1897	0,88	1904			 1,37
1898	0 96	1905		
1899	1,03	1906		
1900			 1,17	1907		
1901			 1,22	1908
        <pb n="248" />
        ﻿

Statistiken der letzten Jahre.

229

Diese Tabelle beruht auf amtlichen Schätzungen des Geldes in den
Vereinigten Staaten, die das in den Banken und im Bundesschatzamt
befindliche Geld einschließen. Diese offiziellen Zahlen werden dann mittelst
der in letzter Zeit vorgenommenen Revisionen der Abschätzungen des Goldes
in den Vereinigten Staaten berichtigt, sowie durch Abzug der Geldsummen
im Bundesschatzamt und in Banken, die Berichte liefern, und in solchen,
die keine liefern 1). Die Resultate weichen einigermaßen von den offiziellen
Zahlen für das sogenannte „in Umlauf befindliche Geld“ ab, wobei der
Hauptgrund der Verschiedenheit ist, daß diese amtlichen Zahlen das Geld
in den Banken einschließen. Die hier angeführten Zahlen sind wahrschein-
lich annähernd richtig; die Fehlergrenze kann meiner Meinung nach auf
2 bis 3 Prozent geschätzt werden.

Die Tabelle zeigt, daß während eines Zeitraumes von dreizehn Jahren
zwischen 1896 und 1909 das in Umlauf befindliche Geld sich beinahe ver-
doppelt hat und daß seine Zunahme eine fast ununterbrochene gewesen ist.

G'. Die folgenden für G' gegebenen Zahlen sind Abschätzungen indivi-
dueller Depositen, die dem Scheckverkehr unterworfen sind.

Individuelle, dem Scheckverkehr unterworfene Depositen ((?')1 2)

(in Milliarden Dollar).

1896		 2,68	1903			 5,70
1897	. 2,80	1904			 5,80
1898	. 3,19	1905			 6,54
1899	. 3,90	1906			 6,84
1900			 4,40	1907		.... 7,13
1901			 5,13	1908		.... 6,60
1902			 5,43	1909			 6,75

Diese Ziffern haben die amtlichen Zahlen für „individuelle Depositen“
zur Grundlage, sind aber viel niedriger als diese, weil die amtlichen Zahlen
Depositen in Sparkassen und andere dem Scheckverkehr nicht unterworfene
Depositen einschließen, sowie auch infolge verschiedener anderer unbedeuten-
der Ursachen. Die hier gegebenen Schätzungen stellen den ersten Versuch
dar, eine Reihe von Zahlen für die dem Scheckverkehr unterworfenen Bank-
depositen in den Vereinigten Staaten zu geben. Es ist dies durch die gütige

1)	Einzelheiten über die Konstruktion der Tabelle enthält §2 des Anhanges zu diesem
(XII.) Kapitel.

2)	Bezügl. der Methode zur Abschätzung dieser Zahlen siehe § 3 des Anhanges zu
diesem (XII.) Kapitel.

A
        <pb n="249" />
        ﻿Mitwirkung der National Monetary Commission und deren Sachverständigen
A. Piatt Andrew ermöglicht worden1).

Diese Zahlen geben daher die tatsächlichen Depositenwmlaufsmittel in
den Vereinigten Staaten wieder. Sie zeigen ein enormes Anwachsen der
Bankdepositenumlaufsmittel. In einem Zeitraum von dreizehn Jahren (vom
Anfang bis zum Ende der Tabelle) haben sich diese nahezu verdreifacht.
Überdies zeigt jedes Jahr einen Fortschritt gegen das vorhergehende, mit
Ausnahme des der Krise von 1907 folgenden Jahres 1908.

§3.

Nachdem wir G undG', die Zirkulationsmittel, gefunden haben, kommen
wir nun zur Feststellung von U und U', deren Umlaufsgeschwindigkeit.
Es wird zweckmäßig sein, die letztere zuerst in Erörterung zu ziehen.

Die Umlaufsgeschwindigkeit der Bankdepositen findet man, wenn
man den gesamten Scheckumlauf (CU') durch die Bankdepositen (C)
dividiert. Der Divisor G' wurde bereits gefunden. Was den Dividenden
G'U' anbelangt, so sind dies tatsächlich die gesamten in einem Jahre ge-
zogenen Schecks, denn wir können vernünftigerweise annehmen, daß im
Durchschnitt jeder Scheck einmal und nur einmal gegen Güter zirkuliert2).

Dank den Bemühungen des Professors Kinley von der Universität von
Illinois haben wir für zwei Jahre, und zwar für 1896 und 1909, umfangreiche
und einzigartige Angaben, die ursprünglich für den Zweck einer Berechnung
des Verhältnisses von Geldtransaktionen zu Schecktransaktionen in den
Vereinigten Staaten gesammelt waren, d. h. des Verhältnisses von GU zu
G'U’. Wir werden sehen, daß diese Angaben in Verbindung mit anderen
amtlichen Statistiken selbst für etwas Bedeutenderes als die Berechnung
dieses Verhältnisses verwendet werden können, denn sie setzen uns in den
Stand, die Größen U und V für die erwähnten beiden Jahre mit ziemlicher
Genauigkeit zu berechnen. Bei dieser Gelegenheit werden wir finden, daß
es mit Hilfe dieser Größen möglich ist, genauer als in den obenerwähnten
Nachforschungen gerade die Größe herauszuarbeiten, für die diese Unter-
suchungen unternommen wurden, nämlich das Verhältnis von Geldtrans-
aktionen zu den Kredittransaktionen.

Wir wollen zunächst G'U' abschätzen.

G'U'. Professor Kinleys spezielle Untersuchung für das Jahr 1896 zeigt,

D Bezügl. Einzelheiten siehe § 3 des Anhanges zu diesem (XII.) Kapitel.
2) Vgl. Kemmerer, op. cit., S. 114.
        <pb n="250" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

231

daß sich an dem ersten „dem 1. Juli 1896 folgenden Abrechnungstage“ der
Wert der deponierten Schecks auf ungefähr $ 468,000,000 belief. Wenn wir
annehmen könnten, daß dieser Tag ein Durchschnittstag des Jahres war,
so brauchten wir, um die Scheckdepositen eines ganzen Jahres zu erlangen,
diese einfach mit der Anzahl der Abrechnungstage im Jahre 1896, die 305
betrug, zu multiplizieren4). Nun ist aber zufällig der erste Juli für Scheck-
depositen ein außergewöhnlich lebhafter Tag. Wie durch die Clearings der
New Yorker Abrechnungsbörse angezeigt wird, kommen wir unter Berück-
sichtigung dieser Tatsache zu dem Schlüsse, daß die gesamten Jahres-
depositen an Schecks im Jahre 1896 ungefähr 97 Milliarden betrugen, wobei
man mit einem möglichen Irrtum von vielleicht 5 oder 6 Prozent rechnen
kann 2). Nach ähnlichen Berechnungen für 1909 beziffert sich der gesamte
Scheckumsatz dieses Jahres auf 364 Milliarden3). Wir haben also die Werte
des gesamten Scheckverkehrs (G'U') in den beiden Jahren 1896 und 1909
und finden, daß sie 97 bzw. 364 Milliarden betragen, die innerhalb dreizehn
Jahren ein gewaltiges Anwachsen bezeugen. Es sind dann noch die Zahlen
für die dazwischenhegenden Jahre einzuschalten. Leider haben wir für den
zwischen diesen beiden Jahren liegenden Zeitraum keinerlei Angaben wie
die von Kinley für 1896 und 1909. Wir können jedoch in den Clearing-
hausumsätzen ein ausgezeichnetes Barometer finden — ein Barometer,
das zum Teil von den Clearings in New York, noch mehr aber von denen
außerhalb dieser Stadt abhängig ist. Obgleich die Clearings in New York
weitgehendste Beachtung verdienen, so wird doch allgemein anerkannt,
daß deren relative Bedeutung in den Gesamtabrechnungen übertrieben wird4).

Was die Frage betrifft: „Welche relative Bedeutung sollte den Verrech-
nungen in New York bzw. den auswärtigen Verrechnungen gegeben werden,
um das beste Barometer der Schecktransaktionen für das ganze Land zu
erhalten ?“, so kommen wir zu dem Schluß, daß man ein gutes Barometer des
Scheckumsatzes für die Vereinigten Staaten dadurch erhält, indem man die
auswärtigen Clearings mit fünf multipliziert und das Resultat zu den New
Yorker Abrechnungen addiert6).

i) Diese Multiplikation ergibt $ 143,000,000,000; diese Zahl benutzt Professor Kem-
merer (op. eit., S. 110—111).	...... ,	, ,

a) Die zur Erlangung dieses Resultates angewandte Methode ist m § 4 des Anhanges
zu diesem (XII.) Kapitel beschrieben.

3)	Siehe § 4 des Anhanges zu diesem (XII.) Kapitel.

4)	Siehe z. B. die im Financial Review jor 1910, S. 33 und in Babsons Business Baro-
meters (Wellesley Hills, Mass.) 1910, S. 188 über diese Clearings gemachten Bemerkungen.

5)	Siehe § 5 des Anhanges zu diesem (XII.) Kapitel.
        <pb n="251" />
        ﻿





Mittelst dieses Barometers des Scheckumsatzes, bestehend aus Ver-
rechnungen von New York, vermehrt um den fünffachen Betrag der aus-
wärtigen Clearings, und mittelst unserer Kenntnis des tatsächlichen Scheck-
verkehrs von 1896 und 1909 können wir bequem von diesem „Barometer“
eine Schätzung des tatsächlichen Scheckverkehrs ableiten. Das Ergebnis
gestaltet sich sodann folgendermaßen:

Abgeschätzte Schecktransaktionen (G'U') (in Milliarden Dollar) 1896—19091).

1896			 97	1903			 223
1897			 106	1904			 233
1898			 127	1905			 282
1899			 166	1906		
1900			 165	1907		
1901			 208	1908		
1902			 222	1909		

Der wahrscheinliche Irrtum in den Jahren zwischen 1896 und 1909 kann
auf ungefähr 5 bis 10 Prozent angesetzt werden.

U’. Nachdem wir Schätzungen von G’U' und vorher Schätzungen
von (7 erlangt haben, ist es sehr leicht, durch einfache Division U' zu erhalten.
Die Ergebnisse sind:

Durch Schecks abgeschätzte Umlaufsgeschwindigkeit (U') der dem Scheck-
verkehr unterworfenen Depositen.

1896			 36	1903			 39
1897			 38	1904			 40
1898			1905			 43
1899			 43	1906			 47
1900			 37	1907			 45
1901			1908			 46
1902			1909			 54

Es kann sich bei diesen Zahlen ebenfalls um einen Irrtum von ungefähr
5 bis 10 Prozent handeln, der für 1896 und 1909 am geringsten und um die
Mitte dieser Zeitperiode am größten ist.

"Wir ersehen hieraus, daß sich die Umlaufsgeschwindigkeit in dreizehn
Jahren um 50 Prozent erhöht hat, und daß sie von Jahr zu Jahr großen
Veränderungen unterworfen war. In den Jahren 1899 und 1906 erreichte
sie ihren Höhepunkt, worauf unmittelbar die Krisen folgten. Diese Resultate
stimmen mit denen von Pierre des Essars für die Umsatzraten von Depositen
        <pb n="252" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

233

in den bereits erwähnten festländischen Banken überein mit Ausnahme des
Umstandes, daß der Genannte den Höhepunkt eher im Krisisjahr selbst,
als im vorhergehenden Jahr findet. Es ist zu beachten, daß die Zahl für
1909 bei weitem die höchste in der Tabelle ist. Ob sie das Vorzeichen
einer herannahenden Krise ist, wird die Zeit lehren 1).

§4.

GU. Unsere nächste Untersuchung gilt der Umlaufsgeschwindigkeit
des Geldes. Ihre Berechnung bietet große Schwierigkeiten — und zwar
Schwierigkeiten, die in der Tat gewöhnlich als unüberwindlich betrachtet
worden sind. Dieser Meinung wird durch Jevons 2) treffend Ausdruck ge-
geben. Er schreibt:

„Nie habe ich gefunden, daß in irgendeinem Lande der Versuch
gemacht worden ist, die Durchsclmittsschnelligkeit des Umlaufes zu be-
stimmen, und ebensowenig bin ich imstande gewesen, irgendwelche
Mittel und Wege zu finden, einer Untersuchung der Frage näherzu-
kommen, es sei denn auf umgekehrtem Wege. Wenn wir den Betrag
des vollzogenen Gesamtaustauschs und das Quantum der verwendeten
Umlaufsmittel kennen, so könnten wir durch Division die Durch-
schnittszahl erhalten, die angibt, wievielmal die Umlaufsmittel um-
gesetzt wurden; wie bereits erklärt, fehlen aber alle Angaben.“

Wie wir jedoch sehen werden, sind die zur Ermittelung des „Betrages
des vollzogenen Gesamtaustauschs“ geeigneten Angaben oder GU nunmehr
vorhanden. Tatsächlich ist dieser Betrag dem gesamten in den Banken
deponierten Gelde gleich, vermehrt um die Gesamtsumme der zur Aus-
zahlung gelangten Geldlöhne und einen kleinen, Verschiedenes umfassenden
Posten. Aus GU und G ist es natürlich leicht, durch Division U zu erlangen.

Die Formel zur Erlangung von GU ist ebenso einfach, wie sie auf den
ersten Blick mysteriös zu sein scheint. Die Haupteigentümlichkeit der
Methode, die sich in dieser Formel ausdrückt, und das charakteristische
Merkmal, das sie für praktischen Gebrauch verwendbar erscheinen läßt,
besteht darin, daß sie Bankberichte und andere ermittelbare Statistiken
als ein Mittel zur Auffindung des Gesamtwertes der Geldtransaktionen
benutzt. Die Methode beruht auf dem Gedanken, daß das in Umlauf be-

1)	Seit Abfassung dieser Zeilen ist die Welt Zeuge einer unbedeutenden Krisis ge-
wesen, die sich wenigstens insoweit bemerkbar machte, als es schwierig war, Anleihen zu
erhalten, als die Aufwärtsbewegung der Preise Ende 1913 und Anfang 1914 aufhörte.

2)	Money and the Mechanism of Exchange (London), S. 336.
        <pb n="253" />
        ﻿234

XII. Kapitel.

findliche Geld und das Geld in den Banken nicht zwei unabhängige Reser-
voire sind, sondern daß beständig ein Zufluß aus dem einen in das andere
erfolgt und daß man aus dem Ein- und Ausgang des Geldes bei den
Banken, der ja registriert wird, die außerhalb der Banken stattfindende
Zirkulation ermitteln kann.

Es liegt klar auf der Hand, wie der Bankbericht lauten würde, wenn ein
jeder aus der Bank gezogene Dollar einmal und nur einmal zirkulierte, bevor
seine Wiedereinzahlung erfolgt. Unter solchen Umständen wäre der jähr-
liche Strom des Geldumlaufes der jährlichen Geldentnahme aus den Banken
vor dem Umlauf, wie den jährlichen Einzahlungen in die Banken nach dem
Umlauf völlig gleich.

Da wir eine Aufzeichnung der ersten und der letzten der drei Stufen
haben, nämlich der Entnahme und der Einlagen, so besitzen wir die Mittel,
um das Zwischenglied, den Austausch des Geldes für Güter kennen zu lernen.
Der gewöhnliche Umlauf des Geldes — ausgenommen die Fälle, in denen
es mehr als einmal zwischen Entnahme und Wiedereinlage von Hand zu
Hand geht — ist gleich dem durch die Banken fließenden Geldstrome.

Die vollständigen Tatsachen sind indes nicht so einfach, und zwar aus
dem Grunde, weil das den Banken entnommene Geld oft mehr als einmal
in Umlauf gesetzt wird. Gleichwohl folgen die Komplikationen dieser Bewegung
bestimmten Gesetzen. Sie zerstören nicht den Wert der Bankberichte,
sondern erschweren nur etwas ihre Ausnützung. Es ist nun unsere Ab-
sicht, zu beweisen 1. daß in der Tat viel von dem außerhalb der Banken
befindlichen Gelde nur einmal zirkuliert (wie in dem soeben erwähnten
hypothetischen Falle); 2. daß das Geld, wenn es zur Auszahlung von Löhnen
dient, gewöhnlich zweimal in Umlauf ist, und 3., daß es nur selten drei- oder
mehrmals zirkuliert, bevor es seinen Kreislauf zurück in die Banken vollendet.

Unter dieser Behauptung ist zu verstehen, daß das Geld gleich den
Schecks im allgemeinen nur einmal außerhalb der Banken zirkuliert; daß es
aber, wrenn es durch die Hände von Nichtdeponenten geht (worunter in Wirk-
lichkeit Lohnempfänger zu verstehen sind) einmal mehr zirkuliert, und auf
diese Weise zu dem Volumen des gewöhnlichen Geldumlaufes, das, wie wir
gesehen haben, dem Strome des durch die Banken gehenden Geldes gleich
ist, das Volumen der Lohnzahlungen hinzufügt.

Wir machen uns vom Umlauf des Geldes in der modernen Gesellschaft
ein falsches Bild, wenn wir ihn uns als eine stetige Aufeinanderfolge von
Übertragungen von Person zu Person denken. Wenn es eine solche Auf-
einanderfolge wäre, so läge sie, wie Jevons sagt, außerhalb des Bereiches
der Statistiken. Wir können uns aber ein richtigeres Bild machen, wenn wir
        <pb n="254" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

235

uns die Banken als die Heimat des Geldes und dessen Umlauf als zeitweiligen
Abstecher aus diesem Orte denken. Wenn diese Darstellung richtig ist,
unterscheidet sich der Umlauf des Geldes nur wenig von dem der Schecks.
Jeder vollzieht eine oder höchstens einige Transaktionen außerhalb der
Bank und kehrt dann in diese zurück, um seinen Kreislauf zu melden.

Wie aus dem Anhang zu ersehen, belief sich das gesamte im Jahre
1896 in den Banken deponierte Geld auf nahezu 10 Milliarden Dollar x)
und der Gesamtaufwand der Nichtdeponenten auf nahezu 6 Milliarden,
von denen 4% Milliarden den Aufwand der Lohnempfänger ausmachten;
der restliche Posten in der Formel für den Umlauf betrug weniger als eine
Milliarde, was einen Gesamtumlauf von ungefähr 16 Milliarden ergibt.

Die entsprechenden Zahlen für das Jahr 1909 sind: Deponiertes Geld:
21 Milliarden; Ausgaben der Nichtdeponenten: 13 Milliarden; der verbleibende
Rest ungefähr 1 Milliarde, was alles in allem 35 Milliarden ergibt.

Die folgende Tabelle stellt eine kurze Zusammenfassung dieser Ergeb-
nisse in Milliarden Dollars dar 1 2):

	1896	1909
1. Posten (das in den Banken eingezahlte Geld)		10 —	21
9 Posten (Aufwand der ..Nicht-Einleeer“')	 		6 —	.  13
Restposten		1 —	i
Total		16 +	35

U. Um die Umlaufsgeschwindigkeit zu erlangen, muß der Gesamtum-
lauf GU (16 Milliarden für das Jahr 1896, oder genauer 16,2 Milliarden)
durch den im Jahre 1896 zirkulierenden Geldbetrag G dividiert werden.
Diese Summe wird auf $ 870,000,000 geschätzt. Die Geschwindigkeit ist
daher 16,200,000,000 ~ 870,000,000 = 18,6, oder ungefähr 19 mal für ein
Jahr. Mit anderen Worten: das Geld wurde im Durchschnitt ungefähr
365	19 gehalten, was 19 oder 20 Tage beträgt. Wenn ich auf einen meinem

Ermessen nach hier vorgekommenen Irrtum hinreichend Rücksicht genommen
habe, so handelt es sich höchstens um zwei oder drei Tage. Für das Jahr

1)	Bezüglich einer ausführlicheren Darlegung der Methode zur Abschätzung der Um-
laufsgeschwindigkeit des Geldes und ihrer statistischen Anwendung siehe § 6 des Anhanges
zu diesem (XII.) Kapitel, der mit Revisionen und Zusätzen in einem von mir im Dezember
1909 im Journal of the Royal Statistical Society veröffentlichten Artikel über „A New Method
of estimating the Velocity of Circulation of Money“ besteht. In den dem Anhang (§§ 7
und 8) einverleibten Zusätzen sind die statistischen Einzelheiten der Berechnungen für
die Vereinigten Staaten enthalten.

2)	Zwecks Einzelheiten in bezug auf die Zahlen in dieser Tabelle siehe § 7 des An-
hanges zu diesem (XII.) Kapitel.
        <pb n="255" />
        ﻿236

XII. Kapitel.

1909 wurde die Umlaufsgeschwindigkeit geschätzt als der Gesamtumlauf
(35,1 Milliarden), dividiert durch das in Umlauf befindliche Geld (1,63 Milli-
arden), was 21,5 -f ergibt; d. h. ungefähr 22 mal im Jahr, oder einmal in
17 Tagen. Wir schließen, daß die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes im
Jahre 1896 und die Geschwindigkeit im Jahre 1909 ungef ähr 19— beziehungs-
weise 22 mal betrug, wobei mit einem mutmaßlichen Irrtum, der im Jahre
1896 auf 2 und im Jahre 1909 auf nicht mehr als 1 zu beurteilen ist, gerechnet
werden kann.

Diese Ergebnisse würden dem Gelde einen langsameren Umlauf zu-
weisen, als die meisten der vorgenommenen Schätzungen oder Annahmen.
Wir dürfen aber nicht vergessen, daß Leute wie Nationalökonomen, die am
meisten befähigt sind, über den Umlauf des Geldes nachzudenken, einen
raschen Geldumsatz haben. Sie bewohnen gewöhnlich die Stadt und ge-
hören zu den relativ Wohlhabenden, die, wie wir wissen, ihr Bargeld nicht
lange müssig liegen lassen. Arbeiter, besonders die sparsamen, sowie solche
Personen, die monatlich bezahlt werden, halten ihr Geld oft mehrere Wochen
an der Hand, ohne es auszugeben. Landwirte und andere in wenig be-
völkerten Distrikten lebende Leute behalten es selbst für Monate. Aller
Wahrscheinlichkeit nach ist die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes unter
den verschiedenen Klassen und Ortsverhältnissen grundverschieden.

Wir können nun die Jahre 1896 und 1909 in bezug auf das in Umlauf
befindliche Geld, die Depositenumlaufsmittel, deren Geschwindigkeit und
ihren Gesamtumlauf wie folgt vergleichen:

1.	2.	3.	4.	5.	6.	7.	8.
	G	G'	U	V	GU	G'U'	GU+G'U'
1896	0,87	2,68	19	36	16	97	113
1909	1,63	6,75	22	54	35	364	399

Unsere nächste Aufgabe ist, zwischen die Zahlen 19 (im Jahre 1896)
und 22 (im Jahre 1909) für U weitere Schätzungen einzuschalten. Die
Resultate sind in nachstehender Tabelle veranschaulicht:

Schätzungen von U, von 1896—1909 1).

1896 		19	1903 			 21
1897 .	19	1904			 21
1898	20	1905			 22
1899	22	1906			 22
1900	20	1907			 21
1901	22	1908			 20
1902			 22	1909		

*) Bezüglich der Methode zur Berechnung dieser Tabelle siehe § 8 des Anhanges zu
diesem (XII.) Kapitel.
        <pb n="256" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

237

§5.

Wir haben nun unsere statistische Übersicht der Größen G, G, U,U
auf der linken Seite der Verkehrsgleichung beendet, und es bleiben nur noch
die zwei Größen P und H auf der rechten Seite der Gleichung übrig.

Wir wollen uns zunächst mit H beschäftigen. Die Resultate unserer
Berechnungen sind in nachstehender labeile gegeben, die das Handels-
volumen in Milliarden Dollar, zu den Preisen des Jahres 1909 veranschlagt,
ausdrückt:

Äbgeschätztes Handelsvolumen
(in Milliarden Dollar zu den Preisen des Jahres 1909).

1896			 209	1903			 335
1897			 239	1904			 324
1898			 260	1905			 378
1899		.... 273	1906			 396
1900			 275	1907			 412
1901			 311	1908			 381
1902			 304	1909			 399

Die Tabelle ist in der Weise berechnet worden, daß der Durchschnitt
der Indexnummern der Mengen (nicht der Werte) für verschiedene Umsatz-
gebiete genommen wurde. Die den Handel darstellenden Zahlen haben als
Grundlage die Angaben für 44 Artikel des Binnenhandels, 23 Import- und
25 Exportartikel, Aktienumsätze, Eisenbahnfrachttransporte und durch die
Postverwaltung beförderte Briefe. Die endgültigen Zahlen sind so ein-
gerichtet, daß die für das Jahr 1909 sich ergebende Zahl 399 beträgt, die den
tatsächlichen Geldwert der in diesem Jahre durchgeführten Geschäfte gleich-
kommt, wie er auf der anderen Seite der Gleichung (d. h. GU + G'TJ') dar-
gestellt wird. In ihren gegenseitigen Beziehungen sind die Zahlen für H
von der anderen Seite der Gleichung unabhängig1).

Der einzige übrigbleibende Faktor in der Verkehrsgleichung ist P, die
Indexnummer der Preise. Theoretisch könnte diese aus den bereits abge-
schätzten fünf anderen Größen berechnet werden, vorausgesetzt, daß wir
uns hinsichtlich der absoluten Richtigkeit auf unsere sämtlichen vorher-
gehenden Berechnungen verlassen können. Doch ist es möglich, daß in all
den Größen G, G', U, U' und H Irrtümer vorgekommen sind, und wenn dies
wirklich der Fall ist, so würden diese Irrtümer in verstärkendem Maße in

i\ Bezüglich der genauen Methode zum Aufbau dieser Tabelle (die notwendigerweise
mit großer Mühe verbunden ist) siehe § 9 des Anhanges zu diesem (XII.) Kapitel.
        <pb n="257" />
        ﻿238

XII. Kapitel.

P zum Vorschein gelangen. Es ist daher wichtig, einen derart indirekt be-
rechneten Wert von P durch eine direkt berechnete Statistik zu berichtigen.
Wenn wir dies tun, so sind wir in der Lage, das direkt und das indirekt be-
rechnete P miteinander zu vergleichen. Auf ebensolche Weise können wir,
wenn uns daran gelegen ist, die direkt und indirekt berechneten Werte
von Cr, G', U, U' und H vergleichen. Wir wollen uns auf die Vergleichung
der beiden Werte von P beschränken, da es, wie wir gesehen haben, P ist,
das in Wirklichkeit von den fünf anderen Faktoren in der Verkehrsgleichung
abhängt. Die Werte von P (einschließlich der Preise für Waren, für Wert-
papiere und für geleistete Arbeit), direkt nach den Ziffern für 1909, die
gleich 100 gesetzt werden, sind folgende:

Indexnummern allgemeiner Preise.

1896	..................... 63	1903.

1897	..................... 64	1904.

1898	..................... 66	1905.

1899	..................... 74	1906.

1900	..................... 80	1907,

1901	..................... 84	1908.

1902	..................... 89	1909.

87

85

91

96

97

92
100

Diese Tabelle ist auf die Zahlen des Arbeitsamtes für Engrospreise ge-
gründet. Sie differiert nur unbedeutend mit den Zahlen des Arbeitsamtes
infolge der Tatsache, daß wir hier Preise von Wertpapieren und Löhnen
einschließen1).

Schließlich sollen noch diese eigentlichen Statistiken für P mit dem
indirekt aus den anderen Größen der Verkehrsgleichung berechneten P ver-
glichen werden. Diese Berechnung und Vergleichung wird im folgenden Ab-
schnitt behandelt.

§6-

Wir haben nun die sechs Größen der Verkehrsgleichung für die vierzehn
Jahre von 1896—1909 unabhängig voneinander berechnet. Wir wissen aber,
wie schon früher bemerkt, daß diese sechs Größen durch die Verkehrsgleichung
in gegenseitiger Beziehung stehen. Es ist nun die Frage, ob die so berech-
neten Größen die Verkehrsgleichung tatsächlich annähernd erfüllen.

Ein Weg zur Untersuchung dieser Frage ist der von Kemmerer einge-
schlagene; nämlich eine Vergleichung der Statistiken für einen der Fak-

1) Bezüglich der Methode für die Konstruktion dieser Tabelle siehe § 10 des An-
hanges zu diesem (XII.) Kapitel.
        <pb n="258" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

239

toren (sagen wir P), wie oben direkt berechnet, mit dem, was eine indirekte
Berechnung aus den fünf anderen Größen der Verkehrsgleichung ergeben
würde. Folgende Tabelle zeigt den Wert von P, wie er auf diese zwei Arten
erlangt worden ist:

Direkt und indirekt berechnete Preisindexnummern.

	Direkt  CP)	Indirekt  tGU+G'U')  E
1896		63	64
1897		64	52
1898 		66	56
1899		74	69
1900 		80	68
1901		84	76
1902		89	82
1903 		87	75
1904			85	81
1905 		91	83
1906 		97	90
1907		97	86
1908		92	87
1909		100	100

Die zwischen den beiden Zahlengruppen bestehende Übereinstimmung
wird in Figur 13 ersichtlich.

Die durch die obere und untere Kurve angedeuteten beiden Werte
stimmen auffallend miteinander überein1). Die Genauigkeit ihrer Über-
einstimmung kann auf verschiedene Weise ausgedrückt werden. Die eine
Methode besteht in der Aufzählung der Übereinstimmungen und Nichtüber-
einstimmungen in ihren Richtungsveränderungen oder Krümmungen. Von
12 Wendungen in jeder Kurve stimmen die beiden sechsmal überein, dreimal
stimmen sie nicht überein und dreimal sind sie neutral. Die andere, von
Pearson angewandte Methode besteht in der Berechnung eines sogenannten
„Korrelationskoeffizienten“ (wie er sich ausdrückt). Letzterer zeigt eine
Übereinstimmung von 97 Prozent Vollkommenheit im Vergleich mit
23 Prozent, die Professor Persons von Dartmouth für Kemmerers Zahlen 1 2)
für 1879—1901 fand. Doch, wie bereits erklärt, ist ein Korrelations-

1)	Die dazwischenliegende Kurve wird später erklärt.

2)	„QuarUity Theory as tested ly Kemmerer“, Qmrterly Journal of Economics
1907—1908, S. 287.
        <pb n="259" />
        ﻿240

XII. Kapitel.

koeffizient für zeitlich einander folgende Phänomene leicht irreführend.
Wenn in dem Falle der Zahlen von Kemmerer der Koeffizient 0,23 eine
Unterschätzung des Parallelismus zwischen seinen Kurven war, so über-
schätzt der Koeffizient 0,97 den Parallelismus zwischen den meinen. Diese

Obere fortlaufende Linie: P ursprünglich.

Untere fortlaufende Linie:	J* Ü ursprünglich.

Jtl

Punktierte Linie: P und	—- berichtigt.

J~L

Fig. 13.

Überschätzung kann sich stets sehr leicht ergeben, wenn die beiden zu
vergleichenden Kurven rasch auf- oder absteigen1).

Die geeignetste Methode, einen Korrelationskoeffizienten für aufein-

1) Persons findet z. B. einen Koeffizienten von 0,98 für die Korrelation zwischen
Kemmerers Zahlen für Bankreserven und das in Umlauf befindliche Geld einschließ-
lich der Bankreserven, obwohl die beiden Größen keine sehr große Übereinstimmung in
Schwankungen aufeinanderfolgender Jahre zeigen, sondern nur eine allgemeine Über-
einstimmung in der Tatsache, daß beide schnell ansteigen. Der Koeffizient für Kemmerers
Zahlen für P wird viel höher sein, wenn statt der mit dem Jahre 1879 beginnenden Periode,
die viele Jahre enthält, in denen sich die Preise nicht merklich verändern, die Periode ge-
nommen wird, die zur selben Zeit wie meine eigenen Zahlen beginnt, nämlich im Jahre 1896.
Der Korrelationskoeffizient für Kemmerers Zahlen von 1896 1908 ist 83 Prozent, was
einen viel höheren Prozentsatz ergibt als den, welchen Persons mit der vom Jahre 1879
beginnenden Periode erlangte.
        <pb n="260" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

241

anderfolgende Angaben anzuwenden, scheint die zu sein, daß der Koeffizient
nicht für die rohen Zahlen, sondern für ihre Verhältnisse von Jahr zu Jahr
berechnet wird. Mit anderen Worten: wir setzen in die Tabelle die Verhält-
nisse von P eines jeden Jahres und vergleichen sie mit dem P des vorher-

gehenden Jahres und von

GU + G'U’
H

eines jeden Jahres mit

GU+G'U'

n

des Vorjahres. Sollten die zwei Verhältnisgruppen gleichzeitig steigen
oder fallen, so wiesen die Kurven einen nahen Parallelismus
oder eine Übereinstimmung in ihren aufeinanderfolgenden Veränderungen
in der Richtung auf. Tatsächlich zeigen die Resultate dieser Methode
einen Korrelationskoeffizienten von 57 Prozent (oder 0,57 ± 0,10, mit
einem mutmaßlichen Irrtum von 0,10). Diese Zahl 57 Prozent ist ein
mäßig hoher Korrelationskoeffizientx). Wir können daher den Schluß
ziehen, daß die „Quantitätstheorie“ durch einen hohen Grad von Korre-
lation statistisch bestätigt wird* 2).

Es muß betont werden, daß die soeben gegebenen Korrelations-
koeffizienten das Preisniveau mit dem vergleichen, was es den Statistiken
der fünf Größen gemäß sein sollte, von denen es nach der sogenannten
Quantitätstheorie abhängig ist. Wenn anstatt dieser fünf Größen nur
eine Größe genommen würde, wäre die Korrelation eine geringere. Zieht
man also das Verhältnis von Jahr zu Jahr, so beträgt z. B. der Korrelations-
koeffizient von 1896 bis 1909 für Geld, G, und Preise, P, 43 Prozent (oder
0,43 ± 0,13)3). Selbst dies ist ein verhältnismäßig hoher Grad der
Korrelation.

Wenn die Gegner der „Quantitätstheorie“ dadurch, daß sie den Mangel

*) Niemand wird z. B. in Abrede stellen, daß die Länge und die Breite von Nüssen
in großer Korrelation zueinander stehen. Der Koeffizient ihrer Korrelation ist 57 Prozent.
Die Korrelation der Körperlänge eines Menschen und seinem Gesichtsumfang kann
bis 35 Prozent betragen.

2)	Bei dieser Gelegenheit soll hier der relative Korrelationsgrad der Zahlen Küm-
merers und meiner eigenen einer Vergleichung unterzogen werden. Wir nehmen zu diesem
Zwecke den zwischen den Jahren 1896—1908 liegenden Zeitraum, der für beide Unter-
suchungen die längste Periode bedeutet. Für meine Zahlen beträgt der Koeffizient dieser
Jahre 54 Prozent (oder 0,54 ± 0,11); wohingegen sich der für die Zahlen Kümmerers auf
37 Prozent (oder 0,37 ± 0,14) beläuft. Beide Zahlen wurden mittelst der Methode der
Vergleichung der Relationen von Jahr zu Jahr erlangt. Bei der Methode der An-
wendung absoluter Zahlen beträgt meine Korrelation 95 Prozent und die Kemmerers
83 Prozent.

3)	Bei einer direkten Vergleichung von G mit P beträgt der Korrelationskoeffizient
für 1896—1909 97 Prozent.

bisher, Kaufkraft des Geldes.

16
        <pb n="261" />
        ﻿einer statistischen Übereinstimmung zwischen den beiden Faktoren geltend
machen und jedwede Beziehung zwischen Geld und Preisen in Abrede
stellen, damit bloß sagen wollen, daß sich außer dem Gelde auch die anderen
Faktoren G', U, U’ oder H von Zeit zu Zeit verändern und daß infolgedessen
in Wirklichkeit das Preisniveau mit der Quantität des Geldes nicht genau
übereinstimmend variiert, so ist diese ihre Behauptung allerdings zutreffend.
Aber dieser Einwurf ist von ebenso geringer wissenschaftlicher Tragweite
wie die Behauptung, daß der Druck der Atmosphäre nicht in genauem
Verhältnis zu ihrer Dichtigkeit von einem Tag zum anderen variiert.
Wir wissen, daß der Druck eines Gases bei konstanter Temperatur
direkt wie dessen Dichtigkeit wechselt, daß aber tatsächlich die Temperatur
selten konstant ist. Wer versuchen wollte, die wissenschaftliche Gültigkeit
des Boyleschen Gesetzes von solcher Basis aus zu bestreiten, verriete nur
seine Unkenntnis der wirklichen Bedeutung eines wissenschaftlichen
Gesetzes. Und wenn er die Behauptung durch Aufzeichnung täglicher,
den barometrischen Druck und die atmosphärische Dichtigkeit darstellender
Kurven allen Ernstes „statistisch widerlegen“ wollte, würde er sich wissen-
schaftlichem Spott aussetzen.

Ein jeder, der wirklich die Meinung vertritt, daß das Preisniveau einzig
und allein von der Quantität des Geldes abhängt, sollte gewiß eines besseren
belehrt werden. Die wahre Bedeutung der Sache besteht aber darin, daß die
ökonomische Forschung die Existenz eines Gesetzes der direkten Pro-
portion zwischen der Quantität des Geldes und dem Preisniveau würdigen
sollte, eines Gesetzes, das in der Wirtschaftstheorie des Geldes ebenso wahr,
ebenso wichtig und fundamental ist, wie das Boylesche Gesetz direkter
Proportion zwischen Dichtigkeit und Druck in der physikalischen Theorie
der Gase wahr, wichtig und fundamental ist. Meiner Meinung nach ist die
so häufige Nichterfassung der Existenz dieses Gesetzes zum großen Teil
dem Mangel eines klaren Begriffes der involvierten Größen zuzuschreiben.
G und P scheinen die einzigen Größen zu sein, die von vielen die Sache
Studierenden wirklich verstanden werden. G’, U, U’ und E werden nur
selten erörtert, wenn überhaupt erwähnt. Aber erst, wenn der Gegenstand
durch Zahlen, die die tatsächlichen Depositenumlaufsmittel, die Umlaufs-
geschwindigkeit und das Handelsvolumen bewerten, auf eine statistische
Grundlage gestellt ist, wird man zugeben, daß diese Größen eine wahre
Existenz und Bedeutung haben.

Doch sollte die Quantitätstheorie für jedermann mit unparteiischem
Urteil auch ohne eine solche Kontrolle hinreichend sichergestellt erscheinen.
Der beste Beweis für sie muß stets a 'priori sein, d. h. nicht in dem Sinne,
        <pb n="262" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

243

wie er in der Beweisführung abstrakter mathematischer Behauptungen zur
Anwendung kommt, aber in dem gleichen Sinne, wie es der Beweis für das
Boylesche Gesetz ist. So ist durch Induktion bekannt, daß der Druck
eines eingeschlossenen Gases durch das Bombardement der umgebenden
Wände durch seine Moleküle veranlaßt wird. Ebenso ist durch Induktion
bekannt, daß der Druck im Verhältnis zur Häufigkeit des Anpralles stehen
muß, vorausgesetzt, daß die Geschwindigkeit der Moleküle eine beständige
ist. Und schließlich ist bekannt, daß die Frequenz des Anstoßes mit der
Anzahl der Moleküle, d. h. mit der Dichtigkeit des Gases im Verhältnis
stehen muß und daß Beständigkeit in der Geschwindigkeit Beständigkeit
in der Temperatur bedeutet. Es folgt daraus, daß bei konstanter Tem-
peratur der Druck im Verhältnis zur Dichtigkeit steht. Aus der induktiv
gewonnenen Kenntnis der individuellen Druckkräfte des aus Molekülen
bestehenden Gases können wir also deduktiv den allgemeinen Druck eines
Gases begründen.

In ähnlicher Weise können wir — wie bei den Molekülen — aus der
induktiv gewonnenen Kenntnis des individuellen Austauschs, der den Ge-
samtaustausch der menschlichen Gesellschaft zusammensetzt, deduktiv die
allgemeine Verkehrsgleichung begründen.

Glücklicherweise können wir genau so, wie das Boylesche Gesetz
sowohl deduktiv als auch induktiv aufgestellt worden ist, nun erklären, daß
die Verkehrsgleichung sowohl deduktiv, als auch induktiv hinreichend auf-
gestellt worden ist.

Wie bereits früher bemerkt, kann die Aufstellung der Verkehrs-
gleichung nicht die vollständige Aufstellung der Quantitätstheorie des
Geldes bedeuten, denn die Gleichung gewährt keinerlei Aufklärung,
welche Faktoren Ursachen und welche Wirkungen sind. Diese Frage ist
jedoch im VIII. Kapitel beantwortet worden.

§?•

Wer an einen Mpnon-Beweis der Verkehrsgleichung glaubt, sollte unter
der wahren Bedeutung der bemerkenswerten Übereinstimmung in unseren
statistischen Resultaten nicht verstehen, daß die Gleichung durch die Zahlen,
sondern die Zahlen durch die Gleichung bestätigt werden. Allerdings sind
in unserer induktiven Beweisführung Verschiedenheiten aufzuweisen, doch
liegen diese samt und sonders richtig innerhalb der Fehlergrenzen der
Messung. Die Abweichungen beweisen, daß bei den Zahlen gering-
fügige Irrtümer unterlaufen sind, denn sonst würden sie mit dem

IG*
        <pb n="263" />
        ﻿

durch die Verkehrsgleichung vorgeschriebenen Verhältnis genau über-
einstimmen.

Unsere nächste Aufgabe ist nun, die Abweichungen zu prüfen und, so-
weit angängig, die vorkommenden Irrtümer festzustellen. Der Grad der
totalen gegenseitigen Abweichung zwischen den unabhängig berechneten
Größen wird am besten durch den Grad der Ungleichheit zwischen den be-
rechneten Werten von GU + G'U’ und PH ausgedrückt, die gleich sein
sollten. Das heißt, PH dividiert durch GU + G'U' sollte stets gleich eins
sein. Die tatsächliche Division ergibt die in nachstehender Tabelle unter
der mit „Ursprünglich“ betitelten Kolonne aufgeführten Zahlen. Die andere
Kolonne soll sofort erklärt werden.

Ursprünglich und reduziert berechnetes Verhältnis von PH zu GU + G'U'.

1.	2.	3.
	Ursprünglich	Reduziert
1896		1,17	1,06
1897		1,24	1,13
1898		1,18	1,07
1899		1,06	0,95
1900		1,17	1,06
1901		1,11	1,00
1902		1,08	0,97
1903		1,16	1,05
1904		1,06	0,95
1905		1,09	0,98
1906 		1,08	0,97
1907		1,13	1,02
1908		1,05	0,94
1909		1,00	0,89

Die Zahlen der zweiten Kolonne zeigen, daß die aus PH berechneten
Werte stets größer sind, als die von GU + G'U' berechneten, und daß der
Überschuß zwischen 24 Prozent und 0 variiert und einen Durchschnitt von
11 Prozent aufweist.

Diese Abweichungen zwischen PH und GU + G'U' können jedoch
durch bloße Veränderung der verwendeten Basispreise verringert werden.
Bisher haben wir das Preisniveau des Jahres 1909 als Basis genommen.
Da aber die Indexnummern nur eine relative Bedeutung haben, so steht
es uns frei, irgendeine andere Zahlengruppe zu wählen, vorausgesetzt,
daß dieselben relativen Größen beibehalten werden. Diesem Vorrechtege-
        <pb n="264" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

245

maß wollen wir nun sämtliche Zahlen für P um 11 Prozent, den Durch-
schnitt der ursprünglichen Verschiedenheiten, reduzieren. Das Resultat
ist, daß PH um 11 Prozent erniedrigt und die Reihe der in der zweiten
Kolonne angegebenen Abweichungen auf (annähernd) die der dritten
Kolonne abgeändert wird. Diese Zahlen variieren zwischen 13 Prozent
über und 11 Prozent unter eins. Die Irrtümer sind ganz geringfügig —
tatsächlich viel geringer als angesichts des unvollständigen und unzu-

Fortlaufende Linien: G und G' ursprünglich.
Punktierte Linien: G und G' berichtigt.
Fig. 14.

verlässigen Charakters gewisser uns zur Verfügung stehender Angaben er-
wartet werden kann.

Es ist nun die Frage: Wo liegt die Schiüd für die durch die vorhandenen
geringen Abweichungen angezeigten Irrtümer ? Ist G, G', U, V, P oder fl
für diese verantwortlich zu machen? Wie können wir die von uns berech-
neten Zahlen berichtigen? Nach allgemeinem Grundsätze ist zu schließen,
daß die kleinsten Korrekturen die richtigsten sind. Die geringfügigsten
Korrekturen bedeuten eine gegenseitige Ausgleichung der sechs Faktoren
untereinander, wobei jede Adjustierung eine die vorhandene Abweichung
        <pb n="265" />
        ﻿246

XII. Kapitel.

verringernde Richtung verfolgt. In diesem Sinne wird jedem Faktor, so wie
er berechnet ist, ein gewisser Wert zugeschrieben und ihm ein Einfluß auf
die Berichtigung der anderen Faktoren gegeben, wodurch jeder Faktor
nur einer äußerst geringen Abänderung bedarf. Die Änderungen in den
verschiedenen Faktoren werden im Verhältnis zu ihrer relativen vermut-
lichen Irrtumstendenz gemacht.

Die Resultate sind in Figur 14, 15, 16 und in der bereits erwähnten
Figur 13 veranschaulicht. Jede Figur bezieht sich auf einen der Faktoren

Fortlaufende Linien: V und U' ursprünglich.

Punktierte Linien: U und U' berichtigt.

Fig. 15.

der Verkehrsgleichung, wie sie ursprünglich berechnet und schließlich be-
richtigt wurden (punktierte Linien). Auf diese Weise ausgeglichen, stimmen
die Faktoren mit dem Erfordernis der Verkehrsgleichung übereinx).

Aus Figur 14 ersehen wir, daß die in den Zahlen für G und G' gemachten
Abänderungen so unbedeutend sind, daß sie beinahe nicht beachtet zu werden
brauchen; sie betragen gewöhnlich viel weniger als 1 Prozent. Die in
Figur 15 angegebenen Abänderungen von U und U' sind zwar etwas größer,
doch ebenfalls von geringer Bedeutung und betragen gewöhnlich weniger

D Bezüglich der Berichtigungsmethode siehe § 11 des Anhanges zu diesem (XII.)
Kapitel.
        <pb n="266" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

247

als 2 Prozent. Die in Figur 16 veranschaulichten Abänderungen in II sind,
wenngleich größer als die vorhergehenden, nichtsdestoweniger so unbedeutend
und gleichförmig, daß sie einen fast vollkommenen Parallelismus zwischen der
ursprünglichen und der abgeänderten Kurve ergeben. Die Differenzen
überschreiten selten 10 Prozent. Die in P vorgenommenen Abänderungen
wurden bereits in Figur 13 gegeben, in der die obere Kurve die ursprünglichen
und die punktierte oder mittlere Kurve die abgeänderten Zahlen für P dar-
stellt. Auch hier ist ein äußerst naher Parallelismus zwischen den ursprüng-

Fortlaufende Linie: H ursprünglich.

Punktierte Linie: H berichtigt.

Fig. 16.

liehen und den abgeänderten Kurven klar ersichtlich. Die Differenzen über-
steigen selten 3 Prozent.

Gewiß könnte auch der anspruchsvollste Kritiker keine größere Folge-
richtigkeit der Resultate und Übereinstimmung mit der Theorie der Ver-
kehrsgleichung verlangen, als diese Statistiken zeigen. Die Berichtigungen,
die für notwendig erachtet wurden, um die in der zuerst berechneten Weise
erlangten sechs Zahlen in vollkommene Übereinstimmung zu bringen, sind
geringer, als der mutmaßliche Irrtum in diesen Zahlen selbst. Ich hatte
■—- kurz vor meiner Kenntnis, wie sehr die Schlußresultate harmonieren —
gewisse ungefähre Abschätzungen der wahrscheinlichen Irrtüiner vorge-
nommen, die im Anhang vermerkt wurden. Der mutmaßliche Irrtum von
        <pb n="267" />
        ﻿248

XII. Kapitel.

G kann auf 2 bis 3 Prozent geschätzt werden, von G' ebenfalls auf 2 bis 3
Prozent, von U, U', P und E auf je 5 bis 10 Prozent. Mit anderen Worten:
Unsere statistischen Angaben wurden für nur ungefähr und annähernd ge-
halten. Der schließlich nötige „statistische Ausgleich“, um die Zahlen mit-
einander in Einklang zu bringen, überstieg, wie wir gesehen haben, selten
2 Prozent, und zwar: weniger als 1 Prozent für G und G\ weniger als
2 Prozent für U und U', weniger als 3 Prozent für P und weniger als
10 Prozent für H. Wir schließen hieraus, daß die Zahlen besser zueinander
passen, als bei ihrem uns bekannten Mangel an Präzision erwartet werden
konnte.

Die Berichtigungen, die wir den verschiedenen Faktoren angedeihen
ließen, sind so unerheblich, daß eine besondere Erklärung derselben gewagt
wäre. Die Irrtümer, die sie mutmaßlich darstellen, können auf die ver-
schiedensten Quellen zurückgeführt werden, z. B. auf den wachsenden An-
teil der Bankübertragung zum Unterschied von den gewöhnlichen Scheck-
transaktionen in den Gesamtumsätzen des New Yorker Clearinghauses, oder auf
Irrtümer oder Ungleichheiten in den Statistiken des Getreidehandels usw.:
ferner auf Über- oder Unterschätzungen der besonderen, von normalen
Verhältnissen abweichenden Tage im Jahre 1896 und 1909, an denen die in
den Banken geführten Statistiken über die Depositen gesammelt wurden, und
schließlich auf eventueller Über- und Unterschätzung nichtgemeldeter De-
positen und des in den Vereinigten Staaten vorhandenen Goldes, der Lohn-
zahlungen, und auf eine Anzahl anderer untergeordneter, wenn auch nur auf
Vermutungen gegründeter Elemente in unseren Berechnungen.

Die soeben erwähnten Fehlerquellen wurden in der Reihenfolge ihrer
mutmaßlichen Bedeutsamkeit aufgeführt. Es ist bezeichnend, daß die Jahre
1896 bis 1898, für die die unvollkommensten Angaben für H vorliegen,
sowie die Jahre 1900, 1903 und 1907, welche Jahre der Krise bzw.
drohender Krise bedeuten, die größten Abweichungen aufweisen.

§8.

Nachdem in den sechs Größen der Verkehrsgleichung die oben-
genannten gegenseitigen Berichtigungen vorgenommen worden sind,
erhalten wir die nachstehenden, in den punktierten Kurven dargestellten
Zahlen, die unsere Schlußtabelle der Werte für G, Gr, U, Ur, P und H
konstituieren:
        <pb n="268" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

249

Endgültig berichtigte Werte der Elemente in der Verkehrsgleichung.

(Die Ziffern der Jahre 1910—1912 siehe S. 415.)

	G	G'	U	V	P	H	GU	G'U'	GU G'U’ u .PH
1896		0,88	2,71	18,8	36,6	60,3	191	16	99	115
1897		0,90	2,86	19,9	39,4	60,4	215	18	112	130
1898		0,97	3,22	20,2	40,6	63,2	237	20—	131—	150
1899		1,03	3,88	21,5	42,0	71,6	259	22	163	185
1900		1,18	4,44	20,4	38,3	76,5	253	24	170	194
1901		1,22	5,13	21,8	40,6	80,5	291	27	208	235
1902		1,25	5,40	21,6	40,5	85,7	287	27	219	246
1903		1,39	5,73	20,9	39,7	82,6	310	29	227	256
1904		1,36	5,77	20,4	39,6	82,6	310	28	228	256
1905		1,45	6,54	21,6	42,7	87,7	355	31+	279 +	311
1906		1,58	6,81	21,5	46,3	93,2	375	34	315	349
1907		1,63	7,13	21,3	45,3	93,2	384	35	323	358
1908		1,62	6,57	19,7	44,8	90,3	361	32	294	326
1909		1,61	6,68	21,1	52,8	100,0	387	34	353	387
1910		1,69	7,23	21,0	52,7	104,0	399	34	381	415
1911		1,64	7,78	21,0	49,9	102,2	413	34	388	422
1912		1,71	8,17	22,0	53,4	105,3	450	38	436	474

Von dieser Tabelle, die die Vorzüge unabhängiger Berechnung der
Faktoren G, G\ U, U', P und H mit den Berichtigungen vereinigt, die für
jeden einzelnen Faktor nötig waren, um ihn mit den anderen Faktoren über-
einstimmend zu gestalten, kann man behaupten, daß sie in bezug auf diese
Größen die bestmöglichen Daten liefert.

Diese Zahlen oder die punktierten Kurven in den vorhergehenden
Diagrammen zeigen, daß sich das in Umlauf befindliche Geld (G) in dreizehn
Jahren beinahe verdoppelt hat, daß seine Umlaufsgeschwindigkeit (U) um
nur 10 Prozent zunahm, daß sich die Depositenumlaufsmittel beinahe ver-
dreifachten, daß ihre Umlaufsgeschwindigkeit (£/') eine Zunahme von
50 Prozent aufweist, ferner, daß sich das Handelsvolumen verdoppelte
und daß die Preise um zwei Drittel gestiegen sind.

Diese Kesultate sind nicht überraschend, sondern, meiner Meinung nach,
genau so wie wir sie erwarten konnten. Nichtsdestoweniger sind die Ergeb-
nisse fast sämtlich neu. Die Zahlen für das in Umlauf befindliche Geld
(G) unterscheiden sich nicht wesentlich von den in amtlichen Dokumenten
gegebenen und von den von Kemmerer gebrauchten Zahlen. In gleicher
Weise sind die Zahlen für die Preisindexnummern in der Hauptsache auf die
seitens des Arbeitsamtes der Vereinigten Staaten veröffentlichten Index-
        <pb n="269" />
        ﻿250

XII. Kapitel.

nummern für Engrospreise gegründet und diesen sehr ähnlich. Die Stati-
stiken für das Handelsvolumen sind samt und sonders neu konstruiert
worden und differieren einigermaßen von den durch Kemmerer aufge-
stellten Statistiken, die ihre einzigen Vorläufer sind. Die Statistiken für die
dem Scheckverkehr unterworfenen Depositen ((?') werden hier zum ersten-
mal veröffentlicht. Die Statistiken der Umlaufsgeschwindigkeit der
Bankdepositen (£/') sind, mit Ausnahme der über die Tätigkeit von Bank-
abrechnungen in europäischen Banken, die ersten ihrer Art. Und schließ-
lich sind die Statistiken der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes (U) in
ihrer Art neu.

Mit diesem Zahlenmaterial sind wir in der Lage, uns ein ziemlich korrektes
statistisches Bild des Zirkulationssystems in den Vereinigten Staaten zu
machen. Den Aufzeichnungen vom Jahre 1909 gemäß beträgt das in tat-
sächlichem Umlauf befindliche Geld (0) 1,6 Milliarden Dollar oder $ 18
pro Kopf der Bevölkerung (bedeutend weniger als die für den Umlauf mit
$ 35 gegebene amtliche Zahl); die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes (17)
beträgt einundzwanzigmal per Jahr. Die Depositenumlaufsmittel ((?') be-
tragen 6,7 Milliarden oder $ 74 per Kopf, d. h. den vierfachen Betrag des
Geldes; die Umlaufsgeschwindigkeit dieser Depositen beträgt dreiundfünfzig -
inal per Jahr, d. h. das Zweieinhalbfache der des Geldes. Der Gesamt-
umlauf des Geldes oder die damit erledigten Zahlungen (Gü) belaufen sich
auf 34 Milliarden per Jahr. Der Umlauf der dem Scheckverkehr unter-
worfenen Depositen oder der durch Scheck vorgenommenen Zahlungen
('G'U') beläuft sich auf 353 Milliarden, d. h. zehnmal mehr oder nahezu
eine Milliarde pro Tag. Die zu gegenwärtigen Preisen durch geführten Ge-
schäfte (Gü + G'U' oder PH) ergeben somit die enorme Gesamtsumme von
387 Milliarden oder mehr als eine Milliarde pro Tag. Die Höhe dieses Aggre-
gates wird sicherlich viele Leser in Erstaunen setzen. Durch den Mangel
an tatsächlichen Statistiken haben wir uns von der kolossalen Ausdehnung
unseres Handels kaum eine Vorstellung machen können. Außer den Stati-
stikern haben wohl wenige Personen daran gedacht, daß unser Import- und
Exporthandel, die in unseren politischen Wahnbildern einen so großen Raum
einnehmen, im Vergleich zu dem Innenhandel zur äußersten Bedeutungs-
losigkeit herabsinken. Der gesamte Export und Import beläuft sich nur
auf armselige 3 Milliarden im Vergleich zu dem gesamten nationalen Handel
von 387 Milliarden.

Wir sind nun in der Lage, die ganze in der letzten Tabelle gegebene
Zahlengruppe durch eine mechanische Illustration, vrie solche bereits in
früheren Kapiteln zur Anwendung kamen, zur Darstellung zu bringen.
        <pb n="270" />
        ﻿Das durch einen Geldbeutel versinnbildlichte Gewicht j stellt G, das in den Vereinigten Staaten
in Zirkulation befindliche Geld (d. h. alles außerhalb des fcllA Schatzamtes der Vereinigten Staaten und
der Banken befindliche Geld) dar. Es beläuft sich gewöhnlich	auf 1—2 Milliarden Dollar ($ in Billions).

Das Hebelarmverhältnis dieses Geldbeutels oder seine Entfernung vom Drehpunkte der Wage reprä-
sentiert 17, die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes. Das Geld wird gewöhnlich zirka 20 mal im Jahr umgesetzt.

veranschaulicht G', die Bank-
Milliarden Dollar) ($ in Billions).
TJ', die Umlaufsgeschwindigkeit

Das durch ein Bankdepositenbuch versinnbildlichte Gewicht
depositen, gegen die Schecks gezogen werden (gewöhnlich 3—8
Das Hebelarmverhältnis dieses Bankdepositenbuches stellt
(„Lebhaftigkeit“) dieser Depositen dar. Die Depositen werden gewöhnlich 40—50 mal im Jahr umgesetzt.

Das durch eine mit Spezereiwaren gefüllte Wagschale ^	versinnbildlichte Gewicht ver-
anschaulicht H, das in „Einheiten“ (Units) ausgedrückte	Handelsvolumen, wobei jede

„Einheit“ (Unit) die Quantität bedeutet, die im Jahre 1909	für $ 1 gekauft werden konnte.

Das Hebelarmverhältnis dieser Wagschale stellt P, d. h. die als Prozentsatz der Preise vom Jahre
1909 bemessene indexnummer der Preise dar.

in i i|i mrn 111rrmi iHflmi

iinri|vnir

i ipi n 11111111 iTT{'rri n i ii q n 11 p if i[ i n 11111 rp 111| h i f r

1896

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HnTT|inrpirryrTTT;nmn ii |mrpmnTni|i

n ii iriiTiTtm ‘ wii—v

J22____1(Q—iaJ

1897

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■iTnn1imimipiii|iiiiTim|mi|,i tTi|nirpHi|Mnpinpii|«iT]mipni|MW|iiiitii|i|iinTmiTmi|'iiii

fuim|||m^rn||||||u||i||iv|Trr|i|m|mi[|iii|||||||iniTnnr|n[TrrTTHriji|||||,f|||||n’rn^~^

1900

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1903

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1904

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1905



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Eig. 17.

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t
        <pb n="271" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

251

Dies ist in Figur 17 geschehen, die auf den ersten Blick den Verlauf aller
sechs Größen für einen Zeitraum von vierzehn Jahren veranschaulicht
und im ganzen 84 statistische Zahlen aufweist. Mittelst dieses Schaubildes
kann man sich von dem Ansteigen der Preise, das während dieser vierzehn
Jahre vor sich ging, eine Vorstellung machen (Verlängerung des rechten
Armes) und gleichzeitig die Veränderungen in allen fünf Faktoren ersehen,
von denen diese Preiserhöhung abhängt. Alle hier dargestellten 6 Größen
enthalten natürlich die bezüglichen Berichtigungen, so daß sie gegenseitig
miteinander übereinstimmen und die beiden Seiten der Wage sich im Gleich-
gewichte befinden. Das stetige Anwachsen des in Umlauf befindlichen
Geldes wird durch die zunehmende Größe des angehängten Geldbeutels
angezeigt; das ähnliche, jedoch raschere Anwachsen der dem Scheckverkehr
unterworfenen Depositen wird durch die Zunahme in dem Umfang des Bank-
buches veranschaulicht; die geringere Zunahme der Umlaufsgeschwindig-
keit dieser beiden Austauschmittel wird durch die Verlängerung der beiden
Arme zur Linken des Drehpunktes der Wage angezeigt. Durch das Zu-
sammenwirken sämtlicher vier Faktoren wurde ein Steigen der Preise herbei-
geführt. Der einzige Faktor, der dem Steigen Widerstand leistete, ist die
Zunahme im Handel, die durch die zunehmende Größe der zur Hechten
hängenden Wagschale veranschaulicht wird und die einer Reduzierung
der Preise zustrebte.

Wir haben hier ein vollständiges quantitatives Bild der Ursachen, die
während der letzten vierzehn Jahre auf das Preisniveau einwirkten, oder
jedenfalls aller unmittelbaren Ursachen, denn es liegen, wie wir gesehen haben,
hinter den fünf unmittelbaren Ursachen eine große Anzahl vorhergehender
Ursachen.

Welches sind nun, kurz zusammengefaßt, die geschichtlichen Tatsachen?
Es sind folgende: Die Preise sind vom Jahre 1896 bis 1909 um ungefähr
zwei Drittel gestiegen. Dies geschah trotz der Verdoppelung im Handels-
volumen und infolge 1. einer Verdoppelung des Geldes, 2. einer Verdrei-
fachung der Depositen und 3. und 4. leichten Wachstums der Umlaufs-
geschwindigkeiten.

§9.

In bezug auf die wichtigsten Ursachen, die während der letzten Jahre
ew Steigen der Preise hervorriefen, hat es lebhafte Erörterungen gegeben.
Es ist daher von Interesse, die vier unmittelbaren Ursachen, die, wie uns
bekannt, während der Periode 1896 bis 1909 auf eine Erhöhung der Preise
gerichtet waren, einer Vergleichung zu unterziehen. Die einfachste und beste
        <pb n="272" />
        ﻿252

XII. Kapitel.

Methode besteht vielleicht darin, daß man das tatsächliche Steigen der
Preise mit dem vergleicht, wie es gewesen wäre, wenn eine der Ursachen dieses
Steigens nicht vorhanden gewesen wäre. Das heißt, wir wollen die Bedeutung
eines jeden der preissteigernden Faktoren prüfen, indem wir die Frage
beantworten: Wie gestalten sich die Preise, wenn dieser oder jener Faktor
vertreten ist oder nicht ? Wie wir sehen werden, ist das Anwachsen des Geldes
die bei weitem wichtigste Ursache. Das Anwachsen der Depositen ist von
geringerer Bedeutung, als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Wenn
die Depositen als vom Gelde unabhängig anzusehen wären, wäre ihre Ver-
mehrung als die wichtigste Ursache zu betrachten. Doch sind die Depositen
nicht unabhängig. Wir wissen, daß unter normalen Umständen die Depo-
siten mit dem in Umlauf befindlichen Gelde steigen oder fallen. Wenn also
die Depositen genau ebenso schnell und nicht schneller wie das Geld zu-
genommen hätten, so wäre die ganze Zunahme dem Gelde allein beizumessen.
In diesem Falle wäre keinerlei Anteil an der Preissteigerung einer Zunahme
in den Depositen zuzuschreiben, denn außer der durch die Zunahme im
Gelde veranlaßten Preiserhöhung hätte es keine solche gegeben. Die Zu-
nahme in den dem Scheckverkehr unterworfenen Depositen kann nur inso-
weit als von der Zunahme des Geldes unabhängig betrachtet werden, als sich
die Depositen im Verhältnisse zum Gelde vermehrt haben. Wir haben
gesehen, daß unter normalen Umständen eine bloße Zunahme des Geldes aus
sich selbst heraus eine verhältnismäßige Zunahme der Depositen hervorrufen
würde; daher sollte nur die ««verhältnismäßige Zunahme in den Depositen von
der im Gelde getrennt als eine Ursache des Steigens der Preise betrachtet
werden. Die richtige Methode, die Depositen als eine Ursache für sich zu
betrachten, scheint darin zu bestehen, daß diese relativ zum Gelde berechnet

Q?

werden. Das heißt, nicht Q', sondern — ist die in Betracht zu ziehende

G

Größe1).

Als die einzigen Ursachen des während der Periode 1896 bis 1909 statt-
gefundenen Steigens der Preise können wir daher die folgenden vier be-
trachten :

1.	Die Zunahme des in Umlauf befindlichen Geldes, d. i. die Zunahme in G.

2.	Die Zunahme in den relativen Depositen, d. h. die Zunahme
. G'

1) Siehe § 1 des Anhanges zum III. Kapitel, in dem diese Größe (relative Depositen)
behandelt und durch den Buchstaben k dargestellt ist.
        <pb n="273" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

253

3.	Die Zunahme in der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes, d. h. die
Zunahme in ü.

4.	Die Zunahme in der Umlaufsgeschwindigkeit der Depositen, d. h.
die Zunahme in U'.

Der das Preisniveau bestimmende fünfte baktor, nämlich H, hatte,
wie uns bekannt, die Tendenz zu einer Herabsetzung der Preise.

Wir gehen nun dazu über, festzustellen, welches die gesonderten Wir-
kungen dieser vier preiserhöhenden und der einen preiserniedrigenden Ur-
sache auf die Preise sein würden. Wir wollen also wissen, wie sich das Preis-
niveau im Jahre 1909 unter folgenden fünf Umständen hätte gestalten müssen:

1.	Wenn das Quantum des in Umlauf befindlichen Geldes (G) seit dem
Jahre 1896 nicht erhöht worden wäre,

2.	wenn in den relativen Depositen - seit 1896 keine Vermehrung ein-

Cr

getreten wäre,

3.	wenn sich die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes (U) seit 1896
nicht erhöht hätte,

4.	wenn in der Umlaufsgeschwindigkeit der Depositen (TJ') seit dem
Jahre 1896 keine Erhöhung zu verzeichnen gewesen wäre,

5.	wenn das Handelsvolumen seit 1896 nicht zugenommen hätte, wobei
wir in jedem Falle annehmen, daß alle anderen vier Faktoren genau in der-
selben Weise zugenommen haben, wie dies wirklich geschehen ist. Wir
haben bisher das tatsächliche Preisniveau des Jahres 1909 als 100 Prozent
genommen und wollen es auch weiter beibehalten, indem wir auf dieser
Basis darstellen, welches das Preisniveau unter jeder einzelnen der vor-
genannten fünf Hypothesen gewesen wäre. Wir kommen zu den folgenden
Kesultaten1):

Hätte keine Zunahme stattgefunden

1.	des Geldes (G), so wäre das Preisniveau vom Jahre 1909 55 anstatt 100
gewesen,

J) Die erforderlichen Berechnungen sind ebenso Max ersichtlich wie einfach. Sie
bestehen darin, daß an Stelle aller Faktoren auf der rechten Seite der Gleichung

H

außer einem einzigen die bereits für 1909 erlangten Statistiken gesetzt werden und an Stelle
des übrigbleibenden einen Faktors die für 1896 gegebene Zahl. Dieser übrigbleibende eine
Faktor ist für die erste Hypothese G, für die zweite G'/G, für die dritte ü, für die vierte
V' und für die fünfte H.
        <pb n="274" />
        ﻿254

XII. Kapitel.

2.	der relativen Depositen wäre das Preisniveau von 1909 77
anstatt 100 gewesen;

3.	der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes (27), wäre das Preisniveau
von 1909 99 anstatt 100 gewesen;

4.	der Umlaufsgeschwindigkeit der Depositen (Uwäre das Preis-
niveau von 1909 72 anstatt 100 gewesen;

5.	des Handelsvolumens (H), wäre das Preisniveau von 1909 206 an-
statt 100 gewesen.

Mit anderen Worten: Fehlte das Anwachsen

1.	des Geldes (0), dann wären die Preise um 45 Prozent niedriger gewesen;

2.	der relativen Depositen dann wären die Preise 23 Prozent

W

niedriger gewesen;

3.	der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes (27), dann wären die Preise
um 1 Prozent niedriger gewesen;

4.	der Umlaufsgeschwindigkeit der Depositen (27'), dann wären die
Preise 28 Prozent niedriger gewesen;

5.	des Handelsvolumens (H), dann wären die Preise um 106 Prozent
höher gewesen.

Die vier preissteigernden Ursachen können daher in der folgenden
Reihenfolge ihrer relativen Bedeutung aufgestellt werden:

Ohne Anwachsen von 27 wären die Preise um 1 Prozent niedriger ge-
wesen, als sie es waren.

Cr'

Ohne Anwachsen von -=• wären die Preise um 23 Prozent niedriger
Cr

gewesen, als sie es waren.

Ohne Anwachsen von 27' wären die Preise um 28 Prozent niedriger
gewesen, als sie es waren.

Ohne Anwachsen von G wären die Preise um 45 Prozent niedriger
gewesen, als sie es waren.

Wir ziehen daher den Schluß, daß die Zunahme in der Umlaufsge-
schwindigkeit des Geldes ein unbedeutender Faktor im Steigen der Preise
war, ferner, daß das relative Anwachsen der Depositen und deren Geschwindig-
keit bedeutende Faktoren waren und daß in der Zunahme des Geldes der
wichtigste Faktor zu erblicken ist. Den vorstehenden Zahlen gemäß hat
die Zunahme des Geldes als preissteigernder Faktor ziemlich genau die
doppelte Bedeutung wie die der relativen Depositen und eine etwas über
50 Prozent höhere Bedeutung, als die ihrer Umlaufsgeschwindigkeit.
        <pb n="275" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

255

§ io.

In Wirklichkeit ist aber die volle Wirkung der Zunahme in der Quan-
tität des Geldes sogar größer, als diese Zahlen anzeigen, denn wir haben die
Wirkung nicht inbegriffen, die durch das Überfließen des Geldes nach Europa
verursacht wurde, das wiederum in der großen Zunahme an Bankdepositen
in Amerika seinen Grund hatte. Daß dieses Überfließen in Anschlag zu
bringen ist, liegt auf der Hand, und zwar insofern, als sich die anderen drei
preissteigernden Faktoren dadurch, daß sie das Geld hinausdrängten und
sich dessen Platzes bemächtigten, einen übertriebenen Anschein von Be-
deutung gegeben haben. Mit anderen Worten: Die Zunahme im Gelde
war größer, als aus den Zahlen der Vereinigten Staaten ersichtlich ist, und
zwar um das Quantum, das in fremde Länder überfloß. Die Vereinigten
Staaten nehmen auf dem Weltmärkte nur einen kleinen Raum ein, und das
Preisniveau dieses Landes wird zum großen Teil durch das Weltpreisniveau
bestimmt. Was auch immer die Preise in einem Lande erhöht, hat die Ten-
denz, die Preise auch in anderen Ländern zu erhöhen, und das einzig richtige
Verfahren, um die relative Bedeutung der preissteigernden Ursachen zu be-
werten, besteht letzten Endes darin, daß man die Welt als ein Ganzes be-
trachtet. Wenn die für die Vereinigten Staaten ausgearbeiteten Statistiken
für die ganze Welt typisch wären, so wäre die sich ergebende Abschätzung
der relativen Bedeutung der vier preissteigernden Ursachen für die ganze
Welt gültig. Doch liegt ein gewichtiger Grund zu der Annahme vor, daß
das Wachsen der Depositen und ihrer Geschwindigkeit bei dem Steigen der
Preise in den Vereinigten Staaten eine viel größere Rolle gespielt hat, als
sonstwo. Dieser Grund besteht in der Tatsache, daß sich das Bankwesen
in Frankreich und in den meisten anderen Ländern noch im Anfangsstadium
befindet. Dieses Bankwesen ist so belanglos, daß, selbst wenn es in jenen
Ländern gewaltige Fortschritte machen sollte, bei dem Steigen der Preise
noch immer als ein relativ unwesentlicher Faktor figurieren würde. Mensch-
heitlich gesprochen können wir also sicher sein, daß das Steigen der Preise
außerhalb der Vereinigten Staaten sogar in höherem Grade dem Anwachsen
des Geldes (Gold) zuzuschreiben ist, als in den Vereinigten Staaten.

Wir können also mit großer Zuverlässigkeit schließen, daß in der Haupt-
sache die Zunahme in den Goldbeständen der Welt für das Steigen der Welt-
preise verantwortlich zu machen ist. Aus dem Gesagten geht wohl hervor,
warum in den letzten drei Jahren keine tatsächliche Zunahme in der Quan-
tität des in den Vereinigten Staaten in Umlauf befindlichen Geldes zu ver-
zeichnen war. Es wurde hinausgedrängt oder durch die ungewöhnlich große
        <pb n="276" />
        ﻿256	XII. Kapitel.

Zunahme in den amerikanischen Depositen und ihrer Umlaufsgeschwindigkeit
am Zunehmen verhindert.

Außer den Weltpreisbewegungen gibt es aber auch speziell lokale Preis-
bewegungen. Alles was störend auf den Handel einwirkt, wie dies mit dem
Zolltarif der Fall ist, hat die Tendenz, das Steigen der Preise ungleich zu ge-
stalten. Es bleibt uns daher noch die Frage bezüglich der speziellen Ein-
wirkungen auf das amerikanische Preisniveau z. B. der des Zolltarifs, der
seine Wirkung durch G geltend macht.

Wie bereits in einem früheren Kapitel erwähnt, hat ein zum Gesetz er-
hobener Schutzzolltarif die Wirkung, daß durch die zeitweilige Schaffung
einer „günstigen“ Handelsbilanz das Preisniveau des „geschützten“ Landes er-
höht und auf diese Weise der Import des Geldmetalles angespornt und sein
Export gelähmt wird. Sobald als das einheimische Preisniveau im Ver-
hältnis zu den ausländischen Preisniveaus genügend erhöht worden ist, um
das Gleichgewicht des Handels wieder herzustellen und der relativen An-
häufung des Goldes in dem geschützten Lande Einhalt gebieten zu können,
hört diese Einwirkung auf. Mit Ausnahme des Umstandes, daß der Tarif
störend auf den Handel einwirkt und dadurch das einheimische Preisniveau
verhindert, sich den ausländischen Preisniveaus anzupassen, läßt sodann der
Zolltarif nach, auf das Preisniveau einzuwirken. Dieses störende Einwirken
kann in jeder Kichtung sich geltend machen, d. h. das einheimische Preis-
niveau wird von den ausländischen Preisniveaus unabhängiger gemacht,
als es bei einem freien Handel der Fall wäre. Das geschützte Land wird
durch den Zolltarif lediglich isoliert.

Während der von uns in Untersuchung gezogenen Periode 1896—1909
sind im Zolltarifsgesetze zwei Veränderungen vorgenommen worden, wovon
die eine im Jahre 1897 und die andere im Jahre 1909 stattfand. Die erste
Änderung stellte eine Erhöhung der im Jahre 1894 aufgestellten Zollsätze
dar. Das Gesetz vom Jahre 1897 muß also auf eine Einschränkung des
Imports und auf die Erhöhung der Preise gerichtet gewesen sein. Wenn
in der hier erörterten Zeitperiode die amerikanischen Preise schneller ge-
stiegen sind, als die Preise anderer Länder, wie z. B. Englands, so scheint
die Annahme gerechtfertigt, daß ein Anteil an diesem weiteren Steigen dem
amerikanischen Zolltarifsystem zuzuschreiben ist.

Wir kommen endlich zum Zolltarif vom Jahre 1909. Dieses Gesetz
ist noch so neu, daß ein großer Einfluß bis jetzt kaum wahrnehmbar sein
konnte, selbst wenn man annehmen wollte, daß sich diese Einwirkung schon
zur Zeit des Entwurfes des Gesetzes, also bereits zu Beginn des Jahres 1909,
fühlbar machte. Über die Frage, ob die Revision des Tarifs nach aufwärts
        <pb n="277" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

257

oder abwärts ging, ist ein erbitterter politischer Streit geführt worden. Nach
der vielleicht besten und vorurteilsfreiesten Meinung ging die Revision leicht
nach aufwärts und bedeutete in der Hauptsache bloß eine Neuordnung, bei
der die einen Abgaben erhöht und die anderen erniedrigt wurden. Diese
von Taussig, Willis und anderen gezogenen Schlüsse sind auf ein intensives
Studium der Zolltarifverzeichnisse gegründet.

Eine Durchsicht der Statistiken über die Verkehrsgleichung stimmt
mit diesen Schlußfolgerungen völlig überein. Diese Folgerichtigkeit mag
zunächst nicht recht einleuchtend erscheinen. Im Gegenteil, jeder, der
behauptet, daß die Zölle eine bedeutende Erhöhung erfahren haben,
kann auf die Tatsache hinweisen,’ daß die amerikanischen Preise seit dem
Zolltarifgesetze rascher gestiegen sind, als die englischen Preise1), während
diejenigen, die an der Meinung festhalten, daß die Revision auf eine Ver-
minderung der Zollsätze gerichtet war, auf die Zunahme im amerikanischen
Warenimport und die Zunahme im Goldexport dieses Landes verweisen
können. Diese dem Anscheine nach nicht übereinstimmenden Tatsachen
sind jedoch vereinbar.

Die amerikanischen Statistiken zeigen, daß die Bankdepositen und deren
Umlaufsgeschwindigkeit im Jahre 1909 im Vergleich zum Jahre 1908 eine
ganz gewaltige Zunahme erfahren haben. Die Folge davon wäre eine Er-
höhung der amerikanischen Preise, ein Verdrängen des Goldes und ein Auf-
halten der Zunahme des in den Vereinigten Staaten in Umlauf befindlichen
Geldes (einer Zunahme, die sonst eintreten würde), ferner die Ermutigung
zu einem der Zunahme im Gelde entsprechenden Import von Waren. Die
Tatsachen stimmen mit diesen bekannten Tendenzen genau überein. Die
Preise in den Vereinigten Staaten sind nun höher gestiegen als in England,
die Zunahme in der Quantität des in Umlauf befindlichen Geldes ist zurück-
gegangen, der Export von Gold und der Import von Waren erhöhten sich.
Wir können uns also alle diese Tatsachen erklären, ohne dabei das Zoll-
tarifgesetz als das störende Element anzunehmen2).

1) Über das Jahr 1909 hinaus stehen uns nur amerikanische Zahlen zur Verfügung.
Die Zahlen des Bulletin of the TJnited States Bureau of Labor weisen vom Januar 1909 bis
März 1910 ein ununterbrochenes Steigen der Preise auf. In der zwischen diesen Daten
hegenden Zeit stiegen die Indexnummern für Engrospreise von 124,0 auf 133,8. Eine
treffliche Vergleichung der Zahlen Englands und Amerikas enthält der Report of the
(Massachusetts) Commission cm the Cost of IAving, Boston 1910, S. 26 und 66.

&gt;	2) Wenn wir nun auch, um gerecht zu sein, den Zolltarif nicht dessen überführen

können, das amerikanische Preisniveau in den letzten Jahren erhöht zu haben, so ist es
allerdings richtig, daß eine Herabsetzung des Zolltarifs ganz gewaltig zu einer Erniedrigung
dieses Niveaus beitragen würde, denn, wie uns klar geworden ist, funktioniert ein Zolltarif

Fisher, Kaufkraft des Geldes.

A
        <pb n="278" />
        ﻿258

XII. Kapitel.

Es würde uns zuweit vom Wege abführen, wenn wir alle anderen Fak-
toren, die mehr oder weniger für die Erhöhung der Preise verantwortlich
gemacht worden sind, erörtern wollten. Wir haben bereits klargelegt, daß
keiner von ihnen einen Einfluß auf die Preise ausüben könnte, es sei denn
durch die Erhöhung der Quantität des in Umlauf befindlichen Geldes, der
relativen Depositen oder deren Umlaufsgeschwindigkeit, oder aber durch
eine Verminderung des Handels. Da sich der Handel ganz bedeutend er-
höht hat, braucht von dieser letzten Möglichkeit keinerlei Notiz genommen
zu werden.

Was die Ursachen anbelangt, durch die das Geld, die Depositen und
deren Geschwindigkeit erhöht worden sind, so erscheinen die folgenden
als die wichtigsten:

1.	Die Hauptursache der Zunahme des Geldes lag in der Erhöhung der
Goldproduktion. Die Banknoten haben etwas mehr als das Geld zuge-
nommen, im großen Ganzen aber mit dem anderen in Umlauf befindlichen
Gelde ziemlich gleichen Schritt gehalten.

2.	Der Hauptgrund der relativen Zunahme in den Bankdepositen ist
wohl in den Ursachen zu erblicken, die eine Ausdehnung des Bankwesens
zur Folge hatten, was besonders in den Südstaaten der Fall war. Die neuen
Bankgesetze, die zur Gründung kleiner Banken aufmuntern, mögen zu
dieser Ausdehnung beigetragen haben.

3.	Die Hauptursache der Zunahme in der Umlaufsgeschwindigkeit und
besonders der der Bankdepositen scheint auf die Konzentration der Be-
völkerung in den Städten zurückzuführen zu sein. Wir haben gesehen, daß,
je größer die Stadt ist, die Bankdepositen eine desto größere Umlaufs-
geschwindigkeit aufweisen.

§ 11-

Wir haben in allen Teilen dieses Buches das Ziel verfolgt, die allgemeine
Kaufkraft des Geldes, nicht aber dessen Kaufkraft für besondere Güter
oder Güterklassen, auseinanderzusetzen. Das Problem der steigenden
„Lebenskosten“ ist zum Teil ein allgemeines Problem der Kaufkraft des
Geldes und zum Teil ein spezielles Problem der Preise von Nahrungs- und
Kleidungsmitteln sowie anderer zum „Lebensunterhalt“ gehörigen Kosten.
Mit dem speziellen Problem haben wir hier nichts zu tun. Nun sind aber die
speziellen Veränderungen in den Lebenskosten im Vergleich zu der allge-

wie ein Damm, und zwar insofern, als er das hohe, durch die ursprüngliche Auferlegung
der Abgaben angewachsene Niveau aufrecht erhält.
        <pb n="279" />
        ﻿Statistiken der letzten Jahre.

259

meinen Veränderung in den Preisen ganz unbedeutend. Dies bestätigt sich
auf jeden Fall bei den Engrospreisen der Nahrungsmittel. Vom Januar 1909
bis März 1910 stieg die Indexnummer dieser letzteren von 122,6 auf 130,9,
während sich die allgemeinen Engrospreise von 124,0 auf 133,8 erhöhten;
d. h. die Spezialpreise der Nahrungsmittel stiegen ziemlich gleichförmig mit
der allgemeinen Preisaufwärtsbewegung. Wenn hierin ein Unterschied zu ver-
zeichnen ist, so beruht er darauf, daß die Spezialpreise etwas weniger stiegen,
als die allgemeinen Preise. Die „allgemeinen Preise“, auf welche wir uns hier
beziehen, sind nur Engrospreise, in die die Preise für geleistete Arbeit oder für
Wertpapiere nicht inbegriffen sind. Nach den bereits gegebenen Statistiken
bis zum Jahre 1909 und den seit diesem Jahre veröffentlichten Markt-
berichten zu urteilen, würde jedoch der Einschluß dieser Elemente das
Resultat nicht wesentlich verändern.

Wir schließen hieraus, daß das „Steigen in den Lebenskosten“ weder
eine spezielle Bewegung der Nahrungsmittelpreise, noch mutmaßlich anderer
besonderer Preise ist, sondern, daß es nur einen Teil der allgemeinen Preis-
bewegung bildet. Die Lebenskosten werden mit der allgemein steigenden
Flut der Preise aller Art mitgeschwemmt. Sie zeigen wenig oder gar keine
spezielle Veränderung in Angebot und Nachfrage spezieller Güterklassen,
sondern reflektieren einfach auf das Fallen in der allgemeinen Kaufkraft des
Geldes. Diese Bemerkungen beziehen sich nicht nur auf die mit Januar
1909 beginnenden Monate, sondern auch schon auf die des Jahres 1908.
Vom Jahre 1908 nach rückwärts bewegen sich die Nahrungsmittelpreise im
Vergleich zu den allgemeinen Preisen etwas unregelmäßig, im großen Ganzen
halten sie aber vom Jahre 1897 bis 1909 nahezu gleichen Schritt.

Nachstehende Tabelle gibt einige interessante Nebenprodukte unseres
Studiums der Zeitperiode 1896 bis 1909:

1.	2.	3.	4.	5.
		Virtuelle		
	G'	Umlaufs-	GU	G'U'
	G	geschwindig-  keit	GU + G'U'	GU + G'U'
1896		3,1	80	0,14	0,86
1897		3,2	84	0,14	0,86
1898		3,3	89	0,13	0,87
1899		3,8	103	0,12	0,88
1900		3,6	99	0,12	0,88
1901		4,2	114	0,11	0,89
1902		4,3	115	0,11	0,89
1903		4,1	113	0,11	0,89

17*
        <pb n="280" />
        ﻿260

XII. Kapitel.

1.	2.	3.	4.	5.
		Virtuelle		
	G'	Umlaufs-	GU	G'U'
	G	gesch windig - keit	GU+G’Ü'	GU+G'U'
1904		4,2	107	0,11	0,89
1905 		4,5	125	0,10	0,90
1906		4,3	132	0,10	0,90
1907		4,4	129	0,10	0,90
1908		4,0	107	0,10	0,90
1909		4,1	124	0,09	0,91
1910 (s. S. 415)	4,4	134	0,08	0,92
1911 „ „ „	4,7	131	0,08	0,92
1912 „ „ „	4,8	144	0,08	0,92

Aus der zweiten Kolonne entnehmen wir, daß die Depositen (Gr') nicht
nur absolut, sondern auch relativ zum Gelde (G) zugenommen und das in
Umlauf befindliche Geld von einem Geringen über das Dreifache bis zu einem
Geringen über das Vierfache verändert haben. Mit Ausnahme einer einzigen
Zahl war die für das Panikjahr 1907 gegebene Ziffer die höchste von allen,
und das im darauffolgenden Jahre stattgefundene Sinken bedeutet das
stärkste Fallen in der ganzen Tabelle.

Die dritte Kolonne zeigt die „virtuelle“ Umlaufsgeschwindigkeit des
Geldes, die die Idee zur Grundlage hat, daß die gesamte Austauscharbeit,
und zwar auch die durch Schecks vollzogene, indirekt tatsächlich die Arbeit
des Geldes war. Diese Umlaufsgeschwindigkeit ist einfach der Quotient
aus der insgesamt ausgeführten Austauscharbeit, dividiert durch das gesamte
in Umlauf und in den Banken befindliche Geld.

Wir bemerken, daß diese virtuelle Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes
oder seine Fähigkeit, den Austausch zustande zu bringen, um ungefähr
50 Prozent zugenommen hat. Allerdings ist dieses Wachsen in der Ge-
schwindigkeit dann und wann durch ein plötzliches Fallen unterbrochen
worden, doch war dieses mit Ausnahme des dem Krisisjahre 1907 folgenden
Jahres stets von geringer Bedeutung.

Die vierte und die fünfte Kolonne bringen die Lösung der so lebhaft
diskutierten Frage der relativen Bedeutung der durch Scheck(G'TJ') und der
durch Geld (GU) vollzogenen Transaktionen—einer Frage, der viele Autoren
über diesen Gegenstand, einschließlich Kinley, große Aufmerksamkeit ge-
schenkt haben. Wir finden, daß im Jahre 1896 ungefähr 14 Prozent und im
Jahre 1909 ungefähr 9 Prozent der in den Vereinigten Staaten durchge-
führten Geschäfte mittelst Geld vollzogen worden sind. Mit anderen Worten:
        <pb n="281" />
        ﻿Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

261

Im Jahre 1896 wurden ungefähr 86 Prozent und im Jahre 1909 ungefähr
91 Prozent der gesamten Austauscharbeit durch Schecks ausgeführtx).

Diese Zahlen bieten wohl die erste ziemlich genaue Festsetzung der
relativen Bedeutung von Scheck- und Geldtransaktionen. Sie bestätigen
die Überzeugung2), daß die Rolle, die die Schecks in den Umsätzen des
Landes spielen, substantiell an Bedeutung zugenommen hat. Der ob-
waltende Eindruck, daß sie neun Zehntel aller Transaktionen bilden, ist
ebenfalls als richtig erkannt worden.

XIII.	Kapitel.

Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

§1-

Wir haben gesehen, daß die Kaufkraft des Geldes (oder deren reziproker
Wert, das Preisniveau) ausschließlich von fünf Faktoren abhängt, nämlich:
von der Quantität des in Umlauf befindlichen Geldes, von dessen Umlaufs-
geschwindigkeit, von der Quantität der dem Scheckverkehr unterworfenen
Depositen, von deren Umlaufsgeschwindigkeit und vom Handelsvolumen.
Eine jede dieser fünf Größen hängt von einer Anzahl tieferliegender Ur-
sachen ab, die aber mit Ausnahme der nachstehenden nicht voneinander
abhängig sind:

1.	Die dem Scheckverkehr unterworfenen Depositen hängen von dem
in Umlauf befindlichen Gelde ab; unter normalen Umständen variieren
diese beiden Faktoren in derselben Richtung.

2.	Bei einer Erhöhung des Handelsvolumens hat auch die Umlaufs -
geschwindigkeit des Geldes und der Depositen die Tendenz zu steigen.

3.	Zwei oder mehr der fünf Faktoren können von einer gemeinsamen
Ursache oder gemeinsamen Ursachen abhängen, und daher indirekt zu-
einander in Beziehung stehen. Ein und dieselbe Erfindung kann so sowohl
in der Geschwindigkeit des Geldes als auch in der Geschwindigkeit der
Depositen, ebenso im Gelde wie im Handel oder ebenso in den Depositen

x) Bezüglich einer Erörterung dieser Zahlen siehe § 12 des Anhanges zu diesem
(XII.) Kapitel, woselbst Vergleichungen mit Kinleys Resultaten vorgenommen wurden.

2) Siehe z. B. Cannon über Clearing-Häuser unter den Reports of the Monetary Com-
mission 1910.
        <pb n="282" />
        ﻿262

XIII. Kapitel.

wie in deren Geschwindigkeit eine Erhöhung herbeiführen. Bei der Be-
trachtung geschichtlicher Tatsachen haben wir gesehen, daß eine zunehmende
Bevölkerungsdichte eine Zunahme in allen fünf Faktoren bewirkt.

4.	Während der Übergangsperioden finden in allen sechs Größen gewisse
zeitweilige Störungen und Schwankungen statt, die in Krisen und De-
pressionen ihren höchsten Grad erreichen. Unter normalen Verhältnissen
ist das Preisniveau in der Verkehrsgleichung Wirkung und nicht Ursache,
doch üben seine Schwankungen während solcher Übergangsperioden zeit-
weilig auf die anderen fünf Faktoren und besonders auf die Depositen eine
Gegenwirkung aus. Ein Steigen erzeugt daher zeitweilig ein weiteres Steigen,
während ein Fallen zeitweise in der entgegengesetzten Richtung wirkt.

Das Preisniveau ist also das Resultat der erwähnten fünf großen Ur-
sachen, das sich unter normalen Umständen direkt mit der Quantität des
Geldes verändert (und mit den Depositen, die unter normalen Verhält-
nissen mit der Geldquantität übereinstimmend variieren), vorausgesetzt,
daß die Umlaufsgeschwindigkeiten und das Handelsvolumen unverändert
bleiben und daß sich das Depositenbankwesen in einem Entwicklungs-
stadium befindet. Dies ist eines der Haupttheoreme in bezug auf das Preis-
niveau oder dessen reziproken Wert, die Kaufkraft des Geldes. Es konsti-
tuiert die sogenannte Quantitätstheorie des Geldes. Das qualifizierende
Adverb „unter normalen Umständen“ ist deshalb in der Formulierung ein-
geschaltet, damit den Übergangsperioden oder den Kreditzyklen Rechnung
getragen wird. Tatsächlich stellt dieser Lehrsatz eine präzise gesetzmäßige
Proportionalität dar, das in der Wissenschaft der Nationalökonomie ebenso
korrekt und grundlegend ist, wie in der Physik das Proportionsgesetz zwischen
dem Druck und der Dichte von Gasen unter der Annahme, daß die Temperatur
unverändert bleibt. Allerdings ist es richtig, daß die Geschwindigkeiten und
der Handel in der Praxis selten unverändert bleiben, wie es ja auch selten
vorkommt, daß die Temperatur unverändert bleibt. Aber was auch immer
mit den in Frage kommenden Elementen geschehen möge, die in der Quan-
titätstheorie vertretene Tendenz bewahrheitet sich genau so, wie sich die
Tendenz, die in der Dichtigkeitstheorie vertreten wird, bewahrheitet, ohne
Rücksicht darauf, wie sich die Temperatur auch immer gestaltet. Nur
wer die wirkliche Bedeutung eines wissenschaftlichen Gesetzes nicht erfaßt,
ist außerstande, die Wichtigkeit und Bedeutung des Quantitätsgesetzes des
Geldes zu erkennen. Unter einem wissenschaftlichen Gesetze ist nicht eine
auf Statistiken oder geschichtliche Tatsachen gegründete Formulierung zu
verstehen, sondern eine Formulierung dessen, was sich unter gegebenen
Bedingungen bewährt. Statistiken und geschichtüche Tatsachen können
        <pb n="283" />
        ﻿Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

263

nur dann zur Erläuterung und zum Nachweis von Gesetzen benützt werden,
wenn in geeigneter Weise auf veränderte Bedingungen Rücksicht genommen
wird. Im Studium dieser Materie, wobei wir die letzten zehn Jahrhunderte
nur flüchtig, die letzten einundeinhalb Jahrzehnte dagegen eingehend be-
handelten, haben wir die Berücksichtigung solcher veränderter Bedingungen
verfolgt, und überall fanden wir die Tatsachen in Übereinstimmung mit
den früher formulierten Grundsätzen.

Das vom praktischen Gesichtspunkte durch dieses historische und
statistische Studium enthüllte und äußerst bedenkliche Moment besteht in
der Unbeständigkeit und Unzuverlässigkeit der Kaufkraft des Geldes. Wir
finden, daß diese Kaufkraft auf zweifache Weise Gegenstand großer Schwan-
kungen ist: erstens schwingt sie mit den Übergangsperioden auf und nieder,
wodurch bestimmte Kreditzyklen entstehen, und zweitens unterhegt diese
Kaufkraft, den in der einen oder der anderen Richtung auftretenden indu-
striellen Wechselfällen gemäß, säkularen Veränderungen. Der erstgenannte
Übergang steht mit den Banksystemen in Verbindung, während der letztere
überwiegend von der Zu- oder Abnahme des Geldmetalles abhängt.

Der Abschwächung dieser beiden Übel dient eine bessere Kenntnis der
voraussichtlichen Preisniveaus. Wie wir gesehen haben, liegen die tatsäch-
lichen Übel wechselnder Preisniveaus nicht in diesen Veränderungen an
sich, sondern in der Tatsache, daß sie gewöhnlich unerwartet auftreten.
Es ist gesagt worden, daß vorhergewarnt sein gleichbedeutend ist mit ge-
rüstet sein, und daß eine voraussichtliche Veränderung in den Preisniveaus
beim Zinsfuß in einer die Übel der Veränderung neutralisierenden Weise in
Anschlag gebracht werden kann. Wenn wir auch nicht erwarten dürfen,
daß unsere Kenntnis der Zukunft jemals vollkommen genug sein wird, um das
Ideal zu erreichen, jede Preisschwankung durch entsprechende Berichtigungen
im Zinsfuß ausgleichen zu können, so bringt uns nichtsdestoweniger jede
Bereicherung unseres Wissens diesem fernen Ideal etwas näher. Glücklicher-
weise macht diese zunehmende Kenntnis immer raschere Fortschritte. Der
volkswirtschaftliche Horizont wird von den Herausgebern der Handels-
journale heutzutage ebenso genau untersucht, wie die Wetterprognosen den
naturwissenschaftlichen Horizont aufhellen, und jedes Anzeichen eines
Wechsels im Wetter der Volkswirtschaft wird aufgezeichnet und gedeutet.
Eine gewisse Firma hat während der letzten Jahre einen statistischen Dienst
eingerichtet, der unter dem ausgesprochenen Zweck, Paniken vorzubeugen,
den Bankiers, Handeltreibenden, Zwischenhändlern und Kaufleuten Ver-
zeichnisse oder „Geschäftsbarometer“ und darauf gegründete Voraussagen
liefert. Doch ist wohl gerade in Hinsicht auf den grundlegenden Mechanismus,
        <pb n="284" />
        ﻿264

XIII. Kapitel.

auf dem solche Voraussagen beruhen, unbedingt eine größere Ausbreitung
des Wissens nötig. Das Gebiet theoretischer Kenntnisse eines Ge-
schäftsmannes ist ein äußerst beschränktes. Er ist sogar geneigt, solcher
Kenntnis mit Argwohn oder gar mit Verachtung zu begegnen. Die Folgen
solcher Beschränktheit sind oft verhängnisvoll, wie dies z. B. der Fall war,
als der Finanzminister Chase auf Anraten der New Yorker Geschäftsleute
die „Greenbacks“ ausgab, oder als das übel beratene Gesetz betreffs der
Schüeßung des „Gold Boom“ erlassen wurde. Auch ist eine so fatale Situ-
ation, wie sie durch den Bürgerkrieg herbeigeführt und durch das be-
schränkte Wissen der Geschäftsleute eine verderbliche Gegenwirkung aus-
geübt wurde, nicht allzu ungewöhnlich. Tagtäglich wird der Geschäftsmann
durch den Mangel an Verständnis der die Kaufkraft des Geldes regulierenden
Prinzipien in Verlegenheit gebracht und in dem Verhältnis wie ihm das
Verständnis dieser Grundsätze mangelt, ist er Irrtümern in der Beurteilung
der bevorstehenden Lage ausgesetzt. Das seitens der Geschäftsleute gegen
die Veränderlichkeit des Zinsfußes und besonders gegen dessen Steigen
gefaßte Vorurteil bildet ein Hindernis der raschen Anpassung dieses Zins-
fußes, das zu einer Verschlimmerung der viel nachteiligeren Veränderlich-
keit im Niveau der Preise und dessen reziproken Wertes, der Kaufkraft
des Geldes führt. Tatsächlich hat es der Geschäftsmann niemals als einen
Teil der Vorbereitung zu seinem Berufe betrachtet, sich mit den allgemeinen
Grundsätzen des Geldwesens und des Zinsfußes vertraut zu machen. Er
ist der Meinung, sein Wirkungskreis beschränke sich darauf, über ein tech-
nisches Wissen über die Natur der Güter zu verfügen, mit denen er sich zu
beschäftigen hat. Der mit Zucker handelnde Kaufmann unterrichtet sich
über Zucker, der Getreidehändler über Getreide, der Grundstücksverkäufer
in bezug auf Grundstücke. Wohl keinem von ihnen fällt es ein, daß er eine
Kenntnis der Goldwährung benötigt. Und doch hängt eine der beiden Be-
dingungen eines jeden Geschäftsabschlusses vom Golde ab. Ich bin der
festen Überzeugung, daß eine vollkommene Kenntnis der Verkehrsgleichung,
des Verhältnisses des Geldes zu den Depositen, der Kreditzyklen und des
Zinsfußes den Geschäftsleuten in Zukunft zuteil werden muß und daß
ein Studium dieser Materie durch Abschwächung der in Krisen und Depres-
sionen zum Ausdruck kommenden Übel ihnen reiche Früchte tragen wird.

§ 2.

Doch wenn auch von einer größeren Vorkenntnis der Veränderungen in
den Preisen viel erwartet werden kann, so ist ein Abschwächen der Preis-
        <pb n="285" />
        ﻿Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

265

Veränderungen selbst noch viel wünschenswerter. Es sind verschiedene
Methoden vorgeschlagen worden, einem Verändern der Preise vorzubeugen und
es sollen zunächst diejenigen Erwägung finden, die insbesondere bei säkularen
Preisveränderungen anzuwenden sind und hierauf jene, die insonderheit mehr
für die Preisveränderungen passen, die mit den Kreditzyklen Zusammen-
hängen. Die säkularen Preisveränderungen sind, wie wir gesehen haben,
in der Hauptsache auf die Veränderungen im Gelde und im Handel zurück-
zuführen. Schon seit Jahrhunderten vollzieht sich ein Wettlauf zwischen
Geldmenge und Handelsvolumen, was auch noch für kommende Jahr-
hunderte zu erwarten steht. Von den Resultaten dieses Wettlaufes hängt
gewissermaßen das Wohl und Wehe eines jeden Geschäftsmannes ab. Durch
eine Reihe historischer Ereignisse, die mit dem Geeignetsein dieses oder
jenes Metalles als stabile Währung in nur geringer oder gar keiner Verbin-
dung stehen, ist die Handelswelt mehr und mehr der Goldwährung in die
Hände geliefert worden. Es ist nicht zuviel gesagt, daß, soweit die Frage
monetärer Stabilität in Betracht kommt, wir geradeso zufällig auf die Gold-
währung gekommen sind, wie wir von der früher gebräuchlichen Kutsche
auf die gegenwärtige Eisenbahnspurweite gekommen sind, und gerade so
wie wir durch den Zufall zehn Finger zu haben, auf das Dezimalzahlen-
system verfielen, ohne irgendwelche Beziehung zu der Frage numerischer
Annehmlichkeit, in der ihm andere Rechensysteme überlegen sein würden.
Seitdem wir nun eine Goldwährung angenommen haben, ist es beinahe
ebenso schwer, eine andere an ihre Stelle zu setzen, wie wenn man die russi-
sche Eisenbahnspurweite oder das Duodezimalzahlensystem einführen
wollte. Und die Tatsache, daß die Goldwährungsfrage heutzutage so sehr
eine internationale Frage ist, gestaltet sie um so schwieriger. Gleichwohl,
wie der Geologe Professor Shaler gesagt hat, „ist es wahrscheinlich, daß inner-
halb weniger Jahrzehnte zur Bemessung von Werten einige andere Mittel
werden ausfindig gemacht werden, als die aus alten Zeiten stammenden
Methoden, diese Werte gegen eine Substanz abzuwägen, deren Angebot ein
übermäßiges ist“ 1).

Ich will nicht versuchen, eine unmittelbare Lösung dieses großen Welt-
pi'oblems, für Gold einen Ersatz zu finden, vorzuschlagen. Bevor ein solches
Goldersatzmittel gefunden werden kann, sind weitgehende Untersuchungen
und eine Belehrung des Publikums erforderlich. Hier wird nur der Zweck
verfolgt, auf die Notwendigkeit einer Nachforschung und Aufklärung hin-
zuweisen, sowie auf die Prüfung bereits vorgeschlagener Lösungen auf merk-

*) Man and the Earth, New York (Duffield), 1906, S. 62.
        <pb n="286" />
        ﻿266

XIII. Kapitel.

sam zu machen. Ganz versuchsweise soll nur eine Anregung gegeben sein,
die für clen Fall, daß durch eine umfassende Kenntnis, bessere Statistiken
und eine bessere Regierung in späteren Jahren die Zeit der Reife kommt, in
Erwägung gezogen werden könnte.

Ein Vorschlag besteht in der Wiederaufnahme des Bimetallismus, der
bereits im VII. Kapitel erörtert worden ist. Doch hatten wir es dort haupt-
sächlich mit dem „Mechanismus der Doppelwährung“ und nicht mit deren
Einwirkung auf die Preisniveaus zu tun. Wir wollen nun auf die Aussage
der Verteidiger einer bimetallistischen Währung eingehen, von denen be-
hauptet wird, daß letztere die Tendenz habe, die Preise stabil zu gestalten1).
Wenn die Umlaufsmittel von Gold- und Silberwährungsländern miteinander
verbunden werden, so hat der Bimetallismus, solange er in betriebsfähiger
Ordnung verbleibt, wie wir gesehen haben, die Wirkung, jede Veränderung
eines einzelnen Metalles über das vereinigte Gebiet der Gold-, Silber- und
Doppelwährungsländer auszubreiten. Wenn Schwankungen in beiden
Metallen gleichzeitig stattfinden, so können sie sich in entgegengesetzter
Richtung bewegen und sich gegenseitig mehr oder weniger vollständig neu-
tralisieren, während eine kombinierte Wirkung, selbst wenn sich beide Me-
talle in ein und derselben Richtung bewegen sollten, auf die ganze unter
dem Bimetallismus vereinigte Welt nicht größer wäre, als die Wirkung,
die auf beide Hälften der unter Silber- bzw. Goldmonometallismus befind-
lichen Welt ausgeübt würde. Selbst wenn der Bimetalüsmus sein Währungs-
gebiet nicht erweiterte, so könnte er doch Geldschwankungen abschwächen.
Eine Weltgoldwährung würde sich also unbeständiger als der Bimetallis-
mus erweisen1 2). Wenn sich aber das Quantum des einen zur Münzprägung
verwendeten Metalles schneller oder langsamer als der Handel erhöht, wäh-
rend das Quantum des anderen Metalles ein konstantes Verhältnis zum
Handel beibehält, dann hat die Benützung beider Metalle eine geringere
Stabilität zur Folge als die, die sich aus dem weniger veränderlichen der
beiden Metalle ergibt, wenngleich diese Stabilität etwas größer wäre als
die, die aus der Verwendung des mehr veränderlichen Metalles resultiert.

Zwei wertveränderliche, durch den Bimetallismus vereinigte Metalle
kann man mit zwei betrunkenen, miteinander Arm in Arm gehenden Männern
vergleichen. Zusammen gehen sie etwas weniger wackelig als jeder für sich,
doch würde, wenn einer zufällig weit nüchterner wäre als der andere, diesem

1)	Siehe Jevons, Invesligations in Currency and Finance, London (Macmillan), 1884,
S. 331—333.

2)	Vgl. F. Y. Edgeworth, „Thoughts on Monetary Reform“, (British) Economic
Journal, September 1895, S. 449.
        <pb n="287" />
        ﻿Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.	267

Nüchterneren der Heimweg durch das Arminarmgehen stärker erschwert
werden1).

Die in der Fußnote aufgeführte Tabelle zeigt, daß im siebzehnten und
neunzehnten Jahrhunderte Gold und Silber ungefähr gleich unbeständig
waren. Im achtzehnten Jahrhundert war Gold das beständigere Metall.
In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hingegen war das Silber
beständiger, während vom Jahre 1851—1890 Gold beständiger war. Seit
dieser Zeit ist das Silber beständiger. Im großen Ganzen besteht im Ver-
halten der beiden Metalle kein großer Unterschied.

Der Bimetallismus würde sich also, selbst wenn er aufrecht erhalten
werden könnte, nur als ein unwesentliches Abhilfsmittel gegen Schwankun-
gen im Preisniveau erweisen und außerdem besteht nach wie vor der bereits
früher erwähnte Einwand, daß das System zusammenbrechen kann. In
dem betreffenden Kapitel ist gesagt worden, daß die Möglichkeit vorhanden
ist, das eine Metall könne zuweilen in solcher Reichhaltigkeit produziert
werden, daß es das Geldreservoir vollständig füllt und das andere Metall
gänzlich aus der Zirkulation treibt, ohne Rücksicht darauf, welches das
Verhältnis ist, zu dem beide Metalle zu zirkulieren haben. Es kann lange
dauern, ehe es zu einem solchen Resultate kommt, doch kann auf sein schließ-
liches Eintreten mit Sicherheit gerechnet werden.

Es erübrigt, noch einen wichtigeren Einwand aufzuführen. Da der
Bimetallismus in der Form wie er gewöhnlich vorgeschlagen wird, den Wert
des einen der beiden Metalle bedeutend überwertet, so könnte seine Annahme
zunächst die große Wirkung haben, daß die Preise sich nicht stabil, sondern

*) Die Veränderlichkeit in der Gold- und Silberproduktion ist von einem meiner
Studenten, Mr. Morgan Porter, berechnet worden. Aus der Durchschnittsproduktion für
jede einzelne der genannten Perioden berechnete er folgende Variationen der Durch-
schnittsprozentsätze :

	Gold	Silber
1601—1701 5 Perioden, jede 20 Jahre umfassend 		%  7,8	0/  /O  7,7
1701—1800 5 Perioden, jede 20 Jahre umfassend 		15,6	27,4
1801—1900 5 Perioden, jede 20 Jahre umfassend 		69,0	67,0
1801—1850 5 Perioden, jede 10 Jahre umfassend 		52,4	22,3
1851—1885 7 Perioden, jede 5 Jahre umfassend 		8,1	40,8
1886—1890 5 Perioden, jede 1 Jahr umfassend		5,9	10,5
1891—1895 5 Perioden, jede 1 Jahr umfassend		13,8	6,3
1896—1900 5 Perioden, jede 1 Jahr umfassend		12,3	3,4
1901—1905 5 Perioden, jede 1 Jahr umfassend		10,7	1,9
        <pb n="288" />
        ﻿268

XIII. Kapitel.

labil gestalten und die Beziehungen zwischen Gläubiger und Schuldner über
den Haufen geworfen werden. Wenn auch der Biraetallismus nicht not-
wendig eine beträchtliche Überwertung des einen Metalles bedingt, so ist
sie doch stets das Moment gewesen, durch welches der Bimetallismus politisch
populär gemacht wurde. Daher war der Bimetallismus, wie er während
der letzten zwanzig oder dreißig Jahre in den Vereinigten Staaten befür-
wortet wurde, eine Währung, durch die das Silber eine ganz bedeutende Über-
wertung erführe. Diesem Bimetallismus zufolge hätten 16 Unzen Silber als
das Äquivalent einer Unze Gold zu zirkulieren, während in einem großen Teil
dieses Zeitraumes tatsächlich 30 oder 35 Unzen Silber erforderlich waren, um
den gleichen Wert einer Unze Gold zu repräsentieren. Eine solche Silberüber-
wertung würde dahin führen, daß Silber aus Mexiko, Indien, China und
anderen Silberwährungsländern importiert, größere Quantitäten dieses Me-
talles produziert und in den Vereinigten Staaten zur Prägung kommen
würden, worauf das Umlaufsmittel auf diese Weise in hohem Grade und
ganz plötzlich im Werte sinken müßte. Dieser Vorschlag wurde im Jahre
1896 während der Kampagne für „freies Silber“ durch eine Karikatur ins
Lächerliche gezogen, die die Vereinigten Staaten als Schiff darstellte, das
durch die Niagarafälle segelnd unterhalb der Fälle glatt dahinfährt —
wenn es nur die Erschütterung des Falles überlebt!

Der Bimetallismus ist in bezug auf die Stabilität einer Geldwährung
das einzige System, das jemals politisches Gewicht besessen hat. Die Popu-
larität dieses Systems liegt viel weniger in seiner Fähigkeit, die Währung
zuguterletzt stabil zu gestalten, als in seiner Kraft, sie sofort aus dem Gleich-
gewicht zu bringen.

Wir gehen nun dazu über, die Systeme zu erörtern, die niemals das
Stadium praktischer Vorschläge erreichten, sondern noch gänzlich akademisch
geblieben sind. In erster Reihe ist hier der Polymetallismus zu nennen, der
eine Verallgemeinerung des Bimetallismus bedeutet. Bei der Theorie des
Bimetallismus v'ird die Zirkulation zweier Metalle nebeneinander ins Auge
gefaßt, während die des Polymetallismus auf ein gleichzeitiges Zirkulieren
von mehr als zwei Metallen ausgeht. Solange als mehrere Metalle zugleich
in der Zirkulation erhalten werden können, schwankt das Preisniveau weniger
als wenn nur ein Metall zur Verwendung kommt. Doch gelten alle gegen
den Bimetallismus erhobenen theoretischen Einwände auch für den Poly-
metallismus. Das eine Metall würde wohl alle anderen Metalle aus dem
Lande hinausdrängen, oder — wenn der Polymetallismus international ist
— in die gewerblichen Verwrendungsgebiete.
        <pb n="289" />
        ﻿Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

269

§3.

In der Erkenntnis der überzeugenden Kraft der gegen den Bimetallis-
mus (und Polymetallismus) erhobenen Argumente schlug Professor Marshall
an deren Stelle ein System vor, das man Symmetallismus genannt hat.
Unter dem symmetallischen System könnten zwei oder mehrere Metalle
in ein und demselben Münzstück oder zu miteinander „fest verbundenen
Barrenstücken“ physisch verbunden werden. Offenbar könnte ein beliebiges
Verhältnis zur Anwendung kommen und hierbei könnte keines der beiden
Edelmetalle das andere aus der Zirkulation treiben. Der Wert der zusammen-
gesetzten Münze würde aus dem Betrage der Werte ihrer beiden Bestand-
teile bestehen und deren Wertschwankungen würden das Mittel der Schwan-
kungen ihrer Bestandteile bilden1).

Es sind noch einige andere Vorschläge einer Vereinigung der Metalle
aufgetaucht. Darunter befinden sich die „verbundenen Metallsysteme“ von
Stokes und Hertzka, die Abarten des Bimetallismus sind, aber anstatt
eines festgesetzten ein veränderliches Verhältnis haben. Ein anderer von
Walras2) vertretener Vorschlag besteht in der Goldwährung mit einem
»Silberregulator“, der schlechtweg die hinkende Währung vorstellt, wie sie
nun in den Vereinigten Staaten, Frankreich und Indien herrscht, nur mit
Ausnahme des Umstandes, daß die Quantität des in Umlauf befindlichen
Silbers, anstatt eine festgesetzte zu sein, von der Regierung dergestalt
systematisch gehandhabt wird, daß den Preisen Stabilität gesichert wird.
All diese Systeme wie der Symmetallismus und Bimetallismus stellen Re-
formen dar, die bestenfalls nur teilweise Abhilfe schaffen. Im Walrasschen
Vorschläge zum Beispiel könnte es gegebenen Falles zur Aufrechterhaltung
der Preise erforderlich sein, daß das Quantum des Silbers auf Null herab-
gesetzt wird, worauf eine weitere Regulierung dann nicht mehr möglich
wäre, oder es könnte sich als notwendig erweisen, das Silber derart zu er-
höhen, daß alles Gold verbannt wird. Das System wäre dann keine Gold-
währung mehr, sondern es würde zu einer nicht einlösbaren Silberwährung
werden. Das Schlimmste aber ist, daß jedes dieser vorgeschlagenen Abhilfs-
mittel der Gefahr unkluger und unehrlicher politischer Manipulationen
ausgesetzt wäre.

l)	Siehe F. Y. Edgeworth, „Thoughis on Monetary Reform“, (British) Economic
Journal, September 1895, S. 448.

*) „Monnaie d'or avec Ulbn d’argent regulateur“, Revue de droit international, Dezem-
ber 1884; Nachdruck in Etudes d'Economie politique appliquie, Lausanne (Rouge), 1898
        <pb n="290" />
        ﻿270

XIII. Kapitel.

Allerdings könnte das Preisniveau seitens der Regierung durch eine
lediglich zu diesem Zweck gesetzlich angeordnete Regulierung der Geldzu-
lieferung fast absolut stabil erhalten werden. Ein anscheinend einfaches
Mittel, dahin zu gelangen, besteht in der Ausgabe uneinlöslichen Papier-
geldes, das mit der Zunahme des Handelsverkehrs in ein solches Verhältnis
gebracht würde, daß das Gesamtquantum der in Zirkulation befindlichen
Umlaufsmittel, multipliziert mit seiner Schnelligkeit, mit den Gesamt-
geschäften zu der einen Zeit dasselbe Verhältnis einhielte, wie zu jeder anderen
Zeit. Wenn das Vertrauen der Bürger bewahrt bliebe und dieses Verhältnis
aufrecht erhalten würde, so bedürfte das Problem keiner weiteren Lösung.

Traurige Erfahrungen haben aber gelehrt, daß uneinlösbares Papier-
geld, wenn es auch theoretisch imstande ist, die Preise stabil zu erhalten,
in der Praxis so gehandhabt werden kann, daß es gerade Preisschwankungen
herbeiführt. In fast jedem Lande gibt es eine aus Schuldnern und Schuldner -
ähnlichen Klassen bestehende Partei, die eine Herabsetzung des Geldes
begünstigt. Daher ist jederzeit eine Bewegung möglich, die dahin zielt, ein
zur Aufrechterhaltung der Stabilität dienendes System in einfachen In-
flationismus umzukehren. Sobald eine Regierung über ein Papierumlaufs-
mittel Gewalt hat, das zum Golde oder zum Silber in keinerlei Beziehung
steht, wird immer ein Vorwand zu einer zu starken Ausgabe von Papier-
geld zu befürchten sein.

Wenn es in Friedenszeiten auch gelingt, dem beharrlichen Drängen
nach Inflation Widerstand zu leisten, so ist es doch zweifelhaft, ob dies auch
in Kriegszeiten der Fall sein würde. Zur Zeit eines Krieges können viele
plausible Motive geltend gemacht werden, namentlich der dringende
Bedarf für Staatszwecke. Die Lehren der Geschichte unseres eigenen Landes
sind in dieser Hinsicht keineswegs beruhigend. Es ist daher ganz natürlich,
daß solche Systeme sich einen schlechten Ruf erworben haben. Tatsächlich
ist er so schlecht gewesen, daß von vielen Seiten impulsiv der Schluß ge-
zogen wurde, die „Quantitätstheorie“, an die man zur Ermöglichung der
Preismanipulationen seitens der Regierung appellierte, sei in ihren Grund-
lagen ungesund. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß das befürchtete
Übel sich nicht immer zu verwirklichen braucht.

Eine andere Methode, wie die Regierung das Preisniveau theoretisch
stabiler gestalten könnte, besteht darin, daß das Bargeld auf ein Edelmetall,
z. B. auf Gold, beschränkt, und die Quantität dieses Metalles im Umlaufs -
mittel durch das System einer Münzgebühr reguliert wird. Wenn also die
Goldlieferungen aus den Minen zunehmen und das Gold die Tendenz zeigt
im Werte zu sinken, dann könnte der Wert der Goldmünze durch Zahlung
        <pb n="291" />
        ﻿Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

271

einer Münzgebühr, deren Höhe je nach Erfordernis festgesetzt werden kann,
aufrecht erhalten werden. Je billiger das Barrengold wird, desto höher
müßte diese Gebühr sein. Sie müßte sich in einem solchen Verhältnis er-
höhen, daß das Umlaufsmittel mit dem Geschäftsvolumen in gleichem Ver-
hältnis bleibt und das Preisniveau auf diese Weise stabil erhalten wird.
Wenn sich die jährliche Produktion des Goldes später verringert und das
Gold infolgedessen wieder im Werte steigt, dann könnte die Stabilität durch
umgekehrte Politik, d. h. durch ein allmähliches Herabsetzen der Münz-
gebühr aufrecht erhalten werden, wodurch eine Erhöhung im Werte des
Umlaufsmittels verhindert würde. Der regulierenden Behörde wäre, wie
dies im Walrasschen System der Fall ist, nach dieser Richtung insofern
eine Grenze zu setzen, daß die Münzgebühr niemals auf weniger als auf Null
herabgesetzt werden dürfte. Materiell kann das Geld nie billiger werden
als das Metall, aus dem es besteht, da auch nur die geringste Tendenz in
dieser Richtung zur Folge hätte, daß die Münzen exportiert oder in Barren-
metall eingeschmolzen würden. In einer Periode steigender Preise würde
die Regulierung keinerlei Schwierigkeit bereiten, in einer Zeit fallender
Preise hingegen würde sie ganz unmöglich sein1).

Ein weiterer Plan besteht in einer einlösbaren Papierwährung, bei der
das Papier auf Verlangen einzulösen ist, jedoch nicht gegen ein erforder-
liches Gewicht an Gold oder an Goldmünze, sondern gegen dessen erforder-
liche Kaufkraft. Unter einem solchen System wäre das Papiergeld mit eben-
soviel Gold einzulösen, wie dessen erforderliche Kaufkraft beansprucht. Auf
diese Weise würde der für einen Papierdollar zu beanspruchende Goldbetrag
roit dem Betrage der gekauften Waren per Unze Gold umgekehrt variieren,
und die Gesamtkaufkraft des Dollars bliebe also immer dieselbe. Der Um-
stand, daß ein Papierdollar immer in der Höhe seiner Kaufkraft einlösbar
wäre, würde das Preisniveau theoretisch unveränderlich gestalten. Der
Zufluß des in Zirkulation befindlichen Geldes würde automatisch reguliert
werden. Sollte das Geld die Tendenz zeigen, sich so schnell zu vermehren,
haß seine Kaufkraft beeinträchtigt würde, so würden die Noten zur Ein-
lösung in Gold präsentiert werden, denn unter dem angenommenen Über-

*) Über die Wirkung eines gesetzlichen Verbotes des Exportes von Münzen vgl,
Kemmerer, Money and Credit Instruments in their Relation to General Prices, 2. Aull., New
York (Holt), 1909, S. 39 Anm. Vgl. Kemmerer, „The Establishment of (he Gold Exchange

Standard in the Philippines“, in the Quarterly Journal of Economics, Bd. XIX, 600_605

(August 1905); Second Annual Report of the Chief of the Division of Currency, etc., 14
lö, 21—28; „A Gold Standard for the Straits“, II, in Political Science Quarterly, Bd. XXI
S. 665—677 (Dezember 1906).
        <pb n="292" />
        ﻿272

XIII. Kapitel.

einkommen hätte das zu gebende Gold immer dieselbe Kaufkraft. Wenn
jedoch das Geld die Tendenz zu einem Knappwerden zeigen und somit im
Werte steigen sollte, dann würde der Goldbetrag, dessen Kaufkraft sich nicht
verändert hat, in Noten umgetauscht werden.

Allerdings wäre dieses System, ebenso wie jedes einfache Papiergeld-
system, Mißbrauch ausgesetzt, doch wiese es zwei praktische Vorteile auf.
Da das System auf einer Metallbasis beruht, würde es mehr Vertrauen
einflößen als ein reines Papiergeldsystem, und böte dabei weniger Vorwand
zu dessen Mißbrauch und weniger Gelegenheit zu einer Hintergehung des
Publikums. Jeder Wechsel im Gewichte des Golddoflars wäre definitiv
meßbar und dem Publikum gegenüber zu rechtfertigen. Eine Herabsetzung
des Gewichtes, das durch ein Fallen der Preise nicht völlig begründet ist,
würde ein nicht mißzuverstehendes Bekenntnis der Geldentwertung be-
deuten.

§4.

Das nächste in Erwägung zu ziehende System ist von Professor Marshall
und vom Committee of the British Association1) vertreten worden. Dem
Wesen nach bedeutet es eine Wiederbelebung der von Lowe2), Scrope3),
Jevons4) und anderen vorgeschlagenen und viel besprochenen Tabellar-
währung (Tabular Standard), einer Währung, die von spezieller Gesetz-
gebung relativ unabhängig ist. Sie setzt die Annahme eines zunächst nur
dispositiv wirkenden Gesetzes voraus, durch das erlaubt wird, daß vertrags-
mäßige Zahlungen in Indexnummern der Preise stipuliert werden. Ein
solches Gesetz wäre zwar nicht unumgänglich nötig, doch würde es dazu
dienen, die Aufmerksamkeit auf die Indexmethode zu lenken. Das Geld
des Landes käme nach wie vor als ein Austauschmittel und als Bemessung
von Werten zur Verwendung, nicht aber als eine Währung für später fällige
Zahlungen. Diese Währung für später fällige Zahlungen würde, so oft
man von dem Gesetz Gebrauch machte, in der Indexnummer der
allgemeinen Preise bestehen und die Kontrakte, die Zahlungen zu späteren

x) Siehe den Report 0/ the British Association for the Advancement oj Science, 1890,
S. 488, der den Entwurf eines zu diesem Zwecke vorgeschlagenen Parlamentsgesetzes
enthält.

2)	Present State of England in regard to Agriculture, Trade, and Finance. London

1822.

3)	Principles of Political Economy, London, 1833, S. 406.

4)	Invesiigations in Currency and Finance, London (Macmillan), 1884, S. 122; ebenso
Money and the Mechanism of Exchange, London (Kegan Paul), 1893, Kap. XXV.
        <pb n="293" />
        ﻿Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

Terminen bezwecken, könnten nach Belieben entweder auf den Austausch
einer gegebenen Kauf kraft oder auf einen bestimmten, direkt mit der Index-
nummer variierenden Geldbetrag lauten. Um eine solche Änderung leichter
zu gestalten, wäre es angebracht, wenn die Regierung ein autorisiertes
Indexnummersystem einsetzte, doch brauchte die Tätigkeit der Regierung
nur bis zu diesem Punkte zu gehen, tatsächlich wäre es nicht einmal bis
hierher notwendig. Es würde sich nicht mehr darum handeln, das Preis-
niveau absolut stabil zu erhalten. Gold und Silber oder beide Metalle zu-
sammen hätten das Bargeld zu liefern und dessen Wert würde sich folge-
richtig dem Metall entsprechend verändern, aus dem es besteht. Die auf
Indexnummern gegründeten Kontrakte würden hierbei nicht berührt, weil
sie in Gestalt von Indexnummern abgeschlossen sind. Zweifelsohne be-
gegnete dieses System großer Opposition *), würde aber in gewissen Kreisen
lebhaften Beifall finden2). Denen, die „von ihren Einkommen leben“,
würde es zum Beispiel lieber sein, die Garantie einer stabilen Kaufkraft zu
haben. Eine Witwe, ein Vormund oder andere, die Geld auf lange Zeit
anlegen, würden Wertpapiere, die eine regelmäßige jährliche Kaufkraft
haben, solchen vorziehen, die eine gegebene Geldsumme von nur ungewissem
Werte verbürgen. Einige Präzedenzfälle in der Form dieses neuen Systems
sind, wenn auch nur andeutungsweise, bereits vorhanden. In England
wurden die „Durchschnittszehnten“ nach dem jeweiligen Werte des Ge-
treides festgesetzt, so daß der Zehnte in Wirklichkeit so und soviel Getreide
und nicht so und soviel Geld vorstellte. Einen ähnlichen Zweck verfolgten
während mehr als zwei Jahrhunderte die schottischen „Fiars“-Preise, die
den Preis des Getreides auf der Basis festsetzten, zu der auf Getreide ab-
geschlossene Pachtsummen in Geld zahlbar sein würden3).

Wie bereits erwähnt, wäre es nicht durchaus notwendig, daß die Re-
gierung zum Zwecke eines solchen Systems gesetzliche Maßnahmen trifft.
Den Anfang zur Verwirklichung dieses Systems für einen „tabellarischen
Wertregulator“ könnten jederzeit Privatkontrahenten machen, wobei einige
bereits allgemein bekannte Indexnummern wie die von Sauerbeck oder die
seitens des Arbeitsamtes der Vereinigten Staaten auf gestellten Indexnummern
als Norm dienen könnten. Sollten die Kontrahenten im großen ganzen
uüt dem Ergebnis eines solchen Versuches zufrieden sein, dann würden

*) Vgl. Francis Walker, Money, New York (Holt), 1891, S. 157—163.

2)	Siehe Joseph French Johnson, Money and Currency, Boston (Ginn), 1906
S. 175.

3)	Siehe Edgeworth, Reports of (he British Association for (he Advancment of Science
1or 1888, S. 182.

Fisher, Kaufkraft des Geldes.

18
        <pb n="294" />
        ﻿



274

XIII. Kapitel.

weitere Personen oder Parteien ihrem Beispiel folgen. Zunächst wären die
Kontrakte so auszulegen, als ob sie auf Geld lauteten, es sei denn, daß andere
Bestimmungen getroffen wären. Bei Kontrakten, die auf die Indexnummern
lauten würden, wäre demnach eine besondere Klausel erforderlich. Wenn
aber diese letztere Form von Kontrakten populär werden sollte, so wäre
ein Gesetz zu schaffen, das die Indexnummer allgemein als Norm aufstellt
und zwar mit Ausnahme solcher Fälle, bei denen Zahlung nach einer anderen
Norm vorgesehen wurde.

Es ist zu beachten, daß ein solcher Brauch, so allgemein er auch immer
werden könnte, die Erwünschtheit eines elastischen Umlaufsmittels, das
den j ahreszeitlichen Schwankungen des Verkehrs entspricht, nicht beseitigen
würde. So sind die jahreszeitlichen Anpassungen der Löhne und vieler
anderer Preise nicht leicht vorzunehmen. Durch Brauch und Sitte werden
Normen aufgestellt, die sich in den aufeinanderfolgenden Jahreszeiten be-
haupten. Da das Geschäft in der einen Jahreszeit lebhafter ist als in der
anderen, würde ein Element der Spannung auftreten, wenn nicht auch
eine Erweiterung des Kredites stattfindet. Ein elastisches Banksystem,
das die Krediterweiterung erleichtert, würde daher ein Desideratum bleiben.

Mit dem System, Kontrakte in Bedingungen des Preisniveaus abzu-
schließen, wird nicht direkt die Verhütung von Schwankungen im Preis-
niveau beabsichtigt. Der Zweck besteht vielmehr darin zu verhüten, daß
durch diese Schwankungen im Geschäftsleben ein spekulatives Element Platz
greift. Als Nebenresultat des Systems würde sich jedoch zeigen, daß die
Schwankungen im Preisniveau etwas nachlassen aus dem Grunde, weil die
Kreditzyklen keinen Ansporn mehr erhielten. Die Aufnahme von Anleihen,
die in abnormer Weise bald ermutigt und bald entmutigt wird, würde auf-
hören. Die Schwankungen im Kredit würden sich sonach vermindern und
das Preisniveau bliebe von solchen Veränderungen verhältnismäßig unbe-
rührt1). Selbst wenn Paniken auftreten, die von einem starken Sinken
der Preise begleitet sind, so könnten sich diese nicht so ernst gestalten, wie
dies jetzt der Fall ist. Gegenwärtig müssen Anleihen in Geldpreissätzen be-
glichen werden, ohne Rücksicht darauf, ob dieses Geld zur Zeit der Liqui-
dation mehr (oder weniger) kauft als zu der Zeit, da die Anleihe geschah,
und ohne Rücksicht darauf, ob der Entleiher mehr (oder weniger) Waren
verkaufen muß, um den gegebenen Betrag aufzutreiben. Wenn die Preise
gefallen sind, ist er gezwungen, auf derselben Basis in Geldpreissätzen und

1) Siehe Jevons, Money and the Mechanism of Exchange, London (KeganPaul), 1893,
S. 333.
        <pb n="295" />
        ﻿Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

275

einen viel höheren Wert in Güterpreissätzen zu zahlen, als wenn die Preise
auf einer höheren Stufe ständen. Hieraus resultieren oft Zahlungseinstel-
lungen, eine Verminderung der Kreditumlaufsmittel und ernste Depression.
Bei Bezahlung in Kaufkraft wäre die Sachlage eine ganz andere. Das Fallen
der Preise würde weder den Entleiher schädigen noch dem Darleiher Gewinn
bringen.

Es hat den Anschein, als ob die „Tabellarwährung“ („tabular Standard“)
im großen ganzen wirklich vorzüglich sei1). Sicherlich könnte der Versuch
mit einem zunächst „dispositiven“ Gesetze materiell keinen Schaden bringen.
Doch ist die Tabellarwährung ganz ernstlichen, wenn nicht gar völlig ver-
hängnisvollen Einwendungen unterworfen. Vor allen Dingen würde die
mit dem System verbundene Notwendigkeit, das Geld in die Tabellarwährung
umzusetzen, das Publikum nicht in genügender Weise anziehen, um zur
vollständigen Annahme seitens der Kegierung zu führen. Ferner könnten
während der Übergangszeit von dem alten zum neuen System eine Beihe
der Übel, die durch das letztere beseitigt werden sollen, eine Verschlimmerung
erfahren, was von dessen weiterer Ausbreitung eher abschrecken, als sie
fördern würde. Selbst wenn ein Land das System in ganzem Umfange an-
nähme, so würde es sich kommerziell isolieren, was die Unannehmlichkeit
einer unsicheren internationalen Austauschrate zur Folge hätte. Ein ähn-
licher Nachteil träte zutage, wenn das System in einem Lande nur teilweise
angenommen würde. Der Geschäftsmann zieht natürlich stets ein gleich-
förmiges Rechnungssystem zwei sich einander befehdenden Systemen vor.
Er würde sich über ein derartiges doppeltes Rechnungssystem genau so be-
schweren, wie er sich stets über das im internationalen Handel zwischen
den Gold- und Silberwährungsländern bestehende doppelte Rechnungssystem
beschwert hat. Der Gewinn eines Geschäftsmannes stellt einen schmalen
Spielraum zwischen Einnahmen und Ausgaben dar. Wenn sowohl Ein-
nahmen wie Ausgaben in der Tabellarwährung berechnet werden könnten,
so wiese sein Gewinn eine größere Stabilität auf, als wenn Einnahmen und
Ausgaben in Geld berechnet werden. Wenn aber einige seiner Ausgaben
wie Zinsen und Löhne auf einer Tabellarbasis zu zahlen wären, während
seine Einnahmen auf eine Goldbasis gegründet sind, so würde sein Gewinn
viel größeren Schwankungen unterworfen sein, als wenn beide Seiten oder
alle Posten der Abrechnung auf Gold lauteten. Tatsächlich würde eine
ieichte Abweichung in den beiden Währungen seinen erwarteten Gewinn

l) Siehe J. Allen Smith, „The Multiple Money Standard", Annals of the American
Academy of Political and Social Science, März 1896.

18*
        <pb n="296" />
        ﻿276

XIII. Kapitel.

genau so in Verlust umwandeln, wie der Gewinn des Importeurs oder des
Exporteurs von Gütern zwischen China und den Vereinigten Staaten durch
eine geringe Veränderung in den Wechselkursen vernichtet werden kann.
Selbst wenn diese Währung Schwankungen unterworfen ist, wird der Ge-
schäftsmann in jedem der beiden Fälle vorziehen, auf beiden Seiten des
Rechnungsbuches ein und dieselbe Währung zu haben, als zwei verschiedene
Währungsarten, von denen nur eine Schwankungen ausgesetzt ist. Sein
Gewinn hängt mehr vom Parallelismus zwischen den beiden Seiten seiner
Abrechnung ab, als von der Stabilität der einen oder der anderen Währung.
In Indien, in den Philippinen, in Mexiko, in den Straits Settlements, Siam
und Panama wurde, um den Übeln zu entgehen, die das Vorhandensein
zweier Währungen nach sich zieht, nach langwierigen Debatten und Ver-
suchen die jetzige Golddevisenwährung angenommen.

§5.

Die Erwähnung der Golddevisen Währung bringt uns zu einem Vor-
schläge, der hier versuchsweise gegeben sein soll, und von dem anzunehmen
ist, daß er eines Tages als ratsam und ausführbar erachtet wird. Dieser
Plan vereinigt die Tabellarwährung mit den Grundsätzen der Golddevisen-
währung.

Wir haben die Golddevisenwährung bereits kurz beschrieben und auf
andere ausführlichere Informationsquellen hierüber hingewiesen. Wenn
auch der Sinn der Golddevisenwährung darin besteht, ein System teil-
weiser oder völliger Einlösung der einheimischen Münze in Gold darzu-
stellen, so ist doch in dem Lande selbst, in dem das System in Kraft ist,
Gold nicht unumgänglich notwendig. So wechselt die Regierung in den
Philippinen die Silberpesos auch nicht in Gold um, wenn das Gold für den
Export nach New York gebraucht wird. Statt dessen unterhält die Re-
gierung eine Goldreserve in New York und „löst“ die Filipino Pesos nur
in einer Tratte auf dieses Gold ein. Da die Tratte nach New York gesandt
werden kann, so dient sie zur Einlösung des Goldes für den Export. Im
Verkaufspreis ist eine Wechselprämie inbegriffen, die dem gewöhnlichen
über den „Goldpunkt“ hinaus festgesetzten Zuschlag entspricht, d. h. die
Regierung bringt bei dem Filipino auf das nach New York gehende Gold
das Äquivalent der Fracht, der Versicherung und anderer Auslagen in An-
rechnung.

Es liegt auf der Hand, daß das Golddevisensystem nur nominell ein
Einlösungssystem ist. Tatsächlich ist es ein System, das das Silberumlaufs-
        <pb n="297" />
        ﻿277



Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

mittel derart handhabt, daß sein Wert von dem Pariwert des Goldes nie-
mals mehr als um die gewöhnlichen zwischen Goldwährungsländem üblichen
Wechselprämien abweicht. Diese Manipulation besteht darin, daß das
Umlaufsmittel vermindert wird, wenn der Wechselkurs einen gewissen
Punkt über Pari erreicht und daß der Geldumlauf eine Erweiterung erfährt,
wenn der Wechselkurs auf einen gewissen Punkt unter Pari zu stehen kommt.
Die Verminderung des Umlaufsmittels wird durch den Verkauf von Aus-
landswechseln und die Absperrung des hierfür erhaltenen Kurantgeldes
gesichert, während die Erweiterung des Umlaufsmittels durch dessen Frei-
gabe in die Zirkulation oder, falls notwendig, durch das Prägen weiterer
Umlaufsmittel erlangt wird.

Der erfolgreiche Betrieb dieses Systems wird durch eine Überwertung
des Metallgehaltes des Silberumlaufsmittels nicht nur nicht beeinflußt,
sondern die Überwertung ist sogar erforderlich. Tatsächlich fand man es
in den Philippinen nötig, das Gewicht der Silberpesos von 374 Gran auf
247 Gran herabzusetzen, um deren Verschwinden zu verhüten. Ohne einen
Spielraum zwischen dem Münz- und dem Barrenwerte des Pesos würde die
Kraft, die die Zirkulation der Pesos reguliert, nur nach einer Richtung
hin wirken, nämlich in der einer Kontraktion; mit einem solchen Spielraum
aber ist die Fähigkeit sowohl zu einer Erweiterung als auch einer Kon-
traktion gegeben.

Sobald das System einmal eingebürgert wäre, würde es mit demselben
Erfolge arbeiten, wenn das Gewicht der Silbermünzen noch weiter reduziert
oder gar durch ein Papierumlaufsmittel ersetzt würde. Hieraus ist zu er-
sehen, daß die Golddevisenwährung im Grunde genommen tatsächüch die-
selbe Währung ist, die jetzt (1913) in Österreich für das Papiergeld in Betrieb
ist. In diesem Lande ist das Papiergeld faktisch uneinlöslich, es wird
aber durch den Verkauf von Devisen auf London auf dem Pariwerte ge-
halten.

Vermittelst dieses Planes, durch den der Barrengehalt der Münzen
unter deren Werte als Münze gehalten wird, kommt nicht nur das Ein-
schmelzen, der Export und das konsequente Verlorengehen einer Kontrolle
ihrer Quantität und ihres Wertes in Wegfall, sondern der Plan besitzt auch
den Vorteil der Ökonomie. Tatsächlich wurden die bei der Reduzierung
des Gewichtes auf den Philippinen gemachten Ersparnisse als Mittel zur
Deckung der Kosten für die Unterhaltung der Goldreserve und der anderen
Ausgaben verwendet, die zur Einführung und Inbetriebsetzung des Systems
erforderlich waren.

Anfangs wurde die Golddevisenwährung mit großem Argwohn auf-
        <pb n="298" />
        ﻿278

XIII. Kapitel.

genommen und ihre Verteidiger wagten es kaum, der Währung einen größeren
Wert als den eines praktischen Notbehelfs beizulegen, der, wie dies ja auch
der Fall war, ohne Gewaltsamkeit die Mittel an die Hand gab, den Übergang
von dem bestehenden System zur Goldwährung oder die Einführung un-
gewohnter Münzen leichter zu gestalten.

Die Ergebnisse waren jedoch so günstig, daß man sich fragen darf,
ob diejenigen, die das rein devisenpolitisch wirksame System der Gold-
devisenwährung ersannen, nicht besser beraten waren, als sie selbst es zu
sein glaubten. Während dieses System oberflächlich betrachtet eine starke
Ähnlichkeit mit Vorgängen, die auf die künstliche Schaffung einer Über-
fülle von Umlaufsmittel hinzielen, aufweist, ist mit ihm doch nur wenig
oder gar nicht das Odium oder das Mißtrauen verknüpft, dem jene Manöver
ausgesetzt sind. Die Obliegenheiten zur Aufrechterhaltung des Goldwechsel-
paris sind so einfach und das System ist so unfehlbar gewissenhaft durch-
geführt worden, daß selbst jene, die es anfangs mit aller Energie bekämpften,
nunmehr veranlaßt zu sein scheinen, ihm unbedingtes Vertrauen zu schenken.
In der Tat ist wohl unter allen erdenklichen Umständen kein Grund zur
Befürchtung eines Mißbrauches des Systems vorhanden.

Wenn hier nun also wirklich eine neue Verwaltungsmethode eingeführt
worden ist, der in dem Vollzüge ihrer Begulierungsfunktionen dasselbe Zu-
trauen entgegengebracht werden kann, wie der Tätigkeit eines Münzamtes,
so steht eigentlich nichts im Wege, das System noch weiter auszudehnen.
Wir wissen, daß das Wechselpari, das für die Golddevisenwährung angenom-
men wurde, durchaus arbiträr ist, woraus ersichtlich ist, daß dieses Pari
abgeändert werden kann. Das Wechselpari zwischen dem englischen und
dem indischen Währungssystem beträgt 16 d per Rupie. Dieses Pari könnte
mit Leichtigkeit auf 15 d oder 17 d und allmählich nach aufwärts oder nach
abwärts abgeändert werden. Falls wünschenswert, könnte bei derartigen
Veränderungen des Goldaustauschparis das Umlaufsmittel der Länder, die
gegenwärtig eine Golddevisenwährung haben, mit einer Tabellarwährung auf
Pari gehalten werden. Wenn es also für vorteilhaft erachtet wird, die genaue
Verschiebung der Goldwährung durch Indexnummern zu bemessen, so könnte
eine entsprechende Verschiebung des Wechselparis oder des Rupiepreises
in Gold bewirkt werden.

Nach dem gegenwärtigen Stande des Systems wird die Münzenprägung
so gehandhabt, daß sie auf gleichem Wert mit dem Gold gehalten wird,
d. h. die geprägten Münzen folgen den Schwankungen der Goldwährung, wo-
hin diese auch immer führen mögen. Wir wohnen also dem Schauspiele bei,
daß Indien und andere Länder, die zuvor eine Silberwährung hatten, sich nun
        <pb n="299" />
        ﻿Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

279

den Goldwährungsländern sozusagen an die Rockschöße hängen und dieser
erratischen Währung folgen, wohin diese auch immer führt, obgleich es
durch eben denselben Mechanismus in ihrer Macht steht, ihren Kurs stabil
zu erhalten.

Ich würde indessen keinen Augenblick daran denken, die Anregung zu
geben, diese Länder zu veranlassen, ihr Wechselpari mit den Goldwährungs-
ländern aufzugeben. Obgleich sich zugunsten eines solchen Verfahrens
viel sagen ließe, so würde dies einen großen Schritt nach rückwärts bedeuten
und zwar insofern, als dadurch die erwähnten Ungewißheiten internationalen
Austausches wieder auftauchen würden. Das Erforderliche besteht darin,
die gesamte zivilisierte Welt zu veranlassen, das zu tun, was nun in der
Macht der Golddevisenländer steht, nämlich mit einer Tabellarwährung
gleichen Schritt zu halten. Es liegt eine gewisse Anomalie in der Tatsache,
daß diese Golddevisenwährungsländer über eine Macht verfügen, ihr Preis-
niveau zu regulieren, die die Goldwährungsländer selbst nicht besitzen.
Infolge ihres gegenwärtigen Systems sind die letzteren den Zufällen der
Goldproduktion und der Metallurgie preisgegeben, während die ersteren
das Wechselpari mit den Goldwährungsländern nach Belieben innehalten
oder verändern können.

Offenbar könnten aber die Goldwährungsländer genau dasselbe tun, was
die Silberwährungsländer getan haben, d. h. sie könnten das System einer
Golddevisenwährung dadurch einführen, daß sie ihre Münzstätten dem
Golde verschlössen und, falls erforderlich, das Gewicht der Goldmünzen
reduzierten (obwohl dies bei der nun vor sich gehenden Entwertung des
Goldes wohl nicht nötig wäre) und eine Devisenwährung einsetzten, in der-
selben Weise wie die Philippinen und die erwähnten anderen Länder nun-
mehr ihr Golddevisensystem betreiben.

Um dies klarzumachen, wollen wir zunächst annehmen, ein Land, sagen
wir Österreich, wolle die Goldwährung beibehalten, während England, Deutsch-
land, Frankreich, die Vereinigten Staaten und die bedeutendsten anderen
Länder der Welt ihre Münzstätten dem freien Prägen von Gold verschließen.
Diese Länder könnten dann mit Österreich eine Golddevisenwährung mit
einem (variierenden) Wechselpari aufrecht erhalten. Durch eine von
Zeit zu Zeit vorzunehmende entsprechende Änderung des Wechsel-
paris könnte die ganze Handelswelt, Österreich ausgenommen, die Kauf-
kraft des Geldes stabil erhalten und deren Schwankungen mit dem Golde
verhindern. Das Verhältnis, in dem Indien nun zu England steht, wäre
dann von Indien und von England Österreich gegenüber einzuhalten. Doch
wäre es gar nicht einmal notwendig, daß sich ein Land wie Österreich kom-
        <pb n="300" />
        ﻿280

XIII. Kapitel.

merziell isoliert. Wenn das System in Betrieb gesetzt wird, sollten
alle Länder, die an der Sache genügendes Interesse haben, um einen
Staatsvertrag einzugehen, beteiligt sein. Damit aber Österreich seine eigenen
Interessen nicht opfert, wenn es als Goldwährungsland zu den Bedingungen
dient, unter denen alle anderen Länder der Welt gemeinsam ihre Wechsel-
paris adjustieren müßten, könnte es seine Umlaufsmittel durch den Ein-
und Verkauf von Gold selbst adjustieren. Mit anderen Worten: genau
dieselben Prinzipien, durch die die Währungsmittel in Indien oder in den
Philippinen vermittelst des Ein- und Verkaufes von im Ausland auf Gold
gezogenen Devisen reguliert werden, könnten den Ein- und Verkauf des
Goldes im Inlande selbst direkter bewirken. Österreich würde sich deshalb
hierzu vorzüglich eignen, weil das System, mittelst dessen es sein uneinlös-
liches Papiergeld zu einem festen Pari mit Gold aufrechterhalten hat, in
diesem Lande der Hauptsache nach schon lange in Betrieb ist. Sollte es
zu entsprechenden Vertragsunterhandlungen kommen, so könnte sich
Österreich zur Aufrechterhaltung eines Paris verpflichten und zwar nicht
eines Paris mit einem festgesetzten Goldgewicht, sondern mit einem
solchen Goldgewicht, das eine festgesetzte Kaufkraft hat und dies könnte
durch den Ein- und Verkauf von Gold zu diesen adjustierten Preisen
geschehen, indem es Barrengold für Kronen verkauft, wenn das Umlaufs -
mittel vermindert werden, und Barrengold für Kronen kauft, wenn es eine
Erweiterung erfahren soll. Alle anderen Länder könnten durch solche
Methoden, wie die, durch welche zum Beispiel Indien jetzt sein Pari mit
England aufrecht erhält, ihr Pari mit Österreich oder gegeneinander auf-
rechterhalten für den Fall, daß genau dasselbe Verfahren, wie es für Öster-
reich vorgeschlagen wurde, nicht vorgezogen wird. Tatsächlich ist die
Methode, das Pari durch den Verkauf von Wechseln auf andere Länder
aufrecht zu erhalten oder dies durch den Austausch von Umlaufsmitteln
für irgendeine Ware, z. B. für Gold zu bewerkstelligen, im Grunde genommen
fast ein und dasselbe.

Zur richtigen Durchführung eines solchen internationalen Systems sind
drei getrennte Funktionen erforderlich: 1. die Funktion, das Wechselpari
mit der österreichischen Kronenmünze aufrecht zu erhalten, was durch
Bureaus für den Auslandswechselverkehr auszuführen wäre und zwar in
genau derselben Weise, wie dies jetzt in den Philippinen unter dem Gold-
devisensystem geschieht; 2. die ähnliche Funktion, das Umlaufsmittel in
wenigstens einem Lande zu regulieren (beispielsweise in Österreich), was
mit Hilfe eines Bureaus zur Regulierung der Umlaufsmittel durch den Ein-
und Verkauf von Gold nach Wahl des Publikums und zu einem amtlichen
        <pb n="301" />
        ﻿Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

281

Preise zu geschehen hätte; dieser Preis würde der Entscheidung des (unter
3. erwähnten) Statistischen Amtes gemäß von Zeit zu Zeit festgesetzt werden;
3. die Funktion, diesen amtlichen Goldpreis dem Preisniveau gemäß festzu-
setzen. Es könnte ein internationales Statistisches Amt, sagen wir im Haag,
eingerichtet werden, wo dies von Beamten in ganz mechanischer Weise zu
vollziehen wäre. Die Obliegenheiten dieses Bureaus würden in der Er-
mittelung der Preisindexnummern bestehen, was in der üblichen Weise ge-
schehen könnte, und sodann würde der Marktpreis des Goldes durch diese
Indexnummer zu dividieren sein.

Wenn zum Beispiel nach Ablauf eines Jahres, nachdem das System
in Betrieb gesetzt wurde, das Statistische Bureau findet, daß die Preise
um 1 % gestiegen sind, so würde dieses Bureau zur Neutralisierung dieses
Steigens eine offizielle Erklärung an das Bureau, das die Umlaufsmittel
reguliert, abgeben, die den offiziellen Goldpreis substantiell um ein Prozent
niedriger stellt als der herrschende Marktpreis beträgt. Das Publikum
wird sodann zu diesem billigen Preise von der Regierung Barrengold
kaufen und dagegen Kurantgeld abtreten. Das Umlaufsmittel wird
dadurch vermindert und die allgemeinen Preise werden fallen, bis Gold
nicht mehr verlangt oder bis ein neuer offizieller Goldpreis deklariert wird.
Sollte der nächste amtliche Goldpreis über dem Marktpreis zu stehen kommen,
so hätte die Regierung Gold einzukaufen und auf diese Weise einen Teil
der früher eingezogenen Umlaufsmittel wieder auszugeben oder, falls es
erforderlich wäre, eine Neuausgabe von Kurantgeld vorzunehmen.

In dem vorstehend entworfenen Vorschlag wird ein einziger Goldpreis
aufgestellt, zu dem die Regierung zu kaufen oder zu verkaufen bereit sein
muß. Es wäre indessen praktisch von großem Vorteil, wenn zwei Preise
aufgestellt würden, die voneinander etwas differieren und zwar dergestalt,
daß der höhere für den Verkauf und der niedrigere für den Einkauf gilt.
Die Idee eines Preispaares rührt von Ricardo her1). Wie wir gesehen haben,
wird dieser Modus auch in der Golddevisenwährung analog den „Gold-
punkten“ angewandt. Obgleich das österreichische Papierumlaufsmittel
gewöhnlich als uneinlösbar gilt, so wird es doch durch ein ähnliches Ab-
kommen auf gleichem Werte mit dem Gold gehalten. Unter diesem Ab-
kommen ist die Österreichisch-Ungarische Bank stets bereit, Gold zum
Preise von 3278 Kronen 2) per Kilo zu kaufen und Golddevisen auf London
feiner etwas höheren Rate zu verkaufen.

l) Proposals jor an Economical and Secure Currency, 2. Aufl., London (Murravi
!816, S. 26.

*) Siehe L. V. Mises, „The foreign exchange policy of the Austro-Hungarian Bank“
Economic Journal, Juni 1909, S. 201.
        <pb n="302" />
        ﻿282

XIII. Kapitel.

Aus dem Vorstehenden ist ersichtlich, daß der hier vorgeschlagene
Plan in den Umlaufsmitteln der Welt keinerlei Umwälzung hervorrufen
würde. Der Vorschlag erfordert nicht viel mehr als bereits vorhandene, ge-
trennte Funktionen zu einem betriebsfähigen Ganzen zu vereinigen. Nach
diesem Plane wäre 1. eine Berechnung der Indexnummern vorzunehmen,
wie dies gegenwärtig durch das amerikanische Arbeitsamt geschieht; 2. der
Ein- und Verkauf von Wechseln zu besorgen, wie dies gegenwärtig die
Regierung auf den Philippinen tut; 8. wäre der Ein- und Verkauf von Gold
zu bewirken, wie es gegenwärtig in Österreich der Fall ist und 4. die perio-
dische Wiederanpassung der Goldparis vorzunehmen (was nur bedeuten
würde, mehr als einmal das zu tun, was in Indien, in den Philippinen, in
Mexiko, den Straits Settlements, Siam und Panama geschah, als dort das
jetzige System eingeführt wurde). Die Wiederanpassung des Pariwertes ist
der einzige hinzugekommene Punkt, und dieser sollte nicht mit der Begrün-
dung verurteilt werden, daß er Wertschwankungen verursache, denn gerade
durch diese Wiederanpassung wird bezweckt, die Schwankungen, unter
denen wir jetzt zu leiden haben, zu verhindern. Weder diese periodische
Wiederanpassung noch irgendein anderer hervortretender Punkt des Planes
würde eine Veränderung im Zirkulationsmedium erfordern. Jede Nation
würde das altbewährte und gewohnte Kurantgeld, sei es Gold, Silber oder
Papier, nach wie vor verwenden. Der Alltagsmensch würde von einer Ver-
änderung nichts merken.

Die Kosten zur Unterhaltung des Golddevisensystems haben sich nur
als gering erwiesen; die Kosten einer Durchführung des hier vorgeschlagenen
Systems stehen, wie es sich auch immer gestalten möge, in keinem Vergleich
zu den Vorteilen, die es der gesamten zivilisierten Welt bringen würde.

Nebenbei würde das System den Vorteil haben, die schon oft vor-
geschlagene Adjustierung der relativen Werte verschiedener Münzen mit
Leichtigkeit vorzunehmen und zwar insofern als natürlich die erste Ad-
justierung der Pariwerte das Pfund Sterling mit fünf Dollar, den Rubel mit
fünfzig Cent, den japanischen Yen mit fünfzig Cent, den holländischen
Gulden mit vierzig Cent, die Mark mit fünfundzwanzig Cent, den Franken
mit zwanzig Cent, die österreichische Krone mit zwanzig Cent und die
portugiesische Krone mit zehn Cent gleichwertig gestalten würde.

Durch den Plan wie er hier entworfen wurde, wird die Regulierung der
Umlaufsmittel der Welt durch den Ein- und Verkauf von Gold ins Auge
gefaßt, doch könnte selbstverständlich an Stelle des Goldes Silber oder eine
andere Ware zur Verwendung kommen. Je weniger veränderlich der Artikel
im Verhältnis zu den Waren im allgemeinen ist, desto weniger werden Wieder-
        <pb n="303" />
        ﻿Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

283

anpassungen nötig und desto lebhafter wird der seitens der Regierung zu
vollziehende Ein- und Verkauf dieses Artikels sein.

Der Einwendungen, die gegen dieses System erhoben werden können,
gibt es ohne Zweifel viele, doch sind diese wohl nicht so bedeutungsvoll
als die Einwendungen, die bereits gegen die Annahme der Golddevisenwährung
geltend gemacht wurden und die durch den Lauf der Ereignisse eine zu-
friedenstellende Lösung ergaben. Wenn durch ein internationales Abkommen
Österreich verpflichtet würde, die Krone als idealen Pariwert mit Waren in
Übereinstimmung mit einer Indexnummer aufrecht zu erhalten, so hat es
tatsächlich den Anschein, als ob darin keine größere Gefahr zu erblicken
ist, als wenn diesem Lande, wie dies gegenwärtig der Fall ist, das Vertrauen
geschenkt wird, das Wechselpari mit London stabil zu unterhalten, ebenso
wie der Regierung in Indien, in Mexiko, in den Straits Settlements, in Siam,
Panama oder in den Philippinen gestattet ist, ihr überwertetes Silber zum
Pariwerte mit Gold aufrecht zu erhalten. Die Funktionen, um die es sich
hier handelt, sind rein mechanischer, die erforderlichen Verrichtungen
spezifischer Natur. Vergehen gegen eine strikte Erfüllung des Gesetzes oder
Vertrages würden augenblicklich wahrgenommen und je nach der inter-
nationalen Bedeutung und Tragweite des Verstoßes der Schuldige zur Ver-
antwortung gezogen und bestraft werden. Der Vorschlag erheischt und ge-
stattet keinerlei von dem Gutdünken irgendeines Beamten abhängiges Herum -
experimentieren an der Währung. Der Beamte, der die Regulierung vornimmt,
tut dies lediglich durch Ein-und Verkauf von Gold zu den spezifischen Preisen,
die von anderen Personen festgesetzt wurden und hat je nach dem Gutdünken
des Publikums zu kaufen oder zu verkaufen. Er würde keine größere Selb-
ständigkeit haben als ein Börsenmakler, der bestimmt wird zu Preisen
einzukaufen oder zu verkaufen, die von seinen Kunden spezifiziert wurden,
oder als sein Prototyp, der derzeitige Beamte in den Philippinen, der
das Ein- und Verkaufen von Auslandswechseln zu besorgen hat. Die
Gefahr eines Mißbrauches oder einer Unterschlagung im Statistischen
Bureau, dessen Arbeit auf veröffentlichte Marktpreise gegründet ist und
die notwendigerweise offen verrichtet werden muß, bedarf wohl keiner
Erörterung.

Die Verwirklichung des Vorschlages würde nicht nur die Möglichkeit
des Mißbrauches durch einzelne Beamte beseitigen, sondern auch gegen die
Gefahr einer inflationistischen Gesetzgebung alle Sicherheit bieten. Keine
einzige Nation könnte durch derartige Maßnahmen ihr Geldquantuni er-
höhen, ohne das internationale Abkommen zu verletzen und sich demgemäß
zu isolieren, während es ganz undenkbar ist, daß alle zivilisierten Staaten
        <pb n="304" />
        ﻿284

XIII. Kapitel.

der Welt willkürlich und gleichzeitig die Torheit einer inflationistischen
Gesetzgebung begehen könnten.

Bevor aber irgendwie eine Kontrolle des Preisniveaus unternommen
werden kann, muß das Publikum die Notwendigkeit einer solchen zu würdigen
lernen. Solange man sich aber sogar in den Reihen der Geschäftsleute
selbst nicht einmal voll und ganz bewußt ist, daß man tagtäglich mit Ver-
änderungen im Werte des Geldes spielt und sich über diese Tatsache in
glückseliger Unwissenheit befindet, solange wird man kein Verlangen zeigen,
diese Veränderungen zu verhindern. Und doch bildet die Geschäftswelt die
Partei, um deren Interessen es sich in erster Linie handelt, und der erste
wichtige Schritt in dem Reformverfahren muß darin bestehen, den Ge-
schäftsleuten die Wohltaten einer stabilen Kaufkraft begreiflich zu machen1).
Solange dies nicht geschehen ist, sind irgendwelche politischen Vorschläge
als verfrüht zu betrachten.

§6-

Zu Beginn dieses Kapitels haben wir die Grundsätze, die die Kaufkraft
des Geldes bestimmen und die mit ihnen verbundenen praktischen Probleme
einer Durchsicht unterzogen. Hierauf wurden die möglichen Methoden
erörtert, durch die die Übel der Veränderlichkeit in der Kaufkraft vermieden
werden könnten. Unter diesen Methoden wurde eine erhöhte spezifische
Kenntnis der Bedingungen wie auch eine allgemeine Kenntnis der Prinzipien
als eine der wichtigsten und ausführbarsten Bedingungen erachtet. Sodann
wurden die Behauptungen, daß der Bimetallismus und der Polymetallismus

J) In einer kürzlich herausgegebenen populären Flugschrift von A. C. Lake, be-
titelt Currency Reform the Paramount Issue, Memphis (28 N. Front St.), Tenn., wird der
Vorschlag gemacht, die freie Ausprägung von Gold einzustellen. Während ich dies schreibe,
erhalte ich über die nun auch in außerakademischen Kreisen Platz greifende Idee, daß
das Gold eine unbeständige Währung sei, weiteres Beweismaterial. Das rasche Steigen
in den Lebenskosten hat die Aufmerksamkeit der Zeitschriften und Tagespresse natürlich
auf diesen Gegenstand gelenkt. Thomas Alva Edison prophezeit in einer kürzlich statt-
gehabten Unterredung einen weiteren Sturz im Wert des Goldes durch die Entdeckung
billiger Methoden, aus gewissen Tonlagem im Süden ungeheure Goldmengen herauszu-
ziehen, — eine Entdeckung, die mit Gewißheit früher oder später gemacht werden wird.
Er macht die treffende Bemerkung: „Ist es nicht absurd, eine Substanz als Wertregulator
zu haben, deren eigentlicher Zweck ist, Bilderrahmen zu vergolden und Zähne zu plom-
bieren?“ Mr. Carnegie stipuliert in seiner letzten Schenkung von zehn Millionen Dollar
für die Carnegie Institution in Washington, daß ein gewisser Teil des Einkommens als
Tilgungsfond gegen die „abnehmende Kaufkraft des Geldes“ in Reserve gestellt wird.

ies ist bedeutungsvoll als einer der ersten Fälle, daß ein Geschäftsmann in praktischer
Weise die Unbeständigkeit des Goldes erkannt hat.
        <pb n="305" />
        ﻿Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.

285

als Mittel zur Aufrechterhaltung eines stabilen Preisniveaus dienen, in Er-
wägung gezogen. Es zeigte sich, daß ein System, durch das zwei oder mehrere
Metalle aufs unbestimmte zu einem übereingekommenen Verhältnis in Zir-
kulation gehalten werden, keinerlei Garantie gewährt, und es wurde
darauf hingewiesen, daß, selbst wenn dies der Fall wäre, ein eventueller
Vorteil in bezug auf die Stabilität der Preise wohl nur von geringer Bedeutung
sein würde. Der letztere Einwand wurde auch gegen den Symmetallismus,
also gegen den Vorschlag, mehr als ein Edelmetall in jeder Währungsmünze
zu vereinigen, und ebenso auch gegen das System der „verbundenen Metall-
platten“ erhoben, usw.

Es wurden sodann mehrere Methoden in Erwägung gezogen, mittelst
deren die Regierung die Quantität des Geldes im Verhältnis zum Verkehrs-
bedürfnis derart regulieren könnte, daß das Preisniveau stabil erhalten wird.
Zu diesem Zwecke wurde die Methode aufgeführt, uneinlösbares Papiergeld
als Währungsgeld zu ernennen und dessen Quantität zu regulieren. Eine
andere Methode ging dahin, den Zufluß des Metallgeldes durch eine vari-
ierende Münzgebühr zu regulieren. Ein noch anderes Verfahren bestand in
der Ausgabe von Papiergeld, das auf Verlangen in Gold einzulösen ist, was
jedoch nicht in dem festgesetzten Betrage des Grundedelmetalles, sondern
in einem veränderlichen Betrage zu geschehen hätte, dessen Höhe so fest-
gesetzt wird, daß das Preisniveau unverändert bleibt. Und schließlich wurde
der Plan des Verfassers, der die Golddevisenwährung in Verbindung mit
einer Tabellarwährung vorschlägt, in reifliche Erwägung gezogen.

Es wurde die Anregung gegeben, daß der erste Schritt in dieser not-
wendigen Reform darin bestehen müsse, das Publikum und insbesondere
die Geschäftswelt zu bewegen, das Problem der Wertbeständigkeit des Geldes
zu studieren und sich zu überzeugen, daß gegenwärtig Kontrakte in Geld
ebenso wahrhaftige Spekulationsgeschäfte sind, wie Warentermingeschäfte,
und daß sie in der Tat nur eine Spielart des Terminhandels bedeuten.

Ist die notwendige Aufklärung einmal im Gange, dann wird es an der
Zeit sein, Vorschläge zur Regulierung der Kaufkraft des Geldes im Lichte
der öffentlichen und wirtschaftlichen Lage derZeit zu erstatten. Aber alles
dies ist Sache der Zukunft. Für den Augenblick scheint nichts so notwendig
zu sein, als das Problem und die Grundzüge seiner Lösung zu formulieren und
der Hoffnung Raum zu geben, daß das, was heute eine akademische Frage
ist, zu gegebener Zeit zu den wichtigsten Entscheidungen drängen möge1).

*) Eine ausführlichere Erklärung des vorstehend beschriebenen Vorschlages der
»Wertstabilisierung des Dollars“ findet der Leser auf S. 416 ff.
        <pb n="306" />
        ﻿286

Anhang zum II. Kapitel.

Anhang zum II. Kapitel.

§ 1 (zum II. Kapitel, § 3).

Der Begriff eines Mittelwertes.

In der Theorie wie in der Praxis sind Mittelwerte von so großer Be-
deutung, daß es angezeigt erscheint, eine kurze Darlegung ihrer Grund-
begriffe hier einzuschalten, um so mehr, als den Lesern volkswirtschaftlicher
Werke so wenig über diesen Gegenstand zu Gebote steht1).

Es gibt zahlreiche Arten von Mittelwerten. Von diesen sind besonders
die arithmetischen, geometrischen und harmonischen Mittel zu nennen, von
denen es wieder viele verschiedene Varietäten gibt. Das einfache arithmetische
Mittel einer bestimmten Reihe von Gliedern wird gefunden, indem man die
Summe der Einzelwerte durch deren Anzahl dividiert. Nehmen wir z. B.
an, daß der Durchschnitt von 2 und 8 gefunden werden soll. Er beträgt
(2 8) 10

unzweifelhaft —' = — = 5. Dieser Mittelwert wird tatsächlich am

a	a

häufigsten verwendet.

Das einfache geometrische Mittel erhält man, wenn man alle Glieder
miteinander multipliziert und aus dem Produkt diejenige Wurzel zieht,
die der Anzahl der Glieder entspricht. Der geometrische Durchschnitt von
2 und 8 beträgt demnach /2 x 8 oder 4.

Das einfache harmonische Mittel einer beliebigen Anzahl von Gliedern
ist der reziproke Wert des arithmetischen Mittels ihrer reziproken Werte.

1

Für 2 und 8 beträgt es demnach \ oder 3£.

2

Das gewogene arithmetische Mittel ist eine Modifikation des einfachen
arithmetischen Mittels. Setzen wir den Fall, daß die mittlere Höhe von
zwei Baumgruppen gefunden werden soll, von denen die eine Gruppe aus
hohen und die andere aus niedrigen Bäumen besteht. Die Höhe der einen
Gruppe beträgt 8 und die der anderen 2 Meter. Das einfache arithmetische
Mittel ist, wie wir gesehen haben, 5. Dieses Mittel behandelt aber beide
Groppen als gleichbedeutend. Wir wollen aber annehmen, daß die Zwei-
metergruppe aus zwanzig und die Achtmetergruppe aus zehn Bäumen be-

r) Eine eingehende Erörterung erfährt dieser Gegenstand in Dr. Franz Zizeks „Die
statistischen Mittelwerte“, Leipzig (Duncker &amp; Humblot), 1908, wo weitere Verweisungen
zu finden sind (S. 2).
        <pb n="307" />
        ﻿Anhang zum II. Kapitel.

287

steht, und daß wir einen Durchschnitt der beiden Höhen zu suchen haben,
die jedem Baume die gleiche Bedeutung gibt. Die Gruppe der zwanzig
niedrigen Bäume erhält hierbei die doppelte Bedeutung gegenüber der aus
den zehn hohen Bäumen bestehenden Gruppe. Wir geben jedem Baume
die gleiche Bedeutung, wenn wir das einfache arithmetische Mittel der
dreißig Bäume nehmen. Dieses einfache Mittel von dreißig Bäumen ist dann
der gewogene Durchschnitt der beiden Baumgruppen. Er wird gefunden,
wenn die sämtlichen Höhen addiert (zwanzig Höhen von zwei Metern und
zehn Höhen von acht Metern) und durch die Zahl der Bäume (20 + 10)

20 x 2 4-10 x 8

dividiert werden. Das heißt, die mittlere Höhe beträgt----20 + 10-----= ^

(als Durchschnitt der beiden Gruppen betrachtet, anstatt desjenigen der
dreißig Bäume), und dies ist das gewogene arithmetische Mittel von 2 und 8;
darin ist die 2 zwanzigmal und die 8 zehnmal gewogen. Das gewogene Mittel
der beiden Gruppen bedeutet das einfache Mittel der dreißig Bäume. Mit
anderen Worten: wenn wir die verschiedenen Glieder, deren Durchschnitt
ermittelt werden soll, „wiegen“, so wird jedes dieser Glieder nicht mehr
einmal gezählt, sondern so, als ob das eine (sagen wir) zwanzig und das andere
(sagen wir) zehn bedeuten würde, wobei die Zahl, die angibt, wie oft ein
Glied gezählt wird, dessen „Gewicht“ bildet. Auf dieselbe Weise können
wir den gewogenen geometrischen und den gewogenen harmonischen Durch-
schnitt bestimmen. Wenn wir das nämliche Beispiel der Bäume anwen-

1

den, so finden wir die Ergebnisse Sj/220 • 810 bzw. 3.175 und ^0(-)■) -(-10 (rj

30

oder 2f.

Das gleiche Ergebnis würden wir erhalten haben, wenn wir (statt 20
und 10) 2 und 1 als Gewichte genommen hätten.

Da es so viele verschiedene Arten von Durchschnitten gibt, müssen
wir uns die Frage vorlegen: Welche Bedeutung hat ein Durchschnitt oder
Mittelwert im allgemeinen? Die Antwort lautet: Jeder Durchschnitt einer
Anzahl von Gliedern muß durch eine mathematische Regel erlangt werden,
und zwar so, daß deren Durchschnitt auf eine Reihe gleichbedeutender Glieder
ungewandt, mit jedem einzelnen dieser Glieder gleichbedeutend ist. Eine
jede Regel ist zur Berechnung von Durchschnitten zulässig, die diese Be-
dingungen erfüllt (nämlich die Bedingung, daß der Durchschnitt gleich-
bedeutender Glieder mit jedem einzelnen Gliede gleichbedeutend sein muß).
Bekanntlich ist das einfache arithmetische Mittel A, von a, b und c,

A =	Daß diese Formel der geforderten Probe entspricht, liegt
        <pb n="308" />
        ﻿288

Anhang zum II. Kapitel.

auf der Hand. Wenn A an Stelle jeder der drei Größen a, b und c in

.A+A+A

a + b + c

gesetzt wird, so erhalten wir:

ein Ergebnis, das, wie wir sehen,

gleich A ist; die Probe bestätigt sich also.

Wir wollen ferner annehmen, daß G das geometrische Mittel von a,

3_____

b und c ist, so daß G = ]/abc. Diese Formel stimmt mit der Begriffsbe-
stimmung eines Durchschnittes ebenfalls überein, da G = ]!GGG.

Der harmonische Durchschnitt (den wir H nennen wollen) von a, b

1

und c ist in ähnlicher Weise H = - + \ + Auch dies stimmt, weil

a b c

H=g+s

1

H

Für einen gewogenen arithmetischen Durchschnitt A von a, b und c,

dessen Gewichte a, ß, y sind, haben wir die Formel Ag =

welche mit unserer Probe übereinstimmt, da unzweifelhaft

^ =	+ ßAg + yAg

ß + ß+ 7

««+ ßb-\- yc
~a~+ß+r ’

Durch die Anwendung dieser allgemeinen Regel können wir nach Be-
lieben zahllose Arten von Durchschnitten ermitteln. Nur ist es notwendig,
eine jede Formel zweimal zu schreiben, einmal unter Benutzung der Glieder,
deren Durchschnitte gefunden werden sollen, und das andere Mal statt
dessen unter Benutzung des gef orderten Durchschnittes, worauf die Gleichung
der beiden Formeln auf gestellt werden kann. Nehmen wir z. B. die kom-
{a + a2 + Ka3)(b+

plizierte Formel_______________1___ .	.. Diese kann zur Erlangung einer

3,—

c+ |fbe

neuen Art von Durchschnitten (x) von a, fcund c angewandt werden, einfach

(x+%2 + Ko?) (x~\—

durchAusgleichung derselben mit der ähnlichen Form-------------A----Az.

x + Vx2

Daß x, wie wir durch diese Gleichung gefunden haben, mit unserer Begriffs-
        <pb n="309" />
        ﻿Anhang zum II. Kapitel.

289

bestimmung eines Durchschnittes übereinstimmt, ist klar ersichtlich, da
durch die Einsetzung von x für a, b und c, die Richtigkeit der Gleichung
klar vor Augen liegt, was uns lehrt, daß x der vorgeschlagene neue Durch-
schnitt der gleichbedeutenden Glieder x ist.

Ein besonderer Fall der Begriffsbestimmung, welcher hervorgehoben
werden muß, ist der, in welchem zwei oder mehrere Durchschnitte (die nicht
notwendigerweise von derselben Art sein müssen) zueinander in Beziehung
stehen. Wenn wir wissen, daß B ein Mittelwert von 6,, b2, b3,... ist, so brau-
chen wir, wenn A ein Mittelwert von ax, a2, a3,... werden soll, nur eine der-
artige Formel zu haben, daß, wenn a1 = a2 = a3... und zugleich b1 = b2= b3
(jede der Größen muß durch Hypothese B gleich sein), auch A jeder der
Größen a2, a2, a3 usw. gleich sein muß. Viele ähnliche Beispiele von Mittel-
wertpaaren wie A und B sind in Kapitel X gegeben (über die Konstruktion
von Indexziffern). Ein einfaches Beispiel ist das folgende:

Lassen wir nAB = aib1 + aJb2 -f- aj)3 + • • • und B das arithmetische

Mittel sein =	+ 62 + &amp;3 + — (n ist die Zahl der Glieder). Dann ist

n

A eine (neue) Art Mittelwert von av a2, a3; denn durch den Ersatz von
A für Uj, a2, a3,... und B für bu b2, l3 in der Gleichung nAB =	•

ist die Gleichung befriedigt.

§ 2 (zum II. Kapitel, § 5).

Der Begriff „Umlaufsgeschwindigkeit“.

Die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes ist als das Verhältnis des auf-
gewendeten Geldes zu dem durchschnittlich verfügbaren Gelde, d. h. als die
Umsatzrate, definiert worden. Eine Umsatzrate unterscheidet sich von
der populären Vorstellung von „Geschwindigkeit“. Volkstümlich versteht
man unter Geschwindigkeit, wievielmal Geld durchschnittlich aus der
Hand der einen Person in die einer anderen übergeht, wogegen wir in
Geschwindigkeit die Durchschnittszahl der Münzen erblicken, die durch
eines Mannes Hand gehen, dividiert durch den in seinem Besitze be-
findlichen Durchschnittsbetrag. Der Unterschied zwischen diesen beiden
Begriffen ist dem zweier Methoden, die Geschwindigkeit eines Eisenbahn-
zuges zu ermitteln, sehr ähnlich. Die eine Methode ist, dem Zuge
eine gewisse Anzahl von Meilen zu folgen und festzustellen, wieviel
Zeit er braucht, um diese Meilen zurückzulegen. Die andere Methode
besteht darin, von einem gewissen Punkte neben dem Geleise aus die Zeit

bisher, Kaufkraft des Geldes.	19
        <pb n="310" />
        ﻿290

Anhang zum II. Kapitel.

festzustellen, die ein Zug von gegebener Länge zum Vorbeifahren an dieser
Stelle benötigt. Das Folgen des Zuges von Ort zu Ort entspricht dem Folgen
einer Münze von Person zu Person, während das Beobachten der Vorbeifahrt
des Zuges an einem Punkte mit dem Beobachten der Umsatzrate des Geld-
beutels einer Person vergüchen werden kann. Wir können diese zwei Methoden
als die „Münzenübertragungsmethode“ und die „Personenumsatzmethode“
unterscheiden. Beide Methoden ergeben, wenn richtig angewandt, dasselbe
Resultat. Bei der Münzenübertragungsmethode wird jedoch gewöhnlich ein
wichtiger Unterschied übersehen, nämlich der Unterschied zwischen dem
Brutto- und Nettoumlauf des Geldes. Was wir haben wollen, ist die Rate, zu
der Geld für den Einkauf von Gütern verwendet wird und nicht die „Umwechs-
lung in kleinere Münzsorten“. Das Ergebnis ist der Unterschied zwischen
der Anzahl der Male, die jedes Geldstück seinen Besitzer gegen Güter,
und der Anzahl der Male, die es seinen Besitzer mit Gütern wechselt.
Wenn eine Zehndollarnote für den Einkauf von Waren umgesetzt und
$ 2 „herausgegeben“ werden, so kann das wirkliche, für Güter ausgegebene
Geld weder mit $ 12, der Bruttogeldübertragung, noch mit $ 10, dem
gegen Güter umgesetzten Bruttobeträge, gemessen werden, sondern nur
mit $ 8, dem für Güter gezahlten Nettobeträge. Wollen wir bei der
Münzenübertragungsmethode die durchschnittliche Umlaufsgeschwindigkeit
zweier Geldstücke ermitteln, sagen wir von einem Dollar und einem Zehn-
centstücke, so müssen wir nicht nur die VeWoumsatzrate jeder Münze finden,
sondern auch die Verschiedenheit der Kaufkraft der beiden Münzen erwägen.
Nehmen wir an, daß der Dollar während eines Jahres 115 mal gegen Güter
und 15 mal mit Gütern ausgegeben wird, so daß seine Nettoumlaufsgeschwin-
digkeit 115 —15 oder 100 ist. Wenn wir nun die Geschwindigkeit des Zehn-
centstückes mit 290 — 90 oder 200 annehmen, so muß bei der Durchschnitts-
geschwindigkeit der beiden Münzen ihr verschieden hoher Wert irgendwie
berücksichtigt werden. Ein Dollar ist das Äquivalent von zehn Zehncent-
stücken. Um den tatsächlichen Durchschnitt, das heißt den Durchschnitt
des von beiden geleisteten Dienstes zu erhalten, ist also seine Umlaufs-
geschwindigkeit zehnfach zu „wiegen“. Die Nettozirkulationsrate von
100 für den Dollar ist gleichwertig der Nettoumlaufsgeschwindigkeit
von 100 für jedes einzelne der zehn Zehncentstücke. Daraus folgt,

daß die Durchschnittsgeschwindigkeit der beiden Münzen ^	^

ist, ein Ergebnis, das der Geschwindigkeit des Dollars viel näher kommt
als der des Zehncentstückes. Werden diese beiden Sicherheitsmaßregeln
gegen Irrtümer bei der Münzenübertragungsmethode angewandt, so ist
        <pb n="311" />
        ﻿Anhang zum II. Kapitel.	291

leicht zu ersehen, daß diese dasselbe Resultat ergibt, wie die Personen-
umsatzmethode 1).

Es gibt jedoch noch eine Größe, die im Zusammenhang mit der Ge-
schwindigkeit des Geldumlaufes zu berücksichtigen ist. Sie kann die Durch-
schnittsumsatzzeit genannt werden, d. h. der Durchschnittsbetrag der Zeit,
die gebraucht wird, um alles gegebene Geld einmal umzusetzen. Dies ist
der „reziproke Wert“ der Geschwindigkeit. Wenn Geld zwanzigmal im Jahre
von Hand zu Hand geht, so ist es durchschnittlich einmal in eines Jahres
oder einmal in etwas über 18 Tagen umgesetzt worden. Dies ist seine Durch-
schnittsumsatzzeit. Wenn die Durchschnittsumlaufsgeschwindigkeit oder
Umsatzrate vierzigmal im Jahre erfolgt, dann ist die Durchschnittsumsatz -
zeit ^ eines Jahres oder ungefähr neun Tage. Oder wir wollen anstatt
alles gegebene Geld direkt in Erwägung zu ziehen, nur einen Teil davon
betrachten. Wenn ein Mann im Durchschnitt jeden Tag $ 10 in seiner
Tasche hat und täglich durchschnittlich $ 1 ausgibt, so setzt er offenbar
jeden Tag TV seines Geldes um. Da jeden Tag TV seines durchschnittlichen
Bestandes umgesetzt wird, so vollzieht sich der Umsatz seines gesamten
Bestandes 36V2 mal im Jahre oder einmal in 10 Tagen; die Umsatzzeit
beträgt somit 10 Tage. Wenn nun dieser Mann eine Brieftasche mit einem
Stoße von 10 Eindollarnoten besäße und jeden Tag, sobald er die oberste
für seine Ausgaben herausgenommen hätte, eine andere zu unterst hinzu-
fügte, so würde offenbar eine jede dieser Noten gerade zehn Tage in seinen
Händen verbleiben, bis sie in diesem Stoße die Wanderung von unten bis
oben gemacht hätte.

§ 3 (zum II. Kapitel, § 5).

Anordnung der p, Q und pQ.

Nehmen wir an, daß das Jahr in eine unbestimmte Anzahl von Zeit-
perioden oder Zeitpunkten eingeteilt ist und daß die Preise und Quantitäten,
die sich auf jene aufeinander folgenden Perioden beziehen, durch die Be-
zeichnungen 1, 2, 3 usw. auf der linken Seite der Buchstaben p und q unter-
schieden sind, ferner daß wir mit einem Gemeinwesen von unbestimmter
Bersonenzahl in Verkehr stehen, das durch Bezeichnungen auf der rechten
Seite der Buchstaben unterschieden ist. Die Quantität einer besonderen
Gattung von Gütern, eingekauft von Person Nr. 1 an Zeitpunkt Nr. 3,
wird demnach mit 3qt und der Verkaufspreis mit 3p1 dargestellt. Das ganze

l) Mathematische Darlegung siehe § 5 dieses Anhanges.

19*
        <pb n="312" />
        ﻿292

Anhang zum II. Kapitel.

System der Quantitäten und Preise ist durch die beiden folgenden An-
ordnungen dargestellt:

Personen	Perioden			Total	Personen	Perioden			Durch-  schnitt
	1	2 .	3...			1	2	3...	
1	1S1	t&amp;i	z&lt;h	Ci	1	1P1	zPl	2P1	Pi
2	1#2	2#2	3#2	G.	2	1P2	zPz	sPa	Pi
3		2^3	3 2s	Qz	3	xPs	*Pz	zPz	Pi
Total	1Q	2 Q	3§	Q	Durchschn.	1P	2 P	3p--.	p

Wir haben soeben die Bedeutung der Buchstaben in den Innenspalten
dieser Anordnungen erklärt. Die Buchstaben in den Außenspalten be-
deuten: Qx die von Person 1 gekaufte Gesamtquantität, d. h. die Summe
(i?i + 2?i + 3?i H—) aller von ihr in den verschiedenen Zeitperioden
gekauften Quantitäten. Die gleiche Definition gilt für Q2, Q3 usw. XQ ist
die an Zeitpunkt 1 gekaufte Gesamtquantität, d. h. die Summe -]-
xq2 + i?3 H—) aller an diesem Zeitpunkte von den verschiedenen Personen
eingekauften Quantitäten. Die gleiche Definition gilt auch für ZQ, SQ, ■ ■ ■
Endlich ist Q (wie im Texte) die Gesamtsumme der von allen Personen
zu allen Zeitperioden gekauften Quantitäten. Offensichtlich ist

Q = 1Q + 2Q + 3Q + • • *

= Ql + Q2 + $3 + ' ' ‘

= 1?1 + a2i + usw. + i?a + 2+ usw.-------p usw.

Die gleiche Definition gilt auch für die in den Außenspalten der p-
Anordnung befindlichen Buchstaben, doch sind hier die Beziehungen zu
den Buchstaben in den Innenspalten der Anordnung Durchschnitte anstatt
Summen. Wir können die Form dieser Durchschnitte am besten von einer
dritten oder Zwischenanordnung für pQ ableiten, die die Geldwerte der
Einkäufe anzeigt.

Diese letztgenannte Anordnung ist:

Personen		Perioden		Total
	1	2	3	
1	1P1 i2i	aPi i&lt;h	zPl säl	p 1 Qi
2	lPi X?2	iPt 2&lt;li	3^2 3#2	P2 Q/Z
3	1 Pz 1?3	2P2 2Q3	2P2 3#3	Pz Q*
Total	1p 1Q	2 P 2 Q	3 p zQ	p Q
        <pb n="313" />
        ﻿Anhang zum II. Kapitel.

293

Offenbar müssen in dieser Anordnung dieselben Beziehungen gelten,
wie in der Q-Anordnung. Das heißt, pQ, die ganze für eine gegebene Ware
von allen Personen in dem Gemeinwesen während aller Perioden des Jahres
verausgabte Summe, muß gleich sein 1. der Summe der darüber befind-
lichen Kolonne, 2. der Summe der Reihe zu ihrer Linken und 3. der Summe
der Glieder in den Innenspalten der Anordnung. Mit anderen Worten:
sie muß gleich sein 1. der Summe der von den vielen verschiedenen Per-
sonen ausgegebenen Gesamtjahresbeträge, 2. der Summe der in dem Ge-
meinwesen zu den verschiedenen Perioden des Jahres ausgegebenen Ge-
samtbeträge und 3. der Summe der Einkäufe aller Personen in allen Zeit-
perioden.

Die Beschaffenheit der p-Anordnung ist nun durch die Q- und die pQ-
Anordnung bestimmt. Sie muß nämlich derart sein, daß sie die soeben
beschriebene Summierung für die pQ-Anordnung gestattet. Das heißt,
jeder der Durchschnittspreise (wie z. B. px) muß mit dem Inhalt folgender
Formel übereinstimmen:

Pi Qi — iPi 1Q1 + 2P12&lt;h J-----1

das heißt

iPl lQl + iPi 2?1 |

Pl~ Qi

= lPl lffl + iPl 2&lt;?1 H ~.

i2i + 2Üi H-----

Daher ist p ein gewogener Durchschnitt von xpt, 2Pi usw., wobei die Ge-
wichte xqu 2qt usw. sind. Das heißt, der von Person Nr. 1 gezahlte Durch-
schnittspreis ist das gewogene arithmetische Mittel der von ihr zu den ver-
schiedenen Zeitpunkten des Jahres gezahlten Preise, wobei die gekauften
Quantitäten die Gewichte darstellen. Der gleiche Grundsatz bewährt sich
auch für alle anderen Personen.

In ähnlicher Weise kann der Durchschnittspreis, xp, wie folgt angezeigt
werden:

__ lPl lffl + 1P2 1&lt;?2 + • • •

lP 1Q (= i2i + i2a + • •')

Fas heißt: der Durchschnittspreis in der Periode Nr. 1 ist das gewogene
arithmetische Mittel aller von verschiedenen Personen an Zeitpunkt Nr. 1
bezahlten Preise; die Gewichte sind die von jeder Person gekauften Quan-
titäten. Die gleichen Grundsätze bestehen auch für alle anderen Zeitpunkte.

Endlich ist der Durchschnittspreis p in der unteren rechten Ecke der

^-Anordnung entweder p = Q~ jJ^' jÄ.T7) (^as heißt, p ist ein ge-
        <pb n="314" />
        ﻿294

Anhang zum II. Kapitel.

wogenes arithmetisches Mittel von pu p2 usw., dessen Gewichte Qu Q2 usw.
sind), oder (indem wir die Reihe anstatt der Kolonne benützen) p ist das
gleiche gewogene arithmetische Mittel von pp, 2p usw. und die Gewichte dabei
iQ, 2Q usw.; oder es kann schließlich jeder dieser beiden Ausdrücke für p,
verbunden mit dem vorhergehenden Ausdrucke für px, p2 usw. oder mit
dem für pp, 2p usw. dazu benützt werden, um zu beweisen, daß p ein ge-
wogenes arithmetisches Mittel aller p innerhalb der Anordnung ist, dessen
Gewichte die entsprechenden q sind. Kurz, der Preis jeder Ware für das
Jahr ist sein Durchschnitt zu allen Zeiten und für alle Einkäufe im Jahre,
den eingekauften Quantitäten gemäß gewogen.

Dieser Grundsatz umfaßt die Methode zur Erlangung von Durch-
schnittspreisen an verschiedenen Plätzen. So ist der Durchschnittspreis
des Zuckers in den Vereinigten Staaten für das Jahr 1909 das gewogene
arithmetische Mittel aller Verkaufspreise aller Personen in den Vereinigten
Staaten und zu allen Zeitpunkten während des Jahres; die gekauften Quan-
titäten sind die Gewichte. Wenn daher große örtliche oder zeitliche Ver-
änderungen im Preise eintreten, ist es von Bedeutung, das Hauptgewicht
auf die größten Einkäufe zu legen.

Was bezüglich der Q- und p-Anordnungen gesagt worden ist, bezieht
sich nur auf eine Ware. Doch gelten dieselben Grundsätze für jede Ware,
für die sich getrennte Anordnungen sowohl in Übereinstimmung mit jeder
Totalquantität Q, Q', Q" usw. als auch mit jedem Durchschnittspreis p,
p', p" usw. aufstellen lassen.

§ 4 (zum II. Kapitel, § 5).

Anordnung der a, g und 77.

Im vorhergehenden Abschnitt haben wir gesehen, daß eine „Anordnung“
der p, pQ und Q für jede Ware besteht. Dies gilt für die rechte Seite der
Verkehrsgleichung. Ähnliche Anordnungen bestehen für die linke Seite.

Wenn wir, wie zuvor, ein Gemeinwesen mit einer beliebigen Anzahl
von Personen, durch Bezeichnungen rechts unterschieden, annehmen, und
das Jahr in Zeitpunkte durch Bezeichnungen links unterschieden einteilen,
so können wir den Betrag des am ersten Zeitpunkte durch die erste Person
ausgegebenen Geldes mit xax, den Durchschnittsbetrag des Geldes, den diese
Person an diesem Zeitpunkte in Händen hat, mit X&lt;7X und die Umlaufs-
geschwindigkeit an diesem Zeitpunkte (zum Jahressatze berechnet) mit
üÄ bezeichnen. Die Ausgabe an dem Zeitpunkte ist x cq, und dessen Rate
        <pb n="315" />
        ﻿Anhang zum II. Kapitel.

295

per Jahr ist jWj bei einer Anzahl von n Zeitpunkten im Jahre, so daß

also die Umlaufsgeschwindigkeit oder die Umsatzrate 1U1 per Jahr n —

i9i

beträgt. Auf ähnliche Weise kann man die ausgegebenen und vor-
rätig gehaltenen Beträge und die Umlaufsgeschwindigkeit für jedes
Mitglied des Gemeinwesens während jedem Zeitpunkt im Jahre aus-
driicken, wie aus den folgenden drei Anordnungen (in den Innenspalten)
ersichtlich ist.

In der ersten Tabelle finden wir auf der ersten Linie rechts Alt die
von der ersten Person ausgegebene Summe, d. h. die Summe von 2ax,
3ax.. . auf der ersten Linie, die die von dieser Person an aufeinanderfolgenden
Zeitpunkten während des Jahres ausgegebenen Beträge darstellt. Ebenso
ist Ä2 die von der zweiten und A3 die von der dritten Person während des
Jahres ausgegebene Summe. XA am Fuße der ersten Kolonne ist der von
allen Personen am ersten Zeitpunkte ausgegebene Betrag, d. h. es ist die
Summe aller Beträge in der darüber befindlichen Kolonne; ebenso ist 2A der

Aufgewendeter Betrag	Geldvorrat

Personen	Perioden			Total	Personen	Perioden			Durch-  schnitt
	1	2	3.^			1	2	3...	
1	1#1	2^1	3^1 * * •	Ai	1		201	301 • • ’	0i
2	1&amp;2	2#2	3#2 • • •	An	2	i0«	202	302 • • •	02
3	1*3	2a3	3^3 * • •	A$	3	103	203	303 • • •	03
Total	i A	4 1 A  2al	...		A	Total	i G	2£t	*G...	G

Umlaufsgeschwindigkeit

Personen	Perioden				Durchschnitt
	1	2	3		
1	„ 1*1	TT  n — = it/i  i0i	ut  201	3^1  n — =  301	2 Ut	— = Di  0i
2	„„ 1*2	 TJ  n — — i 2  102	„ 2^2 	 7-7  n	— 2 4^2  202	n^2 = 802		A-2 	 ~T T  — u2  02
3	1^3	TT  n — =■ iC/3  103	^ 2^3	 7-7  n - — 2^3  203	n^ =  303	3U3	Ä3  ~=ü3  03	3
Durchschn.	l-A	~r~r  n&amp;~lü	2-A T7  2't	zA  \g	,u	4=u
        <pb n="316" />
        ﻿



von allen Personen am zweiten Zeitpunkte ausgegebene Betrag, ZA der
am dritten Zeitpunkte ausgegebene, usw. Endlich ist A in der unteren
rechten Ecke, wie schon im Texte angewandt, die von allen Personen zu
allen Zeitpunkten des Jahres ausgegebene Gesamtsumme. Offensichtlich
kann A durch Addition der Reihe zu seiner Linken oder durch Addition
der darüber befindlichen Kolonne erhalten werden. Es ist auch die Summe
aller Elemente in den Innenspalten, d. h. A — ^iA = 2Ai = Jqcq.

G in der unteren rechten Ecke der zweiten Tabelle ist die Summe der
von den verschiedenen Mitgliedern des Gemeinwesens während eines Jahres
zur Verfügung gehaltenen Durchschnittsbeträge, d. h. es ist die Summe
der Elemente in der darüber befindlichen Kolonne, gv g2, g3 usw., von denen
jedes durch Hypothese ein einfacher Durchschnitt der Reihe zu seiner
Linken ist.

Oder aber, G ist ein einfacher Durchschnitt der Reihe zu seiner Linken,
jCr, 2tr, oß usw., die Durchschnittsbeträge des Geldes in dem Gemeinwesen
an den aufeinanderfolgenden Zeitpunkten des Jahres; jeder dieser Durch-
schnitte ist wieder die Summe der darüber befindlichen Kolonne, d. h.

G = zg 1 =

2\G

Daher ist G sowohl die Summe der Durchschnitte als

auch der Durchschnitt der Summen. Daß beide Zahlen einander gleich
sind, ergibt sich, wenn beide in Gliedern der Elementarquantitäten xgt
vermittelst der Gleichung

l9l + 201 + 301 +

9i

usw.

und die Gleichung ß = 1g1 + i?2 + lfo + • • • ausgedrückt werden. Es ist
natürlich leicht, auch G direkt in Gliedern von xgt usw. in den Innen-

spalten auszudrücken. So ausgedrückt ist es

Die dritte Tabelle (die der Geschwindigkeiten) ist von den ersten
beiden abgeleitet. Wie soeben erklärt, ist 1Z71 die Umlaufsgeschwindigkeit
(als Jahressatz betrachtet) für die erste Person in dem Gemeinwesen
zum ersten Zeitpunkte.

Es sind nun noch die Verhältnisse der Elemente in der [/-Tabelle dar-
zulegen.

A
G

Ai -f- A2 -}-• ••

Offensichtlich ist [7 =

(1)

9i + g% + • • •

■ 9iGiA~ g.2 U2 -f-

9l + 02 + • • •
        <pb n="317" />
        ﻿Anhang zum II. Kapitel.

297

Formel (1) zeigt, daß ü ein gewogener Durchschnitt der jährlichen
Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes der verschiedenen Personen ist, daß die
Geschwindigkeit des Geldes jeder Person für das ganze Jahr gemessen und
ihrem durchschnittlichen vorrätigen Geldbetrag gemäß gewogen ist.

Einer ähnlichen, doch etwas verschiedenen Anordnung folgend, haben wir

_ \A + jA 4- • • •

1G +	+ — •

n

iG +2G

iCr -|- 2G -j- • • •

jO + 2G + • • •
iß-jj + 2G2U +

,(r + oG + • • •

(2)

Formel (2) zeigt, daß U ebenfalls der gewogene Durchschnitt der Jahres-
geschwindigkeit der aufeinanderfolgenden Zeitpunkte ist, in die das Jahr
eingeteilt wird; die Geschwindigkeit jedes Zeitpunktes gilt für das ganze
Gemeinwesen und wird ihrem in Umlauf befindlichen Durchschnittsbetrag
des Geldes gemäß gewogen.

Formel (1) zeigt also U in Gliedern der darüber befindlichen Kolonne,
während Formel (2) ü in Gliedern der Reihe zu seiner Linken darstellt.
Um die Größen lU, 2U, 3U usw. in Gliedern der darüber befindlichen Kolonne
auszudrücken, kann eine ähnliche Formel wie (1) konstruiert werden, während
eine ähnliche Formel wie (2) konstruiert werden kann, um eine jede der
Größen üx, U2, U3 usw. in Gliedern der Reihe zu ihrer Linken auszudrücken.
Das heißt, die Geschwindigkeit in dem ganzen Gemeinwesen zu irgend-
einem Zeitpunkte ist eine spezifische Form des Durchschnitts der Geschwin-
digkeit des Geldes der verschiedenen Personen an diesem Zeitpunkte,
und die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes von irgendeiner Person für das
ganze Jahr ist eine spezifische Form des Durchschnittes der Geschwindig-
keiten zu verschiedenen Zeitpunkten für diese Person.
        <pb n="318" />
        ﻿298

Anhang zum II. Kapitel.

Endlich kann U nicht nur als Durchschnitt seiner Kolonne und Reihe,
wie es bei den Formeln (1) und (2) der Fall ist, sondern auch als Durchschnitt
der Größen in den Innenspalten der Tabelle, ausgedrückt werden. Dieses
letzte Resultat kann auf verschiedene Art erlangt werden; das direkteste
Verfahren ist kurz wie folgt: Wir wissen, daß A die Summe der Innenspalten
der ersten oder A - Tabelle ist, das heißt, A = -SiCfi und daß 0 gleich

ist — 21q,. Daher haben wir

_ Ai ffi -JJi

~ 2i9i

Das heißt, U ist das gewogene arithmetische Mittel der den verschiedenen
Personen zu verschiedenen Zeitpunkten zukommenden Jahresgeschwindig-
keit, wobei jede Geschwindigkeit durch den an diesem Zeitpunkte vor-
rätigen Geldbetrag gewogen wurde. Der Mathematiker wird bemerken,
daß eine alternative Behandlung das Resultat im Ausdruck eines harmoni-
schen Durchschnittes ableitet.

§ 5 (zum II. Kapitel, § 5).

Der Münzenübertragungsbegriff der Geschwindigkeit und der
Begriff Umsatzzeit.

Wir wenden uns nun dem Münzenübertragungsbegriff der Umlauf s-
gesehwindigkeit zu. Um zu zeigen, was für eine Art des Durchschnitts der
Umlaufsgeschwindigkeit individueller Münzen oder besser individueller Geld-
stücke U im allgemeinen ist, wollen wir die Werte der einzelnen, im Ge-
meinwesen im Umlauf befindlichen Geldstücke mit den Buchstaben a, h,
c, d usw., und deren Veföoumlaufsgeschwindigkeit (die Zahl, wieviel mal
sie gegen Güter, vermindert um die Zahl, wieviel mal sie mit Gütern oder
m „kleinere Münzsorten“ ausgetauscht wurden) mit h, i, j, k usw. bezeichnen.
Den ausgegebenen Gesamtbetrag, A, bezeichnen wir dann mit ha + ib -f-
        <pb n="319" />
        ﻿Anhang zum II. Kapitel.

299

je + M-\-----, und den Geldbetrag in dem Gemeinwesen, G, mit a + l +

c d. Wir haben also

A ha-\- ib + je + kd • • •

A

Das heißt, ist ein gewogener Durchschnitt der Nettoumlaufsgeschwindig-
keit der verschiedenen Geldstücke, wobei die Geschwindigkeit jedes Geld-

A

Stückes seinem Wert gemäß gewogen ist. Aber ist auch U, das, wie wir

bereits gesehen haben, die Umlaufsgeschwindigkeit im Sinne des „Per-
sonen-Umsatzes“ darstellt.

Es ist also klar, daß die Münzenübertragungsmethode der Durch-
schnittsberechnung dasselbe ergibt, wie die Personenumsatzmethode, wenn
alle Geldstücke in dem Gemeinwesen inbegriffen sind.

Wir kommen nun zu dem Begriff „Umsatzzeit“. Wenn die Umlaufs-
geschwindigkeit mit U dargestellt wird, so stellt -jj die Umsatzzeit

dar. Ähnlich sind die reziproken Werte von }IJ, JO, ..., Ut, U2, ..., 1U1,
iU2, ..., 2Ui, ..., entsprechende Umsatzzeiten. Wenn wir W für den rezi-
proken Wert von U benützen und die geeigneten Bezeichnungen anwenden,
so können wir analog der vorhergehenden Anordnung der V auch eine solche
für die W aufstellen und beweisen, daß W ein Durchschnitt von Wx, W2,
oder von XW, 2IF, • ■ • oder von XWX, XW2, ..., 2WX, ... ist.

Alle diese Durchschnitte sind jedoch harmonische Durchschnitte. Um
dies zu verstehen, brauchen wir uns nur ins Gedächtnis zurückzurufen,
daß U bereits als gewogener Durchschnitt der einfachen U analysiert1),
und daß W als der reziproke Wert von U festgesetzt worden ist. Das heißt,
W ist der reziproke Wert des gewogenen Durchschnittes der einfachen U.
Die einfachen W sind aber reziproke Werte der einfachen V. Mit anderen
Worten: W ist der reziproke Wert des gewogenen arithmetischen Mittels
der reziproken Werte der einfachen W. Der Definition gemäß wird aus W
ein gewogener harmonischer Durchschnitt dieser elementaren Größen.

§ 6 (zum II. Kapitel, § 5).

Algebraische Darlegung der Verkehrsgleichung.

Es ist klar, daß die Verkehrsgleichung, GlJ = 2p Q, von einfachen
Gleichungen abgeleitet ist, die die Gleichwertigkeit des Einkaufsgeldes mit

) In § 4 dieses Anhanges.
        <pb n="320" />
        ﻿300

Anhang zum II. Kapitel.

den gekauften Gütern ausdrücken. Das durch irgendeine Person an einem
bestimmten Zeitpunkte ausgegebene Geld ist durch den bloßen Begriff Preis
gleich den Mengen aller an diesem Zeitpunkte von dieser Person gekauften
Waren, multipliziert mit den Preisen, d. h.

i«i = 1P1 i&lt;h + i'fh Ä\ + 1V1 i?i H--•

Von dieser und ähnlichen Gleichungen für jede Person des Gemeinwesens

und für jeden Zeitpunkt des Jahres erhalten wir durch einfaches Addieren
die Summe der a, die wir A nennen, als linke Seite der Gleichung, und die
Summe aller pq als rechte Seite. Wir haben schon im Texte gesehen, wie
die linke Seite A (durch Multiplizieren und Dividieren durch G) in GU ver-
wandelt werden kann, und wir haben soeben gefunden (§3 dieses An-
hanges), wie die Summe aller Glieder, die sich auf irgendeine, auf
der rechten Seite dargestellte Ware bezieht, durch ähnliche einfache
algebraische Operationen in ein Glied der Form pQ, umgewandelt werden
kann, so daß sich die ganze Summe 2pQ gestaltet. Das Resultat ist also:
GU = 2p Q. Diese Schlußfolgerung konstituiert daher den Beweis der
Richtigkeit dieser Formel, die auf die einfache elementare Wahrheit ge-
gründet ist, daß bei jedem Austausch das ausgegebene Geld der gekauften
Quantität, multipliziert mit dem Verkaufspreise, gleich ist.

§ 7 (zum II. Kapitel, § 5).

P muß eine spezifische Form des Durchschnittes sein, um sich
direkt wie G- und U und umgekehrt wie die Q zu verändern.

Wir nehmen an, daß U und die Q unverändert bleiben, während
sich G in G0 und p, p', p" usw. in pü, p'0, p”, usw. verändert. (Die Kenn-
ziffern „0" beziehen sich auf ein Jahr, welches wir zum Unterschiede von
dem ursprünglichen Jahre das Basisjahr nennen.) Wir haben dann für
die betreffenden zwei Jahre die beiden Gleichungen:

GU^pQ + p'Q' + ■
GqÜ = p0Q + p0Q' +

aus denen wir durch Division

Go pTÖTpTQ'-P---	Po Q + Po «" + •••

erhalten. Offensichtlich ist der letzte Ausdruck ein gewogener arithme-
        <pb n="321" />
        ﻿Anhang zum II. Kapitel.

301

tischer Durchschnitt von

usw., in dem p0Q, p'0Q' usw. die Ge-

wichte sind. Wir folgern, daß, wenn die Umlaufsgeschwindigkeit und die
Menge der ausgetauschten Güter unverändert bleiben, während sich die
Geldmenge in einem gegebenen Verhältnis verändert, so werden sich die
Preise „im Durchschnitt“ in demselben Verhältnis verändern, wobei der
Durchschnitt als ein gewogenes arithmetisches Mittel genau bestimmt ist, in
dem die Gewichte die Werte der verkauften Güter zu den Preisen des Basis-
jahres berechnet sind. Das Verhältnis kann demnach auch wie folgt ge-
schrieben werden:

1

G pQ + v'Q' + -_^_

Vo Q + v'oQ' -\—

pQ + v' Q' -1—

G0 Po Q + p'Q'-]—

l

pQ + p' Q' H-

die Gewichte pQ, p'Q' usw. sind, d. h. es sind nicht die Werte des Basis-
jahres, sondern die des ursprünglichen Jahres.

Wenn G und die Q unverändert bleiben, während sich ü in U1 ver-
ändert, so kann das Verhältnis ~ natürlich genau nach oben erwähn-

ter Formel ausgedrückt werden.

Wenn die Q unverändert bleiben, während sich sowohl G als auch U ver-

QU

ändert, so ist das Verhältnis „ offenbar durch dieselbe Formel auszu-

drücken.

Dieselben Formeln lassen sich weiter auch anwenden, wenn G und U
unverändert bleiben, während sich alle Q in einem gegebenen Verhältnis
verändern, oder wenn sich alle Q in einem gegebenen Verhältnis in Ver-
bindung mit irgendeiner Veränderung in G oder U, oder in beiden ändern.
Kurz, die Formeln sind in allen Fällen einer Veränderung vollkommen
anwendbar, mit Ausnahme derer, wo die Q sich relativ zueinander ver-
ändern.

Es soll noch bemerkt werden, daß vorerwähnte Formeln diejenigen
sind, welche später als Formeln (11) erörtert werden und in der großen
Formeltabelle im Anhänge zu Kapitel X erscheinen.
        <pb n="322" />
        ﻿302

Anhang zum III. Kapitel.

Anhang zum III. Kapitel.

§ 1 (zum III. Kapitel, § 2).

Anordnung der Je und r.

Angenommen, k sei das Verhältnis der Depositen zu dem im Umlauf

(Qr \

ß-J, das durchschnittlich vom Publikum mit Vorliebe

zurückbehalten wird; dann ist k aus den gleichen Verhältnissen für die ver-
schiedenen Personen und Geschäftsfirmen des Gemeinwesens in den auf-
einanderfolgenden Zeitpunkten des Jahres ableitbar, und wir können des-
halb eine der vorhergehenden analoge Anordnung von nachstehender
Form auf stellen:

	Zeitperioden		Durch-
Personen	1	2	schnitt
1	l/vi	Jh	kx
2	1^2	2^2	k 2
Durchschnitt	1 *	Je	k

Jeder in den Außenspalten befindliche Buchstabe ist entweder ein
gewogener arithmetischer Durchschnitt der Beihe zu seiner Linken oder der
über ihm befindlichen Kolonne, k (in der unteren rechten Ecke) ist beides
und auch noch der gewogene arithmetische Durchschnitt aller Elemente
in den Innenspalten (die Gewichte sind in allen Fällen die Beträge des in
Umlauf befindlichen Geldes, die die Nenner der in der Anordnung dar-
gestellten Verhältnisse sind). Dieselben Proportionen bleiben gültig, wenn
„harmonisch“ an die Stelle von „arithmetisch“ gesetzt wird (vorausgesetzt,
daß die Gewichte von Nennern in Zähler der Verhältnisse, nämlich der De-
positen, umgewandelt werden). Diese Lehrsätze können denen in § 7 des
Anhanges zum II. Kapitel entsprechend, leicht bewiesen werden, wenn wir uns

.	nr

ms Gedächtnis zurückrufen, daß k — ist.

6r

Ähnlich können wir r für das Jahresdurchschnittsverhältnis aller
Bankreserven (y) zu den Depositen ((?') setzen. Dieses Verhältnis

(u oder ~j ist in eine Anordnung auflösbar, die die Verhältnisse
        <pb n="323" />
        ﻿Anhang zum III. Kapitel.

303

für verschiedene Banken zu verschiedenen Zeitpunkten ausdrücken,
nämlich:

Personen	Zeitperioden		Durch-
	1	2	schnitt
1	1 n	2r 1	
2	lr2	2^*2	»a
—	—	—	—
—	—	—	—
Durchschnitt	ir		r

Hier ist jedes Element in den Außenspalten ein gewogener arithmetischer
(oder harmonischer) Durchschnitt der Glieder in der Reihe zu seiner Linken
oder der darüber befindlichen Kolonne, während r beides und auch noch
ein gewogener arithmetischer (oder harmonischer) Durchschnitt aller inneren
Glieder ist, wobei die Gewichte (für den arithmetischen Durchschnitt) in
jedem Falle die Depositen, oder (für den harmonischen Durchschnitt) in
jedem Falle das Geld sind. Die gesamten Umlaufsmittel des Gemeinwesens
betragen y 4- G -j- Cr', obzwar nur G + G' tatsächlich in Umlauf sind.

§ 2 (zum III. Kapitel, § 4).

Algebraische Darlegung der Verkehrsgleichung mit Einschluß der
Depositenumlaufsmittel.

Das durch Person 1 an Zeitpunkt 1 für Güter ausgegebene Geld ist ^
und ihre Scheckausgabe ist Ihre Gesamtausgabe für Güter in Geld
und Schecks ist daher ^	= tfh i&lt;h + j&gt;\ ^ + • • •.

Durch Addition aller derartigen Gleichungen für alle Personen in dem
Gemeinwesen und für alle Zeitpunkte des Jahres erhalten wir die
Gleichung

A + Ä = 2pQ
und somit	Gü + G’ü' = 2pQ,

da nach Definition

[7 = ^ und U' — ^r ist-
        <pb n="324" />
        ﻿304

Anhang zum V. Kapitel.

Anhang zum V. Kapitel.

§ 1 (zum V. Kapitel, § 5).

Wirkung des Zeitkredits auf die Verkehrsgleichung.

Es ist wichtig zu beachten, daß das System des Buchkredites zwar
indirekt einen großen Einfluß auf die Preise ausübt, in der Verkehrsgleichung
aber nicht wie der Umlauf oder der Bankkredit in Erscheinung tritt. Wir
können in die Erörterung des Buchkredites ohne weiteres jene Fälle des
Kredites einschließen, wo die Aufzeichnung der Schuld nicht einfach in
den Büchern der einen der beiden Parteien erfolgt, sondern in denen eine
bestimmte Aufzeichnung in Form eines Schuldscheines besteht, den der
Käufer dem Verkäufer einhändigt. In beiden Fällen werden die Güter mit
dem Versprechen gekauft, sie zu einem späteren Zeitpunkte zu bezahlen;
in dem einen Falle ist das Versprechen klar ausgedrückt, in dem anderen
Falle stillschweigend angenommen.

Ein solcher Austausch von Gütern gegen spätere Bezahlung kann in
zwei aufeinanderfolgende Austausche zerlegt werden. Der erste findet zu
Beginn statt, wenn der Kredit für die Güter gegeben wird. Der Käufer
erwirbt dann die Güter im Austausche gegen das Zahlungsversprechen. Der
zweite Austausch geschieht am Ende des Geschäftes, wenn die Schuld ab-
getragen wird. Man kann also sagen, der ursprüngliche Käufer kauft dann
seinen Buchkredit oder Schuldschein mit Geld zurück. Ungleich dem Bank-
kredit, erspart somit der Zeitkredit nicht direkt den Gebrauch des Geldes.
Seine unmittelbare Wirkung besteht in der bloßen Aufschiebung dieses
Gebrauches1), da, um den gegebenen Kredit aus der Welt zu schaffen, soviel
Geld oder Schecks ausgegeben werden müssen, wie wenn sofort bares Geld
gezahlt worden wäre. Dr. Andrew, gegenwärtiger Untersekretär des Schatz-
amtes, zeigt, daß, wenn Zeitkredit schneller abgeschlossen als aufgehoben
wird, die Preise steigende Tendenz annehmen, daß aber, sobald die Be-
zahlung dieser Schulden in gleichem Tempo erfolgt, wie sie gemacht werden,
die Preise auf ihr altes Niveau zurückgehen* 2). Das Übermaß eingegangener
Schulden über getilgte Schulden wirkt in derselben Weise, wie das Angebot
von ebensoviel Geld oder Bankdepositen für Güter.

Um zu zeigen, wie diese den Buchkredit betreffenden Erwägungen
auf die Verkehrsgleichung einwirken, wollen wir die Gewährung aller Buch-

x) Siehe A. Piatt Andrew, „Credit and the Value of Money“, Proceedings Seventeenth
Arnual Meeting, American Economic Association, Dezember 1904.

2) loc. cit.
        <pb n="325" />
        ﻿kredite und anderer Zeitanleihen durch den Buchstaben A" und ihre
Tilgung durch A'" bezeichnen. Die linke Seite unserer Verkehrsgleichung
— oder der Gesamtbetrag der Geldzahlungen, Scheckzahlungen, Buch- und
Wechselschulden für die im Laufe des Jahres gekauften Güter — ist dann
GU + G'TJ' + A"; und die rechte Seite, die 1. den Wert der gekauften
Güter und 2. die während des Jahres fälligen und getilgten, mit Geld oder
Schecks bezahlten Schulden umfaßt, wird durch 2pQ -f- A"' dargestellt.
Wenn wir A'" der Bequemlichkeit halber umstellen, so kann die Ver-
kehrsgleichung nun GU -+- G'U' + M"— A'" = 2pQ geschrieben werden.
Da A" annähernd A!" gleich ist, so heben sich diese gleichen und ent-
gegengesetzten Glieder beinahe auf, d. h. A" — A"' wird Null, und die
Gleichung wird dann in Wirklichkeit wieder GU + G'U' = 2pQ.

Bevor wir dieses Thema verlassen, mag noch erwähnt werden, daß
der Buchkredit durch Einführung von Gegenforderungen das Steigen
der Preise begünstigt und so den Umfang des Handels, der durch Geld
oder Schecks ausgeführt werden muß, vermindert. So kauft der Land-
mann auf Abrechnung im Dorfladen, indem er dann und wann landwirt-
schaftliche Produkte ebenfalls auf Abrechnung dort verkauft. Die Ab-
rechnung erfolgt in langen Zwischenräumen, wobei nur der sich ergebende
Unterschied in Geld gezahlt wird1). Wie im Texte dieses Kapitels gesagt

keit zu erhöhen2).

Anhang zum VI. Kapitel.

§ 1 (zum VI. Kapitel, § 1).

Die durch den internationalen Handel erforderliche Modifikation
der Verkehrsgleichung.

Wir haben bereits gesehen, daß es zwei Verkehrsgleichungen gibt, eine
für Einkäufe und die andere für Verkäufe. In einem geschlossenen Gemein-
wesen sind beide notwendigerweise identisch, denn jeder Einkauf durch
ein Mitglied des Gemeinwesens ist gleichzeitig ein Verkauf durch ein anderes
Mitglied. Dagegen sind die Gleichungen in einem Gemeinwesen mit inter-
nationalem Handel etwas verschieden. Wie in diesem Buche ausgeführt,
bezieht sich die Verkehrsgleichung auf den Aufwand von Geld für den

*) loc. cit. S. 10.

2) Kapitel V, §4.

Fisher, Kaufkraft des Geldes.
        <pb n="326" />
        ﻿306

Anhang zum VI. Kapitel.

Einkauf von Gütern und nickt auf den Eingang von Geld für den Verkauf
von Gütern. Diese Verkehrsgleichung war in ihrem letzten Grade der Aus-
arbeitung	Gü + G,üf + A„ _ A„, _ 2vq,

wo die Buchstaben die ihnen früher gegebene Bedeutung haben; A" bezieht
sich auf die in dem gegebenen Zeitraum gemachten Schulden in Buch-
konten und die bei Einkäufen von Gütern verwendeten Schuldscheine, und
A!" bezieht sich auf die Tilgung solcher Schulden während desselben Zeit-
raumes. Da OU aus A und G'lV aus Al entwickelt wurde, so kann die
Gleichung wie folgt geschrieben werden:

A + A' + A"~A'"= 2pgQg,

wobei die Buchstaben A auf der Geldseite der Gleichung verwendet sind,
um auszudrücken, daß das Geld ausgegebenes Geld ist, und die Kennziffern
g auf der Warenseite, um anzuzeigen, daß die Güter gekaufte Güter sind.
Wenn wir in gleicher Weise E nehmen, um eingegangene Gelder, und die
Kennziffer v, um verkaufte Güter auszudrücken, so stellt folgende Gleichung
den Eingang des Geldes usw. im Austausch für verkaufte Güter dar:

E + E' + E"-E"' = 2pvQv.

Wenn kein auswärtiger Handel vorhanden ist, dann sind die
einzelnen Größen in diesen beiden Gleichungen offensichtlich auf jeder
Seite gleichbedeutend. Ist aber ein auswärtiger Handel da, so kann
jede Gleichung in eine solche aufgelöst werden, in der der Binnen-
handel und der Außenhandel unterschieden sind. So können in der
ersten Gleichung, die sich auf die Ausgaben bezieht, A, Al usw.
durch D + F, D' + F' usw. ersetzt werden, wo die D auf die einheimischen
Käufe und die F auf das auswärts verausgabte Geld Bezug haben. Auf der
anderen Seite der Gleichung kann 2pgQg durch 2pdQd + 2piQi ersetzt
werden, wobei die Kennziffern d sich auf die im Inlande gekauften Güter
beziehen, und die Kennziffern i auf die Einfuhren. Die Gleichung erhält
dann die Form:

(D + D' + D" - D'") + (F + F' + F" - F'") = 2pd Qd + 2PiQ„

die wir der Kürze halber 2D + 2F = 2pd Qd + 2pi Qi schreiben wollen.
In ähnlicher Weise kann dann die Gleichung für die Verkäufe,

2D+ 2l=2pdQd + 2pfQf

geschrieben werden. Das heißt, der Nettobetrag der einheimischen Eingänge
        <pb n="327" />
        ﻿(an Geld, Bank- und Buchkredit), vermehrt um die Zahlungen für die^
geführten Güter, ist gleich der Summe des Wertes der im Inlande verkauft?
Güter, vermehrt um den Wert der aus dem Lande ausgeführten Güter. Die
letzten beiden Gleichungen, von denen sich die eine auf Einkäufe
und die andere auf Verkäufe bezieht, können addiert werden, um
in einer gemeinsamen Gleichung den Gesamthandel auszudrücken, an dem
das gegebene Gemeinwesen beteiligt ist, d. h. die Gesamtverkäufe und
Einkäufe innerhalb, und die Verkäufe und Einkäufe außerhalb desselben.
Die zusammengesetzte Gleichung ist dann

2 2D + 2F + 2l = 22pdQd + Spfa + 2pfQf.

Hier ist der inländische Handel zweimal gezählt, weil jeder Warenumsatz
als Verkauf wie auch als Einkauf vorkommt. Dies drückt die Ver-
kehrsgleichung für den Gesamthandel (in- und ausländisch) aus, an dem
das betreffende Land beteiligt ist. Wenn wir, anstatt zu addieren, eine
Gleichung von der anderen subtrahieren, so erhalten wir
2F — 21 = 2piQi 2p^Qp

was die Gleichung der Handelsbilanz in ihrer gewöhnlichsten Form dar-
stellt, die den Kredit wie auch das Geld in Betracht zieht. So hängt der
Geldstrom von oder zu einer Nation von dieser letzten Gleichung ab.

Die rechte Seite der vorletzten Gleichung hängt von drei Preisgruppen
ab, — den einheimischen Preisen (den pd), den Preisen der Güter, die in
das Land eingeführt werden (den pi), und den Preisen der ausgeführten
Güter (den pt).

Wenn zum Beispiel die pd außerordentlich hoch sind, so ist die natür-
liche Folge ein Ansporn, Güter hereinzuschaffen (Q{), und eine Entmuti-
gung, Güter hinauszusenden (Qf), was dazu beitragen wird, die rechte Seite
der Gleichung groß zu gestalten und f olglich auch die Unke Seite zuvergrößern.
Mit anderen Worten, es entsteht eine sogenannte ungünstige Handelsbilanz,
wobei die Zahlungsmittel die Tendenz annehmen, stärker hinauszugehen als
hereinzukommen; das heißt, es wird ein Abströmen von Geld (angezeigt durch
F), oder eine Übertragung von Bankkrediten ins Ausland stattfinden (F'),
oder ein Belasten der Auslandsbücher (0"), oder eine Verminderung in der
Tilgung bestehender Buchkonten (F'n), oder es werden entgegengesetzte
Veränderungen in I, I', I", V” stattfinden, oder endlich eine Vereinigung
der beiden Tendenzen, während zeitweilig Schwankungen zwischen diesen ver-
schiedenen Größen eintreten. Auf die Dauer und letzten Endes beziehen sich
die Veränderungen hauptsächlich auf die tatsächüche Ausfuhr und Einfuhr
v°u Geld, d. h. sie betreffen die nicht mit (') bezeichneten Größen F und I.

20*
        <pb n="328" />
        ﻿308

Anhang zum VII. Kapitel.

In einem großen Lande wie in den Vereinigten Staaten ist der aus-
wärtige Handel im Vergleich zum Binnenhandel so unbedeutend, daß er
kaum eine Beachtung verdient. Wie wir im XII. Kapitel sehen werden,
ist der Außenhandel der Vereinigten Staaten nur ein Bruchteil eines Pro-
zentes des Binnenhandels. Und weil sich die Ausfuhr- und Einfuhrseite
der verschiedenen Größen (F, I, Q/Und Q{) beinahe aufheben, so beläuft sich
die auf jeder Seite der Verkehrsgleichung verbleibende Keinbilanz selten
auf mehr als ein Achtel eines Prozentes des einheimischen Handels der
Vereinigten Staaten.

Nach Schätzungen der Schuldverhältnisse wie derjenigen von Holmes
ist der Unterschied A" — A"' zwischen den jährlich gemachten und be-
zahlten Schulden fast ebenso unbedeutend. Wir können auf jeden Fall
mit Sicherheit sagen, daß, soweit die Vereinigten Staaten in Betracht
kommen, die Zusätze zu unserer Verkehrsgleichung, die in diesem und dem
vorhergehenden Abschnitt behandelt wurden, nur unnütze Komplikationen
sind. Wir können deshalb die Gleichung GU + G'U' = 2pQ tatsächlich
als eine genaue Form der Gleichung ansehen.

Anhang zum VII. Kapitel.

§ 1 (zum VII. Kapitel, § 2).

Geldsurrogate ungleich anderen Ersatzmitteln.

Eine viel umstrittene Frage ist die Annahme, daß die Preisbestimmung
zweier als Zahlungsmittel verwendeter Waren analog der zweier beliebiger
anderer Waren sei. Es ist jedoch klar, daß sich zwei Geldformen von einem
aufs Geratewohl gewählten Warenpaar als Substitut unterscheidenx). Zwei
passende Ersatzmittel werden vom Konsumenten als eine einzige Ware
betrachtet. Diese Vereinigung zweier Waren zu einem einheitlichen Ganzen

x) Ersatzmittel rein im Sinne des Greshamschen Gesetzes, daß das billigere an die
Stelle des teureren tritt. Es stellt nicht in Abrede, daß die Metalle für die verschie-
denen Geldzwecke eine verschiedene Bevorzugung erfahren. Wir können Gold und
Silber nicht mit unabhängigen Waren wie „Kupfer und Weizen“ oder „Rindfleisch und
Schuhe“ vergleichen, sondern nur mit Ersatzmittelpaaren oder Quasisubstituten, wie
zum Beispiel Eisen und Stahl, Baumwolle und Schafwolle, Hafer und Mais, Melasse
und chinesisches Zuckerrohr, Rohr- und Rübenzucker, indischen und Dakotaweizen.
        <pb n="329" />
        ﻿Anhang zum VII. Kapitel.

309

vermindert die Zahl der Vorbedingungen für die Nachfrage, doch läßt sie
keine Unbestimmtheit in dem Problem aufkommen, da die fehlenden Be-
dingungen sofort durch ein festgesetztes Substitutionsverhältnis ersetzt werden.
Wenn daher zehn Pfund Rohrzucker demselben Zwecke dienen wie elf
Pfund Rübenzucker, so ist deren festgesetztes Substitutionsverhältnis zehn
zu elf; oder wenn ein Scheffel indischer Weizen durch einen Scheffel Dakota-
weizen ersetzt werden kann, ist das Substitutionsverhältnis gleich Eins.
In diesen Fällen ist das festgesetzte Verhältnis auf die relative Fähigkeit
der beiden Waren gegründet, ein allgemeines Bedürfnis des Menschen zu
befriedigen, und geht ihren Preisen unbedingt voraus. Zehn Pfund Rohr-
zucker können so lange elf Pfund Rübenzucker ersetzen, wie der mensch-
liche Geschmack kein anderes Verhältnis festsetzt. Indischer und Dakota-
weizen besitzen denselben subjektiven Nutzwert, weil sie zum menschlichen
Geschmack in dem gleichen Verhältnis stehen. Keine Veränderung der
Marktlage, keine Preisveränderung könnte einen Konsumenten veranlassen,
einen Scheffel indischen Weizen als gleichwertig mit zwei Scheffeln Dakota-
weizen zu betrachten. Das Substitutionsverhältnis wird durch die Natur
bestimmt und diese wiederum bestimmt das Preisverhältnis.

Geld ist der einzige Fall, in dem es kein festgesetztes Substitutions-
verhältnis gibt. Zu einer Zeit können zehn Unzen Silber als Gegenwert
einer Unze Gold zirkulieren, zu einer anderen dagegen zwanzig. Weder
menschliche Vorliebe noch irgendeine Notwendigkeit wird das hindern.
Wir haben es hier weder mit relativer Versüßungskraft, noch relativer
Nährkraft, oder mit irgendeiner anderen Fähigkeit zur Befriedigung von
Bedürfnissen, sowie mit keiner den Metallen innewohnenden und von ihren
Preisen unabhängigen Qualifikation zu tun. Es handelt sich vielmehr um
die relative Kaufkraft allein. Wir rechnen nicht mit dem Nutzwert des
Metalles selbst, sondern mit den Waren, die es kaufen kann. Wir weisen
dem Zucker oder dem Weizen subjektiven Nutzwert oder Nutzbarkeit zu,
bevor wir deren Preise kennen, doch müssen wir uns zuerst nach dem relativen
Zirkulationswert des Goldes und des Silbers erkundigen, bevor wir wissen
können, wie hoch die beiden Metalle einzuschätzen sind. Für uns ist das
Substitutionsverhältnis mit dem Preisverhältnis identisch und es kann
daher auf die Festsetzung dieses Verhältnisses keinen Einfluß ausüben.
Der Fall, Geld in zweierlei Form, ist einzig in seiner Art. Beide Geldformen
sind Substitute, haben aber kein natürliches Substitutionsverhältnis, und hängen
von der Bevorzugung seitens des Konsumenten ab.

Auf vorstehende Betrachtungen wird aus dem Grunde besonderer Nach-
druck gelegt, weil sie von Autoren übersehen werden, die der Meinung
        <pb n="330" />
        ﻿310

Anhang zum VII. Kapitel.

sind, ein gesetzlich festgelegtes Verhältnis sei nur dem bereits bestimmten
System von Angebot und Nachfrage auferlegt, und die damit beweisen
wollen, daß ein solches Verhältnis von vornherein versagen muß. Dies
ist eine Lieblingsanalogie der Verfechter des Monometallismus. Sie ist
unrichtig, doch bedingt diese Unrichtigkeit nicht notwendigerweise die
Unrichtigkeit der seitens der Anhänger des Monometallismus gezogenen
allgemeinen Schlüsse. Gold und Silber, oder zwei beliebige andere zu Geld-
zwecken dienende Waren, haben keinerlei Analogie mit zwei gewöhnlichen,
einander nicht verwandten Artikeln; sie haben selbst mit zwei Substituten
keine vollkommene Analogie, da für den Konsumenten bei zwei Geldarten
kein natürliches Substitutionsverhältnis besteht. Es scheint daher die
Möglichkeit für ein künstliches Verhältnis gegeben zu sein. Wir werden
jedoch sehen, daß einem künstlichen Verhältnis Grenzen gezogen sind, über
die hinaus es versagen muß.

§ 2 (zum VII. Kapitel, § 2).

Grenzen der Verhältnisse, innerhalb deren der Bimetallismus

möglich ist.

Eine Veränderung des Verhältnisses wird durch eine Rekonstruktion
unserer Reservoire in neue Einheiten veranschaulicht, doch können wir
ohne die Mühe einer Umgestaltung unseres Schaubildes, wie es gegeben
ist, die Grenzverhältnisse darstellen, innerhalb deren der Bimetallismus
möglich ist. Gesetzt den Fall, daß der Film in Figur 7 b zuerst nach seiner
äußersten rechten Grenze und dann nach seiner äußersten linken Grenze
getrieben und daß in jedem Falle dauerndes Gleichgewicht erlangt wird..
In dem einen Falle gibt es ein Agio auf Gold, in dem anderen ein Agio auf
Silber. Diese Agios bezeichnen die Abweichungen von dem gegebenen
Verhältnis, die ohne den Bimetallismus zu zerstören möglich sind. Nehmen
wir also an, daß das gesetzliche Verhältnis des Silbers zum Golde und das,
zu dem das Schaubild konstruiert wurde, 32 zu 1 betrug und daß, wenn
sich der Film nach der linken Grenze bewegt, der Abstand des Goldniveaus
unter 00 um 7/8 größer ist als der Abstand des Silberniveaus, während er
an der rechten Grenze 5/4 beträgt. Somit kann das Verhältnis 32 zu 1
zwischen den Faktoren 7/8 von 32 zu 1 und s/4 von 32 zu 1 verändert werden
und der Bimetallismus würde sich zu jedem Verhältnis zwischen 32 X 7/s
zu 1 und 32 x s/4 zu 1, d. h. zwischen 28 zu 1 und 40 zu 1 bewähren. Ein
Verhältnis unter 28 zu 1, wie das berühmte 16 zu 1, würde den Goldmono-
metallismus schüeßlich in Silbermonometallismus umwandeln, in der ent-
        <pb n="331" />
        ﻿Anhang zum VIII. Kapitel.

311

gegengesetzten Richtung hingegen unwirksam sein. Ein Verhältnis über
40 zu 1, etwa wie 50 zu 1, würde schließlich Silbermonometallismus in
Goldmonometallismus umkehren. Ein Verhältnis zwischen den beiden
Extremen würde weder den einen noch den anderen Monometallismus,
sondern den Bimetallismus zur Folge haben. Die statistische Bestimmung
dieser Grenzen ist natürlich ein Problem, das die heutige Wissenschaft nicht
lösen kann. Die Zahlen 28 und 40 gelten nicht als Mutmaßung, sondern
dienen ledigüch zur Erläuterung.

Anhang zum VIII. Kapitel.

§ 1 (zum VIII. Kapitel, § 6).

Umsatzstatistik an der Yale-Universität.

Die Umsatzrate des Geldes verändert sich mit dem Betrage des Geldes,
das bei einem gegebenen Preisniveau verausgabt wird. Mit anderen Worten,
sie verändert sich mit dem Handelsvolumen des Einzelwesens. Die Umsatz-
statistiken unter den Studenten der Yale-Universität bilden zwei Ab-
teilungen; die erste oder frühere zeigt eine Durchschnittsgeschwindigkeit
oder Umsatzrate von 34 für das Jahr, die zweite oder spätere, eine solche
von 66. Der Unterschied ist wahrscheinlich teilweise den höheren Ausgaben
der zweiten Studentengruppe zuzuschreiben, aller Vermutung nach wurde
derselbe jedoch hauptsächlich durch ungenaue Angaben der ersten Ab-
teilung herbeigeführt. Jeder Student der ersten Gruppe wurde einfach auf-
gefordert, eine ungefähre Schätzung seiner jährlichen Geldausgaben und
seines durchschnittlich zur Verfügung gehaltenen Geldes vorzunehmen.
Der Quotient aus der Division der ersten Zahl durch die zweite ergab seine
Umsatzrate. Solche Schätzungen wurden von 128 Studenten geliefert.
Die durchschnittliche Jahresausgabe in Bargeld betrug $ 514 und der
Durchschnittsbetrag des zur Verfügung gehaltenen Geldes $15, was den
Quotienten 34 als Durchschnittsumsatzrate für das Jahr ergab. Diese
Schätzungen, die in der Hauptsache nicht viel mehr als bloße Vermutungen
darstellen, mögen das Ziel weit verfehlt haben. Um eine genauere Schätzung
zu erhalten, wurde eine zweite Serie aufgestellt. Die sich freiwillig Meldenden
wurden aufgefordert, während eines Monats über die täglichen Geldausgaben
        <pb n="332" />
        ﻿312

Anhang zum VIII. Kapitel.

genau Rechnung zu führen und den Bestand am Beginn und zu Ende eines
jeden Tages zu notieren. Diesen Statistiken war zu entnehmen, daß die
Durchschnittsjahresrate der Ausgaben der 113 Personen, die diese neuen Zahlen
lieferten, $ 660, und die durchschnittliche Barschaft fast genau $ 10 betrug,
was als Quotienten 66 mal im Jahre ergab. Die ungefähren Schätzungen,
deren Durchschnitt 34 war, sind im Vergleich zu den genauen Aufzeich-
nungen, deren Durchschnitt 66 war, von so geringer Bedeutung, daß wir
den allgemeinen Durchschnitt mit 60, der unter 66 nächsten runden Zahl
festsetzen können. Außer den Studenten wurden noch von fünf anderen
Personen statistische Aufzeichnungen gemacht. Die eine war Stenographin,
deren Ausgaben während eines Monats die Jahresrate von $ 435 ergab
und deren durchschnittliche Barschaft $ 7,86 betrug, was eine Umsatzrate
von 55 mal per Jahr ergab. Die zweite Person, ein junger Bibliothekar,
der während sechs Monaten über seine Barausgaben sorgfältig Rechnung
führte, erlangte eine Jahresrate von $ 854 mit einem durchschnittlichen
Bargeldsaldo von $ 10.41 und einer Rate von 82 mal per Jahr. Der dritte
war ein Rechtsanwalt, der seine Rechnungen, die sich jährlich auf etwa
$ 4000 beliefen, in bar zu bezahlen pflegte, und der seinen durchschnitt-
lichen Barsaldo auf $ 175 schätzte, welche Zahl er bis auf etwa $ 15 als
korrekt erachtete. Die auf Grund von 4000, dividiert durch 175, berechnete
Umlaufsgeschwindigkeit ergibt 23 mal per Jahr. Die weiteren beiden Auf-
zeichnungen wurden von Professoren geliefert. Die sorgfältige Rechnungs-
führung des einen ergab, daß er sein Bargeld 37 mal und sein Bankkonto
52 mal im Jahre umsetzte, während der andere die Umsatzrate seines Bar-
geldes auf ungefähr 175 und die seiner Bankdepositen auf 25 schätzte.

Von den insgesamt 246 Personen, deren Aufzeichnungen gesammelt
wurden, hatten nur 116 sorgfältig Rechnung geführt. Mit Ausnahme von
dreien waren alle 116 Personen Studenten. Die Annahme, daß die niedrigere
Umsatzgeschwindigkeit der ersten Reihe nicht ausschließlich ihren Grund
in irrtümlichen Schätzungen hat, sondern zum Teil eine Folge der niedrigeren
Ausgaben dieser Gruppe darstellt, ist auf die Tatsache gegründet, daß wir
zwischen dem aufgewendeten Geldbeträge und der Umsatzrate innerhalb
jeder Gruppe ein bestimmtes Verhältnis finden. Wenn wir also die 113 Stu-
denten, die sorgfältig Rechnung führten, in zwei Gruppen sondern, deren
eine sich aus allen denen zusammensetzt, die weniger als $ 50 im Monate
verausgabten, und die andere aus denen, die $ 50 und mehr ausgaben, so
erhalten wir folgende Zahlen:
        <pb n="333" />
        ﻿Anhang zum VIII. Kapitel.

313

	Anzahl  der  Fälle	Durch- schnitts- jahresrate der Ausgaben	Durch-  schnitts-  Kassen-  bestand	Umlaufs-  geschwindig-  keit
Ausgaben von weniger als $ 600 per Jahr 		72	$ 367	$ 8.60	43
Ausgaben von $ 600 und mehr per Jahr 		41	1175	12.70	93

Wir sehen hier, daß der wohlhabendere Mann im Durchschnitt dreimal
so große Ausgaben hat, wie der ärmere, daß er aber nur 50 v. H. mehr Bar-
geld bei sich führt. Folglich war die Geschwindigkeit des Reicheren 93
gegen 43 für den Ärmeren oder mehr als das Doppelte. Das fortschreitende
Verhältnis zwischen Ausgabe und Umsatzrate ist aus untenstehender
Darstellung der 113 Fälle, die nach den Ausgaben in fünf Gruppen an-
geordnet sind, zu ersehen.

	Anzahl  der  Fälle	Durch-  schnitts-  Ausgabe	Umlaufs-  geschwindig-  keit
Jährliche Ausgabe von weniger als $300 .	22	179	17
Jährliche Ausgabe über $300 und unter $600 		50	450	59
Jährliche Ausgabe über $600 und unter $900 		19	781	61
Jährliche Ausgabe über $900 und unter $1200 		10	1012	96
Jährliche Ausgabe über $1200 		12	1936	137

Die Anzahl der Fälle ist gering, doch die Ergebnisse sind gleichmäßig
folgerichtig. Sie zeigen, daß Geschwindigkeit und Ausgabe in direkter
Korrelation stehen. Selbst die Abteilung der ungefähren Schätzungen zeigt
dasselbe Allgemeinverhältnis. Wenn wir die Ausgaben ebenso einteilen,
so finden wir, daß die Geschwindigkeiten 22, 30, 44, 88 und 32 sind. Eine
einzige Ausnahme bildet hier die letzte Zahl, die, da sie den Durchschnitt
von nur fünf Personen darstellt, von geringer Bedeutung ist. Wir können
daher wenigstens mit einiger Bestimmtheit den Schluß ziehen, daß bei
einem gegebenen Preisniveau die Umsatzrate um so höher ist, je größer
die Ausgaben sind. Mit anderen Worten: Personen, die absolut ihr Geld
schneller ausgeben als andere, geben es auch im Verhältnis zu dem zur
        <pb n="334" />
        ﻿314

Anhang zum VIII. Kapitel.

Verfügung gehaltenen Gelde schneller aus. Obwohl der von den Reichen
zur Verfügung gehaltene Geldbetrag absolut größer ist als derjenige der
Armen, so ist er doch relativ zu den Ausgaben geringer.

Dieses Gesetz zunehmender Geschwindigkeit bei zunehmenden Aus-
gaben stimmt mit der allgemeinen Tatsache überein, daß, je größer der
Umfang eines Geschäftsbetriebes ist, eine desto größere Ersparnis erzielt
wird. Kleine Kaufläden müssen im Verhältnis zu ihrem Geschäftsumfange
ein größeres Warenlager führen, als große Läden. Ebenso haben kleine
Banken im Verhältnis zu ihrem Geschäftsumsatz größere Reserven zu halten.
Edgeworth hat die Tatsache mathematisch bewiesen, daß, je größer die
Bank ist, desto kleiner im Verhältnis die nötigen Reserven zu sein brauchen.
Es ist daher nicht befremdlich, daß der kleine Käufer es für richtig hält,
einen verhältnismäßig größeren Geldvorrat bei sich zu führen als der große
Käufer.

Das Material ist zu dürftig, um ein genaues quantitatives Verhältnis
zwischen Geschwindigkeit und Ausgabe festzusetzen. Es beweist, daß mit
der Erhöhung der Ausgaben die Geschwindigkeit zunimmt. Darüber hinaus
können wir aber nichts Sicheres feststellen. Die Tatsachen scheinen jedoch
zu dem Schlüsse zu führen, daß die Geschwindigkeit in einem geringeren
Verhältnis zunimmt als die Ausgaben.

§ 2 (zum VIII. Kapitel, § 8).

Gegenüberstellung von vier Warengattungen.

Wir nehmen hierzu vier Arten von Waren und wählen der Bequem-
lichkeit wegen Wein, Zucker, Rindfleisch und Salz. Setzen wir nun den
Fall, daß eine Herabsetzung des Preises der vier Waren auf den Verkauf
jeder einzelnen eine verschiedene Wirkung hat. Demgemäß werden wir
als Folge einer Reduzierung des Preises der vier Waren vier mögliche Wir-
kungen auf das allgemeine Preisniveau feststellen können.

Erstens Wein. Dieser wird als eine Ware solcher Natur betrachtet,
daß eine Herabsetzung seines Preises von einer mehr als proportionalen
Zunahme im Verkaufe begleitet sein wird. Der Gesamtbetrag des für Wein
ausgegebenen Geldes wird sich sonach erhöhen. Dies läßt einen geringeren
Betrag zum Einkauf der anderen Waren übrig. Infolgedessen müssen auch
die Preise der anderen Waren, wie der des Weines selbst, fallen.

Als nächstes folgt Zucker. Dieser ist eine Ware, von der angenommen
wird, daß ein Sinken des Zuckerpreises eine genau proportionale Zunahme
        <pb n="335" />
        ﻿Anhang zum VIII. Kapitel.

315

im Verkaufe zur Folge hat, so daß der Gesamtbetrag des für Zucker auf-
gewandten Geldes unverändert bleibt. Unter diesen Umständen wird das
für andere Dinge auszugebende Geld weder zunehmen noch abnehmen und
die anderen Preise werden keinerlei Veränderung erfahren; das allgemeine
Preisniveau hingegen, mit Einschluß des Zuckerpreises, wird etwas sinken,
weil das Fallen des Preises einer Ware, während andere sich nicht verändern,
ein gewisses Fallen im Durchschnitt hervorrufen muß.

Unsere dritte Ware ist Rindfleisch. Dies stellt ein sogenanntes „Lebens-
bedürfnis“ dar. Wir nehmen an, daß eine Herabsetzung seines Preises
von einer Zunahme in der Konsumtion begleitet ist, die jedoch nicht hin-
reicht, um all das Geld, das früher dafür ausgegeben wurde, gänzlich auf-
gehen zu lassen. Der gesamte Aufwand an Rindfleisch wird daher ver-
ringert und infolgedessen eine gewisse, für andere Waren auszugebende
Geldsumme frei, deren Preise somit im allgemeinen etwas in die Höhe gehen
werden. Die Endwirkung wird jedoch ein infinitesimales Sinken der all-
gemeinen Preise, einschließlich des Rindfleischpreises sein; denn insoweit,
als auf Grund der Zunahme in den Verkäufen von Rindfleisch, ohne irgend-
welche Erhöhung des Gesamtbetrages des verausgabten Geldes, eine Zunahme
der insgesamt verkauften Güter stattfindet, muß ein Fallen der Durch-
schnittspreise eintreten1).

Zuletzt das Salz. Dieses wird als ein „unentbehrlicher Bedarfsartikel“
angesehen, so daß eine Herabsetzung des Preises seinen Absatz in keiner
Weise beeinflussen würde. Die Folge davon ist, daß das allgemeine Preis-
niveau unberührt bleibt, da das Fallen des Salzpreises durch ein ausgleichen-
des Steigen der anderen Preise genau aufgewogen wird und das Gesamt-
handelsvolumen keine Veränderung erfährt.

Wir sehen also, daß der Grad des Fallens im Preisniveau, das durch
das Sinken eines einzelnen Preises veranlaßt wurde, je nach den Umständen
hoch, niedrig oder gleich Null sein kann.

Bei diesen vier Beispielen wurde angenommen, daß das Sinken eines
Einzelpreises in einer Veränderung der Angebotkurye oder Warenquantitäten-
Schedul seinen Ursprung hatte. Wenn das Fallen im Preise einer Ware
in einer Veränderung der Nachfrage kurve oder Quantitäten-Schedul seinen
Ursprung hat, so findet meist ein Steigen in den anderen Preisen und im

!) Die mathematische Notwendigkeit dieses Ergebnisses ist aus den Formeln im
Anhänge zum X. Kapitel zu ersehen, woselbst die rechte Seite der Verkehrsgleichung in
das Produkt zweier Faktoren, in das Handelsvolumen (H) und das Preisniveau (P),
umgewandelt wurde. Wenn deren Produkt gleich bleibt, so muß eine, wenn auch geringe
Zunahme des Handelsvolumens, eine Herabsetzung des Preisniveaus bewirken.
        <pb n="336" />
        ﻿316

Anhang zum X. Kapitel.

allgemeinen Preisniveau statt, denn es wird dann von dieser Ware weniger
und zu einem niedrigeren Preise gekauft und somit weniger Geld für diese
Ware und mehr für andere Waren ausgegeben, deren Preis höher ist. Da
die Verminderung im Betrage der gekauften Ware im allgemeinen eine
Verminderung des Handelsvolumens mit sich bringt, so wird das allgemeine
Preisniveau eine Steigerung erfahren1).

Anhang zum X. Kapitel.

§1-

Jede Form der Indexziffer für Preise umfaßt eine korrelative Form
der Indexziffer für Quantitäten.

Wir haben gesehen, daß die Anzahl möglicher Durchschnittsformen
eine unbegrenzte ist. Da eine Indexziffer, wie P1? ein Durchschnitt ist, so
folgt daraus, daß es eine unbegrenzte Anzahl möglicher Indexzifferformen
gibt. In der zwischen S. 346 und 347 angefügten Tabelle sind vierundvierzig
der einfachsten und wichtigsten Formen gegeben. In dieser Tabelle bezieht
sich die Bezeichnung „1“ auf irgendein bestimmtes Jahr, welches wir der
Bequemlichkeit wegen das „Jahr 1“ nennen wollen, während sich die Be-
zeichnung „0“ in gleicher Weise auf das „Jahr 0“ bezieht, das wir das
„Basis“-Jahr nennen. Die Überschriften der Kolonnen in der Tabelle geben
die Formel für die Indexziffer I\ für das Jahr 1 relativ zum Basisjahr 0
an. Durch Einsetzung von „2“ für „1“ kann jede Formel so gestaltet
werden, daß sie auf ein zweites Jahr, 2, relativ zum Basisjahr 0 betrachtet,
Bezug hat. Wenn wir gleicherweise „3“, „4“ usw. für „1“ einsetzen, so
haben wir eine ganze Reihe von Indexziffern, Plf P2, P3, P4 usw. für ver-
schiedene Jahre, die alle auf das gleiche Basisjahr 0 Bezug haben. Da die
Formeln alle gleich sind und sich nur in der Bezeichnung unterscheiden,
so ist es nicht nötig, mit den Ausdrücken von P2, P3 usw. in den Über-
schriften unnütz Raum einzunehmen. Infolgedessen ist in jeder Ko-
lonnenüberschrift nur die Formel für P1 angegeben.

Ü Siehe Irving Fisher, „Mathematical Investigations in the Theory of Value and
Prices , Transadions of the Connecticut Academy of Arts and Sciences, 1892, S. 51.
        <pb n="337" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

317

Aus dem gleichen Grunde wurden auch die Formeln für ff, usw.,
welche zu jenen für P, in Korrelation stehen, in den Kolonnenüber-
schriften weggelassen. Jede Preisindexform, P„ die auf die Verkehrs-
gleichung anwendbar ist, bringt einen korrelativen Handelsindex, ff„ mit
sich, und zwar so, daß das Produkt beider gleich ist 2pxQi, der rechten
Seite der Verkehrsgleichung.

P1H1 — 2piQi

2px Q

Hi==~~pT

Aus

folgt

Es ergibt sich also aus einer gegebenen Formel für P, auch die ent-
sprechende Formel für ff,. Ist zum Beispiel P, ein einfacher arithmetischer

d. h. ist P, = —	— (Formel

n p0

3 in der Tabelle) — wobei n die Anzahl der Waren bedeutet, deren Preis-
Verhältnisse gegeben sind —, so erhalten wir die korrelative Formel für H1

jj- _ 2p x Qx _ 2px Qx

“i — ti — 1	„ •

lSPl

n Po

Andrerseits, wenn Px der geometrische Durchschnitt

ist (Formel 7 in der Tabelle), so ergibt sich für Hx die korrelative Form

2px Qi

Umgekehrt gehört zu jeder Formel für Hx eine entsprechende kor-
relative Formel für P,.

Pßi — 2pxQx

Denn aus

, 2px Q
Hx

folgt

Vermittelst dieser Gleichung ergibt sich aus jeder gegebenen Formel
für Hx auch eine entsprechende Formel für Pj.

Die bereits gegebenen Beispiele von Px (dem arithmetischen und geo-
metrischen Durchschnitt) zeigen, wie man die korrelative Formel für ff,
erhält. Wenn wir von diesen etwas komplizierten Formeln für ff, nach
        <pb n="338" />
        ﻿318

Anhang zum X. Kapitel.

rückwärts rechnen, so können wir nacheinander die arithmetischen und geo-
metrischen Durchschnitte als korrelative Formeln für Px ableiten.

Als drittes Beispiel, das die Ableitung der Formel für Px von einer
gegebenen Formel für Ex erläutert, wollen wir Ex als 2p0Qx definieren.
Folglich ist

p ___ ^Pi Qi___ ■S'Pi Qi

1_ Ex ~ IVo Qi

(Formel 11 in der Tabelle).

Wir können also annehmen, daß zu jeder Kolonnenüberschrift, wenn-
gleich sie nur die Formel für Px angibt, auch eine entsprechende Formel
für E1 gehört, d. h. Px und H1 kommen in korrelativen Paaren vor. P1 und
Ex sind so beschaffen, daß, wenn eines von beiden (sagen wir Px) unab-
hängig von der Gleichung 2pxQx = PXEX gegeben ist, das andere dann
vermittelst dieser Gleichung bestimmt werden kann.

Die zwei Größen Px und H1 sind jedoch nicht vollkommen symme-
trisch. Zwischen ihnen besteht der wichtige Unterschied, daß Pi eine un-
benannte, Ex dagegen eine benannte Zahl ist, die in Dollar und Cent aus-
gedrückt werden kann.

Die p und Q treten nun zwar symmetrisch in der Formel 2pxQx
auf. Ersetzen wir aber diese Formel durch PXEX, so wird es offenbar, daß
der erste Faktor Px die p in einer etwas verschiedenen Weise darstellt wie
der zweite Faktor, Ex, die Q. Px ist eine reine Zahl, ein Durchschnitt
reiner Zahlen — der Verhältnisse zwischen den p und den Basispreisen

p0 —, wogegen Eu das gleich 1 ist, eine benannte Zahl ist, ein Wert,

* 1

der durch Division des Wertes 2pxQx durch die reine Zahl Px gefunden
wird.

Während also die p und Q in der ursprünglichen Formel 2pxQx Sym-
metrischvorkommen, behandelt sie der Prozeß, durch den wir IpxQx in PXEX
verwandeln, unsymmetrisch. Doch können wir offenbar die Asymmetrie in
ihrer Behandlung aufheben; denn anstatt 2pxQx gleich PXEX zu setzen,
können wir es gleich W, Di setzen, wobei Dx nun ein Quantitäts-Index ist,
das heißt, ein Durchschnitt der Verhältnisse zwischen den Qx und den Q0

0 0' 0"

oder Basisquantitäten (d. h. ein Durchschnitt von	• ~r?&gt;'")'•&gt; und

Q° Qo

W, das daher —^—- ist, ist der „Aggregatwert“, d. h. der Wert, der durch
Ml

Division des Wertes 2piQi durch die reine Zahl Di erhalten wird. Wenn
hier die Form Dx unabhängig von der Gleichung 2pxQx = WiDi gegeben
        <pb n="339" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

ist, so wird die Form W\ vermittelst dieser Gleichung bestimmt, und um-
gekehrt.

So können wir 2pxQx in P1E1 und ebenso in PF1Ci1 verwandeln. Im
ersten Falle sind die p durch ein Verhältnis P1 dargestellt, im zweiten Falle
durch einen Wert Wp, im ersten Falle sind die Q durch einen Wert Ex dar-
gestellt, im zweiten Falle durch ein Verhältnis Qx. Die Asymmetrie bei
jeder der beiden Formeln P1E1 und WCh ist umgekehrt wie bei der
andern.

Endlich können wir, wenn wir wollen, die p sowohl als auch die Q
in gleicher Weise behandeln, durch die Gleichstellung von 2pxQx mit (2p0Q0)
PjDj, wobei beide, Px und Dlt Indexziffern für die plt beziehungsweise die
Qi, sind. Das heißt, Px und Qj. sind (wie wir beweisen werden) Durchschnitte

von Preisverhältnissen wie — , bzw. QuantitätsVerhältnissen wie Man

Po	y0

kann sagen, daß die Gleichung 2pxQx = (2p0Q0) PXDx jeden der beiden
Durchschnitte (Px und Oj) durch den andern ausdrückt. Einer von
beiden muß also unabhängig von der Gleichung bestimmt werden.

So gibt es also drei Möglichkeiten verschiedener Auflösungen für
2'pxQi, nämlich:

2VlQx = PjHj = Wgh = (SPoQo) P&amp;i-

Dividiert man die dritte Form durch 2paQ0, so ergibt sich

Qi___d n

Wird nun entweder Px oder Ox nach Art einer Durchschnittsdefi-
nition bestimmt, und erhält man die andere Größe durch obige Gleichung,
so wollen wir beweisen, daß auch letztere notwendigerweise eine Form
annehmen muß, die einer Durchschnittsdefinition gleichkommt. Wir haben

Q Q'

beweisen, daß, wenn Qj. als Durchschnitt von A A • • • angenommen

y0 tyo

wird, die korrelative, von (1) abgeleitete Formel für Pl5 nämlich:

ein Durchschnitt von

''&amp;m
        <pb n="340" />
        ﻿320

Anhang zum X. Kapitel.

(gemäß der allgemeinen, im Anhang zum II. Kapitel gegebenen Definition
eines Durchschnittes), daß Formel (2) gleich k sein muß, wenn

	Pi_P±_	■ ■■ = k
	o  O '	
(und wenn gleichzeitig	II  II  C? je?	... = k').
Wir setzen also voraus:	Pi_ v\ .	= k,
	Vo P0	
dann ist		
	Pi = kp0; p[ = kp'0‘, •	
Ferner setzen wir voraus,	daß:	
	Qi = Q\ = Qo Qo	• • • = V,
dann ist	&lt;o  H*  II  &lt;6  O	O»  II  K H  &lt;3*
Also ist		
2piQi -- —(*Po		X  &lt;0  o  T
Nun ist bekanntlich	Qi = Q\_ =	
	Qo Qo	
folglich ist		

Drchschn.

Qi Qo
Qo’ Q\

= v

nach der Definition eines Durchschnittes.

Daher kann die Formel (2) nun wie folgt geschrieben werden:

kk' 2&gt;„ Qo

^Po Qo

k’

was offensichtlich gleich k ist.

Nach der Definition ist daher die Formel (2) ein Durchschnitt von
“Pi V

Po’ ~iT	^urc^ gleiche Folgerung können wir umgekehrt nach-

weisen, daß
        <pb n="341" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

321

2PiQi

•^PoQo

((Dchschn. —



Po

Pi

Po

Qi Qi
4’ Q'o

daß, wenn entweder P1 oder Di in der Formel PXDx

ein regelrechter Durchschnitt von ^, -g ■ • • ist- Wir schließen daraus,

2PiQi

^PoQo

ein Durch-

schnitt der p- bzw. Q-Verhältnisse ist, folglich auch das andere ein Durch-
schnitt der Q- bzw. p-Verhältnisse sein muß.

§2.

Die Indexziffern für Preise kommen ebenso wie die Indexziffern für
Quantitäten in antithetischen Paaren vor.

Wir haben gesehen, daß sich aus jeder gegebenen speziellen Durch-
schnittsform für Pj eine korrelative Form für	ergibt, und umgekehrt. Wenn

also Px der einfache arithmetische Durchschnitt

— 2 — ist, so ist dann
n Po

-PiQi

0

Di = ~F0V0. Wenn wir dagegen von Dj als dem einfachen arithmetischen

— 2?!
n p0

Durchschnitte — ^ ausgehen, so entdecken wir in seinem Korrelat eine
n Q0

-P1Q1

Q

neue Formel für Px, nämlich: 1 ■■■_■. Auf diese Weise führt jede für Px

jL v Qi

n ~ Q0

gegebene Formel zu einer anderen Formel für Pa, die deren Antithese genannt
werden kann. Diese zweite Formel für Px ist in ihrer Form mit der zur ersten
Formel für Px in Korrelation stehenden Formel für identisch und unter-
scheidet sich von derselben nur durch eine Vertauschung der px und Qx.

Die vier Formeln und deren Beziehungen sind klar ersichtlich, wenn
man sie, wie in folgendem Beispiel, in Form eines Vierecks anordnet.

.	91

Fisher, Kaufkraft des Geldes.
        <pb n="342" />
        ﻿322

Anhang zum X. Kapitel.

vPi

Po

2piQi

antithetisch zu

Q0

korrelativ zu

korrelativ zu

D, =	antithetisch zu

1

W

Das Formelpaar in der linken, senkrechten Kolonne drückt korrelative
Formeln aus, die eine für P1 und die andere für Di- In der diesen beiden
diagonal gegenüberliegenden Formel wurden die p und Q miteinander ver-
tauscht. Bei dem so gebildeten rechten Paare ist offensichtlich jede Formel
auch ein Korrelat der anderen und jede ist die Antithese der in derselben
wagerechten Linie zu ihrer Linken stehenden Formel. Da jede Formel P1
eine antithetische Formel für P1 bedingt, so haben wir hier ein Mittel, aus
alten Formeln neue zu bilden, und auch gewisse unvermutete Verwandt-
schaften zwischen bereits in Anwendung befindlichen Formeln auf-
zufinden.

In der nach Seite 346 folgenden Tabelle der Indexziffern für Px stehen
die antithetischen Formeln in jedem Falle nebeneinander und sind durch
eine Klammer verbunden. Beide zusammen stellen, wie oben, immer die
obere Hälfte eines Vierecks dar. Die weggelassene untere Hälfte, die die kor-
relativen Formen für gibt, kann in jedem Falle leicht ergänzt werden;
um indessen Raum zu sparen, enthält jede Kolonnenüberschrift in der
Tabelle nur die Formel für Px unter Weglassung des Korrelats für £h sowie
der entsprechenden Formeln für E1 und Wv Die Formel für £ia kann, wie
gesagt, durch Vertauschung der p und Q der in den benachbarten (anti-
thetischen) Kolonnen gegebenen Formel leicht geschrieben werden; die für
Hi wird durch Division von 2p1Q1 durch I\ gefunden; die für Wx durch
Division von 2px Qi durch £h. Tatsächlich dienen 1\ und Wi demselben
Zwecke, nämlich zur Angabe von Preisveränderungen; ebenso haben
und Ex den Zweck, Quantitätsveränderungen anzuzeigen. Während einer
Reihe von Jahren werden die Ziffern für Px und Wx proportional sein, mit
dem einzigen Unterschiede, daß Px Prozente darstellt, wobei die Zahl für
das Ausgangsjahr 100 Prozent ist; während in Dollar ausgedrückt wurde
und die Zahl für das Ausgangsjahr repräsentiert den tatsächlichen Umsatz
2p&lt;&gt; Q0 in diesem Jahre. In gleicher Weise unterscheiden sich £ij und Ex
        <pb n="343" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

323

nur dadurch, daß erstere in Prozenten und letztere in Dollar ausgedrückt
sind, wobei die Basisziffer 100 Prozent respektive 2p0Q0 Dollar ist.

§3.

Allgemeine Bedeutung der p und Q.

Wir wollen hier einmal innehalten und darauf hinweisen, daß die ganze
vorliegende Erörterung lediglich die Form einer Indexziffer der p und Q
betrifft ohne jedwede Bezugnahme auf die Bedeutung, die diesen p und Q
beizulegen ist. Diese Bedeutung kann sich auf viel weitgehendere Probleme
beziehen, als einfach auf die Preise und Mengen in der Verkehrsgleichung.
So z. B. kann eine Preisindexziffer mit Bezug auf die Kaufkraft des Lohnes
eines Arbeiters konstruiert werden. In diesem Falle kann die vorherige
Formel, nämlich 2pt Qi zur Anwendung kommen, die Glieder haben aber
dann eine verschiedene Bedeutung. Die p beziehen sich nun auf die Preise
der Güter, die in den Arbeiterbudgets Vorkommen, und die Q auf die Mengen
der Güter, die unter den Konsum eines Arbeiters fallen. In diesem Falle
zeigt der Preisindex P das Preisniveau des Arbeiter-Konsums an, und der
Index H bedeutet einen Index der Reallöhne der Arbeiter. Jedwede be-
sondere Form eines Preisindexes bedingt nun auch eine besondere ent-
sprechende Form eines Reallohnindexes.

Wenn wir andrerseits die Kapitalstatistiken studieren, wie die in Giffens
Growth of Capital, so haben wir 2p Q als Kapitalwert, wobei die p die Preise
der verschiedenen Kapitalarten und die Q deren Quantitäten sind. Für
jede spezielle Form der Preisindexziffer P, die das Preisniveau des Kapitals
darstellt, gibt es einen korrelativen speziellen Kapitalmdex, der zum Unter-
schiede von seinem bloßen Geldwerte das tatsächliche „Wachsen des Kapi-
tals“ anzeigt. Ein derartiger Index scheint selten angewendet worden zu
sein1). Doch ist es offenbar ratsam, zwischen einer scheinbaren, durch eine
künstliche Preissteigerung hervorgerufene Kapitalzunahme und einer
natürlichen Kapitalzunahme, wie sie durch einen wie hier vorgeschlagenen
Index angezeigt würde, einen Unterschied zu machen.

x) Siehe Giften, Growth of Capital, London (George Bell &amp; Sons) 1889 S. 50-54,
woselbst Veränderungen im Preisniveau berücksicht.gt und Indexziffern aus dem Econo-
mist von Sauerbeck und von Soetbeer angeführt wurden. Professor J. S. Nicholson be-
fürwortete eine solche Kapitalnorm im Journal of the Royal Statistical Association, März
1887, S. 152 ff. Diese Methode wurde von Edgeworth im Report of the Bnhsh Associa-
tion, 1887, S. 276 erörtert.

21*
        <pb n="344" />
        ﻿324

Anhang zum X. Kapitel.

Wir sehen also, daß dort, wo immer Preise und Quantitäten vereinigt
wurden, zur Konstruktion korrelativer Indexzifferpaare die erforderlichen
Bedingungen gegeben sind, wobei sich der eine Index jeden Paares auf Preise
und der andere auf Quantitäten bezieht.

Der Einfachheit wegen werden wir aber nach wie vor die Größe H und
nicht Q anwenden und dieselbe einen „Handelsindex“ nennen.

§4.

Übersicht über die 44 Formeln als Kolonnenköpfe der Tabelle.

Wir wollen nun die Formeln der Tabelle ausgewählter Indexziffern
einer kurzen Betrachtung unterziehen. Jede Formel mit gerader Zahl wird
am besten als von der Formel mit ungerader Zahl zu ihrer Linken als deren
Antithese ableitbar betrachtet. Die ungeraden Formeln sind diejenigen,
welche ohne Bezug auf den Durchschnitt der Q direkt für die p konstruiert
wurden; die geraden Formeln wurden unter Bezugnahme auf einen für die Q
zuerst angenommenen Durchschnitt indirekt konstruiert. Die letzteren sind
das, was Wal sh mit dem Namen „doppelt wiegend“ bezeichnete.

Formel (1) ist lediglich das Verhältnis der Preissummen. Sie kann
auch als das Verhältnis der Preisdurchschnitte der beiden in Betracht

kommenden Jahre angesehen werden, wie durch die Schreibweise

2pi

n

2p0

n

klar ersichtlich ist, wobei n die Zahl der angewandten Waren darstellt.

Diese Formel wurde im Jahre 1738 von Dutotx) und kürzlich von Brad-
street* 2) gebraucht, welch letzterer sie praktisch anwandte.

Obgleich die Formel ein Verhältnis von Durchschnittspreisen darstellt, so
kann sie auch auf die Form eines gewogenen arithmetischen Durchschnittes der

Preisverhältnisse —,	usw. gebracht werden, wie folgende Um-

Po Po Po

Wandlung zeigt:

*) Siehe Walsh, Measurement of Generäl Exchange Value, New York (MacmiUan),
1901, S. 534, 653.

2) Bradstreet's Journal aus dem Jahre 1895.
        <pb n="345" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

325

2pi _ Pi + Pi + P" ~\--

2p0 Vo + Vo + Vo 4------

Po + PÖ + Po + • • •

In dieser letzten Form ist die Formel offenbar der gewogene arithmetische
Durchschnitt der eingeklammerten Proportionen mit den Preisen p0, p'0,
p”,... des Jahres 0 als Gewichte. Eine Veränderung der Mengeneinheiten
der verschiedenen Güter würde auch eine solche dieser Preise nach sich
ziehen; eine Abänderung der Unzen in Pfunde würde die den Preis aus-
drückende Zahl mit sechzehn multiplizieren. Jede derartige Änderung
eines Preises wie z. B. der p0 würde auch die relative Bedeutung der „Ge-
wichte11 Po, Pq usw. gänzlich ändern. Infolgedessen ist dieses System des
Wiegens, wie Walsh erklärte, ein ganz willkürliches oder zufälligesx).

Dieselbe Formel ist, wie aus folgender Umwandlung zu ersehen ist,
auch ein harmonischer Durchschnitt:

Spt = Pi + Pi-i-----

-Po Po + Po 4-------

Pl + Pl + • • •

Pl	(Po  \Pv	1	)+•■■
Pl(	'Po\  -Pli		4	
Pi + Pi 4				

Offensichtlich ist die letzte Formel der reziproke Wert eines gewogenen
arithmetischen Durchschnittes der in Klammern stehenden Preisver-
hältnisse. Diese Preisverhältnisse sind aber die reziproken Werte von

(~J, p/j, usw. Mit anderen Worten: die Formel ist der reziproke

Wert eines gewogenen arithmetischen Durchschnittes der reziproken Werte

der Verhältnisse — usw. Sie ist daher der gewogene harmonische Durch-
Po

schnitt der Verhältnisse — usw., und die Gewichte sind px, p[ usw. oder

Po

die Preise des Jahres 1. 1

1) Walsh, Measurment usw., S. 81 und 82.
        <pb n="346" />
        ﻿326

Anhang zum X. Kapitel.

Kurz, die Formel (1) ist sowohl ein arithmetischer als auch ein harmoni-
scher Durchschnitt von —, ~ usw., wobei im ersten Falle die Glieder des
Po Po

Nenners und im zweiten die des Zählers die Gewichte sind.

Obwohl, wie wir gesehen haben, Formel (1) der Tabelle vornehmlich ein
Verhältnis von Preisdurchschnitten darstellt, so kann sie doch als ein Durch-
schnitt von Preisverhältnissen mit willkürlicher Wägung betrachtet werden.

Umgekehrt können wir nach Belieben jeden Durchschnitt der Verhält-
nisse als ein Verhältnis von Durchschnitten betrachten, wenn wir zur
Messung von Waren willkürliche Einheiten annehmen. Es ist klar ersicht-
lich, daß, wenn die Maßeinheit in irgendeinem Verhältnis erhöht wird, die
den Preis ausdrückende Zahl in umgekehrtem Verhältnis eine Erniedrigung
erfährt. Wenn wir daher die Maßeinheit einer Ware, deren Preis zuerst
durch 2h ausgedrückt ist, mittels Division durch p0 ändern, so wird aus

diesem Preise —. Auf diese Weise kann — sowohl als Preis als auch als Preis-
Po	Po

rß	(ß

Verhältnis angesehen werden. Folglich kann ein Durchschnitt von —, ,,

Po Po

1usw., als Durchschnitt von Preisen betrachtet werden. Als neue Einheit
fo

einer Ware gilt dann, an Stelle eines Pfundes, Yards usw. die Warenquantität,
welche ein Dollar im Ausgangsjahre häufen würde. Bei dieser Einheit ist der
Preis im Ausgangsjahre gleich Eins, denn wenn wir den Preis p0 der ur-
sprünglichen Einheit durch den Faktor p0 dividieren, so erhalten wir Eins.

Von nun an werden wir jedoch alle Indexziffern als Durchschnitte von
Preisverhältnissen behandeln.

Interessant ist die Feststellung, daß die Antithese von Dutots oder
Bradstreets Formel (Nr. 2), die mittels Division des Bruches

AQi

die korrelative Formel für £b, nämlich durch

2Qo’

v», o durch

O^O

gefunden wird, sich

als diejenige erweist, welche von Drobischx) und früher von Sir Rawson-

r) Siehe M. W. Drobisch, „Über Mittelgrößen und die Anwendbarkeit derselben
auf die Berechnung des Steigens und Sinkens des Geldwertes“ (Berichte über die Ver-
handlungen der Königlich sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Levpzig\ Mathe-
matisch-physische Klasse, Band XXIII, 1871, S. 25—48). Dgl. „Über die Berechnung
der Veränderungen der Warenpreise und des Geldwertes“ (Jahrbücher für Nationalökonomie
und Statistik, 1871, Band XVI, S. 143—156); und „Über einige Einwürfe gegen die in
diesen Jahrbüchern veröffentlichte neue Methode, die Veränderungen der Warenpreise
und des Geldwertes zu berechnen“ (loc. dt., 1871, Band XVI, S. 416—427). Siehe auch
V alsh, op. dt., S. 97—99, woselbst die Berechnungsmethode erklärt wurde.
        <pb n="347" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

327

Rawsonx) vertreten wurde.

Formel (3)2) ist oöensichtlich der bekannte, einfache arithmetische
Durchschnitt

n

n

Formel (4), die Antithese von Formel (3), gibt als Durchschnitts-Preis-
Verhältnis das Verhältnis der Gesamtwerte 2piQil2p0Q0, die zur Ab-
änderung der Q mittels Division durch das arithmetische Durchschnitts-
verhältnis der Q berichtigt wurde.

Künftighin werden wir die Formeln mit geraden Zahlen, die Antithesen
der vorhergehenden ungeraden Formeln darstellen, übergehen und sie nur
dann erwähnen, wenn ein besonderer Grund hierzu vorliegt.

Formeln (5), (7)3)und (9)4) stellen das gewöhnliche harmonische und
geometrische Mittel sowie den gewöhnlichen Medianwert dar. Wir sehen,
daß die Antithese von (7), nämlich (8), einer der von Nicholson und Walsh
vorgeschlagenen Werte ist5).

Formel (11)6) ähnelt der von Bradstreet, nur mit dem Unterschiede,
daß die Einführung der Q als Multiplikatoren ein willkürliches Wägen nicht
zuläßt, denn ungleich den Gewichten p0 usw., werden die Gewichte p0Q1
usw. durch eine Änderung der Maßeinheiten für Waren nicht beeinflußt.

Ob nun ein Artikel in Pfunden oder Unzen gemessen wird, übt auf

O Siehe Edgeworth, Report oj the British Association for ihe Advancemmt of Science,
1889, S. 152. Sir Rawson-Rawsons Vorschlag, wie ihn Edgeworth eingehend daxgestellt
hat, ging dahin, den Wert der Ausfuhr (oder Einfuhr) durch das Ladegewicht der
Ausfuhr (oder Importpreise) zu dividieren und das Ergebnis als eine Indexziffer für die
Exportpreise (oder Einfuhr) anzusehen. Der Vorschlag ist nicht aus theoretischen
Gründen, sondern praktischer Berechnungserleichterung wegen gemacht worden. Edge-
worth verglich die Ergebnisse von Rawsons ungefährer, aber zuverlässiger Methode
mit Giffens genauerer Methode, indem er die tatsächlichen Zahlen für das Jahr 1886
mit denen für 1885 verglich und eine wesentliche Übereinstimmung fand.

2) Betr. Darlegung der Geschichte dieser Formel von Carli bis zur Gegenwart siehe
Walsh, op. dt. S. 534.

s) Siehe Jevons, Investigations in Currency and Finance, London (Macmillan), 1884-
Edgeworth, Reports British Assodation, 1887, 1888, 1889; Walsh, op. dt. S. 229 ff.

4) Siehe Edgeworth, Reports British Assodation, 1887, 1888, 1889, besonders 1888
S. 206 ff.

6) Walsh, op. dt., S. 548.

6) Über Formel 11 und 12 gibt es eine umfangreiche Literatur. Siehe Walsh
°V- dt., S. 191 ff. und 539 ff.
        <pb n="348" />
        ﻿328

Anhang zum X. Kapitel.

den Wert einer gegebenen Menge keinerlei Einfluß aus. Folgende Um-
formung zeigt, daß die Formel ein gewogenes arithmetisches Mittel ist:

^ViQi __ P1Q1 + v'iQi-\------

^VoQi PoQi + pöQi 4..........

VoQi + PoQi H----

Die letzte Formel ist offenbar ein gewogener arithmetischer Durch-
schnitt der Preisverhältnisse in den Klammern; und deren Gewichte sind
p0Qi, PoQi usw., d. h. es sind die Werte der Quantitäten des Jahres 1,
berechnet zu den Preisen des Jahres 0.

Dieselbe Formel ist aber auch ein harmonischer Durchschnitt, was
ersichtlich wird, wenn, wie dies bei Formel (1) geschah, anstatt des Zählers
der Nenner umgeformt wird. Sie ist ein gewogener harmonischer Durch-
schnitt, dessen Gewichte PiQt, p[Q[ usw., oder die Werte des Jahres 1 sind.

Kurz, Formel (11) oder	ist, wie Formel (1), sowohl ein ge-

wogener arithmetischer als auch ein gewogener harmonischer Durch-
schnitt von --1-, ”, usw., doch sind die Gewichte in beiden Fällen ver-
Po Po Po

schieden.

Formel (11) besitzt die interessante Eigenart, daß ihre Antithese (12)
dieselbe Form hat, nur mit dem Unterschiede, daß die Q nunmehr mit dem
Index 0 anstatt mit 1 bezeichnet sind. Eine ähnliche Folgerung zeigt,
daß diese Formel (12) ebenfalls sowohl ein arithmetischer als auch ein
harmonischer Durchschnitt ist, der je nach den Gliedern seines Nenners
bzw. Zählers gewogen wurde.

Diese beiden Formeln (11) und (12) scheinen bei den Autoren über
Indexziffern sehr beliebt zu sein. Da die Mängel der einen Formel in ge-
wissen Fällen keinesfalls Mängel der anderen sind, so wurden viele Versuche
gemacht, sie in eine einzige zu verschmelzen. So ist zum Beispiel Nr. (18)x)
deren einfacher arithmetischer Durchschnitt. Die Antithese von (13), näm-
lich (14), erweist sich als einfacher harmonischer Durchschnitt von (11) und
(12). Die Formel (15) ist der einfache geometrische Durchschnitt von (11) und
(12) und ist mit ihrer eigenen Antithese (16) identisch. Die Formel (17),
(19), (21) und (23) stellen weitere Versuche einer Vereinigung der Formeln

1) Literaturnachweis über diese und viele andere der übrigen Formeln der Tabelle
(Kolonne 13 44) siehe Walsh, Measurement of General Exchange-Value, S. 386 bis 388,
        <pb n="349" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

329

(11) und (12) dar, jedoch nicht durch Berechnung deren Durchschnitts, wie
es bei (13) und (15) der Fall war, sondern durch Berechnung des Durch-
schnitts ihrer Koeffizienten Qi und Qo&gt; Q'i und Q'0 usw. Zwei ihrer Antithesen,
nämlich (18) und (22), erweisen sich als die von Walsh und (24) als die von
Julius Lehr vorgeschlagenen Formeln1).

Wir haben gesehen, daß die Formeln (11) und (12) als arithmetische
Durchschnitte betrachtet, folgende Gewichte besitzen:

Nr. 11:	p0Qi,	VoQ'v	VoQi	usw.

und Nr. 12:	p0Q0,	p'0Qa,	Vo'Q'o	usw.

Wir nehmen sodann die Gewichte

ViQi,	p'iQv	ViQi	usw.	für	Nr.	(25)

und PiQo,	PiQo,	ViQo	usw.	für	Nr.	(27)

und ergänzen auf diese Weise die vier Permutationen der Indexzahlen
01, 00, 11 und 10. Nummer (29) stellt einen gewogenen arithmetischen
Durchschnitt dar, dessen Gewichte nicht vom Produkt der Preise und der
Quantitäten des Grundjahres (1), sondern aus anderen Erwägungen abge-
leitet sind. Als Beispiel hierfür gilt die in einigen Tabellen des „Aldrich
Report“2) angewendete Methode, nach welcher der Prozentsatz der Kon-
sumtion verschiedener Art in den Arbeiterbudgets die Gewichte sind und
zwar ohne Bezugnahme auf das Basisjahr oder auf ein anderes bestimmtes Jahr.

Die Formeln (31) und (33) sind gewogene harmonische Mittel, in denen
die Gewichte anstatt

pxQ± usw., wie in (11),
oder piQo usw., wie in (12),
p0Qi usw. für (31)
und p0Qo usw. für (33) sind.

Somit wurden hier dieselben Permutationen der Indexzahlen für har-
monische Durchschnitte durchgeführt, wie dies vorher für arithmetische
Durchschnitte geschah. Wir sehen also, daß die ungeraden Formeln von (11)
bis einschließlich (33) lediglich arithmetische oder harmonische Durch-
schnitte von — usw. oder aber Durchschnitte oder Mischungen solcher
Vo

Durchschnitte sind.

D Beiträge zur Statistik der Preise, Frankfurt a. M., 1885, (Methode S. 11 und
S. 37—42). Erklärung der Methode in Walshs Measurement of Generäl Exchange-Vahie
S. 386—388.

2) Report on Wholesale Prices, Senatsbericht 1394, 2. Session, 52. Kongreß, 1893.
        <pb n="350" />
        ﻿330

Anhang zum X. Kapitel.

Die Formeln (35), (37), (39), (41) repräsentieren verschiedene Formen
gewogener geometrischer Durchschnitte jener Preisverhältnisse mit folgen-
den Gewichten:

usw. für (35),

PoQo usw. für (37),

PiQo usw. für (39),

Po Qi usw. für (41).

Nummer (43) ist das Verhältnis des gewogenen geometrischen Durch-
schnittes der Preise in den Jahren 1 und 0, wobei die Gewichte für das
Jahr 1 PiQj usw. und für das Jahr 0 p0Q0 usw. sind.

Aus all dem Gesagten ist zu ersehen, daß sämtliche 44 für die Tabelle
ausgewählten Formeln auf einige einfache Grundsätze der Durchschnitts-
bildung aufgebaut wurden. Die meisten davon sind arithmetische, har-
monische oder geometrische Durchschnitte oder deren Kombinationen.
Es erübrigt sich zu erwähnen, daß zahlreiche andere und kompliziertere
Formen konstruiert werden können.

§5.

Übersicht über die als Titel der Tabellenreihen figurierenden

acht Proben.

Nachdem wir nun die Überschriften der senkrechten Kolonnen der Ta-
belle durchgenommen haben, kommen wir zur Erörterung der am Anfang
der wagerechten Keihen stehenden Titelworte. Letztere repräsentieren acht
Indexzifferproben. Die ersten sechs Proben sind in Paare geordnet, wobei
die ungeraden auf die Preise und die geraden auf die Quantitäten Bezug haben.

Acht Proben für eine gute Indexziffer.

Die acht Proben haben den Zweck, neben den bisher beim Studium der
Indexziffern angewandten noch weitere Proben zu umfassen. Es sind dies
die folgenden:

1.	Probe	der	Proportionalität	in	bezug	auf	die	Preise.

2.	Probe	der	Proportionalität	in	bezug	auf	die	Handelsziffem.

3.	Probe	der	Bestimmbarkeit	in	bezug	auf	die	Preise.

4.	Probe	der	Bestimmbarkeit	in	bezug	auf	die	Handelsziffem.

5.	Probe des Ausschlusses oder Einschlusses in bezug auf die Preise.

6.	Probe des Ausschlusses oder Einschlusses in bezug auf die Handels-
Ziffern.
        <pb n="351" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

331

7.	Probe der Veränderung der Basis bei den Preisen und bei den
Handelsziffern.

8.	Probe der Veränderung der Maßeinheit sowohl in bezug auf die
Preise als auch auf die Handelsziffern.

Wir wollen zunächst jede dieser Proben allgemein definieren und sie
dann durch tatsächliche Anwendung veranschaulichen.

1.	Probe der Proportionalität in bezug auf die Preise. Eine Formel für
den Preisindex muß so beschaffen sein, daß der Preisindex mit allen in-
dividuellen Preisverhältnissen übereinstimmt, wenn letztere untereinander
sämtlich übereinstimmen. Wenn also der Preis eines jeden Gegenstandes
im Jahre 1910 um 10 Prozent höher ist als im Jahre 1909, so muß die
Indexziffer um zehn Prozent höher ausfallen.

2.	Probe der Proportionalität in bezug auf die Handelsziffern. Ebenso
muß die korrelative Formel für den Handelsindex derart sein, daß der
Handelsindex mit allen individuellen Handelsverhältnissen übereinstimmt,
wenn letztere untereinander sämtlich übereinstimmen.

3.	Probe der Bestimmbarkeit in bezug auf die Preise. Ein Preisindex
darf nicht mit Null, unendlich oder unbestimmt ausfallen, wenn ein Einzel-
preis Null wird. Wenn beispielsweise im Jahre 1910 irgendeine Ware den
Markt überfüllte und „Freigut“ wurde, so darf deswegen die Indexziffer für
1910 nicht mit Null wiedergegeben werden.

4.	Probe der Bestimmbarkeit in bezug auf die Handelsziffern. Der korre-
lative Handelsindex darf nicht mit Null, unendlich oder unbestimmt aus-
fallen, wenn eine einzelne Quantität zu Null wird. Wenn also im Jahre
1910 irgendeine Ware vollständig außer Gebrauch kam, so daß deren aus-
getauschte Menge gleich Null lautete, dann darf diese Tatsache den
Handelsindex für 1910 nicht unbestimmbar machen.

5.	Probe des Ausschlusses oder Einschlusses in bezug auf die Preise. Ein
Preisindex muß vom Ausschluß oder Einschluß eines Preisverhältnisses, das
mit dem Index übereinstimmt, unberührt bleiben. Wenn also der Preisindex
einer gewissen Anzahl von Gütern, ausschließlich des Zuckers, im Jahre 1910,
im Vergleich zum Jahr 1900 auf 105 lautete und der Preis des Zuckers
selbst im Jahre 1910 im Vergleich zum Jahr 1900 ebenfalls 105 betrug,
dann darf der Einschluß des Zuckers in die Berechnung der Indexziffer
den Index 105 nicht verändern.

6.	Probe des Ausschlusses oder Einschlusses in bezug auf dieHandelsziffern.
Der korrelative Handelsindex darf vom Ausschluß oder Einschluß eines
Quantitätsverhältnisses, das mit dem Index übereinstimmt, nicht berührt
"werden.
        <pb n="352" />
        ﻿332

Anhang zum X. Kapitel.

7.	Probe der Veränderung der Basis. Die Verhältnisse zwischen ver-
schiedenen Preisindizes (und daher, wie wir sehen werden, auch die Verhält-
nisse zwischen den korrelativen Handelsindizes) dürfen von einer Umkehrung
oder Veränderung der Basis nicht berührt werden. Wenn also die Index-
ziffer für 1910, auf der Basis von 1860 berechnet, das Doppelte der Ziffer
für 1900 ist, so muß sie auch, auf der Basis von 1870 berechnet, doppelt
so hoch bleiben.

8.	Probe der Veränderung der Maßeinheit. Die Verhältnisse zwischen
verschiedenen Preisindizes (und daher, wie wir sehen werden, auch die Ver-
hältnisse zwischen den korrelativen Handelsindizes) müssen bei einer Ver-
änderung der Maßeinheit unbeeinflußt bleiben. Wenn also die Indexziffer
für 1910, falls die Kohlenmenge nach Tonnen ausgedrückt wird, das Doppelte
der Ziffer von 1900 ist, so muß dieselbe auch das Doppelte bleiben, falls
die Kohlenmenge nach Pfunden ausgedrückt wird.

Die Aufstellung der Probe 7 und 8 bezieht sich in jedem Falle sowohl
auf die Preise als auch auf die Quantitäten. Beide Fälle bedeuten, daß das,
was sich bei den Preisindizes bestätigt, sich auch bei den Handelsindizes be-
stätigen muß, und vice versa. Um dieses reziproke Verhältnis der Probe 7
(Veränderung der Basis) nachzuweisen, wollen wir den Preisindex für das
Jahr 1 im Ausdruck des Jahres 0, anstatt wie bisher mit Pl5 mit P1)0 be-
zeichnen — wobei das Grundjahr eine spezielle Benennung erhält — und
wir wollen dann die Jahre 1 und 2 miteinander vergleichen, indem wir zuerst
das Jahr 0 und dann (sagen wir) das Jahr 8 als Basis benutzen. Wenn die

P i P

Probe der Basisveränderung bei den P erfüllt ist, d. h. wenn —= D1,8&gt;

B 2,0	B 2,8

so haben wir noch zu beweisen, daß das diesbezügliche Verhältnis auch bei
den E zutrifft, nämlich daß

Bekanntlich ist

E

E

1,8 • ,
— ist.

2,8

(1)

(2)

(3)

#1,0

ZPiQi
Pija ’

E 2,0

Z'lhQ,

P«,0 ’

#1.8 =

ApiQi

P 1,8 ’
        <pb n="353" />
        ﻿—

Anhang zum X. Kapitel.

333

Dividieren wir (1) durch (2) und (3) durch (4), so erhalten wir die
Quotienten

ffi.o	(ZViQi)	(Ps.o\

H»,o	[ipM	\Pi,J

und

Bl,S__ PlQl\	/^*2,8\

#2,3 ~	Up2Q2/	V-Pi.s/ ‘

Vergleichen wir die rechten Seiten dieser Gleichungen, so finden wir, daß
die "2”-Verhältnisse in beiden Fällen miteinander identisch sind, und wir
wissen, daß die P-Verhältnisse durch Hypothese gleich sind. Folglich sind
die ganzen rechten Seiten der beiden Gleichungen und somit auch die
linken Seiten ebenfalls gleich, was zu beweisen war. Die umgekehrte Schluß-
folgerung liegt ebenfalls klar auf der Hand.

Der Probe der Veränderung der Basis gleich, kann auch die Probe der
Veränderung der Maßeinheit, nämlich Nr. 8, nicht für Preise gelten, ohne
gleichzeitig auch auf die Quantitäten anwendbar zu sein und vice versa.

Zur Beweisführung nehmen wir die Gleichung H = p • Offenbar bleibt

der Zähler der rechten Seite dieser Gleichung von einer Veränderung der
Einheit unberührt. Wenn z. B. Kohle anstatt in Tonnen in Unzen gemessen
und somit die Zahl (sagen wir die Q), die deren Quantität darstellt, ganz
bedeutend erhöht würde, so würde dies den Wert (p Q) nicht beeinflussen,
da die Zahl (p), die den Preis darstellt, demgemäß erniedrigt wird. Wenn
daher der Nenner (P) der diesbezüglichen Probe entspricht, d. h. wenn der-
selbe bei einer Veränderung der Einheit ebenfalls unbeeinflußt bleibt, so
muß auch der Quotient (H) unberührt bleiben. Das heißt, wenn die Probe
der Maßeinheitsveränderung für P entspricht, so muß dieselbe auch für H
entsprechen. Da sich dies auch auf die umgekehrte Schlußfolgerung be-
zieht, so ist die Behauptung bewiesen.

Die ersten sechs Proben sind abwechselnd in Preisen und in Quantitäten
ausgedrückt. Wir machen nun darauf aufmerksam, daß die sich auf die Preise
beziehenden Proben auch für die Quantitäten von Bedeutung sind und daß
die sich auf Quantitäten beziehenden Proben auch für die Preise Bedeutung
haben. Das heißt: alle Proben sind sowohl für Preise als auch für Quanti-
täten von Bedeutung.

Um auf diese wichtige Tatsache Nachdruck zu legen, wollen wir die
Bedeutung jeder Probe für die Kategorie der Preise feststellen. Da diese
Bedeutung bei den Proben 1, 3, 5, 7 und 8 in der Darlegung der Probe

k
        <pb n="354" />
        ﻿334

Anhang zum X. Kapitel.

offensichtlich zum Ausdruck kommt, so haben wir dies nur noch bei den
Proben 2, 4 und 6 darzustellen.

Probe 2 sagt uns, daß, wenn alle Handelsverhältnisse übereinstimmen,
auch deren Index mit letzteren übereinstimmen muß, d. h. wenn

QZ~QL q*	’

dann ist auch

!-■

Es handelt sich nun um die Frage, welche Folge für die p zutrifft, wenn
wir vorstehende Bedingung als bei den Q zutreffend annehmen. Die Ant-
wort ist offensichtlich:

2Vx Ql

Pi = Hx =	_ flj = kSVlQ2; h

(erhalten durch Substitution von ücQ2 für Qi&gt; yon ^62 für Qi usw. und kH.,

für Hi)	=

^PzQz	— PzQi

Die letzte Form ist von der vorletzten abgeleitet, und zwar durch Multi-
plikation des Zählers und des Nenners mit k und durch Substituierung von
für kQ2, Q[ für kQZ usw.

p

Die resultierenden beiden Formeln für -5^ stellen Probe Nr. 2 in den

P 2

Bedingungen dar, denen sich die Preise anpassen müssen. Man wird in diesen
Formeln diejenigen erkennen, welche in § 7 des Anhanges zum II. Kapitel
zur Erörterung gelangten und deren Bedeutung daselbst erklärt wurde. Es
wurde dort gezeigt, daß jedwede Veränderung in G oder in U oder eine
gleichmäßige Veränderung in allen Q oder irgendeine Kombination dieser
Veränderungen durch die Verkehrsgleichung auf das Preisniveau in der
Weise einwirkt, wie es in nachstehender Formel ausgedrückt ist:

P1 ^PiQi __ ~PiQ%

Pz	-SPzQi ^PzQz

So schreibt die Verkehrsgleichung Probe Nr. 2 selbst vor, denn nach den
grundlegenden Theoremen, die die Verkehrsgleichung uns lehrt, variieren
die Preise direkt wie G und U sowie umgekehrt wie die Q und die einzigen
Formen von Indexziffern, die diese Veränderungen getreu widerspiegeln,
d. h. die direkt mit G und umgekehrt mit den Q variieren (wenn wir an-
        <pb n="355" />
        ﻿

Anhang zum X. Kapitel.

335

nehmen, daß alle Q übereinstimmend variieren), sind die Indexzifferformen,
welche mit Probe Nr. 2 übereinstimmen. Jede andere Form einer Index-
ziffer könnte, wenn G (und G') sich um 50 Prozent erhöhte und in den U
oder Q keinerlei Veränderung eintritt, ein Steigen von 49 oder 51 Prozent
verzeichnen. Das heißt: keine andere Form einer Indexziffer berechtigt uns
zu der Aussage, daß sich bei einer Veränderung der Geldmengen, während
die Umlaufsgeschwindigkeit und die Q unverändert bleiben, die Preisindex-
ziffer proportional verändert. Keine andere Form befähigt uns zur Fest-
stellung des entsprechenden Theorems in bezug auf die Wirkung einer Ver-
änderung in der Umlaufsgeschwindigkeit oder einer (gleichförmigen) Ver-
änderung in den Q. Dies sind aber die grundlegenden Theoreme. Dem
wahren Begriff einer Indexziffer gemäß muß dieselbe an Stelle der diver-
gierenden Einzelveränderungen treten und uns in den Stand setzen,
aus deren proportionalen Veränderungen dieselben Theoreme abzuleiten,
die sich bewähren, wenn sämtliche Preise sich in gleicher Weise ver-
ändern.

Probe Nr. 2 ist daher von so grundlegender Bedeutung, daß es sich lohnt,
einen Augenblick innezuhalten und sie wörtlich zu wiederholen. Um die
Ideen zu fixieren, denken wir uns zwei Jahre, sagen wir 1900 und 1910
und nehmen an, daß die Menge jeder im Jahre 1910 verkauften Waren-
gattung, sagen wir, genau doppelt so groß ist wie die im Jahre 1900 ver-
kaufte Quantität. Die einzig richtige Indexziffer, die das Preisniveau des
Jahres 1910 (Jahr 1) im Vergleich zum Preisniveau des Jahres 1900 (Jahr 0)

~^1^1 das Verhältnis des Gesamtwertes der im Jahre

anzeigt, ist sodann

-poQi'

1910 verkauften Güter zu dem, was dieser Wert bei den Preisen des Jahres
1900 gewesen wäre, oder was auf dasselbe hinausläuft, sie ist —	,

das

Verhältnis von dem, was der Gesamtwert der im Jahre 1900 zu den Preisen
des Jahres 1910 verkauften Güter gewesen wäre zu dem, was es tat-
sächlich zu den Preisen des Jahres 1900 war.

Von den 44 Formeln der Tabelle lassen sich, bei gleichmäßiger Verände-
rung der Q, nur die folgenden auf die erforderliche Formel zurückführen:
Nr. (2) von Drobisch, (4), (6), (8), (10), (11), (28), (30), (34), (38) und (40).
Mit Ausnahme der Formel 11 haben alle anderen gerade Indizes. Verschiedene
andere reduzieren sich auf die beanspruchte Formel, vorausgesetzt, daß
eines der Vergleichsjahre das Grundjahr ist.

Die Formeln der Tabelle, die der Probe Nr. 2 überhaupt nicht ent-
sprechen, würden uns in bezug auf GU + G'TJ' = PR nicht einmal die
        <pb n="356" />
        ﻿336

Anhang zum X. Kapitel.

Aussage gestatten, daß H bei einem Gleichbleiben aller Q konstant bleibt
und daß P wie die andere Seite der Gleichung variieren wird. Für diese
Formeln versagt E als zuverlässiger Index der Q, denn jedweder Fehler
nach der einen Richtung zieht einen entsprechenden Fehler in P nach der
entgegengesetzten Richtung nach sich.

Probe 2 erscheint daher in gewisser Hinsicht die wichtigste aller acht
Proben für Preise zu sein, obgleich sie ursprünglich nicht in Preisen, sondern
in Quantitäten aufgestellt war. Sie ist die einzige Probe, die die Art des
erforderlichen Wägens angibt. Während diese Probe jede noch so sehr ab-
weichende Einzelveränderung in Preisen gestattet, schreibt sie ganz genau
die Bedingungen vor, die uns zu der Erklärung berechtigen, daß eine Ver-
änderung in G oder in den beiden U oder in allen Q in einem gegebenen
Verhältnis auf die Preise „im Durchschnitt“ in demselben Verhältnis ein-
wirkt (auf G und U natürlich direkt und auf die Q indirekt).

Tatsächlich gibt Probe 2 die wahre Form einer Preisindexziffer an, wie
sie die Verkehrsgleichung unter allen möglichen Umständen — ausgenommen
wenn die Q in ungleichem Verhältnis variieren — vorschreibt. Sie zeigt auch
die erforderlichen richtigen Gewichte an. Man kann sagen, daß diese Ge-
wichte wechselseitig entweder von den oder von den Q0 abhängen. Die
von den Qx ausgehende Formel ist Formel Nr. 11, die von den Q0 ausgehende
ist Formel Nr. 12. Wenn die Q1 und Q0 proportional sind, wird jede der
beiden Formeln vollkommen befriedigen, und wenn dies nicht der Fall
ist, so kann deren Abweichung nicht nennenswert sein. Wenn sich aber
die Q ungleich verändern, dann scheint es eine zufriedenstellende Formel
nicht zu geben. Unter diesen Umständen stehen die beiden Gewichtssysteme,
das eine in und das andere in Q0 ausgedrückt, in Widerspruch. Wie aber
Edgeworthx) bewiesen hat, ist dieser Widerspruch nur ein geringer. In der
Tat sind die Gewichte zur Festsetzung einer Preisindexziffer von viel ge-
ringerer Bedeutung als die Preise selbst.

Die Erörterung der Probe 2 wird in § 7, woselbst die verschiedenen
Formen von Indexziffern einem Vergleich unterzogen werden, nochmals
aufgenommen.

J) Report oj the British Association for the Advancement of Science, für das Jahr 1887,
S. 288—292, und für 1888, S.197—198, 200, 202, 203 und 206. Edgeworth legt in dem
von ihm angeführten Falle dar, daß ein „Irrtum“ in den Gewichten bei der sich
ergebenden Indexziffer nur ein Zwanzigstel beträgt, während ein „Irrtum“ in
den Preisen selbst bei der sich daraus ergebenden Indexziffer einen vier- oder fünfmal
so großen „Irrtum“ verursacht.
        <pb n="357" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel

Algebraisch dargestellte Proben für den allgemeinen Fall
zweier beliebiger Jahre, verglichen hinsichtlich der Preise
und der Handelsziffern.

(In dem speziellen Falle, wo das eine der beiden Jahre ein Grundjahr ist, setze
man „0“ an Stelle von „2“.)

Gegeben

Die Probe erfordert, daß
(in bezug auf die p)	|	(in bezug auf die Q)

Probe 1

Proportionalität
der p
Probe 2
Proportionalität
der Q
Probe 3
Bestimmbarkeit
der p
Probe 4
Bestimmbarkeit
der Q
Probe 5
Durch
oder
der p

Ausschluß

Einschluß

Pi = Pi = ..
Pi P'i

Qz Qi

Px = 0 oder
p2 = 0 usw.

§, = 0 oder
§2 = 0 usw.

Pl—h=,k

Pi Pi

Probe 6

Durch Ausschluß
oder Einschluß
der Q

9i=äLi

Pv PpiQi_PpxQi
Pi PpiQi PpiQi

Px und P2 eindeutig be-
stimmt und weder
Null noch unendlich

Pj und P2 eindeutig be-
stimmt und weder
Null noch unendlich

Pj

(Buchstaben mit dem
Zeichen ' bedeuten
Ausschluß der px, p^
§, und §2; Buch-
staben ohne das Zei-
chen Einschluß dieser
Faktoren)

p; Zp[Q[ . Hx

PiQi ^ihQi

Hx und H2 bestimmt
und weder Null noch
unendlich

Hx und II2 bestimmt
und weder Null noch
unendlich

El Zp'xQ'x . Px

Probe 7
Durch Verände-
rung der Basis

Probe 8

Durch Verände-
rung der Maß-
einheiten

F i s h e :

Änderung der Basis
von „0“ zu „8“
verändert:

Pi.o in Pi,8
P2,o in P2,8
Hi,o in Hi,8
Hifi in Hifi
Qx und px in umge-
kehrtem Verhält-
nis verändert
        <pb n="358" />
        ﻿338

Anhang zum X. Kapitel.

Probe 4 beweist, daß, wenn eine individuelle Quantität auf Null zu
stehen kommt, die Quantität oder der Handelsindex dieserhalb nicht mit
Null, unendlich oder unbestimmt wiedergegeben werden darf. Doch je
nachdem der Index auf Null, unendlich oder unbestimmt zu stehen kommt
oder nicht, ist auch der Preisindex auf Null, unendlich oder unbestimmt

2p1Q1

zu registrieren. Dies geht aus dem Verhältnis	^ — klar hervor.

Probe 4 besitzt daher in bezug auf Preise eine ähnüche Bedeutung wie
die, welche ihr in bezug auf die Quantitäten beigemessen wird.

Die Preisbedeutung der Probe 6 ist komplizierter und anscheinend
ohne Belang. Sie ist in der erläuternden Tabelle auf Seite 337 aufgeführt.
In der Tabelle der 44 Indexziffern wurde die „Punktzahl“ der Probe 6 in
Klammem gesetzt um anzuzeigen, daß dieselbe keine besondere Preis-
bedeutung besitzt und daher in den Gesamtsummen ausgelassen werden
kann.

Mutatis mutandis hat jede in Preisen ausgedrückte Probe (1, 3, 5)
auch für die Quantitäten Bedeutung.

Die vorerwähnte Tabelle auf Seite 337 stellt algebraisch ausgedrückt
Hypothese und Schlußfolgerung jeder der acht Proben sowohl in bezug
auf Preise als auch auf Quantitäten dar.

§6.

Der innere Teil der Tabelle; Kolonne 11 im besonderen.

Wir haben nun die Überschriften der Vertikal- und Horizontalreihen
der Tabelle in aller Kürze durchgenommen. Die Beziehungen zueinander
sind dem Innern der Tabelle zu entnehmen. Der Zweck der Tabelle ist,
den Grad der Übereinstimmung der 44 verschiedenen Formeln für P
(und deren Korrelate für H) mit den acht Proben zu zeigen. Ungeachtet
allen mathematischen Scharfsinnes, den die zahlreichen Autoren über die
Berechnung von Indexziffern aufgewandt haben, wird doch keine bekannte
und offenbar auch keine mögliche Formel alle acht Proben erfüllen.

Bei jeder Probe nehmen wir drei mögliche Grade der Übereinstimmung
wahr. Sie kann durch jede spezielle Formel in drei Graden der Überein-
stimmung oder Nichtübereinstimmung erfüllt werden, nämlich: 1. voll-
ständig, 2. teilweise oder 3. überhaupt nicht. Diese drei Grade sind in der
großen Tabelle durch die Ziffern 1, J- und 0 angezeigt. Die vollkommene
Erfüllung einer Probe geschieht durch Indexziffern für zwei beliebige Jahre
(wie z. B. Jahr 1 und 2). Eine Probe wird teilweise erfüllt, wenn dies durch
        <pb n="359" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

339

Indexziffern für zwei Jahre geschieht, von denen eines das Basisjahr (Jahr 0)
ist. Auf diese Weise bezieht sich erstere auf jeden allgemeinen, und letztere
auf jeden besonderen Fall. Da das Allgemeine das Spezielle in sich schließt,
wird die Probe, wenn sie im allgemeinen erfüllt wurde, auch im besonderen
Falle erfüllt; umgekehrt braucht dies nicht immer der Fall zu sein. Wenn
aber die Probe in dem besonderen Falle nicht erfüllt wird, so wird sie auch
im allgemeinen Falle nicht erfüllt; im umgekehrten Falle braucht dies nicht
immer zuzutreffen. Kurz, eine bejahende Antwort auf die Frage vollständiger
Übereinstimmung bedingt eine bejahende Antwort auf die Frage teilweiser
Übereinstimmung und eine verneinende Antwort auf die Frage teilweiser
Übereinstimmung bringt auch eine verneinende Antwort auf die Frage
vollständiger Übereinstimmung mit sich. Diese beiden Regeln ersparen
bei der Ausarbeitung der Zahlen in der Tabelle viel Arbeit.

Unsere nächste Aufgabe besteht in der Erläuterung der acht Proben
durch Anwendung derselben auf eine besondere Formel für P1 und die kor-
relative Formel für Hv Zu dieser Erklärung wählen wir das in der Tabelle mit

Nummer (11) bezeichnete Formelpaar, nämlich Px =

und suchen nun zu ergründen, inwieweit dieses Formelpaar mit den acht
Proben übereinstimmt.

Probe 1. Proportionalität der Preise. Wir beginnen mit „dem besonderen
Falle“, bei dem eines der beiden Vergleichsjahre das Basisjahr ist. Konkret
ausgedrückt bedeutet diese Probe, daß, wenn alle Preise für das Jahr 1
eine gegebene Zahl von Malen (fc-Mal) die Preise für das Basisjahr 0 sind,
die Indexziffer für das Jahr 1 (im Ausdruck des Jahres 0) dieselbe Zahl
k sein muß.

Algebraisch ausgedrückt lautet die Probe am besten folgendermaßen:

W	Pl Pl	P" _	_ 7,

Wenn	— — zj — zt,—	— Ä

Po Po Po

ist, d. h. wenn

Pi = kPo\ V'i = kPo’ Pi = kPo• • •

ist, wobei k das gegebene konstante Preisverhältnis bedeutet, so sollte auch

1 0

sein, das heißt (da P0 = 1) Pt = k.

Diese Probe kann leicht auf unser gegebenes Formelpaar angewendet
Werden.

2v Q

Die Formeln für das Jahr 1 sind: P 1 = ^77^;	= ^PoQi-

SpoQi

99 *
        <pb n="360" />
        ﻿340

Anhang zum X. Kapitel.

Die Formeln für das Jahr 0 sind: P0 =	(—1); H0 = Sp0 Q0.

—Po^o

Demgemäß ist

2piQi _ ViQi + ViQi d—

—PoQi	-&gt;oQi

_ (kpp) Qi + (kpo)Qi + • • •

&amp; (PoQi + p'oQ'i + • • •)

—Po Qi

Tc —p0 Q1

Probe 1 wird also für den besonderen Fall, in welchem eines der Jahre das
Basisjahr ist, erfüllt.

Wie wir aber bemerkten, folgt daraus keineswegs, daß die Probe im
allgemeinen erfüllt wird. Für den „allgemeinen Fall“ zweier beüebiger Jahre
kann die Probe wie folgt aufgestellt werden: Wenn der Preis jedes Gutes
für das Jahr 1 fe-mal der Preis desselben Gutes für das Jahr 2 ist, dann
muß die Indexziffer für das Jahr 1 (im Ausdruck des Jahres 0), ebenfalls
fc-mal die Indexziffer für das Jahr 2 (im Ausdruck des Jahres 0) sein. Wenn
dies zutreffen soll, verlangt die Probe für den allgemeinen Fall, daß, wenn

= *£=... = *: ist,

P2 P2 P2

d. h. wenn	p% — fcp2, Pi — &amp;p2, P\ — i'Pz tisw., ist,

Wie aus folgendem zu ersehen ist, wird aber diese allgemeine Probe
nicht erfüllt:

-PiQi fc-P2Qi

P\ —Po Qi —Po Qi

werden. Wenn diese Gleichheit bei einem besonderen Werte von (sagen
wir) Q2 gerade zutrifft, so würde dieselbe offenbar durch die geringste Ab-
weichung von diesem Werte aufgehoben werden. Wenn sich z. B. Q2 ver-

—V 0

ändert, so würde dies auf die linke Seite der angenommenen Gleich-

-2p0Qi

heit keinen Einfluß haben, doch würden sich die ersten Güeder im Zähler
und Nenner der rechten Seite ändern. Folglich würde der rechte
        <pb n="361" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

341

Bruch

-£*2^2

—Po Q‘&gt;

beeinflußt werden, ausgenommen wenn das Verhältnis des

ersten Gliedes ~~2 zufällig gleich	wäre, in welchem Falle dann nach

P0Q2

einem bekannten Proportionsprinzip (dem Grundsätze der „Komposition
undDivision“) die Größe der Glieder p2Q, und p0Q., unwesenthch sein würde.

Die erste Probe wird deshalb nicht für den allgemeinen, sondern nur
für den besonderen Fall erfüllt, in dem eines der beiden Vergleichsjahre das
Basisjahr ist. Unserem früheren Brauch gemäß geben wir daher der Formel
11 die Ziffer A womit deren Grad der Übereinstimmung mit Probe 2 dar-
gestellt wird.

Probe 2. Proportionalität in hezug auf die Handelsziffern. Diese für
den allgemeinen Fall dargestellte Probe bedeutet: Wenn die Quantitäten
aller im Jahre 1 verkauften Güter fc-mal die Quantitäten der entsprechen-
den im Jahre 2 verkauften Güter sind, so muß die Indexziffer des Handels
für das Jahr 1 (im Ausdruck des Jahres 0) ebenfalls k-mal die Indexziffer
für das Jahr 2 (im Ausdruck des Jahres 0) sein.

Qi=Qi^W

Qz Q2 Q*

Hr

Das heißt, wenn

= k ist,

so muß

H,

= k sein.

Wir werden finden, daß diese Probe im allgemeinen Falle und daher
auch im besonderen Falle erfüllt wird.

2p0Qi kSpoQi_______1

Ho lp0Qi ApoQ2

was zu beweisen war. Probe 2 ist somit vollständig erfüllt, und der
Formel in der Tabelle wurde demgemäß Wert „1“ zuerkannt.

Probe 3. Bestimmbarkeit in bezug auf die Preise. Diese Probe wird
ebenfalls vollständig erfüllt.

Sollten in der Formel für Pu nämüch	einige&gt; aber nicht alle

Preise, z. B. plt oder eine der Quantitäten, z. B. Qly gleich Null werden,
so ist es klar, daß obige Formel noch immer bestimmbar ist und zwischen
Null und unendlich liegt. Es werden lediglich einige der zahlreichen Glieder
im Zähler verschwinden, während alle anderen Glieder bestehen bleiben.
Da derselbe Schluß auch für P2 anwendbar ist, so folgt daraus, daß

p

pr auch bestimmbar sein muß, weil es der Quotient zweier endlichen Zahlen
        <pb n="362" />
        ﻿.







342

Anhang zum X. Kapitel.

ist, die weder Null noch unbestimmbar sind. Probe 3 wird daher vollständig
erfüllt.

Probe 4. Bestimmbarkeit des Handels. Die der dritten analoge vierte
Probe erklärt, daß der Handelsindex nicht mit unbestimmt, Null oder un-
endlich wiedergegeben werden muß, wenn ein oder mehrere Preise Null

werden. Die Formel für Hx lautet stets —Da nun weder der Zähler noch

der Nenner dieses Bruches durch das Verschwinden einiger, doch nicht
aller p oder Q Null, unendlich oder unbestimmbar wird, so muß der Quotient
gleichfalls weder Null, noch unendlich und unbestimmbar sein. Auch Probe 4
wird somit vollständig erfüllt1).

Probe 5. Ausschluß oder Einschluß der Preise. Gesetzt den Fall, daß
wir 100 spezifizierte Waren haben. Wenn das allgemeine Preisniveau eines
Jahres fc-mal das eines anderen Jahres ist, und wenn ein Gut, dessen Preis
in dem einen Jahre fc-mal der Preis des anderen Jahres ist, aus den 100
Gütern ausgeschieden wird, so daß also nur noch 99 übrig bleiben, so muß
das Verhältnis des Preisniveaus der beiden Jahre unverändert bleiben.

Diese Probe ist schwer zu erfüllen, und die Formel, von der hier die
Rede ist, erfüllt sie nur teilweise, das heißt, nur wenn eines der beiden
Vergleichs]ahre das Basisjahr ist.

Wenn	= k ist, wobei k ein gegebenes Verhältnis ist, und wenn

■VPoQi

auch — = k ist, dann haben wir zu beweisen,

Po	2'poQi

lieh 2p' Q[ = p[ Q[ + p[' Q" H-----ist, während 2p1Q1 = p1Q1 + f[Q[

+ vi'Qi -1-----ist&gt; s0 ist 2p[Q[ = 2p1Q1 — PiQi-

daß = k, da natür-

ein. Der einfache geometrische Durchschnitt für

*) Es hat den Anschein, als ob die einfachen Proben der Bestimmbarkeit durch
jede beliebige Formel erfüllt werden könnten, was jedoch nicht der Fall ist. (Wenn
dies zuträfe, so würde die in der der Probe 4 gegenüberliegenden letzten Kolonne
gegebene Gesamt-„Punktzahl“ nicht 31, sondern 44 lauten.) Der einfache geometrische
Durchschnitt (Formel 7) stimmt also mit Probe 3 der Preisbestimmbarkeit nicht über-

Waren ist Pt = ~l/— .	• • •.

r Po Po'

Wenn Null wird, so wird offenbar der Wert des ganzen Ausdruckes Null. Wenn wir
also zur Festsetzung der Preisniveaus vom geometrischen Mittel abhängig wären, so
würde, wenn von irgendeiner Ware zeitweilig ein so großer Überfluß vorhanden wäre,
daß ihre Preise für einen einzigen Augenblick verschwinden, die Indexziffer, die das
gesamte Preisniveau daxstellt, für diesen Augenblick auf Null sinken. Eine Durchschnitts-
form, die in einem extremen Falle so widersinnig ist, nähert sich dem Widersinn, bevor
das Extrem erreicht ist. So wirken niedrige Preise, auch wenn sie nicht buchstäblich
gleich Null sind, unverhältnismäßig auf den geometrischen Durchschnitt ein.
        <pb n="363" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

343

Nun wissen wir, daß — = k, auch — k ist. Und da

Po	P0Q1	2PoQi

~~ - ft ist,

&gt;sn l)	7

so folgt nach dem Proportionsprinzip („Komposition und Division“), daß

^PiQi — P1Q1 __ ^
2poQi PoQi

das heißt, daß	— ft was zu beweisen war.

-SpoQi

Wird die fehlende Ware wieder aufgenommen, so bleibt das Verhältnis
natürlich ungestört, so daß sich die Regel sowohl für den Einschluß als auch
für den Ausschluß derselben anwenden läßt. Probe 5 wird daher füi den
besonderen Fall erfüllt.

Betrachten wir aber den allgemeinen Fall für Preisverhältnisse zweier
Jahre, von denen weder das eine noch das andere das Basisjahr ist, dann
wird die Probe nicht erfüllt.

k ist, und auch — = 1c ist, dann wird

2p0 Q.o

Denn wenn dieser Ausdruck

Apo Qi

zufällig einmal gleich k wäre, so würde eine geringe Veränderung in einem
Basisjahrpreise, wie z. B. in p'a, die Gleichheit stören, wenn die Veränderung
111 Po die Nenner des Zählers und Nenners des letzten Ausdruckes in dem-
selben Verhältnis berührt. Dies hätte zu bedeuten, daß das Verhältnis

^TTTp von einer Veränderung in p'0 unberührt bliebe, was umgekehrt (nach

dem oben angeführten Lehrsätze) zu der Annahme berechtigen würde, daß

Po Q[ = SpoQi
Po Qi A’po Qi

Das ist durchaus nicht immer richtig, da sicherlich leicht Werte für (sagen
wir) angenommen werden können, die dies widerlegen. So würde eine
Verdoppelung der Q{ wohl die linke, aber nicht die rechte Seite verdoppeln.
Unsere Formel wird daher der Probe 5 nur teilweise gerecht und es kann
ihr somit als Grad der Übereinstimmung mit Probe 5 nur die Note 1 zu-
gesprochen werden.

Probe 6. Ausschluß oder Einschluß der Handelsziffem. Wenn die
Indexziffern für den Handel in einem gegebenen Verhältnis zueinander
        <pb n="364" />
        ﻿344

Anhang zum X. Kapitel.

stehen, so darf der Einschluß oder Ausschluß eines gegebenen Gutes, dessen
Quantitäten in demselben Verhältnis stehen, dieses Verhältnis nicht stören.
Diese Probe wird von unserer Formel vollständig erfüllt.

Wenn ~ = k und ~	= fc ist, dann fordert die Probe, daß

Q-&gt;	H 2	Sp0 Q2

MQi ,	•

■ = k sei.

^Po Qa

Qi

Diese Probe wird erfüllt, denn aus = fc folgt,

^VoQi

PoQi

P0Q2

= k ist.

Vereinigt man diesen Ausdruck mit 1 = k, so erhält man nach dem

Grundsatz der Proportion („Komposition und Division“)	= k.

oh52 — V0V2

Das heißt	= k, was zu beweisen war.

2pöQZ

Probe 7. Veränderung der Basis. Diese Probe wird selbst in dem
besonderen Falle unserer Formel nicht erfüllt. Hierunter ist der Fall um-
gekehrter Basis, z. B. derjenigen zwischen Jahr 1 und 0 zu verstehen.

Um unser Bezeichnungssystem nicht zu ändern und um Verwechslungen
vorzubeugen, wollen wir die Kennziffer 0, die das ursprüngliche Basisjahr
angab, benutzen, um dieses selbe Jahr anzuzeigen, selbst wenn es für den
Augenblick nicht als Basisjahr betrachtet wird, und in derselben Weise
wollen wir die Kennziffer 1 benutzen, um das Jahr 1 anzuzeigen, auch wenn
es für den Augenblick als Basisjahr angenommen wird.

Nach der Formel, die wir zu prüfen haben, ist das Preisindexverhältnis
für das Jahr 1 mit Jahr 0 als Basis verglichen ^1^1. Aus analogischen
Gründen geht klar hervor, daß das Preisindexverhältnis für das Jahr 0,
im Vergleich zu dem als Basis betrachteten Jahre 1 ist. Wenn diese

n	y/p q

beiden Ausdrücke reziproke Werte sind, dann muß 1 ~ gleich 1 ''

sein. Da zwischen den Q0 und den Qt keinerlei Verhältnis zu bestehen
braucht, so kann dies offenbar nicht immer richtig sein. Sollte sich die
Gleichung zufällig für eine besondere Gruppe von Q0 und Qx bewahrheiten,
so würde selbst die geringste Veränderung eines einzigen Buchstabens,
sagen wir Q0 oder Qx, unzweifelhaft das Verhältnis stören. Die Probe wird
somit nicht einmal für den besonderen Fall einer Umkehrung der Basis
zweier Jahre erfüllt, und die Formel muß daher mit „0“ bezeichnet werden,
        <pb n="365" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

345

womit das vollständige Versagen einer Übereinstimmung mit der Probe 7
ausgedrückt wird.

Probe 8. Veränderung der Maßeinheiten. Würde zum Beispiel bei der
Preisangabe die Einheit der Kohle von Tonnen in Pfunde umgewandelt,
so dürfte die Indexziffer dadurch nicht berührt werden. Es wird sich zeigen,
daß Formel (11) dieser Probe entspricht.

Offenbar würde jede bei irgendwelchen Gütern (deren Preise plt p[,
p" und deren entsprechende Quantitäten Qx, Q[ und Q[' sind) vorgenommene
Veränderung der Einheit, wie z. B. von Tonnen auf Pfunde, sämtliche Q

2000 mal erhöhen, sämtliche p hingegen in reziprokem Verhältnis um

reduzieren. Die Produkte pxQx, p[Q[ und p['Q" bleiben infolgedessen un-
berührt. Die Summe der Produkte, die den Zähler und Nenner der rechten
Seite der Gleichung

^ViQi

Px _ ZPoQi

P„ 2p2Q2

^PoQi

konstituieren, bleibt daher ebenfalls unberührt. Und auch auf das Ver-
hältnis der Indexziffern ~ kann dies keinerlei Wirkung ausüben. Der Probe

Jl 2

wird also vollkommen Genüge geleistet1).

1) Es hat den Anschein, als ob jede Indexziffer dieser Einheitsveränderungs-
Probe entsprechen würde. Von den 44 Formeln ist dies bei 40 Formeln der Fall.

Aber die vielleicht einfachste aller Indexziffern, nämlich Bradstreets P, = ver-

Ap0

sagt in dieser Hinsicht.

Es liegt auf der Hand, daß dort, wo eine Veränderung der Einheit in irgendeiner Ware,
deren Preise rp1 und p0 sind, besteht, sowohl der Zähler als auch der Nenner davon berührt
werden, jedoch nicht in demselben Verhältnis, ausgenommen, wenn es sich gerade trifft, daß

ist.

Po Ap„

Pie Indexziffer hängt infolgedessen von der Maßeinheit ab. Eine solche Indexziffer ist
gänzlich willkürlich und könnte bei geeigneter Handhabung der Maßeinheiten jedweder
Ware angepaßt werden. Je größer die Einheit einer verwendeten Ware ist, desto höher
ist der Preis, der in die Formel aufgenommen wird, und desto mehr wirkt diese Ware
auf das Resultat ein.

Bradstreet benutzt 96 der gebräuchlichsten Waren und bemißt dieselben samt
und sonders dem Pfunde nach. Das Resultat ist, daß das Silber zum Beispiel hoch
über dem Eisen steht und zu mehreren Dollars per Pfund in der Liste figuriert,
während Eisen nur mit einigen Cents erscheint.
        <pb n="366" />
        ﻿346

Anhang zum X. Kapitel.

§7-

Vergleich der 44 Formeln.

Wir sind nun am Schlüsse unserer Beweisführung, in welcher die Über-
einstimmung eines — der in der Tabelle aufgeführten 44 Paare — Index-
zifferpaares für Preise und Handel geprüft und in bezug auf die acht Proben
klassifiziert wurde. Ähnliche Schlüsse ergeben sich für die übrigen 43 Formeln
der Tabelle. Um Baum zu sparen, wurde von einer weiteren Darlegung
Abstand genommen. Der mathematische Leser kann, wenn ihm daran
gelegen ist, die tabellarisierten Kesultate prüfen. Auch kann er das Ver-
hältnis prüfen, aus dem hervorgeht, daß die Zahl jeder Kolonne der ungeraden
Proben derjenigen der benachbarten antithetischen Kolonne der geraden
Proben entspricht. Infolge dieses Verhältnisses ist die Summe jeder Kolonne
der ungeraden Proben gleich der Summe in den antithetischen Kolonnen
der geraden Proben. In der Tat ist die Tabelle reich an Übereinstimmungen
und mannigfachen Verhältnissen.

Die Totalsummen liefern uns ein Mittel zum Vergleich des Wertes
der verschiedenen Indexziffern. Diese Summen sollen, soweit dies mögüch
ist, zum Ausdruck bringen, inwieweit die Formeln geeignet sind, als Index-
ziffern für Preisniveaus zu dienen. Die Punktzahl der Probe 6 muß daher
bei den Gesamtsummen weggelassen werden, da diese Probe in bezug auf
Preise keinen Wert hat. Will man die Punkte der korrelativen Indexziffern
der Quantitäten oder des Handels vergleichen, so muß die Punktzahl der
Probe 6 mit aufgenommen werden. Dann ist aber Probe 5 wegzulassen.

Die beste Note wäre demnach sieben. Die höchste Punktzahl (Note)
in der Tabelle ist 54-, die niedrigste 2.

Es wäre natürlich widersinnig, wollte man den Wert der Indexziffern
lediglich nach deren Punktzahl vergleichen. Diese Punktzahl ist eine mehr
oder weniger willkürliche und alle sieben Proben haben hierbei die gleiche
Bedeutung. Doch gewährt dieselbe wenigstens einen Einblick in die Ver-

Wenn Radium, das in den letzten Jahren $ 8 000 000 die Unze kostete, inbegriffen wäre,
würde es unbedingt die ganze Gruppe beherrschen, und wir würden zu dem aller Vernunft
widersprechenden Resultat gelangen, daß, weil der Preis des Radiums für eine Unze
von einigen Millionen auf einige Hunderttausend Dollar gefallen ist, das allgemeine Preis-
niveau, trotz des allgemeinen Eindruckes steigender Preise, um ein vielfaches gefallen sein
muß! Eine Indexziffer dieser Art wird von Walsh treffend als eine mit zufälliger oder
willkürlicher Wägung bezeichnet.
        <pb n="367" />
        ﻿Tabelle von Indexziffern für Preise und deren Übereinstimmung
mit gewissen Proben

Benennung der Probe

Proportionalität

Bestimmbarkeit

Für p

Für Q

Für p

Für Q

Inhalt der Probe

IEin Preisindex muß mit den Preisverhältnissen
übereinstimmen, wenn letztere untereinander
übereinstimmen !).

| Ein Handelsindex muß mit den Hnndelsver-1
hältnissen übereinstimmen, wenn letztere |
untereinander übereinstimmen s).

I Ein Preisindex (und folglich auch der korre-
lative Handelsindex) darf durch einen I
Einzelpreis, der Null wird, nicht Null, t
endlich oder unbestimmt werden.

| Ein Handelsindex (und folglich auch der I
korrelative Preisindex) darf durch eine ein- [
zelne Quantität, die Null wird, nicht Null,
unendlich oder unbestimmt werden.

Durch Ausschluß
oder Einschluß

- j Durch Veränderung
1 der Basis

Für p

Für Q

Für p
und für Q

g I Durch Veränderung I Für p
' der Maßeinheit |und für Q

I Weder der Ausschluß noch der Einschluß eines I
Preisverhältnisses, das mit dem Index über-l
einstimmt, darf auf den Preisindex Einfluß [
haben.

I Weder der Ausschluß noch der Einschluß eines I
Handelsverhältnisses, das mit dem Index
übereinstimmt, darf auf den Handelsindex |
Einfluß haben 3).

| Die Verhältnisse zwischen verschiedenen Preis-1
indizes (und daher auch die zwischen den f
Handelsindizes) dürfen von einer Umkeh- j
rung oder Veränderung der Basis nicht be-
rührt werdem________________________________

I Die Verhältnisse zwischen verschiedenen Preis-
indizes (und daher auch die zwischen den I
Handelsindizes) dürfen von einer Verän-1
derung der Maßeinheit nicht berührt werden, f

(0)

Gesamtnote für Preisindexziffern (die vollkommenste Note Probe 6 j
Hst weggelassen — beträgt 7).

^ (TFolglich muß der korrelative Handelsindex dem Verhältnis der

Vergleichsjahre gleich sein, wobei diese Werte zu den Preisen eines der beiden Jahre berechnet
«“i	*) Folglich muß der korrelative Preisindex dem Verhältnis der Handels»«-«« de .beiden

ree„b8'le!0hsiahro *Ieicl‘ sein&gt; woboi diese Werte fUr die anantitäten eines er be Jah

rechnet sind. c) Um anz,neigen, daß die Zahlen in dieser Reihe keine .Preisbedeutung haben,
urden dieselben in Klammern gesetzt. Siehe § 5, S. 387 und 338.

Drobisch

Rawson-

Rawson

Einfach

arithmetisch

. Po
n

Carli

Evelyn

Economist

Sauerbeck

Soetbeer

Einfach

harmonisch

Qo

1	1 0	1
0	1	0
1 0 1	1	n

(1)

(0)

(1)

(0)

(1)

Einfach

geometrisch

VttL..

r Po

Westi

Jevons

ergaard

(0)

Nicholson

Walsh

0

0

0

(1)

Mittelwert
von

1 P P\

I Po ’ P'o '

Edgeworth

sPi Qi

•^Po Qo
Mittelwert
von
9i, Q'i
Qo Q^ ' '

o

(0)

0

(i)

Gewogen arithmetisch
(Nenner bilden Gewichte)
oder gewogen harmonisch
(Zähler bilden Gewichte)

■^iPi Qi --'p' Qo
ZPO Qi --)yo Qo
Scrope
Sidgwick
Sauerbeck
Giften

L +

2Pi Qo

Geometrisch

Sidgwick

Drobisch

(1)

0

(i)

0

0

(0)

0

0

(0)

(0)

0

(0)

0	I l
	1	"Z

4f-

,	-• i 1 I 4

*) Im Falle des Ausschlusses wird die Probe nur unter der Voraussetzung erfüllt (wenn die Anzahl der Glieder zuerst ungerade
ist), daß auoh das mittlere Glied dem mittleren Gliede der beiden benachbarten Glieder gleich ist oder (wenn die Anzahl der
Glieder zuerst gerade ist) unter der Voraussetzung, daß die beiden mittleren Glieder gleich sind. Unter gewöhnlichen Umständen
werden diese Bedingungen, wenigstens annähernd, tatsächlich erfüllt. Im. Falle des Einschlusses bedarf es keines derartigen Vor-
behaltes. **) Vorausgesetzt, daß die Zahl der Glieder ungerade ist. Wenn die Zahl der Glieder gerade ist so wird die Probe
nur unter der Voraussetzung erfüllt, daß wir das geometrische Mittel der angrenzenden mittleren Glieder als Medianwert nehmen.
        <pb n="368" />
        ﻿																				32	33	34	•  35	36	37	38	39	40
4	|	ID	16  vorhergehenden Durchschnitte und 12)			17	18	|	19	20	|	21  Zusammensetzungen derselben beiden Formeln						22	23  -t- (Pi Qi + Po Qo\ „	24  Zpi Qi  2p0 Qo	25	26	|  Die ungeraden Formeln sind andere gewogene arithmetische Durchschnitte				Arithmetisch  (konstante  Gewichte)  -(£)	Zpi Qi  ZPO Qo	Die ungeraden Formeln sind andere gewogene harmonische Durchschnitte				Die ungeraden Formeln sind gewogene geometrische Durchschnitte				Gewogene geometrische Durchschnitte	
&gt;	Geometrisch  /sv». n	n		Zpi (&amp; + ®&gt;\	zpi Qi  Zpo Qo	Zpi |	i » \	Zpi Qi  Zpo Qo		V Qo Qi  ^•Po VQo Qi	Zpi Qi .			r (Pl\ n n	(Zp&lt; QiV  \	ün 1	zpi Qo	Zpi Qi  Zpo Qo			2p&lt;&gt; Qi	-£pi §1	Zpo Qo	Zpi Qi	—p//Pi \ Pi Qi- - ■	Zpi Qi	■■ ~\/ ( Pl\ VoQo-- ■	■2j»i Ql	—l/pp«"-”	Ap, Qj
			Pl l 2 )  0, 4- 0„			Qi+Qo!	2\	MtU		^Po Qo	l p. + p» P									^Po Qo		ZPo Qo		2p0 Qo		^Po Qo		^Po Qo
, zpo Qi Ql	" Zpo Ql	'*Po Qo	V-v, Ul 1	'x0  -Ä 2  Edgeworth  Marshall	Walsh	ZPo |	Qi Qo)	'1	\Pi + Pol  2 \	Scrope  und  Walsh	zVPo Pi Qi  z V Po Pi Qo  Walsh	“l ih+Po P	Lehr	" LP  zpi Qi  Palgrave	^ «■&gt;(!)		^(Pi«o)(^)  Wo/	Young  Falkner  Dun	2(0	Qi)  \ Jr1/	2-P\ Qo  ^«. (|)	z(f)(p° Qo)	^Po Qo  Z(PoQo)^  Qi	' (po)	■*~PiQi ! r	\ m fi  l//Ql\PiVi--- ' Wo)	^ (po)	~V(i r-	* D	P(tr
																•2p0 §1												
								1 + 1 «0 , ü.	ÜA /																				
_	1	1  Y	1  2	1  2	1  Y		0		1  2	1  2	1	0	1  "2	0	1	0	1	0	1  2	0	1	0	1  Y	0	1	0	1	0
	1  2	1  Y	1  2	1  2	0		1  2		i	1  Y	0	1  T	0	1  Y	0	1	0	1	0	■2	0	1	0	1  Y	0	1	0	l
	1	1	1	1	1		1		1	l	1	1	0	l	0	1	0	1	0	1	0	1	0	i	0	1	0	l
	1	1	l	1	1		1		1	l	1	1	1	0	1	0	1	0	1	0	1	0	l	0	1	0	1	0
	0	0	y	0	1  ’S*		0		1	0	1	0	1	0	1	0	1	0	1  2	0	1	0	1	0	1	0	1	0
0	(0)	(0)	(0)	(1)	(0)		(t)		(0)	(1)	(0)	G)	(0)	G)	(0)	G)	(0)	(1)	(0)	G)	(0)	(1)	(0)	(1)	(0)	(1)	(0)	(1)
	1	1	1  Y	1  2	1		1  2		1	i	1  ir	1	0	0	0	0	0	0	!  0	0	0	0	0	0	0	0	0	0
	1	1	1	1	i		1		1	i	i	l	1	1	1	1	1	1	1	1	1	1	1	1	1	1	1	1
	H		5	^y	H		4		5	H	41	4	3	31	H	4	4 .	3	3	21	31	3	3	21	4	3	31	a

der Glieder zuerst ungerade
oder (wenn die Anzahl der
er gewöhnlichen Umständen
•f es keines derartigen Vor-
erade ist, so wird die Probe
r als Medianwert nehmen.
        <pb n="369" />
        ﻿37	38	39	40	41	42	43	44	1
iometrische Durchschnitte		Gewogene geometrische Durchschnitte		Gewogene geometrische Durchschnitte		Gewogene geometrische Durchschnitte		Total
	-sfr	±PlS!-,//«.Uü..	!&lt;n	£p„Q&lt; /, x «.fl,...	Zpi Ql		■2fr &lt;2,  3Po So	
					ZPO Qn		^^7/n J»,«!" •	
	^ntr-	-	j/g^o		Ai.)	ZPi&gt;io n-pr-,			"  '\QoJ	SSÄ,/  ypo		
								
							]/VoQo"'	
1	0	1	0	1  Y	0	0	0	18*
0	1	0	i	0	i	0	0	181
0	1	0	l	0	1	0	1	31
l	0	1	0	1	0	1	0	31
l	0	1	0	i	0	0	0	131
(0)	(1)	(0)	(i)	(0)	(1)	(0)	(0)	(131)
0	0	0	0	0	0	1	1	12
1	1	1	1	1	1	0	0	40
4	3	^1	3	3		2	2	1661
        <pb n="370" />
        ﻿gleichs-Kennziffern der 44 Formeln. Bemerkenswert ist, daß die einfachsten
Formeln eine hohe und die kompliziertesten im allgemeinen eine niedrige
Note erhalten. So haben z. B. Formel 1 (Dutot), 7 (einfach geometrisch),
9 (mittel), 11 und 12 (Scrope) die Punktzahlen 5 und 5£. Alle anderen,
welche die Ziffer 5 erreichen, sind eine „Zusammensetzung“ der Formeln
11 und 12. Die einfache arithmetische (3) und einfache harmonische Formel
(5) haben die Punktzahl 4, was ziemlich hoch ist. Die komplizierteren
Formeln, die ziemlich hohe Punktzahlen haben, sind in mehreren Fällen
Zusammensetzungen, Durchschnitte oder Antithesen der einfachen Formeln
11 und 12.

Bei obigen Vergleichen werden die anderen sieben Proben als gleich-
bedeutend betrachtet. Sie sind aber nicht von gleicher Bedeutung. Da
die Meinungen in bezug auf die genaue relative Bedeutung der verschiedenen
Proben höchst wahrscheinlich auseinandergehen, so wollen wir sie nicht zu
„wiegen“ versuchen. Zur Entscheidung der für uns wichtigsten Frage,
welche der 44 Indexziffern den Proben am vollkommensten entsprechen,
dürfte sich dies auch erübrigen. Im Vergleich zu den übrigen Proben hat
Probe 3 und 4 wohl nur geringe praktische Bedeutung. Der Probe 2 muß
dagegen die Hauptbedeutung zuerkannt werden, und zwar aus den in §5
dieses Anhanges und im II. Kapitel angegebenen Gründen. Um die besten
Indexziffern der Preise auszuwählen, wollen wir zunächst die 18 Formeln
vom Mitbewerb ausschließen, welche bei Probe 2 mit „0“ bezeichnet sind.
Es bleiben uns sodann noch die auf der nächsten Seite wiedergegebenen
Formeln, welche wir in zwei Gruppen einteilen.

Wenn wir dann von den mit Probe 2 vollkommen übereinstimmenden
Formeln mit Ausnahme derjenigen, welche eine Punktzahl von 4-k und
darüber haben, alle anderen Formeln ausschließen, so bleiben uns nur noch
die Formeln 10 und 11. Von den Formeln, die Probe 2 nur teilweise erfüllen,
können wir alle diejenigen eliminieren, welche in den Gesamtpunkten die
Zahl 4 nicht überschreiten, denn obwohl die Formeln, welche 4^ erreichen,
eine ebensohohe Punktzahl haben, so sind sie doch, wenn alle Proben als
gleichbedeutend betrachtet werden, insofern minderwertiger, als sie die
wichtigste der Proben, Probe 2, nicht vollständig erfüllen. Wenn wir die
Sache auf andere Weise ausdrücken wollen, so können wir auch sagen, daß,
wenn Probe 2 schwerer als die anderen Proben zu wiegen wäre, so würden
die Punktzahlen der mit Probe 2 nur zur Hälfte übereinstimmenden Formeln,
welche nun eine ebenso hohe Punktzahl haben als die Formeln, welche
mit dieser Probe völlig übereinstimmen, versagen und daher aus dem Mit-
bewerbe der Formeln 10 und 11 der ersten Kolonne ausscheiden.
        <pb n="371" />
        ﻿348

Anhang zum X. Kapitel.

Punktzahl der Formeln, welche bei Probe 2 nicht völlig versagen (unter
Weglassung der Probe 6).

Formeln, die Probe 2 vollständig erfüllen		Formeln, die Probe 2 teilweise erfüllen	
Formel	Punktzahl	Formel	Punktzahl
2	4	12	04
4	3	13	4
6	3	14	4
8	4	15	44
10	4*	16	44
11	5	17	5
28	4	18	44
30	3	20	4
34	3	21	5
38	3	22	44
		24	4
		26	34
		32	91  2
		36	24
		42	24

Wenn wir also von der zweiten Kolonne alle Formeln mit einer Punkt-
zahl von 41 oder weniger eliminieren, so bleiben uns als einzige Mitbewerber
der Formeln 10 und 11 die Formeln 12, 17 und 21 mit den Punktzahlen
5-1, 5 und 5 übrig. Unsere besten Formeln sollten sich somit unter den
Nummern 10, 11, 12, 17 und 21 befinden. Wir wollen daher diese
fünf übrigen Formeln, die sämtlich mit den Proben 3, 4 und 8 über-
einstimmen, einer sorgfältigen Prüfung unterziehen. Nachstehende Tabelle
stellt eine in anderer Beziehung vorgenommene Vergleichung der fünf
Formeln dar:

	10	11	12	17	21
Probe 1 . . .	0	4	1	4	4
Probe 2 . . .	1	1	4	4	4
Probe 5 . . .	0	i	1	4	4
Probe 7 . . .	4	0	0		4
Zusammen . .	14	2	24	2	2

Die Formeln 17 und 21 haben in jedem Falle identische Punktzahlen und
können daher als gleichwertig bezeichnet werden.
        <pb n="372" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

349

Wenn wir die Formel 11 mit 17 (oder 21) vergleichen, so sehen wir,
daß 11 in bezug auf die wichtige Probe 2 die Formel 17 (oder 21) übertrifft
und daß in bezug auf Probe 7 Formel 17 (oder 21) voransteht. Da der
Probe 2 eine größere Bedeutung beigemessen wird, so können wir der Formel
11 der Formel 17 (oder 21) gegenüber ruhig den Vorzug geben. Die Formeln
17 und 21 werden daher vom Mitbewerb ausgeschlossen.

Es bleiben uns nun noch die Formeln 10, 11 und 12. Wenn wir 10
mit 11 vergleichen, bemerken wir, daß 10 bei Probe 7 im Vorteil ist, während
Formel 11 bei Probe 1 und 5 voransteht. Wenn wir uns hier ein vergleichen-
des Urteil erlauben dürfen, so möchten wir sagen, daß die Überlegenheit
der einen Probe 7 durch die Überlegenheit der beiden Proben 1 und 5 mehr
als aufgehoben wird. Formel 10 wird daher eliminiert.

Es bleiben uns jetzt nur noch die beiden Formeln 11 und 12. Zwischen
diesen gibt es keinen großen Unterschied. Während, wenn alle Proben als
gleichbedeutend angesehen werden, Formel 12 eine höhere Punktzahl auf-
weist, so wird dieselbe doch von Formel 11 in der wichtigsten Probe, in
Probe 2, übertroffen, weshalb wir ihr denn auch den Vorzug geben.

Unserem Urteil nach geht daher Formel 11 in dem Punktzahlenwett-
streit als Siegerin hervor. Sie hat auch den Vorteil, eine der einfachsten
Formeln zu sein, die als korrelative Formel für H die einfachste aller Formeln
für H, nämlich H1 = 2p0Qi, besitzt.

Mchtmathematiseh ausgedrückt bedeutet das Formelpaar 11, daß das
Preisniveau eines beliebigen Jahres gefunden wird, indem man den Gesamtwert
der in diesem Jahre verkauften Quantitäten durch den Wert, den diese Quan-
titäten zu den Preisen des Basisjahres gehabt hätten, dividiert, und daß der
Handelsindex eines Jahres einfach der Wert der in diesem Jahre verkauften
und zu den Preisen des Basisjahres berechneten Quantitäten ist.

Wenn wir die Formel 11 auf die Verkehrsgleichung anwenden, so haben

wir:

(1)	GÜ + G'U' = 2p1Q1

(2)	=P1Hi

Wir wollen nun nochmals die Vorzüge dieser Formel 11 in Hinsicht
auf die Probe 2 hervorheben. Durch die oben angeführte Verkehrsgleichung
soll dargelegt werden, wie Veränderungen in G, G', U, ü’ oder in den Q
auf die Preise einwirken. Aus der ursprünglichen Form (1) dieser Gleichung
        <pb n="373" />
        ﻿350

iHli- . 'd



Anhang zura X. Kapitel.

geht klar hervor, daß eine proportionale Veränderung in 0 und G' (wenn
die U und Q unverändert bleiben) auf sämtliche j&gt;1 in genau demselben
Verhältnis einwirkt, oder daß einige Preise mehr und andere genügend
weniger als in diesem Verhältnis erhöht werden, um einen Ausgleich zu
schaffen, nach welchem die Verkehrsgleichung bewahrt bleibt. Das all-
gemeine Preisniveau verändert sich daher gewissermaßen genau mit G und
G'. Form (3) setzt uns in die Lage, diese Proportionalität durch Formu-

ZpiQi

lierung des Preisniveaus in dem Bruch

VoQi

auszudrücken. Letzterer

variiert direkt mit den G.

In genau derselben Weise können wir feststellen, daß eine gleichmäßige
Veränderung in den beiden U oder irgendeine Veränderung auf der linken
Seite der Gleichung als Ganzes auf die Preise in genau dem gleichen Ver-
hältnis einwirkt (wenn die Qi als konstant angenommen werden). Wir
können auch sagen, daß eine gleichmäßige Veränderung in den Qx auf die
Größe Ily in genau demselben und auf l\ in genau dem umgekehrten Ver-
hältnis einwirkt (unter der Annahme, daß die linke Seite der Gleichung
unverändert bleibt). Wenn wir Formel 11 benutzen, um das Durchschnitts-
Preisverhältnis auszudrücken, so können wir (so lange sich die Qi gleichmäßig
oder überhaupt nicht verändern) tatsächlich in allen Fällen konstatieren,
daß die Preise „im Durchschnitt“ genau wie die linke Seite der Gleichung
und umgekehrt wie die Qi steigen oder fallen.

Wie bereits bemerkt, sind dies die grundlegenden Theoreme, welche die
Verkehrsgleichung vertritt. Die Beschränkung hinsichtlich der gleich-
mäßigen Veränderung der möchten wir gern beseitigt wissen. Als voll-
kommen betrachten wir diejenige Indexziffer (soweit sie der Verkehrsglei-
chung Genüge leistet), bei der wir, ohne die Beschränkung gleichmäßiger
Veränderung der das obenerwähnte Proportionstheorem anwenden
können, so daß bei den Q an die Stelle der gleichmäßigen Veränderung eine
Dwreftsc/miffeveränderung gesetzt werden kann. Die Tabelle weist keinen
solchen Index auf und jeder derartige Index erscheint unmöglich. Tat-
sächlich ist aber dieser Schluß ohne Belang, denn für uns kommen weit
mehr die Preise als die Quantitäten in Betracht, da letztere nur insofern
von Bedeutung sind, als sie für die Preisindizes die Gewichte liefern. Wie
wir bereits bemerkt haben, hat Edgeworth nachgewiesen, daß selbst eine
große Variation im Wiegen verhältnismäßig von geringer praktischer Be-
deutung ist.

Die Hauptverwendung der Indexziffern besteht im Vergleich aufein-
anderfolgender und nicht weit auseinanderliegender Jahre. Es liegt uns
        <pb n="374" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

351

weniger an einem Vergleich der Preise der Jahre 1909 und 1910 mit denen
des Jahres 1873, als an einem Vergleich derselben miteinander. In der Tat
benutzen wir das Jahr 1873 als Basisjahr hauptsächlich, um zwei andere
Jahre miteinander vergleichen zu können. Doch nur wenige Indexziffern,
die einen zuverlässigen Vergleich zwischen dem einen und dem anderen Jahr
als Basisjahr gewähren, erlauben einen richtigen Vergleich zwischen zwei
Jahren, von denen jedes den Ausdruck eines dritten Jahres zur Basis hat.
Es sind dies die wenigen Indexziffern, welche der Basisveränderungsprobe 7
vollkommen entsprechen1). Die einzigenFormeln, welche diesen Anforderungen
genügen, sind die in der Tabelle mit 1, 2, 7, 8,43 und 44 numerierten Formeln,
denen samt und sonders aus anderen Gründen ernstliche Bedenken entgegen-
stehen. 1 und 2 sind ganz willkürliche Formeln, da die Wägung „aufs Gerate-
wohl“ vorgenommen wurde; die Formeln 43 und 44 haben die niedrigste
Punktzahl in der Tabelle; Formel 7 besitzt kein Wägesystem und Formel 8
wird Null, wenn eine einzelne Quantität, wie Q, aus den Jahresverkäufen
verschwinden würde.

Man könnte daher die Frage aufwerfen, weshalb wir, wie dies stets
der Fall war, unsere Indexziffern auf eine feste Basis und auf Grund der
Bedingungen hin konstruieren, zu denen wir zwei gegebene Jahre indirekt
vergleichen. Warum können wir die Vergleichung nicht direkt vornehmen?
Mit Ausnahme der Formeln, welche der Formel 7 entsprechen, führt ein
indirekter Vergleich in allen Fällen zu einem Irrtum. In allen diesen Fällen
kann eine indirekte Vergleichung natürlich kein besseres Kesultat als eine
direkte Vergleichung ergeben, während in allen anderen Fällen ein direkter
Vergleich besser ist.

Es erscheint daher ratsam, jedes Jahr mit dem nachfolgenden zu ver-
gleichen, oder, mit anderen Worten, jedes Jahr als Basis des nächsten Jahres
zu nehmen. Dieses Verfahren, das auch von Marsljall, Edgeworth und
Flux empfohlen wurde2), ist der Schwierigkeit ungleichmäßiger Verände-

J) Daß dieser Probe am schwersten Genüge zu leisten ist, geht aus der Tatsache
hervor, daß die in der letzten Kolonne für Probe 7 gegebene Gesamt-„Punktzahl“ die
niedrigste der ganzen Kolonne ist. Sie beträgt bei einer möglichen Punktzahl von 44
nur 12. Die nächstschwierige Probe ist Nr. 5 (oder 6), deren Gesamt-„Punktzahl“ 131/,,
ausmacht.

Die einfachste der zu erfüllenden Proben ist Nr. 8, deren Gesamtpunktzahl 40 von
44 beträgt; die näehstleichteste ist Probe 3 (und 4) mit der Zahl 31 von 44.

2)	„Modes of constructing Index Numbers“, Quarterly Journal of Economics, August
!907, S. 613—631.
        <pb n="375" />
        ﻿352

Anhang zum X. Kapitel.

rangen in den Q in hohem Maße gewachsen, denn die bei aufeinanderfolgen-
den Jahren vorkommenden Ungleichheiten sind verhältnismäßig gering.

Derartige auf der Basis von 100 Prozent für das vorhergehende Jahr
konstruierte aufeinanderfolgende Indexziffern ergeben, wenn sie miteinander
multipliziert werden, eine Kette von Indexziffern, welche, jeder gewöhnlichen
Reihenfolge gleich, die Schwankungen von Jahr zu Jahr anzeigen und zu
einem Vergleich der Nachbarjahre viel geeigneter sind.

Wir wollen nun die Vorzüge der Indexziffern einer nochmaligen ver-
gleichenden Prüfung unterziehen, und zwar unter der Voraussetzung, daß
sie nur für aufeinanderfolgende Jahre, das heißt, zum Vergleich eines jeden
Jahres mit dem vorhergehenden Jahre als Basis zu verwenden sind. In
diesem Falle brauchen wir zwischen einer „teilweisen“ und einer „vollstän-
digen“ Erfüllung der Proben keinen Unterschied zu machen. Wir können
somit für jedes „&lt;(“ die Zahl „1“ ansetzen. Wenn wir nun, wie zuvor, alle
Formeln, welche Probe 2 nicht erfüllen, weglassen, so kommen wir zu folgen-
den Resultaten:

Formel	Punktzahl	Formel	Punktzahl
2	4	20	5
4	3	21	7
6	3	22	6
8	4	24	5
10	4}	26	4
11	6	28	4
12	6	30	3
13	5	32	3
14	5	34	3
15	6	36	3
16	6	38	3
17	7	40	3
18	6	42	3
19	6		

Wir sehen, daß Formel 11 und 12 die gleiche Punktzahl 6 aufweist,
während deren Durchschnitt 15 (und 16) und deren Zusammensetzung 18
sowie auch 22 dieselbe Punktzahl haben, daß aber die Formeln 17 und 21,
die Zusammensetzungen von 11 und 12 sind, die vollkommene Punktzahl 7
besitzen. Bei jeder dieser beiden Formeln wird als Gewicht der Durch-
schnitt der in den Formeln 11 und 12 verwendeten Gewichte genommen.
Theoretisch finden wir also zwei Formeln, welche, soweit es sich um Ver-
gleiche der Preise von Jahr zu Jahr handelt, bei allen Proben vollkommen
stimmen.
        <pb n="376" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

353

Wo es sich also um große Genauigkeit handelt, und wo für die
nötigen mühsamen Berechnungen reichliche Hilfsmittel vorhanden sind,
empfehlen wir die Verwendung der Formel 17 oder 21. Dies setzt voraus,
daß Statistiken für die Q erhältlich sind, was jedoch gewöhnlich nicht der
Fall ist.

Bis jetzt ziehen wir daher den Schluß, daß 1. Formel 11 theoretisch
die beste ist, wenn jedes Jahr auf Grund einer gemeinschaftlichen Basis
ausgedrückt wird; 2. daß (auch theoretisch) die Formeln 17 und 21 etwas
höherwertiger sind, wenn jedes Jahr auf Basis des vorhergehenden Jahres
dargestellt wird, und daß diese beiden alle Garantien für Vergleichungen
von Jahr zu Jahr erfüllen.

§8.

Gründe der Bevorzugung des Medianwerts für praktische Zwecke.

Für die Praxis haben jedoch die Formeln 17 und 21 der Formel 11 gegen-
über (oder 12, was bei Vergleichen von Jahr zu Jahr auf dasselbe heraus-
kommt) nur einen geringen, vielleicht gar keinen Vorteil, 1. weil das Wägen
von geringer Bedeutung ist; 2. weil das vollkommenere, bei den Formeln
17 und 21 angewandte Wägen sich von dem der Formeln 11 und 12 selten
wesentlich unterscheidet, denn jeder Gewinn in der Genauigkeit würde
wahrscheinlich geringer sein als die Irrtümer beim Messen der Q, die
man niemals genau kennt; 3. weil die Methoden von 17 und 21 in der
Praxis viel mühsamer sind. In der Hauptsache müssen wir ja doch auf
die Praxis Rücksicht nehmen, ausgenommen da, wo die große Arbeit und
die für die Berechnung auf gewandten Kosten keine Rolle spielen. Wenn
wir die Verdienste der verschiedenen Formeln in praktischer Hinsicht unter-
suchen, so werden wir meines Erachtens alle Formeln mit Ausnahme von
9 und 11 verwerfen und zu dem Schlüsse kommen, daß die beste Index-
ziffer der gewogene Medianwert ist. In bezug auf leichte Berechnung hat
er nicht seinesgleichen. Die Punktzahl des Medianwerts in der Tabelle
(Formel 9) ist hoch, wenn sie auch der Probe 2 nicht entspricht. Mit Aus-
nahme dieser Probe erfüllt der Medianwert ganz oder teilweise jede andere
Probe. Er hat daher selbst in theoretischer Hinsicht einiges Verdienst.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir einen charakteristischen Zug
des Medianwerts erwähnen, den ich eigentlich als Fehler betrachten
möchte. Edgeworth legt besonderen Wert auf die Tatsache, daß eine
Dispersion der Preise nach ölen stets oder gewöhnlich die Dispersion
der Preise nach unten überbietet. Der ersteren ist keine Grenze
gesetzt, während letztere durch Null begrenzt wird. Statistische Prü-

Fisher, Kaufkraft des Geldes.	23
        <pb n="377" />
        ﻿354

Anhang zum X. Kapitel.

fungen zeigen diese Asymmetrie der Streuung in klarer Weise1). Aus
dieser Tatsache ist die Behauptung hergeleitet worden, daß der beste
Durchschnitt der sei, bei dem große Abweichungen nach oben nicht mehr
zählen, als kleine Abweichungen nach unten. Diese Bedingung, ob gut oder
schlecht, wird von arithmetischen Durchschnitten nicht erfüllt, wohl aber
vom geometrischen Durchschnitt und von der Mediane1 2), die dem geo-
metrischen Durchschnitte gewöhnlich dicht folgt. Edgeworth behauptet,
daß der Medianwert die anderen Formeln übertrifft, wenn die Veränder-
lichkeit der verschiedenen Elemente, deren Durchschnitt genommen wird,
ganz verschieden ist3).

Edgeworth schließt, daß „nach dem gegenwärtigen Stande unseres
Wissens und für die gegebenen Zwecke die Mediane die richtige
Formel ist“4).

Was die Methoden des Wägens anbelangt, so zeigt eine theoretische Er-
örterung in bezug auf Probe 2, daß das Wiegen auf Grund der in dem einen
oder andern Vergleichs] ahre verkauften Werte vorgenommen werden sollte.

Es ist leicht zu beweisen, daß ein System des Wägens des Medianwerts
durch gegebene Gewichte, das heißt, nicht nur durch einmaliges, sondern
mehrmaliges Zählen jedes Preisverhältnisses (die Anzahl des Zählens ist das
Gewicht), die relativen Erfüllungen der Proben, wie dies beim einfachen
Medianwert 9, der einzigen Mediane in der Tabelle, der Fall ist, nicht beein-
flußt. Edgeworth hat nachgewiesen, daß für alle praktischen Zwecke ein
ganz ungefähres System des Wägens genügt5). Ob nun das Wägen nach

1)	Siehe Edgeworth, „First Report on Monetary Standard“, Report of (he British
Association for the Advancement of Science, 1887, S. 284—855.

2)	Edgeworth, ebendaselbst, S. 284—286. Jedoch sollte vom Standpunkte der Preis-
verhältnisse zum Umlaufsmittel eine große Abweichung nach oben mehr zählen, als eine
kleine Abweichung nach unten, weil sie mehr Umlaufsmittel erfordert. Wie wir schon
gesehen haben, ist der ungünstig beurteilte arithmetische Durchschnitt in der Tat genau
der für die Verkehrsgleichung erforderliche Durchschnitt. Siehe § 6 des Anhanges zum
II. Kapitel und § 7 dieses Anhanges. Bezüglich der Asymmetrie der Preisdispersion
siehe Mitchell, Gold, Prices, and Wages under the Greemback Standard, Berkeley (Uni-
versity of California Press) 1908, und die Besprechung dieses Werkes von Edgeworth,
Journal of the Royal Economic Society, Dezember 1908, S. 578—582, und H. G. Brown,
Yale Review, Mai 1909, S. 99—101.

3)	Edgeworth, Report usw., 1887, S. 291, und „On the Choice of Means“, Philosophical
Magazine, September 1887; siehe auch Report of the British Association for the Advancement
of Science, 1889, S. 156—161, und Journal of the Royal Statistical Society, Juni 1888.

4)	Ebendaselbst S. 191

5)	Siehe Report of the British Association for the Advancement of Science, 1888, S. 208
bis 211. Edgeworth vergleicht verschiedene Mittel von 21 Artikeln der Jahre 1885 und
        <pb n="378" />
        ﻿Anhang zum X. Kapitel.

355

den Werten p0Q0 usw. oder ptQy usw. oder p0Qy Usw. oder ptQ0 usw.
vorgenommen wird, ist praktisch gewöhnlich ohne Bedeutung. Wenn wir
also theoretische Rücksichten den praktischen unterordnen, so scheint
das geeignete Verfahren darin zu bestehen, gewisse Konstanten zu
wählen, die einfache ganze Zahlen, und den Werten, mit denen wir es in
den von uns betrachteten Jahren zu tun hatten, so nahe als möglich sind.
Diese Gewichte brauchen nicht jedes Jahr geändert zu werden, sollten
jedoch eine Änderung erfahren, wenn sich die Werte (ptQx) bedeutend
verändern.

Im Falle, daß sowohl eine Quantitäts- oder Handelsindexziffer (Q1
oder Hj) als auch eine Preisindexziffer (PQ gewünscht werden, können wir
den Medianwert gleichfalls als die Form für wählen. Mit anderen Worten:
die Indizes für die p und die ö werden am besten unabhängig vonein-
ander gewählt. Freilich verwerfen wir dadurch jede absolute gegenseitige
Übereinstimmung zwischen den beiden, wir sprechen aber jetzt von
praktischen und nicht von theoretischen Rücksichten.

Einer der großen praktischen Vorteile des Medianwerts ist seine Ver-
wendung in Verbindung mit „Quartilen“ oder „Dezilen“, um sowohl die
Dispersion als auch die Durchschnitte darzustellen. Dieses Verfahren
zur Darstellung der Dispersion von einem Mittelwert aus er-
möglicht eine leichtere Berechnung und auch ein tieferes Eingehen auf
eventuell gewünschte Einzelheiten, als das Karl Pearsonsche Verfahren
der „Normalabweichung“ von einem arithmetischen Mittel.

Die praktische Schlußfolgerung ist daher, daß der gewogene Medianwert
den Zwecken eines praktischen Preis- und Quantitätenbarometers ebenso-
gut,. wenn nicht besser, entspricht als theoretisch höherwertige Formeln.

Doch ungeachtet der besonderen Einfachheit und Leichtigkeit der
Berechnung, die den Medianwert auszeichnet, und trotz Edgeworths starker
Bekräftigung kommt derselbe fast nie zur Anwendung, wenn er überhaupt
bekannt ist. Wesley C. Mitchell1) hat die Mediane in ausgedehnterem

1873, wovon eines von dem Komitee, dessen Mitglied er war, empfohlen ist. Dieses
Mittel wurde bereits im Texte des X. Kapitels, § 5 erwähnt.

*) Gold, Prices, and Wages under the Greenback Standard, Veröffentlichung der Uni-
versität von Kalifornien. Mitchells Verwendung von Dezilen ist jedoch von geringem
Werte, da er eine gemeinschaftliche Basis, nämlich das Jahr 1860 verwendet, so daß seine
Zahlen für jedes folgende Jahr die Dispersion dieses Jahres im Verhältnis zum Jahre
1860 geben. Die Kenntnis der Dispersion der Preise in den Jahren 1909 oder 1910
im Vergleich zum Jahre 1860 ist so gut wie von gar keiner Bedeutung und liefert
auch keinen Aufschluß darüber, ob sich die Preise gleichförmig veränderten, oder ob
sie sich vom Jahre 1909 bis 1910 weit zerstreuten. Was wir wissen sollten, ist die

23*
        <pb n="379" />
        ﻿356

Anhang zum X. Kapitel.

Maße als irgendein anderer zur Bestimmung von Preisindizes benützt.
Professor Davis R. Dewev verwandte sie in seinem Spezialberichte über
diesen Gegenstand für Löhne.

§9.

Kurze zusammenfassende Übersicht.

Die Schlußfolgerungen dieses Anhanges können kurz wie folgt dar-
gestellt werden:

1.	Jede Summe der Produkte je zweier Faktoren, z. B. 2pQ, kann
in eine der drei Formen verwandelt werden: 1. PH, wo P der Durchschnitt
der Verhältnisse der p zu einem als Basis angenommenen p0 und II der

Quotient ist; 2. WB, wobei ■£* der Durchschnitt der Verhältnisse der

P	. 2p Q

Q zu einem als Basis angenommenen Q0 und W der Quotient —~ ist;

3. P£x2p0Q0.

2.	Von den vorstehenden drei Formeln ist nur die letzte in dem
Sinne symmetrisch, daß die p und Q gleich behandelt werden.

3.	P und H (oder P und £.) werden als korrelativ betrachtet, und jede
besondere Formel für dieses oder jenes umfaßt eine besondere korrelative
Formel für das andere.

4.	Zwei korrelative Formeln für P und jQ sind einander im allgemeinen
ganz unähnlich. Wenn gleiche Formeln für P und iö konstruiert werden,
so bildet das Korrelat von Q eine neue Formel für P, die als der ursprüng-
lichen Formel für P antithetisch angesehen wird, und vice versa.

5.	Es gibt eine unbegrenzte Anzahl von Formeln für P, von denen 44
in der Tabelle angegeben sind, und es bestehen wenigstens 8 wichtige Proben,
mit denen jede Formel in einem der drei folgenden Grade übereinstimmt:
1. ganz oder für das Verhältnis P1 zu P2, von denen jedes im Verhältnis zu
einem dritten Jahre als Basis steht; 2. teilweise oder für das Verhältnis
P, zu Eins, und 3. überhaupt nicht.

6.	Die acht Proben betreffen die Proportionalität der Preise oder
Quantitäten (1 und 2); die Bestimmbarkeit der Preise oder Quantitäten
(3 und 4); den Ausschluß oder Einschluß von Preisen und Quantitäten
(5 und 6); die Veränderung der Basis für Preise und Quantitäten (7), und
die Veränderung der Einheiten für Preise und Quantitäten (8).

Preisdispersion von Jahr zu Jahr, und dies kann dadurch erfolgen, wenn man drei
radiale Linien von 1909 nach 1910 zieht, deren mittlere die Bewegung der Mediane
anzeigt, während die beiden anderen die Bewegungen der zwei benachbarten Quartilen
angeben.
        <pb n="380" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

357

7.	Die Proben gruppieren sich ihrerseits in Paare, und zwar bezieht
sich von jedem Paare die eine auf die p in derselben Weise wie die andere
auf die Q; doch hat jede Probe sowohl für die p als auch für die Q Be-
deutung.

8.	Die Formeln ordnen sich selbst zu antithetischen Paaren.

9.	Von 4 beliebigen benachbarten Abteilungen in der Tabelle, die sich
auf zwei korrelative Reihen (Proben) und zwei antithetische Kolonnen
(Formeln) beziehen, haben die Diagonalen die gleichen „Punktzahlen“.

10.	Keine uns bekannte Form der Indexziffer P stimmt vollkommen
mit allen acht Proben überein, wenn ein gemeinschaftliches Basisjahr
verwendet wird, doch stimmen mehrere gut überein, die Formel Nr. 11,

^r^r, am besten.

^VoQi

11.	Wenn wir aber mit Vergleichen von Jahr zu Jahr zufrieden
sind, und auf Vergleiche in Ausdrücken eines dritten Jahres verzichten,
so haben wir zwei Formeln, die vollkommen übereinstimmen, nämlich die
Formeln 17 und 21.

12.	Praktisch ist aber die Formel 11 höherwertig als die Formeln
17 und 21, und Formel 9 (die Mediane) ist, wenn sie richtig gewogen
wird, der Formel 11 überlegen.

13.	Für praktische Zwecke ist daher der Medianwert (samt seinen
beiden benachbarten Quartilen) zu empfehlen, und zwar mit einem ein-
fachen Gewichtssystem (ganzen Zahlen), das auf Ausgaben basiert und
von Zeit zu Zeit geändert wird, um bessere Vergleiche von Jahr zu
Jahr anstellen zu können; es sei denn, daß die Kosten und die Mühe der
Berechnung keine Rolle spielen.

Anhang zum XII. Kapitel.

§ 1 (zum XII. Kapitel, § 1).

Kemmerers Berechnungen.

Kemmerer nimmt in seinem Buche Money and Prices (S. 99) die Ab-
schätzung des in Zirkulation befindlichen Geldes (G) vor, indem er von dem
Gelde, wie es vom Comptroller of the Currency für die Vereinigten Staaten
abgeschätzt wird, zwei Posten, und zwar das im Schatzamt der Vereinigten
Staaten und das in den Banken befindliche (gemeldete und abgeschätzte)
        <pb n="381" />
        ﻿358

Anhang zum XII. Kapitel.

Geld, in Abzug bringt. Er schätzt sodann die Umlaufsgeschwindigkeit des
Geldes auf 47 mal im Jahr und nimmt mangels irgendwelchen Materials,
nach dem deren Veränderungen beurteilt werden könnten, an, daß die
Umlaufsgeschwindigkeit konstant bleibt. Zur Zahl 47 gelangt er auf folgende
Weise: Er schätzt den Betrag der Schecktransaktionen für das Jahr 1896
auf 143 Milliarden (S. 111 seines Buches). Diese Veranschlagung ist auf
Zahlen gegründet, die einer von Kinley im Jahre 1896 auf Veranlassung
des Comptrollers oj the Currency gemachten Untersuchung entnommen
sind. Kinley nimmt unter Bezug auf seine schätzungsweise Annahme,
daß Schecktransaktionen wenigstens dreimal Geldtransaktionen sind, den
dritten Teil von 143 Milliarden, also 47.7 Milliarden, als die Summe der
Geldtransaktionen an. Er schätzt den Betrag des in Zirkulation befind-
lichen Geldes für das Jahr 1896 auf 1.025 Milliarden, dividiert 47.7 durch
1.025 und kommt (S. 114) auf eine Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes
von 47 mal im Jahr. Wie wir sehen werden, ist diese Zahl höchstwahr-
scheinlich beinahe dreimal zu hoch gegriffen; der Irrtum ist wohl darauf
zurückzuführen, daß Kemmerer nicht der Ansicht Kinleys ist, die seitens
des letzteren vorgenommene Abschätzung des Prozentsatzes der Scheck-
zirkulation vom Jahre 1896 sei ein „zuverlässiges Minimum”, sondern die
entgegengesetzte Meinung vertritt, sie sei vielmehr ein zuverlässiges Maxi-
mum. Wir wollen nun die Gründe angeben, die zu der Annahme führen,
daß Kinley mit seiner Schlußfolgerung, die Schätzung der Schecktrans-
aktionen auf drei Viertel der Gesamttransaktionen sei ein „zuverlässiges
Minimum”, recht hatte. Die Berechnungen, die wir nun folgen lassen,
beweisen, daß eher neun Zehntel als drei Viertel die wahrscheinliche Zahl ist.

Wie bereits erwähnt, schätzt Kemmerer die Schecktransaktionen (die
wir O'U' nannten) im Jahre 1896 auf 143 Milliarden. Die Schecktrans-
aktionen der anderen Jahre, für die kein entsprechendes Material vor-
handen ist, werden von ihm so geschätzt, daß die Bankclearings stets 35 %
davon betragen (S. 118 seines Buches). Er macht keinerlei Versuch, G'
(die Bankdepositen) und ü' (deren Umlaufsgeschwindigkeit) getrennt ab-
zuschätzen. Kemmerer schätzt das Handelsvolumen (H) relativ (d. h. er
schätzt das, was wir im Anhang zum X. Kapitel Q, genannt haben). Dies
sind eingestandenermaßen die ungefährsten aller seiner Schätzungen.
Er trachtet möglichst viele Indikatoren für das Anwachsen des Handels
zu erhalten (S. 130), ohne besondere Rücksicht darauf zu nehmen, ob sie
passen oder nicht. Seine Indikatoren, fünfzehn an der Zahl, sind die fol-
genden: Bevölkerung, ein- und ausgehende Schiffsladungen, Export und
Import von Waren (Werte), Einkommen der Reichspost, Bruttogewinne
        <pb n="382" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

359

aus dem Betriebe der Eisenbahnen in den Vereinigten Staaten, durch die
Eisenbahnen beförderte Frachten, Bruttoeingänge der Western Union
Telegraphengesellschaft, Verbrauch an Roheisen, bituminöse Kohle, Weizen,
Korn, Baumwolle, Schafwolle, Weine, Liköre und den Marktwert gemelde-
ter Verkäufe an der New Yorker Effektenbörse. Jede dieser Zahlengruppen
wird von Kemmerer durch Indexnummern ausgedrückt und deren ein-
facher Durchschnitt als die Handelsindexnummer für jedes in Frage stehende
Jahr genommen.

Allerdings ist sich Kemmerer völlig bewußt gewesen, daß viele dieser
Zahlen mehr oder weniger gewichtigen Einwänden ausgesetzt sind. Bei
einer Veränderung des auf den Kopf berechneten Handels kann die Be-
völkerung nur einen sehr dürftigen Handelsindex bieten. Werte eignen
sich nur dann, wenn Beständigkeit der Preise vorausgesetzt werden kann,
was bei den Einnahmen der Post und der Telegraphengesellschaften nur
teilweise, beim Import und Export, bei den Einnahmen der Eisenbahnen
und bei Wertpapieren überhaupt nie der Fall sein kann.

Nachdem Kemmerer auf diese Weise die verschiedenen Elemente,
nämlich Oü + G'ü' und H, die die Preisniveaus theoretisch bestimmen,
für 1879—1908 festgestellt hat, rechnet er aus ihnen die Indexnummer der
Preise heraus. Diese aus den anderen Größen der Verkehrsgleichung be-
rechnete Indoxnummer nennt er „relative Zirkulation“. Die Zahlen rela-
tiver Zirkulation (virtuell nach der Formel P — (GU + G'U') -f- H) werden
von ihm sodann mit den tatsächlichen Statistiken der Preisniveaus ver-
glichen. Diese direkt berechneten Preisindexnummern nimmt er als Durch-
schnitt der Indexnummern für Engrospreise (Zahlen von Commons und
vom Arbeitsamt, S. 137), für Löhne (dem Bericht des Arbeitsamtes,

S.	137, und der Industrial Commission entnommen), sowie für Preise
von Eisenbahnaktien (Industrial Commission und Wall Street Journal),
die er folgendermaßen wiegt: Löhne 3 Prozent, Aktien 8 Prozent, Engros-
waren 89 Prozent.

Die durch Kurven (S. 149) dargestellten beiden Zahlengruppen —
„relative Zirkulation“ und „allgemeine Preise“ — zeigen eine allgemeine
Übereinstimmung.

§ 2 (zum XII. Kapitel, § 2).

Methode zur Berechnung von G.

Die Abschätzungen von G oder des in den Vereinigten Staaten in Umlauf
befindlichen Geldes sind auf die Berichte des Comptrollers of the Currency
        <pb n="383" />
        ﻿360

Anhang zum XII. Kapitel.

gegründet. Die Berechnungen sind in nachstehender Tabelle veran-
schaulicht:

Geld in den Vereinigten Staaten usw. (in Milüarden Dollar).

(1)  Jahr	Geld in den Ver- einigten Staaten (Offizielle	“  Schätzung)	Geld in den Ver-  einigten Staaten p (Berichtigte ®  Schätzung)	Geld im Schatz-  amt der Ver- 3 einigten Staaten	In den Banken  befindliches (ge- @  meldetes) Geld	Ungemeldetes  Geld in den  Banken, ge-  schätzt in Pro-  zenten des ge-  meldeten Geldes	In den Banken  befindliches Geld q  (Berichtigte  Schätzung)	In Zirkulation  befindliches  Geld; Kolonne  (4) und (7) von -25  (3) ausge-  schlossen
1896	1.80	1.74	0.29	0.53	8.4%	0.58	0.87
1897	1.91	1.83	0.27	0.63	8.4%	0.68	0.88
1898	2.07	1.94	0.24	0.69	7.7 %	0.74	0.96
1899	2.19	2.09	0.29	0.72	6.7 %	0.77	1.03
1900	2.34	2.25	0.28	0.75	6.4%	0.80	1.17
1901	2.48	2.37	0.31	0.79	5.4%	0.84	1.22
1902	2.56	2.45	0.31	0.84	5.3%	0.88	1.26
1903	2.68	2.59	0.32	0.85	5.2%	0.89	1.38
1904	2.80	2.68	0.28	0.98	4.5%	1.03	1.37
1905	2.88	2.77	0.29	0.99	3.9%	1.03	1.45
1906	3.07	2.97	0.33	1.01	3.4%	1.05	1.59
1907	3.12	3.12	0.34	1.11	4.2%	1.15	1.63
1908	3.38	3.38	0.34	1.36	3.8%	1.41	1.63
1909	3.41	3.41	0.30	1.44	2.8%	1.48	1.63

Die Zahlen der zweiten Kolonne (2) stellen das Geld dar, das sich den offi-
ziellen Abschätzungen des Direktors der Münzstätte gemäß Mitte eines
jeden Kalenderjahres in den Vereinigten Staaten befindet. Infolge der von
Maurice L. Muhleman angestellten Untersuchungen wurden diese offiziellen
Schätzungen im Jahre 1907 durch Subtraktion eines auf $ 135 000 000
geschätzten Irrtums von dem Golde berichtigt, das, wie man glaubte, in
den Vereinigten Staaten vorhanden war. Die Berichtigungen der Münz-
stätte wurden jedoch nur am Schlüsse der Kalenderjahre vorgenommen1).
Um die Berichtigungen auf die Mitte eines gegebenen Kalenderjahres anzu-
wenden, wurde der Durchschnitt der für das Gold in den Vereinigten Staaten
berichtigten Zahlen zu Anfang und zu Ende des Jahres genommen. Der so
erlangte Durchschnitt wurde als die berichtigte Zahl des Goldes für die
Jahresmitte genommen. Diese berichtigte Zahl wurde sodann mit der
offiziellen für die Mitte des Jahres gegebenen Zahl des Goldes verglichen

D Siehe den Report o/ the Director of ihe Mint, 1907, S. 87.
        <pb n="384" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

361

und die Differenz als Berichtigung für dieses Datum angenommen. Diese
Berichtigung wurde dann von den Zahlen des in der zweiten Kolonne (2)
gegebenen Geldes der Vereinigten Staaten abgezogen. So erhalten wir die
Zahlen der dritten Kolonne (3). Ganz unabhängige Berichtigungen wurden
von Muhleman für die Mitte der Jahre 1896 bis einschließlich 1900 vor-
genommen. Sie sind unbedeutender als die Berichtigungen, die aus den
oben gegebenen Zahlen der Münzstätte berechnet wurden; die Differenz in
den aufeinanderfolgenden Jahren beträgt 0.05, 0.03, 0.00, 0.03 und 0.05.
Die vierte und fünfte Kolonne, (4) (5) unserer Tabelle, geben das Geld
im Bundesschatzamt und das in den Banken gemeldete Geld an, wie es in
den Jahresberichten des Comptrollers of the Currency festgestellt wurde. Die
sechste Kolonne (6) bringt den abgeschätzten Prozentsatz des nichtgemel-
deten Geldes. Diese Schätzung wird durch die Annahme erlangt, daß die
nichtgemeldeten Reserven zu den gemeldeten Reserven in demselben Ver-
hältnis stehen wie die nichtgemeldeten Depositen zu den gemeldeten
Depositen; die Verhältnisse der letzteren werden aus der im nächsten Ab-
schnitt (§3) dieses Anhanges gegebenen Tabelle berechnet.

Wenn wir diesen abgeschätzten Prozentsatz berechnen und die hierbei
erlangte Berichtigung zu dem Geldo der berichtenden Banken hinzu-
zählen (Kolonne 5), so erhalten wir die Gesamtschätzung des in den
Banken befindlichen Geldes (Kolonne 7). Wenn von dem berichtigten
Gelde in den Vereinigten Staaten (wie in Kolonne 3 angegeben) die Summe
des im Schatzamt befindlichen Geldes (Kolonne 4) und des abgeschätzten
Geldes in den Banken (Kolonne 7) subtrahiert wird, erhalten wir die Zahlen
der achten Kolonne (8). Diese Schätzungen des in nicht berichtenden Banken
befindlichen Geldes sind allerdings gewissen Irrtümern unterworfen, doch
würde selbst ein Irrtum von 50 Prozent in einer ihrer bedeutendsten Schät-
zungen die letzte Kolonne um nicht viel mehr als 2 Prozent beeinflussen.
Eine bedeutendere Quelle des Irrtums entspringt aber höchstwahrscheinlich
aus den Zahlen der zweiten Kolonne (2), die von hypothetischen Schätzungen
des Goldes in den Vereinigten Staaten abhängt. Muhleman schreibt mir,
daß die von der Münzstätte vorgenommenen Berichtigungen seiner Meinung
nach nicht ausreichend sind. Durch die in diesem Bureau gemachten und
hier angenommenen Berichtigungen verändern sich mehrere der Zahlen der
achten Kolonne sogar um 10 Prozent. Die bei diesen Berichtigungen unter-
laufenen Irrtümer sind aller Wahrscheinlichkeit nach viel geringer als 10 Pro-
zent. Es wären noch weitere Irrtumsquellen zu verzeichnen, doch können,
wenn alle diese Dinge in Anschlag gebracht werden, die Ergebnisse aller
Vermutung nach im allgemeinen als zuverlässig gelten und wohl nur einem
        <pb n="385" />
        ﻿362

Anhang zum XII. Kapitel.

Irrtum von höchstens 2 bis 3 Prozent unterworfen sein. Bei gewöhnlichen
Statistiken kann ein solches Resultat als ziemlich richtig angesehen werden.

§ 3 (zum XII. Kapitel, § 2).

Methode zur Berechnung von Gr'.

Die Berechnungen zur Erlangung von G' oder der individuellen, dem
Scheckverkehr unterworfenen Depositen sind in der Tabelle auf Seite 363
wiedergegeben.

Die in der zweiten Kolonne (2) aufgeführten Zahlen stellen die „in-
dividuellen Depositen“ dar, wie sie den Jahresberichten des Comptrollers of
the Currency entnommen wurden (siehe den Bericht für das Jahr 1909, S. 64
bis 66). Bei den Jahren 1896—1899 wurden die Depositen von Kredit-
gesellschaften und Sparkassen, die nicht in die Klasse der individuellen
Depositen gehören, einer Berichtigung unterzogen. Vor dem Jahre 1900
schlossen viele Banken derartige Depositen von Bankiers in die individuellen
Depositen ein. Sie sollten aber abgezogen werden, da solche von anderen
Banken herrührenden Depositen im allgemeinen in einer Bank nicht für
Handelszwecke sondern für Bankgeschäfte benützt werden. Diese von den
Zahlen der zweiten Kolonne abzuziehenden Depositen sind in der dritten
Kolonne (3) gegeben.

Die Zahlen der dritten Kolonne sind Schätzungen, die die Tatsache
zur Grundlage haben, daß die Depositen von Sparkassen und Kreditgesell-
schaften in den Nationalbanken (wenn immer ein Vergleich möglich ist,
z. B. von 1900—1908) den Depositen der Einzelstaatenbanken in den
Nationalbanken annähernd gleich sind. Da die Zahlen der Einzelstaaten-
banken für 1896—1899 zur Verfügung stehen, so nahm man diese an
Stele der fehlenden Kredit- und Sparkassenzahlen. Eine zur Zeit der
Drucklegung der ersten Auflage dieses Buches stattgehabte Beratung mit
dem Comptroller of the Currency hat den Verfasser davon überzeugt, daß
diese Berichtigungen zu hoch gegriffen sind und daß es besser gewesen
wäre, sie gänzlich wegzulassen. Um zahlreiche Abänderungen in den Druck-
platten zu vermeiden, wurden sie jedoch beibehalten. Glücklicherweise
ist, wie aus S. 415 hervorgeht, der bestehen bleibende Irrtum gering.

Nachdem wir von der zweiten Kolonne die Berichtigung der dritten
Kolonne in Abzug gebracht haben, ist unsere nächste Aufgabe, zu der hier-
hieraus resultierenden Zahl die Berichtigung der vierten Kolonne, nämlich
die Schätzung der nichtgemeldeten Depositen, hinzuzuzählen.

Die Zahlen nicht berichtender Banken für 1900 und 1902—1909 Stelen
        <pb n="386" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

363

Individuelle, dem Scheckverkehr unterworfene Depositen

(in Milliarden Dollar).

(6)	(7)

(!)	(2)	(3)	(4)	(5)

(8)	(9)

85

86
88
89
87
86
84
83
81
80
78
74
71
67

2.68

2.80

3.19

3.90

4.40

5.13
5.43
5.70
5.80
6.54
6.84

7.13
6.60
6.75

.40	1.91	.11	3.17

.41	1.94	.11	3.25

.42	2.07	.16	3.63

.44	2.23	.27	4.38

.45	2.45	.18	5.06

.46	2.60	.36	5.96

.48	2.75	.36	6.47

.50	2.93	.25	6.87

.45	3.06	.23	7.16

.44	3.26	.36	8.17

.41	3.48	.40	8.75

.55	3.69	.33	9.63

.49	3.66	.29	9.30

.39	3.91	-38	10.11

1896	4.95	.16

1897	5.10	.21

1898	5.69	.25

1899	6.77	.33

1900	7.24

1901	8.46

1902	9.10

1903	9.55

1904	10.00

1905	11.35

1906	12.22

1907	13.10

1908	12.78

1909	14.01

die offiziellen Schätzungen des Comptrollers of the Currency dar. (Die für
1900 und 1902 gegebenen Zahlen sind in den Tabellen des Comptrollers
unter der Rubrik „Nur gemeldetes Kapital“ anstatt „nichtgemeldetes“
eingetragen, doch wurde mir in diesem Bureau versichert, diese Unter-
scheidung hätte nichts zu bedeuten.) Die für 1901 aufgestellte Zahl wurde
zwischen die der Jahre 1900 und 1902 eingeschaltet. Die Zahl füi 1896
bildet eine mit Hilfe zweier Voraussetzungen vorgenommene Abschätzung.
Erstens wurde angenommen, daß in diesem Jahre die ungemeldeten Depo-
siten im Verhältnis zu allen anderen Depositen einen größeren Umfang er-
reichten, als es im Jahre 1903 der Fall war, insofern als aus der Tabelle
ersichtlich ist, daß der Prozentsatz der fehlenden Depositen um so größer
ist, je weiter wir in den Jahren zurückgehen. Dies bedeutet, daß die
Berichtigung 0.28 übersteigt. Die zweite Annahme bestand darin, daß
die Berichtigung eine weniger absolute als in späteren Jahren sein sollte,
und zwar aus dem Grunde, weil damals die Summe der Gesamtdepositen
eine viel geringere war als späterhin und weil die offiziellen Ziffern der vierten
Kolonne (4), d. h. die für 1900 und 1902—1909 gegebenen Zahlen, zeigen,
        <pb n="387" />
        ﻿364

Anhang zum XII. Kapitel.

daß sie, wenn wir in der Zeit nach rückwärts gehen, eine leichte Tendenz
aufweisen, im absoluten Betrage weniger anzuwachsen. (Die größte Aus-
nahme macht das Jahr 1909, und zwar insofern, als die spezielle Unter-
suchung vom 28. April einen ungewöhnlichen Grad von Genauigkeit auf-
wies.) Unter Berücksichtigung dieses Umstandes würde sich die Berich-
tigung auf weniger als 0.50 belaufen. Als ungefähres Mittel zwischen 0.28
und 0.50 wählen wir daher 0.40. Ein hierbei vorkommender Irrtum kann
die Schlußkolonne nicht viel mehr als um 3 oder 4 Prozent beeinflussen.
Für die Jahre 1897—1899 wurden die Berichtigungen eingeschaltet.

Die fünfte Kolonne (5) enthält eine Berichtigung, die von dem er-
haltenen Resultate abzuziehen ist, nämlich die Depositen in den Sparkassen.
Es liegt in der Natur der Sache, daß diese Depositen zwar nicht als Zirku-
lationsmittel benutzt, aber trotzdem in die offiziellen „individuellen Depo-
siten“ der zweiten Kolonne auf genommen werden. Außer den gemeldeten
Zahlen enthält der hier gegebene Posten für das Jahr 1909 einen weiteren
Posten von 0.20 (d. h. $ 200 000 000), die die Spareinlagen der „state banks“
in Illinois darstellen. Dieser Posten wurde einfach deshalb eingereiht, um
die Zahlen für 1909 mit den Zahlen der vorhergehenden Jahre, in denen
dieser Posten stets enthalten war, vergleichbar zu machen (siehe den Bericht
des Comptrollers vom Jahre 1909, S. 43—44).

Die nächste Kolonne (6) enthält einen anderen, wenn auch nur kleinen
Posten, nämlich „Schecks für Clearing“, der ebenfalls von dem Vorher-
gehenden abzuziehen ist. Im allgemeinen sind diese Schecks, die von den
Personen, welche sie erhielten, zwar deponiert wurden, die aber die Bank,
von der sie stammen, noch nicht wieder erreicht haben, und daher den
Personen, die sie gezogen haben, noch nicht angerechnet werden konnten.
Jedermann, er sei denn ein Schwindler oder ein Dummkopf, wird, sobald
er einen Scheck gezogen hat, dessen Betrag (sagen wir $ 100) von seinem
Depositensaldo in Abzug bringen und ihn nicht noch einmal ziehen. Eine
solche Person — sagen wir Smith — betrachtet die $ 100 als seinem Trassaten
— sagen wir Jones — übertragen und sieht sie ebensowenig für ihm (Smith)
gehörig an, wie er eine ausgezahlte Bargeldsumme noch für seinen Besitz
halten würde. Aber es braucht Zeit, bevor die Bank, bei der Smith gezogen
hat, von der Übertragung des Depositums von Smith auf Jones unterrichtet
ist. Die Bankbücher führen in der Zwischenzeit diese $ 100 noch unter
Smiths Depositen. Die Gesamtzahl der Depositen wird durch den Ein-
schluß der $ 100 in Smiths Konto nicht gestört, vorausgesetzt, daß die
Summe nicht auch in Jones’ Konto auf genommen wurde. Wenn aber Jones
den Scheck in seiner Bank deponiert, fügt dessen Bank $ 100 zu Jones’
        <pb n="388" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

365

Konto hinzu, bevor Smiths Bank die Summe von dessen Konto abziehen kann.
Das heißt, die $ 100 werden zeitweilig als beiden gehörend gerechnet. Wenn
beide Seiten dieser Übertragung gleichzeitig gemeldet würden, könnte es
kein doppeltes Inrechnungstellen geben. Bis aber der Scheck Smiths Bank
erreicht, ist die einzige Aufzeichnung des Abzuges, der an Smiths Konto
vorgenommen werden sollte, unter den „Schecks für Clearing“ zu finden,
die wir folglich in unserer Statistik in Abzug bringen müssen.

Diese Ziffern können indessen nur schätzungsweise aufgestellt werden.
Nur für den 28. April 1909 sind sie für alle Banken gegeben; die Zahlen
sind die des Spezialberichtes der bereits erwähnten Monetary Commission.
Von diesem Betrage stammen vier Fünftel aus den Nationalbanken; und
da die Nationalbanken über ihren Austausch mit den Clearinghäusern jähr-
lich berichten, nehmen wir an, daß der Gesamtbetrag eines Jahres fünf
Viertel der von den Nationalbanken gemeldeten Summe beträgt (siehe den
Bericht des Comptrollers vom Jahre 1908, S. 514—522). Die ganze Be-
richtigung ist so gering, daß ein eventueller Irrtum in diesem angenommenen
Verhältnis für das Endresultat ganz belanglos ist.

Die siebente Kolonne (7) wurde gewonnen durch Anwendung der oben
besprochenen Korrekturen auf Kolonne 2 — nämlich durch Abzug der
Posten der dritten Kolonne, durch Addition derer der vierten Kolonne
und durch schließlichen Abzug der Zahlen der fünften und sechsten Kolonne.

Aber auch jetzt haben wir noch nicht den gewünschten Posten, die
Depositenumlaufsmittel oder die dem Scheckverkehr unterworfenen Depo-
siten erlangt. Die abgeschätzten reinen individuellen Depositen schließen
nicht nur Kontokorrente sondern Depositenzertifikate und andere Depositen
ein, die mehr als Kapitalanlage als als Austauschmedia betrachtet werden.
Der erste veröffentlichte Versuch, die wahren, dem Scheckverkehr unter-
worfenen Depositen zu geben, wurde von der National Monetary Commission
gemacht. In deren wertvollem Spezialbericht, wie dem vom 28. April 1909,
der vom Comptroller of the Currency hergestellt worden war, sind die scheck-
fähigen Depositen mit 6.94 Milharden angegeben x). Dieser Ziffer 6.94 muß
ein Betrag für „nicht berichtende Banken“ hinzugefügt und ein anderer
für die „Schecks für Clearing“ muß davon abgezogen werden. Die un-
gemeldeten Depositen aller Art sind in der Tabelle für das Jahr 1909 auf

0.39 geschätzt worden, von denen wohl nach Proportionsrechnung nur

*) Siehe Senatsdokument Nr. 225, 61. Kongreß, 2. Session, Special Report front Banks
oj the United States, 28. April 1909, S. 261; dgl. Report of Comptroller of the Currency, 1909,
S. 835. Die Zahlen schließen Hawaii, Porto Rico und die Philippinen aus, obgleich die
hierdurch ausgeschlossene Summe kaum der Rede wert ist.
        <pb n="389" />
        ﻿366

Anhang zum XII. Kapitel.

von 0.39 oder 0.19 scheckfähig sind. Der ganze Clearingaustausch in der
Höhe von 0.38 muß also, wie wir annehmen können, fast gänzlich aus Depo-
siten, die dem Scheckverkehr unterworfen sind, bestehen. Die berichtigte
Nettoziffer beträgt daher 6.94 + 0.19 = 0.38 oder 6.75 Milliarden an scheck-
fähigen Depositen für das Jahr 1909. Diese stellen ungefähr 67 Prozent
der „individuellen Nettodepositen“ der siebenten Kolonne dar.

Diese Zahl für die scheckfähigen Depositen des Jahres 1909 steht in
der Tabelle am Fuße der neunten Kolonne (9). Da es nur 67 Prozent der
individuellen Nettodepositen sind und da nicht angenommen werden konnte,
daß dieses selbe Verhältnis auch für andere Jahre Geltung habe, wollte ich
mich in bezug auf die scheckfähigen Depositen für diese anderen Jahre nicht
aufs Raten verlegen, ohne mich weiter unterrichtet zu haben. Ich schrieb
daher an Herrn A. Piatt Andrew, dem damaligen Direktor der Münze, und
fragte ihn, ob er in seiner Eigenschaft als Berater der Monetary Commission
in den Statistiken des Comptrollers für das Jahr 1896 und einiger anderer
Jahre nicht eine Untersuchung anstellen lassen könnte, um die entsprechen-
den Verhältnisziffern für diese Jahre zu erhalten. Dank seiner Freundlich-
keit und der der Kommission und des Comptrollers, mit der man auf mein
Ersuchen einging, ist es mir ermöglicht worden, die entsprechende Verhältnis-
ziffer für 1896 in der Höhe von 85 Prozent, für 1899 in der Höhe von 89 Pro-
zent und für 1906 in der Höhe von 78 Prozent auszuarbeiten.

Herr Andrew gibt 4.97 Milliarden als die (unberichtigte) Gesamtsumme
der Depositen aller Banken, wie sie am 14. Juli 1896 vorhanden war. Diese
Zahl ist um ein Geringes vollständiger, als die aus dem Berichte des Compt-
rollers (nämlich 4.95), die ich schon vorher benutzt hatte, und zwar zweifel-
los deshalb, weil für diese besondere Untersuchung eine größere Anzahl
von Banken herangezogen worden war, als die, die man ursprünglich für
die Tabellen des Comptrollers benützt hatte. Andrew gibt die scheckfähigen
Depositen mit 2.59 Milliarden an. Diese Zahl muß sich zwei Berichtigungen
gefallen lassen: die eine besteht darin, daß man den nichtberichtenden
Banken, und die andere darin, daß man den „Schecks für Clearing“ Rechnung
trägt. Wir haben die Depositen der nichtberichtenden Banken auf 0.40
eingeschätzt; und da Andrew in den erwähnten Banken 0.02 mal mehr
Gesamldepositen (4.97) entdeckt hat, als der Comptroller berichtet hatte,
müssen wir annehmen, daß sich in seinen Zahlen 0.02 mal weniger un-
gemeldete Depositen befinden als in denen des Comptrollers. Dieses würde
für die ungemeldeten Depositen die schätzungsweise Ziffer 0.38 für Andrews
Zahlen ergeben, an Stelle von 0.40, wie wir sie für die des Comptrollers
angenommen haben. Der Teil davon, den man dabei den scheckfähigen
        <pb n="390" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

367

2 59

Depositen (2.59) zuweisen muß, ist X 0.38 oder 0.20. Dies ist die

erste (addierende) Berichtigung. Die zweite (subtrahierende) Korrektur
besteht im Abzug der „Schecks für Clearing“, nämlich 0.11. Die endgültige
berichtigte Zahl ist daher 2.59 + 0.20 — 0.11 oder 2.68. Das Verhältnis

2 68

dieser Ziffer zu den Nettodepositen ist oder 85 Prozent.

Andrews Zahlen für die gesamten Nettodepositen im Jahre 1899 be-
tragen 4.38 und für scheckfähige Depositen 4.09. Seine Zahlen für die Ge-
samtdepositen (7.07) sind um 30 Prozent vollständiger als die des Comp-
trollers, wie sie in der ersten Kolonne obenstehender Tabelle angewandt
worden sind und reduzieren dadurch die auf Andrews Ziffern anwendbare
Schätzungsziffer für nichtberichtende Banken von 0.44 auf 0.14, wovon

X 0.14 oder 0.08 den scheckfähigen Depositen zuzuschreiben sind.

Die aus „Schecks für Clearing“ bestehende Berichtigungszahl beträgt 0.27.
Die Zahlen für die scheckfähigen Depositen sind daher 4.09 + 0.08 — 0.27
oder 3.90, was 89 Prozent der „Nettodepositen“ (4.38) bedeutet.

Andrews Zahlen für die gesamten Nettodepositen im Jahre 1906 be-
tragen 8.75 und für scheckfähige Depositen 6.90. Seine Zahlen für die
Gesamtdepositen (12.37) sind weniger vollständig als die des Comptrollers
und erhöhen so die Schätzungsziffer für nichtberichtende Banken, die auf

seine Zahlen anwendbar ist, von 0.41 auf 0.61, wovon x °der

0.34 den scheckfähigen Depositen zuzuschreiben sind. Die „Schecks für
Clearing“ waren 0.40. Die Zahlen für scheckfähige Depositen sind daher
6.90 + 0.34 — 0.40 oder 6.84, was 78 Prozent der „Nettodepositen“ (8.75)
gleichkommt. Wir haben also Ziffern für Kolonne (9) und Kolonne (8)
für die Jahre 1896, 1899, 1906 und 1909. Wenn wir nun für die dazwischen-
liegenden Jahre zwischen diesen Prozentsatzziffern für die Jahre 1896,1899,
1906 und 1909 ebenmäßige Interpolationen vornehmen, so erhalten wir
Kolonne (8) der obenstehenden Tabelle.

Als nächstes kann nur Kolonne (9) für die folgenden Jahre gefunden
werden, indem man die Prozentsätze in Kolonne (8) auf die individuellen
Nettodepositen in Kolonne (7) anwendet.

Die Tafel ist nun vollständig. Die Resultate sind natürlich gewissen
Irrtümern unterworfen, die man aller Wahrscheinlichkeit nach für die
Jahre 1896, 1899, 1906 und 1909 nicht höher anzunehmen braucht als
zwei oder drei Prozent und vielleicht doppelt so hoch für die Jahre in
der Mitte der Zeitabstände zwischen diesen vier Jahren.
        <pb n="391" />
        ﻿368

Anhang zum XII. Kapitel.

Da soviel von der relativen Bedeutung des Scheck- und Geldumlaufs
gesagt worden ist, scheint es sonderbar, daß bis zu dieser Zeit noch kein
Versuch gemacht worden ist, das Volumen der Umlaufsmittel, die perScheck
zirkulieren, abzuschätzen oder aufzuzeichnen. Diese Umlaufsmittel und
ihre Zirkulation haben eine viel größere statistische Bedeutung als das Geld
und dessen Zirkulation. Unsere Verwunderung ist um so größer, wenn wir
bedenken, daß „dem Scheckverkehr unterworfene Depositen“ dem Comp-
troller of the Currency von den einzelnen Banken regelmäßig gemeldet
worden sind. Von den sechziger Jahren an begannen die veröffentlichten
Ziffern diese Kategorie auszulassen sowie alle persönlichen Depositen in
einen Topf zu werfen und die darnach erschienenen Berichte folgten ein-
fach dem von ihren Vorgängern gesetzten Beispiel. Der gegenwärtige
Comptroller erklärte, daß in Zukunft der Betrag der dem Scheckverkehr
unterworfenen Depositen getrennt zu behandeln ist, und wir können
also hoffen, daß uns von jetzt ab jährliche Aufstellungen der scheck-
fähigen Depositen zur Verfügung stehen. So werden wir denn jedes
Jahr die Größe dieses Postens in unserem Zirkulationsmittel erfahren,
der, wie wir sehen werden, neun Zehntel der gesamten Austauscharbeit
des Landes verrichtet.

§ 4 (zum XII. Kapitel, § 3).

Methode zur Berechnung von G-' U' für die Jahre 1896 und 1909.

Nach dem Bericht des Comptrollers für 1896 war die Gesamtsumme (an
Geld und Schecks), die in allen Berichte liefernden Banken an dem dem
1. Juli 1896 nächsthegenden Abrechnungstag deponiert war, 303 000 000.
Die Summe, die Kemmerer für nichtberichtende Banken ansetzt (op. cit.

S.	110—111), bringt die Zahl auf 506 Millionen. Der für die Schecks an allen
Depositen gefundene Anteil wurde mit 92,5 % angegeben, was 468 000 000 als
in einem Tage deponierte Schecksumme ergibt, wenn man diesen Prozentsatz
auf die schätzungsweise gefundenen 506 000 000 Gesamtdepositen anwendet.
Indessen zeigte der 1. Juli, da er der erste eines Monats ist, naturgemäß
eine außergewöhnlich große Depositensumme. Um festzustellen eine wie
hohe Summe man für diese Tatsache anzusetzen hat, habe ich durch die
Freundlichkeit des Herrn Gilpin vom New Yorker Clearinghaus die Zahlen
der New Yorker Clearings vom 2. Juli 1896 erhalten. Der 2. Juli wurde
deshalb ausgewählt, weil die am 1. Juli in New York deponierten Schecks
in den Clearinghausstatistiken vom 2. Juli zu erscheinen pflegen. Die Clearings
vom 2. Juli zeigten einen Betrag von 157 000 000, während der tägliche
Durchschnitt für 1896 nur 95 000 000 oder 60 % so viel war. Um den
        <pb n="392" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

369

tatsächlichen Durchschnitt für das Jahr zu erhalten, muß man also die
übergroßen Clearings vom 2. Juli durch Multiplikation mit 0.60 korrigieren.
Es ist vielleicht berechtigt, anzunehmen, daß die am 1. Juli in New York
gemachten Depositen im wesentlichen derselben Korrektur bedürfen. Wenn
wir annehmen könnten, daß das Abnorme in den Depositen des Tages im
übrigen Land ebenso wäre wie in New York, also auch desselben korrigieren-
den Faktors (0.60) bedürfte, dann wäre dieser korrigierende Faktor für
das ganze Land gültig. Dies können wir indessen unmöglich annehmen.
Zweifellos ist 0.60 als tatsächlicher Multiplikationsfaktor für das ganze Land
außerhalb New Yorks zu niedrig angenommen. Das Abweichen vom Durch-
schnitt war wahrscheinlich etwas geringer als in New York City.

Daß dies der Fall ist erscheint aus verschiedenen Gründen wahrschein-
lich. Erstens ist New York gegen Schwankungen in der geschäftlichen
Lebhaftigkeit empfindlicher als es das Land gewöhnlich ist. In Überein-
stimmung mit dieser Ansicht finden wir, daß die Schwankungen im Prozent-
satz der Clearings von Jahr zu Jahr in New York größer sind als im
übrigen Lande. Wenn jedes Jahr mit dem darauffolgenden verglichen
wird, findet man, daß dies, mit Ausnahme von fünf Jahren, für 27 Jahre
von 1883 bis einschließlich 1909 *) stimmt.

Weiterhin würden die viertel- und halbjährlichen Dividenden in einem
finanziellen Mittelpunkt wie New York eine größere Ziffer ergeben, als in
anderen Städten, in denen nur wenige oder gar keine Dividenden gezahlt
werden.

Schließlich werden in großen Städten wie New York Schecks syste-
matischer und pünktlicher deponiert, als in einem kleineren Gemeinwesen,
so daß ein größerer Teil der auf den ersten des Monats lautenden und
am 1. Juli empfangenen Schecks an diesem Tage deponiert werden. In dem
kleineren Gemeinwesen bummeln diese Schecks auf ihrem Weg zur Bank
einige Tage nach ihrem Empfang herum und tragen auf diese Weise dazu bei,
den täglichen Strom auszugleichen und ganz besonders den übermäßigen
Andrang am und um den 1. Juli abzuschwächen. Wir schließen daher, daß
0.60 eine Mmimafechätzung für unseren Multiplikationsfaktor für 1896 ist.

Nachdem wir so 0.60 als Minimalschätzung erhalten haben, gehen wir
nun dazu über, eine Maximalschätzung aufzustellen. Wir können ziemlich
sicher sein, daß Depositen außerhalb New Yorks dem Einfluß viertel-
jähriger Dividendenzahlungen, Monatszahlungen usw. dermaßen unter-
worfen sind, daß das Volumen der Scheckdepositen außerhalb New Yorks

1) Siehe Financial Review (the Animal of the Commercial and Financial Chronide)
1906, S. 26 und 1910, S. 33.	'

Fisher, Kaufkraft des Geldes.

24
        <pb n="393" />
        ﻿370

Anhang zum XII. Kapitel.

den Durchschnitt von 1896 wenigstens etwas überschreiten muß. Wir müssen
wissen, bis zu welchem Umfange wir mit Sicherheit ein Überschreiten des
Durchschnitts seitens dieses auswärtigen Volumens an Scheckdepositen an
dem gewählten Tag annehmen dürfen. Eine solche sichere Schätzung
können wir am besten durch Material über Clearinghäuser im Finanzreport
für 1896 (S. 493, Comptrollers Report) erlangen. Es zeigt sich dort, daß am

1.	Juli oder an dem „dem 1. Juli nächsten Abrechnungstage“ 66 von 78
Clearinghäusern des Landes 228 Millionen Dollar an Clearings hatten. Wir
können mit Sicherheit annehmen, daß die Gesamtclearings des Landes an
diesem Tage größer waren als diese Summe, weil die Berichte wie sie vor-
liegen, von 78 Clearinghäusern des Landes nur 66 umfassen. Desgleichen
können wir annehmen, daß sie am folgenden Tag noch größer waren1),
weil an diesem der Hauptandrang der umfangreichen Scheckdepositen vom
1. Juli erfolgte. Wenn die 228 Millionen Clearings am 1. Juli 1896 für jeden
Tag dieses Jahres gültig wären, könnten wir durch einfache Multiplikation
mit 305, der Anzahl der Abrechnungstage des Jahres 1896, die Gesamt-
clearings des Landes auffinden. Das Resultat dieser Multiplikation ist in-
dessen 67,1 Milliarden, wohingegen die tatsächlichen Clearings des Landes
für 1896 nur 51,2 Milliarden betrugen. Hieraus kann man mit hinreichender
Berechtigung schließen, daß die Clearings vom 1. Juli und vermutlich die
vom 2. Juli noch mehr, den täglichen Durchschnitt überschritten und eine

51 2

Reduktion zum mindesten im Verhältnis ^ oder 0.76, bedürfen.

Daher muß der richtige Korrektionsfaktor zwischen 0.60 und 0.76 liegen.
Durch Halbierung der Differenz finden wir 0.68 als schätzungsweise Ziffer,
die von den richtigen Zahlen beider Seiten nicht weit entfernt sein kann;
besonders da 0.60 und 0.76 zuverlässige und extreme Grenzpunkte sind.
Zahlen, die ganz in der Nähe von beiden liegen, sind unwahrscheinlich.
Der wahrscheinliche Irrtum ist einfach auf 5 oder 6 Prozent anzusetzen.

Wir wenden uns nun zu ähnlichen Berechnungen für 1909. Auf mein
Ersuchen hat Herr Professor Weston von der Universität Illinois durch
die Freundlichkeit des Herrn Professors Kinley, in der Hauptsache dieselbe
Methode angewandt, um, gestützt auf die Untersuchung Kinleys,1) die Scheck-

J) Einen überzeugenden Beweis, daß die Clearings am 2. Juli die des 1. Juli über-
stiegen, liefert die folgende Tatsache: Während sich die Clearings des Staates New York,
wie sie der Bericht des Comptrollers für 1896 (S. 494) gibt, auf 140 Millionen Dollar be-
liefen, betrugen die Clearings am 2. Juli von New York City allein 157 Milhonen Dollar.
Wie Herr Gilpin vom New Yorker Clearinghaus mir mitteilte, waren die Clearings von
New York City am 2. Juli 1896 viel höher als am 1. Juli. Die diesbezüglichen Zahlen sind
157 und 138 Millionen.
        <pb n="394" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

371

Zirkulation des Jahres 1909 für den 16. März dieses Jahres zu berechnen.
Professor Weston schätzt die gesamten Scheckdepositen des 16. März 1909
auf 1.02 Milliarden. Diese Zahl liegt unter dem täglichen Durchschnitt.
Ein Beweis hierfür findet sich in den Clearings des New Yorker Clearing-
hauses vom 17. März, die die Depositen, die in den New Yorker Banken
den Tag vorher gemacht worden waren, widerspiegeln; diese betrugen
268 000 000, die für das Jahr nicht repräsentativ waren, da der tägliche
Durchschnitt der Clearings viel größer war, nämlich 342 000 000, oder um
28 Prozent größer als die des 17. März. 1.28 wäre also der Multiplikations -
faktor der Korrektur, den wir anwenden würden, wenn die New Yorker
Clearings als zuverlässiges Barometer für das ganze Land betrachtet
werden könnten. Da aber, wie wir gesehen haben, New York gegen Speku-
lationen und andere Abarten von Bankoperationen besonders empfindlich
ist und als Teil gewöhnlich größeren Variationen unterworfen ist als das
Ganze, kann man mit Kecht annehmen, daß der abnorme Zustand, den
wir bezüglich der Depositen vom 16. März in New York finden, den ab-
normen Zustand dieses Tages für das ganze Land viel zu groß erscheinen
läßt, und daß der Multiplikationsfaktor der Korrektur weniger als 1.28 sein
sollte. Um nun eine sichere niedere Grenze anzusetzen, wollen wir einmal
sehen, welche Zahl sich aus der ganz extremen Annahme ergibt, daß die
Tagessumme der Depositen am 16. März 1909 außerhalb von New York
genau dieselbe Höhe auf wiese, wie der tägliche Durchschnitt für das Jahr.
Den resultierenden Korrektionsfaktor können wir nach der Tabelle auf
S. 372 ganz gut abschätzen.

Diese Tabelle wurde aus Material konstruiert, das man Kinleys Bericht
an die Monetary Commission on Credit Instruments (S. 182 und 186) ent-
nahm und zwar in Verbindung mit den abgeschätzten Berichtigungen
für die Scheckdepositen des ganzen Landes, die von Weston stammen.

Die Zahl für Depositen in New York City ist für den 16. März 1909 ge-
geben. Wenn wir diese Zahlen von denen abziehen, die Weston durch
Schätzung für das ganze Land gefunden hat, so haben wir die Depositen (786)
außerhalb NewYorks. Wie nachgewiesen wurde, ist aber der tägliche Durch-
schnitt in New York höchstwahrscheinlich um 28 Prozent oder um 306
höher. Wenn man diese Zahlen zu denen für die Depositen außerhalb New
Yorks (786) addiert, ergeben sie den täglichen Durchschnitt für das ganze
Land, wobei angenommen wird, daß nur New York City an dem ausgewählten
Tage einen abnormen Zustand zeigt. Das Resultat (1092), verglichen mit den

x) Kinley, The Use of Credit Instruments in Payments in the United States. (National
Monetary Commission, 61. Kongreß, 2. Session, Doc. No. 399, 1910.)

24'
        <pb n="395" />
        ﻿372

Anhang zum XII. Kapitel.

tatsächlichen Depositen an dem ausgewählten Tag (1025), zeigt den Kor-
rektionsfaktor unter der Annahme, daß nur New York abnorm war.
Dieser Faktor ist 1.07. Hieraus ergibt sich eine niedere Grenze für den
Korrektionsfaktor, den wir suchen.

Deponierte Schecks (in Millionen):

(1)	(2)  New York City	(3)  Außerhalb New York City	(4)  Total  Ver. St.
16. März 1909			239	786	1025
Tagesdurchschnitt wenn New York allein  abnorme Ziffern aufwiese	  Durchschnittsverhältnis zur tatsächlichen	306	786	1092
			

Halbieren wir die Differenz zwischen unseren beiden äußersten Grenzen,
1.07 und 1.28, so erhalten wir als Schätzungsergebnis für die Korrektions-
faktoren 1.17 für 1909 gegen 0.68 für 1896. Der Umfang möglichen Irrtums
auf jeder Seite ist ungefähr 10 für 1909 und 8 für 1896. Da die Grenzen sehr
extrem gezogen sind, muß der wahrscheinliche Irrtum viel geringer sein —
vielleicht gerade halb so groß. Wir können behaupten, daß die Korrek-
tionsfaktoren, 0.68 und 1.17, wahrscheinlich bis zu einem Grad von 5 oder
6 Prozent richtig sind.

Wir schließen also, daß die 468 Millionen, die Schätzungsziffer für die
tatsächlichen Scheckdepositen des 1. Juli 1896, mit 0.68 multipliziert werden
müssen, um den schätzungsweisen Durchschnitt der Tagesdepositen des
Jahres 1896 zu erhalten. Das Kesultat ist 318 Millionen; multipliziert man
diese mit 305, der Anzahl der Abrechnungstage, so erhalten wir 97.0 Milliarden
als unsere Schätzungsziffer für die Schecktransaktionen in den Vereinigten
Staaten für das Jahr 1896.

Multipliziert man in der gleichen Weise den schätzungsweisen Umfang
der tatsächlichen Schecktransaktionen in den Vereinigten Staaten am 16. März
1909 (nämlich 1025 Millionen) mit dem Korrektionsfaktor 1.17, so erhalten
wir 1.20 Milliarden als den schätzungsweisen täglichen Durchschnitt der
Scheckdepositen und -transaktionen. Multipliziert man diese Zahl mit 303
(der Zahl der Clearingtage des New Yorker Clearinghauses und der ver-
mutlichen Durchschnittszahl der Bankgeschäftstage des Landes), so er-
halten wir 364 Milharden als Ergebnis der Schätzung der Schecktransaktionen
der Vereinigten Staaten im Jahre 1909.
        <pb n="396" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

373

§ 5 (zum XII. Kapitel, § 3).

Methode zur Berechnung von G' V für die Jahre 1897—1908.

Obwohl die New Yorker Clearings zwei Drittel aller Clearings des ganzen
Landes darstellen, kann man sich doch nicht vorstellen, daß die Scheck-
transaktionen in und um New York zwei Drittel der Schecktransaktionen
der Vereinigten Staaten bilden. Wir haben schon gesehen, daß die für den
16. März 1909 gemeldeten Scheckdepositen in New York 239 Millionen be-
trugen. Diese Zahl, die für New York gilt, ist wahrscheinlich fast vollständig
und zeigt, wie wir gesehen haben, einen schätzungsweisen Durchschnitt von
306 Millionen für die täglichen Depositen in New York City im Jahre 1909
an. Dies ergibt 306 X 303 Millionen oder 93 Milliarden für New York City
für das ganze Jahr. Unsere Schätzung für das ganze Land war 364 Milliarden,
wobei 271 Milliarden für das Land außerhalb New York Citys übrig bleiben.
Vergleichen wir einmal diese schätzungsweisen Ziffern für Scheckdepositen
mit den Zahlen für die Clearings. Die New Yorker Clearings im Jahre 1909
betrugen 104 Milliarden und die außerhalb New Yorks 62 Milliarden.

Die New Yorker Clearings (104) übersteigen daher die New Yorker
Scheckdepositen (93) vermutlich deshalb, weil die Clearings in Anbetracht
der Banken außerhalb der Stadt solche einschließen, die Banktransaktionen
zum Unterschiede von Handelstransaktionen darstellen, da ja New York
City die hauptsächlichste zentrale Beservestadt ist.

Die Depositen der Stadt New York waren so nur oder ungefähr

90 Prozent der New Yorker Clearings. Andrerseits überstiegen die Depo-
siten außerhalb New Yorks die Clearings ganz bedeutend, und zwar im
971

Verhältnis — oder 4.4. Diese Verhältnisziffern zwischen Schecktrans-
62

aktionen und Clearings, nämlich 0.90 für New York und 4.4 für
„draußen“ zeigen an, daß die veröffentlichten Zahlen für Clearings im
Verhältnis 4.4 zu 0.9 oder rund 5 zu 1 zu wiegen sind. Das heißt, das Fünf-
fache der auswärtigen Clearings vermehrt um das Einfache der New Yorker
Clearings müßte auf der Basis der Zahlen für 1909 ein gutes Barometer
der Schecktransaktionen liefern.

Für 1896 fehlen leider die Zahlen für die Depositen der Stadt New York.
Indessen haben wir Ziffern für die Depositen im Staate New York für die
beiden Jahre 1896 und 1909, und das Studium dieser Zahlen zeigt an, daß
das Gewichtsverhältnis für 1896 etwas über 3 zu 1 betragen sollte. Um
es nicht allzugenau zu nehmen, wollen wir das Bewertungsverhältnis 5 zu
1 für alle Jahre benutzen. Der Unterschied in den Resultaten zwischen
        <pb n="397" />
        ﻿374

Anhang zum XII. Kapitel.

dem Verhältnis 5 zu 1 und einem Verhältnis von 3 zu 1 oder irgend einem
dazwischenhegenden Verhältnis ist geringfügig. 5 zu 1 wurde aber gewählt,
1. weil das Material für 1896, auf das die Zahl 3 basiert ist, weniger
sicher ist als das für 1909, und 2. weil die New Yorker Clearings die New
Yorker Depositen nicht so gut repräsentieren wie die auswärtigen Clearings
die auswärtigen Depositen. Die New Yorker Clearings werden ja immer
etwas von einem störenden Element berührt, das nicht zu New York
gehört, und ganz besonders durch die Banktransaktionen, die mit der Ad-
justierung von Bankreserven Zusammenhängen. Wir ziehen deshalb vor,
soviel wie möglich Gewicht auf die „auswärtigen“ Clearings zu legen.

Nachdem wir so unser „Barometer“ der Schecktransaktionen gewonnen
haben, nämlich die New Yorker Clearings plus dem Fünffachen der aus-
wärtigen Clearings, brauchen wir dies nur noch mit dem angemessenen
Verhältnis zu multiplizieren, um die Schecktransaktionen selbst zu erhalten.
Eine absolute Kenntnis dieses Verhältnisses der Schecktransaktionen zum
Barometer besteht nur für 1896 und 1909; für diese Jahre kennen wir näm-
lich die Schecktransaktionen so genau wie das Barometer. Diese Ver-
hältnisziffern sind 0.69 und 0.88. Aber wir können nicht sehr fehl gehen,
wenn wir annehmen, daß die dazwischenliegenden Jahre dazwischenliegende
Verhältniszahlen besitzen, die sich jedes Jahr regelmäßig verändern. Das
Resultat ist die folgende Tabelle:

Clearings als Barometer von Schecktransaktionen.

(1)  Jahr	(2)  New  Yorker  Clearings	(3)  Auswär-  tige  Clearings	(4)  Baro- meter (2)+ 5  X (3)	(5)  Verhältnis der Scheck- transaktion zum Baro- meter	(6) Gr' U'  Schecktrans- aktionen (4) X (5)	(7) U' Umlaufs- geschwindig- keit der Depositen  m (6)
1896		28.9	22.4	140.9	.69	97	36.2
1897		33.4	23.8	152.4	.70	106	37.9
1898		42.0	26.9	176.5	.72	127	39.8
1899		60.8	33.3	227.3	.73'	166	42.6
1900		52.6	33.4	219.6	.75	165	37.5
1901		79.4	39.0	274.4	.76	208	40.6
1902		76.3	41.7	284.8	.78	222	40.9
1903		66.0	43.2	282.0	.79	223	39.1
1904		68.6	43.9	288.1	.81	233	40.2
1905		93.8	50.0	343.8	.82	282	43.1
1906		104.7	55.2	380.7	.84	320	46.8
1907		87.2	57.8	376.2	.85	320	44.9
1908		79.3	53.1	344.8	.87	300	45.5
1909		103.6	62.0	413.6	.88	364	53.9
        <pb n="398" />
        ﻿375

Anhang zum XII. Kapitel.

Wie bereits angegeben, wurden nur die ersten und letzten Zahlen in
Kolonne (5) unabhängig berechnet, während der Rest interpoliert ist.

Die andern Zahlen in der Tabelle erklären sich selbst. Die letzte Kolonne
gibt die ganz bedeutende Größe, die wir die Umlaufsgeschwindigkeit der
scheckfähigen Bankdepositen, oder die „Lebhaftigkeit“ der scheckfähigen
Konten genannt haben. Die wahrscheinlichen Fehler der letzten Kolonne
liegen vermutlich ungefähr zwischen 5 und 10 Prozent.

§ 6 (zum XII. Kapitel, § 4).

Allgemein anwendbare Formel zur Berechnung von U.

I. Eine annähernd richtige Formel.

Um den Geldumlauf in kurzen Umrissen schildern und durch Auf-
zeichnungen in Banken messen zu können, wollen wir die Personen, die
Geld zum Einkauf von Gütern benutzen, in drei Gruppen einteilen:

1.	In kaufmännische Deponenten, zu denen alle Geschäftstreibende,
Firmen, Gesellschaften und andere gehören, welche die Bankdepositen in
der Hauptsache oder gänzlich von persönlichen Kontis getrennt haben.

2.	In alle anderen Deponenten, hauptsächlich Privatpersonen.

3.	In diejenigen, die, den meisten Lohnempfängern gleich, keine
Deponenten sind.

Diese drei Klassen wollen wir durch die Bezeichnungen: „Kaufmän-
nische Deponenten“, „Andere Deponenten“ und „Mchtdeponenten“ oder
K, A und N voneinander unterscheiden. Das im Besitze der „Kaufmänni-
schen Deponenten“ befindliche Geld wollen wir „Kassengeld“ und das
übrige „Taschengeld“ nennen.

Diese drei Gruppen schließen notwendigerweise alle diejenigen des Ge-
meinwesens ein, die Geld in Umlauf setzen. Unter dem Ausdrucke um-
laufendes Geld verstehen wir das im Austausche für Güter und nicht für
irgendein anderes Umlaufsmittel wie z. B. für Schecks ausgegebene Geld.

Die Natur dieser drei Personengruppen muß nun unsere Aufmerksam-
keit in Anspruch nehmen. In Ländern, wo das Bankwesen vorgeschritten ist,
umfassen die „Kaufmännischen Deponenten“ tatsächlich alle Geschäfts-
häuser und sonstige kleine Unternehmungen; zu den „Anderen Deponen-
ten“ gehören die meisten Gewerbetreibenden, Beamte und Eigentümer,
während die Klasse der „Nichtdeponenten“ mit derjenigen der Lohn-
empfänger fast gleichbedeutend ist.

Freilich ist diese Einteilung in drei verschiedene Klassen durchaus
nicht vollständig. Bei den „Kaufmännischen Deponenten“ z. B. sind die
        <pb n="399" />
        ﻿376

Anhang zum XII. Kapitel.

kleinen Händler, wie die Straßenverkäufer, nicht inbegriffen, denn diese
haben gewöhnlich kein Bankkonto. Doch ist deren Zahl verhältnismäßig
klein im Vergleich zu der Anzahl der Geschäftsleute oder Gesellschaften,
die Konti haben, und was hier mehr in Betracht kommt, ihr Geschäfts-
umfang ist viel kleiner. Daraus folgt, daß das von ihnen ausgegebene
Geld kaum Beachtung verdient. In den Vereinigten Staaten wenigstens,
mit Ausnahme der ländlichen Distrikte im Süden und einiger weniger
Plätze, wo die Geldausgaben sehr gering sind, ist die Einrichtung von
Bankdepositen sozusagen allgemein.

Ein Bankkonto zu haben ist in der Tat für den Geschäftsmann eine
praktische Notwendigkeit. Ohne ein solches Konto beraubt er sich selbst
dreier wichtiger Hilfsmittel im modernen Geschäftsleben, nämlich: der
Benutzung des Zirkulationskredits, der Einrichtung von Zahlungen durch
die Post, und des Vorteils des Zeitkredits.

Wofern ein Kaufmann nicht genötigt ist, sofort bar zu bezahlen, oder
wenn er diese Zahlungsweise vorzieht — und solcher Fälle gibt es sowohl
hinsichtlich der Zahl als auch der Bedeutungslosigkeit des involvierten
Geldbetrages nur wenige — so wird er es fast immer leichter finden, seine
Zahlungen durch Scheck vorzunehmen. Überdies macht gerade die Tat-
sache, daß die meisten anderen Geschäftsleute Bankeinrichtungen benutzen,
den Wunsch in ihm rege, ebenfalls ein Konto zu besitzen, nicht nur, weil
er den anderen nicht „nachstehen“ will, sondern weil er es notwendig findet,
die ihm an Geldesstatt gesandten Schecks einzukassieren, eine Prozedur, die
immer mit größeren Schwierigkeiten verknüpft ist, als Schecks zu deponieren.

Barzahlungen sind besonders dann unbequem, wenn Geschäfte auf
größere Entfernung abgeschlossen werden. Geld durch die Post, per
Expreß oder durch persönliche Überbringung zuzustellen, ist mühsam,
riskant und kostspielig im Vergleich zur Übersendung eines Schecks durch
Brief. Selbst die Geldanweisung durch die Post ist ein umständlicher und
teurer Ersatz und ihre Verwendung macht den Gebrauchenden finanziell
zu einem unbedeutenden Faktor.

Schließlich kann ein Geschäftsmann ohne Bankkonto gewöhnlich weder
von Händlern noch von Banken Zeitkredit erlangen. In den Vereinigten
Staaten gewähren die Banken in der Regel nur ihren eigenen Deponenten
Anleihen. Ein Geschäftsmann, der eine Bankanleihe zu machen wünscht,
wird gewöhnlich aufgefordert, bei der betreffenden Bank ein Konto zu
eröffnen. Wenn er einen anderen Händler um eine Anleihe ersuchen
wollte, z. B. seinen Lieferanten, so würde das Fehlen eines Bankkontos
Zweifel über seinen geschäftlichen Ruf auf kommen lassen, und eine
Weigerung zur Folge haben.
        <pb n="400" />
        ﻿*&gt;•

Diese Tatsachen, die durch Beobachtungen und Nachfragen bestätigt
werden, haben zu der Überzeugung geführt, daß eigentlich alle Geschäfte
in den Vereinigten Staaten, sicherlich aber über 99 Prozent (nicht nach
deren Zahl, sondern nach dem Gesamtumfang gemessen) mittels des bank-
mäßigen Zahlungsverkehrs ausgeführt werden. Sogar in Orten, wo sich
keine Banken befinden, ziehen es die Händler vor, ein Bankkonto in der
ihnen am nächsten liegenden Stadt zu haben, um als Käufer ihre Geschäfte
bequemer abwickeln zu können. Wir schließen daher, daß, für alle prakti-
schen Zwecke, die Kategorie der „Kaufmännischen Deponenten“ mit der
Kategorie der Handelshäuser zusammenfällt.

„Andere Deponenten“ umfassen zumeist Eigentümer, Gewerbsleute und
Angestellte. Lohnempfänger, Handelsleute oder Geschäftsunternehmungen
in kaufmännischem Sinne werden hier selten eingeschlossen. Wenn ein
einzelner Mann ein Geschäft leitet, so trennt er gewöhnlich sorgfältig sein
geschäftliches und sein persönliches Ich. Die Person Johann Schmidt und
das Geschäft Johann Schmidt sind voneinander verschieden. Das Taschen-
geld des einen und das Kassengeld des anderen werden selten durcheinanderge-
worfen. Geldzahlungen, welche von dem einen an den anderen gemacht werden,
tragen genau denselben Charakter .wie die Zahlungen des Geschäftes an
irgendeine andere Person. Ursprünglich und unter primitiven Verhält-
nissen wurde natürlich eine solche Unterscheidung nicht vorgenommen und
mitunter geschieht dies auch heutzutage nicht, wie es z. B. bei Hökern,
Hausierern, Obstverkäufern und kleinen Landkrämern der Fall ist. Wie
wir aber gesehen haben, gehören diese Personen eigentlich nicht zu den
Deponenten. Zudem ist ihre Zahl nur gering und da nach der Natur ihres
Geschäftes das von ihnen umgesetzte Geld nur unbedeutend ist, so ist für
praktische Zwecke deren Einreihung kein Gegenstand von Bedeutung.
Es mag dann und wann Vorkommen, daß gewöhnliche Kaufleute, die die
ausschließliche Verwaltung ihrer Geschäfte innehaben, ihr Geschäftskonto
und ihr Personenkonto nicht besonders trennen. Doch können wir in diesen
Fällen die Trennung in Gedanken vornehmen. Wenn ein solcher Mann aus
seinem Schranke Geld herausnimmt und es in seine Tasche steckt, so können
wir sagen, daß sein geschäftliches Ich an sein persönliches Ich Dividende
gezahlt hat. In gleicher Weise sind seine gezogenen Schecks gewöhnlich
so unterscheidbar, wie seine geschäftlichen oder seine persönlichen Aus-
gaben, selbst wenn er es unterläßt, zwei separate Bankkonti zu führen.
Solche Fälle sind jedoch selten und von keiner Bedeutung, weil jedes größere
moderne Geschäft von Teilhabern und Gesellschaften geleitet wird, wo ein
striktes Auseinanderhalten der Konti notwendig ist, um die gegenseitigen
Interessen zu schützen.
        <pb n="401" />
        ﻿378

Anhang zum XII. Kapitel.

So viel nun über die Grenzlinie zwischen „Anderen Deponenten“ und
„Kaufmännischen Deponenten“. Was die Grenzlinie zwischen „Anderen
Deponenten“ und „Nichtdeponenten“ anbelangt, so ist zu beachten, daß
„Andere Deponenten“ die meisten Eigentümer, Gewerbsleute und Beamte
einschließen; doch sind manche Eigentümer und Gewerbetreibende, beson-
ders in ländlichen Gemeinwesen, und manche Gehaltsempfänger, haupt-
sächlich die kleinen Angestellten, zu den „Nichtdeponenten“ zu rechnen.

„Nichtdeponenten“ endlich setzen sich in der Hauptsache aus allen
jenen zusammen, die in den Statistiken als Lohnempfänger bezeichnet
werden. Wenn es aber doch Deponenten unter ihnen gibt1), so ist deren
Zahl sehr gering, und während es andererseits „Nichtdeponenten“ gibt, die
nicht als Lohnempfänger betrachtet werden können, besonders (wie eben
erwähnt) die Besitzer von Landwirtschaftsgrundstücken (Landwirte) und
kleine Angestellte, so ist das von ihnen umgesetzte Geld im Vergleich zum
Gesamtumlauf sehr gering. Während die Grenzlinie zwischen Löhnen und
Gehältern in der Theorie nicht besonders scharf gezogen wird, ist sie doch
in der Praxis leicht festzustellen.

Kinder unter etwra zwölf Jahren können nicht in eine der drei Kategorien
eingereiht werden, da sie mit Geld nicht umgehen, wenigstens nicht bis zu
einem Grade, daß dies einen nennenswerten Einfluß auf den Gesamtumlauf
ausübt.

Wir können nun die Hauptläufe des Geldstromes, einschließlich des im
Austausch für Güter zirkulierenden Geldes, in konkreter Weise darstellen.
Figur 18 veranschaulicht die drei Haupttypen.

Die Ecken des Dreiecks, K, A und N, repräsentieren die drei Gruppen:
„Kaufmännische Deponenten“, „Andere Deponenten“ und „Nichtdeponen-
ten“, und die B repräsentieren die Banken. Die Pfeile stellen den Geld-
strom einer jeden der vier Kategorien zu den anderen dar. So bezeichnet Ba
die jährlichen Entnahmen aus den Banken durch „Andere Deponenten“,
Aj. den Aufwand dieses entnommenen Geldes durch „Andere Deponenten“
an „Kaufmännische Deponenten“ und Kb die Rückkehr des Geldes von den
„Kaufmännischen Deponenten“ in die Banken. Dieser Kreislauf (Ba Ak Kb)
dreier Glieder ist ganz allgemein. Eine zweite Type des Kreislaufes ist
durch eine Kette von vier Pfeilen dargestellt (Ba An N}. Kb), welche die
Privatdeponenten illustrieren, die das den Banken entnommene Geld Ba als
Lohn in die Hände der Dienstboten gelangen lassen (An), von denen es

r) Der hier verwendete Ausdruck „Deponenten“ schließt natürlich nicht die Ein-
leger in Sparkassen ein. Eine Sparkasse ist eigentlich keine Depositenbank, welche für
den Umlaufskredit sorgt.
        <pb n="402" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

379

wiederum an Kaufleute ausgegeben wird (Nk), die es schließlich deponieren
(Kb). Eine ebenfalls vierfache dritte Type des Kreislaufes ist durch die
Pfeile Bk Kn Nk Kb dargestellt. Darunter verstehen wir kaufmännische
Firmen, welche die für die Gehaltsliste nötigen Schecks in den Banken ein-
kassieren (Bk), um mit dem so erhaltenen Gelde die Gehälter an die Ange-
stellten auszuzahlen (Kn), von denen das Geld wieder an Handeltreibende
(Nk) abgegeben wird, welche es von neuem in den Banken deponieren (Kb).
Diese drei Typen sind nicht die einzigen, haben aber eine viel größere Be-
deutung als andere, so daß wir ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit
widmen müssen, bevor wir auf ein gründlicheres Studium eingehen.
Figur 18 wurde konstruiert, um dieselben ohne Komplikation durch an-
dere Details klar darzustellen.

Es ist zu bemerken, daß nicht alle der hier beschriebenen Ströme Bei-
spiele der Geldzirkulation sind. Wie bereits angedeutet, versteht man unter
Zirkulation des Geldes den Austausch des letzteren gegen Güter. Sein Ein-
tritt in die Banken und sein Austritt aus den Banken ist ein Strom, nicht
aber eine Zirkulation gegen Güter. In dem Diagramm stellen die wagerechten
Pfeile bloße Bankoperationen und nicht die wirkliche Zirkulation dar. Das
Diagramm zeigt vier solcher Pfeile, welche die vier Haupttypen der Zirkula-
tion repräsentieren, nämlich: Ak Geldzahlungen der „Anderen Deponenten“
an „Kaufmännische Deponenten“ im Einkauf von Gütern; An Zahlungen
seitens der „Anderen Deponenten“ an „Nichtdeponenten“, wenn z. B. eine
Hausfrau Löhne zahlt; Kn Zahlungen der „Kaufmännischen Deponenten“
an „Nichtdeponenten“, wenn Firmen Gehälter auszahlen; und Nk Zahlungen
seitens der „Nichtdeponenten“ an „Kaufmännische Deponenten“, wenn
Lohnempfänger vom Kaufmann Ware kaufen.

Diese vier Typen der Geldzirkulation gehen in den bereits beschriebenen
drei Kreisläufen vor sich und spielen sich zwischen den Strömen von und in
die Banken ab. Die erste, Ak, befindet sich innerhalb des Kreislaufes Ba Ab
Kb und, da „Nichtdeponenten“ hier nicht in Betracht kommen, repräsen-
tiert dieselbe zwischen Entnahme und Wiedereinlage in die Banken einmal
ausgetauschtes Geld. Die verbleibenden Typen (An, Kn und Nk) bewegen
sich innerhalb der beiden anderen Kreisläufe (Ba An Nk Kb und Bk Kn Nk Kb
und repräsentieren gemäß der Tatsache, daß hier „Nichtdeponenten“ auf-
treten, zwischen Entnahme und Wiedereinlage zweimal zirkulierendes Geld.

Kurz zusammengefaßt zeigt einer der drei Kreisläufe (Ba Ak Kb) außer-
halb der Banken einmal zirkulierendes Geld. Die beiden anderen gehen durch
N und zeigen außerhalb der Banken zweimal zirkulierendes Geld. Das
Diagramm stellt somit alles umlaufende, aus den Banken kommende und
        <pb n="403" />
        ﻿380

Anhang zum XII. Kapitel.

Ln die Banken gehende Geld dar. In seiner Gesamtheit zirkuliert es in der
Zwischenzeit zum wenigsten einmal, und jener Teil, der von den „Nicht -
deponenten“ ausgegeben wird, zirkuliert außerdem noch einmal. Der Gesamt-
umlauf übersteigt daher den Gesamtstrom aus und in die Banken um den
Betrag, der durch die Hände der „Nichtdeponenten“ geht. Mit anderen
Worten: der Gesamtumlauf in dem Diagramm besteht einfach aus der
Summe der jährlichen Geldmenge, die ihren Weg aus und in die Banken
nimmt, und aus dem durch die Hände der „Mchtdeponenten“ gehenden
Gelde. Der Quotient aus der Division dieser Summe dividiert durch den

Betrag des in Umlauf befindlichen Geldes ergibt die ungefähre Umlaufs-
geschwindigkeit des Geldes.

II. Die vollständige Formel.

Wir haben aber noch die vorzunehmenden Korrekturen für die weniger
bedeutenden Formen des Geldumlaufs zu berücksichtigen, die in Figur 18
nicht enthalten sind.

Um den Grad der Genauigkeit des ersten Näherungswertes, den wir
soeben für den Geldumlauf bestimmt haben, abzuschätzen, müssen wir diesen
Näherungswert mit einer vollständigen Formel vergleichen, die so gestaltet
sein muß, daß sie alle möglichen Arten der Übertragung des Geldes gegen
        <pb n="404" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

381

Güter umfaßt1). Es gibt neun mögliche Arten der Übertragung, von denen
sich drei innerhalb jeder einzelnen der drei Gruppen. K, A und N, und sechs
zwischen jedem Paare dieser drei Gruppen nach jeder Richtung befinden.

Innerhalb einer Klasse sind folgende Austausche möglich: 1. der Aus-
tausch zwischen einem „Kaufmännischen Deponenten“ und einem anderen
„Kaufmännischen Deponenten“; 2. der zwischen einem „Anderen Deponen-
ten‘! und einem anderen, und 3. der zwischen einem „Nichtdeponenten“ und
einem anderen. Die zwischen den Klassen möglichen Übertragungen sind

4.	und 5. die zwischen „Kaufmännischen Deponenten“ und „Anderen Depo-

nenten“ in beiden Richtungen; 6. und 7. die zwischen „Anderen Deponenten“
und „Nichtdeponenten“ in beiden Richtungen, und 8. und 9. die zwischen
„Nichtdeponenten“ und „Kaufmännischen Deponenten“ in beiden Rich-
tungen. So gibt es drei innerhalb der Klassen befindliche und sechs zwischen
den Klassen befindliche Arten der Übertragung des Geldes gegen Güter. i)

i) Das heißt, alle Übertragungen innerhalb des unserer Betrachtung zugrunde liegen-
den Gemeinwesens. Wenn es erwünscht ist, die exportierten und importierten Summen
des Außenhandels als Teil der Zirkulation dieses Gemeinwesens einzuschließen, so können
diese am bequemsten am Schlüsse hinzugefügt werden. Doch selbst wenn solche Summen
eingeschlossen werden, sind sie von nur geringer Bedeutung, teils weil der Außenhandel
im Vergleiche zum Binnenhandel gewöhnlich sehr gering ist und teils weil im Außenhandel
sehr wenig Geld verwendet wird, besonders wenn wir Barrenmetall nicht in die Kategorie
des Geldes aufnehmen.
        <pb n="405" />
        ﻿382

Anhang zum XII. Kapitel.

Figur 19 gibt ein vollständiges Bild dieser neun Geldströme im Aus-
tausche für Güter, das heißt, von der gesamten „Geldzirkulation“. Diese
neun Ströme sind in dem Diagramm durch neun um das Dreieck gehende
Pfeile dargestellt, von denen sich sechs längs der drei Seiten befinden, welche
die zwischen den Klassen stattfindende Zirkulation darstellen, während die
drei Pfeile an den Ecken (k, a und n) die innerhalb der Klassen statt-
findende Zirkulation darstellen. Die übrigen den wagerechten Linien ent-
lang gehenden sechs Pfeile stellen natürlich bloße Bankoperationen dar.
Der Gesamtumlauf oder der im Austausch gegen Güter stattfindende Geld-
strom (8) ist demnach die Summe der durch die neun Pfeile dargestellten
Größen, nämlich:

(1)	S = Ak + Ka + Nk + Kn + An + Na + -k + a + n.

Dies ist eine genaue Formel für den Geldumlauf. Wir wollen dieselbe
nun mit dem ungenauen ersten Näherungswert, nämlich mit dem deponierten
Gelde, plus dem Aufwand der „Nichtdeponenten“, vergleichen. Dieser
Vergleich wird den Fehler des ersten Näherungswertes darstellen und uns
eine Methode zur Umwandlung der genauen Formel (1) in eine für statistische
Verwendung geeignetere Form an die Hand geben. Zunächst müssen wir den
ersten Näherungswert algebraisch ausdrücken. Dies kann durch aufmerk-
same Betrachtung der Figur 19 leicht geschehen. Das gesamte deponierte
Geld ist Kb + Ab + Nb, während der Gesamtaufwand der „Nichtdeponen-
ten“ Nk + Na ist. Die Summe dieser beiden Ausdrücke wollen wir 8'
nennen. Der algebraische Ausdruck für den ersten Näherungswert ist
demnach:

(2)	8,=&gt;Kb + A^ + Nh + Nt + Na.

Um den Unterschied, S — S' zwischen der genauen und der annähern-
den Formel zu erhalten, subtrahieren wir (2) von (1), indem wir Nk und
Na streichen und den negativen Ausdruck zuerst setzen. Wir erhalten so
als Rest (r) das Folgende:

(3) r = S — 8' = — Kb — Ab — Nb -f- Ak + Ka + Kn + An k -f- a + n.

Daß der Wert von 8 — S' gering ist, kann man durch Verwandlung von (3)
deutlich ersehen. Wir werden ihn mit Hilfe einer anderen, unten darge-
stellten Gleichung (4) übertragen. Um diese neue Gleichung abzuleiten,
müssen wir uns eine Abschweifung gestatten. Die neue Gleichung ist ledig-
lich eine spezielle Anwendung des allgemeinen Grundsatzes, daß der Netto-
abfluß (d. h. Abfluß minus Zufluß) des Inhalts eines Reservoirs gleich sein
muß der Nettoabnahme seines Inhaltes während derselben Zeit, oder
        <pb n="406" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

383

(algebraisch ausgedrückt), daß der Nettoabfluß (positiv oder negativ), plus
der Nettozunahme des Inhaltes (negativ oder positiv), Null sein muß. Wir
können diesen Grundsatz auf irgendein Reservoir oder Geldlager anwenden,
doch ist es hier am zweckmäßigsten, ihn auf das Geldreservoir anzuwenden,
welches die „Kaufmännischen Deponenten“ und, „Nichtdeponenten“ in einer
Gruppe vereinigt. Die Kombination dieser beiden wollen wir als „KN-
Gruppe“ bezeichnen. Der in dem Diagramm von dieser Gruppe angezeigte
Gesamtabfluß ist offenbar Kb + Ka + Nb + Na, und der Gesamtzufluß ist
Bk + Ak + Bn 4- An. Soweit das Diagramm anzeigt, ist also der Netto-
abfluß:

Kb + Ka + Nb + Na-Bk-Ak-Bn-An.

Dieser plus dem Nettoabfluß, der in dem Diagramm nicht angezeigt wurde,
ist dann der wirkliche Nettoabfluß. Da das Diagramm nur zu dem Zwecke
konstruiert wurde, Ströme gegen Güter (Geldzirkulation) und Ströme aus
und in die Banken darzustellen, so haben wir noch das in das Gemeinwesen
im Austausch für andere Dinge als Güter fließende Geld und sowohl das,
welches ohne jedweden Austausch fließt, als auch den Nettoabfluß außerhalb
des Gemeinwesens in Berücksichtigung zu ziehen.

Wir haben somit drei im Diagramm nicht dargestellte Flüsse zu berück-
sichtigen. Der erste ist der Nettoabfluß des Geldes von der „KW-Gruppe“
zur „A-Gruppe“, der, wohl im Austausch, nicht aber im Austausch gegen
Güter stattfindet. Dies bedeutet lediglich einkassierte Schecks, denn gemäß
der hier vorgenommenen Klassifizierung verstehen wir unter „Gütern“ alles
Austauschbare mit Ausnahme von Geld oder Schecks. Unsere erste Kor-
rektur ist daher der Nettoabfluß des Geldes für von der „KW-Gruppe“ kas-
sierte Schecks, d. h. die Differenz zwischen den von der „KW-Gruppe“ für
die „A-Gruppe“ kassierten Schecks und den in entgegengesetzter Richtung
kassierten Schecks.

Es ist klar, daß wir hier nichts mit der Einkassierung von Schecks in
Banken zu tun haben, denn dies ist in dem Diagramm (Ba, Bn und Bk) in-
begriffen. Auch haben wir hier mit der Einkassierung von Schecks innerhalb
der „KW-Gruppe“ nichts zu tun, wenn z. B. ein Ladeninhaber einen ihm
von einem „Nichtdeponenten“ präsentierten Scheck kassiert. Es handelt
sich hier nur um den Nettoabfluß kassierter Schecks von KN nach A. Diesen
Nettoabfluß (der positiv, negativ oder Null sein kann), wollen wir durch den
Buchstaben g bezeichnen, der den Begriff „Gefälligkeits“-Schecks ausdrückt.

Hinsichtlich der zweiten Korrektur haben wir den Nettoabfluß von
durch die „KA7-Gruppe“ für Geschenke, Steuern, Diebstähle usw. hinge-
        <pb n="407" />
        ﻿384

Anhang zum XII. Kapitel.

gebenen Geldes zu bestimmen, gegen welches spezifische Güter nicht herein-
kommen. Dieser Nettoabfluß soll mit ln bezeichnet werden.

Drittens ist noch der seitens der AW-Gruppe außerhalb des Gemein-
wesens stattfindende Nettoabfluß aufzuführen, d. h. der Nettobetrag des
durch den Export, durch Feuer, Schiffbruch, Schmelzen usw. dem Lande
verlorengehenden Geldes, soweit dieser Betrag das durch den Import herein-
kommende Geld, neues Ausmünzen usw. überschreitet. Diesen „äußeren“
Nettoabfall bezeichnen wir mit a. Wenn wir den im Diagramm nicht dar-
gestellten Nettoabfluß {g + h + a) zu dem im Diagramm vertretenen Netto-
abfluß addieren, so erhalten wir als Gesamtnettoabfluß

-K&amp; + Ka -J- Nb -(- Na — Bk — At Bn An -f- g + Ji -j- a.

Nun muß nach dem bereits erklärten Reservoirprinzip die algebraische
Summe dieses Nettoabflusses von der „AN-Gruppe“ und der Netto-
zunahme des Geldes in dieser Gruppe Null sein. Wenn wir diese Netto-
zunahme durch z ausdrücken, so ergibt dies

(4) A — Kb + Ka + Nb + Na — Bk — Ak — Bn — An + g + h + a + z.

Wir setzen nun diese Gleichung (4) unter die frühere (3), indem wir den
Wert von r = S — 8' in der folgenden Weise geben:

r — — C%b) — Ab — (Nb)	+ (Aj.) + Ka + %-n + (^-n)

+ Ä + fl+ m

« = (Kb) + Ka + (Nb) +Na-Bk- (Ak) -Bn	- (An)

+ 9' + ^ + ® +2.

Wenn wir die in Klammern stehenden Glieder (3) und (4), addieren
und wegstreichen, und die verbleibenden Glieder neu anordnen, so er-
halten wir

(3)' r = 8-8’ = (Ka + Kn-Bk) + (Ka + Na- At) + (k + a + n)

+ (9 + ^ + a) + z —

Die Buchstaben wurden in Klammern gruppiert und bilden sechs Aus-
drücke, die, soweit wir beurteilen können, in der Reihenfolge absteigender
Bedeutung geordnet sind.

Unter Benutzung des eben erhaltenen Ausdruckes für r kann die voll-
ständige Formel (1) für die Zirkulation des Geldes nun in die geeignete
Form für statistische Verwendung gebracht werden. Da r = S—S', so
ist 8 = 8' + r. Wenn wir für 8' und r den schon in den Gleichungen
(2) und (3)' gegebenen Ausdruck einsetzen, so erhalten wir als Umformung
von (1),
        <pb n="408" />
        ﻿Anhang zum XIT. Kapitel.

385

8 = S' + r

= (&amp;b + Ah + Nb) + (N k + N a)

+ (Ka + Kn — Bk) + (Ka + Na Ab) ~\-{k-\-a-\-n)-\-{g-\-h-\-a)
(1)'	+* — Bn

= (1) alles deponierte Geld.

+ (2) Geldausgaben der „Nichtdeponenten“,

+ (3) Ks Geldausgaben aus Ladenkassen (d. h. Geldausgaben, die
zu dem den Banken entnommenen Gelde noch hinzukommen),

+ (4) A’s unter der Hand empfangene Geldeinnahmen (d. h. Geld-
einnahmen, die zu dem in den Banken deponierten Gelde noch
hinzukommen),

-f (5) innerhalb der verschiedenen Klassen stattfindender Geldumlauf,

+ (6) KN’s Nettogeldabfluß, im Diagramm nicht dargestellt,

+ (7) KN’s Nettozunahme des zur Verfügung gehaltenen Geldes,

— (8) seitens N den Banken entnommenes Geld.

Dies ist eine vollständige und allgemeine Formel für den Geldumlauf
eines Gemeinwesens. Ihre ersten beiden Glieder bilden den ersten Näherungs-
wert und die anderen sechs Glieder bilden r, welches das „Kestglied“ genannt
werden kann.

Das erste und zweite Glied sind die allerwichtigsten. Die letzten
drei Glieder, das sechste, siebente und achte, sind unter allen in Betracht
kommenden Umständen zweifellos ganz ohne Belang. Ich darf wohl auch
mit Sicherheit annehmen, daß sich in den Vereinigten Staaten das dritte,
vierte und fünfte Glied auf weniger als zehn Prozent, ja höchstwahrscheinlich
auf weniger als fünf Prozent der Gesamtsumme beläuft. Das vollständige
Weglassen aller Glieder mit Ausnahme der ersten beiden würde daher
noch immer eine ziemlich genaue Zahl für die gesamten 8 geben, denn jeder-
mann, dem die Ungenauigkeit der Statistiken bekannt ist, weiß, daß ein
Irrtum von 5 oder 10 Prozent als unbedeutend betrachtet werden kann,
besonders bei einer Größe, die bisher außer dem Bereich aller Meßversuche lag.

Wir können also bei unseren Näherungswerten drei aufeinanderfolgende
Stadien unterscheiden. Der erste Näherungswert umfaßt nur die ersten
beiden Glieder, nämlich deponiertes Geld plus Ausgaben seitens der „Nicht-
deponenten“; der zweite enthält außerdem die Glieder (3), (4) und (5),
nämlich die aus Ladenkassen gedeckten Geldausgaben von K, seitens A ein-
genommene Geldeingänge, und den innerhalb der Klassen stattfindenden
Geldumlauf, während der dritte durch den Einschluß der Glieder (6), (7)
und (8), von denen keines praktische Bedeutung besitzt, absolut vollständig
wiedergegeben wurde. Wir haben die Formel vollständig dargelegt, damit

Fisher, Kaufkraft des Geldes.	25
        <pb n="409" />
        ﻿386

Anhang zum XII. Kapitel.

dieselbe eine Diskussion und Untersuchung der Frage veranlassen und ins-
besondere klarstellen möge, inwieweit diese Formel auf Länder angewendet
werden kann, in denen das Material für die ersten beiden Glieder, nämlich
für das deponierte Geld und für die Ausgaben der „Nichtdeponenten“,
vorhanden ist. Ersteres ist in den meisten Kulturländern vornehmlich
Gegenstand täglicher Aufzeichnung, und letzteres besteht in der Hauptsache
aus Löhnen, einer Größe, welche schon seit langer Zeit mit Vorliebe zu
statistischen Schätzungen genommen wurde.

§ 7 (zum XII. Kapitel, § 4).

Anwendung der Formel zur Berechnung von TJ für die
Jahre 1896 und 1909.

Wir wollen nun die Verwendung unserer Formel an den für die Ver-
einigten Staaten gegebenen Zahlen erläutern. Der Bericht des Comptrollers
of the Currency für das Jahr 1896, auf den bereits verwiesen wurde, und der
Spezialbericht der National Monetary Commission für das Jahr 1909 geben
uns eine Grundlage zur Abschätzung des ersten Gliedes (Kb -f- Ab + Nb),
des jährlichen in diesen beiden Jahren in den Banken deponierten Geldes.
Beide Berichte wurden unter der Leitung von Professor David Kinley von
der Universität Illinois erstattet. Wir wollen zunächst die Zahlen für das
Jahr 1896 betrachten. Das gesamte, an dem dem 1. Juli 1896 nächst-
gelegenen Abrechnungstage in den Banken deponierte Geld betrug 7.4 Pro-
zent der Gesamtdepositen aller Art. Die Gesamtsumme aller Bericht er-
stattenden Banken betrug 303 Millionen, von denen 7.4 Prozent die Summe von
$ 22 400000 ausmachen. Über $ 16 200 000 waren bei 3474 Nationalbanken, und
der Rest bei 2056 anderen Banken deponiert. Dem Berichte des Comptrollers
zufolge gab es damals im Lande insgesamt ungefähr 13 000 Banken. Auf
Grund dieser Zahlen versuchte der Comptroller die (Einzel-)Depositen aller
Art für alle 13 000 Banken abzuschätzen, indem er annahm, daß das Durch-
schnitts-Depositum dieselbe Höhe habe, wie das der Banken auf dem Lande,
von denen Berichte Vorlagen. Bei Banken an Orten mit 12 000 Einwohnern
oder weniger betrug dieser Durchschnitt $ 2375. Wenn wir diesen Durch-
schnitt auf die nicht Bericht erstattenden Banken anwenden, so erhöhen sich
die Einzeldepositen (in Höhe von $ 26 500 000) um weitere $ 17 800 000.

Wenn wir dasselbe Zunahmeverhältnis auf die gesamten GeMdepositen
anwenden, so erhöht sich die Summe von 22.4 Millionen um 15.0 Millionen,
was eine Gesamtsumme von 37.4 Millionen als das an dem dem 1. Juli 1896
nächsten Abrechnungstage in den Banken deponierte Geld ergibt. Diese
Zahl repräsentiert wenigstens annähernd den ungefähren Zufluß des Geldes
        <pb n="410" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

387

in die Banken und daher auch den Abfluß desselben aus den Banken des
Landes. Multiplizieren wir nun diese Zahl mit 305, der Anzahl der jährlichen
Abrechnungstage, so erhalten wir 11.4 Milliarden als Gesamtbetrag des
jährlich deponierten Geldes. Die für den dem 1. Juli nächstgelegenen Ab-
rechnungstag gegebenen Zahlen stehen höchstwahrscheinlich über dem
Tagesdurchschnitt des Jahres. So ist die Zahl 11.4 mehr eine obere Grenze
als eine Schätzung. Später werden wir auch eine untere Grenze ansetzen.

Vorstehende Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1896. Ähnliche Be-
rechnungen für das Jahr 1909 wurden von Professor David Kinley1) mit
Unterstützung von Professor Weston vorgenommen. Es ergab sich, daß das
im Jahre 1909 deponierte Geld 19,1 Milliarden betrug * 2).

Wenn es aber in Anbetracht dessen, daß die gewählten Tage eine Aus-
nahme bilden (siehe § 4 dieses Anhanges), notwendig erscheint, eine Be-
richtigung der Zahlen für die Sc/iecfcdepositen der Jahre 1896 und 1909
vorzunehmen, so müssen auch die Zahlen für die GeMdepositen berichtigt
werden. Am 1. Juli 1896 müssen viele Junirechnungen sowohl in bar als
auch per Scheck bezahlt worden sein, und am 16. März 1909, also in der
Mitte des Monats, müssen die Geld- und Scheckzahlungen eine große Ab-
nahme gezeigt haben. Den gesamten Scheckdepositen gleich, müssen daher
die am 1. Juli 1896 vorgenommenen gesamten Gelddepositen aller Vermutung
nach über dem Tagesdurchschnitt des Jahres 1896, und am 16. März 1909
unter dem Tagesdurchschnitt des Jahres 1909 gestanden haben. Mit anderen
Worten: Die Zahl, welche die Geldzirkulation für das Jahr 1896 darstellt,
würde ohne Berichtigung in bezug auf die Abnormität der gewählten Tage
zu hoch und diejenige für 1909 zu niedrig sein. Das heißt, ohne eine der-

D Siehe „Note on Professor Fishers Formula for Estimated Velocity of Circulaiion of
Money“. Publications American Statistical Association, März 1910. Die Berechnungen
basieren auf Angaben, die der wertvollen Monographie von Kinley über „Credit Instruments“
(Reports of National Monetary Commission, 61. Kongreß, 2. Session, Doc. No. 399) ent-
nommen wurden.

2) Kinley gibt 18.3 an. Der Unterschied ist darauf zurückzuführen, daß Kinley die
täglichen Depositen wohl auf 62.9 schätzt, diese Zahl aber bei seinen Berechnungen auf
60 Millionen abrundet. Es ist jedoch praktischer, die Schätzung in voller Zahl zu
nehmen und etwaige Irrtümer lieber am Schlüsse als am Anfänge zu berücksichtigen.
Auch nimmt Kinley 305 Abrechnungstage per Jahr, also dieselbe Anzahl, welche
Kemmerer für das Jahr 1896 benutzt. Von Herrn Gilpin vom New Yorker Clearing
House erfahre ich aber, daß das Clearing House im Jahre 1896 305 Geschäftstage hatte,
während das Jahr 1909 nur 303 solcher Tage aufwies. Ich habe daher für das Jahr 1909
um- 303 Abrechnungstage genommen. 62.9 Millionen mit 303 multipliziert ergeben
demnach 19.1 Milliarden.

25*
        <pb n="411" />
        ﻿388

Anhang zum XII. Kapitel.

artige Berichtigung würden unsere Berechnungen für das Jahr 1896 nur
eine obere Grenze und für das Jahr 1909 eine untere Grenze setzen.

Doch können wir mit Leichtigkeit die entgegengesetzten Grenzen fest-
setzen. Es ist ziemlich sicher, daß die Gelddepositen weniger vom Durch-
schnitt abweichen als die Scheckdepositen, denn man kann unmöglich an-
nehmen, daß die täglichen Gelddepositen ebensogroßen Schwankungen
unterworfen sind, wie die täglichen Scheckdepositen. Tatsächlich übt die
Periodizität der Scheckeingänge seitens der Deponenten (in Form von
Gehalt, Zinsen oder Dividendenschecks) oder die Periodizität des den De-
ponenten gewährten Kredits (Geschäftsleuten, die Monatsrechnungen aus-
stellen) auf alle Scheckzahlungen einen großen Einfluß aus. Wenn die den
Schwankungen unterworfenen Geldzahlungen auch mehr oder weniger
gleichartig sind, so ist doch deren Umfang aus zwei Gründen ein viel geringe-
rer: Erstens sind dieZahlungs- oder Kreditzyklen, welche auf die Schwankun-
gen der Gelddepositen Einfluß haben, gewöhnlich von kürzerer Dauer als
diejenigen, welche auf die Schwankungen der Scheckdepositen einwirken.
Der Lohnempfänger wird gewöhnlich wöchentlich ausbezahlt, eine Gehalt
beziehende Person empfängt ihren Scheck monatlich, während ein Aktien-
inhaber seine Dividenden vierteljährlich erhält. Zweitens haben, im Gegen-
satz zu Scheckzahlungen, viele, wenn nicht die meisten Geldzahlungen,
keinen Zahlungs- oder Kreditzyklus. Bei den sogenannten „Kasse“-Zahlun-
gen ist keinerlei Kredit involviert. Die Eingänge großer Warenhäuser, bei
denen in bar bezahlt wird, die kleineren Eingänge gewöhnlicher Kaufläden,
die Eingänge an Eisenbahnen, Straßenbahnen und Dampfschilfbureaus, die
Eingänge an Theaterkassen und bei den verschiedenen Institutionen be-
finden sich fast ausschließlich auf der Basis der Barzahlung. Aus derartigen
Etablissements werden daher täglich und ziemlich gleichmäßig Geldbeträge
deponiert. Dies sind alltägliche und von Bankiers bestätigte Vorgänge, aus
denen mit Bestimmtheit hervorgeht, daß die Gelddepositen Tag für Tag
eine größere Gleichmäßigkeit zeigen als die Scheckdepositen. Zusammen-
fassende Evidenz über diesen Gegenstand ist auch in Kinleys Untersuchung
im Bericht des Comptrollers für das Jahr 1896 gegeben (S. 95). Wenn die
Scheck- und Gelddepositen in vollkommener Übereinstimmung schwanken
würden, so bliebe der Prozentsatz der aus Schecks bestehenden Gesamt-
summe konstant.

Wenn aber, wie wir beweisen werden, das Übermaß oder die Abnormität der
Scheckdepositen am 1. Juli größer ist als das Übermaß oder die Abnormität
der Gelddepositen des genannten Tages, so muß sich herausstellen, daß
der Prozentsatz der Seheekdepositen am 1. Juli höher ist als gewöhnlich.
        <pb n="412" />
        ﻿Die Zahlen im Bericht des Comptrollers beweisen, daß dies der Fall ist. Sie
zeigen, daß der Prozentsatz der eingegangenen Schecks (die leider mit „De-
positen“ nicht ganz synonym sind) am 17. September 1890 91.0 Prozent
und am 1. Juli desselben Jahres 92.5 Prozent betrug oder um l1/, Prozent
höher war. Wenn wir ferner den 1. Juli 1896 mit dem nächst verfügbaren
Datum eines anderen Jahreszeitraums vergleichen, nämlich mit dem 15. Sep-
tember 1892, so ergeben sich folgende Zahlen: Scheckeingänge vom 15. Sep-
tember 1892 90.6 Prozent, Scheckdepositen vom 1. Juli 1896 92,5 Prozent,
also 1.9 Prozent mehr. Wenn beide Zahlen Eingänge, also keine davon
Depositen darstellten, dann würde sich eine noch größere Differenz ergeben,
denn nach Aussage des Comptrollers führt der Einschluß anderer Eingänge
als der der Depositen zu einem zu hohen Prozentsatz der Schecks. Daß
der verhältnismäßige Anteil der Schecks am 1. Juli weit größer ist als der
am 30. Juni, geht aus den Zalden für Detaildepositen vom 30. Juni 1894
und vom 1. Juli 1896 hervor, von denen auf das erstere Datum 58.5 Prozent
und auf das letztere 67.6 Prozent, also um 9.1 Prozent mehr, entfallen. Wir
müssen uns aber hüten, aus dieser Differenz irgendwelche quantitativen
Schlüsse zu ziehen, da die Untersuchungen für die Jahre 1894 und 1896
verschieden angestellt wurden. Die gegebene Differenz stimmt aber mit
den vorliegenden Tatsachen vollkommen überein. Eine ähnliche Bekräfti-
gung ist daraus herzuleiten, daß im Vergleich mit dem großen Kontrast, den
wir zwischen dem 1. Juli und dem 17. September des Jahres 1890 wahr-
genommen haben, zwischen den Zahlen für den 30. Juni und 17. September
1881 keinerlei Kontrast besteht. An den letztgenannten beiden Tagen
betrugen die Krediteingänge 91.77 bzw. 91.85 Prozent, woraus zu ersehen
ist, daß diese Zahlen substantiell gleich sind, während der 1. Juli und der
17. September 1890 eine Differenz von 1% Prozent aufweisen.

Wir können daher mit Bestimmtheit den Schluß ziehen, daß die Scheck-
depositen größeren Schwankungen und Abnormitäten unterworfen sind als
die Gelddepositen. Wenn nun auch die Gelddepositen am 1. Juli 1896 den
Tagesdurchschnitt überschritten haben können, so standen dieselben doch
höchstwahrscheinlich nicht so weit über dem Tagesdurchschnitt als die
Scheckdepositen, und ebenso standen am 16. März 1909 die Gelddepositen
aller Mutmaßung nach nicht so weit unter dem Tagesdurchschnitt der Geld-
depositen, wie dies bei den Seheckdepositen der Fall war.

Wenn sich dies nun nicht bewahrheitete, d. h. wenn die Gelddepositen
genau parallel übereinstimmend mit den Scheckdepositen schwanken
würden, so müßten wir für das Geld dieselben Berichtigungsfaktoren
anwenden wie für die Schecks, nämlich: 0.68 für das Jahr 1896 und 1.17
        <pb n="413" />
        ﻿390	Anhang zum XII. Kapitel.

für das Jahr 1909. Das Resultat ist in Kolonne (4) der nachstehenden
Tabelle gegeben.

		Geschätzte Gelddepositen des Jahres		
(1)	(2)	(3)	(4)  Die angenomme-	(5)
	An dem gewähl-	Tag als Durch-	nen Bericht!-	Mittel zwischen
	ten Tage depo-	schnittstag ange-	gungsfaktoren	den beiden vor-
	niertes Geld	nommen	sind denjenigen	hergehenden Ko-
	(In Millionen)	(In Milliarden)	für Scheckdepo- siten gleich	lonnen
1896 . . .	37.4	11.4	7.8	9.6
1909 . . .	62.9	19.1	22.3	20.7

Wir sehen, daß der richtige Wert des im Jahre 1896 in den Banken
deponierten Geldes aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen 7.8 und 11.4
Milliarden und im Jahre 1909 zwischen 19.1 und 22.3 Milliarden liegen muß.
Wenn wir in jedem der beiden Fälle die Differenz teilen, so betragen die
Schätzungen für das Jahr 1896 9.6 und für 1909 20.7. Diese Zahlen können
als ziemlich richtig angenommen werden, denn beiderseits gibt es nur enge
Grenzen. Den berechneten Grenzen und dem Charakter der Schätzungen
dieser Grenzen nach zu urteilen, kann der mutmaßliche Irrtum in jedem
der beiden Fälle auf ungefähr eine Milliarde gesetzt werden. Es ist natürlich
zu beachten, daß dieser Irrtum im Jahre 1896 verhältnismäßig größer ist
als im Jahre 1909.

Wir haben nun das erste Glied (die Gesamtdepositen) der Formel über
die gesamte Geldzirkulation abgeschätzt und kommen nun zu dem Gliede
Nk + N. Dieses besteht in den an andere Klassen vorgenommenen Aus-
gaben seitens der „Nichtdeponenten“ und stellt den Aufwand der Lohn-
empfänger dar. Der Census gibt die Durchschnittslöhne in den Manufaktur-
industrien mit $ 430 an. Mr. William C. Hunt vom Census Bureau hat in
einem nichtamtlichen Memorandum, in das er mich Einsicht nehmen ließ,
die Zahl der Arbeiter in den Vereinigten Staaten auf ungefähr 18 400 000
abgeschätzt. Als annähernd richtig können wir annehmen, daß deren Durch-
schnittslöhne dem Durchschnitt der Manufakturindustrien gleich sind und sich
somit ebenfalls auf $ 430 belaufen. Wir wenden dies zunächst auf die
8.5 Millionen Menschen an, welche nach Hunts Schätzung in Fabrik- und
Handwerksbetrieben, sowie im Handel und Verkehr angestellt sind, wonach
dieselben ungefähr 3.7 Milharden Dollar an Löhnen erhalten.

Die übrigen Arbeiterklassen bestehen aus Hausbedienten und Land-
arbeitern. Diesen wird aber bei der Bezahlung Wohnung und Kost in An-
        <pb n="414" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

391

rechnung gebracht. Da in den Arbeiterbudgets Wohnung und Lebensmittel
mit ungefähr 60 Prozent figurieren, so können wir annehmen, daß das den
Hausbediensteten und Feldarbeitern tatsächlich gezahlte Geld nur etwa
40 Prozent des in Fabrik- und Handwerksbetrieben gezahlten Geldes beträgt,
was ungefähr $ 170 ergibt. Mr. Hunt schätzt die Zahl der Haus- und Feld-
arbeiter auf 9.9 Milüonen. Das gesamte während eines Jahres in deren
Besitz kommende Geld beträgt demnach höchstwahrscheinlich etwa 1.7 Mil-
liarden. Diese Summe zu den vorhergehenden 3.7 Milliarden addiert, ergibt
5.4 Milharden als Gesamtbetrag der in den Vereinigten Staaten gezahlten
Löhne. Die genannten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1900, während
die Zahlen des ersten Gliedes für das Jahr 1896 gelten. In der Zwischen-
zeit hat sich zweifellos sowohl die Zahl der Arbeiter, als auch deren Löhne
etwas erhöht und beide Zahlen müssen daher berichtigt werden. Wir wollen
annehmen, daß sich die Zahl der Arbeiter im gleichen Verhältnis wie die
Bevölkerung erhöhte und daß letztere während der Jahre 1896 und 1900
zur selben Jahresrate zunahm wie zwischen 1890 und 1900. Hierdurch
würden die 5.4 Milliarden auf 5.0 Milliarden reduziert. Wenn wir an Stelle
der Bevölkerungszahl die Zahl der in Fabrik- und Handwerksbetrieben
Beschäftigten annehmen, wie sie vom Arbeitsamt gegeben wurde r), so er-
niedrigt sich die Ziffer auf 4.6. Die richtige Zahl hegt vermutlich zwischen
den beiden Angaben, insofern als Feldarbeiter, für welche wir keine Statistiken
besitzen, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht so rasch zugenommen haben
als Fabrikarbeiter, und so würde demnach die relative Zunahme der Fabrik-
arbeiter im Vergleich zu Landwirtschaftsarbeitern, selbst wenn die Arbeit
im großen Ganzen in demselben Verhältnis wie die Bevölkerung zunahm,
eine höhere Auszahlung von GeMlöhnen bedeuten. Als der Richtigkeit
nahe können wir 4.8 Milliarden ansetzen. Was den Lohnsatz anbelangt,
so standen die Indexziffern des Arbeitsamtes 1 2) für die Jahre 1896 und 1900
auf 99.5 bzw. 104.1. Wir müssen daher unsere Schätzung des im Jahre
1896 zur Rate von 104.1 zu 99.5 oder von 4.8 Milliarden auf 4.6 Milliarden
gezahlten Geldlöhne noch weiter reduzieren. Außerdem lebt ein kleiner
Teil dieser Arbeiter im Wohlstand und besitzt Bankkontos und der Aufwand
dieser Arbeiter darf daher nicht in die Ausgaben der „Nichtdeponenten“
aufgenommen werden. Wir können hierfür 41 Milliarden ansetzen,
womit wir der Richtigkeit wohl ziemüch nahekommen.

Zu dieser Summe haben wir nun aber noch diejenige der „Nichtdepo-
nenten“ zu addieren, welche keinen Lohn empfangen. Eine Anzahl der von

1)	Bulletin of the Bureau of Labor, Nr. 77, Juli 1908, S. 7.

2)	Ebendaselbst S. 7.
        <pb n="415" />
        ﻿392

Anhang zum XII. Kapitel.

Hunt geschätzten 2.1 Millionen Angestellten und 8.6 Millionen Eigentümer
sowie Angehörigen der gelehrten Berufe sind zwar keine Arbeiter, aber doch
„Nichtdeponenten“. Was die erstgenannten anbelangt, so versichern Ge-
schäftsleute, daß die meisten Angestellten mit über 8 100 Monatsgehalt
und selbst solche mit geringeren Bezügen ein Bankkonto haben. Die über-
wiegende Mehrheit der geschätzten 2 Milhonen Angestellten bezieht höchst-
wahrscheinlich viel weniger als $ 100 per Monat, und es befinden sich zweifel-
los viele darunter, die, wie z. B. Bureaujungen, weniger bekommen als das,
was gewöhnlich Lohn genannt wird. Wenn wir eine ziemlich reichliche
Schätzung vornehmen wollen, so können wir sagen, daß drei Viertel der
Angestellten kein Bankkonto haben und ein durchschnittliches Monats-
gehalt von $ 60 beziehen. Selbst dann würde das gesamte in bar gezahlte
Geld kaum eine Milliarde übersteigen.

Unter den Eigentümern und Professionisten brauchen wir nur die
Gruppe der Gutsbesitzer in Betracht zu ziehen (5.7 Millionen). Der Rest be-
steht aus Klassen, unter denen das Bankkonto eigentlich ganz allgemein ist.
Diejenigen, welche kein Bankkonto besitzen, können zweifellos zu den kleine-
ren Gutsbesitzern gerechnet werden, die in Distrikten leben, wo nur wenig
Geld von Hand zu Hand geht. Den hierfür in Betracht kommenden Betrag
können wir auf höchstens 4 Millionen ansetzen, was über zwei Drittel der
Gesamtsumme ausmacht. Es ist nun die Frage, wie hoch sich das den Depo-
nenten, Kaufleuten und anderen Personen in bar gezahlte Geld beläuft.
Das heißt, wir wollen wissen, wieviel Geld die auf dem Lande lebenden
Ladeninhaber von den Landwirten erhalten. Zahlungen der letzteren an
Wirtschaftsbedienstete oder an andere Landwirte stellen Zahlungen an
andere „Nichtdeponenten“ dar und kommen hier nicht in Betracht. Für
Nahrung und Wohnung oder Landwirtschaftsprodukte, die sie selbst hervor-
bringen, wird wenig oder gar nichts gezahlt. So soll z. B. die Heuernte
des Landes die Weizenernte an Wert übersteigen; es kommt aber so wenig
Heu auf den Markt, daß es nur selten angeführt oder als Marktware be-
trachtet wird. Selbst der Handel der Landwirte mit den Ladeninhabem
vollzieht sich größtenteils durch Tausch oder Buchkredit. Deren Aufwand an
Bargeld kann durchschnittlich auf weniger als $ 250 jährlich pro Landwirt
beziffert werden, was höchstens etwas weniger als eine Milliarde Dollar aus-
macht (selbst wenn die Zahl dieser Landwirte auf 4 Millionen angesetzt wird).

Wir können daher mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß nach An-
rechnung einer Milliarde für Angestellte und einer Milliarde für Landwirte,
der gesamte Aufwand der „Nichtdeponenten“ 4^ +1 + 1 == Milliarden
nicht übersteigen kann.
        <pb n="416" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

393

Andererseits kann der Aufwand kaum weniger als 5 Milliarden be-
tragen. Wollen wir ihn auf diese Zahl reduzieren, so müßten wir schon
die „Nichtdeponenten“, die keinen Lohn empfangen, weglassen oder in der
Schätzung der Löhne mit einem großen Irrtum rechnen.

Wir ziehen also den Schluß, daß das zweite Glied für das Jahr 1896
zwischen 5 und 61 Milliarden hegen muß. Wenn wir die Mitte der beiden
Summen annehmen, so erhalten wir ungefähr 5.7 Milharden mit einem
möglichen Irrtum von 0.7 oder 0.8. Eine gleiche Berechnung für das Jahr
1909 ergibt für das zweite Glied 13.1 Milliarden, bei einem möghchen Irrtum
von 1.0. Wir möchten hier aus dem bereits erwähnten Artikel von Prof.
Kinley folgende Passage zitieren1):

„Das zweite Glied der Formel besteht aus Geldzahlungen seitens der
„Mchtdeponenten“, die nach Prof. Fisher’s Ansicht in der Hauptsache aus
Arbeiterlöhnen zusammengebracht wurden. Nachstehende Tabelle gibt eine
Schätzung der Zunahme in gewissen Berufen während der Jahre 1900—1909,
und zwar auf Grund des Zunahme-Prozentsatzes von 1890—1900, sowie
auf Grund des Zensus und der Eisenbahneingänge seit 1900. Die Zahl der
gehaltbeziehenden Beamten wurde nach Möglichkeit ausgeschaltet:

Landwirtschaftliche Betriebe ....

Häuslicher und persönlicher Dienst
Zusammen ..

Handel und Verkehr ..............

Industrie und Gewerbe ...........

Zusammen ..

		Zunahme	Schätzung
1890	1900	Prozent	1909
8,565.926 10,381.765		21,2	12,362.605
4,220.812	5,580.657	32,2	7,377.628
			19,740.233
1,977.491	2,617.479	35.2	4,276.913
4,251.613	5,208.406		6,935.113
			11,211.026

„Eine auf Grund der Zahlen des Census Bulletins Nr. 93 vorgenommene
ungefähre Berechnung ergibt zirka $ 550 als Durchschnittsjahreslohn in
Fabrikbetrieben. Wenn wir Handwerksberufe mit einschließen wollen, so
müßte der Durchschnitt wohl etwas erhöht werden. .$ 600 wäre für diese
Klasse eigentlich richtiger.

„Ebenso gibt der Bericht der Interstate Commerce Commission für 1907
Zahlen, aus denen hervorgeht, daß der Durchschnitts-Jahreslohn ungefähr
$ 640 beträgt. Es ist nicht so leicht, eine Basis zur Abschätzung der Geld-
löhne der in landwirtschaftlichen und häuslichen Diensten Beschäftigten zu
erhalten. Jedenfalls ist es schwieriger, als man auf den ersten Blick an-
nehmen könnte. Die Geldlöhne der Hausbediensteten betragen zur Zeit

) Publications of the American Statistical Association, März 1910.
        <pb n="417" />
        ﻿394

Anhang zum XII. Kapitel.

durchschnittlich nicht weniger als $ 250 per Jahr. Landwirtschaftliche
Arbeiter erhalten jetzt einen höheren Lohn als früher und die Summe von
$ 300 bis $ 350 dürfte hierfür wohl nicht zu hoch gegriffen sein. Wir ge-
langen daher zu folgenden Zahlen:

Handel und Verkehr ............... 4.3	Millionen	zu	$	640	$	2,752	Millionen

Industrie und Gewerbe............. 6.9	Millionen	zu	$	550	$	3,790	Millionen

Landwirtschaftliche Betriebe......12.4	Milhonen	zu	$	300	$	3,720	Millionen

Häuslicher u. persönlicher Dienst.. 7.4	Milhonen	zu	$	250	$	1,850	Millionen

Angestellte usw., die kein Bankkonto

haben.................................................. $ 1,000 Milhonen

Zusammen............$ 13,112 Milhonen.

„Vorstehende Zahlen ergeben das zweite Glied der Formel.“

Wir haben nun die ersten beiden Glieder (die zusammen die sogenannte
annähernde Berechnung konstituieren) für 1896 und 1909 abgeschätzt.

Zu diesem ersten Näherungswert muß der übrige Teil, nämlich r, addiert
werden, der aus den bereits erklärten Gliedern besteht, die wir meistenteils
nicht mit Gewißheit kennen und von denen wir nur wissen, daß dieselben
gering sind. Der Ausdruck „gering“ hat stets eine relative Bedeutung und
in diesem Falle ist für das Jahr 1896 dasjenige Glied gering, welches mit
16 Milliarden verglichen gering ist. 160 Millionen sind z. B. eine Kleinigkeit,
da sie von 16 Milliarden nur 1 Prozent darstellen, während 16 Millionen
nur das Zehntel eines Prozents bedeuten. Zum Zweck eines Vergleichs der
verschiedenen Posten, aus denen r zusammengesetzt ist, bedarf es keiner
genauen Statistik. Wir brauchen einzig und allein zu wissen, daß r gering
ist und daß es ungefähr so wie der übrige Teil der Zirkulation variiert. Ein
großer Fehler in der Schätzung ruft unter diesen Umständen nur einen
kleinen Fehler bei Vergleichen hervor. Ein Fehler in der Schätzung könnte
die Vergleiche nur dann in hohem Maße berühren, wenn r in bezug auf
die anderen Glieder sofort groß und veränderlich ist. Der Versuch, r zu
schätzen, wurde weniger zum Zweck der Erlangung dessen absoluten Wertes
als vielmehr zur Festsetzung breiter und sicherer Grenzen gemacht.

Die Größe r besteht aus sämtlichen, dem zweiten Posten folgenden
fünf Gliedern. Wir wollen dieselben der Reihe nach vornehmen.

Das dritte Glied der Formel ist C0 + Cn — Bc. Es stellt den aus Kassen -
geld bezahlten kommerziellen Aufwand oder den Überschuß des von „kom-
merziellen Deponenten“ gezahlten und aus den Banken entnommenen
Geldes dar. Eine persönliche Nachfrage ergab, daß der größte Teil des von
„kaufmännischen Deponenten“ den Banken entnommenen Geldes für Lohn-
zahlungen verwendet wird. Ebenso, daß der größte Teil des von „kauf-
        <pb n="418" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

395

männischen Deponenten“ ausgegebenen Bargeldes für Lohn verwandt wird.
Mit anderen Worten: Ka ist im Vergleiche zu Kn sehr gering, und die Summe

der beiden ist nahezu die gleiche wie Bk. Die Differenz Ka + Kn________Bk,

d. h. die aus Kassengeld bezahlten Ausgaben, ist daher fast gleich Null.
Die aus Kassengeld bezahlten Auslagen, die größtenteils aus Löhnen be-
stehen, und, den gemachten Erfahrungen gemäß, nur ein kleiner Teil der

Gesamtlöhne (44-Milliarden) — die sicherlich ein Zehntel nicht übersteigen_

können für das Jahr 1896 auf weniger als eine halbe Milliarde und für das
Jahr 1909 auf weniger als eine Milliarde angesetzt werden.

Das vierte Glied (Ka + Na — Ah) besteht aus den Geldeinnahmen von
A, welche nicht deponiert, sondern vereinnahmt werden. Nun sind diese
Geldeinnahmen von A, nämlich Ka und Na zunächst gering, denn die Depo-
nenten (A) empfangen ihre Dividenden, Zinsen und Gehälter gewöhnlich
per Scheck. Eine Hauptausnahme bilden hier Mieten und die seitens der
Arbeiter an Hauswirte, Ärzte usw. geleisteten Zahlungen, die den größten
Teil von Na bilden. Diese von Arbeitern an Privatpersonen gezahlten Mieten
und Honorare bedeuten aber nur einen Teil der seitens der Arbeiter gezahlten
Gesamtmieten und Honorare und die Gesamtmieten und Honorare selbst
figurieren in den Statistiken der Arbeiterbudgets nur mit ungefähr 20 Prozent
der Löhne. Nach diesen und anderen Anhaltspunkten können wir als obere
Grenze für das vierte Glied des Jahres 1896 bestimmt eine halbe Milliarde
ansetzen. Prof. Kinley nimmt für das Jahr 1909 als obere Grenze 0.8 Mil-
liarden an.

Das fünfte Glied Qt + a + n) repräsentiert die Zirkulation innerhalb
jeder der drei Gruppen. Offenbar zirkuliert Geld zwischen einem „kauf-
männischen Deponenten“ und einem anderen, zwischen zwei „anderen
Deponenten“ oder zwischen zwei „Nichtdeponenten“ nur in unbedeutenden
Fällen. Für das Jahr 1896 wurde als äußerste Grenze eine halbe Milliarde
angesetzt und Prof. Kinley nahm für 1909 0.8 an. Darunter ist zu verstehen,
daß von jeden fünfunddreißig ausgegebenen Dollars ungefähr ein Dollar
anderen Personen innerhalb der Klasse, zu welcher der Ausgebende gehört,
weitergegeben wird. Soweit mir durch persönliche Umfrage festzustellen
möglich war, ist universeller Aussage gemäß das richtige Verhältnis der
wenigen Repräsentanten von k, a und n tatsächlich geringer als das genannte.

Die übrigen drei Glieder sind von noch geringerer Bedeutung. Wenn
sich die „KV-Gruppe“ im Zustande normalen Gleichgewichts befindet, steht
das sechste und siebente Glied substantiell auf Null. Das achte Glied, nämlich
das den Banken durch Personen, die kein Bankkonto haben, entnommene
Geld stellt nur ganz außergewöhnliche Fälle dar, wie z. B. wenn Arbeiter
        <pb n="419" />
        ﻿396

Anhang zum XII. Kapitel.

in Banken Schecks kassieren, denn es kommt selten vor, daß Arbeiter Schecks
einzulösen haben, und wenn dies der Fall ist, so geschieht es gewöhnlich in
Läden und Schankwirtschaften.

Die Schätzungen für jedes einzelne der acht Glieder sind in nachstehen-
der Tabelle zusammengefaßt. Bei jedem Glied wurde die Mitte zwischen
der oberen und unteren Grenze als richtig angenommen, wobei jede mögliche
Variation nach der einen oder anderen Richtung hinter dem Zeichen „±“
angegeben wurde. Unter $ 300 000 000 ± 300 000 000 ist zu verstehen,
daß, obgleich $ 300 000 000 als Schätzung gilt, der richtige Wert um eine
Summe, die $ 300 000 000 nicht übersteigt, höher oder niedriger sein kann;
mit anderen Worten, daß der wahre Wert zwischen $ 600 000 000 und Null
liegt. Da diese Zahl durch 2 besser zu dividieren ist, haben wir in der Tabelle
statt halben Milliarden $ 600 000 000 genommen. Die Tabelle enthält Er-
gebnisse für beide Jahre, und „mögliche Irrtümer“ wurden in jedem Falle
reichlich abgeschätzt. Tatsächlich wurden viele dieser „möglichen“ Irrtümer
ungewöhnlich hoch angesetzt.

	1896	1909
1. Deponiertes Geld (Kb -f Ab + N)		9.6 ±1.5	20.7 ± 1.5
2. Ausgaben der „Nichtdeponenten“ (Nk + Na)....	5.7 ± 0.7	13.1 ±1.0
3. K's Ausgaben aus der Ladenkasse (Ka + Kn — Bb)	0.3 ± 0.3	0.5 ± 0.5
4. A'&amp; Eingänge, zur sofortigen Verfügung gehalten (Ka + Na-Ab)		0.3 ± 0.3	0.4 ±0.4
5. Innerhalb der Klassen stattfindende Zirkulation (1c + a + n) 		0.3 ± 0.3	0.4 ±0.4
6. Im Diagramm nicht dargestellter Nettoabfluß von KN (g + h + a)		0.0 ±0.1	0.0 ±.2
7. Nettozunahme des Geldes von KN (s)		0.0 ±0.1	0.0 ± .2
8. Geldentnahme aus Banken durch „Nichtdeponen- ten“ (— Bn)		—0.001 ± 0.001	—0.001 ±.001
	16.2 ± 2	36.1 ± 2

Die ersten beiden Glieder (S') konstituieren den Hauptteil der Gesamt-
summe. Die übrigen sechs Glieder (r) machen in jedem der beiden Jahre
unter einer Milharde mehr aus. Die Gesamtsumme beläuft sich auf ungefähr
16 Milliarden, welche die abgeschätzte Geldzirkulation in den Vereinigten
Staaten für das Jahr 1896 darstellen. Diese Schätzung kann Irrtümern
unterhegen, doch können dieselben nicht so groß sein als diejenigen der
Gesamtsumme der möglichen Irrtümer der Einzelgheder, welche über drei
Milliarden betragen. Selbst wenn jeder der angegebenen möglichen Fehler
ebenso wahrscheinlich wie unwahrscheinlich wäre, so beliefe sich die Mög-
lichkeit, daß die Irrtümer in allen acht Fällen gleichzeitig in ein- und
        <pb n="420" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

397

derselben Richtung auftreten, auf (l)8, d. h. es gäbe unter 256 Fällen einen
möglichen Fall. Wir können daher „auf gut Glück“ annehmen, daß sich die
Irrtümer einigermaßen aufheben. Die Möglichkeit, daß der Irrtum die Summe
derjenigen der ersten drei Glieder, oder der 3 Milliarden erreicht, beträgt
tatsächlich weniger als die Hälfte. Der „mutmaßliche Irrtum“ kann daher
mit ziemlicher Gewißheit auf weniger als 2 Milliarden gesetzt werden.

Wenn wir die für den Gesamt-Geldumlauf erhaltenen Zahlen durch die
Zahlen des in Umlauf befindlichen Geldbetrages dividieren, so erhalten wir
die Zahl der Umlaufsgeschwindigkeit. Letztere beträgt für das Jahr 1896
18.6 und für das Jahr 1909 21.5; die Veränderung ist demnach auffallend
gering.

Zurückkommend auf die Bemerkung, mit der wir die Erörterung des
Geldumlaufes einleiteten, nämlich, daß das Geld außerhalb der Banken nur
selten zirkuliert, wollen wir nun unsere statistischen Ergebnisse im Lichte
dieser Tatsache betrachten.

Wenn sämtliches Geld nur einmal zirkulierte, dann würde der Bank-
bericht für das Jahr 1896, nach welchem jährlich ungefähr 91 Milliarden
Geld in die Banken und aus den Banken fließen, das Volumen der während
eines Jahres erledigten Arbeit genau anzeigen. Es würde demnach 9k Mil-
liarden betragen. Unserer Darlegung gemäß beträgt aber die richtige Zahl
ungefähr 16 Milharden, woraus hervorgeht, daß ein Teil der von den Banken
abströmenden 91 Milliarden vor seiner Rückkehr in die Banken seinen
Besitzer mehr als einmal wechselt.

Nehmen wir nun an, daß, mit Ausnahme jenes Teils, der durch die
Hände der „Nichtdeponenten“ geht (6 Milliarden), diese 9-1 Milliarden
sämtlich nur einmal zirkulieren, während der erstere eine zweimalige Zirku-
lation erfährt. Dann zirkulieren 3^ Milliarden nur einmal. Unter dieser
Annahme beträgt die gesamte Austauschsumme 3| -f 2 X 6 = 151 Mil-
liarden. Tatsächlich haben wir aber 16 Milliarden herausgerechnet. Die
Differenz von einer halben Milliarde ist hauptsächlich auf das außerhalb der
Banken mehr als zweimal zirkulierende Geld zurückzuführen.

Die gesamten 16 Milliarden können am besten aufgerechnet werden, wenn
man die aus den Banken fließenden 9^ Milliarden in drei Ströme teilt, und
zwar in 3| Milliarden, die nur ein einziges Mal zirkulieren, in 51 Milliarden,
die nur zweimal zirkulieren und in eine halbe Milliarde, die dreimal zirkuliert.
Dies ergibt 31 -f- 2 x 51 + 3 x ^ = 16 Milliarden. Der erste Teil (3 \ Mil-
liarden) besteht in der Hauptsache aus dem von „anderen Deponenten“
für deren Auslagen gezogenes Geld, der zweite Teil (5-J- Milliarden) stellt
das Geld dar, das den Banken für Löhne und andere an „Nichtdeponenten“
        <pb n="421" />
        ﻿398

Anhang zum XII. Kapitel.

geleistete Zahlungen entnommen wurde, während der dritte Teil (1 Milliarde)
den unbedeutenden Betrag repräsentiert, der nicht auf andere Weise auf-
gerechnet wurde. Dies ist jedoch nur eine ganz ungefähre Einteilung. Ein
ganz kleiner Teil zirkuliert öfter als dreimal1).

Auf ähnliche Weise müssen die durch die Hände der „Nichtdeponenten“
gehenden 13 Milliarden aus den in die Banken und aus den Banken fließen-
den 21 Milliarden für das Jahr 1909 zweimal oder öfter zirkuliert haben,
was 26 Milliarden der Gesamtzirkulation oder mehr (35 Milliarden) ent-
sprechen würde, wobei 21—13, oder 8 Milliarden mit einmaliger Zirkulation
übrig bleiben. Dies bezieht sich auf 26 + 8 oder 34 Milliarden. Die gesamten
35 Milliarden werden aufgebracht, wenn man die aus den Banken fließenden
21 Milliarden in folgende drei Ströme einteilt:

In 8 Milliarden mit nur einmaliger Zirkulation ... 8 Milliarden

In 12 Milliarden mit zweimaliger Zirkulation............24 Milliarden

In 1 Milliarde mit dreimaliger Zirkulation..............3 Milliarden.

Die gesamten aus den Banken fließenden 21 Milliarden vollbringen vor ihrer
Rückkehr in die Banken 35 Milliarden der Zirkulation.

Die ersten beiden Glieder der Formel für die Geldzirkulation ergeben
aus dem für das Jahr 1896 abgeschätzten Gesamtbetrag von 16 Milliarden
die Summe von 15\ Milliarden und aus demjenigen von 35 Milliarden für
1909 34 Milharden, woraus hervorgeht, daß der Rest, wenn derselbe nicht
bedeutend unterschätzt wurde, relativ gering ist. Das Eigentümhche hierbei
ist, daß die statistisch am schwersten abzuschätzenden Glieder die geringste
Bedeutung haben. Von den beiden den „ersten Näherungswert“ konsti-
tuierenden Gliedern ist das erste und bedeutendste von allen der akkuratesten
Bestimmung fähig, während das zweite hauptsächlich aus Löhnen besteht,
welche ebenfalls statistischer Festsetzung fähig sind oder es zu werden
scheinen.

Wollten wir als statistischen Notbehelf für den ersten Näherungswert
tatsächlich nur den jährlich aus den Banken gezogenen Geldbetrag zu den
jährlichen Geldlöhnen addieren, so würden die 16 Milliarden des Jahres
1896 aus 9JL + 4|- oder 14 Milliarden bestehen und nur 2 Milliarden übrig

1) Um jede Unklarheit zu vermeiden, möchten wir den Leser darauf aufmerksam
machen, daß wir es hier nicht mit bestimmten Münzen, sondern mit Geldsummen zu tun
haben, die für Güter ausgegeben wurden. Viele Münzen bleiben vor ihrer Rückkehr in
die Bank lange Zeit „in Umlauf“, da sie zum Geldwechseln dienen. Zum Wechseln benutztes
Geld figuriert aber in den Ausgaben als Subtraktionsglied. Wenn gegen einen Einkauf
ihr S 8 $ 10 gezahlt und $ 2 zurückgegeben werden, so haben $ 12 den Besitzer gewechselt,
wenngleich in der monetären Zirkulation nur $ 8 gegen Güter effektuiert wui den.
        <pb n="422" />
        ﻿bleiben, die aus anderen Ursachen erklärt werden müssen. Mit anderen
Worten: Dieser Notbehelf — der für die statistische Bemessung geeignetste
Teil — entspricht ungefähr 88 Prozent der Gesamtzirkulation, wobei bloß
12 Prozent für jenen Teil übrig bleiben, welcher nur innerhalb weiter Grenzen
festgesetzt werden kann. Aus 35 Milharden des Jahres 1909 betrugen die
Depositen plus Löhnen ungefähr 32 Milliarden, also über 90 Prozent. Ein
noch einfacherer Notbehelf besteht darin, daß man die Depositen zu den
Gesamüöhnen addiert, ohne den in Geld gezahlten Teil ermitteln zu wollen.
Dieser Notbehelf ist aus dem Grunde zu rechtfertigen, weil Gesamtlöhne
genauer zu ermitteln sind als der in Geld bezahlte Teil und daß letzterer
aller Vermutung nach von Jahr zu Jahr ein ziemlich konstantes Verhältnis
zu den Gesamtlöhnen beibehält. Die hier angegebenen beiden Teile können
in einen meßbaren (das erste Glied unserer Formel (1)' und den größten Teil
des zweiten Gliedes umfassenden) und einen auf Mutmaßungen gegründeten
Teil (den Rest des zweiten Gliedes und die anderen sechs Glieder umfassen-
den Teil) gesondert werden. Selbst wenn letzterer nur zur Hälfte auf Rich-
tigkeit beruhte, so würde der meßbare Teil noch immer ein sicherer prakti-
scher Index oder ein Barometer der Veränderungen im Zirkulationsvolumen
sein. Im Vergleich zum meßbaren Teil würde jeder sich auf das Ganze
ausdehnende Exzeß einer Veränderung in dem auf Mutmaßungen gegrün-
deten Teil nur eine ein Viertel so große Störung hervorbringen. Man kann
wohl annehmen, daß der auf Mutmaßungen gegründete und der meßbare
Teil gewöhnüch zugleich variieren. Wenn der meßbare Teil um 10 Prozent
variiert, so kann natürlicherweise angenommen werden, daß der auf Ver-
mutungen gegründete Teil, ebenso wie die Gesamtsumme beider Teile in
gleicher Weise variiert. Nehmen wir nun aber an, daß dies auf einem
Irrtum beruht, und daß der auf Vermutungen gegründete Teil in Wirklichkeit
um 14 Prozent oder um 6 Prozent, und der meßbare Teil um 10 Prozent vari-
iert. Die Differenz zwischen ersteren und letzteren, d. h. die 4 Prozent,
welche einen angenommenen Exzeß oder ein Fehlen der Variation repräsen-
tieren, würden in der Gesamtsumme eine Differenz von nur 1 Prozent aus-
machen. Das heißt, die Gesamtsumme würde, anstatt um 10 Prozent, um
11 Prozent oder um 9 Prozent variieren. Offenbar kann also jede unbekannte
Variation in dem auf Mutmaßungen gegründeten Teil im Resultate nur
geringfügig sein. Mit anderen Worten: Der meßbare Teil stellt stets einen
guten Index der Gesamtsumme und demgemäß ein zuverlässiges Zirkula-
tionsbarometer dar. Wenn wir diesen Teil durch die Quantität des in Zir-
kulation befindlichen Geldes dividieren, so erhalten wir eine Zahl, welche
die relative Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes von Jahr zu Jahr anzeigt.

Anhang zum XII. Kapitel.

399
        <pb n="423" />
        ﻿400

Anhang zum XII. Kapitel.

Wir kommen daher zu dem Schlüsse, daß die Gelddepositen plus Löhnen,
dividiert durch das in Umlauf befindliche Geld stets ein gutes Barometer der
Umlaufsgeschwindigkeit abgeben.

Es ist nicht immer der absolute, sondern der unter verschiedenen Um-
ständen existierende relative Wert einer Größe, den wir am brauchbarsten
finden. Wenn wir die relative Länge zweier Schiffe vergleichen wollen,
so können wir deren Wasserlinie messen, bei welcher Methode allerdings
der an beiden Enden überhängende Teil nicht berücksichtigt wird. Ein
solcher Vergleich kann bei zwei beliebigen Schiffen, und mit großer Genauig-
keit bei zwei Schiffen von gleicher Bauart angestellt werden. In ähnlicher
Weise ermöglicht das vorerwähnte Barometer ungefähre Vergleiche zweier
Länder mit Bankeinrichtungen vergleichbarer Art und ziemlich genaue
Vergleiche zweier aufeinanderfolgender Jahre für ein und dasselbe Land.

Das richtige statistische Verfahren wäre daher, den auf Vermutungen
gegründeten Teil mit einer abgeschätzten, als konstanten Faktor an den
meßbaren Teil anzuwendenden Prozentsatz-Korrektur zu versehen. Vermut-
lich wären in den verschiedenen Ländern verschiedene Korrektur-Faktoren
anzuwenden, wie z. B. in den Vereinigten Staaten 10 Prozent, in England
20 Prozent, in Frankreich 30 Prozent usw. Der Hauptwert solcher mut-
maßlichen Korrekturen besteht darin, daß Umlauf und Umlaufsgeschwindig-
keit in den verschiedenen Ländern ungefähr verglichen werden können. Bei
Vergleichen verschiedener Zeiten in ein und demselben Lande ist es ziemlich
unwesentlich, welche Prozentsatz-Korrektur angenommen, oder ob eine
solche überhaupt angenommen wird.

Vermittelst der bereits erklärten Methode glaubt man in Zukunft inter-
essante und wertvolle Resultate zu erzielen, wenn die Statistiker der ver-
schiedenen Länder sich folgende Angaben sichern können: 1. das jährlich
in den Banken deponierte gesamte Geld (mit Ausnahme des von anderen
Banken deponierten) oder, was eigentlich auf dasselbe hinausläuft, das
gesamte den Banken entnommene Geld (mit Ausnahme des von anderen
Banken gezogenen); 2. die ausgegebenen Gesamtlöhne, oder, was beinahe
dasselbe ist, die empfangenen Gesamtlöhne; 3. falls gewünscht, die Hinzu-
fügung eines mutmaßlichen Prozentsatzes zwecks Berücksichtigung des
übrigen und weniger bekannten Teils unserer Formel; 4. das gesamte in
Umlauf befindliche Geld. Die Jahressumme von 1 und 2 korrigiert mit 3
und dividiert durch 4 bildet nicht nur ein ganz akkurates Barometer der
relativ betrachteten Umlaufsgeschwindigkeit, sondern auch eine richtige
Näherung des absoluten Wertes. Durch ein Weglassen des Postens 3 werden
die Resultate für relative Vergleichszwecke nicht beeinflußt.
        <pb n="424" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

401

Nach den über diesen Gegenstand von Jevons, Landry und anderen
gemachten Äußerungen kann die Wichtigkeit solcher genauer Bestimmungen
kaum überschätzt werden. Wenn wir statistisch die Umlaufsgeschwindig-
keit des Geldes kennen, sind wir in der Lage, die „Quantitätstheorie“ des
Geldes induktiv zu studieren und die Bedeutung dieser Geschwindigkeit
in bezug auf Krisen, Reichtumsanhäufung, Bevölkerungsdichte, Transport-
und Verbindungsmittel und viele andere Umstände zu erforschen. Es eröffnet
sich uns in der Tat ein neues Gebiet der Geldstatistik.

§ 8 (zum XII. Kapitel, § 4).

Interpolation von U-Werten für die Jahre 1897—1908.

Um TJ-Werte zu interpolieren, nehmen wir zwei extreme Hypothesen
an: einerseits eine äußerste Stetigkeit und andererseits eine extreme
V eränderlichkeit.

Die erste dieser Hypothesen ist, daß TJ sich in stetigem Fortschreiten
von seinem Werte 18.6 im Jahre 1896 zu seinem Werte 21.5 im Jahre 1909
verändert. Dies würde, ohne jedwede zeitweilige Schwankung, ein voll-
kommen regelmäßiges Wachsen mit der Zeit in sich schließen. Es ist
jedoch unwahrscheinlich, daß die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes von
Jahr zu Jahr keinerlei Schwankungen unterworfen sein sollte. Wir haben
gesehen, daß theoretisch unter normalen Verhältnissen die Geldausgaben
(GTJ) die Tendenz haben, mit den Scheckausgaben (G'TJ') gleichen Schritt
zu halten. Wenn diese Übereinstimmung eine vollkommene wäre, so wäre
das Verhältnis von GTJ zu G' TJ', wenn auch nicht konstant, so doch wenig-
stens ein solches, das sich in vollkommener Übereinstimmung mit der Zeit
verändert. Nun beträgt dieses Verhältnis für das Jahr 1896 16.7 Prozent
und für 1909 9.6 Prozent. Wenn wir für die dazwischenliegenden 13 Jahre
eine vollkommen gleichmäßige Veränderung in diesem Verhältnis anzu-
nehmen hätten, so würde sich der ergebende Z7-Wert ganz bedeutend ver-
ändern. Diese Annahme bildet unsere zweite Hypothese extremer Ver-
änderlichkeit. Die Tabelle auf Seite 402 zeigt das Ergebnis der beiden ex-
tremen Hypothesen. Wir ersehen daraus, daß im allgemeinen kein großer
Unterschied zwischen ihnen ist.

Eine nachträgliche Berechnung offenbart die interessante Tatsache,
daß die „Hypothese extremer Veränderlichkeit“ ein annähernd gleiches
Schwanken der Geldgeschwindigkeit wie das der Depositengeschwindigkeit
hervorrufen würde. Wenn wir die Differenz zwischen den beiden extremen

Kiaher, Kaufkraft des Geldes.	26
        <pb n="425" />
        ﻿402

Anhang zum XII. Kapitel.

	(1)	(2)	(3)
Jahr	Hypothese  extremer  Stetigkeit	Hypothese extremer Veränder- lichkeit. U ver- ändert sich nach Erfordernis, um das gleich- förmige Verände- rungsverhältnis von Gü zu G'V bei- zubehalten	Mittel der beiden Hypothesen
1896		18.6	18.6	18.6
1897		18.8	19.4	19.1
1898		19.0	20.6	19.8
1899		19.3	24.4	21.9
1900		19.5	20.4	20.0
1901		19.7	23.9	21.8
1902		19.9	23.6	21.8
1903		20.2	20.9	20.6
1904		20.4	20.9	20.7
1905		20.6	23.0	21.8
1906		20.8	22.5	21.7
1907		21.1	21.0	21.1
1908		21.3	18.6	20.0
1909		21.5	21.4	21.5

Hypothesen — die der extremen Stetigkeit und die der extremen Ver-
änderlichkeit — teilen, so erhalten wir das, was wir als annähernd
richtige Schätzung der wirklichen Geschwindigkeit annehmen können. In
den meisten Fällen ist sie wahrscheinlich für die ersten beiden Ziffern richtig.
Selbst für die Jahre 1896 und 1909 können wir nicht annehmen, daß die
dritte Ziffer, nämlich jene hinter dem Dezimalpunkt, korrekt ist, um so
weniger kann sich dies für die dazwischenliegenden Jahre bestätigen. Doch
ist es manchmal ratsam, die Berechnungen bis auf eine Ziffer hinter „der
letzten bezeichnenden Zahl“ auszuführen.

§ 9 (zum XII. Kapitel, § 5).

Methode zur Berechnung von 2T.

Die Tabelle im Texte des Buches ist der Schlußkolonne der folgenden
vollständigeren Tabelle entnommen:
        <pb n="426" />
        ﻿26*

Indexziffern des Handelsvolumens.

Direkte Indizes und Kalenderjahre					Indirekte Indizes und Fiskaljahre			Kalenderjahre		
(1)  Jahr	(2)  In-  land-  handel	(3)  Export  und  Import	(4)  Effek-  ten-  Ver-  käufe	(5)  Gewogener Durch- schnitt der drei vorhergehenden Kolonnen  20x(2)+3x(3)+lX(4)	(6)  Per  Eisen-  bahn  beförderte Güter in Tonnen	(7)  Durch die Post be- förderte Briefe	(8)  Gewogener Durchschnitt d. beiden vorher- gehenden Kolonnen 2x(6)+lx(7)	(9)  (8) Redu- ziert auf Kalender- jahre	(10)  Relativer  Handel  gewogener  Durchschnitt  2x(5)+lx(9)	(11)  Absoluter Handel (H)
				24			3		3	
1896..	89	76	55	86	77			72	73	81	209
1897..	103	87	77	100	79	63	74	78	93	239
1898..	111	96	113	109	91	68	83	86	101	260
1899..	111	100	176	112	98	72	89	93	106	273
1900..	111	101	138	111	107	78	97	99	107	275
1901..	125	107	266	129	108	85	100	105	121	311
1902..	119	102	189	120	119	92	110	115	118	304
1903..	139	101	161	135	130	101	120	120	130	335
1904..	125	101	187	125	127	105	120	126	126	324
1905..	149	109	263	149	144	111	133	141	147	378
1906..	152	114	284	163	161	128	150	155	154	396
1907..	167	117	196	162	172	137	160	154	160	412
1908..	148	110	197	145	152	142	149	154	148	381
1909..	163	125	216	152	—	162	160	—	155	399

Anhang zum XII. Kapitel.	403
        <pb n="427" />
        ﻿404

Anhang zum XII. Kapitel.

Diese Tabelle ist wie folgt konstruiert worden:

Kolonne (2) wurde aus den im Monüily Summary of Commerce and
Finance of the United States veröffentlichten Monatszahlen des Inlandhandels
der Jahre 1900—1909 konstruiert. Durch Anwendung der Monatszahlen
war es möglich, Resultate für Kalenderjahre zu erhalten. Diese Kolonne
stellt den Durchschnitt getrennter Indizes nachstehender Artikel dar, für
die Aufzeichnungen erhältlich waren. Die ursprünglichen Zahlen geben die
Quantitäten jedes in die hauptsächlichsten Städte der Vereinigten Staaten
gebrachten Artikels. Jede dieser Quantitäten wurde mit einem angenomme-
nen Preise multipliziert, der als konstanter Multiplikator für jedes Jahr bei-
behalten wurde. Die Produkte wurden dann addiert und die so erhaltenen
Zahlen zur Darstellung des Gesamthandels in diesen Waren genommen, um
als Barometer des relativen Inlandhandels der Vereinigten Staaten zu gelten.

Die diesbezüglichen Artikel und die Daten, für die das Material benutzt
wurde (wie auch die laut nachstehender Erläuterung angewandten Preis-
faktoren), sind die folgenden:

Artikel	Preis, in Dollar			Zeitperiode
Baumwolle		45.00	per	Ballen	Januar 1900—1909
Reis		5.00	53	Sack	August 1900—1909
Früchte	  Bauholz (Sendungen aus dem Süden und	1000.00	53	Waggon	Februar 1900—1909
Südwesten)		0.02	35	Fuß	Februar 1900—1909
Stiefel und Schuhe		80.00	33	Kiste	März 1900—1909
Anthrazitkohle		4.74	33	Tonne	Januar 1900—1909
Bituminöse Kohle		2.74	33	Tonne	Januar 1900—1909
Roheisen, Koks und Anthrazit		19.40	33	gr. Tonne	Juli 1902—1909
Petroleum (Sendungen aus Texas) ....	1.80	33	Faß	Novbr. 1901—1909
Hornvieh (Eingänge in fünf Städten) .	55.00	33	Kopf	Januar 1900—Dez. 1908
Hornvieh (Eingänge in sieben Städten)	55.00	33	Kopf	Januar 1900—1909
Schweine (Eingänge in fünf Städten)..	18.00	33	Kopf	Jan. 1900—Dez. 1903
Schweine (Eingänge in sieben Städten)	18.00	33	Kopf	Januar 1900—1909
Schafe (Eingänge in fünf Städten)....	4.00	33	Kopf	Jan. 1900—Dez. 1903
Schafe (Eingänge in sieben Städten) ..	4.00	33	Kopf	Januar 1900—1909
Weizen (Eingänge in elf Städten)		1.00	33	Scheffel	Juni 1903
Weizen (Eingänge in zwölf Städten)...	1.00	33	Scheffel	April 1903—Dez. 1903
Weizen (Eingänge in vierzehn Städten)	1.00	33	Scheffel	Mai 1904—1909
Weizen (Eingänge in fünfzehn Städten)	1.00	33	Scheffel	April 1903—1909
Mais (Eingänge in zwölf Städten)]		0.75	33	Scheffel	April 1903—Dez. 1903
Mais (Eingänge in vierzehn Städten)..	0.75	33	Scheffel	Januar 1904—1909
Mais (Eingänge in dreizehn Städten)..	0.75	33	Scheffel	Febr. 1906—Febr. 1907
Mais (Eingänge in fünfzehn Städten)..	0.75	33	Scheffel	April 1903—1909
Hafer (Eingänge in zwölf Städten)....	0.53	33	Scheffel	April 1903—Dez. 1903
        <pb n="428" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

405

Artikel

Hafer (Eingänge in vierzehn Städten).
Hafer (Eingänge in fünfzehn Städten).
Gerste (Eingänge in neun Städten)....
Gerste (Eingänge in zehn Städten)....

Gerste (Eingänge in elf Städten).....

Gerste (Eingänge in zwölf Städten) ...
Gerste (Eingänge in dreizehn Städten).
Gerste (Eingänge in vierzehn Städten).

Roggen (Eingänge in elf Städten).....

Roggen (Eingänge in zwölf Städten) ..
Roggen (Eingänge in dreizehn Städten)
Roggen (Eingänge in vierzehn Städten)
Leinsamen (Eingänge in vier Städten).
Leinsamen (Eingänge in fünf Städten).
Leinsamen (Eingänge in sechs Städten)

Mehl (Eingänge in zehn Städten)......

Mehl (Eingänge in elf Städten).......

Mehl (Eingänge in zwölf Städten).....

Mehl (Eingänge in dreizehn Städten)..
Petroleum (Sendungen durch Röhren-
leitungen. — Eingetragene Liefe-

Preis, in Dollar

0.53 per Scheffel		
0.63	55	Scheffel
0.70	55	Scheffel
0.70	55	Scheffel
0.70	5 5	Scheffel
0.70	55	Scheffel
0.70	55	Scheffel
0.70	55	Scheffel
0.80	55	Scheffel
0.80	55	Scheffel
0.80	55	Scheffel
0.80	55	Scheffel
1.60	55	Scheffel
1.50	55	Scheffel
1.50	55	Scheffel
4.80	55	Faß
4.80	55	Faß
4.80	55	Faß
4.80	55	Faß

Zeitperiode

Febr. 1906—Febr. 1907
April 1903—1909
Juni 1903—Aug. 1908
April 1903—Mai 1908
Sept. 1903—Juni 1908
Febr. 1906—Sept. 1908
Februar 1904—1909
April 1903—1909
April 1903—Juni 1906
Jan. 1905—Aug. 1908
April 1904—1909
April 1903—1909
Februar 1905—1909
Januar 1904—1909
Januar 1904—1909
April 1903—1909
Januar 1904—1909
März	1904—1909

April 1903—1909

rangen

1.80 „ Faß

Januar 1901—1909

Diese Artikel repräsentieren den Handel des Landes und können gut
als dessen Barometer dienen. Dennoch bildet der Handelsumfang, der
tatsächlich aus den Verkäufen dieser Artikel in den betreffenden wenigen
Städten besteht, natürlich nur einen sehr kleinen Teil (wahrscheinlich weniger
als ein Zehntel eines Prozentes) des Gesamthandels des Landes.

Alle zuerst erhaltenen tatsächlichen Zahlen wurden, vor Einsetzung
in Kolonne (2), durch zwei dividiert, um sie auf einen Maßstab zu bringen,
der einen besseren Vergleich mit den Zahlen der Kolonne (3) ermöglicht.
Da die angegebenen Jahre nicht alle Waren enthalten, so mußten die fehlen-
den Jahre in der Tabelle ergänzt werden und zwar nach dem durch Bei-
spiele bereits erläuterten Grundsätze der Proportion. Da die Statistiken
des Monthly Summary nur bis zum Jahre 1900 zurückreichen, mußte die
Tabelle zum Jahre 1896 zurück „angestückt“ werden. Dies geschah durch
Benutzung des Materials aus dem statistischen Auszug der Vereinigten
Staaten und aus dem Auszug des Zensus der Vereinigten Staaten. Die einzigen
erhältlichen Zahlen für wichtige Artikel des Inlandhandels waren die für
Getreide, welche von fünfzehn Hauptmärkten während der Kalenderjahre
erlangt wurden, und für die abgeschätzte Konsumtion des Landes für Fiskal-
        <pb n="429" />
        ﻿406

Anhang zum XII. Kapitel.

jahre diejenigen der folgenden, hauptsächlich oder größtenteils aus ein-
heimischen Produkten bestehenden Artikel: Baumwolle, Schafwolle, bitumi-
nöse Kohle, Roheisen, Eisen- und Stahlschienen, „destillierte Spirituosen,
"Weine und Liköre“.

Die Fiskaljahrzahlen wurden von 1896 bis einschließlich 1901 ge-
nommen und unter der Voraussetzung auf Kalenderjahre reduziert,
daß z. B. die wahre Zahl für das Kalenderjahr 1896 das Mittel derjeni-
gen für die beiden mit dem 30. Juni 1896 und dem 30. Juni 1897 enden-
den Fiskaljahre ist. Auf diese Weise erhalten wir hypothetische Kalender-
jahrzahlen für die Jahre 1896 bis 1900. Diese Zahlen und jene für
Getreide, die bereits für Kalenderjahre gegeben waren, wurden sodann durch
einen Faktor reduziert, wonach jede Zahl für das Jahr 1900 111 ausmachte;
die Zahl für dieses Jahr wurde durch Berechnung der in der Serie 1900—1909
involvierten Artikel gefunden. Von den so erhaltenen Zahlen wurde der
Durchschnitt mit Hilfe von Gewichten genommen, die so gewählt wurden,
daß sie mit den Schätzungen ihrer bezüglichen Bedeutung übereinstimmten,
beurteilt nach den Schätzungen der Werte ihrer Landeskonsumtion und
nach der Tatsache, daß einige davon Indikatoren großer, verwandter Ge-
schäftszweige sind. Die ausgewählten Gewichte waren: für Getreide (ein-
schließlich Weizen, Weizenmehl, Mais, Roggen, Hafer, Gerste, Malz und
Erbsen)1), 20, für bituminöse Kohle, Eisen und Stahl, geistige Getränke
und Baumwolle je 5, und für Roheisen und Wolle je 1.

Das Material für die Jahre 1896—1899 ist viel geringer als das dem
Monthly Summary entnommene für 1900—1909, und zwar aus drei Gründen:
1. weil es in der Anzahl so gering ist, 2. weil es mit Ausnahme des Getreides
für Fiskaljahre gilt und die hypothetische Korrektur bei Kalenderjahren
Irrtümern unterworfen ist, und 3. weil es mit Ausnahme des Getreides nur
auf ganz ungefähre Konsumtionsschätzungen und nicht auf Sendungen oder
Eingänge, sondern auf abgeschätzter Produktion gegründet ist, die betreffs
Export und Import berichtigt wurde; sämtliche drei Elemente sind Irr-
tümern unterworfen.

Es darf uns daher nicht überraschen, in den sich ergebenden Zahlen
für die Jahre 1896—1899 größere Irrtümer zu finden als für die Jahre 1900 bis
1909. Tatsächlich werden wir sehen, daß dies höchstwahrscheinlich der Fall ist.

Für die mühsame Arbeit, die Bestimmung der Indexziffern von 1900
bis 1908 festzustellen, bin ich einem meiner noch nicht graduierten Studenten,
Herrn Robert N. Griswold, und für diejenigen bis zum Jahre 1909 einem
meiner graduierten Studenten, Herrn W. Y. Smiley, zu Dank verpflichtet.

l) Siehe Statistical Äbstrad of United States, 1908, s. 623.
        <pb n="430" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

Kolonne (3) ist ebenfalls auf mühsame, von Herrn Griswold ausgefukrkj,
Berechnungen gegründet. Das Material wurde gleichfalls dem MonwHfc^tQ
Summary of Finance and Commerce entnommen und enthält 23 Hauptartikel
des Imports und 25 des Exports. Die Quantitäten jedes Artikels wurden mit
einem einheitlichen Preise multipliziert und die Summe der sich aus den
für Import und Export ergebenden Zahlen genommen. Die Einfuhrartikel
(mit dem angewendeten Preismultiplikator) waren:

Import der Vereinigten Staaten in den Jahren 1896—1909

(Bulletin oj Bureau of Commerce and Statistics)

Kakao		0.13 per Pfund			Rohseide		4.00	per Pfund
Tee 		0.16	55	Pfund	Häute und Felle (Pelz-		
Kaffee 		0.07	55	Pfund	waren ausgenommen)	0.11	,, Pfund
Zucker		0.02		Pfund	Rohe Wolle		0.13	„ Pfund
Zitronen		0.04		Pfund	Kautschuk		0.78	„ Pfund
Bananen 		0.16		Bündel	Bretter und gesägtes		
Käse		0.17	55	Pfund	Bauholz		18.00	„ 1000
Destillierte Getränke						Fuß
(eingeführt)		5.00	55	Gallone	Kohle (bituminöse und		
Schaumweine (Champ.) 29.00		55	Dtz. Quarts	Anthrazit)		2.60	,, Tonne
Blättertabak		1.00		Pfund	Zinn			0.28	„ Pfund
Baumwolle (zu Tuch ver-				Kupfer (Massel, Stangen,		
arbeitet)		0.09	5 5	□-Yard	Barren, alt und un-		
Leinen (aus Flachs, Hanf				verarbeitet)		0.17	„ Pfund
oder Ramie)		0.50	55	□-Yard	Roheisen		23.00	„ Tonne
Wollene Kleiderstoffe .	0.21	55	□-Yard	Salpetersaures JNatron. 38.00		„ Tonne

Die Ausfuhrartikel waren:

Export der Vereinigten Staaten in den Jahren 1896—1909
{Bulletin of Bureau of Commerce and Statistics)

Vieh		. 55.00 per Kopf			Weizen		.. 1.00 per Scheff.		
Schinken		. 0.11	55	Pfund	Mehl		.. 4.80	55	Scheff.
Pökelfleisch		. 0.09	5)	Pfund	Tabakblätter		.. 0.10	55	Pfund
Frisches Rindfleisch .	. 0.10	55	Pfund	Gesägtes Bauholz ...	.. 23.00	55	1000
Büchsenfleisch 		. 0.11	55	Pfund				Fuß
Speck 		. 0.11	55	Pfund	Holzstoff		,. 0.015	55	Pfund
Schweineschmalz ....	. 0.11	55	Pfund	Leinöl (Kuchen) ....	. 0.014	55	Pfund
Butter		. 0.21	55	Pfund	Gereinigtes Leuchtöl.	. 0.07	55	Gallone
Sohlenleder		. 0.21	55	Pfund	Baumwollsamenöl ...	.. 0.04	55	Gallone
Stiefel und Schuhe ..	. 2.75	55	Paar	Kohle 		.. 3.70	55	Tonne
Rohe Baumwolle ....	. 0.48	55	Ballen	Kupfer		.. 0.17	55	Pfund
Baumwollstoffe		. 0.09	55	Yard	Stahlschienen		.. 31.60		Tonne
Mais		. 0.60	55	Scheffel	Stahlblech		. 0.0135		Pfund.
        <pb n="431" />
        ﻿408

Anhang zum XII. Kapitel.

Die Statistiken der Aus- und Einfuhr sind wahrscheinlich fünfzigmal
so vollständig, wie die des einheimischen Handels und daher (nach dem
Grundsätze, daß wahrscheinliche Fehler sich umgekehrt wie die Quadrat-
wurzel aus der Anzahl der angestellten Beobachtungen ändern), ungefähr
siebenmal so genau. Andrerseits stellen jedoch die Aus- und Einfuhren
weniger als 1 Prozent des einheimischen Handels der Vereinigten Staaten
dar, welche, nach den in früheren Kapiteln erklärten Grundsätzen,
in der Verkehrsgleichung nur zur Hälfte ihres Wertes eingesetzt
werden sollten, da ein Teil des Tauschverkehrs das Ausland ist.
Trotzdem nun auch der Außenhandel eine Kleinigkeit ist, so ist er
doch bis zu einem gewissen Grade ein Index des Binnenhandels, da
große Inlandgeschäfte eine Vorbedingung für Ausfuhren und eine Folge von
Einfuhren sind, während vielleicht ein noch größerer Umfang auf andere
Weise indirekt mit diesem Handel in Verbindung steht. Indem wir diese
und andere Betrachtungen gegeneinander abwogen, wurden die dem
Außen- und Innenhandel zugeteilten relativen Gewichte so ausgewählt,
wie sie in Kolonne (5) wiedergegeben sind.

Kolonne (4) gibt die Effektenverkäufe nach den gewöhnlichen Zahlen,
wie sie beispielsweise in der Financial Review zu finden sind. Diese Zahlen
beziehen sich natürlich nicht auf die Werte, sondern auf den Umfang der
Verkäufe.

Kolonne (6) gibt die Zahlen für die per Eisenbahn beförderten
Güter in Tonnen für Fiskaljahre und zwar nach Poors Railroad Manual.

Kolonne (7) gibt die Zahlen für die in Fiskaljahren durch die Post
der Vereinigten Staaten beförderten Briefe. Diese Ziffern verdanken wir
der gütigen Mitteilung des Postdepartements. Für das Jahr 1896 fehlen
jedwede Angaben.

Wir haben nun noch das für die Kombination der Kolonnen (2), (3),
(4), (6) und (7) angewendete Verfahren zu beschreiben.

Die ersten drei Kolonnen bilden eine Gruppe für sich, die direkte Indizes
des Handels darstellt, während die letzten beiden Kolonnen eine Gruppe
indirekter Handelsindizes konstituieren.

Die direkten Indizes wurden so kombiniert, daß der Binnenhandel mit
zivanzig, die Aus- und Einfuhren mit drei, und die Effektenverkäufe mit
eins gewogen wurden. Diese Gewichte sind allerdings nur Sache der Ansicht,
doch ergeben bekanntlich große Unterschiede im System des Wiegens nur
geringe Unterschiede in den End-Durchschnitten.

Auf diese Weise wird Kolonne (5) gefunden.
        <pb n="432" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

409

Was die relativen Gewichte für Eisenbahn- und Post-Statistiken anbe-
langt, so wurden die ersteren mit zwei und die letzteren mit eins bewertet.
Eisenbahnfracht ist fast bei jeder denkbaren Ware im Handel vertreten
und kommt dem tatsächlichen Handel viel näher als Postsachen.

Nachdem so die Eisenbahn- und Postsachen-Indizes kombiniert waren,
wurde der Übergang von Fiskaljahren zu Kalenderjahren auf Grund der An-
nahme vorgenommen, daß die Zahlen für ein Kalenderjahr das Mittel der
Zahlen der beiden Fiskaljahre sind, die mit dem 30. Juni desselben und dem
30. Juni des nächsten Jahres schließen.

Die Resultate sind in Kolonne (9) wiedergegeben.

Aus den Kolonnen (5) und (9) wurde Kolonne (10) erlangt, indem Ko-
lonne (5) mit zwei und Kolonne (9) mit eins gewogen wurde.

Und schließlich wurde Kolonne (11) gefunden durch Vergrößerung der

399

Zahlen der Kolonne (10) im Verhältnis .v^, um die Zahlen für das Basis-
jahr 1909 den 399 Milliarden Dollar, dem Gesamtwert der linken Seite der
Gleichung (GU + G'U'), gleichzustellen.

Mutmaßliche Irrtümer in den berechneten Werten von H können für
die Jahre 1900—1909 auf ungefähr 5 oder 10 Prozent und für die Jahre
1896—1900 auf 10 bis 15 Prozent angenommen werden.

§ 10 (zum XII. Kapitel, § 5).

Methode zur Berechnung von P.

Die Tabelle im Texte (Seite 238) über Preisindexnummern ist der
letzten Kolonne der Tabelle auf Seite 410 entnommen.

Kolonne (2) gibt die Indexzahlen des Bureau of Labor of the United
States (Nr. 81, März 1909, S. 204).

Für die Zahl für das Jahr 1909, die ich vor ihrer Veröffentlichung
erhielt, bin ich dem Arbeitskommissär Herrn Neill zu großem Dank ver-
pflichtet.

Kolonne (3) ist dem Bulletin of the Bureau of Labor, Juli 1908, S. 7,
entnommen.

Kolonne (4) wurde dem Artikel: „The Priees of American Stocks, 1890
bis 1909“ von Wesley C. Mitchell, Journal of Political Economy, Mai 1910,
entnommen. Diese Zahlen sind zweifellos die besten, die über diesen schwieri-
gen Gegenstand zu erhalten sind.
        <pb n="433" />
        ﻿410

Anhang zum XII. Kapitel.

Die allgemeine Indexziffer in Kolonne (5) ist ein gewogenes Mittel der
Zahlen in den drei vorhergehenden Kolonnen, deren Gewichte wesentlich
dieselben sind wie die, welche von Kemmerer aus gleicher Begründung benutzt
wurden1). Um die Berechnung zu erleichtern, haben wir die Gewichte in
ganzen Zahlen angenommen, nämlich 30 für Kolonne (2), 1 für Kolonne (3)
und 3 für Kolonne (4). Diese Berechnung führt die Tabelle über das Jahr
1907 hinaus. Da Kolonne (3) für die Jahre 1908—1909 unvollständig ist,
wurden diese Jahre und das Jahr 1907 als Durchschnitte der Kolonnen (2) und
(4) ausgearbeitet, wobei die nämlichen wie die bereits erwähnten Gewichte
genommen wurden. Das Ergebnis sind zwei Zahlenreihen, und zwar eine
für alle drei Kolonnen, mit dem Jahre 1907 endende, und die andere für
zwei Kolonnen, mit dem Jahre 1907 beginnende Reihe. Da in diesem Falle
beide Reihen für das Jahr 1907 die nämliche Ziffer (137) aufweisen, so sind
für die Jahre 1908 und 1909 keine Korrekturen erforderlich. Wahrschein-
liche Irrtümer in den Zahlen für P können auf ungefähr 5 bis 10 Prozent
angesetzt werden.

Indexziffern für Preise:

(1)  Jahr	(2)  258 Waren des Groß- handels	(3)  Lohn  per  Stunde	(4)  Vierzig  Wert-  papiere	(5)  Gewogener  Durchschnitt  30x (2)+l x (3)+3 x (4)	(6)  Kolonne (5) reduziert auf der Basis  100 in 1909
				34	
1896..	90	100	77	89	63.3
1897..	90	100	84	90	63.7
1898..	93	100	94	93	66.2
1899..	102	102	128	104	73.8
1900..	111	105	134	113	80.2
1901..	109	108	211	118	83.7
1902..	113	112	250	125	88.7
1903..	114	116	201	122	86.5
1904..	113	117	192	120	85.1
1905..	116	119	250	128	90.8
1906..	123	124	267	136	96.5
1907..	130	129	204	137	97.2
1908..	123	—	201	130	92.2
1909..	127	—	277	141	100.0

0 Siehe Money and Credit Instruments, New York (Holt) 1909, S. 139.
        <pb n="434" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

411

§ 11 (zum XII. Kapitel, § 7).

Gegenseitige Angleichungen der berechneten Werte von
G, Cr', U, V, JP und H.

Es gibt zahlreiche Methoden zur Berechnung der besten Angleichungen,
unter denen auch die Methode der kleinsten Quadrate eine Bolle spielt.
Doch kann das Problem durch Zerlegung des Prozesses in getrennte Stufen
sehr vereinfacht werden. Wir haben zunächst die beste Angleichung der
berechneten Werte jeder Seite der Verkehrsgleichung als Ganzes betrachtet
festzustellen. Bei der Festsetzung relativer Irrtümer auf beiden Seiten ist
richtige Beurteilung erforderlich, doch sind die gesamten Angleichungen so
gering, daß Differenzen in der Beurteilung keinen großen Unterschied in
den Resultaten ergeben.

Nach sorgfältiger Prüfung aller Beweismittel nehmen wir an, daß die Ab-
weichungen auf der rechten Seite (PH) ungefähr doppelt so groß sein können,
wie auf der linken Seite (GH + G' H'). Demgemäß wird die Verschiedenheit
der beiden Seiten dadurch ausgeglichen, daß PH eine zweimal so große Ver-
änderung erfährt als GH + G'U'; das heißt durch eine Korrektur für PH, die
zwei Dritteln der gesamten Verschiedenheit der beiden Seiten gleichkommt
und durch Anwendung des verbleibenden Drittels auf GH -j- G' H', wobei
die beiden Korrekturen natürlich einander entgegenwirken, und zwar derart,
daß sie die beiden Seiten in Übereinstimmung bringen. So ist die Gesamt-
verschiedenheit für das Jahr 1899 5 Prozent, von denen wir ungefähr ein
Drittel, sagen wir 2 Prozent, auf GU + G' U’, und die verbleibenden 3 Pro-
zent auf PH übertragen. Das heißt: Wir erhöhen die für GU + G'U' be-
rechneten Zahlen um 2 Prozent und erniedrigen die für PH um 3 Prozent.
Das Ergebnis bringt die Zahlen mit 185 Milliarden beinahe in Übereinstim-
mung. Zuweilen stimmen die Ergebnisse nicht genau miteinander überein,
da diese Methode des Addierens und Subtrahierens prozentualer Korrek-
turen nur annähernd richtig ist, doch werden irgendwelche verbleibenden
kleinen Verschiedenheiten durch geringe erfahrungsmäßige Veränderungen
in den Faktoren sofort ausgeglichen. Das Resultat ist aus Figur 20 zu er-
sehen, welche GU.+ G'U' und PH (reduziert durch Division durch 1.11)
in der ursprünglichen Berechnung und eine mittlere (punktierte) Kurve
enthält, die die berichtigte Schätzung von GU + G'U' und PH veran-
schaulicht.

Die Korrekturen, die auf diese Weise an GU + G'U' und PH vorge-
nommen worden sind, und durch die sie in gegenseitige Übereinstimmung
gebracht werden, sind unbedeutend, die bei den einzelnen Faktoren G, U,.
        <pb n="435" />
        ﻿412

Anhang zum XII. Kapitel.

G', U', P und II nötigen Korrekturen sind aber noch unbedeutender. Der
Einfachheit wegen nehmen wir an, daß die bei G und G' vorzunehmenden
prozentualen Korrekturen einander gleich sind, und daß auch die bei U
und TJ' vorzunehmenden Korrekturen einander gleich sind. Dies ist eine
berechtigte Annahme, doch selbst wenn irgendeine andere Annahme vor-
läge, so würde dies die Endresultate kaum ändern.

Eine gleichzeitige Korrektur von 1 Prozent bei G und G' bewirkt eine
Korrektur von 1 Prozent bei GU + G'U'. Ebenso wird eine gleich -

Obere fortlaufende Linie: PH ursprünglich.

Untere „	„	: GTJ+G'U' ursprünglich.

Punktierte Linie: PH und GTJ+G'U' berichtigt.

Fig. 20.

zeitige: Korrektur von 1 Prozent bei U und V' eine Korrektur von 1 Prozent
bei GU + G' U' hervorrufen. Wir können somit die Korrektur von GU +
G’U' tatsächlich als aus zwei Teilen bestehend betrachten: aus der Kor-
rektur von G und G' und aus der Korrektur von U und U'. Da die G genauer
festgestellt wurden als die U, so muß deren Korrektur geringfügiger sein.
Die für das Jahr 1897 für GU + G' U' festgesetzte Gesamtkorrektur beträgt
daher 3 Prozent, von denen wir 1 Prozent G und G' und die verbleibenden
2 Prozent U und U' zuweisen. Das heißt: Wir erhöhen die berechneten Werte
von G und G' um 1 Prozent sowie jene von U und U' um 2 Prozent, und be-
wirken damit (ungefähr) die gewünschte Erhöhung von 3% für GU+G’U'. Auf
        <pb n="436" />
        ﻿Anhang zum XII. Kapitel.

413

ähnliche Weise wird die für PH angenommene Gesamtkorrektur auf P und H
verteilt, wobei wir H den größeren Teil zuweisen. Bei Verteilung der Kor-
rekturen 1. auf 0 und G', 2. auf U und U', 3. auf P und 4. auf H, finden
wir, daß nur sehr geringe Einzelkorrekturen nötig sind, deren Höchstziffer
nur 5 Prozent beträgt, und die große Mehrzahl (von 56 Fällen 50) 2 Prozent
nicht überschreitet. Die entschiedene Majorität (von 56 Fällen 35) bewegt
sich innerhalb 1 Prozent. Es ist wirklich erstaunlich, wenn man bedenkt,
daß in den von uns berechneten Werten von G, G\ U, U', P und H gewöhn-
lich nur eine Korrektur von 2 Prozent oder weniger nötig ist, um sie mit
der Verkehrsgleichung vollkommen übereinstimmend zu gestalten. Diese
Tatsache beweist, daß die von uns erlangten Kesultate im allgemeinen korrekt
und zuverlässig sind.

Nachdem wir durch gegenseitige Angleichung alle Faktoren der Ver-
kehrsgleichung berichtigt haben, bleibt uns noch eine Zahl für P, die für
kein Jahr 100 Prozent beträgt. Da wir vorziehen, das Jahr 1909 das Ein-
heitsjahr zu nennen, so sind die Zahlen für P auf dieser Basis auszugleichen
und dementsprechend auch jene für H. Diese Veränderung stört das relativ
zu den ursprünglichen Zahlen bemessene Korrektursystem. Sie reduziert die
Korrektur von P für das Jahr 1909 auf Null. Im allgemeinen verringert sie
die Korrekturen bei P und H für die um 1909 liegenden Jahre und erhöht
sie dementsprechend, je weiter sich die Jahre von 1909 entfernen. Doch
selbst dann übersteigen die Korrekturen niemals 10 Prozent für H und
ebensowenig 6 Prozent für P. Da das ganze Korrektursystem eine Sache
der Beurteilung ist und jede Zahl unter Berücksichtigung aller Umstände
in dem jeweiligen Falle auf ihr eigenes Verdienst hin frank und frei ausge-
bessert wurde, so ist es nicht ratsam, diese Seiten mit einer vollständigeren
Darlegung der umfangreichen Einzelheiten des Prozesses zu belasten. Die
bereits im Texte gegebenen Figuren 13, 14, 15 und 16 sprechen für sich
selbst.

§ 12 (zum XII. Kapitel, § 8).

Kredit- und Bargeldgeschäfte. Vergleich mit Kinleys Schätzungen.

Diese Zahlen stimmen auffallend überein mit dem, was nach einer
ungefähren Berechnung aus Kinleys Untersuchungen erwartet werden kann.
Er fand, daß die deponierten Gelder am 1. Juli 1896 7.4 Prozent und am
16. März 1909 5.9 Prozent aller Depositen konstituierten. Diese beiden Zahlen
sind zu niedrig, um den Prozentsatz der GÄdtransaktionen darzustellen,
und zwar aus dem Grunde, weil Geld oft mehr als einmal zirkuliert ist, bevor
        <pb n="437" />
        ﻿414

Anhang zum XII. Kapitel.

es deponiert wird, wohingegen Schecks im allgemeinen nur einmal zirku-
lieren. Besonders ist die Zahl für das Jahr 1896 wegen der ungewöhnlichen
Beträge der am 1. Juli deponierten Schecks zu niedrig. In der Tat stellte
Kinley die Untersuchungen für das Jahr 1909 hauptsächlich deswegen an,
weil die Zahlen für 1896 nach dieser Richtung kritisiert wurden. Selbst-
redend wollte er mit den Zahlen der Depositen nicht die genauen Verhält-
nisse der Scheck- und Geldgeschäfte angeben. Er erkannte die Tatsache,
daß dieselben ein zu niedriges Verhältnis für Geld und ein zu hohes für
Schecks darstellen würden. Er war davon überzeugt, daß für die Scheck-
transaktionen im Jahre 1896 75 Prozent1) und im Jahre 1909 88 Prozent
ein sicheres Minimum seien, wobei er 25 Prozent und 12 Prozent als siche-
res Maximum für den Geldumlauf annahm. Kinleys Absicht scheint zu sein,
lieber sichere Höchstziffern aufzustellen, als genaue Schätzungen zu wagen.
Wenn wir die Zahlen Kinleys in eine Tabelle bringen, so gestalten sich die in
Prozenten aller Transaktionen ausgedrückten Geldgeschäfte folgendermaßen:

(1)	(2)	(3)	(4)	(5)
	Maximum	Minimum (wie	Mittel der beiden	Gegenwärtige  Schätzung
Jahr	(Kinleys  Schätzung)	durch Depositen angezeigt)	vorhergehenden  Prozentsätze	
1896 .	25	7.4	161	14
1909 .	12	5.9	9	9

Wenn wir dieser Tabelle gemäß den Prozentsatz des Geldes in Bank-
depositen als untere Grenze des Prozentsatzes der Geldtransaktionen und
Kinleys Schätzungen als sichere obere Grenze nehmen, und wenn wir die
Differenz zwischen diesen beiden Grenzen teilen, so kommen wir beinahe1 2)
zu denselben Resultaten wie die, welche wir bereits aus genaueren Berech-
nungen in diesem Buche erhalten haben. In der letzten Kolonne sind diese
Resultate zur Vergleichung gegeben. So bestätigen die Resultate dieses
Buches in auffallender Weise diejenigen von Kinley. Sie stimmen auch voll
und ganz mit der in der Geschäftswelt herrschenden Ansicht überein, daß
ungefähr 90 Prozent des Handels nun vermittelst Scheck ausgeführt werden.

1)	Kinleys ursprüngliche Schätzung eines sicheren Minimums betrug 80 Prozent.
Doch nimmt er im Journal of Political Economy, Bd. V, S. 172, und in „Money“, S. 44
und 108—114,75 Prozent als sicherer an.

2)	Wenn wir Kinleys ursprüngliches „sicheres Minimum“ von 80 Prozent für Schecks,
und folglich auch das „sichere Maximum“ von 20 Prozent für Bargeld nehmen, so er-
halten wir in obiger Tabelle anstatt der 16% 14 Prozent, wodurch die beiden letzten
.Kolonnen miteinander absolut übereinstimmen.
        <pb n="438" />
        ﻿Nachtrag zur zweiten Auflage.

415

Nachtrag zur zweiten (amerikanischen) Auflage.

In der vorliegenden zweiten Auflage sind die Zahlen in den Tabellen
auf Seite 249 und 260 durch Hinzufügung von Zahlen für die Jahre 1910,
1911 und 1912 ergänzt und zwischen Seite 250 und 251 ist eine neue
graphische Darstellung eingesetzt worden. (Betreffs ausführlicher Erläu-
terung dieser Zahlen siehe „‘The Equation of Exchange’, 1896—1910“,
American Economic Review Juni 1911; ,,‘The Equation of Exchange’ for
1911 and Forecast“, a. a. 0. Juni 1912; und „‘The Equation of Exchange’
for 1912 and Forecast“, a. a. O. Juni 1913.)

Herr Professor Wesley Clair Mitchell war so liebenswürdig, mir die
Druckbogen seines demnächst erscheinenden Buches über Business Cycles
(University of California Press) zu zeigen, in dem er die scheckfähigen De-
positen (&lt;7), nach etwas anderen Methoden und mit Hilfe von Material,
das bei Bearbeitung des vorliegenden Buches noch nicht zur Verfügung
stand, nochmals abgeschätzt hat.

Mitchells Schätzungen der scheckfähigen Depositen und der Umfang, in dem
Me Schätzungen des Verfassers dieses Buches die ersteren überschreiten oder
hinter ihnen Zurückbleiben.

	Mitchells  Ergebnisse	Fisher Mehr (oder Minder)	
		nicht ausge- glichen	ausgeglichen
1896..	2.69	— 0.01	+ 0.02
1897..	2.75	+ 0.05	+ 0.11
1898..	3.20	— 0.01	+ 0.02
1899..	3.87	+ 0.03	+ 0.01
1900..	4.21	+ 0.19	+ 0.23
1901..	4.96	+ 0.17	+ 0.17
1902..	5.37	+ 0.06	+ 0.03
1903..	5.64	+ 0.16	+ 0.19
1904..	5.85	— 0.05	— 0.08
1905..	6.56	— 0.02	— 0.02
1906..	6.86	— 0.02	— 0.05
1907..	7.11	+ 0.02	+ 0.02
1908..	6.52	+ 0.08	+ 0.05
1909..	6.81	— 0.06	— 0.13
1910..	7.71	— 0.47	— 0.48
1911..	8.24	— 0.46	— 0.46
        <pb n="439" />
        ﻿416

Wertstabilisierung des Dollars.

Wenn ich dieses Buch noch einmal zu schreiben hätte, würde ich Mit-
chells vollkommeneren Methoden und Resultaten folgen. Wollte ich dies
jetzt tun, so müßten wegen einer sehr geringen Nettoänderung in den End-
ergebnissen eine große Anzahl Druckplatten abgeändert werden. Ich be-
gnüge mich daher hier mit einer Tabelle über Mitchells Zahlen, denen zwei
Kolonnen angegliedert wurden, aus welchen hervorgeht, um wieviel meine
Zahlen größer oder kleiner sind.

Anhang zur zweiten (amerikanischen) Auflage über die
„Wertstabilisierung des Dollars“.

Seit Veröffentlichung dieses Buches ist der im XIII. Kapitel (S. 278 bis
284) entworfene Plan einer Stabilisierung des Preisniveaus (und folglich der
Kaufkraft des Geldes) in Verbindung mit der Golddevisenwährung ausführ-
licher und populärer auseinandergesetzt worden. (Siehe z. B. den Bericht des
Internationalen Kongresses der Handelskammern am 26. September 1912,
die Artikel in der „New York Times“ vom 22. Dezember 1912, im „British
Economic Journal11 vom Dezember 1912 undim „Independent“ vom 2. Januar
1913. Die vollständigste Darlegung wurde in „The Quarterly Journal of
Economics“ im Februar 1913 veröffentlicht.) Der Verfasser des vorhegenden
Buches gedenkt in kurzer Zeit ein weiteres, diesem speziellen Gegenstände
gewidmetes Buch herauszugeben.

Nachstehende Angaben sind meiner vor der „American Economic Asso-
ciation“ im Dezember 1912 in Boston gehaltenen Ansprache entnommen, die
im März 1913 im American Economic Review Supplement in Druck erschien:

Kurz zusammengefaßt bezweckt der Plan die Einführung eines zu-
sammengesetzten Einheitsmaßes, in dem die Einheit „eine zusammengesetzte
Tonne“ oder „ein zusammengesetztes Frachtstück“ vieler Hauptprodukte
ist, wobei ein solches Handelsmaß nicht etwa als solches, sondern als sein
Äquivalent in Barrengold verwendet wird. Dem Wesen nach würde diese
Währung einfach das Gewicht des Goldes im Dollar oder besser, das Gewicht
des Goldes hinter dem Rücken des Dollars verändern. Es wird der Zweck
verfolgt, die Verluste in der Kaufkraft eines jeden Granes Gold durch die
dem DoUar hinzugefügte Goldmenge zu ersetzen.

Auf Grund der Theorie und der Tatsachen können wir das Prinzip als
gesund annehmen, daß, je leichter der Golddollar, um so geringer dessen
        <pb n="440" />
        ﻿Wertstabilisierung des Dollars.

417

Kaufkraft ist und um so größer sämtliche Preise sind und daß, je schwerer
der Dollar, um so größer seine Kaufkraft ist und um so niedriger die Preis-
skala zu stehen kommt. Gelingt es uns nun, das Gewicht des Dollars rasch
genug um ebenso viele Gran zu erhöhen als nötig sind, um seinen jeweihgen
Verlust an Kaufkraft aufzuwiegen, so haben wir den idealen „kompen-
sierten Dollar“, d. h. den Dollar, dem jede Kaufkraft, die er bei einer Ver-
ringerung im Werte des Goldes verhert, stets zurückerstattet wird.

Wir haben jetzt einen Dollar mit festem Gewicht (25.8 Gran), aber
veränderlicher Kaufkraft; nach dem von mir vorgeschlagenen Plan erhielten
wir einen solchen von veränderlichem Gewicht, aber von feststehender
Kaufkraft.

Wie ist es nun aber möglich, einen Dollar mit veränderlichem Gold-
gehalt zu haben, ohne daß die Goldmünzen fortwährend umgeprägt werden
müssen ? Und selbst wenn dies geschehen könnte, wie können wir jederzeit
wissen, welches Gewicht der Dollar haben muß, ohne dessen Bestimmung
der Willkür politischer Beamten zu überlassen?

Wir befinden uns hier vor zwei sehr bedeutsamen Fragen. Ihre Be-
antwortung wird durch eine Erklärung des dem Plane zugrunde liegenden
Prinzips wesentlich erleichtert, wenn wir zunächst einmal annehmen, daß
sich keine wirklichen Goldmünzen, sondern nur Goldzertifikate im Umlauf
befinden. Nun ist eine solche Annahme in den Vereinigten Staaten von
der tatsächlichen Wahrheit nicht allzuweit entfernt, denn mit Ausnahme
Kaliforniens ist die Zahl der in Zirkulation befindlichen Goldmünzen eine
sehr geringe. An deren Stelle zirkuliert nahezu eine ganze Milliarde Dollar
in Goldzertifikaten, die das in den Schatzkammern der Vereinigten Staaten
liegende Gold repräsentieren. Nehmen wir nun weiter an, daß eine andere
Form des Goldes nicht in Umlauf ist. Unter diesen Umständen ist es klar,
daß der endgültige Golddollar in den Schatzkammern der Vereinigten Staaten
in Stangen von Barrengold unbedingt vorhanden ist. Jede 25.8 Gran dieses
Barrengoldes bedeuten einen virtuellen Dollar hinter einem Dollar der aus-
stehenden Goldzertifikate. Eine 25.800 Gran wiegende Stange Gold (Korn-
barrengold) enthält virtuell 1000 Golddollar.

Der Goldgräber bringt nun diese Stangen Korngoldes zur Münzstätte
und deponiert sie, ohne auf ihre Prägung zu warten, erhält dagegen Gold-
zertifikate, und zwar für jede 25.8 Gran des von ihm deponierten Korn-
goldes einen Dollar in Goldzertifikaten. Desgleichen können die Inhaber
von Goldzertifikaten, wenn sie für Exportzwecke oder zur Verwendung in
Juwelierwerkstätten, in der Zahnheilkunst oder für Vergoldungen usw.

Fisher, Kaufkraft des Geldes.	27
        <pb n="441" />
        ﻿418

Wertstabilisierung des Dollars.

Barrengold brauchen, solches jederzeit gegen die Zertifikate entgegen-
nehmen; sie erhalten für jeden Dollar in Goldzertifikaten 25.8 Gran Gold.
Demnach gibt oder nimmt die Regierung Gold zu einer Rate von 25.8 Gran
des Barrenmetalles per Dollar; der virtuelle, wenngleich unsichtbare Dollar
besteht aus diesen 25.8 Gran Barrengold von neun Zehntel Feingehalt.

Der hier gemachte Vorschlag geht dahin, das Gewicht des Dollars der-
gestalt zu verändern, daß die Veränderungen in seinem Werte ausgeglichen
werden. Ohne das Vorhandensein von Goldmünzen würde eine Durchführung
dieses Planes keinen Schwierigkeiten begegnen. Wenn zum Beispiel der
Wert des Goldes oder vielmehr dessen Kaufkraft um 1 Prozent abnimmt,
so wäre das Gewicht des Barrengoldes, das den virtuellen Dollar konstituiert,
nm 1 Prozent, also von 25.8 auf 26.058 Gran zu erhöhen. Wenn in der
Kaufkraft des Goldes eine Zunahme eintritt, so wäre das Gewicht des vir-
tuellen Dollars dementsprechend zu reduzieren. Der das Gold zur Münz-
stätte bringende Goldproduzent würde dann ein Goldzertifikat erhalten,
das für jede 25.8 Gran Gold in Korngehalt nicht notwendig auf einen Dollar,
sondern, je nachdem, auf einen größeren oder kleineren Betrag lauten würde,
wobei die zu erhaltende Summe immer dieselbe Kaufkraft zu besitzen hätte.
In gleicher Weise würde der Inhaber von Goldzertifikaten, die er für den
Export oder für kunstgewerbliche Zwecke in Barrengold eingelöst zu haben
wünscht, für jeden Dollar in Goldzertifikaten nicht immer gerade 25.8 Gran,
sondern je nachdem ein größeres oder kleineres Quantum erhalten. Die
Regierung würde auf diese Weise genau so wie dies jetzt der Fall ist, vom
Goldproduzenten Gold erhalten und dasselbe an den Juwelier abgeben, nur
mit dem Unterschied, daß dies, anstatt des willkürlich festgesetzten Ge-
wichtes von 25.8 Gran in einem veränderlichen Gewichte des Dollars zu
geschehen hätte. Das Gewicht des Goldes per Dollar, zu dem die Gold-
zertifikate jeweilig einzulösen wären, würde den virtuellen und alleinigen
Golddollar konstituieren. Unter solchen Umständen ließe sich das Gewicht
des Golddollars (d. h. das mit einem Goldzertifikat von einem Dollar ein-
lösbare Quantum Barrengold) erhöhen und erniedrigen, ohne ein Umprägen
oder einen anderen Konflikt mit der äußeren Erscheinung des Kurant-
geldes in unserer Tasche zu bedingen.

Eigentlich sollten wir uns zur Darstellung der ganzen Sachlage mit
einem anderen Verfahren vertraut machen. Statt der Ausdrucksweise, daß
die Regierung in der Münzstätte Barrengold entgegennimmt und dieses zur
Einlösung von Goldzertifikaten benutzt, können wir auch sagen, daß die
Regierung Gold kauft und verkauft. Die Regierung kauft das Gold vom
Goldproduzenten und bezahlt es mit Goldzertifikaten; sie verkauft Gold
        <pb n="442" />
        ﻿Wertstabilisierung des Dollars.

419

an den Juwelier, der diese Zertifikate einlöst. Der Preis, zu dem gegen-
wärtig Gold von der Regierung gekauft und verkauft wird, beträgt $ 18.60
per Unze (für Korngold neun Zehntel fein). Dieser Betrag ist aus dem
Gewichte des Golddollars leicht auszurechnen, denn 25.8 Gran Gold bilden
unseren derzeitigen Dollar, und jede Unze (oder 480 Gran) Barrengold ent-
hält 480/25.8 oder 18.60 virtuelle Dollar. Wenn wir uns also sagen, daß
unser Golddollar ein festes Gewicht hat, das auf 25.8 Gran festgesetzt ist,
so bedeutet dies genau dasselbe, wie wenn wir uns sagen, daß wir einen von
der Regierung gezahlten festen Goldpreis haben, der $ 18.60 per Unze be-
trägt. Das Gewicht des Golddollars um 1 Prozent oder von 25.8 auf 26.058
Gran zu erhöhen, bedeutet dasselbe, wie den von der Regierung gezahlten
Preis für Gold von $ 18.60 auf $ 18.42 per Unze zu erniedrigen.

Wir kommen nun zur Beantwortung der zweiten Frage: Wie ist es zu
ermöglichen, die richtigen Anpassungen herauszufinden, die im Gewichte
des virtuellen Dollars, d. h. im Gewichte des mit jedem Goldzertifikat von
einem Dollar auslösbaren Barrengoldes, vorzunehmen sind, ohne die Ent-
scheidung hierüber der Gefahr auszusetzen, in den Händen der Regierungs-
beamten nach Belieben geregelt zu werden ? Mit anderen Worten: Wie kann
die Anpassung im Gewichte des virtuellen Dollars auf automatische Weise
geschehen? Die Antwort hierauf ist: Vermittelst einer Statistik, die den
Namen „Indexnummern der Preise“ führt. Eine solche Statistik wird heute
vom „Economist'1 in London, vom Arbeitsamt der Vereinigten Staaten und
Kanadas sowie von verschiedenen Handelsagenturen, wie der von Bradstreet,
veröffentlicht. Die auf die Engrospreise von 257 Warengattungen gegründete
Indexnummer des erstgenannten Arbeitsamtes zeigt die Ausdehnung an,
in der die Preise im großen Ganzen von Jahr zu Jahr vorrücken oder fallen,
d. h., diese Indexnummer stellt die DwrcAscÄwtlfebewegung sämtlicher 257
Preise dar.

Es gibt eine ganze Anzahl Indexnummersysteme, doch herrscht unter
ihnen eine außerordentliche Übereinstimmung. Sobald man sich über das
zu wählende Indexnummersystem einmal schlüssig geworden ist, gestaltet
sich die numerische Berechnung zu einer bloßen Kommisarbeit. Ein statisti-
sches Bureau (wie z. B. das gegenwärtige Arbeitsamt in den Vereinigten
Staaten oder ein internationales statistisches Bureau) könnte diese Statistik
und die jeweiligen Preise, auf denen jene basiert, periodisch zusammen-
stellen und veröffentlichen. Wenn zu einem gewissen Zeitpunkte die offi-
zielle Indexnummer angibt, daß das Preisniveau um 1 Prozent über Pari
gestiegen ist, so würde dies das Signal zu einer Erhöhung im virtuellen
Dollar von 1 Prozent bedeuten.

27*
        <pb n="443" />
        ﻿420

Wertstabilisierung des Dollars.

Dem vorliegenden Plane gemäß wäre also erstens, für die Berechnung
einer offiziellen Indexnummer der Preise Sorge zu tragen, und zweitens,
würde das offizielle Gewicht des virtuellen Dollars, zu dem die Regierung
Goldzertifikate an die Goldproduzenten ausgibt oder die von den Juwelieren
überreichten Goldzertifikate einlöst, entsprechend zu adjustieren sein. Mit
anderen Worten: Die amtlichen Goldpreise, zu denen die Regierung bereit
ist, je nach Wahl des Publikums Gold zu kaufen oder zu verkaufen,
müßten eine entsprechende Anpassung erfahren.

Kurz, der Plan verfolgt den Zweck, das Gewicht des Dollars virtuell
entweder höher oder niedriger zu stellen (d. h. den Preis des Barrengoldes
nach aufwärts oder nach abwärts festzulegen), was in einem genauen Ver-
hältnis zu den Abweichungen der Preisindexnummer über oder unter Pari
zu geschehen hätte.

Es sollen nun noch in aller Kürze einige Einzelheiten in Bezug auf die
Durchführung des Planes erwähnt werden. Der Leser erwartet gewiß noch
eine Aufklärung darüber, in welcher Weise bei einem solchen System die
wirklichen Goldmünzen zur Verwendung kommen. Die in Zirkulation
befindlichen Goldmünzen fortwährend umzuprägen, würde sich natürlich
als unausführbar erweisen. Doch wäre dies auch ganz unnötig. Die zum
Gewichte von 25.8 Gran per Dollar vorhandenen Goldmünzen würden un-
verändert bleiben und die neu zu prägenden Goldstücke hätten dasselbe
Gewicht zu erhalten. Die Goldmünzen würden einfach den Charakter der
jetzigen Silberdollar annehmen, d. h. sie würden sich in Münzwertzeichen
verwandeln. Sie würden, den Goldzertifikaten gleich, bloße Lagerscheine
oder sozusagen „Metallanweisungen“ für das in den Schatzkammern der
Regierung in Depot hegende Barrengold darstellen. Mit anderen Worten
ausgedrückt würden die Goldmünzen bloße Goldzertifikate bedeuten, die an-
statt auf Papier auf Gold gedruckt sind. Die Benutzung würde genau die-
selbe wie diejenige der Goldzertifikate sein, nämlich, die Münzen können
dem Goldproduzenten gegen sein Barrengold ausgegeben und von denen,
die Barrengold für den Export oder für das Kunstgewerbe benötigen, ein-
gelöst werden.

Das über das Gewicht des gemünzten Dollars hinausgehende Barren-
metall würde mit der allgemein unter dem Namen „Münzgebühr“ bekannten
Ähnlichkeit haben, so daß der Vorschlag gewissermaßen als ein Plan zur
Wiederherstellung des ehemaligen Brauches einer „Münzgebühr“ auf Gold-
münzen bezeichnet werden kann. Wenn also zu irgendeiner Zeit der virtuelle
Dollar auf 35.8 Gran zu stehen käme, so würde das Mehr von zehn Gran
über dem Werte der 25.8 Gran wiegenden Dollarmünze die „Münzgebühr“
        <pb n="444" />
        ﻿Wertstabilisierung des Dollars.

421

darstellen. Der Goldproduzent würde für jede 35.8 Gran Barrengold, die
er in Korngehalt zur Münzstätte bringt, je nach seiner Wahl entweder ein
auf Papier oder auf Gold gedrucktes Goldzertifikat (d. h. eine Dollargold-
münze) erhalten, welch letzteres, genau wie dies jetzt der Fall ist, 25.8 Gran
enthält.

Jedermann, der alte oder neue Goldmünzen besitzt, und jedermann, der
Goldzertifikate in Händen hat, könnte von der Begierung zu der von Zeit
zu Zeit bekannt gemachten offiziellen Rate Barrengold erhalten. Man würde
demnach ein größeres Quantum Barrengold empfangen als das im Golddollar
enthaltene. Unseren anderen Münzen gleich, würde dann das Goldstück
als Münze mehr wert sein, als als Barrenmetall, und dessen Wert wäre genau
so zu bestimmen, wie heutzutage der Wert eines Goldzertifikates oder eines
anderen Papiergeldes bestimmt wird, nämlich durch das endgültige Barren-
metall, mit dem es ausgelöst werden kann, wobei das Gewicht dieses Barren-
metalls ein größeres sein müßte, als das des Dollars selbst.

Die einzige, durch eine Beibehaltung des jetzigen Gewichtes und Fein-
gehaltes der Goldmünzen möglicherweise in Erscheinung tretende Kom-
plikation würde darin bestehen, daß sobald die Preise die Tendenz zu einem
Fallen unter den Pariwert oder unter den Ausgangspunkt, an dem das System
seinen Anfang nahm, zeigen sollten, die Handhabung des Systems einge-
schränkt werden müßte. Das Gewicht des virtuellen Golddollars dürfte nie-
mals unter das Gewicht der Dollarmünze sinken, denn wenn dies der Fall
wäre, würde die Münzgebühr zu einer Minusquantität, und da die Gold-
münzen in Barrenmetall einen höheren Wert repräsentieren würden, als in
geprägtem Zustande, so würde ein Einschmelzen sämtlicher Goldmünzen
in Barrengold die unmittelbare Folge sein. Das System müßte daher den
Vorbehalt in sich schließen, daß das Gewicht des virtuellen Dollars niemals
auf weniger als 25.8 Gran zu stehen kommt und daß demnach der von der
Regierung bewilligte Goldpreis niemals mehr als $ 18.60 per Unze beträgt.
Angesichts der heutzutage herrschenden Unzufriedenheit über die hohen
Preise würde wohl ein großer Teil des Publikums gegen eine Einschränkung
nichts einzuwenden haben, durch die den Preisen zwar gestattet wird, unter
das jetzige Niveau zu fallen, ein höheres Steigen jedoch nicht zuläßt. Dies
wäre aber ein schlechter Grundsatz, weil er nur nach einer Richtung hin
wirkt. Infolgedessen müßte, wenn ich für meine Person auch der Ansicht
bin, daß die Tendenz zu einem Steigen auch in Zukunft andauern wird,
für die Möglichkeit einer Preisbewegung nach abwärts Sorge getragen werden.
Wenn dieser Fall eintreten sollte, so könnten zu allem Anbeginn die Gold-
stücke eingezogen und in Münzen von leichterem Gewicht umgeprägt werden,
        <pb n="445" />
        ﻿422

Wertstabilisierung des Dollars.

was sich in derselben Weise vollziehen ließe, wie der Peso in den Philippinen
eingezogen und im Gewicht vermindert wurde, als das kurz zuvor eingetretene
Steigen im Preise des Silbers zu einem Einschmelzen der Silberpesos zu
führen drohte. Doch brauchen wir meiner Meinung nach die Brücke nicht
eher zu überschreiten, als bis wir zu ihr gelangen, und es genügt daher voll-
ständig, Maßnahmen für einen solchen Fall im voraus zu treffen. Zu diesem
Zwecke könnte einer der nachstehenden beiden Wege eingeschlagen werden.
Erstens könnte für den Fall, daß das Preisniveau jemals um mehr als zehn
Prozent unter den ursprünglichen Pariwert oder unter das Preisniveau sinkt,
von dem das System seinen Anfang nahm, die Einziehung sämtlicher Gold-
münzen aus der Zirkulation vorgesehen und an deren Stelle Goldzertifikate
ausgegeben werden. Auf diese Weise könnten wir uns aus einer durch die
Benutzung von Goldmünzen herbeigeführten Komplikation befreien, und
es würde uns fernerhin jederzeit freistehen, das Gewicht des virtuellen Dollars
nach abwärts und nach aufwärts zu adjustieren. Das zweite Verfahren
besteht in einer Umprägung und Verringerung unserer Goldmünzen, wenn
die Preise tatsächlich um mehr als die angenommenen zehn Prozent unter
das ursprüngliche Niveau fallen sollten. Unter dieser Verringerung ist zu
verstehen, daß das Gold, auf das wir unsere Goldzertifikate drucken, im
Gewicht zu reduzieren wäre. Dieses Gold würde natürlich ebensowenig eine
Verminderung im Werte der Goldmünzen herbeiführen, als die bei einem
ähnlichen Fall im Gewichte der Pesos in den Philippinen erfolgte Redu-
zierung — oder um ein nächstliegenderes Beispiel zu wählen, ebensowenig
wie die vor einem halben Jahrhundert im Gewichte unserer Silberhilfs-
münzen bewirkte Reduzierung um zehn Prozent — die Tendenz hatte, den
Wert dieser Münzen herabzusetzen.

Bei einer Bevorzugung des letztgenannten Planes würde der Ver-
minderungsbetrag der Goldmünze hinreichend sein, um einen bequemen
Spielraum für dergleichen eventuell in Zukunft auftauchende unerwartete
Ereignisse zu schaffen. Ein späteres Umprägen könnte daher auf lange
Zeit hinausgeschoben und eine ähnliche Vorkehrung dafür getroffen werden.
Ich für meine Person würde der erstgenannten Methode, bei der die Gold-
münzen ganz und gar ausgeschieden werden, den Vorzug geben.

Ein anderes ganz wesentliches Detail in dem System besteht in einem
Vorbehalt, durch den etwaige für die Regierung unheilvolle Spekulationen
in Gold vereitelt werden. Dies könnte mittelst einer geringen, sagen wir
1 Prozent betragenden Gebühr geschehen, die zur Deckung der Prägekosten
an die Regierung zu zahlen wäre. Diese spezielle Gebühr ist schon in früheren
Zeiten gebräuchlich gewesen. Demzufolge würde der zu irgendeinem Zeit-
        <pb n="446" />
        ﻿Wertstabilisierung des Dollars.

423

punkte von der Regierung bei dem Einkauf von Gold gezahlte Preis etwas
geringer sein als der, zu welchem sie das Gold verkauft. Denn ohne eine
solche zum Schutze der Regierung festgesetzte Sicherheitssumme würden
die Spekulanten, wenn die Regierung den Goldpreis beispielsweise von
$ 18.— auf $ 18.10 per Unze erhöht, in der Voraussicht dieser Erhöhung
alles in den Kellern des Schatzamtes lagernde Gold zu $ 18.— aufkaufen,
um es unmittelbar nach der Preis Veränderung zum Preise von $ 18.10 an
die Regierung wieder abzugeben, wobei sie auf Kosten der Regierung zehn
Cent per Unze profitieren würden.

In gleicher Weise würde ein eventuelles Sinken im Preise, sagen wir
von $ 18.10 auf $ 18.—, eine Spekulation nach der entgegengesetzten Rich-
tung ermutigen. Wer sich im Besitze von Barrengold befindet, würde das
letztere eiligst zum Schatzamt bringen, um es zur neuen Rate von $ 18.10
zu verkaufen und sofort nach dem Preiswechsel zu $ 18.— zurückkaufen,
wobei er ebenfalls auf Kosten der Regierung zehn Prozent per Unze profi-
tierte. Wenn sich aber die Regierung durch die obengenannte spezielle
Münzgebühr von 1 Prozent gegen derartige Manöver verwahrt und wenn
Vorkehrungen getroffen werden, daß in dem von der Regierung aufgestellten
Preispaar — gleichviel ob sich beide Preise nach aufwärts oder nach abwärts
bewegen — keinerlei Einzelverschiebung diese „spezielle Münzgebühr“ oder
den für beide Preise aufgestellten Sicherheitsbetrag überschreitet, so liegt
es auf der Hand, daß eine derartige Spekulation nicht aufkommen könnte,
denn durch die an die Regierung zu zahlende spezielle Münzgebühr würde
die Einbuße größer sein, als ein eventueller, durch den Wechsel im Preise
herbeigeführter spekulativer Gewinn.

Ein weiterer in dem Schema zu berücksichtigender Umstand bezieht
sich auf Verfügungen, mittelst denen von allem Anfang an eine Goldreserve,
soweit sie nicht bereits vorhanden ist, gesichert und unterhalten wird. Die
in den Vereinigten Staaten bereits im Schatzamt liegenden 50 000 000 Unzen
Gold könnten sodann zur Einlösung der ausstehenden $ 900 000 000 Gold-
zertifikate verwendet werden.

Jede im Handel befindliche Einheit ist stabilisiert worden, ausgenommen
die wichtigste und universellste von allen, die Einheit der Kaufkraft. Welcher
Geschäftsmann würde auch nur im entferntesten darauf eingehen, einen
auf soundsoviel Meter Tuch oder soundsoviel Tonnen Kohle lautenden
Kontrakt abzuschließen und die Länge des Metermaßes oder die Größe
der Tonne dem Zufall überlassen. In früheren Zeiten diente der Gürtel
eines Mannes als Längenmaß. Um es konstant zu gestalten, wurde es stabili-
siert. Selbst unsere neuen Elektrizitätseinheiten, das Ohm, das Kilowatt,
        <pb n="447" />
        ﻿424

Wertstabilisierung des Dollars.

das Ampere und das Volt sind stabilisiert worden. Aber der Dollar ist
nach wie vor den Wechselfällen der Goldproduktion ausgesetzt. Die Wert-
stabilisierung der elektrischen Einheiten konnte anfangs nicht vorgenommen
werden, weil uns die geeigneten Instrumente zur Bemessung dieser aus-
weichenden Größen fehlten. Sobald aber derartige Bemessungsvorrichtungen
erfunden wurden, erfolgte die Stabilisierung dieser Einheiten. Die Unter-
lassung einer Stabilisierung des Dollars als Einheit der Kaufkraft und somit
der Stabilisierung von Zahlungen zu einem späteren Termin konnte bisher
auf. eine ähnliche Rechtfertigung zurückgeführt werden, denn zu einer Be-
messung fehlte uns das geeignete Instrument und auch ein Plan, nach dem
die Resultate hätten praktisch verwertet werden können. Aber mit der Ent-
wicklung der Indexnummern und mit der Einrichtung, diesen Indexnummern
eine entsprechende Münzgebühr anzupassen, stehen uns nunmehr alle zu
einer wissenschaftlichen Stabilisierung des Dollars und zur Verwirklichung
des langbegehrten Ideals eines „vielfachen Wertregulators“ erforderlichen
Materialien zur Verfügung. Es liegt nun in der Macht der menschlichen
Gesellschaft, ein stabilisiertes Einheitsmaß des Geldes, einen stabilen Dollar,
zu schaffen.
        <pb n="448" />
        ﻿Personen- und Sachregister.

A.

Ägypten, Annahme der Goldwährung, 197-

Aktien, Überempfindlichkeit den Geld-
schwankungen gegenüber, 155—156.

Aldrich-Vreeland Bill vom Jahre 1908,1161)

Aldrich Report über Großhandelspreise,
2102) 211 3), 329

Amerikanische Kolonien, Papiergeld, 208 ff.

Andrew, A. Piatt, X, 7 *), 3041),2).

Angebot und Nachfrage, 156 ff.

Anleihekontrakte s. Kontrakte.

Anordnungen, Berechnung der Quantitäten,
Preise und Durchschnitte, 355—362,
367—368.

Arbeiter, relative Anpassungsfähigkeit der
Preise für Arbeitsleistungen, 151—152.

Arbeitsteilung, Einwirkung auf das Han-
delsvolumen, 60—61.

Assignaten 205.

Atkinson, F. J., über Silberpreise in Indien,
197.

Aufschwungsperioden führen zu Krisen 47ff.

Aupetit, Albert, 1281), 189 x), 1912), 1941).

Auslandshandel, Einfluß auf die Geldquan-
tität, 72—77; mit Inlandshandel ver-
glichen, 249—250, 407—409, 484—486.

Austausch, definiert als zwei gegenseitige u.
freiwillige Reichtumsübertragungen, 2.

Austauschbarkeit, die verschiedenen Stufen,
Grundbesitz, Hypotheken, Privateffek-
ten, Staatspapiere, Wechsel, Tratten und
Schecks, 8.

Australien, Preissteigerung durch Gold-
funde, 196.

Avenel, Vicomte d’, Schätzungen, 189 '),
190 !), 1912).

B.

Bankdepositen, 9; Einfluß auf die Verkehrs-
gleichung und folglich auf die Kaufkraft,
27 ff.; quantitatives Verhältnis zum Gel-

de in einem gegebenen Gemeinwesen, 42,
120; ihre Erweiterung während Perioden
steigender Preise, 48, 222—223; Ver-
minderung in Perioden fallender Preise,
54—56; ihre Umlaufsgeschwindigkeit er-
höht sich mit zunehmender Bevölke-
rungsdichte, 70—71; Abhängigkeit von
der Quantität des Geldes, 132. S. a. De-
positen.

Bankdepositenumlauf, vor dem Eintritt von
Krisen und während ihrer Dauer, 216—
220. S. a. Depositen.

Bankgesetze, relative Zunahme an Depositen
teilweise durch Ausdehnung des Bank-
wesens veranlaßt, 258.

„Bank-Gold“, 91 *).

Banknoten, 31; Zirkulation vor, während
und nach Krisen, 218 ff.

Bankschecks, deren Funktion, 27—29. S. a.
Schecks.

Bankwesen, Einzelstaatenbankon 37.

Bargeld, im Gegensatz zu Kreditgeld, 9.

Barrengold und Goldmünze im Werte
gleich, 78—79.

Barrenmetall, Einfluß des Einschmelzens
von Münzen auf die Geldquantität, 77—
79.

„Belasten“, Erhöhung der Umlaufsge-
schwindigkeit durch „Belastung“, 65;
Einwirkung auf das Depositenvolumen,
66—67.

Bergwerksbetrieb, Goldproduktionskosten,
82.

Bergwerksgrundstücke, Beeinflussung des
Wertes durch Veränderungen im Zins-
fuß, 157.

Bevölkerung, Konzentration als Haupt-
ursache der Zunahme in der Umlaufs -
geschwindigkeit, 258.

Bevölkerungsdichte, Zunahme beschleunigt
Geldumlauf und Scheckverkehr, 134;
        <pb n="449" />
        ﻿426

Personen- und Sachregister.

Wirkungen erhöhter Bevölkerungsdichte
auf Umlaufsgeschwindigkeit und Han-
delsvolumen, 134—136.

Bimetallismus, figürliche Darstellung seiner
Wirkungsweise, 92 ff.; Erfordernisse bei
vollkommenem Bimetallismus: freies u.
unbeschränktes Münzen beider Metalle
zu festgesetztem Verhältnis und unbe-
schränkte gesetzliche Zahlungskraft jedes
Metalls zu diesem Verhältnis, 93; Um-
stände, unter denen der internationale
Bimetallismus erfolgreich ist, 100; Schil-
derung seines Betriebes in Frankreich
und bei der Lateinischen Münzunion,
105—107; dessen Unvollkommenheit,
110; Behauptung, daß der Bimetallismus
die Preise stabil gestaltet, 266—267;
Möglichkeit seines Zusammenbruchs,
267; Überwertung des einen Metalls kann
die Wirkung haben, die Preise nicht sta-
bil, sondern labil zu gestalten, 267—268;
Grenzen der Verhältnisse, innerhalb de-
ren der Bimetallismus möglich ist, 310—•
311.

Boden s. Grundbesitz.

Bortkiewicz, L. von, 26‘).

Bradstreet, Indexnummern, 185, 199.

Bryan, VIII.

Buchkredit, Erhöhung der Umlaufsge-
schwindigkeit durch Buchkredit, 65—67;
dessen Einwirkung auf die Verkehrs-
gleichung, 304—305, 413—414, 491.

C.

Chile, Annahme der Goldwährung, 197.

China, Steigen der Preise, 197.

Clark, J. B„ 1781).

Committee of the British Association for the
Advancement of Science, Bericht über
Indexnummern, 184—185.

Conant, Charles A., 1051), Hl2), 1801).

Costa Rica, Annahme der Goldwährung, 197.

D.

Darwin, Leonhard, Bimetallism, 101 *).

Del Mar, History of the Precious Metals, 1912),
1932).

Depositen, Normalverhältnis der verschiede-
nen Banken, 37; Zunahme der Depositen
hat keine nennenswerte Wirkung auf
Umlaufsgeschwindigkeiten und Han-
delsvolumen, verursacht aber ein leichtes
Steigen der Preise, 132—133; Wirkungen

einer Veränderung im Verhältnis zwi-
schen Geldquantität und Depositen, 132
—133; Wirkungen von Veränderungen
in den Depositenumlaufsmitteln auf die
Preise (Krisen und Depressionen), 216ff.;
Statistiken der Depositen, 229—232;
Beweis, daß sich die Depositen verdrei-
facht haben und deren Umlaufsge-
schwindigkeit innerhalb 14 Jahren um
50 % zugenommen hat, 249—250; Sta-
tistik des auf den Kopf der Bevölkerung
berechneten Geldes und dessen Umlaufs-
geschwindigkeit, 250; das Anwachsen der
Depositen ein bedeutender Faktor beim
Steigen der Preise, 251—254; Zunahme
ihrer Umlaufsgeschwindigkeit haupt-
sächlich auf die Konzentrierung der Be-
völkerung in den Städten zurückzufüh-
ren, 258; Methode zur Berechnung der
Depositen, 362—368, 434—441.

Detailpreise, Zahlen über deren relative Be-
deutung im Vergleich zu den Engros-
preisen, 182—183.

Deutschland, Annahme der Goldwährung,
196.

Dispersion der Preise,' 149 ff.; durch Kon-
trakte, gesetzliche Beschränkungen und
Macht der Gewohnheit, 150—153; Preise
der aus Geldmetall bestehenden Waren
weisen keine wesentlichen Schwankun-
gen auf, 154; Schwankungen der Einzel-
preise unter dem Einfluß von Angebot
und Nachfrage, 155—157.

Durchschnitte, Erörterung und Erklärung,
16,19,22,160—164,286—289; gewogene
Durchschnitte, 19, 202), 161—164, 286—
289; einfache,ungewogene Durchschnitte
160—161, 286—289.

„Durchschnittszehnte“ in England, die nach
dem jeweiligen Werte des Getreides fest-
gesetzt wurden, 273.

E.

Ecuador, Annahme der Goldwährung, 196.

Edgeworth, F. V., 203), 136,1612), 1761),
177I),2662),2691),2733), 3231),3271)2),
351, 354, 355, 426, 427.

Effektenkurse, deren Anpassungsfähigkeit
152.

Eigentum oder Eigentumsrecht, definiert,13;
Unterscheidung zwischen Reichtum und
Eigentum, 3—4; Einheiten zur Bernes-
        <pb n="450" />
        ﻿Personen- und Sachregister.

427

sung von Eigentum, 4; Unterscheidung
zwischen Eigentumsanrechten und Aus-
weisscheinen dieser Anrechte, 4.

Einkommen, definiert als Strom der Nutz-
leistungen vom Güterbestand (Kapi-
tal), 6.

Einnahme und Ausgabe, Wirkung einer Zu-
nahme in deren Frequenz auf die Um-
laufsgeschwindigkeit, 67—69; Wirkung
der Regelmäßigkeit in Einnahme und
Ausgabe, 69—70.

Eisenbahnen, Einfluß auf die Umlaufs-
gesehwindigkeit, 71.

England, Minnie Throop, Statistik, 141,
2231).

England, Statistik über Preisbewegungen,
193; mit Papiergeld gemachte Erfah-
rungen, 193—194,205—207; Aufstellung
der Jahre finanzieller Krisen, 217.

„Equation of Exchange“, 415; s. Verkehrs-
gleichung.

Erfindungen als störende Kräfte des finan-
ziellen Gleichgewichts, 57; deren Ein-
wirkung auf das Handelsvolumen und
auf das Preisniveau, 62.

Essars, Pierre des, 501), 702), 2193), 2202).

Evelyn, Sir G. S., Aufbau von Index -
nummem im Jahre 1798, 168 ').

F.

Fairchild, F. R., Artikel „Taxation of Tim-
herland“, 157.

Falkner, Roland P., Indexnummern, 185.

Fetter, Frank, 1781).

„Fiars“-Preise in Schottland, 273.

Fisher, Irving, Werke „The Nature of Capi-
tal and Income“, l1), 361), 1731); „The
Rate of Interest'1, 451), 461), 471), 622),
671), 1701), 1731), 1741), 1802), 1811),
2162), 221 *); Schriften und Artikel: 203),
921), 142»), 1541), 169'), 1702), 198»),
3161), 415.

Fleetwood, William, 1681).

Flux, A. W. 3512).

Forstkultur, Wirkung der Veränderungen im
Zinsfuß, 157.

Foxwell, H. S., 1761).

Frankreich, mit Bimetallismus gemachte
Erfahrungen, 105—107; mit Papiergeld-
systemen gemachte Erfahrungen, 204—
205; Aufstellung der Jahre finanzieller
Krisen, 217.

G.

Gehälter, relative Anpassungsfähigkeit, 151
—152.

Geldmangel, Ursachen, 54—55.

Geld, definiert als der Artikel, der im Aus-
tausch für Güter allgemein zur Annahme
gelangt, 1, 7; dreierlei Bedeutung des
Geldes im Sinne von Reichtum, Eigen-
tum und urkundlichen Nachweises, 4;
Umlauf des Geldes, definiert als ein
Strom übertragenen Geldes oder Geld-
ersatzmittel, 6; Benützung verschiedener
Artikel als Geld, 7; Bargeld und Kredit-
geld, 9; Akzeptation kraft Zahlungs-
mittelgesetz oder eingewurzelten Brauch,
9; Unterscheidung zwischen Bankdepo-
siten und Banknoten, 9; Kaufkraft des
Geldes bestimmt durch die Quantitäten
anderer Güter, die eine Geldquanti-
tät kauft, 11; Umlauf bedeutet Gesamt-
betrag der Umsätze gegen Güter, 11;
Banknoten, 31, 47; Greshams Gesetz,
daß das billige Geld das teurere vertreibt,
89 ff.; vergleichende Aufstellung der
Edelmetallbestände in Europa und
Preisniveaus, 191—192; Statistik in Um-
lauf befindlichen Geldes, 228—229,
357 —361; Nachweis, daß es sich in 14
Jahren nahezu verdoppelt hat und
Statistik tatsächlichen Geldumlaufs,
249—250; Geldsurrogate ungleich an-
deren Ersatzmitteln 308—310.	S. a.

Quantitätstheorie des Geldes.

Geldmenge s. Quantität des Geldes oder
Geldquantität.

Geldquantität, Zunahme des Geldes der be-
deutendste Faktor beim Steigen der
Preise, 251—254; Wirkung einer Zu-
nahme und Wirkung durch das Über-
fließen des Geldes ins Ausland, 255;
Wettlauf mit dem Handelsvolumen, 265.

Geldwechsel, Austausch von Geld gegen
Geld, 11.

Geographische Unterschiede, Einwirkung
auf das Handelsvolumen, 60—61.

„Geschäftsbarometer“ und darauf gegrün-
dete Voraussagen, 263—264, 402.

Geschäftsdepression, 55.

Gesetzliches Zahlungsmittel, Art und Weise,
wie Geld gesetzliches Zahlungsmittel
wird und des Geldcharakters entkleidet
werden kann, 7—8.
        <pb n="451" />
        ﻿428

Personen- und Sachregister.

Giften, Sir Robert, 167 , 323 *)•

Gleichung des Tauschverkehrs s. Verkehrs-
gleichung.

Gold, der beste Typus einer als Geld fun-
gierenden Ware, 2; Produktion, Kon-
sumtion und Bestand durch mechanische
Illustration veranschaulicht, 84—88;
Einfluß des Verlustes an Gold auf
die Geldmenge, 86; relative Nicht-
anpassungsfähigkeit der Preise aus Geld-
metall verfertigter Artikel, 151—152,
154; Statistik der Zunahme der
Jahresproduktion des Goldes, 190—191;
Prophezeiung eines weiteren Steigens
der Preise infolge zunehmender Gold-
produktion, 201—202; Gold in den Ge-
wässern der Ozeane, 202; statistischer
Vergleich zwischen Gold und „Green-
backs“, 210; Schwierigkeit, für Gold
einen Ersatz zu finden, 265—266; die
verschiedenen Ersatzmittelvorschläge,
266—285; Veränderlichkeit inderGold-
und Silberproduktion, 267 *)•

Golddevisenwährung, eine Art „hinkender
Währung“, 101; das unter diesem Namen
bekannte System teilweiser Einlösung,
104—105, 276ff.; deren Annahme in
Indien, in den Philippinen, Mexiko, in
den Straits Settlements, Siam und
Panama, 111—112, 276ff.; günstige
Resultate, 278.

Goldmünze, das einzige primäre Geld in den
Vereinigten Staaten, 10.

Goldproduktion, Hauptursache der Zunahme
des Geldes, 258; Prophezeiung der Ent-
deckung billiger Methoden der Gold-
gewinnung, 2841).

Goldwährung, allgemeine Annahme und
daraus resultierendes Fallen der Preise,
197, Unkenntnis seitens der Geschäfts-
welt, 264, 284; als stabile Währung un-
geeignet, 265ff.; Weltgoldwährung un-
beständiger als Bimetallismus, 266.

Goodbody, Robert, 153a).

„Greenbacks“, Papiergeld in den Vereinig-
ten Staaten, 113; eine nutzlose Anomalie,
115—116; Entwertung während des
Bürgerkrieges, 209 ff.; Vergleichung von
Preisen in Gold und Greenbacks, 210;
Erklärung über Steigen und Fallen in
ihrem Werte, 212 ff.

Greshams Gesetz, daß das billige Geld das
teurere vertreibt, 89 ff.

Griswold, Robert N., Berechnungen, 406.

Grundbesitz, eine Kategorie des Reich-
tums, 1; relative Anpassungsfähigkeit
der Preise gepachteten Grundbesitzes,
151; Einwirkung der Veränderungen im
Zinsfuß auf den Wert von Grundbesitz,
157; nimmt unter den Gesamtumsätzen
der Vereinigten Staaten nur einen ge-
ringen Raum ein, 182.

Güter, Definition, 5.

Güterbestand, Unterscheidung zwischen Gü-
terbestand und Güterstrom, 6.

H.

Hadley, A. T„ 203).

Hanauer, 1891), 190l), 1912).

Handel, definiert als ein Strom von Über-
tragungen, 6; Einwirkung des Außen-
handels auf die Geldquantität, 72—77;
Vergleichung des Innen- und Außen-
handelsvolumens, 249—250, 407—409.

Handelsbilanz, 23; günstige und ungünstige
Handelsbilanz, 75—76.

Handelsfreiheit, Wirkung auf das Handels-
volumen und das Preisniveau, 62—63.
S. Zollgesetze.

Handelsverkehr, Volumen des Außenhandels
dem des Innenhandels gegenübergestellt,
249—250, 407—409.

Handelsvolumen, Abhängigkeit des Preis-
niveaus vom Handelsvolumen, 12, 15—
17, 20ff.; außerhalb der Verkehrsglei-
chung liegende Ursachen der Einwirkung,
69—63; Nachweis der Unabhängig-
keit von der Geldquantität, 126—127;
seine Zunahme erhöht die Menge
des in Zirkulation befindlichen Geldes,
134—135; Wirkungen auf die Umlaufs-
geschwindigkeit, 134—137; Statistik,
237, 249—250; Wettlauf mit der Geld-
menge, 265; Berechnungsmethode, 402;
Indexnummern, 403 ff.

Hardy, S. M., 2261).

Hazard, Thomas, 2084).

Hertzka, Vorschlag eines „verbundenen
Metallsystems“, 269.

Hildebrand; 1311).

„Hinkende Währung“, unter dieser Be-
zeichnung bekanntes Geldsystem, 101;
Britisch Indiens Erfahrungen, 111—112;
        <pb n="452" />
        ﻿Personen- und Sachregister.

429

Erfahrungen der Vereinigten Staaten,
112—147; Walrassche Goldwährung mit
„Silberregulator“, eine Abart der hin-
kenden Währung, 269.

Holt, Byron W., 1511).

Hunt, William C., Schätzungen, 390—392.
Hypothekenscheine, 151—162.

I.

Indexnummem, praktisch notwendige Kol-
lektivzahlen, 150—159; Unterscheidung
in bezug auf Form, 160 ff.; einfache oder
ungewogene Durchschnitte, 160—161;
gewogene Durchschnitte, 161—164; Auf-
baumethoden, 162—164; Wahl einer
Basis, 164—165; deren Anwendung zur
Bemessung von Kapital undEinkommen,
166 ff.; Anwendung als Basis von Dar
lehenskontrakten und aufgeschobenen
Zahlungsverbindlichkeiten, 168 ff.; Vor-
schläge und Bericht des britischen
Komitees, 184—185; Vorteile des Medi-
anwerts, 185—186; Indexnummern des
Handelsvolumens, 237, 403; Preisindex-
nummern, 237—239, 410; deren An-
wendung bei einer TabellarWährung, 272
—276; korrelative Form, 316 ff.; Proben,
330-338.

Indien, Silberumlaufsmittel, 88; Erfahrun-
gen mit der „hinkenden Währung“, 111
—112; Annahme der Goldwährung und
darauffolgendes Steigen der Preise, 197;
Golddevisenwährung, 276—277.

Industrie, Einfluß industriellen Verbrauchs
an Gold auf die Geldquantität, 86;
Industrie- und Arbeitnehmerverbände,
146—147; Inflationismus, 46; Insolvenz
einer Bank, 35; Ursachen der Zahlungs-
einstellung, 52—53.

Internationaler Handelsverkehr, Modifika-
tion der Verkehrsgleichung, 72—77, 305
—308.

Italien, Folgen übermäßiger Papiergeldaus-
gabe, 91.

Jacob, William, 191 *).

Jahreszeitliche Schwankungen, Wirkung auf
Umlaufsgeschwindigkeit, Geld- und De-
positenquantität, 68, 131.

Japan, Annahme der Goldwährung und
darauffolgendes Steigen der Preise, 197.

Jevons, W. S., 71), 81), 101), 641), 711),
151»), 1581), 1912), 1951), 201*), 206,
233, 2661), 272, 2741), 327*).

Johnson, J. F., 1081), 203*), 273*).

Juglar, Clement, 2162), 217D, 219s), 2201).

K.

Kalifornien, Geldart, 7; Preissteigerung
durch Goldfunde, 125, 196.

Kapital, definiert, 6; Einfluß der Kapitals-
anhäufung auf das Handelsvolumen, 61.

Kauf und Verkauf, Austausch von Geld
gegen Güter, 11.

Kaufkraft des Geldes, Beziehung zur Ver-
kehrsgleichung, 7 ff.; durch die Quan-
titäten anderer Güter bestimmt, 11;
Einfluß d. Depositenumlaufsmittel,27 ff.,
Störung der Kaufkraft während Über-
gangsperioden, 44—59; die verschiede-
nen indirekten Einwirkungen, 59 ff.;
Einwirkung der Goldsysteme, 89—118;
Einwirkung der Geldquantität, 119 ff.;
Indexnummern der Kaufkraft des Geldes,
149—188; Tafelmaßstab, 171; Maßstab
des Nutzens, 178—179; Problem der
Stabilisierung, 261 ff.; Unbeständigkeit
und Unzuverlässigkeit, 263 ff.; Mangel
an Verständnis seitens der Geschäftswelt,
264, 284. S. a. Preisniveau.

Kemmerer, E. W„ 12*), 203), ß?1),!!!*) 2),
172*), 183, 225 ff., 2711), 410, 357—359.

Kinley,482), 70l), 1711), 183,230, 387, 413.

Knapp, G. F., 261).

Kontinentalpapiergeld, 208 ff.

Kontrakte, Beschränkung der freien Preis-
bewegung kontraktlich festgesetzter Prei-
se, 150 ff.; Nichtanpassungsfähigkeit je
nach Zeitdauer, 153—154; Bemessung
des Steigens und Fallens im Werte durch
Benutzung von Indexnummern, 169—
176.

Korrelationskoeffizient, 239—241.

Kredit, zirkulierender Kredit oder Bank-
depositen-Umlaufsmittel, 27 ff.

Kreditgeld, definiert, 9.

Kreditzyklus, Beschreibung des Verlaufs,
47—68; statistische Aufstellung, Kulmi-
nation, 221—223; Abschwächung der
Schwankungen durch einen „tabellari-
schen Wertregulator“, 274—275.

Krisen, langsame Anpassung des Zinsfußes,
Kulminationspunkt einer Preisbewegung

KB
        <pb n="453" />
        ﻿430

Personen- und Sachregister.

nach aufwärts, 52—53; definiert als
Höhepunkt des Steigens der Preise, 216;
Phänomene vor und nach Eintritt einer
Krise, Krisenjahre, 218—223.

L.

Lake, A. C., dessen Flugschrift über Um-
laufsmittelreform, 2841).

Landry, Adolphe, 681), 691).

Landwirtschaftsgrundstücke, Beeinflussung
des Wertes durch Veränderungen im
Zinsfuß, 166—157.

Lateinische Union, 105, 107—108.

Lauck, 2191).

Laughlin, 121), 411), 831), 112,1351), 1961).

Launay, L. de, 201x).

Law, John, französische Emissionsbank, 204.

Lebenskosten, anhaltendes Steigen, 258—
259, 2841).

Leber, 1891), 190 0, 1913).

„Legal Tender“ s. gesetzliches Zahlungs-
mittel.

Leslie, Cliffe, 190.

Löhne, Wirkung der Zahlungsfrequenz auf
die Umlaufsgeschwindigkeit, 68—69;
relative Anpassungsfähigkeit, 151—152;
passende Indexnummer, 168; Prozent-
satz in den Vereinigten Staaten, 183.

Logan, Walter S., 1521).

Lowe, Joseph, Vorschlag der Benutzung von
Indexnummem oder eines tabellarischen
Wertmessers, 1681), 272.

M.

Macleod, H. D., 893).

Magee, J. D., Zahlen über die Gold- und
Silberproduktion der Welt, 1902), 1952).

Mandate, französisches Papiergeld, 205.

Marshall, Alfred, Symmetallismus 681), 269,
351.

Massachusetts, Papiergeldausgabe, 208.

Maßstab des Nutzens, 178—179.

„Medianwert“, dessen Vorteile über andere
Indexnummerformen, 185—186, 353 ff.

Menger, 41).

Merriam, Lucius S„ 178L).

Metallsysteme, 269.

Mexiko, Annahme der Goldwährung, 197;
Golddevisenwährung, 276—277.

Mill, J. S„ 203), 251), 391), 811), 1621).

Mitchell, W.O., IX, 1131), 1621), 2103)’),
211l) 3), 2161), 3542), 3551), 409, 415.

Monometallismus (Gold und Silber), 98.

Morawetz, Victor, 37x).

Münzen, Adjustierung der relativen Werte
verschiedener Münzen, 282.

Münzenübertragung, 298—299.

Münzgebühr s. Schlagschatz.

Muhleman, Maurice L., Berechnungen,
1983) *), 360, 361.

Mulhall, 194*).

N.

Nahrungsmittel, Steigen der Engrospreise,
259.

Nationalbanknoten der Vereinigten Staaten,
116—117.

Nationalökonomie, definiert als Wissenschaft
des Reichtums, 1.

Newcomb, Simon, 203).

Nicholson, J. S„ 1663), 3231).

Niederlande, Annahme der Goldwährung,
197.

Nitti, 1613).

Nogaro, Bertrand, 261), 1013).

Norton, J. Pease, 472), dessen Index-
nummern, 185.

,,Nützlichkeitsmaßstab “, 178—179.

Nutzleistungen des Reichtums zum Unter-
schied von Nutzbarkeit, 5.

O.

Obligationen in bezug auf Anpassungsfähig-
keit, 161—152, 155—156.

Österreich, Annahme der Goldwährung, 197;
mit Papiergeld gemachte Erfahrungen,
207—208; Österreich als Goldwährungs-
land zur Adjustierung der Wechselparis,
279—280; Goldeinkauf und Golddevisen,
281—282.

Oresme, Nicolas, 89.

Orient, „Silberaufnahmereservoir“, 190,200.

P.

Palgrave, 71).

Panama, Golddevisenwährung, 276—277.

Paniken und deren Ursachen, 52—63.

Papiergeld, Folgen übermäßiger Ausgabe,
91; Wirkung zu großer Ausgabe auf das
Gold, 103; uneinlösbares Papiergeld,
193 ff.; Wirkung auf die Preise, 193,
202 ff.; prekärer Wert, 203—204; Er-
fahrungen der verschiedenen Länder mit
Papiergeld (Frankreich, England, öster-
        <pb n="454" />
        ﻿Personen- und Sachregister.

431

reich, amerikanische Kolonien) 204ff.;
Kontinentalpapiergeld, 208 ff.; Erfah-
rungen der Vereinigten Staaten, 209—•
214; konföderierte Schatzanweisungen,
214—215; Vorschlag zur Stabilisierung
der Preise, 271—272; das uneinlösliche
Papiergeld in Österreich, 280.

Pareto, 561).

Peri, Plan der Anpassung des Goldparis zur
Regulierung des Preisniveaus, 279—280,
282.

Peru, Annahme der Goldwährung, 197.

Pearson, Karl, Korrelationskoeffizient,
239—240.

„Personenumsatz“, 290, 298—299.

Persons, 227, 239—240.

Philippinen, Golddevisenwährung, 276—•
277.

Polymetallismus, Vorschlag zur Stabili-
sierung der Geldwährung, 268.

Porter, Morgan, Berechnung der Veränder-
lichkeit' der Gold- und Silberproduktion,
267 &gt;).

Post- und Telegraphenamt als Depositen-
bank, 9; Poststatistik, 409.

Prägen und Einschmelzen der Geldmetalle,
Einwirkung auf die Geldmenge, 77—79.

Preisbewegung, Feststellungen von d’Ave-
nel, Hanauer und Leber, 189—192.

Preise, Festsetzung, 3; Unterschied zwischen
individuellen Preisen in Beziehung zu-
einander und dem allgemeinen Preis-
niveau, 147; Indexnummern und Dis-
persion 149 ff., 409; Resultat der Nicht-
anpassung und Anpassungsfähigkeit
klassifizierter Güter, 150—152; Preis-
schwankungen und aus Geldmetall ver-
fertigte Artikel, 154; Veränderungen im
Zinsfuß und Angebot und Nachfrage,
156 ff.; Unmöglichkeit einer gleichmäßi-
gen Veränderung, 158; Vorbeugung von
Preisveränderungen, 265.

Preisniveau, von drei Ursachengruppen be-
stimmt, 11—12; der Quantitätstheorie
gemäß variieren die Preise in direktem
Verhältnis zur Geldquantität, 12, 128—
129, 242—243; Geldmenge, Umlaufs-
geschwindigkeit und Handelsvolumen,
23—24; Währungsverschlechterung, 24;
Wirkung des Steigens und Fallens auf
den Zinsfuß, 45 ff.; Beschreibung einer
Zeitperiode, während welcher das Preis-

niveau steigt und zu einer Krise führt,
47—51; der entsprechende Kurs nach
abwärts, 54—56; zu einer Herabsetzung
führende Einwirkungen, 69—60; Ver-
änderungen im menschlichen Bedarf, 61
—62; Herabsetzung durch Transport-
erleichterungen, relative Handelsfreiheit
wirksames Geld- und Banksystem und
durch Geschäftsvertrauen, 62—63; Er-
höhung durch Buchkredit, 65—67; Be-
völkerungsdichte, 71; Regulierung durch
internationalen und interlokalen Handel,
72—77; Wirkung eines Schutzzolltarifs,
75—76; Erhöhung der Geldquantität und
Steigen des Preisniveaus, 128—129; Ver-
änderungen im Handelsvolumen, 135—
138; unter normalen Verhältnissen das
einzige absolut passive Element in der
Verkehrsgleichung, 140; Unterscheidung
zwischen individuellen Preisen und dem
Preisniveau, 142; durch Einzelpreise
nicht bestimmbar, 143 ff.; Industrie- und
Arbeitnehmerverbände, 146—147; Wir-
kung auf die Dispersion der Preise, 150
—160; Wirkung einer Veränderung im
Geschäftsvolumen, 158—159; allgemeine
Bewegung nach aufwärts, 189—190;
Entdeckung Amerikas und Zunahme in
der Gold- und Silberproduktion, Edel-
metallbestand zu verschiedenen Zeit-
punkten, 190—192; rasches Steigen von
1789—1809, 195; Übersicht des neun-
zehnten Jahrhunderts, 195 ff.; Wirkung
der allgemeinen Annahme der Gold-
währung auf das Preisniveau und auf die
Länder mit Silberwährung, 197-—198;
Steigen bis zur Gegenwart, 198—199;
weiteres Steigen infolge anhaltender
Goldproduktion, 201—202; Wirkungen
der Veränderungen in den Depositenum-
laufsmitteln auf das Preisniveau, 216 ff.;
Preissteigerung eine Wirkung der Depo-
sitenumlaufsmittel, 222—223; Statistik,
237—238; Gesetz der direkten Propor-
tion, 242—243; Steigerung innerhalb
14 Jahren um zwei Drittel, 249—250;
Zusammenfassung des Steigens und
wichtigste Ursachen, 251 ff.; Zunahme
im Gelde, der wichtigste Faktor beim
Steigen der Preise, 254; Wirkung der Zu-
nahme in der Geldquantität und durch
das Überfließen des Geldes ins Ausland,
        <pb n="455" />
        ﻿432

Personen- und Sachregister.

255; Preisniveau als Resultat von fünf
großen Ursachen, 261 ff.; Geschäfts-
barometer und darauf gegründete Vor-
aussagen, 263—264; vorgeschlagene Me-
thoden zur Stabilisierung: durch Bi-
metallismus, 266—268, Polymetallismus,
268, Symmetallismus, „verbundene Me-
tallsysteme“ und andere rein akademische
Vorschläge, 269ff.; durch uneinlösbares
Papiergeld und eine variierende Münz-
gebühr, 270—271; durch auf Verlangen
jedoch nicht in Goldmünze, sondern gegen
dessen erforderliche Kaufkraft einzu-
lösendes Papiergeld, 271, durch eine
Tabellarwährung und durch eine Ver-
einigung mit der letzteren, 272—276;
Veränderungen der Einzelpreise und
Preisniveau, 314—316.

Preispaar, Vorteil bei der Aufstellung zweier
verschiedener Preise, 281—282.

Preissteigerung, durch Goldfunde in Kali-
fornien und Australien veranlaßt, 196.

Price, L. L„ 1902), 1911), 195*).

Produktion, Einfluß produktionstechnischen
Wissens auf das Handelsvolumen, 61.

Produktionsgrenzkosten, 80—81.

&lt;i•

Quantität des Geldes, Verhältnis der Preise
zur Geldmenge, 12, 128—129, 242—243
(s. a. Quantitätstheorie); Depositen mit
Geldquantität in gleichem Verhältnis,
41—43; Zunahme der Geldquantität
eine Ursache der Störung des finanziellen
Gleichgewichts, 57; Einfluß des Außen-
handels auf die Geldquantität, 72—77;
Einwirkung außerhalb der Verkehrs-
gleichung liegender Ursachen, 72 ff.;
Einfluß des Prägens und Schmelzens von
Geldmetallen, 77—79; durch Produktion
und Konsumtion der Geldmetalle wir-
kende Einflüsse, 80—83; Einwirkung der
Geldsysteme, 89 ff.; Verdoppeln der
Geldquantität verdoppelt Depositen, hat
keinen Einfluß auf die Umlaufsgeschwin-
digkeit, erhöht aber die Preise im Ver-
hältnis zu ihrer eigenen Zunahme, 120—
129; Gesetz der direkten Proportion
zwischen Geldquantität und Preisniveau,
128—129,242—243; Verhältnis zwischen
Depositen und Geldquantität, 132; Wir-
kung von Veränderungen in den Um-

laufsgeschwindigkeiten, 134; Wirkung
von Veränderungen im Handelsvolumen,
134—135; Beweis der Bedeutung der
Geldquantität als preissteigemder Fak-
tor, 251—254; volle Wirkung einer Zu-
nahme durch das Überfließen ins Ausland
in den Vereinigten Staaten nicht wahr-
nehmbar, 255; Hauptursache der Zu-
nahme, 258.

Quantitäten der Waren, Veränderungen den-
jenigen der Preise entsprechend, 157—
158, 314—316.

Quantitätstheorie des Geldes, Streitursachen
12—13; Preise variieren im Verhältnis
zum Gelde, 12, 127—129, 242—243; die
Verkehrsgleichung definiert, 13—26 (s.
a. Verkehrsgleichung); dreifache Erläu-
terung, 24 ff.; kausaler Zusammenhang,
120ff.; Schlußfolgerung, 128; bewährt
sich nicht voll und ganz in Übergangs-
perioden, 129—131.

K.

Reichtum, Hauptmerkmale: Stofflichkeit
und Aneignung, 1; definiert als materielle
zu menschlichem Gebrauch angeeignete
Gegenstände, 1; Übertragung, Austausch
Preis und Wert, 2; Bemessung in physi-
kalischen Maßeinheiten, 2; Eigentum, 3;
Bedeutung von Nutzleistungen und
Nützlichkeit, 5.

Remedium (Abnutzungsgrenze), 91.

Rhode Island, Papiergeld, 208.

Reserven (Bankreserven), 37 ff.; gesetzliche
Regulierung, 37—38; Wirkung des Stei-
gens der Preise, 52; Verhältnis zwischen
Geldquantität, Depositenquantum und
Bankreserven, 132.

Ricardo, 203), 251), 36a), 1521), 2031); Idee
eines Preispaares, 281.

Robertson, J. Barr, 197 4), 1986).

Ross, Edward, A., 1784).

„Runs auf die Banken“, verursacht durch
Perioden steigender Preise, 52.

Rußland, Annahme der Goldwährung, 197.

S.

Sakata, 197s).

Sauerbeck, Indexnummern, 1911), 1931),
1956), 199.

Schecks, Wirkung auf die Umlaufsgeschwin-
digkeit, 67—68; Zunahme im Handels-
        <pb n="456" />
        ﻿Personen- und Sachregister.

433

volumen verursacht Zunahme an Schecks,
134—135; Statistik der Schecks,
229—230, 413; Statistik der per Scheck
vorgenommenen Zahlungen, 249—250;
Statistik der gesamten durch Scheck er-
ledigten Austauscharbeit, 259—261; Me-
thode zur Berechnung der dem Scheck-
verkehr unterworfenen Depositen, 362.

Scheidemünzen, 10.

Schlagschatz für den Austausch von Barren-
metall in Geldmünze, 25, 79; Regulie-
rung der Goldlieferungen aus den Minen
durch einen variierenden Schlagschatz,
270—271.

Schutzzolltarif, 75—76; durch zeitweilige
Schaffung einer „günstigen“ Handels-
bilanz hervorgebrachte Wirkung, 256—
258.

Schwab, J. C., 2141) 2), 2151) 2).

Scott, 122).

Scrope, G. P., Benutzung der Preisindex-
nummer zur Stipulierung vertragsmäßi-
ger Zahlungen, 1681), 272 ff.

Seager, 1151).

Seigniorage s. Schlagschatz.

Shaler, N. S., dessen Ansicht über die Gold-
währung, 265.

Shaw, W. A., 1061) 2) »), 108—109.

Sherman Akte vom Jahre 1890, 113—114

Siam, Golddevisenwährung, 276—277.

Sibirien, Goldfunde, 195.

Sidgwick, H„ 162 &gt;).

Silber, Silberzertifikate der Vereinigten
Staaten, 115—116; Statistik über die
Zunahme der Jahresproduktion von Sil-
ber, 190—191; Silberdemonetisierung
verursachte Fallen der Preise in Gold-
währungsländern, 197; Wirkung der An-
nahme der Goldwährung auf die Lander
mit Silberwährung, 197—198; Veränder-
lichkeit in der Gold- und Silberproduk-
tion, 267x); Überwertung des Silbers bei
Bimetallismus, 267—268.

Skandinavische Münzunion, Annahme der
Goldwährung, 196.

Smiley, W. Y., 406.

Smith, „George Smith’s Money“, 38.

Smith, J. Allen, 2751)-

Soetbeer, Adolf, Zahlen über die Gold- und
Silberproduktion der Erde 1902), 1912).

Sparsinn, Einwirkung auf die Umlaufs-
geschwindigkeit des Geldes, 64—66.

Fisher, Kaufkraft des Geldes.

Statistik über die Zunahme der Jahres-
produktion von Gold und Silber, 190—
191; statistischer Vergleich zwischen
Gold und Greenbacks, 210; Statistik über
Schecks, 229—230, 413; Statistik über
Preisniveaus, 237—238; statistische Auf-
stellung der Scheck- und Bargeldtrans-
aktionen 259—260, 413—414.

Sprague, O. M. W., 281), 2191)-
J Steinbrüche, Wirkung der Veränderungen
im Zinsfuß, 157.

Stokes, Vorschlag „verbundener Metall-
systeme“, 269.

Straits Settlements, Golddevisenwährung,
276—277.

Substitute, Geldsurrogate ungleich anderen
Ersatzmitteln, 308—310.

Sumner, W. G., 72)3) *) *), 2070, 2082).

Symmetallismus, von Marshall vorgeschla-
genes Geldsystem, 269.

Synchronismus von Einnahmen und Aus-
gaben, 70.

T.

„Tabellarischer Wertregulator“, zur Ver-
minderung der Schwankungen im Kredit,
274—276.

Tabellarwäkrung, Einwendungen gegen die-
selbe, 272—276; Vorschlag einer Ver-
einigung der Tabellarwährung mit der
Golddevisenwährung, 276 ff.

Tafelmaßstab, 171.

Tauschhandel, Austausch von Gütern gegen
Güter, 11.

Technik, Einwirkung der Produktionstech-
nik auf das Handelsvolumen und auf das
Preisniveau, 61.

Telegraph, Erhöhung der Umlaufsgeschwin-
digkeit durch den Telegraph, 71.

Thesaurieren, 130, 203.

Thom, de Courcy W., 2162), 217l), 2181).

Toleranzgrenze seitens der Münzstätten, 91.

Transporterleichterungen, Wirkung auf das
Handelsvolumen, 62; Einfluß auf die
Umlaufsgeschwindigkeit, 71, 135.

Trusts, beeinflussen das allgemeine Preis-
niveau in keiner Weise, 146—147.

U.

Übergangsperioden, deren zeitweilige Ein-
wirkung auf die Verkehrsgleichung, 44ff.,
129—131; charakterisiert entweder ein

28
        <pb n="457" />
        ﻿434

Personen- und Sachregister.

Steigen oder Fallen der Preise, 45 (s.
Krisen).

Übertragung von Reichtum, definiert als
Wechsel des Eigentümers, 2.

Umlauf, Statistik über in Umlauf befind-
liches Geld, 228—229. S. a. Umlaufs-
geschwindigkeit.

Umlaufsmittel oder Zirkulationsmedia, defi-
niert als Typus von Eigentumsrechten, 8;
zwei Hauptklassen, 8—9; Klassifizierung
in den Vereinigten Staaten, 10—11.

Umlaufsgeschwindigkeit, definiert, 14,289 ff.
Einwirkung außerhalb der Verkehrs-
gleichung liegender Ursachen, 63—64;
Zunahme durch „Belasten“ oder Buch-
kredit, 65—67; Zunahme durch Bevor-
zugung der Schecks dem Bargelde, und
durch erhöhte Frequenz der Einnahmen
und Ausgaben, 67—69; Wirkung der
Regelmäßigkeit in den Einnahmen und
Ausgaben, 69—70; Einwirkung durch
Ausdehnung und Raschheit der Trans-
portverhältnisse, 70; wächst mit zu-
nehmender Bevölkerungsdichte, 70—71,
258; Beweisführung, daß die Quantität
des Geldes und der Depositen auf die
Umlaufsgeschwindigkeit keinen Einfluß
ausübt, 120—125; Wirkung von Ver-
änderungen in der Umlaufsgeschwindig-
keit, 134; Wirkung einer Zunahme im
Handelsvolumen, 134—137; vor, wäh-
rend und nach Krisen, 220; Berechnun-
gen, 230—233; Erhöhung in 13 Jahren
um 10%, 249—250; Bedeutung beim
Steigen der Preise, 251—254; Begriff von
„Münzenübertragung“ und „Personen-
umsatz“, 290, 298—299; Berechnungs-
methode, 368—375.

Umsatzzeit, 291, 299.

Umschlagsfrequenz, individuelle Umsätze,
136; an der Yale Universität gesammelte
Statistik, 311—314.	S. Umlaufsge-

schwindigkeit.

Unzulänglichkeit an Barmitteln seitens der
Banken, 35—36. V.

V.

Verkehrsgleichung, definiert, 6; allgemeine
Darstellung, 13—14, Geld- und Güter-
seite, 14—15; arithmetische Erläuterung,
14—17; mechanisch erläutert, 17—19;
algebraisch dargelegt, 19—23, 299—300,

303; Einwirkung der Bankdepositen-
umlaufsmittel, 27 ff.; Störung der Glei-
chung während Übergangsperioden, 44 ff.
die Frage kausaler Folge, 119—120; Auf-
bau von Indexnummern, 160 ff. (s. In-
dexnummem); statistischer Nachweis,
226—261; Vorteile der Geschäftswelt
durch bessere Kenntnis der Verkehrs-
gleichung, 263—264; Wirkung des Zeit-
kredits, 304—305; Modifikation durch
internationalen Handel, 305—308.

Venezuela, Annahme der Goldwährung, 197.

„Verbundene Metallsysteme“, 269.

Vereinigte Staaten, Skizze über das Geld-
systemin den V ereinigten Staaten, 112 ff.;
Ausgabe von „Greenbacks“, 113 ff.; mit
Papiergeld gemachte Erfahrungen, 209
—214; Aufstellung der Jahre finanzieller
Krisen, 217.

W.

Walker, Francis A„ 71), 91), 203'), 273 Q-

Walras, Vorschlag einer Goldwährung mit
einem „Silberregulator“, 269.

Walsh, C. M„ 161a), 1681), 180*), 1821),
3241), 3251), 326 Q, 327*) 6), 3291).

Waren, definiert, 1; vergleichsweise An-
passung der Warenpreise, 151—162;
Preisveränderungen den Quantitätsver-
änderungen entsprechend, 157—168;
Gegenüberstellung von Warentypen, 157
—158, 314—316.

Wechsel, relative Anpassungsfähigkeit der
Wechselkurse, 151.

Wells, David A., 143.

Wert, die Größe „Wert“ und Festsetzung, 2;
Geldwert eines Reichtumspostens, 3;
Wertzeichen, 10; „Tabellarischer Wert-
regulator“, 274.

White, Andrew D„ 2051).

White, Horace, 38*).

WickseH, Knut, 481)3).

Y.

Yale Universität, Statistik individueller
Umsätze, 136, 311—314.

Z.

Zahlungen zu späterem Termin, Anwendung
von Indexnummem zur Bemessung von
Zahlungswerten, 169—176.
        <pb n="458" />
        ﻿Personen- und Sachregister.

435

Zeitpunkt und Zeitperiode, 5—6.

Zinsfuß, Festsetzung imBankwesen, 36—37;
Wirkung steigender und fallender Preise
auf den Zinsfuß, 45—46, 2162); in Peri-
oden steigender Preise von letzteren
überholt, 48, 222—223; Handelskrisen
durch zu langsame Anpassung des Zins-
fußes veranlaßt, 53—54, 67—58; Wir-
kung von Veränderungen im Zinsfuß auf
die Einzelpreise, 157; Anpassung des
Zinsfußes, die Schwankungen im Geld-
werte auszugleichen, unzulänglich, 180,
188, 263.

Zirkulation der Banknoten und Bankdepo-
siten, vor, während und nach Krisen, 216
—220.

Zirkulation des Geldes, allgemein anwend-
bare Berechnungsformel, 375—386. S.
Umlauf.

Zirkulationsmedia s. Umlaufsmittel.

Zirkulierender Kredit, 27 ff. S. Depositen.

Zizek, Franz, 2861).

Zolltarifgesetze, Wirkungen auf die Kauf-
kraft des Geldes, 75—76; temporäre Wir-
kung der Erhöhung des Preisniveaus des
geschützten Landes, 256—257.

Zuckerkandl, 121).

Zufluß, Abfluß und Vorrat des Goldes, 84 ff.

Zunahme des Geldes, der wichtigste Faktor
heim Steigen der Preise, 251—255.

N
        <pb n="459" />
        ﻿mmRBBBSM

Nachtrag zur zweiten Auflage.	415

Nachtrag zur zweiten (amerikanischen) Auflage.

In der vorliegenden zweiten Auflage sind die Zalden in den Tabellen
auf Seite 249 und 260 durch Hinzufügung von Zahlen für die Jahre 1910,
1911 und 1912 ergänzt und zwischen Seite 250 und 251 ist eine neue
graphische Darstellung eingesetzt worden. (Betreffs ausführlicher Erläu-
terung dieser Zahlen siehe ,,‘The Equation of Exchange, 1896 1910
American Economic Review Juni 1911; „‘The Equation of Exchange’ for
1911 and Forecast“, a. a. 0. Juni 1912; und „‘The Equation of Exchange’
for 1912 and Forecast“, a. a. O. Juni 1913.)

Herr Professor Wesley Clair Mitchell war so liebenswürdig, mir die
Druckbogen seines demnächst erscheinenden Buches über Business Cycles
(University of California Press) zu zeigen, in dem er die scheckfähigen De-
positen (G'), nach etwas anderen Methoden und mit Hilfe von Material,
das bei Bearbeitung des vorhegenden Buches noch nicht zur Verfügung
stand, nochmals abgeschätzt hat.

Mitchells Schätzungen der schechfähigen Depositen und der Umfang, in dem
die Schätzungen des Verfassers dieses Buches die ersteren überschreiten oder
hinter ihnen Zurückbleiben.

	Mitchells  Ergebnisse
1896..	2.69
1897..	2.75
1898..	3.20
1899..	3.87
1900..	4.21
1901..	4.96
1902..	5.37
1903..	5.54
1904..	5.85
1905..	6.56
1906..	6.86
1907..	7.11
1908..	6.52
1909..	6.81
1910..	7.71
1911..	8.24

Fisher Mehr (oder Minder)	
nicht ausge- glichen	ausgeglichen
— 0.01	+ 0.02
+ 0.05	+ 0.11
— 0.01	+ 0.02
+ 0.03	+ 0.01
+ 0.19	+ 0.23
+ 0.17	+ 0.17
+ 0.06	+ 0.03
+ 0.16	+ 0.19
— 0.05	— 0.08
— 0.02	— 0.02
— 0.02	— 0.05
+ 0.02	+ 0.02
+ 0.08	+ 0.05
— 0.06	— 0.13
— 0.47	— 0.48
— 0.46	— 0.46

A
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
