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        <title>Die Kaufkraft des Geldes</title>
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            <forname>Irving</forname>
            <surname>Fisher</surname>
          </persName>
        </author>
        <author>
          <persName>
            <forname>Harry Gunnison</forname>
            <surname>Brown</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>1028803699</idno>
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        Die
Kaufkraft  des  Geldes
Ihre  Bestimmung  und  ihre  Beziehung  zu
Kredit,  Zins  und  Krisen

von
Irving  Fisher
Professor  der  Nationalökonomie  an  der  Yale  Universität
New  Haven,  Connecticut
Unter  Mitwirkung  von  Harry  G.  Brown,  Dozent
der  Nationalökonomie  an  der  Yale  Universität

Aus  dem  Englischen  übersetzt  von  Ida  Stecker,
durchgesehen  von  Professor  Dr.  St.  Bauer  in  Basel

IV.
Berlin  1916

Druck  und  Verlag  von  Georg  Reimer
        <pb n="2" />
        Dem  Gedächtnis

Simon  Newcombs
des  großen  Gelehrten,  des  anregenden  Freundes,
des  Bahnbrechers  im  Studium  der
„Societary  Circulation“
gewidmet.
        <pb n="3" />
        Vorwort  zur  deutschen  Ausgabe,

D ieses  Buch  will  die  Grundsätze  darlegen,  die  die  Kaufkraft  des  Geldes
bestimmen,  und  diese  Grundsätze  dem  Studium  der  geschichtlichen
Veränderungen  dieser  Kaufkraft  nutzbar  machen.  Dabei  soll  insbesondere
die  in  neuerer  Zeit  fühlbar  gewordene  Steigerung  der  „Lebenskosten“,
die  in  allen  Ländern  der  Welt  so  lebhaft  erörtert  wird,  Berücksichtigung
finden.
Wenn  die  hier  vertretenen  Grundsätze  richtig  sind,  so  hängt  die  Kaufkraft ­
  des  Geldes  —  oder  ihr  Gegenstück,  das  Preisniveau  —  ausschließlich
von  fünf  bestimmten  Faktoren  ab:  1.  von  der  in  Umlauf  befindlichen  Geldmenge; ­
  2.  von  ihrer  Umlaufsgeschwindigkeit;  3.  von  dem  Volumen  der  dem
Scheckverkehr  unterworfenen  Bankdepositen;  4.  von  deren  Verkehrsgeschwindigkeit ­
  und  5.  von  der  Menge  der  Umsätze,  dem  Handelsvolumen.
Jede  dieser  fünf  Größen  ist  scharf  abgegrenzt,  und  ihre  Beziehung  zur  Kaufkraft ­
  des  Geldes  wird  durch  die  „Verkehrsgleichung“  erschöpfend  ausgedrückt. ­
  Meiner  Meinung  nach  sollte  und  wird  das  Gebiet  der  Nationalökonomie, ­
  das  von  diesen  fünf  Regulatoren  der  Kaufkraft  handelt,  als  exakte
Doktrin  anerkannt  werden,  die  genauer  Formulierung,  Beweisführung  und
statistischer  Kontrolle  unterliegt.
Im  Grunde  genommen  bestehen  die  wesentlichsten  Thesen  dieses  Buches
lediglich  in  einer  neuen  und  erweiterten  Darstellung  der  alten  „Quantitätstheorie“ ­
  des  Geldes.  Diese  kann,  wenn  ihre  übliche  Formulierung  gewissen
Korrekturen  unterworfen  wird,  noch  immer  als  grundsätzlich  richtig  betrachtet ­
  werden.  Es  ist  wohl  mehr  eine  vorurteilsfreie  Nachprüfung  und
Revision  dieser  ehrwürdigen  Theorie,  nicht  aber  ihre  Verwerfung,  die  seit
langem  als  Bedürfnis  empfunden  werden.
Die  umfangreiche  Literatur  über  das  Geldwesen  bietet  jedoch  nur  sehr
weniges,  was  einer  theoretisch  oder  statistisch  genauen  Formulierung  und
strengen  Beweisführung  nahekommt.
        <pb n="4" />
        VIII

Vorwort  zur  deutschen  Ausgabe.

Indem  ich  nun  diesen  Versuch  eines  Wiederaufbaus  der  Quantitätstheorie ­
  unternehme,  erfüllt  es  mich  mit  Genugtuung,  mich  diesmal  in  der
Volkswirtschaftstheorie  eher  bei  einer  konservativen  als  bei  einer  radikalen
Stellungnahme  zu  ertappen.  Ich  empfinde  es  als  Unfug,  daß  sich  akademische ­
  Nationalökonomen  durch  das  Gelärm  der  Interessenten  zu  Meinungsverschiedenheiten ­
  über  die  grundsätzlichen  Theorien  des  Geldwesens  verleiten
ließen.  Schuld  daran  ist  die  Verwirrung,  die  politische  Streitfragen,  mit  denen
der  Gegenstand  verquickt  wurde,  gestiftet  haben.
Man  hat  einmal  gesagt,  daß  selbst  die  Theoreme  Euklids  in  Frage
gestellt  und  angezweifelt  würden,  wenn  sich  eine  politische  Partei  gegen
die  andere  auf  sie  beriefe.  Jedenfalls  hat  die  „Quantitätstheorie“,  seitdem
sie  Gegenstand  politischen  Streites  geworden  ist,  an  Ansehen  verloren,  und
es  ist  sogar  so  weit  gekommen,  daß  sie  von  manchen  als  längst  widerlegter
Irrtum  betrachtet  worden  ist.  Die  Versuche  der  Anhänger  fauler  Währungsprojekte, ­
  von  der  Quantitätstheorie  einen  unzulässigen  Gebrauch  zu  machen
—  wie  dies  im  ersten  Bryanschen  Wahlfeldzuge  geschah  —,  haben  manche
Freunde  einer  gesunden  Währung  zur  völligen  Verwerfung  der  Quantitätstheorie ­
  bewogen.  Es  ist  infolgedessen  erforderlich,  daß  die  Quantitätstheorie ­
  aufs  neue,  insbesondere  in  Amerika,  der  allgemeinen  Erkenntnis
zugänglich  gemacht  werde.
Neben  der  Aufgabe,  die  die  Kaufkraft  des  Geldes  bestimmenden  Grundsätze ­
  darzulegen,  setzt  sich  das  Buch  den  Zweck,  diese  Grundsätze  durch
historische  Tatsachen  und  Statistiken  zu  illustrieren  und  auf  ihre  Richtigkeit ­
  hin  zu  prüfen.  Insbesondere  ist  das  neuerliche  Steigen  der  Preise  in  seinen
Einzelheiten  untersucht  und  auf  seine  verschiedenen  Ursachen  zurückgeführt
worden.
Das  Studium  der  grundsätzlichen  und  der  tatsächlichen  Fragen,  die  sich
mit  der  Kaufkraft  des  Geldes  beschäftigen,  ist  von  weit  mehr  als  rein  akademischer ­
  Bedeutung.  Solche  Fragen  berühren  das  Wohlergehen  jedes
einzelnen  in  der  zivilisierten  Welt.  Von  jeder  Wendung  in  der  Bewegung
der  Preise  ziehen  Millionen  von  Menschen  Nutzen,  während  Millionen  anderer
durch  dieselbe  Bewegung  zu  Schaden  kommen.
Seit  einem  Jahrhundert  leidet  die  Welt  unter  periodischen  Veränderungen ­
  im  Preisniveau,  die  wechselweise  Krisen  und  Handelsdepressionen  verursachen. ­
  Nur  durch  die  Kenntnis  ihres  Ursprunges  und  der  damit  verbundenen ­
  Tatsachen  können  solche  Schwankungen  in  Zukunft  vermieden
oder  abgeschwächt  werden,  und  nur  durch  ihre  genaue  Kenntnis  können
die  Verluste,  welche  diese  Schwankungen  nach  sich  ziehen,  aufgehoben  oder
gemildert  werden.  Es  ist  nicht  zu  viel  gesagt,  wenn  man  behauptet,  daß
        <pb n="5" />
        Vorwort  zur  deutschen  Ausgabe.

IX

die  Mißstände  einer  unbeständigen  Währung  zu  den  bedenklichsten  volkswirtschaftlichen ­
  Übeln  gehören,  mit  denen  die  Zivilisation  zu  kämpfen  hat,
und  daß  das  praktische  Problem,  eine  Lösung  dieser  Schwierigkeit  zu  finden,
von  internationaler  Bedeutung  und  Tragweite  ist.  Nur  versuchsweise  habe
ich  ein  Mittel  vorgeschlagen,  den  Übeln  der  Wertschwankungen  des  Geldes
abzuhelfen.  Jedoch  ist  die  Zeit  zur  Annahme  irgendwelches  zweckdienlichen ­
  Planes  noch  nicht  gekommen.  Was  gegenwärtig  vor  allen  Dingen
notwendig  ist,  ist  ein  klares  und  allgemeines  Verständnis  der  Grundsätze
und  Tatsachen.  Zur  Erreichung  dieses  Zieles  soll  dieses  Buch  folgendes
beitragen:
1.  einen  Neuaufbau  der  Quantitätstheorie;
2.  eine  Erörterung  der  besten  Form  von  Indexziffern;
3.  einige  mechanische  Methoden,  um  die  Bestimmung  des  Preisniveaus ­
  schaubildlich  darzustellen;
4.  eine  praktische  Methode  zur  Abschätzung  der  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes;
5.  statistische  Ermittelungen  der  in  den  Vereinigten  Staaten  dem
Scheckverkehr  unterworfenen  Bankdepositen  zum  Unterschiede  von
den  gewöhnlich  veröffentlichten  „individuellen  Depositen“;
6  eine  verbesserte  statistische  Schätzung  des  Handelsvolumens  und
der  übrigen  Elemente  der  Verkehrsgleichung;
7.  eine  gründliche  statistische  Kontrolle  der  (neuaufgestellten)
Quantitätstheorie  des  Geldes.
Da  es  ganz  unmöglich  ist,  einigen  dieser  Gegenstände  ohne  Anwendung
der  Mathematik  gerecht  zu  werden,  so  habe  ich  diese  nach  freiem  Ermessen
eingeführt,  sie  aber,  soweit  es  angängig  war,  in  den  Anhang  verwiesen.
Diese  Methode,  nach  der  bereits  meine  früheren  Bücher,  The  Nature  of  Capital
andlncome  und  The  Rate  of  Interest,  gearbeitet  sind,  gestattet  einen  fast  gänzlichen ­
  Ausschluß  der  Mathematik  aus  dem  Text.
In  dieser  der  zweiten  amerikanischen  Auflage  folgenden  deutschen
Ausgabe  habe’ich  am  Schlüsse  des  Anhanges  zum  XIL  Kapitel  einen  Zusatz
eingeschaltet,  welcher  die  von  Professor  Wesley  Clair  Mitchell  verbesserten
Zahlen  der  dem  Scheckverkehr  unterworfenen  Depositen  enthält.  Außerdem ­
  habe  ich  am  Schlüsse  des  Buches  einen  allgemeinen  Anhang  über  die
„Wertstabilisierung  des  Dollars“  beigefugt.
Der  größte  Teil  der  statistischen  Ergebnisse  bestätigt  die  Schlußfolgerungen, ­
  die  Professor  Kemmerer  in  seinem  wertvollen  Werke  Money
and  Credit  Instruments  in  their  Relation  to  General  Prices,  das  während  der  Bearbeitung ­
  des  vorliegenden  Buches  im  Druck  erschien,  niedergelegt  hat.
        <pb n="6" />
        X

Vorwort  zur  deutschen  Ausgabe.

Herr  Professor  Kemmerer  war  so  gütig,  das  ganze  Manuskript  durchzulesen
und  einer  eingehenden  Kritik  zu  unterziehen,  wofür  ich  ihm  zu  großem
Dank  verpflichtet  bin.
Aufrichtiger  Dank  gebührt  Herrn  Professor  F.  Y.  Edgeworth  vom
All  Souls' 1  College  in  Oxford  und  Herrn  Professor  A.  W.  Flux  in  Manchester,
die  das  Manuskript  des  Anhanges  über  die  Indexnummern  durchgesehen,
kritisiert  und  mir  wertvolle  Anregungen  gegeben  haben.
Herrn  Dr.  A.  Piatt  Andrew,  gegenwärtig  zweiter  Sekretär  des  Schatzamtes, ­
  danke  ich  für  die  Bereitwilligkeit,  mit  der  er  mir  in  seiner  Eigenschaft
als  Spezialexperte  der  National  Monetary  Commission  die  Hilfsmittel  dieser
Kommission  zur  Verfügung  gestellt  und  aus  den  Aufzeichnungen  des  Bureaus
zur  Kontrolle  des  Währungswesens  das  Volumen  der  dem  Scheckverkehr
unterworfenen  Depositen  zu  den  verschiedenen  Zeitpunkten  verflossener
Jahre  ausgerechnet  hat;  ebenso  danke  ich  Herrn  Lawrence  0.  Murray,
Comptroller  of  ihe  Currency,  für  seine  gütige  Mitarbeit  bei  solchen  und  ähnlichen ­
  Berechnungen.  Diese  wertvollen  Zahlen  sind  die  ersten  ihrer  Art.
Ferner  danke  ich  Herrn  Gilpin  vom  New  York  Clearing  House  für
die  Besorgung  der  verschiedenen  Zahlen,  die  im  Texte  spezifisch  aufgeführt
  worden  sind;  Herrn  Richard  M.  Hurd,  Präsident  der  Laivyers
Mork/age  Co.,  für  das  Durchlesen  eines  Teiles  des  Manuskriptes  und  für
seine  wertvolle  Kritik;  Herrn  John  0.  Perrin,  Präsident  der  American
National  Bank  of  Indianapolis,  für  die  Statistik  über  die  „Aktivität“  der
Bankguthaben  in  seiner  Bank,  und  den  Beamten  der  National  New  Häven
Bank  sowie  der  City  Bank  of  New  Haven  für  analoge  Ziffern.
Dem  Economic  Journal  bin  ich  für  die  Erlaubnis,  einige  Teile  meines
Artikels  über  „The  Mechanics  of  Bimetallism“,  welcher  im  Jahre  1894  in
genanntem  Journal  erschien,  unverändert  abzudrucken,  und  dem  Journal  of
the  Royal  Statistical  Society  für  die  gleiche  Erlaubnis  in  bezug  auf  meinen
im  Dezember  1909  erschienenen  Artikel  über  „A  Practical  Method  for  estimating
  the  Velocity  of  Circulation  of  Money“  zu  Dank  verpflichtet.
Wertvolle  Dienste  sind  mir  von  einer  Anzahl  meiner  Studenten  durch
das  Sammeln  und  die  Anordnung  statistischer  Angaben  geleistet  worden.
Ich  möchte  hierbei  folgende  Herren  erwähnen:  Mr.  Seimin  Inaoka,  Mr.  Morgan
Porter,  Mr.  N.  S.  Fineberg,  Mr.  W.  E.  Lagerquist,  Messrs.  G.  S.  und  L.  A.
Dole,  Dr.  John  Bauer,  Dr.  John  Kerr  Towles,  Dr.  A.  S.  Field,  Mr.  A.  G.
Boesel,  Mr.  W.  F.  Hickernell,  Mr.  Yasuyiro  Hayakawa,  Mr.  Chester  A.  Phillips ­
  und  Mr.  R.  N.  Griswold.  Letzterer  hat  die  mit  der  Ermittlung  einer
Indexnummer  für  das  Handelsvolumen  verbundenen  mühsamen  Berechnungen ­
  vorgenommen.
        <pb n="7" />
        Vorwort  zur  deutschen  Ausgabe.

XI

Mehr  als  irgend  jemand  bin  ich  jedoch  meinem  Bruder,  Herrn  Herbert
W.  Fisher,  und  meinem  Kollegen,  Herrn  Dr.  Harry  G.  Brown,  aufrichtigen
Dank  schuldig;  dem  ersteren  verdanke  ich  eine  scharfe  und  gründliche  Kritik
des  ganzen  Buches  vom  Standpunkte  didaktisch  einwandfreier  Darstellung,
dem  letzteren  sowohl  eine  allgemeine,  anregungsreiche  Kritik  als  auch
Detailarbeiten  zu  allen  Teilen  des  Buches.  In  Anerkennung  der  mir  durch
Mr.  Brown  geleisteten  Unterstützung  habe  ich  seinen  Namen  auf  das  Titelblatt ­
  gesetzt.
Außer  der  vorstehend  anerkannten  Unterstützung  habe  ich  seit  Veröffentlichung ­
  der  ersten  amerikanischen  Ausgabe  wichtige  Anregungen,
Hinweise  auf  Druckfehler  und  weitere  Kritiken  erhalten.  Nachstehenden
Herren  bin  ich  nach  dieser  Bichtung  hin  zu  großem  Dank  verpflichtet:
Major  W.  E.  McKechnie  vom  indischen  Sanitätsdienst  in  Etawah  in
den  Vereinigten  Provinzen  Indiens;  Professor  Warren  M.  Persons,  Colorado ­
  College,  Colorado  Springs,  Col.;  Mr.  J.  M.  Keynes,  Herausgeber  des
Economic  Journal,  Kings  College,  Cambridge;  Mr.  Carl  Snyder,  Schriftsteller,
New  York  City;  Mr.  James  Bonar,  königl.  Münzmeister  in  Ottawa,  Canada;
Professor  Allyn  A.  Young  an  der  Washington  Universität  in  St.  Louis,  Mo.;
Professor  Stephan  Bauer,  Direktor  des  Internationalen  Arbeitsamtes  in
Basel,  Schweiz;  Professor  Wesley  Clair  Mitchell,  New  York  City  und  Professor ­
  0.  M.  W.  Sprague,  Harvard  Universität,  Cambridge,  Mass.
Ganz  besonders  aber  möchte  ich  Herrn  Professor  Stephan  Bauer  von
der  Universität  Basel  meinen  aufrichtigsten  Dank  für  die  Revision  der  Übersetzung ­
  aussprechen.  Nur  dank  seiner  großen  Bemühung  und  technischen
Sachkenntnis  war  es  möglich,  den  an  eine  derartige  Übersetzung  gestellten
Anforderungen  gerecht  zu  werden.
Auch  drängt  es  mich,  Herrn  Dr.  August  Carl  Mahr  von  der  Yale  Universität, ­
  dessen  Mitwirkung  zum  Gelingen  der  Übersetzung  beigetragen
hat,  an  dieser  Stelle  meinem  besten  Dank  Ausdruck  zu  geben.
Und  schließlich  möchte  ich  Herrn  Dr.  V.  Furlan  in  Basel,  der  die
Güte  hatte,  den  Anhang  zu  diesem  Buche  auf  die  mathematische  Ausdrucksweise ­
  hin  zu  prüfen,  meiner  aufrichtigen  Dankbarkeit  versichern.
Die  erste  amerikanische  Auflage  (1911)  hat  sich  in  Amerika  und  in
Europa  gleichgroßer  Zustimmung  erfreut.  Die  Rezensionen,  die  das  Buch
ausführlich  beurteüt  haben,  sind  hauptsächüch  folgende:
Warren  M.  Persons,  Quarterly  Publications  of  the  American  Statistical ­
  Association,  Bd.  XII,  Dezember  1911.
0.  M.  W.  Sprague,  The  Quarterly  Journal  of  Economics,  Bd.  XXVI,
November  1911.
        <pb n="8" />
        XII

Vorwort  zur  deutschen  Ausgabe.

David  Kinley,  Journal  of  the  American  Economic  Association.
4.  Serie,  Nr.  5,  September  1911.
E.  W.  Kemmerer,  Yale  Reviere,  Bd.  1,  Nr.  3,  April  1912.
Wesley  C.  Mitchell,  Political  Science  Quarterly,  Bd.  XXVII,
5.  160  ff.
S.  J.  Chapman,  Manchester  University,  Journal  of  the  Royal
Statistical  Society,  Bd.  LXXIV,  Teil  VII,  Juni  1911.
G.  Frantjois,  Le  Monde  Economique,  Paris,  November  1912.
A.  Aftalion,  Revue  d'Eistoire  des  Doctrines  economiques  et  sociales,
Paris  1911,  Nr.  4.
Achille  Loria,  Scientia,  Bologna,  Bd.  X,  1911,  XX—4.
Corrado  Gini,  Rivista  Italiana  di  Sociologia,  anno  XVII,  fase.  II,
März-April  1913.
In  deutsch  sprechenden  Ländern  haben  sich  die  Zeitschriften:  „Conrads
Jahrbücher  für  Nationalökonomie  und  Statistik“,  III.  Folge  44.  Band,
Jena  1912,  S.  91  ff.,  das  „Archiv  für  Sozialwissenschaft  und  Sozialpolitik“,
36.  Band,  Tübingen  1913,  S.  213  ff.  und  S.  548  ff.,  und  die  „Zeitschrift  für
Volkswirtschaft,  Sozialpolitik  und  Verwaltung 11 ,  Wien,  21.  Band,  1912,
Seite  293  ff.,  lebhaft  mit  der  vorliegenden  Arbeit  beschäftigt.  Letztere
brachte  eine  äußerst  günstige  Besprechung  aus  der  Feder  des  früheren
Finanzministers  Geh.  Rat  Dr.  Robert  Meyer  in  Wien.  Doch  befinden
sich  unter  den  Kritiken  auch  solche,  die  sich  gegen  die  Ergebnisse
des  Buches  richten,  und  es  scheint  besonders  in  Deutschland  eine
gewisse  Voreingenommenheit  gegen  jede  Theorie  zu  herrschen,  die  der
alten  Quantitätstheorie  ähnelt.  Aus  diesem  Grunde  wünsche  ich,  daß
das  Buch  bei  den  deutschen  Lesern  für  sich  selbst  sprechen  möge.
Yale  Universität,  New  Haven,  Conn.,  4.  Januar  1916.

Irving  Fisher.
        <pb n="9" />
        Ratschläge  für  die  Leser.

1.  Der  allgemeine  Leser  wird  sich  hauptsächlich  für  die  Kapitel  I  bis  VIII
interessieren.
2.  Der  flüchtige  Leser  findet  den  Kernpunkt  des  Buches  im  Kapitel  II.
3.  Die  Gegner  der  Quantitätstheorie  finden  ihre  theoretischen  und  statistischen ­
  Einwendungen  im  VIII.  und  XII.  Kapitel  erörtert.
4.  Studierenden  der  Währungsgeschichte  wird  das  XII.  Kapitel  empfohlen.
5.  Für  Umlaufsmittelreformer  wird  das  XIII.  Kapitel  von  Interesse ­
  sein.
6.  Der  Anhang  richtet  sich  in  der  Hauptsache  (doch  nicht  ausschließlich) ­
  an  mathematische  Nationalöleonomen,  die  wohl  wiederum  vornehmlich
am  Anhang  zum  X.  Kapitel  über  die  Indexnummern  (der  als  Ganzes  gelesen
werden  sollte)  und  am  §  6  des  Anhanges  zum  XII.  Kapitel  über  die  Methode
zur  Feststellung  der  Umlaufsgeschwindigkeit  besonders  interessiert  sein
werden.
7.  Der  übrige  Anhang  zum  XII.  Kapitel  wurde  hauptsächlich  für
statistische  Kritiker  geliefert,  um  sie  in  den  Stand  zu  setzen,  die  Richtigkeit
der  im  Text  beschriebenen  Verfahren  festzustellen.
8.  Das  X.  Kapitel  und  dessen  Anhang  ist  vornehmlich  für  Studierende
von  Indexnummern  von  Interesse,  einem  Gegenstände,  der  die  Einen  ebenso
fesselt,  wie  er  den  Anderen  trocken  erscheint.
9.  Das  analytische  Inhaltsverzeichnis,  das  Register  und  die  laufenden
Seitenüberschriften  dienen  der  raschen  Orientierung  für  jede  Art  von  Leserinteressen. ­

10.  Das  Buch  stellt  jedoch  ein  vollständiges  Ganzes  dar,  und  es  wird
der  Hoffnung  Raum  gegeben,  daß  recht  viele  Leser,  die  von  besonderen  Gesichtspunkten ­
  aus  Einblick  in  das  Buch  nahmen,  es  schließlich  ganz  lesen
möchten.
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        Inhaltsverzeichnis.

Kapitel  Seite
I.  Begriffsbestimmungen  1
II.  Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsgleichung  7
III.  Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die  Gleichung  und  infolgedessen  auf
die  Kaufkraft  26
IV.  Störung  der  Gleichung  und  der  Kaufkraft  in  Perioden  des  Übergangs  ....  44
V.  Indirekte  Einflüsse  auf  die  Kaufkraft  59
VI.  Indirekte  Einwirkungen  (Fortsetzung)  72
VII.  Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft  89
VIII.  Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  und
ihre  Wechselwirkung  118
IX.  Die  Zerstreuung  der  Preise  macht  eine  Indexnummer  für  die  Kaufkraft
erforderlich  149
X.  Die  besten  Indexnummem  der  Kaufkraft  160
XI.  Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick  189
XII.  Statistiken  der  letzten  Jahre  225
XIII.  Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten  261
Anhang  zum  II.  Kapitel  286
Anhang  zum  III.  Kapitel  302
Anhang  zum  V.  Kapitel  304
Anhang  zum  VI.  Kapitel  305
Anhang  zum  VII.  Kapitel  308
Anhang  zum  VIII.  Kapitel  311
Anhang  zum  X.  Kapitel  316
Anhang  zum  XII.  Kapitel  357
Anhang  zur  zweiten  Auflage  über  die  „Wertstabilisierung  des  Dollars“  416
        <pb n="11" />
        •f
Analytisches  Inhaltsverzeichnis.
I.  Kapitel.  Selte
Begriffsbestimmungen.
§  1.  Reichtum  und  Austausch  1
§  2.  Austauschbare  Güter  3
§  3.  Umlauf  des  Geldes  gegen  Güter  5
II.  Kapitel.  )(
Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsgleichung.
§  1.  Die  verschiedenen  Zirkulationsmittel  7
§  2.  Die  Verkehrsgleichung  arithmetisch  ausgedrückt  11
§  3.  Die  Verkehrsgleichung  mechanisch  ausgedrückt  17
§  4.  Die  Verkehrsgleichung  algebraisch  ausgedrückt  19
§  5.  Schlußfolgerung  und  Erläuterungen  23
III.  Kapitel.
Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die  Gleichung  und  infolgedessen
auf  die  Kaufkraft.
§  1.  Das  Mysteriöse  des  Kreditumlaufs  26
§  2.  Die  Basis  des  Kreditumlaufs  32
§  3.  Beschränkungen  des  Bankwesens  34
§  4.  Revision  der  Verkehrsgleichung  38
§  5.  Depositenumlaufsmittel  in  ihrem  normalen  Verhältnis  zum  Gelde  40
§  6.  Zusammenfassung  43
IV.  Kapitel.
Störung  der  Gleichung  und  der  Kaufkraft  in  Perioden  des  Übergangs.
§  1.  Langsamkeit  der  Zinsadjustierung  an  die  Preisbewegungen  44
§  2.  Wie  ein  Steigen  der  Preise  ein  weiteres  Steigen  nach  sich  zieht  ..*.  47
§  3.  Umfang  der  Störungen  in  der  Gleichung  43
§  4.  Wie  ein  Steigen  der  Preise  in  einer  Krisis  seinen  Höhepunkt  erreicht  51
§  5.  Vollendung  des  Kreditzyklus  54
§  6.  Zusammenfassung  58
        <pb n="12" />
        ggSSäSSfe..

XVI  Analytisches  Inhaltsverzeichnis.
V.  Kapitel.
^  Seite
Indirekte  Einflüsse  auf  die  Kaufkraft.
§  1.  Einfluß  der  Produktions-  und  Konsumtionsbedingungen  auf  den  Handel  und
daher  auf  die  Preise  59
§  2.  Einfluß  der  Beziehungen  zwischen  Produzenten  und  Konsumenten  auf  den
Handel  und  daher  auf  die  Preise  62
§  3.  Einfluß  persönlicher  Gewohnheiten  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit  und  daher
auf  die  Preise  63
§  4.  Einfluß  der  Zahlungssysteme  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit  und  daher  auf
die  Preise  67
§  5.  Einfluß  allgemeiner  Ursachen  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit  und  daher  auf
die  Preise  70
§  6.  Einflüsse  auf  den  Umfang  der  dem  Scheckverkehr  unterworfenen  Depositen
und  daher  auf  die  Preise  71
VI.  Kapitel.
Indirekte  Einwirkungen  (Fortsetzung).
§  1.  Einfluß  des  Außenhandels  auf  die  Geldmenge  und  daher  auf  die  Preise  72
§  2.  Einfluß  des  Schmelzens  und  Ausmünzens  auf  die  Geldmenge  und  daher  auf
die  Preise  77
§  3.  Einfluß  der  Produktion  und  Konsumtion  der  Geldmetalle  auf  die  Geldmenge
und  daher  auf  die  Preise  79
§  4.  Mechanische  Darstellung  dieser  Einflüsse  84
VII.  Kapitel.
Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.
§  1.  Das  Greshamsche  Gesetz  89
§  2.  Fälle,  in  denen  der  Bimetallismus  sofort  versagt  91
§  3.  Fälle,  in  denen  der  Bimetallismus  versagt,  nachdem  die  Produktion  die  Konsumtion ­
  überholt  hat  97
§  4.  Die  hinkende  Währung;  die  Golddevisenwährung  101
§  5.  Der  Bimetallismus  in  Frankreich  105
§  6.  Lehren  aus  dem  französischen  Experiment  108
§  7.  Die  hinkende  Währung  in  Indien  110
§  8.  Die  hinkende  Währung  in  den  Vereinigten  Staaten  112
§  9.  Allgemeine  Beschreibung  des  Systems  in  den  Vereinigten  Staaten  114
VIII.  Kapitel.
Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft
und  ihre  Wechselwirkung.
«  °
§  1.  Die  Verkehrsgleichung  drückt  keinen  kausalen  Zusammenhang  zwischen  ihren
Gliedern  aus  118
§  2.  Wirkungen  einer  Veränderung  im  Gelde(G).  Die  Quantitätstheorie  in  kausalem
Sinne  120
        <pb n="13" />
        Analytisches  Inhaltsverzeichnis.

XVII

§  3.  Die  Quantitätstheorie  in  Übergangsperioden  nicht  vollständig  gültig
§  4.  Wirkungen  einer  Veränderung  in  den  Depositen  (G')  in  Beziehung  zum
8  5  Wirkungen  von  Veränderungen  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit  (17  und  U')  ..
8  6.  Wirkungen  von  Veränderungen  im  Handelsvolumen  (in  den  Q)
8  7.  Kann  das  Preisniveau  als  Ursache  und  als  Wirkung  betrachtet  werden?  ...
§  8.  Unterscheidung  zwischen  der  Verursachung  individueller  Preise  und  dem  Preisniveau

§  9.  Zusammenfassung

Seite
129
132
134
134
138
142
148

IX.  Kapitel.
Die  Zerstreuung  der  Preise  macht  eine  Indexnummer  für  die  Kaufkraft
erforderlich.
§  1.  Einige  Preise  reagieren  nur  schwerfällig  auf  allgemeine  Preisbewegungen  ...  149
§  2.  Infolgedessen  müssen  andere  Preise  überstark  reagieren  154
§  3.  Umformung  der  rechten  Seite  der  Verkehrsgleichung  von  2  pQ  in  PH  ....  157
§  4.  Zusammenfassung  159

X.  Kapitel.
Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.
§  1.  Formen  der  Indexnummem
§  2.  Die  verschiedenen  Zwecke  der  Indexnummem
§  3.  Die  Indexnummer  als  Norm  für  aufgeschobene  Zahlungen
§  4.  Aufgeschobene  Zahlungen  auf  dem  Gesamtaustausch  beruhend.  .
§  5.  Praktische  Beschränkungen
§  6.  Zusammenfassung

160
165
168
176
182
187

XI.  Kapitel.
Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

§  1.  Die  letzten  tausend  Jahre  ^gg
§  2.  Die  letzten  vier  Jahrhunderte  jqj
§  3.  Das  neunzehnte  Jahrhundert  492
§  4.  Seine  fünf  Preisbewegungen  494
§  5.  Rückblick  200
§  6.  Ausblick  201
§  7.  Papiergeld  202
§  8.  Das  Papiergeld  in  Frankreich  204
§  9.  Das  Papiergeld  in  England  205
§  10.  Das  Papiergeld  in  Österreich  207
§  11.  Frühamerikanisches  Papiergeld  208
§  12.  Die  „Greenbacks“  209
§  13.  Vertrauen  auf  den  „Greenback“  212
§  14.  Das  Papiergeld  der  konföderierten  Südstaaten  214
Fisher  Kaufkraft  des  Goldes.  ^
        <pb n="14" />
        XVIII  Analytisches  Inhaltsverzeichnis.

Seite
§  16.  Depositenumlaufsmittel  und  Krisen  216
§  16.  Besondere  Krisen  218
§  17.  Depositenumlaufsgeschwindigkeit  und  Krisen  220
§  18.  Zusammenfassung  223
XII.  Kapitel.
Statistiken  der  letzten  Jahre.
§  1.  Kemmerers  Statistiken,  1879—1908  225
§  2.  Neue  Schätzungen  von  G  und  G',  1896—1909  228
§  3.  Neue  Schätzungen  von  G'  17'  und  17',  1896—1909  230
§  4.  Neue  Schätzungen  von  GU  und  17,  1896—1909  233
§  6.  Schätzungen  von  II  und  P,  1896—1909  237
§  6.  Direkte  und  indirekte  Berechnung  von  P  ,  238
§  7.  Korrektur  von  Abweichungen  243
§  8.  Die  Endergebnisse  248
§  9.  Die  relative  Wichtigkeit  preissteigernder  Ursachen  251
§  10.  Einfluß  vorausgehender  Ursachen,  z.  B.  der  Zölle  usw  255
§  11.  Resultate  und  Nebenergebnisse  des  XII.  Kapitels  258
XIII.  Kapitel.
Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.
§  1.  Das  Problem  der  Geldreform  261
§  2.  Der  Bimetallismus  als  dessen  Lösung  264
§  3.  Vorschläge  anderer  Lösungen  269
§  4.  Die  Tabellenwährung  272
§  5.  Der  Vorschlag  des  Verfassers  276
§  6.  Zusammenfassung  und  Schluß  284

Anhang.
Anhang  zum  II.  Kapitel.
§  1  (zum  II.  Kapitel,  §  3).  Der  Begriff  eines  Mittelwertes  286
§  2  (zum  II.  Kapitel,  §  5).  Der  Begriff  „Umlaufsgeschwindigkeit“  289
§  3  (zum  II.  Kapitel,  §  6).  Anordnung  der  p,  Q  und  pQ  291
§  4  (zum  II.  Kapitel,  §  5).  Anordnung  der  a,  g  und  17  294
§  5  (zum  II.  Kapitel,  §  6).  Der  Münzenübertragungsbegriff  der  Geschwindigkeit
und  der  Begriff  Umsatzzeit  298
§  6  (zum  II.  Kapitel,  §  5).  Algebraische  Darlegung  der  Verkehrsgleichung  299
§  7  (zum  II.  Kapitel,  §  5).  P  muß  eine  spezifische  Form  des  Durchschnittes  sein,
um  sich  direkt  wie  G  und  U  und  umgekehrt  wie  die  Q  zu  verändern  300
        <pb n="15" />
        Analytisches  Inhaltsverzeichnis.  XIX

Anhang  zum  DI.  Kapitel.
Seite
§  1  (zum  III.  Kapitel,  §  2).  Anordnung  der  h  und  r  302
§  2  (zum  III.  Kapitel,  §  4).  Algebraische  Darlegung  der  Verkehrsgleichung  mit
Einschluß  der  Depositenumlaufsmittel  303
Anhang  zum  V.  Kapitel.
§  1  (zum  V.  Kapitel,  §  5).  Wirkung  des  Zeitkredits  auf  die  Verkehrsgleichung...  304
Anhang  zum  VI.  Kapitel.
§  1  (zum  VI.  Kapitel,  §  1).  Die  durch  den  internationalen  Handel  erforderliche
Modifikation  der  Verkehrsgleichung  305
Anhang  zum  VII.  Kapitel.
§  1  (zum  VII.  Kapitel,  §  2).  Geldsurrogate  ungleich  anderen  Ersatzmitteln  ....  308
§  2  (zum  VII.  Kapitel,  §  2).  Grenzen  der  Verhältnisse,  innerhalb  deren  der  Bimetallismus ­
  möglich  ist  310
Anhang  zum  VIII.  Kapitel.
§  1  (zum  VIII.  Kapitel,  §  6).  Umsatzstatistik  an  der  Yale  Universität  311
§  2  (zum  VIII.  Kapitel,  §  8).  Gegenüberstellung  von  vier  Warengattungen  ....  314
Anhang  zum  X.  Kapitel.
§  1.  Jede  Form  der  Indexziffer  für  Preise  umfaßt  eine  korrelative  Form  der  Indexziffer ­
  für  Quantitäten  3pg
§  2.  Indexziffern  für  Preise  kommen  ebenso  wie  die  Indexziffern  für  Quantitäten
in  antithetischen  Paaren  vor  32p
§  3.  Allgemeine  Bedeutung  der  p  und  Q  323
§  4.  Übersicht  über  die  44  Formeln  als  Kolonnentitel  der  Tabelle  324
§  5.  Übersicht  über  die  als  Titel  der  Tabellenreihen  figurierenden  acht  Proben  ...  330
§  6.  Der  innere  Teil  der  Tabelle,  insbesondere  Kolonne  11  338
§  7.  Vergleich  der  44  Formeln  346
§  8.  Gründe  für  die  Bevorzugung  der  Mittelzahl  für  praktische  Zwecke  353
§  9.  Kurze  zusammenfassende  Übersicht  35g
Anhang  zum  XII.  Kapitel.
§  1  (zum  XII.  Kapitel,  §  1).  Kemmerers  Berechnungen  357
§  2  (zum  XII.  Kapitel,  §  2).  Methode  zur  Berechnung  von  G  359
§  3  (zum  XII.  Kapitel,  §  2).  Methode  zur  Berechnung  von  G'  3g2
§  4  (zum  XII.  Kapitel,  §  3).  Methode  zur  Berechnung  von  G'  U'  für  die  Jahre
1896  und  1909  368
§  5  (zum  XII.  Kapitel,  §  3).  Methode  zur  Berechnung  von  G'  V  für  die  Jahre
1897—1908  373
        <pb n="16" />
        XX  Analytisches  Inhaltsverzeichnis.
Seite
§  6  (zum  XII.  Kapitel,  §  4).  Allgemein  anwendbare  Formel  zur  Berechnung
von  U  375
§  7  (zum  XII.  Kapitel,  §  4).  Anwendung  der  Formel  zur  Berechnung  von  U
für  die  Jahre  1896  und  1909  386
§  8  (zum  XII.  Kapitel,  §  4).  Interpolation  der  17-Werte  für  die  Jahre
1897—1908  401
§  9  (zum  XII.  Kapitel,  §  5).  Methode  zur  Berechnung  von  H  402
§  10  (zum  XII.  Kapitel,  §  5).  Methode  zur  Berechnung  von  P  409
§  11  (zum  XII.  Kapitel,  §  7).  Gegenseitige  Angleichungen  der  berechneten  Werte
von  G,  G',  TJ,  V,  P  und  H  411
§  12  (zum  XII.  Kapitel,  §  8).  Kredit-  und  Bargeldgeschäfte.  Vergleich  mit
Kinleys  Schätzungen  413
Nachtrag  zur  zweiten  (amerikanischen)  Auflage  415
Anhang  zur  zweiten  (amerikanischen)  Auflage  über  die  „Wertstabilisierung  des
Dollars“  416
        <pb n="17" />
        I.  Kapitel 1 ).
Begriffsbestimmungen.
§i-Um
  die  Beziehungen  des  in  diesem  Buche  behandelten  Problems  zu
dem  Gesamtgebiete  der  Nationalökonomie  klarzustellen,  sind  einige  Grundbegriffe ­
  zu  definieren.
In  erster  Reihe  kann  die  Nationalökonomie  selbst  als  die  Wissenschaft
vom  Reichtum  (wealth)  und  Reichtum  als  der  Inbegriff  materieller,  im  Besitze ­
  der  Menschen  befindlicher  Gegenstände  bezeichnet  werden.  Zum
Reichtum  gehören  daher  zwei  Hauptmerkmale:  Stofflichkeit  und  Aneignung. ­
  Nicht  alle  materiellen  Dinge  können  daher  im  Reichtum  inbegriffen ­
  werden,  sondern  nur  solche,  von  denen  man  Besitz  ergriffen  hat.
Weder  Sonne,  Mond  und  andere  Himmelskörper,  noch  alle  Teile  der  Oberfläche ­
  unseres  Planeten  können  als  Reichtum  betrachtet  werden,  sondern
nur  solche  Teile,  welche  zu  menschlichem  Gebrauche  angeeignet  worden
sind.  Es  sind  daher  angeeignete  Stücke  der  Erdoberfläche  und  angeeignete
Gegenstände  darauf,  die  den  Reichtum  bilden.
Man  kann  zweckmäßigerweise  drei  Kategorien  von  Reichtum  unterscheiden: ­
  Boden  (real  estate),  Waren  (commodities)  und  Menschen.  Unter
Boden  verstehen  wir  ein  Stück  Erdoberfläche  und  andere  hiermit  verbundene
Reichtumsbestandteile  —  Meliorationen,  wie  Gebäude,  Dämme,  Gräben,
Eisenbahnen,  Straßenbauten  usw.  Unter  Waren  verstehen  wir  allen  Mobiliarreichtum ­
  (mit  Ausnahme  des  Menschen  selbst),  sowohl  Rohmateriahen  als
Fertigprodukte.  Es  gibt  nun  eine  besondere  Warengattung  —  ein  gewisses
Fertigprodukt  —,  das  für  den  in  diesem  Buche  behandelten  Gegenstand  von
besonderer  Bedeutung  ist,  nämlich  das  Geld.  Um  Geld  zu  sein,  muß  eine
Ware  im  Austausch  ahgemein  annehmbar  sein,  und  jede  im  Austausch  i)
i)  Dieses  Kapitel  bildet  vornehmlich  eine  gedrängte  Wiedergabe  der  Kapitel  I  und  II
des  Buches  des  Verfassers  „The  Nature  of  Capital  and  Ineome 1 ' 1 ',  New  York  (Macmillan)
1906.
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.

1
        <pb n="18" />
        2

I.  Kapitel.

allgemein  annehmbare  Ware  sollte  Geld  genannt  werden.  Den  besten
Typus  einer  als  Geld  fungierenden  Ware  stellen  heutzutage  Goldmünzen  dar.
Von  allem  Reichtum  ist  der  Mensch  gleichfalls  eine  Spezies.  Seinen
Pferden  oder  Rindern  gleich  ist  er  selbst  ein  materieller  Gegenstand  und
gleich  diesen  der  Aneignung  unterworfen;  denn  ist  er  Sklave,  so  gehört  er
einem  anderen  an,  und  ist  er  frei,  sich  selbst 1 ).
Obwohl  jedoch  der  Mensch  als  Reichtum  betrachtet  werden  kann,
sind  menschliche  Eigenschaften,  wie  Geschick,  Intelligenz  und  Erfindungsgabe ­
  kein  R  eichtum.  Ebensowenig  wie  die  Härte  des  Stahls  kein  Reichtum
ist,  sondern  nur  die  Eigenschaft  einer  besonderen  Art  von  Reichtum  —  harten
Stahls  —,  so  ist  die  Geschicklichkeit  eines  Arbeiters  kein  Reichtum,  sondern ­
  nur  die  Eigenschaft  einer  anderen  besonderen  Art  von  Reichtum:
„des  tauglichen  Arbeiters“.  Ebenso  ist  nicht  die  Intelligenz  an  sich  Reichtum; ­
  dagegen  ist  ein  intelligenter  Mensch  Reichtum.
Da  Stofflichkeit  eines  der  beiden  Hauptmerkmale  des  Reichtums  ist,
kann  jeder  Reichtumsbestandteil  durch  physikalische  Einheiten  gemessen
werden.  Land  wird  in  Hektaren,  Kohle  in  Doppelzentnern,  Milch  in  Litern
und  Weizen  in  Scheffeln  gemessen.  Zur  Abschätzung  der  Quantität  der
verschiedenen  Reichtumsbestandteile  können  daher  die  verschiedenen
physikalischen  Maßeinheiten  angewandt  werden:  Längen-,  Flächen-,
Hohlmaße  und  Gewichte.
Wenn  immer  ein  Reichtumsbestandteil  mittelst  einer  solchen  Einheit
gemessen  wird,  so  bedeutet  dies  zugleich  den  ersten  Schritt  zur  Messung
jener  geheimnisvollen  Größe,  die  „Wert“  genannt  wird.  Zuweilen  wird  der
Wert  als  psychisches  und  zuweilen  als  physisches  Phänomen  betrachtet.
Obgleich  aber  die  Wertbestimmung  immer  einen  psychischen  Prozeß,  die
Fällung  eines  Urteils,  bedeutet,  so  ist  doch  die  Ausdrucksweise,  in  der  die
Resultate  bestimmt  und  bemessen  werden,  physikalischer  Natur.
Der  Klarheit  wegen  ist  es  wünschenswert,  vermittelst  dreier  grundlegender ­
  Begriffe  zum  eigentlichen  Wertbegriff  zu  gelangen.  Diese  sind:
Übertragung,  Austausch  und  Preis.
Unter  Übertragung  von  Reichtum  versteht  man  einen  Wechsel  der
Eigentümer.  Ein  Austausch  besteht  aus  zwei  gegenseitigen  und  freiwilligen
Übertragungen,  von  denen  sich  die  eine  auf  die  andere  bezieht.
1 )  Wenn  wir  vorziehen,  Sklaven  allein  und  nicht  freie  Männer  in  den  Begriff  Reichtum ­
  einzuschließen,  so  müssen  wir  die  Definition  von  Reichtum  folgenderweise  abändern:
Reichtum  besteht  aus  materiellen,  vom  Menschen  angeeigneten  Gütern  seiner  Außenwelt.
Für  den  Zweck  dieses  Buches  ist  es  gleichgültig,  ob  der  engere  oder  weitere  Begriff  angewandt ­
  wird.
        <pb n="19" />
        Begriffsbestimmungen.

3

Wenn  eine  gewisse  Quantität  irgendwelcher  Art  von  Reichtum  gegen
eine  gewisse  Quantität  einer  anderen  Art  umgetauscht  wird,  so  können  wir
die  eine  der  beiden  Quantitäten  durch  die  andere  dividieren  und  erhalten
damit  den  Preis  der  letzteren.  Wenn  z.  B.  zwei  Dollar  in  Gold  in  drei  Scheffel
Weizen  umgetauscht  werden  sollen,  so  ist  der  Preis  des  Weizens  in  Gold
zwei  Drittel  eines  Dollar  per  Scheffel,  und  der  Preis  des  Goldes,  in  Weizen
ausgedrückt,  ist  ein  und  ein  halb  Scheffel  pro  Dollar.  Es  ist  zu  beachten,
daß  dies  die  Verhältnisse  zwischen  zwei  physischen  Quantitäten  sind,  deren
Messungseinheiten  voneinander  ganz  verschieden  sind.  Die  eine  Ware  wird
in  Scheffeln  oder  Einheiten  der  Weizenmenge,  die  andere  in  Dollar  oder
Einheiten  des  Goldgewichtes  gemessen.  Im  allgemeinen  ist  der  Preis  irgendwelcher ­
  Spezies  eines  Reichtums  bloß  das  Verhältnis  zweier  materieller
Quantitäten,  in  welcher  Weise  eine  jede  von  beiden  ursprünglich  auch  gemessen ­
  werden  mag.
Wir  kommen  nun  schließlich  zum  Wertbegriff.  Der  Geldwert  (value)
irgendwelches  Postens  von  Reichtum  ist  dessen  Preis  multipliziert  mit  seiner
Quantität.  Wenn  daher  ein  halber  Dollar  per  Scheffel  der  Preis  des  Weizens
ist,  so  beträgt  der  Geldwert  von  hundert  Scheffeln  Weizen  fünfzig  Dollar.

§  2.
Wir  haben  bisher  unsere  Betrachtung  auf  einige  Ableitungen  aus  dem
ersten  der  Begriffsmerkmale  des  Reichtums,  dem  seiner  Stofflichkeit,  beschränkt. ­
  Wir  wenden  uns  nun  dem  zweiten  Grundmerkmale,  seiner  Aneignung, ­
  zu.  Reichtum  eignen  (own)  bedeutet  einfach  das  Recht,  von  ihm
Nutzen  zu  ziehen,  d.  h.  die  Dienst-  und  Nutzleistungen  (services  and  benefits)
  des  Reichtums  zu  genießen.  So  kann  der  Eigentümer  eines  Laibes  Brot
aus  ihm  dadurch  Nutzen  ziehen,  daß  er  es  ißt,  es  verkauft  oder  anderweitia:
darüber  verfügt.  Der  Besitzer  eines  Hauses  hat  das  Nutzungsrecht,  das
ihm  dadurch  gebotene  Obdach  selbst  zu  genießen,  es  zu  verkaufen  oder  es
zu  vermieten.  Dieses  Recht,  das  Recht  an  oder  auf  die  Nutzleistungen  des
Reichtums  —  oder  kurz  das  Recht  auf  den  oder  an  dem  Reichtum  selbst  —
wird  hier  „Eigentumsrecht“  oder  kurzweg  „EigentumP  genannt.
Wenn  die  Objekte  des  Reichtums  stets  in  vollem  ungeteilten  Eigentum ­
  stünden,  d.  h.  wenn  keine  Teilung  des  Eigentums  —  keine  Teilhaberrechte, ­
  keine  Gewinnanteile  damit  verbunden  wären,  ferner,  wenn  es  keine
Aktiengesellschaften  gäbe,  so  wäre  es  ziemlich  irrelevant,  zwischen  Eigentum ­
  und  Reichtum  zu  unterscheiden.  Aber  das  Eigentumsrecht  auf  ein
Vermögen  ist  häufig  geteilt,  und  durch  diese  Tatsache  wird  eine  sorgfältige
1*
        <pb n="20" />
        4

I.  Kapitel.

Unterscheidung  zwischen  dem  im  Besitz  befindlichen  Gegenstand  und  den
Rechten  der  Eigentümer  notwendig.  Eine  Eisenbahn  ist  also  ein  Stück
Reichtum.  Aktien  und  Prioritäten  sind  Ansprüche  auf  diesen  Reichtum.
Jeder  Inhaber  von  Aktien  oder  Prioritäten  hat  ein  Amecht  auf  einen  Bruchteil ­
  des  von  der  Eisenbahn  abgeworfenen  Gewinnes.  In  ihrer  Gesamtheit
umfassen  diese  Berechtigungen  das  vollständige  Verfügungsrecht  über  die
Eisenbahn  oder  das  Eigentum  an  der  Eisenbahn.
Ebenso  wie  der  Reichtum  können  auch  Eigentumsrechte  gemessen
werden;  ihre  Maßeinheiten  tragen  aber  einen  anderen  Charakter.  Die  Einheiten ­
  des  Eigentumsanrechts  sind  nicht  physischer  Natur,  sondern  sie
bestehen  aus  abstrakten  Ansprüchen  auf  die  Nutzleistungen  des  Reichtums.
Für  einen  Mann,  der  fünfundzwanzig  Aktien  einer  Eisenbahngesellschaft
besitzt,  besteht  das  Maß  seines  Eigentums  in  fünfundzwanzig  Einheiten  so
gut,  wie  wenn  er  fünfunzdwanzig  Scheffel  Weizen  besäße.  Was  er  besitzt,
sind  aber  fünfundzwanzig  Anrechte  einer  besonderen  Gattung.
Es  gibt  verschiedene  Einheiten  zur  Messung  des  Eigentums,  wie  es  verschiedene ­
  Einheiten  zur  Bemessung  des  Reichtums  gibt;  und  dieselben  Begriffe ­
  der  Übertragung,  des  Austausches,  des  Preises  und  Wertes,  die  auf
den  Reichtum  Anwendung  finden,  können  auf  das  Eigentum  genau  so  gut
angewandt  werden.
Neben  der  Unterscheidung  zwischen  Reichtum  und  Eigentum  soll  hier
noch  eines  anderen  Unterschiedes  gedacht  werden.  Dies  ist  die  Unterscheidung ­
  zwischen  Eigentumsanrechten  und  Ausweisscheinen  (certificates)
dieser  Amechte.  Erstere  sind  die  Amechte  auf  die  Benutzung  des  Reichtums; ­
  letztere  sind  nur  schriftliche  Beweismittel  für  das  Vorhandensein
dieser  Anrechte.  Der  Anspruch  auf  die  Dividenden  einer  Eisenbahn  ist  also
ein  Eigentumsrecht,  das  geschriebene  Dokument  indessen,  durch  das  dieses
Anrecht  anerkannt  wird,  ist  ein  Ausweisschein.  Das  Recht  auf  eine  Eisenbahnfahrt ­
  ist  ein  Eigentumsrecht;  die  Fahrkarte,  die  dieses  Recht  zugesteht,
ist  ein  Eigentumsausweisschein.  Das  Versprechen  einer  Bank  ist  ein  Eigentumsrecht; ­
  die  Banknote,  auf  der  dieses  Versprechen  aufgedruckt  ist,  ist
ein  Eigentumsausweis.
Jedes  Eigentumsrecht,  das  im  Austausch  zur  allgemeinen  Annahme  gelangt, ­
  kann  „Geld“  genannt  werden.  Das  gedruckte  Beweismittel  seiner
Existenz  wird  ebenfalls  Geld  genannt.  Hierdurch  entstehen  drei  Bedeutungen
des  Ausdruckes  Geld,  nämlich:  seine  Bedeutung  im  Sinne  von  Reichtum;
seine  Bedeutung  im  Sinne  von  Eigentum*)  und  seine  Bedeutung  im  Sinne
D  Siehe  K.  M  enger,  Handwörterbuch  der  Staatswissenschaften,  Jena  (Fischer),
Bd.  IV,  1910,  Artikel  „Geld“,  Seite  566—568.
        <pb n="21" />
        B  egriff  sb  estimmungen.

5

eines  urkundlichen  Nachweises.  Vom  Standpunkt  volkswirtschaftlicher
Analyse  ist  seine  Bedeutung  im  Sinne  von  Eigentum  die  wichtigste.
Das  Eigentumsanrecht  in  dem  oben  angenommenen  Sinne  ist  das  Recht
auf  die  Dienstleistungen,  auf  die  Nutzungen  oder  Nutzleistungen  des  Reichtums. ­
  Unter  Nutzleistungen  (benefits)  des  Reichtums  sind  die  wünschenswerten ­
  Ergebnisse,  die  mittelst  des  Reichtums  erzielt  werden,  zu  verstehen.
Ebenso  wie  Reichtum  und  Eigentum,  können  auch  die  Nutzleistungen  gemessen ­
  werden;  es  tragen  jedoch  ihre  Maßeinheiten  wieder  einen  anderen
Charakter.  Nutzleistungen  werden  entweder  „nach  der  Zeit“  berechnet,
wie  die  Dienstleistungen  eines  Gärtners  oder  eines  Wohnhauses;  oder
„stückweise“,  wie  der  Gebrauch  eines  Pfluges  oder  eines  Telephons.  Und
die  nämlichen  Begriffe  von  Übertragung,  Austausch,  Preis  und  Wert,  die
in  bezug  auf  den  Reichtum  und  das  Eigentum  angewandt  werden,  gelten
ebenso  für  die  Nutzleistungen.
Die  Nutzleistungen  (benefits)  des  Reichtums,  von  welchen  wir  gesprochen
haben,  müssen  aber  von  der  Nutzbarkeit  des  Reichtums  deutlich  unterschieden ­
  werden.  Unter  dem  einen  sind  wünschenswerte  Ergebnisse  und  unter
dem  anderen  die  Wünschbarkeit  dieser  Ergebnisse  zu  verstehen.  Das  eine
liegt  gewöhnlich  außerhalb  des  subjektiven  menschlichen  Ermessens,  das
andere  hängt  stets  von  ihm  ab.
Wann  immer  wir  von  Ansprüchen  auf  Nutzleistungen  sprechen,  beziehen
sich  diese  auf  zukünftige  Nutzleistungen.  Der  Eigentümer  eines  Hauses,
besitzt  das  Recht,  es  vom  gegenwärtigen  Augenblick  an  bis  auf  weiteres  zu
benutzen.  Sein  bisheriger  Gebrauch  ist  verfallen  und  nicht  mehr  dem
Eigentumsrecht  unterworfen.
Der  Ausdruck  „Güter“  wird  in  diesem  Buche  einfach  als  geeigneter
Kollektivausdruck  gebraucht,  der  Reichtum,  Eigentum  und  Nutzleistungen
umfaßt.  Übertragung,  Austausch,  Preis  und  Wert  der  Güter  nehmen  unzählige ­
  Formen  an.  Unter  den  Begriff  des  Preises  fallen  in  voller  Anwendung
auf  alle  Güter  auch  Mieten,  Löhne,  Zinsraten,  in  Geld  und  in  Quantitäten
anderer  Güter  ausgedrückte  Preise.  In  diesem  Buche  werden  wir  aber
hauptsächlich  auf  die  in  Geld  ausgedrückten  Preise  von  Gütern  eingehen.

§3.
Über  das  Verhältnis  des  Reichtums,  des  Eigentums  und  der  Nutzleistungen ­
  zur  Zeit  ist  bisher  wenig  gesagt  worden.  Eme  gewisse  Menge  von
Gütern  kann  entweder  eine  Quantität  sein,  welche  zu  einem  besonderen
Zeit  funkt  vorhanden  ist,  oder  sie  kann  eine  Quantität  sein,  die  während
        <pb n="22" />
        6

I.  Kapitel.

einer  gewissen  Zeitperiode  produziert,  verbraucht,  transportiert  oder  umgetauscht ­
  wird.  Die  erstere  Gütermenge  ist  eine  Bestandmasse  (stock)  oder
ein  Güterfond  (fund),  die  zweitgenannte  Quantität  befindet  sich  im  Flusse;
sie  ist  ein  Güterstrom  (flow  or  stream).  Der  Gesamtbestand  von  Weizen
in  einer  Mahlmühle  an  irgendeinem  bestimmten  Tage  ist  ein  Weizenfond,
während  der  ein-  und  ausgehende  monatliche  oder  wöchentliche  Bestand
einen  Weizenstrom  darstellt.  Die  Menge  der  geförderten  Kohle  in  den
Vereinigten  Staaten,  die  zu  einem  gewissen  Zeitpunkt  vorhanden  ist,  ist
ein  Fond  geförderter  Kohle;  was  wöchentlich  hinzugefördert  wird,  bildet
einen  Kohlenstrom.
Diese  Unterscheidungen  finden  vielfache  Anwendung;  z.  B.  auf  das
Verhältnis  des  Kapitals  zum  Einkommen.  Eine  Güterbestandmasse,  gleichviel ­
  ob  Reichtum  oder  Eigentum,  die  zu  einem  gewissen  Zeitpunkt  vorhanden ­
  ist,  heißt  Kapital.  Der  Strom  der  Nutzleistungen  eines  solchen
Kapitals  während  einer  Zeitperiode  heißt  „Einkommen 1 '.  Das  Einkommen
bildet  daher  eine  bedeutsame  Art  volkswirtschaftlicher  Ströme.  Außer
dem  Einkommen  kann  man  drei  Hauptklassen  volkswirtschaftlicher  Ströme
unterscheiden,  die  —  je  nachdem  —  Veränderungen  durch  Wirtschaftsprozesse
  (wie:  Produktion  und  Konsumtion),  Veränderungen  durch  räumliche ­
  Verschiebungen  (wie:  Transport,  Ausfuhr  und  Einfuhr)  oder  Veränderungen ­
  durch  Wechsel  des  Eigentumsrechtes,  die  wir  bereits  „Übertragungen“ ­
  genannt  haben,  darstellen.  Der  Handel  ist  ein  Strom  von
Übertragungen.  Er  ist,  sei  er  Außen-  oder  Innenhandel,  einfach  der  Austausch ­
  eines  Stromes  übertragener  Rechte  an  Gütern  gegen  einen  gleichwertigen ­
  Strom  übertragenen  Geldes  oder  von  Geldersatzmitteln.  Der
letztere  dieser  beiden  Ströme  wird  der  „Umlauf“  des  Geldes  genannt.  Die
Gleichung  zwischen  den  beiden  Strömen  wird  die  „Verkehrsgleichung“
(equation  of  exchange)  genannt  und  gerade  diese  Gleichung  ist  es,  die  das
Hauptproblem  dieses  Buches  bildet.
        <pb n="23" />
        Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsgleichung.

7

II.  Kapitel.
Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur
V  erkehrsgleichung.
§1-Wir
  definieren  das  Geld  als  das,  was  im  Austausch  für  Güter  allgemein
zur  Annahme  gelangt 1 ).  Die  Leichtigkeit,  mit  der  das  Geld  also  ausgetauscht ­
  werden  kann,  oder  seine  allgemeine  Annehmbarkeit  bildet  sein
charakteristisches  Unterscheidungsmerkmal.  Die  allgemeine  Annehmbarkeit ­
  kann  durch  das  Gesetz  besonders  erzwungen  werden;  dadurch  wird
das  Geld  ein  sogenanntes  „gesetzliches  Zahlungsmittel“  (legal  tender);  doch
ist  dieser  Zwang  nicht  das  wesentliche.  Um  irgendeinem  Gute  die  Bedeutung
des  Geldes  zu  geben,  ist  nur  erforderlich,  daß  die  allgemeine  Annahme  damit ­
  verknüpft  ist.  An  der  Landesgrenze  gelten  manchmal  Goldstaub  oder
Goldklumpen  als  Geld  ohne  irgendwelche  gesetzliche  Sanktion.  In  der
Kolonie  Virginia  war  es  Tabak.  Bei  den  Indianern  in  New  England  galt
der  Wampum  als  Geld.  „In  Deutsch-Neu-Guinea  werden  die  gebogenen
Hauer  des  Ebers  als  Geld  benutzt.  In  gleicher  Weise  werden  in  Kalifornien
die  Köpfe  roter  Vögel  verwendet“  1  2 ).  In  Melanesien  kommen  Steine  und
Muscheln  als  Geld  in  Anwendung 3 ).  „I n  Birma  sind  es  chinesische  Spielmarken, ­
  welche  als  Geld  dienen.  Man  sagt,  daß  in  Südamerika  die  von
Straßenbahngesellschaften  herrührenden  Kautschukmarken  ähnlich  kursieren“ ­
  4 ).  Vor  nicht  allzulanger  Zeit  gelangten  in  einer  Stadt  im  Staate
New  York  ähnliche  Wertzeichen  in  lokalen  Umlauf,  bis  ihre  Ausgabe  durch
die  Eegierung  der  Vereinigten  Staaten  verboten  wurde.  In  Mexiko  bediente
man  sich  als  Geld  großer  Kakaobohnen  von  verhältnismäßig  geringer  Qualität, ­
  und  an  der  Westküste  Afrikas  wurden  kleine  Matten  als  solches  verwandt 5 ).
Diese  Aufzählung  könnte  bis  ins  Unendliche  fortgesetzt  werden.  Aber  was
auch  immer  die  Substanz  des  Artikels  sein  mag,  es  ist  seine  allgemeine  Austauschbarkeit, ­
  die  ihn  zum  Geld  macht.
1 )  Erörterungen  über  genaue  Begriffsbestimmungen  des  Geldes  finden  sich  bei:
A.  Piatt  Andrew,  „What  ought  io  le  called  Money“  im  Quarterly  Journal  of  Economics,
Bd.  XIII;  Jevons,  Money  and  the  Mechanism  of  Exchange,  London  (Kegan  Paul)  and
New  York  (Appleton),  1896;  Palgrave,  Dictionary  of  Political  Economy;  Walker,  Money
und  in  anderen  Monographien  und  Lehrbüchern.
2 )  Sumncr,  Folkways,  Boston  (Ginn),  1907,  S.  147.
3 )  A.  a.  0.  S.  150.
*)  A.  a.  0.  S.  148.
s )  A.  a.  0.  S.  148.
        <pb n="24" />
        8

II.  Kapitel.

Andererseits  kann  sogar  das,  was  als  gesetzliches  Zahlungsmittel  erklärt
worden  ist,  durch  allgemeinen  Brauch  seines  praktischen  Geldcharakters  entkleidet ­
  werden.  Während  des  Bürgerkrieges  versuchte  die  amerikanische
Regierung  Fünfzigdollarnoten,  die  7,3  %  Zinsen  eintragen  sollten,  in  Umlauf ­
  zu  setzen,  so  daß  die  Zinsen  den  sehr  leicht  ausrechenbaren  Betrag  eines
Cents  per  Tag  ergaben.  Es  gelang  jedoch  nicht,  den  Notenumlauf  zu  sichern.
Trotz  der  Anstrengungen,  ihren  Austausch  zu  erleichtern,  zog  man  vor,  sie
der  Zinsen  wegen  zu  behalten 1 ).  Geld  trägt  nie  Interessen,  außer  in  dem
Sinne,  daß  sein  Gebrauch  im  Austauschprozesse  Vorteil  bringt.  Diese  Bequemlichkeit ­
  ist  die  spezielle  Dienstleistung  des  Geldes,  und  dies  macht  den
scheinbaren  Zinsverlust  wett,  den  die  Verwahrung  des  Geldes  in  unserer
Tasche  an  Stelle  seiner  Anlage  nach  sich  zieht.
Es  gibt  verschiedene  Stufen  der  Austauschbarkeit,  die  überschritten
werden  müssen,  bevor  wir  zum  wirklichen  Gelde  gelangen.  Unter  allen
Gattungen  von  Gütern  ist  Grundbesitz  vielleicht  am  wenigsten  austauschbar.
Nur  wenn  zufällig  gerade  die  Person  gefunden  wird,  die  das  Grundstück
benötigt,  kann  es  ausgetauscht  werden.  Eine  Hypothek  auf  Grund  und
Boden  ist  um  einen  Grad  leichter  auswechselbar.  Doch  selbst  eine  Hypothek ­
  ist  schwerer  austauschbar  als  ein  bekanntes  und  sicheres  Privateffekt
und  ein  solches  Wertpapier  weniger  leicht  austauschbar  als  ein  Staatspapier.
Es  kommt  tatsächlich  häufig  vor,  daß  Personen  nur  zu  vorübergehender
Kapitalsanlage  Staatspapiere  kaufen,  um  sie  wieder  zu  verkaufen,  sobald
höherverzinsliche  dauernde  Kapitalanlagen  erhältlich  sind.  Ein  Wechsel
ist  um  einen  Grad  leichter  austauschbar  als  ein  Staatspapier;  eine  Tratte
auf  Sicht  ist  um  einen  Grad  leichter  umzusetzen  als  ein  Wechsel,  während
ein  Scheck  beinahe  ebenso  austauschbar  ist  als  Geld  selbst.  Jedoch  keines
dieser  Papiere  ist  wirkliches  Geld,  denn  keines  derselben  gelangt  zur  „allgemeinen ­
  Annahme“.
Wenn  wir  unsere  Aufmerksamkeit  auf  gegenwärtige  und  normale  Verhältnisse, ­
  sowie  auf  die  Tauschmittel  konzentrieren,  die  entweder  Geld  oder
annähernd  Geld  sind,  so  werden  wir  finden,  daß  das  Geld  selbst  zu  einer
allgemeinen  Klasse  von  Eigentumsrechten  gehört,  die  wir  „Umlaufsmittel“
(currency)  oder  „Tauschmittel“  (circulating  media)  nennen  wollen.  Die
Umlaufsmittel  umfassen  jedweden  Typus  von  Eigentumsrechten,  die,  gleichviel ­
  ob  allgemein  annehmbar  oder  nicht,  in  ihrem  Hauptzweck  und  ihrem
Gebrauche  nach  faktisch  als  Tauschmittel  dienen.,  '
Man  unterscheidet  zwei  Klassen  dieser  Tauschmittel:  1.  Geld,  2.  Bank1 ­

 )  Vgl.  Jevons,  Money  and  the  Meehanism  of  Exchange,  S.  245.
        <pb n="25" />
        Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsgleichung.

9

depositen,  welch  letztere  im  nächsten  Kapitel  ausführlich  behandelt  werden. ­
  Mittels  der  Schecks  dienen  die  Bankdepositen  als  Zahlungsmittel  im
Austausch  für  andere  Güter.  Ein  Scheck  ist  der  „Ausweisschein“  oder  das
Beweismittel  der  Übertragung  von  Bankdepositen.  Er  ist  nur  unter  Zustimmung ­
  des  Empfängers  annehmbar;  er  würde  im  allgemeinen  von  dritten
Personen  nicht  akzeptiert  werden.  Dennoch  fungieren  die  Bankdepositen
vermittelst  der  Schecks  gegenwärtig  als  Tauschmittel  sogar  in  größerem
Maße  als  Geld.  Vom  praktischen  Standpunkte  aus  sind  Geld  und  dem  Scheckverkehr ­
  unterworfene  Bankdepositen  die  einzigen  Zirkulationsmittel.  Wenn
Postanweisungen  und  telegraphische  Übertragungen  mit  inbegriffen  werden
sollen,  müssen  diese  als  Übertragungsausweise  besonderer  Depositen  betrachtet ­
  werden;  das  Post-  oder  Telegraphenamt  dient  zum  Zwecke  dieser
besonderen  Geschäftsvorgänge  als  Depositenbank.
Obgleich  aber  ein  durch  Scheck  übertragenes  Bankdeposit  den  Umlaufsmitteln ­
  zuzurechnen  ist,  so  ist  es  doch  kein  Geld.  Eine  Banknote  hingegen ­
  ist  ebensogut  Zirkulationsmittel  wie  Geld.  Zwischen  diesen  beiden
liegt  die  endgültige  Grenzlinie  der  Unterscheidung,  was  Geld  ist  und  was
kein  Geld  ist.  Allerdings  ist  diese  Linie  überaus  fein  gezogen,  besonders
wenn  es  sich  um  Kassenschecks  oder  mit  der  Annahmeerklärung  der
bezogenen  Bank  versehene  „zertifizierte“  Schecks  handelt,  denn  letztere
sind  fast  identisch  mit  Banknoten.  Beide  begründen  Forderungs  -
ansprüche  an  eine  Bank,  und  beide  erteilen  dem  Inhaber  das  Recht,  Geld  zu
erheben.  Aber  während  eine  Note  im  Austausch  allgemein  annehmbar  ist,
ist  ein  Scheck  nur  speziell  annehmbar,  d.  h.  nur  unter  der  Zustimmung  des
Empfängers.  Reale  Geldansprüche  akzeptiert  der  Empfänger  ohne  weiteres,
denn  dazu  wird  er  entweder  durch  Gesetze  betreffend  die  gesetzlichen  Zahlungsmittel ­
  oder  durch  eingewurzelten  Brauch  bewogen x ).
Es  gibt  zwei  Arten  realen  Geldes:  Bargeld  (primary)  und  Kreditgeld
(fiduciary).  Es  wird  Bargeld  genannt,  wenn  es  aus  einem  Gute  besteht,
das  in  irgendeiner  anderen  Verwendung  wie  zu  Geldzwecken  genau  denselben ­
  Wert  besitzt.  Unabhängig  von  irgendeinem  anderen  Reichtum  besitzt ­
  das  Bargeld  seinen  vollen  Eigenwert.  Kreditgeld  hingegen  ist  Geld,
dessen  Wert  teilweise  oder  gänzlich  von  dem  Vertrauen  abhängt,  daß  der
Besitzer  es  für  andere  Güter  auswechseln  kann,  wie  z.  B.  gegen  Bargeld  auf
einer  Bank  oder  an  einer  Staatskasse,  oder  daß  er  jedenfalls  damit  Schulden
bezahlen  oder  Handelsartikel  dafür  einkaufen  kann.  Der  Haupttypus
des  Bargeldes  ist  die  Goldmünze;  der  Haupttypus  des  Kreditgeldes  sind  die
Banknoten.  Der  Eigenschaften,  die  die  Austauschbarkeit  des  Bargeldes
i)  Siehe  Francis  Walker,  Money,  Trade,  and  Industnj,  New  York  (Holt),  1879,  Kap.  I.
        <pb n="26" />
        10

II.  Kapitel.

bewirken,  gibt  es  viele.  Die  wichtigsten  sind:  Transportierbarkeit,  Dauerhaftigkeit ­
  und  Teilbarkeit x ).  Die  Hauptgrundlagen  der  Austauschbarkeit
des  Kreditgeldes  sind  seine  Einlösbarkeit  in  Bargeld  oder  auch  der  ihm  zugesprochene ­
  Charakter,  als  gesetzmäßiges  Zahlungsmittel  zu  fungieren.
Banknoten  wie  auch  alles  andere  Kreditgeld  sowie  auch  Bankdepositen
zirkulieren  in  Gestalt  von  Ausweisscheinen,  die  oft  „Wertzeichen“  (Token)
genannt  werden.  Hierzu  gehören  auch  „Scheidemünzen“.  Abgesehen  von
den  durch  sie  gewährleisteten  Ansprüchen  ist  der  Wert  dieser  Scheidemünzen
gering.  So  ist  der  Wert  eines  Silberdollars  als  Reichtum  nur  ungefähr
vierzig  Cents;  mehr  ist  das  tatsächlich  darin  enthaltene  Silber  nicht  wert.
Sein  Wert  als  Eigentum  hingegen  ist  einhundert  Cents,  denn  der
Inhaber  des  Silberdollars  ist  gesetzlich  befugt,  von  ihm  zur  Bezahlung
einer  Schuld  in  der  Höhe  dieses  Betrages  Gebrauch  zu  machen,  und
er  kann,  kraft  Gewohnheitsrechts,  diesen  Dollar  zur  Bezahlung  von  Gütern
verwenden.  Ebenso  ist  der  Eigentumswert  (property  value)  eines  Fünfzigcentstückes, ­
  eines  Quarters,  eines  Zehncentstückes,  eines  Fünfcentstückes
oder  eines  Centstückes  bedeutend  größer  als  deren  Wert  als  Reichtum.  So
hat  z.  B.  ein  Papierdollar  —  ein  Silberzertifikat  —  als  Reichtum  beinahe
gar  keinen  Wert.  Er  besitzt  eben  nur  den  Wert  des  Papiers  und  nicht  mehr.
Aber  sein  Eigentumswert  ist  einhundert  Cents,  d.  h.  das  Äquivalent  eines
Golddollars.  Bis  zu  diesem  Betrage  repräsentiert  er  einen  Anspruch  des  Inhabers ­
  auf  den  Reichtum  des  Staates.
Figur  1  gibt  die  Klassifizierung  aller  Umlaufsmittel  in  den  Vereinigten
Staaten  wieder.  Aus  ihr  ist  zu  ersehen,  daß  der  Gesamtbetrag  der  Umlaufsmittel ­
  sich  auf  ungefähr  IO 1 /,,  Milliarden  beläuft,  von  denen  etwa  8 , / 2  Milliarden ­
  auf  Bankdepositen  entfallen,  die  dem  Scheckverkehr  unterworfen
sind,  ferner  auf  l 2 / 3  Milliarden  in  Geld,  und  daß  von  diesen  l 2 / 3  Milliarden
in  Geld  eine  Milliarde  Kreditgeld  ist,  während  nur  ungefähr  2 / s  Milliarden
bares  Geld  darstellen.
In  diesem  Kapitel  wollen  wir  die  Bankdepositen  oder  den  Scheckumlauf ­
  nicht  behandeln  und  unsere  Aufmerksamkeit  auf  den  Umlauf  des  baren
—  und  des  Kreditgeldes  beschränken.  In  den  Vereinigten  Staaten  ist  die
Goldmünze  das  einzige  Bargeld.  Das  Kreditgeld  umfaßt:  1.  Scheidemünzen, ­
  nämlich  Silberdollar,  Bruchteile  dieses  Silberdollars  und  geringere
Münzen  („Nickels“  [Fünfcents]  und  Cents);  2.  Papiergeld,  nämlich:  a)Goldund
  Silberzertifikate,  b)  Noten  der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten
(„Greenbacks“)  oder  der  Nationalbanken.  *  V.
Q  Siehe  Jevons,  Geld  und  Geldverkehr  (Money  and  the  Mechanism  of  Exchange)
V.  Kap.
        <pb n="27" />
        Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsgleichung.

11

Wenn  wir  die  Schecks  beiseite  lassen,  können  wir  den  Tauschverkehr
in  drei  Klassen  einteilen:  in  den  Austausch  von  Gütern  gegen  Güter  oder
den  Tauschhandel;  in  den  Austausch  von  Geld  gegen  Geld  oder  Geldwechsel
und  in  den  Austausch  von  Geld  gegen  Güter  oder  Kauf  und  Verkauf.  Nur
die  letztgenannte  Art  des  Austausches  führt  zu  der  Erscheinung,  die  wir  den
„Umlauf“  des  Geldes  nennen.  Der  Geldumlauf  bedeutet  daher  den  Gesamtbetrag ­
  seiner  Umsätze  gegen  Güter.  Alles  für  den  Umlauf  bestimmte  Geld,
d.  h.  alles  Geld  mit  Ausnahme  dessen,  das  sich  in  den  Banken  und  in  den
Kassen  der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  befindet,  wird  „in  Umlauf
befindliches  Geld“  genannt.

BARGELD
2 /3
MILLIARDEN ­


DEM  SCHECKVERKEHR
UNTERWORFENE
BANKDEPOSITEN
87*
MILLIARDEN

KREDITGELD

or~
mr~

Fig.  1.

Hauptaufgabe  dieses  Buches  ist  die  Erklärung  der  Ursachen,  durch
die  die  Kaufkraft  des  Geldes  bestimmt  wird.  Die  Kaufkraft  des  Geldes
wird  durch  die  Quantitäten  anderer  Güter  bestimmt,  die  eine  gegebene  Geldquantität ­
  zu  kaufen  vermag.  Je  niedriger  die  Preise  von  Gütern  sind,  desto
größer  sind  die  Quantitäten,  die  mit  einem  gegebenen  Geldbeträge  gekauft
werden  können,  und  desto  höher  ist  daher  die  Kaufkraft  des  Geldes.  Je
höher  wir  die  Preise  von  Gütern  finden,  desto  geringer  sind  die  Quantitäten,
die  mit  einem  gegebenen  Geldbeträge  gekauft  werden  können,  und  desto
niedriger  ist  daher  die  Kaufkraft  des  Geldes.  Kurz,  die  Kaufkraft  des  j
.  Geldes  ist  das  Gegenstück  (reciprocal)  des  Preisniveaus;  das  Studium  der;
f!  Kaufkraft  des  Geldes  ist  daher  mit  dem  Studium  der  Preisniveaus  identisch.
§  2.
Wenn  man  von  dem  Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  oder  Schecks
absieht,  kann  man  sagen,  daß  das  Preisniveau  nur  von  drei  Ursachengruppen
        <pb n="28" />
        12

II.  Kapitel.

bestimmt  wird:  1.  von  der  Quantität  des  im  Umlauf  befindlichen  Geldes;
2.  von  seiner  „Leistungsfähigkeit“  oder  Umlaufsgeschwindigkeit  (oder  der
Durchschnittszahl  der  jährlichen  Umsätze  von  Geld  gegen  Güter);  und
3.  vom  Umsatzvolumen  (oder  von  der  Menge  der  mittelst  Geld  gekauften
Güter).  Die  sogenannte  „Quantitätstheorie“ v ),  nach  der  die  Preise  in
direktem  Verhältnis  zur  Geldmenge  variieren,  ist  oft  unrichtig  formuliert
worden;  die  Theorie  ist  aber  (wenn  man  vom  Scheckumlauf  absieht)  korrekt
in  dem  Sinne,  daß  das  Preisniveau  direkt  mit  der  in  Umlauf  befindlichen
Geldquantität  variiert,  vorausgesetzt,  daß  die  Umlaufsgeschwindigkeit  dieses
Geldes  und  das  Volumen  des  Umsatzes,  den  es  zu  vollbringen  hat,  keine  Veränderung ­
  erfahren.
Die  Quantitätstheorie  ist  stets  eine  der  schärfstumstrittenen  Theorien
der  Nationalökonomie  gewesen,  und  zwar  größtenteils  darum,  weil  die  Anerkennung ­
  ihrer  Richtigkeit  oder  Unrichtigkeit  mächtige  Interessen  in  Handel
und  Politik  berührte.  Man  hat  gesagt  —  und  der  Ausspruch  ist  kaum  eine
Übertreibung  —  daß  selbst  die  Theoreme  des  Euklid  angefochten  würden,
wenn  einmal  finanzielle  und  politische  Interessen  mit  ihnen  in  Widerstreit
geraten  sollten.
Die  Quantitätstheorie  ist  leider  zum  Tummelplatz  für  ungesunde  Währungsprojekte ­
  mißbraucht  worden.  Man  berief  sich  auf  sie  zur  Verteidigung
uneinlöslichen  Papiergeldes  und  der  freien  Silberausprägung  im  Verhältnis
16  zu  1  in  den  Vereinigten  Staaten.  Infolge  dessen  gibt  es  nicht  wenige
„Anhänger  einer  gesunden  Währung“,  die  der  Meinung  sind,  daß  eine
Theorie,  die  zur  Aufrechterhaltung  solcher  Verirrungen  benutzt  wird,  falsch
sein  müsse,  und  die  aus  Angst  vor  der  politischen  Tragweite  ihrer  Verbreitung
bewogen  wurden,  nicht  nur  gegen  die  ungesunde  Propaganda,  sondern  auch
gegen  die  gesunden  Grundsätze  selbst  Stellung  zu  nehmen,  durch  die  ihre
Verteidiger  die  Theorie  künstlich  zu  halten  suchten *  2 ).  Diese  Angriffe  auf

Q  Diese,  wenngleich  oft  nur  vag  formulierte  Theorie  ist  von  Locke,  Hume,  Adam
Smith,  Ricardo,  Mill,  Walker,  Marshall,  I-Iadley,  Fetter,  Kemmerer  und  den  meisten
Autoren,  die  sich  über  diesen  Gegenstand  geäußert  haben,  angenommen  worden.  Der
Römer  Julius  Paulus  sprach  im  Jahre  200  nach  Ohr.  Geb.  seine  Überzeugung  aus,  daß
der  Wert  des  Geldes  von  seiner  Quantität  abhänge.  Vgl.  Zuckerkandl,  Theorie  des  Preises,
Kemmerer,  Money  and  Credit  Instruments  in  their  Relation  to  General  Prices,  New  York
(Holt),  1909.  Allerdings  wenden  sich  noch  viele  Schriftsteller  gegen  die  Quantitätstheorie.
Vgl.  insbesondere  Laughlin,  Principles  of  Money,  New  York  (Scribner),  1903.
2 )  Vgl.  Scott,  „Sie  ist  eine  sehr  ergiebige  Quelle  falscher  Lehren  in  geldwirtschaftlichen ­
  Fragen  gewesen  und  wird  beständig  und  erfolgreich  zur  Verteidigung  schädlicher
Gesetzgebung  und  als  Mittel  gebraucht,  notwendige  geldwirtschaftliche  Reformen  zu
hintertreiben.“  Money  and  Banking,  New  York,  1903,  S.  68.
        <pb n="29" />
        Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsgleichung.

13

die  Quantitätstheorie  sind  durch  das  mangelhafte  Verständnis  seitens  derer
erleichtert  worden,  die  sich  auf  diese  Weise  zugunsten  einer  unhaltbaren
Sache  auf  sie  beriefen.
Nach  meiner  persönlichen  Überzeugung  kann  es  kaum  eine  gefährlichere ­
  und  in  letzter  Linie  verderblichere  geistige  Voreingenommenheit
geben,  als  eine  solche,  die  eine  gesunde  Praxis  durch  Verleugnung  gesunder
Prinzipien  aufrechterhalten  will,  weil  einige  Denker  von  diesen  Prinzipien
eine  falsche  Anwendung  machen.  Auf  jeden  Fall  gibt  es  für  das  wissenschaftliche ­
  Denken  keine  andere  Alternative,  als  die  ungeschminkte  Wahrheit ­
  zu  finden  und  zu  konstatieren.
Die  Quantitätstheorie  wird  in  der  Verkehrsgleichung  (equation  of
exchange),  zu  deren  Analyse  wir  nun  übergehen,  klarer  gestellt  werden.
Die  Verkehrsgleichung  ist  eine  in  mathematischer  Form  ausgedrückte
Darlegung  der  gesamten  Transaktionen,  die  in  einer  gewissen  Periode  in
einem  bestimmten  Gemeinwesen  vollzogen  werden.  Man  erhält  sie  einfach
durch  Summierung  der  Verkehrsgleichungen  aller  individueller  Transaktionen. ­
  Nehmen  wir  z.  B.  an,  daß  eine  Person  10  Pfund  Zucker  zu  30  Pfennigen ­
  per  Pfund  kauft.  Dies  ist  eine  Austauschtransaktion,  in  der  10  Pfund
Zucker  als  gleichwertig  mit  300  Pfennigen  betrachtet  werden,  und  diese  Tatsache ­
  wird  folgendermaßen  ausgedrückt:  300  Pfennige  =  10  Pfund  Zucker
multipliziert  mit  30  Pfennigen  per  Pfund.  Jeder  andere  Kauf  und  Verkauf
kann  in  derselben  Weise  ausgedrückt  werden,  und  wenn  wir  diese  Posten
zusammenaddieren,  erhalten  wir  die  Verkehrsgleichung  für  eine  gewisse
Periode  in  einem  bestimmten  Gemeinwesen.  Während  dieser  nämlichen
Periode  kann  indessen  das  nämliche  Geld  für  mehrere  Transaktionen  dienen,
und  gewöhnlich  ist  dies  der  Fall.  Aus  diesem  Grunde  ist  die  Geldseite  der
Gleichung  natürlich  größer  als  der  Gesamtbetrag  des  in  Umlauf  befindlichen
Geldes.
Die  Verkehrsgleichung  betrifft  alle  während  einer  bestimmten  Zeit
durch  Geld  gemachte  Einkäufe  in  einem  gewissen  Gemeinwesen.  Nach  wie
vor  wollen  wir  von  Schecks  oder  von  irgendeinem  anderen  Zirkulationsmedium, ­
  mit  Ausnahme  des  Geldes,  sowie  vom  Außenhandel  absehen  und
uns  auf  den  Handel  innerhalb  eines  hypothetischen  Gemeinwesens  beschränken. ­
  Später  werden  wir  diese  Faktoren  wieder  in  unsere  Erörterungen
einschließen,  indem  wir  mittelst  einer  Beihe  von  Näherungen  durch  aufeinanderfolgende ­
  hypothetische  Voraussetzungen  zu  den  gegenwärtig  herrschenden ­
  Verkehrsbedingungen  vorschreiten.  Wir  dürfen  natürlich  nicht
vergessen,  daß  die  Schlüsse,  die  in  jeder  folgenden  Näherung  ausgedrückt
sind,  einzig  und  allein  für  die  speziell  angenommene  Hypothese  gelten.
        <pb n="30" />
        14

II.  Kapitel.

Die  Verkehrsgleichung  ist  einfach  die  Summe  der  Gleichungen,  die  alle
individuelle  Austausche  eines  Jahres  ausdrücken.  In  jedem  Kauf  und  Verkauf ­
  sind  Geld  und  ausgetauschte  Güter  ipso  facto  gleichwertig;  das  für
Zucker  bezahlte  Geld  zum  Beispiel  hat  denselben  Wert  wie  der  gekaufte
Zucker.  Und  in  der  großen  Gesamtsumme  aller  Austausche  eines  Jahres
ist  der  Gesamtgeldbetrag  gleichwertig  mit  dem  Gesamtwert  der  gekauften
Güter.  Die  Gleichung  hat  daher  eine  Geldseite  und  eine  Güterseite.  Die
Geldseite  stellt  das  gesamte  bezahlte  Geld  dar  und  kann  als  das  Produkt  der
Geldquantität  multipliziert  mit  seiner  Umlaufsgeschwindigkeit  betrachtet
werden.  Die  Güterseite  besteht  aus  den  Produkten  von  ausgetauschten
Güterquantitäten  multipliziert  mit  deren  respektiven  Preisen.
Die  wichtige  Größe  der  sogenannten  Umlaufsgeschwindigkeit  oder  Umschlagsfrequenz ­
  ist  einfach  der  Quotient,  der  dadurch  erlangt  wird,  daß  man
die  Gesamtsumme  der  im  Laufe  eines  Jahres  bezahlten  Güter  durch  den  im
Umlauf  befindlichen  Durchschnittsgeldbetrag,  durch  den  diese  Zahlungen
bewirkt  werden,  dividiert.  Diese  Umlaufsgeschwindigkeit  für  ein  ganzes
Gemeinwesen  ist  eine  Art  Durchschnitt  der  Umschlagssätze  (rates  of  turnover)
  des  Geldes  für  verschiedene  Personen.  Jede  Person  hat  ihren  eigenen
Umschlagssatz,  der  durch  Division  des  jährlich  verbrauchten  Geldbetrags
durch  den  von  ihr  geführten  Durchschnittsbetrag  leicht  ausgerechnet  werden
kann.
Beginnen  wir  mit  der  Geldseite.  Wenn  in  einem  Lande  die  Anzahl  der
Dollar  5,000,000  und  die  Zahl  ihrer  Umschläge,  ihre  Umlaufsgeschwindigkeit,
zwanzig  per  Jahr  beträgt,  dann  ist  der  Gesamtbetrag  des  seinen  Besitzer
(für  Güter)  wechselnden  Geldes  jährlich  5,000,000  mal  zwanzig  oder
$  100,000,000.  Dies  ist  die  Geldseite  der  Verkehrsgleichung.
Da  nun  die  Geldseite  der  Gleichung  $  100,000,000  beträgt,  so  muß  die
Güterseite  dieselbe  Summe  aufweisen.  Denn  wenn  im  Laufe  des  Jahres
$  100,000,000  für  Güter  ausgegeben  wurden,  dann  müssen  in  dem  Jahre
Güter  im  Werte  von  $  100,000,000  verkauft  worden  sein.  Um  die  Mühe
zu  ersparen,  die  Mengen  und  Preise  der  unzähligen  Kategorien  faktisch  ausgetauschter
  Güter  anzuschreiben,  wollen  wir  jetzt  annehmen,  daß  es  nur
drei  Arten  von  Gütern  gibt  —  Brot,  Kohle  und  Tuch  —  und  daß  die  Verkäufe ­
  die  folgenden  sind:
200,000,000  Laibe  Brot  zu  $  0,10  per  Laib
10,000,000  Tonnen  Kohle  zu  $  5,00  per  Tonne  und
30,000,000  Meter  Tuch  zu  $  1 3 00  per  Meter.
Der  Wert  dieser  Umsätze  ist,  wie  ersichtlich,  $  100,000,000,  d.  h.
$  20,000,000  Wert  des  Brotes  plus  $  50,000,000  Wert  der  Kohle  plus
        <pb n="31" />
        Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsgleichung.

15

$  30,000,000  Wert  des  Tuches.  Die  Verkehrsgleichung  (man  beachte,  daß
die  Geldseite  aus  zwanzigmal  ausgewechselten  $  5,000,000  bestand)  ist
daher  die  folgende:
$  6,000,000  x  20  mal  per  Jahr
=  200,000,000  Laibe  x  $  0,10  per  Laib,
+  10,000,000  Tonnen  x  $  6,00  per  Tonne,
+  30,000,000  Meter  x  $  1,00  per  Meter.
Diese  Gleichung  enthält  auf  der  Geldseite  zwei  Größen,  nämlich:  1.  die
Geldmenge  und  2.  ihre  Umlaufsgeschwindigkeit.  Auf  der  Güterseite  befinden
sich  zwei  Gruppen  von  Größen  in  zwei  Kolonnen,  nämlich:  1.  die  Mengen
der  ausgetauschten  Güter  (Laibe,  Tonnen,  Meter)  und  2.  die  Preise  dieser
Güter.  Die  Gleichung  zeigt,  daß  diese  vier  Gruppen  von  Größen  sich  in
wechselseitiger  Abhängigkeit  befinden.  Um  diese  Gleichung  zu  befriedigen,
müssen  die  Preise  eine  Funktion  der  drei  anderen  Größengruppen  —  Geldquantität, ­
  Umlaufsgeschwindigkeit  und  ausgetauschte  Güterquantitäten  —
bilden.  Im  großen  ganzen  müssen  diese  Preise  infolgedessen  im  Verhältnis
mit  der  Geldquantität  und  mit  ihrer  Umlaufsgeschwindigkeit  sowie  umgekehrt ­
  mit  den  Quantitäten  der  ausgetauschten  Güter  variieren.
Nehmen  wir  zum  Beispiel  an,  daß  die  Geldmenge  verdoppelt  wird,
während  ihre  Umlaufsgeschwindigkeit  und  die  Quantitäten  der  ausgewechselten ­
  Güter  dieselben  blieben;  dann  würde  es  für  die  Preise  ganz  unmöglich
sein,  unverändert  zu  bleiben.  Die  Geldseite  wäre  dann  $  10,000,000  x
20  mal  per  Jahr,  gleich  $  200,000,000,  wohingegen,  wenn  die  Preise  sich
nicht  veränderten,  die  Güter  $  100,000,000  blieben  und  die  Gleichung  unmöglich ­
  würde.  Da  individuelle  und  kollektive  Austausche  stets  ein  äquivalentes ­
  quid  pro  quo  bedeuten,  müssen  die  zwei  Seiten  gleich  sein.  Nicht
nur  Einkäufe  und  Verkäufe  müssen  den  gleichen  Betrag  aufweisen  —  da
ja  notwendigerweise  jeder  durch  eine  Person  gekaufte  Artikel  von  einer
anderen  verkauft  worden  ist  —  sondern  auch  der  Gesamtwert  der  Güter
muß  dem  Gesamtbeträge  des  ausgetauschten  Geldes  gleich  sein.  Unter  den
gegebenen  Umständen  müssen  sich  die  Preise  daher  dermaßen  verändern,
daß  die  Güterseite  von  $  100,000,000  auf  $  200,000,000  erhöht  ward.  Diese
Verdoppelung  kann  durch  eine  gleiche  oder  ungleiche  Preissteigerung  vollführt ­
  werden,  aber  irgendeine  Art  Preiserhöhung  muß  stattfinden.  Wenn
die  Preise  gleichmäßig  steigen,  so  werden  sie  sich  offenbar  allesamt  verdoppeln, ­
  so  daß  die  Gleichung  wie  folgt  lautet:
$  10,000,000  x  20  mal  per  Jahr
=  200,000,000  Brotlaibe  x  $  0,20  per  Laib,
+  10,000,000  Tonnen  x  $  10,00  per  Tonne,
+  30,000,000  Meter  x  $  2,00  per  Meter.
        <pb n="32" />
        16

II.  Kapitel.

Wenn  die  Preise  ungleichmäßig  steigen,  muß  die  Verdoppelung  augenscheinlich ­
  durch  einen  Ausgleich  herbeigeführt  werden;  wenn  einige  Preise
weniger  als  doppelt  steigen,  müssen  andere  zum  genauen  Ausgleich  um  entsprechend ­
  mehr  als  das  Doppelte  steigen.
Aber  gleichviel,  ob  alle  Preise  gleichmäßig  steigen  und  jeder  sich  genau
verdoppelt,  oder  ob  einige  Preise  mehr  und  andere  weniger  steigen  (und
zwar  derart,  daß  der  Gesamtwert  des  Geldes  der  gekauften  Güter  stets  verdoppelt ­
  wird),  so  verdoppeln  sich  die  Preise  jedenfalls  im  Durchschnitt 1 ).
Dieser  Satz  wird  gewöhnlich  so  ausgedrückt,  daß  man  sagt,  das  „allgemeine ­
  Preisniveau“  sei  um  das  doppelte  gestiegen.  Aus  der  bloßen  Tatsache, ­
  daß  das  für  Güter  verausgabte  Geld  den  Quantitäten  dieser  Güter
multipliziert  mit  deren  Preisen  gleichkommen  muß,  folgt  also,  daß  das
Preisniveau,  den  Veränderungen  der  Quantität  des  Geldes  gemäß,  steigen
oder  fallen  muß,  es  sei  denn,  es  träten  Veränderungen  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit
  oder  in  den  Quantitäten  der  ausgetauschten  Güter  ein.
Wenn  Veränderungen  in  der  Geldquantität  auf  die  Preise  einwirken,  so
haben  Änderungen  in  den  anderen  Faktoren  —  den  Güterquantitäten  und
der  Umlaufsgeschwindigkeit  —  auf  die  Preise  denselben  Einfluß,  und  zwar
in  ganz  ähnlicher  Weise.  Eine  Verdoppelung  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit
des  Geldes  verdoppelt  also  das  Preisniveau,  vorausgesetzt,  daß  die  im  Umlauf ­
  befindliche  Geldquantität  und  die  Quantitäten  der  gegen  Geld  ausgetauschten ­
  Güter  vor-  und  nachher  die  gleichen  bleiben.  Die  Gleichung  wird
folgendermaßen  aussehen:
$  5,000,000  x  40  mal  im  Jahre
=  200,000,000  Brotlaibe  X  $  0,20  per  Laib,
+  10,000,000  Tonnen  x  $  10,00  per  Tonne,
+  30,000,000  Meter  x  $  2,00  per  Meter.
Es  kann  natürlich  die  Gleichung  auch  eine  solche  Gestalt  annehmen,
daß  einige  der  Preise  um  mehr  als  das  Doppelte  und  andere  Preise  um  soviel
weniger  als  das  Doppelte  steigen,  als  nötig  ist,  nur  um  den  Gesamtwert  der
Umsätze  zu  erreichen.
Ebenso  wird  die  Höhe  des  Preisniveaus  durch  eine  Verdoppelung  in  den
Quantitäten  der  ausgetauschten  Güter  nicht  verdoppelt,  sondern  um  die
Hälfte  sinken,  vorausgesetzt,  daß  die  Geldquantität  und  ihre  Umlaufsgeschwindigkeit
  dieselben  bleiben.  Unter  diesen  Umständen  gestaltet  sich
die  Gleichung  wie  folgt:
r )  Das  heißt  natürlich  nicht,  daß  ihr  einfacher  arithmetischer  Durchschnitt  genau
verdoppelt  wird.  Bezüglich  der  Definition  „Durchschnitt“  oder  „Mittel“  im  allgemeinen
vgl.  §  1  des  Anhanges  zu  diesem  (II.)  Kapitel.
        <pb n="33" />
        Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.

2

Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsglei

17

$  5,000,000  X  20  mal  im  Jahr

=  400,000,000  Brotlaibe  $  0,05  per  Laib,
4-  20,000,000  Tonnen  x  $  2,50  per  Tonne,
+  60,000,000  Meter  x  $  0,50  per  Meter.

Oder  die  Gleichung  nimmt  eine  solche  Gestalt  an,  daß  einige  Preise
um  mehr  und  andere  um  weniger  als  die  Hälfte  sinken,  um  dem  Ansätze
Genüge  zu  leisten.
Wenn  schließlich  gleichzeitig  Veränderungen  in  zwei  oder  in  sämtlichen
drei  Wirkungsfaktoren,  d.  h.  in  der  Geldquantität,  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  und  in  den  Quantitäten  der  ausgetauschten  Güter  eintreten,  dann
wird  das  Preisniveau  eine  Verbindung  oder  die  Resultierende  dieser  verschiedenen ­
  Wirkungsfaktoren  darstellen.  Wenn  z.  B.  die  Geldquantität
sich  verdoppelt  und  ihre  Umlaufsgeschwindigkeit  um  die  Hälfte  abnimmt,
während  die  Quantität  der  ausgetauschten  Güter  unverändert  bleibt,  so  erleidet ­
  das  Preisniveau  keinerlei  Störung.  Ebenso  wird  es  unverändert
bleiben,  wenn  die  Geldquantität  und  die  Quantität  der  Güter  verdoppelt
werden,  während  die  Umlaufsgeschwindigkeit  sich  nicht  verändert.  Daher
bedeutet  eine  Verdoppelung  der  Geldquantität  nicht  immer  eine  Verdoppelung ­
  der  Preise.  Wir  müssen  klar  erkennen,  daß  die  Geldquantität  nur  einer
von  drei  Faktoren  ist,  die  alle  für  die  Bestimmung  des  Preisniveaus  von
gleicher  Wichtigkeit  sind.

§  3.

Die  Verkehrsgleichung  ist  nun  durch  ein  arithmetisches  Beispiel  erläutert ­
  worden.  Sie  soll  jetzt  auch  durch  ein  Bild  der  Mechanik  symbolisch
dargestellt  werden.  Eine  solche  Darstellung  wird  in  Figur  2  zum  Ausdruck
gebracht.  Diese  stellt  eine  im  Gleichgewicht  befindliche  Wage  vor,  von

Fig.  2.

deren  zwei  Armen  der  eine  die  Geldseite,  der  andere  die  Güterseite  der  Verkehrsgleiehung
  vorstellen  soll.  Das  zur  Linken  durch  eine  Geldbörse  sinnbildlich ­
  dargestellte  Gewicht  repräsentiert  das  in  Umlauf  befindliche  Geld.
Der  „Arm“  oder  die  Entfernung  vom  Drehpunkte  der  Wage,  an  welchem
        <pb n="34" />
        18

II.  Kapitel.

dieses  Gewicht  (Geldbörse)  hängt,  stellt  die  Leistungsfähigkeit  dieses  Geldes
oder  dessen  Umlaufsgeschwindigkeit  dar.  Auf  der  rechten  Seite  befinden
sich  drei  Gewichte  —  Brot,  Kohle  und  Tuch,  die  durch  einen  Brotlaib,
einen  Kohleneimer  und  einen  Ballen  Tuch  sinnbildlich  dargestellt  sind.
Der  Wagebalken  oder  die  Entfernung  jedes  einzelnen  Gewichtes  vom  Drehpunkte ­
  der  Wage,  repräsentiert  dessen  Preis.  Um  den  Hebelarm  zur  Rechten
nicht  unverhältnismäßig  lang  zu  gestalten,  haben  wir  es  zweckmäßig  gefunden, ­
  die  Maßeinheit  der  Kohle  von  Tonne  auf  Zentner  und  diejenige  des
Tuches  von  einem  Meter  (yard)  auf  den  dritten  Teil  eines  Meters,  resp.  auf
einen  „Fuß“  (foot)  zu  reduzieren  und  dementsprechend  die  Anzahl  der  Einheiten ­
  zu  erhöhen.  (Das  Ausmaß  der  Kohle  wird  von  10,000,000  Tonnen
auf  200,000,000  Zentner  und  das  Maß  des  Tuches  von  30,000,000  Yards
auf  90,000,000  Fuß  reduziert.)  In  der  neuen  Einheit,  in  Zentnern  beträgt
der  Preis  der  Kohle  25  Cents  per  Zentner  und  der  Preis  des  Tuches  für  einen
„Fuß“  ist  33V 3  Cents  per  Fuß.
Die  Tendenz  zur  Senkung  ist  bekanntlich  bei  einer  im  Gleichgewicht
befindlichen  Wage  nach  beiden  Richtungen  die  gleiche.  Jedes  Gewicht  löst
auf  der  Seite,  auf  der  es  sich  befindet,  eine  Tendenz  zur  Abwärtsbewegung
aus,  deren  Stärke  durch  das  Produkt  aus  der  Länge  des  Wegearms  mit  dem
Gewichte  zu  messen  ist.  Das  Gewicht  zur  Linken  bewirkt  auf  dieser  Seite
eine  durch  das  Produkt  5,000,000  x  20  gemessene  Tendenz,  während  die
Gewichte  zur  Rechten  eine  vereinigte  Gegentendenz  ausüben,  die  dem
Produkte  200,000,000  x  10  +  200,000,000  x  0,25  +  90,000,000  x  0,337s
entspricht.  Die  Gleichheit  dieser  entgegengesetzten  Tendenzen  stellt  die
Yerkehrsgleichung  dar.
Zur  Beibehaltung  des  Gleichgewichts  erfordert  eine  Zunahme  in  den
Gewichten  oder  Armlängen  auf  der  einen  Seite  eine  entsprechende  Zunahme
in  den  Gewichten  oder  Armlängen  auf  der  anderen  Seite.  Dieses  einfache
und  wohlbekannte  Prinzip,  das  hier  auf  die  sinnbildliche  Darstellung  angewandt ­
  ist,  bedeutet,  daß,  wenn  z.  B.  die  Umlaufsgeschwindigkeit  (am  linken
Arme)  unverändert  und  der  Umsatz  (Gewichte  zur  Rechten)  ebenfalls
gleich  bleibt,  jedwede  Zunahme  der  Geldbörse  zur  Linken  die  Verlängerung
einer  oder  mehrerer  Armlängen  auf  der  rechten  Seite,  welche  die  Preise  darstellen, ­
  erfordert.  Wenn  diese  Preise  gleichmäßig  zunehmen,  dann  steigen
sie  in  demselben  Verhältnis  wie  die  Zunahme  an  Geld;  wenn  sie  nicht  gleichmäßig ­
  zunehmen,  werden  einige  mehr  und  andere  weniger  als  in  diesem
Verhältnis  steigen,  so  daß  doch  der  Durchschnitt  erhalten  bleibt.
Es  ist  ebenso  klar  ersichtlich,  daß,  wenn  der  Arm  zur  Linken  sich  verlängert, ­
  und  wenn  die  Geldbörse  sowie  die  verschiedenen  Gewichte  zur  Rechten
        <pb n="35" />
        Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsgleichung.

19

unverändert  bleiben,  eine  Zunahme  in  den  Armlängen  zur  Rechten  eintreten
  muß.
Wenn  ferner  eine  Zunahme  in  den  Gewichten  zur  Rechten  besteht,  und
wenn  der  linke  Arm  und  die  Geldbörse  unverändert  bleiben,  dann  muß  eine
Verkürzung  im  rechten  Arme  eintreten.
Im  allgemeinen  muß  jede  Änderung  in  einer  der  vier  Arten  von  Größen
von  einer  solchen  Änderung  oder  von  Änderungen  in  einer  oder  mehreren
der  anderen  drei  Größen,  die  das  Gleichgewicht  aufrechterhalten  sollen,
begleitet  sein.
Da  wir  mehr  an  der  Veränderung  der  allgemeinen  Preislage  als  an  jener
der  individuellen  Preise  Interesse  nehmen,  können  wir  diese  mechanistische
Darstellung  dadurch  vereinfachen,  daß  wir  sämtliche  auf  der  rechten  Seite
befindlichen  Gewichte  an  einen  Durchschnittspunkt  hängen,  so  daß  der  Arm
die  Durchschnittspreise  darstellt.  Diese  Armlänge  ist  ein  „gewogener  Durchschnitt“ ­
  der  drei  ursprünglichen  Armlängen,  deren  Gewichte  buchstäblich
diejenigen  sind,  die  zur  Rechten  hängen.

Dieser  Preisdurchschnitt  ist  in  Figur  3  dargestellt;  sie  veranschaulicht
die  Tatsache,  daß  der  Durchschnittspreis  der  Güter  (rechter  Arm)  direkt
mit  der  Geldquantität  (Gewicht  zur  Linken)  und  direkt  mit  ihrer  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  (linker  Arm)  sowie  umgekehrt  mit  dem  Umfang  des  Umsatzes ­
  (Gewicht  zur  Rechten)  variiert.
§4.
Wir  kommen  nun  zur  rein  algebraischen  Darstellung  der  Verkehrsgleichung. ­
  Eine  algebraische  Darstellung  ist  gewöhnlich  ein  gutes  Schutzmittel ­
  gegen  unklares  Räsonnement,  und  diese  Unklarheit  des  Gedankenganges ­
  ist  es  vor  allem,  die  häufig  ökonomische  Theorien  in  Mißkredit  gebracht ­
  haben.  Wenn  es  in  der  Geometrie  für  der  Mühe  wert  gehalten  wird
Lehrsätze,  die  beinahe  selbstverständlich  sind,  zu  Anbeginn  sorgfältig  abzu-2*
        <pb n="36" />
        20

II.  Kapitel.

leiten,  so  ist  es  hundertmal  wichtiger,  die  Sätze  über  die  Bildung  der  Preisniveaus, ­
  die  weniger  selbstverständlich  sind,  und  die  in  der  Tat  von  den  einen
vertrauensvoll  angenommen,  von  anderen  a  limine  abgewiesen  werden,  mit
Sorgfalt  klarzulegen.
Bezeichnen  wir  den  Gesamtgeldumlauf,  d.  h.  den  Geldbetrag,  der  in
einem  bestimmten  Gemeinwesen  während  eines  bestimmten  Jahres  für
Güter  ausgegeben  wurde,  mit  A  (Aufwand)  und  den  Durchschnittsbetrag
des  in  dem  Gemeinwesen  während  des  Jahres  in  Umlauf  befindlichen  Geldes
mit  G  (Geld).  Dann  wird  G  der  einfache  arithmetische  Durchschnitt  der
Geldbeträge  sein,  die  an  aufeinanderfolgenden,  durch  einander  gleiche
Intervalle  von  unendlich  kurzer  Dauer  voneinander  getrennten  Zeitpunkten
vorhanden  sind.  Wenn  wir  die  Jahresausgaben  A  durch  den  mittleren
Geldumlauf  G  dividieren,  so  erhalten  wir  die  Durchschnittsrate  des  Geld-Umsatzes
  in  seinem  Austausche  für  Güter,  ^,  das  heißt,  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes 1 ).  Diese  Geschwindigkeit  soll  mit  U  (Umlaufsgeschwindigkeit)
  bezeichnet  werden,  so  daß  —  U;A  können  wir  somit  durch  GU
ausdrücken.  In  Worten:  Der  Gesamtumlauf  des  Geldes  im  Sinne  der  Geldausgabe ­
  ist  gleich  dem  gesamten  in  Umlauf  befindlichen  Gelde  multipliziert
mit  seiner  Umlaufs-  oder  Umschlagsgeschwindigkeit.  A  oder  GU  drücken
also  die  Geldseite  der  Verkehrsgleichung  aus.  Wenden  wir  uns  nun  der
Güterseite  der  Gleichung  zu,  so  haben  wir  es  hier  mit  den  Preisen  und  mit
den  Quantitäten  der  ausgetauschten  Güter  zu  tun.  Der  Durchschnittsverkaufspreis ­
  *  2 )  irgendeines  besonderen  Gutes,  z.  B.  des  von  einem  gegebenen
Gemeinwesen  während  eines  bestimmten  Jahres  gekauften  Brotes  soll  mit
f  (Preis)  und  die  gekaufte  Gesamtquantität  desselben  mit  Q  (Quantität)
bezeichnet  werden.  In  gleicher  Weise  wollen  wir  den  Durchschnittspreis
eines  anderen  Gutes  (sagen  wir  Kohle)  mit  p'  und  dessen  gesamte  ausgetauschte ­
  Quantität  mit  Q'  bezeichnen.  Der  Durchschnittspreis  und  die
Gesamtquantität  eines  dritten  Gutes  (Tuch)  soll  durch  p"  beziehungsweise
durch  Q"  ausgedrückt  werden,  und  so  weiter  für  zahllose  andere  ausgetauschte ­
  Güter.  Die  Verkehrsgleichung  kann  in  klarer  Weise  folgendermaßen ­
  dargestellt  werden 3 ):
*)  Zur  Erörterung  des  Begriffes  der  Umlaufsgeschwindigkeit  vgl.  §§  2,  4  und  5  des
Anhanges  zu  diesem  (II.)  Kapitel.
2 )  Dies  ist  ein,  auf  Grund  der  aus  verschiedenen  Anlässen  gekauften  Quantitäten,
für  einen  gegebenen  Zeitabschnitt  und  für  ein  bestimmtes  Land  gewogener  Durchschnitt.
Vgl.  §  3  des  Anhanges  zu  diesem  (II.)  Kapitel.
3 )  Eine  algebraische  Darstellung  der  Verkehrsgleichung  ist  von  Simon  Newcomb  in
        <pb n="37" />
        Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsgleichung.

21

GU  =pQ
+  p'  Q'
+  v"  Q"
+  usw.
Die  rechte  Seite  dieser  Gleichung  ist  die  Summe  von  Produkten  von
der  Form  pQ  —  ein  Preis  multipliziert  mit  einer  gekauften  Quantität.  In
der  Mathematik  ist  es  Brauch,  eine  derartige  Summe  von  Produkten,  die
alle  dieselbe  Form  haben,  dadurch  abzukürzen,  daß  „5“  als  ein  Symbol
der  Addition  angewandt  wird.  Dieses  Symbol  bedeutet  keinesfalls  eine
Größe,  wie  dies  bei  den  Symbolen  G,  U,  p,  Q  usw.  der  Fall  ist.  Das  Zeichen
stellt  nur  die  Operation  des  Addierens  vor  und  ist  folgenderweise  zu  lesen:
„die  Summe  von  Produkten  von  folgender  Form“.  Die  Verkehrsgleichung
kann  daher  geschrieben  werden:
GU  =  2pQ,.
Das  heißt,  die  Größen  Ä,  G,  U,  p  und  Q  beziehen  sich  auf  das  ganze  Gemeinwesen ­
  und  auf  ein  volles  Jahr,  aber  sie  beruhen  und  beziehen  sich  auf  die
entsprechenden  Größen  für  die  individuellen  Personen,  aus  denen  sich  das
Gemeinwesen  zusammensetzt,  auf  die  individuellen  Zeitpunkte,  aus  denen
das  Jahr  besteht *  x ).
Die  algebraische  Ableitung  dieser  Gleichung  ist  natürlich  in  der  Hauptsache ­
  die  gleiche  wie  die  vorher  gegebene  arithmetische  Ableitung.  Sie  besteht ­
  einfach  in  der  Addition  der  Gleichungen  für  alle  individuellen  Käufe
innerhalb  des  Gemeinwesens  während  des  Jahres  2 ).
Mittelst  der  Gleichung  GU  =  2p  Q  können  die  in  diesem  Kapitel  weiter
oben  dargelegten  drei  Theoreme  nun  folgendermaßen  ausgedrückt  werden:
seinen  trefflichen  aber  wenig  geschätzten  Principles  of  Political  Economy,  New  York  (Harper
1885,  S.  346,  gegeben  worden.  Eine  solche  findet  sich  auch  bei  Edgeworth  im  „Report  on
Monetary  Standard“,  sowie  im  Report  of  the  British  Association  for  the  Advancement  of  Science,
1887,  S.  293  und  bei  A.  T.  Hadley,  Economics,  New  York  (Putnam),  1896,  S.  197.  Siehe  auch
Irving  Fisher,  „The  Röle  of  Capital  in  Economic  Theory“,  Economic  Journal,  December
1899,  S.  515—521  und  E.  W.  Kemmerer,  Money  and  Credit  Instruments  in  their  Relation
to  general  Prices,  New  York  (Holt),  1907,  S.  13.  Obwohl  die  Quantitätstheorie  auch  erst
seit  wenigen  Jahren  mathematisch  ausgedrückt  worden  ist,  so  ist  ihre  Aufgabe,  die
Wechselbeziehungen  zwischen  den  Faktoren:  Geldquantität,  Umlaufsgeschwindigkeit  und
Umsatz  festzustellen,  schon  seit  langer  Zeit  erkannt  worden.  Vgl.  Mill,  Principles  of  Political ­
  Economy,  Bd.  III,  Kap.  VIII,  §  3.  Das  Hauptverdienst,  die  Theorie  lanciert  zu
haben,  gebührt  wohl  Ricardo.
x )  Über  die  Beziehungen  zwischen  diesen  Größen  (für  das  ganze  Gemeinwesen  und
das  volle  Jahr)  und  den  entsprechenden  elementaren  Größen  für  jedes  Individuum  und
jeden  Zeitpunkt  vgl.  §  4  des  Anhanges  zu  diesem  (II.)  Kapitel.
s )  Siehe  §  6  des  Anhanges  zu  diesem  (II.)  Kapitel.
        <pb n="38" />
        22

II.  Kapitel.

1.  Wenn  U  und  Q  unverändert  bleiben,  während  G  in  irgendeinem  Verhältnis ­
  variiert,  dann  wird  sich  die  Geldseite  der  Gleichung  in  demselben
Verhältnis  verändern,  und  ihre  gleiche  Größe,  die  Güterseite,  muß  sich  daher
in  demselben  Verhältnis  ebenfalls  verändern.  Infolgedessen  werden  sich
entweder  alle  p  in  diesem  Verhältnis  ändern,  oder  es  werden  sich  einige  p
in  diesem  Verhältnis  mehr  und  andere  weniger  verändern,  und  zwar  in  ausreichendem ­
  Maße,  um  einen  Ausgleich  herbeizuführen  und  denselben  Durchschnitt ­
  beizubehalten x ).
2.  Wenn  G  und  die  Q  unverändert  bleiben,  während  U  in  irgendwelchem
Verhältnis  variiert,  dann  wird  die  Geldseite  der  Gleichung  in  demselben
Verhältnisse  variieren  und  ihre  gleiche  Größe,  die  Güterseite,  muß  daher
in  diesem  Verhältnis  ebenfalls  variieren;  demzufolge  werden  alle  p  in  demselben ­
  Verhältnis  variieren,  oder  aber  es  werden  einige  mehr  und  andere
entsprechend  weniger  variieren,  um  einen  Ausgleich  herbeizuführen.
3.  Wenn  G  und  U  sich  nicht  verändern,  so  werden  die  Geldseite  und  die
Güterseite  unverändert  bleiben;  infolgedessen  müssen,  wenn  alle  Q  in  einem
gegebenen  Verhältnis  variieren,  entweder  alle  p  in  dem  entgegengesetzten
Verhältnis  variieren,  oder  einige  davon  werden  sich  mehr  und  andere  entsprechend ­
  weniger  verändern,  um  den  Ausgleich  herbeizuführen.
Wenn  uns  daran  liegt,  können  wir  die  rechte  Seite  noch  weiter  vereinfachen, ­
  indem  wir  sie  in  der  Form  von  PH  schreiben,  wobei  P  einen  gewogenen
Durchschnitt  aller  p  und  H  die  Summe  aller  Q  darstellt.  P  drückt  dann
m  einer  Größe  das  Preisniveau  und  II  in  einer  Größe  das  Handelsvolumen
(volume  of  trade)  aus.  Diese  Vereinfachung  ist  die  algebraische  Auslegung
der  in  Figur  3  gegebenen  mechanischen  Illustration,  in  der  alle  Güter,  statt,
wie  in  Figur  2,  getrennt  aufgehängt  zu  sein,  vereint  an  einem  Durchschnittspunkte
  hängen,  der  ihren  Durchschnittspreis  angibt.
Wir  haben  die  Verkehrsgleichung  GU  =  2p  Q,  für  die  rechte  Seite  durch
Zusammenzählen  der  von  verschiedenen  Personen  verausgabten  Summen  abgeleitet. ­
  Es  hätte  jedoch  die  Verkehrsgleichung  in  derselben  Weise  abgeleitet ­
  werden  können,  wenn  nicht  die  verausgabten,  sondern  die  von  verschiedenen ­
  Personen  empfangenen  Summen  betrachtet  worden  wären.  Wenn
ein  Gemeinwesen  keinen  Außenhandel  besäße,  so  stimmten  die  Ergebnisse
der  beiden  Methoden  überein,  denn  abgesehen  vom  Außenhandel  muß  das,
was  von  einer  Person  in  dem  Gemeinwesen  ausgegeben  worden  ist,  notwendigerweise ­
  von  einer  anderen  Person  dortselbst  empfangen  worden  sein.

D  Über  das  Wesen  des  Durchschnitts,  um  den  es  sich  hier  handelt,  und  über  die
Durchschnitte  in  den  beiden  folgenden  Fällen  vgl.  §  7  des  Anhanges  zu  diesem  (II.)  Kapitel.
        <pb n="39" />
        Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsgleichung.

23

Wenn  wir  unsere  Deduktionen  auch  auf  den  Außenhandel  ausdehnen
wollen,  so  haben  wir  zwei  Verkehrsgleichungen  aufzustellen,  von  denen  die
eine  auf  dem  verausgabten  und  die  andere  auf  dem  empfangenen  oder  von
Mitgliedern  des  Gemeinwesens  angenommenen  Geld  beruht.  Diese  Gleichungen ­
  werden  stets  annähernd  übereinstimmen  und  können  innerhalb
eines  Landes,  gemäß  der  zwischen  diesem  und  anderen  Ländern  bestehenden
„Handelsbilanz“,  ganz  oder  nicht  ganz  gleich  sein.  In  der  auf  den  Geldausgaben ­
  beruhenden  rechten  Seite  der  Gleichung  sind  außer  den  bereits  vertretenen ­
  inländischen  Güterquantitäten  die  Quantitäten  der  importierten
Güter  und  deren  Preise  inbegriffen,  nicht  aber  die  der  exportierten  Güter,
während  das  Gegenteil  bei  der  auf  Geldempfängen  beruhenden  Gleichung
zutrifft.
§5.
Dies  zur  Vervollständigung  unserer  Erörterungen  über  die  Verkehrsgleichung
  mit  Ausnahme  des  Elementes  der  Scheckzahlungen,  das  dem
nächsten  Kapitel  Vorbehalten  bleibt.  Wir  haben  gesehen,  daß  in  letzter
Linie  die  Verkehrsgleichung  auf  den  elementaren,  auf  gegebene  Personen
und  gegebene  Zeitpunkte  bezüglichen  Verkehrsgleichungen  beruht;  mit
anderen  Worten,  sie  beruht  auf  den  Gleichungen,  die  sich  auf  individuelle
Umsätze  beziehen.  Diese  elementaren  Gleichungen  bedeuten  soviel,  daß
das  in  irgendwelcher  Transaktion  gezahlte  Geld  das  Äquivalent  der  zum
Verkaufspreis  erlangten  Güter  ist.  Von  dieser  sicheren  und  naheliegenden
Voraussetzung  ist  die  Verkehrsgleichung  Gü  =  2p  Q  abgeleitet,  in  der
jeder  Bestandteil  eine  Summe  oder  ein  Durchschnitt  der  gleichen  Elementarbestandteile ­
  für  verschiedene  Individuen  und  verschiedene  Zeitpunkte  ist,
und  auf  diese  Weise  alle  in  dem  Gemeinwesen  während  eines  Jahres  gemachten
Käufe  umfaßt.  Schließlich  erkennen  wir  aus  dieser  Gleichung,  daß  die
Preise  direkt  wie  G  und  U  und  umgekehrt  wie  die  Q  variieren,  vorausgesetzt,
daß  in  jedem  Falle  nur  eine  dieser  drei  Größengruppen  variiert  und  die
anderen  beiden  unverändert  bleiben.  Ob  eine  Veränderung  in  einer  der
drei  Größen  notwendigerweise  eine  Störung  in  den  anderen  herbeiführt,  ist
eine  Frage,  die  wir  in  einem  späteren  Kapitel  erörtern  werden.  Wer  den
Ein  wand  erheben  will,  daß  die  Verkehrsgleichung  nur  eine  Binsenwahrheit
sei,  wird  gebeten,  sein  Urteil  bis  nach  Durchlesung  des  VIII.  Kapitels  aufzuschieben. ­

Kurz  wiederholend  finden  wir  also,  daß  unter  den  angenommenen  Bedingungen ­
  das  Preisniveau  variiert:  1.  direkt  wie  die  im  Umlauf  befindliche
Geldquantität  (G),  2.  direkt  wie  deren  Umlaufsgeschwindigkeit  (ü)  und
        <pb n="40" />
        24

II.  Kapitel.

3.,  umgekehrt,  wie  das  durch  diese  erwirkte  Handelsvolumen  (H).  Auf  die
erste  dieser  drei  Beziehungen  ist  Nachdruck  zu  legen.  Sie  konstituiert  die
„Quantitätstheorie  des  Geldes“.
Dieses  Prinzip  ist  so  wichtig  und  ist  so  heftig  umstritten  worden,  daß
wir  uns  veranlaßt  sehen,  es  noch  weiter  zu  illustrieren.  Wie  bereits  angedeutet, ­
  ist  unter  der  „Quantität  des  Geldes“  die  im  Umlauf  befindliche
Menge  der  Dollar  (oder  einer  anderen  gegebenen  Münzeinheit)  gemeint.
Diese  Anzahl  kann  auf  verschiedene  Weise  verändert  werden,  doch  sind  die
nachstehenden  drei  Arten  die  bedeutendsten.  Ihre  Darlegung  wird  dazu
dienen,  die  gewonnenen  Schlüsse  zu  vollem  Verständnis  zu  bringen  und  die
fundamentalen  Eigentümlichkeiten  des  Geldes,  auf  denen  sie  beruhen,  zu
offenbaren.
Nehmen  wir  als  erstes  Beispiel  den  Fall  an,  daß  eine  Begierung  die
Nennwerte  alles  Geldes  verdoppelt,  d.  h.  wir  wollen  annehmen,  daß  das,
was  bisher  ein  halber  Dollar  war,  von  nun  an  ein  Dollar  und  das,  was  bis
jetzt  als  ein  Dollar  galt,  zwei  Dollar  genannt  werden  soll.  Demnach  wird
die  Anzahl  der  im  Umlauf  befindlichen  „Dollar“  verdoppelt  und  das  in  neuen
„Dollarn“  bestimmte  Preisniveau  wird  das  doppelte  des  sonst  herrschenden
sein.  Jedermann  wird  mit  denselben  Münzen  auszahlen,  als  ob  kein  derartiges ­
  Gesetz  gegeben  worden  wäre,  obgleich  in  jedem  Falle  zweimal  soviel
„Dollar“  bezahlt  werden  müssen.  Wenn  z.  B.  der  Preis  für  ein  Paar  Schuhe
früher  $  3,—  war,  so  sind  jetzt  für  dasselbe  Paar  Schuhe  $  6,—  zu  bezahlen.
Wir  sehen  also  wie  die  nominelle  Geldquantität  auf  die  Preisniveaus  einwirkt.
Eine  zweite  Illustration  finden  wir  in  einer  Wahrungsverschlechterung.
Nehmen  wir  an,  daß  die  Regierung  jeden  Dollar  in  zwei  Stücke  schneidet
und  aus  den  beiden  Hälften  neue  „Dollar“  prägt,  und  daß  ferner  alle  Papiernoten ­
  eingezogen  und  durch  das  Doppelte  der  ursprünglichen  Anzahl  ersetzt
und  sonach  für  jede  alte  zwei  neue  Noten  mit  demselben  Nennwerte  ausgegeben ­
  werden.  Kurz,  wir  setzen  den  Fall,  daß  das  Geld  nicht  nur,  wie
in  dem  ersten  Beispiel,  eine  andere  Benennung,  sondern  auch  eine  Neuausgabe ­
  erfährt;  in  der  verschlechterten  Währung  werden  die  Preise  genau  wie
in  der  ersten  Illustration  ebenfalls  verdoppelt.  Wenn  die  Teilung  und  Umprägung ­
  nicht  soweit  getrieben  werden,  daß  die  Auszahlungen  erschwert
werden,  und  daß  diese  Operationen  störend  auf  die  Bequemlichkeit  des  Geldwesens ­
  einwirken,  so  sind  sie  belanglos.  Wo  immer  vor  der  Verringerung
ein  Dollar  gezahlt  worden  ist,  sind  nun  statt  dessen  zwei  Dollar  —  d.  h.  zwei
aus  den  ursprünglichen  zwei  halben  Dollar  neugeprägte  Dollar  —  zu  zahlen.
In  dem  ersten  Beispiel  war  die  Steigerung  der  Quantität  rein  nominell;
sie  wurde  durch  eine  Umtaufe  der  Münzen  herbeigeführt.  In  dem  zweiten
        <pb n="41" />
        Beziehungen  der  Kaufkraft  des  Geldes  zur  Verkehrsgleichung.

25

Falle  wird  neben  der  Umnennung  die  weitere  Tatsache  der  Umprägung  eingeführt. ­
  Im  ersten  Fall  blieb  die  Anzahl  der  tatsächlichen  Geldstücke  jeder
Gattung  unverändert  und  nur  ihre  Nennwerte  wurden  verdoppelt.  Im
zweiten  Fall  wurde  die  Anzahl  der  Stücke  auch  verdoppelt,  und  zwar  durch
eine  Spaltung  jeder  Münze  und  durch  deren  Umprägung  in  zwei  Münzen,
wobei  jede  der  Münzen  dieselbe  nominelle  Benennung  wie  das  ursprüngliche
Ganze  erhält,  von  dem  es  die  Hälfte  darstellt,  und  durch  analoge  Verdoppelung ­
  des  Papiergeldes.
Als  dritte  Illustration  setze  man  den  Fall,  daß  die  Regierung,  statt  die
Anzahl  der  Dollar  durch  deren  Spaltung  in  zwei  Stücke  und  durch  eine
Umprägung  der  halben  Stücke  zu  verdoppeln,  jedes  vorhandene  Geldstück
verdopple  und  das  Duplikat  dem  Besitzer  des  ursprünglichen  Geldstückes
einhändige  Q.  (Hierbei  müßten  wir  weiter  annehmen,  daß  wirksame  Maßregeln ­
  getroffen  wurden,  um  ein  eventuelles  Einschmelzen  des  Geldes  oder
seinen  Export  zu  verhüten;  andernfalls  würde  ein  großer  Teil  des  Zuwachses
an  Geld  verschwinden  und  die  Quantität  des  in  Umlauf  befindlichen  Geldes
nicht  verdoppelt  werden.)  Wenn  nun  die  Quantität  des  Geldes  in  dieser
Weise  verdoppelt  wird,  so  werden  sich  die  Preise  ganz  genau  so  verdoppeln
wie  in  dem  zweiten  Beispiel,  in  dem  es  ganz  dieselben  Nennwerte  gab.  Der
einzige  Unterschied  zwischen  dem  zweiten  und  dritten  Beispiele  besteht
in  der  Größe  und  im  Gewichte  der  Münzen.  Statt  eine  Verringerung  zu  erfahren, ­
  bleiben  die  Gewichte  der  einzelnen  Münzen  unverändert,  und  nur
ihre  Anzahl  wird  verdoppelt.  Diese  Verdoppelung  der  Anzahl  der  Münzen
muß  dieselbe  Wirkung  haben  wie  ihre  Verschlechterung  um  50  Prozent,
d.  h.  sie  muß  die  Verdoppelung  der  Preise  zur  Folge  haben.
Die  Beweiskraft  des  dritten  Beispiels  wird  noch  schlagender,  wenn  wir
der  Darstellung  Ricardos  gemäß  *  2 )  durch  die  Annahme  eines  Schlagschatzes
von  dem  dritten  auf  das  zweite  Beispiel  übergehen.  Nehmen  wir  an,  die
Regierung  behalte,  nachdem  sie  alles  Geld  verdoppelt  hat,  von  jeder  Münze
die  Hälfte  des  ursprünglichen  Wertes  für  sich,  es  werde  also  damit  das  Gewicht ­
  auf  das  der  verschlechterten  Münzen  des  zweiten  Beispiels  heruntergebracht ­
  und  so  das  einzige  Unterscheidungsmerkmal  beider  Beispiele  beseitigt. ­
  Solange  die  Anzahl  der  Münzen  unverändert  bleibt,  wird  dieser
Abzug  des  „Schlagschatzes“  ihren  Wert  nicht  beeinflussen.
1)  Vgl.  J.  S.  Mill,  Prindples  of  Political  Economy,  Teil  III,  Kap.  VIII,  §  2.  Ein  im
Prinzip  ähnliches  Beispiel,  das  von  dem  gegebenen  nur  in  der  Form  etwas  abweicht,  wird
von  Ricardo  in  seiner  Antwort  an  Bosanquet  benützt.  Siehe  Works,  2.  Aufl.,  London
(Murray),  1852,  S.  346.
2 )  Works,  2.  Aufl.,  London  (Murray),  1852,  S.  346  u.  347.  (Antwort  an  Bosanquet,
Kap.  VI);  siehe  auch  S.  213  u.  214.
        <pb n="42" />
        26

III.  Kapitel.

Kurz,  die  Quantitätstheorie  behauptet,  daß  (falls  Umlaufsgeschwindigkeit
  und  Handelsvolumen  unverändert  bleiben)  eine  Vermehrung  der  Anzahl ­
  der  Dollar,  sei  es  durch  eine  Umnennung,  eine  Verschlechterung  oder
durch  eine  Verstärkung  der  Ausprägung  oder  durch  irgendwelche  anderen
Mittel,  eine  Steigerung  der  Preise  in  demselben  Verhältnis  nach  sich  zieht.
Nicht  das  Gewicht,  sondern  die  Anzahl  ist  hier  das  Entscheidende.  Auf  diese
Tatsache  muß  großer  Nachdruck  gelegt  werden.  Es  ist  eine  Tatsache,  durch
die  sich  das  Geld  von  allen  anderen  Gütern  unterscheidet,  und  in  der  die
Eigenart  seiner  Kaufkraft  im  Verhältnisse  zu  anderen  Gütern  zum  Vorschein
kommt.  Der  Zucker  hat  z.  B.  einen  spezifischen  subjektiven  Nutzwert
(desirability),  der  von  seiner  Quantität  im  Pfundgewicht  abhängt.  Das
Geld  hat  keine  derartige  Eigenschaft.  Der  Wert  des  Zuckers  hängt  von
dessen  aktueller  Quantität  ab.  Wenn  die  Quantität  des  Zuckers  von  1,000,000
Pfund  auf  1,000,000  Zentner  verändert  wird,  so  folgt  hieraus  nicht,  daß  ein
Zentner  den  früheren  Wert  eines  Pfundes  hat.  Aber  wenn  das  in  Umlauf
befindliche  Geld  von  1,000,000  Einheiten  des  einen  Gewichtes  auf  1,000,000
Einheiten  eines  anderen  Gewichtes  verändert  wird,  so  wird  der  Wert  jeder
Einheit  unverändert  bleiben.
Die  Quantitätstheorie  des  Geldes  beruht  also  letzten  Endes  auf  der
fundamentalen  Eigentümlichkeit,  die  unter  allen  Gütern  das  Geld  allein
besitzt  —  nämlich  auf  der  Tatsache,  daß  es  nicht  imstande  ist,  die  Bedürfnisse ­
  des  Menschen  zu  befriedigen,  sondern  nur  die  Kraft  besitzt,  Dinge  zu
kaufen,  die  diese  Kraft  der  Bedürfnisbefriedigung  besitzen 1 ).

III.  Kapitel.
Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die
Gleichung  und  infolgedessen  auf  die  Kaufkraft.
§i.
Wir  sind  nunmehr  in  der  Lage,  das  Wesen  der  Bankdepositen  als  Zahlungsmittel ­
  oder  des  Kreditumlaufs  zu  erklären.  Kredit  bedeutet  im  allge-Q
  Vgl.  G.  F.  Knapp,  Staatliche  Theorie  des  Geldes,  Leipzig,  1905;  L.  von  Bortkiewicz,
„Die  geldtheoretischm  und  die  währungspolitischen  Konsequenzen  des  ‘Nominalismus , “,
Jahrbuch  für  Gesetzgebung,  Verwaltung  und  Volkswirtschaft,  Oktober  1906;  Bertrand
Nogaro,  „L’expörience  bimetalliste  du  XIX ieme  siede  et  la  tlieorie  generale  de  la  monnaie
Revue  d’Economie  politique,  1908.
        <pb n="43" />
        Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die  Gleichung  usw.

27

meinen  den  Zahlungsanspruch  eines  Gläubigers  gegenüber  einem  Schuldner.
Dem  Scheckverkehr  unterworfene  Bankdepositen  sind  Ansprüche  der  Bankgläubiger ­
  gegen  die  Bank,  kraft  deren  sie  vermittelst  Scheck  spezifizierte
Geldsummen  von  der  Bank  auf  Verlangen  ziehen  können.  Da  wir  nur  diese
und  keine  andere  Art  der  Bankdepositen  erörtern  werden,  so  sind  unter
„Bankdepositen“  stets  „dem  Scheckverkehr  unterworfene  Bankdepositen“
zu  verstehen.  Sie  werden  auch  „Zirkulationskredit“  genannt.  Bankschecks
sind,  wie  wir  gesehen  haben,  nur  Anweisungen,  die  zur  Ziehung,  d.  h.  zur
Übertragung  von  Bankdepositen  berechtigen.  Die  Schecks  selbst  sind  keine
Zahlungsmittel;  die  durch  sie  repräsentierten  Bankdepositen  hingegen  sind  die
Zahlungsmittel.
Aus  dieser  Übertragung  von  Bankdepositen  ist  das  sogenannte  „Geheimnis ­
  des  Bankwesens“,  der  „Zirkulationskredit“  entstanden.  Viele  Personen, ­
  einschließlich  einzelner  Nationalökonomen,  haben  angenommen,  daß
der  Kredit  eine  spezielle  Form  des  Reichtums  sei,  der  von  einer  Bank  sozusagen ­
  aus  Nichts  geschaffen  werden  kann.  Andere  behaupten,  daß  der
Kredit  in  dem  wirklichen  Reichtum  überhaupt  keine  Grundlage  besitze
sondern  nur  eine  Art  fiktiver  und  aufgeblähter  Seifenblase  von  prekärer',
wenn  nicht  gar  völlig  unberechtigter  Existenz  sei.  Tatsächlich  kann  man
das  Wesen  der  Bankdepositen  ebensogut  verstehen  wie  das  der  Banknoten
und  was  in  diesem  Kapitel  über  Bankdepositen  gesagt  wird,  kann  im  wesentlichen ­
  auch  auf  Banknoten  angewendet  werden.  Der  Hauptunterschied
ist  ein  formeller:  während  die  Noten  von  Hand  zu  Hand  umlaufen,  zirkulieren ­
  die  Depositenumlaufsmittel  nur  vermittelst  spezieller  Anweisungen
der  sogenannten  „Schecks“.
Um  die  wahre  Natur  der  Bankdepositen  zu  erkennen,  wollen  wir  uns
eine  hypothetische  Institution  vorstellen,  und  zwar  wählen  wir  eine  primitive
Bank,  die  hauptsächlich  nur  der  Depositen  und  der  sicheren  Verwahrung
wirklichen  Geldes  wegen  bestehe.  Die  ursprüngliche  Bank  in  Amsterdam
glich  einigermaßen  derjenigen,  die  wir  uns  nun  vorstellen.  In  dieser  Bank
werden  von  einer  Anzahl  von  Personen  $  100,000  in  Gold  niedergelegt,  wogegen ­
  jede  Person  eine  Bestätigung  für  den  Betrag  ihres  Depositums  in  Empfang ­
  nimmt.  Wenn  diese  Bank  eine  „Kapitalabrechnung“  oder  einen
Status  herausgäbe,  so  würde  diese  Abrechnung  $  100,000  in  ihren  Kellern
und  $  100,000  als  den  Deponenten  schuldigen  Be\trag  aufweisen,  und  zwar
wie  folgt:
Aktiva  Passiva
Gold  $  100,000  Schuld  an  Deponenten  $100  000
Die  rechte  Seite  der  Aufstellung  besteht  natürlich  aus  kleineren,  den
        <pb n="44" />
        28

III.  Kapitel.

einzelnen  Deponenten  schuldigen  Beträgen.  Wenn  wir  annehmen,  daß  die
Bank  einem  Deponenten  A  $  10,000,  einem  Deponenten  B  $  10,000  und
allen  anderen  $  80,000  schuldig  ist,  so  schreiben  wird  die  Bankbilanz  folgendermaßen: ­


Gold

Aktiva

$  100,000

$  100,000

Passiva
Schuld  an  Deponent  A  $  10,000
Schuld  an  Deponent  B  $  10,000
Anderen  Deponenten  schuldig  .  $  80,000
$  100,000

Nehmen  wir  nun  an,  daß  A  dem  B  $  1000  zu  zahlen  wünscht.  A  kann
mit  B  auf  die  Bank  gehen,  Anweisungen  oder  Schecks  für  $  1000  präsentieren, ­
  hierauf  das  Geld  in  Empfang  nehmen  und  es  dem  B  einhändigen,
welches  letzterer  vielleicht  in  derselben  Bank  wieder  deponiert,  indem  er
das  Geld  durch  die  Schalterklappe  des  Kassiers  zurückgibt  und  dagegen
eine  neue  Anweisung  in  seinem  eigenen  Namen  entgegennimmt.  Statt  daß
aber  A  und  B  die  Bank  besuchen  und  das  Geld  heraus-  und  hereinzahlen,
kann  A  dem  B  einfach  einen  Scheck  auf  $  1000  geben.  In  jedem  der  beiden
Fälle  bedeutet  die  Übertragung,  daß  das  Guthaben  A’s  auf  die  Bank  von
$  10,000  auf  $  9000  reduziert  und  das  des  B  von  $  10,000  auf  $  11,000  erhöht ­
  worden  ist.  Der  Status  lautet  dann  folgendermaßen:

Gold

Aktiva

$  100,000

$  100,000

Passiva

Schuld  an  Deponent  A  $  9,000
Schuld  an  Deponent  B  $  11,000

Anderen  Deponenten  schuldig  .  $  80,000
$  100,000

Die  Anweisungen  oder  Schecks  zirkulieren  also  unter  den  verschiedenen
Deponenten  der  Bank  an  Stelle  des  Bargeldes.  Was  tatsächlich  in  solchen
Fällen  seinen  Eigentümer  wechselt  oder  „zirkuliert“,  ist  das  Recht,  Geld
zu  erheben.  Der  Scheck  ist  nur  die  Beweisurkunde  dieses  Rechtes  und  der
Übertragung  des  Rechtes  von  einer  Person  auf  eine  andere.
In  dem  von  uns  angenommenen  Falle  würde  die  Bank  mit  Verlust
arbeiten.  Sie  würde  zur  Bequemlichkeit  ihrer  Deponenten  Zeit  und  Arbeit
ihres  Beamtenpersonals  liefern,  ohne  irgend  etwas  als  Ersatz  dafür  zu  bekommen. ­
  Eine  solche  hypothetische  Bank  würde  aber  —  wie  dies  bei  der
Amsterdamer  Bank  der  Fall  war 1 )  —  bald  finden,  daß  sie  durch  das  zinstragende ­
  Ausleihen  eines  Teils  des  in  Depot  befindlichen  Goldes  „Geld  verl ­

 )  Siehe  Dunbars  Theory  and  Eistory  of  Banking,  2.  Aufl.,  herausgegeben  von  O.  M.
W.  Sprague,  New  York  und  London  (G.  P.  Putnam’s  Sons),  1901,  S.  113—116.
        <pb n="45" />
        Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die  Gleichung  usw.

29

dienen“  kann.  Die  Deponenten  werden  dadurch  nicht  geschädigt,  denn  sie
haben  weder  den  Wunsch  noch  das  Verlangen,  genau  dasselbe  Gold,  das  sie
deponiert  haben,  zurückzuerhalten.  Sie  verlangen  lediglich,  jederzeit  in
der  Lage  zu  sein,  denselben  Betrag  des  Goldes  zu  erhalten.  Wenn  nun  die
Abmachung  der  Deponenten  mit  der  Bank  nicht  die  Zahlung  irgendwelcher
besonderen  Art  von  Gold  sondern  nur  eines  bestimmten  Betrages,  und  dies
nur  gelegentlich,  zum  Inhalte  hat,  so  steht  es  der  Bank  frei,  einen  Teil  des
Goldes,  das  sonst  nutzlos  in  ihren  Kellern  läge,  auszuleihen.  Das  Geld  unbenutzt ­
  liegen  zu  lassen,  bedeutete  eine  große  und  unnötige  Vergeudung  von
Anlagewerten.
Setzen  wir  nun  den  Fall,  die  Bank  entschließe  sich,  die  Hälfte  ihres
Bargeldes  auszuleihen.  Dies  geschieht  gewöhnlich  im  Austausch  gegen  urkundliche ­
  Versprechen  der  Entlehnen  Nun  ist  ja  ein  Darlehen  wirklich  ein
Austausch  von  Geld  gegen  ein  Versprechen,  welches  der  Darleiher  —  in  diesem
Falle  die  Bank  —  an  Stelle  des  Geldes  empfängt.  Nehmen  wir  an,  der  sogenannte ­
  Entlehner  zöge  wirklich  $  50,000  in  Gold.  Die  Bank  tauscht
hierbei  Geld  für  Versprechen  aus,  und  ihre  Bücher  werden  wie  folgt  lauten:

Aktiva
Goldreserven  $  50,000
Versprechen  S  50,000

$  100,000

Passiva
Dem  Deponent  A  schuldig  ....  ?  9,000
Dem  Deponent  B  schuldig  ....  $  11,000
Anderen  Deponenten  schuldig  .  $  80,000
$  100,000

Hieraus  ist  zu  ersehen,  daß  das  in  der  Bank  befindliche  Gold  nur
$  50,000  beträgt,  während  die  Gesamtdepositen  noch  immer  $  100,000
betragen.  Mit  anderen  Worten:  die  Deponenten  haben  nun  mehr  deponiertes ­
  Geld  als  die  Bank  in  ihren  Kellern!  Wie  wir  aber  beweisen,  involviert
diese  Ausdrucksweise  in  dem  Worte  „Geld“  einen  landläufigen  Irrtum.
Etwas  Gutes  liegt  hinter  jedem  Darlehen,  es  muß  aber  nicht  notwendig
Geld  sein.
Nehmen  wir  weiter  an,  daß  die  Entlehner  in  gewissem  Sinne  gleichfalls
Deponenten  werden,  indem  sie  die  geliehenen  $  50,000  Bargeld  für  das
Recht,  auf  Verlangen  dieselbe  Summe  zu  ziehen,  wieder  deponieren.  Mit
anderen  Worten:  wir  nehmen  an,  daß  sie  nach  Entleihung  der  $  50,000
von  der  Bank  diese  Summe  der  Bank  zurückleihen.  Die  Aktiven  der  Bank
erhöhen  sich  also  um  $  50,000,  und  ihre  Verbindlichkeiten  (oder  der  erweiterte ­
  Kredit)  werden  in  gleichem  Maße  erhöht.  Die  Bilanzen  gestalten
sich  somit  folgendermaßen:
        <pb n="46" />
        30

III.  Kapitel.

Aktiva

Passiva

Goldreserven
Versprechen

$  100,000  Schuldig  Deponent  A
$  50,000  Schuldig  Deponent  B

$  9,000
I  11,000

Schuldig  den  früheren  Deponenten ­

Schuldig  den  neuen  Deponenten,
d.  h.  den  Entleihern

$  80,000

$  50,000
$  150,000

$  150,000

In  diesem  Falle  ereignete  sich  folgendes:  es  wurde  Gold  im  Austausch
gegen  ein  Zahlungsversprechen  geliehen,  und  dieses  Zahlungsversprechen
wurde  gegen  ein  Recht,  Gold  vermittelst  Schecks  zu  erheben,  ausgewechselt.
Das  Gold  hat  sich  also  tatsächlich  nicht  gerührt;  die  Bank  empfing  jedoch
ein  Zahlungsversprechen  und  der  Deponent  die  Befugnis,  auf  sie  zu  ziehen.
Offenbar  würde  auch  dasselbe  Resultat  herbeigeführt  worden  sein,  wenn  jeder
Entlehner  einfach  sein  Zahlungsversprechen  übergeben  und  dagegen  ein  Recht,
zu  ziehen,  empfangen  hätte.  Da  dieses  Verfahren  Anfänger  im  Bankstudium
sehr  oft  verwirrt,  wiederholen  wir  die  Tabellen,  welche  die  Sachlage  vor  und
nach  diesen  „Darlehen“  repräsentieren,  d.  h.  diesen  Austausch  von  Zahlungsversprechen ­
  gegen  gegenwärtige  Rechte,  zu  ziehen 1 ).

Vor  den  Darleihungen

Aktiva

Passiva

Gold-Reserven

$  100,000  Schuld  an  Deponenten  $  100,000

Nach  den  Darleihungen
..  $  100,000  Schuld  an  Deponenten  $  150,000
..  $  50,000

Gold-Reserven
Versprechen  .

Es  ist  also  klar,  daß  die  Vermittlung  des  Geldes  in  diesem  Falle  eine
unnötige  Komplizierung  bedeuten  würde,  obwohl  sie  zu  einem  theoretischen
Verständnis  der  resultierenden  Verschiebung  von  Rechten  und  Verbindlichkeiten ­
  beiträgt.  Eine  Bank  kann  also  Depositen  in  Gold  oder  Depositen
in  notalen  Zahlungsversprechen  empfangen.  Im  Austausch  gegen  die
Zahlungsversprechen  kann  sie  entweder  das  Recht,  auf  sie  zu  ziehen,  oder

1 )  In  letzter  Analyse  und  abgesehen  von  ihrer  Aufgabe  der  Sicherung  des  Kredits
ist  eine  Bank  tatsächlich  eine  Vermittlerin  zwischen  Entlehnem  und  Darleihern.  Infolge
davon,  daß  sie  Entlehner  und  die  letzten  Darleiher  zusammenbringt  und  den  ersteren

Darlehensgelder  verschafft,  welche  sonst  gar  nicht  existieren  würden,  hat  das  Bankwesen
gleichzeitig  die  Tendenz,  den  Zinsfuß  zu  erniedrigen  und  den  Vorrat  an  Kreditumlaufsmittein
  zu  erhöhen.  Vgl.  die  Abhandlung  von  Harry  G.  Brown  im  Quarterly  Journal  of
Economics,  August  1910,  über  ,,Commercial  Banking  and  the  Rate  of  Interest“.
        <pb n="47" />
        Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die  Gleichung  usw.

31

Gold  selbst  —  dasselbe  Gold  das  von  einem  anderen  Kunden  deponiert
worden  ist  —  geben  oder  darleihen.  Sogar  wenn  der  Entlehner  nur  ein
Zahlungsversprechen  besitzt,  so  wird  noch  immer  fingiert,  daß  er  Geld
deponiert  habe,  und  ist  gleich  den  wirklichen  Deponenten  von  Bargeld  ermächtigt, ­
  Schecks  zu  ziehen.  Den  Gesamtwert  der  Ansprüche  auf  das
Ziehen  von  Geld,  gleichviel  woher  sie  stammen,  nennt  man  „Depositen“.
Die  Befugnis  zu  ziehen  (oder  die  Depositenanrechte)  leihen  die  Banken
öfters  her  als  wirkliches  Geld,  teils  weil  dies  für  die  Entlehner  bequemer  ist,
teils  weil  die  Banken  bedeutende  Barreserven  zu  halten  wünschen,  um
großen  oder  unerwarteten  Anforderungen  gegenüber  genistet  zu  sein.  Wenn
eine  Bank  Geld  ausleiht,  so  wird  allerdings  ein  Teil  des  so  geliehenen  Geldes
von  den  Personen,  welche  von  den  Entlehnern  nach  Abwicklung  der  Geschäfte ­
  bezahlt  wurden,  wieder  deponiert  werden;  es  ist  aber  nicht  unbedingt
nötig,  daß  dieses  Geld  in  derselben  Bank  zurückdeponiert  wird.  Dem
Durchschnittsbankier  wird  es  daher  lieber  sein,  wenn  der  Entlehner  ihm
kein  Bargeld  entzieht.
Außer  Depositenanrechten  können  die  Banken  auch  ihre  eigenen  Noten,
die  sogenannten  „Banknoten“,  ausleihen;  und  das  Prinzip,  welches  die
Depositenanrechte  beherrscht,  gilt  in  gleicher  Weise  für  die  Banknoten.
Der  Inhaber  empfängt  einfach  anstatt  eines  Bankguthabens  die  Tasche  voll
Banknoten.  In  beiden  Fällen  muß  die  Bank  stets  bereit  sein,  den  Inhaber
zu  bezahlen  —  ihre  „Noten  einzulösen“  —  ebenso  wie  ihre  Deponenten  auf
Verlangen  zu  bezahlen,  und  in  beiden  Fällen  tauscht  die  Bank  ein  Zahlungsversprechen ­
  gegen  ein  anderes  aus.  Was  die  Banknote  betrifft,  so  hat
die  Bank  ihre  Banknote  gegen  das  Zahlungsversprechen  eines  Kunden  eingetauscht, ­
  Die  Banknote  trägt  keine  Zinsen,  ist  aber  auf  Verlangen  sofort
zahlbar.  Die  Note  des  Kunden  trägt  Zinsen,  ist  aber  nur  an  einem  bestimmten ­
  Verfalltage  zahlbar.
Angenommen  die  Bank  gebe  $  50,000  in  Noten  aus,  so  wird  ihre  Bilanz
jetzt  folgendermaßen  aussehen:

Aktiva
Goldreserven  $  100,000
Darlehen  $  100,000
$  200,000

Passiva

Schuld  an  Deponenten  $  150,000
Schuld  an  Noteninhaber  $  50,000
$  200,000

Wir  wiederholen,  daß  vermöge  des  Kredits  die  Depositen  (und  Noten)
einer  Bank  ihre  Barmittel  überschreiten  können.  In  dieser  Tatsache  läge
nichts  Mysteriöses  oder  Dunkles,  noch  überhaupt  in  dem  Kreditwesen  im
allgemeinen,  wenn  man  es  dem  Publikum  beibringen  könnte,  die  Operationen
        <pb n="48" />
        32

III.  Kapitel.

einer  Bank  nicht  mit  Geldoperationen  auf  gleichen  Fuß  zu  stellen.  Dies
wäre  eine  metaphorische  und  irreführende  Vorstellung.  Die  Bankoperationen
sind  ebensowenig  Geldoperationen  wie  etwa  Grundbesitzübertragungen.
Ein  Bankdeponent  A  hat  gewöhnlich  kein  „deponiertes  Geld“  und  kann
eigentlich  nicht  sagen,  daß  er  „Geld  in  der  Bank  hat“,  ob  er  nun  solches
hat  oder  nicht.  Was  er  besitzt,  ist  das  Versprechen  der  Bank,  auf  Verlangen ­
  Geld  zu  zahlen.  Die  Bank  schuldet  ihm  Geld.  Wenn  eine  Privatperson ­
  Geld  schuldet,  so  fällt  es  dem  Gläubiger  nicht  ein  zu  sagen,  daß  er
in  der  Tasche  des  Schuldners  ein  Depot  besitzt.
§2.
Es  kann  nicht  nachdrücklich  genug  betont  werden,  daß  in  jeder  Bilanz
der  Wert  der  Passiva  auf  dem  der  Aktiva  beruht.  Die  Depositen  einer
Bank  bilden  davon  keine  Ausnahme.  Man  darf  sich  durch  die  Tatsache
nicht  irreführen  lassen,  daß  die  Baraktiven  einen  geringeren  Betrag  aufweisen
  können  als  die  Depositen.  Wenn  der  Laie  zum  ersten  Male  erfährt,
daß  die  Anzahl  der  Dollar,  welche  Noteninhaber  und  Deponenten  berechtigt
sind,  aus  der  Bank  zu  ziehen,  größer  ist  als  die  im  Besitze  der  Bank  befindliche ­
  Anzahl  der  Dollar,  ist  er  geneigt,  den  vorschnellen  Schluß  zu  ziehen,
daß  die  Noten  oder  die  Depositenpassiva  nicht  gedeckt  sind.  Dennoch
steckt,  vorausgesetzt,  daß  es  sich  um  eine  zahlungsfähige  Bank  handelt,
hinter  allen  diesen  Verbindlichkeiten  der  volle  Wert,  und  wenn  es  auch
nicht  wirkliche  Dollar  sind,  so  ist  es  auf  jeden  Fall  Eigentum  im  Werte  von
wirklichen  Dollarn.  Durch  keinerlei  Kniffe  können  die  Aktiven  durch  die
Passiven  überschritten  werden,  es  sei  denn  im  Falle  der  Insolvenz  und  selbst
in  diesem  Falle  kann  das  nur  in  nomineller  Weise  geschehen,  denn  der  wahre
Wert  der  Verbindlichkeiten  („uneinbringliche  Posten“)  wird  allein  dem
wahren  Werte  der  hinter  denselben  befindlichen  Aktiven  gleichkommen.
Wie  bereits  erwähnt,  setzt  sich  der  Stand  dieser  Aktiven  zum  großen
Teil  aus  Kaufmannsnoten  zusammen,  obwohl  sie,  rein  banktheoretisch  gesprochen, ­
  aus  irgendwelchem  Eigentum  bestehen  könnten.  Wenn  die
Aktiven  in  dem  Besitz  von  Grundstücken  oder  anderem  unbelasteten
Immobiliarbesitz  bestünden,  so  daß  der  greifbare  Reichtum,  welchen  Eigentum ­
  stets  repräsentiert,  klar  auf  der  Hand  läge,  dann  verschwände  das  ganze
Rätsel  der  Erscheinungen.  Die  Wirkung  wäre  jedoch  keine  andere.  Anstatt
im  Austausch  für  die  geliehenen  Summen  Getreide,  Maschinen  oder  Flußstahl ­
  in  Depot  zu  nehmen,  ziehen  die  Banken  die  zinstragenden  Wertpapiere
von  Gesellschaften,  Firmen  und  Privatpersonen  vor,  welche  direkt  oder
        <pb n="49" />
        Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die  Gleichung  usw.

33

indirekt  Getreide,  Maschinen  oder  Flußstahl  repräsentieren,  und  durch  die
Bankgesetze  sind  die  Banken  sogar  gezwungen,  anstatt  des  Stahls  die  Noten
anzunehmen.  Wenngleich  eine  Bank  Verbindlichkeiten  eingeht,  welche  die
Höhe  ihrer  Kassenaktiva,  übersteigen,  so  werden  doch  in  jedem  Falle  die
die  Aktiva  überschreitenden  Passiva  durch  den  Besitz  anderer  Aktivmasse
im  Gleichgewicht  gehalten.  Dieses  andere  Aktivum  der  Bank  besteht  gewöhnlich ­
  aus  den  seitens  der  Geschäftsleute  eingegangenen  Verbindlichkeiten. ­
  Wechselseitig  werden  derartige  Schulden  durch  die  Aktivbestände
der  Geschäftsleute  getragen.  Wenn  wir  die  endgültige  Basis  der  Bankpassiva
  noch  weiter  verfolgen,  so  finden  wir  dieselbe  in  dem  sichtbaren  und
greifbaren  Reichtum  der  Welt.
Wenn  diese  endgültige  Basis  des  ganzen  Kreditaufbaues  auch  nicht
sichtbar  ist,  so  ist  sie  doch  vorhanden.  Wir  können  tatsächlich  sagen,  daß
das  Bankwesen  den  sichtbaren  und  greifbaren  Reichtum  gewissermaßen
zu  zirkulieren  veranlaßt.  Wenn  auch  die  Ländereien  eines  Gutsbesitzers
oder  die  eisernen  Öfen  eines  Ofenhändlers  nicht  in  buchstäblich  demselben
Sinne  wie  Golddollar  zirkulieren,  so  kann  doch  der  Gutsbesitzer  oder  der
Ofenhändler  der  Bank  einen  Schein  geben,  der  dem  Bankier  zur  Basis
von  Banknoten  oder  Depositen  dient,  und  diese  Banknoten  und  Depositen
zirkulieren  dann  wie  Golddollar.  Durch  das  Bankwesen  kann  derjenige,
welcher  schwer  auszutauschenden  Reichtum  besitzt,  ein  Umlaufsmittel
schaffen.  Er  gibt  einfach  der  Bank  einen  Schein,  —  für  welchen  sein  Eigentum ­
  natürlich  haftpflichtig  ist  —,  erhält  dafür  das  Recht,  Geld  zu  ziehen,
und  siehe  da,  sein  in  gewissem  Sinne  unauswechselbarer  Reichtum  wird
fließendes  Umlaufsmittel.  Drastisch  ausgedrückt  bedeutet  das  Bankwesen
ein  Mittel,  durch  welches  Ländereien,  Öfen  und  anderer  sonst  allgemein
nicht  austauschbarer  Reichtum  in  Dollar  ausgemünzt  werden  kann.
Es  ist  interessant  wahrzunehmen,  welch  eine  gewaltige  Triebkraft  dem
Depositenumlaufsmittel  durch  die  großen  modernen  „Trusts“  gegeben
worden  ist,  insofern  als  die  Wertpapiere  großer  Gesellschaften  als  Sicherheit
für  Bankanleihen  eine  größere  Verwendung  finden  als  die  Aktien  und  Pfandbriefe ­
  kleinerer  Gesellschaften  oder  als  Papiere  über  Teilhaberanrechte.
Wir  begannen  damit,  eine  Bank  dem  Wesen  nach  als  ein  kooperatives
Unternehmen  zu  betrachten,  das  zur  Annehmlichkeit  und  auf  Kosten  seiner
Deponenten  betrieben  wird.  Wenn  aber  die  Bank  auf  dem  Punkte  anlangt,
dem  X,  Y  und  Z  auf  eine  gewisse  Zeit  Geld  zu  leihen,  während  sie  selbst  auf
Verlangen  sofort  zahlbares  Geld  schuldig  ist,  so  übernimmt  sie  dem  X,  Y
und  Z  und  den  Deponenten  ihrer  Barmittel  gegenüber  ein  Risiko,  das  die
letzteren  keinesfalls  auf  sich  nehmen  würden.  Um  einer  solchen  Sachlage
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.  3
        <pb n="50" />
        34

III.  Kapitel.

zu  begegnen,  übernimmt  eine  dritte  Klasse  von  Personen  —  die  Aktionäre  —
die  Yerantwortlickkeit  und  die  Betriebskosten  der  Bank,  was  des  voraussichtlichen ­
  Gewinnes  wegen  geschieht.  Um  die  Deponenten  gegen  Verlust
zu  schützen,  werden  von  den  Aktionären  eigene  Barmittel  eingelegt.  Die
Aktionäre  sind  vertraglich  gebunden,  für  einen  eventuellen  die  Deponenten
treffenden  Verlust  aufzukommen.  Nehmen  wir  an,  daß  die  Aktieninhaber
$  50,000  einzahlen,  von  denen  |  40,000  für  den  Barbestand  und  $&amp;gt;  10,000
für  den  Kauf  eines  Bankgebäudes  zur  Verwendung  kommen.  Das  Konto
lautet  dann  folgendermaßen:

Aktiva
Barmittel  $  140,000
Darlehen  $  100,000
Gebäude  $  10,000
$  250,000

Passiva
Schuld  an  Deponenten  $  150,000
Schuld  an  Noteninhaber  $  50,000
Schuld  an  Aktieninhaber  §  50,000
$  250,000

In  der  jetzigen  Form  umfaßt  das  Konto  alle  für  eine  gewöhnliche  moderne
Bank  charakteristischen  Hauptzüge,  d.  h.  für  eine  mit  Geld-  und  Notenausgabe ­
  sowie  mit  Diskontierung  verbundene  sogenannte  Depositenbank.

§3-Wir
  haben  gesehen,  daß  die  Aktiva  hinreichend  groß  sein  müssen,  um
die  Verbindlichkeiten  zu  erfüllen,  und  es  soll  nun  gezeigt  werden,  daß
die  Form  des  Aktivbestandes  die  prompte  Ausgleichung  der  Verbindlichkeiten ­
  gewährleistet.  Da  es  Sache  der  Bank  ist,  ihre  Deponenten  an  Stelle
ihres  „langsameren“  Eigentums  mit  rasch  verfügbarem  Eigentum  (Barmittel ­
  oder  Kredit)  zu  versehen,  verfehlt  sie  ihren  Zweck,  wenn  sie  mit
ungenügendem  Bargeld  angetroffen  wird.  Dennoch  „verdient“  die  Bank
zum  Teil  dadurch  Geld,  daß  sie  ihr  rascher  verfügbares  Eigentum  festlegt,
  d.  h.  dadurch,  daß  sie  es  dorthin  ausleiht,  wo  es  weniger  leicht
verfügbar  ist.  Das  Problem  der  Bankpolitik  besteht  darin,  genügend  viel
Kapital  zur  Vergrößerung  ihres  Eigentums  festzulegen,  ohne  aber  soviel
festzulegen,  daß  die  Bank  selbst  festgelegt  wird.  Insofern  bisher  noch
nichts  Gegenteiliges  gesagt  worden  ist,  könnte  man  annehmen,  eine  Bank
dürfe  ihre  Darlehen  im  Verhältnis  zu  ihren  Barmitteln  oder  im  Verhältnis
zu  ihrem  Kapital  ins  Unbegrenzte  erhöhen.  Wenn  dies  der  Fall  wäre,
könnten  die  Depositenumlaufsmittel  eine  Inflation  bis  ins  Unendliche  erfahren. ­

Vorsicht  und  gesunde  Volkswirtschaftspolitik  haben  jedoch  beiden
Operationen  eine  Grenze  gezogen.  Insolvenz  und  Unzulänglichkeit  an
Barmitteln  müssen  vermieden  werden.  Wenn  bei  unzulänglichem  Ka ­
        <pb n="51" />
        Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die  Gleichung  usw.

35

pital  Darleihen  gemacht  werden,  tritt  Insolvenz  ein.  Es  droht  Unzuläng*
lichkeit  in  Barmitteln,  wenn  die  Gewährung  von  Darlehen  nicht  im  Verhältnis ­
  zu  den  Barmitteln  stattfindet.  Insolvenz  ist  unausbleiblich,  wenn
die  den  Kreditoren  (Aktieninhaber  nicht  inbegriffen)  gegenüber  eingegangenen ­
  Verbindlichkeiten  von  dem  Aktivbestand  nicht  mehr  gedeckt
werden,  so  daß  es  der  Bank  unmöglich  ist,  ihre  Schulden  zu  bezahlen.  Unzulänglichkeit ­
  an  Barmitteln  tritt  ein,  wenn  die  zur  Verfügung  stehenden
tatsächlichen  Barmittel  für  die  Anforderungen  des  Augenblicks  nicht  zureichend ­
  sind  und  die  Bank  außerstande  ist,  auf  Verlangen  ihre  Schulden
sofort  zu  bezahlen,  selbst  wenn  sich  die  Gesamtaktiva  der  Bank  mit  ihren
Verbindlichkeiten  auf  völlig  gleicher  Höhe  befindet.
Je  niedriger  das  Wertverhältnis  der  Ansprüche  der  Aktionäre  zu  dem
Werte  der  Verbindlichkeiten  an  andere  Personen,  desto  größer  ist  die
Gefahr  der  Insolvenz;  je  geringer  das  Verhältnis  des  Kassenbestandes
zu  den  auf  Verlangen  sofort  zahlbaren  Verbindlichkeiten,  desto  größer
ist  das  Risiko  der  Unzulänglichkeit  an  Bargeld.  Mit  anderen  Worten:
die  Hauptschutzwehr  gegen  eine  Insolvenz  besteht  in  einem  großen  Kapital
und  Überschuß,  während  die  Hauptschutzwehr  gegen  eine  Unzulänglichkeit ­
  an  Barmitteln  große  Barreserven  sind.  Die  eigentliche  Insolvenz
Vann  bei  jedwedem  Geschäftsunternehmen  Vorkommen.  Von  Unzulänglichkeit ­
  an  Barmitteln  werden  besonders  die  Banken  betroffen,  deren
Funktion  es  ist,  Noten  und  Depositen  einzulösen.
Illustrieren  wir  die  „Unzulänglichkeit  an  Barmitteln“.  In  unserer
letzten  Bankabrechnung  befand  sich  eine  Reserve  von  $  140,000  in  bar  und
$200,000  Forderungsverbindlichkeiten  (Depositen  und  Noten).  Den  Direktoren ­
  der  Bank  können  der  Reservefonds  als  zu  hoch  oder  die  Darlehen
als  zu  niedrig  erscheinen.  Sie  können  dann  ihre  den  Kontoinhabern  in
Form  von  Bargeld,  Noten  und  Depositen  gewährten  Anleihen  so  erweitern,
bis  die  Kassenreserve  vielleicht  auf  $40,000  reduziert  und  die  den  Deponenten
und  Noteninhabern  gegenüber  eingegangene  Schuld  auf  $  300,000  erhöht
worden  ist.  Wenn  ein  Deponent  oder  Noteninhaber  unter  solchen  Umständen
$  50,000  in  bar  verlangt,  so  erweist  sich  eine  sofortige  Auszahlung  dieser
Summe  als  unmöglich.  Allerdings  sind  die  Aktiven  den  Verbindlichkeiten
noch  immer  gleich.  Hinter  den  geforderten  $  50,000  befindet  sich  der  volle
Wert;  abmachungsgemäß  sollen  aber  die  Deponenten  und  Noteninhaber  in
Geld  und  auf  Verlangen  sofort  bezahlt  werden.  Wenn  dies  in  dem  Depositen  -
vertrage  nicht  festgelegt  wäre,  könnte  die  Bank  die  von  ihren  Debitoren  erhaltenen ­
  Schuldscheine  auf  ihre  Gläubiger  übertragen  und  somit  den  an  sie
3*
        <pb n="52" />
        36

III.  Kapitel.

gestellten  Anforderungen  entsprechen.  Auch  könnte  die  Bank  die  Kontoinhaber ­
  ersuchen,  sich  zu  gedulden  bis  diese  Wertpapiere  in  Bargeld  umgesetzt
worden  sind 1 ).
Da  eine  Bank  keinen  dieser  Wege  einschlagen  kann,  so  sucht  sie  bei
einer  bevorstehenden  Unzulänglichkeit  an  Barmitteln  einer  solchen  Vermögenslage ­
  durch,,Kündigung“  einiger  Darlehen  zuvorzukommen  oder,  wenn
deren  rasche  Einziehung  nicht  möglich  ist,  durch  den  Verkauf  von  Wertpapieren ­
  oder  anderem  Besitztum  gegen  Bargeld.  Leider  ist  aber  dem  Bargeldbetrage, ­
  der  von  einer  Bank  ohne  weiteres  realisiert  werden  kann,  eine
Grenze  gesetzt.  Keine  einzige  Bank  könnte  der  Zahlungseinstellung  entgehen, ­
  wenn  ein  großer  Prozentsatz  ihrer  Noteninhaber  und  Deponenten
gleichzeitig  Barzahlung  fordern  würde *  2 ).  Das  Paradoxon  einer  Panik
findet  in  dem  Falle  den  richtigen  Ausdruck,  wo  sich  ein  Mann  bei  seiner  Bank
erkundigt,  ob  sie  zur  Auszahlung  seines  Deposits  verfügbares  Bargeld  habe,
indem  er  erklärt:  „Wenn  Sie  mich  bezahlen  können,  so  brauche  ich  es  nicht;
wenn  Sie  es  aber  nicht  können,  so  brauche  ich  es!“  Dies  war  die  Situation
in  Wall  Street  im  Jahre  1907.  Alle  Deponenten  wollten  zu  ein  und  derselben
Zeit  die  Gewißheit  haben,  daß  ihr  Geld  „da  sei“.  Aber  alles  Geld  ist  zu
ein  und  derselben  Zeit  niemals  da.
Wenn  also  die  Unzulänglichkeit  an  Barmitteln  eine  so  beunruhigende
Lage  schafft  —  so  schwierig  zu  beseitigen,  wenn  sie  eingetroffen,  und
so  schwierig  ihr  zuvorzukommen,  wenn  sie  sich  zu  nähern  beginnt  —  so  muß
eine  Bank  ihre  Darlehen  und  ihre  Ausgabe  von  Noten  derart  regulieren,
daß  ihr  stets  eine  genügende  Barreserve  zur  Verfügung  steht,  um  auch  schon
das  bloße  Drohen  einer  Unzulänglichkeit  an  Barmitteln  zu  verhüten.  Sie
kann  die  Reserve  abwechselnd  durch  den  Verkauf  von  Wertpapieren  gegen
Bar  und  durch  das  Darleihen  von  Bar  auf  Wertpapiere  regulieren.  Je
größer  die  Zahl  der  Darlehen  im  Verhältnis  zu  dem  verfügbaren  Barbestand,
desto  größer  ist  der  Gewinn  und  somit  auch  das  Risiko.  Auf  die  Dauer
erhält  eine  Bank  ihre  Reserven  durch  die  Anpassung  des  für  die  Darlehen
festgesetzten  Zinsfußes.  Wenn  die  Bank  nur  wenige  Darlehen  und  eine
genügend  große  Reserve  besitzt,  um  Darlehen  von  bedeutend  größerem
Umfange  zu  tragen,  so  trachtet  die  Bank,  durch  Herabsetzung  des  Zinsfußes ­
  ihre  Darlehen  zu  erweitern.  Wenn  die  Darleihen  der  Bank  eine
Höhe  erreichen,  die  befürchten  läßt,  daß  die  Anforderungen  an  die  Reserve

B  Siehe  Irving  Fisher,  The  Nature  of  Capital  and  Income,  V.  Kapitel.
2 )  Vgl.  Ricardo,  Wortes,  2.  Aufl.,  London  (Murray),  1852,  S.  217  (Principles  of  political
  economy  and  taxation,  XXVII.  Kapitel).
        <pb n="53" />
        Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die  Gleichung  usw.

37

zu  groß  werden,  dann  wird  sie  die  Darlehen  durch  Erhöhung  des  Zinsfußes ­
  einschränken.  Auf  diese  Weise  wird  durch  abwechselnde  Erhöhung
oder  Erniedrigung  des  Zinsfußes  eine  Bank  ihre  Darlehen  innerhalb  solcher
Grenzen  halten,  daß  sie  der  Reservefonds  decken  kann,  gleichzeitig  die  Darlehen ­
  (des  Gewinnes  wegen)  so  weit  ausdehnen,  als  der  Reservefonds  dies
zuläßt.
Wenn  die  einzelnen  Deponenten  schuldigen  Beträge  im  Verhältnis
zur  Gesamtschuld  beträchtlich  sind,  so  muß  die  Reserve  dementsprechend
hoch  sein,  weil  der  Entschluß  weniger  Deponenten  den  Reservefonds  rasch
erschöpfen  kann 1 ).  Auch  muß  die  Reserve  gegenüber  schwankenden  Depositen ­
  (wie  diejenigen  der  Effektenmakler)  oder  den  als  temporär  bekannten
Depositen  größer  sein 2 ).  In  einer  Großstadt  mit  lebhaftem  Bankbetrieb
muß  der  Reservefonds  im  Verhältnis  zu  den  Forderungsverbindlichkeiten
der  Bank  größer  sein  als  an  kleineren  Plätzen,  wo  die  Geschäftstätigkeit
einer  Bank  nur  gering  ist.
Die  Erfahrung  lehrt,  daß  die  verschiedenen  Banken  verschiedene
Durchschnittsbeträge  an  Depositen  erheischen,  die  dem  allgemeinen  Charakter ­
  und  dem  Geschäftsumfange  der  Bank  gemäß  variieren.  Für  jede
Bank  gibt  es  dafür  ein  Normalverhältnis  (ratio),  und  daher  auch  für
ein  ganzes  Gemeinwesen  ein  Normalverhältnis  —  einen  Durchschnitt  der
Verhältnisse  der  verschiedenen  Banken.  Eine  absolute  numerische
Regel  kann  dabei  nicht  in  Frage  kommen.  Willkürliche  Bestimmungen
werden  oft  durch  die  Gesetzgebung  aufgestellt.  Die  Nationalbanken  in
den  Vereinigten  Staaten  z.  B.  haben  für  ihre  Depositen  eine  Reserve  zu
halten,  deren  verschiedene  Höhe  sich  darnach  richtet,  ob  sie  sich  in  gewissen ­
  gesetzlich  zu  ,,Reserve“-Städten  bestimmten  Plätzen  befinden  oder
nicht,  d.  h.  in  Städten,  in  welchen  die  Nationalbanken  Depositen  anderswo
gelegener  Banken  in  Besitz  haben.  Alle  diese  Reserven  dienen  zur  Sicherstellung ­
  der  Depositen.  Für  die  Noten  hingegen  wird  eine  Barreserve
nicht  verlangt,  wenigstens  wird  den  Nationalbanken  eine  solche  Reserve
nicht  vorgeschrieben.  Zwar  gelten  die  nämlichen  volkswirtschaftlichen
Prinzipien  für  Banknoten  und  Depositen,  doch  behandelt  sie  das  Gesetz
verschieden.  Die  Regierung  zieht  vor,  die  Einlösung  der  Nationalbanknoten
auf  Verlangen  selbst  zu  besorgen.
Die  Einzelstaatenbanken  (state  banks)  sind  verschiedenartigen  Sonder  -
l )  Victor  Morawetz,  The  Banking  and  Currency  Problem  in  the  United  States,  New
York  (The  North  American  Review  Publishing  Co.),  1909,  S.  36  und  37.  Ebenso  Kemmerer,
  Money  and  Prices,  1909,  S.  80.

2 )  a.  a.  0.
        <pb n="54" />
        38

III.  Kapitel.

bestimmungen  unterworfen 1 ).  So  schwankt  das  gesetzlich  geforderte
Normalverhältnis  der  Reserven  zu  den  Depositen  von  12%  bis  22%  Prozent,
wobei  15  bis  20  Prozent  der  gewöhnliche  Prozentsatz  ist.  Bei  der  Reserve
variiert  die  Teilsumme,  welche  aus  Bargeld  bestehen  muß,  zwischen  10  und
50  Prozent  (der  Reserve)  und  beträgt  gewöhnlich  40  Prozent.
Eine  derartige  gesetzliche  Regulierung  der  Bankreserven  ist  jedoch
kein  notwendiges  Entwicklungsergebnis  des  Bankwesens.  In  Kanada  stellt
das  Gesetz  die  Noten  tatsächlich  auf  die  gleiche  Stufe  mit  den  Depositen. ­
  Das  Bankwesen  könnte  in  der  Tat  auch  ohne  jedwede  staatliche
Verfügung  bestehen.  Eine  Illustration  hierzu  liefert  das  „Geld  von  George
Smith“  („George  Smith’s  money“).  Der  Genannte  gründete  im  Verein  mit
Alexander  Mitchell  und  anderen  im  Jahre  1839  eine  Versicherungsgesellschaft, ­
  welche  trotz  des  Verbotes,  „Bankprivilegien“  auszuüben,  dem  Inhaber
auf  Sicht  zahlbare  Depositenzertifikate  herausgab,  und  diese  Zertifikate  gelangten ­
  tatsächlich  wie  Banknoten  in  Umlauf *  2 ).
§4.
Das  Studium  der  Bankgeschäfte  führt  uns  also  zwei  Umlaufsmittelgattungen ­
  vor  Augen:  erstens  die  zur  Kategorie  des  Geldes  gehörenden  Banknoten ­
  und  zweitens  die  Depositen,  die  zwar  außerhalb  dieser  Kategorie
liegen,  jedoch  einen  ausgezeichneten  Ersatz  für  Geld  darstellen.  Wenn  wir
diese  Depositen  zu  der  umfassenderen  Kategorie  der  Güter  zählen,  so  können
wir  die  Güter  in  drei  Klassen  einteilen,  nämlich:  1.  in  Geld,  2.  in  Depositenumlaufsmittel ­
  oder  einfach  Depositen  und  3.  in  alle  anderen  Güter.  Unter
diesen  Gütern  gibt  es  sechs  mögliche  Austauschtypen,  und  zwar:
1.  Geld  gegen  Geld,
2.  Depositen  gegen  Depositen,
3.  Güter  gegen  Güter,
4.  Geld  gegen  Depositen,
5.  Geld  gegen  Güter,
6.  Depositen  gegen  Güter.
Für  unseren  Zweck  sind  nur  die  letzten  beiden  Austauschtypen  von  Bedeutung, ­
  denn  diese  bilden  die  Umlaufsmittelzirkulation  (circulation  of
currency).  Was  die  anderen  vier  Typen  anbelangt,  so  ist  die  erste  bereits

D  „Digest  of  State  Banking  Statutes“  in  Reports  of  the  National  Monetary  Commission,
61.  Kongreß,  2.  Session,  Senatsdokument  Nr.  353.
2 )  Siete  Horace  White,  Money  and  Banking.
        <pb n="55" />
        Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die  Gleichung  usw.

39

als  „Geldwechsel“  und  die  dritte  als  „Tauschhandel“  (harter)  erklärt
worden.  Die  zweite  und  vierte  sind  Banktransaktionen;  zur  zweiten  gehören ­
  solche  wie  der  Verkauf  von  Zahlungsanweisungen  für  Schecks  oder
die  gegenseitige  Ausgleichung  von  Bankclearings,  während  sich  unter  der
vierten  Art  Transaktionen  wie  das  Deponieren  oder  die  Zurücknahme  von
Geld  befinden,  was  vermittelst  Einzahlung  von  Bargeld  oder  die  Ziehung
von  Schecks  geschieht.
Nachdem  wir  die  Bankbilanzen  einer  Analyse  unterzogen  haben,
können  wir  nunmehr  die  Bankdepositen  oder  den  zirkulierenden  Kredit  in
die  Verkehrsgleichung  aufnehmen.  Nach  wie  vor  wollen  wir  die  Quantität
tatsächlichen  Geldes  mit  G  und  die  Umlaufsgeschwindigkeit  desselben  mit  U
bezeichnen.  In  gleicher  Weise  sollen  die  gesamten  Depositen,  welche  durch
den  Scheckverkehr  Gegenstand  der  Übertragung  sind,  mit  G'  und  die  Durchschnitts-Umlaufsgeschwindigkeit ­
  mit  V  bezeichnet  werden.  Der  Gesamtwert ­
  der  während  eines  Jahres  vorgenommenen  Käufe  ist  daher  nicht
mehr  durch  GU,  sondern  durch  GU  +  G’U'  zu  bemessen.  Die  Verkehrsgleichung
  gestaltet  sich  also  folgendermaßen:
GU  +  G'ü’  =  2pQ  =  PE  i).
Wir  wollen  uns  nun  die  Verkehrsgleichung  wieder  mittelst  eines  mechanischen ­
  Schaubildes  vorstellen.  In  Figur  4  ist  der  Handel  nach  wie  vor  auf  der

rechten  Seite  durch  das  Gewicht  eines  Komplexes  verschiedener  Güter  veranschaulicht, ­
  deren  Durchschnittspreis  durch  die  Entfernung  vom  Drehpunkte ­
  der  Wage  nach  der  rechten  Seite  oder  durch  die  Länge  des  Wagearmes, ­
  an  welchem  das  Gewicht  hängt,  dargestellt  ist.  Zur  Linken  wird
wieder  das  Geld  (G)  durch  ein  in  Geldbörsenform  gekennzeichnetes  Gex ­
 )  Die  Verkehrsgleichung  wurde  auch  von  Kemmerer  in  Money  and  Credit  Instruments ­
  in  their  Relation  to  General  Prices,  und  zwar  mit  Einschluß  des  Bankkredits  aufgestellt, ­
  doch  ist  seine  Darstellungsweise  eine  etwas  verschiedene.  Daß  der  Kredit  genau  so
wie  das  Geld  auf  die  Preise  einwirkt,  ist  keineswegs  ein  neu  aufgestclltes  Prinzip.  Siehe
z.  B.  Mill,  Principles  of  Political  Economy,  III.  Teil,  XII.  Kapitel,  §  1  und  2.
        <pb n="56" />
        40

III.  Kapitel.

wicht  und  die  Umlaufsgeschwindigkeit  desselben  (D)  durch  den  Wagearm
dargestellt.  Auf  dieser  linken  Seite  haben  wir  nun  aber  noch  ein  anderes
Gewicht  in  Form  eines  Bankbuches,  welches  die  Bankdepositen  ((?')  veranschaulicht. ­
  Die  Umlaufsgeschwindigkeit  dieser  Bankdepositen  (G')  ist
ebenfalls  durch  die  Entfernung  vom  Drehpunkte  der  Wage  oder  durch
den  Wagearm,  an  welchem  dieses  Buch  hängt,  dargestellt.
Dieser  Mechanismus  führt  die  Tatsache  vor  Augen,  daß  sich  der  Durchschnittspreis ­
  (rechter  Arm)  mit  der  Zunahme  des  Geldes  oder  mit  derjenigen
der  Bankdepositen  und  mit  der  Zunahme  in  deren  Umlaufsgeschwindigkeit
erhöht,  während  sich  dieser  Preis  mit  der  Zunahme  des  Handelsumfanges
erniedrigt.
Auf  die  linke  Seite  der  Verkehrsgleichung  oder  auf  GU  +  G'U'  zurückkommend, ­
  sehen  wir,  daß  in  einem  Gemeinwesen  ohne  Bankdepositen  die
linke  Seite  der  Gleichung  einfach  auf  GU,  d.  h.  auf  die  im  II.  Kapitel  angewandte ­
  Formel  umgewandelt  wird,  denn  in  einem  solchen  Gemeinwesen
fehlt  der  Posten  ,,G'Z7'“.  Mit  der  Einführung  von  G'  tritt  die  Tendenz  zu
einem  Steigen  der  Preise  ein.  Das  heißt,  durch  das  Anhängen  des  Depositenbankbuches ­
  auf  der  linken  Seite  wird  die  Verlängerung  des  Armes  zur
Hechten  notwendig.
Gerade  wie  A  zur  Bezeichnung  des  gesamten  Geldumlaufes,  also  von
GU  verwendet  wurde,  so  soll  jetzt  der  gesamte  Depositenumlauf  G’U'  mit  A'
bezeichnet  werden.
Wie  A,  G  und  U  sind  auch  A',  G'  und  U'  Summen  und  Mittelwerte
korrespondierender  Größen,  die  auf  verschiedene  Zeitpunkte  des  Jahres
oder  verschiedene  Personen  zu  beziehen  sind 1 ).

§5.
Durch  den  Einschluß  des  Depositenumlaufes  in  die  Gleichung  der  Geldzirkulation ­
  wird  der  von  der  Quantität  des  Geldes  auf  das  allgemeine  Preisniveau ­
  ausgeübte  Einfluß  weniger  direkt,  und  die  weitere  Verfolgung
dieses  Einflusses  wird  schwieriger  und  komplizierter.  Es  ist  sogar  behauptet
worden,  daß  durch  das  Hinzutreten  des  zirkulierenden  Kredits  jedwede
zwischen  den  Preisen  und  der  Quantität  des  Geldes  bestehende  Beziehung
Q  Die  in  der  Anordnung  von  a',  g’  und  «'  usw.  ausgedrückte  mathematische
Analyse  von  A!,  G'  und  U'  stimmt  mit  der  im  Anhang  zum  II.  Kapitel  gegebenen  von  A
G  und  TJ  vollkommen  überein.  Siehe  auch  §§  1  und  2  des  Anhanges  zu  diesem  (III.  )  Kapitel. ­
        <pb n="57" />
        Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die  Gleichung  usw.

41

durchbrochen  wirdQ.  Wäre  der  zirkulierende  Kredit  vom  Gelde  unabhängig, ­
  so  träfe  dies  zu.  Tatsächlich  hat  aber  die  Quantität  des  zirkulierenden ­
  Kredits,  G',  die  Tendenz,  eine  bestimmte  Beziehung  zu  G,  zu  der  in
Umlauf  befindlichen  Geldquantität,  aufrechtzuerhalten,  d.  h.  die  Depositen
sind  unter  normalen  Umständen  ein  mehr  oder  weniger  bestimmtes  Vielfaches ­
  von  Geld.
Zwei  Tatsachen  bringen  die  Depositen  unter  normalen  Umständen  in
ein  mehr  oder  weniger  bestimmtes  Verhältnis  zum  Gelde.  Die  eine  davon,
nämlich,  daß  die  Bankreserven  in  einem  mehr  oder  weniger  bestimmten
Verhältnis  zu  den  Bankdepositen  gehalten  werden,  ist  bereits  erwähnt  worden.
Die  andere  besteht  darin,  daß  Einzelpersonen,  Firmen  und  Gesellschaften
ein  mehr  oder  weniger  bestimmtes  Verhältnis  zwischen  ihren  Bargeld-  und
Schecktransaktionen  und  auch  zwischen  ihrer  Geld-  und  Dep'ositenbilanz
bewahren 1  2 ).  Diese  Verhältnisse  werden  durch  Motive  individueller  Bequemlichkeit ­
  und  Gewohnheit  bestimmt.  Die  Geschäftsfirmen  benützen
im  allgemeinen  Geld  für  Lohnzahlungen  und  für  verschiedene  Geschäfte
geringerer  Bedeutung,  die  in  den  Begriff  „Kleingeld“  eingeschlossen  sind,
während  zum  Ausgleich  der  Geschäfte  von  ihnen  untereinander  gewöhnlich ­
  Schecks  vorgezogen  werden.  Die  Vorliebe  hierfür  ist  so  groß,  daß  wir
uns  schwerlich  einen  Bruch  mit  dieser  Praxis  vorzustellen  vermögen,
es  sei  denn  etwa  nur  zeitweise  und  in  geringem  Umfange.  Eine  Geschäftsfirma ­
  wird  schwerlich  Straßenbahnfahrgelder  mit  Schecks  bezahlen
und  große  Zahlungsverpflichtungen  mit  Bargeld  liquidieren.  Jedermann
strebt  in  der  Benützung  der  beiden  Zahlungsmethoden  nach  einem  Gleichgewicht ­
  und  stört  dieses  nicht  nennenswert,  wenigstens  nicht  auf  längere
Zeit.  Er  paßt  seinen  Geldbestand  oder  sein  Bankkonto  beständig  den
von  ihm  in  Geld  oder  per  Scheck  zu  erledigenden  Zahlungen  an.  Sobald
der  Geldbestand  verhältnismäßig  gering  wird  und  das  Bankkonto  ein
verhältnismäßig  großes  Guthaben  aufweist,  wird  ein  Scheck  gezogen.
Im  entgegengesetzten  Falle  wird  bares  Geld  deponiert.  Auf  diese  Weise
wird  eines  der  beiden  Austauschmittel  fortwährend  in  das  andere  um1 ­
 )  Laughlin  ist  der  beinahe  entgegengesetzten  Ansicht,  daß  der  normale  Kredit  die
Preise  nicht  beeinflussen  kann,  weil  er  kein  Angebot  von  vollwertigem  Gelde  darstellt  und
daher  auf  den  Wert  des  Maßgutes,  das  das  Preisniveau  einzig  und  allein  bestimmt,  keinen
Einfluß  hat.  Siehe  Principles  of  Money,  New  York  (Scribner),  1903,  S.  97.  Beide  Ansichten ­
  stehen  mit  der  in  diesem  Buche  vertretenen  in  Widerspruch.
2 )  Diese  Tatsache  ist  von  Laughlin  anscheinend  übersehen  worden,  wenn  er  den
Schluß  zieht,  daß  „there  is  not  any  reason  for  limiting  the  amount  of  the  deposit  currency,
or  the  assumption  of  an  absolute  scarcity  of  specie  reserves“.  Siehe  Princi'ples  of  Money,
S.  127.
        <pb n="58" />
        42

III.  Kapitel.

gesetzt.  Eine  Privatperson  versieht  sich  gewöhnlich  aus  ihrem  Bankkonto
mit  Taschengeld.  Eine  Detailhandelsfirma  stärkt  ihr  Bankkonto  mit  dem
Ertrage  der  Ladenkasse.  In  beiden  Fällen  besorgt  die  Bank  die  Vermittlung
des  Austausches.
In  irgend  einem  Gemeinwesen  wird  das  quantitative  Verhältnis  von
Depositenumlaufsmitteln*)  zum  Gelde  durch  verschiedene  Bequemlichkeitsrücksichten ­
  bestimmt.  Je  höher  vor  allen  Dingen  der  Geschäftsverkehr ­
  in  einem  Gemeinwesen  entwickelt  ist,  desto  vorherrschender  ist
daselbst  der  Gebrauch  von  Schecks.  An  Plätzen  mit  hochentwickeltem  Geschäftsbetrieb ­
  werden  die  von  den  Kaufleuten  untereinander  abgeschlossenen
bedeutenden  Geschäfte  gewöhnlich  mittelst  Scheck  und  die  kleineren  durch
Barzahlung  erledigt.  Je  konzentrierter  die  Bevölkerung  ist,  desto  mehr  gewinnt ­
  der  Gebrauch  von  Schecks  die  Oberhand.  In  Städten  ist  es  für  den
Zahlenden  und  auch  für  den  Empfänger  bequemer,  große  Zahlungen  per
Scheck  vorzunehmen,  während  auf  dem  Lande  das  Aufsuchen  einer  Bank
infolge  Zeit-  und  Geldverlustes  zu  teuer  zu  stehen  kommt,  um  den  Schecks
den  Vorzug  zu  geben.  Aus  diesem  Grunde  wird  im  Verhältnis  zum  Umfange
der  zustande  kommenden  Geschäfte  auf  dem  Lande  mehr  Geld  gebraucht 1  2 ).
Je  wohlhabender  ferner  die  Mitglieder  des  Gemeinwesens  sind,  desto  ausgiebiger ­
  kommen  Schecks  zur  Verwendung.  Arbeiter  gebrauchen  sie  selten;
Kapitalisten,  Angehörige  der  gelehrten  Berufe  und  Gehalt  beziehende  Personen ­
  hingegen  gebrauchen  sie  gewöhnlich,  und  zwar  sowohl  für  persönliche ­
  als  auch  für  geschäftliche  Zwecke.
Es  herrscht  also,  was  Bequemlichkeit  und  Gewohnheit  betrifft,  eine
gewisse  Beziehung  zwischen  der  Scheck-  und  Bargeldzirkulation  und  ein
mehr  oder  weniger  stabiles  Verhältnis  zwischen  der  Depositenbilanz  des
Durchschnittsmenschen  oder  der  Durchschnittsgesellschaft  und  dem  Geldbestand ­
  in  Tasche  oder  Ladenkasse.  Diese  Tatsache,  auf  ein  ganzes  Land
angewendet,  bedeutet,  daß  sich  aus  Bequemlichkeitsgründen  ein  ungefähres
Verhältnis  zwischen  G  und  G'  herausbildet.  Wenn  dieses  Verhältnis  zeitweilig ­
  gestört  wird,  dann  wird  eine  Tendenz  zur  Wiederherstellung  des
alten  Verhältnisses  einsetzen.  Es  erfolgt  dann  ein  Deponieren  des  Überschusses ­
  an  Bargeld  oder  ein  Flüssigmachen  des  Zuviel  an  Depositen.
Es  hat  also  sowohl  das  in  Umlauf  befindliche  als  auch  das  in  Reserve

1 )  Laughlin  benützt  in  seinen  Principles  of  Money  den  bequemen  Ausdruck  „Depositenumlaufsmittel“
  (deposit  currency)  S.  118.
2 )  Siehe  Kinleys  „Credit  Instruments",  Report  of  (he  Äational  Monetary  Commission,
Senatsdokument  399,  61.  Kongreß,  2.  Session,  1910,  S.  188.
        <pb n="59" />
        Einfluß  der  Depositenumlaufsmittel  auf  die  Gleichung  usw.

43

gehaltene  Geld  die  Tendenz,  ein  bestimmtes  Verhältnis  zu  den  Depositen
beizubehalten.  Es  folgt  daraus,  daß  die  beiden  Geldbestände  in  einem
bestimmten  Verhältnis  zueinander  stehen  müssen.
Es  folgt  ferner,  daß,  da  jede  Veränderung  in  G,  dem  in  Umlauf  befindlichen ­
  Geldquantum,  unter  normalen  Umständen  eine  verhältnismäßige  Veränderung ­
  in  G',  dem  Volumen  der  dem  Scheckverkehr  unterworfenen  Bankdepositen, ­
  bedingt,  eine  solche  Änderung  eine  sich  in  bestimmten  Verhältnissen ­
  vollziehende  Veränderung  im  allgemeinen  Preisniveau  hervorruft,
ausgenommen  natürlich,  daß  Veränderungen  in  den  V  oder  den  Q  als
Begleitumstände  diese  Wirkung  beeinträchtigen.  Die  Richtigkeit  dieser
Behauptung  ist  aus  der  Gleichung  QU  +  G'W  =  SpQ  klar  ersichtlich,
denn  wenn  sich  z.  B.  G  und  G'  verdoppeln,  während  U  und  U'  unverändert
bleiben,  so  wird  die  linke  Seite  der  Gleichung  verdoppelt,  worauf  folglich
auch  die  rechte  Seite  verdoppelt  werden  muß.  Aber  wenn  die  Q  unverändert ­
  bleiben,  dann  müssen  sich  offenbar  alle  p  verdoppeln,  oder,  wenn
einige  p  weniger  als  eine  Verdoppelung  erfahren,  müssen  sich  andere  genügend ­
  mehr  verdoppeln,  um  einen  Ausgleich  zu  bewirken.
§6.
Der  Inhalt  dieses  Kapitels  soll  in  einigen  einfachen  Sätzen  zusammengefaßt ­
  werden:
1.  Die  Banken  liefern  zwei  Arten  von  Umlaufsmitteln,  nämlich  Banknoten, ­
  die  Geld  darstellen  und  Bankdepositen  (oder  Rechte  zur  Ziehung
von  Schecks),  die  kein  Geld  sind.
2.  Ein  Bankscheck  bedeutet  nur  ein  Zertifikat  über  ein  Bezugs  -
recht.
3.  Die  Anrechte  der  Deponenten  und  Noteninhaber  sind  nicht  allein
durch  die  Barreserve,  sondern  auch  durch  sämtliche  Aktiva  der  Bank
gedeckt.
4.  Das  Depositenbankwesen  ist  eine  Einrichtung,  durch  die  der  zu
direktem  Umlauf  nicht  geeignete  Reichtum  zur  Basis  für  die  Zirkulation
von  Bezugsrechten  gemacht  wird.
5.  Die  Grundlage  solcher  zirkulierender  Bezugsrechte  oder  Depositen
muß  zum  Teil  in  wirklichem  Gelde  und  sollte  zum  Teil  auch  in  rasch  in
Geld  umzusetzenden  Aktiven  bestehen.
6.  Die  drei  Güterkategorien:  Geld,  Depositen  und  alle  anderen  Güter
ermöglichen  sechs  verschiedene  Austauscharten.  Für  unsere  Zwecke  ist  der
Austausch  von  Geld  und  Depositen  gegen  Güter  der  wichtigste.
        <pb n="60" />
        44

IV.  Kapitel.

7.  Mit  Einschluß  der  Bankdepositen  lautet  die  Gleichung  der  Geldzirkulation ­
  folgendermaßen:
GU  +  G'l7  =  2pQ  oder  PH.
8.  Es  herrscht  die  Tendenz  zu  einem  normalen  Verhältnis  der  Bankdepositen ­
  (G')  zur  Geldquantität  (Cr),  und  zwar  aus  dem  Grunde,  weil  die
Geschäftsbequemlichkeit  gebietet,  daß  die  zur  Verfügung  stehenden  Umlaufsmittel
  sich  auf  Depositen  und  Geld  in  einem  gewissen,  mehr  oder  weniger
bestimmten,  wenn  auch  elastischen  Verhältnis  verteilen.
9.  Das  quantitative  Verhältnis  zwischen  Geld  und  Preisen  wird  unter
normalen  Bedingungen  durch  die  Einbeziehung  der  Depositenumlaufsmittel
nicht  gestört.

IV.  Kapitel.
Störung  der  Gleichung  und  der  Kaufkraft  in
Perioden  des  Übergangs.
§i.
Im  vorigen  Kapitel  wurde  dargelegt,  daß  die  Quantität  der  Bankdepositen ­
  unter  normalen  Umständen  ein  bestimmtes  Verhältnis  zu  der  im
Umlauf  befindlichen  Geldquantität  und  zu  dem  Quantum  der  Bankreserven
aufrechterhält.  Solange  sich  dieses  normale  Verhältnis  behauptet,  erhöht
das  Vorhandensein  der  Bankdepositen  die  durch  die  im  Umlauf  befindliche ­
  Geldquantität  hervorgerufene  Wirkung  auf  das  Preisniveau  und  verzerrt ­
  diese  Wirkung  nicht  im  geringsten.  Veränderungen  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  oder  im  Handel  üben  übrigens  auf  die  Preise,  gleichviel  ob
Bankdepositen  inbegriffen  sind  oder  nicht,  dieselbe  Wirkung  aus.
Dieses  Verhältnis  zwischen  Geld  (G)  und  Depositen  ((?')  ist  jedoch
in  Übergangsperioden  kein  starres.
Wir  wollen  nun  auf  diese  Übergangsperioden  näher  eingehen.  Die  Veränderung, ­
  welche  einen  Übergang  konstituiert,  kann  durch  eine  Veränderung
in  der  Quantität  des  Geldes  oder  in  einem  anderen  Faktor  der  Verkehrsgleichung ­
  oder  durch  alle  Faktoren  zugleich  stattfinden.  Gewöhnlich
tragen  alle  Faktoren  zu  der  Veränderung  bei.  Der  Hauptfaktor  aber,  den
wir  uns  (gleichzeitig  mit  seiner  Wirkung  auf  die  anderen  Faktoren)  zum
Studium  wählen,  ist  die  Geldquantität.  Wenn  die  Quantität  des  Geldes
plötzlich  eine  Verdoppelung  erführe,  so  würde  die  Wirkung  der  Veränderung
        <pb n="61" />
        Störung  der  Gleichung  und  der  Kaufkraft  in  Perioden  des  Übergangs.  45

später  eine  andere  sein  als  zu  Beginn  derselben.  Die  Endwirkung  ist,  wie
wir  gesehen  haben,  eine  Verdoppelung  der  Preise;  bevor  diese  aber  eintritt,
schwanken  die  Preise  auf  und  nieder.  In  diesem  Kapitel  wollen  wir  auf  die
temporären  Wirkungen  während  der  Übergangsperiode  näher  eingehen  ohne
Rücksicht  auf  die  permanenten  oder  Endwirkungen,  welche  im  vorigen  Kapitel ­
  besprochen  wurden.  Diese  permanenten  oder  Endwirkungen  folgen
jedoch  erst,  nachdem  ein  neues  Gleichgewicht  hergestellt  worden  ist,  —  wenn
man  die  Herstellung  eines  Gleichgewichtszustandes  überhaupt  in  das  Bereich
des  Möglichen  ziehen  kann.  Wir  haben  es  in  diesem  Kapitel  lediglich  mit
den  temporären  Wirkungen,  d.  h.  mit  den  Wirkungen  in  der  Übergangsperiode ­
  zu  tun.
Übergangsperioden  charakterisiert  entweder  ein  Steigen  oder  ein
Fallen  der  Preise.  Steigende  Preise  müssen  von  hohen  Preisen  und  fallende
von  niedrigen  Preisen  deutlich  unterschieden  werden.  Mit  stationären
Preisniveaus,  seien  sie  hoch  oder  niedrig,  haben  wir  in  diesem  Kapitel
nichts  zu  tun.  Wir  wenden  unsere  Aufmerksamkeit  steigenden  und  fallenden ­
  Preisen  zu.  Steigende  Preise  markieren  den  Übergang  von  einem
niedrigen  zu  einem  hohen  Preisniveau  genau  so,  wie  ein  Abhang  den  Übergang ­
  von  flachem  Tieflande  zu  flachem  Hochlande  bezeichnet.
Da  das  Studium  dieses  Steigens  und  Fallens  mit  der  Adjustierung  des
Zinsfußes  fest  verknüpft  ist,  so  ist  unsere  erste  Aufgabe,  die  Wirkungen
steigender  und  fallender  Preise  aut  den  Zinsfuß  kurz  zu  erörtern.  Der
Hauptgegenstand  dieses  Kapitels  ist,  zu  beweisen,  daß  das  eigenartige  Verhalten ­
  des  Zinsfußes  in  Übergangsperioden  für  die  Krisen  und  Depressionen,
mit  welchen  Preisbewegungen  gewöhnlich  enden,  in  starkem  Ausmaße
verantwortlich  zu  machen  ist.
Obwohl  Geschäftsdarlehen  stets  in  Form  von  Geld  gemacht  werden,
so  wolle  man  beachten,  daß  ein  Mann,  der  sich  Geld  leiht,  dies  nicht  tut,
um  Geld  zu  thesaurieren,  sondern  um  für  dasselbe  Ware  zu  kaufen.  Wenn
z.  B.  A  hundert  Dollar  von  B  borgt,  um  einhundert  Einheiten  eines  gegebenen ­
  Artikels  zu  einem  Dollar  per  Einheit  zu  kaufen,  so  kann  man  jedenfalls ­
  sagen,  daß  B  dem  Wesen  nach  dem  A  hundert  Einheiten  dieses  Artikels
leiht.  Und  wenn  am  Schlüsse  des  Jahres  A  dem  B  hundert  Dollar  zurückerstattet ­
  und  der  Preis  des  Artikels  mittlerweile  höher  geworden  ist,
dann  hat  B  einen  Bruchteil  der  ursprünglich  dem  A  geliehenen  Kaufkraft
verloren.  Denn  selbst  wenn  A  dem  B  die  gleichen  Münzen,  in  denen
das  Darlehen  ausbezahlt  wurde,  zurückerstatten  würde,  so  repräsentieren
O  Bezüglich  vollständiger  Darlegung  s.  Irving  Fisher,  The  Rate  of  Interest,  New  York
(Macmillan),  1907,  Kap.  V  und  XIV.
        <pb n="62" />
        46

IV.  Kapitel.

diese  Münzen  etwas  weniger  als  die  ursprüngliche  Quantität  der  damit  kaufbaren ­
  Artikel.  Indem  wir  dies  in  unserer  Untersuchung  des  Zinsfußes  berücksichtigen, ­
  wollen  wir  jetzt  annehmen,  daß  die  Preise  jährlich  um  3  Prozent
steigen.  Es  ist  klar,  daß  der  Mann,  welcher  zu  Beginn  des  Jahres  hundert
Dollar  ausleiht,  um  5  Prozent  Zinsen  in  Kaufkraft  zu  erhalten,  $  103  (das
Äquivalent  der  geliehenen  $  100)  plus  5  Prozent  auf  diesen  Betrag  oder
eine  Gesamtsumme  von  $  108,15  zurückerhalten  muß.  Das  heißt,  um  5
Prozent  Zinsen  in  gegenwärtiger  Kaufkraft  zu  erlangen,  muß  er  etwas  mehr
als  8  Prozent  Zinsen  in  Geld  erhalten.  Die  3  Prozent  Preissteigerung
sollten  daher  den  Zinsfuß  um  annähernd  3  Prozent  erhöhen.  Damit  die
Beziehungen  zwischen  Gläubiger  und  Schuldner  während  des  Steigens  der
Preise  die  gleichen  bleiben  wie  vorher  und  nachher,  verlangen  steigende
Preise  einen  höheren  Geldzins  als  ihn  gleichbleibende  Preise  erfordern.
Nicht  nur  Gelddarleiher  können  auf  Zahlung  höherer  Interessen
Anspruch  erheben,  sondern  die  Geldentlehner  können  auch  ganz  gut
höhere  Zinsen  zahlen.  Bis  zu  einem  gewissen  Grade  wird  die  Konkurrenz ­
  sie  allmählich  hierzu  zwingen 1 ).  Wir  sind  in  unserem  Geschäftsleben ­
  aber  so  daran  gewöhnt,  das  Geld  als  den  stabilen  Faktor  zu  betrachten ­
  und,  ohne  Rücksicht  auf  den  Zeitablauf,  den  Dollar  für  einen  Dollar
zu  halten,  daß  wir  nur  widerstrebend  diesem  Prozeß  der  Wiederausgleichung
nachgeben,  die  wir  dadurch  sehr  langsam  und  unvollständig  gestalten.
Wenn  die  Preise  um  3  Prozent  per  Jahr  steigen  und  der  normale  Zinsfuß, ­
  d.  h.  der  Zinsfuß,  der  bestände,  wenn  sich  die  Preise  immer  gleich
blieben,  5  Prozent  wäre,  so  wird  der  wirkliche  Zinsfuß,  obwohl  er  von  Rechts
wegen  8,15  Prozent  sein  sollte,  um  für  die  Preissteigerung  Ersatz  zu  bieten,
diese  Ziffer  gewöhnlich  nicht  erreichen;  der  Zinsfuß  mag  sich  vielleicht  auf
6  Prozent  und  später  auf  7  Prozent  erhöhen.  Diese  Unzulänglichkeit  und
Langsamkeit  in  der  Ausgleichung  werden  außerdem  durch  das  Gesetz  sowie
durch  Brauch  und  Sitte  gefördert,  die  nach  Willkür  streben,  den  Zinsfuß
möglichst  niederzuhalten.
Dieselbe  Unzulänglichkeit  der  Ausgleichung  ist  bei  einem  Fallen  der
Preise  wahrzunehmen.  Nehmen  wir  an,  daß  $  97  am  Ende  des  Jahres
ebensoviel  kaufen  als  $  100  zu  Anfang  des  Jahres.  Um  also  eine  Kaufkraft ­
  im  gleichen  Werte  seiner  ursprünglichen  und  5  Prozent  Zinsen  zurückzuerhalten, ­
  sollte  in  diesem  Falle  der  Verleiher  nicht  $  105,  sondern  nur
$  97  plus  5  Prozent  von  $  97  oder  $  101,85  empfangen.  Der  Zinsfuß  in  Geld
sollte  also  in  diesem  Fall  statt  der  ursprünglichen  5  Prozent  1,85  Prozent,  oder

1 )  Rate  of  Interest,  Kap.  XIV.
        <pb n="63" />
        Störung  der  Gleichung  und  der  Kaufkraft  in  Perioden  des  Übergangs.  47

weniger  als  2  Prozent  sein.  Mit  anderen  Worten:  die  3  Prozent  Preiserniedrigung ­
  sollten  den  Zinsfuß  um  annähernd  3  Prozent  herabsetzen.  Tatsächlich ­
  wird  aber  ein  so  vollkommener  Ausgleich  selten  erlangt,  und  der
Zinsfuß  hält  sich  für  eine  beträchtliche  Zeit  weit  über  2  Prozent*).
§2.
Wir  kommen  nun  zur  Erörterung  der  vorübergehenden  oder  Übergangsveränderungen ­
  in  den  Faktoren  unserer  Yerkehrsgleichung.  Zunächst
wollen  wir  eine  geringfügige  Störungsursache  annehmen,  wie  sie  zum  Beispiel ­
  durch  eine  Zunahme  in  der  Quantität  des  Goldes  herbeigeführt  würde.
Daraus  entsteht,  wie  die  Verkehrsgleichung  lehrt,  eine  Steigerung  der  Preise.
Wenn  die  Preise  steigen,  so  erhöht  sich  der  in  Geld  bemessene  Gewinn  der
Geschäftsleute  ebenfalls,  selbst  wenn  die  Geschäftsunkosten  in  demselben
Verhältnis  steigen  sollten.  Wenn  also  ein  Mann,  der  Güter,  die  ihn  $  6000
gekostet  haben,  für  $  10,000  verkauft  und  auf  diese  Weise  $  4000  rein  verdient, ­
  doppelte  Preise  bei  doppelten  Unkosten  erhalten  könnte,  so  würde
sich  sein  Gewinn  verdoppeln,  also  $  20,000  —  $  12,000  =  $  8000  Reingewinn. ­
  Natürlich  würde  eine  solche  Preissteigerung  rein  dem  Namen
nach  bestehen,  da  sie  ja  lediglich  mit  der  Steigerung  im  Preisniveau  gleichen
Schritt  hält.  Dem  Geschäftsmann  würde  daraus  kein  Vorteil  erwachsen,
denn  sein  größerer  Gewinn  an  Geld  würde  nicht  mehr  kaufen,  als  sein  vorheriger ­
  geringerer  Gewinn  an  Geld  früher  kaufte.  Tatsächlich  erhöht  sich
aber  der  Gewinn  des  Geschäftsmannes  mehr,  als  es  nach  diesen  Ziffern
scheint,  weil  der  von  ihm  zu  zahlende  Zinsfuß  sich  nicht  augenblicklich
anpaßt.  Unter  seinen  Unkosten  befinden  sich  Zinsen,  und  diese  Unkosten
steigen  anfänglich  nicht.  Der  Gewinn  erhöht  sich  demnach  schneller  als
die  Preise.  Daraus  ist  zu  entnehmen,  daß  ein  höherer  Gewinn  als  gewöhnlich
erzielt  werden  kann,  was  den  Geschäftsmann  ermutigt,  durch  weitere  Aufnahme ­
  von  Kapital  sein  Geschäft  auszudehnen.  Dies  geschieht  hauptsächlich ­
  in  Form  von  kurzfristigen  Anleihen  bei  Banken  und,  wie  wir
gesehen  haben,  erzeugen  kurzfristige  Darlehen  Depositen.  Bekanntüch
korrespondieren  Anleihen  und  Depositen  bemerkenswert  genau  miteinander ­
  *  2 ).  Der  Umlauf  von  Depositen  ((?')  vermehrt  sich  also,  doch  bewirkt
diese  Vermehrung  des  Depositenumlaufs  eine  weitere  Steigerung  des  allgemeinen ­
  Preisniveaus,  und  zwar  ebenso,  wie  es  im  Anfang  die  Zunahme  des
*)  Rate  of  Interest,  loc.  cit.
2 )  S.  J.  Pease  Norton,  Statistical  Studies  in  the  New  York  Money  Market  (Macniiilan),
1902,  Tabelle  am  Schlüsse.
        <pb n="64" />
        48

IV.  Kapitel.

Goldquantums  getan  hatte x ).  Die  Preise,  welche  der  Höhe  des  Zinsfußes
vorher  bereits  vorausgeeilt  waren,  streben  darnach,  ihr  noch  weiterhin  vorauszueilen ­
  und  setzen  dabei  die  Entlehner,  welche  ihre  Gewinne  ohnedies
schon  erhöhten,  in  den  Stand,  sie  noch  weiter  zu  erhöhen.  Die  Nachfrage
nach  weiteren  Anleihen  wächst  und,  obwohl  der  nominelle  Zinsfuß  etwas
in  die  Höhe  geschraubt  wird,  so  bleibt  er  doch  unter  dem  normalen  Niveau
zurück.  Nominell  hat  sich  die  Zinsrate  doch  erhöht,  und  infolgedessen
werden  auch  die  Darleiher,  die  Banken  inbegriffen,  zu  größeren  Unternehmungen ­
  veranlaßt.  Durch  die  höheren  nominellen  Raten  zur  irrtümlichen
Annahme  verleitet,  daß  ziemlich  hohe  Zinsen  erlangt  werden  können,  erweitern ­
  sie  ihre  Darlehen,  und  mit  der  resultierenden  Erweiterung  des  allgemeinen ­
  Bankkredits  vermehrt  sich  der  an  sich  schon  umfangreiche  Depositenumlauf ­
  (Cr')  in  noch  höherem  Maße.  Wenn  die  Preise  steigen,  kann
auch  der  Geldwert  von  Effektendepots  größer  geworden  sein,  wodurch  es
den  Entlehnem  leichter  gemacht  wird,  großen  Kredit  zu  erhalten 1  2 ).  Infolgedessen ­
  steigen  die  Preise  noch  weiter 3 ).  Diese  Wirkungsfolge  der
Ereignisse  kann  in  folgender  Form  kurz  ausgedrückt  werden:
1.  Die  Preise  steigen  (die  Ursachen  können  verschieden  sein;  wir  haben
zur  Verdeutlichung  ein  Anwachsen  des  Goldbestandes  gewählt).
2.  Die  Zinsrate  nimmt  zu,  aber  nicht  genug.
3.  Die  durch  großen  Gewinn  ermutigten  Unternehmer  („Enterprisers“,
um  Professor  Fetters  Ausdruck  zu  gebrauchen)  erweitern  ihre  Anleihen.
4.  Der  Depositenumlauf  (Cr")  vermehrt  sich  im  Verhältnis  zum  Gelde  (Cr).
5.  Die  Preissteigerung  dauert  fort,  d.  h.  das  Phänomen  Nr.  1  wiederholt
sich.  Dann  wiederholt  sich  Nr.  2  und  so  weiter.
Mit  anderen  Worten:  eine  geringfügige  anfängliche  Preissteigerung
setzt  eine  Reihe  von  Ereignissen  in  Bewegung,  welche  die  Tendenz  haben,
diese  Preissteigerung  zu  wiederholen.  Eine  Preissteigerung  bringt  immer
die  andere  mit  sich,  und  zwar  solange,  wie  der  Zinsfuß  hinter  seiner
normalen  Ziffer  zurückbleiM.

1 )  Siehe  den  Artikel  von  Knut  Wicksell  in  den  Jahrbüchern  für  Nationalökonomie
1897  (Band  68),  S.  228—243,  betitelt:  „Der  Bankzins  als  Regulator  der  Warenpreise.“
Obgleich  es  sich  in  diesem  Artikel  nicht  direkt  um  einen  Kreditzyklus  in  bezug  auf  Paniken
handelt,  so  bezeichnet  er  doch  den  Zusammenhang  zwischen  der  Zinsrate  auf  Bankanleihen
und  Veränderungen  im  Preisniveau,  welche  auf  die  resultierende  Vermehrung  und  Verminderung ­
  solcher  Anleihen  zurückzuführen  ist.
2 )  Siehe  Kinley,  Money,  New  York  (Macmillan),  1904,  S.  223.
3 )  Siehe  Wicksell,  a.  a.  0.
        <pb n="65" />
        Störung  der  Gleichung  und  der  Kaufkraft  in  Perioden  des  Übergangs.  49

§3.
Die  Ausdehnung  des  Depositenumlaufs,  die  in  dieser  sich  ständig  verstärkenden ­
  Bewegung  zutage  tritt,  erhöht  in  abnormer  Weise  das  Verhältnis ­
  von  G'  zu  G.  Dies  ist  klar  ersichtlich,  wenn  die  Preissteigerung  in
der  Veränderung  eines  anderen  Elementes  oder  mehrerer  Elemente  in  der
Gleichung  beginnt,  als  des  Geldes;  denn  wenn  G  unverändert  bleibt  und
G'  erhöht  wird,  so  muß  das  Verhältnis  G'  zu  G  sich  ebenfalls  erhöhen
Wenn  G  in  irgendeinem  Verhältnis  zunimmt,  so  wird  G'  in  einem  noch
größeren  Verhältnis  zunehmen.  Wenn  die  Zunahme  nur  in  demselben
Verhältnis  stattfände,  so  würden  die  Preise  in  diesem  Verhältnis  steigen
(unter  der  Annahme,  daß  die  Geschwindigkeiten  und  Quantitäten  unverändert ­
  bleiben);  und  wenn  die  Preise  in  diesem  Verhältnis  zunehmcn
würden,  so  müßten  die  Anleihen  (welche  zum  Einkauf  von  Gütern  gemacht
und  den  Preisen  der  Güter  gemäß  adjustiert  wurden)  in  diesem  Verhältnis ­
  erhöht  werden,  nur  um  dieselben  Güter  wie  vorher  kaufen  zu
können.  Die  Unternehmer  aber,  welche  aus  dem  Nachhinken  des  Zinsfußes ­
  zu  profitieren  wünschen,  würden  aber  die  Anleihen  über  diesen  alten
oder  ursprünglichen  Punkt  hinaus  ausdehnen.  Demnach  würden  sich  die
auf  Anleihen  gegründeten  Depositen  in  einem  größeren  Verhältnis  vermehren. ­
  Das  heißt,  das  Verhältnis  G'  zu  G  würde  sich  erhöhen  Mit
anderen  Worten:  während  der  Periode,  in  welcher  G  zunimmt,  wächst!  -
G'  noch  rascher  und  stört  auf  diese  Weise  das  normale  Verhältnis'
zwischen  diesen  beiden  Formen  von  Umlaufsmitteln
Dies  ist  jedoch  nicht  die  einzige  durch  eine  Zunahme  von  G  verursachte
Störung.  Es  gibt  auch  Störungen  in  Q  (oder  anders  bezeichnet  in  H)  in  U
und  in  U  .  Diese  sollen  der  Reihe  nach  vorgenommen  werden.  Der  Geschäftsgang ­
  (die  Q)  wird  durch  die  leichten  Bedingungen  für  Anleihen
angespornt.  Diese  Wirkung  wird  bei  einer  Preissteigerung  immer  beobachtet, ­
  und  die  Leute  erklären  dann  mit  Befriedigung,  daß  das  „Geschäft
gut  ist“  und  die  „Konjunktur  eine  steigende  ist“.  Derartige  Behauptungen
repräsentieren  den  Gesichtspunkt  des  gewöhnlichen  Geschäftsmannes,
welcher  ein  „kreditsuchender  Unternehmer“  ist.  Sie  stellen  nicht  die
Meinung  des  Gläubigers,  des  Gehalt  beziehenden  Mannes  oder  des  Arbeiters  dar
von  denen  die  meisten  schweigend  und  geduldig  leiden,  indem  sie  die  höheren
Preise  zahlen  müssen,  nicht  aber  entsprechend  höheres  Einkommen  beziehen
Die  erste  Ursache  der  ungesunden  Zunahme  des  Geschäfts  liegt  in
der  Tatsache,  daß  die  Preise,  den  Zinsen  gleich,  hinter  ihrer  völligen  Anpassung ­
  Zurückbleiben  und  durch  erhöhte  Käufe  sozusagen  empor-Fisher,
  Kaufkraft  des  Geldes.  ^
        <pb n="66" />
        50

IV.  Kapitel.

getrieben  werden  müssen.  Dies  gilt  namentlich  dann,  wenn  der  ursprüngliche ­
  Anstoß  von  einer  Geldzunahme  herkam.  Die  Ausgabe  zuschüssigen
Geldes  erfolgt  anfangs  fast  auf  der  alten  Preisstufe,  durch  seine  fortgesetzte ­
  Verausgabung  hingegen  werden  die  Preise  allmählich  erhöht.
Mittlerweile  wird  der  Umfang  der  Käufe  etwas  größer,  als  er  gewesen
wäre,  wenn  die  Preise  schneller  gestiegen  wären.  Vom  Gesichtspunkte  derjenigen, ­
  welche  Güter  verkaufen,  ist  es  tatsächlich  die  Möglichkeit  stärkeren ­
  Umsatzes  zu  den  alten  Preisen,  welche  zu  einer  Steigerung  der
Preise  ermutigt.  Wenn  sie  sehen,  daß  sie  Käufer  für  mehr  Güter  als  vorher
zu  den  früher  herrschenden  Preisen  finden  können  oder  für  ebensoviele  Güter
wie  vorher  zu  höheren  Preisen,  dann  werden  sie  diese  höheren  Preise  fordern.
Aber  der  Umfang  des  Geschäftes  hängt  fast  gänzlich  von  allem  anderen
eher  ab  als  von  der  Quantität  der  Umlaufsmittel,  so  daß  eine  Zunahme  in
den  Umlauf  smitteln  den  Geschäftsumfang  nicht  einmalzeitweilig  beträchtlich
erhöhen  kann.  In  gewöhnlichen  guten  Zeiten  ist  tatsächlich  das  ganze  Gemeinwesen ­
  mit  Arbeit,  mit  der  Produktion,  dem  Transport  und  dem  Austausch ­
  von  Gütern  beschäftigt.  Die  Zunahme  der  Umlaufsmittel  während
einer  Periode  geschäftlichen  Aufschwungs  kann  von  sich  selbst  aus  nicht  die
Bevölkerung  vermehren,  die  Leistungsfähigkeit  der  Arbeiter  erhöhen  oder
weitere  Erfindungen  hervorbringen.  Diese  Faktoren  begrenzen  ziemlich
genau  den  Umfang  des  Geschäftsverkehrs,  der  füglich  bewältigt  werden
kann.  Und  obwohl  der  Gewinn  der  kreditsuchenden  Unternehmer  einen
psychologischen  Ansporn  für  das  Geschäft  bilden  kann,  obwohl  einige
Arbeitslose  beschäftigt  werden  können  und  andere  in  verschiedenen  Branchen
zu  Überzeitarbeit  veranlaßt  werden,  und  obwohl  eine  größere  Anzahl  spekulativer ­
  Käufe  und  Verkäufe  effektuiert  werden,  so  ist  doch  beinahe  die
völlige  Wirkung  einer  Zunahme  an  Depositen  in  einer  Veränderung  der
Preise  zu  erblicken.  Normalerweise  würde  so  die  volle  Wirkung  zum  Ausdruck ­
  kommen,  in  Übergangszeiten  hingegen  findet  auch  eine  gewisse
Zunahme  in  den  Q  statt.
Zunächst  können  wir  wahrnehmen,  daß  die  Preissteigerung  —  das
Sinken  in  der  Kaufkraft  des  Geldes  —  den  Umlauf  des  Geldes  beschleunigt.
Wir  alle  beeilen  uns,  eine  Ware  los  zu  werden,  welche,  wie  eine  reife
Frucht  unter  unseren  Augen  verdirbt 1 ).  Das  Geld  macht  keine  Ausx
 )  Einen  statistischen  Beweis  liefert  Pierre  des  Essars,  Journal  de  la  Sociäe
de  Statistique  de  Paris,  April  1896,  S.  143.  Die  Zahlen  beziehen  sich  nur  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  der  Bankdepositen.  Entsprechende  Zahlen  für  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes  gibt  es  nicht.  Pierre  des  Essars  hat  bewiesen,  daß  TJ'  in  europäischen
Banken  in  Jahren  der  Krisis  mit  fast  unfehlbarer  Sicherheit  ein  Maximum  erreicht.  Ich
        <pb n="67" />
        Störung  der  Gleichung  und  der  Kaufkraft  in  Perioden  des  Übergangs.  51

nähme;  wenn  es  im  Werte  sinkt,  so  will  es  der  Inhaber  so  schnell  wie  möglich ­
  los  werden.  Sobald  er  das  Fallen  bemerkt,  ist  es  sein  Bestreben,  Güter
zu  kaufen,  welche  in  Geld  ausgedrückt  im  Preise  steigen,  um  durch  den  Aufschlag ­
  im  Werte  der  Güter  zu  profitieren.  Das  unvermeidliche  Resultat  ist,
daß  diese  Güter  noch  weiter  im  Preise  steigen.  Die  in  der  Erhöhung  der
Preise  begonnene  Reihe  der  Veränderungen,  ausführlicher  als  zuvor  ausgedrückt, ­
  lautet  wie  folgt:
1.  Die  Preise  steigen.
2.  Die  Umlaufsgeschwindigkeiten  (U  und  U')  erhöhen  sich;  der  Zinsfuß
nimmt  zu,  aber  nicht  genug.
3.  Der  Gewinn  steigt,  die  Anleihen  vermehren  sich  und  die  Q  wachsen.
4.  Der  Depositenumlauf  ((?')  vermehrt  sich  im  Verhältnis  zum  Gelde  (G).
5.  Die  Preise  steigen  weiter;  d.  h.  Phänomen  Nr.  1  wiederholt  sich.
Dann  wiederholt  sich  Nr.  2  und  so  fort.
Es  ist  ersichtlich,  daß  diese  Veränderungen  nun  alle  Größen  in  der  Verkehrsgleichung ­
  in  Mitleidenschaft  ziehen.  Es  sind  temporäre  Veränderungen,
welche  sich  nur  auf  die  Übergangsperiode  beziehen.  Sie  gleichen  der  zeitweiligen ­
  Kraftzufuhr  und  dem  darauffolgenden  Kraftausgleicheines  Automobils, ­
  das  eine  Steigung  nimmt.

§4.
Die  aus  diesem  Ursachenkreis  entspringende  Ausdehnung  kann  natürlich
nicht  ewig  dauern;  sie  muß  sich  schließlich  selbst  erschöpfen.  Es  ist
der  Zinsfuß,  der  dieser  fortgesetzten  Wirksamkeit  Einhalt  gebietet.  Die
Verzögerung  im  Steigen  des  Zinses  war  für  den  abnormen  Zustand  verantwortlich. ­
  Wenn  das  Steigen  des  Zinses  auch  verspätet  eingetreten  ist,  so  ist
es  doch  ein  fortschreitendes,  und  sobald  der  Zinsfuß  die  Stufe  der  Preissteigerung ­
  überschreitet,  ändert  sich  die  ganze  Situation.  Wenn  die  Preise  um
2  Prozent  per  Jahr  steigen,  so  wird  der  Aufschwung  nur  solange  fortdauern,
bis  die  Zinsen  2  Prozent  höher  sind.  Erst  damit  wird  die  Preissteigerung ­
  wettgemacht.  Die  Banken  sind  zur  Selbstverteidigung  gezwungen,
den  Zins  zu  erhöhen,  denn  sie  können  einer  im  Verhältnis  zu  den  Reserven
so  abnormen  Ausdehnung  von  Anleihen  nicht  standhalten.  Sobald  die
Zinsrate  adjustiert  ist,  können  die  Entlehner  nicht  mehr  hoffen,  großen
Gewinn  zu  erzielen,  und  die  Nachfrage  nach  Anleihen  hört  auf  zu  wachsen.
Es  gibt  auch  noch  andere  Kräfte,  welche  der  weiteren  Vergrößerung

fand  dasselbe,  wie  das  Verhältnis  der  Clearings  zu  Depositen  in  New  York,  Boston  und
Philadelphia  lehrt,  auch  für  die  Vereinigten  Staaten  zutreffend.
        <pb n="68" />
        52

IV.  Kapitel.

des  Depositenumlaufs  eine  Schranke  setzen,  und  die  eine  Tendenz  zu  seiner
Einschränkung  einleiten.  Der  Höchstbetrag  der  Depositenumlaufsmittel  ist
nicht  nur  durch  das  Gesetz  und  durch  Klugheit  auf  ein  gewisses  Vielfaches
des  Betrages  der  Bankreserven  beschränkt,  sondern  die  Bankreserven  selbst
sind  durch  den  Geldbetrag  der  zu  Reservezweeken  verfügbar  ist,  auf  eine
gewisse  Höhe  beschränkt.  Ferner  beginnt  mit  dem  Steigen  des  Zinses  der
Kurs  gewisser,  als  Sicherung  hinterlegten  Wertpapiere,  wie  z.  B.  der  Obligationen, ­
  auf  Grund  deren  Anleihen  gemacht  wurden,  zu  fallen.  Solche
Effekten,  deren  Preis  in  dem  diskontierten  Werte  fixer  Summen  beruht,  fallen,
wenn  der  Zins  steigt,  und  sie  können  daher  nicht  als  Sicherheit  für  Anleihen
in  demselben  Umfange  als  zuvor  benützt  werden.  Diese  Hemmung  der  Anleihen ­
  ist,  wie  vorher  erklärt,  auch  eine  Hemmung  für  Depositen.
Wer  damit  gerechnet  hatte,  seine  Anleihen  zu  den  früheren  Sätzen  und
in  der  früheren  Höhe  zu  erneuern,  ist  nach  der  Erhöhung  des  Zinsfußes  außerstande, ­
  dies  zu  tun.  Es  folgt  daraus,  daß  einige  von  ihnen  genötigt  sind,
ihre  Zahlungen  einzustellen.  Der  Konkurs  (oder  die  Voraussicht  eines
solchen)  von  Firmen,  welche  von  Banken  stark  geborgt  haben,  führt
seitens  vieler  Deponenten  zu  der  Befürchtung,  daß  die  Banken  nicht
imstande  sein  werden,  diese  Anleihen  einzubringen.  Die  Banken
kommen  daher  selbst  in  Verdacht,  und  die  Deponenten  verlangen  aus
diesem  Grunde  Bargeld.  Dann  kommt  es  zu  „Runs“  auf  die  Banken,
welche  die  Bankreserven  gerade  in  dem  Augenblick  erschöpfen,  wo  sie
am  notwendigsten  gebraucht  werden  1 ).  Die  nicht  hinreichend  mit
Reserven  versehenen  Banken  müssen  nun  ihre  Anleihen  einschränken.
Jetzt  ist  der  Zeitpunkt  gekommen,  wo  der  Zinsfuß  die  Höhe  der
Panik  erreicht.  Diejenigen  Unternehmer,  welche  betroffen  werden,
müssen  Umlaufsmittel *  2 )  haben,  um  ihren  Verbindlichkeiten  nachkommen
zu  können,  und  um  sie  zu  erhalten,  sind  sie  bereit,  hohe  Zinsen  zu  zahlen.
Einige  von  ihnen  geraten  in  Konkurs,  und  mit  ihrem  Bankerott  vermindert
sich  die  Nachfrage  für  Anleihen  in  entsprechendem  Maße.  Diese  Kulmination ­
  einer  Preisbewegung  nach  aufwärts  ist  eben  das,  was  man  Krisis  3 )

!)  Ein  Teil  der  Mer  dargelegten  Theorie  über  Krisen  wurde  in  ähnlicher  Weise  in
einer  Schrift  von  Harry  G.  Brown,  Yale  Review,  August  1910,  unter  dem  Titel  „Typical
Commercial  Crises  versus  a  Money  Panic“  erklärt.
2 )  Irving  Fisher,  Rate  of  Interest,  S.  325  und  326.
3 )  Dies  ist  die  von  Juglar  gegebene  Definition  einer  Krisis,  und  seine  im  Detaü  ausgeführte
  Geschichte  der  Krisen  entspricht  der  Beschreibung.  Siehe  Juglar,  Des  Crises
Commerciales  et  de  leur  Retour  piriodigue  en  France,  en  Angleterre  et  aux  Etats-Unis.
2.  Auf!.,  Paris  (Guillaumin),  1889,  S.  4  und  5.  Vgl.  auch  die  Übersetzung  des  die  Ver ­
        <pb n="69" />
        Störung  der  Gleichung  und  der  Kaufkraft  in  Perioden  des  Übergangs.  53

nennt,  —  eine  Sachlage,  die  durch  Bankerotte  charakterisiert  wird,  und
zwar  von  Bankerotten  infolge  eines  Mangels  an  Bargeld  zu  einer  Zeit,  wenn
es  am  nötigsten  gebraucht  wird.
Es  wird  allgemein  anerkannt,  daß  der  durch  Vertrauensverlust  herbeigeführte ­
  Zusammenbruch  des  Bankkredits,  ganz  abgesehen  von  der  Ursache
des  Vertrauensverlustes,  das  Hauptmoment  jeder  Krisis  ist.  Was  nicht
allgemein  anerkannt  wird,  und  was  dieses  Kapitel  nachdrücklich  hervorheben
will,  ist,  daß  dieser  Vertrauens  Verlust  (in  der  hier  geschilderten  typischen
Handelskrisis)  die  Folge  einer  Verzögerung  in  der  Anpassung  des  Zinsfußes ­
  ist.
Auf  andere  Ursachen  von  Krisen,  nämlich  auf  solche,  die  in  keinerlei
Beziehung  zum  Gelde  stehen,  beabsichtigen  wir  nicht  einzugehen.  Statt
dessen  erklären  wir,  daß  die  mit  dem  Geld  zusammenhängenden  Ursachen,
wenn  sie  mit  der  mangelhaften  Anpassung  des  Zinsfußes  in  Verbindung ­
  gebracht  werden,  die  wichtigsten  sind.  Die  anderen  Faktoren
nämlich,  auf  welche  oft  Nachdruck  gelegt  worden  ist,  sind  bloße  Wirkungen
dieser  mangelhaften  Anpassung.  »Überkonsumtion“  (overconsumption)
  und  „zu  große  Kapitalanlage“  (overinvestment)  sind  hierhergehörige
Fälle.  Der  Grund,  weshalb  viele  Leute  mehr  ausgeben,  als  sie  sich  gestatten
können,  ist,  daß  sie  sich  auf  den  Dollar  als  stabile  Einheit  noch  dann  verlassen, ­
  wenn  seine  Kaufkraft  tatsächlich  schon  in  raschem  Fallen  begriffen
ist.  Der  Inhaber  von  Obligationen  z.  B.  läßt  sich  verlocken,  sein  Kapital
anzugreifen.  Er  denkt  nicht  daran,  daß  er  einen  Schuldentilgungsfond  beiseite ­
  legen  sollte,  weil  die  Abnahme  der  Kaufkraft  des  Geldes  den  tatsächlichen
Wert  seines  Hauptkapitals  herabsetzt.  Aktieninhaber  und  Unternehmer
werden  gewöhnlich  durch  gedankenlosen  Verlaß  auf  die  Stabilität  des  Zinsfußes ­
  in  gleicher  Weise  getäuscht,  und  so  legen  sie  zuviel  an.  Allerdings
verdienen  sie  eine  Zeitlang,  was  der  Inhaber  von  Wertpapieren  verliert;
sie  sind  daher  berechtigt  mehr  auszugeben  und  anzulegen,  als  wenn  die  Preise
nicht  steigen  würden,  und  anfangs  fahren  sie  gut  dabei.  Aber  früher  oder
später  steigt  der  Zinsfuß  über  die  Ziffer  hinaus,  mit  welcher  sie  gerechnet
hatten,  und  sie  werden  sich  der  Tatsache  bewußt,  daß  sie  sich  auf  Unternehmungen ­
  eingelassen  haben,  die  sich  bei  diesen  hohen  Zinssätzen  nicht  bezahlt ­
  machen.
Dann  ereignet  sich  etwas  Seltsames:  die  Entlehner,  welche  außerstande
sind,  leichte  Anleihen  zu  erhalten,  machen  den  hohen  Zinsfuß  für  Zustände

einigten  Staaten  betreffenden  Teiles  von  De  Courcey  W.  Thom,  A  Brief  Eistory  of  Panies
in  the  United  States,  New  York  (Putnam),  1893,  S.  7—10.
        <pb n="70" />
        54

IV.  Kapitel.

verantwortlich,  die  in  Wirklichkeit  der  Tatsache  zuzuschreiben  sind,  daß  der
Zinsfuß  vorher  nicht  hoch  genug  war.  Wäre  der  frühere  Zinsfuß  hoch  genug
gewesen,  so  würden  die  Entlehner  nicht  zuviel  Kapital  angelegt  haben.

§5-Die
  Einschränkung  von  Anleihen  und  Depositen  ist  von  einer  Abnahme
in  den  Umlaufsgeschwindigkeiten  begleitet,  und  diese  wirken  zusammen,
um  eine  weitere  Preissteigerung  zu  verhindern,  und  führen  zu  einem  Pallen
derselben.  Die  Woge  hat  ihren  Höhepunkt  erreicht,  und  eine  Keaktion
U.  !  setzt  ein.  Wenn  nun  die  Preise  nicht  mehr  weiter  steigen,  so  sollte  der  Zins-|
  fuß,  welcher  sich  erhöhte,  um  die  Preissteigerung  auszugleichen,  wieder  fallen.
Aber  genau  so  langsam,  wie  er  im  Steigen  war,  so  ist  er  es  jetzt  im  Fallen.
Tatsächlich  hat  der  Zinsfuß  noch  für  einige  Zeit  die  Neigung,  weiter  zu
steigen.
Der  ehemalige  Fehler,  in  der  Kapitalaufnahme  zuweit  gegangen  zu  sein,
zwingt  die  unglücklichen  Opfer  dieses  Irrtums,  noch  weiter  zu  borgen,  um
ihre  Zahlkraft  zu  schützen.  Diese  Abnormität  kennzeichnet  die  Periode
ganz  besonders  als  „Krisis“.  Es  werden  Anleihen  gebraucht,  um  alte  Verpflichtungen ­
  aufrechterhalten  zu  können  oder  um  die  alten  Schulden  vermittelst ­
  neuer  Schulden  zu  bezahlen.  Die  Anleihen  werden  nicht  zu  neuer
Kapitalsanlage  benötigt,  sondern  um  Verpflichtungen,  welche  mit  alten
(und  verhängnisvollen)  Kapitalanlagen  in  Verbindung  stehen,  nachzukommen. ­
  Das  Problem  ist  nun,  wie  man  sich  aus  den  Schlingen  eingegangener ­
  Verbindlichkeiten  freimachen  kann.  Es  ist  das  Problem  der  Liquidation. ­
  Selbst  wenn  der  Zinsfuß  zu  fallen  beginnt,  so  fällt  er  langsam,  und
Zahlungseinstellungen  treten  noch  fortgesetzt  ein.  Die  Entlehner  erkennen
nun,  daß  es  immer  noch  schwierig  ist,  dem,  wenn  auch  niedrig  stehenden,
Zins  zu  entsprechen.  Sie  finden  dies  besonders,  wenn  sie  unmittelbar, ­
  bevor  das  Steigen  der  Preise  aufhörte,  oder  gerade,  bevor  sie
zu  fallen  begannen,  Kontrakte  abgeschlossen  hatten.  In  solchen  Fällen  hat
man  sich  über  den  Zinsfuß  geeinigt,  bevor  eine  Veränderung  in  der  Geschäftslage ­
  eingetreten  ist.  Infolgedessen  wird  die  ausgleichende  Erniedrigung
des  nominalen  Zinsfußes,  wenn  überhaupt  eine  stattfindet,  sehr  geringfügig
sein.  Da  es  schwer  fällt,  den  Zins  zu  bezahlen,  kommt  es  zu  weiteren  Zahlungseinstellungen. ­
  Es  wachsen  die  Bedenken,  irgendein  Wertpapier  zu
beleihen,  es  sei  denn  ein  ganz  erstklassiges,  und  auch  die  Bedenken,  Kapital
aufzunehmen,  werden  größer,  außer  wenn  die  Aussichten  auf  Erfolg  die
günstigsten  sind.  Die  Bankanleihen  sind  geringfügig,  und  infolge-
        <pb n="71" />
        Störung  der  Gleichung  und  der  Kaufkraft  in  Perioden  des  Übergangs.  55
dessen  reduzieren  sich  die  Depositen  ((?').  Die  Verminderung  der  Depositenumlaufsmittel ­
  verursacht  ein  weiteres  Fallen  der  Preise.  Diejenigen,  welche
Geld  geborgt  haben,  um  Warenvorräte  zu  kaufen,  machen  nun  die  Wahrnehmung, ­
  daß  sie  die  Waren  nicht  hoch  genug  verkaufen  können,  selbst
um  nur  das  zuriickzuzahlen,  was  sie  sich  geborgt  haben.  Infolge  dieser  Langsamkeit, ­
  mit  der  die  Zinsrate  auf  ein  niedrigeres  und  ein  normales  Niveau
herabsinkt,  gestaltet  sich  nunmehr  die  Reihenfolge  der  Ereignisse  der  früheren
entgegengesetzt:
1.  Die  Preise  fallen.
2.  Der  Zinsfuß  nimmt  ab,  aber  nicht  genug.
3.  Die  durch  geringen  Gewinn  entmutigten  kreditsuchenden  Unternehmer ­
  schränken  ihre  Anleihen  ein.
4.  Die  Depositenumlaufsmittel  ((?')  vermindern  sich  im  Verhältnis  zum
Gelde  (G).
5.  Das  Fallen  der  Preise  dauert  fort;  d.  h.  Phänomen  Nr.  1  wiederholt
sich.  Dann  wiederholt  sich  Nr.  2  und  so  fort.
Auf  diese  Weise  erzeugt  ein  Fallen  der  Preise  ein  weiteres  Sinken  derselben. ­
  Offenbar  wiederholt  sich  der  Zyklus  solange,  wie  der  Zinsfuß  zurückbleibt. ­
  Derjenige,  welcher  hierbei  am  meisten  verliert,  ist  der  Geschäftsmann, ­
  welcher  Schulden  hat.  Er  ist  der  typische  Geschäftsmann,  und  er
klagt  nun,  daß  „das  Geschäft  schlecht  ist“.  Eine  „geschäftliche  Depression“
ist  eingetreten.
Während  dieser  Depression  sind  die  Geschwindigkeiten  (U  und  U')
abnorm  niedrig.  Die  Leute  haben  es  weniger  eilig,  Geld  oder  Schecks  auszugeben, ­
  wenn  die  Dollar,  die  sie  repräsentieren,  in  der  Kaufkraft  steigen.
Die  Q  (oder  die  im  Handel  befindlichen  Quantitäten)  verringern  sich,  1.  weil
die  Leute,  die  die  Initiative  für  den  Handel  geben  —  die  kreditsuchenden
Unternehmer  —  entmutigt  sind;  2.  weil  das  Beharrungsvermögen  der  hohen
Preise  nur  durch  eine  Abnahme  der  Ausgaben  überwunden  werden  kann  und  3.,
weil  der  Handel  gegen  Geld,  welchen  die  Q  allein  repräsentieren,  einigermaßen
dem  Tauschhandel  Platz  macht.  Eine  Zeitlang  ist  zur  Abwicklung  von  Geschäften, ­
  welche  zu  den  gerade  bestehenden  Preisen  durchzuführen  sind,
nicht  genügend  Geld  vorhanden,  denn  diese  Preise  stehen  noch  immer  hoch
und  wollen  sich  nicht  sofort  der  plötzlichen  Verminderung  anpassen.  Wenn
eine  solche  „Geldhungersnot“  entsteht,  so  gibt  es,  um  all  die  Geschäfte  zu
effektuieren,  keinen  anderen  Ausweg,  als  sich  bei  den  Gelddtransaktionen  mit
Tauschhandel  durchzuhelfen.  Während  aber  die  Zuflucht  zum  Tauschhandel ­
  das  erste  Fallen  der  Preise  erleichtert,  so  beginnt  die  Unannehmlichkeit ­
  des  Tauschhandels  sofort  als  eine  weitere,  auf  die  Herabsetzung  der
        <pb n="72" />
        m

IV.  Kapitel.

Preise  gerichtete  Kraft  zu  wirken,  und  zwar  insofern,  als  der  Verkäufer  veranlaßt ­
  wird,  mit  Verlust  zu  verkaufen,  um  nur  Geld  in  die  Hand  zu  bekommen ­
  und  Tauschhandel  zu  vermeiden;  freilich  wird  diese  Wirkung  eine
Zeitlang  durch  eine  quantitative  Abnahme  der  Geschäfte,  in  welche
die  Leute  unter  so  ungünstigen  Bedingungen  sich  einlassen,  zum  Teil  aufgehoben. ­

Diese  Vorgänge  sind  in  der  folgenden  Aufstellung  zusammenzufassen:
1.  Die  Preise  fallen.
2.  Die  Umlaufsgeschwindigkeiten  (TJ  und  U')  nehmen  ab;  der  Zinsfuß
nimmt  ab,  aber  nicht  genug.
3.  Der  Gewinn  nimmt  ab;  die  Anleihen  und  die  Q  verringern  sich.
4.  Die  Depositenumlaufsmittel  ((?')  vermindern  sich  im  Verhältnis  zum
Gelde  (G).
5.  Das  Fallen  der  Preise  dauert  fort;  d.  h.  Phänomen  Nr.  1  wiederholt
sich.  Dann  wiederholt  sich  Nr.  2  und  so  fort.
Die  aus  diesem  Ursachenkreis  entspringende  Einschränkung  der  Umlaufmittel ­
  hört  von  selbst  auf,  sobald  der  Zinsfuß  tiefer  gesunken  ist,  als  der
Senkung  der  Preise  entspricht.  Nach  einiger  Zeit  kehren  die  normalen  Zustände ­
  wieder.  Die  schwächsten  Produzenten  sind  hinausgedrängt  oder
wenigstens  verhindert  worden,  ihr  Geschäft  durch  erhöhte  Anleihen  auszudehnen.
  Es  bleibt  den  stärksten  Firmen  überlassen,  ein  neues  Kreditgebäude ­
  aufzuführen.  Das  fortgesetzte  Fallen  der  Preise  hat  es  den  meisten
Entlehnern  unmöglich  gemacht,  die  alten  hohen  Zinsraten  zu  zahlen;  das
Verlangen  nach  Anleihen  vermindert  sich,  und  der  Zins  fällt  bis  zu  dem
Punkt,  wo  ihn  die  Entlehner  endlich  zahlen  können.  Die  Entleiher  sind
wieder  bereit,  Unternehmen  zu  wagen;  die  Zahl  der  Bankerotte  nimmt
ab;  die  Bankanleihen  hören  auf,  sich  zu  verringern;  das  Sinken  der  Preise
läßt  nach;  das  Borgen  und  die  Geschäftsbetriebe  bringen  Gewinn;  es
herrscht  wieder  Bedarf  an  Anleihen;  die  Preise  beginnen  wieder  zu  steigen,
und  eine  Wiederholung  der  bereits  beschriebenen  Bewegung  nach  aufwärts
tritt  ein.
Wir  haben  nun  das  Steigen,  die  Kulmination,  das  Fallen  und  die
Wiederherstellung  der  Preise  betrachtet.  Diese  Veränderungen  sind
abnorme  Schwankungen,  die  auf  eine  anfängliche  Störung  zurückgehen.
Die  Auf-  und  Abwärtsbewegung  zusammengenommen  stellt  einen  geschlossenen ­
  Kreditzyklus  dar,  welcher  der  Hin-  und  Herbewegung  eines
Pendels  gleicht 1 ).  In  den  meisten  Fällen  beträgt  die  Dauer  eines  einl
 )  Eine  mathematische  Behandlung  dieser  Analogie  bei  Pareto,  Cours  d’economie
politique,  Lausanne,  1897,  S.  282—284.
        <pb n="73" />
        Störung  der  Gleichung  und  der  Kaufkraft  in  Perioden  des  Übergangs.  57

maligen  Hin-  und  Herschwingens  des  Geschäftspendels  zehn  Jahre.  Wenn  /
das  Pendel  auch  fortgesetzt  in  die  Ruhelage  strebt,  so  tritt  tatsächlich
immer  irgendein  Ereignis  ein,  um  vollständiges  Gleichgewicht  zu  verhindern.
Es  werden  Schwingungen  hervorgerufen,  die  trotz  ihrer  Tendenz,  sich  selbst
zu  korrigieren,  infolge  erneuter  Störung  ständig  fortdauern.  Jede  das  Gleichgewicht ­
  störende  Ursache  genügt,  um  Schwingungen  zu  veranlassen.  Eine
der  häufigsten  dieser  Ursachen  ist  die  Zunahme  der  Quantität  des  Geldes 1 )  /
Eine  andere  besteht  in  der  Erschütterung  des  Geschäftsvertrauens  (die  den  l
Unternehmungsgeist,  Anleihen  und  Depositen  berührt).  Eine  dritte  ist  J
in  schlechten  Ernten  zu  suchen,  da  diese  auf  die  Q  einwirken.  Eine  vierte  v
Ursache  besteht  in  Erfindungen.
Die  Faktoren  in  der  YerEehrsgleicliung  suchen  daher  fortgesetzt  einen  nor  -
malen  Ausgleich.  Auf  ruhiger  See  wird  ein  Schiff  nur  einige  Male  „stampfen“,
bevor  es  zu  Ruhe  kommt,  bei  hochgehender  See  aber  hört  das  Stampfen  gar
nicht  auf.  Während  das  Schiff  fortgesetzt  das  Gleichgewicht  zu  erreichen
sucht,  begegnet  es  andauernd  Ursachen,  welche  die  Schwankung  verstärken.
Die  Faktoren,  die  gegenseitigen  Ausgleich  suchen,  sind  das  in  Umlauf  befindliche ­
  Geld,  Depositen,  die  Umlaufsgeschwindigkeiten  beider,  die  Q  und  die  p.
Diese  Größen  müssen  immer  durch  die  Gleichung  GU  +  G'U'  =  JEpQ  miteinander ­
  verkettet  sein.  Dies  steht  den  Mechanismus  des  Austausches  dar
Um  sich  aber  einem  solchen  Verhältnis  fügen  zu  können,  dehnt  die  Verschiebung ­
  eines  beliebigen  Teils  in  diesem  Mechanismus  ihre  Wirkungen
während  der  Übergangsperiode  über  alle  anderen  Teile  aus.  Da  die  Übergangsperioden ­
  die  Regel  und  diejenigen  des  Gleichgewichtes  die  Ausnahme  .
sind,  so  befindet  sich  der  Mechanismus  des  Austausches  fast  immer  mehr  |
in  einem  dynamischen  als  in  einem  statischen  Zustand.
Man  muß  nun  nicht  annehmen,  daß  sich  jeder  Kreditzyklus  dadurch
kennzeichnen  müßte,  daß  er  auf  künstliche  Weise  zu  einer  Zeit  übermäßigen
Geschäftsaufschwung  und  zu  einer  anderen  „schlechte  Zeiten“  herbeiführt.
Der  Rhythmus  kann  in  seiner  Schwankungsweite  mehr  oder  weniger  extrem
sein.  Wenn  die  Banken  in  der  Bewilligung  von  Anleihen  während  der
Perioden  der  Preissteigerung  konservativ  sind  und  die  Ausdehnung  des
Kreditumlaufs  daher  beschränkt  ist,  so  ist  das  Steigen  der  Preise  ebenfalls
beschränkt,  und  es  ist  zu  erwarten,  daß  der  nachfolgende  Preissturz  nicht
so  tief  wird  und  allmählicher  stattfindet.  Wenn  ein  besseres  Verständnis
für  die  Bedeutung  der  Veränderungen  im  Preisniveau  und  das  Bestreben

*)  In  dieser  Ursache  scheint  die  Panik  im  Jahre  1907  ihre  Erklärung  zu  finden  Sieh
Irving  Fisher,  Rate  of  Interest,  S.  386.
        <pb n="74" />
        58

IV.  Kapitel.

*

herrschte,  diese  Veränderungen  durch  Ausgleichung  des  Zinsfußes  aufzuwiegen, ­
  so  könnten  die  Schwankungen  bedeutend  abgeschwächt  werden.
Nur  durch  das  Nachhinken  des  Zinsfußes  vermögen  die  Schwankungen  so
große  Verhältnisse  anzunehmen.  Über  diesen  Punkt  äußert  sich  Marshall
sehr  treffend:
„Die  Ursache  für  die  abwechselnden  Perioden  des  An-  und  Abschwellens ­
  der  geschäftlichen  Tätigkeit  ...  ist  innig  verknüpft  mit  jenen
Schwankungen  des  tatsächlichen  Zinsfußes,  die  von  den  Veränderungen
in  der  Kaufkraft  des  Geldes  ausgehen.  Denn  wenn  Wahrscheinlichkeit
vorhanden  ist,  daß  die  Preise  steigen,  dann  nehmen  die  Leute  eiligst  Geld
auf  und  kaufen  Güter  ein  und  tragen  dadurch  zur  Preissteigerung  bei;  die
Hochkonjunktur  ist  da,  und  das  Geschäft  wird  skrupellos  undunökonomisch
betrieben;  wer  mit  geborgtem  Kapital  arbeitet,  zahlt  weniger  an  realem
Wert  zurück,  als  er  aufgenommen  hat,  und  bereichert  sich  auf  Kosten
der  Allgemeinheit.  Wenn  dann  nachher  der  Kredit  erschüttert  ist  und
die  Preise  zu  fallen  beginnen,  will  Jeder  Güter  loswerden,  deren  Wert  sich
verringert,  und  Geld  in  die  Hand  bekommen,  dessen  Wert  sich  rapid
erhöht;  dadurch  fallen  die  Preise  nur  noch  rascher,  und  das  weitere  Fallen
verringert  den  Kredit  noch  weiter,  und  so  fallen  denn  auf  lange  Zeit  die
Preise  weiter,  weil  die  Preise  einmal  gefallen  sind“ x ).
Einen  Zyklus  von  etwas  verschiedener  Art  bilden  die  jahreszeitlichen
Schwankungen,  die  alljährlich  stattfinden.  Solche  Schwankungen  werden
meistenteils  nicht  durch  die  Abweichung  von  einem  Gleichgewichtszustand
veranlaßt,  sondern  vielmehr  durch  eine  fortgesetzte  Angleichung  an  Zustände,
welche,  wenn  auch  veränderlich,  so  doch  normal  sind  und  erwartet  werden.
Wenn  im  Herbst  die  Zeit  der  Ernte  und  deren  Transport  heranrückt,  so  ist
eine  Tendenz  zu  einem  niedrigeren  Preisniveau  wahrzunehmen,  der  ein
Steigen  der  Preise  folgt,  sobald  diese  Periode  vorüber  ist  und  der  Winter
herannaht.

§6.
In  dem  vorliegenden  Kapitel  haben  wir  die  den  Übergangsperioden
eigentümlichen  Phänomene  analysiert.  Wir  haben  gesehen,  daß  eine  solche
Periode  des  „Aufschwungs“  zu  einer  Reaktion  führt,  und  daß  Wirkung  und
Gegenwirkung  einen  geschlossenen  Kreislauf  von  „Prosperität“  und  „Depression“ ­
  darstellen.

1 )  Marshall,  Principles  of  Economics,  5.  Aufl.,  London  (Macmillan),  1907,  Bd.  I
S.  594.
        <pb n="75" />
        Indirekte  Einflüsse  auf  die  Kaufkraft.

59

Wir  haben  gefunden,  daß  steigende  Preise  nach  einem  höheren  nominellen ­
  Zins  und  fallende  Preise  nach  einem  niedrigeren  Zins  streben,  daß  die
Anpassung  im  allgemeinen  aber  unvollständig  ist.  Mit  einem  anfänglichen
Steigen  der  Preise  tritt  infolge  der  Tatsache,  daß  der  Zins  sich  nicht  sofort
anpaßt,  eine  Erweiterung  der  Anleihen  ein.  Dem  kreditsuchenden  Unternehmer ­
  bringt  dies  Gewinn,  und  sein  Bedarf  an  Anleihen  dehnt  den
Depositenumlauf  weiter  aus.  Durch  diese  Ausdehnung  steigen  die  Preise
noch  höher,  ein  Kesultat,  das  durch  die  Steigerung  der  Umlaufsgeschwindigkeiten ­
  verschärft  wird,  wenn  es  auch  einigermaßen  durch  eine  Zunahme  des
Geschäfts  eine  Abschwächung  erfährt.  Wenn  sich  der  Zins  den  steigenden
Preisen  angepaßt  hat  und  sowohl  Anleihen  wie  Depositen  die  durch  die
Bankreserven  und  andere  Bedingungen  festgesetzte  Grenze  erreicht  haben,
so  macht  die  Tatsache,  daß  die  Preise  nicht  mehr  steigen,  eine  neue  Anpassung ­
  notwendig.  Wer  sein  Geschäft  unverhältnismäßig  erweitert  hat,
findet  nun  die  hohen  Zinsraten  drückend.  Die  Folge  davon  sind  Zahlungseinstellungen, ­
  die  dann  eine  Handelskrisis  hervorrufen.  Eine  Reaktion
setzt  ein;  die  umgekehrte  Bewegung  nimmt  ihren  Anfang.  Einem  einmal  begonnenen ­
  Fallen  der  Preise  wohnt  die  Tendenz  zu  seiner  Beschleunigung  inne,
und  zwar  aus  Gründen,  die  mit  denen,  die  in  der  entgegengesetzten
Situation  wirken,  genau  übereinstimmen.

V.  Kapitel.
Indirekte  Einflüsse  auf  die  Kaufkraft.
§1.
Bisher  haben  wird  die  Beeinflussung  des  Preisniveaus  durch  den  Handelsumfang, ­
  die  Umlaufsgeschwindigkeiten  des  Geldes  und  der  Depositen  und
durch  die  Quantität  des  Geldes  und  der  Depositen  in  Betracht  gezogen.  Dies
sind  die  alleinigen  Einwirkungen,  welche  das  Preisniveau  direkt  treffen  können.
Alle  anderen  Einflüsse  auf  die  Preise  müssen  sich  durch  diese  fünf  geltend
machen.  Es  gibt  Myriaden  von  Einwirkungen  (außerhalb  der  Verkehrsgleichung), ­
  die  die  Preise  mittels  der  aufgeführten  fünf  berühren.  In  diesem
Kapitel  wollen  wir  die  hauptsächlichsten  Einflüsse  kennzeichnen,  mit  Ausnahme ­
  derer,  welche  die  Quantität  des  Geldes  (G)  betreffen;  letztere  werden
in  den  beiden  folgenden  Kapiteln  erörtert.
Wir  wollen  zunächst  die  äußeren  Einwirkungen  erwägen,  die  den  Um-
        <pb n="76" />
        60

V.  Kapitel.

fang  des  Handels  und  durch  diesen  das  Preisniveau  berühren.  Die  Verhältnisse, ­
  welche  die  Ausdehnung  des  Handels  bestimmen,  sind  zahlreich
und  technischer  Natur.  Die  bedeutendsten  können  in  folgende  Gruppen
eingeteilt  werden:
1.  Verhältnisse,  welche  die  Produzenten  berühren.
a)  Geographische  Unterschiede  in  natürlichen  Hilfsquellen.
b)  Die  Arbeitsteilung.
c)  Kenntnis  der  Produktionstechnik.
d)  Die  Akkumulation  des  Kapitals.
2.  Verhältnisse,  welche  die  Konsumenten  berühren.
a)  Die  Ausdehnung  und  Verschiedenheit  der  Bedürfnisse  des  Menschen.
3.  Verhältnisse,  die  Produzenten  und  Konsumenten  verknüpfen.
a)  Verkehrsmittel.
b)  Relative  Handelsfreiheit.
c)  Charakter  des  Geld-  und  Banksystems.
d)  Geschäftsvertrauen.
1  a.  Wenn  alle  Plätze  in  ihren  natürlichen  Hilfsquellen  und  in
ihren  jeweiligen  Produktionskosten  ganz  gleich  wären,  so  würde  offenbar
zwischen  den  verschiedenen  Plätzen  nur  ein  geringer  oder  gar  kein  Handel
aufkommen.  Je  größer  der  Unterschied  in  den  Produktionskosten  der  verschiedenen ­
  Artikel  an  verschiedenen  Orten  ist,  desto  wahrscheinlicher  ist
das  Aufkommen  des  Handels  zwischen  diesen  Plätzen,  und  desto  größer  ist
der  Umfang  des  Handels.  Der  ursprüngliche  Handel  hatte  seine  raison
d'etre  in  der  Tatsache,  daß  die  Regionen  der  Erde  in  ihren  Produkten  ungleich ­
  sind.  Die  Handelsleute  waren  nichts  als  Reisende,  die  ferne  Länder
aufsuchten.  Veränderungen  in  der  Handelsgeographie  bringen  noch  immer
Änderungen  in  der  Verteilung  und  im  Umfang  des  Handels  hervor.  Die
Erschöpfung  der  Gold-  und  Silberminen  in  Nevada  und  des  Bauholzes  in
Michigan  haben  zu  einer  Verminderung  des  Umfanges  des  Innen-  sowie
Außenhandels  in  diesen  Gebieten  beigetragen.  Umgekehrt  hat  die  Viehzucht ­
  in  Texas,  die  Produktion  von  Kohle  in  Pennsylvanien,  der  Versand
von  Apfelsinen  in  Florida  und  derjenige  von  Äpfeln  in  Oregon  den  Handelsumfang ­
  in  den  betreffenden  Distrikten  erhöht.
1  b.  Ebenso  unverkennbar  ist  der  Einfluß  der  Arbeitsteilung.  Sie
ist  zum  Teil  auf  die  Unterschiede  in  den  jeweiligen  Kosten  oder  auf  die
        <pb n="77" />
        Indirekte  Einflüsse  auf  die  Kaufkraft.

61

Leistungen  der  Menschen  untereinander  gegründet,  entsprechend  den  geographischen ­
  Unterschieden  der  einzelnen  Länder.  I n  ihrem  Zusammenwirken ­
  führen  diese  beiden  Umstände  zu  lokalen  Spezialisierungen,  durch
welche  beispielsweise  die  Stadt  Sheffield  für  ihre  Messerschmiedeware  Meißen
für  Porzellan,  Venedig  für  Glas,  Paterson  für  Seide  und  Pittsburg  für  seinen
Stahl  ihr  Renommee  erworben  haben.
1  c.  Außer  den  lokalen  und  persönlichen  Differenzierungsgründen  übt  die
Kenntnis  des  Produktionsprozesses  einen  Einfluß  auf  den  Handel  aus  Die
Bergwerke  Afrikas  und  Australiens  wurden  jahrhundertelang  unberührt  gelassen ­
  von  den  unwissenden  Eingeborenen  und  wurden  erst  durch  weiße
in  der  Wissenschaft  der  Metallurgie  bewanderte  Menschen  geöffnet.  In
China  warten  ausgedehnte  Kohlenfelder  ihrer  Ausbeutung,  hauptsächlich
wegen  mangelnder  Kenntnis,  wie  Kohle  zu  fördern  und  wie  ihr  Vertrieb  zu
organisieren  ist.  Ägypten  wartet  auf  das  Kommen  wissenschaftlichen  Ackerbaues, ­
  um  eine  Ausdehnung  seines  Handels  zu  erfahren.  Die  Zahl  der  Gewerbeschulen ­
  in  Deutschland,  England  und  in  den  Vereinigten  Staaten
die  die  Kenntnis  produktiver  Technik  steigern  und  ausbreiten,  ist  in
dauernder  Zunahme  begriffen.
1  d.  Wenn  aber  diese  Kenntnis  von  Nutzen  sein  soll,  so  muß  sie  angewandt ­
  werden,  und  ihre  Anwendung  erfordert  gewöhnlich  die  Unterstützung ­
  durch  Kapital.  Je  größer  und  je  produktiver  das  Kapital
m  einem  Gemeinwesen  ist,  desto  mehr  Güter  kann  es  in  den  Strom  des
Handels  bringen.  Eine  Fabrik  kann  eine  Stadt  zu  einem  Zentrum  des
Handels  machen.  Docks,  Getreidespeicher,  Lagerhäuser  und  Eisenbahnendstationen ­
  tragen  dazu  bei,  einen  bloßen  Ankerplatz  in  einen  Handelshafen ­
  zu  verwandeln.
Da  die  Zunahme  im  Handel  zu  einer  Verminderung  des  allgemeinen
Preisniveaus  beiträgt,  so  trägt  alles  das,  was  den  Handel  erhöht,  gleichfalls
zu  einer  Herabsetzung  des  allgemeinen  Preisniveaus  bei.  Wir  können  daher ­
  hieraus  folgern,  daß  zu  den  Ursachen,  die  eine  Verminderung  der  Preise
herbeiführen,  zunehmende  geographische  oder  persönliche  Spezialisierung,
Verbesserungen  in  derProduktionstechnik  und  die  Akkumulation  von  Kapital
gehören.  Die  Geschichte  des  Handels  beweist,  daß  alle  diese  Ursachen
während  einer  langen  Zeit,  das  letzte  Jahrhundert  inbegriffen,  in  zunehmendem ­
  Maße  wirksam  gewesen  sind.  Infolgedessen  war,  soweit  diese  Quellen
in  Betracht  kommen,  eine  beständige.  Neigung  zu  einem  Fallen  der  Preise
vorhanden.
2  a.  Wenden  wir  uns  der  Seite  der  Konsumenten  zu.  Es  ist  offenbar
daß  ihre  Bedürfnisse  von  Zeit  zu  Zeit  wechseln.  Dies  ist  sogar  bei  dem
        <pb n="78" />
        62

V.  Kapitel.

sogenannten  natürlichen  Bedarf  der  Fall,  wenn  es  auch  bei  dem  erworbenen
oder  künstlichen  klarer  vor  Augen  tritt.
Die  Bedürfnisse  sind  sozusagen  die  Grundtriebkräfte  ökonomischer  Tätigkeit, ­
  welche  letzten  Endes  die  volkswirtschaftliche  Welt  im  Gange  halten.
Der  Wunsch,  ebenso  feine  oder  feinere  oder  auch  von  anderen  verschiedene ­
  Kleidung  zu  besitzen,  führt  zu  der  Mannigfaltigkeit  in  Seiden,
Satins,  Spitzen  usw.,  und  derselbe  Grundsatz  kann  auf  Möbel,  Vergnügungen,
Bücher,  Kunstwerke  und  alle  anderen  Mittel  zur  Befriedigung  des  Menschen
angewandt  werden.
Die  zu  einer  Erhöhung  des  Handels  führende  Zunahme  der  Bedürfnisse
trägt  zu  einer  Erniedrigung  des  Preisniveaus  bei.  Die  Geschichte  lehrt,
daß  in  neuerer  Zeit  durch  Erfindungen,  Erziehung  und  den  dem  wachsenden
Kontakt  in  den  Bevölkerungszentren  entspringenden  Wetteifer,  eine  große
Vermehrung  und  Vervielfältigung  der  Bedürfnisse  des  Menschen  und  daher
eine  Zunahme  des  Handels  herbeigeführt  worden  ist.  Infolgedessen  ist
aus  diesen  Ursachen  eine  Tendenz  zum  Sinken  der  Preise  herzuleiten.
§2.
3  a.  Alles,  was  denVerkehr  fördert,  trägt  zu  einer  Zunahme  im  Handel
bei.  Alles,  was  auf  denVerkehr  störend  ein  wirkt,  ist  auf  eine  Verringerung
des  Handels  gerichtet.  Da  sind  vor  allen  Dingen  die  mechanischen  Verkehrsmittel. ­
  Nach  dem  Ausspruch  Macaulays  hat,  mit  Ausnahme  des  Alphabets ­
  und  der  Druckerpresse,  keine  Art  von  Erfindungen  soviel  zu  einer  Umwälzung ­
  der  Zivilisation  beigetragen,  wie  die,  welche  zu  einer  Verkürzung
von  Entfernungen  dienen,  —  wie  z.  B.  die  Eisenbahn,  das  Dampfschiff,
der  Telegraph,  das  Telephon  und  jenes  Verbreitungsmittel  von  Information
und  Reklame:  die  Zeitung.  Alles  dies  trägt  daher  zu  einem  Sinken  der
Preise  bei.
3  b.  Handelsschranken  sind  nicht  nur  physischer  sondern  auch  gesetzlicher ­
  Natur.  Ein  Zolltarif  hat  denselben  Einfluß  auf  die  Herabsetzung
des  Handelsverkehrs  zwischen  einzelnen  Ländern  wie  eine  Gebirgskette.
Je  freier  der  Handel  ist,  desto  größer  seine  Umsätze.  In  Frankreich  besitzen ­
  manche  Gemeinden  eine  Torsteuer  (octroi),  welche  den  lokalen
Handel  stark  beeinflußt.  In  den  Vereinigten  Staaten  ist  der  Handel  innerhalb ­
  des  Landes  selbst  frei,  doch  besteht  zwischen  diesem  Staate  und  anderen
Ländern  ein  hoher  Schutzzoll.  Gerade  die  Tatsache  der  Zunahme  der
Transporterleichterungen,  welche  die  physischen  Schranken  niedriger  machen
oder  hinwegräumen,  hat  die  Nationen  und  Gemeinwesen  zur  Errichtung  gesetz  -
        <pb n="79" />
        Indirekte  Einflüsse  auf  die  Kaufkraft.

63

licher  Schranken  an  deren  Stelle  angespornt.  Zollgesetze  führen  nicht  allein
zu  einer  Minderung  des  tatsächlichen  Austausches,  sondern,  insofern  sie
internationale  oder  interlokale  Arbeitsteilung  verhindern  und  die  Länder
sowohl  gleichartiger,  als  auch  weniger  produktiv  machen,  tragen  sie  weiter
dazu  bei,  die  Quantitäten  der  Güter,  welche  ausgetauscht  werden  können
herabzusetzen.  Die  endgültige  Wirkung  ist  daher  eine  Steigerung  der  Preise'
3  c.  Die  Entwicklung  eines  wirksamen  Geld-  und  Banksystems  hat  die
Tendenz,  den  Handel  zu  erweitern.  In  der  Weltgeschichte  hat  es  Zeiten  gegeben, ­
  in  welchen  sich  die  Geldverhältnisse  in  einem  so  zweifelhaften  Zustande
befanden,  daß  die  Leute  sich  nicht  entschließen  konnten,  viele  Handelskontrakte ­
  abzuschließen,  und  zwar,  weil  sich  nicht  voraussehen  ließ,  was
man  von  ihnen  bei  der  Erfüllung  der  Kontrakte  erwarten  könnte.  In  gleicher
Weise  werden  die  Leute,  wenn  sie  sich  auf  die  Rechtschaffenheit  oder  Stabilität ­
  der  Banken  nicht  verlassen  können,  Bedenken  tragen,  Depositen  und
Schecks  zu  benutzen.
3  d.  Das  Vertrauen,  nicht  nur  zu  den  Banken  im  besonderen,  sondern
zu  Geschäftsleuten  im  allgemeinen,  wird  mit  Recht  „die  Seele  des  Handels“
genannt.  Ohne  dieses  Vertrauen  kann  keine  größere  Anzahl  von  Kontrakten
zustande  kommen.  Alles,  was  zur  Vermehrung  dieses  Vertrauens  beiträgt,
vermehrt  auch  den  Handel.  In  Südamerika  harren  viele  Plätze  ihrer  Entfaltung ­
  einfach  aus  dem  Grunde,  weil  Kapitalisten  dort  keinen  Schutz  gegen
Kontraktbruch  finden.  Sie  fürchten,  daß  ihnen  durch  die  eine  oder  die
andere  Spitzbüberei  die  Frucht  jeglicher  Kapitalsanlage  genommen  werden
wird.
Wir  sehen  also,  daß  die  Preise  bei  einer  Erhöhung  des  Handels  einem
Sinken  zuneigen,  das  je  nach  den  Umständen  durch  verbesserte  Transportverhältnisse, ­
  durch  erhöhte  Handelsfreiheit,  durch  Vervollkommnung  der
Geld-  und  Banksysteme  und  durch  Geschäftsvertrauen  herbeigeführt
werden  kann.  Geschichtlich  haben  in  neuerer  Zeit  mit  Ausnahme  der
Handelsfreiheit  alle  diese  Ursachen  das  Bestreben  gehabt,  an  Kraft  zuzunehmen.
  Die  Zollschranken  haben  aber  die  Wirkungen  der  Beseitigung
physischer  Schranken  nur  teilweise  aufgehoben.  Das  Endergebnis  ist  eine
fortschreitende  Herabsetzung  der  Handelseinschränkungen  gewesen,  und  es
herrschte  daher,  soweit  diese  Gruppe  von  Ursachen  in  Betracht  kommt
die  Tendenz  zu  einem  Fallen  der  Preise.
§3.
Nachdem  wir  die  den  Umfang  des  Handels  berührenden  und  außerhalb
der  Gleichung  liegenden  Ursachen  erörtert  haben,  ist  es  unsere  nächste  Auf ­
        <pb n="80" />
        gäbe,  die  äußeren  Ursachen,  die  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeiten  des  Geldes
und  der  Depositen  einwirken,  in  Erwägung  zu  ziehen.  Meistenteils  betreffen
die  Ursachen,  welche  eine  dieser  Geschwindigkeiten  berühren,  auch  die
andere.  Diese  Ursachen  können  folgenderweise  eingeteilt  werden.
Gewohnheiten  des  Individuums.
a)  In  bezug  auf  Wirtschaftlichkeit  und  Thesaurierung.
b)  In  bezug  auf  Buchkredit.
c)  In  bezug  auf  die  Verwendung  von  Schecks.
2.  Zahlungssysteme  in  dem  Gemeinwesen.
a)  In  bezug  auf  die  Häufigkeit  der  Geldeinnahmen  und  -ausgaben.
b)  In  bezug  auf  die  Regelmäßigkeit  der  Geldeinnahmen  und  -ausgaben.
c)  In  bezug  auf  das  Zusammentreffen  der  Zeitpunkte  und  der  Beträge
der  Geldeinnahmen  und  -ausgaben.
3.  Allgemeine  Ursachen.
a)  Bevölkerungsdichte.
b)  Transportschnelligkeit.
1  a.  Wir  nehmen  nun  diese  Ursachen  der  Reihe  nach  vor  und  wollen
zunächst  in  Erwägung  ziehen,  welchen  Einfluß  die  Sparsamkeit  auf  die
Umlaufsgeschwindigkeit  ausübt.  Die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  ist
dasselbe  wie  seine  Umsatzrate.  Sie  wird  durch  die  Division  der  gesamten
durch  Geld  in  einem  Jahre  effektuierten  Zahlungen  durch  den  in  diesem
Jahre  in  Umlauf  befindlichen  Geldbetrag  gefunden  und  hängt  ab  von  den
Umsatzraten  der  Individuen,  aus  denen  sich  die  Gesellschaft  zusammensetzt. ­
  Diese  Umlaufsgeschwindigkeit  oder  Umsatzschnelligkeit  des  Geldes
ist  bei  jeder  einzelnen  Person  umso  größer,  je  mehr  diese  bei  einem  gegebenen
in  Händen  befindlichen  Durchschnittsbarbetrag  ausgibt,  oder  je  weniger
Durchschnittsbargeld  die  Person  bei  einem  gegebenen  jährlichen  Geldaufwand ­
  in  Händen  hat.
Die  Umlaufsgeschwindigkeit  kann  bei  einem  Verschwender  als  eine
über-durchschnittliche  angenommen  werden 1 ).  Er  pflegt  immer
„knapp“  an  Geld  zu  sein  und  einen  geringen  Durchschnittsaldo  zur
Verfügung  zu  haben.  Sein  sparsamer  Nachbar  hingegen  gibt  sich  Mühe,
J )  Siehe  Jevong,  Money  and  the  Mechanism  of  Exchange,  New  York  (Appleton),  1896,
S.  336.
        <pb n="81" />
        Indirekte  Einflüsse  auf  die  Kaufkraft.

65

sich  mit  genügender  Kasse  zu  versehen,  damit  er  seinen  unvorhergesehenen
Ausgaben  Genüge  leisten  kann.  Der  letztere  treibt  mit  seinem  Gelde
Schatzbildung,  und  wird  daher  eine  langsamere  Umlaufsgeschwindigkeit
aufweisen.  Wenn,  wie  es  in  Frankreich  der  Brauch  war,  die  Leute  ihr  Geld
in  Strümpfen  aufbewahrten  und  es  durch  Monate  dort  ließen,  so  muß  die
Umlaufsgeschwindigkeit  äußerst  niedrig  gewesen  sein.  Dasselbe  gilt  von  den
Depositen.  In  einer  gewissen  Universitätsstadt  lehnen  die  Banken  es  oft
ab,  von  Studenten,  die  mit  Geld  etwas  verschwenderisch  umgehen,  Depositen
anzunehmen,  da  ihr  Durchschnittssaldo  sehr  niedrig  ist;  oder  die  Banken
stellen  die  spezielle  Bedingung,  daß  der  Saldo  niemals  unter  100  Dollars
fallen  darf.
Es  wird  zuweilen  gesagt,  daß  zurückgelegtes  Geld  der  Zirkulation  entzogen ­
  worden  sei.  Dies  besagt  aber  nur  in  anderer  Form,  daß  das  Zurücklegen ­
  zu  einer  Verminderung  der  Umlaufsgeschwindigkeit  führt.
Ein  sparsamer  Mensch  ist  bis  zu  einem  gewissen  Grade  ein  Schatzbildner
  von  Geld 1 )  oder  Bankdepositen.  Arbeiter,  welche  sich  Geld  sparen
pflegen  ihre  Ersparnisse  in  Form  von  Geld  zu  behalten,  bis  sie  genügend
angehäuft  haben,  um  es  in  einer  Sparkasse  zu  deponieren.  Diejenigen,
welche  Bankkontos  haben,  sammeln  gleichfalls  beträchtliche  Depositen’
bevor  sie  Anstalten  zu  einer  Kapitalsanlage  treffen.  Es  wird  behauptet’
daß  Banken,  deren  Deponenten  „rasch  Geld  machen“  und  es  in  bestimmten
Zeitperioden  anlegen,  weniger  aktive  Büanzen  haben  als  Banken,  deren
Deponenten  „nicht  über  die  Verhältnisse  leben“.
1  b.  Die  Gewohnheit  des  „Belastens“  (charging),  d.  h.  die  Gewohnheit
sich  des  Buchkredits  zu  bedienen,  erhöht  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des
Geldes,  weil  der  Mann,  der  Waren  „belasten“  läßt,  es  nicht  nötig  hat
soviel  Geld  zu  seiner  Verfügung  zu  halten,  wie  er  haben  müßte,  wenn  alle
seine  Zahlungen  per  Kasse  zu  erledigen  wären.  Derjenige,  welcher  täglich
b  ar  bezahlt,  muß  sich  auch  für  die  täglich  möglichen  Fälle  mit  Geld  vorsehen.
Ungleich  dem  System  des  Buchkredits  erfordert  das  System  der  Barzahlungen, ­
  daß  das  Geld  für  Einkäufe  im  voraus  bereitgehalten  wird.  Wenn
für  Geld  im  voraus  Sorge  getragen  werden  muß,  so  muß  es  offenbar  in  größeren
Quantitäten  beschallt  werden,  als  wenn  es  bloß  zur  Liquidation  vergangener
Schulden  benötigt  wird.  Und  dies  aus  zwei  Gründen:  erstens  herrscht  vor
den  Einkäufen  Ungewißheit  darüber,  wann  und  wieviel  Geld  gebraucht
werden  wird,  während,  nachdem  die  Rechnungen  eingelaufen  sind,  die

l )  Siehe  Hairison  H.  Brace,  Gold  Production  and  Fulure  Prices,  New  York  (Bankers'
Publishing  Co.),  1910,  S.  122.
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.

5
        <pb n="82" />
        66

V.  Kapitel.

genaue  benötigte  Summe  bekannt  ist.  Zweitens,  und  dieser  Grund  ergibt  sich
aus  dem  eben  genannten,  muß  das  im  voraus  bereitgehaltene  Geld  eine  längere
Zeit  zurückgehalten  werden  als  das  Geld,  welches  eingenommen  wurde,
nachdem  seine  Verwendung  schon  beschlossen  war.  Kurz,  das  Bereithalten
des  Geldes  im  voraus  erfordert  a)  einen  breiteren  Spielraum  für  unvorhergesehene ­
  Fälle  und  b)  einen  längeren  Zeitraum  vor  seiner  Verausgabung,
während  dessen  das  Geld  unbenützt  bleibt.  Bei  dem  System  der  Barzahlungen ­
  muß  der  Mann  im  voraus  das  Geld  unbenützt  liegen  lassen,  damit
er  nicht  in  die  unangenehme  Lage  kommt,  dann  an  Geld  Mangel  zu
leiden,  wenn  er  es  am  notwendigsten  braucht.  Beim  Buchkredit  weiß
der  Mann,  daß,  selbst  wenn  er  ohne  einen  Pfennig  in  seiner  Tasche  angetroffen
  wird,  er  stets  auf  Kredit  Waren  erhält,  die  er  bezahlen  kann,
sobald  er  in  den  Besitz  von  Geld  gelangt.  Außerdem  braucht  dieses
Geld  nicht  lange  in  seiner  Tasche  zu  liegen.  Sobald  er  es  erhalten  hat,
wird  es  zur  Bezahlung  der  inzwischen  angesammelten  Schulden  verwendet. ­
  Nun  vermindert  die  Verkürzung  der  Wartezeit  offenbar  die
vorgetragene  Durchschnittsbilanz,  selbst  wenn  am  Ende  dieselben  Summen
empfangen  und  verausgabt  werden.  So  muß  ein  Arbeiter,  welcher  $  7
die  Woche  verdient  und  ausgibt,  wenn  er  nicht  „belasten“  lassen  kann,
mit  seinem  Wochenlohn  die  ganze  Woche  ausreichen.  Wenn  er  $  1  täglich
ausgibt,  so  muß  sein  wöchentlicher  Zyklus  an  den  aufeinanderfolgenden
Tagen  wenigstens  $  7,  $  6,  $  5,  $  4,  $  3,  $  2  und  $  1  aufweisen.  An  diesem
Zeitpunkt  kommen  dann  wieder  weitere  $  7  herein.  Dies  ergibt  einen  Durchschnitt ­
  von  mindestens  $  4.  Wenn  er  hingegen  alles  gutschreiben  lassen  und
bis  zum  Zahltage  warten  kann,  um  dann  den  sich  ergebenden  Verbindlichkeiten ­
  nachzukommen,  so  braucht  er,  wenn  er  seine  $  7  erst  auszahlt,  nachdem ­
  sie  in  seinen  Besitz  gelangen,  die  ganze  Woche  hindurch  nichts  zurückzubehalten. ­
  Sein  wöchentlicher  Zyklus  braucht  keine  höheren  Saldi  aufzuweisen ­
  als  $  7,  $  0,  $  0,  $  0,  $  0,  $  0,  $  0,  was  einen  Durchschnitt  von  nur
$  1  ergibt.
Durch  den  Buchkredit  wird  daher  der  Durchschnittsbetrag  des  Geldes
oder  der  Bankdepositen,  den  jedermann  zur  Hand  haben  muß,  um  entstehenden ­
  Ausgaben  gewachsen  zu  sein,  verringert.  Dies  bedeutet  eine
Erhöhung  der  Umsatzrate,  denn  wenn  die  Leute  dieselben  Beträge  wie
zuvor  verbrauchen,  dagegen  aber  kleinere  Beträge  zu  ihrer  Verfügung  halten,
so  muß  der  Quotient,  der  sich  aus  der  Division  des  verausgabten  Betrages
durch  den  in  Händen  befindlichen  ergibt,  eine  Zunahme  zeigen.
Wir  haben  aber  gesehen,  daß  eine  Erhöhung  der  Umsatzrate  zu  einer
Erhöhung  des  Preisniveaus  führt.  Folglich  führt  der  Buchkredit  zu
        <pb n="83" />
        Indirekte  Einflüsse  auf  die  Kaufkraft.

67

einem  Steigen  des  Preisniveaus x ).  Außerdem  kann  ein  Gemeinwesen  bis
zu  einem  gewissen  Grade  den  relativen  Mangel  an  Geld  in  einer
Zeit  guten  Geschäftsganges  mit  dem  relativen  Überschuß  einer  Zeitperiode ­
  decken,  in  der  weniger  Ansprüche  an  ihr  Geldangebot  gestellt ­
  werden.  Denn  sonst  wäre  zur  Aufrechterhaltung  des  allgemeinen
Preisniveaus  bei  einem  guten  Geschäftsgänge  bedeutend  mehr  Geld
erforderlich.  Und  dieses  Geld  läge  während  der  Jahreszeiten,  in  denen
das  Geschäft  flau  ist,  nutzlos,  es  sei  denn,  daß  es  die  Form  eines
elastischen  Umlaufsmittels  annähme,  das  eingelöst  und  eingezogen
werden  kann.
Kurz,  durch  Buchkredit  wird  Geld  (G)  gespart,  auch  wenn  durch  ihn
keine  Ersparnis  an  Geldzahlungen  (A)  eintritt,  und  daher  erhöht  der
Buchkredit  auch  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  (A/G).
1  c.  Die  gewohnheitsmäßige  Bevorzugung  von  Schecks  gegenüber
Bargeld  wirkt  gleichfalls  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit  ein,  da  der  Deponent
entbehrliches  Geld  sofort  in  der  Bank,  gegen  das  Recht,  mittelst  Schecks
Geld  zu  erheben,  niederlegt.
Die  Banken  bieten  auf  diese  Weise  einen  Abfluß  für  alles  überflüssige
Taschen-  und  Kleingeld  und  verhüten  dadurch  das  Vorhandensein  unproduktiver ­
  Geldhorte.  Auf  die  gleiche  Art  kann  ein  Überschuß  an  Depositen
in  Bargeld  umgewandelt  werden,  d.  b.  er  kann  auf  Verlangen  in  bar  ausgezahlt ­
  werden.  Kurz,  diejenigen,  welche  sowohl  von  Bargeld,  als  auch
von  Depositen  Gebrauch  machen,  haben  Gelegenheit,  durch  Anpassung
beider  Umlaufsmittel  an  den  jeweiligen  Bedarf  ein  Müßigliegen  des  einen
oder  des  anderen  zu  verhüten.
Wir  sehen  also,  daß  drei  Gewohnheiten  —  Verschwendung,  „Kontobelastung“
  und  Benützung  von  Schecks  —  durch  ihre  Einwirkungen  auf
die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  oder  der  Depositen  zu  einer  Erhöhung ­
  des  Preisniveaus  beitragen.  Es  ist  anzunehmen,  daß  diese  Gewohnheiten ­
  (wahrscheinlich  mit  Ausnahme  der  erstgenannten)  in  neuerer
Zeit  rasch  zugenommen  haben.
§  4.
2  a.  Je  öfter  Geld  oder  Schecks  empfangen  und  verausgabt  werden,
desto  kürzer  ist  der  Durchschnittsintervall  zwischen  Empfang  und  Verl

 )  Diese  indirekte  Einwirkung  auf  das  Preisniveau  darf  nicht  mit  der  direkten  Wirkung, ­
  die  zuweilen  angenommen  wird,  verwechselt  werden.  Siehe  §  1  des  Anhanges  z
diesem  Kapitel  (V).

5*
        <pb n="84" />
        68

V.  Kapitel.

ausgabung  des  Geldes  oder  der  Schecks,  und  desto  rascher  ist  die  Umlaufsgeschwindigkeit. ­

Dies  kann  am  besten  aus  einem  Beispiel  ersehen  werden.  Der  Übergang ­
  von  monatlichen  zu  wöchentlichen  Lohnzahlungen  erhöht  die  Umlaufsgeschwindigkeit
  des  Geldes.  Wenn  ein  Arbeiter  per  Woche  $  7  ausgezahlt ­
  bekommt  und  diese  täglich  gleichmäßig  verringert  und  jede  Woche
mit  leeren  Händen  beschließt,  so  würde  sein  Durchschnittsbargeld,  wie  wir
gesehen  haben,  wenig  über  die  Hälfte  von  $  7  oder  ungefähr  $  4  betragen.
Dies  ergibt  einen  beinahe  zweimaligen  Umsatz  per  Woche.  Bei  monatlicher ­
  Auszahlung  muß  der  Arbeiter,  welcher  im  Durchschnitt  $  1  per  Tag
erhält  und  ausgibt,  die  $  30  mehr  oder  weniger  gleichmäßig  auf  die  folgenden
30  Tage  verteilen.  Wenn  er  am  nächsten  Zahltag  mit  leeren  Händen  dasteht,
so  ist  sein  Durchschnittsgeld  während  des  Monats  ungefähr  $  15  gewesen.
Sein  Umsatz  ist  dann  ungefähr  ein  zweimaliger  per  Monat.  Folglich  ist  die
Umsatzrate  bei  wöchentlichen  Auszahlungen  rascher  als  bei  monatlichen
Lohnzahlungen.
Dasselbe  Resultat  würde  sich  ergeben,  wenn  wir  annähmen,  daß  der
Arbeiter,  anstatt  den  Zyklus  mit  leeren  Händen  zu  beenden,  einen  gegebenen
Bruchteil  seines  Lohnes,  sagen  wir  die  Hälfte  desselben,  übrig  behält.  Bei
wöchentlicher  Auszahlung  würde  er  mit  $  10,50  beginnen  und  mit  $  3,50
schließen,  was  einen  Durchschnitt  von  ungefähr  $  7  ergibt.  Bei  monatlicher ­
  Auszahlung  würde  er  so  mit  einem  Durchschnitt  von  $  45  beginnen
und  mit  $  15  aufhören,  wonach  sich  der  Durchschnittsbetrag  auf  ungefähr ­
  $  30  belaufen  würde.  Im  ersten  Falle  würde  seine  Durchschnittsumlauf ­
  sgeschwindigkeit  einmal  die  Woche  und  im  letzteren  Falle  einmal  im
Monat  sein.  Bei  wöchentlicher  Auszahlung  ist  der  Umsatz  also  auch  dann
ungefähr  viermal  rascher  als  bei  monatlicher  Zahlung.  Wenn  daher  die  Verteilung ­
  des  Geldaufwandes  auf  die  beiden  Zyklen  genau  dieselbe  „zeitliche
Gestaltung“  („time  shape“) 1 )  haben  sollte,  so  würden  die  wöchentlichen  Zahlungen ­
  die  Umlaufgeschwindigkeit  in  demselben  Verhältnis  beschleunigen,
in  welchem  ein  Monat  zu  einer  Woche  sich  verhält.  Als  geschichtliche  Tatsache ­
  betrachtet,  ist  es  jedoch  nicht  wahrscheinlich,  daß  die  Einführung  von
wöchentlichen  Zahlungen  an  Stelle  von  monatlichen  die  Schnelligkeit  des
Geldumlaufes  unter  den  Arbeitern  um  das  Vierfache  erhöht  hat,  weil  die
Veränderung  eines  anderen  Elements,  nämlich  des  Buchkredits,  geeignet  sein
dürfte,  eine  ungefähr  ausgleichende  Abnahme  zu  verursachen.  Bei  wöchent-1

 )  Vgl.  Adolphe  Landry,  „La  Rapidit6  de  la  Circulation  Mon6taire“,  Auszug  aus
La  Revue  d'JEconomie  politique,  Februar  1905.
        <pb n="85" />
        Indirekte  Einflüsse  auf  die  Kaufkraft.

69

liehen  Auszahlungen  kommt  der  Buchkredit  weniger  in  Anwendung  als  bei
monatlichen.  Dort,  wo  die  Gewohnheit  des  Buchkredits  oder  des  Belastens“
vorherrscht,  wird  die  Hauptmasse  des  Geldes  am  Zahltag  verausgabt  Aller
Wahrscheinlichkeit  nach  hat  die  Einführung  von  Wochenzahlungen  an
Stelle  von  Monatszahlungen,  wenn  eine  solche  stattfand,  viele  Arbeiter  die
früher  auf  Kredit  einkaufen  mußten,  in  den  Stand  gesetzt,  ihre  eigenen
Zahlungen  in  bar  vorzunehmen,  und  auf  diese  Weise  zu  einer  Abnahme
der  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  beigetragen.
Die  Häufigkeit  der  Ausgaben  hat  offenbar  eine  ähnliche  Wirkung  wie
diejenige  der  Häufigkeit  von  Einnahmen,  d.  h.  sie  beschleunigt  die  Umsatzgeschwindigkeit ­
  oder  den  Umlauf.
2  b.  Die  Regelmäßigkeit  der  Zahlung  begünstigt  den  Umsatz  ebenfalls
Wenn  der  Arbeiter  seiner  Einnahmen  und  Ausgaben  ziemlich  gewiß  ist  so
kann  er  bei  genauer  Ausrechnung  dieselben  ebenso  genau  wie  sicher  seinen
Verpflichtungen  anpassen,  um  jeden  Zahlungszyklus  mit  leerer  Tasche  zu
beschließen.  Diese  Gewohnheit  ist  bei  gewissen  städtischen  Arbeiterklassen
äußerst  häufig  anzutreffen.  Wenn  andererseits  die  Einnahmen  und  Ausgaben ­
  entweder  hinsichtlich  des  Betrages  oder  der  Zeit  unregelmäßig  sind
so  erfordert  es  die  Vorsicht  des  Arbeiters,  daß  er,  um  gegen  unliebsame
Zwischenfälle  gesichert  zu  sein 1 ),  eine  größere  Summe  zur  Verfügung  hält
Selbst  wenn  die  Höhe  der  Einnahmen  mit  Sicherheit  im  voraus  bekamt  ist’
so  erfordert  ihre  Unregelmäßigkeit  dennoch  eine  größere  Zahlungsbereitschaft.’
Dies  trifft  wenigstens  dann  zu,  wenn  wir  annehmen,  daß  die  Häufigkeit
dei  jährlichen  Zahlungen  dieselbe  ist  wie  im  Falle  regelmäßiger  Zahlungen
und  daß  die  „zeitliche  Gestaltung“  der  Ausgaben  während  sukzessiver  Einnahmen ­
  ebenfalls  dieselbe  ist.  Wir  wollen  den  Fall  annehmen,  daß  ein
Arbeiter  durchschnittlich  $  1  täglich  ausgibt  und  einen  DurchschnittsbetreLv
von  $  1  den  Tag  empfängt.  Wenn  seine  Eingänge  affe  vierzehn  Tage  einmal
stattfinden,  wird  der  Durchschnittsbetrag,  den  er  zu  seiner  Verfügung  haben
muß,  ein  geringerer  sein,  als  wenn  sie  abwechselnd  in  Zeiträumen  von  drei
Wochen  und  einer  Woche  Vorkommen.  Denn  angenommen,  daß  er  genau  vor
jeder  Zahlung  mit  leeren  Händen  dasteht,  so  wird  er  im  ersten  Falle  alle  vierzehn ­
  Tage  offenbar  einen  Durchschnittsbetrag  von  $  7  benötigen;  im  letzteren
Falle  hingegen  wird  er  für  die  erste  Periode  von  drei  Wochen  oder  in  einundzwanzig ­
  Tagen  $  10,50  und  in  der  zweiten  Periode  $  3,50  benötigen
deren  Durchschnitt  —  unter  Berücksichtigung  der  Tatsache,  daß  sich  die
$  10,50  auf  drei  Wochen  und  die  $  3,50  auf  eine  Woche  beziehen  $  8  75

1 )  Vgl.  Landry,  a.  a.  0.
        <pb n="86" />
        70

Y.  Kapitel.

beträgt.  Hieraus  können  wir  also  schließen,  daß  die  Regelmäßigkeit  in  Einnahmen ­
  und  Ausgaben  die  Umlaufsgeschwindigkeit  erhöht.
2  c.  Weiter  haben  wir  den  Synchronismus  von  Einnahmen  und  Ausgaben ­
  in  Erwägung  zu  ziehen,  d.  h.  die  Vornahme  von  Zahlungen  und
Geldeingängen  in  gleichen  Intervallen.  In  den  Fällen',  wo  Zahlungen  wie
Mieten,  Zins,  Versicherung  und  Steuern  ohne  Rücksicht  auf  die  Zeit  der
Geldeingänge  erfolgen,  ist  es  oft  notwendig,  Geld  oder  Depositen  im  voraus ­
  anzusammeln,  wobei  dann  der  im  Besitz  befindliche  Durchschnittsbetrag
  erhöht,  das  Geld  zeitweilig  seinem  Verbrauche  entzogen  und  die
Umlaufsgeschwindigkeit  herabgesetzt  wird.  Diesem  Resultat  kann  indessen,
wenn  das  Individuum  es  will  und  zu  borgen  in  der  Lage  ist,  vorgebeugt
werden,  wobei  das  zur  Bezahlung  von  Steuern  oder  anderen  Spezialauslagen ­
  geliehene  Geld  später,  wenn  es  ihm  paßt,  zurückgezahlt  wird.  Dies
ist  einer  der  Fälle,  in  denen  das  Bankwesen,  wie  bereits  erklärt,  durch  Anleihen ­
  und  Depositen  der  Bequemlichkeit  des  Publikums  dient  und  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes  und  der  Depositen  erhöht.  In  ähnlicher
Weise  kann  der  Buchkredit  den  der  Disharmonie  zwischen  den  Zeiten  der
Einnahmen  und  Ausgaben  entspringenden  Unannehmlichkeiten  abhelfen,
denn,  wie  wir  gesehen  haben,  ist  es  eine  große  Annehmlichkeit  für  denjenigen,
der  in  Bargeld  oder  Depositen  zahlt,  wenn  Kaufleute,  denen  er  Geld
schuldig  ist,  ihm  gestatten,  seine  Zahlungen  bis  nach  Empfang  seines
Geldes  oder  seines  Bankdeposits  aufzuschieben.  Durch  diese  Maßnahme
wird  der  Notwendigkeit,  viel  Geld  oder  Depositen  zur  Verfügung  zu  halten,
abgeholfen  und  infolgedessen  wird  dadurch  deren  Umlaufsgeschwindigkeit
erhöht.
Wir  ziehen  also  den  Schluß,  daß  der  Synchronismus  und  die  Regelmäßigkeit ­
  der  Zahlungen  nicht  minder  als  die  Zahlungsfrequenz  durch
Erhöhung  der  Umlaufsgeschwindigkeit  zu  einem  Steigen  der  Preise  beigetragen ­
  haben.
§5.
3a.  Je  dichter  die  Bevölkerung  eines  Bezirkes  ist,  desto  rascher  ist  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  1 ).
Es  kann  mit  Bestimmtheit  nachgewiesen  werden,  daß  dies  bei  den
Bankdepositen  der  Fall  ist.  Nachstehende  Zahlen 2 )  geben  die  Depositenx
 )  Kinley  weist  in  seinem  Buche  Money,  New  York  (Macroillan),  1904,  S.  156,  auf
diese  Tatsache  Mn.
2 )  Diese  Zahlen  stellen  die  Medien  der  von  Pierre  des  Essais  für  europäische  Banken
angeführten  dar,  (Journal  de  laSocüU  deStatistique  de  Paris,  April  1895),  die  ich  durch  Material ­
  ergänzt  habe,  das  mir  von  einigen  amerikanischen  Banken  zur  Verfügung  gestellt  wurde.
        <pb n="87" />
        Indirekte  Einflüsse  auf  die  Kaufkraft.

71

Umlaufsgeschwindigkeiten  in  zehn  Städten,  die  der  Größe  nach  aufgestellt

  wurden:

116

Lissabon

161

Indianapolis  ..

123

New  Haven  ..

14

Athen

Rom  •

43

Santa  Barbara

Madrid  ist  die  einzige  Stadt,  welche  in  bezug  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  bedenklich  aus  der  Reihe  fällt.
3  b.  Je  ausgedehnter  und  je  geschwinder  der  Transport  im  allgemeinen
ist,  desto  rascher  ist  der  Umlauf  des  Geldes  1 ).  Alles  was  die  Übertragung
des  Geldes  von  einer  Person  zur  anderen  erleichtert,  trägt  zur  Erhöhung  der
Umlaufsgeschwindigkeit  bei.  Die  Eisenbahnen  üben  diese  Wirkung  aus.
Der  Telegraph  hat  die  Umlaufgeschwindigkeit  der  Depositen  erhöht,  denn
durch  ihn  können  letztere  in  wenigen  Minuten  Tausende  von  Meilen  weit
überwiesen  werden.  Die  Post  und  die  Eilbeförderung  haben  durch  Erleichterung ­
  der  Übermittlung  von  Bankdepositen  und  von  Geld  in  gleicher
Weise  zu  einer  Erhöhung  ihrer  Umlaufsgeschwindigkeit  beigetragen.
Wir  ziehen  also  den  Schluß,  daß  die  Bevölkerungsdichte  und  die  Schnelligkeit ­
  des  Transportes  durch  Erhöhung  der  Geschwindigkeiten  ein  Steigen  der
Preise  bewirken.  Geschichtlich  ist  diese  Konzentrierung  der  Bevölkerung  in
Städten  ein  bedeutender  Faktor  der  Preissteigerung  in  den  Vereinigten
Staaten  gewesen.
Die  Umlaufsgeschwindigkeiten  des  Geldes  und  die  der  Depositen  werden
in  gewöhnlichen  Zeiten  durch  gleichartige  Ursachen  in  ähnlicher  Weise  beeinflußt. ­
  Dagegen  herrscht  in  der  Zeit  von  Paniken,  wenn  das  Vertrauen  der
Deponenten  erschüttert  ist,  die  Tendenz,  die  Depositen  zurückzuziehen,
während  andererseits  Geld  gehütet  wird.  Deshalb  können  sich  die  beiden  Geschwindigkeiten ­
  für  eine  gewisse  Zeit  in  entgegengesetzten  Richtungen  verändern, ­
  wenn  auch  eine  verläßliche  Statistik  zur  Feststellung  der  Richtigkeit
dieser  Vermutung  nicht  vorhanden  ist.
§  6.
Die  hauptsächlichsten  spezifischen  Einwirkungen  von  außen  auf  den
Umfang  der  dem  Scheckverkehr  unterworfenen  Depositen  sind:
1.  Das  Banksystem  und  die  Gewohnheiten  der  Personen,  die  dieses
System  benützen.
2.  Die  Gewohnheit  des  „Belastens“.
l )  Vgl.  Jevons,  Money  and  the  Mechanism  of  Exchange,  New  York  (Appleton),
1896,  S.  336;  ebenso  Kinley,  Money,  New  York  (Macmillan),  1904,  S.  156  u.  157.
        <pb n="88" />
        72

VI.  Kapitel.

1.  Selbstverständlich  muß  ein  Banksystem,  bevor  es  in  Anwendung
kommt,  ausgedacht  und  entwickelt  werden.  Die  Erfindung  des  Bankwesens ­
  hat  die  Depositenumlaufsmittel  möglich  gemacht,  und  ihre  Annahme ­
  hat  zweifellos  zu  einer  großen  Zunahme  in  Depositen  und  infolgedessen ­
  zu  einer  Steigerung  der  Preise  geführt.  Auch  im  letzten  Jahrzehnt
hat  die  Ausdehnung  der  Depositenbankgeschäfte  in  den  Vereinigten  Staaten
einen  außerordentlich  großen  Einfluß  nach  dieser  Richtung  ausgeübt.  In
Europa  befindet  sich  das  Depositengeschäft  noch  im  Anfangsstadium.
2.  Das  „Belasten“  geht  öfter  einer  Zahlung  per  Scheck  als  einer
solchen  in  bar  voraus.  Wenn  einem  Kunden  seine  Verbindlichkeiten
nicht  „belastet“  würden,  so  bezahlte  er  in  bar  und  nicht  per  Scheck 1 ).
Die  letzte  Wirkung  dieses  Verfahrens  ist  daher,  daß  das  Verhältnis
der  Scheckzahlungen  zu  Zahlungen  in  bar  (A!  zu  A)  und  das  Verhältnis
der  Depositen  zu  dem  disponiblen  Bargelde  (G'  zu  G)  erhöht  und  folglich
eine  Zunahme  im  Umfange  der  Kreditumlaufsmittel  herbeigeführt  wird,
den  eine  gegebene  Geldquantität  aufrechthalten  kann.
Diese  Wirkung,  die  Substitution  von  Schecks  für  Zahlungen  in  bar,
ist  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  das  wichtigste  Ergebnis  des  „Belastens“,
und  sie  übt  einen  gewaltigen  Einfluß  auf  das  Steigen  der  Preise  aus.

VI.  Kapitel.
Indirekte  Einwirkungen.
(Fortsetzung.)
§  1.
Wir  haben  nun  diejenigen  Einwirkungen  außerhalb  der  Verkehrsgleichung ­
  in  Erwägung  gezogen,  die  den  Umfang  des  Handels  (die  Q),  die
Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  und  der  Depositen  (U  und  IV)  und  die
Quantität  der  Depositen  (G')  berühren.  Die  gesonderte  Behandlung  der
äußeren  Einwirkungen,  welche  die  Quantität  des  Geldes  (G)  betreffen,  blieb
für  dieses  und  das  folgende  Kapitel  Vorbehalten.  Die  Haupteinwirkungen
können  wie  folgt  klassifiziert  werden:
1 )  Andrew,  „Credit  and  the  Value  of  Money“.  Sonderabdruck  von  Papers  and
Proceedings  of  the  Seventeenth  Annual  Meeting  American  Economic  Association,  Dezember
        <pb n="89" />
        Indirekte  Einwirkungen.

73

1.  Einwirkungen,  die  durch  den  Export  und  den  Import  von  Geld
hervorgebracht  werden.
2.  Einwirkungen,  die  durch  das  Einschmelzen  oder  das  Prägen  von
Geld  verursacht  werden.
3.  Einwirkungen,  die  durch  die  Produktion  und  den  Verbrauch  von
Geldmetallen  herbeigeführt  werden.
4.  Einwirkungen  der  Geld-  und  Banksysteme,  die  den  Gegenstand
des  nächsten  Kapitels  bilden  sollen.
Das  erste,  was  wir  zu  erörtern  haben,  ist  der  Einfluß  des  Außenhandels. ­
  Bisher  haben  wir  das  Studium  des  Preisniveaus  auf  ein
isoliertes  Gemeinwesen  beschränkt,  das  mit  anderen  Gemeinwesen  in  keinerlei ­
  Handelsverbindung  steht.  Die  moderne  Welt  weist  jedoch  kein  derartiges ­
  Gemeinwesen  auf,  und  es  ist  wichtig  festzustellen,  daß  der  internationale ­
  Handel  den  heutigen  Problemen  des  Geldes  und  des  Preisniveaus ­
  einen  internationalen  Charakter  gibt.  Wenn  alle  Länder  ihr  uneinlösbares ­
  Papiergeld  hätten  und  keines  ihrer  Gelder  anderwärts  zur  Annahme
gelangte,  so  könnte  es  keine  internationale  Adjustierung  im  Geldwesen
geben.  Die  Preisniveaus  in  den  verschiedenen  Ländern  ständen  nicht  in
engem  Zusammenhänge.  Tatsächlich  ist  die  Verbindung  zwischen  Ländern
mit  verschiedener  Metallwährung  —  z.  B.  zwischen  einem  Lande  mit  Goldwährung ­
  und  einem  anderen  mit  Silberwährung  —  bis  zu  einem  gewissen
Grade  wirklich  gebrochen,  wenngleich  diese  beiden  Metalle  durch  den  Umstand, ­
  daß  sie  nicht  Geldzwecken  allein  dienen,  doch  noch  immer  einigermaßen ­
  aneinander  gebunden  sind.  Aber  wo  bei  zwei  oder  mehreren  in
Handelsverbindung  stehenden  Nationen  dieselbe  Geldwährung  besteht,  ist
die  Tendenz  wahrzunehmen,  daß  die  Preisniveaus  der  einen  Nation  durch
die  Preisniveaus  der  anderen  stark  beeinflußt  werden.
In  einem  kleinen  Lande,  wie  der  Schweiz,  hängt  das  Preisniveau  zum
großen  Teil  von  dem  anderer  Länder  ab.  Das  Gold,  welches  das  primäre
oder  vollwichtige  Geld  der  meisten  zivilisierten  Nationen  ist,  wandert  beständig ­
  von  Land  zu  Land  oder  von  einem  Gemeinwesen  ins  andere.  Wenn
ein  einzelnes  kleines  Land  in  Betracht  gezogen  wird,  so  sagt  man  besser,
daß  die  Quantität  des  Geldes  in  dem  betreffenden  Lande  durch  das  universelle ­
  Preisniveau  festgesetzt  wird,  als  daß  dessen  Preisniveau  durch  die  innerhalb ­
  seiner  Grenzen  befindliche  Geldquantität  bestimmt  wird.  Ein  einzelnes
Land  steht  zu  der  übrigen  Welt  in  demselben  Verhältnis,  wie  eine
Lagune  zum  Ozean.  Das  Niveau  des  Ozeans  hängt  natürlich  von  den
in  ihm  befindlichen  Wassermassen  ab.  Wenn  wir  aber  von  einer  Lagune
sprechen,  so  kehren  wir  die  Erklärung  um  und  sagen,  daß  die  Quantität
        <pb n="90" />
        74

VI.  Kapitel.

des  darin  enthaltenen  Wassers  vom  Niveau  des  Ozeans  abhängt.  Ebenso
wie  draußen  im  Ozean  Ebbe  und  Flut  miteinander  abwechseln,  so  regulieren ­
  sich  demgemäß  die  Wassermassen  in  der  Lagune.
Um  das  Problem  der  Verteilung  des  Geldes  unter  die  verschiedenen  Gemeinwesen ­
  einfacher  zu  veranschaulichen,  wollen  wir  einstweilen  die  Tatsache ­
  außer  acht  lassen,  daß  das  Geld  gewöhnlich  aus  einem  Material  besteht,
das  auch  zu  anderen  als  zu  Geldzwecken  verwendbar  ist,  und  daß  es  geschmolzen ­
  und  geprägt  werden  kann.
Wir  wollen  also  einmal  die  Ursachen  erörtern,  welche  die  Quantität  des
Geldes  in  einem  Staate  wie  Connecticut  bestimmen.  Wenn  das  Preisniveau
in  Connecticut  zeitweilig  unter  dasjenige  der  umgebenden  Staaten  Rhode
Island,  Massachusetts  und  New  York  herabsinkt,  so  wird  ein  Export  von
Geld  aus  diesen  Staaten  nach  Connecticut  platzgreifen,  da  man  die  Güter
stets  dort  kauft,  wo  sie  am  billigsten,  und  verkauft,  wo  sie  am  teuersten  sind.
Durch  die  niedrigen  Preise  wäre  Connecticut  ein  guter  Platz  für  den  Einkauf ­
  von  Gütern,  hingegen  ein  schlechter  für  den  Verkauf.  Wenn  nun  aber
Auswärtige  in  Connecticut  kaufen,  so  haben  sie  zum  Kaufen  Geld  mitzubringen. ­
  Es  wird  sodann  die  Tendenz  wahrzunehmen  sein,  daß  das  Geld
nach  Connecticut  abfließt,  bis  das  Preisniveau  daselbst  so  steigt,  daß  es  den
Zufluß  auf  hält.  Wenn  andererseits  die  Preise  in  Connecticut  höher  als  in  den
umgebenden  Staaten  sind,  so  wird  es  ein  guter  Verkaufsplatz  und  ein
schlechter  Platz  für  den  Einkauf.  Wenn  aber  Auswärtige  nach  Connecticut
verkaufen,  so  erhalten  sie  im  Austausch  Geld  dafür.  Das  Geld  zeigt  dann  die
Tendenz,  aus  Connecticut  abzufließen,  bis  das  Preisniveau  in  Connecticut
niedriger  geworden  ist.
Hieraus  darf  aber  nicht  geschlossen  werden,  daß  die  Preise  der  verschiedenen ­
  Artikel  oder  gar  das  allgemeine  Preisniveau  in  den  verschiedenen
Ländern  genau  dasselbe  wird.  Entfernung,  Ungewißheit  darüber,  wo  die
besten  Märkte  zu  finden  sind,  Zolltarife  und  Transportkosten  unterstützen
die  Aufrechterhaltung  von  Preisdifferenzen.  Die  einheimischen  Erzeugnisse
pflegen  in  der  betreffenden  Gegend  immer  billiger  zu  sein  als  anderwärts.
Solange  nun  der  auswärtige  Preis  genügend  höher  ist,  um  Transportkosten
mehr  als  zu  decken,  solange  wird  der  Export  andauern.  Faktisch  wird
keine  Ware  exportiert,  wenn  ihr  Preis  nicht  mindestens  ebenso  hoch  wie
der  des  Ursprungslandes  plus  Frachtkosten  ist.  Viele  Waren  werden  nur
nach  einer  Richtung  hin  transportiert.  So  wird  Weizen  aus  den
Vereinigten  Staaten  nach  England,  nicht  aber  von  England  nach  den
Vereinigten  Staaten  verschifft.  In  letzterem  Lande  ist  er  billiger.  Eine
große  Ausfuhr  erhöht  den  Preis  in  Amerika  dem  in  England  gegenüber;
        <pb n="91" />
        Indirekte  Einwirkungen.

75

er  hält  sich  aber  gewöhnlich  um  den  Betrag  der  Transportkosten  unter  diesem
Preise.  Andere  Waren,  deren  Transport  billig  ist,  werden  je  nach  der
Konjunktur  nach  beiden  Richtungen  versandt.
Obgleich  aber  der  internationale  und  interlokale  Handel  niemals  eine
genaue  Gleichförmigkeit  der  Preisniveaus  herbeiführt,  so  führt  dieser  Handel
doch,  soweit  er  besteht,  durch  die  oben  beschriebene  Regulierung  der  Verteilung ­
  des  Geldes  die  Tendenz  nach  Gleichförmigkeit  dieser  Niveaus  herbei.
Wenn  eine  Ware  in  den  internationalen  Handel  gelangt,  so  genügt  diese
allein,  um  sie,  wenn  auch  nur  langsam,  als  Regulator  der  Geldverteilung
wirken  zu  lassen;  denn  als  Entgelt  dieser  Ware  fließt  Geld  ein  und,  je
nachdem  das  Preisniveau  steigt  oder  fällt,  wird  die  Quantität  des  Verkaufs
dieser  Ware  entsprechend  adjustiert.  Selbst  wenn  im  gewöhnlichen
Verkehr  der  Nationen  untereinander  der  vorsätzliche  Versuch  gemacht  wird,
sich  durch  Schutztarife  dagegen  ins  Mittel  zu  legen,  wird  es  immer  eine
große  Anzahl  von  Waren  geben,  die  in  dieser  Weise  als  Mittel  des  Abund
  Zuflusses  dienen.  Und  da  die  Quantität  des  Geldes  selbst  auf  die  Preise
aller  Warengattungen  einwirkt,  so  erstreckt  sich  die  regulierende  Wirkung
des  internationalen  Handels  nicht  nur  einfach  auf  die  in  diesen  Handel  gelangenden ­
  Waren,  sondern  ebenso  auch  auf  alle  anderen.  Es  folgt  daraus,
daß  der  internationale  und  der  interlokale  Handel  heutzutage  die  Preisniveaus ­
  in  der  ganzen  Welt  beständig  regulieren.
Wir  dürfen  diesen  Gegenstand  nicht  verlassen,  ohne  die  Wirkungen
eines  Zollgesetzes  auf  die  Kaufkraft  des  Geldes  hervorzuheben.  Wenn  ein
Land  einen  Zolltarif  annimmt,  so  tritt  die  Tendenz  zu  einem  Steigen  des
Preisniveaus  ein.  Es  ist  klar,  daß  ein  Zoll  die  Preise  der  „geschützten“
Güter  erhöht.  Er  hat  aber  eine  noch  größere  Wirkung,  —  der  Zoll  erhöht
nämlich  auch  die  Preise  der  ungeschützten  Güter.  Auf  diese  Weise  verursacht ­
  der  Zoll  zunächst  eine  Abnahme  der  Einfuhren.  Obgleich  nun
diese  Abnahme  der  Einfuhr  auf  die  Dauer  zu  einer  entsprechenden  Abnahme
der  Ausfuhr  führt,  so  wird  doch  anfangs  eine  derartige  Adjustierung  nicht
stattfinden.  Der  Ausländer  setzt  seine  Einkäufe  aus  dem  geschützten  Lande
in  fast  demselben  Umfange  eine  Zeitlang  fort.  Dies  wird  zeitweilig  ein
Steigen  des  Exports  dieses  Landes  über  den  Import  oder  eine  sogenannte
„günstige“  Handelsbilanz  und  einen  daraus  folgenden  Zufluß  an  Geld  bewirken. ­
  Schließlich  erhöht  dieser  Zufluß  nicht  nur  die  Preise  der  geschützten,
sondern  auch  die  der  ungeschützten  Güter.  Das  Steigen  dauert  dann  so
lange  fort,  bis  es  einen  Punkt  erreicht,  der  hoch  genug  ist,  um  der
„günstigen“  Handelsbilanz  Einhalt  zu  tun.
Obgleich  die  durch  einen  Zolltarif  geschaffene  „günstige  Handelsbilanz“
        <pb n="92" />
        7G

VI.  Kapitel.

nur  eine  Zeitlang  anhält,  so  hinterläßt  sie  doch  eine  permanente  Zunahme
des  Geldes  und  der  Preise.  Die  Zollschutzmauer  ist  eine  Art  Damm,  der  eine
Erhöhung  in  den  Preisen  der  dahinterliegenden  Güter  verursacht.
Diese  Tatsache  wird  in  der  üblichen  Darstellung  der  Theorie  des
internationalen  Handels  zuweilen  übersehen.  Statt  dessen  wird  die  Tatsache ­
  betont,  daß  letzten  Endes  der  Handel  ein  solcher  von  Gütern  gegen
Güter  und  nicht  von  Geld  gegen  Güter  ist,  und  daß  ein  Einfuhrzoll  nicht  nur
die  Einfuhr,  sondern  auch  die  Ausfuhr  reduziert,  also  somit  bloß  zeitweilig
den  virtuellen  Tauschhandel  der  Nationen  unterbricht.  Die  Wirkung  eines
Einfuhrzolls  wird  damit  der  eines  Ausfuhrzolls  analog  behandelt.  Aber  hinsichtlich ­
  der  Wirkungen  auf  die  Preisniveaus  ist  ein  Einfuhrzoll  einem
Ausfuhrzoll  diametral  entgegengesetzt.  Wenn  wir  unseren  Zoll  auf  den
Export  legen,  so  wirken  wir  zunächst  störend  auf  den  Export  ein.  Dem
Import  wird  kein  Hemmnis  in  den  Weg  gestellt,  bis  das  Geld  abgeflossen
ist  und  das  allgemeine  Preisniveau  genug  reduziert  hat,  um  die  vorher  geschaffene ­
  „ungünstige“  Handelsbilanz  zu  zerstören.  Wir  schließen  daraus,
daß  die  allgemeine  Kaufkraft  des  Geldes  durch  einen  Zolltarif  vermindert
wird,  und  daß  sie  durch  einen  Ausfuhrzoll  erhöht  werden  würde.
Dies  ist  vielleicht  der  Hauptgrund,  warum  ein  Schutzzoll  vielen  eine
Quelle  wirtschaftlichen  Aufschwungs  zu  sein  scheint.  Er  liefert  nicht  nur
den  geschützten  Industrien,  sondern  dem  Handel  im  allgemeinen  einen  temporären ­
  Antrieb,  der  in  Wirklichkeit  einfach  den  Antrieb  zu  einer  Geldinflation ­
  bildet.
Vorläufig  wollen  wir  den  internationalen  Handel  hauptsächlich  daraufhin ­
  betrachten,  welche  Wirkungen  er  auf  das  internationale  Preisniveau
ausübt.  Mit  Ausnahme  des  Umstandes,  daß  der  Export  oder  Import  von
Geld  die  Preisniveaus  adjustiert,  ist  der  internationale  Handel  im  Grunde
bloß  ein  gegenseitiger  Austausch  von  Gütern.  Wo  das  Preisniveau  nicht
berührt  wird,  ist  der  Geldwert  der  in  einem  Lande  verkauften  Güter  dem
Geldwerte  der  gekauften  Güter  ganz  gleich.  Nur  wenn  eine  Differenz  in
diesen  Werten  oder  eine  „Handelsbilanz“  vorhanden  ist,  wird  ein  Zu-  oder
Abströmen  des  Geldes  und  infolgedessen  eine  Tendenz  zur  Veränderung
des  Preisniveaus  eintreten 1 ).
Wir  haben  nun  dargelegt,  wie  das  internationale  und  interlokale  Gleichgewicht ­
  der  Preise  durch  differentielle  Veränderungen  in  der  Geldquantität ­
  allein  gestört  werden  kann.  Es  kann  auch  durch  differentielle
Änderungen  im  Umfang  der  Bankdepositen,  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit
Q  Betr.  mathematischer  Darlegung  siehe  §  1  des  Anhanges  zu  diesem  Kapitel  (VI).
        <pb n="93" />
        Indirekte  Einwirkungen.

77

des  Geldes,  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit  der  Bankdepositen  oder  im  Umfange ­
  des  Handels  gestört  werden.  Aber  was  auch  immer  die  Quelle  der
Differenz  in  den  Preisniveaus  sein  mag,  das  Gleichgewicht  wird  schließlich
durch  eine  internationale  oder  interlokale  Wiederverteilung  von  Geld  und
Gütern,  die  durch  den  internationalen  und  interlokalen  Handel  herbeigeführt
wird,  wiederhergestellt.  Außer  Geld  und  Waren  können  keine  anderen  Elemente ­
  in  der  Yerkehrsgleichung  von  einem  Orte  zum  anderen  transportiert
werden.  .  .  .
Abgesehen  von  Übergangswirkungen  bringen  also  internationale  Differenzen ­
  in  den  Preisniveaus  nur  in  einem  der  Elemente  der  Verkehrsgleichung,
und  zwar  in  der  Menge  des  Geldes,  Veränderungen  hervor.  Tatsächlich
können  natürlich  die  Übergangsperioden  unabsehbar  oder  chronisch  sein.  Es
kommt  selten  vor,  daß  ein  Volk  keine  Handelsbilanz  aufweist.  Jahrzehntelang ­
  bezogen  Länder  des  Orients  Silber  von  denen  des  Okzidents,  selbst  wenn
das  Silber  unter  dem  bimetallischen  Regime  in  einem  stabilen  Verhältnis
zum  Golde  stand.  In  Europa  herrschte  infolgedessen  eine  langanhaltende
Tendenz  zu  einem  Fallen  der  Preise,  während  in  Asien,  in  Verbindung  mit
allen  anderen  einen  Übergang  begleitenden  Wirkungen,  die  Preise  eine
steigende  Tendenz  verfolgten.
§2.
Wir  haben  gesehen,  wie  G  in  der  Verkehrsgleichung  durch  den  Import
und  Export  des  Geldes  beeinflußt  wird.  Hinsichtlich  ihrer  Beziehung  zu  G
in  irgendeinem  der  in  Betracht  kommenden  Länder  sind  die  G  in  allen
anderen  Ländern  „äußere  Einflüsse“.
Wenn  wir  nun  einen  Schritt  weitergehen,  so  müssen  wir  jene  Einwirkungen ­
  auf  G  in  Erwägung  ziehen,  die  nicht  nur  außerhalb  der  für  ein  besonderes ­
  Land,  sondern  auch  außerhalb  der  für  die  ganze  Welt  gültigen
Verkehrsgleichung  liegen.  Außer  dem  durch  Import  und  Export  hervorgebrachten ­
  Zufluß  und  Abfluß  des  Geldes,  gibt  es  einen  Zufluß  und  Abfluß
durch  Prägen  und  Schmelzen.  Mit  anderen  Worten:  nicht  nur  die  in  der
Welt  befindlichen  Geldbestände  stehen,  wie  kommunizierende  Wasserbehälter ­
  miteinander  in  Zusammenhang,  sondern  sie  hängen  in  derselben
Weise  auch  mit  dem  auswärtigen  Barrenbestand  zusammen.  In  der  modernen ­
  Welt  spielt  ein  so  kostbares  Metall  wie  das  Gold  gewöhnlich  die  Rolle
des  primären  Geldes,  und  dieses  Metall  findet  eine  zweifache  Verwendung:
es  wird  zu  Geldzwecken  und  zur  Anfertigung  von  Waren  verwandt.  Das
beißt,  Gold  ist  nicht  nur  ein  Geldmaterial  sondern  es  ist  ebensowohl  Ware.
In  ihrer  Eigenschaft  als  Waren  bilden  die  Edelmetalle  das  Material  für  Juwe ­
        <pb n="94" />
        78

VI.  Kapitel.

lierarbeiten,  Kunstwerke  und  andere  Erzeugnisse,  in  die  sie  verarbeitet  werden ­
  können.  In  diesem  unverarbeiteten  oder  rohen  Zustand  heißen  die  Edelmetalle ­
  Barren.
Aus  Gold  geprägtes  Geld  kann  in  Barrengold  umgewandelt  werden  und
umgekehrt.  Tatsächlich  gehen  beide  Umwandlungen  beständig  vor  sich,
denn  wenn  im  Vergleich  mit  anderen  Waren,  der  Geldwert  des  Goldes  in  dem
einen  Verwendungsgebiete  größer  ist  als  in  dem  anderen,  so  ergießt  sich  das
Gold  sofort  dorthin,  wo  seine  Anwendung  gewinnbringender  ist,  und  der
Marktpreis  des  Barrengoldes  bestimmt  die  Richtung  des  Abflusses.  Da  100
Unzen  Gold,  9 /io  fein,  in  $  1860  umgewandelt  werden  können,  muß  der  Marktgeldwert
  von  soviel  Barrengold,  9 /io  fehl,  die  Summe  von  $  1860  erreichen.
Wenn  das  Prägen  des  Barrengoldes  in  Geld  nicht  mit  Kosten  verbunden  wäre,
und  wenn  es  nichts  kosten  würde,  Geld  in  Barren  zu  schmelzen,  so  würde  ein
automatisches  Hin-  und  Herströmen  von  Geld  in  Barren  und  von  Barren
in  Geld  stattfinden,  das  ein  bedeutendes  Schwanken  des  Barrenpreises  verhütet. ­
  Wenn  der  Preis  von  Barrengold  die  Geldmenge  übersteigt,  die
daraus  geprägt  werden  kann,  so  werden  die  Goldkonsumenten,  die  Barrengold ­
  benötigen,—hauptsächlich  Juweliere,—einerlei  wie  gering  die  Differenz
sein  mag,  durch  Einschmelzen  der  Goldmünzen  in  Barrengold  diese  Differenz
ausnützen.  Ist  dagegen  der  Preis  des  Barrengoldes  geringer  als  der  Wert
der  Goldmünzen,  so  werden  die  Besitzer  von  Barrengold  nicht  versäumen,
die  Differenz  wahrzunehmen,  indem  sie  das  Barrengold  zur  Münzstätte
bringen,  um  es  in  Golddollar  prägen  zu  lassen,  anstatt  es  auf  dem  Barrengoldmarkte ­
  zu  verkaufen.  Das  Einschmelzen  der  Münzen  bewirkt  eine  Abnahme
in  der  Quantität  des  Goldgeldes  und  eine  Zunahme  der  Barrengoldmenge,
wobei  der  Geldwert  des  Goldes  als  Barrengold  herabgesetzt  und  der  Wert
des  Goldes  als  Geld  erhöht  wird;  das  Preisniveau  wird  dadurch  erniedrigt
und  die  Gleichheit  zwischen  dem  Barrengolde  und  dem  Gelde  wiederhergestellt. ­
  Bei  dem  entgegengesetzten  Verfahren  hat  ein  Prägen  des  Barrengoldes ­
  in  Münzen  die  Wirkung,  daß  der  Geldwert  des  gemünzten  und  der
Geldwert  des  Barrengoldes  ebenfalls  ins  Gleichgewicht  gebracht  werden.
In  der  Praxis  wird  der  Ausgleich  größtenteils  wahrscheinlich x )  dadurch
aufrechterhalten,  daß  die  neueste  Goldausbeute  je  nach  der  Stimmung  des
Marktes  in  der  einen  oder  anderen  Weise  verwendet  wird.  Durch  eine  derartige ­
  Versorgung  der  beiden  Reservoirs  in  Übereinstimmung  mit  deren
respektivem  Bedarf  fällt  die  Notwendigkeit  eines  nennenswerten  Hin-  und
Herströmens  von  Gold  zwischen  Münze  und  Goldwarenindustrie  weg.

*)  Vgl.  De  Launay,  The  World’s  Gold,  New  York  (Putnam),  1908,  S.  179—183.
        <pb n="95" />
        Indirekte  Einwirkungen.

79

Dort,  wo  für  die  Umwandlung  von  Barrengold  in  Goldmünzen  ein
sogenannter  „Schlagschatz“  („Seigniorage“)  in  Anrechnung  gebracht  wird,
oder  dort,  wo  dieser  Prozeß  mit  Unkosten  oder  Verzögerungen  verbunden  ist'
wird  der  Zufluß  von  Barrengold  in  die  Umlaufsmittel  bis  zu  einem  gewissen
Grade  aufgehalten.  Unter  einem  modernen  System  der  freien  Prägung  und  bei
den  modernen  Methoden  der  Metallurgie  kann  indessen  sowohl  das  Schmelzen
als  auch  das  Prägen  auf  eine  nichts  weniger  als  kostspielige  Weise  und  so
schnell  ausgeführt  werden,  daß,  wie  aus  der  Praxis  hervorgeht,  weder  Verzögerungen ­
  noch  Kosten  damit  verbunden  sind.  In  der  Tat  gibt  es  wenige
Beispiele  genauerer  Preisadjustierung  als  die  Anpassung  des  Preises  von
Barrengold  und  dem  von  Goldmünzen.  Es  folgt  daraus,  daß  die  Quantität
des  Geldes  und  damit  seine  Kaufkraft  direkt  von  der  des  Barrengoldes  abhängt.

Die  Stabilität  des  in  Goldmünze  ausgedrückten  Preises  für  Barrengold
verwirrt  die  Vorstellung  vieler  Leute  insofern,  als  sie  sich  unter  dem  irrtümlichen ­
  Eindruck  befinden,  daß  es  eine  Veränderung  im  Wert  des  Geldes
nicht  gibt.  Tatsächlich  ist  diese  Stabilität  oft  als  Beweis  dafür  angeführt
worden,  daß  das  Gold  ein  stabiler  Wertregulator  sei.  Die  Goldwarenhändler
scheinen  die  Bedeutung  der  Tatsache  mißzuverstehen,  daß  eine  Unze  Gold
in  den  Vereinigten  Staaten  immer  ungefähr  $  18,60  und  in  England  £  3
17  sh  1014  d  kostet.  Darunter  ist  nichts  weiter  zu  verstehen,  als  daß  Gold
in  einer  Form  und  in  einer  Art  gemessen,  immer  ein  konstantes  Verhältnis
zu  Gold  in  einer  anderen  Form  und  auf  eine  andere  Art  gemessen,  beibehält
Eine  Unze  Barrengold  ist  eine  genau  bestimmte  Anzahl  Golddollar  wert'
und  zwar  aus  demselben  Grunde,  wie  ein  Pfund  Sterling  in  Gold  eine  genau
bestimmte  Anzahl  von  Golddollar  oder  daß  ein  „Gold  Eagle“  (=  $  10  —)
eine  bestimmte  Anzahl  Golddollar  wert  ist.
Abgesehen  von  äußerst  geringen  und  zeitweiligen  Schwankungen
muß  Barrengold  und  aus  Gold  gemünztes  Geld  daher  immer  den  gleichen
Wert  haben.  In  der  folgenden  Erörterung  über  die  bedeutenderen  Schwankungen, ­
  denen  diese  beiden  Werte  unterliegen,  wollen  wir  deswegen  von
diesen  Werten  unterschiedslos  als  von  dem  „Wert  des  Goldes“  sprechen.
§  3.
Der  Barrengoldbestand  ist  nicht  die  letzte  äußere  Einwirkung  auf
die  Quantität  des  Geldes.  Wie  das  Barrenquantum  und  das  Geldquantum ­
  aufeinander  einwirken,  so  wird  das  Gesamtquantum  beider
durch  Produktion  und  Verbrauch  beeinflußt.  Die  Produktion  des  Goldes
besteht  in  der  Ausbeute  der  Goldminen,  die  fortgesetzt  Gold  zur  Ver ­
        <pb n="96" />
        80

VI.  Kapitel.

mehrung  der  vorhandenen  Bestände  an  Barrengold  und  Goldmünzen
hinzufügen.  Der  Verbrauch  von  Gold  besteht  in  der  Verwendung
des  Barrengoldes  im  Kunstgewerbe,  seiner  Verarbeitung  in  Juwelierwaren, ­
  Vergoldungen  usw.  sowie  in  den  durch  Verschleiß,  Schiffbruch
usw.  verursachten  Abgängen.  Wenn  wir  uns  das  Quantum  der  Goldmünzen
und  des  Barrengoldes  als  in  einem  Reservoir  enthalten  vorstellen,  so  würde
die  Produktion  den  Zufluß  aus  den  Minen  und  der  Verbrauch  den  Abfluß
bedeuten,  der  durch  die  Verwendung  im  Kunstgewerbe  sowie  durch  den
Verlust  infolge  von  Zerstörung  und  Abgang  verursacht  wird.  Dem  Einströmen
aus  den  Minen  müßte  das  Wieder  einströmen  aus  der  Welt  der
Goldwaren  beigerechnet  werden,  in  welche  das  Gold  zuvor  verarbeitet
wurde,  und  die  nutzlos  geworden  sind.  Ein  gutes  Beispiel  hierfür
ist  die  Verbrennung  goldener  Bilderrahmen  zur  Gewinnung  von  Barrengold.
Wir  wollen  zunächst  das  Einströmen  oder  die  Produktion  und  darauf ­
  den  Ausfluß  oder  den  Verbrauch  betrachten.  Den  Regulator  des
Zuströmens  (das  doch  in  der  Praxis  mit  der  Goldproduktion  aus  den
Minen  gleichbedeutend  ist)  bilden  die  Schätzungen  seiner  „Grenzproduktionskosten“. ­

Der  Bergwerksbetrieb  ist  ein  gewagtes  Unternehmen  und  Schätzungen
sind  bedeutenden  Irrtümern  unterworfen.  Doch  wie  irrig  die  Kostenvoranschläge ­
  auch  immer  sein  mögen,  so  üben  sie  doch  eine  regulierende  Macht
auf  die  Produktion  aus.  Wenn  der  Kostenvoranschlag  für  die  Produktion
eines  Dollars  in  Gold  geringer  ist  als  der  bestehende  Wert  eines  Golddollars,
dort  wird  er  normalerweise  produziert  werden.  Wenn  hingegen  die
Produktionskostenschätzungen  den  bestehenden  Wert  eines  Golddoflars
übersteigen,  wird  er  normalerweise  nicht  produziert  werden.  Im  ersten
Falle  ist  die  Goldproduktion  gewinnbringend,  im  letzteren  Falle  ist  sie
unrentabel.  Es  gibt  hier  einen  mittleren  oder  neutralen  Punkt,  wo  die
einträgliche  Produktion  unter  normalen  Verhältnissen  aufhört  und  die
unrentable  beginnt,  ein  Punkt,  wo  die  Produktionskosten  von  $  100
genau  $  100  betragen.  Die  Kosten  an  diesem  Punkt  werden  die  Grenzkosten
  der  Produktion  genannt.  Für  die  ergiebigsten  Minen  sind  die
Produktionskosten  äußerst  gering.  Von  diesem  niedrigen  Satze  steigen
die  Kosten  bei  den  anderen  Minen  allmählich  an,  bis  der  Kostenpunkt ­
  in  der  Grenzmine  erreicht  ist,  bei  welcher  die  Unkosten  dem
Werte  des  Produktes  gewöhnlich  gleich  sind.  Tatsächlich  gibt  es  einen
Produktionsgrenzpunkt,  nicht  für  die  verschiedenen  Minen,  sondern
für  jede  einzelne  Mine.  Die  Tatsache,  daß  die  Kosten  im  allgemeinen
mit  der  Produktionssteigerung  wachsen,  ist  darauf  zurückzuführen,
        <pb n="97" />
        Indirekte  Einwirkungen.

81

daß  das  Gold  eine  extraktive  Industrie  ist.  Es  ist  dem  Gesetz  der
zunehmenden  Kosten  unterworfen  oder,  wie  es  oft  ausgedrückt  wird  dem
Gesetz  der  abnehmenden  Erträge“.  Wenn  eine  Grube  nur  mittelmäßig
ausgebeutet  wird,  so  werden  die  Produktionskosten  für  eine  Unze  Gold
geringer  sein,  als  wenn  sich  die  Ausbeutungsweise  ihrer  vollen  Produktions
fähigkeit  nähert,  und  es  wird  hierbei  immer  eine  Normalstufe  der  Ausbeutu
geben,  auf  der  die  Kosten  per  Unze  so  beschaffen  sind,  daß  eine  Überschreitung ­
  dieser  Ausbeutungsstufe  die  erhöhte  Produktionstätigkeit  kaum  rentabel ­
  erscheinen  läßt.  Es  verlohnt  sich,  die  Produktion  bis  zu  dem  Punkte
auszudehnen,  wo  die  Ertragssteigerung  die  entstandenen  Mehrkosten  gerade ­
  deckt,  weiter  aber  nicht.  Der  Bergwerksuntemehmer  kann  unabsichtlich ­
  oder  zeitweilig  über  das  beabsichtigte  Ziel  hinausschießen  oder  es
nicht  vollständig  erreichen.  Solche  Irrtümer  werden  ihn  aber  nur  anspornen
derartige  Fehler  wieder  gut  zu  machen  und  die  Goldproduktion  neigt  immer
einem  Gleichgewichtszustände  zu,  in  welchem  die  Grenzkosten  der  Produktion
(unter  Hinzurechnung  des  Zinses)  dem  Wert  des  Produktes  gleich  sind
Dies  bestätigt  sich  immer,  ob  die  Produktionskosten  nun  in  Gold
selbst  gemessen  oder  ob  sie  in  irgendeiner  anderen  Ware  wie  Weizen  oder
in  Waren  im  allgemeinen,  oder  in  irgendeiner  anderen  beliebigen  absoluten“
Wertnorm  ausgedrückt  werden.  In  Ländern  mit  Goldwährung  berechnen
die  Bergwerksbesitzer  die  Kosten  der  Goldproduktion  in  Gold  Von
ihrem  Standpunkte  aus  ist  es  eine  überflüssige  Anstrengung,  die  Produktions
kosten  und  den  Wert  des  Produktes  in  ein  anderes  Wertmaß  als  Gold  zu  über
tragen.  Sie  haben  em  Interesse  an  dem  Verhältnis  zwischen  den  beiden
und  dieses  Verhältnis  wird  durch  die  Wahl  des  Wertmaßes  nicht  beeinflußt
Um  die  Kosten  und  den  Wert  von  Goldgeld  in  Weizen  zu  übertragen
braucht  man  nur  die  Kosten  und  den  Wert  durch  den  in  Goldgeld  ausgedrückten
Preis  des  Weizens  zu  dividieren.  Eine  solche  Änderung  in  der  Methode,
Kosten  und  Wert  auszudrücken,  beeinflußt  ihr  Verhältnis  zueinander  nicht'
Um  es  deutlich  zu  machen,  wie  der  Goldproduzent  alles  in  Goldsätzen ­
  bemißt,  wollen  wir  nun  annehmen,  daß  das  Preisniveau  steigt.  Angenommen, ­
  daß  die  Preissteigerung  sich  auf  Löhne,  Maschinerie,  Brennmaterialien ­
  und  andere  Unkosten  der  Goldproduktion  bezieht,  hat  der  Goldproduzent ­
  dann  mehr  Dollar  für  Löhne,  Maschinerie,  Heizung  usw.  zu
zahlen,  während  die  für  sein  Produkt  erlangten  Preise  (in  eben  denselben
Dollar  ausgedrückt)  wie  immer  unverändert  bleiben.  Umgekehrt  erniedrigen
sich  bei  einem  Fallen  des  Preisniveaus  seine  Produktionskosten  (in  Dollar
bemessen),  während  der  Preis  seines  Produktes  noch  immer  derselbe  ist J )
x )  Siehe  Mill,  Principles  of  Political  Economy,  III.  Teil,  IX.  Kap.  §  2
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.  0
        <pb n="98" />
        82

VI.  Kapitel.

Wir  haben  also  eine  feststehende  Zahl,  die  den  Preis  des  produzierten  Goldes
darstellt  und  eine  veränderliche  Zahl,  welche  dessen  Produktionskosten  ausdrückt. ­

Wenn  wir  dieselben  Phänomene  nicht  in  Gold,  sondern  in  Weizen  oder
vielmehr  in  Gütern  im  allgemeinen  ausdrücken,  so  haben  wir  die  umgekehrte
Sachlage.  Wenn  die  Preise  steigen,  fällt  die  Kaufkraft  des  Geldes,  und  diese
Kaufkraft  ist  der  Wert  des  Produktes,  ausgedrückt  in  Gütern  im  allgemeinen.
Wenn  sich  die  Kosten  der  Goldgewinnung  aus  den  Minen  mit  der  allgemeinen
Preisbewegung  ändern,  so  wird  es  eine  Veränderung  in  den  Kosten  der  Goldproduktion ­
  in  bezug  auf  Güter  nicht  gehen.  Dagegen  wird  jedoch  eine  Veränderung ­
  im  Werte  der  Goldproduktion  eintreten.  Das  heißt,  wir  haben
dann  eine  veränderliche,  den  Preis  des  Goldproduktes  bezeichnende  Zahl  und
eine  feststehende  Zahl,  welche  dessen  Produktionskosten  ausdrückt.
Der  Vergleich  zwischen  Preis  und  Produktionskosten  ist  also  derselbe,
gleichviel  ob  wir  Gold  oder  andere  Waren  als  unser  Kriterium  benützen.
Von  dem  einen  Gesichtspunkte  aus  betrachtet  —  d.  h.  wenn  die  Preise  in
Gold  bemessen  werden  —  bedeutet  eine  Preissteigerung  ein  Steigen  in  den
Produktionskosten  des  Goldminenbesitzers;  von  dem  anderen  —  d.  h.  wenn
die  Preise  in  anderen  Gütern  bemessen  werden  —  bedeutet  dieselbe  Preissteigerung ­
  ein  Fallen  im  Preise  (der  Kaufkraft)  seines  Produktes.  In  beiden
Fällen  wird  er  sich  entmutigt  fühlen.  Er  betrachtet  sein  Mißgeschick  von
dem  ersterwähnten  Standpunkt  aus,  d.  h.  als  eine  Folge  der  Steigerung  der
Kosten  der  Produktion.  Wir  werden  es  aber  zweckmäßiger  finden,  es  vom
letzterwähnten  Gesichtspunkte  aus  in  einem  Fallen  der  Kaufkraft  des  Produktes ­
  zu  suchen.  In  jedem  der  beiden  Fälle  findet  der  Vergleich  zwischen
den  Produktionskosten  des  Goldes  und  der  Kaufkraft  des  Goldes  statt.
Wenn  diese  Kaufkraft  über  den  Produktionskosten  einer  besonderen  Mine
steht,  so  verlohnt  es  sich,  diese  Mine  auszubeuten.  Wenn  die  Kaufkraft
des  Goldes  niedriger  ist  als  die  Produktionskosten  einer  besonderen  Mine,
so  verlohnt  sich  eine  Ausbeutung  dieser  Mine  nicht.  Die  Goldproduktion
steigt  oder  sinkt  also  je  nach  dem  Steigen  oder  Fallen  der  Kaufkraft  des
Goldes.
Soviel  über  den  Goldzufluß  und  die  ihn  regulierenden  Umstände.  Wir
wenden  uns  nun  dem  Abfluß  oder  dem  Verbrauch  des  Goldes  zu.  Dieser
Verbrauch  vollzieht  sich  in  zwei  Formen:  der  des  industriellen  Verbrauches
und  der  des  Verbrauches  zu  Geldzwecken.
Wir  wollen  zunächst  den  industriellen  Verbrauch  des  Goldes  betrachten. ­
  Wenn  die  aus  Gold  verfertigten  Gegenstände  sich  durch  Billigkeit ­
  auszeichnen  —  d.  h.,  wenn  die  Preise  anderer  Gegenstände  Verhältnis ­
        <pb n="99" />
        Indirekte  Einwirkungen.

83

mäßig  hoch  sind  —,  so  wird  die  verhältnismäßige  Billigkeit  der  Goldgegenstände ­
  zu  einer  Steigerung  ihrer  Anwendung  und  ihres  Verbrauches  führen.
Wenn  wir  diesen  Vorgang  in  Geldpreisen  ausdrücken,  so  werden  mehr
goldene  Uhren  und  Wertsachen  gekauft  und  verbraucht  werden,  wenn  die
Preise  aller  sonstigen  Objekte  höher  sind  und  das  Einkommen  der  Leute
ebenfalls  höher  ist,  während  goldene  Uhren  und  Goldschmuck  im  allgemeinen ­
  ihre  früheren  Preise  beibehalten.
Dies  sind  Beispiele  des  Goldverbrauchs  in  Form  von  Waren.  Der  Verbrauch ­
  und  Abgang  von  Gold  als  Münze  erfolgt  durch  Abnützung,  durch  Verlust ­
  bei  Schiffbruch  und  anderen  Unglücksfällen.  Er  wechselt  mit  den  Veränderungen ­
  des  in  Gebrauch  befindlichen  Goldquantums  und  mit  dessen
Austauschschnelligkeit.  Die  Abflüsse  aus  diesem  Reservoir  repräsentieren
den  Verbrauch  der  Goldmünzen  durch  Verlust.  Geradeso  wte  die  Produktion ­
  durch  die  Grenzkosten  des  Produzierten  reguliert  wird,  so  wird  der
Konsum  durch  den  Grenznutzen  des  Konsumierten  reguliert.  Es  ist  hier  nicht
der  Ort  auf  eine  Erörterung  der  wesentlichen  Symmetrie  zwischen  diesen
beiden  Grenzgrößen  einzugehen,  einer  Symmetrie,  die  oft  übersehen  wird,  weil
die  Kosten  gewöhnlich  objektiv  und  der  Nutzen  subjektiv  bemessen
werden.  Sie  können  beide  auf  die  eine  oder  die  andere  Weise  bemessen
werden.  Die  subjektive  Methode  ist  die  grundlegendere,  sie  entfernt  uns
aber  von  unserer  vorliegenden  Erörterung  mehr  als  notwendig  oder  nutzbringend ­
  ist.
Wir  sehen  also,  daß  durch  ein  Fallen  des  Wertes  (der  Kaufkraft)  des
Goldes  der  Verbrauch  an  Gold  einen  Ansporn  erhält,  während  die  Produktion ­
  des  Goldes  dadurch  herabgesetzt  wird.  Die  Kaufkraft  des  Geldes,  auf
die  die  entgegengesetzten  Kräfte  von  Produktion  und  Konsum  auf  diese
Weise  einwirken,  wird  je  nach  den  Umständen,  nach  aufwärts  oder  nach  abwärts ­
  getrieben 1 ).

J )  Die  hier  dargelegte  Theorie,  daß  der  Wert  des  Barrengoldes  und  die  Produktionskosten ­
  des  Goldes  vermittelst  der  Quantität  des  Geldes  die  Preise  beeinflussen,  ist  von
Nationalökonomen  im  allgemeinen  vertreten  worden.  Eine  abweichende  Ansicht  hierüber
hat  Laughlin.  Er  sagt:  „Die  Geldmenge,  die  als  tatsächliches  Austauschmittel  dient
bestimmt  den  Preis  nicht  mehr,  als  der  Eintrag  von  Kaufurkunden  und  Zessionen  in  das
Kreisgrundbuch  die  Preise  der  Ländereien  bestimmt,  deren  Verkauf  in  den  erwähnten  Urkunden ­
  verzeichnet  wird.“  Und  weiter:  „Der  Preis  ist  ein  Austauschverhältnis  zwischen
Gütern  und  dem  Währungsgute,  mag  dieses  Währungsgut  als  Tauschmittel  gebraucht
werden  oder  nicht.“  Siehe  The  Principles  of  Money,  New  York  (Scribner),  1903,  S.  317
und  318.

6*
        <pb n="100" />
        84

VI.  Kapitel.

§4.
In  jeder  vollständigen  Darlegung  der  Kräfte,  welche  die  Kaufkraft
des  Geldes  bestimmen,  ist  es  notwendig,  drei  Gruppen  von  Faktoren  fest  ins
Auge  zu  fassen:  1.  die  Produktion  oder  den  „Zufluß“  von  Gold  (d.  h.  aus
den  Minen);  2.  den  Verbrauch  oder  den  „Abfluß“  des  Goldes  (a)  in  die
Industrie,  b)  durch  Zerstörung  und  Verlust);  3.  den  „Vorrat“  oder
das  Reservoir  von  Gold  (entweder  Münzen  oder  Barrengold),  welches  den
Zufluß  erfährt  und  den  Abfluß  erleidet.  Die  Verhältnisse  dieser  drei
Arten  von  Größen  zueinander  können  vermittelst  eines  Schaubildes
wiedergegeben  werden,  wie  es  in  Figur  5  ersichtlich  ist.  Dieses  stellt

zwei  miteinander  verbundene,  eine  Flüssigkeit  enthaltende  Reservoire  dar,
G b  und  G m .  Der  Inhalt  des  ersten  Reservoirs  repräsentiert  den  Vorrat
an  Barrengold  (Gold  lulliori)  und  der  des  zweiten  Behälters  den  Vorrat
des  gemünzten  Goldes  (Gold  money).  Da  nun  die  Kaufkraft  mit  der  Seltenheit ­
  zunimmt,  soll  der  Abstand  zwischen  dem  Rand  der  Zisternen  oo  und
dem  Spiegel  der  Flüssigkeit  die  Kaufkraft  des  Goldes  für  andere  Güter  darsteflen.
  Ein  Sinken  des  Flüssigkeitsniveaus  zeigt  eine  Zunahme  in  der
Kaufkraft  des  Geldes  an,  da  wir  ja  diese  Kaufkraft  von  der  Linie  oo  nach
abwärts  zur  Oberfläche  der  Flüssigkeit  bemessen.  Wir  wollen  es  unterlassen, ­
  andere  Formen  der  Umlaufsmittel  in  dem  Diagramm  ausführlicher ­
  zur  Veranschaulichung  zu  bringen.  Wir  haben  gesehen,  daß
normalerweise  die  Quantitäten  anderer  Umlaufsmittel  zur  Quantität  des  Bargeldes, ­
  das  wir  uns  in  Gold  vorstellen,  in  einem  bestimmten  Verhältnisse
stehen.  Die  Veränderung  in  der  Kaufkraft  dieses  Bargeldes  kann  daher
        <pb n="101" />
        Indirekte  Einwirkungen.

85

als  maßgebend  für  die  Veränderung  aller  übrigen  Umlaufsmittel  angenommen
werden.  Wir  kommen  nun  zur  Erklärung  der  Gestaltung  dieser  Zisternen.  Die
Gestalt  der  Zisterne  G m  muß  so  beschaffen  sein,  daß  sie  bei  einer  Zunahme  der
Flüssigkeit  eine  Abnahme  der  Distanz  zwischen  der  Oberfläche  der  Flüssigkeit ­
  und  der  Linie  oo  in  genau  derselben  Weise  bewirkt,  wie  die  Kaufkraft
des  Goldes  mit  einer  Zunahme  in  seiner  Quantität  abnimmt.  Mit  anderen
Worten-  wenn  sich  die  Flüssigkeit  in  G m  verdoppelt,  so  sollte  sich  der
Abstand  der  Oberfläche  von  der  Linie  oo  um  die  Hälfte  verringern.  In  ähnlicher ­
  Weise  muß  die  Form  der  Barrengoldzisterne  so  beschaffen  sein,  daß
sie  die  Entfernung  der  Flüssigkeitsoberfläche  von  der  Linie  oo  bei  einer  Zunahme ­
  der  Flüssigkeit  verringert,  und  zwar  in  dem  Maße,  wie  der  Wert  des
Barrengoldes  mit  einer  Zunahme  des  Barrengoldvorrats  abnimmt.  Die
Form  der  beiden  Zisternen  braucht  nicht  und  wird  auch  gewöhnlich  nicht
die  gleiche  sein,  denn  wir  können  kaum  annehmen,  daß  eine  Halbierung  der
Kaufkraft  des  Goldes  immer  das  Quantum  des  vorhandenen  Barrengoldes
genau  verdoppelt.
Beide  Reservoire  haben  Zuflüsse  und  Abflüsse.  Betrachten  wir  zunächst
diejenigen  des  Barrengoldreservoirs  (G b ).  Jeder  Zufluß  stellt  hier  eine
besondere  Barrengold  liefernde  Mine  dar,  und  jeder  Abfluß  repräsentiert ­
  eine  besondere  Verwendung  des  Goldes  in  Industriezweigen,  wo
Barrengold  verbraucht  wird.  Jede  Mine  und  jede  Verbrauchsmöglichkeit
hat  ihren  eigenen  Abstand  von  oo.  Es  gibt  daher  drei  Arten  von  Distanzen
von  oo:  die  Zufluß-,  die  Abfluß-  und  die  Flüssigkeitsoberflächendistanz.
Jeder  Zuflußabstand  stellt,  in  Gütern  bemessen  die  Produktionskosten  für
jede  Mine  dar;  jede  Abflußdistanz  repräsentiert  den  Wert  des  Goldes  in
irgendeiner  besonderen  Verwendung  und  ist  ebenfalls  in  Gütern  bemessen;
die  Entfernung  von  der  Oberfläche  stellt,  wie  bereits  erklärt,  den  gleichfalls
in  Gütern  bemessenen  Wert  des  Barrengoldes,  —  mit  anderen  Worten
dessen  Kaufkraft  dar.
Es  ist  klar,  daß  es  unter  diesen  drei  Niveaugruppen  Diskrepanzen  geben
kann.  Diese  Konflikte  können  dazu  dienen,  die  relativen  Verhältnisse  zwischen
dem  Barrengold  und  den  verschiedenen  Zuflüssen  und  Abflüssen  zu  erklären. ­
  Wenn  ein  Zufluß  zu  einem  gewissen  Zeitpunkte  über  dem  Niveau
der  Flüssigkeit,  also  in  geringerem  Abstande  von  oo  stattfindet,  so  bedeutet
das,  daß  die  Produktionskosten  geringer  sind  als  die  Kaufkraft  des  Barrengoldes. ­
  Der  Bergwerksbesitzer  wird  nun  den  Hahn  aufdrehen  und  ihn  offen
lassen,"  bis  vielleicht  das  Niveau  der  Flüssigkeitshöhe  zu  dem  seiner  Mine
steigt  —  und  zwar  bis  der  Abstand  der  Oberfläche  von  oo  ebenso  gering  ist
wie  der  Abstand  vom  Zuflusse  —  d.  h.  bis  die  Kaufkraft  des  Barrengoldes
        <pb n="102" />
        86

VI.  Kapitel.

ebenso  gering  ist  wie  die  Produktionskosten.  An  diesem  Punkte  bringt  die
Bearbeitung  der  Mine  keinen  Gewinn  mehr.  Soviel  in  bezug  auf  die  Zuflüsse; ­
  wir  wollen  nun  die  Abflüsse  betrachten.  Wenn  ein  Abfluß  in  einem
bestimmten  Augenblick  sich  unterhalb  der  Höhe  der  Oberfläche  befindet
—  d.  h.  in  einer  größeren  Entfernung  von  oo,  so  bedeutet  dies,  daß
der  Wert  des  Goldes  in  dieser  besonderen  Anwendung  größer  ist  als  die
Kaufkraft  des  Barrengoldes.  Nun  wird  das  Barrengold  nach  diesem  Verwendungsgebiete, ­
  wo  seinWert  größer  ist,  abfließen,  und  zwar  fließt  es  dann
aus  allen  Ausflüssen  des  Reservoirs  unterhalb  der  Oberfläche  ab.
Es  ist  hieraus  zu  ersehen,  daß  zu  einem  gegebenen  Zeitpunkte  nur  die
Zuflüsse  oberhalb  der  Flüssigkeitsoberfläche  und  nur  die  Abflüsse  unterhalb
derselben  in  Tätigkeit  gesetzt  werden.  Mit  einem  Steigen  der  Oberfläche
treten  also  mehr  Abflüsse,  jedoch  weniger  Zuflüsse  in  Tätigkeit.  Das  heißt,
je  geringer  die  Kaufkraft  des  Goldes  im  Barren  ist,  desto  größer  wird  sein
Verbrauch  in  der  Industrie  sein,  desto  weniger  gewinnbringend  hingegen ­
  wird  es  für  die  Mine  sein,  es  zu  produzieren,  und  desto  geringer
wird  die  Förderung  aus  den  Minen  sein.  Sobald  die  Oberfläche  sinkt,  treten
mehr  Zuflüsse  und  weniger  Abflüsse  in  Tätigkeit.
Wir  wenden  uns  nunmehr  dem  Geldreservoir  (G m )  zu.  Die  Tatsache,
daß  das  Gold  auf  Grund  des  zwischen  Barrengold  und  Goldmünzen  stattfindenden ­
  Hin-  und  Herströmens  in  Barren  oder  Münze  den  gleichen  Wert
besitzt,  wird  in  dem  Diagramm  durch  die  Verbindung  des  Barrengoldreservoirs ­
  mit  dem  der  Goldmünzen  dargestellt,  und  infolgedessen  haben
beide  (ebenso  wie  Wasser)  dieselbe  Niveauhöhe.  Die  Oberflächen  der
Flüssigkeit  in  beiden  Reservoirs  haben  dieselbe  Entfernung  von  der  Linie  oo,
und  dieser  Abstand  stellt  den  Wert  des  Goldes  oder  dessen  Kaufkraft  dar.
Sollte  der  Zufluß  zu  irgendeiner  Zeit  den  Abfluß  übersteigen,  so  ist  das
Resultat  notwendigerweise  eine  Zunahme  in  dem  vorhandenen  Geldvorräte.
Dies  wird  eine  Herabsetzung  der  Kaufkraft  des  Goldes  oder  des  Goldwertes
herbeiführen.  Sobald  sich  aber  die  Oberfläche  erhöht,  kommen  weniger
Zuflüsse  und  mehr  Abflüsse  in  Tätigkeit.  Das  heißt,  auf  der  einen  Seite
nimmt  der  übermäßige  Zufluß  oder  die  Produktion  ab,  und  auf  der  anderen
Seite  nimmt  der  unzureichende  Abfluß  oder  der  Verbrauch  zu,  wodurch  die
Ungleichheit  zwischen  Zufluß  und  Abfluß  eingeschränkt  wird.  Wenn  hingegen
der  Abfluß  zeitweilig  größer  als  der  Zufluß  sein  sollte,  so  wird  sich  der  Inhalt
des  Reservoirs  vermindern.  Die  Kaufkraft  erhöht  sich,  dem  übermäßigen
Abfluß  wird  auf  diese  Weise  Einhalt  getan  und  der  unzureichende  Zufluß
angespornt,  wobei  das  Gleichgewicht  wiederhergestellt  wird.  Der  genaue
Gleichgewichtspunkt  kann  selten  oder  nie  erreicht  werden,  aber  es  herrscht
        <pb n="103" />
        Indirekte  Einwirkungen.

87

wie  bei  einem  Pendel,  das  durch  die  Gleichgewichtslage  hin  und  her  schwingt,
stets  eine  Tendenz  sie  zu  erreichen.
Es  bedarf  wohl  keiner  Erwähnung,  daß  unser  mechanisches  Diagramm
nur  den  Zweck  hat,  ein  Bild  der  hauptsächlichsten  variablen  Größen  zu
geben,  die  in  dem  in  unsere  Erörterung  aufgenommenen  Problem  enthalten
sind.  Es  bildet  weder  an  sich  selbst  ein  Argument,  noch  fügt  es  irgendeinen
neuen  Faktor  bei;  auch  darf  nicht  angenommen  werden,  daß  es  ausdrücklich
alle  zu  berücksichtigenden  Faktoren  umfaßt.  Doch  setzt  uns  dieses  Diagramm
in  den  Stand,  die  in  der  Bestimmung  der  Kaufkraft  des  Geldes  enthaltenen
Hauptfaktoren  zu  erfassen.  Es  ermöglicht,  die  nachstehenden  wichtigen
Variationen  und  deren  Wirkungen  zu  beobachten  und  zu  verfolgen:
Erstens,  wenn  eine  Erhöhung  der  Goldproduktion  eintritt—die,  wie  wir
einmäl  annehmen  wollen,  durch  Entdeckung  neuer  Minen  oder  durch  verbesserte ­
  Ausbeuteverfahren  in  alten  Minen  veranlaßt  würde  so  kann
diese  durch  eine  Vermehrung  in  der  Anzahl  oder  in  der  Größe  der  Zuflüsse
in  das  G b  Reservoir  dargestellt  werden.  Die  Folge  davon  wird,  wie  klar
ersichtlich,  eine  Vermehrung  des  „Zuflusses“  in  das  Barrengoldreservoir  und
von  diesem  in  das  Umlaufsmittelreservoir  sein,  und  dieser  Zufluß  wird  infolgedessen ­
  ein  allmähliches  Vollfüllen  beider  Reservoirs  sowie  eine  Abnahme  der
Kaufkraft  des  Geldes  herbeiführen.  Diesem  Prozeß  wird  schließlich  durch
eine  Zunahme  im  Verbrauch  Einhalt  geboten.  Und  wenn  die  Produktion
und  der  Konsum  emander  gleichkommen,  wird  das  Gleichgewicht  wiederhergestellt. ­
  Es  ist  klar,  daß  eine  Erschöpfung  der  Goldminen  in  genau
umgekehrter  Weise  wirksam  wird.
Wenn  zweitens  eine  Zunahme  im  Verbrauch  des  Goldes  eintreten  sollte
wie  z.  B.  durch  einen  Wechsel  in  der  Mode,  so  kann  dies  durch  eine  Vermehrung ­
  m  der  Anzahl  oder  in  der  Größe  der  Abflüsse  aus  G b  dargestellt
werden.  Das  Ergebnis  ist  dann  ein  allmähliches  Abfließen  aus  dem  Barrengoldreservoir ­
  und  infolgedessen  eine  Inhaltsverminderung  des  Umlaufsmittelreservoirs; ­
  es  tritt  nun  eine  Erhöhung  in  der  Kaufkraft  des  Goldes
ein,  der  schließlich  durch  eine  Zunahme  der  Förderung  aus  den  Minen  und
auch  durch  Abnahme  des  Konsums  Einhalt  geboten  wird.  Wenn  die  erhöhte
Produktion  und  der  verminderte  Verbrauch  einander  gleichkommen,  ist  das
Gleichgewicht  wieder  erreicht.
Wenn  die  Verbindung  zwischen  dem  Umlaufsmittel-  und  dem  Barrengoldreservoir ­
  mittelst  eines  Ventils  abgesperrt  wird,  d.  h.  wenn  die  Münzstätten
geschlossen  werden,  so  daß  das  Barrengold  nicht  in  das  gemünzte  Gold
fließen  kann  (dem  seinerseits  ein  Rückströmen  ins  Barrengold  nicht  ver
wehrt  wird),  dann  wird  die  Kaufkraft  des  Goldes  als  Geld  eine  größere  wer ­
        <pb n="104" />
        88

VI.  Kapitel.

den,  als  dessen  Wert  als  Barrengold  ist.  Jede  Zunahme  in  der  Produktion
des  Goldes  wird  darauf  gerichtet  sein,  nur  das  Barrengoldreservoir  zu  füllen
und  den  Abstand  der  Oberfläche  von  der  Linie  oo  zu  verringern,  d.  h.  den
Wert  des  Barrengoldes  zu  erniedrigen.  Die  Oberfläche  der  Flüssigkeit  in
dem  Geldreservoir  wird  der  Linie  oo  nicht  näher  gebracht.  Sie  kann  bei  allmählichem ­
  Verlust  sogar  noch  weiter  von  ihr  entfernt  werden.  Mit  anderen
Worten:  die  Kaufkraft  des  Geldes  wird  durch  ein  solches  Ventil  gänzlich
unabhängig  vom  Werte  des  Barrengoldes  gemacht,  woraus  es  zuvor  erzeugt
worden  ist.
Ein  Beispiel  für  dieses  Prinzip  ist  in  der  Geschichte  der  Silberumlaufsmittel
  in  Indien  zu  finden.  Nach  langen  Verhandlungen  wurden  im  Jahre
1893  die  indischen  Münzstätten  dem  Silber  verschlossen.  Vor  jener  Zeit
folgte  der  Wert  des  gemünzten  Silbers  genau  dem  Werte  des  Barren  -
silbers;  die  Schließung  der  Münze  brachte  jedoch  sofort  eine  Abweichung
zwischen  den  beiden  hervor.  Die  Rupie  ist  seitdem  vom  Silber  unabhängig ­
  geblieben,  und  während  der  ersten  sechs  Jahre  —  bis  1899  —  war  sie
auch  unabhängig  vom  Gold.  Das  gegenwärtige  Verhältnis  der  Rupie  zum
Gold  soll  im  nächsten  Kapitel  erörtert  werden.
Wir  haben  nun,  mit  Ausnahme  einer  einzigen,  alle  von  außen  kommenden ­
  Einwirkungen  auf  die  Verkehrsgleichung  untersucht.  Diese  eine  besteht
im  Charakter  des  Geld-  und  Banksystems,  der  die  Quantität  des  Geldes  und
der  Depositen  berührt.  Eine  spezielle  Erörterung  dieses  Punktes  behalten
wir  uns  für  das  nächste  Kapitel  vor.  Inzwischen  ist  es  noch  bemerkenswert,
daß  fast  alle  entweder  die  Quantität  oder  die  Umlaufsgeschwindigkeiten
berührenden  Einwirkungen  sich  hauptsächlich  in  der  Richtung  einer  Preiserhöhung ­
  geltend  gemacht  haben  und  sich  noch  immer  geltend  machen.  Fast  die
einzige  entgegengesetzte  Einwirkung  übt  die  Steigerung  des  Handelsvolumens
aus,  doch  wird  diese  teilweise  durch  erhöhte,  der  Zunahme  des  Handels
selbst  zuzuschreibende  Umlaufsgeschwindigkeiten  neutralisiert.  Hierbei
muß  bemerkt  werden,  daß  sich  einige  der  in  diesem  und  dem  vorhergehenden
Kapitel  erörterten  Einwirkungen  auf  mehr  als  eine  Weise  geltend  machen.
Nehmen  wir  z.  B.  technisches  Wissen  und  Erfindung,  die  durch  eine  Steigerung ­
  des  Handelsvolumens  auf  die  Verkehrsgleichung  einwirken.  Insofern
als  diese  den  Handel  vergrößern,  besteht  eine  Tendenz  zu  einer  Preiserniedrigung; ­
  insofern  sie  aber  die  Metallurgie  und  die  anderen  Gewerbe,  die  die
Produktion  erhöhen  und  den  Transport  der  Edelmetalle  erleichtern,  zur
Entwicklung  bringen,  tragen  sie  zu  einer  Erhöhung  der  Preise  bei.  Sofern
Technik  und  Erfindungen  den  Transport  und  die  Übertragung  des  Geldes
und  der  Depositen  rascher  gestalten,  führen  sie  ebenfalls  eine  Steigerung
        <pb n="105" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

89

der  Preise  herbei.  Sofern  sie  zur  höheren  Entwicklung  des  Bankwesens
führen,  bringen  sie  gleicherweise  eine  Steigerung  der  Preise  hervor,  und  zwar
durch  die  Vermehrung  des  Depositenumlaufs  (G')  und  ebenso  durch  die  Erhöhung ­
  der  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  wie  der  Depositen.  Soweit
sie  zur  Konzentration  der  Bevölkerung  in  den  Städten  führen,  erhöhen  sie
die  Preise  durch  Beschleunigung  der  Zirkulation.
Schließlich  herrscht  eine  Tendenz  zu  einem  Fallen  der  Preise,  insofern
als  sich  durch  diese  oder  jene  Ursache  der  Umsatz  pro  Kopf  der  Bevölkerung
vergrößert.  Das  Endergebnis  der  Entwicklung  der  Gewerbe  während
einer  gewissen  Zeitperiode  hängt  davon  ab,  nach  welcher  Richtung  sich  vorwiegend ­
  die  Gewerbe  entwickeln.

VII.  Kapitel.
Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.
§1.
Bisher  haben  wir  die  die  Kaufkraft  des  Geldes  bestimmenden  Einwirkungen ­
  erörtert,  bei  denen  das  in  Umlauf  befindliche  Geld  durchgehend
von  Einer  Gattung  ist.  Die  im  vorhergehenden  Kapitel  gegebene  Illustration
lehrt,  wie  der  Geldmechanismus  arbeitet,  wenn  ein  einziges  Metall  in  Gebrauch ­
  ist.  Wir  haben  nun  die  Geldsysteme  zu  untersuchen,  bei  welchen
mehr  als  eine  Art  Geld  in  Anwendung  kommt.
Eine  der  ersten  Schwierigkeiten  in  der  frühesten  Geschichte  des  Geldes
bestand  darin,  zwei  oder  mehr  Metalle  im  Umlauf  zu  erhalten.  Wurde  eins
der  beiden  Metalle  billiger  als  das  andere,  so  vertrieb  das  billigere  Metall  das
teurere.  Diese  Tendenz  wurde  ungefähr  im  Jahre  1366  von  Nicolas  Oresme,
dem  nachmaligen  Bischof  von  Lisieux  in  einem  Bericht  an  Karl  V.  von
Frankreich  und  von  Kopernikus  um  1526  in  einem  für  Sigismund  I,  König
von  Polen  geschriebenen  Bericht  oder  Traktat  erwähnt 1 ).  Macleod  gab,
bevor  er  von  den  früheren  Formulierungen  von  Oresme  und  Kopernikus *  2 )
erfuhr,  in  seinen  im  Jahre  1857  veröffentlichten  Elements  of  Political  Economy ­
  3 )  zu  Ehren  von  Sir  Thomas  Gresham,  welcher  das  Prinzip  in  der  Mitte
1)  Henry  Dunning  Macleod,  Tlie  Eistory  of  Economics,  New  York  (Putnam),  1896,
S.  37  u.  38.
2 )  Macleod,  a.  a.  0.  S.  38  u.  39.
3 )  S.  477.
        <pb n="106" />
        90

VII.  Kapitel.

des  sechzehnten  Jahrhunderts  darlegte,  dieser  Tendenz  den  Namen  „das
Greshamsche  Gesetz“  (Gresham’s  Law).  Die  Tendenz  scheint  tatsächlich
sogar  von  den  alten  Griechen  erkannt  worden  zu  sein,  denn  sie  wird  in  den
„Fröschen“  von  Aristophanes  erwähnt 1 ):
„Häufig  will  mir’s  scheinen  daß  bei  uns  daheim  so,  wie  im  Feld,
In  betreff  der  Gentlemen  unter  uns  sich’s  so  verhält,
Wie  mit  unsrer  alten  Münze  und  dem  neuen  goldnen  Geld.
Nämlich  jene  nicht,  die  wahrlich  weder  falsch  ist  noch  zu  leicht.
Sondern  unter  allen  Münzen  stets  die  beste,  wie  mir  däucht,
Und  als  einzig  vollgeprägte  und  bewährte  im  Metall,
Geltung  hat  bei  allen  Griechen  und  Barbaren  überall,
Diese  nicht  mehr  braucht  ihr,  sondern  jene  gleißnerische  Bronze
Jenen  ärgsten  Schlag  von  Münzen,  erst  seit  gestern  aus  der  Bonze.“
Das  Gresham-  oder  Oresmesche  Gesetz  wird  gewöhnlich  in  der
Form  von:  „Schlechtes  Geld  vertreibt  gutes  Geld“  ausgedrückt,  denn
es  ist  gewöhnlich  beobachtet  worden,  daß  das  abgenützte,  entstellte,
untergewichtige,  gekippte,  gewippte  („sweated“)  sowie  auf  andere
Weise  verschlechterte  Geld  die  vollwichtigen,  neu  gemünzten  Stücke
vertrieben  hat.  Diese  Formel  trifft  jedoch  nicht  völlig  zu.  Es  ist
nicht  wahr,  daß  „schlechte“  Münzen,  wie  abgenützte,  verbogene,  verunstaltete ­
  oder  selbst  gekippte  Münzen,  anderes  Geld  gerade  deshalb
vertreiben,  weil  sie  sich  in  abgenütztem,  verbogenem  oder  gekipptem
Zustande  befinden.  Korrekt  formuliert  lautet  das  Gesetz  einfach:  Das
billige  Geld  vertreibt  das  teure.  Der  Grund,  daß  von  zwei  Geldarten  das
billigere  die  Oberhand  gewinnt,  liegt  darin,  daß  die  Wahl  zwischen  den  Geldsorten ­
  vorwiegend  bei  dem  liegt,  der  das  Geld  ausgibt,  nicht  bei  dem,  der  es
empfängt.  Jemand  der  die  Wahl  hat,  seine  Schulden  in  der  einen  oder
anderen  von  zwei  Geldarten  zu  bezahlen,  wird  ökonomischerweise  hierzu
das  billigere  der  beiden  benutzen.  Wenn  die  Initiative  und  die  Wahl  in  der
Hauptsache  bei  der  Person  läge,  die  das  Geld  empfängt,  so  würde  der  umgekehrte ­
  Fall  eintreten.  Das  teurere  oder  „gute“  Geld  würde  dann  das
billigere  oder  „schlechte“  Geld  vertreiben.
Was  wird  nun  aus  dem  teureren  Gelde  ?  Es  kann  thesauriert  werden,
in  den  Schmelztiegel  oder  ins  Ausland  gehen,  —  thesauriert  und  geschmolzen
des  Gewinnes  halber  und  ins  Ausland  gesandt,  weil  beim  Auslandshandel
der  Ausländer,  der  das  Geld  empfängt,  und  nicht  wir,  die  es  geben,  darüber
entscheiden,  welche  Art  Geld  er  akzeptiert.  Er  wird  nur  das  beste  nehmen,
denn  er  ist  durch  unsere  Währungsgesetzgebung  nicht  gebunden.

D  V.  718—732,  Übersetzung  von  Joh.  Gust.  Droysen.
        <pb n="107" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

91

Denkbarerweise  kann  das  bessere  Geld  im  Umtausch  mit  einem  Agio,
d.  h.  zu  seinem  Barrenwerte,  benutzt  werden;  die  Schwierigkeiten  aber,
Zahlungen  damit  so  vorzunehmen,  daß  beide  Parteien  sich  zufriedengeben,
sind  derartig,  daß  es  in  der  Praxis  nie  in  großem  Umfang  dazu  kommt.
Tatsächlich  ist  der  Einfluß  des  Greshamschen  Gesetzes  so  groß,  daß  ihm
sogar  die  Bequemlichkeit  einer  ganzen  Nation  geopfert  wird.  So  trieb  vor
fünfzehn  Jahren  die  übermäßige  Ausgabe  von  Papiergeld  in  Italien  nicht  nur
das  Gold  sondern  auch  Süber  und  Kupfer  über  die  Alpen.  Diese  konnten
in  Südfrankreich  zum  gleichen  Werte  wie  die  entsprechenden  dortigen
Münzen  zirkulieren,  weil  Frankreich  und  Italien  zur  Lateinischen  Union
gehören  Infolgedessen  blieb  eine  Zeitlang  sehr  wenig  Kleingeld  unter  dem
Betrage  der  5-Lire-Noten  übrig.  Es  war  den  Käufern  in  Detailgeschäften
oft  unmöglich,  ihre  Einkäufe  zu  besorgen,  weil  ihnen  das  nötige  Kleingeld
fehlte  und  auch  der  Kaufmann  hatte  es  nicht  und  konnte  daher  nicht
wechseln.  Um  der  mißlichen  Lage  abzuhelfen,  wurden  30,000,000  Noten
zu  1  Lire  ausgegeben,  und  es  herrschte  eine  so  große  Nachfrage  danach,  daß
man  ein  Agio  dafür  zahlte.
Das  Greshamsche  Gesetz  bezieht  sich  nicht  nur  auf  zwei  konkurrierende
Geldarten  aus  ein-  und  demselben  Metall,  sondern  überhaupt  auf  alles  Geld,
welches  gleichzeitig  zirkuliert.  Bis  zu  der  Zeit,  wo  das  „Reifein“  der  Münzränder ­
  erfunden  und  seitens  der  Münzstätten  ein  „Remedium“  (eine  Grenze,
innerhalb  welcher  eine  Abweichung  vom  gesetzlichen  Schrot  und  Korn  erlaubt ­
  ist)  angenommen  wurde,  traten  dadurch,  daß  das  Kippen  (clipping)
und  Münzenverschlechterung  etwas  ganz  Gewöhnliches  war,  große  Verwirrungen ­
  ein.  Heutzutage  hört  jedoch  jede  Münze,  deren  Gewicht  durch
Feingehaltsverschlechterung  oder  durch  Kippen  merklich  herabgesetzt
worden  ist,  auf,  gesetzliches  Zahlungsmittel  zu  sein  und,  indem  sie  aus
diesem  Grunde  allgemein  zurückgewiesen  wird,  nimmt  ihre  Geldfunktion
ein  Ende.  Innerhalb  der  gebräuchlichen x )  oder  gesetzmäßigen  Schranken
des  Remediums  indessen  —  d.  h.  solange  das  billigere  Geld  die  „Geld“-funktion
  beibehält  —  vertreibt  es  das  teurere.
§2.
Die  natürliche  Folge  des  Greshamschen  Gesetzes  ist  eine  Abnahme  der
Kaufkraft  des  Geldes  bei  jeder  Gelegenheit.  Die  Geschichte  der  Umlaufsmittel ­
  der  Welt  ist  zum  großen  Teil  eine  Chronik  von  oft  lediglich  auf
i)  Die  Verkehrsusancen  sind  zuweilen  weniger  streng  als  das  Gesetz.  In  Califomien
z.  B.  zirkulieren  abgenützte  und  unter  der  Toleranzgrenze  befindliche  Goldmünzen  weiter.
Sie  werden  „Bankgold“  genannt.
        <pb n="108" />
        92

VII.  Kapitel.

das  Geheiß  des  Staatsoberhauptes  ausgeführten  Geldverschlechterungen.
Bei  der  Betrachtung  des  Greshamschen  Gesetzes  haben  wir  nun  unser  Hauptaugenmerk ­
  auf  die  klarere  Erkenntnis  der  Ursachen  zu  richten,  welche  die
Kaufkraft  des  Geldes  unter  den  der  Wirkung  des  Greshamschen  Gesetzes
unterworfenen  Geldsystemen  bestimmen.  Das  erste  Paradigma  bildet  der
Bimetallismus.
Um  den  Einfluß  eines  Geldsystems  auf  die  Kaufkraft  des  Geldes  gründlich ­
  zu  verstehen,  müssen  wir  zuerst  wissen,  wie  das  System  arbeitet 1 ).  Es
ist  in  Abrede  gestellt  worden,  daß  sich  der  Bimetallismus  jemals  bewährt
hat,  oder  daß  er  sich  überhaupt  bewähren  kann,  weil  das  billigere  Metall  stets
das  teurere  vertreibt.  Unsere  erste  Aufgabe  ist,  ohne  irgendwelche  Rücksicht ­
  auf  die  Frage,  ob  der  Bimetallismus  wünschenswert  ist,  zu  beweisen,  daß
er  sich  unter  ganz  bestimmten  Umständen  „bewähren“  kann,  aber  nicht
unter  anderen.  Um  klarzumachen,  wann  sich  der  Bimetallismus  bewährt
und  wann  nicht,  wollen  wir  das  im  letzten  Kapitel  benützte  Schaubild  1  2 ),  in
welchem  die  Quantität  des  Barrengoldes  durch  den  Inhalt  des  Reservoirs  G b
dargestellt  ist,  noch  weiter  anwenden.  (Figur  6  und  7.)  Genau  wie  vorher
stellen  wir  die  Kaufkraft  oder  den  Wert  des  Goldes  dar  durch  die  Entfernung
vom  Niveau  des  Wassers  unter  dem  Niveau  der  Nullpunkte  bzw.  oo.  Die  Figur
im  letzten  Kapitel  veranschaulichte  nur  ein  Metall,  nämlich  Gold,  und  zwar
in  zwei  Reservoirs,  im  Barrengold-  und  im  Goldmünzenreservoir.  Wir  wollen
nun  Schritt  für  Schritt  diese  Figur  ausarbeiten.  Zuerst  fügen  wir,  wie  aus
Figur  6  ersichtlich,  ein  Reservoir  für  Barrensilber  (S b )  hinzu,  welches  in
Größe  und  Form  von  dem  Reservoir  G b  etwas  ab  weicht.  Wir  benützen
dieses  Reservoir,  um  das  Verhältnis  zwischen  dem  Werte  oder  der  Kaufkraft ­
  des  Silbers  sowie  dessen  Quantität  in  der  Industrie  und  als  Barrensilber ­
  zu  zeigen.  Wir  haben  es  also  hier  mit  drei  Reservoirs  zu  tun.  Das
Silberreservoir  bleibt  zunächst  gänzlich  isoliert,  später  werden  wir  es  aber
mit  dem  mittleren  verbinden.  Für  den  Augenblick  wollen  wir  annehmen,
daß  das  mittlere  Reservoir,  welches  Geld  enthält,  nur  mit  aus  Gold  gemünztem ­
  Gelde  gefüllt  ist  (Figur  6  a),  da  noch  kein  Silber  als  Geld
fungiere.  Mit  anderen  Worten:  Das  im  letzten  Kapitel  erörterte  Geldsystem ­
  wird  beibehalten;  wir  haben  es  nur  insoweit  verändert,  als  wir
der  Zeichnung  ein  weiteres  Reservoir,  (8 b ),  hinzugefügt  haben,  das,  gänzlich
1 )  Irving  Fisher,  „The  Mechanics  oj  Bimetallism“,  London,  Economic  Journal,
September  1894,  S.  527—536.
2 )  In  der  vorliegenden  Anwendung  gleicht  es  einigermaßen  einer  von  Jevons  in
seinem  Money  and  the  Mechanism  of  Exchange,  New  York  (Appleton),  1896,  S.  140,  angeregten ­
  Versinnbildlichung.
        <pb n="109" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

93

Fig.  6.
Silber  Wenn  z.  B.  ein  Silberdollar  16  Gran  Silber  für  jedes  Gran  Gold
in  einem  Golddollar  enthält,  so  wird  dieses  Verhältnis  16  zu  1  genannt.
Unter  diesem  System  hat  ein  Schuldner,  wenn  er  durch  seinen  Kontrakt
nicht  auf  andere  Weise  gebunden  ist,  die  freie  Wahl,  Zahlung  entweder  in
Gold-  oder  in  Silbergeld  zu  leisten.  Tatsächlich  sind  die  zwei  Bedingungen
des  vollkommenen  Bimetallismus  folgende:  1.  die  freie  und  unbeschränkte
Ausmünzung  beider  Metalle  zu  einem  festgesetzten  Verhältnis  und  2.  die  unbes
 C hränkte &amp;amp; gesetziiche  Zahlungskraft  jedes  Metalls  zu  diesem  Verhältnis  *).
i)  Die  Möglichkeit  der  Festsetzung  eines  Verhältnisses  zwischen  Gold  und  Silber
seitens  der  Regierung,  dem  das  Marktverhältnis  sich  anzupassen  hat,  ist  Gegenstand  so

abgesondert  von  den  anderen,  die  Quantität  und  den  Wert  des  Barrensilbers
darstellt.
Nunmehr  nehmen  wir  an,  daß  zur  Rechten  ein  Rohr,  durch  welches
das  S b -Reservoir  mit  dem  Geldreservoir  verbunden  ist,  geöffnet  wird;  d.  h.
wir  führen  den  Bimetallismus  ein.  Bei  Bimetallismus  öffnen  die  Regierungen
ihre  Münzstätten  der  freien  Münzprägung  beider  Metalle  zu  einem  festgesetzten ­
  Verhältnis,  d.  h.  zu  einer  ständigen  Relation  zwischen  Gold  und
        <pb n="110" />
        94

VII.  Kapitel.

Diese  neuen  Bedingungen  sind  in  Figur  6  b  (und  später  in  Figur  7  b),  in  der
das  Silber  durch  ein  Bohr  in  das  Geld-  oder  Zentralreservoir  geleitet  wird,
veranschaulicht x ).
Es  sind  nicht  die  Verhältnisse  zwischen  den  Minen,  den  Barren  und
den  gewerblichen  Verwendungen,  welche  wir  nunmehr  zur  Darstellung
bringen,  sondern  diejenigen  zwischen  Barren  (zwei  Arten)  und  Münzen.
Wir  können  daher  für  jetzt,  mit  Ausnahme  der  Verbindungen  zwischen  den
beiden  Barrenreservoirs  und  dem  Münzreservoir,  alle  Zuflüsse  und  Abflüsse
unberücksichtigt  lassen.
Wie  bereits  erwähnt,  stellen  nun  die  Abstände  der  Oberflächen  dieser
Beservoirs  unter  oo  die  Kaufkraft  des  Goldes  und  des  Silbers  dar.  Jede
Silbereinheit  (sagen  wir,  jeder  Tropfen  Silberflüssigkeit,  gleichgültig  ob  in
Geld  oder  in  Barren)  enthält  jedoch  sechzehnmal  soviel  Gran  als  jede  Goldeinheit ­
  (sagen  wir,  jeder  Tropfen  Goldflüssigkeit,  gleichgültig  ob  in  Geld
oder  in  Barren).  Das  heißt,  eine  Einheit  Wasser  repräsentiert  einen  Dollar
in  Gold  oder  einen  Dollar  in  Silber.  Es  ist  die  relative  Kaufkraft  der  übereinstimmenden ­
  Einheiten,  welche  wir  zur  Darstellung  bringen  wollen.
Die  Wassermengen,  welche  Gold-  und  Silbergeld  vorstellen,  sind  durch
einen  beweglichen  Filjn  (/)  getrennt.  In  Figur  6  a  befindet  sich  dieser  Film
zur  äußersten  Kechten;  in  Figur  6  b  zur  äußersten  Linken;  in  Figur  7a  wieder
zur  Bechten  und  in  Figur  7b  in  der  Mitte.  Die  a-Figuren  stellen  die  Sachlage
dar,  bevor  die  Münzstätten  dem  Silber  erschlossen  wurden.  Die  b-Figuren
diejenige,  nachdem  sie  geöffnet  worden  sind  und  das  Greshamsche  Gesetz
gewirkt  hat.  Wenn  gerade  vor  der  Einführung  des  Bimetallismus  das  Niveau
des  Silbers  in  S b  unter  dem  Niveau  des  Goldes  in  G b  liegt,  wird  das
den  Bimetallismus  einführende  Gesetz  unwirksam,  d.  h.  das  Barrensilber ­
  wird  nicht  sozusagen  bergauf  in  das  Geldreservoir  fließen;  wenn  hingegen, ­
  wie  in  Figur  6  a  oder  7  a  angezeigt,  das  Niveau  des  Silbers  höher  ist,
dann  wird  dieses,  sobald  die  Münzstätten  dem  Silber  geöffnet  sind,  in  die
Zirkulation  fließen.  Da  es  anfangs  billiger  als  Gold  ist,  so  drängt  es  das  Goldgeld ­
  durch  das  Bohr  zur  Linken  (d.  h.  durch  Schmelzen)  auf  den  Barrenmarkt

erbitterten  Streites  gewesen,  daß  außer  dem  im  Text  enthaltenen  positiven  Argumente
noch  eine  negative  Kritik  der  u.  E.  diesen  Streitfragen  zugrunde  liegenden  Haupttrugschlüsse
  in  §  1  des  Anhanges  zu  diesem  (VII.)  Kapitel  anhangsweise  folgt.
x )  Eine  Einheit  Wasser  stellt  natürlich  Gold  und  Silber  in  ihren  Münzgewichten  dar.
Wenn  das  bimetallische  Verhältnis  16  zu  1  ist,  so  müssen  die  Zisternen  derart  konstruiert
sein,  daß  ein  Kubikzoll  Wasser  eine  Unze  Gold  oder  16  Unzen  Silber  darstellt,  und  daß  die
Anzahl  der  Zoll,  welche  die  Elüssigkeitsoberflächen  von  oo  trennen,  den  Grenznutzen  einer
Unze  Gold  bzw.  von  16  Unzen  Silber  vorstellt.
        <pb n="111" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

95

hinaus.  Diese  Verdrängung  des  Goldes  kann,  laut  Figur  6b,  eine  vollständige ­
  oder,  wie  in  Figur  7b,  eine  teilweise  sein.  Die  Verdrängung
hält  gerade  solange  an,  als  es  eine  Prämie  auf  Gold  gibt;  d.  h.  solange,
als  das  Niveau  des  Silbers  im  Barrenreservoir  über  dem  Niveau  des
Goldes  im  Geldreservoir  steht,  und  zwar  solange,  als  das  Barrensilber
billiger  als  Goldgeld  ist.

Kg-  7.

'  Nehmen  wir  an,  wie  in  Figur  6  a,  mm  sei  das  mittlere  Niveau,  d.h.  stellen
wir  uns  das  Niveau  derart  vor,  daß  das  Volumen  x  über  ihm  den  vereinigten
leeren  Volumen  y  und  z  unter  ihm  gleichkommt.  Diese  Linie  mm  bleibt
das  mittlere  Niveau,  wie  die  Verteilung  des  Inhaltes  in  die  drei  Reservoirs
auch  immer  sein  mag.  Sobald  das  Verbindungsrohr  eingesetzt  ist,  fließt
das  Silber  in  das  Geldreservoir  und  tritt,  dem  Greshamschen  Gesetz  gemäß,
an  die  Stelle  des  Goldes.
Wir  haben  hier  zwei  Fälle  zu  unterscheiden:  1.  wenn  das  Silber  x  über
der  mittleren  Linie  mm  den  Gesumtiniialt  des  Geldres&amp;amp;rvoiys  untav  dieser  Z/inie
übersteigt;  2.  wenn  x  geringer  ist  als  der  besagte  unten  befindliche  Inhalt.  Im
        <pb n="112" />
        96

VII.  Kapitel.

ersten  Falle  ist  es  klar,  daß  das  Silber,  wie  in  Figur  6b  veranschaulicht,  in
welcher  sich  der  Film  von  der  äußersten  Rechten  zur  äußersten  Linken
fortbewegt  hat,  das  Gold  gänzlich  aus  der  Zirkulation  fegt.  Der  Inhalt
des  Silbers  im  Barrenreservoir  ist  geringer  als  vorher  und  der  Inhalt  des
Goldes  im  Barrenreservoir  größer  als  zuvor.
Diese  Wiederverteilung  ist  jedoch  nur  die  erste  Wirkung  der  Zulassung
des  Silbers  zu  den  Münzstätten.  Das  Gleichgewicht  zwischenProduktion  und
Konsumtion  ist  für  Gold  wie  auch  für  Silber  gestört  worden.  Einerseits
hat  der  erhöhte  Wert  des  Silbers  (das  erniedrigte  Niveau  in  8 b )  die  Produktion ­
  angespornt,  indem  Silberminen  (die  ungedeckten  Zuflüsse  zur
Rechten)  in  Betrieb  gebracht  wurden;  anderseits  hat  der  herabgesetzte
Wert  des  Goldes  (das  erhöhte  Niveau  in  G b )  die  Goldproduktion  entmutigt
und  die  Goldminen  (die  gedeckten  Zuflüsse  zur  Linken)  stillgelegt.  Gleiche
Änderungen  werden  in  den  Abflüssen,  d.  h.  im  Verbrauch,  Abgang  und  in
der  Absorption  eines  jeden  Metalls  bewirkt.
Das  Ergebnis  ist,  daß  die  von  der  ersten  Wiederverteilung  herrührenden
Niveaus  nicht  unbedingt  dauernde  sind.  Sie  können  auf  ihre  entsprechenden
ursprünglichen  Niveaus  zurückgehen,  und  sie  werden  es  unter  allen  normalen
Verhältnissen  auch  tun.  Auf  jeden  Fall  aber  —  und  auf  diesen  Punkt  muß
Nachdruck  gelegt  werden  —  können  sie  nicht  gänzlich  auf  diese  Niveaus
zurückkehren.  Eine  solche  Annahme  würde  unhaltbar  sein,  wie  die  folgende
Beweisführung  zeigt:  Nehmen  wir  für  den  Augenblick  an,  daß  das  Silber
auf  sein  ursprüngliches  Niveau  zurückkehrt.  Dann  würde  der  Silberzufluß
(Produktion)  auch  auf  seine  ursprüngliche  Rate,  die  von  dem  Silberniveau
abhängt,  zurückgehen,  dagegen  würde  der  Abfluß  des  Silbers  (Verbrauch,
Abgang  usw.)  größer  als  der  ursprüngliche  sein.  Der  Verbrauch  im  Gewerbe
würde  der  gleiche  bleiben;  der  Verschleiß  und  die  Absorption  des  Silbergeldes
bilden  jedoch  eine  weitere  Ableitung.  Folglich  wird  nun  die  Konsumtion
(vorher  der  Produktion  gleich)  die  Produktion  übersteigen  und  das  ursprüngliche ­
  hohe  Niveau  kann  nicht  beibehalten  werden.  Die  Schlußfolgerung  ist:
Das  neue  Niveau  des  permanenten  Gleichgewichtes,  wo  es  auch  sein  mag,
liegt  unter  dem  früheren.  Dasselbe  Argument,  mutatis  mutandis,  beweist,
daß  das  neue  permanente  Gleichgewichtsniveau  für  Gold  über  dem  früheren
liegt.  Der  Abstand  zwischen  den  beiden  ursprünglichen  Niveaus  ist  demnach ­
  geringer  geworden.  Selbst  wenn  der  Bimetallismus  eine  gleichzeitige
Zirkulation  beider  Metalle  und  eine  Wertparität  zu  dem  gegebenen  Münzverhältnis ­
  nicht  herbeiführen  könnte,  so  hat  er  doch  die  Herabsetzung  des
Wertes  des  teureren  Metalls  (Gold)  und  die  Erhöhung  des  Wertes  des  billigeren
(Silber)  zur  Folge  gehabt.  Wir  kommen  auf  dieses  Resultat  einer  gegen-
        <pb n="113" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.  97
seitigen  Annäherung  bei  der  Erörterung  des  nachstehenden  zweiten  Falles
zurück.
§3.
Soviel  von  dem  ersten  Fall,  in  welchem  x  größer  ist  als  der  Inhalt  des
Goldreservoirs  unter  mm.  Im  zweiten  Falle  wird  angenommen,  daß  x
kleiner  ist  als  der  Inhalt  des  Goldreservoirs  unter  der  Linie  mm;  d.  h.  es
ist  nicht  genügend  Silber  vorhanden,  um  das  ganze  Gold  aus  der  Zirkulation
zu  drängen.  Unter  diesen  Umständen  wird,  wenn  wir  für  den  Augenblick
iede  Änderung  in  der  Produktion  und  Konsumtion  außer  acht  lassen,  das
Öffnen  der  Leitung  —  die  Zulassung  des  Silbers  zu  den  Münzstätten  —
das  ganze  Flüssigkeitssystem  auf  das  gemeinsame  Niveau  mm  bringen.  Mit
anderen  Worten:  Die  Prämie  auf  Barrengold  verschwindet  (Figur  7b),  und
dessen  Kaufkraft  sowie  die  Kaufkraft  des  Barrensilbers  bilden  die  Mitte
zwischen  der  ursprünglichen  Kaufkraft  der  beiden  Metalle,  und  diese  Mitte
ist  der  Abstand  der  mittleren  Linie  mm  unter  oo.  Noch  anders  ausgedrückt:
Der  Bimetallismus  hat  in  diesem  Falle  Erfolg,  d.  h.  er  wird  eine  Zeitlang
zum  gleichen  Stande  von  Gold-  und  Silberdollar  im  Geldreservoir  führen
und  ihn  aufrechterhalten.
Das  soeben  gefundene  Gleichgewicht  bedeutet  aber  lediglich  einen  Ausgleich ­
  der  Niveaus,  der  durch  eine  Neuverteilung  der  in  den  verschiedenen
Reservoirs  vorhandenen  Gold-  und  Silbervorräte  hervorgerufen  wurde.
Es  wird  gestört,  sobald  die  geringste  Störung  in  diesen  Vorräten  eintritt.
Ein  permanentes  Gleichgewicht  verlangt,  daß  die  Vorräte  die  nämlichen
bleiben,  —  mit  anderen  Worten:  Es  verlangt  für  jedes  Metall  eine  Gleichheit
von  Produktion  und  Konsumtion.  Es  ist  klar,  daß  weder  die  Produktion  und
die  Konsumtion  des  Goldes  noch  die  Produktion  und  Konsumtion  des
Silbers  einander  gleich  zu  sein  brauchen,  nachdem  das  Silber  vom  Reservoir
des  Barrensilbers  in  das  Geldreservoir  eingeströmt  ist.  Genau  wie  in  dem
im  vorigen  Abschnitt  behandelten  Fall  wird  dann  derselbe  Antrieb  zur  Silberproduktion ­
  und  dieselbe  Entmutigung  der  Goldproduktion  zutage  treten.
Hieraus  kann  sich  ergeben,  daß  das  Gold  vom  Silber  gänzlich  verdrängt  wird,
oder  auch,  daß  es  dem  Silber  nicht  gelingt,  dies  zu  bewirken.
Es  gibt  also  zwei  Möglichkeiten.  Die  eine,  daß  das  Gold  vollständig
verdrängt  werden  kann,  liegt  auf  der  Hand;  es  wird  hierbei  das  gleiche
Resultat  erzielt  wie  das  bereits  im  unteren  Teil  der  Figur  6  dargestellte.
Die  zweite  Möglichkeit  ist,  daß  das  Gold  nicht  verdrängt  wird.
Die  Existenz  dieser  zweiten  Möglichkeit  wird  klar  und  deutlich,  wenn
wir  erst  versuchen,  sie  zu  leugnen.  Nehmen  wir  also  an,  daß  sich  der  Film  /
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.
        <pb n="114" />
        zur  äußersten  Linken  befindet,  und  daß  schließlich  ein  permanentes  Gleichgewicht ­
  hergestellt  worden  ist.  Wir  haben  bereits  gesehen,  daß  das
Niveau  des  Goldes  niedriger  und  das  des  Silbers  höher  wird  als  zuvor.
Wieviel  niedriger  oder  höher,  hängt  offenbar  von  den  technischen  Bedingungen ­
  der  der  Sachlage  entsprechenden  Produktion  und  Konsumtion
ab.  Es  ist  natürlich  nicht  undenkbar,  daß  das  Goldniveau  soviel  niedriger
und  das  Silberniveau  soviel  höher  sein  kann,  daß  ihr  relativer  Stand  sich  umkehrt, ­
  d.  h.  daß  das  Niveau  des  Goldes  höher  wird  als  das  des  Silbers.  In
diesem  Falle  ist  es  aber  ganz  unmöglich,  daß  sich  der  Film  /  auf  der  linken
Seite  befindet.  Das  nun  billigere  Gold  flösse  in  die  Zirkulation  und  verdrängte ­
  das  Silber.  Unter  den  von  uns  angenommenen  Bedingungen  kann
der  Film  auf  keinem  der  beiden  Extreme  bleiben.  Befindet  er  sich  zur
Kochten,  so  ist  das  Silber  billiger  als  Gold  und  wird  den  Film  veranlassen
nach  links  zu  gehen;  gelangt  er  auf  die  linke  Seite,  so  wird  das  Gold  billiger
als  das  Silber  und  der  Film  wird  nach  rechts  getrieben.  Unter  diesen  Umständen ­
  muß  das  Gleichgewicht,  wie  in  Figur  7b,  offenbar  zwischen  diesen
Extremen  liegen.  Die  Produktions-  und  Konsumtionsbedingungen,  unter
denen  der  Bimetallismus  erfolgreich  sein  kann,  sind  daher:  1.,  daß  unter  dem
Silber-Monometallismus  ein  Golddollar  im  Gleichgewicht  billiger  als  ein  Silberdollar ­
  ist,  und  2.,  daß  unter  dem  Gold-Monometallismus  das  Silber  billiger
als  Gold  zu  stehen  kommt.  Deshalb  muß  ein  bimetallisches  Niveau,  wenn
der  Bimetallismus  durchführbar  sein  soll,  stets  zwischen  den  Niveaus  liegen,
w'elche  die  beiden  Metalle  unter  Gold-Monometallismus  angenommen  haben
würden,  bei  welchem  Gold  und  nicht  Silber  das  Umlaufsmittel  ist,  und  aus
denselben  Gründen  muß  es  zwischen  den  Niveaus  liegen,  welche  die  beiden
Metalle  unter  Silber-Monometallismus  haben  würden,  bei  dem  Silber  und
nicht  Gold  das  Umlaufsmittel  ist 1 ).  In  unserer  ganzen  Beweisführung
haben  wir  ein  gesetzliches  Wertverhältnis  zwischen  den  beiden  Metallen
angenommen.  Der  zu  dem  einen  Verhältnis  unmögliche  Bimetallismus  ist
aber  stets  zu  einem  anderen  möglich.  Es  wird  stets  zwei  begrenzende  Relationen ­
  geben,  zwischen  denen  der  Bimetallismus  möglich  ist 2 ).
Es  ist  klar,  daß  die  Grenzen  für  eine  Nation  enger  als  für  mehrere  Nationen ­
  sind,  da  das  Umlaufsmittelreservoir  für  eine  Nation  kleiner  ist  als  für
viele,  während  die  Reservoirs  der  industriellen  Verwendungen  virtuell  um
die  Quantität  der  monometallischen  Umlaufsmittel  der  übrigen  Nationen
größer  sind.  Wenn  der  Bimetallismus  bei  einem  gewissen  Wertverhältnis
r )  Es  braucht  aber  nicht  notwendig  zwischen  dem  Währungsniveau  unter  dem  Gold-Monometallismus
  und  seinem  Niveau  unter  dem  Silber-Monometallismus  zu  liegen.
*)  Siehe  §  2  des  Anhanges  zu  diesem  Kapitel  (VII).
        <pb n="115" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

99

unhaltbar  geworden  ist,  kann  er  stets  zu  einem  anderen  wieder  in  Tätigkeit
treten  doch  erfordert  der  Übergang  eine  Wertverringerung  des  Währungsgeldes ­
  ’  Das  einzige  Mittel,  das  aus  dem  Umlaufsmittelreservoir  abgegangene
Metall  wieder  einzuführen,  ist  eine  Herabsetzung  der  Quantität  dieses  Metalls
in  der  Geldeinheit  —  wenn  nicht  die  noch  drastischere  Maßnahme  ergriffen
wird,  das  Münzgewicht  des  bereits  in  Zirkulation  befindlichen  Geldes  zu
erhöhen.^  ^  daran  zu  erhmeni)  daß  zwei  Nationen  einen  Bimetallismus
zu  zwei  verschiedenen  Wertverhältnissen  nicht  beiderseits  aufrechterhalten
können  wenn  der  Unterschied  in  den  Relationen  nicht  geringer  ist  als  die
Transportkosten  Die  eine  der  beiden  Nationen  würde  das  Metall,  das  sie
unterwertet  hat,  verlieren  und  sich  dann  selbst  auf  einer  monometallischen
Basis  befinden.
Es  sollen  noch  einige  weitere  Bemerkungen  hinzugefugt  werden.  Das
zeitweilige  und  das  normale  Gleichgewicht,  die  beide  getrennt  behandelt
wurden,  sind  zeitüch  tatsächlich  ganz  voneinander  geschieden.  Nach  Einsetzung ­
  des  neuen  Systems  hängt  die  Zeit  der  Wiederverteilung  der  vorhandenen ­
  Metallvorräte  von  der  Schnelligkeit  des  Transports,  des  Schmelzens
und  des  Ausmünzens  ab  und  wäre  nach  Wochen  oder  Monaten  zu  bemessen.
Das  normale  Gleichgewicht  hängt  aber  von  den  langsam  wirkenden  Änderungen ­
  in  den  Produktions-und  Konsumtionsraten  ab  und  wäre  nach  Jahren
zu  bemessen.  Einmal  erreicht,  hält  das  normale  Gleichgewicht  solange  an,
als  sich  die  Produktions-  und  Konsumtionsbedingungen  nicht  ändern.
Geringe  Abänderungen  dieser  Bedingungen  —  die  Erschöpfung  von  Minen,
die  Entdeckung  neuer  Adern  usw.  —  verursachen  leichte  wechselweise
Veränderungen  in  den  Verhältnissen  des  Gold-  und  Silbergeldes,  d.  h.  in
der  Stellung  des  Films  /.  Die  Schwankungen  dieses  Films  (und  nicht  die
der  Preisrelation,  wie  in  dem  Fall  von  zwei  nicht  miteinander  in  Verbindung
stehenden  Waren)  spiegeln  diese  wechselnden  Zustände  wieder.  Aller
Wahrscheinlichkeit  nach  wird  dieser  Film  jedoch  früher  oder  später  einen
seiner  Grenzpunkte  erreichen.  Die  mutmaßliche  Zeit  für  das  Eintreten
eines  solchen  Falles  ist  aber  sehr  lang.  Die  Goldumlaufsmittel  der  Welt
belaufen  sich  auf  ungefähr  5,000,000,000  Dollar;  zum  jetzigen  Marktpreis
berechnet  beträgt  die  jährliche  Silberproduktion  ungefähr  100,000,000
Dollar.  Nähme  man  an,  es  würde  ein  System  des  internationalen  Bimetallismus
  im  Verhältnis  von  36  zu  1  eingeführt,  das  sich  im  Anfang  in
normalem  Gleichgewichte  befindet,  so  läßt  sich  die  Wirkung  einer  enormen,
sagen  wir,  doppelten  Zunahme  in  der  Silberproduktion,  also  um  50,000,000
Dollar,  in  Erwägung  ziehen.  Es  würde  dann  ein  Zeitraum  von  hundert
7*
        <pb n="116" />
        100

VII.  Kapitel.

Jahren  nötig  sein,  um  das  Gold  hinauszutreiben,  ohne  die  Tatsache  in  Anschlag ­
  zu  bringen,  daß  der  Überschuß  der  Produktion  über  die  Konsumtion
beständig  abnimmt,  während  das  Verdrängen  des  Goldes  fortschreitet.
Wenn  dieser  Überschuß  gleichmäßig  von  50,000,000  Dollar  auf  Null  zusammenschrumpfen ­
  sollte,  so  würde  die  Zeitperiode  die  doppelte  sein,  also
200  Jahre.  Wird  zu  diesen  Erwägungen  der  Umstand  hinzugefügt,  daß,
während  der  Antrieb  zur  Produktion  des  einen  Metalls  rasch  wirkt,  das
sich  ergebende  Abflauen  in  der  Produktion  des  anderen  Metalls,  infolge
des  fixen  Charakters  des  einmal  investierten  Kapitals,  langsamer  eintritt,
und  daß  daher  die  Menge  der  Umlaufsmittel  schließlich  größer  ist  als  am
Anfänge;  wird  ferner  der  Umstand  hinzugefügt,  daß  das  Umlaufsmittelreservoir ­
  selbst  sich  beständig  erweitert,  und  schließlich  der  Umstand,  daß
Schwankungen  in  der  Produktion  nach  beiden  Eichtungen  und  für  beide
Metalle  wahrscheinlich  sind,  so  können  wir  ziemlich  sicher  sein,  daß  der
internationale  Bimetallismus  während  mehrerer  Generationen  von  Erfolg
begleitet  wäre,  wenn  er  lei  einer  Filmstellung  nahe  der  Mitte  anfangs  erfolgreich ­
  ist.  Der  anfängliche  Erfolg  hängt,  wie  wir  gesehen  haben,  von  der
dekretierten  Kelation  ab.
Es  ist  zu  beachten,  daß  der  Bimetallismus  ein  geringes  Agio  nie  vermeiden ­
  kann.  Andrerseits  liefert  gerade  dieser  Unterschied  in  den
Niveaus  die  Kraft,  die  die  Schwankung  von  einem  Punkt  des  Gleichgewichtes ­
  zu  dem  anderen  erzwingt 1 ).
Während  einer  Keihe  von  Jahren  bleibt  das  bimetallistische  Niveau  in
der  Mitte  zwischen  den  wechselnden  Niveaus,  die  die  zwei  Metalle  getrennt
voneinander  annehmen  würden.  Der  Bimetallismus  breitet  die  Wirkung
einer  einzigen  Schwankung  über  die  vereinigten  Gold-und  Silbermärkte  aus 1  2 ).
1 )  Solange  das  Agio  besteht,  wird  das  billigere  Metall  zweifellos  etwas  schneller  und
das  teurere  etwas  langsamer  zirkulieren,  als  wenn  es  kein  Agio  gibt.  Dies  kann,  wenn  erforderlich, ­
  dadurch  dargestellt  werden,  daß  man  sich  die  Stärke  der  Flüssigkeitsmenge  im
Umlaufsmittelreservoir  auf  der  einen  Seite  von  /  abnehmend  und  auf  der  anderen  Seite
wachsend  denkt,  indem  ein  Metall  „weitergehender“  gemacht  wird  als  unter  normalen
Verhältnissen  (mehr  Fläche  in  dem  Diagramm  bedeckend)  und  die  Bewegung  des  /  zum
Gleichgewichtspunkte  beschleunigt.  Auf  die  geringere  Umlaufsgeschwindigkeit  (Zunahme
an  Stärke  der  Flüssigkeitsmenge),  welche  im  „Thesaurieren“  ihren  Hauptfaktor  findet,
kommen  wir  nachstehend  zurück.
2 )  Um  die  stetigende  Einwirkung  auf  eine  einzelne  Schwankung  hin  darzustellen,
bemerken  wir,  daß  unter  dem  Bimetallismus  die  drei  Reservoirs  als  ein  einziges  tätig  sind.
Im  Vergleich  zum  Monometallismus  vermindern  sich  daher  die  Schwankungen  umgekehrt
proportional  zur  Flüssigkeitsoberfläche,  über  die  sich  die  Schwankungen  ausbreiten.  Wenn
also  die  vereinigten  Breiten  der  zwei  linken  Reservoirs  (auf  Niveauhöhe  gemessen)  zwei
Drittel  der  vereinigten  Breiten  aller  drei  sind,  dann  würde  ein  Goldzufluß,  der,  nur  über
        <pb n="117" />
        Y

Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.
Die  stetigende  Kraft  des  Bimetallismus  hängt  von  den  Breiten  der  Reservoirs
und  nicht  von  der  Position  des  Films  /  ah.  Sie  bleibt  in  voller  Stärke,  gleichgültig ­
  welches  die  Proportionen  des  Gold-  und  Silbergeldes  sein  mögen  und
ist  ebenso  groß,  wenn  nur  eine  Nation  bimetallistisch  wird,  wie  wenn  die
ganze  Welt  das  System  annimmt.  Selbst  wenn  die  Schweiz  allein  ein  System
des  Bimetallismus  erfolgreich  betriebe,  würde  es  bis  zu  seinem  Zusammenbruch ­
  die  Umlaufsmittel  der  ganzen  Welt  Zusammenhalten  und  ausgleichen,
wo  immer  auch  Gold  oder  Silber  die  Währung  wäre.  Tatsächlich  würde  die
ganze  Welt  all  den  Nutzen,  den  die  Schweiz  durch  den  Bimetallismus  genießt ­
  ohne  dessen  Übel  und  Gefahren  mitgenießen.  Diese  internationale
Funktion  würde,  sobald  das  System  des  Bimetallismus  versagte,  plötzlich
aufhören.  ,
Es  ist  darauf  hinzuweisen,  daß  die  behauptete  ausgleichende  Wirkung
nur  relativ  ist.  Es  ist  denkbar,  daß  ein  Metall  allein  für  sich  noch  stetiger
sein  würde,  als  wenn  es  dem  anderen  angeschlossen  wird.  In  einem
späteren  Kapitel  wollen  wir  untersuchen,  bis  zu  welchem  Grade  dieser
Ausgleich  von  Vorteil  ist.  Hier  beschränken  wir  uns  darauf,  bloß  die  mechani  -
sehe  Wirksamkeit  des  bimetallistischen  Systems  zu  veranschaulichen 1 ).
§4.
Der  Bimetallismus  ist  heutzutage  nur  noch  Gegenstand  historischen
Interesses.  Er  wird  nicht  mehr  praktisch  angewandt,  doch  hat  seine  frühere
Herrschaft  in  vielen  Ländern,  Frankreich  und  die  Vereinigten  Staaten  inbegriffen, ­
  ein  Geldsystem  hinterlassen,  welches  zuweilen  die  „hinkende“  Währung ­
  genannt  wird.  Eine  solche  kommt  zustande,  wenn  in  einem  System
des  Bimetallismus,  bevor  das  eine  der  beiden  Metalle  das  andere  gänzlich
vertreiben  kann,  die  Münzstätte  dem  billigeren  von  beiden  verschlossen,
aber  das  bis  zu  diesem  Tage  gemünzte  Geld  nicht  einberufen  wird.
Nehmen  wir  an,  daß  es  das  Silber  ist,  das,  wie  in  Frankreich  und  in  den  Verdie ­
  zwei  Reservoirs  verteilt,  eine  Schicht  von  einem  Zentimeter  Tiefe  ausmachen  würde,
über  die  drei  Reservoirs  verteilt,  eine  Tiefe  von  zwei  Dritteln  eines  Zentimeters  haben.
Da  das  rechte  Reservoir  gleichfalls  ein  Drittel  der  Gesamtweite  hat,  würde  eine  Schwankung ­
  von  einem  Zentimeter  Silber,  wenn  es  bloß  Ware  ist,  auf  ein  Drittel  eines  Zentimeters
herabgesetzt  werden,  wenn  die  Verbindung  mit  dem  Geldreservoir  aufrechterhalten  wird.
Die  Breiten  des  Reservoirs,  die  hier  die  wichtigste  Rolle  spielen,  sind  die  Rate  der  Zunahme
der  Ware  im  Verhältnis  zur  Verminderung  des  Grenznutzens.  Das  Gesetz  der  umgekehrten
Breiten  bezieht  sich  mit  Genauigkeit  nur  auf  statische  oder  raschvorübergehende  Wiederanpassungen. ­

1 )  Vgl.  Leonard  Darwin,  Bimetcillh&amp;amp;m,  London  (Murray),  1897,  S.  341;  Bertrand
Nogaro,  ,,L'expörience  timHalliste“,  Revue  d'economie  poliiv[ue,  1908.
        <pb n="118" />
        102

VII.  Kapitel.

einigten  Staaten,  auf  diese  Weise  ausgeschaltet  wurde.  Alles  in  diesem  Metall ­
  bereits  geprägte  und  in  Zirkulation  befindliche  Geld  wird  zu  Pari  mit
Gold  im  Umlauf  gehalten.  Diese  Parität  kann  festgehalten  werden,
selbst  wenn  beschränkte  weitere  Silberquantitäten  von  Zeit  zu  Zeit
geprägt  werden.  Es  wird  sich  dann  eine  Differenz  im  Werte  des  Barrensilbers ­
  und  des  gemünzten  Silbers  ergeben,  wobei  die  Silbermünzen
überwertet  werden.  Diese  Situation  ist  in  Figur  8  dargestellt.  Hier
ist  das  Verbindungsrohr  zwischen  dem  Geld-  und  dem  Barrensilberreservoir ­
  sozusagen  abgeschnitten,  oder,  wir  wollen  sagen,  durch  ein  Ventil,
das  den  Durchgang  des  Silbers  vom  Barrenreservoir  in  das  Geldreservoir

Fig.  8.

verhindert,  abgesperrt  worden,  was  aber  nicht  umgekehrt  der  Fall  sein
kann,  denn  kein  Gesetz  kann  je  ein  Schmelzen  der  Silbermünzen  in  Barrensilber ­
  verhindern.  Neu  gewonnenes  Silber  kann  nun  nicht  Geld  werden  und
so  die  Kaufkraft  des  Geldes  erniedrigen.
Andererseits  wird  der  Umlaufsmittelwert,  und  zwar  nicht  nur  der  Wert
des  Goldes,  sondern  auch  der  des  gleichzeitig  zirkulierenden  überwerteten
Silbers  durch  fortgesetzte  neue  Goldzuflüsse  nach  wie  vor  beeinflußt.
Wenn  mehr  Gold  in  das  Geldreservoir  fließt,  so  erhöht  es  das  Umlaufsmittelniveau. ­
  Steigt  dieses  Niveau  jemals  höher  als  das  Niveau  des  Barrensilberreservoirs, ­
  so  fließt  das  Silber  vom  Geldreservoir  in  das  Barrenreservoir,
denn  der  Durchgang  ist  nach  dieser  Richtung  (d.  h.  durch  das  Schmelzen)
stets  frei.  Solange  sich  jedoch  das  Umlaufsmittelniveau  unter  dem  Silberniveau ­
  befindet,  d.  h.  solange  als  das  geprägte  Silber  einen  größeren  Wert
hat  als  das  ungeprägte,  wird  es  ein  Fließen  des  Silbers  in  der  einen  oder
anderen  Richtung  nicht  geben.  Nach  der  einen  Richtung  wird  das  Fließen
durch  die  gesetzliche  Untersagung  verhindert,  und  nach  der  anderen  Richtung ­
  sind  es  die  Gesetze  der  relativen  Niveaus,  welche  das  Fließen  verhindern.
        <pb n="119" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

103

In  dem  soeben  erörterten  Falle  ist  der  Wert  des  geprägten  Silbers  dem
Werte  des  Goldes  zur  gesetzlichen  Relation  gleich.  Genau  dasselbe  Prinzip  kann
auf  eine  jede  Geldart,  deren  Münzwert  größer  ist  als  der  Wert  des  Materiales,
welches  das  Geld  konstituiert,  angewandt  werden.  Betrachten  wir  z.  B.
das  Papiergeld.  Solange  es  das  unterscheidende  Merkmal  des  Geldes  hat
-  allgemeine  Annahme  zum  gesetzlichen  Werte  -  und  in  seiner  Quantität
beschränkt  ist  wird  der  Wert  desselben  gewöhnlich  dem  des  gesetzlichen
Äquivalentes  in  Gold  gleich  sein.  Wenn  die  Quantität  dieses  Papiergeldes
unbegrenzt  zunimmt,  so  wird  es  allmählich  das  ganze  Gold  hinausdrängen
und  das  Geldreservoir  völlig  ausfüllen,  genau  so  wie  das  Silber  unter  dem
Bimetallismus  es  tun  würde,  wenn  seine  Produktion  in  genügend  großen
Quantitäten  erfolgte.  In  gleicher  Weise  würde  Kreditgeld  und  Kredit  in
Form  von  Bankdepositen  diese  Wirkung  ausüben.  Soweit  sie  in  Gebrauch
sind  verringern  sie  die  Nachfrage  nach  Gold,  setzen  dessen  Wert  als  Geld
herab  und  führen  dazu,  daß  mehr  Gold  in  die  industriellen  Verwendungsgebiete ­
  oder  in  andere  Länder  zieht.
Solange  die  Quantität  des  Silbergeldes  oder  des  Zeichengeldes  wie
z.  B.  des  Papiergeldes  zu  gering  ist,  um  das  Gold  vollständig  zu  verdrängen,
wird  das  Gold  in  Zirkulation  verbleiben.  Der  Wert  des  anderen  Geldes  kann
in  diesem  Fall  nicht  unter  den  des  Goldes  sinken.  Denn  sollte  dies  geschehen,
so  würde  dieses  andere  Geld,  zufolge  des  Greshamschen  Gesetzes,  das  Gold
verdrängen,  was  wir  mangels  genügender  Quantität  als  nicht  ausführbar
angenommen  haben.  Die  Parität  zwischen  Silbermünzen  und  Gold  ist  daher
unter  der  hinkenden  Währung  nicht  notwendigerweise  von  einer  Einlösbarkeit ­
  in  Gold  abhängig,  sondern  sie  kann  allein  aus  einer  Einschränkung  in
der  Quantität  der  Silbermünzen  resultieren.  Eine  solche  Einschränkung
genügt  gewöhnlich,  um  eine  Parität  trotz  der  Nichteinlösbarkeit  zu  behaupten. ­
  Dies  trifft  indessen  nicht  immer  zu;  denn  wenn  die  Leute
zu  irgendeiner  Form  uneinlösbaren  Papieres  oder  Geldwertzeichen  das
Vertrauen  verlieren,  selbst  wenn  nicht  zuviel  davon  ausgegeben  worden
ist,  kann  es  im  Werte  sinken  und  in  Geldform  beinahe  ebenso  billig  sein
als  sein  Rohstoff.  Ein  Mann  ist,  solange  er  das  Vertrauen  hat,  daß
jeder  andere  willens  ist,  dasselbe  zu  tun,  bereit,  Geld  zum  Nennwerte  anzunehmen. ­
  Dieses  Vertrauen  kann  aber  schon  durch  die  bloße  Befürchtung,
daß  eine  zu  starke  Ausgabe  erfolgt  ist,  erschüttert  werden.  Der  Empfänger
einer  Zahlung,  der  unter  gewöhnlichen  Umständen  sich  allem  Gelde,  das
gebräuchlich  und  gesetzmäßiges  Zahlungsmittel  ist,  duldsam  unterwirft,
kann  dann  mitsprechen  und  auf  einer  „vertraglichen  Abdingung“  der
        <pb n="120" />
        104

VII.  Kapitel.

schädigenden  Währung  bestehen 1 ).  Das  heißt,  er  kann  darauf  bestehen,
daß  alle  seine  künftigen  Verträge  auf  das  bessere  Metall  —  zum  Beispiel  auf
Gold  —  lauten  und  auf  diese  Weise  zu  einem  weiteren  Niedergang  des  entwerteten ­
  Papieres  beitragen.
Unseren  nicht  einlösbaren  Dollarn  gleich,  kann  also  uneinlösbares  Papiergeld ­
  zum  gleichen  Werte  mit  anderem  Geld  zirkulieren,  wenn  es  in  seiner
Quantität  beschränkt  und  nicht  allzu  unbeliebt  ist.  Wenn  es  allmählich
an  Quantität  zunimmt,  kann  solches  nicht  einlösbare  Geld  alles  Metallgeld
austreiben  und  in  den  unbestrittenen  Besitz  des  Feldes  gelangen.
Aber  wiewohl  ein  solches  Resultat  —  ein  Zustand  nicht  einlösbaren
Papiergeldes  als  alleinigen  Umlaufsmittels  —  möglich  ist,  so  hat  es  sich
selten,  wenn  überhaupt  jemals,  als  wünschenswert  erwiesen.  Die  Uneinlösbarkeit ­
  ist,  wenn  sie  nicht  unter  sicherem  Schutze  steht,  eine  beständige
Versuchung  zu  Mißbrauch,  und  diese  Tatsache  allein  verursacht  den  Geschäftsleuten ­
  Mißtrauen,  sie  benimmt  den  Mut  zu  langfristigen  Kontrakten
und  Unternehmungen.  Uneinlösliches  Papiergeld  hat  sich  fast  unwandelbar
als  ein  Fluch  für  das  Land,  das  es  zur  Anwendung  brachte,  erwiesen.
Während  also  die  Einlösbarkeit  zur  Erzielung  der  Parität  des  Wertes  mit
dem  primären  Gelde  nicht  unbedingt  notwendig  ist,  so  ist  sie  praktisch  eine
weise  Vorsichtsmaßregel.  Die  Nichteinlösbarkeit  der  Silberdollar  in  den
Vereinigten  Staaten  ist  einer  der  Hauptfehler  in  unserem  unzulänglichen
Geldsystem  und  eine  fortgesetzte  Gefahr.
Es  sind  verschiedene  Grade  der  Einlösbarkeit  möglich.  Eines  der
interessantesten  Systeme  teilweiser  Einlösbarkeit  ist  das  als  „Golddevisenwährung“ ­
  bekannte,  bei  dem  Länder,  die  sich  zwar  nicht  ausdrücklich  auf
einer  Goldbasis  befinden,  trotzdem  aber  wesentlich  eine  Parität  mit  Gold
im  Auslandswechselverkehr  unterhalten.  Während  die  Regierung  oder  ihre

!)  Im  mechanischen  Schaubild  würde,  da  das  Gesetz  nun  unwirksam  wäre,  der  Film
nicht  mehr  dem  Druck  von  der  rechten  Seite  nachgeben,  und  eine  merkliche  Niveaudifferenz ­
  zu  dessen  beiden  Seiten  würde  folgen.  Ein  solcher  Mechanismus  würde  die
konkurrierende  Zirkulation  zweier  Metalle  zu  unabhängigen  Wertbestimmungen  illustrieren, ­
  doch  lehrt  die  Erfahrung,  daß  eine  solche  Situation  zu  reich  an  Unannehmlichkeiten ­
  ist,  um  lange  aufrechterhalten  zu  werden.  Das  Silber  wird  nach  und  nach  in  Verruf
geraten,  d.  h.  die  Umlaufsgeschwindigkeit  verringert  sich  allmählich.  Wie  wir  gesehen  haben,
kann  dies  dadurch  bildlich  dargestellt  werden,  daß  man  sich  die  Flüssigkeitsmenge  im
Umlaufsmittelreservoir  (nur  zur  Rechten  des  Films)  stärker  denkt  und  auf  diese  Weise
den  Film  nach  rechts  bringt.  Wenn  das  Silber  vollständig  in  Verruf  gekommen  ist,  wird
de;  Film  ganz  nach  rechts  kommen,  und  es  wird  einen  Gold-Monometallismus  geben.  Das
Ergebnis  einer  solchen  Stellungnahme  gegen  das  Silber  ist  daher  eine  Wertsteigerung  des
Goldes.
        <pb n="121" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

105

Beauftragten  bei  diesem  System  die  Einlösung  ihrer  Umlaufsmittel  in  Gold
ablehnt,  so  löst  sie  sie  doch  durch  Anweisungen  auf  Gold  im  Auslande  ein.
Das  heißt,  die  Regierung  verkauft  Wechsel  auf  London  oder  New  York  zu
einem  bestimmten  Preise.  Das  Umlaufsmittel,  welches  die  Regierung  auf
diese  Weise  empfängt  und  in  gewissem  Sinne  einlöst,  wird  von  der  Zirkulation ­
  ausgeschlossen,  bis  der  ausländische  Wechselkurs  fällt  (d.  h.  bis
die  Nachfrage  nach  der  Einlösung  aufhört).
Die  Golddevisenwährung  kann  als  eine  Art  hinkender  Währung  mit  dem
weiteren  charakteristischen  Merkmal  teilweiser  Einlösung  betrachtet  werden.
Dieses  weitere  Merkmal  verändert  jedoch  den  Charakter  der  hinkenden
Währung  ganz  bedeutend.  Ohne  Golddevisenpolitik  kann  die  hinkende
Währung  jederzeit  zusammenbrechen,  wenn  das  Silber  (oder  welcher  Art
auch  immer  das  überwertete  Geld  sein  mag)  im  Handel  so  überhand  nimmt,
daß  das  Gold  vollständig  verdrängt  wird.  Sobald  das  ganze  Gold  ins
Ausland  getrieben  worden  ist,  hört  die  Parität  mit  dem  Golde  auf.  Durch
das  System  der  Golddevisenwährung  wird  diese  Katastrophe  jedoch  vermieden. ­
  Tatsächlich  ist  es  bei  diesem  System  nicht  notwendig,  jederzeit
Gold  in  Zirkulation  zu  haben.  Die  Bereitwilligkeit  seitens  der  Regierung,
Auslandswechsel  zu  einem  bestimmten  Preise  zu  verkaufen  und  das  hierbei
empfangene  Silber  abzuschließen,  nimmt  soviel  Umlaufsmittel  aus  der
Zirkulation,  daß  genau  dieselbe  Wirksamkeit  erzielt  wird,  wie  wenn  der
Gegenwert  in  Gold  exportiert  worden  wäre.  Solange  die  Regierung  bereit
und  in  der  Lage  ist,  den  Wechselkurs  mit  einem  Lande,  das  die  Goldwährung ­
  führt  aufrechtzuerhalten,  behauptet  sie,  ipso  facto,  annähernde
Paritat  mit  Gold  *).
§5.
M  ir  haben  nun  die  eben  dargelegten  Grundsätze  durch  historische  Beispiele ­
  zu  illustrieren.  Der  erste  und  zugleich  wichtigste  Fall  ist  der  Frankreichs. ­
  Im  Jahre  1785  wurde  in  diesem  Lande  das  Verhältnis  15%  zu  1
adoptiert  und  durch  das  Gesetz  von  1803  beibehalten.  Die  Geschichte  Frankreichs ­
  und  der  Lateinischen  Union  während  des  Zeitraumes  von  1785  und  besonders ­
  von  dem  Jahre  1803  an  bis  1873  ist  lehrreich.  Sie  gibt  eine  praktische ­
  Illustration  der  Theorie,  daß  unter  günstigen  Bedingungen  mittelst
des  Bimetallismus  Gold  und  Silber  während  einer  beträchtlichen  Zeit  zusammengekoppelt ­
  werden  können.  Während  dieser  Periode  war  sich  das
Publikum  irgendwelchen  Unterschiedes  im  Werte  der  beiden  Metalle  ve-U
  Vgl  Charles  A.  Conant,  „The  Gold  Exchange  Standard“,  Economic  Journal  T  •
1909,  S.  190—200.  ’  dum
        <pb n="122" />
        106

VII.  Kapitel.

wohnlich  nicht  bewußt  und  beobachtete  nur  den  Übergang  vom  relativen
Vorherrschen  des  Goldes  zu  dem  relativen  Vorherrschen  des  Silbers  im  Umlaufe ­
  und  vice  versa.  Auf  dem  Engros-Barrenmarkte  gab  es  allerdings
geringe  Abweichungen  von  dem  Verhältnis  15%  zu  1.  Doch  lieferten  solche
Abweichungen  nur  den  Anlaß  zur  Wiederherstellung  des  Gleichgewichtes.
Von  1803  bis  ungefähr  1850  hatte  das  Silber  die  Tendenz,  das  Gold  zu
verdrängen.  In  unsrer  schaubildlichen  Ausdrucksweise  gab  es  größtenteils
einen  Zufluß  auf  der  rechten  Seite  des  Geldreservoirs  und  der  Film  wurde
allmählich  nach  links  gedrückt.  Eine  spezielle  Statistik  der  Gold-  und
Silberbewegungen  vor  dem  Jahre  1830  gibt  es  nicht,  doch  gab  es  von  1830
bis  einschließlich  1847  einen  Nettoexport  in  Gold  im  Betrage  von  73,000,000
Francs,  obgleich  fünf  der  Jahre  einen  Import  aufwiesen,  was  einen  Durchschnittsexport ­
  von  über  4,000,000  Francs  pro  Jahr  ergibt 1 ).  Von  1830
bis  1851  war  in  jedem  Jahre  ein  Nettoimport  in  Silber  zu  verzeichnen,
welcher  sich  während  der  Periode  auf  insgesamt  2,297,000,000  Francs  oder
einen  Durchschnitt  von  über  104,000,000  Francs  pro  Jahr  belief 1  2 ).  Die
Statistiken  für  das  Silber  betrachten  wir  bis  zum  Jahre  1851,  denn  nach  dieser
Zeit  trat  für  das  Silber  die  umgekehrte  Bewegung  ein,  während  das  Einfließen
des  Goldes  mit  dem  Jahre  1848  begann.  Das  Silber  nahm  die  Stelle  des
Goldes  ein  und  füllte  das  Umlaufsmittelreservoir  aus.  Nichtsdestoweniger
dehnte  sich  das  Reservoir  so  schnell  aus,  das  heißt,  der  Handel  nahm  so  sehr
zu,  daß  es  kein  Steigen,  sondern  eher  ein  Fallen  der  Preise  gab.  Um  das  Jahr
1850  hatte  der  Film  tatsächlich  seinen  Grenzpunkt  erreicht.  Es  würde  ein
Zusammenbruch  des  Bimetallismus  erfolgt  sein,  und  das  Resultat  wäre  auf
der  Stelle  Silber-Monometallismus  gewesen,  wenn  nicht  zur  Rettung  der
Situation  gerade  zu  dieser  Zeit  in  Californien  Goldminen  entdeckt  worden
wären.  Die  Folge  davon  war,  daß  die  neue  und  erhöhte  Goldproduktion
die  umgekehrte  Bewegung  veranlaßte,  nämlich  einen  Zufluß  von  Gold  in
den  französischen  Geldumlauf  und  ein  Abfließen  des  Silbers.  Von  1848  bis
einschließlich  1870  belief  sich  der  Nettoimport  in  Gold  auf  5,153,000,000
Francs  oder  über  224,000,000  Francs  pro  Jahr,  während  der  Nettoexport
des  Silbers  vom  Jahre  1852  bis  einschließlich  1864  1,726,000,000  Francs
oder  nahezu  133,000,000  Francs  pro  Jahr  betrug 3 ).  Das  Gold  verdrängte
das  Silber  und  füllte  den  Geldumlauf.  Es  schien  wahrscheinlich,  daß  Frank1 ­

 )  W.  A.  Shaw,  The  History  of  the  Currency,  3.  Aufl.,  London  (Clement  Wilson),
1899,  S.  183.
s )  a.  a.  O.  S.  184.
3 )  a.  a.  O.  S.  183  u.  184.
        <pb n="123" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

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reich  seines  Silberumlaufsmittels  beraubt  werden  und  auf  eine  Goldbasis
gelangen  würde.  Jm  Jahre  1865  bildete  Frankreich  mit  Belgien,  Italien,
der  Schweiz  und  im  Jahre  1868  mit  Griechenland  die  Lateinische  Münzunion
Der  Silbergehalt  in  den  Scheidemünzen  wurde  reduziert,  der  Münzfuß  der
vollwertigen  Silbermünzen  hingegen  zum  alten  Verhältnis  mit  Gold  beibehalten. ­
  Die  neuen  Goldminen  wurden  jedoch  allmählich  erschöpft,  während
die  Silberproduktion  zunahm,  welcher  Umstand  wiederum  eine  Umkehrung
der  Bewegung  zur  Folge  hatte.  Vom  Jahre  1871  bis  einschließlich  1873
ergab  der  Goldexport  einen  Nettobetrag  von  375,000,000  Francs  oder  einen
Durchschnitt  von  125,000,000  Francs  pro  Jahr,  während  der  Nettoimport

f Q»  UnWomiiM
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des  Silbers  von  dem  Jahre  1865  bis  einschließlich  1873  860,000,000  Francs
oder  über  94,000,000  Francs  pro  Jahr  betrug.  Auf  diese  Weise  hatte  das
Silber,  selbst  bevor  das  Gold  im  Jahre  1871  abzufließen  begann,  bereits  zuzufließen ­
  begonnen,  und  zwar  im  Jahre  1865.  Das  Gold  wurde  vom  Silber
allmählich  aus  der  Zirkulation  gedrängt,  und  hätten  Frankreich  sowie  die
anderen  Länder  der  Lateinischen  Union  in  den  Jahren  1873  bis  1878  nicht
nacheinander  die  freie  Ausprägung  des  Silbers  suspendiert,'  so  hätten  sie
sich  anstatt  auf  einer  Goldbasis,  auf  eine  Silberbasis  versetzt  gefunden.
Es  ist  von  den  Bimetallisten  behauptet  worden,  daß  diese  Maßregel  der
Demonetisierung  des  Silbers  selbst  die  Ursache  des  Zusammenbruches  war.

In  Wirklichkeit  war  der  Zusammenbruch  die  Ursache  der  Demonetisierung,
obgleich  die  letztere,  indem  sie  das  Silber  von  der  Zirkulation  zurückhielt
und  das  Gold  in  Zirkulation  beließ,  eine  Vergrößerung  des  bereits  geschehenen
Bisses  bewirkte.
Mit  anderen  Worten,  der  Film  befand  sich  nahe  der  linken  Grenze,
und  das  Umlaufsmittelreservoir  war  größtenteils  mit  Silber  gefüllt.
Möglicherweise  würde  die  Lateinische  Union  den  Bimetallismus  länger  haben
aufrechterhalten  können,  wenn  weitere  Länder  sich  ihr  angeschlossen  hätten.
Sie  hatte  aber  nicht  nur  die  von  den  Minen  bereitgehaltene  Silbermenge,
sondern  auch  noch  eine  bedeutende  Quantität  Silber  zu  absorbieren,  die
zuvor  einen  Teil  des  Geldvorrates  im  Deutschen  Beiehe  gebildet  hatte,  und
die,  dem  Deutsch-Französischen  Kriege  folgend,  nach  Annahme  der  Goldwährung ­
  von  diesem  Lande  auf  den  Markt  geworfen  wurde.  Das  heißt,
es  waren  nicht  nur  die  Silberminen,  sondern  auch  die  das  Silber  demonetisierenden
  Länder,  welche  dieses  Metall  auf  die  Lateinische  Union  schleuderten. ­
  Fügt  man  noch  die  Bewegung  zur  Goldwährung  in  Skandinavien
und  in  den  Vereinigten  Staaten  hinzu,  so  wird  man  erkennen,  daß  es  für
eine  Union,  die  so  wenige  und  hauptsächlich  unbedeutende  Staaten  umfaßte, ­
  der  Hindernisse  viele  gab.
        <pb n="124" />
        108

VII.  Kapitel.

Die  Parität  des  in  der  Lateinischen  Union  verbleibenden  Silbers  mit  Gold
wird  gegenwärtig  gemäß  den  in  diesem  Kapitel  früher  erklärten  Prinzipien
aufrechterhalten,  und  zwar  sowohl  durch  Einschränkung  seiner  Quantität
als  auch  dadurch,  daß  es  zu  vollem  gesetzlichen  Zahlungsmittel  und  für
öffentliche  Abgaben  als  annahmeberechtigt  erklärt  wurde.
§6.
Es  ist  sonderbar,  daß  die  Lehren  der  französischen  und  andere  Experimente ­
  nicht  allgemein,  und  zwar  weder  von  den  Monometallisten  noch
von  den  Bimetallisten  verstanden  zu  werden  scheinen.  So  haben  intransigente
Monometallisten,  indem  sie  auf  die  während  75  Jahren  stattgefundenen
Variationen  im  Gold-  und  Silberwerte  hinwiesen,  die  Möglichkeit  der  Aufrechterhaltung ­
  eines  gesetzlichen  Verhältnisses  zu  widerlegen  versucht.
Sie  könnten  ebensogut  auf  die  sich  kräuselnden  Wellen  eines  Weihers  oder
auf  die  leichte  Neigung  eines  Flusses  hinweisen,  um  die  Tatsache  zu  widerlegen, ­
  daß  das  Wasser  ein  Niveau  sucht.  Diese  sich  kräuselnden  Wellen
sind  der  natürliche  Beweis  für  die  Tendenz  zu  einem  Niveau  und  sind  geringfügig ­
  im  Vergleich  zu  Wellen,  welche  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  aufgetreten ­
  wären,  wenn  es  keine  gesetzliche  Relation  gegeben  hätte.  Das
in  Shaw’s  History  oj  the  Currency  benutzte  Diagramm  und  seine  Tabellen
sowie  das  ähnliche  hier  gegebene  Diagramm  zeigen,  daß  trotz  der  großen
Zunahme  in  der  Quantität  des  Silbers  in  der  Periode  des  Silberzuflusses
während  der  Jahre  1803  bis  1850,  das  Verhältnis  von  15,5  zu  1  um  nur
höchstens  0,75  Punkte  oder  etwas  über  4,8  Prozent  in  irgendeinem  Jahre
schwankte,  und  die  Abweichung  betrug  im  Durchschnitt  nur  0,29
Punkte  oder  1,9  Prozent.  Außerdem  ist  der  größere  Teil  der  Abweichung
durch  die  zu  jener  Zeit  in  Frankreich  in  Kraft  befindliche  Erhebung  der
Prägegebühr  (Seigniorage)  erklärbar 1 ).  Während  der  darauffolgenden
und  größtenteils  durch  einen  Goldzufluß  charakterisierten  Periode  von  1851
bis  1870  betrug  die  Maximalabweichung  (nach  der  entgegengesetzten  Richtung) ­
  0,31  Punkte  oder  2  Prozent  bei  einer  Durchschnittsabweichung  von
0,14  Punkten  oder  9  Prozent,  während  in  der  nachfolgenden  Periode  von
1871  bis  1873,  in  der  ein  Zufluß  des  Silbers  und  ein  Abfluß  des  Goldes  zu  verzeichnen ­
  war,  das  Verhältnis  bei  einem  Maximum  von  0,42  Punkten  oder
2,7  Prozent  und  einem  Durchschnitt  von  0,21  Punkten  oder  1,4  Prozent
über  15,5  zu  1  stieg.  Wir  wollen  nun  diese  Zahlen  denen  seit  1873  gegen-1
 )  Vgl.  J.  F.  Johnson,  Money  and  Currency,  Boston  (Ginn)  1905,  S.  227.
        <pb n="125" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

109

überstellen  *).  Seit  diesem  Jahre  beträgt  die  Maximalabweichung  von
dem  Verhältnis  15,5  zu  1  23,65  Punkte  oder  152,6  Prozent  und  die  Durchschnittsabweichung ­
  10,4  Punkte  oder  67,1  Prozent*).  Die  Geschichte  des
Verhältnisses  ist  in  Figur  9  dargestellt.

Obgleich  Frankreich  die  Ausprägung  der  Silber-Fünffrankstücke  erst  im  Jahre
1876  gänzlich  suspendierte,  so  begann  deren  Einschränkung  bereits  mit  dem  Jahre  1874.
Siehe  W.  A.  Shaw,  The  Eistory  o\  the  Currency,  S.  194  u.  196.
2 )  Diese  Zahlen  wurden  aus  dem  von  W.  A.  Shaw  gegebenen  Material,  The  Eistory
o/  the  Currency,  S.  159,  und  den  Reports  of  the  Dvredor  of  the  Mint  zusammengestellt.
        <pb n="126" />
        110

VII.  Kapitel.

Die  Bimetallisten  haben  nun  andrerseits  oft  übersehen  oder  nicht  wahrnehmenwollen, ­
  daß  dieses  Experiment  ebenso  die  Schranken  wie  die  Möglichkeiten ­
  des  Bimetallismus  kennzeichnet.  Im  Jahre  1850  war  der  Bimetallismus
in  Frankreich  seinem  Zusammenbruch  nahe,  und  es  würde  ihm  der  Silber-Monometallismus
  gefolgt  sein,  wenn  die  erhöhte  Goldproduktion  nicht  eine
entgegengesetzte  Strömung  veranlaßt  hätte.  Jm  Jahre  1865  hatte  das
Gold  das  Silber  zum  großen  Teil  vertrieben.  Im  Jahre  1873  wiederum  war
das  Gold  meistens  verschwunden  und  wahrscheinlich  wäre  es  gänzlich  verschwunden, ­
  wenn  nicht  die  Suspendierung  der  freien  Prägung  von  Silber
erfolgt  wäre.  Eine  Fortdauer  des  Bimetallismus  bei  einem  Verhältnis
15,5  zu  1  seitens  Frankreichs  und  der  Lateinischen  Union  allein,  wäre  zweifellos ­
  unmöglich  gewesen.  Wenngleich  der  Versuch  mißlungen  wäre,  so  wäre
das  Wertverhältnis  aber  doch  der  Relation  von  15,5  zu  1  näher  geblieben,
als  es  tatsächlich  gewesen  ist,  denn  die  Union  hätte  einen  großen  Markt  für
das  Silber  abgegeben.  Ungeachtet  der  erhöhten  Silberproduktion  wäre  der
Bimetallismus  möglicherweise  länger  aufrechterhalten  worden,  wenn  mehrere
andere  Länder  in  diesen  kritischen  Jahren  nicht  die  Goldwährung  angenommen ­
  hätten.  Diese  Tatsache  trug  mit  dazu  bei,  die  Länder  der  Lateinischen ­
  Union  mit  Silber  zu  überschwemmen  und  ihnen  ihr  Gold  zu  entziehen.
Diese  Länder  hatten  alle  Kosten  zu  tragen  und  Unannehmlichkeiten  zu  erdulden, ­
  die  die  Aufrechterhaltung  des  Verhältnisses  zwischen  Gold  und
Silber  mit  sich  brachte,  während  andere  Länder  den  meisten  Nutzen  davon
ernteten.  Hierin  liegt  eine  der  Schwächen  des  Bimetallismus  in  bezug  auf
eine  praktische  politische  Verwirklichung,  —  jedes  Land  überläßt  es  irgendeinem ­
  anderen  Lande  oder  anderen  Ländern,  den  Bimetallismus  anzunehmen. ­
  Es  ist  daher  für  die  Zukunft  nur  geringe  Aussicht  vorhanden,
daß  ein  einzelnes  Land  hierzu  die  Initiative  ergreift,  und  noch  weniger  Aussicht ­
  besteht  für  ein  internationales  Übereinkommen.

§  7-Das
  nunmehr  in  Frankreich  in  Gebrauch  befindliche  System  ist  auch
in  vielen  anderen  Ländern  zur  Anwendung  gekommen,  die  ebenso  wie  Frankreich ­
  gezwungen  waren,  dieses  System  anzunehmen  oder  andernfalls  Länder
mit  Silberwährung  zu  werden.  Nach  dem  Zerreißen  der  bimetallistischen
Bande,  welche  bis  zum  Jahre  1873  alle  Länder  mit  Gold-  und  Silberwährung
aneinanderketteten,  brach  die  Handelswelt  in  zwei  Teile:  in  die  Gold-  und
in  die  Silberwährungsländer.  Viele,  die  in  die  Reihen  der  ersteren  treten
wollten,  sich  jedoch  in  Gefahr  befanden,  in  die  der  letzteren  getrieben  zu
        <pb n="127" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

111

werden,  retteten  sich  dadurch,  daß  sie  ihre  Prägestätten  dem  Silber  verschlossen ­
  und  somit  die  hinkende  Währung  annahmen.  Eines  dieser
Länder  war  Britisch  Indien.
Der  Fall  Indiens  ist  interessant,  weil  es  nie  ein  bimetaljistisches
Land  war  und  zur  Zeit  der  Annahme  des  jetzigen  Systems,  in  welchem  Gold
die  Währung  ist,  sich  kein  Gold  in  Umlauf  befand.  Im  Juni  1893  wurden
die  Prägestätten  dem  Silber  verschlossen,  und  die  Rupie  wurde  gesetzlich
auf  16  Pence  festgesetzt.  Zum  großen  Verdruß  derer,  die  das  neue  System
befürwortet  hatten,  konnte  dieser  Wert  zuerst  nicht  aufrechterhalten  werden.
Es  war  jedoch  dieser  anfängliche  Mißerfolg  zu  erwarten,  da  sich  kein  Gold
in  Umlauf  befand  und  ungeahnte  Bestände  gemünzten  Silbers  vorhanden
waren,  durch  die  die  Zirkulation,  trotz  der  Verschließung  der  Prägestätten,
anschwoll.  Außerdem  akzeptierte  die  Regierung  von  Banken  und  von
anderer  Seite  bedeutende  Silberquantitäten,  die  vor  der  Absperrung  der
Prägestätten  bereits  nach  Indien  versandt  worden  waren  und  nun  von  der
Regierung  geprägt  wurden.  Ebenso  wurde  eine  beträchtliche  Menge  Silbers
von  den  Reserven  der  Regierung  zurückgezogen  und  in  Umlauf  gebracht.
Mit  dem  Jahre  1895  fiel  der  Wert  der  Rupie  bis  auf  13  Pence  herab.  Doch
hielt  sich  der  Wert  der  Rupie  selbst  von  allem  Anfang  an  über  dem  Werte
ihres  Silbergehaltes.  Wenn  sie  im  Vergleich  zu  dem  damals  im  Werte
steigenden  Golde  fiel,  so  stieg  sie  im  Vergleich  zum  Werte  des  Barrensilbers.
Sicher  kann  man  dies  als  ein  Symptom  dafür  betrachten,  daß  der  Wert
des  Geldes  zu  seiner  Quantität  in  Beziehung  steht,  ganz  abgesehen  von  dem
Quantum  und  dem  Werte  des  konstituierenden  Materials.  Selbst  in  bezug
auf  die  Goldwährung  stieg  der  Wert  der  Rupie  allmählich  von  13  Pence  im
Jahre  1895  auf  15  V 3  Pence  im  Jahre  1898  und  auf  16  Pence,  den  gesetzlichen
Wert,  mit  dem  Jahre  1899,  der  seitdem  eingehalten  wurde.  Da  die  indische
Regierung  während  des  letzten  Jahrzehnts  auf  Verlangen  Rupien  für  Gold
zu  diesem  Satze  ausgezahlt  hat,  kann  der  Wert  der  Rupie  nicht  merklich
höher  gehen.  Sollte  dies  der  Fall  sein,  so  würde  Gold  für  Rupien  angeboten
werden,  mehr  Rupien  würden  auszugeben  sein,  und  dies  würde  solange  fortdauern,
  bis  deren  Wert  auf  16  Pence  per  Rupie  gefallen  ist  Q.
Dem  Wesen  nach  ist  das  System  Indiens  die  in  §  4  beschriebene  Golddevisenwährung. ­
  Dasselbe  System  ist  nun  auf  den  Philippinen,  in  Mexiko,
in  den  Straits  Settlements,  Siam  und  in  Panama  erfolgreich  in  Kraft *  2 ).
*)  Eine  kurze  Geschichte  und  Auseinandersetzung  der  Erfahrungen  Indiens  bei
E.  W.  Kemmerer,  Money  and  Credit  Instruments  in  their  Relation  to  Prices,  S.  36—39.
2 )  Siehe  Charles  A.  Conant,  „The  Gold  Exchange  Standard  in  the  Light  of  Experience“
Economic  Journal,  Juni  1909,  S.  190—200;  Hanna,  Conant  und  Jenks,  Report  on  the  Intro-
        <pb n="128" />
        ;

112

VII.  Kapitel.

Im  Jahre  1908  bestand  es  in  Indien  insofern  eine  harte  Probe,  als  die  Handelsbilanz ­
  ungünstig  war  und  den  Verkauf  von  über  £  8,000,000  in  Wechseln
auf  London  erforderte,  bevor  das  indische  Geldwesen  genügend  gefestigt
war,  um  wider  den  Strom  segeln  zu  können.

Unter  den  Nationen,  welche  nun  die  hinkende  Währung  haben,  befinden
sich  die  Vereinigten  Staaten.  Im  Jahre  1792  nahm  der  Kongreß  vollkommenen ­
  Bimetallismus  an.  Den  Gold-  wie  den  Silbermünzen  wurde  die
Eigenschaft  als  vollständiges  gesetzliches  Zahlungsmittel  verliehen;  beide
Metalle  waren  in  einem  Verhältnis  von  15  Unzen  Silber  zu  1  Unze  Gold
frei  und  ohne  Einschränkung  auszuprägen.
Bald  kam  es  dazu,  daß  das  Marktverhältnis  das  Verhältnis  15  zu  1
übertraf,  da  ersteres  durch  verschiedene  Bedingungen,  besonders  durch
Verhältnisse  in  anderen  Ländern  und  speziell  in  Frankreich  bestimmt  wurde.
Gold  strömte  infolgedessen  aus.  Es  ist  zwar  nicht  möglich,  mit  Genauigkeit
festzustellen,  zu  welcher  Zeit  diese  Bewegung  begann,  doch  erklärt  Professor ­
  Laughlin,  daß  sie  bereits  im  Jahre  1810  einsetzte,  und  zieht  den
Schluß,  daß  sich  im  Jahre  1818  wenig  Gold  in  Zirkulation  befand 1 ).  Das
nominell  bimetallistische  Amerika  wurde  tatsächlich  Silberwährungsland.
Teilweise  durch  den  Wunsch,  das  Gold  wieder  in  Umlauf  zu  bringen,  und
teilweise  vielleicht  auch  durch  die  angeblichen  Goldentdeckungen  in  den  südlichen ­
  Staaten  beeinflußt,  nahm  der  Kongreß  in  den  Jahren  1834  und  1837
Gesetze  an,  die  das  Verhältnis  „16  zu  1“  —  oder  genauer,  16,002  zu  1  im
Jahre  1834  und  15,998  zu  1  im  Jahre  1837  —  festsetzten.  Während  durch
die  vorigen  Gesetze  das  Silbergeld  überwertet  worden  war,  wurde  durch  diese
neuen  Gesetze  nunmehr  das  Gold  überwertet.  Das  heißt,  das  Wertverhältnis ­
  im  Handel  blieb  fortdauernd  nahe  15,5  zu  1,  während  das  gesetzliche
Verhältnis  etwas  höher  war.  Dies  war  der  Fall  bis  zum  Jahre  1850.  DieFolge
davon  war,  daß,  dem  Greshamschen  Gesetze  gemäß,  das  billigere  Goldgeld
das  Silbergeld  hinaustrieb  und  die  Vereinigten  Staaten  ein  Land  mit  Goldduclion ­

  oj  the  Gold  Exchange  Standard  into  China,  the  Philippine  Islands,  Panama,  and  other
Silver-using  Countries  and  on  the  Stdbility  oj  Exchange,  Washington  (Government  Printing
  Office),  1904;  Kemmerer,  „Establishment  oj  the  Gold  Exchange  Standard  in  the  Philippines“,
  Qwrterly  Journal  oj  Economics,  August  1905,  S.  600  605.
G  The  History  oj  Bimetallism  in  the  United  States,  New  York  (D.  Appleton  and  Company), ­
  1901,  4.  Aufl.,  S.  29.
        <pb n="129" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

113

Währung  wurden.  Um  den  Export  unserer  Silberscheidemünzen  zu  verhindern, ­
  wurde  deren  Gewicht  im  Jahre  18o3  reduziert.
Bis  zur  Zeit  des  Bürgerkrieges  herrschte  der  Goldumlauf  in  den  Vereinigten ­
  Staaten;  während  des  Bürgerkrieges  wurden  „Greenbacks“  oder
Noten  der  Vereinigten  Staaten  in  erheblichem  Übermaß  ausgegeben.  Wiederum ­
  trat  das  Greshamsche  Gesetz  in  Kraft.  Jetzt  wurde  das  Gold  seinerseits ­
  aus  dem  Verkehr  vertrieben,  und  die  Vereinigten  Staaten  gerieten
in  die  Papierwährung  1 ).  Das  Land  blieb  noch  für  einige  Jahre  nach  der
Beendigung  des  Krieges  bei  der  Papierwährung;  außer  an  der  Küste  des
Großen  Ozeans  befand  sich  nur  wenig  Gold  in  Zirkulation  und  nirgends
viel  Silber.
Im  Jahre  1873  nahm  der  Kongreß  ein  Gesetz  an  (das  von  Bimetallisten
das  „Verbrechen  von  1873“  genannt  wurde),  durch  das  der  Standard  Silberdollar ­
  aus  der  Liste  der  gesetzlichen  Münzen  gänzlich  weggelassen  wurde.
Dies  konnte  natürlich  auf  den  Gold-  und  Silberwert  keine  unmittelbare
Wirkung  ausüben,  weil  sich  das  Land  zu  jener  Zeit  auf  einer  Papierbasis
befand.  Als  aber  im  Jahre  1879  Zahlungen  in  klingender  Münze  (d.  h.
Zahlungen  in  Gold  und  Silber)  wieder  aufgenommen  wurden,  gelangte  das
Land  durch  die  Aufhebung  der  freien  Prägung  von  Silber  in  eine  Gold-,
und  nicht  in  eine  Silberwährung.  Hätte  das  Gesetz  von  1873  nicht  existiert, ­
  so  wären  die  Vereinigten  Staaten,  als  sie  im  Jahre  1879  auf  eine
Metallbasis  zurückkehrten,  ein  Silberland  geworden,  dessen  Währung  sich
bedeutend  unter  dem  Goldwert  bewegt  hätte,  den  sie  tatsächlich  erreichten.
Unsere  Geldprobleme  hätten  sich  dann  ganz  anders  gestaltet,  als  wie  sie
sich  faktisch  entwickelt  haben.
Als  wir  aber  auf  eine  Goldbasis  zurückkehrten,  wurde  der  Silberdollar
in  einer  untergeordneten  Bolle  wieder  eingeführt.  Wenngleich  die  freie  Ausprägung ­
  des  Silbers  nicht  wiederaufgenommen  wurde,  gelang  es  den  Silberleuten, ­
  durch  die  „Bland-Allison  Akte“  vom  Jahre  1878  und  die  „Sherman
Akte“  vom  Jahre  1890,  die  die  erstere  ersetzte,  die  Regierung  zum  Einkauf
großer,  aber  nicht  unbeschränkter  Silberquantitäten  und  zu  der  Prägung
einer  großen,  aber  nicht  unbeschränkten  Anzahl  Silberdollars  zu  verpflichten.
Das  Bland-Allison-Gesetz  trug  dem  Schatzsekretär  auf,  jeden  Monat
2,000,000  bis  4,000,000  Dollar  Silberwert  zu  kaufen  und  in  Standard—Silberdollars
  zu  prägen.  Das  Sherman-Gesetz  schrieb  den  monatlichen  Einkauf
von  4,500,000  Unzen  Silber  vor.
*)  Siehe  besonders  Wesley  Clair  Mitchell,  Eistory  of  the  Greenbacks,  Chicago  (The
Univcrsity  of  Chicago  Press),  1903;  ebenso  dessen  Gold,  Prices,  and  Wages  under  the  Greenback
  Standard,  Berkeley,  Califomien  (University  of  California  Press),  1908.
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.  g
        <pb n="130" />
        114

VII.  Kapitel.

Unter  diesen  Gesetzen  wurden  554,000,000  Silberdollar  geprägt,  obgleich ­
  weniger  als  20  Prozent  davon  jemals  in  tatsächliche  Zirkulation  gekommen ­
  sind.  An  Stelle  dieser  ungeheuren  Silbermasse  haben  während  einer
Zeit  Schatzscheine  und  auf  Verlangen  in  Silberdollars  einlösbare  Silberzertifikate ­
  zirkuliert.  Die  Silberdollars  (und  folglich  die  Silberzertifikate)
halten  ihre  Wertparität  mit  dem  Golde  aufrecht,  hauptsächlich  aus  dem
Grunde,  weil  sie  in  ihrer  Anzahl  beschränkt  sind.  Wenn  ihre  Gleichwertigkeit
mit  Gold  in  Frage  gestellt  werden  sollte,  so  würde  das  Schatzamt  wahrscheinlich ­
  sich  anheischig  machen,  sie  in  Gold  einzulösen.  Kein  Gesetz  sieht
direkt  die  Einlösung  des  Silbers  in  Gold  vor,  doch  ist  dem  Schatzsekretär
zur  Pflicht  gemacht  worden,  Maßnahmen  zu  treffen,  daß  die  Parität  des
Silbers  mit  dem  Golde  aufrechterhalten  bleibt.
Im  Jahre  1893  wurde  das  Sherman-Gesetz  aufgehoben  und  im  Jahre
1900  ein  Gesetz  angenommen,  das  ausdrücklich  erklärte,  daß  die  Vereinigten ­
  Staaten  eine  Goldbasis  haben  sollen.
§9.
Das  System  der  hinkenden  Währung,  das  nun  in  den  Vereinigten
Staaten  besteht,  bildet  logisch  ein  Verbindungsglied  zwischen  dem  vollkommenen ­
  Bimetallismus  und  jenen  „zusammengesetzten“  Systemen,  bei
denen  eine  beliebige  Anzahl  verschiedener  Arten  von  Geld  gleichzeitig  in
Zirkulation  gehalten  werden.  Die  Art  und  Weise,  wie  die  meisten  Staaten
der  zivilisierten  Welt  das  Problem  nebeneinanderbestehender  Umlaufsmittel
gelöst  haben,  war,  Gold  als  Währung  zu  benützen  und  hauptsächlich  Silber,
Nickel  und  Kupfer  in  beschränkten  Quantitäten  als  Scheidemünze  sowie
in  den  meisten  Fällen  auch  eine  beschränkte  Menge  Papiergeld  zu  verwenden, ­
  das  gewöhnlich  einlösbar  ist.  In  diesem  zusammengesetzten
System  sind  unbegrenzte  Variationen  möglich.  Wir  haben  zurzeit  in  den
Vereinigten  Staaten  ein  sehr  kompliziertes  System,  das  in  vieler  Hinsicht
nicht  einwandfrei  ist  und  (wie  wir  gleich  sehen  werden)  besonders  an  dem
Mangel  an  Elastizität  leidet.  Währung  ist  Gold  und  eswird  freigeprägt.  Eine
beschränkte  Anzahl  Silberdollars,  deren  Geldnennwert  mehr  als  das  Doppelte
ihres  Metallwertes  beträgt,  bilden  ein  Vermächtnis  früherer  bimetallistischer
Gesetze,  die  seit  langem  durch  das  Papiergeld  des  Bürgerkrieges  unwirksam  ge  -
macht  und  im  Jahre  1873  ausdrücklich  aufgehoben  wurden.  Die  beiden  Versuche, ­
  in  den  Jahren  1878  undl890  durch  den  Einkauf  von  Silber—Versuche,
die  im  Jahre  1893  eingestellt  wurden  —  halbwegs  zum  Bimetallismus  zurückzukehren, ­
  haben  die  Menge  des  geprägten  Silbers  in  hohem  Grade  ange ­
        <pb n="131" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

115

schwellt.  Der  Versuch,  Silberdollars  mit  Gewalt  in  Zirkulation  zu  bringen,
scheiterte  am  Widerstand  der  Geschäftswelt,  und  der  Kongreß  gab  deshalb
an  Stelle  der  Silberdollars  die  beiden  vorerwähnten  Arten  von  Papiergeld
heraus.  Die  Hauptform  ist  das  „Silberzertifikat“.  Für  jedes  Silberzertifikat ­
  wird  in  den  Schatzkammern  der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten
ein  Silberdollar  aufbewahrt.
Das  Absurde  der  Situation  besteht  in  der  Fiktion,  daß  das  Silber  die  Parität ­
  des  Papiergeldes  mit  dem  Golde  aufrechterhält.  Das  Papier  behielte  seine
Parität  mit  dem  Golde  genau  so  gut,  wenn  es  kein  Silber  gäbe.  Ein  Silberdollar ­
  als  Silber  ist  weniger  wert  als  ein  Golddollar,  geradeso  wie  ein  Papierdollar ­
  als  Papier  weniger  wert  ist  als  ein  Golddollar.  Die  Tatsache,  daß  das
Silber  mehr  wert  ist  als  das  Papier,  trägt  nicht  im  geringsten  dazu  bei,  das
Papier  einen  ganzen  Dollar  wert  zu  machen,  solange  als  das  Silber  selbst
keinen  ganzen  Dollar  wert  ist.  Ein  Pfeiler,  der  nur  zur  Hälfte  an  die  Decke
reicht,  kann  diese  ebensowenig  stützen  wie  ein  Pfeiler,  der  nur  einige  Zentimeter ­
  hoch  ist.
Die  Papiersurrogate  des  Silbers  würden  ebensogut  weiterzirkulieren
wie  gegenwärtig,  wenn  das  „hinter  ihnen  befindliche  Silber“  nicht  existierte,
wenngleich  dann  das  Sinnwidrige  der  Situation  so  offenbar  wäre,  daß  sie
wahrscheinlich  zurückgezogen  würden.  Ob  die  halbe  Milliarde  Dollar
neuer  Umlaufsmittel,  die  mit  den  Bland-  und  Sherman-Gesetzen  in  Zirkulation ­
  kamen,  aus  bis  zum  Betrage  von  50  Prozent  überwertetem  Silber
oder  aus  bis  zur  Höhe  von  100  Prozent  überwertetem  Papier  bestehen,  übt
auf  das  Prinzip  der  hinkenden  Währung,  die  Silberdollars  zum  gleichen  Werte
mit  Gold  beibehält,  faktisch  keinen  Einfluß  aus.  Das  in  den  Schatzkammern
des  Finanzministeriums  müßig  liegende  Silber  stellt  nichts  als  eine  Verschwendung ­
  dar,  eine  Liebesgabe  der  Regierung  zur  Unterstützung
des  Silberbergbaus.  Seine  einzige  wirkliche  Bedeutung  heutzutage  ist,
das  Publikum  zu  dem  Glauben  zu  verleiten,  daß  jenes  Silber  auf
irgendeine  Art  die  Silberzertifikate  auf  dem  gleichen  Wert  mit  Gold  erhält ­
  oder  zu  erhalten  behilflich  ist 1 ),  während  aber  in  Wirklichkeit  die
Parität  nur  durch  die  Beschränkung  ihrer  Quantität  behauptet  wird.
Das  Silber  und  dessen  Papiersurrogate  können  nicht  unter  Pari  fallen,  ohne
das  Gold  zu  verdrängen,  und  sie  können  das  Gold  nicht  verdrängen,  weil  ihre
Anzahl  nicht  groß  genug  ist.
Eine  andere  und  gleichfalls  nutzlose  Anomalie  besteht  in  der  vorhandenen
Q  Seager  macht  in  seiner  Introdudwn  to  Economics,  3.  Aufi.,  New  York  (Holt)
1908,  S.  317  nachdrücklich  geltend,  die  Regierung  solle  den  Versuch  machen,  nach  und
nach  über  dieses  Süber  zu  verfügen  und  es  durch  den  gleichen  Wert  in  Gold  zu  ersetzen
8*
        <pb n="132" />
        116

VII.  Kapitel.

Menge  von  „Greenbaeks“.  Diese  sind  Noten  der  Regierung  der  Vereinigten
Staaten.  Unter  dem  Gesetze  vom  Jahre  1875  wurden  die  „Greenbaeks“
mit  dem  Jahre  1879  in  genügender  Anzahl  eingezogen,  um  die  Parität  mit
Gold  wiederherzustellen.  Durch  ein  Gegengesetz  vom  Jahre  1878  wurden
jedoch  847,000,000  davon  in  Zirkulation  erhalten,  die  sich  noch  jetzt  in
Umlauf  befinden.  Sobald  eine  Einlösung  dieser  „Greenbaeks“  stattfindet,
muß  ihre  Wiederausgabe  erfolgen;  sie  können  nicht  eingezogen  werden.  Sie
bilden  einen  festen  Bestandteil  unseres  Geldpotpourris,  der  weder  ausdehnungsfähig ­
  noch  zusammenziehbar  ist.  Sie  sind  mit  dem  Golde  im
gleichen  Werte  erhalten  worden,  weil  sie  1.  in  ihrer  Quantität  beschränkt  sind,
2.  auf  Verlangen  in  Gold  eingelöst  werden  können,  3.  weil  sie  für  Abgaben  zulässig ­
  und  gesetzliches  Zahlungsmittel  sind.  Doch  ist  es  absurd,  einzulösen,  aber
nicht  zurückzuziehen,  —  ja  tatsächlich  fast  ein  logischer  Widerspruch.  Diese
Sinnwidrigkeit  hat  die  Regierung  zuweilen  in  ernste  Verlegenheiten  gebracht.
Der  nächst  zu  betrachtende  Bestandteil  unseres  Kurantgeldes  ist  die
Banknote.  Obgleich  die  National-Bank-Gesetze  mit  dem  alten  Durcheinander
von  Staatsbanknoten  aufräumten,  verkoppelten  sie  die  neuen  Noten  mit
der  Kriegsschuld,  und  trotz  der  Tatsache,  daß  dieseVerbindung  längst  keine
Vorteile  mehr  aufwies,  ihre  Nachteile  jedoch  immer  ausgesprochener  zutage
traten,  blieben  beide  seither  miteinander  festverbunden.  Gesetzmäßig
kann  die  Ausgabe  von  Nationalbanknoten  die  Staatsschulden  nicht  überschreiten, ­
  wie  dringend  der  Bedarf  hierfür  auch  sein  mag;  und  die  Regierung
kann  ihre  Schulden  nicht  bezahlen,  ohne  damit  die  Nationalbanken  zu
zwingen,  ihre  Noten  in  dem  gleichen  Betrage  einzuziehen.
Eine  der  merkwürdigen  Anomalien  der  Situation  ist,  daß  die  Preise
von  Obligationen  der  Vereinigten  Staaten  so  hoch  sind  und  der  Zinsfuß
dieser  Obligationen  folglich  so  niedrig  ist,  daß  tatsächlich  ein  geringerer
Antrieb  dadurch  gegeben  wird,  in  Gegenden  Banknoten  auszugeben,  wo
der  Zinsfuß  hoch  ist  (z.  B.  im  Westen),  als  in  solchen  Gegenden,  wo  er  (wie
im  Osten  des  Landes)  niedrig  ist.
Das  Resultat  ist  ein  unelastisches  Währungssystem,  das,  anstatt  sich
den  im  Handel  vorkommenden  jahreszeitlichen  Schwankungen  anzupassen
und  auf  diese  Weise  die  sich  ergebenden  Variationen  im  Preisniveau  abzuschwächen, ­
  eine  harte  und  feste  Masse  bleibt,  der  sich  die  anderen  Elemente
in  der  Verkehrsgleichung  anpassen  müssen 1 ).
l )  Das  Aldrich-Vreeland-Gesetz  vom  Jahre  1908  hat  diese  Situation  nicht  geändert.
Wenn  es  auch  in  bezug  auf  die  Abschwächung  von  Krisen  noch  so  nützlich  ist,  so  gibt  es
doch  dem  Umlaufsmittel  keine  Elastizität  in  gewöhnlichen  Zeiten.  Wenigstens  ist  diese
Wirkung  bisher  nicht  zutage  getreten.
        <pb n="133" />
        Einwirkung  der  Geldsysteme  auf  die  Kaufkraft.

117

Die  übrigen  Teile  unseres  Umlaufsmittelsystems,  solche  wie  Teil-  und
geringere  Münzen,  die  der  Nachfrage  des  Publikums  angepaßt  werden,  sind
zufriedenstellend.  Die  Gold-  und  Währungsdepositenzertifikate  können
kaum  als  unabhängige  Erscheinungen  betrachtet  werden,  da  sie  einfach
zur  Bequemlichkeit  des  Publikums  gegebene  Quittungen  der  Regierung
sind,  die  Depositen  von  Gold  oder  „Greenbacks  repräsentieren.

Geld  in  den  Vereinigten  Staaten  (in  Millionen).

•T

Noten  der

Hilfs-  und

Gold

Silber

Ver.
Staaten

Banknoten

Scheide-Münzen


insgesamt

Im  Schatzamt  der
Ver.  St

264  Q
801 *  2 )

26 4  *  6 )

9

40

26

365

In  den  Banken  ..

217  s )

253

108

38

1417

Außerhalb  derselben ­


752 3 )

323°)

85

597

107

1864

Im  ganzen

1817

566

347

745

171

3646

Der  in  dieser  Tabelle  wiedergegebene  gegenwärtige  Zustand  in  den  Vereinigten ­
  Staaten  vom  1.  Juli  1912  wurde  den  Berichten  des  Comptrollers
und  des  Staatsschatzmeisters  entnommen.
Wir  sehen  hier  ein  Umlaufsmittelsystem,  in  dem  das  Gold,  die  Basis
des  ganzen  Planes,  außerhalb  des  Schatzamtes  und  der  Banken  zu  einem
Anteile  von  einem  Drittel  bis  zur  Hälfte  des  Quantums  in  die  Zirkulation
eindringt,  und  in  dem  etwas  über  die  Hälfte  des  in  den  Banken  befindlichen
Geldes  als  Reserven  für  Depositen  (und  für  Banknoten,  wenn  auch  diese
von  der  Regierung  garantiert  werden)  im  Gebrauch  sind.  Das  übrige  in
Zirkulation  befindliche  Geld  besteht  fast  gänzlich  aus  unelastischen  und  fast
konstanten  Elementen.  Infolgedessen  verursacht  eine  Veränderung  in  der

Q  -Freies“  Gold  (d.  h.  ausschließlich  des  Goldes,  das  im  Schatzamt  für  Goldzertifikate, ­
  die  sich  im  Besitze  des  Publikums  befinden,  zurückbehalten  wird)
2 )  Einschließlich  563  Millionen  Goldzertifikate,  für  die  sich  Gold  als  Depositum  in
den  Schatzkammern  der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  befand.
3 )  Einschließlich  380  Millionen  Goldzertifikate,  für  die  sich  Gold  als  Depositum  in
den  Schatzkammern  der  Kegierung  der  Vereinigten  Staaten  befand.
')  „Freies“  Silber  (d.  h.  ausschließlich  des  Silbers,  das  im  Schatzamt  für  Silberzertifikate, ­
  die  sich  im  Besitze  des  Publikums  befinden,  zurückbehalten  wird).
E )  Einschließlich  194  Millionen  Silberzertifikate,  für  die  sich  Silber  als  Depositum
in  den  Schatzkammern  der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  befand.
6 )  Einschließlich  275  Millionen  Silberzertifikate,  für  die  sich  Silber  als  Depos't
in  den  Schatzkammern  der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  befand.
        <pb n="134" />
        118

VIII.  Kapitel.

Quantität  des  in  Zirkulation  befindlichen  Goldes  keine  proportionale  Veränderung ­
  in  der  Quantität  des  ganzen  in  Zirkulation  befindlichen  Geldes,
sondern  nur  ungefähr  für  ein  Drittel.  Da  aber  fast  jede  Geldart  als
Reservefonds  dienen  kann  und  selbst  Nationalbanknoten  von  Einzelstaatenbanken ­
  und  Trustgesellschaften  zu  diesem  Zwecke  Verwendung  finden,  so
werden  die  proportionalen  Beziehungen  zwischen  dem  in  Zirkulation  befindlichen ­
  Gelde,  dem  als  Reserven  dienenden  Gelde  und  den  Bankdepositen ­
  annähernd  die  normale  Geldsituation  bilden.  Die  in  bezug  auf  die
Reserven  bestehenden  gesetzlichen  Vorschriften  fördern  die  Tendenz  zur
Bewahrung  eines  solchen  Verhältnisses.
Wir  haben  also  in  den  Vereinigten  Staaten  ein  Umlaufsmittelsystem,
in  dem  das  Gold,  wie  bereits  erwähnt,  tatsächlich  das  einzige  anpassungsfähige ­
  Geld  ist.  Da  das  Gold  Zeit  für  das  Prägen  oder  für  den  Transport
erfordert,  ist  die  Ausgleichung  langsam  und  schwerfällig  im  Vergleich  zu
der  in  anderen  Ländern  ausgeübten  prompten  Ausgabe  oder  Zurückziehung
von  Banknoten.  Die  jahreszeitlichen  Veränderungen  in  der  Kaufkraft
des  Geldes  ebenso  wie  die  mit  Krisen  und  Kreditzyklen  verbundenen
Schwankungen  werden  daher  in  hohem  Grade  und  unnötigerweise  verschärft. ­
  Wenn  diese  zweite  Auflage  in  Druck  geht,  liegt  die  Möglichkeit ­
  vor,  daß  der  Kongreß  in  Washington  endlich  eine  Gesetzgebung
zur  Abhilfe  dieser  Sachlage  beschließt. 1 )

VIII.  Kapitel.
Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren ­
  auf  die  Kaufkraft  und  ihre  Wechselwirkung.
§  i.
Die  vorhergehenden  Kapitel  waren  vor  allem  der  Darlegung  der
Umstände  gewidmet,  welche  die  Kaufkraft  des  Geldes  bestimmen.  Wie  wir
gesehen  haben,  ist  diese  Kaufkraft  das  Resultat  von  fünf,  und  zwar  nur  fünf
Ursachenkomplexen,  nämlich:  Geld,  Depositen,  deren  beiderseitige  Umlaufs-')
  Seit  Herausgabe  der  zweiten  amerikanischen  Auflage  ist  in  den  Vereinigten
Staaten  ein  neues  Bankgesetz  in  Kraft  getreten.  Durch  dieses  Gesetz  wird  eine
neue  Art  Papiergeld  mit  größerer  Elastizität  geschaffen  und  ein  Zentralbanksystem
eingeführt,  das  den  Kredit  (Depositenumlaufsmittel)  bedeutend  elastischer  gestaltet,
als  dies  bisher  der  Fall  war.
        <pb n="135" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  119

geschwindigkeit  und  Umfang  des  Handels.  Diese  Ursachen  und  ihre  Wirkungen ­
  —  die  Preise  —  sahen  wir  durch  eine  Gleichung  verbunden,  welche
wir  die  Yerkehrsgleichung  GU  +  G'U'  =  2p  Q  nannten.  Wir  haben  gefunden, ­
  daß  die  fünf  Ursachen  ihrerseits  selbst  Wirkungen  tiefer  liegender
Ursachen  sind,  welche  völlig  außerhalb  der  Yerkehrsgleichung  liegen,  und
zwar  in  folgender  Weise:  Der  Umfang  des  Handels  wird  erhöht  und  daher
das  Preisniveau  entsprechend  erniedrigt  durch  die  veränderten  Bedürfnisse
des  Menschen,  durch  erhöhte  Spezialisierung  in  der  Industrie  und  durch
Verbesserungen  im  Transportwesen.  Die  Umlaufsgeschwindigkeiten  werden
erhöht  und  das  Preisniveau  zu  einem  Steigen  veranlaßt  durch  Unwirtschaftlichkeit, ­
  durch  Ausnützung  des  Buchkredits  und  durch  beschleunigten
Transport.  Die  Quantität  des  Geldes  wird  erhöht  und  dementsprechend
auch  das  Preisniveau  unmittelbar  durch  den  Import  sowie  das  Prägen  von
Geld,  mittelbar  aber  durch  die  steigende  Produktion  des  Geldmetalls;  durch
den  Bimetallismus,  der  ein  anderes  und  anfangs  billigeres  Geldmetall  einführt, ­
  oder  durch  die  Ausgabe  von  Banknoten  und  anderem  Papiergeld.
Durch  Ausdehnung  des  Banksystems  sowie  die  Ausdehnung  des  Buchkredits ­
  wird  die  Quantität  der  Depositen  erhöht  und  folglich  auch  das
Preisniveau  gesteigert.  Die  entgegengesetzten  Ursachen  bringen  natürlich
entgegengesetzte  Wirkungen  hervor.
So  finden  wir  hinter  den  fünf  Ursachenkomplexen,  welche  einzig  und
allein  die  Kaufkraft  des  Geldes  unmittelbar  bestimmen,  über  ein  Dutzend
mittelbarer  Ursachen.  Wenn  wir  die  Untersuchung  noch  weiterhin  verfolgen ­
  wollten,  so  würden  wir  finden,  daß  sich  die  Anzahl  der  Ursachen  mit
jedem  Stadium  erhöht,  ganz  ähnlich  wie  sich  die  Anzahl  der  Vorfahren ­
  einer  Person  mit  jeder  älteren  Generation  erhöht.  Im  Grunde
genommen  wirken  schließlich  Myriaden  von  Faktoren  auf  die  Kaufkraft
des  Geldes  ein,  doch  wäre  es  weder  möglich  noch  zweckmäßig,  sie  aufzuzählen. ­
  Der  Wert  unserer  Untersuchung  besteht  vielmehr  darin,  das
Problem  durch  eine  klare  Darlegung  der  fünf  unmittelbaren  Ursachen,
durch  die  sich  schließlich  alle  anderen  doch  geltend  machen  müssen,  zu  vereinfachen. ­
  Am  Schlüsse  ebenso  wie  am  Anfang  unserer  Untersuchung  tritt
die  Verkehrsgleichung  als  der  letzten  Endes  entscheidende  Faktor  der  Kaufkraft ­
  des  Geldes  hervor.  An  der  Hand  dieser  Gleichung  sehen  wir,  daß
regelmäßig  die  Quantitätsschwankungen  der  Depositenumlaufsmittel  direkt
mit  denen  des  Geldes  parallel  laufen  und  daß  daher  die  Verhältnisse,  welche
wir  zuvor  als  bewährt  gefunden  haben,  durch  die  Einführung  von  Depositen
nicht  gestört  werden.  Das  heißt,  es  bestätigt  sich,  daß  1.  die  Preise  gleichmäßig ­
  mit  der  Geldquantität  variieren,  sofern  das  Handelsvolumen  und
        <pb n="136" />
        120

VIII.  Kapitel.

die  Uinlaufsgeschwindigkeiten  unverändert  bleiben;  daß  sich  2.  die  Preise
direkt  wie  die  Umlaufsgeschwindigkeiten  verändern  (wenn  diese  Geschwindigkeiten ­
  in  derselben  Richtung  variieren),  soferne  ihrerseits  die  Quantität
des  Geldes  und  der  Umfang  des  Handels  unverändert  bleiben,  und  daß  sich
3.  die  Preise  im  umgekehrten  Verhältnis  zum  Handelsumfang  verändern,
vorausgesetzt,  daß  die  Quantität  des  Geldes  —  und  folglich  auch  der  Depositen ­
  —  und  deren  Umlaufsgeschwindigkeiten  unverändert  bleiben.
§2.
In  diesem  Kapitel  werden  wir  untersuchen,  inwieweit  diese  Behauptungen ­
  wirklich  kausale  Zusammenhänge  betreffen.  Wir  werden  deshalb
den  Einfluß  jeder  der  sechs  Größen  auf  jede  der  anderen  fünf  ausführlich  erörtern. ­
  Diese  Untersuchung  wird  auf  die  Einwendungen,  welche  so  oft
gegen  die  Quantitätstheorie  des  Geldes  erhoben  werden,  Antwort  erteilen.
Um  alle  Tatsachen  und  Möglichkeiten  in  bezug  auf  die  Kausalität  darzulegen, ­
  ist  es  nötig,  die  Wirkungen  der  verschiedenen  Größen  in  der  Verkehrsgleichung, ­
  und  zwar  jede  für  sich,  zu  studieren.  In  jedem  Fall  müssen
wir  zwischen  den  Wirkungen  während  der  Übergangsperioden  und  den
endgültigen  oder  normalen  Wirkungen  nach  Beendigung  der  Übergangsperioden ­
  unterscheiden.  Der  Einfachheit  halber  werden  wir  in  jedem  Fall
die  normalen  oder  endgültigen  Wirkungen  zuerst  und  hierauf  die  abnormen
oder  Übergangswirkungen  in  Erwägung  ziehen.
Da  fast  alle  denkbaren  Wirkungen  der  Veränderungen  in  den  Elementen
der  Verkehrsgleichung  bereits  in  früheren  Kapiteln  dargelegt  worden  sind,
so  besteht  unsere  Aufgabe  in  diesem  Kapitel  hauptsächlich  in  einer  nochmaligen ­
  Prüfung  und  Umordnung.
Unsere  erste  Frage  ist  daher  folgende:  angenommen  es  ist  eine  Verdoppelung ­
  der  in  Umlauf  befindlichen  Geldquantität  gegeben  (ß),  was  sind
dann  die  normalen  oder  letzten  Endes  auftretenden  Wirkungen  auf  die
anderen  Größen  in  der  Verkehrsgleichung,  nämlich  auf  G r ,  U,  U',  die  p
und  die  Q?
Im  III.  Kapitel  haben  wir  gesehen,  daß  unter  normalen  Umständen
die  Wirkung  einer  Verdoppelung  des  in  Umlauf  befindlichen  Geldes  (G)
zugleich  eine  Verdoppelung  der  Depositen  bedeutet  (G'),  da  letztere  unter
allen  nur  denkbaren  Verhältnissen  der  Industrie  und  Zivilisation  stets  das
Bestreben  haben,  ein  bestimmtes  oder  normales  Verhältnis  zu  dem  in  Umlauf ­
  befindlichen  Gelde  aufrechtzuhalten.  Die  endgültige  Wirkung  einer  Verdoppelung ­
  in  G  ist  daher  dieselbe  als  diejenige  einer  Verdoppelung  von
        <pb n="137" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  121

G  und  G'.  Sodann  wollen  wir  beweisen,  daß  diese  Verdoppelung  von  G  und  G’
unter  normalen  Umständen  nicht  U,  V  oder  die  Q,  sondern  nur  die  p
verändert.  Die  Verkehrsgleichung  verlangt  oder  widerspricht  diesen  Behauptungen ­
  an  sich  nicht.
Denn  nach  der  Verkehrsgleichung  allem  können  sogar  die  Quantitäten
des  Geldes  und  der  Depositen  umgekehrt  wie  ihre  respektiven  Umlaufsgeschwindi°keiten
  variieren.  Träfe  dies  zu,  so  würde  eine  Zunahme
der  Geldquantität  in  einer  Herabsetzung  der  Umlaufsgeschwindigkeit  ihre
ganze  Wirkung  erschöpfen  und  könnte  keinen  Einfluß  auf  die  Preise  ausüben.
Wenn  die  Gegner  der  „Quantitätstheorie“  ein  solches  Verhältnis  herstellen
könnten  so  würden  sie,  ungeachtet  der  Verkehrsgleichung,  ihre  Sache  bewiesen ­
  haben.  Sie  haben  aber  nicht  einmal  den  Versuch  gemacht,  eine
solche  Behauptung  zu  beweisen.  Denn  tatsächlich  hängt  die  jeweilige
Geschwindigkeit  des  Geld-  und  Depositenumlaufes  von  technischen  Bedingungen ­
  ab  und  steht  in  keiner  sichtbaren  Beziehung  zu  der  in  Zirkulation
befindlichen  Geldmenge.  Die  Umlaufsgeschwindigkeit  ist  die  Durchschnittsrate ­
  des  „Umsatzes“  und  hängt  von  unzähligen  Einzel-Ümsatzraten
ab  Diese  wiederum  sind,  wie  wir  gesehen  haben,  von  individuellen  Gewohnheiten ­
  abhängig.  Jede  Person  reguliert  ihren  Umsatz  nach  eigenem
Ermessen.  Eine  gegebene  Umsatzrate  für  eine  Person  umfaßt  eine  gegebene ­
  Umsatzzeit  —  das  heißt,  eine  Durchschnittszeitdauer,  während
welcher  z.  B.  ein  Dollar  in  ihren  Händen  bleibt.  Dieser  Umsatzzeit  wird
durch  Anpassung  der  Durchschnittssumme  des  Taschengeldes  oder  des
Kassengeldes  Rechnung  getragen,  um  die  Ausgaben  begleichen  zu  können.
Einerseits  herrscht  das  Bestreben,  nicht  zu  geringe  Geldsummen  bereitzuhalten, ­
  um  nicht  gelegentlich  unnötig  in  Verlegenheit  zu  geraten,  und
anderseits  sucht  man  zu  vermeiden,  zuviel  Geld  bei  sich  zu  haben,  um  der
Unbequemlichkeit  des  Mitsichschleppens,  dem  Zinsverlust  und  der  Gefahr  der
Beraubung  aus  dem  Wege  zu  gehen.  Die  Anpassung  des  Geldbetrages  an
den  individuellen  Bedarf  kann  natürlich  nur  eine  ungefähre  sein,  die  meist
vom  Zufall  des  Augenblickes  abhängt;  aber  für  die  Dauer  und  für  eine
große  Anzahl  von  Menschen  ist  die  Durchschnitts-Umsatzrate,  oder,  was
auf  dasselbe  hinausläuft,  die  Durchschnittszeit,  während  welcher  Geld
in  denselben  Händen  bleibt,  eine  ganz  genau  bestimmte.  Sie  hängt  ab
von  der  Bevölkerungsdichte,  von  Verkehrsgewohnheiten,  der  Transport-Schnelligkeit
  und  anderen  technischen  Bedingungen,  nicht  aber  von  der
Quantität  des  Geldes  und  der  Depositen  oder  vom  Preisniveau.  Diese
können  sich  ohne  irgendwelche  Wirkung  auf  die  Geschwindigkeit  verändern. ­
  Wenn  die  Quantitäten  des  Geldes  und  der  Depositen  verdoppelt
        <pb n="138" />
        122

VIII.  Kapitel.

werden,  gibt  es,  soweit  die  Umlaufsgeschwindigkeit  in  Betracht  kommt,
nichts,  was  das  Preisniveau  vor  einer  Verdoppelung  bewahren  könnte.
Es  kann  z.  B.  nicht  bewiesen  werden,  daß  (ausgenommen  in  Perioden
des  Überganges)  eine  Zunahme  in  der  Quantität  des  Geldes  die  Tendenz
habe,  die  Umlaufsgeschwindigkeit  dieses  Geldes  zu  vermindern.  Leute,
die  diesem  Gegenstand  niemals  Beachtung  geschenkt  haben,  sind  der
Meinung,  daß  die  Preise  keineswegs  zu  steigen  brauchen,  wenn  die  Quantität
des  Geldes  urplötzlich  eine  Verdoppelung  erführe,  da  die  Wirkung  sich  einfach ­
  in  einer  Halbierung  der  Umlaufsgeschwindigkeit  äußern  würde.  Dies
wäre  der  Fall,  wenn  sich  das  Publikum  aus  irgendeinem  unerklärlichen
Grunde  entschlösse,  unter  Beibehaltung  genau  derselben  Ausgaben  das
doppelte  Quantum  des  Geldes  in  Händen  zu  behalten.  Wir  haben  aber  gesehen,
daß  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  durch  die  Gewohnheiten  des
Publikums  bestimmt  wird.  Die  Leute  finden  die  Höhe  des  Betrages,  der
ihrem  persönlichen  Aufwande  gemäß  der  angemessenste  ist,  selbst  heraus.
Wenn  demnach  Geld  und  Aufwand  mit  Rücksicht  auf  die  Bequemlichkeit
des  Publikums  sich  gegenseitig  anpassen,  so  bedeutet  das,  daß  bei  einem
gegebenen  Preisniveau  eine  jede  Erhöhung  des  in  Händen  befindlichen
Betrages  sich  als  unbequemer  Überfluß  erweisen  würde.
Um  das  Bild  zu  vervollständigen,  wollen  wir  annehmen,  daß  der  in  den
Vereinigten  Staaten  tatsächlich  in  Umlauf  befindliche  und  auf  den  Kopf
berechnete  Durchschnittsgeldbetrag  außerhalb  des  Schatzamtes  und  der
Banken  dieses  Landes  ungefähr  $  15  beträgt,  und  daß  ein  geheimnisvoller
Weihnachtsmann  den  im  Besitz  jedes  Individuums  befindlichen  Geldbetrag
plötzlich  verdoppele.  Das  heißt,  wir  nehmen  an,  daß  das  Durchschnittsindividuum, ­
  das  vorher  $  15  besaß,  nun  $  30  besitzt.  Statistischen  Angaben ­
  gemäß  verändert  sich  der  auf  den  Kopf  berechnete  und  in  Umlauf
befindliche  Durchschnittsbetrag  von  Monat  zu  Monat  nur  um  einige  Cents.
Während  der  durchschnittliche  Betrag  der  flüssigen  Barmittel  eines  Individuums ­
  auf  Grund  seiner  Einnahmen  und  Ausgaben  notwendigerweise
schwankt,  ist  der  Durchschnittsbetrag  der  flüssigen  Barmittel,  der  aus  den
einzelnen  Personen  bestehenden  großen  Masse  nur  geringen  Schwankungen
unterworfen.  Wenn  nun  zur  Gesamtzirkulation  plötzlich  der  so  große  Zuschlag ­
  von  weiteren  $  15  per  capita  kommt,  so  werden  die  meisten  Leute
nur  den  Gedanken  haben,  wie  man  sich  von  dieser  unbequemen  Vermehrung
ihres  üblichen  Bargeldes  befreien  kann.  Wenn  das  Geld  im  Strumpfe  oder
im  Geldschranke  aufbewahrt,  in  die  Erde  vergraben  oder  in  das  Meer  versenkt ­
  würde,  so  könnte  es  keinerlei  Tendenz  zu  einer  Erhöhung  der  Preise
herbeiführen.  Statt  dessen  wird  man  aber  trachten,  von  diesem  Gelde
        <pb n="139" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  123

Gebrauch  zu  machen,  was  entweder  durch  Einkauf  von  Waren  oder  durch
dessen  Deponieren  in  den  Banken  geschieht.  So  werden  die  überraschten
Empfänger  des  Extrageldes  einige  Tage  nach  dem  angenommenen  Besuch
des  Weihnachtsmannes  in  den  meisten  Fällen  in  der  einen  oder  der  anderen
Weise  über  das  Geld  verfügt  haben.  Wenn  sie  es  für  den  erstgenannten
Zweck,  nämlich  zum  Einkauf  von  Waren,  verwendet  haben,  muß  die  Tendenz
zu  einem  Steigen  der  Preise  auftreten,  denn  der  auf  den  Kopf  berechnete
plötzliche  Zuschuß  von  $  15  wird,  selbst  bei  einem  kleinen  Bruchteil  der
Bevölkerung  der  Vereinigten  Staaten,  einen  phänomenalen  Andrang  in  die
Kaufhäuser  bedeuten.  An  tatsächlichem  Gelde  gibt  das  Durchschnittsindividuum ­
  nicht  mehr  als  15  Dollar  in  zwei  Wochen  aus.  Dies  beträgt
ungefähr  einen  Dollar  pro  Tag  oder  ungefähr  $  100,000,000  pro  Tag  für
das  ganze  Land.  Wenn  die  Durchschnittsperson,  sagen  wir  innerhalb  fünf
Tagen  nach  dem  unerwarteten  Glücksfalle  eines  Zuschusses  von  $  15  diese
besondere  Summe  ausgibt,  so  beträgt  dies  auf  den  Kopf  berechnet  $  3  pro
Tag  oder  täglich  $  300,000,000  für  die  ganze  Nation.  Diese  Summe  zu  den
gewöhnlichen  $  100,000,000  pro  Tag  addiert,  ergibt  $  400,000,000  pro  Tag
oder  das  Vierfache  des  gewöhnlichen  Aufwandes.  Ein  so  lebhafter  Handelsverkehr ­
  würde  die  Inhaber  der  Warenhäuser  in  Staunen  setzen  und  prompt
zu  einer  Erhöhung  ihrer  Preise  veranlassen,  weil  sonst  in  vielen  Fällen  eine
gänzliche  Erschöpfung  ihrer  Vorräte  eintreten  würde.
Auf  den  ersten  Blick  scheint  es,  als  ob  jedermann  nur  einige  Tage  Zeit
brauchte,  um  seinen  Überschuß  an  Geld  los  zu  werden,  und  daß  daher  die
große  Bewegung  in  den  Preisen  nur  zeitweilig  wäre.  Dies  erwiese  sich  aber
als  eine  irrige  Schlußfolgerung,  denn  wir  dürfen  nicht  vergessen,  daß  die
einzige  Möglichkeit,  das  Geld  loszuwerden,  darin  besteht,  es  jemand  anderem
zuzuschieben.  Die  bürgerliche  Gesellschaft  ist  von  dem  Gelde  noch
nicht  befreit.  Wenn  die  Inhaber  der  Warenhäuser,  deren  Geldbestand  unter
unserer  Weihnachtsmannhypothese  auf  geheimnisvolle  Weise  bereits  eine
Verdoppelung  erfuhr,  noch  außerdem  das  überflüssige  Bargeld  ihrer  Kunden
bekommen,  so  sind  sie  es  jetzt,  die  durch  den  Überfluß  an  Bargeld  in  Verlegenheit ­
  geraten  und  sich  nun  ihrerseits  bemühen,  das  Geld  durch  Einkauf
von  Waren  für  ihr  Geschäft  loszuwerden,  oder  es  in  denBanken  zu  deponieren.
Wenn  das  Bestreben,  sich  von  dem  Gelde  durch  Übertragung  zu  befreien,
bloß  dahin  führt,  daß  jemand  anderer  das  Zuviel  erhält,  dann  bleibt  das
Zuviel  in  dem  Gemeinwesen  unverändert.  Das  Bestreben,  das  Geld  loszuwerden ­
  und  die  konsequente  Wirkung  auf  die  Preise  dauert  solange  fort
bis  das  Preisniveau  die  genügende  Höhe  erreicht  hat.
Um  diese  Schlußfolgerung  kann  man  auch  durch  die  Annahme  nicht
        <pb n="140" />
        124

VIII.  Kapitel.

herumkommen,  daß  der  größte  Teil  des  Geldes  nicht  im  Handel  verausgabt,
sondern  in  den  Banken  deponiert  wird.  Jetzt  sind  es  die  Bankiers,  deren
Depositen  auf  diese  Weise  plötzlich  anschwellen,  die  sich  bemühen,  den
Überschuß  an  Bargeld  los  zu  werden.  Kein  Bankier  will  Reserven  unbenutzt ­
  daliegen  haben  und  ein  jeder  trachtet,  erhöhte  Reserven  zur  Basis
einer  Erweiterung  des  Geschäftsumfanges  zu  machen  und  weitere  Depositen ­
  aufzunehmen.  Wir  haben  gesehen,  daß  diese  Tendenz  letzten  Endes
in  der  Wahrung  der  relativen  Beträge  der  folgenden  drei  Elemente  resultiert:
des  in  Zirkulation  befindlichen  Geldes,  des  Bankreservengeldes  und  der  auf
diese  Reserven  gegründeten  Depositen.  Eine  Verdoppelung  des  Geldes  der
bürgerlichen  Gesellschaft  bedeutet  demnach  1.  eine  Verdoppelung  des  in
Zirkulation  befindlichen  Geldes,  2.  des  Geldes  in  den  Banken  und  3.  der
auf  dieses  Geld  gegründeten  Depositen.  Binnen  kurzer  Zeit  wird  diese  Verdoppelung ­
  auch  noch  eine  Verdoppelung  der  Preise  bedeuten,  denn  solange
die  Preise  nicht  doppelt  so  hoch  wie  die  früheren  sind,  herrscht  dasselbe
Phänomen  des  unbequemen  Zuviels.  Privatpersonen,  Geschäftsleute,
Bankiers  usw.  tun  ihr  möglichstes,  um  sich  von  dem  Überschuß  zu  befreien
und  ihre  Bemühungen  nach  dieser  Richtung  haben  notwendigerweise  die
Tendenz  zu  einer  Steigerung  der  Preise  zur  Folge.  Wenn  aber  die  Preise
auf  das  Doppelte  ihres  ursprünglichen  Niveaus  gestiegen  sind,  wird  das  Bestreben, ­
  sich  von  dem  Überfluß  an  Bargeld  zu  befreien,  aufhören,  weil  es
dann  kein  überflüssiges  Bargeld  mehr  gibt.  Angesichts  der  Tatsache,  daß
die  Preise  doppelt  so  hoch  sind  als  die  früheren,  und  daß  die  Leute,  die  das
doppelte  Geld  bei  sich  führen,  durchschnittlich  auch  doppelten  Lohn  oder
doppeltes  Einkommen  haben,  werden  die  auf  diese  Weise  geschaffenen
30  Dollar  pro  Kopf  der  Bevölkerung  nicht  mehr  als  zuviel  betrachtet.
Während  also  die  Durchschnittsperson  $  300  auszugeben  und  einen  Durchschnittsbetrag ­
  von  $  15  zur  Verfügung  zu  halten  pflegte,  so  wird  sie  nun
$  600  ausgeben  und  einen  Durchschnittsbetrag  von  $  30  bei  sich  führen.
Die  Anpassung  der  $  30  zu  den  $  600  ist  genau  dieselbe  wie  die  frühere
Anpassung  der  $  15  zu  den  $  300.  In  jedem  der  beiden  Fälle  beträgt  das
Verhältnis  1  :  20,  woraus  hervorgeht,  daß  das  Individuum  sein  Geld  im
Durchschnitt  jährlich  20mal  umsetzt.  Letzten  Endes  äußert  sich  also  eine
Verdoppelung  der  Quantität  des  Geldes  nicht  in  einer  Störung  der  Umlaufsgeschwindigkeit, ­
  sondern  in  einer  Erhöhung  des  allgemeinen  Preisniveaus. ­

Es  ist  erwähnenswert,  daß  das  hier  angenommene  Beispiel,  abgesehen
von  Einzelheiten,  genau  das  darstellt,  was  sich  nach  Entdeckung  neuer  Goldminen ­
  tatsächlich  ereignet.  Die  Goldproduzenten  wandeln  ihr  Erzeugnis
        <pb n="141" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  125

in  Geld  um;  sie  benützten  es  zuweilen  als  solches  in  Form  von  Klumpen
oder  Goldstaub,  zuweilen  bringen  sie  es  in  die  Münzstätte  zur  Prägung.
Sie  sehen  sich  im  Besitze  von  gefüllten  Geldbeuteln,  die  viel  mehr  enthalten
als  den  Betrag  des  Taschengeldes,  der  ihnen  am  bequemsten  ist.  Wenn
z.  B.  ein  solcher  Mann  von  der  Münzstätte  soeben  $  1000  in  Gold  empfangen
hat,  so  kann  er  ziemlich  sicher  sein,  entweder  durch  Ausgeben  oder  durch
Deponieren  in  einer  Bank,  wenigstens  $  950  dieser  Summe  so  schnell  wie
möglich  los  zu  werden.  In  jedem  der  beiden  hälle  hat  er  und  haben
Plünderte  anderer,  die  dasselbe  tun,  die  Tendenz,  eine  Steigerung  der  Preise
in  dem  Gemeinwesen  herbeizuführen,  wo  sie  ihr  Geld  oder  Schecks  auf  die
Banken  ausgeben,  in  denen  sie  ihr  Geld  deponieren.
Auf  diese  Weise  stiegen  die  Preise  vor  ungefähr  sechs  Jahrzehnten  in
Kalifornien  und  vor  ein  oder  zwei  Jahrzehnten  in  Kolorado  sowie  in  Klondike.
Das  lokale  Steigen  der  Preise  teilte  sich  dann  von  selbst  anderen  Plätzen
mit,  denn,  wie  wir  gesehen  haben,  kann  das  Preisniveau  in  einem  Bezirke
das  des  Nachbarbezirks  nicht  in  hohem  Maße  übersteigen,  ohne  einen  Export
von  Geld  nach  dem  billigeren  Platze  zu  verursachen.  So  sucht  sich  neues
Geld  allmählich  seinen  Weg  in  die  Zirkulation  der  ganzen  Welt,  indem  es
von  Ort  zu  Ort  fließend  die  Preise  erhöht.  Der  Vorgang  dabei  bedeutet  in
allen  Fällen  eine  Äußerung  des  Bestrebens,  sich  von  einem  unbequemen
Zuviel  an  Geld  zu  befreien,  was  durch  ein  bloßes  Übertragen  von  Hand  zu
Hand  auf  die  Dauer  nicht  möglich  ist,  sondern  nur  durch  ein  Steigen  der
Preise  geschehen  kann.
Dieses  Bild,  das  verdeutlichen  soll,  auf  welche  Art  und  Weise  eine  Vermehrung ­
  des  Geldes  eine  Preissteigerung  verursacht,  ist  hier  gewählt  worden,
um  klar  zu  veranschaulichen,  daß  eine  Vermehrung  der  Geldquantität  (G)
nicht  in  einer  bloßen  Abnahme  seiner  Umlaufsgeschwindigkeit  (U)  resultiert.
Soweit  die  überzähligen  Depositen  in  Betracht  kommen,  mag  es  den
Anschein  haben,  als  ob  es  einen  Weg  gäbe,  dieselben  durch  Aufhebung  von
Bankanleihen  los  zu  werden;  dies  würde  aber  das  normale  Verhältnis,  in
dem  G'  zu  G  steht,  reduzieren,  das  aber,  wie  wir  gesehen  haben,  die  Tendenz ­
  besitzt,  das  gleiche  zu  bleiben.
Wir  kommen  auf  den  Schluß  zurück,  daß  die  Umlaufsgeschwindigkeit
des  Geldes  sowohl  wie  der  Depositen  unabhängig  ist  von  der  Quantität
des  Geldes  oder  der  Depositen.  Es  hat  sich  noch  kein  Grund  finden  lassen,
ja  sogar,  soweit  es  den  Anschein  hat,  kann  kein  Grund  dafür  nachgewiesen
werden,  daß  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  oder  der  Depositen
verschieden  sein  müßte,  je  nachdem  die  Quantität  des  Geldes.oder  der
Depositen  groß  oder  klein  ist.
        <pb n="142" />
        126

VIII.  Kapitel.

Scheinbar  bleibt  noch  eine  Möglichkeit,  um  der  Schlußfolgerung  zu  entrinnen, ­
  daß  die  alleinige  Wirkung  einer  Zunahme  in  der  Quantität  des  in
Umlauf  befindlichen  Geldes  in  einer  Erhöhung  der  Preise  besteht.  Man
kann  behaupten  —und  diese  Behauptung  ist  tatsächlich  gemacht  worden  —,
daß  eine  solche  Zunahme  einen  erhöhten  Handelsumfang  veranlaßt.  Wir
versuchen  daher  nunmehr  zu  beweisen,  daß  (mit  Ausnahme  von  Übergangsperioden)
  das  Handelsvolumen  ebenso  wie  die  Umlaufsgeschwindigkeit
des  Geldes  von  der  Quantität  des  Geldes  unabhängig  ist.  Eine  außerordentliche ­
  Erhöhung  der  Umlaufsmittel  kann  weder  die  Erzeugnisse  von  Ackerbau
und  Industrie,  noch  die  Fahrgeschwindigkeit  von  Lastzügen  oder  Schiffen
erhöhen.  Der  Strom  der  Geschäfte  hängt  von  natürlichen  Hilfsquellen  und
technischen  Vorbedingungen,  nicht  aber  von  der  Quantität  des  Geldes  ab.
Der  ganze  Mechanismus  von  Produktion,  Transport  und  Verkauf  ist  Gegenstand ­
  physischer  und  technischer  Leistungsfähigkeit,  die  beide  von  der
Quantität  des  Geldes  nicht  abhängig  sind.  Die  einzige  Art  und  Weise,
in  welcher  die  Quantität  des  Geldes  auf  den  Umfang  des  Handels  einzuwirken
scheint,  besteht  in  der  Beeinflussung  solcher  Hilfsgewerbe,  die  unmittelbar
mit  der  Herstellung  des  Geldes  und  Erzeugung  der  Geldmetalle  zu  tun
haben.  Eine  Zunahme  an  Goldgeld  führt,  wie  gesagt,  eine  Zunahme  im
Handel  in  Goldgegenständen  herbei.  Ebenso  bringt  diese  Zunahme  eine  Vermehrung ­
  der  Verkäufe  von  Maschinen  zum  Goldbergbau,  der  Zahl  der  im
Goldbergbau  beschäftigten  Arbeiter,  der  Münzapparate  und  der  Arbeit
hervor.  Diese  Umwälzungen  können  Veränderungen  in  verwandten
Gewerben  nach  sich  ziehen.  Wenn  z.  B.  mehr  Goldwaren  verkauft  werden,
so  mögen  weniger  Silberwaren  und  Diamanten  abgesetzt  werden.  In
gleicher  Weise  kann  die  Ausgabe  von  Papiergeld  auf  das  Papiergewerbe  und
die  Druckereien,  sowie  auf  die  Anstellung  von  Bank-  und  Regierungsbeamten
  usw.  einwirken.  Tatsächlich  könnte  man  zahllose  derartiger  unbedeutender ­
  Änderungen  in  den  Q,  die  auf  die  erwähnten  Wandlungen
und  noch  viele  andere  zurückzuführen  sind,  nennen.  Vom  praktischen  oder
statistischen  Gesichtspunkt  aus  bedeuten  sie  nichts,  denn  sie  können  nicht
den  zehnten  Teil  eines  Prozentes  zum  Gesamtumfange  des  Handels  hinzufügen ­
  oder  von  demselben  wegnehmen.  Nur  einige  wenige  Q  würden  merklich ­
  beeinflußt  und  diese  wenigen  in  ganz  unbedeutender  Weise.  Dies  wird
wohl  niemand  in  Abrede  stellen,  doch  könnten  einige  Gegner  geltend  machen,
daß,  obwohl  Produktionstechnik  und  Handel  die  meisten  dieser  Verhältnisse
bestimmen,  sie  dessenungeachtet  die  Q  —  die  tatsächlichen  Quantitäten
von  gegen  Geld  und  Depositenumlaujsmittel  ausgetauschten  Gütern  —  begreiflicherweise ­
  variieren  können,  jenachdem  zum  Tauschhandel  Zuflucht
        <pb n="143" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  127

genommen  wird  oder  nicht.  Wenn  der  Tauschhandel  ebenso  bequem  wie
Kauf  und  Verkauf  wäre,  würde  dieser  Einwurf  überzeugende  Kraft
haben.  Es  würde  dann  keine  Veranlassung  vorliegen,  zwischen  Geld  als
dem  allgemein  annehmbaren  Austauschmedium  und  anderem  Eigentum,
das  nicht  allgemeine  Beliebtheit  als  Tauschmittel  besitzt,  einen  Unterschied
zu  machen.  Wenn  alles  Eigentum  in  gleicher  W  eise  annehmbar  wäre,  würde
alles  Eigentum  in  gleicher  Weise  Geld  sein,  oder  wenn  es  viele  Arten  von
Eigentum  gäbe,  die  beinahe  ebenso  austauschbar  wie  Geld  wären,  würde  die
Zuflucht  zum  Tauschhandel  so  leicht  sein,  daß  einige  der  für  Geld  verkauften
Güter  fast  ebensogut  für  etwas  anderes  vertauscht  werden  könnten.  Solange
man  aber  dem  Gebrauch  von  Geld  überhaupt  den  Vorzug  gäbe,  würde  man
nur  widerstrebend  zum  Tauschhandel  Zuflucht  nehmen  und  ihn  nur  als
zeitweiligen  Notbehelf  benützen.  Wir  haben  dies  bei  unserem  Studium
der  Übergangsperioden  kennen  gelernt.  Unter  normalen  Bedingungen  und
auf  die  Dauer  kann  nur  ein  ganz  unbeträchtlicher  Bruchteil  des  modernen
Handels  durch  Tauschhandel  erledigt  werden.  Wir  schließen  daraus,  daß
eine  Änderung  der  Geldquantität  die  für  Geld  verkauften  Güterquantitäten
nicht  merklich  beeinflußen  kann.
Wenn  also  eine  Verdoppelung  der  Quantität  des  Geldes:  1.  regelmäßig
die  dem  Scheckverkehr  unterworfenen  Depositen  in  demselben  Verhältnis
verdoppelt  und  2.  weder  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  oder
der  Depositen,  noch  auf  den  Umfang  des  Handels  merklich  einwirkt,  so  muß
notwendig  und  mit  mathematischer  Bestimmtheit  das  Preisniveau  sich
verdoppeln.  Während  demnach  die  Verkehrsgleichung  an  sich  über  einen
Kausalzusammenhang  zwischen  Geldquantität  und  Preisniveau  ebensowenig
Auskunft  gibt,  wie  über  einen  Kausalzusammenhang  zwischen  zwei  beliebigen ­
  anderen  Faktoren,  so  gibt  es  dennoch,  wenn  wir  Verhältnisse  in
Betracht  ziehen,  die  völlig  außerhalb  dieser  Gleichung  liegen,  nämlich  die
Tatsache,  daß  ein  Wechsel  in  G  eine  entsprechende  Veränderung  in  G',
aber  keine  Veränderung  in  U,  V  oder  in  den  Q  hervorruft,  kein  Entrinnen ­
  von  der  Schlußfolgerung  mehr,  daß  eine  Änderung  in  der  Quantität
des  Geldes  (G)  unter  normalen  Umständen  eine  proportionale  Veränderung
im  Preisniveau  (in  den  p)  verursachen  muß.
Einer  der  Gegner  der  Quantitätstheorie  versucht  die  Verkehrsgleichung
in  der  Formulierung  Newcombs  damit  abzutun,  daß  er  sie  für  eine  bloße
Binsenwahrheit  erklärte.  Wenn  man  will,  ist  ja  die  Verkehrsgleichung
eine  bloße  Binsenwahrheit,  welche  auf  die  Tatsache  gegründet  ist,  daß  das
im  ganzen  in  Einkäufen  aufgewandte  Geld  zusammen  mit  den  Schecks  dem
Werte  der  damit  gekauften  Güter  gleich  ist;  da  uns  aber  unabhängig  von
        <pb n="144" />
        128

VIII.  Kapitel.

der  Verkehrsgleichung  bekannt  ist,  daß  zwar  Q'  von  G  abhängt,  daß  aber  G,
U,  U'  und  die  Q  nicht  von  G  abhängen,  so  liefert  die  Verkehrsgleichung
den  Nachweis  dafür,  daß  sich  die  p  unter  normalen  Verhältnissen  parallel
mit  G  bewegen  müssen,  mit  anderen  Worten,  sie  demonstriert  die  Quantitätstheorie. ­
  „Binsenwahrheiten“  sollten  niemals  vernachlässigt  werden.
Die  größten  Grundlehren  der  Naturwissenschaft,  wie  z.  B.  die,  daß  Kräfte
im  Verhältnis  zu  Masse  und  zunehmender  Geschwindigkeit  stehen,  sind
Binsenwahrheiten.  Wenn  diese  aber  durch  spezifische  Tatsachen  in
richtiger  Weise  ergänzt  werden,  bilden  diese  „Binsenwahrheiten“  die  wertvollsten ­
  Quellen  der  Erkenntnis  mechanischer  Gesetze.  Die  Verkehrsgleichung
  geringschätzig  zu  verwerfen,  weil  sie  eine  so  selbstverständliche
Wahrheit  ist,  heißt  die  Gelegenheit  verabsäumen,  für  die  Wissenschaft
der  Nationalökonomie  einige  der  wichtigsten  und  exaktesten  Gesetze,  deren
sie  fähig  ist,  zu  formulieren.
Wir  wollen  nun  neu  feststellen,  in  welchem  kausalen  Sinne  die  Quantitätstheorie ­
  auf  Wahrheit  beruht.  Sie  ist  wahr  in  dem  Sinne,  daß  eine  der
normalen  Wirkungen  einer  Quantitätsvermehrung  des  Geldes  eine  genau  proportionale ­
  Erhöhung  des  allgemeinen  Preisniveaus  ist x ).
Die  Leugnung  dieser  Schlußfolgerung  erfordert  die  Leugnung  einer  oder
mehrerer  der  folgenden  Behauptungen,  auf  welchen  sie  beruht:
1.  Der  Verkehrsgleichung  GU  +  G'U r  =  2p  Q.
2.  Dessen,  daß  unter  normalen  Verhältnissen  eine  Zunahme  in  G  eine
proportionale  Zunahme  in  G'  verursacht.
3.  Daß  TI,  U'  oder  die  Q  unter  normalen  Verhältnissen  durch  eine
Zunahme  in  G  nicht  beeinflußt  werden.
Wenn  diese  drei  Annahmen  als  richtig  zugegeben  werden,  so  muß  auch
die  Schlußfolgerung  zugegeben  werden,  und  wenn  eine  davon  in  Abrede
gestellt  wird,  so  muß  der  Gegner  beweisen,  wo  der  Trugschluß  liegt.  Die
Berechtigung  der  ersten  Prämisse  ist  im  II.  und  III.  Kapitel  nachgewiesen
und  im  Anhang  zu  den  erwähnten  beiden  Kapiteln  mathematisch  bewiesen
worden.  Die  Wahrheit  der  zweiten  Prämisse  ist  im  III.  Kapitel  und  die
dritte  Prämisse  im  vorliegenden  Kapitel  bewiesen  worden.
Es  ist  deshalb  soviel  Sorgfalt  darauf  verwendet  worden,  diese  Theoreme
aufzustellen  und  die  Resultate  der  Beweisführung,  die  darauf  aufgebaut  ist,

1 )  Vgl.  Albert  Aupetit,  Essai  sur  la  theorie  generale  de  la  monnaie,  Paris  (Guillaumin),
        <pb n="145" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  129

zu  betonen,  weil  es  nicht  Geringeres  als  einen  Skandal  in  der  volkswirtschaftlichen ­
  Wissenschaft  bedeutet,  wenn  über  einen  so  grundlegenden  Satz  Anlaß
zum  Streite  bestehen  sollte.
Die  Quantitätstheorie,  wie  sie  hier  aufgestellt  ist,  behauptet  nicht,  daß,
während  das  Geld  an  Quantität  zugenommen  hat,  nicht  auch  andere  Ursachen
&amp;lt;7,  U,  U'  und  die  Q  beeinflussen  können,  durch  welche  die  Wirkung  von  G
auf  die  p  erhöht  oder  neutralisiert  wird.  Dies  sind  aber  keine  Wirkungen
von  G  auf  die  p.  Soweit  G  allein  in  Betracht  kommt,  ist  dessen  Wirkung  auf
die  p  eine  strikt  proportionale.
Die  Bedeutung  und  Realität  dieses  Satzes  wird  durch  die  Tatsache
nicht  im  geringsten  beeinträchtigt,  daß  diese  anderen  Ursachen  geschichtlich ­
  nicht  im  Hintergründe  bleiben  und  uns  erlauben,  die  Wirkung  einer
Zunahme  in  G  lediglich  auf  die  p  wahrzunehmen.  Die  Wirkungen  von  G
sind  mit  solchen,  die  durch  die  Veränderungen  anderer  Faktoren  der  Verkehrsgleichung ­
  hervorgerufen  werden,  verbunden,  und  zwar  genau  so,
wie  die  Wirkungen  der  Schwere  auf  einen  fallenden  Körper  mit  den  Wirkungen ­
  der  Widerstandskraft  der  Luft  verbunden  sind.
Schließlich  ist  zu  beachten,  daß  in  Übereinstimmung  mit  den  früher
erklärten  Prinzipien  eine  große  Zunahme  des  Geldes  (G)  in  irgendeinem
Lande  oder  Landesteile  nicht  stattfinden  kann,  ohne  daß  sie  sich  auf  andere
Länder  und  Distrikte  ausbreitet.  Sobald  die  lokalen  Preise  soweit  gestiegen
sind,  daß  der  Verkauf  von  Waren,  die  zu  niedrigen  Preisen  irgendwo  anders
eingekauft  werden,  wegen  der  an  dem  betreffenden  Platze  herrschenden
hohen  Preise  lohnend  erscheint,  wird  Geld  exportiert.  Die  Produktion  von
Gold  in  Kolorado  und  Alaska  hatte  zunächst  zur  Folge,  daß  die  Preise  in
Kolorado  und  Alaska  stiegen.  Durch  die  Weiterversendung  des  Goldes  rief
sie  dann  eine  Preissteigerung  in  anderen  Teilen  der  Vereinigten  Staaten
hervor.  Der  Export  nach  anderen  Kontinenten  ergab  endlich  eine  Preiserhöhung ­
  in  der  ganzen  goldverbrauchenden  Welt.

§3.
Wir  haben  auf  die  Tatsache  Nachdruck  gelegt,  daß  die  streng  proportionale, ­
  durch  eine  Zunahme  in  G  hervorgebrachte  Wirkung  auf  die  Preise
nur  die  normale  oder  leidliche  Wirkung  ist,  nachdem  die  Übergangsperioden
vorüber  sind.  Der  Satz,  daß  die  Preise  mit  dem  Gelde  variieren,  bestätigt ­
  sich  nur  bei  einem  Vergleich  zweier  hypothetischer  Perioden,  in
welchen  die  Preise  feststehend  bleiben  oder  sich  in  gleichem  Verhältnisse
auf-  oder  abwärts  bewegen.
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.

9
        <pb n="146" />
        130

VIII.  Kapitel.

Was  die  Übergangsperioden  anbelangt,  so  haben  wir  gesehen,  daß  eine
Vermehrung  in  G  nicht  nur  auf  die  p  eine  Wirkung  ausübt,  sondern  auf  alle
Größen  der  Verkehrsgleichung.  Im  vierten,  von  den  Übergangsperioden
handelnden  Kapitel  sahen  wir,  daß  diese  Vermehrung  G'  nicht  nur  im  normalen ­
  Verhältnis  zu  G  erhöht,  sondern  häufig  zeitweilig  über  dieses  Verhältnis ­
  hinaus.  Ebenso  haben  wir  gefunden,  daß  eine  Zunahme  in  G  zeitweilig ­
  auch  U  und  TJ'  beschleunigt.
Während  sich  TJ  und  ü'  gewöhnlich  in  gegenseitiger  Übereinstimmung
bewegen,  so  können  sie  sich,  wenn  eine  Panik  das  Vertrauen  in  Bankdepositen ­
  herabsetzt,  wie  bereits  früher  erwähnt,  in  entgegengesetzter
Richtung  bewegen.  Dann  wird  so  schnell  wie  möglich  mit  Depositen  und
so  langsam  wie  möglich  mit  Geld  ausgezahlt  —  letztgenannte  Tendenz
wurde  „Thesaurieren“  genannt.
Auch  haben  wir  gefunden,  daß  eine  Zunahme  in  G  während  einer  Preissteigerungsperiode ­
  die  Q  anspornt.  Und  schließlich  sahen  wir,  daß  ein  Abnehmen
  in  G  die  entgegengesetzten  Wirkungen  hervorruft,  indem  es  U  und
V  vermindert,  G'  nicht  allein  absolut  genommen,  sondern  auch  im  Verhältnis ­
  zu  G  verringert  und  die  Q  vermindert,  teils  wegen  der  Abneigung,  zu
niedrigen  Geldpreisen,  die  nur  als  vorübergehend  angenommen  werden,  zu
verkaufen,  teils  wegen  eines  bei  Verkäufen  stattfindenden  partiellen  Ersatzes ­
  von  Verkäufen  durch  Akte  des  Tauschhandels;  denn  wenn  G  ganz
plötzlich  reduziert  werden  sollte,  so  würde  irgendein  Weg  ausfindig  zu  machen
sein,  den  Handel  im  Gange  zu  halten,  und  es  würde  trotz  der  Nachteile  des
Tauschhandels  zeitweilig  zu  diesem  Zuflucht  genommen  werden.  Dies  würde
einige  Erleichterung  schaffen,  doch  würden  die  damit  verbundenen  Nachteile
die  Verkäufer  veranlassen,  Geld  zu  verlangen,  wenn  immer  die  Möglichkeit
hierzu  vorhanden  ist,  und  weiterblickende  Käufer  würden  sich  rechtzeitig  mit
Geld  versorgen.  Die  starke  Nachfrage  nach  Geld  würde  dessen  Wert  in  die
Höhe  treiben  —  das  heißt,  die  Preise  anderer  Dinge  herabsetzen.  Das  so  sich
ergebende  Sinken  der  Preise  würde  die  zur  Erledigung  der  nötigen  Geschäfte
erforderlichen  Umlaufsmittel  zulänglich  erscheinen  lassen  und  somit  den
Tauschhandel  weniger  notwendig  machen.  Das  Fallen  der  Preise  würde
anhalten  bis  der  dem  Nachteil  des  Tauschhandels  zuzuschreibende  abnorme
Druck  aufhört.  Tatsächlich  ist  jedoch  in  der  heutigen  Welt  selbst  eine
solche  zeitweilige  Zuflucht  zum  Tauschhandel  ohne  besondere  Bedeutung.
Die  Annehmlichkeit  des  Austausches  durch  Geld  ist  soviel  größer  als  die  des
Tauschhandels,  daß  die  Preisanpassung  fast  sofort  geschieht.  Wenn  der
Tauschhandel  als  ein  Mittel  zur  Erleichterung  einer  Geldknappheit  ernstlich
in  Erwägung  gezogen  werden  muß,  so  lassen  wir  ihm  volle  Gerechtigkeit
        <pb n="147" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  131

widerfahren,  wenn  wir  ihn  als  ein  Sicherheitsventil  betrachten,  das  so
mächtig  gegen  einen  Widerstand  arbeitet,  daß  dieser  fast  niemals  zutage
tritt  und  auch  dann  nur  ganz  vorübergehend.  Für  alle  praktischen  Zwecke
und  alle  normalen  Fälle  können  wir  annehmen,  daß  Geld  und  Schecks  Notwendigkeiten ­
  für  den  modernen  Handel  sind.
Die  charakteristischen  Wirkungen  während  der  Übergangsperioden
gleichen  den  eigentümlichen  Wirkungen,  die  durch  das  Ingangsetzen
oder  Anhalten  eines  Zuges  hervorgerufen  werden.  Unter  normalen
Verhältnissen  hält  der  letzte  Wagen  mit  der  Lokomotive  gleichen  Schritt,
wenn  sich  aber  der  Zug  in  Bewegung  setzt  oder  anhält,  wird  dieses
Verhältnis  durch  die  allmähliche  Fortpflanzung  der  Wirkungen  durch
die  Zwischenwagen  gestört.  Jede  einzelne  Erschütterung  eines  Waggons
wird  in  ähnlicher  Weise  auf  alle  anderen  und  auf  die  Lokomotive  übertragen. ­

Wir  haben  zum  Beispiel  gesehen,  daß  eine  plötzliche  Veränderung  in
der  Quantität  des  Geldes  und  der  Depositen  zeitweilig  auf  ihre  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  und  auf  das  Handelsvolumen  einwirkt.  Umgekehrt  üben
jahreszeitliche  Veränderungen  im  Handelsvolumen  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeiten ­
  einen  Einfluß  aus  und,  wenn  das  Währungssystem  elastisch
ist,  sogar  auf  die  Quantität  des  Geldes  und  der  Depositen.  In  lebhaften
Jahreszeiten,  in  denen  „Geld  gebraucht  wird,  um  die  Ernte  zu  transportieren“, ­
  ist  die  Umlaufsgeschwindigkeit  offenbar  größer  als  in  stillen  Jahreszeiten. ­
  Zu  einer  Zeit  wird  das  Geld  unbenützt  liegen  gelassen,  um  zu  einer
anderen  gebraucht  zu  werden,  und  solche  jahreszeitliche  Schwankungen
der  Geschwindigkeit  reduzieren  wesentlich  die  Schwankungen,  die  sich  sonst
im  Preisniveau  als  notwendig  erweisen  würden.  In  ähnlicher  Weise  werden
jahreszeitliche  Änderungen  des  Preisniveaus  durch  die  abwechselnde  Ausdehnung ­
  und  Zusammenziehung  eines  elastischen  Bankumlaufsmittels
reduziert.  In  diesem  Falle  kann  man  sagen,  daß  sich  das  Geld  oder  die  Depositen ­
  oder  beides  zeitweilig  und  bis  zu  einem  durch  die  Menge  der  gesetzlichen ­
  Zahlungsmittel  bestimmten  Grade  dem  Handelsumfange  selbst
anpassen.  In  beiden  Fällen  wird  dann  das  Steigen  wie  das  Fallen  der
Preise  abgeschwächt 1 ).  Daher  wird  während  der  Übergangsperioden
die  „Quantitätstheorie“  also  nicht  strikt  und  absolut  sich  bewahrheiten.

1 )  Vgl.  Hildebrand,  Theorie  des  Geldes,  XL  Kapitel,  der,  ohne  die  Wirkung  auf  die  Um  -
laufsgeschwindigkeit  klar  zu  erkennen,  auf  den  Unterschied  zwischen  zwei  Gemeinwesen
aufmerksam  macht,  die  denselben  Verbrauch  aufweisen,  von  denen  das  eine  jedoch  einen
gleichmäßigen,  das  andere  hingegen  einen  solchen  Handel  hat,  in  dem  das  Geschäft  sich
2,1  bestimmten  Zeiten,  z.  B.  in  der  Erntezeit,  anhäuft.

9*
        <pb n="148" />
        132

VIII.  Kapitel.

Wir  sind  nun  am  Schlüsse  unserer  Skizze  über  die  Wirkungen  von  G
und  gehen  nun  zu  den  anderen  Größen  über.
§4.
Was  die  Depositen  (G r )  anlangt,  so  hängt  diese  Größe  stets  von  G  ab.
Depositen  sind  auf  Verlangen  in  Geld  zahlbar.  Es  sind  für  dieselben  Bankreserven ­
  in  Geld  erforderlich  und  zwischen  der  in  Umlauf  befindlichen  Geldmenge ­
  (G),  dem  Betrage  der  Reserven  (ft)  und  der  Quantität  der  Depositen ­
  ((?')  muß  eine  gewisse  Beziehung  bestehen.  Wir  haben  gesehen,  daß
unter  normalen  Umständen  die  drei  in  gegebenen  Verhältnissen  zueinander
bleiben.  Was  aber  als  normales  Verhältnis  bei  einem  gegebenen  Stande
der  Industrie  und  Zivilisation  gilt,  kann  in  einem  anderen  für  nicht  normal
gelten.  Veränderungen  in  der  Bevölkerung,  im  Handel,  in  den  Gewohnheiten ­
  der  Geschäftsleute,  in  den  Gesetzen,  ebenso  wie  Fortschritte  im  Bankwesen ­
  können  große  Veränderungen  in  diesem  Verhältnis  herbeiführen.
Statistisch  hat  sich  das  Verhältnis  G'  :  G,  wie  wir  im  XII.  Kapitel  beweisen
werden,  innerhalb  vierzehn  Jahren  von  3,1  auf  4,1  verschoben.
Da  unter  normalen  Verhältnissen  G'  von  G  abhängt,  brauchen  wir  nicht
auf  die  Frage  einzugehen,  welches  die  Wirkungen  einer  Zunahme  von  &amp;lt;7
sind,  denn  diese  Wirkungen  sind  in  denjenigen  von  G  inbegriffen.  Da  sich
aber  das  Verhältnis  von  G'  zu  G  verändern  kann,  haben  wir  uns  mit  der
Frage  zu  beschäftigen,  welches  die  Wirkungen  dieser  Veränderung  sind.
Nehmen  wir  den  Fall  an,  der  tatsächlich  in  den  letzten  Jahren  vorgekommen ­
  ist,  daß  sich  das  Verhältnis  von  G'  zu  G  in  den  Vereinigten  Staaten
erhöht.  Wenn  die  Größen  der  Verkehrsgleichung  anderer  Länder,  mit  denen
die  Vereinigten  Staaten  in  Handelsverbindung  stehen,  beständig  sind,  so
wird  die  endgültige  Wirkung  auf  G  die  sein,  es  auf  ein  geringeres  Maß  zu
bringen,  als  dies  sonst  der  Fall  wäre,  indem  der  Export  von  Gold  aus
den  Vereinigten  Staaten  erhöht  oder  der  Import  reduziert  wird.  Auf
keine  andere  Weise  kann  ein  Steigen  des  Preisniveaus  der  Vereinigten
Staaten  über  das  anderer  Nationen  hinaus  verhindert  werden,  bei
welchen  wir  dieses  Niveau  und  die  anderen  Größen  der  Verkehrsgleichung
als  gleichbleibend  angenommen  haben.  Die  endgültige  Wirkung  besteht ­
  zwar  in  einer  Erhöhung  des  Volumens  der  Umlaufsmittel,  doch
breitet  sich  diese  Erhöhung  über  die  ganze  Welt  aus.  Obgleich  die  Ausdehnung ­
  des  Bankwesens  rein  lokaler  Natur  ist,  haben  die  Wirkungen
doch  einen  internationalen  Charakter.  Tatsächlich  wird  dann  in  allen
Ländern  mit  Goldwährung  nicht  nur  eine  Wiederverteilung  des  Goldgeldes ­
  vorsichgehen,  sondern  es  wird  auch  eine  Tendenz  zum  Ein-
        <pb n="149" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  133

schmelzen  von  Münzen  in  Barrengold  zu  industriellen  Zwecken  wahrzunehmen
  sein.
Die  übrigen  Wirkungen  sind  die  nämlichen  wie  die  bereits  bei  einer
Zunahme  in  G  dargelegten.  Das  heißt,  es  tritt  keine  (endgültige)  merkliche
Wirkung  auf  U,  U'  oder  auf  die  Q  ein,  sondern  nur  auf  die  p  und  diese
steigen  dann  in  allen  Ländern  im  Verhältnis  zu  der  Höhe,  die  sie  sonst  aufgewiesen
  hätten.  In  fremden  Ländern  ist  die  normale  Wirkung  proportional ­
  der  Zunahme  des  in  Umlauf  befindlichen  Geldes,  die  sie  infolge  der
Verdrängung  von  Gold  in  den  Vereinigten  Staaten  erfahren  haben.  In  den
Vereinigten  Staaten  ist  die  Wirkung  nicht  proportional  einer  Zunahme
von  (?',  da  sich  G  ja  nach  der  entgegengesetzten  Richtung  bewegt  hat.  Sie
ist  vielmehr  proportional  einer  Zunahme  von  G  -j-  G',  wenn  U  und  V  gleich
sind  und  geringer,  als  diesem  Verhältnis  entsprechen  würde,  wenn  U  kleiner
ist  als  U’,  was  gegenwärtig  zutrifft.
Auf  jeden  Fall  ist  die  Wirkung  auf  die  Preise  äußerst  gering,  da  sie
sich  über  die  ganze  Handelswelt  ausbreitet.  Wenn  man  die  Welt  als  ein
Ganzes  nimmt,  so  besteht  die  endgültige  Wirkung,  wie  wir  gesehen  haben,
in  einer  leichten  Erhöhung  der  Weltpreise  und  in  einem  Einschmelzen  von
etwas  Münze.  Die  einzige  nennenswerte  Wirkung  einer  Erhöhung  des
Verhältnisses  von  G'  zu  G  in  einem  Lande  ist  letzten  Endes  eine  Verdrängung ­
  von  Geld  aus  diesem  Lande  in  andere  Länder.  Alle  diese
Wirkungen  sind  genau  dieselben  wie  die  einer  Erhöhung  der  Ausgabe  von
Banknoten,  solange  sie  in  Gold  oder  in  anderem  exportierbaren  Geld  eingelöst ­
  werden  können.  Eine  Ausgabe  über  diesen  Punkt  hinaus  hat  eine
Isolierung  des  ausgebenden  Landes  und  infolgedessen  ein  rasches  Steigen
der  Preise  dortselbst  zur  Folge,  statt  daß  sich  die  Wirkung  einer  Erhöhung
auf  andere  Länder  ausbreitet.  Dies  war  der  Fall  in  den  Vereinigten  Staaten
während  des  Bürgerkrieges.
Was  die  Übergangswirkungen  anbetrifft,  so  ist  es  klar,  daß  vor  der  Vertreibung ­
  des  Goldes  aus  den  Vereinigten  Staaten  ein  merkliches  Steigen
der  Preise  daselbst  wahrzunehmen  sein  muß,  das  sich  die  Handelsleute  sodann ­
  durch  Verkauf  in  den  Vereinigten  Staaten  zunutze  machen,  indem
sie  das  Geld  dem  Land  entziehen  und  damit  im  Auslande  einkaufen.  Während
der  Zeit  der  steigenden  Preise  werden  alle  anderen  einer  solchen  Periode
eigentümlichen  zeitweiligen  Wirkungen,  die  an  anderer  Stelle  ausführlich
beschrieben  worden  sind,  klar  zutage  treten.
Genau  die  entgegengesetzten  Wirkungen  folgen  natürlich  einer  Abnahme
von  G’  im  Verhältnis  zu  G.
        <pb n="150" />
        134

VIII.  Kapitel.

§5.
Wir  kommen  nun  zu  den  Wirkungen  von  Veränderungen  in  den  Geschwindigkeiten ­
  (U  und  U').  Diese  Wirkungen  sind  den  soeben  beschriebenen ­
  sehr  ähnlich.  Die  endgültigen  Wirkungen  treffen  die  Preise  und
nicht  die  Geldquantität  oder  das  Handelsvolumen.  Doch  wird  eine  Änderung ­
  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  in  einem  Lande,  das  durch
internationalen  Handel  mit  anderen  Ländern  in  Verbindung  steht,  eine
entgegengesetzte  Veränderung  der  Quantität  des  in  diesem  Lande  in  Umlauf ­
  befindlichen  Geldes  verursachen.  Es  tritt  dann  eine  Neuverteilung
des  Geldes  unter  die  Länder  der  Welt  und  der  zu  industriellen  sowie  der
zu  Geldzwecken  erforderlichen  Edelmetallmengen  ein.
Die  normale  Wirkung  einer  Erhöhung  von  U  oder  V  in  einem  Lande
besteht  also  in  einer  Abnahme  von  G  durch  den  Export,  einer  entsprechenden ­
  Abnahme  von  G'  und  einer  leichten  Preiserhöhung  (p)  in  der  ganzen
Welt.  Es  liegt  kein  Grund  vor,  anzunehmen,  daß  sich  dabei  unter  normalen
Umständen  irgendwelche  Wirkungen  auf  das  Handelsvolumen  fühlbar
machen.  Es  ist  wohl  möglich,  daß  eine  Veränderung  in  einer  der  beiden
Geschwindigkeiten  eine  entsprechende  Veränderung  in  der  anderen  verursacht, ­
  oder,  auf  jeden  Pall,  daß  die  meisten  Ursachen,  die  die  eine  erhöhen,
auch  eine  Erhöhung  in  der  anderen  herbeiführen.  Eine  Steigerung  der
Bevölkerungsdichte  zum  Beispiel  beschleunigt  aller  Wahrscheinlichkeit  nach
den  Geldumlauf  wie  den  Scheckverkehr.  Leider  haben  wir  jedoch  nicht  genügende ­
  tatsächliche  Kenntnis  der  beiderseitigen  Geschwindigkeiten,  um
die  zwischen  ihnen  bestehenden  Beziehungen  mit  Zuverlässigkeit  feststellen
zu  können.
Während  der  Übergangsperioden  sind  die  Wirkungen  der  Veränderungen
in  den  Geschwindigkeiten  zweifellos  dieselben  wie  die  Wirkungen  einer
Vermehrung  der  Umlaufsmittel.
§6.
Unsere  nächste  Frage  bezieht  sich  auf  die  Wirkungen  einer  allgemeinen
Zunahme  oder  Abnahme  in  den  Q,  d.  h.  im  Handelsvolumen.
Eine  Zunahme  im  Handelsvolumen  eines  Landes,  sagen  wir  der  Vereinigten ­
  Staaten,  erhöht  endgültig  das  in  Umlauf  befindliche  Geld  (G).  In
keiner  anderen  Weise  könnte  in  den  Vereinigten  Staaten  im  Vergleich  mit
fremden  Ländern  eine  Depression  des  Preisniveaus  verhindert  werden.
Eine  Zunahme  in  G  führt  eine  proportionale  Zunahme  in  G'  herbei.
Außerdem  übt  eine  Zunahme  des  Handelsvolumens  zweifellos  eine  gewisse
        <pb n="151" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.

Wirkung  dadurch  aus,  daß  sie  die  Gewohnheiten  eines  Gemeinwesens  in
bezug  auf  das  Verhältnis  der  Scheck-  zu  den  Bargeldgeschäften  beeinflußt,
nnd  sie  kann  so  das  Verhältnis  von  G'  zu  G  zugunsten  von  G'  verschieben;
je  höher  sich  Handel  und  Verkehr  eines  Landes  entwickeln,  desto  mehr
macht  sich  das  Bedürfnis  nach  dem  Gebrauch  von  Schecks  fühlbar x ).
Bezüglich  der  Wirkungen  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit  können  wir
drei  Fälle  unterscheiden.  Im  ersten  Fall  wird  angenommen,  daß  die  Veränderung ­
  des  Handelsvolumens  einer  Veränderung  in  der  Bevölkerung  entspricht, ­
  wie  etwa  dann,  wenn  eine  Zunahme  im  Handel  durch  Besiedlung
neuen  Landes  stattfindet,  und  zwar  ohne  eine  größere  Konzentration  in  früher
besiedelten  Gegenden  und  ohne  irgendwelche  Veränderung  im  Umsatz  pro
Kopf  oder  in  der  Verteilung  des  Handels  unter  den  Einzelgliedern  der
Bevölkerung.  Unter  derartigen  Bedingungen  ist  kein  Grund  gefunden
worden  und  anscheinend  kann  ein  solcher  auch  nicht  gefunden  werden,  weshalb ­
  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  eine  andere  sein  sollte,  je
nachdem  das  Handelsvolumen  groß  ist  oder  gering.
Der  zweite  Fall  tritt  dann  ein,  wenn  die  Zunahme  des  Handelsvolumens
einer  Steigerung  der  Bevölkerungsdichte  entspricht,  aber  keine  Änderung
im  Handelsumfang  pro  Kopf  vor  sich  geht.  In  diesem  Falle  kann  durch  die
dichtere  Besiedlung  eine  etwas  größere  Geschwindigkeit  ermöglicht  werden.
Der  dritte  Fall  schließlich  tritt  dann  ein,  wenn  die  Veränderung  des
Handelsvolumens  auf  den  Handelsumfang  pro  Kopf  der  Bevölkerung  oder
auf  die  Handelsverteilung  in  der  Bevölkerung  einwirkt.
Es  sind  also  verschiedene  Wege  denkbar,  auf  denen  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  beeinflußt  werden  kann.
Erstens:  Eine  Veränderung  im  Handel,  die  eine  Änderung  in  den
l  Methoden  des  Gütertransports  nach  sich  zieht,  bringt  eine  Veränderung  in
den  Methoden  des  Geldtransports  mit  sich.  Ein  rascher  Transport  bedeutet
gewöhnlich  eine  raschere  Zirkulation.
Zweitens:  Eine  veränderte  Verteilung  des  Handels  verändert  den  relativen
  Verbrauch  verschiedener  Personen.  Wenn  ihre  Umschlagssätze  verschieden ­
  sind,  so  verändert  eine  Änderung  ihrer  Ausgaben  deutlich  die
x )  Damit  soll  aber  nicht  im  entferntesten  behauptet  werden,  wie  Laughlin  dies  getan
hat,  daß  „die  Grenze,  die  der  Ausdehnung  gesetzlicher  Kreditoperationen  gesetzt  ist,
immer  im  Verhältnis  zur  Ausdehnung  der  tatsächlichen  Güterbewegung  erweitert  werden
kann“;  siehe  Principles  of  Money,  New  York  (Scribner),  1903,  S.  82.  Im  IV.  Kapitel
haben  wir  gesehen,  daß  die  Depositenumlaufsmittel  im  Verhältnis  zur  Geldquantität
stehen;  eine  Veränderung  im  Handel  kann  das  Verhältnis  indirekt  d.  h.  durch  eine  Veränderung ­
  in  den  Gewohnheiten  des  Gemeinwesens,  beeinflussen,  aber  mit  Ausnahme  der
Übergangsperioden  kann  dieses  Verhältnis  nicht  direkt  beeinflußt  werden.
        <pb n="152" />
        136

VIII.  Kapitel.

relative  Bedeutung  oder  das  Gewicht  dieser  Sätze  im  allgemeinen  Durchschnitte, ­
  führt  also  einen  Wechsel  in  diesem  Durchschnitte  herbei,  ohne  notwendigerweise ­
  die  individuellen  Umschlagssätze  zu  verändern.  Ein  erhöhter
Handel  in  den  Südstaaten  zum  Beispiel,  in  denen  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes  mutmaßlich  eine  niedrige  ist,  würde  die  Tendenz  haben,
die  Durchschnittsgeschwindigkeit  in  den  Vereinigten  Staaten  zu  vermindern, ­
  indem  in  ihnen  einfach  die  Geschwindigkeit  in  den  langsameren
Teilen  des  Landes  größere  Bedeutung  erhielte.
Drittens  kann  eine  Veränderung  im  individuellen  Geldaufwande,  wenn
er  durch  eine  wirkliche  Änderung  in  der  Quantität  der  gekauften  Güter
veranlaßt  worden  ist,  eine  Veränderung  in  den  Geschwindigkeiten  im  Einzelfalle ­
  verursachen.  Tatsächlich  scheint  der  Umsatz  eines  Menschen  desto
rascher  zu  sein,  je  größer  sein  Aufwand  bei  einem  gegebenen  Preissatze  ist;
d.  h.  die  Reichen  haben  einen  höheren  Umschlagssatz  als  die  Armen.  Sie
geben  das  Geld  schneller  aus,  und  zwar  nicht  nur  absolut,  sondern  auch  im
Verhältnis  zu  dem  Gelde,  das  sie  zur  Verfügung  halten.  Die  an  der  Yale
Universität  gesammelten  Statistiken  einer  Anzahl  von  Fällen  individueller
Umsätze  beweisen  dies  klar  und  deutlich 1 ).  Mit  anderen  Worten:  Ein
Mann,  der  viel  ausgibt,  braucht,  wenn  er  auch  im  ganzen  mehr  Geld  zur
Verfügung  haben  muß,  im  Verhältnis  zu  seinen  Ausgaben  nicht  soviel  Geld
bei  sich  zu  führen  wie  derjenige,  der  wenig  ausgibt.  Man  darf  das  auch
insofern  erwarten,  als  ja  im  allgemeinen  ein  Betrieb,  je  größer  er  ist,  desto
ökonomischer  geleitet  werden  kann.  Professor  Edgeworth 2 )  hat  nachgewiesen, ­
  daß  dieselbe  Regel  für  das  Bankwesen  gilt.  Wenn  sich  zwei  Banken
vereinigen,  so  benötigen  sie  eine  geringere  Reserve  als  die  Summe  der  beiden
früheren  Reserven.
Wir  können  also  hieraus  schließen,  daß,  wenn  der  Reichtum  einer
Nation,  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  berechnet,  zunimmt,  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes  sich  erhöht.  Diese  Behauptung  bezieht  sich
natürlich  nicht  auf  die  nominelle  Zunahme  der  Ausgaben.  Denn,  wie  wir
gesehen  haben,  würde  eine  Verdoppelung  aller  Preise  und  Einkommen  die
Geldumschlagssätze  des  einzelnen  nicht  berühren.  Jede  Person  würde  genau
den  doppelten  Aufwand  für  dasselbe  tatsächliche  Ergebnis  zu  machen  und
genau  das  zweifache  Geld  zur  Verfügung  zu  halten  haben,  um  den  nämlichen
unvorhergesehenen  Ausgaben  in  derselben  Weise  entsprechen  zu  können.
Was  die  Geschwindigkeit  bestimmt,  ist  der  tatsächliche  Verbrauch  und  nicht
1 )  Siehe  §  1  des  Anhanges  zu  diesem  Kapitel  (VIII).
2 )  „Mathematical  Theory  of  Banking“,  Journal  of  the  Royal  Statistical  Society,  März
1888.
        <pb n="153" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  137

der  nominelle.  Der  tatsächliche  Aufwand  einer  Person  ist  nur  ein  anderer
Name  für  deren  Handelsvolumen.  Wir  ziehen  also  den  Schluß,  daß  eine
Veränderung  im  Handelsvolumen,  wenn  sie  auf  den  Handel  per  Kopf  einwirkt, ­
  gleichzeitig  auch  die  Umlaufsgeschwindigkeit  beeinflußt.
Wir  finden  also,  daß  ungleich  einer  Zunahme  der  Umlaufsmittel  (G
und  G')  oder  der  Geschwindigkeiten  (U  und  U')  eine  Zunahme  im  Handel
andere  Wirkungen  haben  kann  als  nur  auf  die  Preise,  nämlich  Wirkungen
einer  Erhöhung  der  Größen  auf  der  entgegengesetzten  Seite  der  Gleichung,
U  und  ü\  und  (wenn  auch  nur  indirekt  durch  einen  Einfluß  auf
die  Geschäftsbequemlichkeit  und  Gewohnheit)  auf  G'  im  Verhältnis  zu  G.
Wenn  diese  Wirkungen  die  finke  Seite  der  Gleichung  um  ebensoviel  erhöhen ­
  als  die  Zunahme  im  Handel  selbst  (in  den  Q)  die  rechte  Seite
direkt  erhöht,  dann  wird  die  Wirkung  auf  die  Preise  gleich  Null  sein.
Wenn  die  Wirkung  auf  der  finken  Seite  die  auf  der  rechten  Seite  übertrifft,
dann  steigen  die  Preise.  Nur  unter  der  Voraussetzung,  daß  die  Wirkung
auf  der  finken  Seite  geringer  ist  als  die  Zunahme  im  Handel,  wird  ein
Fallen  der  Preise  eintreten,  dann  aber  nicht  im  Verhältnis  zur  Zunahme
im  Handel.
In  einem  früheren  Kapitel  wurde  dargelegt,  daß  eine  Veränderung
im  Handel,  vorausgesetzt,  daß  die  TJmlaufsmittel  (G  und  G')  und  die  Geschwindigkeiten ­
  U  und  TJ’  gleichbleiben,  eine  umgekehrte  Veränderung  in  den
Preisen  hervorruft.  Nun  finden  wir  aber,  daß  Voraussetzung  und  Obersatz
nicht  recht  stimmen;  Umlaufsmittel  und  Geschwindigkeiten  können  dieselben
bleiben  nur  unter  der  schwerfälligen  Annahme,  daß  die  mannigfachen  anderen
Ursachen,  welche  auf  sie  einwirken,  eine  solche  Änderung  erfahren,  daß  die
Zunahme  im  Handel  durch  sie  genau  neutralisiert  wird.  Wenn  diese  verschiedenen ­
  anderen  Ursachen  dieselben  bleiben,  dann  werden  die  Umlaufsmittel
  und  die  Geschwindigkeiten  nicht  dieselben  bleiben.
Es  geschieht  hier  zum  erstenmal,  daß  in  unserer  Untersuchung,  wir
finden,  daß  unter  normalen  Umständen,  d.  h.  abgesehen  von  zeitweiligen
oder  Übergangswirkungen,  nicht  dasselbe  Kesultat  erzielt  wird,  wenn  wir  je
eine  der  Ursachen  variieren  lassen,  wie  wenn  wir  annehmen,  daß  je  einer  der
algebraischen  Faktoren  in  der  Gleichung  variiert.  Die  „Quantitätstheorie“
daß  die  Preise  (p)  mit  dem  Gelde  (ß)  variieren  —  bewahrheitet  sich
sowohl,  wenn  wir  annehmen,  daß  andere  Ursachen  dieselben  bleiben,  wie
wenn  wir  bloß  annehmen,  daß  andere  algebraische  Faktoren  dieselben  bleiben;
und  wir  haben  gefunden,  daß  alle  algebraisch  bewiesenen  Theoreme,  mit  Ausnahme ­
  des  auf  die  Variation  des  Handels  bezüglichen,  auch  kausal  genommen
richtig  bleiben.  Da  es  der  Hauptzweck  dieses  Kapitels  ist,  die  Quantitäts-
        <pb n="154" />
        138

VIII.  Kapitel.

theorie  insofern  zu  rechtfertigen,  als  sie  sowohl  einen  Kausalzusammenhang,
als  auch  ein  algebraisches  Verhältnis  ausdrückt,  so  ist  es  wichtig,  hervorzuheben, ­
  daß  kausale  und  algebraische  Theoreme  nicht  immer  identisch  sind.
Was  die  Übergangswirkungen  einer  Veränderung  im  Handelsvolumen
betrifft,  so  hängen  diese  hauptsächlich  von  einer  der  beiden  möglichen
Richtungen  ab,  in  denen  sich  die  Preise  bewegen.  Wenn  sie  nach  aufwärts
gehen,  sind  die  Wirkungen  des  Überganges  denen  ähnlich,  mit  denen  wir
bereits  in  bezug  auf  die  Perioden  steigender  Preise  vertraut  sind;
wenn  die  Preise  sinken,  gleichen  sie  den  mit  einer  solchen  Bewegung  verbundenen. ­

§  7-Wir
  haben  nun  die  Wirkungen  der  Variationen  jedes  einzelnen  Faktors ­
  der  Verkehrsgleichung  (mit  Ausnahme  eines  einzigen)  auf  die  anderen
Faktoren  genau  untersucht  und  haben  gefunden,  daß  mit  Ausnahme  des
Faktors  „Handel“  (der  Q)  in  jedem  Falle  die  endgültige  Wirkung  die  Preise
(die  p)  traf.  Die  einzige  Gruppe  der  Faktoren,  die  wir  als  Ursache  noch
nicht  erörtert  haben,  sind  die  Preise  (die  p)  selbst.  Sie  sind  bisher  einzig
und  allein  als  Wirkungen  anderer  Faktoren  betrachtet  worden.  Die  Gegner
der  Quantitätstheorie  haben  aber  behauptet,  daß  die  Preise  eher  als  Ursachen, ­
  denn  als  Wirkungen  zu  betrachten  sind.  Unsere  nächste  Aufgabe
ist  daher,  diese  Behauptung  einer  kritischen  Prüfung  zu  unterziehen.
Algesehen  von  beschränkter  Wirkung  während  Übergangsperioden  oder
einer  vorübergehenden  Saison  (z.  B.  im  Herbst)  liegt,  soweit  ich  entdecken
kann,  keinerlei  Wahrheit  in  dem  Gedanken,  daß  das  Preisniveau  eine  unabhängige ­
  Ursache  von  Veränderungen  in  irgendeiner  der  anderen  Größen
G,  G',  U,  U'  oder  in  den  Q  ist.  Um  die  Unhaltbarkeit  eines  solchen  Gedankens ­
  darzulegen,  wollen  wir  des  Beweises  halber  zugeben,  daß  —  aus
irgendeiner  andern  Ursache  als  durch  Veränderungen  in  G,  G',  U,  U r  und
den  Q  —  die  Preise  (sagen  wir)  in  den  Vereinigten  Staaten  sich  (sagen
wir)  um  das  Doppelte  ihrer  ursprünglichen  Höhe  verändert  haben,  und  wir
wollen  nun  sehen,  welche  Wirkung  diese  Ursache  auf  die  anderen  Größen
der  Gleichung  hervorbringen  wird.
Es  ist  klar,  daß  die  Gleichheit  der  Geldseite  und  der  Güterseite  auf
irgendeine  Art  aufrechterhalten  werden  muß,  und  daß,  wenn  die  Preise
erhöht  werden,  die  Quantität  des  Geldes  oder  die  Quantität  der  Depositen
oder  ihre  Geschwindigkeiten  erhöht  werden  müssen,  oder  aber,  es  muß  das
Volumen  der  Geschäfte  reduziert  werden.  Die  Untersuchung  wird  aber
lehren,  daß  keine  dieser  Lösungen  annehmbar  ist.
        <pb n="155" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  139

Die  Quantität  des  Geldes  kann  nicht  erhöht  werden.  Es  kommt  kein
Geld  aus  dem  Ausland,  denn  wir  haben  gesehen,  daß  ein  Platz  mit  hohen
Preisen  das  Geld  vertreibt.  Die  Konsequenz  einer  Erhöhung  der  Preise  in
den  Vereinigten  Staaten  würde  sein,  daß  die  Geschäftsleute  in  den  Vereinigten ­
  Staaten,  woselbst  die  Preise  hoch  sind,  verkaufen  und  den  Geldgewinn ­
  nach  anderen  Erdteilen  nehmen,  um  dort  zu  kaufen,  wo  die  Preise
niedrig  sind.  Es  ist  ebenso  schwierig,  Geld  in  ein  Land  mit  hohen  Preisen
strömen  zu  lassen  wie  zu  bewirken,  daß  das  Wasser  bergauf  fließt.
Aus  ähnlichen  Gründen  kommt  auch  kein  Geld  auf  dem  Wege  der  Münzstätten ­
  ins  Land.  Da  das  Barrengold  und  die  Goldmünzen  in  bezug  auf
Güter  ursprünglich  denselben  Wert  hatten,  so  haben  die  Goldmünzen  nach
der  angenommenen  Preisverdoppelung  die  Hälfte  ihrer  Kaufkraft  verloren.
Niemand  wird  Barrengold  zur  Münzstätte  bringen,  wenn  er  dabei  die  Hälfte
des  Wertes  verliert.  Umgekehrt  führen,  wie  wir  in  einem  früheren  Kapitel
gesehen  haben,  hohe  Preise  zur  Einschmelzung  der  Münzen.
Endlich  wird  der  Goldbergbau  durch  hohe  Preise  nicht  gefördert,  sondern
im  Gegenteil,  entmutigt.  Auch  wird  die  Konsumtion  von  Gold  durch  hohe
Preise  nicht  entmutigt,  sondern  gefördert.  Alle  diese  Tendenzen  sind  in  ihren
Einzelheiten  erörtert  worden.  Jeder  Grundsatz,  der  die  Verteilung  des
Geldes  unter  die  Nationen  bestimmt,  (die  Verteilung  des  Geldmetalls  zwischen
die  Gebiete  der  Gelderzeugung  und  der  industriellen  Verwendung  oder  die
Produktion  und  Konsumtion  von  Metallen)  arbeitet  genau  dem  entgegen,
was  eintreten  müßte,  wenn  das  Geld  sich  den  Preisen  anpassen  sollte  und
nicht  die  Preise  dem  Gelde.
In  gleicher  Weise  ist  es  sinnwidrig,  anzunehmen,  daß  hohe  Preise  die
Quantität  der  Depositen  (G')  erhöhen.  Wie  wir  gesehen  haben,  würde  die
Wirkung  eine  Verringerung  der  Quantität  des  in  Umlauf  befindlichen  Geldes
((?)  sein;  aber  dieses  Geld  ist  doch  die  Basis  der  Depositenumlaufsmittel
(C?'),  und  die  Verminderung  des  ersteren  hat  daher  eine  Verminderung  der
letzteren  zur  Folge.  Eine  Reduzierung  von  G  und  G'  hat  nicht  die  Tendenz,
die  von  uns  willkürlich  angenommenen  hohen  Preise  zu  heben,  sondern  im
Gegenteil  herabzudrücken.
Eine  Berufung  auf  die  Geschwindigkeiten  (U  und  U')  gewährt  ebensowenig ­
  Befriedigung.  Diese  sind  bereits  adjustiert  worden,  um  sich  der
individuellen  Bequemlichkeit  anzupassen.  Sie  zu  verdoppeln,  mag  keine
Physische  Unmöglichkeit  sein,  würde  aber  sicher  eine  große  Unannehmlichkeit ­
  bedeuten.
Es  bleibt  nun  noch  als  letzte  Hoffnung,  daß  die  hohen  Preise  das
Handelsvolumen  (die  Q)  vermindern.  Wenn  aber  alle  Preise  einschließlich  der
        <pb n="156" />
        140

VIII.  Kapitel.

Preise  der  Dienstleistungen  verdoppelt  werden,  liegt  doch  kein  Grund  vor,
weshalb  der  Handel  reduziert  werden  sollte.  Da  die  Durchschnittsperson
nicht  nur  hohe  Preise  zahlt,  sondern  auch  hohe  Preise  empfängt,  ist  es  offenbar, ­
  daß  die  gegebenen  hohen  Preise  sie  in  den  Stand  setzen,  die  zu  zahlenden
hohen  Preise  auszuhalten,  ohne  ihre  Käufe  einschränken  zu  müssen.
Unsere  Schlußfolgerung  geht  dahin,  daß  die  Hypothese  eines  verdoppelten ­
  Preisniveaus,  das,  als  unabhängige  Ursache  auftretend,  zwar  auf
die  anderen  Faktoren  in  der  Yerkehrsgleichung  bestimmend  einwirkt,  selbst
aber  von  diesen  unabhängig  ist,  unhaltbar  ist.  Jeder  Versuch,  hohe
Preise  künstlich  aufrechtzuerhalten,  muß  unseren  Erörterungen  nach
das  Resultat  ergeben,  daß  sich  die  anderen  Größen  der  Verkehrsgleichung
nicht  etwa  adjustieren,  um  sich  den  hohen  Preisen  anzupassen,  sondern  daß
sie  im  Gegenteil  den  hohen  Preisen  entgegenarbeiten.  Das  Gold  wird  ins
Ausland  gehen,  in  den  Schmelztiegel  wandern,  weniger  produziert  und
mehr  konsumiert  werden,  bis  sein  Mangel  in  seiner  Geldgestalt  die  Preise
herab  drücken  wird.  Das  Preisniveau  ist  unter  normalen  Verhältnissen  das
einzige  absolut  passive  Element  in  der  Verkehrsgleichung.  Es  wird  einzig
und  allein  von  den  anderen  Elementen  und  den  ihnen  vorherwirkenden  Ursachen ­
  bestimmt,  übt  aber  keinen  bestimmenden  Einfluß  auf  diese
Elemente  aus.
Wiewohl  es  aber  ein  Irrtum  ist,  zu  glauben,  daß  das  Preisniveau
in  einem  Gemeinwesen  das  Geld  in  diesem  Gemeinwesen  auf  die  Dauer  beeinflussen ­
  kann,  so  ist  es  richtig,  daß  das  Preisniveau  in  einem  Gemeinwesen
auf  das  Geld  in  einem  anderen  Gemeinwesen  einwirken  kann.  Von  dieser
Behauptung,  die  von  dem  obenerwähnten  Trugschluß  deutlich  zu  unterscheiden ­
  ist,  ist  in  unserer  Erörterung  wiederholt  Gebrauch  gemacht  worden.
Das  Preisniveau  in  einem  auswärtigen  Gemeinwesen  ist  eine  Größe,  die
außerhalb  der  Verkehrsgleichung  eines  anderen  Gemeinwesens  liegt,  und  wirkt
auf  das  darin  in  Umlauf  befindliche  Geld,  nicht  aber  direkt  auf  das  Preisniveau ­
  in  dem  Gemeinwesen  ein.  Das  Preisniveau  außerhalb  der  Stadt
New  York  zum  Beispiel  wirkt  auf  das  Preisniveau  in  dieser  Stadt  nur  auf
dem  Umwege  von  Veränderungen  im  Gelde  in  der  Stadt  New  York  ein.
Innerhalb  der  City  von  New  York  ist  es  das  Geld,  das  auf  das  Preisniveau
einwirkt,  und  es  ist  nicht  das  Preisniveau,  das  das  Geld  beeinflußt.  Das
Preisniveau  ist  Wirkung  und  nicht  Ursache.  Wenngleich  das  Preisniveau
außerhalb  New  Yorks  eine  unmittelbare  Ursache  von  Geldveränderungen
in  New  York  ist,  so  ist  dieses  Preisniveau  seinerseits  nur  sekundäre  Ursache,
da  es  selbst  eine  Wirkung  der  anderen  Faktoren  in  der  Verkehrsgleichung ­
  außerhalb  der  Stadt  New  York  ist.  Für  die  Welt  im  ganzen
        <pb n="157" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  141

ist  das  Preisniveau  nicht  einmal  eine  sekundäre  Ursache,  sondern  lediglich
eine  Wirkung  des  Geldes  der  Welt,  ihrer  Depositen,  Geschwindigkeiten
und  des  Welthandels.
Wir  haben  gesehen,  daß  hohe  Preise  an  einem  Platze  daselbst  keine
Zunahme  der  Geldzufuhr  verursachen,  denn  das  Geld  fließt  von  einem
solchen  Platze  fort.  Gleichfalls  verursachen  hohe  Preise  zu  irgendeiner
Zeit  keine  Zunahme  an  Geld  zu  dieser  Zeit,  denn  das  Geld  fließt  sozusagen
von  diesem  Zeitabschnitte  hinweg.  Wenn  also  das  Preisniveau  im  Januar
im  Vergleiche  mit  demjenigen  der  anderen  Monate  hoch  ist,  so  wird  keine
Neigung  zu  einer  Ausgabe  großer  Quantitäten  von  Banknoten  in  diesem  Zeitpunkte ­
  vorhanden  sein.  Im  Gegenteil,  man  wird  trachten,  bei  den  hohen
Preisen  Geldzahlungen  zu  vermeiden  und  warten,  bis  die  Preise  niedriger
sind.  Wenn  diese  Zeit  kommt,  werden  mehr  Umlaufsmittel  gebraucht;
der  Banknoten-  und  Depositenbestand  dehnt  sich  dann  aus,  um  der
außergewöhnlichen  Nachfrage,  die  sich  hierbei  ergeben  kann,  zu  entsprechen.
Die  Umlaufsmittel  vermehren  sich  also  bei  niedrigen  Preisen  und  nehmen
ab  bei  hohen  Preisen  und  diese  Expansion  und  Kontraktion  führt  zum  Sinken
hoher  Preise  und  zum  Steigen  niedriger  Preise,  wirkt  also  preisausgleichend.
Weit  entfernt  davon,  daß  hohe  Preise  ein  erhöhtes  Geldangebot  verursachen,
können  wir  aus  vorstehendem  ersehen,  daß  das  Geld  den  Standort  und  die
Zeit  hoher  Preise  vermeidet,  hingegen  Standort  und  Zeit  niedriger  Preise  aufsucht,
  und  daß  dadurch  die  Ungleichheit  der  Preisniveaus  abgeschwächt  wird.
Das  Gesagte  setzt  voraus,  daß  die  Käufer  Platz  und  Zeit  ihrer  Einkäufe ­
  nach  Belieben  wechseln  können.  In  dem  Maße,  in  dem  ihre  Freiheit,
den  Marktplatz  und  die  Marktzeit  selbst  zu  wählen,  beeinträchtigt  wird,
wird  die  Korrektur  durch  die  Anpassung  der  Quantität  des  Geldes  geschmälert.
Die  anormale  Zeit  einer  Panik  kann  sogar  dadurch  charakterisiert  werden,
daß  Kontrakte,  die  vor  langer  Zeit  abgeschlossen  worden  sind  und  hinsichtlich ­
  deren  eine  Zahlungsaufschiebung  nicht  statthaft  ist,  erfüllt  werden
müssen.  Es  kann  dann  eine  „Geldhungersnot“  und  eine  fieberhafte  Nachfrage ­
  nach  Krisengeldzeichen  eintreten,  um  mit  ihnen  die  ausstehenden  Verbindlichkeiten ­
  liquidieren  zu  können,  die  man,  hätte  man  die  Situation  voraussehen ­
  können,  auf  keinen  Fall  eingegangen  wäre.  Daß  derartige  abnorme
Zustände  die  allgemeine  These,  daß  die  Preise  die  Wirkung  und  nicht  die  Ursache ­
  der  Umlaufsmittel  (Depositenumlaufsmittel  inbegriffen)  sind,  nicht
widerlegen,  ist  durch  Minnie  Throop  England  statistisch  bewiesen  worden 1 ).  i)

i)  „Statistical  inquiry  into  the  influence  of  credit  upon  the  level  of  prices“,  Dniversity
Studies  (University  of  Nebraska),  Januar  1907,  S.  41  83.
        <pb n="158" />
        142

VIII.  Kapitel.

§8-Wenn
  es  sich  hier  nicht  darum  handelte,  dem  geradezu  fanatischen
Eifer  entgegenzutreten,  mit  dem  einige  Nationalökonomen  immer  wieder
bestreiten,  daß  in  letzter  Konsequenz  das  Preisniveau  Wirkung  und  nicht
Ursache  ist,  so  brauchten  wir  uns  keine  so  große  Mühe  zu  geben,  diese  über
allen  Zweifel  hinaus  zu  beweisen.  Wir  sind  es  unserer  Wissenschaft  schuldig,
ihre  Wahrheiten  darzulegen.  Damit  übernehmen  wir  die  weitere  Verpflichtung ­
  zu  untersuchen  und  klarzulegen,  soweit  dies  eben  möglich  ist,
warum  eine  so  offenbare  Wahrheit  nicht  allgemein  anerkannt  worden ­
  ist.
Ein  Grund  ist  bereits  angeführt  worden,  nämlich  die  Befürchtung,  daß
die  Gegner  aller  klardenkenden  Nationalökonomen  —  die  Anhänger  fauler
Währungssysteme  —  dadurch  unterstützt  und  ermutigt  werden  könnten.
Wir  wollen  nun  unsere  Aufmerksamkeit  einem  anderen  Motive  der  Gegnerschaft ­
  zuwenden,  und  zwar  der  irrigen  Idee,  daß  das  Preisniveau  durch
andere  Faktoren  in  der  Verkehrsgleichung  nicht  bestimmt  werden  kann,
weil  es  bereits  durch  andere  Ursachen,  gewöhnlich  „Angebot  und  Nachfrage“ ­
  genannt,  bestimmt  worden  sei.  Diese  allgemeine  Redensart  hat  für
eine  Unmasse  von  Versündigungen  nachlässiger  Analyse  der  Volkswirtschaft
als  Deckmantel  gedient.  Wer  ein  so  unbedingtes  Vertrauen  in  die  Zulänglichkeit
  von  Angebot  und  Nachfrage  für  die  Festlegung  der  Preise  setzt,
und  zwar  ohne  Rücksicht  auf  die  Quantität  des  Geldes  und  der  Depositen,
auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit  und  auf  den  Handel,  dürfte  in  seinem  Vertrauen ­
  gewaltig  erschüttert  werden,  wenn  er  der  Beweisführung  in  bezug
auf  die  Preisbildung  einzelner  Artikel  folgt.  Er  wird  finden,  daß  zur  Bestimmung ­
  der  „unbekannten  Größen“  immer  gerade  eine  Gleichung  fehlt 1 ).
Die  Verkehrsgleichung  ist  in  jedem  Falle  erforderlich,  um  die  Gleichungen
von  Angebot  und  Nachfrage  zu  ergänzen.
Es  würde  uns  zu  weit  von  unserem  Wege  abführen,  wollten  wir  hier
eine  vollständige  Darlegung  der  preisbestimmenden  Prinzipien  einschalten.
Jedoch  kann  die  Vereinbarkeit  der  Verkehrsgleichung  mit  den  Gleichungen,
die  sich  auf  die  individuelle  Preisbildung  beziehen,  dem  Leser  für  den  vorliegenden ­
  Zweck  genügend  zum  Verständnis  gebracht  werden,  wenn  auf
die  Unterscheidung  zwischen  1.  den  individuellen  Preisen  in  ihrem  gegenseitigen ­
  Verhältnis  und  2.  dem  Preisniveau  Nachdruck  gelegt  wird.  Die

1 )  Vgl.  Irving  Fisher,  „Mathematical  Investigations  in  the  Theory  and  Value  of  Prieet“,
Transaciions  of  the  Connecticut  Academy  of  Arts  and  Sciences,  Band  IX,  1892,  S.  62.
        <pb n="159" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  143

Verkehrsgleichung  bestimmt  nur  das  letztere  (das  Preisniveau),  und  nur  das
letztere  ist  Gegenstand  dieses  Buches.  In  die  Diskussion  über  Preisniveaus
die  Prinzipien  hineinzubringen,  die  die  einzelnen  Preise  in  ihrer  gegenseitigen
Beziehung  bestimmen,  würde  den  Leser  nicht  fördern,  sondern  nur  aufhalten.
Es  ist  erstaunlich,  mit  welcher  Beharrlichkeit  so  viele  an  der  irrigen  Idee
festhalten,  daß  ein  individueller  Preis,  wenngleich  er  in  Geld  ausgedrückt
ist,  ganz  und  gar  ohne  Bezug  auf  Geld  bestimmt  werden  könne.  Andere
erkennen  minder  vorurteilsvoll,  aber  nicht  weniger  konfus,  zwar  die
Notwendigkeit  an,  die  Geldquantität  in  die  Ursachen  der  Feststellung  der
Preise  einzuschließen,  werfen  sie  aber  in  sorglosem  Eklektizismus
mit  einer  buntgemischten  Menge  anderer  auf  die  Preise  einwirkender  Einflüsse ­
  ohne  Rücksicht  auf  ihre  gegenseitigen  Beziehungen  einfach  durcheinander. ­
  Es  sollte  unbedingt  anerkannt  werden,  daß  Preisniveaus  unabhängig ­
  von  individuellen  Preisen  studiert  werden  müssen.
Die  Berechtigung,  das  Studium  der  Preisniveaus  von  dem  der  Preise
getrennt  zu  halten,  erkennt  man  sofort  klar  und  deutlich,  wenn  man  sieht,
daß  die  einzelnen  Preise  durch  Angebot  und  Nachfrage,  Geldproduktionskosten ­
  usw.  nicht  vollkommen  bestimmt  werden  können,  daß  man  vielmehr
durch  eine  Hintertüre  das  Preisniveau  hineinbringen  muß.  Wir  können  die
Tatsache  gar  nicht  genug  hervorheben,  daß  die  Preise  von  „Angebot  und
Nachfrage“  oder  den  in  Geld  ausgedrückten  „Produktionskosten“  der  Güter
nicht  vollständig  bestimmt  werden  und  bestimmt  werden  können.  In  jedem
vollständig  ausgedrückten  Preissatze  ist  das  Geld  bereits  inbegriffen.  Immer
wird  die  Voraussetzung  eines  allgemeinen  Preisniveaus  irgendwie  vorausgesetzt. ­
  Schriftsteller  wie  A.  D.  Wells  1 )  haben  ernsthaft  die  Erklärung
einer  allgemeinen  Veränderung  der  Preisniveaus  in  den  individuellen
Preisveränderungen  verschiedener  getrennt  betrachteter  Waren  gesucht.
Ihre  Beweisführung  geht  zumeist  nicht  weiter,  als  einen  Preissatz  durch
andere  Preissätze  erklärend  auszudrücken.  Wenn  wir  versuchen,  den  Geldpreis ­
  eines  fertigen  Produktes  durch  GeMpreissätze  der  Rohmaterialien
dieses  Produktes  und  andere  GeMkosten  von  Produktionspreisen  zu  erklären, ­
  so  ist  es  klar,  daß  das  Problem  nur  verschoben  wird.  Wir  haben
dann  immer  noch  die  Preise  zu  erklären,  wie  sie  vorher  waren.  In  elementaren ­
  Lehrbüchern  wird  großer  Nachdruck  auf  die  Tatsache  gelegt,  daß
»Angebot  und  Nachfrage“  unvollständige  Bezeichnungen  sind,  und  daß
es  zur  Bedeutung  derselben  notwendig  ist,  jeder  den  Zusatz  „zu  einem
gegebenen  Preise“  beizufügen.  Es  muß  aber  auch  Nachdruck  darauf  gelegt

G  Recent  Economic  Changes,  New  York  (Appleton),  1890,  IV.  Kapitel.
        <pb n="160" />
        144

VIII.  Kapitel.

werden,  daß  „Angebot  zu  einem  gegebenen  Preise“  und  „Nachfrage  zu
einem  gegebenen  Preise“  noch  immer  unvollständige  Bezeichnungen  sind,  und
daß,  um  ihnen  Sinn  zu  verleihen,  hinzugefügt  werden  muß:  „bei  einem
gegebenen  Preisniveau“.  Die  Nachfrage  für  Zucker  bezieht  sich  nicht  nur
auf  den  Preis  des  Zuckers,  sondern  auch  auf  das  allgemeine  Preisniveau
anderer  Gegenstände.  Zu  zehn  Cent  per  Pfund  ist  die  Nachfrage  für  Zucker
nicht  nur  größer  als  die  Nachfrage  zu  zwanzig  Cent  per  Pfund  (bei  einem
gegebenen  Preisniveau  anderer  Gegenstände)  sondern  die  Nachfrage  zu
zwanzig  Cent  bei  einem  hohen  Preisniveau  ist  auch  größer  als  die  Nachfrage
zu  zwanzig  Cent  bei  einem  niedrigen  Preisniveau.  Wenn  das  Preisniveau
verdoppelt  wird,  so  ist  die  Nachfrage  zu  zwanzig  Cent  per  Pfund  tatsächlich ­
  ebensogroß  wie  zuvor  die  Nachfrage  zu  zehn  Cent  per  Pfund,  wobei
wir  annehmen,  daß  die  Verdoppelung  sich  in  gleicher  Weise  auf  Löhne  und
Einkommen  im  allgemeinen  bezieht.  Das  Bedeutsame  eines  Dollars  liegt  in
seiner  Kaufkraft,  und  die  Äquivalenz  zwischen  Zucker  und  Dollars
ist  im  Grunde  eine  Äquivalenz  zwischen  Zucker  und  der  in  Dollar  ausgedrückten ­
  Kaufkraft.  Eine  Veränderung  in  der  Menge  dessen,  was  Dollar
kaufen,  ist  ebenso  bedeutsam  wie  eine  Veränderung  in  der  Menge  des  Zuckers.
Der  Preis  des  Zuckers  in  Dollar  hängt  teils  vom  Zucker  und  teils  von  den
Dollarn  ab,  —  von  dem,  was  Dollar  kaufen,  und  zwar  was  sie  bei  dem  gegebenen ­
  Preisniveau  kaufen.  Deshalb  steckt  hinter  dem  Zuckerpreise  im
besonderen,  als  einer  der  Grundfaktoren  dieses  besonderen  Preises,  das
allgemeine  Preisniveau.  Vor  einer  Untersuchung  des  Zuckerpreises  das
allgemeine  Preisniveau  zu  erörtern,  ist  viel  notwendiger,  als  vor  einer  Untersuchung ­
  des  Preisniveaus  den  Zuckerpreis  zu  studieren.  Das  Niveau  des
Meeres  kann  nicht  durch  die  Höhe  der  einzelnen  Wellen  erklärt  werden,
sondern  es  kann  der  Charakter  dieser  Wellen  zum  Teil  aus  dem  allgemeinen
Meeresniveau  seine  Erklärung  finden.  Jede  „Angebotskurve“  oder  „Nachfragekurve“ ­
  beruht  auf  der  unbewußten  Voraussetzung  eines  bereits  bestehenden ­
  Preisniveaus.  Obwohl  sich  die  Kurven  auf  eine  Ware  beziehen,
so  beziehen  sie  sich  auf  diese  im  Vergleiche  mit  dem  Gelde.  Ein  Preis  ist  ein
Austauschverhältnis  zwischen  der  Ware  und  dem  Gelde.  Die  Geldseite
jedes  Austausches  darf  niemals  vergessen  werden  und  auch  die  Tatsache
nicht,  daß  schon  in  der  Vorstellung  des  Käufers  das  Geld  als  ein  allgemeines
Kauf  mittel  figuriert.  Obwohl  jeder  Käufer  und  Verkäufer,  der  einen  Preis
für  irgendeine  Ware  fordert  oder  anbietet,  stillschweigend  eine  gegebene
Kaufkraft  des  geforderten  oder  angebotenen  Geldes  voraussetzt,  so  ist  er
sich  dessen  gewöhnlich  ebenso  unbewußt  wie  der  Beschauer  eines  Bildes
sich  der  Tatsache  unbewußt  ist,  daß  er  den  Hintergrund  des  Bildes  benützt,
        <pb n="161" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  445
um  daran  die  Gestalten  im  Vordergründe  zu  messen.  Wenn  das  allgemeine
Niveau  sich  verändert,  so  verändern  sich  folglich  die  Angebot-  und  Nachfragekurven ­
  der  in  Betracht  kommenden  einzelnen  Ware  dementsprechend.
Wenn  die  Kaufkraft  des  Dollars  auf  die  Hälfte  ihrer  früheren  Ziffer  reduziert
wird,  so  verdoppelt  sich  die  Höhe  dieser  Kurven,  denn  jedermann  gibt  oder
empfängt  dann  für  ein  gegebenes  Quantum  der  Ware  das  Doppelte  des  früheren
Geldes.  Wenn  durch  Einwirkung  spezieller  Ursachen  auf  eine  spezielle
Ware  die  Angebot-  und  Nachfragekurven  dieser  Ware  und  ihr  Schnittpunkt
erhöht  oder  erniedrigt  werden,  so  müssen  sich  die  Angebot-  und  Nachfragekurven ­
  anderer  Güter  in  der  entgegengesetzten  Richtung  verändern.  Das
heißt,  wenn  eine  Ware  im  Preise  steigt  (ohne  irgendeine  Veränderung  ihrer
vorhandenen  Menge  oder  anderer  gekaufter  und  verkaufter  Gegenstände
und  ohne  jedwede  Veränderung  des  Bestandes  an  Umlaufsmitteln  oder  der
Umlaufsgeschwindigkeit),  dann  müssen  andere  Waren  im  Preise  fallen.
Das  Geld,  das  für  diese  Ware  mehr  ausgegeben  wird,  muß  von  anderen  Einkäufen ­
  abgezogen  werden.  Mit  anderen  Worten:  Die  Wellenberge  in  der
See  der  Preise  haben  Wellentäler.  Dies  ist  aus  der  Verkehrsgleichung  zu
ersehen.  Wenn  wir  die  Geldquantität  und  ihre  Umlaufsgeschwindigkeit  als
unverändert  annehmen,  bleibt  die  linke  Seite  der  Gleichung  dieselbe  und
die  rechte  Seite  muß  daher  ebenfalls  unverändert  bleiben.  Infolgedessen
muß  jede  Zunahme  eines  ihrer  vielen  Glieder,  die  durch  eine  Erhöhung  eines
individuellen  Preises  veranlaßt  worden  ist,  auf  Kosten  der  übrigen  Glieder
erfolgen.
Es  ist  natürlich  richtig,  daß  ein  Sinken  des  Preises  einer  einzelnen  Ware
gewöhnlich  von  einem  Anwachsen  ihrer  ausgetauschten  Menge  begleitet
ist,  so  daß  das  Produkt  beider  nicht  notwendig  fällt,  sondern  womöglich
sogar  steigt,  wenn  nämlich  die  ausgetauschte  Menge  genügend  steigt.  Da
die  rechte  Seite  der  Gleichung  dieselbe  bleibt,  bedeutet  die  Wirkung  der
Zunahme  des  einen  oder  anderen  Gliedes  in  diesem  Falle  notwendigerweise
eine  Abnahme  in  den  anderen,  und  die  übrigen  Glieder  der  rechten  Seite
müssen  bis  zu  einem  gewissen  Grade  abnehmen.  Das  Ergebnis  kann  dann
ein  allgemeines  oder  sogar  ein  universelles  Fallen  der  Preise  sein.  Doch
selbst  in  diesem  Falle  steht  das  Sinken  des  Preisniveaus  mit  dem  Sinken
des  Preises  der  besonderen  Ware  nicht  direkt  in  Verbindung,  sondern  es  ist
der  Zunahme  der  ausgetauschten  Menge  dieser  Ware  zuzuschreiben 1 ).
Der  rückwirkende  Einfluß  des  Preises  einer  Ware  auf  die  Preise  anderer
Waren  darf  niemals  aus  dem  Auge  gelassen  werden.  Manche  Verwirrung
Q  Der  weiteren  Erläuterung  dient  §  2  des  Anhanges  zu  diesem  Kapitel  VIII.
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.  IQ
        <pb n="162" />
        146

VIII.  Kapitel.

könnte  vermieden  werden,  wenn  jeder  Versuch,  direkt  von  individuellen
Preisen  zu  folgern,  aufgegeben  würde.  Fortschritte  in  der  Produktionstechnik ­
  wirken  auf  die  jeweilige  Preislage  nur  insofern  ein  als  sie  den  Umfang ­
  der  erledigten  Geschäfte  beeinflussen.  Jede  rationelle  Untersuchung
der  Einwirkung  von  Verbesserungen  der  Produktionsmethoden  auf  das  Preisniveau ­
  sollte  daher  die  Aufmerksamkeit  zunächst  auf  den  sich  ergebenden
Handelsumfang  lenken  und  ausfindig  zu  machen  suchen,  ob  dieser  seinerseits ­
  die  Preise  aufwärts  und  abwärts  bewegt.
Als  eine  der  mutmaßlichen  Ursachen  der  heutigen  hohen  Preise,  die  in
jetziger  Zeit  so  lebhaft  erörtert  werden,  werden  die  Industrie-  und  Arbeitnehmerverbände ­
  angesehen.  Aus  dem  Gesagten  muß  aber  hervorgehen,
daß,  ceteris  paribus,  die  Trusts  durch  Manipulation  der  Preise  spezieller
Waren  das  allgemeine  Preisniveau  nicht  anders  beeinflussen  können,  als
durch  Änderungen  des  Umsatzes.  Wenn  die  Preise  einer  Ware  ohne  eine
Veränderung  ihres  Umsatzes  abnehmen  oder  zunehmen,  so  wird  die  Wirkung
auf  das  Preisniveau  durch  ausgleichende  Veränderungen  in  anderen  Preisen
aufgehoben.  Wenn  die  Arbeitnehmerverbände  die  Löhne  zu  erhöhen  suchen
und  die  Trusts  die  Warenpreise  erhöhen,  so  kann  allgemein  die  Preislage
aller  Waren  steigen  oder  fallen;  steigen  kann  sie  aber  nur  durch  eine  allgemeine ­
  Abnahme  der  verkauften  Quantitäten  der  Waren,  der  Arbeit  usw.
oder  durch  eine  Zunahme  an  Umlaufsmitteln,  oder  durch  eine  Zunahme
der  Umlaufsgeschwindigkeit.  Wenn  weder  eine  Zunahme  noch  eine  Abnahme
im  Geschäftsvolumen  eintritt,  und  wenn  die  Quantität  sowie  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes  und  dessen  Surrogate  unverändert  bleiben,
kann  sich  das  Preisniveau  nicht  verändern.  Änderungen  in  Teilen  des  Preisniveaus ­
  können  nur  auf  Kosten  von  entgegengesetzten  Änderungen  in  anderen
Teilen  stattfinden.
Wir  haben  gesehen,  daß  das  Preisniveau  nicht  durch  individuelle  Preise
bestimmt  wird,  sondern  daß  im  Gegenteil  jeder  individuelle  Preis  ein  Preisniveau ­
  voraussetzt.  Ebenso  sahen  wir,  daß  die  vollständige  und  einzige
Erklärung  eines  Preisniveaus  in  den  Faktoren  der  Verkehrsgleichung  und  in
ihnen  zugrunde  liegenden  Ursachen  zu  suchen  ist.  Die  in  bezug  auf  die
einzelnen  Preise  benützten  Ausdrücke  „Nachfrage“  und  „Angebot“  haben
keinerlei  Bedeutung  für  die  Erklärung  eines  Steigens  oder  Fallens  der  jeweiligen ­
  Preisniveaus.  Wenn  wir  die  auf  die  individuellen  Preise  gerichtete
Einwirkung  betrachten,  so  sagen  wir,  daß  eine  Zunahme  des  Angebots  die
Preise  drückt,  eine  Zunahme  in  der  Nachfrage  hingegen  die  Preise  in  die
Höhe  treibt.  Wenn  wir  aber  die  Einflüsse,  die  auf  die  Preisniveaus  einwirken,
betrachten,  haben  wir  es  mit  ganz  anderen  Begriffen  zu  tun,  und  wir  dürfen
        <pb n="163" />
        Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  147

den  Lehrsatz,  daß  eine  Zunahme  im  Handel  (in  den  Q)  die  Tendenz  hat,
das  Preisniveau  zu  drücken,  nicht  mit  dem  Satze  verwechseln,  daß  eine  Zunahme ­
  im  Angebot  darauf  gerichtet  ist,  einen  individuellen  Preis  zu  drücken.
Der  Handel  (die  Q)  ist  kein  Angebot,  denn  er  hat  tatsächlich  ebensowenig
damit  zu  tun  wie  mit  der  Nachfrage.  Die  Q  sind  vielmehr  die  letzten  Endes
von  den  Produzenten  verkauften  und  von  den  Abnehmern  gekauften
Quantitäten.
Es  soll  hier  ein  Paradoxon  aufgestellt  werden,  das  dazu  dienen  soll,
den  Unterschied  zwischen  der  Bestimmung  individueller  Preise  in  Beziehung
zueinander  und  der  Bestimmung  des  allgemeinen  Preisniveaus  klar  und
deutlich  darzulegen.  Das  Paradoxon  besteht  darin,  daß,  wenn  auch  eine
erhöhte  Nachfrage  für  eine  einzelne  Ware  eine  größere  Konsumtion  zu
höherem  Preise  ergibt,  eine  erhöhte  allgemeine  Nachfrage  nach  Gütern
dennoch  zu  einem  größeren  Handel  (den  Q)  zu  niedrigeren  Preisen  führen
wird.
Wir  können  also  nicht  direkt  von  den  besonderen  auf  die  allgemeinen
Preise  schließen,  sondern  nur  indirekt  unter  Berücksichtigung  der  Wirkungen ­
  auf  die  Quantitäten  Schlüsse  ziehen.  Durch  das  Steigen  eines  individuellen ­
  Preises  wird  das  allgemeine  Preisniveau  manchmal  erhöht  und
manchmal  erniedrigt 1 ).  Um  eine  physikalische  Parallele  zu  ziehen,  wollen
wir  annehmen,  daß  tausend  Pfähle  in  Flugsand  getrieben  worden  sind,
und  daß  der  Besitzer  beabsichtigt,  ihr  Niveau  um  einen  Fuß  zu  erhöhen.
Er  verschafft  sich  Krahne,  setzt  sie  auf  die  Pfähle  und  hebt  einen  Pfahl
um  einen  Fuß.  Sodann  werden  alle  tausend  Pfähle  einer  nach  dem  anderen
emporgezogen.  Jedesmal  aber,  wenn  ein  Pfahl  einen  Fuß  emporgezogen
wurde,  wurden  999  über  V999  eines  Fußes  hinuntergestoßen  und  nach
Fertigstellung  der  Arbeit  wird  der  Mann  finden,  daß  seine  tausend  Pfähle
niedriger  stehen  als  zuvor.  Bei  jedesmaligem  Emporheben  eines  Pfahles
ist  das  Durchschnittsniveau  aller  Pfähle  gefallen.
Die  Behauptung,  daß  eine  allgemeine  Erhöhung  in  der  Nachfrage,  die
eine  Zunahme  im  Handel  zur  Folge  hat,  die  Tendenz  zeigt,  das  allgemeine
Preisniveau  zu  erniedrigen  und  nicht  zu  erhöhen,  kann  man  als  eine  Art  pons
asinorum  betrachten,  um  seine  Kenntnis  des  fundamentalen  Unterschiedes
zwischen  den  Einwirkungen,  die  das  allgemeine  Preisniveau,  und  denen,
die  das  Steigen  und  Fallen  eines  besonderen  Preises  im  Verhältnis  zu  diesem
Niveau  berühren,  zu  prüfen.

1 )  Zur  weiteren  Erläuterung  vergleiche  §  2  des  Anhanges  zu  diesem  Kapitel  VIII.

10*
        <pb n="164" />
        148

VIII.  Kapitel.

§9-Wir
  haben  gesehen,  daß  die  verschiedenen  in  der  Verkehrsgleichung
auftretenden  Faktoren  nicht  auf  einer  und  derselben  kausalen  Grundlage
beruhen.  Die  Preise  bedeuten  das  passive  Element  und  ihr  allgemeines
Niveau  muß  sich  nach  den  anderen  Faktoren  richten.  Kurz  zusammengefaßt ­
  sind  die  kausalen  Lehrsätze,  die  wir  unter  normalen  Verhältnissen,
d.  h.  nachdem  die  Übergänge  vollzogen  sind,  richtig  befunden  haben,  die
folgenden:
1.  Eine  Zunahme  der  Geldquantität  (G)  führt  zu  einer  proportionalen
Zunahme  der  Depositen  ((?')  und  die  Zunahme  dieser  beiden  Faktoren  [G
und  G')  zu  einer  proportionalen  Preiserhöhung.
2.  Eine  Zunahme  der  Geldquantität  in  einem  Lande  hat  die  Tendenz,
sich  auf  andere  Länder,  in  denen  dasselbe  Geldmetall  zur  Verwendung
kommt,  und  auf  die  goldverwendenden  Gewerbe  auszubreiten,  sobald  die
Preisniveaus  oder  der  relative  Wert  des  Geldes  und  des  Barrenmetalls
genügend  abweichen,  um  den  Export  oder  das  Einschmelzen  des  Geldmetalls ­
  gewinnbringend  zu  gestalten,  sowie  die  Weltpreise  in  geringem
Maße  zu  erhöhen.
3.  Eine  Vermehrung  der  Depositen  (G')  im  Verhältnis  zum  Gelde  (G)
führt  ebenfalls  zur  Verdrängung  und  Einschmelzung  von  Geldmünzen  und
erhöht  die  Weltpreise.
4.  Eine  Zunahme  der  Geschwindigkeiten  bringt  ähnliche  Wirkungen
hervor.
5.  Eine  Zunahme  des  Handelsvolumens  (der  Q)  führt  nicht  nur  zu
einer  Erniedrigung  der  Preise  sondern  auch  zu  einer  Erhöhung  der  Geschwindigkeiten ­
  und  Depositen  im  Verhältnis  zum  Gelde  und  dadurch  zu
einer  teilweisen  oder  gänzlichen  Neutralisierung  der  genannten  Preiserniedrigung. ­

6.  Das  Preisniveau  ist  die  Wirkung  einer  Veränderung  in  den  anderen
Faktoren  und  kann  nicht  die  Ursache  einer  solchen  Veränderung  sein.
7.  Außerhalb  der  Verkehrsgleichung  können  unzählige  Ursachen  auf
G,  G',  U,  U'  und  die  Q  einwirken  und  durch  sie  die  p  beeinflussen.  Unter
diesen  äußeren  Ursachen  befinden  sich  die  Preisniveaus  in  den  benachbarten
Ländern.
8.  Der  Kausalnexus  individueller  Preise  kann  die  Preise  nur  in  ihrem
Gegenseitigkeitsverhältnis  erklären.  Sie  kann  dagegen  nicht  das  allgemeine
Preisniveau  in  seinem  Verhältnis  zum  Gelde  erklären.
9.  Einige  der  vorstehenden  Lehrsätze  sind  während  Übergangsperioden
        <pb n="165" />
        Die  Zerstreuung  der  Preise  macht  eine  Indexnummer  usw.

149

geringfügigen  Modifikationen  unterworfen.  So  ist  es  zum  Beispiel  richtig,
daß  eine  Zunahme  in  der  Quantität  des  Geldes  (6?)  abgesehen  von  den  vorerwähnten ­
  Wirkungen  das  Verhältnis  von  G'  zu  G  zeitweilig  verändert,
zeitweilige  Störungen  von  U,  U'  und  in  den  Q  hervorruft  und  einen  „Kreditzyklus“ ­
  hervorruft.
Unsere  Schlußfolgerung  in  bezug  auf  Ursachen  und  Wirkungen  geht
demnach  im  allgemeinen  dahin,  daß  unter  normalen  Verhältnissen  das  Preisniveau ­
  (die  p)  die  Wirkung  aller  anderen  Faktoren  in  der  Verkehrsgleichung
(G,  G',  U,  U'  und  der  Q)  ist;  weiter,  daß  unter  diesen  anderen  Faktoren
die  Depositen  (G')  hauptsächlich  vom  Gelde  abhängen,  wenn  das  Verhältnis
von  G'  zu  G  ein  normales  ist;  ferner,  daß  dieses  Verhältnis  zum  Teil  das
Ergebnis  des  Handels  (der  Q)  ist;  daß  U  und  ü'  ebenfalls  zum  Teil  die  Ergebnisse ­
  der  Q  sind,  und  daß  alle  diese  Größen,  G,  G  ,  U,  U  und  die  Q,  die
Wirkungen  vorangehender  und  außerhalb  der  Verkehrsgleichung  liegender
Ursachen  ad  infinitum  sind.
Zusammenfassend  können  wir  nichts  entdecken,  was  gegen  die  Wahrheit ­
  der  Quantitätstheorie,  daß  Veränderungen  im  Gelde  (G)  unter  normalen
Verhältnissen  Veränderungen  in  den  Preisen  hervorbringen,  eingewandt
werden  könnte.

IX.  Kapitel.
Die  Zerstreuung  der  Preise  macht  eine  Indexnummer ­
  für  die  Kautkraft  erforderlich.
§1.
Wir  sind  zu  dem  Schlüsse  gekommen,  daß  das  allgemeine  Preisniveau
von  den  anderen  Größen  in  der  Verkehrsgleichung  bestimmt  wird,  haben
aber  bisher  noch  nicht  genau  festgestellt,  was  ein  „allgemeines  Niveau“
bedeutet.  Solange  wir,  wie  dies  bisher  der  Fall  war,  annahmen,  daß  sich
alle  Preise  in  vollständiger  Übereinstimmung  bewegen,  erübrigte  sich  eine
solche  Definition.  Tatsächlich  bewegen  sich  aber  die  Preise  niemals  in  vollkommen ­
  einheitlicher  Richtung.  Ihre  Dispersion  würde  das  statistische
Studium  der  allgemeinen  Preisbewegungen  unmöglich  machen,  wenn  es
keine  praktische  Methode  der  Feststellung  der  allgemeinen  Bewegung  gäbe.
Eine  einfache  Ziffer,  welche  die  allgemeine  Richtung  Tausender  von  Preisen
        <pb n="166" />
        150

IX.  Kapitel.
angibt,  bietet  einen  großen  statistischen  Vorteil.  Sie  vereinfacht  auch
unsere  Verkehrsgleichung,  indem  sie  die  rechte  Seite,  die  ursprünglich  aus
Tausenden  von  einzelnen  Posten  besteht,  einfach  in  einem  einzigen  Posten
zusammenfaßt.
Eine  solche  zusammenfassende  Ziffer  wird  „Indexnummer“  oder  „Indexziffer“ ­
  des  Preisniveaus  genannt.  Ihr  Gegenwert  bedeutet  natürlich  die
Kaufkraft  des  Geldes.
Das  vorliegende  Kapitel  soll  demnach  von  der  Dispersion  (der  Zerstreuung) ­
  der  Preise  handeln;  das  nächste  Kapitel  behandelt  Indexnummern,
deren  Benützung  diese  Dispersion  praktisch  notwendig  macht  und  in  den
beiden  folgenden  Kapiteln  werden  wir  uns  mit  dem  praktischen  statistischen
Gebrauch  von  Indexziffern  beschäftigen.
Der  Hauptschluß  unserer  vorhergehenden  Untersuchung  war,  daß
unter  sonst  gleichen  Umständen  die  Zunahme  im  Gelde  ein  proportionales
Steigen  des  Preisniveaus  verursacht.  Mit  anderen  Worten:  Die  p  in  der
Summe  2p  Q  haben  die  Tendenz,  im  Verhältnis  zur  Zunahme  des  Geldes
zu  steigen.  Wir  wissen  nun  aber,  daß  die  Anpassung  nicht  notwendigerweise ­
  gleichmäßig  sein  muß,  daß  vielmehr,  wenn  einige  p  nicht  soviel  wie  es
diesem  Verhältnis  entspräche,  steigen,  andere  dafür  mehr  steigen  müssen.
In  dieser  Verbindung  bemerken  wir,  daß  sich  einige  Preise  nicht  sofort  und
andere  überhaupt  nicht  anpassen.  Das  letztere  gilt  zum  Beispiel  von  kontraktlich ­
  festgesetzten  Preisen.  Vom  Tage  der  Kontraktschließung  ab
bis  zu  dem  Tage  seiner  Erfüllung  kann  keinerlei  Veränderung,  die  während
dieser  Zeit  in  Kraft  tritt,  auf  einen  derartig  festgesetzten  Preis  einwirken.
Selbst  wenn  es  sich  nicht  um  ausdrückliche  Kontrakte  handelt,  können  die
Preise  durch  stillschweigendes  Einverständnis  und  durch  die  bloße  Macht
der  Gewohnheit  der  Anpassung  entzogen  bleiben.  Außer  diesen  Beschränkungen ­
  der  freien  Preisbewegung  gibt  es  oft  gesetzliche  Beschränkungen.
So  zum  Beispiel  kann  den  Eisenbahngesellschaften  untersagt  werden,  von
einem  Fahrgast  über  zwei  Cent  für  die  Meile  zu  verlangen,  oder  es
kann  das  Fahrgeld  auf  Straßenbahn  auf  fünf  oder  drei  Cent  festgelegt
werden.
Was  immer  auch  die  Ursachen  der  Nichtanpassung  sein  mögen,  das
Resultat  ist,  daß  die  Preise,  die  sich  verändern,  sich  in  einem  größeren  Verhältnis ­
  verändern  müssen,  als  dies  der  Fall  sein  würde,  wenn  es  keine  Preise
gäbe,  die  sich  nicht  verändern.  Ebenso  wie  eine  über  den  halben  Lauf  eines
Stromes  gelegte  Sperrung  eine  Zunahme  des  Gefälles  der  anderen  Hälfte
des  Stromes  verursacht,  so  muß  jeder  Ausfall  in  der  Bewegung  der  einen
Preise  ein  Mehr  in  der  Bewegung  anderer  Preise  verursachen.
        <pb n="167" />
        Die  Zerstreuung  der  Preise  macht  eine  Indexnummer  usw.

151

Um  uns  ein  Bild  von  den  Gruppen  der  steigenden  und  fallenden  Preise
zu  machen,  müssen  wir  das  ganze  Gebiet  der  Preise  überblicken.  Preise,
die  so  wie  wir  sie  zu  messen  gewöhnt  sind,  d.  h.  in  Geld  ausgedrückt  werden,
stellen  die  Austauschverhältnisse  zwischen  anderen  Gütern  und  Geld  dar.
Der  Ausdruck  „Güter“  ist,  wie  bereits  früher  erklärt  wurde,  ein  Kollektivausdruck, ­
  der  allen  Reichtum,  alles  Eigentum  und  alle  Nutz-  und  Dienstleistungen ­
  umfaßt;  dies  sind  alle  dem  Verkaufe  unterworfenen  Größen.  Die
wichtigsten  Unterklassen  dieser  drei  Gruppen,  die  Verkäufen  zugrunde
liegen,  können  folgenderweise  eingeteilt  werden.
Grundbesitz
Waren
Aktien
Obligationen
Hypotheken
Privatnoten
Wechsel  auf  Zeit
gepachteten  Grundbesitzes
gemieteter  Waren
gedungener  Arbeiter
einiger  oder  aller  dieser  Ertragsquellen  zusammengenommen. ­

Die  Preise  dieser  verschiedenen  Güterklassen  können  sich  nicht  vollkommen ­
  gleichmäßig  auf-  und  abbewegen.  Die  einen  sind  bedeutend  anpassungsfähiger ­
  als  die  anderen.  Eine  vollkommene  Anpassungsfähigkeit
aller  Preise  können  wir  uns  nur  vermöge  höchst  künstlicher  Hypothesen
denken.  Die  Reihenfolge  der  Preise  nach  der  Anpassungsfähigkeit  mit  der
geringsten  beginnend  kann  ungefähr  wie  folgt  angegeben  werden 1 ).
1.  Stipulierte  Preise  von  Eigentum  und  Dienstleistungen,  besonders  bei
langfristigen  Kontrakten;  hierzu  gehören:  Obligationen,  Hypothekenscheine, ­
  Nutznießung  von  Grundbesitz  durch  Verpachtung.
2.  Stipulierte  Preise  von  Eigentum  und  Dienstleistungen,  in  denen  es
sich  um  Abschlüsse  für  kürzere  Zeit  handelt;  in  diesen  sind  Wechsel,  Nutznießung ­
  von  gepachtetem  Grundbesitz  und  von  Waren,  Dienstleistungen
von  Arbeitern  usw.  inbegriffen.
i)  Vgl.  Jevons’s  vortreffliche  „Classification  of  Incomes  according  as  they  suffer  from
Deportation“,  Investigations  inCurreruiy  and  Finance,  London  (Macmillan),  1884,  Seite  80
und  weiter  unten.  Siehe  auch  The  Gold  Suppig  and  Prosperity,  herausgegeben  von  Byron
W.  Holt,  New  York  (The  Moody  Corporation),  1907,  besonders  den  auf  S.  193  beginnenden
Schluß  oder  Überblick  des  Herausgebers.

Reichtum

Eigentum

Nutz-  und
Dienstleistungen ­
        <pb n="168" />
        152

IX.  Kapitel.

3.  Preise  aus  Geldmetall  verfertigter  Waren.
4.  Preise  der  Ersatzmittel  für  genannte  Waren.
5.  Gesetzlich  geregelte  Preise,  wie  Gerichtsgebühren,  Postporti,  Wegeund
  Brückengelder,  Gebühren  für  den  Gebrauch  öffentlicher  Anstalten,
Gehälter  usw.
6.  Durch  Brauch  und  Sitte  festgesetzte  Preise,  wie  Honorare  von
Ärzten,  Lehrergehälter  usw.  und  bis  zu  einem  gewissen  Grade  Löhne.
7.  Bodenpreise.
8.  Preise  der  meisten  Waren  im  Kleinhandel.
9.  Preise  der  meisten  Waren  im  Großhandel.
10.  Effektenkurse
Nehmen  wir  zum  Beispiel  Obligationen  und  Hypotheken.  Um  die
Preise  dieser  Wertpapiere  vollkommen  anpassungsfähig  zu  gestalten,  müßten
wir  nicht  nur  annehmen,  daß  eine  Einschränkung  durch  Brauch  oder  Gesetz
nicht  vorhanden  sei,  sondern  auch,  daß  die  Kontrakte  mit  jedem  neuen
Preisniveau  wieder  vollkommen  erneuert  würden.  Wir  müßten  zum  Beispiel ­
  annehmen,  daß,  nachdem  sich  das  Preisniveau  um  das  Doppelte  erhöhte,
weil  sich  der  Umlaufsmittelbestand  verdoppelte,  aus  einer  Obligation  zu
1000  Dollar  eine  solche  zu  2000  Dollar  werden  würde.  Offenbar  ist  dies  nicht
der  Fall.  Außer  den  in  der  Zwischenzeit  fähigen  Zinsen  kann  der  Inhaber
dieser  Obligation  an  ihrem  Fälligkeitstage  nur  1000  Dohar  verlangen.  Er
erhält  nicht  mehr,  selbst  wenn  sich  auch  das  Preisniveau  mittlerweile  verdoppelt ­
  hat.  Es  ist  richtig,  daß  eine  Veränderung  im  Preisniveau  mit  der
Zeit  das  Volumen  neuer  Anleihen  verändert.  Bei  hohen  Preisen  muß  ein
Kaufmann,  der  ein  gegebenes  Warenlager  sich  verschaffen  will,  eine  größere
Summe  ausborgen  als  bei  niedrigen  Preisen.  Die  Beträge  von  Privatnoten
und  von  Wechseln  müssen  auf  das  Doppelte  der  Summen  lauten,  die  nötig
wären,  wenn  sich  das  Preisniveau  nicht  verdoppelt  hätte.  Ebenso  muß  eine
Gesellschaft,  die  Obligationen  für  neue  Projekte  ausgibt,  solche  in  größerem
Maßstabe  ausgeben.  Die  emittierten  Obligationen  hingegen  können  bei
Veränderungen  im  Preisniveau  nicht  in  dieser  Weise  angepaßt  werden.
Während  der  Zeit  ihrer  Emission  und  Fälligkeit  können  ihre  Preise  nur
geringfügig  variieren.  Die  Tatsache,  daß  der  Nominalwert  dieser  Obligationen ­
  in  Geld  ausgedrückt  ist,  setzt  ihrem  Preise  sehr  enge  Grenzen 1 ).  Wenn
infolge  einer  Verdoppelung  in  der  Quantität  des  Geldes,  der  in  Geld  be-1
 )  Siehe  den  Artikel  von  Walter  S.  Logan  über  die  „Duty  of  Gold“  in  The  Gold  Supply
and  Prosperity,  herausgegeben  von  Byron  W.  Holt,  New  York  (The  Moody  Corporation),
1907,  S.  106.  Siehe  auch  Bicardo,  „Essay  on  the  High  Price  of  Bullion“,  Works,  2.  Aufl.
London  (Murray),  1852,  S.  287.
        <pb n="169" />
        Die  Zerstreuung  der  Preise  macht  eine  Indexnummer  usw.

153

messene  Kapitalwert  und  Gewinn  einer  Eisenbahngesellschaft  auch  verdoppelt ­
  würde,  kann  der  Obligationsinhaber  deswegen  für  seine  Obligation
nicht  mehr  Geld  beanspruchen.  Der  Wert  der  Obligation  wird  von  der  Bilanz
und  vom  Gewinn  der  Eisenbahn  nicht  sonderlich  berührt,  solange  diese  ausreichen, ­
  um  den  Wert  der  Obligation  zu  verbürgen.  Die  Obligation  ist
ein  Übereinkommen,  bestimmte  Summen  zu  bestimmten  Zeiten  zu  zahlen.
Sie  repräsentiert  einen  beschränkten,  aus  dem  Eisenbahnertrag  abgeleiteten
Geldwert.  Die  einzige  Art  und  Weise,  in  der  der  Geldpreis  einer  Obligation
oder  einer  verkäuflichen  Schuld  überhaupt  variieren  kann,  wird  durch
Schwankungen  des  Zinsfußes  und  durch  Veränderungen  im  Grade  der
Zahlungsgewißheit  veranlaßt.  Nur  soweit  diese  Punkte  durch  die  Veränderungen ­
  des  Geldvolumens  berührt  werden,  wird  der  Wert  von  Obligationen ­
  beeinflußt.  So  haben  wir  gesehen,  daß  eine  Inflation  während  ihrer
Dauer  den  Zins  erhöht 1 ).  Sie  erniedrigt  daher  während  einer  Übergangsperiode ­
  den  Preis  der  Obligationen  1  2 ).  Wenn  ferner  gewaltige  Veränderungen
im  Preisniveau  die  Anzahl  der  Zahlungseinstellungen  vermehren  oder  vermindern, ­
  so  wirken  diese  hierdurch  auf  den  Grad  der  Zahlungsgewißheit
und  infolgedessen  auf  den  Wert  der  Obligationen  ein.  Doch  ist  eine  derartige ­
  Einwirkung  auf  die  Preise  solcher  in  Geld  ausgedrückter  Wertpapiere ­
  von  geringerer  Bedeutung,  als  die  gewöhnliche  Wirkung  einer  künstlichen ­
  Preissteigerung  oder  eines  Preissturzes  auf  die  jeweilige  Preislage  und
auch  ganz  verschiedenen  Charakters.
Die  Haupteigentümlichkeit  dieser  Eigentumsformen  hegt  demnach  in
der  Tatsache,  daß  sie  in  Geld  ausgedrückt  und  daher  gezwungen  sind,  sich
in  gewissen  besonderen  Beziehungen  zum  Gelde  zu  halten.  Da  sie  auf  Kontrakte ­
  gegründet  sind,  deren  Geldbedingungen  während  eines  gegebenen
Zeitraumes  nicht  verändert  werden  dürfen,  sind  sie  der  gleichen  Einwirkung
■wie  anderes  Eigentum  nicht  ausgesetzt.  Das  Vorhandensein  solcher  Kontrakte ­
  stellt  eines  der  Hauptargumente  für  ein  Umlaufsmittelsystem  dar,
bei  dem  die  Ungewißheiten  der  Kaufkraft  auf  ein  Minimum  reduziert  sind.
Eine  unbeständige  Geldwährung  wirkt  störend  aul  die  Kontrakte  ein  und
entmutigt  deren  Abschluß.
Je  länger  die  Zeitdauer  des  Kontraktes,  desto  größer  ist  die  Nichtanpassungsfähigkeit ­
  an  Preisänderung.  Eine  Obügation  auf  fünfzig  Jahre
bedeutet  gewöhnlich  verhältnismäßige  Preisbeständigkeit  für  ein  halbes
1 )  Siehe  oben  Kapitel  IV,  §  1.
2 )  Siehe  den  Artikel  von  Robert  Goodbody,  „More  Gold  means  Higher  Time“
Money  and  Lower  Bond  Prices“  in  The  Gold  Supply  and  Prosperity,  herausgegeben  von
byron  W.  Holt,  New  York  (The  Moody  Corporation)  1907,  S.  163  und  weiter  unten.
        <pb n="170" />
        Jahrhundert.  Erst  am  Schlüsse  dieser  Zeit  können,  wenn  eine  Preissteigerung ­
  eingetreten  ist,  zum  Einkauf  von  Gütern  de  novo  ausgegebene  Obligationen ­
  in  entsprechend  größerer  Anzahl  oder  zu  entsprechend  größerem
Nennwert  emittiert  werden.  Ein  Wechsel  auf  dreißig  Tage  hingegen,  der
sich  im  Preise  nicht  viel  verändern  kann,  wird  nach  Ablauf  eines  Monats
annulliert.  Die  relative  Preisbeständigkeit  ist  daher  von  kürzerer  Dauer.
Eine  spezielle  Klasse  von  Gütern,  deren  Preise  nicht  wie  andere  Preise
bedeutend  schwanken  können,  stellen  jene  besonderen  Waren  dar,  die  ganz
oder  zum  größten  Teil  aus  Geldmetall  bestehen.  Daher  variieren  die  Preise
für  das  in  der  Zahnheilkunde  benötigte  Gold,  für  goldene  Ringe  und  Ornamente, ­
  goldene  Taschenuhren,  goldgefaßte  Augengläser,  vergoldete  Bilderrahmen ­
  usw.  in  einem  Lande  mit  Goldwährung  nicht  in  gleichem  Maße
wie  die  anderen  Preise,  sondern  viel  weniger.  Je  mehr  der  Preis  des  Artikels
vom  Golde,  als  einem  seiner  Rohmaterialien,  abhängt,  desto  geringer  sind
die  Schwankungen.
Aus  der  Tatsache,  daß  aus  Gold  verfertigte  Artikel  auf  diese  Weise  im
Werte  mehr  oder  weniger  von  der  Goldwährung  abhängen,  folgt  ferner,  daß
die  Preise  der  Ersatzstoffe  solcher  Artikel  die  Tendenz  haben,  weniger  zu
variieren  als  die  Preise  im  allgemeinen.  In  diesen  Substituten  sind  silberne
Taschenuhren,  silberne  Ornamente  und  verschiedene  andere  Juwelierwaren
inbegriffen,  ohne  Rücksicht  darauf,  ob  sie  Gold  enthalten  oder  nicht.  Es
ist  ein  Grundprinzip  des  Verhältnisses  der  einzelnen  Preise  zueinander,  daß
sich  die  Preise  der  Substitute  gleichmäßig  mit  den  durch  sie  ersetzten  Waren
bewegen.  Im  Falle  vollkommenen  Ersatzes  müssen  die  Preise  stets  gleich
sein  oder  in  einem  festen  Verhältnisse  zueinander  stehen 1 ).
Die  übrigen  Posten  unserer  Aufstellung  bedürfen  keines  Kommentars.
Die  unvollkommene  Anpassungsfähigkeit  der  durch  das  Gesetz  und  den
Brauch  festgesetzten  Preise  und  die  vollkommene  Anpassungsfähigkeit  der
Großhandelpreise  von  Waren  und  die  von  Aktien  sind  jedermann  bekannt.
§2.
Die  Tatsache,  daß  Löhne,  Gehälter,  der  Preis  von  Gold  in  anderer  als
in  Geldform  usw.  und  besonders  die  Preise  von  Obligationen  und  anderen
Wertpapieren  gleichen  Wesens  sich  nicht  im  Verhältnis  zu  den  Schwankungen
des  Geldbestandes  verändern  können,  bedeutet  also,  daß  sich  die  Preise
D  Siehe  Irving  Fisher,  „Mathematical  Investigations  in  fhe  Theory  of  Value  and
PricesTransactions  of  the  Connecticut  Academy  of  Arts  and  Sciences,  1892,  S.  66  und
weiter.
        <pb n="171" />
        Die  Zerstreuung  der  Preise  macht  eine  Indexnummer  usw.

155

anderer  Dinge  wie  Waren  im  allgemeinen  und  Aktien,  viel  mehr  als
dem  Verhältnis  entsprechen  würde,  verändern  müssen.  Diese  Überempfindlichkeit ­
  gegen  die  Einwirkung  des  Umlaufsmittelbestandes  (oder
der  Umlaufsgeschwindigkeit  oder  aber  des  Geschäftsvolumens)  besteht  besonders ­
  für  Aktien.  Würde  der  Geldwert  einer  Eisenbahn  verdoppelt,  so
hätte  dies,  da  der  Geldwert  der  Obligationen  nicht  merklich  steigen  könnte,
zur  Folge,  daß  der  Geldwert  der  Aktie  sich  mehr  als  zu  verdoppeln  hat.
Aktien  sind  Anteile  an  greifbarem  Reichtum,  dessen  Wert  in  Geld  Schwankungen ­
  unterworfen  ist.  Da  der  Geldpreis  von  Obligationen  verhältnismäßig ­
  unelastisch  ist,  so  schwankt  der  der  Aktien  mehr  als  der  Preis  dieses
Reichtums  im  ganzen  genommen.  Der  Grund  ist  darin  zu  suchen,  daß  diese
Wertpapiere  nicht  nur  die  allgemeine  Bewegung  verspüren,  die  von  allen
anpassungsfähigen  Elementen  empfunden  wird,  sondern  daß  sie  auch  noch
einer  speziellen  Anpassung  unterworfen  sind,  um  die  starre  Nichtanpassungsfähigkeit ­
  der  mit  ihnen  verbundenen  Obligationen  auszugleichen.
Um  dies  zu  illustrieren,  wollen  wir  die  rechte  Seite  der  Verkehrsgleichung ­
  als  aus  folgenden  Elementen  bestehend  annehmen:
Verschiedene  anpassungsfähige  Elemente,  z.  B.  Waren,  im  Werte  von  $  95,000,000
Fünftausend  Aktienscheine  zu  $  1000  per  Aktie  im  Gesamtwert  von  $  5,000,000
Fünftausend  Obligationen  zu  $  1000  per  Stück,  denen  derselbe  Reichtum
zugrunde  liegt,  im  Werte  von  insgesamt  $  5,000,000
Verschiedene  nichtanpassungsfähige  Elemente,  wie  etwa  andere  Obligationen,
Noten,  Staatsgehälter,  staatliche  Abgaben,  Gold  für  die  Zahnärzte
usw.  im  Werte  von  insgesamt  $  20,000,000
$  125,000,000
Nehmen  wir  an,  daß,  ohne  irgendwelche  Veränderung  in  den  Geschwindigkeiten ­
  des  Geldumlaufes  oder  im  Geschäftsvolumen,  eine  Zunahme  von
40%  im  Bestände  der  Umlaufsmittel  eintritt.  Der  Gesamtwert  der  ausgetauschten ­
  Güter  muß  sich  dann  von  $  125,000,000  aüf  $  175,000,000  erhöhen.
Setzen  wir  nun  den  Fall,  daß  die  beiden  letzten  Posten  absolut  anpassungsunfähig ­
  sind;  alsdann  kann  kein  Bruchteil  der  Erhöhung  um  $  50,000,000
durch  eine  Veränderung  in  diesen  Posten  erfolgen,  die  Summen  bleiben
nach  wie  vor  $  5,000,000  und  $  20,000,000  oder  zusammengenommen
$  25,000,000.  Infolgedessen  müssen  die  ersten  beiden  Posten  um  das  Ganze
der  $  50,000,000  steigen,  und  zwar  von  $  100,000,000  auf  $  150,000,000  oder
um  50%.  Um  diese  Erhöhung  von  $  50,000,000  auf  die  ersten  beiden,  also
auf  die  anpassungsfähigen  Posten  zu  verteilen,  wollen  wir  weiter  annehmen,
daß  die  gesamten  $  10,000,000,  die  den  Wert  des  tatsächlichen  Reichtums
repräsentieren,  der  zur  einen  Hälfte  aus  Aktien  und  zur  anderen  Hälfte  aus
        <pb n="172" />
        156

IX.  Kapitel.

Obligationen  besteht,  in  demselben  Verhältnis  steigen  wie  die  $  95,000,000,
die  den  Wert  der  anpassungsfähigen  Elemente  darstellen.  Offenbar  steigt
nun  das  Ganze  (alle  drei  Posten  umfassend)  von  $  105,000,000  auf
$  155,000,000,  was  eine  Zunahme  von  47,6%  ergibt.  Dies  ist  demnach  der
gemeinschaftliche  Prozentsatz,  der  sich  unserer  Annahme  gemäß  gleichmäßig ­
  auf  den  ersten  Posten  und  die  Kombination  des  zweiten  und  dritten
Postens  bezieht.  Hinsichtlich  des  ersteren  ergibt  dies  eine  Zunahme  von
$  95,000,000  auf  $  140,200,000  und  mit  bezug  auf  den  letzteren  eine  solche
von  $  10,000,000  auf  $  14,800,000.  Da  aber  die  Hälfte  des  Eigentums  aus
Obligationen  besteht,  die  sich  nicht  erhöhen  können,  so  muß  die  ganze  Erhöhung ­
  und  zwar  die  Summe  von  4,800,000  den  Aktien  allein  zukommen.
Diese  steigen  infolgedessen  von  $  5,000,000  auf  $  9,800,000,  was  eine  Erhöhung ­
  von  96%  bedeutet.  Die  vier  Posten  verändern  sich  sodann  folgendermaßen: ­

Der  erste  Posten  steigt  im  Werte  von  $  95,000,000  auf  $  140,200,000  oder  um  47,6  %.
Der  zweite  Posten  von  $  5,000,000  auf  $  9,800,000  oder  um  96%.
Der  dritte  und  vierte  Posten  weisen  keinerlei  Veränderung  auf.
Alle  zusammen  steigen  von  $  125,000,000  auf  $  175,000,000  oder  um  40%.
Neben  der  Dispersion  der  Preisveränderungen,  die  durch  die  Tatsache
hervorgerufen  werden,  daß  manche  Preise  bereitwilliger  als  andere  auf  die
Veränderungen  der  die  Preisniveaus  bestimmenden  Faktoren  G,  G',  U,  U'
und  in  den  Q  reagieren,  wird  eine  weitere  Zerstreuung  der  Preise  durch
die  Tatsache  bewirkt,  daß  die  speziellen  Kräfte  von  Angebot  und  Nachfrage ­
  bei  jedem  einzelnen  Preise  in  Tätigkeit  sind  und  Schwankungen  in
ihrem  Verhältnis  zueinander  verursachen.  Obwohl  diese  Kräfte,  wie  wir
früher  nachdrücklich  hervorgehoben  haben,  nicht  notwendigerweise  auf
das  allgemeine  Preisniveau  ein  wirken,  so  beeinflussen  sie  doch  die  Anzahl ­
  und  die  Ausdehnung  individueller  Abweichungen  über  und  unter
diesem  allgemeinen  Niveau.  Jeder  individuelle  Preis  hat  seine  eigene
Schwankung.
Unter  den  speziellen  Faktoren,  die  sich  durch  Angebot  und  Nachfrage
geltend  machen,  sind  Veränderungen  im  Zinsfuß  besonders  zu  erwähnen.
Eine  Schwankung  des  Zinsfußes,  gleichviel  ob  sie  Geldveränderungen  zuzuschreiben
  ist  oder  nicht,  wird  dazu  führen,  die  Preise  der  verschiedenen
Artikel  in  verschiedenen  Richtungen  oder  in  verschiedenem  Grade  zu  variieren. ­
  Der  Preis  aller  Güter,  deren  Nutzung  in  ferner  Zukunft  bevorsteht,
hängt  vom  Zinsfuß  ab.  Als  maßgebendes  Beispiel  sind  Obligationen  und
andere  Wertpapiere  anzuführen.  Ein  anderes  gutes  Beispiel  bilden  Grund
und  Boden.  In  dem  Falle,  wo  es  sich  um  landwirtschaftliche  Grundstücke
        <pb n="173" />
        Die  Zerstreuung  der  Preise  macht  eine  Indexnummer  usw.

157

handelt,  die  einen  stetigen  Pachtzins  abwerfen,  verursacht  eine  Herabsetzung
des  Zinsfußes  eine  Wertzunahme  im  umgekehrten  Verhältnis.  Wenn  der
Zins  von  5%  auf  4%  fällt,  so  erhöht  sich  der  Wert  im  Verhältnis  4  zu  5.
Wenn  die  Nutzungen  oder  Dienstleistungen  sich  nicht  gleichmäßig  auf  jedes
Jahr  verteilen,  sondern  auf  ferne  Zeiten  aufgespart  werden,  so  kann  der
Preis  gegen  eine  Veränderung  im  Zinsfuß  noch  immer  empfindlich  sein.  Im
Falle  von  Ländereien,  die  zur  Forstkultur  verwandt  werden,  und  deren  Bestände ­
  in  einem  halben  Jahrhundert  gefällt  werden  sollen,  ist  der  Wert  äußerst
empfindlich.  Ein  Fallen  im  Zinsfuß  von  5%  auf  4%  verursacht  ein  Steigen
im  Werte  der  Ländereien  nicht  im  Verhältnisse  von  4  zu  5,  sondern  beinahe
von  4  zu  7  1 ).  Bergwerksgrundstücke  oder  Steinbrüche  hingegen  mit  nur
beschränkter  Lebensdauer  sind  weniger  empfindlich.  Dasselbe  gilt  auch
von  Wohnungsstätten,  Maschinerie,  Inventarstücken  und  anderen  haltbaren ­
  oder  nicht  unzerstörbaren  Gegenständen  und  so  weiter  die  Stufenleiter ­
  hinab,  bis  wir  auf  leicht  verderbliche  und  vergängliche  Waren  kommen,
wie  z.  B.  Nahrungsmittel  und  Kleidungsstücke,  die  von  den  Veränderungen
im  Zinsfuß  nur  indirekt  beeinflußt  werden.
Es  ist  also  klar,  daß  sich  die  Preise  stetig  im  Verhältnis  zueinander  verändern ­
  müssen,  was  auch  immer  mit  ihrem  allgemeinen  Niveau  geschieht.
Es  ist  ebenso  nutzlos,  auf  eine  gleichförmige  Preisbewegung  zu  rechnen,  wie
eine  gleichförmige  Bewegung  aller  Bienen  in  einem  Schwarm  zu  erwarten.
Und  ebenso  vergeblich  ist  es,  die  Existenz  einer  allgemeinen  Preisbewegung
zu  verleugnen,  weil  sich  die  Einzelpreise  nicht  in  gleicher  Weise  bewegen,
wie  die  allgemeine  Bewegung  eines  Bienenschwarms  zu  verleugnen,  weil
die  einzelnen  Bienen  verschiedene  Bewegungen  haben.
§3.
Den  Veränderungen  in  einem  einzelnen  Preis  entsprechend,  gibt  es
Veränderungen  in  der  Quantität  der  gegebenen  Ware,  die  zu  diesem  Preise
ausgetauscht  wird.  Mit  anderen  Worten:  Sobald  sich  ein  p  verändert,
verändert  sich  das  mit  ihm  in  Verbindung  stehende  Q  ebenfalls,  und  zwar
deshalb,  weil  gewöhnlich  jeder  auf  den  Preis  einer  Ware  ausgeübte  Einfluß
auch  ihre  Konsumtion  berührt.  Veränderungen  in  Angebot  oder  Nachfrage ­
  oder  in  beiden  bewirken  Veränderungen  in  der  ausgetauschten  Quantität. ­
  Noch  anders  ausgedrückt:  Der  Schnittpunkt  der  Angebot-  und
!)  Aus  Zahlen,  die  den  Waldertrag  von  Weimutskiefern  in  New  Hampshire  darstellen,
New  Hampshire  Forestry  Commission  Report,  1906—1906,  S.  246.  Siehe  F.  R.  Fairchild,
nTamtion  oj  Timberland“,  Report  of  the  National  Conservation  Commission,  60.  Kongreß,
2.  Session,  Senatsdokument  676,  Bd.  II,  S.  624.
        <pb n="174" />
        158  IX.  Kapitel.

Nachfragekurve  kann  sich  ebensowohl  in  wagrechter  wie  in  senkrechter
Richtung  bewegen.
Durch  diese  Änderung  der  Q  tritt  eine  neue  Verwicklung  ein.  In
mehreren  unserer  vorhergehenden  Erörterungen  haben  wir,  was  theoretisch
zulässig  ist,  angenommen,  daß,  während  wir  die  Veränderungen  in  den  p
untersuchen,  die  durch  Veränderungen  des  Bestandes  der  Umlaufsmittel
oder  der  Umlaufsgeschwindigkeiten  veranlaßt  wurden,  alle  Q  unverändert
blieben.  Praktisch  bietet  sich  aber  zu  einem  solchen  Studium  niemals  eine
Gelegenheit.  Andererseits  nahmen  wir,  um  die  Wirkung  einer  Veränderung
im  „Geschäftsvolumen“  auf  das  Preisniveau  auseinanderzusetzen,  einen
Fall  an,  in  dem  sich  alle  Q  gleichmäßig  veränderten.  Eine  solche  Hypothese
kann  aber  nicht  nur  in  der  Praxis  unmöglich  ausgeführt  werden,  sondern
sie  ist  auch  in  der  Theorie  schwer  denkbar  aus  dem  Grunde,  weil,  wie  wir
soeben  gesehen  haben,  jedes  Q  einem  p  entspricht.  Wenn  wir  die  Wirkung
einer  Veränderung  im  Geschäftsvolumen  auf  das  Preisniveau  darlegen,
können  wir  nicht  annehmen,  daß  sich  alle  Q  gleichmäßig  nach  der  einen  und
alle  p  gleichmäßig  nach  der  anderen  Richtung  verändern.  Wenn  sich  die
erste  Gruppe  gleichmäßig  verändert,  so  kann  sich  die  zweite  nicht  gleichmäßig ­
  verändern.  Eine  Verdoppelung  in  den  Quantitäten  aller  verkauften
Waren  oder  (was  beinahe  dasselbe  ist)  eine  Verdoppelung  der  konsumierten
Quantitäten  würde  deren  relativen  subjektiven  Nutzwert  und  daher  ihre
bezüglichen  Preise  verändern.  Die  Verdoppelung  einer  Quantität  Salz
könnte  dessen  subjektiven  Grenznutzen  auf  Null  herabdrücken,  während
eine  Verdoppelung  der  Quantität  von  Rosen  deren  subjektiven  Grenznutzen
überhaupt  kaum  erniedrigen  könnte  1 ).
Wir  sehen  also,  daß  es  beinahe  zwecklos  ist,  von  gleichmäßigen  Veränderungen ­
  in  den  Preisen  (p)  oder  von  gleichmäßigen  Veränderungen  in  den
ausgetauschten  Quantitäten  (Q)  zu  sprechen.  Anstatt  solche  Veränderungen
aufzustellen,  müssen  wir  nun  zu  dem  Problem  schreiten,  eine  geeignete
Methode  zu  finden,  diese  beiden  Gruppen  von  Veränderungen  zu  erforschen.
Wir  müssen  zwei  Größen  formulieren:  das  Preisniveau  und  das  Handelsvolumen. ­
  Dieses  Problem  ist  äußerst  schwierig,  weil  wir  in  der  Bemessung
von  Veränderungen  im  Preisniveau  auf  die  eine  oder  andere  Weise  die  Quantitäten ­
  (die  Q)  als  Gewichte  in  unserem  Verfahren  der  Durchschnittsbildung
zu  benützen  haben  werden.  Wir  finden  nun,  daß  nicht  nur  die  Preise,  deren
Durchschnitt  wir  suchen,  ungemein  veränderlich  sind,  sondern  auch,  daß
die  Gewichte,  durch  die  wir  den  Durchschnitt  zu  konstruieren  versuchen,
ebenfalls  veränderlich  sind.

l )  Vgl.  Jevons,  Theory  of  Political  Economy,  London  (Macmillan),  1888,  S.  155—156.
        <pb n="175" />
        Die  Zerstreuung  der  Preise  macht  eine  Indexnummer  usw.

159

Es  ist  daher  erforderlich,  in  der  Verkehrsgleichung  die  rechte  Seite
2p  Q  in  die  Form  PH  umzuwandeln,  in  welcher  H  das  Handelsvolumen
bemißt  und  P  eine  „Indexnummer“  ist,  die  das  Preisniveau  ausdrückt,
auf  dem  dieser  Handel  durchgeführt  wird.  Diese  Größen  —  Preisniveau
(P)  und  Handelsvolumen  (H)  —  bedürfen  nur  einer  genaueren  Formulierung
und  ganz  besonders  ist  es  P,  das  von  nun  an  der  Brennpunkt  unserer  Untersuchung ­
  wird.
Wie  wir  im  nächsten  Kapitel  erklären  werden,  gibt  es  eine  große  Anzahl
Mittel  und  Wege,  Indexnummern  der  Preise  und  des  Handelsvolumens  auszudenken ­
  und  zu  formulieren.  Wir  erwähnen  hier  nur  die  einfachste.  Man
stelle  sich  H  als  die  Summe  aller  Q  und  P  als  den  Durchschnitt  aller  p  vor.
Diese  Methode  ist  praktisch  anwendbar  nur  unter  der  Voraussetzung,  daß
passende  Maßeinheiten  gewählt  werden.  Man  bedenke,  daß  die  verschiedenen ­
  Q  in  verschiedenen  Einheiten  bemessen  werden.  Der  Verkauf  von
Kohle  geschieht  per  Tonne,  Zucker  per  Pfund,  Weizen  per  Scheffel  usw.
Wenn  wir  nun  diese  Tonnen,  Pfunde,  Scheffel  usw.  zusammenaddieren
und  diese  Gesamtsumme  soundso  viele  „Einheiten“  von  Waren  nennen,
so  erhalten  wir  eine  sehr  willkürliche  Summierung.  Es  ist  zum  Beispiel  ein
großer  Unterschied,  ob  wir  die  Kohle  per  Tonne  oder  per  Zentner  bemessen.
Das  System  wird  weniger  willkürlich,  wenn  wir  als  Einheit  zur  Bemessung
von  irgendwelchen  Gütern  nicht  die  Einheit  benützen,  in  der  sie  gewöhnlich
verkauft  werden,  sondern  den  Betrag,  der  einen  „Dollarwert“  in  einem  bestimmten ­
  Jahre,  das  wir  das  Basisjahr  nennen  wollen,  darstellt.  Im  Basisjahre ­
  ist  dann  jeder  Preis  ein  Dollar,  und  der  Durchschnitt  aller  Preise  in
diesem  Jahre  ist  daher  auch  ein  Dollar.  Für  jedes  andere  Jahr  ist  der
Durchschnittspreis  (d.  h.  der  Durchschnitt  der  Preise  der  neugewählten  Einheiten, ­
  die  im  Basisjahr  einen  Dollar  wert  waren)  die  das  Preisniveau  darstellende ­
  Indexnummer,  während  die  Anzahl  solcher  Einheiten  das  Handelsvolumen ­
  vorstellt.
Die  Verkehrsgleichung  nimmt  nun  die  Form
GU  +  G'lV  =  PH
an,  und  ihr  rechtes  Glied  ist  das  Produkt  der  Indexnummer  (P)  der  Preise,
multipliziert  mit  dem  Handelsvolumen  (H).
§4.
Wir  haben  in  diesem  Kapitel  gesehen,  daß  die  Preise  sich  nicht  in  vollkommenem ­
  Einklang  bewegen  und  tatsächlich  nicht  bewegen  können.  Der
Gründe  für  diese  Dispersion  ihrer  Bewegungen  gibt  es  in  der  Haupt ­
        <pb n="176" />
        160

X.  Kapitel.

sache  drei:  1.  Viele  Preise  werden  durch  vorhergehenden  Kontrakt,  durch
gesetzliche  Bestimmung  oder  durch  den  Brauch  in  ihrer  Bewegung  gehemmt.
2.  Einige  Preise  stehen  zum  Geldmetalle  in  enger  Beziehung.  3.  Jeder
einzelne  Preis  ist  unter  der  Einwirkung  von  dessen  besonderem  Angebot
und  Nachfrage  speziellen  Schwankungen  unterworfen.  In  den  Preisbewegungen ­
  existiert  indessen  ein  Ausgleich  in  dem  Sinne,  daß  das  Versagen
einer  Gruppe  von  Preisen,  sich  jeglicher  Einwirkung  auf  das  Preisniveau  anzupassen, ­
  eine  entsprechend  größere  Veränderung  in  anderen  Preisen  notwendig ­
  macht.
Die  verkauften  Quantitäten  variieren  in  gleicher  Weise,  und  deren
Variationen  sind  mit  denen  der  Preise  fest  verknüpft.
Um  die  allgemeine  Preisbewegung  in  einer  einzigen  Zahl  auszudrücken,
wird  eine  Indexnummer  (P)  konstruiert,  und  um  die  allgemeine  Handelsbewegung ­
  in  einer  einzigen  Zahl  auszudrücken,  wird  eine  Indexnummer
des  Handels  (H)  konstruiert.  Die  Natur  dieser  Indexnummem  bildet  den
Gegenstand  des  nächsten  Kapitels.

X.  Kapitel.
Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.
§i.
Im  vorigen  Kapitel  wurde  die  Notwendigkeit  der  Indexnummem  (P)
erklärt  und  auf  eine  besondere  Form  von  Indexnummer  hingewiesen.  Diese
besondere  Form  erfüllt,  wie  im  II.  Kapitel  und  dessen  Anhang  gezeigt
worden  war,  gewisse  Bedingungen  (der  Verhältnismäßigkeit  des  Preisniveaus ­
  zur  Geldquantität  usw.),  die  die  Verkehrsgleichung  GTJ  +  G'TJ'  =  PU
stellt.  Im  vorliegenden  Kapitel  wird  diese  Indexnummer  mit  anderen  verglichen ­
  und  der  allgemeine  Zweck  der  Indexnummem  erörtert,  wobei  auch
solche  Zwecke  inbegriffen  sind,  die  zur  Verkehrsgleichung  nur  wenig  direkte
Beziehung  haben.
Die  Vergleichung  der  Indexnummern  kann  geschehen:  1.  hinsichtlich
ihrer  Form,  eines  Begriffes,  unter  den  die  Methoden  des  Wägens  und  die
Bestimmung  der  „Basispreise  fallen;  2.  mit  Hinsicht  auf  die  Auswahl  der
einzuschließenden  Elemente.  In  diesem  Abschnitte  soll  die  Formfrage  in
Erörterung  gezogen  werden.
        <pb n="177" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

161

Es  gibt  eine  unendlich  große  Anzahl  möglicher  Formen  von  Indexnummern. ­
  In  bezug  auf  Kompliziertheit,  Leichtigkeit  der  Berechnung  und
Übereinstimmung  mit  anderen  Symptomen  sind  diese  Indexnummem  ungemein
  verschieden.  Es  sollen  hier  einige  der  einfachsten  Formen  angeführt ­
  werden.  Ihre  für  viele  Fälle  nur  dogmatische  Erörterung  kann
nur  in  aller  Kürze  geschehen.  Ausführliche  Beweise  und  Erörterungen  sind
im  mathematischen  Anhang  enthalten 1 ).
Wenn  der  Durchschnittspreis  eines  Pfundes  Zucker  im  Jahre  1900
6  Cent  und  im  Jahre  1910  8  Cent  betrug,  so  muß  das  Verhältnis  des  Preises
von  1910  zu  dem  von  1900  %  oder  133y 3  %  gewesen  sein.  Wenn  sich  der
Durchschnittspreis  der  Kohle  per  Tonne  in  derselben  Zeitperiode  von  8  4
zu  $  6  verändert  hat,  so  war  das  entsprechende  Verhältnis  für  Kohle  6  * / 4  oder
150  %.  Wenn  hingegen  der  Preis  einer  gegebenen  Qualität  von  Tuch  von
10  Cent  auf  8  Cent  per  Yard  gefallen  ist,  so  muß  das  Verhältnis  für  das
Tuch  8 /i 0  oder  80  %  gewesen  sein.  P  ist  der  Durchschnitt  sämtlicher  drei
Preisverhältnisse  und  zwar  ein  Durchschnitt  von  133%  %,  150  %,  80%
usw.  Spezifiziert  wäre  der  einfache  arithmetische  Durchschnitt  dieser  drei
Verhältnisse  1337,&amp;gt;  +150°;,  +  80%  oder
6
Der  einfache  geometrische  Durchschnitt  wäre  dann  f  13378  x  150  x  80
oder  117  %.
Dies  sind  Beispiele  einfacher  oder  ungewogener  Durchschnitte.  Da
jedoch  gewogene  Durchschnitte  in  der  Theorie  viele  und  in  der  Praxis  einige
Vorteile  haben,  so  wollen  wir  sie  in  reifliche  Erwägung  ziehen.
Es  gibt  zahlreiche  Methoden  des  Wägens  *  2  *  *  * )  und  der  Durchschnitts  -
bildung.  Vom  theoretischen  Standpunkte  ist  keine  davon  vollkommen
zufriedenstellend.  Wir  müssen  die  auswählen,  die  vom  praktischen  Standpunkte ­
  am  zweckmäßigsten  erscheint.  Die  Wirkung  einer  Veränderung
des  Bestandes  der  Umlaufsmittel  oder  der  Zirkulationsgeschwindigkeit  auf
sämtliche  Preisreihen  ist  kompliziert  und  kann  selbst  in  der  Theorie  ebensowenig ­
  in  eine  Zahl,  die  alle  Preisveränderungen  darstellt,  zusammengefaßt
*)  Siehe  den  Anhang  zu  diesem  (X.)  Kapitel,  §§  1—8,  wo  44  Typen  von  Indexnummem ­
  verglichen  werden.
2 )  Eine  Prüfung  der  verschiedenen  Vorschläge  in  bezug  auf  Art  und  Weise  gibt
Walsh,  The  Measurement  of  General  Exchange  Value,  New  York  und  London  (Macmillan)
1901;  Edgeworth,  „Report  on  Best  Methods  of  Ascertaining  and  Measuring  Variations  in
Ihe  Value  of  the  Monetary  Standard“;  Report  of  the  British  Association  for  the  Advancemeni
of  Science  for  1887,  S.  247—301;  dgl.  für  1888,  S.  181—209;  dgl.  für  1889,  S.  133—164.
Nitti,  La  misura  delle  variazioni  di  valore  della  moneta,  624  S.;  ebenso  den  Anhang  zu
(diesem)  Kapitel  X.
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.

11
        <pb n="178" />
        162

X.  Kapitel.

werden,  wie  eine  Linse  konstruiert  werden  kann,  die  alle  Lichtstrahlen,  die
sie  von  einem  gegebenen  Punkte  erreichen,  in  einem  Brennpunkte  vereinigt.
Obgleich  wir  aber  in  der  Wissenschaft  der  Optik  erfahren,  daß  eine  vollkommene ­
  Linse  theoretisch  unmöglich  ist,  so  können  Linsen  nichtsdestoweniger ­
  für  praktische  Zwecke  beinahe  so  vollkommen  hergestellt  werden,
daß  es  der  Mühe  wert  ist,  sie  zu  studieren  und  zu  konstruieren.  Während
es  nun  also  theoretisch  unmöglich  ist,  eine  Indexnummer  P  zu  finden,  die
allen  Anforderungen  Genüge  leistet 1 ),  so  ist  es  dennoch  möglich,  Indexnummern ­
  zu  konstruieren,  die  für  praktische  Zwecke  so  wertvolle  Ergebnisse ­
  liefern,  daß  es  von  großem  Vorteil  ist,  dem  Studium  und  der  Konstruktion ­
  von  Indexnummern  volle  Aufmerksamkeit  zu  widmen.
Die  im  IX.  Kapitel  erwähnte  Indexnummer  kann  in  folgender  Weise
aufgebaut  werden:  Nehmen  wir  an,  daß  das  Jahr  1910  die  unserer  Verkehrsgleichung ­
  GU  +  G'U'  =  2p  Q  =  PH  zugrunde  zu  legende  Zeitperiode ­
  ist.  Wir  wählen  nun  ein  anderes  Jahr  (sagen  wir  1900)  und  nennen
es  das  „Basis“-  Jahr.  Darunter  ist  zu  verstehen,  daß  die  Preise  von  1910
als  ein  Prozentsatz  der  Preise  der  Verkehrsgleichung  für  1900  auszudrücken ­
  sind.
Ferner  suchen  wir  nach  einem  Ausdruck  für  den  Handel  (oder  H).
Wie  im  Anhang  zu  diesem  Kapitel  erklärt  wurde,  umfaßt  jede  Form  einer
Indexnummer  für  Preise,  P,  eine  korrelate  Indexform  für  den  Handel,
E,  und  umgekehrt.  Der  Bequemlichkeit  halber  wählen  wir  H  zuerst.  Wir
bemerken,  daß  der  Handel  (oder  E)  nicht  der  Wert  von  Transaktionen  ist,
der  zu  den  wirklichen  Preisen  des  Jahres  1910  bemessen  wird,  denn  dieser
Wert  ist  PE  oder  2p  Q,  das  heißt,  er  ist  die  ganze  rechte  Seite  der  Gleichung.
Der  Handel  (E)  selbst  muß  vom  Preisniveau  (P)  getrennt  werden;  man
denke  sich  ihn  als  den  Wert,  den  die  gesamten  Transaktionen  gehabt  hätten,
wenn  die  tatsächlich  verkauften  Quantitäten  zu  den  Basispreisen  verkauft
worden  wären.  Er  ist  also  die  Summe  einer  Anzahl  von  Ausdrücken,  von
denen  jeder  Ausdruck  das  Produkt  aus  der  Quantität  oder  Q,  berechnet  für
das  Jahr  1910  und  dem  Preise  oder  p  ist,  der  dem  Basisjahre  1900  zukommt.
Algebraisch  ist  es  p 0 Q  +  p' 0 Q'  +  p" 0 Q"  +  usw.,  oder  kürzer  2p 0 Q,  womit ­
  die  Preise  vom  Jahre  1910  einfach  als  p,  p',  v"  usw -  un d  die  des  Basisjahres ­
  1900  als  Po,  p'o,  p"o  usw.  ausgedrückt  sind.
Q  Vgl.  Mill,  Political  Economy,  III.  Buch,  Kap.  XV;  Sidgwick,  Principles  of  Political
Economy,  I.  Buch,  Kap.  11;  „Report  oj  Committee  onValue  of  Monetary  Standard“,  Report  of
the  British  Association  for  ihe  Advancement  of  Science,  1887;  Wcsley  C.  Mitchell,  Gold,  Prices,
and  Wages  under  the  Greenback  Standard,  Berkeley,  1908  (University  of  California  Press),
S.  19;  und  den  Anhang  zu  diesem  (X.)  Kapitel.
        <pb n="179" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

163

Nachdem  wir  diesen  idealen  Wert  (H)  definiert  haben,  kommen  wir
nun  zur  Bestimmung  von  P  als  dem  Verhältnis  des  wirklichen  Wertes  der
Transaktionen  des  Jahres  1910  (2pQ)  zu  diesem  idealen  Werte  (^p 0 Q)-Vollständiger
  ausgedrückt  ist  P  das  Verhältnis  des  wirklichen  Wertes  (des
Wertes  des  Handels  des  Jahres  1910  zu  den  Preisen  des  Jahres  1910)  zu  dem
idealen  Werte  (dem  Wert  des  Handels  des  Jahres  1910  zu  den  Preisen  des
Jahres  1900).  In  Wirklichkeit  ist  dieses  Verhältnis  ein  gewogener  arithmetischer ­
  Durchschnitt  der  Preisverhältnisse  1 ).  Diese  Methode  ist  begrifflich ­
  sowie  in  der  mathematischen  Ausdrucksweise  sehr  einfach 2 )  und
scheint,  wenigstens  theoretisch,  die  beste  Form  von  P  oder  der  Indexnummer ­
  der  Preise  zu  liefern.  Die  soeben  beschriebene  besondere  F  orm  von
P  (nämlich  2pQ-^2p 0 Q)  entspricht  somit  der  besonderen  Form  des  H
(nämlich  ^PoQ)  und  ist  von  derselben  abhängig.  H  kann  eine  Hundels-Indexnummer
  genannt  werden  und  wir  können  die  besondere  Form  von  H
(nämlich  2p 0 Q)  als  die  beste  Indexform  oder  als  das  Handelsbarometer
betrachten.
Eine  andere  Methode  zur  Veranschaulichung  derselben  Form  einer
Preis-Indexnummer  ist  die  am  Schlüsse  des  vorigen  Kapitels  angeführte
und  zwar  wie  folgt!  "Wir  stellen  uns  vor,  daß  alle  Güterarten  in  einer  neuen
physikalischen  Einheit  zu  bemessen  sind  —  nämlich  dem  Quantum,  welches
im  Basisjahre  (1900)  einen  Dollar  wert  war  —  und  benützen  diese  Einheit
für  jedes  andere  Jahr  (z.  B.  1910).  Als  Einheit  für  Zucker  nehmen  wir
anstelle  des  Pfundes  irgendein  Zucker-Quantum,  das  im  Jahre  1900  den
-Wert  eines  Dollars  hatte.  Im  Basisjahre  1900  betrug  der  Preis  des  Zuckers
daher  $  1,  der  natürlich  der  Preis  aller  anderen  Dinge  war.  Wenn  nun  in
einem  anderen  Jahre  (z.  B.  1910)  der  Preis  des  Zuckers  in  den  Ausdrücken
der  neuen  Einheit  (der  Menge  nämlich,  die  im  Jahre  1900  den  Wert
eines  Dollars  hatte),  $  1,25  ist,  so  ersehen  wir,  daß  der  Preis  um  25  %
gestiegen  ist.  Auf  diese  Weise  kann  P  einfach  als  ein  Durchschnitts-Preis
statt  als  eine  Durchschnitts-PmsreMcm  (price  ratio)  und  11  als  die  Gesamtanzahl ­
  der  neuen  Einheiten  der  verkauften  Güter  aller  Art  definiert  werden.
Die  rechte  Seite  der  Gleichung  ist  nun  einfach  das  Produkt  der  Gesamt  -
anzahl  der  verkauften  Einheiten  multipliziert  mit  deren  Durchschnittspreis.
Die  beiden  gegebenen  Definitionen  von  P,  (nämlich  das  Verhältnis
der  wirklichen  zu  den  idealen  Werten  und  der  Durchschnittspreis  des
Jahres  1910  aller  Gütereinheiten,  berechnet  zum  Werte  der  Quanta,  die
1)  gi e he  den  Anhang  zu  (diesem)  Kapitel  X,  enthaltend  eine  Tabelle  und  die  Erörterung ­
  von  44  Mustertypen  von  Indexnummern.
2 )  Es  ist  Formel  11  der  großen  Tabelle  im  Anhang  zu  diesem  (X.)  Kapitel
11*
        <pb n="180" />
        164

X.  Kapitel.

einen  Dollar  wert  waren  im  Jahre  1900),  sind  gegenseitig  auswechselbar.
Ebenso  sind  beide  Definitionen  von  H  (ideale  Werte  der  im  Jahre  1910
stattgehabten  Transaktionen  zu  den  Preisen  des  Jahres  1900  und  Gesamt  -
anzahl  der  im  Jahre  1910  verkauften  Einheiten,  deren  jede  im  Jahre  1900
den  Wert  eines  Dollars  hatte)  gegenseitig  auswechselbar.  Zur  Definition
von  P  und  H  gibt  es,  ohne  deren  Bedeutung  zu  verändern,  noch  andere
Mittel  und  Wege.  „P  ist  daher  der  gewogene  arithmetische  Durchschnitt
der  Verhältnisse  der  Güterpreise  des  Jahres  1910  zu  denen  des  Jahres  1900,
wenn  diese  Verhältnisse  den  Werten  der  im  Jahre  1910  ausgetauschten
Güter  gemäß  gewogen  und  zu  den  Preisen  von  1900  berechnet  sind.“  Welche
dieser  Definitionen  wir  auch  immer  vorziehen  mögen,  das  System  der  Index  -
nummem  ist  dasselbe  und  hat  Vorteile  über  die  meisten  anderen  Systeme.
Vor  allem  setzt  es  uns  in  den  Stand,  ohne  Einschränkung  sagen  zu  können,
daß,  wenn  die  verkauften  Quantitäten  unverändert  bleiben,  sodaß  H  sich
nicht  verändert,  P  direkt  wie  die  linke  Seite  der  Verkehrsgleichung  variieren ­
  muß  x ).
Als  eine  der  besten  Preis-Indexnummern  wählen  wir  also  den  Durchschnittspreis ­
  der  verkauften  Güter,  den  wir  seinerseits  in  Einheiten,  die
einen  Dollar  im  Basisjahre  wert  waren,  bemessen.  Mit  anderen  Worten:
wir  wählen  das  Verhältnis  des  Wertes  der  Verkäufe  zu  den  tatsächlichen
Preisen  zum  Werte  derselben  Verkäufe,  wenn  sie  zu  Basispreisen  gemacht
worden  wären:  Noch  anders  ausgedrückt:  wir  wählen  den  gewogenen  arithmetischen ­
  Durchschnitt  aller  Preisverhältnisse,  von  denen  jedes  Verhältnis
den  verkauften  Werten  gemäß  gewogen  und  zu  Basispreisen  berechnet  ist.
Wir  haben  nun  noch  die  Auswahl  der  Basis  zu  erörtern.  Nicht  nur
absolut,  sondern  auch  relativ  bedeutet  es  für  obige  Indexnummern  einen
großen  Unterschied,  ob  zum  Beispiel  das  Basisjahr  1900  oder  1860  ist.
Mit  Ausnahme  der  Indexnummern  von  Jevons,  die  aus  geometrischen
Durchschnitten  bestehen,  gibt  es  wenige  Indexnummern,  die  nicht  etwas
darunter  gelitten  haben,  daß  ihre  Basis  von  den  Jahren,  für  die  die  Vergleiche ­
  am  nötigsten  sind,  fernliegt.  Wie  Marshall  behauptet  und  Flux
nachdrücklich  hervorgehoben  hat,  scheint  das  beste  Basisjahr  das  vorhergehende ­
  Jahr  zu  sein.
Anstatt  also  ein  festgesetztes  Basisjahr  zu  gebrauchen,  für  das  alle
Preise  100  %  genannt  werden  und  in  Bezeichnungen  zu  denen  alle  anderen
Preise  in  Prozentsätzen  ausgedrückt  sind,  kann  jedes  Jahr  als  Basis  für

*)  Siehe  den  Anhang  zum  II.  Kapitel  sowie  denjenigen  zu  diesem  (X.)  Kapitel  und
zwar  §§  5,  6  und  7.
        <pb n="181" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

165

das  folgende  Jahr  genommen  werden.  Auf  diese  Weise  erhalten  wir  eine
Kette  von  Indexnummern,  von  denen  jede  Nummer,  statt  mit  einem  gemeinsamen ­
  Basisjahre,  mit  dem  vorhergehenden  Jahre  in  Verbindung  steht.
Der  große  Vorteil  dieses  Kettensystems  besteht  darin,  daß  es  für  die
Fälle  den  besten  Vergleich  liefert,  in  denen  ein  Vergleich  am  nützlichsten
und  notwendigsten  ist.  Mit  großem  Interesse  sehen  wir  alljährlich  der  Indexnummer ­
  von  Sauerbeck  entgegen,  um  sie  mit  der  Nummer  des  vorhergehenden ­
  Jahres,  weniger  aber,  um  sie  mit  anderen  Jahren  zu  vergleichen.
Die  Nummer,  wie  sie  tatsächlich  konstruiert  wird,  ist  aber  etwas  ganz
anderes.  Sie  gibt  uns  als  beste  und  genaueste  Vergleichung  das  Verhältnis
zwischen  dem  laufenden  Jahre  und  den  Jahren  1867—1877.  Diese  Vergleichung ­
  ist  für  jedermann  nur  von  geringem  oder  gar  keinem  Interesse.
Was  diejenigen,  die  diese  Statistiken  benützen,  in  Wirklichkeit  tun,  ist,
zwei  Vergleiche  zu  vergleichen.  Es  wird  ein  Vergleich  der  Indexnummern
1909  und  1910  (jede  in  den  Ausdrücken  von  1867—1877  berechnet)  vorgenommen. ­
  Dagegen  würde  ein  direkter  Vergleich  zwischen  1909  und  1910
ein  ganz  anderes  und  wertvolleres  Resultat  ergeben.  Eine  gemeinsame  Basis
zu  benützen,  bedeutet  dasselbe,  wie  die  Berechnung  der  relativen  Größe
zweier  Männer  durch  die  Abmessung  ihrer  Höhe  vom  Boden,  anstatt  die
beiden  Männer  Rücken  an  Rücken  zu  stellen  und  die  Höhendifferenz  ihrer
Scheitelpunkte  direkt  zu  messen.  Eine  direkte  Vergleichung  ist  genauer,
obgleich  in  dem  Falle  der  Größenmessung  der  beiden  Männer  theoretisch
beide  Methoden  übereinstimmen.  Was  die  Preisniveaus  anbelangt,  so  geben
hei  einer  Verschiebung  der  Basis  selbst  theoretisch  leider  nur  wenige  Indexnummern ­
  folgerichtige  Resultate 1 ).  Und  auch  diese  wenigen  versagen,
wenn  sie  anderen  und  ebenso  wichtigen  Proben  unterworfen  werden.
Man  kann  sagen,  daß  der  Hauptvorzug  des  aufeinanderfolgenden  Basisoder
  Kettensystems  die  Leichtigkeit  ist,  mit  der  neue  Waren  aufgenommen
und  veraltete  Waren  ausgeschaltet  und  veränderten  Bedingungen  entsprechend ­
  die  Wägungen  angepaßt  werden  können.  Ein  feststehendes  Basis-System
  bleibt  im  wahrsten  Sinne  des  Wortes  sehr  bald  hinter  seinerzeit  zurück.
§  2.
Unsere  nächste  Frage  ist:  Welche  Preise  sollen  zur  Konstruktion  einer
Indexnummer  gewählt  werden?  Die  Antwort  darauf  hängt  zum  großen
Teil  vom  Zwecke  der  Indexnummer  ab.  Bisher  haben  wir  nur  einen  Zweck
davon  erörtert,  und  zwar,  wie  den  Anforderungen  der  Verkehrsgleichung  am
1 )  Siehe  den  Anhang  zu  diesem  (X.)  Kapitel,  §  5,  Probe  7.
        <pb n="182" />
        166

X.  Kapitel.

besten  entsprochen  werden  kann.  Die  Indexnummern  können  aber  für  viele
andere  Zwecke  benützt  werden,  wovon  die  zwei  hauptsächlichsten  die  Bemessung ­
  des  Kapitals  und  die  des  Einkommens  sind.  Jeder  der  drei  angeführten ­
  Zwecke  (Tausch,  Kapital  und  Einkommen)  kann,  je  nachdem
der  gewünschte  Vergleich  sich  auf  Plätze  oder  Zeiten  bezieht,  in  Unterklassen ­
  eingeteilt  werden.  Die  Indexnummern  können  daher  für  die  Vergleiche ­
  einzelner  Plätze  in  bezug  auf  ihren  Güteraustausch,  ihres  Kapitals
oder  ihres  Einkommens  benützt  werden.  Wenn  zum  Beispiel  das  Britische
Handelsministerium x )  die  Lebenskosten  in  verschiedenen  Städten  Englands,
Deutschlands  und  der  Vereinigten  Staaten  vergleichen  will,  so  geschieht  die
Vergleichung  unter  Bezugnahme  auf  die  Preise  des  Lebensunterhalts  (oder
des  Einkommens)  der  Arbeiterklassen.
Wir  haben  also  mindestens  sechs  große  Klassen  von  Zwecken,  für
welche  die  Indexnummern  angewandt  werden  können,  nämlich:  zu  einem
Vergleiche  der  Preise  der  ausgetauschten  Güter,  der  Kapitalgüter  und  der
Einkommengüter  an  verschiedenen  Orten  und  zu  einem  Vergleiche  derselben ­
  drei  Gütergruppen  zu  verschiedenen  Zeiten.
In  jedem  der  sechs  Fälle  werden  die  Güterpreise  und  die  Güterquantitäten ­
  miteinander  vereinigt,  sodaß  die  Indexnummer  (P)  für  die  einen
die  Indexnummer  (H)  für  die  anderen  in  sich  schließt.  (H  wird  hier  im
allgemeinen  Sinne  eines  Indexes  von  Güterquantitäten  benützt,  gleichviel
ob,  wie  bisher,  ausgetauschte  Güter  gemeint  sind,  oder  Kapitalgüter  oder
Einkommengüter.)
Offenbar  müssen  wir,  je  nachdem  wir  einen  der  sechs  Vergleiche  anstellen, ­
  einen  großen  Unterschied  in  der  Auswahl  der  zu  vergleichenden
Preise  machen.  Nehmen  wir  zum  Beispiel  an,  daß  wir  Veränderungen  im
allgemeinen  Preisniveau  der  Kapitalgüter *  2 )  —  Eisenbahnen,  Schiffe,
Grundstücke  usw.  —  und  ebenso  die  relativen  Veränderungen  in  den
Quantitäten  dieser  Güter  messen  wollen.  Die  Preise  einiger  Kapitalarten
können  gestiegen  und  anderer  gefallen  sein;  die  einen  wiederum  können
in  höherem  Maße  als  andere  gestiegen  sein.  Wie  bemessen  wir  nun  die  allgemeine ­
  Veränderung  in  den  Preisen  der  Kapitalgüter?  Ebenso  kann  die
Quantität  der  einen  Kapitalarten,  z.  B.  der  Eisenbahnen,  rascher  zugenommen ­
  haben,  als  die  anderer  Arten,  z.  B.  von  Segelschiffen.  Wieder  andere
Kapitalarten  können  abgenommen  haben.  Auf  welche  Weise  wird  nun  festQ ­
  Siehe  den  Report  (an  das  Parlament)  of  an  Enquiry  by  the  Board  of  Trade  into
Working  Class  Rents,  Housing  and  Retail  Prices,  London  (Darling),  1908  und  1909.
2 )  Dies  ist  eine  Anregung  von  Nicholson,  Journal  of  the  Royal  Statistical  Societu,
März  1887.
        <pb n="183" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

167

gestellt,  ob  sich  das  Kapital  im  allgemeinen  erhöht  hat  und  um  wieviel?
Es  kann  angenommen  werden,  daß  diese  beiden  Probleme  (der  Kapitalpreise
und  der  Kapitalquantitäten)  in  der  Bemessung  der  Durchschnittsveränderung
des  Preises  derselben  Kapitalquantität  und  der  bei  den  gleichen  Preisen  beobachteten ­
  Durchschnittsveränderung  der  Kapitalquantität  bestehen.
Für  jeden  der  beiden  Indices  sollten  (da  wir  nur  Kapital  und  nicht  Einkommen ­
  oder  anders  bezeichnete  Güter,  seien  es  Vorräte  oder  Güterbewegungen ­
  erörtern)  sich  die  Indexnummern  nicht  auf  allgemeine  Preise  und
Quantitäten,  sondern  nur  auf  Preise  und  Quantitäten  der  Kapitalgüter  beziehen. ­
  Die  Preise  und  Quantitäten  aller  Arbeitsleistungen  sollten  also  wegbleiben. ­
  Die  Benutzung  von  Kapital  und  der  für  diese  gezahlte  Zins,  zum
Beispiel  die  für  Wohnung  gezahlte  Miete,  sollte  ebenfalls  weggelassen  werden.
Kur  das  Kapital  als  Schaffer  von  Werten,  nicht  aber  die  durch  dieses  gelieferten ­
  Nutzleistungen  sollten  inbegriffen  sein.  Wir  können  zunächst
den  Preisindex  und  sodann  den  Quantitätsindex  dadurch  erhalten,  daß  wir
den  Kapitalwert  eines  Jahres  durch  den  Preisindex  dividieren;  oder  wir
können  auch  in  der  umgekehrten  Weise  Vorgehen  Q.  Wenn  wir  Indexnummern ­
  von  Kapitalpreisen  und  Kapitalquantitäten  berechnen,  wählen
wir  für  unsere  Aufstellung  natürlich  solche  Artikel,  welche  als  Kapital  von
Bedeutung  sind  und  bewerten  sie  demgemäß.
Um  diese  allgemeine  Veränderung  in  den  Kapitalpreisen  zu  bestimmen,
müssen  wir  jede  Relation  dem  Werte  des  besonderen  Kapitals  gemäß
wägen,  auf  den  sich  diese  Relation  bezieht.  In  diesem  Falle  müßte  jedes
Verhältnis  nicht  den  jährlichen  Verkäufen,  sondern  dem  existierenden  Kapital
gemäß  gewogen  werden.  Es  ist  klar,  daß  der  Unterschied  zwischen  diesen
beiden  Methoden  der  Bewertung  ein  großer  sein  kann.  So  besteht  ein
bedeutender  Teil  alles  existierenden  Kapitals  aus  Boden,  doch  bilden  Verkäufe ­
  von  Grundbesitz  einen  relativ  unbedeutenden  Teil  aller  Verkäufe.  Nahrungsmittelprodukte ­
  hingegen  tragen  wenig  zum  Kapital  und  viel  zum  Austausch ­
  bei.  Infolgedessen  würden  die  Preise  und  Quantitäten  von  Nahrungsmittelprodukten ­
  in  Kapitalindexnummern  nicht  figurieren,  dagegen  in  den
auf  die  Verkehrsgleichung  bezüglichen  Indexnummern  eine  große  Rolle  spielen.
Nehmen  wir  ferner  an,  daß  der  Zweck  der  Preis-Indexnummern  in  einer
Bemessung  der  Quantitäten  sowie  der  Preise  des  Einkommens  und  nicht  der
Elemente  des  Kapitals  besteht.  In  diesem  Falle  wird  die  Liste  der  Artikel
und  deren  Bewertung  von  der  eines  Kapital-Index  ganz  verschieden  sein.
Q  Giffen  nimmt  in  seinem  Growth  of  Capital,  London  (Bell  &amp;amp;  Sons),  1899,  S.  50—54
Korrekturen  von  Preisveränderungen  vor,  ohne  indessen  den  Versuch  zu  machen,  eine
spezielle  Indexnummer  für  Kapital  zu  konstruieren.
        <pb n="184" />
        168

X.  Kapitel.

Wenn  es  sich  um  das  Einkommen  von  Arbeitern  handelt,  haben  wir  es
mit  Preisindexnummern  von  Gütern  zu  tun,  die  in  Arbeiterbudgets  auftreten
  und  mit  den  Indexnummern  der  Quantitäten  dieser  Güter.  Die  erste
zeigt  die  Lebenskosten  eines  Arbeiters  oder  die  Kaufkraft  des  Dollars  dieses
Arbeiters.  Die  zweite  gibt  seinen  „Reallohn“  oder  seine  „Konsumtion“
an.  In  diesem  Falle  wird  nicht  ein  Vergleich  von  Vermögensbeständen  zu
zwei  gegebenen  Zeitpunkten,  sondern  ein  Vergleich  von  Güterströmen
während  zweier  Zeitperioden  bezweckt.  Eine  Methode  zur  Erlangung  einer
Indexnummer  wirklicher  Löhne  besteht  darin,  die  Nominal-  oder  Geldlöhne ­
  unter  Benützung  der  Indexnummer  der  Preise  solcher  Güter  zu  korrigieren, ­
  für  welche  Löhne  ausgegeben  werden.  Wenn  also  die  Geldlöhne
für  1908  das  doppelte  derer  für  1900  sind,  die  Geldpreise  der  Bedürfnisse  und
Lebensannehmlichkeiten  sich  aber  ebenfalls  verdoppelt  haben,  so  bleiben
die  Reallöhne  unverändert.
Es  ist  klar,  daß  die  in  dem  Falle  der  Quantitäten  und  der  Preise  der
Arbeiterlebenskosten  benützten  Indexnummern  nicht  dieselben  sind,  wie
die  für  die  Kapitalberechnungen  gebrauchten  Indexnummern.  Jedes  einzelne ­
  Gut  sollte  in  der  Indexnummer  die  Wichtigkeit  haben,  die  von  deren
Bedeutsamkeit  in  den  Arbeiterbudgets  abhängt.  In  diesem  Falle  bedeuten
die  Güter  Ströme,  während  in  dem  des  Kapitals  die  der  Betrachtung  unterzogenen ­
  Güter  Vorräte  waren.  Bei  einer  Vergleichung  von  Kapital  müssen
sich  die  Indexnummern  auf  das  Kapital  und  bei  einer  solchen  des  Einkommens ­
  müssen  sie  sich  auf  das  Einkommen  beziehen  1 ).
§3.
Der  wichtigste  Zweck  der  Indexnummern  besteht  vielleicht  in  ihrer
Anwendung  als  Basis  für  Darlehenskontrakte.  Es  ist  wünschenswert,  so-Q
  Sir  George  Shuckburgh  Evelyn,  Bart.,  F.  R.  S.  und  A.  S.  machte  im  Jahre  1798
in  einem  Artikel  in  den  Philosophical  Tramactions  of  the  Royal  Society  of  London,
Bd.  LXXXVIII,  S.  133  bis  182,  betitelt  „An  Account  of  Some  Endeavors  to  Ascertain  a
Standard  of  Weight  and  Measure‘ l  einen  der  ersten  Versuche,  eine  Reihe  von  Indexnummem,
  die  die  allgemeine  Preisveränderung  kennzeichnen  sollten,  zu  konstruieren.
Bischof  Wm.  Fleetwood  warf  im  Jahre  1707  im  Chronicon  Preciosum-,  or  an  Account
of  English  Money,  the  Price  of  Com  and  Other  Commodities  for  the  Last  600  Years,  ch.  VI.
die  Frage  auf,  ob  der  Inhaber  eines  in  den  Jahren  1440  und  1460  gestifteten  Stipendiums,
das  nur  Personen  offen  stand,  die  einen  Grundbesitz  von  geringerem  Werte  als  £  6  pro
Jahr  haben,  mit  Recht  beschwören  kann,  daß  sein  Eigentum  weniger  als  £ö  beträgt,  wenn
er  £  6  besitzt,  da  jedenfalls  der  Geldwert  mittlerweile  bedeutend  im  Werte  gesunken  ist.
Der  Gedanke,  eine  Indexnummer  oder  eine  Maßtafel  des  Geldwertes  zu  benützen, ­
  wurde  später  von  Joseph  Lowe  in  The  Preseyit  State  of  England  in  regard  to  Agri-
        <pb n="185" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

169

wohl  die  zu  diesem  Zwecke  passendste  besondere  Form  und  Bewertung,  als
auch  die  beste  Auswahl  der  einzuschließenden  Preise  zu  bestimmen.
Eine  Indexnummer,  die  zum  Zweck  der  Bemessung  der  Erhöhung  oder
der  Erniedrigung  des  Wertes  von  Darlehen  —  oder  den  sogenannten  „aufgeschobenen ­
  Zahlungsverbindlichkeiten“  —  dient,  gehört  offenbar  eher  der
Zeit-  als  der  Ortsgruppe  von  Vergleichungen  an.  Zu  welcher  der  drei  Untergruppen ­
  (Austausch,  Kapital  oder  Einkommen)  sie  im  eigentlichsten  Sinne
gehören,  wenn  dies  überhaupt  der  Fall  ist,  ist  zuerst  nicht  Idar  ersichtlich.
Bevor  wir  aber  die  beste  Indexnummer  für  die  zwischen  Entlehner  und
Darleiher  abgeschlossenen  Kontrakte  ausfindig  machen,  müssen  wir  zuvor
zu  einer  Meinung  darüber  gelangen,  welche  Basis  für  Darlehenskontrakte
als  die  ideale  zu  betrachten  ist.
Zunächst  muß  bemerkt  werden,  daß  es  sich,  obwohl  es  bei  einer  Veränderung ­
  im  Preisniveau  Gewinn  und  Verlust  gibt,  nicht  notwendig  damit ­
  eine  „Ungerechtigkeit“  einhergeht.  So  ist  ein  Mann,  der  1000  Dollar
borgt  und  sich  kontraktlich  verpflichtet,  diese  am  Ende  von  fünf  Jahren
mit  40  Dollar  Zinsen  zurückzuzahlen,  wenn  die  Preise  mittlerweile  um  das
doppelte  gestiegen  sind,  entschieden  im  Vorteil.  Obwohl  er  zweifellos  dieselbe ­
  Anzahl  von  Dollar  zu  zahlen  hat,  braucht  er  nur  ungefähr  halb  soviel
von  seinem  Warenlager  zu  verkaufen,  wie  er  erwartete.  Im  Grunde  genommen ­
  zahlt  er  nur  die  Hälfte  der  geliehenen  wirklichen  Kaufkraft  zurück.
Der  Darleiher  hingegen  hat  durch  die  Veränderung  verloren.
Der  Kontrakt  war  jedoch  vollkommen  recht  und  billig.  Jeder  Teil
wußte  oder  sollte  gewußt  haben,  daß  sich  das  Preisniveau  verändern  kann,
und  übernahm  das  Kisiko.  Es  lag  hier  ebensowenig  ein  Betrug  vor,  wie
wenn  Weizen  auf  künftige  Lieferung  zu  einem  gewissen  Preise  gekauft  worden ­
  ist  und  der  Markt  eine  unerwartete  Wendung  nimmt;  oder  wenn  eine
Versicherungsgesellschaft  vorzeitig  ein  „Risiko“  verliert.
Tatsächlich  wäre  es  im  allgemeinen  an  sich  ungerecht,  wenn  eine  Regierung ­
  durch  Gesetzgebung  versuchen  wollte,  den  Gewinner  seines  Profits
zu  berauben  x ).  Von  Rechts  wegen  können  die  verlierenden  Parteien,  um  sich

culture  and  Finanee,  London  1822  (siehe  S.  261-291,  Anhang  S.  89-101)  vorgebracht
und  später  von  G  Poulett  Scrope  in  seinen  Pnneiples  of  Political  Economy  .  .  .  applied  to
the  present  State  of  Britain,  London  1833,  S.  405-408  aufgestellt,  obgleich,  wie  wir  gesehen ­
  haben,  die  Idee  einer  Indexnummer  auf  ein  viel  früheres  Jahr  zuruckdatiert.  Siehe
Correa  Moylan  Walsh,  The  Measurement  of  General  Exchange  Value,  New  York  and  London
(Macmillan),  1901;  Bibliographie,  S.  555.
i)  Vgl.  Irving  Fisher,  „Appreciation  and  Interest“,  Teil  3,  Publications  of  the  American
Economic  Association,  1896.
        <pb n="186" />
        170

X.  Kapitel.

vor  Verlusten,  deren  Risiko  sie  selbst  auf  sich  nahmen,  zu  schützen,  nach
Abschluß  von  Kontrakten  nicht  ihre  Zuflucht  zur  Gesetzgebung  nehmen.
Die  Unbilligkeit  eines  solchen  Vorgehens  tritt  umso  klarer  zutage,
wenn  man  in  Betracht  zieht,  daß,  wenn  eine  Veränderung  im  Preisniveau
überhaupt  erwartet  wird,  einer  solchen  vermittelst  einer  Anpassung  der  Zinsrate ­
  *)  häufig  Genüge  geleistet  wird.  Wenn  das  Preisniveau  steigt,  so  wird
der  Nominalzinsfuß  wahrscheinlich  etwas  höher  sein,  wodurch  der  Darleiher
für  den  Verlust  eines  Teiles  seines  Darlehens  einigermaßen  entschädigt  wird,
während  bei  einem  Fallen  des  Preisniveaus  der  Entlehner  Aussicht  hat,
für  seinen  Verlust  durch  einen  niedrigeren  Nominalzinsfuß  teilweise  entschädigt ­
  zu  werden.  Es  wäre  ungerechtfertigt,  wenn  die  eine  oder  die  andere
Partei  bei  der  Regierung  ihren  Einfluß  geltend  machen  wollte,  um  die  Verbindlichkeiten ­
  bereits  eingegangener  Kontrakte  abzuschwächen *  2 ).  Es  ist
indessen  gesunde  Wirtschaftspolitik,  das  Element  des  Risikos  so  bald  wie
möglich  im  Voraus  zu  verringern,  sodaß  künftige  Kontrakte  von  allen  Parteien
auf  möglichst  sicherer  Basis  abgeschlossen  werden  können.  Das  Ideal  auf
dem  Gebiete  der  Zeitkontrakte  zwischen  Entleiher  und  Darleiher  besteht
darin,  daß  weder  Schuldner  noch  Gläubiger,  wenn  sie  durch  unvorhergesehene
Veränderungen  getäuscht  worden  sind,  irgendwelchen  Schaden  leiden.  Die
Erfahrung  lehrt,  daß  der  Zinsfuß  sich  nur  selten  den  Veränderungen  im
Preisniveau  vollkommen  anpaßt,  weil  diese  Veränderungen  nur  zum  Teil
vorausgesehen  werden  können.  Es  sollte  daher  darnach  getrachtet  werden,
die  Währung  so  sicher  oder  so  zuverlässig  als  möglich  zu  gestalten.  Das
bedeutet,  praktisch  gesprochen,  daß  sie  so  wertbeständig  als  nur  irgend
möglich  zu  gestalten  ist.
Bei  einem  idealen  Wertmaßstab  würde  die  Preisindexnummer  fortgesetzt
100  %  registrieren  3 ).  Solange  aber  eine  absolut  stabile  Währung  nicht  vor*) ­

  Irving  Fisher,  Rate  of  Interest,  Kapitel  XIV.
2 )  Vgl.  Irving  Fisher,  Appreciation  and  Interest,  Teil  3,  §  4.  Publications  of  the
American  Economic  Association,  1896.
3 )  Es  ist  vorgebraeht  worden,  daß  der  ideale  Wertmaßstab  so  beschaffen  sein  sollte,
daß  er  nicht  objektive,  sondern  subjektive  Preise  auf  gleicher  Höhe  hält,  damit  eine  Schuld
in  der  gegebenen  Menge  von  „Arbeit“  oder  „Nützlichkeit“  zurückgezahlt  werden  könne.
Aber  abgesehen  von  den  praktischen  Schwierigkeiten,  solche  subjektive  Größen  zu  bemessen,
—  die  unüberwindlicher  Natur  sind  und  daher  ihre  Erörterung  rein  akademisch  erscheinen
lassen  —  gibt  es  noch  wichtigere  theoretische  Einwendungen  auf  Grund  der  Tatsache,  daß
die  Werteinheit  sich  bei  einigen  Personen  erhöhen  und  bei  anderen  erniedrigen  würde,  je  nachdem ­
  diese  reicher  oder  ärmer  werden;  daß  ferner  diese  Veränderungen  bei  Abschluß  von  Darlehenkontrakten ­
  vorauszusehen,  ja  in  der  Tat  die  treibenden  Ursachen  solcher  Kontrakte
sind.  Siehe  §4untenund  Irving  Fisher,  „Appreciation  and  Interest",  XII.  Kapitel  §2,  loc.  cit.
        <pb n="187" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

171

handen  ist  und  nicht  aufgestellt  werden  kann,  ist  die  Indexnummer  selbst
ein  möglicher  Maßstab  für  langfristige  Kontrakte.  Man  nennt  sie  den
„Tafelmaßstab“,  da  sie  von  einer  Preistafel  abhängt.  Wenn  sich  z.  B.  ein
Mann  1000  Dollar  borgt  zu  einer  Zeit,  da  die  Indexnummer  100  beträgt,
so  kann  er  sich  damit  einverstanden  erklären,  nicht  dieselben  Dollars,
sondern  dieselbe  allgemeine  Kaufkraft  samt  den  Zinsen  zurückzuzahlen.
Wenn  nun  zur  Zeit  der  Rückzahlung  die  Indexnummer  die  Zahl  150  erreicht ­
  hat,  könnte  man  unter  der  Hauptsumme  der  Schuld  1500  Dollar
verstehen,  da  diese  die  geliehene  Kaufkraft  repräsentieren.  Wäre  hingegen
das  Preisniveau  auf  80  gefallen,  so  würde  sich  das  geliehene  Kapital
automatisch  auf  nur  800  Dollar  belaufen.  Beide  Parteien  würden  auf
diese  Weise  gegen  Schwankungen  im  Werte  des  Geldes  geschützt.  Dieselbe
Berichtigung  bezöge  sich  auf  die  Zinszahlungen,  von  welchen  jede  einzelne
der  Indexnummer  gemäß  angepaßt  würde,  die  zur  Zeit  der  Bezahlung  gilt.
Wir  sind  nun  in  der  Lage,  die  Frage  zu  erörtern,  welche  Güter  es  sind,
deren  Preise  bei  einer  Indexnummer  inbegriffen  sein  sollen,  um  den  Zwecken
der  Bemessung  von  Veränderungen  in  Darlehenskontrakten  zu  dienen.
Wenn  alle  Güter  zueinander  dieselben  Preisrelationen  beibehielten,
so  wäre  es  gleichgiltig,  ob  ein  Darlehenskontrakt  in  den  Ausdrücken  der
einen  oder  der  anderen  Indexnummer  lautet,  oder  ob  er  in  Ausdrücken  von
so  und  soviel  Weizen,  Tonnen  Kohle  oder  Pfund  Zucker  abgeschlossen  würde.
Da  die  Preise  aber  nicht  in  ein-  und  demselben,  sondern  in  verschiedenen
Verhältnissen  variieren,  ist  eine  Indexnummer,  die  das  allgemeine  Niveau
der  Preise  bemißt,  notwendig.  Wenn  die  Rückzahlung  in  der  gleichwertigen
Kaufkraft  (plus  Zinsen)  für  eine  bestimmte  Güterart  geleistet  wird,  so  kann
dies  entweder  eine  höhere  oder  geringere  als  gleichwertige  Kaufkraft  für
andere  Arten  von  Gütern  bedeuten.  Je  nach  der  Güterart,  die  der  eine  oder
der  andere  Teil  als  Produzent  herstellt  oder  als  Konsument  zu  verbrauchen
vorzieht,  ist  daher  der  eine  oder  der  andere  der  verlierende  Teil.  Selbst  wenn
jede  vertragschließende  Partei  ausmachen  könnte,  die  Kaufkraft  in  dem
Quantum  der  Güterarten,  die  für  sie  am  meisten  Interesse  haben,  im  gleichen
Werte  zu  dem  was  sie  geliehen  oder  geborgt  hat,  einschließlich  Zinsen  zu
empfangen  oder  zurückzuzahlen,  so  würde  das  spekulative  Element,  das  für
den  einen  Gewinn  und  für  den  anderen  Verlust  bedeutet,  wohl  vermindert,
keineswegs  aber  gänzlich  beseitigt x ).
Nehmen  wir  zum  Beispiel  an,  daß  ein  Darleiher  die  Kaufkraft  über  ein
Quantum  von  Gütern  solcher  Gattung,  die  er  zu  benützen  beabsichtigte,  im

’)  Vgl.  Kinley,  Money,  New  York  (Macmillan),  1904,  S.  267.
        <pb n="188" />
        172

X.  Kapitel.

gleichen  Werte  zu  dem,  was  er  ausgeliehen  hatte,  plus  Zinsen  zurückempfängt
 x ).  Nehmen  wir  ferner  an,  daß  während  der  Zeit  des  Darleihens
diese  Güter  im  Verhältnis  zu  anderen  Gütern  im  Werte  steigen.  Dann  gewinnt
der  Darleiher  wirklich,  da  er  nunmehr  im  Austausch  gegen  Güter,  die  zu  benützen ­
  sein  ursprünglicher  Zweck  war,  mehr  andere  Güter  erhalten  kann  —
ein  Schritt,  zu  dem  er  nun  veranlaßt  wird,  was  unter  anderen  Umständen
nicht  der  Fall  sein  würde.  Für  den  Entlehner  indessen  könnte  das  Steigen
im  Werte  der  Güter,  auf  deren  Basis  die  Rückzahlung  vereinbart  wurde,
im  Verhältnis  zu  den  Gütern,  mit  deren  Produktion  er  sich  beschäftigt,  als
verlustbringend  betrachtet  werden.  Die  nämliche  Kaufkraft  für  die  Güter,
auf  deren  Basis  er  Zahlung  zu  leisten  hat,  bedeutet  in  einem  solchen  Falle
eine  größere  Kaufkraft  für  die  Güter,  mit  deren  Produktion  er  sich  beschäftigt.
Es  ist  klar,  daß  keine  Art  von  Gütern  als  annehmbarer  Wertmaßstab
dienen  kann.  Eine  Indexnummer,  welche  als  Wertmaß  für  aufgeschobene
Zahlungen  dienen  soll,  muß  eine  breite  Basis  haben.
Wären  alle  Entleiher  und  Darleiher  nur  als  Konsumenten  interessiert,
—  würden  die  Darleiher  um  darleihen  zu  können,  auf  die  unmittelbare
Konsumtion  in  dem  Gedanken  verzichten,  bei  der  Rückzahlung  mehr  zu  verbrauchen ­
  und  die  Entleiher  sich  darauf  einrichten,  unverzüglich  mehr  zu
konsumieren  in  der  Absicht,  später  weniger  zu  verbrauchen  —  so  würde  sich
eine  ganz  zufriedenstellende  Indexnummer  für  jedes  Einzelwesen  als  unmöglich ­
  erweisen.  Die  Güter,  für  die  sich  der  Darleiher  in  einem  gegebenen
Falle  interessiert,  könnten  für  den  Entleiher  nicht  von  der  größten  Bedeutung
sein.  Es  könnte  nur  ein  annähernder  Durchschnitt  getroffen  und  eine  Indexnummer
  gefunden  werden,  die  von  allen  Parteien  in  ihren  Kontrakten  benutzt ­
  werden  kann.  Dieser  Durchschnitt  würde  zweifellos  ein  solcher  sein,
in  dem  jede  Preisrelation  der  Totalkonsumtion  der  Güter  gemäß  gewogen
würde,  auf  die  sie  sich  bezöge,  gemäß  der  totalen  Konsumtion  aller  Entleiher ­
  und  aller  Darleiher  in  dem  betreffenden  Lande.
Die  Sache  ist  indessen  noch  komplizierter,  denn  viele  Entleiher  und  Darleiher ­
  sind  weniger  an  der  Konsumtion  als  an  der  Kapitalanlage  interessiert *  2 ).
Die  Wahl  ist  ebensowohl  zwischen  Darlehen  und  anderer  Kapitalsanlage,
als  zwischen  Darlehen  und  Konsumtion  zu  treffen.  In  gleicher  Weise  kann
der  Entleiher  ebensogut  borgen,  um  Geld  anzulegen,  als  um  zu  konsumieren
und  er  kann  vorziehen,  das  Geld  zur  Riickzalilung  durch  Verminderung  der
*)  Das  Argument  des  letzten  Teiles  dieses  Abschnittes  ist  im  wesentlichen  dasselbe
wie  das  einer  Schrift  von  Harry  G.  Brown  im  Quarterly  Journal  of  Economics,  August  1909,
betitelt:  „A  Problem  in  Deferred  Payments  and  the  Tabular  Standard“.
2 )  Vgl.  Kemmerer,  Quarterly  Journal  of  Economics,  August  1909.
        <pb n="189" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

173

Kapitalsanlage,  als  durch  Verminderung  der  Konsumtion  aufzunehmen.  Mit
anderen  Worten:  Entleiher  und  Darleiher  können  mehr  an  Ankäufen  von
Fabriken,  Eisenbahnen,  Bodenwerten,  dauerhaften  Häusern  usw.,  die  während
langer  Jahre  Dienstleistungen  ergeben,  interessiert  sein,  als  am  Einkauf  von
reichlicherer  und  besserer  Nahrung,  besserer  Wohnung  undVergnügungen,  die
unmittelbare  Befriedigung  gewähren.  Es  wäre  daher  unlogisch,  wenn  wir
unsere  Indexnummer  für  Zeitkontrakte  einzig  und  allein  auf  Dienstleistungen ­
  und  Güter  des  unmittelbaren  Verbrauchs  gründen  wollten.  Obgleich
die  praktischen  Unterschiede  nur  gering  sein  mögen,  so  sind  sie  zum  wenigsten ­
  in  der  Theorie  von  Bedeutung.
Wir  wollen  nun  annehmen,  daß  jede  Preisrelation  durch  den  Wert  (zu
Normalpreisen)  der  während  einer  gegebenen  Periode  genossenen  Dienstleistungen ­
  rasch  konsumierbarer  Güter  zu  bemessen  und  daß  die  Preise  von
Anlagekapitalien  außer  Acht  gelassen  werden.  Weiter  wollen  wir  den  Fall
setzen,  daß,  bevor  die  Zeit  der  Rückzahlung  herankommt,  die  Zinsrate  gestiegen ­
  ist.  Bei  einem  höheren  Zins  ist  der  Wert  von  Land,  von  Eisenbahnen
und  anderem  dauernden  Kapital  niedriger,  weil  deren  Wert  von  zukünftigem
Einkommen  oder  zukünftigen  Dienstleistungen  abhängt  und  diese  nun  zu
einer  höheren  Zinsrate  bewertet  werden 1 ).  Durch  die  Rückzahlung  der
gleichen  Kaufkraft  für  verbrauchbare  Güter  und  Dienstleistungen  zahlt
der  Entleiher  eine  viel  höhere  Kaufkraft  für  Objekte  wie  Land,  Häuser
und  Fabriken,  d.  h.  eine  viel  höhere  Kaufkraft  für  zuTcünjtüjes  Einkommen
zurück,  als  er  geborgt  hat.  Der  Darleiher  empfängt  daher  eine  größere
Kaufkraft  für  diese  dauernden  Kapitalposten  zurück,  als  er  ausgeliehen  hat,
wenngleich  er  keine  größere  Kaufkraft  (mit  Ausnahme  des  Zinses)  für  sofort
konsumierbare  Güter  und  Dienstleistungen  zurückbekommt.  Er  erhält
keine  größere  Verfügungsgewalt  über  ein  gegenwärtiges  Einkommen,  dagegen
eine  Kaufkraft  für  einen  größeren  Betrag  des  zeitlich  hinausgeschobenen
Einkommens  zurück.  Hätte  er  von  allem  Anfang  an,  anstatt  auszuleihen,
Kapital  in  Land  angelegt,  so  hätte  ihn  das  Steigen  des  Zinses  mit  demselben
Betrag,  aber  mit  geringerem  Wert  an  Land  belassen.  So  aber  erhält  er  die
Kaufkraft  für  einen  größeren  Betrag  und  denselben  Wert  von  Land  zurück.
Ein  Zufall  hat  veranlaßt,  daß  der  Darleiher  besser  daran  ist,  als  er  erwartete ­
  und  zwar  steht  er  sich  besser,  als  dies  der  Fall  gewesen  wäre,  wenn
er,  anstatt  auszuleihen,  Kapital  angelegt  hätte.  i)

i)  über  die  Wirkung  einer  Änderung  des  Zinsfußes  auf  die  Preise  siehe  Irving
Fisher,  Nature  of  Capital  and  Income,  New  York  (Macmillan),  1906,  S.  227  und  Rate  of
Interest,  New  York  (Macmillan),  1907,  S.  226  und  227.
        <pb n="190" />
        174

X.  Kapitel.

Wenn  hingegen  der  Zinsfuß  fällt,  so  zieht  der  Entleiher  den  Nutzen,
und  der  Darleiher  wird  geschädigt.  Der  Wert  von  Land  und  von  anderem
Eigentum,  dessen  Einkommen  sich  die  in  ferne  Zukunft  erstreckt,  würde
im  Vergleich  zum  Werte  der  Lebensmittel,  der  Wohnung  usw.  steigen.  Der
Wert  eines  Hauses  ist  der  diskontierte  Wert  seiner  zukünftigen  Rente  oder
seiner  Nutzleistung  durch  Gewährung  von  Obdach.  Wenn  der  Zinsfuß
fällt,  erhöht  sich  der  Wert  des  Hauses  im  Vergleich  zu  dem  früheren  jährlichen
Ertragswert.  Den  nämlichen  wie  den  geliehenen  Betrag  der  Kaufkraft  für
Wohnung  zurückzahlen,  heißt,  weniger  als  denselben  Betrag  der  Kaufkraft
für  Häuser  zurückgeben.  Der  Entleiher  hat  einen  Nutzen,  insofern  er  bei
der  Rückzahlung  zur  Verkürzung  von  Kapitalanlagen  zu  schreiten  hat,  da
er  wohl  eine  ebensogroße  Ausgabekraft,  aber  doch  eine  geringere  Anlagekraft
zurückzahlt.  Er  braucht  daher  seine  Kapitalanlagen  in  Land  und  Maschinerie ­
  nicht  um  ganz  soviel  einzuschränken,  als  er  es  sonst  tun  müßte.  Der
Darleiher  hingegen  wird  in  demselben  Grade  geschädigt.  Wenn  er  dauerndes
Kapital  anzulegen  wünscht,  z.  B.  in  einem  Bureaugebäude,  einem  Bergwerk
oder  in  Eisenbahnanteilscheinen,  so  kann  er  mit  dem  zurückgezahlten  Darlehen ­
  nicht  soviel  kaufen,  wie  er  mit  derselben  Summe  zur  Zeit  der  Anleihe ­
  hätte  kaufen  können.  Hätte  der  Darleiher  das  Fallen  des  Zinses  vorausgesehen, ­
  so  würde  er  die  Anleihe  wohl  abgelehnt  und  statt  dessen  Kapital
angelegt  haben.  Anstelle  des  Anleihezinses  hätte  er  dann  eine  Einnahme
aus  seiner  Kapitalanlage  und  einen  Kapitalzuwachs  gehabt,  aus  dem  er  zukünftiges ­
  Einkommen  hätte  ziehen  können.  Die  Wirkung  des  Sinkens  des
Zinses  wäre  dann  nicht  eine  Erniedrigung  der  Erträge  seiner  Kapitalanlage,
sondern  eine  Erhöhung  des  kapitalisierten  Wertes  der  Kapitalsanlage  gewesen.
Während  demnach  eine  auf  Dienstleistungen  und  auf  weniger  dauerhafte ­
  Waren  gegründete  Indexnummer  für  Zeitkontrakte  geeignet  sein  mag,
die  von  einem  Entleiher  abgeschlossen  sind,  der  sich  eine  augenblickliche
Konsumtion  zu  leisten  beabsichtigt,  und  einem  Darleiher,  der  im  Sinne  hat,
die  Konsumtion  bis  zur  Rückzahlung  der  Anleihe  aufzuschieben,  so  zeigt  es
sich,  daß  eine  solche  Indexnummer  für  Kontrakte,  bei  denen  der  eine  oder
der  andere  Teil  an  einer  langfristigen  Kapitalanlage  Interesse  hat,  nicht
völlig  geeignet  ist.
Anstatt  also  unsere  Indexnummer  auf  konsumierbare  Güter  und  auf
während  einer  Zeitperiode  genossene  Dienstleistungen  zu  gründen,  sollten
wir  sie  lieber  zum  Teil  auf  diese  und  zum  Teil  auf  den  Betrag  des  dauernden
Kapitals  gründen.  Jeder  Entleiher  und  jeder  Darleiher  kann  den  Wunsch
haben,  seinen  Einkommenstrom  zeitlich  verschieden  zu  verteilen 1 ).  Der
D  Rate  oj  Interest,  S.  121—125.'
        <pb n="191" />
        Die  besten  Indexnummera  der  Kaufkraft.

175

eine  will  ein  größeres  Einkommen  in  der  Zukunft  haben  und  legt  zu  diesem
Zwecke  Kapital  an,  der  andere  hingegen  zieht  ein  großes  Einkommen  in
kürzester  Zeit  vor  und  will  kein  Kapital  anlegen.  Der  eine  Darleiher  hat  also
ein  Interesse  daran,  von  dem  dauernden  Kapital  soviel,  wie  er  geliehen  hat,
zurückzuerhalten,  und  dem  anderen  Darleiher  ist  daran  gelegen,  eine  ebensogroße ­
  Kaufkraft  für  Dienstleistungen  und  konsumierbare  Güter,  wie  er
ausgeliehen  hat,  zurückzuerhalten.
Nichtsdestoweniger  werden  nun  von  Personen,  die  sich  in  bezug  auf  die
Verwendungsabsichten  ihres  Geldes  gänzlich  unterscheiden,  Anleihekontrakte
miteinander  abgeschlossen.  Selbst  wenn  für  jedes  Paar  eine  unabhängige
und  speziell  bewertete  Indexnummer  benutzt  werden  könnte,  wäre  eine  so
gewonnene  Einheit  nicht  für  beide  Teile  in  gleicher  Weise  passend.  Und
doch  kann  ein  und  dieselbe  Schuld  nicht  in  zwei  verschiedenen  Bemessungseinheiten ­
  bezahlt  werden.  Eine  absolute  Gleichstellung  kann  daher  nicht
in  Frage  kommen.  Wir  können  wohl  die  Übel  einer  schwankenden  Geldwährung ­
  abschwächen,  vermögen  aber  bei  Zeitkontrakten  das  Element  der
Spekulation  nicht  gänzlich  beseitigen.
Obgleich  verschiedene  Personen  und  verschiedene  Klassen  für  spezielle
Kontrakte  verschiedene  Währungen  ausbedingen  können,  so  würde  für  die
große  Masse  der  Geschäftskontrakte,  in  denen  es  sich  um  aufgeschobene
Zahlungen  handelt,  eine  einzige  Reihe  von  Indexnummern,  die  von  allen
Klassen  gebrauchte  und  gekaufte  Artikel  einschließen  und  auch  Dienstleistungen ­
  umfassen  würde,  wahrscheinlich  ratsam  gefunden  werden.  Diese
Indexnummer  würde  für  Kontrakte  zwischen  den  verschiedenen  Klassen  und
Individuen  mit  verschiedenartigen  Konsumtionsgewohnheiten  am  passendsten ­
  sein;  ebenso  für  die  Berechnung  der  Geldzahlungen  an  Inhaber  von
Obligationen,  die  an  das  gesamte  Publikum  verkaufte  Wertpapiere  sind.
Ohne  den  Versuch  zu  machen,  solche  Indexnummern  zu  konstruieren,
die  besondere  Personen  und  besondere  Klassen  jeweilen  als  Norm  nehmen
könnten,  wollen  wir  bloß  die  Bildung  einer  solchen  allgemeinen  Indexnummer ­
  untersuchen.  Wie  hervorgehoben  worden  ist,  muß  eine  solche
alle  Güter  und  Dienstleistungen  umfassen.  In  welchem  Verhältnisse  sollen
diese  aber  „gewogen“  werden?  Wie  können  wir  bei  der  Bildung  des
Indexes  entscheiden,  welches  Gewicht  dem  Bestand  des  dauernden
Kapitals  und  welches  Gewicht  dem  Strome  der  Güter  sowie  der  Dienstleistungen ­
  während  einer  Zeitperiode  —  ihrem  Zuströmen  an  die  einzelnen
Personen,  das  die  Konsumtion  widerspiegelt  —  gegeben  werden  soll?
Diese  beiden  Dinge  sind  inkommensurabel.  Sollen  wir  den  Eisen ­
        <pb n="192" />
        176

X.  Kapitel.

bahnen  des  Landes  die  gleiche  Bedeutung  einräumen  wie  dem  Konsum  an
Zucker  während  eines  Monats  oder  eines  Jahres?
§4.
Das  beste  und  praktischste  Mittel,  diese  gordischen  Knoten  zu  lösen,
ist  vielleicht  das  in  der  Erklärung  von  P  in  unserer  Verkehrsgleichung  angewandte, ­
  nämlich  eine  Indexnummer,  in  der  jeder  Artikel  und  jede  Dienstleistung ­
  deren  Werte  gemäß  gewogen  wird,  zu  dem  sie  in  dem  Jahr,  dessen
Preisniveau  gefunden  werden  soll,  zu  Basispreisen  ausgetauscht  wird 1 ).
Hierdurch  werden  für  unmittelbare  Konsumtion  gekaufte  Güter  in  die
Bewertung  eingeschlossen,  wie  dies  auch  bei  allen  dauernden  Kapitalgütern
der  Kall  ist,  die  während  der  Zeitperiode,  die  die  Indexnummer  in  sich  begreift,
ausgetauscht  wurden.  Was  in  derart  bemessenen  Kontrakten  zurückgezahlt
wird,  ist  dieselbe  allgemeine  Kaufkraft.  Diese  umfaßt  die  Kaufkraft  über  alle
gekauften  und  käuflichen  Gegenstände,  einschließlich  Boden,  Wertpapiere,
Arbeit  und  andere  Dienstleistungen  wie  solche  von  Körperschaften  und
Waren.
Betreffs  der  Richtigkeit  des  Einschlusses  von  Dienstleistungen  menschlicher ­
  Wesen  oder  der  sogenannten  „Arbeit“  hat  es  lebhafte  Diskussionen
gegeben.  In  einer  Hinsicht  erklärt  sich  die  Frage  selbst,  da  nämlich  deren
Ein-  oder  Ausschluß  auf  der  Basis  der  Stückarbeit  nur  geringen  oder  gar
keinen  Einfluß  auf  das  Resultat  hat.
Es  ist  zur  Genüge  bekannt,  daß  die  Löhne  entweder  „per  Stück“  oder
„nach  Zeit“  bemessen  werden  können.  In  jedem  der  beiden  Fälle  treten  sie
in  die  allgemeine  Indexnummer,  die  das  Preisniveau  ausdrückt,  ein  und
wirken  auf  diese  ein,  doch  ist  der  Einfluß  in  beiden  Fällen  ein  verschiedener.
Wenn  wir  Arbeitsstunden  als  Basis  nehmen  und  die  per  Stunde  oder  per
Tag  gezahlten  Löhne  bemessen,  dann  finden  wir  wahrscheinlich,  daß  in  einer
Periode  des  gewerblichen  Aufschwungs  die  Geldlöhne  steigen,  während
die  Güterpreise  fallen,  oder  daß  die  Geldlöhne  rascher  steigen  als  die  Güterpreise ­
  oder  langsamer  fallen.  Wenn  aber  die  Löhne  per  Stück  bemessen
werden,  so  finden  wir  in  den  Resultaten  weniger  Inkonsequenz.  Wenn  die
Güter  schneller  zunehmen  als  das  Umlaufsmittel,  sodaß  die  Preise  einem
')  H.  S.  Foxwell  ist  in  bezug  auf  die  beste  Norm  für  aufgeschobene  Zahlungen  bei
einer  etwas  anderen  Beweisführung  zu  demselben  Schlüsse  gekommen.  Siehe  die  Bemerkungen ­
  von  F.  Y.  Edgeworth  (als  Sekretär  des  Committee  on  Variations  of  ihe  Monetary
Standard).  Report  of  the  British  Association  for  the  Advancement  of  Science  für  1889,  S.  134
bis  139.
        <pb n="193" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

177

Fallen  zuneigen,  so  -werden  die  Stücklöhne  eine  sinkende  Tendenz  annehmen, ­
  und  zwar  durchschnittlich  in  fast  gleichem  Verhältnis.  Da  die
Fortschritte  der  Produktionstechnik  den  Ertrag  per  Arbeitsstunde  d.  h.  der
Stückarbeit  erhöhen,  so  kann  der  Preis  per  Stück  sinken.
Die  beiden  Bemessungsmethoden,  welche  diese  verschiedenen  Ergebnisse ­
  für  die  Preis-Indizes  liefern,  ergeben  im  Handelsvolumen  entgegengesetzte ­
  Abweichungen.  Bei  fortschreitender  Technik  erhöht  sich  der
Umfang  der  Stückarbeit  schneller  als  der  der  Zeitarbeit.
Betrachtet  man  die  Indexnummer  als  Maßziffer  für  aufgeschobene
Zahlungen,  so  beruht  der  Wunsch,  für  die  Stücklöhne  analoge  Bewegungen
wie  für  die  Warenpreise  anzunehmen,  größtenteils  auf  der  Schwierigkeit
und  der  daraus  folgenden  praktischen  Unmöglichkeit,  die  auf  Arbeitszeit
basierten  Löhne  einzuschließen.  Auf  der  Stücklohnbasis  liefern  Veränderungen ­
  der  Geldpreise  anderer  Güter  einen  annähernden  Maßstab  der  Veränderungen ­
  in  den  Geldpreisen  der  Arbeit.
Wer  Zeitkontrakte  auf  der  Basis  einer  solchen  Indexnummer  abschließt,
weiß,  daß  er  Kaufkraft  über  dieselben  Güterquantitäten,  deren  Kaufkraft
er  leihweise  erhalten  oder  vergeben  hat,  zurückzahlen  oder  zurückerhalten
wird.  Diese  Form  einer  Indexnummer  ist  eine  objektive  Norm  der  Güter.
Wenn  eine  Indexnummer  von  Zeitlöhnen  allein  (unter  Ausschluß  jedweder ­
  Güter)  zu  konstruieren  wäre,  so  würden  die  Schuldner  eine  gleichwertige ­
  Kaufkraft  über  Arbeitsstunden  zurückzahlen  und  die  Gläubiger
eine  solche  empfangen.  Wenn  sowohl  Zeitlöhne  wie  Güterpreise  eingeschlossen ­
  werden,  so  geht  das  Problem  dahin,  wieviel  Gewicht  jedem  der
beiden  zu  geben  ist.  Kemmerer  bewertet  die  Löhne  (aus  einem  Total  von
100  %)  zu  3  %.  Jedenfalls  würde  ihr  Einfluß  nicht  besonders  fühlbar  und,
wenn  wir  Stücklöhne  nehmen,  überhaupt  nicht  wahrnehmbar  sein,  d.  h.  es
hat  nicht  viel  zu  bedeuten,  ob  hierbei  Löhne  inbegriffen  sind  oder  nicht.  Da
wir  tatsächlich  keinerlei  Statistik  relativer  Stücklöhne  haben  und  nur  über
Wenig  zuverlässige  Statistiken  für  Zeitlöhne  verfügen,  so  ist  es  im  allgemeinen
ebensogut,  die  Löhne  ganz  wegzulassen.
Dieses  Verfahren  hat  noch  einen  anderen  Vorteil.  Es  ist  klar,  daß  in
eine  Indexnummer,  die  als  Basis  für  aufgeschobene  Zahlungen  für  Lohnarbeiter ­
  dienen  soll,  die  Löhne  nicht  aufgenommen  werden  sollten.  Ein
Lohnempfänger  beurteilt  seine  Kaufkraft  nicht  nach  der  Menge  der  Arbeit,
Oie  er  kaufen  kann  x ).
In  diesem  Zusammenhänge  wollen  wir  die  Aufmerksamkeit  noch  auf

l )  Vgl.  Edgeworth,  in  Palgrave’s  Dictionary  of  Political  Economy,  „Index  Numbers“.
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.  2.2
        <pb n="194" />
        178

X.  Kapitel.

einen  anderen  Maßstab  der  Kaufkraft  des  Geldes  lenken,  der  zuweilen  zur
Angleichung  von  Kontrakten  vorgeschlagen  worden  ist.  Es  ist  dies  der  Maßstab ­
  des  Nutzens.  Demgemäß  würde  jede  Person  einen  Grenznutzen  gleichen
"Wertes  wie  das,  was  sie  geliehen  oder  geborgt  hat,  empfangen  oder  zurückzahlen. ­
  Der  Grenznutzen  der  nämlichen  Güter  ist  aber  für  die  einzelnen
Personen  ein  anderer;  er  ist  ferner  für  ein  und  dieselbe  Person  in  verschiedenen ­
  Lebensabschnitten  verschieden.  Ein  solcher  Maßstab  kann
daher  praktisch  nicht  angewendet  werden.
Ein  Preis  ist  ein  objektives,  der  Bemessung  zugängliches  Moment,  das
für  alle  Menschen  ein  und  dasselbe  ist.  Die  Grenznutzen  hingegen  haben
für  verschiedene  Personen  ungleichen  Wert  und  variieren  individuell  verschieden; ­
  sie  zu  bemessen  ist  unmöglich.  Die  Kaufkraft  des  Geldes  in
objektivem  Sinne  ist  daher  eine  ermittelbare  Größe  mit  einer  für  alle
Menschen  gemeinsamen  Bedeutung.  Allerdings  ist  es  richtig,  daß  der  Grenznutzen ­
  des  Geldes  eine  fundamentale  Größe  ist,  und  daß  er  in  gewissem
Grade  von  der  Kaufkraft  des  Geldes  abhängt.  Aber  er  hängt  auch  von
dem  Einkommen  eines  jeden  Menschen  ab.  Die  Grenznutzen  des  Geldes
variieren  direkt  mit  der  Kaufkraft  des  Geldes,  wenn  sich  alle  Preise  und
alle  Geldeinkommen  in  demselben  Verhältnis  verändern  oder  wenn  sich  (wenigstens ­
  ungefähr)  die  Einkommen  im  Verhältnis  der  Durchschnittspreisveränderung ­
  verändern.  Theoretisch  sollte  sich  dieses  feste  Verhältnis
zwischen  Grenznutzen  und  Kaufkraft  bestätigen  müssen,  wenn  (angenommen,
daß  die  Depositen  in  gleicher  Weise  variieren  und  daß  die  Umlaufsgeschwindigkeiten ­
  und  das  Handelsvolumen  unverändert  bleiben)  die  Quantität  des
Geldes  variiert,  nachdem  die  Übergangsperioden  vorüber  sind.  Tatsächlich
variieren  aber  alle  diese  Elemente,  und  zwar  in  ungleicher  Weise.  Die  Geldeinkommen ­
  wachsen  manchmal  rascher  und  oft  langsamer  als  die  Preise.
Das  Resultat  ist,  daß  die  Veränderungen  in  der  Kaufkraft  des  Geldes  den
Veränderungen  in  den  Grenznutzen  des  Geldes  nicht  entsprechen.
Während  der  Zeit,  in  der  ein  Kontrakt  läuft,  kann  die  menschliche  Gesellschaft ­
  mehr  oder  weniger  wohlhabend  werden.  Man  sollte  denken,  daß
diese  Tatsache  das  Verhältnis  des  zurückgezahlten  Betrages  zu  dem  geliehenen ­
  Betrage  beeinflußt.  Es  ist  die  Forderung  gestellt  worden,  daß  die
Wohltaten  des  Fortschrittes  zwischen  dem  Entleiher  und  dem  Darleiher
gleichmäßig  verteilt  werden  sollten x ).
1 )  Siehe  z.  B.  die  Schrift  von  J.  B.  Clark  „The  Gold  Standard  in  Recent  Theory
Political  Science  Qmrterly,  September  1895.  Vgl.  hiermit  „The  Standard  of  Deferred  Payments“ ­
  von  Edward  A.  Roß,  Ännals  of  the  American  Academy  of  Political  and  Social
Science,  November  1892;  Lucius  S.  Merriam  „The  Theory  of  Final  Utility  in  its  Relation
        <pb n="195" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

179

Während  aber  Leihkontrakte  im  Hinblick  auf  die  Grenznutzen  abgeschlossenwerden, ­
  sind  wir  der  Ansicht,  daß  auf  Veränderungen  im  Einkommen
zurückzuführende  Variationen  im  subjektiven  Geldwerte  in  die  Berichtigungen ­
  eines  Zahlungsmittelsystems  nicht  nur  nicht  aufgenommen  werden
können,  sondern  auch  nicht  aufgenommen  werden  dürfen;  sie  sollten  sich  auf
Veränderungen  in  der  objektiven  Kaufkraft  beschränken.  Einen  Maßstab
objektiver  Kaufkraft  zu  erlangen,  ist  auf  jeden  Fall  ein  Schritt,  der  vernünftigerweise ­
  zuerst  getan  werden  sollte,  bevor  ein  weiterer  Schritt  in  Erwägung ­
  gezogen  werden  kann.  Das  Suchen  nach  einem  Maßstabe  aufgeschobener ­
  Zahlungen,  der  automatisch  die  richtige  Verteilung  der  „Segnungen
des  Fortschrittes“  vorsieht,  scheint  ein  ebenso  aussichtsloses  Streben  zu
sein  wie  das  Suchen  nach  dem  Stein  der  Weisen.  Da  die  Nützlichkeit
statistisch  nicht  bemessen  werden  kann,  können  auch  die  Verbesserungen
in  der  Nützlichkeit,  die  zur  Wiederverteilung  der  „Segnungen  des  Fortschrittes“ ­
  nötig  sind,  nicht  bemessen  werden.  Durch  das  Fehlen  statistischer ­
  Bemessung  kann  irgendeine  ausführbare  Verbesserung  nicht  in  Frage
kommen.  Die  Aufstellung  des  „Nützlichkeitsmaßstabes“  ist  daher  undurchführbar, ­
  selbst  wenn  die  Theorie  eines  solchen  Maßstabes  haltbar  wäre.
Ähnliche  Theorien  für  eine  vollkommene  Norm  aufgeschobener  Zahlungen ­
  gehen  von  dem  Gedanken  aus,  daß  ein  Dollar  immer  mit  dem  gleichen
Quantum  von  Arbeit  erworben  werden  sollte.  Da  der  Grenznutzen  und  der
Grenzarbeitsaufwand  unter  normalen  Verhältnissen  gleich  sind,  ist  in  gewissem ­
  Sinne  der  Arbeitsmaßstab  mit  dem  Maßstabe  des  Grenznutzens  identisch. ­
  In  welchem  Sinne  die  „Arbeit“  aber  immer  definiert  werden  mag,  sie
stellt  eine  schwer  faßbare  Größe  dar,  die  als  eine  meßbare  Basis  für  Statistiken ­
  der  Kaufkraft  ganz  unbrauchbar  ist.  Anscheinend  kann  die  Arbeit  in
Ausdrücken  der  Zeit  bemessen  werden  und  auf  der  Grundlage  der  „Arbeit
eines  Tages“  ist  sie  auch  als  eine  geeignete  Einheit  zur  Bemessung  aufgeschobener ­
  Zahlungen  vorgeschlagen  worden.  Doch  selbst  die  „Arbeit  eines
Tages“  ist  keine  genügend  definierte  Einheit,  in  der  mit  ziemlicher  Genauigkeit ­
  die  Kaufkraft  des  Geldes  bemessen  werden  kann.  Die  Tagesarbeit
differiert  in  Bezug  auf  die  Zahl  der  Stunden,  die  Intensität  und  die  Unannehmlichkeit ­
  der  Arbeit  ebenso  wie  in  bezug  auf  die  Qualität  der  ausgeführten ­
  Arbeit,  gleichviel  ob  sie  körperlicher  oder  geistiger  Natur  ist.  Eine
Größe,  deren  Bemessung  so  viele  theoretische  Schwierigkeiten  bietet,  kann
niemals  als  eine  praktische  Norm  für  aufgeschobene  Zahlungen  dienen.
to  Money  and  the  Standard  of  Deferred  Payments"  ebendaselbst,  Januar  1893;  Frank  Fetter
„The  Exploitation  of  Theories  of  Value  in  the  Discussion  of  the  Standard  of  Deferred  Payments", ­
  ebenda,  Mai  1895.

12
        <pb n="196" />
        180

X.  Kapitel.

Wir  sehen  also,  daß  der  Versuch,  einen  Nützlichkeits  -  oder  Arbeitsmaßstab ­
  aufzustellen,  zu  hohe  Ansprüche  stellt,  um  ausführbar  zu  sein 1 ).
Wir  sollten  uns  damit  zufrieden  geben,  in  dem  Maßstab  aufgeschobener
Zahlungen  das  Maximum  erreichbarer  Vervollkommnung  zu  erzielen,  ohne
daran  zu  denken,  eine  ideale  Verteilung  der  „Segnungen  des  Fortschrittes“ ­
  sicherzustellen.
Unser  Problem  wird  auch  vereinfacht,  wenn  wir  im  Auge  behalten,  daß
unser  Ideal  in  erster  Reihe  nicht  in  der  Beständigkeit,  sondern  vielmehr  in
der  Zuverlässigkeit  des  Dollars  besteht.  Schwankungen,  die  vorauszusehen
sind  und  auf  die  Rücksicht  genommen  werden  kann,  verursachen  keinen
Schaden.  Man  kann  wohl  erwarten,  daß  jedermann  das  Risiko  für  die  Veränderungen ­
  trägt,  die  in  seinem  eigenen  Vermögen,  in  der  Nützlichkeit  und
Arbeit  sowie  vielleicht  auch  selbst  in  weitem  Umfange  infolge  der  allgemeineren ­
  Wirkungen  der  Erfindungen  und  des  Fortschrittes  eintreten  können.
Auf  jeden  Fall  sollte  niemand  erwarten,  daß  er  durch  die  Beschaffenheit
der  Geldeinheit  gegen  jeden  Windstoß  gesichert  ist.
Die  Art  und  Weise,  in  der  jede  Person  derartige  von  ihr  vorauszusehende
zukünftige  Veränderungen  berücksichtigt,  besteht  in  der  Anpassung  der  Höhe
von  Anleihen,  die  sie  gibt  oder  aufnimmt,  und  des  Zinsfußes  dieser  Anleihen.
Wenn  das  Durchschnittseinkommen  steigt,  so  kann  der  Entleiher  eine  größere
Rückzahlung  erschwingen,  und  der  Darleiher  kann  sodann  mehr  erhalten,
während  bei  einem  Fallen  des  Durchschnittseinkommens  der  gezahlte  Betrag ­
  geringer  sein  sollte.  Tatsache  ist,  daß  dies  die  Tendenzen  in  Fällen
sind,  in  denen  das  Steigen  oder  Fallen  des  Durchschnittseinkommens  vorauszusehen ­
  ist.  Wenn  sich  das  Durchschnittseinkommen  erhöht,  so  ist  der
Darleiher  weniger  darauf  bedacht,  sein  gegenwärtiges  und  verhältnismäßig
dürftiges  Einkommen  zu  erschöpfen,  um  sein  zukünftiges  Einkommen  zu
erhöhen,  das  er  wahrscheinlich  ohnehin  zunehmen  sieht.  Eine  zunehmende
Prosperität  (unter  der  nicht  eine  große,  sondern  eine  wachsende  Prosperität
zu  verstehen  ist)  hat  also  die  Tendenz,  das  Angebot  für  Anleihen  einzuschränken. ­
  Gleichzeitig  ist  sie  auf  eine  Erhöhung  der  Nachfrage  gerichtet,
wodurch  der  Zins  erhöht  wird.  Umgekehrt  trägt  ein  abnehmendes  Durchschnittseinkommen ­
  zu  einer  Erniedrigung  des  Zinses  bei  *  2 ).
Alle  die  vorstehenden  Tatsachen  treten  nur  dann  ein,  wenn  das  Steigen
oder  das  Fallen  des  Einkommens  vorausgesehen  wird;  wenn  dies  nicht  der
*)  Vgl.  Charles  A.  Conant,  The  Principles  of  Money  and  Banking,  Bd.  II,  Kap.  VII.
2 )  Rate  of  Interest,  S.  95—98  und  304—306.  Diese  Stellung  wird  von  Correa  Moylan
Walsh  in  The  Fundamental  Problem  in  Monetary  Science  genommen,  New  York  (Macmillan),
1903,  S.  345,  Fußnote.
        <pb n="197" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

181

Fall  ist,  können  sie  keinen  nennenswerten  Einfluß  auf  die  Zinsrate  ausüben.
Je  unerwarteter  sich  derartige  Veränderungen  einstellen,  nachdem  Anleihenkontrakte ­
  eingegangen  worden  sind,  ohne  Rücksicht  auf  diese  zu  nehmen,
desto  spekulativer  sind  die  Anleihekontrakte.  Wenn  die  Einkommen  fallen,
so  ist  der  Darleiher  im  Vorteil  im  Vergleich  zum  Entleiher,  weil  er  einen
höheren  Zins  erzielt,  als  er  erhalten  hätte,  wäre  die  Veränderung  vorauszusehen ­
  gewesen.  Die  Hauptlast  der  Veränderung  hat  dann  der  Entleiher
zu  tragen.  Wenn  dagegen  die  Einkommen  ein  unerwartetes  Steigen  erfahren, ­
  so  ist  die  Sachlage  gerade  umgekehrt;  der  ganze  Gewinn  geht  auf  den
Entleiher  über.  Die  normale  Wirkung  einer  fortgesetzten  Ausdehnung  des
Einkommens  besteht  in  einer  Erhöhung  des  Zinsfußes.
Bei  dem  vorliegenden  Problem  handelt  es  sich  jedoch  nicht  darum,  die
Interessen  der  Schuldner  und  Gläubiger  gegen  alle  möglichen  Elemente
der  Veränderung  zu  schützen,  sondern  nur  gegen  solche,  die  rein  monetärer
Natur  sind.  Industrielle  Veränderungen  bilden  eine  Klasse  für  sich,  und
es  muß  den  kontraktschließenden  Parteien  überlassen  bleiben,  ihr  Interesse
selbst  wahrzunehmen.  Uns  ist  nur  daran  gelegen,  ihnen  eine  stabile  oder
zuverlässige  Geldwährung  zu  verschaffen.  Eine  sichere  Geldwährung  kann
weder  eine  Bürgschaft  gegen  Erdbeben  bieten,  noch  die  gleichmäßige  Verteilung ­
  der  Prosperität  sichern.  Aber  sie  kann  die  durch  Veränderungen  in
der  Beziehung  des  Geldwertes  zu  anderen  Gütern  erlittenen  Verluste  abschwächen. ­

Die  Statistik  der  Nominal-  oder  Geldzinsraten  und  der  virtuellen
oder  Warenzinsraten  beweisen,  daß  die  letzteren  in  viel  höherem  Grade
Schwankungen  unterworfen  sind,  als  die  ersteren 1 ).  Dieses  Fehlen  eines
Ausgleichs  hat  nachteilige  Folgen.  Vor  allen  Dingen  steht  dieser  Tatbestand ­
  einer  normalen  Verteilung  des  Reichtums  und  des  Einkommens  ini
Wege.  Bei  steigendem  Preisniveau  erhält  der  Darleiher,  da  sich  Während  einer
längeren  Zeit  der  Nominalzins  nicht  genügend  erhöht,  um  einen  Ausgleich
zu  schaffen,  ein  geringeres  Quantum  von  Reichtum  oder  Dienstleistungen
zurück,  als  er  billigerweise  erwarten  konnte.  Die  Gläubiger  verlieren  und
die  Schuldner  gewinnen.  Man  beachte  auch,  daß  alle  Personen  mit  verhältnismäßig ­
  festem  Geldgehalt  bei  dieser  Preissteigerung  verlieren.  Wenn
hingegen  das  Preisniveau  fällt,  haben  die  Gläubiger  und  Personen  mit  relativ
festem  Einkommen  auf  Kosten  der  Schuldner  den  Gewinn.  In  beiden
Fällen  erfährt  die  Verteilung  des  Reichtums  aus  rein  monetären  Ursachen
eineVeränderung,  und  diese  Veränderung  kann  dadurch  abgewendet  werden,
daß  der  Maßstab  der  aufgeschobenen  Zahlungen  stabiler  gestaltet  wird.

l )  Rate  of  Interest,  Kapitel  XIV.
        <pb n="198" />
        182

X.  Kapitel.

§5.
Wir  kommen  somit  auf  die  Schlußfolgerung  zurück,  daß  im  allgemeinen
die  beste  Indexnummer  als  Maßstab  für  aufgeschobene  Zahlungen  im  Geschäftsleben ­
  diejenige  ist,  die  wir  für  die  Angabe  der  Preisveränderungen  aller
abgeschlossenen  Geschäfte  als  die  beste  gefunden  haben.  Mit  anderen  Worten:
die  Indexnummer  ist  das  P  auf  der  rechten  Seite  der  Verkehrsgleichung  1 ).
Natürlich  ist  es  gänzlich  unmöglich,  Angaben  für  jede  Art  von  Austausch ­
  zu  erhalten,  was  sich  auch  keineswegs  als  ratsam  erweisen  würde.
Nur  Angaben  für  solche  Artikel,  die  in  bestimmten  Verkehrstypen  gehandelt ­
  werden  und  die  lange  Jahre  hindurch  Gebrauchsartikel  bleiben,
sind  aufzutreiben  und  von  genügender  Bedeutung,  um  in  die  Indexnummer
eingeschlossen  zu  werden.  Bei  diesen  Spezifikationen  ist  Grundbesitz  nicht
inbegriffen  und  zu  einem  gewissen  Grade  sind  auch  Löhne,  Detailpreise  und
Wertpapiere  ausgeschlossen,  und  es  bleibt  auf  diese  Weise  in  der  Liste  der
Güter  tatsächlich  nichts  übrig  als  die  Engrospreise  der  einzuschließenden
Waren,  deren  Preise  in  eine  Indexnummer  zusammenzusetzen  sind.  Diese
Einschränkungen  sind  jedoch  nicht  von  solcher  Bedeutung,  wie  man  annehmen ­
  könnte.  Die  Gesamtumsätze  von  Grundstücken  in  New  York
City  (Manhattan  und  Bronx)  im  Jahre  1909  (das  sich  durch  große  Aktivität ­
  auszeichnete),  die  durch  veranschlagte  Abschätzung  (wahrscheinlich
zu  4 /s  der  Marktbewertung)  bemessen  wurden,  betrugen  nur  $  620,000,000.
Im  Vergleich  zu  den  104  Milliarden  Bank  -  Clearing  -  Umsätzen  der  New
York  City  ist  diese  Summe  ziemlich  bedeutungslos.  Dabei  stellen  die  Umsätze ­
  von  Grundstücken  in  New  York  wahrscheinlich  einen  höheren  Prozentsatz ­
  der  Gesamttransaktionen  dar,  als  dies  in  den  Vereinigten  Staaten
der  Fall  ist *  2  * ).  Wir  können  also  mit  einiger  Sicherheit  sagen,  daß  sich
die  Grundbesitzumsätze  in  den  Vereinigten  Staaten  nur  auf  einen  Bruchteil ­
  eines  Prozentes  der  Gesamtumsätze  belaufen.  Was  den  Umsatz
x )  Dies  ist  tatsächlich  dieselbe  Folgerung,  zu  der  Walsh  in  seinem  The  Fundamental
Problem  in  Monetary  Science  gelangte  und  in  der  der  Verfasser  nach  einer  gründlichen  und
kritischen  Durchsicht  der  Literatur  über  den  Gegenstand  den  Schluß  zieht,  daß  die  in  dem
Maßstab  für  aufgeschobene  Zahlungen  erforderliche  Art  von  Stabilität  die  „Stabilität  des
Tauschwertes“  ist.
2 )  Auf  jeden  Fall  befindet  man  sich  stark  unter  dem  Eindruck,  daß  die  Umsätze
von  Grundbesitz  in  New  York  „aktiver“  sind,  als  in  den  meisten  anderen  Städten  und
zwar  auf  Grund  der  raschen  Veränderung  im  Charakter  der  örtlichen  Lage,  die  auf  die  Enge
der  Insel  Manhattan  und  infolgedessen  auf  das  rasche  Wachsen  nach  einer  Richtung  (nördlich) ­
  zurückzuführen  ist,  sowie  daß  im  allgemeinen  die  Städte  einen  größeren  Handel  in
Grundbesitz  aufweisen  als  das  Land,  und  zwar  nicht  nur  absolut,  sondern  auch  im  Verhältnis ­
  zu  anderen  Handelszweigen.
        <pb n="199" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

183

in  Wertpapieren  anlangt,  so  gelangt  Kemmerer  auf  Grund  Von  Transaktionen ­
  der  New  Yorker  Effektenbörse  zu  dem  Schlüsse,  daß  ungefähr
8  %  der  Gesamtumsätze  des  Landes  in  der  Übertragung  von  Wertpapieren
bestehen  *  4 ).  Wie  bereits  bemerkt,  veranschlagt  Kemmerer  die  Löhne  auf
ungefähr  3  %  2 ).  In  bezug  auf  die  relative  Bedeutung  der  Detailpreise  im
Vergleich  mit  den  Engrospreisen  besitzen  wir  einige  von  Kinley  für  die
Monetary  Commission 3 )  aufgestellte  Zahlen.  Auf  dieser  Basis  und  auf  Grund
der  Tatsache,  daß  Engros-  und  Detailpreise  in  ihren  Bewegungen  ziemlich
übereinstimmen  4 ),  können  wir  die  Detailpreise  überhaupt  weglassen.  Zwar
ist  es  richtig,  daß  die  Detailpreise  gewöhnlich  hinter  den  Engrospreisen
Zurückbleiben,  doch  ist  es  mehr  ein  scheinbares  als  tatsächliches  Zurückbleiben. ­
  Bei  einer  raschen  Preissteigerung,  wie  sie  gegenwärtig  vorhanden
ist,  gehen,  nach  Aussage  Sachverständiger,  die  diesbezügliche  Statistiken
gesammelt  haben,  die  Detailhändler  der  Notwendigkeit,  ihre  Kunden  vor
häufige  und  rasche  Erhöhungen  der  Preise  zu  stellen,  dadurch  aus  dem  Wege,
daß  sie  unveränderte  Preise  ansetzen,  aber  an  Stelle  der  Erhöhung  eine
minderwertige  Qualität  oder  in  einigen  Fällen  kleinere  Laibe  oder  Packungen
verkaufen.
Allerdings  ist  es  richtig,  daß  die  Engrostransaktionen  nur  einen  Bruchteil
der  gesamten  Transaktionen  bilden;  sie  belaufen  sich  vielleicht  nur  auf  ein
Fünftel 5 ).  Nichtsdestoweniger  sind  die  Engrospreise  typischer,  als  irgendwelche ­
  anderen  Preise.  Sie  sind  in  hohem  Grade  typisch  für  Preise  der
Produzenten,  die  den  Engrospreisen  vorausgehen,  und  für  Detailpreise,  die
den  genannten  folgen.  Sie  sind  typisch  für  viele  große  und  oft  schwer  zu
beschreibende  Gruppen,  die  zusammengefaßt  die  Gesamtumsätze  bilden,
z.  B.  diejenigen,  welche  in  Kinleys  Bericht  an  die  Monetary  Commission
unter  dem  Titel  „andere  Depositen“  klassifiziert  sind  und  welche  Hotelrechnungen, ­
  Honorare  der  liberalen  Berufe  usw.  sowie  Löhne  umfassen.
*)  Money  and  Prices,  2.  Aufl.,  New  York  (Holt),  1909,  S.  138.
J )  Ebenda,  S.  138.
a )  Credit  Instruments,  1910,  61.  Kongreß,  2.  Session,  Senatdokument  399,  S.  69,  73,
134  und  136.  Die  Schrift  gibt  an,  daß  der  Engroshandel  ungefähr  doppelt  soviel  Austauscharbeit ­
  erfordert  als  der  Detailhandel.
4 )  Die  vom  Arbeitsamt  bezüglich  der  Detailpreise  angestellten  Untersuchungen
scheinen  eine  allgemeine  Übereinstimmung  zwischen  den  Bewegungen  der  Detail-  und
Engrospreise  anzuzeigen,  wie  auch  tatsächlich  erwartet  werden  kann.
5 )  Siehe  die  im  Report  of  National  Monetary  Commission  on  Credit  Instruments  zu
einem  Ganzen  vereinigten  Summen,  die  durch  Engroskaufleute  und  andere  Handeltreibende
in  den  Banken  deponiert  sind.  Wenn  diese  auch  keine  genaue  Vergleichung  gewähren,  so
gestatten  sie  doch  eine  ungefähre  Mutmaßung.
        <pb n="200" />
        184

X.  Kapitel.

Unter  den  Posten,  für  die  Engrospreise  nicht  besonders  typisch  sind,  befinden
sich  Transaktionen  in  Wertpapieren  (spekulativer  und  anderer  Art),  Eisenbahn- ­
  und  Transportgebühren  sowie  Versicherungsprämien.  In  letzter  Zeit
sind  die  Preise  von  Aktien  schneller  gestiegen  als  die  Engrospreise,  während
die  Transport-  und  die  Versicherungsgebühren  nicht  so  rasch  in  die  Höhe
gingen.  Die  von  Kemmerer  und  mir  selbst  (in  Kapitel  XII)  angestellten
Versuche,  die  Durchschnittsengrospreise  und  die  Preise  der  Aktien  sowie  der
Löhne  zu  verbinden,  ergeben  Resultate,  die  nur  wenig  von  den  auf  Engrospreise ­
  gegründeten  abweichen.  Vom  praktischen  Standpunkt  sind  die
Warenengrospreise  die  einzigen  bis  jetzt  hinreichend  als  typisch  zu  betrachtenden ­
  Preise,  und  der  Gebrauch  der  Güter  zu  diesen  Preisen  ist  während
einer  längeren  Zeitperiode  allein  genügend  konstant,  um  ihre  Verwendung
für  die  Gewinnung  der  Indexnummer  zweckdienlich  erscheinen  zu  lassen.
Wir  dürfen  nicht  nur  annehmen,  daß  die  Engrospreise  ungefähr  alle
Preise  repräsentieren,  sondern  wir  dürfen  auch  und  das  mit  größerer  Zuversicht, ­
  unsere  Statistik  für  Engrospreise  auf  eine  verhältnismäßig  kleine  Anzahl ­
  beschränken.  Edgeworth  und  andere  haben  sowohl  praktisch  wie
theoretisch  bewiesen,  daß  eine  große  Anzahl  von  Artikeln  nutzlos  ist  und
sogar  nachteilig  sein  kann.  Die  von  „The  Economist“  angewandten  22
Warengattungen  gewähren  eine  Indexnummer  von  großem  Werte;  jene  45
von  Sauerbeck  haben  uns  einen  wertvollen  Maßstab  geliefert,  und  die  im
Aldrich  Report  benutzten  200  und  mehr  Warengattungen,  sowie  die  Bulletins
des  Arbeitsamtes  der  Vereinigten  Staaten  sind  sicher  zahlreich  genug,
wenn  nicht  allzu  zahlreich,  um  eine  ganz  genaue  Preisindexnummer  zu  geben.
Die  seitens  des  „Committee  of  the  British  Association  for  the  Advancement
  of  Science“  gemachten  Vorschläge  gingen  dahin,  daß  die  Indexnummer
sechs  Gruppen  umfassen  solle,  die  siebenundzwanzig  Klassen  von  Artikeln
enthalten,  und  daß  die  Preise  in  abgerundeten  Zahlen,  die  annähernd  den
relativen  Aufwand  eines  Gemeinwesens  an  diesen  Gegenständen  repräsentieren, ­
  gewogen  werden  sollten.  Die  Gruppen  und  die  Klassen  sowie  deren

Bewertung  waren  die  folgenden x ):
Brot-  und  Hülsenfrüchte  (Weizen  5,  Gerste  5,  Hafer  5,  Kartoffeln,  Reis  usw.  5)  20
Fleisch-  und  Molkereiwaren  (Fleisch  10,  Fisch  2*/ 2 ,  Käse,  Butter,  Milch  7*4)  20
Genußmittel  (Zucker  2*4,  Tee  2*4,  Bier  9,  Spirituosen  2*/ 2 ,  Wein  1,  Tabak  2*4)  ....  20
Kleidung  (Baumwolle  2*4,  Wolle  2*/ 2 ,  Seide  2*/ 2 ,  Leder  2*/ 2 )  10
Mineralien  (Kohle  10,  Eisen  5,  Kupfer  2*4,  Blei,  Zink,  Zinn  usw.  2%)  20
Verschiedene  Waren  (Bauholz  3,  Petroleum  1,  Indigo  1,  Flachs  und  Leinsamen  3,
Palmöl  1,  Kautschuk  1)  10

*)  Siehe  den  Report  des  Komitees  im  Report  of  the  British  Association  for  the  Advancement
  of  Science  für  das  Jahr  1888,  S.  186.
        <pb n="201" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

185

Dieser  Bericht  wurde  nach  reiflichster  Überlegung  von  einem  außerordentlich ­
  kompetenten  Komitee  erstattet,  das  aus  folgenden  Mitgliedern  bestand: ­
  S.  Bourne,  F.  Y.  Edgeworth  (Sekretär),  H.  S.  Foxwell,  Robert  Giffen,
Alfred  Marshall,  J.  B.  Martin,  J.  S.  Nicholson,  R.  H.  Inglis  Palgrave  und
H.  Sidgewick.  Der  Bericht  gibt  auch  eine  genaue  technische  Beschreibung
der  Artikel,  deren  Preisnotierungen  zu  benutzen  sind  (z.  B.  von  rohem
Eisen,  dem  sogenannten  „Scotch  pig  iron“)  und  ebenso  den  Preistarif  oder
die  anderen  Quellen  für  Preisnotierungen  (beispielsweise  für  Weizen  das
„Gazette  average“).
Dieser  Vorschlag  des  britischen  Komitees  könnte,  mit  einigen  geringfügigen ­
  Änderungen,  für  amerikanische  Zahlen  verwendbar  gemacht  werden.
Wir  haben  in  Amerika  eine  ganze  Anzahl  von  Indexnummern  von  Engrospreisen, ­
  von  denen  die  Nachstehenden  die  wichtigsten  sind:  1.  die  von
Roland  P.  Falkner  im  Aldrich  Senate  Report  verzeichneten  Indexnummern,
welche  die  Zeitperiode  von  1840  bis  1891  umfassen  und  mit  dem  Jahre  1860
beginnend  223  Warengattungen  enthielten.  Die  Resultate  wurden  auf
zweierlei  Art  gegeben,  und  zwar  sowohl  gewogen,  wobei  das  Abwägen  dem
relativen,  in  diesen  Artikeln  gemachten  Aufwande  oder  den  von  Arbeitern
benutzten  gleichartigen  Gegenständen  gemäß  vorgenommen  wurde,  und
auch  ungewogen.  2.  die  vom  Arbeitsamt  der  Vereinigten  Staaten  für  251
bis  261  Warengattungen  gelieferten  Indexnummern,  deren  Aufzeichnung
mit  dem  Jahre  1890  begann  und,  wie  man  allgemein  annimmt,  jedes  Jahr
veröffentlicht  werden  soll.  3.  Die  Indexnummern  von  Dun  vom  Jahre  1860
bis  1906,  die  vor  kurzem  von  Dr.  J.  P.  Norton  für  Gibson  fortgesetzt
wurden,  und  4.  seit  dem  Jahre  1895  Bradstreets  Indexnummern  für
96  Warengattungen.
Es  ist  unnötig,  auf  eine  ausführliche  Kritik  dieser  Indexnummern  einzugehen. ­
  Im  großen  ganzen  scheinen  sie  zu  viele  Warenarten  zu  enthalten
und  sind  außerdem  auf  dem  nicht  einwandfreien  System  der  festen  Basis
aufgebaut.  Es  würde  von  großem  Vorteil  sein,  wenn  wir  uns  in  Amerika
für  ein  System  entschließen  könnten,  das  nicht  nur  allgemein  maßgebend
wäre,  sondern  auch  die  Ergebnisse  wenigstens  einmal  im  Jahr  und  zwar
pünktlich  lieferte.
Für  praktische  Zwecke  ist  der  „Medianwert“  eine  der  besten  Indexnurnmern.
  Er  kann  in  einem  geringen  Bruchteil  der  erforderlichen  Zeit,  die
die  Berechnung  der  theoretisch  genaueren  Indexnummern  erheischt,  aufgestellt ­
  werden  und  bewährt  sich  glänzend  bei  den  vielen  Proben,  auf  die  eine
gute  Indexnummer  gestellt  wird.  Sie  hat  (vermittelst  der  „Quartilen  Grade“)
auch  den  Vorteil,  die  Tendenz  zur  Dispersion  der  Preise  (von  jedem  Jahre
        <pb n="202" />
        186

X.  Kapitel.

als  Basis  für  das  nächste  Jahr)  vom  Medianwerte  nach  beiden  Seiten  leicht
darzustellen.  Der  Medianwert  sollte  in  abgerundeten  Ziffern  gewogen  werden,
und  zwar  analog  dem  bereits  erörterten  Abwägen  für  die  mehr  theoretisch
vollkommene  Indexnummer 1 ).  Der  Medianwert  einer  statistischen  Reihe
ist  dasjenige  ihrer  Glieder,  dem  in  der  Reihe  ebensoviele  Nummern  vorangehen ­
  wie  folgen.  Wenn  die  Zahl  der  Posten  in  der  Reihe  eine  ungerade
Zahl  Glieder  enthält,  dann  ist  der  Medianwert  die  Mitte  der  der  Größe  nach
geordneten  Zahlenreihe.  Wenn  die  Zahl  der  Posten  eine  gerade  ist,  so  fällt
der  Medianwert  zwischen  zwei  Glieder.  Wenn  diese  gleich  sind,  ist  der
Medianwert  mit  beiden  identisch;  wenn  sie  ungleich  sind,  liegt  der  Medianwert ­
  zwischen  denselben  und  kann  als  ihr  einfacher  arithmetischer,  geometrischer ­
  oder  als  irgendein  anderer  Durchschnitt  gewonnen  werden.
Tatsächlich  liegen  die  beiden  Mittelposten  fast  unvermeidlich  so  nahe  beisammen, ­
  daß  es  keine  nennenswerte  Bedeutung  hat,  welche  Methode  zur
Durchschnittsbildung  der  beiden  Mittelposten  adoptiert  wird.  Die  Methode,
die  Posten,  von  denen  ein  Medianwert  berechnet  wird,  zu  wiegen,  besteht
darin,  daß  jeder  Posten  soviel  mal  gezählt  wird,  wie  deren  Gewicht  anzeigt.
Als  Beispiel  zu  dieser  Darstellung  mag  dienen,  daß  der  Medianwert  der
Nummern  3,  4,  4,  5,  6,  6,  7  der  Größe  nach  geordnet  5  und  der  Medianwert
von  3,  4,  4,  5,  6,  6  gleich  4%  ist.

4  „  2
4  „  3
5  „  4
6  „  2

so  ist  der  Medianwert  in  folgender  Weise  zu  finden:

3,  4,  4,  4,  4,  4,  5,  5,  5,  5,  6,  6,  6

Zahlenreihe
die  Gewichte  sind

1  2  3  4  2  1

Der  Medianwert  dieser  Nummern  ist  5.  Die  mit  den  drei  erwähnten  Medianwerten ­
  in  Übereinstimmung  befindlichen  entsprechenden  arithmetischen
Durchschnitte  (5,  4 J / 2  und  5)  sind:  5,  4,67  und  4,69.
Tatsächlich  ist  es  nicht  nötig,  die  Posten  genau  der  Größe  nach  zu
ordnen.  Die  leicht  zu  erkennenden  niedrigen  Posten  können  sofort  den
leicht  zu  erkennenden  hohen  gegenübergestellt  werden,  und  nur  die  wenigen

)  Siehe  den  Anhang  zu  diesem  Kapitel  X,  §  8.
        <pb n="203" />
        Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

187

übrigen  in  der  Mitte  liegenden  Posten  sind  genau  in  Ordnung  zu  bringen.
Die  nahe  der  Mitte  liegenden  Posten,  die  gewöhnlich  beinahe  oder  gänzlich
gleich  sind,  machen  die  Auswahl  des  Medianwerts  äußerst  leicht.
Um  den  Medianwert  für  eine  Preisindexnummer  zu  benutzen,  haben
wir  zuerst  unsere  Preisrelationen  zu  ordnen  und  sodann  den  Medianwert  zu
wählen.

§6-Wir
  haben  gesucht,  in  diesem  Kapitel  nachzuweisen,  daß  das  auf
Basispreise  aufgebaute  Verhältnis  der  wirklichen  Werte  zu  idealen  Werten
eine  ausgezeichnete  Form  der  Preisindexnummer  ist,  und  daß  die  zur  Konstruktion ­
  von  Indexnummern  eingeführten  Elemente  den  verschiedenen
Zwecken  gemäß,  für  die  sie  bestimmt  sind,  differieren.  Wenn  Kapital  bemessen ­
  werden  soll,  so  sollten  die  Preise  für  Nutzleistungen  nicht  inbegriffen ­
  werden,  sondern  nur  die  Preise  der  verschiedenen,  zu  irgendeinem
Zeitpunkte  bestehenden  Reichtumsartikel.  Wenn  der  Zweck  verfolgt  wird,
die  Mittel  zur  Bemessung  der  Reallöhne  zu  erlangen,  so  sollte  man  nur
solche  Gegenstände  aufnehmen,  die  von  Arbeitern  gekauft  werden;  ihre  Aufnahme ­
  sollte  zu  den  während  einer  gegebenen  Zeitperiode  gekauften
Werten  erfolgen  und  diese  Werte  zu  Standardpreisen  bemessen  werden.
Die  Frage  eines  gerechten  Ausgleiches  zwischen  Entleiher  und  Darleiher, ­
  in  der  es  sich  um  die  Aufstellung  der  besten  Indexnummer  als  Maßstab ­
  für  aufgeschobene  Zahlungen  handelt,  wurde  gleichfalls  in  Erwägung
gezogen.  Es  wurde  erklärt,  daß  es  keineswegs  eine  Verletzung  des  Gerechtigkeitsgefühls ­
  bedeutet,  wenn  auf  Grund  der  Schwankungen  in  der  Geldwährung ­
  der  eine  durch  den  Verlust  des  anderen  gewinnt,  denn  der  Kontrakt, ­
  in  dem  unter  normalen  Umständen  jeder  Teil,  eines  möglichen  Gewinnes ­
  willen,  jedes  Risiko  eines  Verlustes  übernahm,  ist  freiwillig  eingegangen ­
  worden.  Weiter  wurde  einerseits  ausgeführt,  daß  es  unrecht  wäre,
wenn  einer  Person,  die  das  Risiko  eines  Verlustes  übernahm,  durch  gesetzliche ­
  Verordnung  der  Gewinn  weggenommen  würde.  Nichtsdestoweniger
wurde  aber  andererseits  Nachdruck  darauf  gelegt,  daß  es  wünschenswert  ist,
ein  Mittel  zu  finden,  durch  das  für  die  Zukunft  abgeschlossene  Kontrakte
weniger  spekulativ  gemacht  werden.
Es  -wurde  mit  Nachdruck  erklärt,  daß  es  nicht  zu  der  Funktion  einer
Indexnummer  allgemeiner  Preise  gehöre,  das  wirkliche  Einkommen  vor
einem  Steigen  oder  einem  Fallen  zu  bewahren.  Die  Funktion  einer  solchen
Indexnummer  ist,  die  Veränderung  im  Niveau  der  Preise  zu  bemessen,  damit ­
  in  Kontrakten,  bei  denen  es  sich  um  aufgeschobene  Zahlungen  handelt.
        <pb n="204" />
        188

X.  Kapitel.

insoweit  Geld  in  Betracht  kommt,  das  Element  des  Eisikos  ausgeschlossen
werde.  Ohne  die  Norm  einer  Indexnummer  sind  solche  Kontrakte  in  hohem
Grade  spekulativ.  Die  Anpassung  des  Zinsfußes  gewährt  einigermaßen  eine
Entschädigung  für  die  Schwankungen  im  Geldwerte,  doch  nicht  in  hinreichender ­
  Weise.  Diese  Schwankungen  wirken  auf  die  Verteilung  des
Reichtums  unter  die  verschiedenen  Personen  und  die  verschiedenen  Klassen
ein  und  führen  Krisen  und  Geschäftsdepressionen  herbei.  Es  ist  sehr
zu  wünschen,  daß  für  die  Zeitkontrakte  eine  Basis  gefunden  wird,  welche
diesen  Übeln  abhilft.  Es  wurde  angenommen,  daß  eine  in  die  Verkehrsgleichung ­
  eingeführte  Indexnummer,  die  das  Preisniveau  ausdrückt,  als
eine  solche  Basis  eingeführt  werden  könnte.  Als  Ideal  wurde  ein  Zustand
hingestellt,  bei  dem  weder  der  Schuldner  noch  der  Gläubiger  benachteiligt
wird,  wenn  sie  in  ihren  Erwartungen  durch  Veränderungen  im  Niveau  der
Preise  aller  gekauften  und  verkauften  Güter  getäuscht  werden.  Es  muß
also  ein  System  gefunden  werden,  bei  dem  die  tatsächlichen  Ergebnisse  des
Vertrages  den  erwarteten  Ergebnissen  in  fast  allen  Fällen  nahegebracht
werden.
Es  wurde  dargelegt,  daß  es  für  die  verschiedenen  Personen  und  die  verschiedenen ­
  Klassen  von  Interesse  ist,  für  ihre  Zeitkontrakte  Indexnummern
zu  besitzen,  die  auf  etwas  verschiedene  Weise  aufgebaut  wurden,  und  zwar
aus  dem  Grunde,  weil  die  einzelnen  Personen  an  der  Konsumtion  verschiedener ­
  Warengattungen  interessiert  sind,  und  weil  sie  größere  oder  kleinere
Teilbeträge  ihres  Verdienstes  arzulegen  beabsichtigen.  Aber  für  allgemeine
Zwecke  und  als  bester  Kompromiß,  den  Bedürfnissen  der  verschiedenen
Klassen  zu  entsprechen,  wurde  eine  Indexnummer  vorgeschlagen,  die  auf
die  Preise  aller  während  einer  gegebenen  Periode  ausgetauschten  Güter  gegründet ­
  ist.  Zugleich  aber  wurde  hervorgehoben,  daß  die  verschiedenen
Formen  der  Indexnummern,  die  Anerkennung  gefunden  haben,  tatsächlich
zu  denselben  Resultaten  führen.
Schließlich  wurde  dargelegt,  daß  der  Medianwert  für  ungefähre  und
doch  zuverlässige  Berechnungen  Vorteile  über  alle  anderen  Formen  von
Indexnummern  aufweist.
        <pb n="205" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

189

XI.  Kapitel.
Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer
Rückblick.
§i-Da
  weder  das  Preisniveau  noch  die  Quantität  des  in  Umlauf  befindlichen
Geldes  in  der  Praxis  genau  bewertet  werden  können,  und  da  das  erstere  neben
der  Geldmenge  noch  von  anderen  Faktoren  abhängt  -  nämlich  von  der
Quantität  des  zirkulierenden  Kredits,  von  der  Umlaufsgeschwindigkeit

dieses  Kredits  sowie  des  Geldes  und  weiter  von  dem  Geschäftsumfang  —
so  wäre  es  sinnwidrig,  eine  genaue  Übereinstimmung  der  Schwankungen  der
Quantität  des  zirkulierenden  Geldes  mit  denen  des  Preisniveaus  zu  erwarten.
Ebenso  sinnwidrig  ist  es,  zu  folgern,  wie  dies  vielfach  geschehen  ist,  daß  das
Pehlen  einer  genauen  statistischen  Übereinstimmung  das  Nichtvorhandensein
irgendwelchen  Einflusse’s  der  Geldquantität  auf  das  Preisniveau  beweise.  Wenn
sich  die  Menge  des  Geldes  stark  und  schnell  verändert,  so  ist  dennoch  die
Wirkung  dieser  Ursache  auf  die  Preise  gewöhnlich  von  genügender  Bedeutung, ­
  um  bemerkbar  zu  sein.
Wie  Figur  10 x )  zeigt,  ist  die  allgemeine  Bewegung  der  Preise  gewöhni)
  Dieses  Diagramm  zeigt  die  Veränderungen  im  Preisniveau,  wie  sie  in  Aupetits
Essai  sur  la  theorie  g&amp;amp;n&amp;amp;rate  de  la  monnaie,  Paris  (Guillaumin),  1901,  S.  245,  nach  den
voneinander  unabhängigen  Schätzungen  von  D’Avenel,  Hanauer  und  Leber  gegeben  sind.
        <pb n="206" />
        190

XI.  Kapitel.

lieh  nach  aufwärts  gerichtet.  Diesem  Diagramm  gemäß  sind  die  Preise  jetzt
ungefähr  fünfmal  so  hoch  wie  vor  tausend  Jahren  und  zwei-  bis  dreimal
so  hoch  wie  in  der  Zeit  zwischen  1200  und  1500  n.  Chr. 1 ).  Von  dem  letztgenannten ­
  Zeitpunkt  ab  oder  kurz  nach  der  Entdeckung  Amerikas  sind  die
Preise  fast  beständig  gestiegen.
Der  Entdeckung  Amerikas  folgte  im  Jahre  1519  die  Besitzergreifung
Mexikos  durch  Cortez  und  zwanzig  Jahre  später  die  Eroberung  von  Peru
durch  Pizarro.  Von  diesen  Eroberungen  und  der  darauffolgenden  Entwicklung ­
  der  Edelmetallproduktion  in  der  Neuen  Welt  datiert  der  ungeheure ­
  Aufschwung  des  Gold-  und  besonders  des  Silberbergbaus  während
des  sechzehnten  Jahrhunderts.  Von  der  Entdeckung  Amerikas  bis  zu  der
Zeit,  in  der  ihre  Nachwirkungen  fühlbar  zu  werden  begannen,  oder  genauer
bis  zum  Jahre  1544,  betrug  der  jährliche  Goldertrag  nahezu  fünf  Millionen
Dollar  und  der  des  Silbers  ungefähr  dasselbe  *  2 ).  Die  reichen  Minen  von
Potosi  in  Bolivia  wurden  im  Jahre  1546  entdeckt.  Vom  Jahre  1545  bis
1560  betrug  die  jährliche  Produktion  von  Silber  durchschnittlich  achtzehn
Millionen  Dollar,  was  mehr  als  das  Vierfache  des  vorhergehenden  Betrages
bedeutet.  Die  Produktion  des  Goldes  stieg  ebenfalls,  wenn  auch  nur  in  geringem ­
  Maße.  Die  Produktion  beider  Metalle  wuchs  fortgesetzt  (mit  geringer
Unterbrechung  in  den  Jahren  1811—1840)  bis  zur  Gegenwart.
Diese  Bergwerke  der  Neuen  Welt  begannen  ihre  Produkte  über  Europa
zu  ergießen,  und  zwar  zuerst  nach  Spanien,  der  Haupteigentümerin  der
Minen,  dann  durch  den  Handel  in  die  Niederlande  und  andere  Teile  Europas
und  schließlich  in  den  Orient  —  dieses  große  „Aufnahmereservoir  von  Silber“.
Wie  Cliffe  Leslie 3 )  dargelegt  hat,  stiegen  die  Preise  zunächst  in  Spanien,
hierauf  in  den  Niederlanden  und  dann  in  anderen  Gebieten.
Aber  obwohl  die  neue  Zufuhr  von  Edelmetallen  sich  nur  ganz  allmählich
x )  Diese  Zahlen  wurden  durch  Ergänzung  derer  von  D’Avenel,  Hanauer  und  Leber
durch  die  von  Jevons  und  Sauerbeck  für  das  19.  Jahrhundert  gefunden.  Ohne  diese  Ergänzung ­
  ist  das  Steigen  der  Preise  zehnmal  größer  in  den  letzten  tausend  Jahren  und  vierbis
  sechsmal  größer  in  dem  Zeitraum  von  1200—1500.
2 )  Diese  und  die  folgenden  Zahlen  sind  „The  World's  Production  of  Gold  and  Silver
front  1493—1905 u ,  von  J.  D.  Magee  im  Journal  of  Political  Economy,  Januar  1910,  S.  50  ff.
entnommen.  Bis  zum  Jahre  1885  sind  Magees  Zahlen  auf  jene  von  Soetbeer  gegründet
und  seit  diesem  Zeitpunkte  auf  die  Berichte  des  Direktors  der  Münze  der  Vereinigten
Staaten.  Betreffs  Soetbeers  Zahlen  siehe  Adolf  Soetbeer,  Edelmetallproduktion  und  Wertverhältnis
  zwischen  Gold  und  Silier  seit  der  Entdeckung  Amerikas  bis  zur  Gegenwart,  Gotha
(Justus  Perthes),  1879,  S.  107.  Diese  und  andere  Zahlen  sind  auch  in  den  Materialien
des  nämlichen  Verfassers  gegeben,  sowie  in  L.  L.  Price,  Money  and  its  Relation  to  Prices,
London  (Sonnenschein),  1900,  New  York  (Scribner)  S.  82  ff.  aufgeführt  und  besprochen.
s )  Essays  in  Political  Economy,  2.  Aufl.,  Nr.  19.
        <pb n="207" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

191

über  Europa  verbreitete  und  die  Preissteigerung  infolgedessen  in  einigen
Gebieten  verzögert  wurde,  so  unterliegt  es  doch  keinem  Zweifel,  daß  die
Preise  stiegen,  und  daß  diese  Steigerung  von  Bedeutung  war.  Von  der  Entdeckung ­
  Amerikas  an  bis  zum  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  betrug  das
Steigen  mehrere  hundert  Prozent.  Dieses  Ansteigen  ereignete  sich  gleichzeitig ­
  mit  einer  Zunahme  des  Bestandes  an  Edelmetallen,  weil  die  Erzeugung
den  Verbrauch  überholte.
Wenngleich  das  Ansteigen  der  Gesamtproduktion  der  Edelmetalle  bis
zum  Jahre  1810  andauerte,  so  wurde  doch  das  Verhältnis  der  jährlichen
Produktion  zu  dem  vorhandenen  Bestände  allmählich  geringer.  Diesem
Nachlassen  in  der  Produktion  entsprechend  und  wahrscheinlich  dadurch
veranlaßt,  hielt  das  Steigen  der  Preise  nicht  mit  derselben  Geschwindigkeit
wie  am  Anfang  an.  Mit  der  fortschreitenden  Entwicklung  der  Handelsbeziehungen ­
  zum  Osten  fand  ein  zunehmender  Bruchteil  der  neuen  Angebote ­
  ihren  Weg  dorthin.  Das  schnellste  Steigen  ei  folgte  während  des
sechzehnten  Jahrhunderts.
§2.
Offenbar  bestehen  die  Geldmetallbestände  stets  und  in  jedem  Lande
aus  der  Differenz  zwischen  dem  Gesamtprodukt  und  der  Größe  des  Konsums ­
  sowie  des  Nettoexportes.  Jacob 1 )  hat  zu  verschiedenen  Zeitpunkten ­
  ungefähre  Schätzungen  des  Bestandes  in  Europa  vorgenommen.
In  nachstehender  Tabelle  wird  ein  Vergleich  der  abgeschätzten  Metallbestände ­
  in  Europa  mit  den  abgeschätzten  Preisniveaus  gezogen:
Geld  und  Preise.
Abgeschätztes  Produkt,  Konsumtion  und  Bestand  der  Edelmetalle  in  Europa,
ausgedrückt  in  Millionen  Dollar  und  Preisniveaus 2 ).

Jahr

Produkt

Konsumtion
und  Export

Bestand

Preise

1500

}  670

290  {

170

35

1600

1  1640

740  \

650

75

17DO

i

1450

90

1800

j  4280

3880  {

1850

100

1900

j  13  000

8960  {

6890

125  (?)

0  William  Jacob,  F.  R.  S.,  An  Historical  Inquiry  into  the  Production  and  Consumption
  of  the  Precious  Metals,  2  Bde.,  London  (Murray)  1931;  II.  Bd.  S.  63.  Siehe  auch
Price,  Money  and  its  Relation  to  Prices,  S.  78.
2 )  Die  Schätzungen  des  Produktes  und  des  Bestandes  sind  die  von  Jacob  und  Soet-
        <pb n="208" />
        192

XI.  Kapitel.

Bei  der  ungeheuren  Zunahme  des  Edelmetallbestandes  ist  es  nicht  zu
verwundern,  daß  ein  Steigen  der  Preise  eintrat!
Wir  sahen,  daß  eine  allgemeine  Zunahme  erstens  in  den  Beständen  der
Geldmetalle  und  zweitens  im  Preisniveau  eintrat,  und  daß  die  größte  Zunahme ­
  in  beiden  Fällen  im  sechzehnten  Jahrhundert  erfolgte.  Ferner  haben
wir  gefunden,  daß  die  Preise  nicht  so  rasch  stiegen  wie  die  Menge  des  Geldes.
Auf  Grund  des  erhöhten  Geschäftsumfanges  war  diese  verhältnismäßige
Verlangsamung  der  Preissteigerung  zu  erwarten.  Wir  wissen,  daß  diese
Erhöhung  durch  die  Zunahme  der  Bevölkerung  und  durch  die  gewerblichen ­
  Fortschritte  —  besonders  in  den  Handelsgewerben  —  und  durch
die  Entwicklung  der  Transportverhältnisse  herbeigeführt  worden  ist.  Die
Veränderungen  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  sind  uns  völlig
unbekannt.

§3.
Die  während  des  letzten  Jahrhunderts  mit  größerer  Sorgfalt  aufgezeichneten ­
  Preisbewegungen  weisen  ein  vielfaches  Steigen  und  Fallen  auf.
beer  (a.  a.  0.)  sowie  Del  Mar  in  Eistory  oj  the  Precious  Metals,  New  York  (Cambridge
Encyclopaedia  Co.),  1902,  S.  449.  Die  jeweilige  Preislage  (mit  Ausnahme  dessen  vom
Jahre  1900)  ist  ermittelt  als  Durchschnitt  der  Angaben  von  Vicomte  D’Avenel,  Histoire
Economique  de  la  Proprietö  des  Salaires  et  des  Denrties,  I.  Bd.,  S.  27  und  32,  Leber  und
Hanauer  (siehe  A.  Aupetit,  Essai  sur  la  theorie  generale  de  la  monnaie,  Paris  (Guillaumin),
1901,  S.  245);  jede  der  drei  Schätzungen  wurde  für  das  letzte  Viertel  des  achtzehnten  Jahrhunderts ­
  oder  vielmehr  von  1770—1790  auf  100  Prozent  reduziert.  In  jedem  Falle  stellt
die  angegebene  Zahl  den  Durchschnitt  der  von  den  drei  Autoritäten  gefundenen  Zahlen
für  das  vorangehende  und  folgende  Vierteljahrhundert  dar.  Als  ein  Kompromiß
zwischen  sehr  widerstreitenden  Forschungsergebnissen  ist  für  das  Jahr  1900  die
Zahl  125  gegeben.  Leber,  Hanauer  und  D’Avenel  stimmen  in  ihren  Feststellungen
ziemlich  überein,  und  D’Avenel  (1890  bis  1894)  fand  das  „gegenwärtige“  Preisniveau  in
Frankreich  doppelt  so  hoch,  als  es  in  den  Jahren  1776  bis  1790  gewesen  war  (S.  32),  was
die  erforderte  Zahl  200  ergibt.  Die  in  Investigations  in  Currency  and  Finanee,  London
(Macmillan),  1884,  S.  144,  durch  Jevons  für  die  Jahre  von  1782  bis  1818  für  England
aufgestellten  Zahlen  hingegen  in  Verbindung  mit  denjenigen  Sauerbecks  in  Course  of
Average  Prices  in  England,  London  (King),  1908,  vom  Jahre  1818  bis  zur  Gegenwart,  zeigen
ein  tatsächliches  Fallen  der  Preise  an,  wobei  sich  für  1900,  auf  der  oben  erwähnten  Basis,
eine  Ziffer  zwischen  75  und  80  ergibt.  Die  englischen  Zahlen  sind  viel  vollständiger  als  die
Zahlen  des  Kontinents  von  D’Avenel,  Leber  und  Hanauer,  weshalb  ihnen  auch  mehr  Gewicht ­
  beigemessen  wird,  und  die  Zahl  125  scheint  einen  angemessenen  ungefähren  Durchschnitt ­
  für  Europa  darzustellen.  Die  großen  Abweichungen  der  einzelnen  Zahlen  voneinander ­
  lassen  aber  diese  und  jede  andere  Zahl,  die  man  wählen  mag,  als  äußerst  ungewiß
erscheinen.
        <pb n="209" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

193

Am  vollständigsten  sind  die  in  Figur  11*)  dargestellten  statistischen  Angaben ­
  für  England  (von  Sauerbeck).  Bekanntlich  erlitten  die  englischen
Preise  durch  die  Ausgabe  von  uneinlösbarem  Papiergeld  während  der
Napoleonischen  Kriege  eine  künstliche  Steigerung.  Diese  Periode  der
Papierwährung  erstreckte  sich  vom  Jahre  1801  bis  1820.  Die  Preise  in
Papiergeld  waren  jedoch  nur  unbedeutend  höher  als  die  Preise  in  Gold
und  die  Hauptpreisbewegungen  wurden  (außer  in  wenigen  Jahren)  durch
das  Vorhandensein  der  Papierwährung  nur  in  geringem  Grade  beeinflußt.
Die  Hauptperioden  der  Preisbewegungen  in  England  seit  dem  Jahre  1789
können  in  folgender  Weise  dargestellt  werden.
Die  Preise  stiegen  vom  Jahre  1789-1809,  der  Geldbestand  nahm  zu.
Die  Preise  fielen  vom  Jahre  1809-1849,  der  Geldbestand  büeb  stationär.
Die  Preise  stiegen  vom  Jahre  1849-1873,  der  Geldbestand  nahm  zu.

Fig.  ll.

Die  Preise  fielen  vom  Jahre  1873—1896,  der  Geldbestand  nahm  nur
wenig  zu.
Die  Preise  stiegen  vom  Jahre  1896  bis  zur  Gegenwart,  der  Geldbestand
nahm  zu.
In  jedem  dieser  fünf  Fälle  ist  die  Bewegung  im  Bestand  der  Geldmetalle
in  Europa  laut  der  Tabelle  von  Del  Mar  angeführt 2 ).

!)  Die  Zahlen  sind  verschiedenen  Heften  des  Journal  of  the  Royal  Statistical  Society
entnommen.  Sauerbeck  hat  während  vieler  Jahre  seine  Indexziffer  in  der  Märzausgabe
dieser  Zeitschrift  veröffentlicht.
2 )  Ristory  of  the  Precious  Metalls,  S.  449.  Die  von  Del  Mar  gelieferten  Angaben
sind  auf  die  Schätzungen  von  King,  Humbolt,  Jacob,  Tooke,  Newmarch,  McCulloch  und
auf  seine  eigenen  gegründet.  Die  Angaben  beziehen  sich  etwa  auf  das  Ende  der  oben
angegebenen  Perioden  der  Preisbewegungen.  Die  folgenden  Zahlen  bilden  eine  kurze
Zusammenfassung  der  Del  Marschen  Angaben  in  bezug  auf  die  Edelmetall-Bestände
(in  Milliarden  Dollars  ausgedrückt):
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.  ^
        <pb n="210" />
        194

XI.  Kapitel.

Die  einzige  Periode,  die  auf  den  ersten  Blick  nicht  mit  dem  Ergebnis
übereinstimmt,  das  erwartet  werden  kann,  wenn  unsere  Theorie  vom  Einflüsse ­
  des  Geldbestandes  auf  das  Preisniveau  zutrifft,  ist  die  Periode  von
1873  bis  1896.  Von  den  anderen  vier  Perioden  weisen  drei  eine  Preissteigerung ­
  mit  zunehmenden  Geldbeständen  auf.  Die  vierte  ist  eine
Periode,  während  der  die  Bestände  stationär  blieben.  Da  das  Handelsvolumen ­
  zweifellos  zunahm,  war  natürlicherweise  ein  Fallen  der  Preise
zu  erwarten.
Die  Ausnahmeperiode  der  Jahre  1873  bis  1896,  in  der  ein  Sinken  der
Preise  zu  verzeichnen  war,  ist  wahrscheinlich  durch  die  Zunahme  im  Handelsvolumen ­
  und  die  schrittweise  Demonetisierung  des  Silbers  in  den  verschiedenen ­
  Ländern  zu  erklären.
Angesichts  der  Unvollständigkeit  des  zugrunde  liegenden  Materials
ist  der  vorstehende  Parallelismus  zwischen  den  Geldbeständen  und  den  Preisen
bemerkenswert 1 ).  Es  fehlen  in  der  Tabelle  nicht  nur  genaue  statistische
Angaben  über  das  Handelsvolumen  sowie  über  die  Umlaufsgeschwindigkeit, ­
  sondern  auch  zahlenmäßige  Belege  über  den  Bestand  an  Banknoten,
Staatspapieren  und  auf  Depositen  beruhenden  Umlaufsmitteln.  Bekannt
ist  uns  jedoch,  daß  das  moderne  Bankwesen,  das  vor  der  französischen  Revolution ­
  überhaupt  kaum  zu  einer  Entwicklung  gelangt  war,  sich  während
des  neunzehnten  Jahrhunderts  schnell  entfaltete.  Ebenso  wissen  wir,  daß
sich  das  Bankwesen  und  die  Depositenumlaufsmittel  während  der  in  der
Tabelle  verzeichneten  dritten  Periode  (1849—1873)  rascher  entwickelte,
als  in  der  vierten  Periode  (1873—1896)  2 ),  eine  Tatsache,  die  einigermaßen
zu  einer  Erklärung  des  verschiedenen  Verlaufes  der  Preisbewegungen  dieser
beiden  Zeitabschnitte  beiträgt.

§4-Der
  Verlauf  der  Preisbewegungen  während  des  neunzehnten  Jahrhunderts ­
  kann  demgemäß  durch  die  folgenden  auf  hoher  Wahrscheinlichkeit
beruhenden  Darlegungen  zusammengefaßt  werden:

1776

1,4

1870

3,6

1808

1,9

1876

3,7

1838

.....  1,3

1893

3,7

1850

2,0

1896

4,5

x )  Vgl.  Albert  Aupetit,  Essai  sur  la  theorie  genörale  de  lamonnaie.  Paris  (Guillaumin),
1901,  S.  271—285.
s )  Siehe  Mulhall,  Dictionary  of  Statistics,  unter  „Banks“.
        <pb n="211" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

195

1.  Von  1789  bis  1809  fand  ein  rasches  Steigen  der  Preise  statt.  In
dieser  Zeit  bewegte  sich  die  von  Jevons  aufgestellte  Indexziffer  von  85  bei
Goldwährungspreisen  auf  157,  oder  in  Papierwährung  ausgedrückt,  auf  161 1 ).
Das  heißt,  es  trat  tatsächlich  innerhalb  zwanzig  Jahren  eine  Verdoppelung
der  Preise  ein.  Diese  Steigerung  war  die  Folge  der  Zunahme  der  Goldund
  Silberbestände,  die  wiederum  der  starken  Produktion  dieser  Metalle
zuzuschreiben  war,  die  im  Vergleich  zu  den  vorherigen  und  nachherigen
Perioden  zu  jener  Zeit  herrschte.  Besonders  groß  war  die  Silbererzeugung  *  2 ).
Die  Napoleonischen  Kriege,  die  den  Wohlstand  untergruben  und  störend
auf  den  Handel  einwirkten,  machten  sich  wohl  in  gleicher  Weise  geltend 3 ).
2.  Von  1809  bis  1849  fielen  die  Preise.  Der  Jevons’schen  Bemessung
nach  sanken  sie  von  157  in  Goldwährung  oder  161  in  Papierwährung  auf  64.
Das  heißt,  es  trat  innerhalb  vierzig  Jahren  ein  Fallen  der  Preise  um  mehr  als
die  Hälfte,  oder  genauer,  bis  zu  zwei  Fünftel  ein.  Aller  Wahrscheinlichkeit
nach  wurde  dieses  Fallen  der  Preise  durch  den  Stillstand  in  der  Produktion
der  Edelmetalle  veranlaßt,  der  zur  Folge  hatte,  daß  die  angesammelten  Bestände ­
  mit  dem  Geschäftsvolumen  nicht  gleichen  Schritt  hielten;  tatsächlich ­
  blieben  die  Gesamtbestände  stationär,  während  der  Umfang  der  Geschäfte ­
  zunahm.  Selbst  die  Entwicklung  des  Banknotenwesens  genügte
nicht,  um  der  steigenden  Zunahme  des  Geschäftumfanges  zu  entsprechen.
Interessant  ist  die  Beobachtung,  daß  diese  Periode  des  Sinkens  der  Preise
durch  ein  nach  dem  Jahre  1833  eintretendes  zeitweiliges  Steigen  unterbrochen ­
  wurde,  das  sich  Jevons  nicht  zu  erklären  vermochte.  Anscheinend
war  dieses  Steigen  dem  von  Rußland  einströmenden  Golde  zuzuschreiben,
da  ja  zu  jener  Zeit  (im  Jahre  1830)  in  Sibirien  Goldfunde  gemacht  wurden  4  * ).
3.  Von  1849  bis  1873  war  (jedoch  mit  zwei  großen  Unterbrechungen)
ein  Steigen  der  Preise  zu  verzeichnen.  Den  von  Sauerbeck  ergänzten  Jevonsschen
  Zahlen  gemäß  6 )  stiegen  die  Preise  von  64  auf  86  und  nach  den  Sauer  -
beckschen  Zahlen  allein  von  74  auf  111.  Demnach  stiegen  die  Preise  in
U  Jevons,  Investiqations  in  Currency  and  Finance,  London  (Macmillan),  1884
S.  144.
a )  Siehe  Magee,  „World’s  Produktion  of  Gold  and  Silver“,  Journal  of  Political  Econ
 °my,  Januar  1910,  S.  54,  56.
3 )  Siehe  Harrison  H.  Brace,  Gold  Production  and  Future  Prices,  New  York  (Bankers’
Publishing  Co.)  1910,  S.  16  und  17.
4 )  Price,  Money  and  its  Relation  io  Prices,  S.  112.
s )  Dieses  Steigen  wird  gefunden,  indem  man  zu  Jevons’  Tabelle,  die  mit  1856  schließt,
e me  mutmaßliche  Zahl  (86)  für  1873  hinzufügt,  die  im  selben  Verhältnis  zu  der  Zahl  (78)
für  1865  ausgerechnet  ist,  in  der  Sauerbecks  Ziffer  (111)  für  das  Jahr  1873  zu  seiner
Ziffer  (101)  für  1865  steht.

13*
        <pb n="212" />
        24  Jahren  nach  der  einen  Berechnungsweise  um  ein  Drittel  und  nach  der
anderen  um  die  Hälfte.  Mutmaßlich  war  diese  Steigerung  auf  den  Goldinflationismus, ­
  der  den  berühmten  Goldentdeckungen  in  Kalifornien  im
Jahre  1849  und  in  Australien  in  den  Jahren  1851—1852  folgte,  zurückzuführen. ­
  Die  gleichzeitige  rasche  Entwicklung  des  Bankwesens  trug  trotz
der  andauernden  Zunahme  des  Handels  zum  gleichen  Ergebnis  bei.
4.  Von  1873  bis  1896  trat  ein  Preisfall  ein,  der  wahrscheinlich  in
dem  Nachlassen  der  Goldproduktion  seinen  Grund  hatte.  Außerdem  war
dieses  Fallen  dem  Umstand  zuzuschreiben,  daß  Nationen,  die  sich  zuvor
auf  einer  Silberbasis  befanden,  zur  Goldwährung  übergingen  und  so  Gold
dem  Weltvorrat  entnehmen  mußten;  ein  weiterer  Grund  des  Fallens  der
Preise  lag  in  dem  Aufhören  der  Ausbreitung  des  Silbergeldes,  und  zwar
infolge  der  Schließung  der  Münzstätten  für  dieses  Metall,  und  schließlich
trat  noch  die  Abnahme  in  der  Entwicklung  des  Bankwesens  und  das  andauernde ­
  Anwachsen  des  Handels  hinzu  x ).
Während  des  andauernden  Fallens  der  Preise  von  1873  bis  1896  nahm
ein  Land  nach  dem  anderen  die  Goldwährung  an.  Wie  bereits  erwähnt,
ging  Deutschland  in  den  Jahren  1871—1873  zur  Goldwährung  über  und
trug  auf  diese  Weise  dazu  bei,  die  Aufrechterhaltung  des  Bimetallismus
durch  die  Lateinische  Union  unmöglich  zu  machen.  Die  Skandinavische
Münzunion  nahm  die  Goldwährung  im  Jahre  1873  an.  Von  diesem  Zeitpunkte ­
  ab  bis  zum  Jahre  1878  hoben  die  Länder  der  Lateinischen  Union
die  freie  Ausprägung  von  Silber  auf  und  gelangten  tatsächlich  auf  eine
Goldbasis.  Für  die  Vereinigten  Staaten  bedeutete  die  Gesetzgebung  von
1873,  daß  unter  eventueller  Wiederaufnahme  der  Barzahlung  (die  im
Jahre  1879  tatsächlich  stattfand)  das  Währungssystem  dieses  Landes
auf  eine  Goldbasis  gestellt  werden  sollte,  wenn  auch  daselbst,  mit  Ausnahme ­
  des  Kleingeldes,  seit  mehreren  Jahrzehnten  kein  bedeutendes

J )  Es  steht  nicht  so,  als  hätte  die  linke  Seite  der  Gleichung  keine  Erhöhung  aufgewiesen, ­
  aber  sie  nahm  nicht  so  rasch  wie  der  Handel  zu;  aus  diesem  Grund  fielen  die
Preise.  Laughlin  glaubt  Mills  Behauptung  über  den  Haufen  zu  werfen,  daß  der  Kredit
auf  gleiche  Weise  wie  das  Geld  die  Preise  beeinflußt  (eine  Zunahme  des  Kredits  erhöht
die  Preise,  wenn  die  anderen  Faktoren  gleichbleiben),  indem  er  sich  auf  die  Tatsache  eines
enormen  Anwachsens  der  Depositenumlaufsmittel  in  dieser  Periode  beruft,  das  die  Preise
weder  erhöht,  noch  ihr  Fallen  verhindert  habe.  Wenn  aber  der  Handel  noch  schneller
zunahm  (und  Laughlin  gibt  selbst  eine  Zunahme  im  Handel  zu,  wenngleich  er  in  Abrede
stellt,  daß  dies  eine  zufriedenstellende  Erklärung  ist),  dann  steht  ein  Fallen  der  Preise
nicht  im  Gegensatz  zu  Mills  Theorie,  sondern  mit  ihr  im  Einklang.  Siehe  Laughlin,
The  Principles  of  Money,  New  York  (Scribner),  1903,  S.  319  und  320.
        <pb n="213" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

197

Quantum  Silber  geprägt  worden  war.  Die  Goldwährung  wurde  in  den
Niederlanden  in  den  Jahren  1875—1876,  in  Ägypten  im  Jahre  1885,  in
Österreich  im  Jahre  1892,  in  Indien  im  Jahre  1893,  in  Chile  im  Jahre  1895,
in  Venezuela  und  Costa  Rica  im  Jahre  1896,  in  Rußland,  Japan  und  Peru
im  Jahre  1897,  in  Ecuador  im  Jahre  1899  und  in  Mexiko  im  Jahre  1905
virtuell  angenommen.  Tatsächlich  haben  nunmehr  fast  alle  Länder  von
Bedeutung  endgültig  die  Goldwährung  angenommen.
Die  vorgenannten  Zahlen  beziehen  sich  nur  auf  „Goldländer“.  Im
Jahre  1873  fielen  jedoch  die  Gold-  und  Silberländer  sozusagen  auseinander.
Es  ist  daher  von  Interesse,  zu  untersuchen,  ob  die  Bewegung  der  Preise  in
den  Ländern  mit  Goldwährung  der  in  den  Ländern  mit  Silberwährung
parallel-  oder  entgegenlief.  Wie  zu  erwarten,  ist  das  letztere  der  Fall.
Durch  die  Demonetisierung  des  Silbers  in  Goldwährungsländem  wurde  ein
größeres  Quantum  dieses  Metalles  den  Silberwährungsländem  zur  Verfügung ­
  gestellt.  Wir  finden,  daß  die  Preise  demgemäß  in  Indien  von  107
im  Jahre  1873  auf  140  im  Jahre  1896  *),  in  Japan  von  104  im  Jahre  1873
auf  133  im  Jahre  1896  1  2 )  und  in  China  von  100  im  Jahre  1874  auf  109  im
Jahre  1893 3 )  stiegen.  Wenngleich  diese  Zahlen  nicht  so  zuverlässig  und
typisch  sind,  wie  die  Zahlen  für  die  Goldwährungsländer,  so  stimmen  sie
doch  in  der  Feststellung  einer  Preissteigerung  überein.  Wie  hoch  sich  die
Steigerung  belief,  ist  auf  verschiedene  Weise  angegeben;  sie  schwankt
zwischen  10  und  35  Prozent.  Nachstehende  Tabelle  stellt  den  Gegensatz
zwischen  den  Gold-  und  Silberländern  dar,  und  zwar  von  1873—1876  und
1890—1893.  Das  Schlußjahr  ist  das  der  Schließung  der  indischen  Münzstätte ­
  für  Silber 4 ).

1 )  F.  J.  Atkinson,  „Silver  Prices  in  India“,  Journal  oj  the  Royal  Statistical  Society,
März  1897,  S.  92.  Die  Zahlen  für  1893,  1894,  1895  und  1896  erfuhren  eine  Minderung,  da
die  indische  Münzstätte  im  Jahre  1893  dem  Süber  verschlossen  wurde.
2 )  Die  Zahlen  für  die  Jahre  1873  bis  1893  sind  den  Japanese  Monetary  Reports  vom
Jahre  1895  entnommen  und  von  Mr.  Sakata  von  der  Yale  Universität  für  mich  übersetzt
worden.  Die  Zahlen  für  1894,1895  und  1896  stammen  ebenfalls  aus  offiziellen  japanischen
Quellen  und  wurden  von  japanischen  Studenten  beschafft.
3 )  Aus  dem  in  obiger  Anmerkung  erwähnten  Bericht.
4 )  Die  Zahlen  der  indischen  Preise  sind  zu  dürftig  und  zu  lokaler  Natur,  um  von
solchem  Werte  wie  die  entsprechenden  Indexnummem  für  Europa  und  Amerika  zu  sein.
Vgl.  die  in  J.  Barr  Robertsons  Artikel  (1903)  zitierten  Zahlen,  Report  of  Commission  on
international  Exchange,  58.  Kongreß,  2.  Session,  House  of  Representatives  Dokument  144,
Washington,  1903,  S.  357—378.
        <pb n="214" />
        198

XI.  Kapitel.

Preise  in  Gold-  und  Silberwährungsländern 1 ).

Gold

Silber

1873—1876

100

100

1890—1893

78

117

Es  ist  zu  ersehen,  daß  die  Goldpreise  um  etwas  mehr  als  20  Prozent  gefallen ­
  und  die  Silberpreise  um  etwas  weniger  als  20  Prozent  gestiegen  sind 2 ).
Wenn  es  möglich  gewesen  wäre,  Mittel  zu  ersinnen,  durch  die  die  Goldund
  Silberpreisbewegung  einheitlich  geregelt  worden  wäre,  (z.  B.  durch
einen  die  ganze  Welt  umfassenden  Bimetallismus),  so  wären  die  Preise
in  den  Goldwährungsländern  nicht  in  solchem  Maße  gefallen  und  in  den
Silberwährungsländern  nicht  so  stark  gestiegen  (wenn  es  überhaupt  zu
einem  Steigen  gekommen  wäre!);  höchst  wahrscheinlich  wäre  in  den  Goldländern ­
  nur  ein  unbedeutendes  Fallen  zu  verzeichnen  gewesen  —  aller  Vermutung ­
  nach  um  10  Prozent  bis  zu  den  Jahren  1890—1893  und  etwas  mehr
bis  1896.  Der  Grund  liegt  darin,  daß  die  Bargeldvorräte  in  den  Silberländern
weniger  als  die  Hälfte  der  in  den  Goldländern  vorhandenen  betrug 3 )  (mit
Einschluß  der  Länder,  die  infolge  von  Silberüberflutung  zur  „hinkenden
Goldwährung“  übergegangen  sind),  sodaß,  wenn  ein  gegebenes  Quantum
Silber  vom  Silber-Orient  auf  den  Gold-Okzident  übertragen  worden  wäre,
die  Wirkung  auf  die  orientalischen  Preise  ungefähr  zweimal  so  stark  wie
auf  die  okzidentalen  Preise  gewesen  wäre.
Der  Übergang  Indiens  von  der  Silber-  auf  die  Goldseite  hat  ungefähr
neun  Zehntel 4 )  des  Bargeldvorrates  (Gold-  und  überwertetes  Silber)  in  der
Goldkolonne  gelassen.  Mit  anderen  Worten:  Die  Welt  befindet  sich  nun
tatsächlich  auf  einer  Goldbasis.  Die  Folgewirkung  war,  daß  die  indischen
Preise  sich  statt  in  entgegengesetzter  nunmehr  in  der  gleichen  Richtung  wie
die  europäischen  Preise 5 )  bewegten.
5.  Vom  Jahre  1896  bis  zur  Gegenwart  sind  die  Preise  auf  Grund  der

Q  Irving  Fisher,  „Prices  in  Silver  Countries“,  Yale  Review,  Mai  1897,  S.  79.  Die
Indexnummem  für  die  Goldländer  beruhen  auf  denjenigen  von  Sauerbeck  für  England,
Soetbeer,  Heintz  und  Conrad  für  Deutschland  und  Falkner  (Aldrich  Report)  für  die  Vereinigten ­
  Staaten.  Die  Indexnummern  für  Silberländer  sind  von  Atkinson  für  Indien
und  dem  Bericht  der  obenerwähnten  Japanese  Currency  Commission  entnommen.
2 )  Nebenbei  bemerken  wir,  daß  diese  Abweichung  zwischen  den  beiden  Preisarten
etwas  größer  ist,  als  die  Abweichung  zwischen  dem  Gold  und  Silber  selbst.
3 )  Siehe  Muhleman,  Monetary  Systems  of  the  World,  New  York  (Nicoll),  1897,  S.  177.
*)  Siehe  Muhleman,  Monetary  Systems  of  the  World,  New  York  (Nicoll),  1897,  S.  177.
')  Siehe  J.  B.  Robertson,  „Variations  in  Indian  Price  Levels  since  1861  expressed  in
Index  Numbers“,  Department  of  Commerce  and  Industry  (Government  of  India).
        <pb n="215" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

199

außerordentlichen  Erhöhung  der  Goldproduktion  und  der  andauernden
Zunahme  der  Geldmedia  aller  Art  gestiegen.  Das  südafrikanische  Gold  in
Verbindung  mit  dem  Golde  der  reichen  Minen  von  Cripple  Creek  sowie
anderer  Teile  des  Rocky  Mountain  Plateaus,  das  durch  das  Gold  aus  dem
Klondike-Bezirk  noch  Verstärkungen  erfuhr,  verursacht  und  bewirkt  noch
immer  eine  Wiederholung  des  gleichen  Phänomens,  wie  es  vor  einem  halben
Jahrhundert  zutage  trat.
Daß  ein  entschiedenes  Steigen  der  Preise  stattgefunden  hat,  ist  aus
allen  Indexnummern  klar  ersichtlich.  Die  hier  folgende  labelle  gibt
eine  Aufstellung  der  Zahlen  des  Economist,  von  Sauerbeck,  Dun,  den
Berichten  des  Arbeitsamtes  und  von  Bradstreet:

Englische  Indexziffern

Ende  Dez.

1896
1897
1898
1899
1900
1901
1902
1903
1904
1905
1906
1907
1908
1909

Economist  I  Sauerbeck

1950
1890
1918
2145
2126
1948
2003
2197
2136
2342
2499
2310
2197
2373

61
62
64
68
75
70
69
69
70
72
77
80
73
74

Amerikanische  Indexziffern

Dun

74
72
77
85
91
91
102
99
97
98
105

Arbeitsamt!  Bradstreet

90
90
93
102
111
109
113
114
113
116
123
130
123
127

59
61
66
72
79
76
79
79
79
81
84
89
80
85

Die  im  Vergleich  zu  dem  niedrigen  Niveau  von  1896  hoch  erscheinenden
Punkte  von  1900  und  1907  müssen  wenigstens  zum  Teil  auf  eine  Expansion
der  Kreditgewährungen  zurückgeführt  werden.  Der  passendste  Vergleich
(unter  Nichtberücksichtigung  der  Wirkungen  außergewöhnlicher  Veränderungen ­
  des  Kredits)  ist  vielleicht  der  der  Jahre  1896,  1903  und  1909  miteinander. ­
  Der  Beweis,  daß  in  der  ganzen  Welt  ein  Steigen  der  Preise  stattgefunden ­
  hat,  ist  nicht  nur  aus  den  Indexnummern  zu  ersehen,  die  ohnehin
nur  für  eine  beschränkte  Anzahl  von  Ländern  zu  Gebote  stehen,  sondern
auch  aus  dem  allgemeinen  Eindruck  auf  die  Konsumenten  sowie  aus
speziellen  Berichten  und  Untersuchungen  *).

l )  Siehe  den  Report  of  the  Seleä  Committee  on  Wages  and  Prices  of  Commodities  Senats
bericht  912,  61.  Kongreß,  2.  Session,  1910.
        <pb n="216" />
        200

XI.  Kapitel.

Eine  ausführlichere  Erörterung  der  Verhältnisse  in  den  Vereinigten
Staaten  während  der  Jahre  1896—1909  folgt  im  nächsten  Kapitel.
§5.
Die  Geschichte  der  Preise  ist  im  wesentlichen  die  Geschichte  eines  Wettlaufes ­
  zwischen  der  Zunahme  der  Austauschmedia  (0  und  G')  und  der  Zunahme ­
  des  Handels  (H)  gewesen,  während  sich  (nach  unserer  Annahme)
die  Umlaufsgeschwindigkeiten  in  viel  geringerem  Maße  veränderten.  Da
uns  über  die  Veränderungen  in  der  Entwicklung  des  Handels  nur  wenig  bekannt ­
  ist,  wollen  wir  versuchsweise  ein  beständiges  Wachsen  annehmen  und
den  Variationen  der  Zirkulationsmittel  unsere  Hauptaufmerksamkeit  widmen. ­
  Zuweilen  wurde  der  Handel  von  den  Zirkulationsmitteln  überflügelt,
was  ein  Steigen  der  Preise  zur  Folge  hatte.  Zweifellos  ereignete  sich  dies
in  den  unter  1,  3  und  5  aufgeführten  der  vorher  erörterten  fünf  Zeitperioden.
Andrerseits  blieben  zuweilen  die  Zirkulationsmittel  hinter  dem  Handel
zurück,  worauf  die  Preise  fielen.  Dies  muß  in  den  unter  Nummer  2  und  4
angeführten  Perioden  der  Fall  gewesen  sein.
Es  ist  von  Bedeutung,  an  dieser  Stelle  Nachdruck  auf  die  in  einem
vorhergehenden  Kapitel  erwähnte  Tatsache  zu  legen,  daß  nämlich  der  Zusammenbruch ­
  des  Bimetallismus  und  die  sich  daraus  ergebende  Spaltung
der  Welt  in  einen  Gold-  und  einen  Silberabteil  jeden  der  beiden  Teile  in
bezug  auf  die  Schwankungen  der  Produktion  der  Edelmetalle  empfindlicher
als  zuvor  gemacht  hat.  Die  gegenwärtige  Goldflut  kann  sich  nur  über
den  Goldabteil  der  Welt  und  nicht  über  den  ganzen  Erdkreis  ausbreiten,
wie  dies  tatsächlich  unmittelbar  nach  dem  Jahre  1849  mit  dem  Kalifornischen
Golde  der  Fall  war.  Im  bimetallistischen  Frankreich  wurde  zu  jener  Zeit
das  Silber  durch  Gold  verdrängt  und  nach  dem  Oriente  abgeleitet.  Der
Orient  gewährte  auf  diese  Weise  den  bimetallistischen  Ländern  Unterstützung, ­
  indem  er  das  Silber  aufnahm  und  für  das  Gold  Baum  schaffte;
dadurch  wurde  wiederum  durch  die  bimetallistischen  Länder  den  Goldländem
  Erleichterung  verschafft.
Seit  dem  Jahre  1873  ist  also  das  Goldreservoir  von  Europa  und  Amerika
von  dem  Silberreservoir  des  Ostens  getrennt  worden,  woraus  sich  ergab,
daß  das  Niveau  des  europäischen  und  amerikanischen  Keservoirs  gegen  einen
Mangel  wie  gegen  einen  Überfluß  an  Gold  empfindlicher  wurde.  Das  Resultat
war,  daß  sowohl  das  Fallen  der  Preise  von  1873  bis  1896  als  auch  ihr  gegenwärtiges ­
  Steigen  verschärft  wurde,  obgleich  die  spätere  Wirkung  durch
die  vorhergehende  Ausdehnung  der  Goldwährung  abgeschwächt  ist.
        <pb n="217" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

201

§  6.
Voraussichtlich  werden  auch  künftig  die  Preise  weiter  steigen,  und  zwar
wegen  der  andauernden  Zunahme  der  Goldzufuhr,  denn  heutzutage  wird  in
einem  Jahre  soviel  Gold  produziert,  als  während  des  ganzen  16.  Jahrhunderts
gewonnen  wurde.
Eine  äußerst  sorgfältige  Prüfung  der  gegenwärtigen  Verhältnisse  im
Goldbergbau  ergibt,  daß  wir  mit  Bestimmtheit  auf  eine  Fortdauer  der
Goldinflation  während  einer  Generation  oder  noch  länger  rechnen  können.
„Wenigstens  für  dreißig  Jahre  haben  wir  eine  Ausbeute  in  Gold  zu  erwarten, ­
  die  höher  oder  zum  mindesten  ebenso  hoch  ist  wie  die  der  letzten
Jahre 1 ).“  Dieses  Gold  wird  aus  den  Vereinigten  Staaten,  aus  Alaska,
Mexiko,  Transvaal  und  anderen  Teilen  Afrikas  und  Australiens  sowie  später
aus  Kolumbien,  Bolivien,  Chile,  den  Ural-Provinzen,  Sibirien  und  Korea
kommen.  Man  bedenke,  daß  es  nicht  die  jährliche  Produktion  sondern  die
Vorräte  an  Gold  sind,  die  auf  das  Preisniveau  einwirken,  und  daß  diese  höchstwahrscheinlich ­
  noch  während  vieler  Jahre  anwachsen  werden,  nachdem  die
Produktion  bereits  abzunehmen  begonnen  hat—tatsächlich  solange,  wie  sich
die  Produktion  über  der  Konsumtion  hält.
Das  Anschwellen  eines  Sees  hält  noch  lange  an,  nachdem  das  Hochwasser, ­
  durch  das  er  gespeist  wird,  sein  Maximum  erreicht  hat.  So  wird
die  Zunahme  der  Goldvorräte  noch  fortdauern,  wenn  die  jährliche  Goldproduktion ­
  schon  lange  zuzunehmen  aufgehört  hat.  Ob  das  Steigen  der  Preise
andauem  wird  oder  nicht,  hängt  davon  ab,  ob  die  Zunahme  des  Goldes  und
der  auf  Gold  gegründeten  Zirkulationsmittel  das  Anwachsen  des  Handels
fortgesetzt  übersteigt.  Es  ist  das  Verhältnis  des  Goldes  zum  Handel,  das
hauptsächlich  auf  die  Preise  einwirkt.  Selbst  wenn  die  Vorräte  an  Gold
während  vieler  Jahre  zunehmen  sollten,  ist  es  möglich,  daß  ein  Steigen  der
Preise  nicht  stattfindet,  denn  der  Handel  kann  noch  rascher  zunehmen.
Wenn  die  jährlichen  Goldzunahmen  zu  den  Gesamtvorräten  sich  gleich
bleiben  und  infolgedessen  die  Vorräte  stetig  zunehmen,  so  wird  das  Verhältnis ­
  der  sich  gleichbleibenden  Jahreszunahmen  zu  den  zunehmenden
Vorräten  offenbar  abnehmen,  wodurch  die  Zunahme  in  den  Vorräten  einen
andauernd  abnehmenden  Einfluß  auf  das  Steigen  der  Preise  hat i)  2 ).

i)  L.  de  Launay,  The  World's  Gold,  Englische  Übersetzung,  New  York  (Putnam),
1908,  S.  227.
*)  Vgl.  Jevons,  Investigations  in  Currency  and  Finance,  London  (Macmillan),  1884,
S-  64,  65  und  66;  ebenso  Harrison  H.  Brace,  Gold  Production  and  Future  Prices,  New  York
(Bankers’  Publishing  Co.),  1910,  S.  113.
        <pb n="218" />
        202

XI.  Kapitel.

Es  ist  schwer,  das  künftige  Wachsen  des  Handels  vorauszusehen,  und  es
ist  daher  unmöglich,  zu  sagen,  wielange  die  Goldexpansion  der  Handelsexpansion ­
  überlegen  bleiben  wird.  Daß  jedoch  der  Handel  für  viele  Jahre
vom  Golde  überholt  wird,  ist  zu  erwarten  aus  dem  Grunde,  weil  keine  unmittelbare ­
  Aussicht  auf  einen  Rückgang  des  prozentualen  Wachstums  der
Goldbestände  noch  auf  eine  Zunahme  des  prozentualen  Wachstums  des
Handels  besteht.  Die  Bergwerksingenieure  berichten  nicht  allein  von  unermeßlichen ­
  ausbeutungsfähigen  Goldlagern  in  entlegenen  Gegenden  (z.  B.
eines  solchen  im  Werte  einer  vollen  Milliarde  Dollar  in  einer  Gegend
Kolumbiens  allein),  sondern  jeder  Ausblick  in  die  Zukunft  deutet  mit  Bestimmtheit ­
  auf  eine  mögliche  und  höchstwahrscheinliche  Verbilligung  der
Goldgewinnung.  Bei  Anwendung  des  Zyanitverfahrens  lohnt  sich  die
Ausbeutung  von  Bergbauen  mit  geringhaltigen  Erzen.  Wenn  wir  die  Phantasie ­
  unserer  Zeit  ein  wenig  vorauseilen  lassen,  können  wir  auch  in  Zukunft
mit  ähnlichen  technischen  Fortschritten  rechnen,  durch  die  noch  geringhaltigere ­
  Erze  bearbeitet  werden  können,  und  möglicherweise  auch  die
See  gezwungen  werden  kann,  ihr  Gold  auszuliefern.  Gleich  der  Oberfläche ­
  der  Kontinente  enthalten  die  Gewässer  der  Ozeane  viel  tausendmal
größere  Mengen  dieses  kostbaren  Metalles,  als  all  das  Gold,  das  in  der
ganzen  Weltgeschichte  bis  jetzt  gewonnen  worden  ist.  Es  ist  zu  hoffen,
daß  die  Kenntnis,  wie  dieser  verborgene  Schatz  zu  heben  ist,  nie  erlangt
werden  wird.  Denn  wenn  Erfinder  und  Goldminenbesitzer  hierdurch  auch
reich  würden,  so  kann  man  sich  doch  kaum  eine  schlimmere  volkswirtschaftliche ­
  Kalamität  ausdenken,  als  die  sich  daraus  ergebende  Entwertung. ­
  Es  könnte  aber  auch  sein,  daß  die  Nationen  der  Welt  nur  durch
eine  solche  Kalamität  zum  Bewußtsein  der  Notwendigkeit  gebracht  werden
könnten,  sich  von  den  Metallwährungen  ganz  und  gar  freizumachen.
§  7-Wir
  haben  nun  die  Geschichte  der  Preisbewegungen  seit  der  Entdeckung
Amerikas  kurz  zusammengefaßt  und  ihre  Beziehung  zu  den  Vorräten  an
Edelmetallen  dargelegt.  Wie  aber  in  vorhergehenden  Kapiteln  hervorgehoben ­
  worden  ist,  umfassen  die  Edelmetalle  nicht  alle  Formen  der  Umlaufsmittel.
  Papiergeld  und  Bankdepositen  haben  während  des  neunzehnten
Jahrhunderts  einen  großen  Raum  in  den  Währungssystemen  eingenommen.
Es  ist  nicht  unsere  Absicht,  auf  eine  vollständige  Untersuchung  der
Wirkungen  des  Papiergeldes  auf  die  Preise  einzugehen.  Das  einzige,  was
wir  tun  können,  ist  eine  kurze  Darlegung  besonders  schlagender  Fälle
        <pb n="219" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

203

starker  Inflation  und  Kontraktion  des  Papiergeldwesens.  Dieses  sind  alles
Fälle  von  nicht  einlösbarem  Papiergeld.  Sobald  es  einlösbar  ist,  wird  durch
dieses  Moment  die  Möglichkeit  seiner  Vermehrung  eingeschränkt  und,  was
noch  wichtiger  ist,  die  Wirkung  seiner  Vermehrung  auf  einen  so  großen
Flächenraum  verteilt,  daß  nur  eine  ganz  geringe  Einwirkung  auf  die  Preise
wahrnehmbar  ist.  Diese  Verteilung  wird  bewirkt  durch  die  Ausfuhr  von
Metallgeld  aus  dem  Lande,  in  dem  die  Papierausgabe  erfolgt.  Wenngleich ­
  das  Papier  selbst  nicht  exportiert  werden  kann,  so  verdrängt  es
doch  das  Gold  und  Silber,  was  bezüglich  der  Einwirkung  auf  die  Preise
auf  dasselbe  hinausläuft.
Wenn  jedoch  das  Papiergeld  nicht  einlösbar  ist,  so  besteht,  nachdem
das  Metallgeld  aus  der  Zirkulation  verbannt  worden  ist  (sei  es  durch  die
Ausfuhr,  durch  Einschmelzen  oder  durch  Thesaurieren  zur  Vermeidung
einer  verhängnisvollen  Krisis),  keinerlei  Möglichkeit  einer  derartigen  weiteren
Ausbreitung.  Die  Einwirkungen  auf  die  Preise  sind  dann  gänzlich  lokaler
Natur  und  äußern  sich  daher  viel  merklicher 1 ).
Die  Folge  davon  ist,  daß  die  schlagendsten  Beispiele  eines  Preisinflationismus ­
  solche  Fälle  sind,  bei  denen  es  sich  um  uneinlösbares  Papiergeld
handelt.  Oft  wird  das  Steigen  der  Preise  noch  beschleunigt  durch  die
allmähliche  Substituierung  anderen  und  besseren  Geldes  oder  durch  die
Rückkehr  zum  Tauschhandel,  der  die  Sphäre,  in  der  das  Papier  benutzt
wird,  noch  weiter  einschränkt  und  so  den  Überfluß  an  Papiergeld  innerhalb ­
  dieser  Sphäre  noch  verstärkt.  Dort,  wo  das  Papiergeld  aus  irgendeinem ­
  Grunde  scheel  angesehen  wird,  —  sei  es,  weil  die  versprochene
Einlösung  auf  ungewisse  Zeit  aufgeschoben  wurde,  sei  es  aus  dem  bloßen
Grunde,  weil  es  im  Werte  sinkt  oder  aus  irgendeiner  anderen  Ursache
Einbuße  erleidet  —  bleibt  sein  Umlaufskreis  beschränkt 2 ).  Gläubiger  und
Geschäftsleute  suchen  die  Annahme  solchen  Papiergeldes  nach  Möglichkeit ­
  zu  vermeiden,  indem  sie  entweder  im  voraus  kontraktliche  Bestimmungen ­
  über  die  Einlösung  oder  Bezahlung  treffen,  zum  Tauschhandel  Zuflucht ­
  nehmen,  zweierlei  Preisgruppen  aufstellen,  eine  in  Papiergeld  und  die
andere  in  irgendeiner  anderen  Geldart,  oder  durch  offene  Verweigerung  der
Annahme.  Zu  guter  Letzt  kann  es  Vorkommen,  daß  das  Papier  überhaupt
aufhört  benutzt  zu  werden.  In  diesem  Falle  sinkt  der  Wert  immer  weiter

,)  siehe  Ricardo,  Essay  on  the  „Bvjh  Price  of  Bullion“,  Works,  2.  Aufl.,  London
'“"TÄTa.  Walker,  Me»»  *.£«*  &amp;lt;■«).  S.  m.  Ygl.  Jo.epk
French  Johnson,  Money  and  Currency,  Boston  (Gmn),  1906,  S.  269.
        <pb n="220" />
        204  XI.  Kapitel.

herab  und  die  Preise  steigen  infolgedessen  (soweit  sie  noch  in  Papier  ausgedrückt
  sind)  ins  Maßlose.
Wie  sich  die  Situation  auch  immer  gestalten  mag,  die  Verkehrsgleichung
bestätigt  sich  nach  wie  vor,  obwohl  sie  an  Bedeutung  verliert,  weil  unter  H,
das  tatsächlich  den  ganzen  Handel  umfassen  sollte,  nunmehr  nur  jener  verschwindende, ­
  noch  mittelst  Papiergeld  durchzuführende  Teil  des  Handels
zu  verstehen  ist.
Der  Wert  uneinlösbaren  Papiergeldes  ist  daher  äußerst  prekär.  Wenn
es  —  aus  irgendwelcher  Ursache  —  einmal  zu  fallen  begonnen  hat,  besteht
die  Gefahr  eines  weiteren  Sinkens,  und  zwar  nicht  nur  der  stets  bestehenden ­
  Versuchung  wegen,  zu  weiteren  Emissionen  zu  greifen,  sondern  auch
infolge  des  steigenden  Mißtrauens  des  Publikums  gegen  das  Papiergeld,
das  früher  oder  später  seinen  Gebrauch  einschränkt x ).  In  vielen  Fällen
gelingt  es,  dem  nicht  einlösbaren  Papiergelde  eine  genügende  Akzeptabilität ­
  zu  bewahren,  um  ihm  ein  virtuelles  Monopol  als  Austauschmedium
zu  sichern.
Obwohl  vom  theoretischen  Standpunkte  nicht  einlösbares  Papiergeld
die  billigste  und  am  leichtesten  regulierbare  Umlaufsmittelform  sein  mag,
und  obwohl  es  in  gewissen  Fällen  während  einer  beträchtlichen  Zeit  ein
stabiles  Umlaufsmittel  geblieben  ist,  so  lehren  die  Erfahrungen  der  Geschichte ­
  doch  nachdrücklich,  daß  nicht  einlösbares  Papiergeld  Währungsmanöver, ­
  Geschäftsmißtrauen,  spekulative  Geschäftsverhältnisse  und  alle
sich  hieraus  ergebenden  Übelstände  zur  Folge  hat.

§8.
Eine  der  ältesten  Anwendungen  des  Papiergeldes  ist  die  von  John  Law,
der  im  Jahre  1716  in  Frankreich  eine  Emissionsbank  errichtete.  Zwei  Jahre
später  (4.  Dezember  1718)  wurde  die  Bank  vom  Staate  übernommen.
Schlaue  Geschäftsleute  erwarben  sehr  bald  für  Noten  Bargeld  und,  obgleich ­
  der  Export  von  Metallgeld  gesetzlich  untersagt  war,  exportierten  sie
dieses  insgeheim.  Am  27.  Mai  1720,  also  schon  vier  Jahre  nach  ihrer
Gründung,  stellte  die  Bank  die  Bareinlösung  ein.  Bis  November  genannten
Jahres  fiel  das  Papier  auf  ein  Zehntel  seines  Nominalwertes  und  wurde
sodann  ganz  wertlos.
Klassisch  ist  die  Geschichte  der  während  der  französischen  Revolution

1 )  Vgl.  die  Erwähnung  dieses  Einflusses  auf  die  Entwertung  im  Bullion  Report  III.
        <pb n="221" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

205

ausgegebenen  Assignaten 1 ).  Im  Dezember  1789  erfolgte  die  erste  Ausgabe ­
  dieser  Geldanweisungen  in  Höbe  von  vierhundert  Millionen  Franken,
deren  Wert  ausdrücklich  durch  den  der  Nation  gehörenden  Grundbesitz
als  gedeckt  gelten  sollte.  Die  Noten  gelangten  im  April  1790  zur  Ausgabe
und  trugen  3  Prozent  Zinsen.  Dem  ursprünglichen  Projekte  zufolge  waren
alle  für  Landeigentum  in  Zahlung  empfangenen  Assignaten  zu  verbrennen.
Aber  die  ursprünglichen  Absichten  scheint  man  bei  der  Ausgabe  von  Papiergeld ­
  nie  verwirklichen  zu  können.  Statt  dessen  wurden  hundert  Millionen
in  Form  kleiner  Noten  aufs  neue  ausgegeben.  Die  Preise  begannen  alsbald
zu  steigen.  Im  Juni  des  Jahres  1791  erfolgte  eine  weitere  Ausgabe  von
sechshundert  Millionen,  worauf  sofort  ein  Disagio  in  Höhe  von  8  bis
10  Prozent  zu  verzeichnen  war.  Binnen  kurzer  Zeit  verschwand  das  Metallgeld. ­
  Im  Dezember  1791  wurden  weitere  dreihundert  Millionen  Franken
verausgabt.  Februar  1792  standen  die  Assignaten  über  30  Prozent  unter  Pari.
Im  darauffolgenden  April  erschien  ein  Dekret  zur  Ausgabe  von  weiteren
dreihundert  Millionen,  der  im  Juli  eine  Ausgabe  in  der  Höhe  des  gleichen
Betrages  hinzugefügt  wurde.  Beinahe  alle  Preise  waren  sehr  hoch,  die  Löhne
hingegen  scheinen  auf  dem  Niveau  von  1788  geblieben  zu  sein.  Mit  dem
14.  Dezember  1792  waren  dreitausendvierhundert  Millionen  Franken  in
Assignaten  ausgegeben  worden,  von  denen  sechshundert  Millionen  verbrannt
und  zweitausend  achthundert  Millionen  in  Zirkulation  belassen  wurden.  Zur
Festsetzung  von  Maximalpreisen  erlassene  Gesetze  wurden  umgangen.  Im
Jahre  1796  erreichten  die  insgesamt  ausgegebenen  Geldanweisungen  die
Summe  von  fünfundvierzig  Milliarden  Franken,  von  denen  sechsunddreißig
Milliarden  zirkulierten.  Im  Februar  dieses  Jahres  betrug  der  Wert  eines
Gold-Louisdors  von  25  Franken  7200  Franken  in  Assignaten  und  letztere
galten  y 288  ihres  Pariwertes.  Hierauf  wurde  eine  neue  Art  Papiergeld,  die
sogenannten  Mandate,  ausgegeben,  die  aber  alsbald  auf  5  Prozent  ihres
Nominalwertes  fielen.  Zuletzt  wurden  die  Mandate,  die  sich  auf  fünfundzwanzighundert ­
  Millionen  beliefen,  sowie  die  sechsunddreißig  Milliarden
Assignaten  vom  Publikum  zurückgewiesen  und  somit  vollständig  wertlos.
§9.
Die  Erschütterungen  Englands  durch  die  Ausgabe  uneinlösbaren  Papiergelds ­
  waren  weniger  heftiger  Natur.  Unter  dem  Drucke  der  Napoleonischen  i)

i)  Über  die  folgenden  Tatsachen  siehe  Andrew  D.  White,  Paper  Money  Inflation
in  France,  Economic  Tracts,  Nr.  VII,  Nr.  3  der  Serie,  1882.
        <pb n="222" />
        206

XI.  Kapitel.

Kriege  war  die  Bank  von  England  im  Jahre  1797  genötigt,  Barzahlungen  der
Noten  einzustellen.  Hierdurch  wurde  die  Kraft,  die  eine  zu  starke  Ausgabe ­
  von  Banknoten  automatisch  einschränkte,  gelähmt.  Im  Jahre  1821
nahm  die  Bank  die  Barauszahlungen  wieder  auf.  Während  eines  großen
Teils  der  dazwischenliegenden  Periode  standen  die  in  Papiergeld  ausgedrückten
  Preise  sehr  hoch.  Die  folgende  Tabelle  von  Jevons  zeigt  die
relativen  Preise  in  Noten  und  Bargeld  von  1801  bis  1820 1 ).

Jahr

Goldwährung

Papierwährung

1801

140

153

1802

110

119

1803

125

128

1804

119

122

1805

132

136

1806

130

133

1807

129

132

1808

145

149

1809

157

161

1810

142

164

1811

136

147

1812

121

148

1813

115

149

1814

114

153

1815

109

132

1816

91

109

1817

117

120

1818

132

135

1819

112

117

1820

103

106

Die  Ursachen  der  Preissteigerung  wurden  in  dem  berühmten  „Bullion
Report“  untersucht.  Man  gelangte  allgemein  zu  der  Schlußfolgerung,  daß,
wenn  das  lokale  Umlaufsmittel  eines  Landes  nicht  mehr  in  Gold  einlösbar
ist  und  gleichzeitig  zu  irgendeiner  Zeit  im  Übermaß  ausgegeben  würde,
ein  „Steigen  des  Gold-Marktpreises  über  dessen  Miinzpreis“  stattfände.
Dieser  Notenüberschuß  kann  nicht  nach  anderen  Ländern  exportiert
werden  und,  da  er  nicht  in  Bargeld  einlösbar  ist,  braucht  er  nicht  notwendig
an  die  Stelle,  die  ihn  ausgegeben  hat,  zurückzufließen;  er  bleibt  in  Zirkulation ­
  und  wird  allmählich  durch  die  Steigerung  aller  Warenpreise  aufgebraucht. ­
  Eine  Zunahme  in  der  Quantität  des  lokalen  Umlaufsmittels

1 )  Investigations  in  Currency  and  Finance,  London  (MacmiUan),  1884,  S.  144.
        <pb n="223" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

■i
IcH
eines  Landes  erhöht  die  Preise  in  diesem  Lande  genau  in  derselben  We%&amp;lt;^
wie  eine  Zunahme  des  Gesamtangebotes  von  Edelmetallen  die  Preise  in  d(^
ganzen  Welt  erhöht.  Infolge  der  Zunahme  der  Quantität  wird  der  Wert
eines  gegebenen  Teiles  dieses  zirkulierenden  Mediums  im  Austausch  gegen
andere  Waren  erniedrigt.  Mit  anderen  Worten:  die  Geldpreise  aller  anderen ­
  Waren  —  die  Preise  des  Barrenmetalles  wie  die  aller  übrigen  Waren  —
werden  erhöht.  Es  ist  dies  eine  ausgezeichnete  Darlegung  der  Theorie
des  uneinlöslichen  Papiergeldes,  sofern  sich  die  Ausgabe  dieses  Geldes  innerhalb ­
  der  Schranken  der  allgemeinen  Verkehrsbedürfnisse  hält.  Von  einer
teilweisen  oder  gänzlichen  Aufgabe  seiner  Benutzung  infolge  seiner  Wertlosigkeit ­
  wird  keinerlei  Erwähnung  getan.  Dies  beruht  wohl  auf  der  Tatsache, ­
  daß  die  Papiergeldwirtschaft  in  England  niemals  ein  so  kritisches
Stadium  erreichte,  wie  dies  zweifellos  in  vielen  Fällen  in  Frankreich,  Österreich, ­
  Amerika  und  anderen  Staaten  der  Fall  gewesen  ist.
§10.
Lehrreich  sind  die  Erfahrungen,  die  Österreich  mit  dem  Papiergelde
gemacht  hat 1 ).  Gleich  vielen  europäischen  Banken,  wurde  die  Österreichische ­
  Bank  von  der  Regierung  als  ein  Instrument  zur  Vermittlung  von
Anleihen  benützt.  Dies  geschah  durch  die  der  Bank  erteilte  Erlaubnis,  große
Summen  in  Noten  auszugeben.  Die  Feldzüge  mit  Napoleon  erforderten  große
Geldmittel,  und  während  dieser  Kriege  mußte  die  Notenausgabe  bedeutend
erhöht  werden.  Im  Jahre  1796  betrug  die  Notenausgabe  47,000,000  Gulden,
1800  erreichte  sie  die  Höhe  von  200,000,000  und  im  Jahre  1806  die  Summe  von
449,000,000  Gulden.  Die  Banknoten  standen  bedeutend  unter  Pari.  Im
Jahre  1810  fielen  sie  nach  und  nach  auf  x / 6 , 1 / a  und  ungefähr  1 / 11  ihres  Pariwertes. ­
  Eine  im  Jahre  1811  erlassene  Proklamation  bewertete  sie  rückhaltlos ­
  auf  ein  Fünftel  ihres  Nominalwertes  und  ordnete  ihre  Auswechslung
gegen  Einlösungsnoten  zu  diesem  Satze  an.  Diese  Ersatznoten  zirkulierten
unter  dem  Namen  „Wiener  Bankozettel“,  die  sodann  das  österreichische
gesetzliche  Umlaufsmittel  wurden.  Aber  selbst  diese  Neuemission  fiel  im
Mai  1812  auf  V216  und  i m  desselben  Jahres  auf  V338  ihres  Nominalwertes,
während  die  Banknoten  auf  1690  zu  100  in  Silber  standen.  Hierauf  wurden
unter  einem  anderen  Namen  neue  Notenausgaben  hinzugefügt,  bis  im
Jahre  1816  das  insgesamt  ausgegebene  Papiergeld  über  638,000,000  Gulden

Q  Siehe  W.  G.  Sumner,  History  of  American  Currency,  New  York  (Holti  1R74.
Kapitel  in.  ’  ’
        <pb n="224" />
        208

XI.  Kapitel.

betrug  und  die  Preise  natürlich  ungeheuer  in  die  Höhe  getrieben  waren.
Zur  Einziehung  des  Papiergeldes  wurde  im  Jahre  1816  die  österreichische
Nationalbank  gegründet.  Das  Quantum  des  zirkulierenden  Papiers  wurde
sodann  von  Zeit  zu  Zeit  reduziert,  wobei  es  jedoch  nicht  ohne  gelegentliche
Rückfälle  ablief.  Gegenwärtig  (1913)  besitzt  Österreich  kein  Papiergeld,
das  nicht  Pariwert  hat.

§11.
Auch  eine  Anzahl  amerikanischer  Kolonien  hat  im  Papiergeldwesen  Erfahrungen ­
  gemacht.  Eine  der  gegen  England  erhobenen  Beschwerden  bestand ­
  im  Verbot  der  Ausgabe  von  Papiergeld  durch  das  englische  Parlament!
In  fast  allen  Fällen  x )  war  eine  zu  starke  Ausgabe  und  Entwertung  zu  verzeichnen. ­
  Dies  trifft  zum  Beispiel  für  Massachusetts  zu,  woselbst  zur
Deckung  der  Kosten  für  die  Feldzüge  gegen  Kanada 1  2 )  Papiergeld  ausgegeben ­
  wurde,  und  in  Rhode  Island,  einem  Land,  das  unter  dem  Papiergelde
vielleicht  mehr  litt  als  irgend  ein  anderes.  Die  hier  folgende  Tabelle  enthält
dem  Rechnungsbuch  von  Thomas  Hazard  entnommene  Zahlen  für  Rhode
Island 3 )  (die  Posten  und  Anmerkungen  erstrecken  sich  vom  Jahre  1750
bis  1785),  die  die  Höhe  sowie  die  Veränderlichkeit  der  Preise  anzeigen 4 ).

1755.  Heu  £  20  'per  Ladung.

Korn  per  Scheffel

Butter  per

Pfund

1751.

1751

7  s.

1758.

1760

16  s.

1762.

100  s.

Wolle  per  Pfund

Kartoffeln  per

Scheffel

1752.

1750

10  s.

1756.

1753

20  s.

1759.

28  s.

1774

35  s.

1768.

Während  der  Revolution  machten  wir  auch  eine  nationale  Erfahrung
mit  Kontinentalpapiergeld,  das  zu  der  schlimmen  und  noch  immer  geläufigen ­
  abfälligen  Redensart  „das  ist  keinen  Kontinentalen  wert“  (not  worth
a  Continental)  Veranlassung  gab.  Fast  vom  Augenblick  der  Ausgabe  an

1 )  Pennsylvanien  scheint  eine  Ausnahme  gebildet  zu  haben.
2 )  W.  G.  Sumner,  Bistory  of  American  Currency,  1.  Kapitel.
3 )  Ebenda.
4 )  Rowland  Hazard,  Sundry  prices  taken  from  Ye  Account  Book  of  Thomas  Hasard,
son  of  Roit.  Wakefield,  R.I.  (Times  Print),  1892.
        <pb n="225" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

209

begann  seine  Entwertung  (1755),  und  schließlich  bekannte  selbst  der  Kongreß, ­
  daß  dieses  Geld  auf  Vm  ( ' es  Nominalwertes  zuriickgegangen  sei 1 ).
Sämtliche  Preise  standen  natürlich  fürchterlich  hoch.  Selbst  das  neue,
für  die  alten  Emissionen  zum  Satze  eines  Dollars  für  vierzig  Dollar 1  2 )  ausgegebene ­
  Tenorpapier  nahm  rasch  im  Werte  ab.  Zu  jener  Zeit  war  ein
Scheffel  Weizen  fünfundsiebzig  Dollar,  ein  Pfund  Kaffee  vier  Dollar  und  ein
Pfund  Zucker  drei  Dollar  wert 3 ).  Es  ist  interessant,  die  Beobachtung  zu
machen,  daß  in  diesem  Falle  die  Entwertung,  die  eigentlich  nur  durch  eine  zu
starke  Ausgabe  hervorgebracht  worden  war,  anscheinend  weit  darüber  hinaus ­
  verschärft  wurde  durch  Mißtrauen  gegen  das  Geld  und  durch  Weigerung,
es  im  Handelsverkehr  anzunehmen.  Vor  allen  Dingen  waren  verschiedene
Kreise  abgeneigt,  das  Geld  anzunehmen  und,  je  mehr  das  Vertrauen
schwand,  desto  mehr  stieg  die  Zahl  derer,  die  die  Annahme  des  Geldes  ablehnten. ­
  Häufig  trat  der  Tauschhandel  an  die  Stelle  des  Geldverkehrs  4 ).
Zweifellos  war  die  Entwertung  um  so  größer,  als  das  aus  den  verschiedenen ­
  Kolonien  kommende  Papiergeld  dazu  beitrug,  die  Zirkulation  zu
überschwemmen,  indem  es  mit  dem  vom  Kongreß  bewilligten  Gelde  konkurrierte ­
  und  dessen  Zirkulationssphäre  einschränkte.

§  12.
Die  Wirkungen  waren  so  unheilvoll,  daß  der  Verfassung  der  Vereinigten
Staaten  eine  Verordnung  einverleibt  wurde,  die  den  Staaten  die  Ausgabe
von  Kreditscheinen  („bills  of  credit“)  untersagte.  Während  des  Bürgerkrieges ­
  war  aber  wiederum  die  Versuchung  groß,  zur  Gewinnung  von  Zahlungsmitteln ­
  zu  dieser  leichten  Methode  Zuflucht  zu  nehmen,  und  die  Bundesregierung ­
  selbst  gab  Noten  der  Vereinigten  Staaten,  die  sogenannten  „Green  -
backs“,  aus.  Die  Barzahlungen  waren  von  den  Banken  bereits  eingestellt
worden,  und  für  Gold  wurde  ein  kleines  Agio  in  Banknoten  gezahlt 5  *  * ).
Während  des  Krieges  wurden  von  Zeit  zu  Zeit  solche  „Greenbacks“
ausgegeben,  die,  jemehr  ihre  Umlaufsmenge  zunahm  und  je  nachdem  ein
Erfolg  oder  ein  Mißerfolg  der  Unionsarmeen  auf  das  Vertrauen  zu  dem

1 )  Siehe  Albert  S.  Bolles,  Financial  History  of  tlie  United  States,  I.  Bd.,  von  1774
bis  1789,  New  York  (Appleton),  1879,  S.  135.
2 )  Ebenda,  S.  137  und  138.
3 )  Ebenda,  S.  141.
*)  Ebenda,  IX.  Kap.
6 )  Davis  Rieh  Dewey,  Financial  Eistory  of  the  United  States,  New  York  (Lonemansl
3-  Aufl.,  §  29.  8  ’
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.

14
        <pb n="226" />
        210

XI.  Kapitel.

Papiergelde  einwirkte,  eine  mehr  oder  weniger  starke  Entwertung  erlebten.
Die  ausgegebenen  Summen  betrugen:  $  150,000,000  auf  Grund  des  Gesetzes ­
  vom  25.  Februar  1862,  $  150,000,000  auf  Grund  desjenigen  vom
11.  Juli  1862  und  $  150,000,000,  die  durch  die  Gesetze  vom  17.  Januar  und
3.  März  1863  bewilligt  wurden.  Außer  den  „Greenbacks“,  die  in  keinem  Falle
zu  geringerem  Betrage  als  einem  Dollar  ausgegeben  wurden,  erfolgte  auch
die  Ausgabe  eines  Umlaufsmittels  in  Bruchteilen  eines  Dollars  und  von  zinstragenden ­
  Noten,  mit  kurzer  Umlaufszeit;  beide  Geldsorten  erhielten
Zwangskurs 1 ).  Nachstehende  Tabelle  zeigt  an,  wie  die  Preise  stiegen *  2 ):

Preisindexnummern  wahrend  der  „Greenback“-Entwertung.

Jahr

Preis
des
Goldes 3  *  * )
in
Greenbacks

Indexnummern  der  Preise  in  nördlichen
Ländern  (1860=100)

Fal
in  Gold 6 )

mer  *)
in  Papier 6 )

Dun 7 )
in  Papier

Mitchell 7 )
Mittelzahl
in  Papier

1861

100

94

94

89

96

1863

144

91

132

150

134

1865

163

107

232

169

158

1867

138

123

166

164

150

1869

136

112

152

143

158

1871

112

123

136

132

130

1873

114

115

129

124

130

1875

115

116

129

117

121

1877

105

107

114

95

100

1879

100

.  95

95

85

85

Es  ist  behauptet  worden,  daß  die  während  der  „Greenback“-Entwertung
erfolgte  Preissteigerung  nicht  ihrer  Massenausgabe,  sondern  dem  seitens  des

x )  Ein  kurzer  Bericht  über  die  „Greenbacks“  bei  Dewey,  Financial  Eistory  of
the  United  States,  Kapitel  XII.  Die  vollständigste  Darstellung  bei  Wesley  Clair  Mitchell,
A  History  of  the  Greenbacks,  Chicago  (University  of  Chicago  Press),  1903,  zu  linden.
2 )  Aldrich,  Senate  Report  on  Wholesale  Prices  and  Wages,  52.  Kongreß,  2.  Session,
Tabelle  24,  S.  93.
3 )  Durchschnitt  von  Notierungen  im  Januar,  April,  Juli  und  Oktober,  von  Wesley
Clair  Mitchell,  Gold  Prices  and  Wages  under  the  Greenback  Standard,  Berkeley  (University
Press),  März  1908.
*)  Gewogener  arithmetischer  Durchschnitt  von  Preisangaben  68,60  Prozent  des
Totalaufwandes  umfassend.
6 )  Aldrich  Report,  S.  100.
6 )  Ebenda,  S.  93.
7 )  Von  Wesley  Clair  Mitchell,  ebenda,  S.  59.
        <pb n="227" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

211

Publikums  gegen  diese  „Greenbacks“  empfundenen  Mißtrauen  zuzuschreiben
war.  In  Wahrheit  sind  wohl  beide  Ursachen  wirksam  gewesen.  Dieses  Mißtrauen, ­
  das  die  Sphäre  der  „Greenbacks“  ganz  wesentlich  einschränkte,  lag
klar  zutage.  Kalifornien,  ja  tatsächlich  alle  Gegenden  westlich  der  Rocky
Mountains  machten  gewaltige  Anstrengungen,  das  Kursieren  der  „Greenbacks“ ­
  zu  verhindern,  was  auch  zum  großen  1  eil  von  Erfolg  begleitet  war.
Selbstverständlich  konnten  ferner  in  den  Südstaaten  die  „Greenbacks“  nicht
kursieren.  Durch  diese  Beschränkungen  allein  wurde  ihr  Umlauf  von  einer  im
Jahre  1860  aus  31  Millionen  bestehenden  Gesamtbevölkerung  auf  eine  Bevölkerung ­
  von  ungefähr  20  Milhonen,  also  auf  weniger  als  zwei  Drittel  der
Gesamtbevölkerung  eingeschränkt.  Das  Handelsvolumen,  für  das  die  „Greenbacks“ ­
  benutzt  wurden,  muß  daher  in  hohem  Grade  reduziert  worden  sem.
Der  Gesamtbetrag  der  während  des  Krieges  kursierenden  Umlaufsmittel  ist
mit  Gewißheit  nicht  bekannt,  doch  sind  die  zuverlässigsten  Abschätzungen
der  verschiedenen  Formen  von  Umlaufsmitteln  wohl  die  von  Mitchell x ).
Obwohl  er  bescheidenerweise  den  Leser  warnt,  Berechnungsversuche  der
Summen  anzustellen,  so  können  die  von  ihm  gegebenen  Ergebnisse  doch
als  einigermaßen  wertvoll  betrachtet  werden.  Unter  Weglassung  des  Geldes
im  Schatzamte  und  der  zinstragenden  Geldformen,  deren  langsame  Zirkulation ­
  bekannt  war,  waren  die  Gesamtbeträge  die  folgenden.

Ungefähr  abgeschätzter

Durchschnittspreise  aller

Umlauf  in  den  (loya-Artikel

 3 )  je  nach  ihrer  Be-Jahr



listischen)  Nord-Staaten

deutung  und  68,60  %  des

und  solchen,  die  auf  ihrer

Gesamtaufwandes  um-Seite

  standen s )

fassend

1860

433

100

1861

490

94

1862

360

104

1863

677

132

1864

708

172

1865

774

232

1866

759

188

Wenn  wir  die  Unzuverlässigkeit  der  für  die  Umlaufsmittel  gegebenen
Zahlen  *)  und  den  in  bezug  auf  die  anderen  Größen  in  der  Verkehrsgleichung
1)  ~Wesley  C.  MitcheU,  History  of  the  Greenbacks,  Chicago  (University  of  Chicago
Press),  1903,  S.  179.
2 )  loc.  cit.  S.  179.
3 )  Aldrich,  Report  on  Wholesale  Pnces.
4 )  So  ist  z.  B.  die  große  Reduktion  im  Jahre  1862  auf  die  Voraussetzung  zurückzuführen, ­
  daß  außer  in  Kalifornien  tatsächlich  das  ganze  Gold  aus  der  Zirkulation  gezogen

14*
        <pb n="228" />
        bestellenden  Mangel  an  Material  in  Berücksichtigung  ziehen,  so  ergibt  sich
hier  eine  ungefähre  Übereinstimmung  zwischen  dem  Volumen  der  Umlaufsmittel ­
  und  dem  Preisniveau.

§  13.
Es  darf  nicht  vergessen  werden,  daß  das  Vertrauen,  mit  dem  wir  es  zu
tun  haben,  nicht  vornehmlich  in  einem  Vertrauen  zur  Einlösung,  sondern
in  einem  Vertrauen  zum  Papiergelde  besteht,  d.  h.  zur  Kaufkraft  des  letzteren.
Dieses  Vertrauen  kann  auf  der  Erwartung  baldiger  Bareinlösung  oder  auf
anderen  Umständen  beruhen,  besonders  aber  auf  der  Erwartung  weiterer
Ausgaben  oder  Einlösungen.  Den  Wert  der  „Greenbacks“  erkläre  ich  mir
in  kurzem  folgendermaßen:
Das  Einlösungsgesetz  vom  Jahre  1875  kündigte  an,  daß  die  Regierung
der  Vereinigten  Staaten  beabsichtige,  die  „Greenbacks“  am  und  nach  dem
1.  Januar  1879  einzulösen.  Jeder  „Greenback“,  der  auf  diese  Weise  dem
diskontierten  Werte  eines  am  1.  Januar  1879  fälligen  Dollars  gleichkam,
stieg,  je  näher  diese  Zeit  heranrückte,  stetig  dem  Pariwerte  entgegen.  Eine
Anzahl  davon  wurde  aus  der  Zirkulation  gezogen,  um  sie  währenddes  Steigens
festzuhalten.  Einerseits  konnte  der  Wert  eines  „Greenbackdollars“  nicht  viel
geringer  sein  als  dieser  diskontierte  Wert  des  für  das  Jahr  1879  versprochenen
Golddollars,  sonst  würden  die  Spekulanten  die,,Greenbacks“  gänzlich  zurückgezogen ­
  haben.  Unter  der  bestimmten  Voraussetzung,  daß  die  Regierung
das  gegebene  Versprechen  erfüllen  würde,  hätte  sich  dies  auch  verlohnt.
Anderseits  konnte  der  Wert  der  „Greenbacks“  angesichts  des  Überflusses,
der  an  Papiergeld  im  Verkehr  herrschte,  nicht  größer  sein  als  der  besagte
diskontierte  Wert,  weil  die  Spekulanten  in  diesem  Falle  alles  Papiergeld  in
die  Zirkulation  wiedereingeführt  haben  würden,  zumal  die  in  Aussicht
stehende  Steigerung  zu  gering  war,  um  die  Zinsen,  die  durch  die  Nichtanlage
verloren  gingen,  einzubringen.  Auf  diese  Weise  funktionierte  die  Spekulation ­
  als  ein  Regulator  der  Quantität  des  Geldes.

wurde.  Begründeter  ist  wohl  die  Annahme,  daß  es  nur  zum  Teü  eingezogen  wurde.  Ein  großes
Quantum  davon  mag  thesauriert  worden  sein,  um  es  für  den  Export  oder  zur  Einschmelzung ­
  bereit  zu  halten.  Wenn  dies  der  Fall  war,  so  kursierte  es  höchstwahrscheinlich  bis
zu  einem  gewissen  Umfange.  Die  „Schatzbildung“  besteht  in  einem  längeren  Zurückbehalten ­
  des  Geldes  in  ein-  und  denselben  Händen,  womit  jedoch  eine  vollständige  Einstellung ­
  des  Austausches  nicht  verbunden  sein  muß.  Zu  jener  Zeit  bildete  das  Gold  eine
wertvolle  Form  von  Bank-„Reserven“.  Wenn  es  auch  nicht  zur  Bezahlung  von  Sichtforderungen ­
  verwendet  wurde,  so  stellte  es  doch  ein  sehr  liquides  Aktivum  dar,  das  rasch
realisiert  werden  konnte.
        <pb n="229" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

213

So  warf  das  Steigen  des  Wertes  der  „Greenbacks“,  wie  dies  bei  herannahenden
  Ereignissen  gewöhnlich  der  Fall  ist,  seine  Schatten  voraus.  Dieses
Steigen  war  „im  voraus  diskontiert“.  Es  ist  richtig,  daß  hier  die  endgültige
Ursache  der  Zunahme  im  Werte  des  Papiergeldes  in  dem  Vertrauen  auf  die
Einlösung  bestand;  in  den  durch  dieses  Vertrauen  verursachten  Ausgleichungen ­
  ist  jedoch  eine  Reduzierung  der  Quantität  des  in  Umlauf  befindlichen
Geldes  inbegriffen.  Wie  die  Verkehrsgleichung  deutlich  zeigt,  würde  die
Zunahme  im  Werte  ohne  eine  solche  Ausgleichung  unmöglich  sein.  Wir
müssen  aber  beachten,  daß,  wenn  der  Preis  der  Umlaufsmittel  bereits  genügend ­
  hoch  ist,  er  durch  die  Aussicht  auf  eine  künftige  Einlösung  nicht
weiter  erhöht  werden  kann.  Es  hätte  geschehen  können,  daß  der  Wert  der
Umlaufsmittel  sich  schon  über  dem  diskontierten  Pariwerte  befand,  der  zu  der
für  die  Einlösung  festgesetzten  Zeit  versprochen  wurde.  In  einem  solchen
Falle  bedarf  es  keinerlei  Spekulation  oder  einer  unmittelbaren  Wertsteigerung, ­
  bis  die  Zeit  der  Bareinlösung  nahe  genug  rückt,  um  sich  selbst  fühlbar
zu  machen.  Sobald  aber  die  Regierung  während  des  Krieges  die  weitere
Ausgabe  eines  bereits  im  Werte  gesunkenen  Papierumlaufsmittels  ankündigte,
kam  das  Publikum  durch  Freigabe  von  bisher  thesaurierten  und  verfügbaren ­
  Edelmetallvorräten  und  Beständen  seiner  weiteren  Entwertung  zuvor;
mit  anderen  Worten:  das  Publikum  beschleunigte  den  Umlauf  des  Geldes.
Jedermann  beeilte  sich,  sein  Geld  auszugeben,  bevor  eine  Preissteigerung
eintreten  würde,  und  gerade  diese  Handlungsweise  beschleunigte  das  Eintreten ­
  dieser  Preissteigerung.
Die  Bekanntgabe  von  Niederlagen  der  verbündeten  Armeen  im  Kriege
wirkte  in  derselben  Richtung,  insofern  sie  für  die  weitere  Ausgabe  von
»Greenbacks“  das  Signal  gaben,  während  sich  die  Ankündigungen  von
Siegen  nach  der  entgegengesetzten  Richtung  hin  geltend  machten  und  als
Vorzeichen  zu  einer  voraussichtlichen  Einlösung  betrachtet  wurden.
Wenn  eine  Geldwertsteigerung  vorausgesehen  wird,  so  ist  unter  den
Geldbesitzern  die  Tendenz  zur  Thesaurierung  oder  Zurückhaltung  des  Geldes
wahrzunehmen  und  unter  den  Besitzern  von  Gütern  das  Bestreben,  diese
schnellstens  zu  verkaufen.  Die  Wirkung  ist  diese,  daß  durch  Erniedrigung
der  Umlaufsgeschwindigkeit  und  Erhöhung  des  Handelsvolumens  die  Preise
herabgesetzt  werden.  Wenn  im  Gegenteil  ein  Sinken  im  Geldwerte  vorausgesehen ­
  wird,  so  ist  unter  den  Geldbesitzern  die  Tendenz  zu  einer  raschen
Ausgabe  und  unter  den  Güterbesitzern  der  Hang,  die  Güter  für  ein  Steigen
zurückzuhalten,  zu  beobachten,  woraus  sich  ergibt,  daß  durch  Erhöhung
der  Umlaufsgeschwindigkeit  und  Verringerung  des  Handelsvolumens  die
Preise  erhöht  werden.  Mit  anderen  Worten:  Die  Erwartung  eines  künftigen
        <pb n="230" />
        214  XI.  Kapitel.

Steigens  oder  Faliens  der  Preise  verursacht  ein  sofortiges  Steigen  oder  Fallen
der  Preise.
Diese  Vorahnungen  folgen  jedem  Anzeichen  und  jedem  Gerücht  so  pünktlich ­
  auf  dem  Fuße,  daß  oberflächliche  Beobachter  das  Steigen  und  Fallen
der  „Greenbacks“  direkt  und  allein  als  mit  der  erwarteten  Einlösung  in  Beziehung ­
  stehend  und  ohne  irgendwelche  Verbindung  zur  Quantität  betrachtet ­
  haben.  Diese  Beobachter  übersehen  die  wirklichen  Triebfedern  des
Mechanismus;  sie  sehen  nicht,  daß  diese  wenn  auch  raschen  Wirkungen
unbedeutend  und  begrenzt  sind.  Sie  stellen  die  einfachen  Anpassungen
der  im  IV.  Kapitel  beschriebenen  Übergangsperioden  dar.  Aus  der  Tatsache, ­
  daß  die  Verluste  in  Chickamauga  an  einem  einzigen  Tage  ein  Fallen
der  „Greenbacks“  um  4  Prozent  verursachten,  den  Schluß  zu  ziehen,  daß  deren
Wert  in  keinerlei  Beziehung  zu  ihrem  Volumen  stehe,  wäre  ein  großer  Fehler.
Dieses  Fallen  bedeutete  eine  geringe  Beschleunigung  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit
  und  eine  geringe  Verzögerung  des  Handelsvolumens.  Unter
gewöhnlichen  Umständen  kann  aber  die  Umlaufsgeschwindigkeit  nur  wenig
beschleunigt  werden,  während  das  dauernde  und  vollkommene  Darniederliegen ­
  des  Handels  nur  durch  einen  vollständigen  Zusammenbruch  der  Wirtschaftsordnung ­
  verursacht  werden  kann.

§  14.
In  den  südlichen  Staaten  ist  es  „selbst  annähernd  unmöglich,  zu  konstatieren, ­
  wieviel  konföderierte  Schatzanweisungen  zu  irgendeiner  Zeit  ausständig ­
  waren“  1 ).  Schwab  hat  jedoch  den  Wert  des  Goldes  in  konföderierter
Währung  und  Indexnummern  von  Preisen  in  den  Südstaaten  gegeben.  Er
zieht  folgenden  Schluß  1  2 ):
„Diese  Bewegung  der  Goldprämie  entspricht  ungefähr  dem  Betrage  der
in  den  einzelnen  Perioden  ausstehenden  Noten  der  Kegierung.  Die  nach
dem  August  des  Jahres  1862,  während  der  letzten  Monate  des  Jahres  1863
und  während  der  letzten  Monate  des  Krieges  verhältnismäßig  rasche  Erhöhung ­
  der  Notenausgabe  spiegelt  sich  in  der  in  diesen  drei  Zeiträumen
erfolgten  raschen  Erhöhung  der  Goldprämie  wider.  Als  zu  Beginn  des
Jahres  1863  der  Betrag  der  ausstehenden  Noten  stationär  blieb,  rückte
während  dieser  Monate  die  Goldprämie  etwas  langsamer  vor,  die  Abnahme

1 )  J.  C.  Schwab,  Confederate  States  of  America,  1861—1865,  New  York  (Scribner),
1901,  S.  165.
2 )  loc.  cit.  S.  167—169.
        <pb n="231" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

215

der  während  der  ersten  Hälfte  des  Jahres  1864  ausstehenden  Noten
gelangt  dagegen  deutlich  in  einem  zeitweiligen  Sinken  der  Prämie  zum
Ausdruck.
„In  den  Nordstaaten  ließ  der  Kurs  der  Goldprämie  während  des
Bürgerkrieges  das  Quantum  der  zu  irgendeiner  Zeit  ausstehenden  Noten  nur
ganz  undeutlich  erkennen.  Die  Prämie  stieg  sehr  rasch,  oder,  mit  anderen
Worten,  die  Noten  sanken  sehr  rasch  im  Werte  zu  Beginn  des  Jahres  1863;
während  des  zweiten  Viertels  dieses  Jahres  erholten  sie  sich  wieder,  sanken
nach  dem  August  1863  von  neuem,  bis  sie  im  Sommer  1864  ihren  niedrigsten
Punkt  erreichten,  worauf  sie  während  der  letzten  Monate  des  Krieges  wiederum ­
  stiegen x ).  Der  Wert  der  ,Greenbacks‘  war  eher  das  Barometer  der
öffentlichen  Stimmung  in  bezug  auf  den  Ausgang  des  Krieges,  als  der  Maßstab
  ihres  im  Umlauf  befindlichen  Quantums,  denn  nach  dem  Juli  des  Jahres
1863  und  sicherlich  nach  dem  Juli  des  folgenden  Jahres  wies  dieses  keine
wesentliche  Erhöhung  auf.  Tatsächlich  lief  während  des  Krieges  der  Goldwert ­
  der  ,Greenbacks‘  der  Nordstaaten  mit  dem  Goldwerte  der  Schuldscheine ­
  dieser  Staaten  ziemlich  parallel.  Dies  gilt  auch  von  den  konföderierten
  Schuldscheinen  und  Schatzanweisungen.  Offenbar  wurden  diese
beiden  Parallelschwankungen  durch  die  Schwankungen  des  Zutrauens  zu
dem  Kredit  der  beiden  betreffenden  Regierungen  verursacht.
„Eine  sowohl  auf  den  einfachen  als  auch  den  gewogenen  Durchschnitt
gegründete  allgemeine  Indexziffer  kann  für  jeden  der  beidenTeile  konstruiert
werden.  Die  Kurven,  die  diese  zwei  Zahlenreihen  darstellen,  laufen  nicht
parallel,  sondern  konvergieren  und  divergieren  während  der  verschiedenen
Perioden  des  Krieges;  die  Kurven  nähern  sich  dann,  wenn  die  Ereignisse ­
  auf  militärischem,  politischem  oder  finanziellem  Gebiete  die  Südstaaten ­
  entmutigten,  und  dadurch  in  den  Nordstaaten  die  Zuversicht  einer
baldigen  Beendigung  des  Krieges  verstärkten.  Dagegen  wichen  sie  zu
solchen  Zeiten  voneinander  ab,  wenn  die  Wechselfälle  der  Verbündeten
oder  Ereignisse  auf  einem  anderen  Felde  wie  auf  dem  Kriegsschauplätze ­
  den  Südstaaten  neue  Hoffnung  machte  und  auf  beiden  Seiten
zu  der  Meinung  führte,  daß  der  Krieg  sich  weiter  in  die  Länge  ziehen
würde  *  2 ).“
Wir  sehen  also,  daß  eine  übermäßige  Notenausgabe  nicht  nur  infolge
erhöhter  Quantität,  sondern  auch  infolge  schwindenden  Vertrauens  ein

Q  J.  C.  Schwab,  Conjederate  States  of  America,  1861—1865,  New  York  (Scribnerl
1901,  Tabelle  auf  S.  167.  ’’
2 )  J.  C.  Schwab,  loc.  cit.  S.  179.
        <pb n="232" />
        216

XI.  Kapitel.

Steigen  der  Preise  verursacht 1 ),  ein  Umstand,  der  auf  die  Sphäre,  in  der
das  Geld  zur  Verwendung  kommt,  einwirkt  und  infolgedessen  auf  das  mittelst
des  Geldes  bewältigte  Handelsvolumen  einen  Einfluß  ausübt  und  dessen
Umlaufsgeschwindigkeit  beschleunigt.

§  15.
Wir  haben  historische  Beispiele  von  den  Wirkungen,  die  Veränderungen
in  den  Edelmetallen  und  im  Papiergelde  auf  die  Preise  ausüben,  gegeben.
Es  bleibt  uns  noch  übrig,  historische  Beispiele  von  den  Wirkungen,  die  Veränderungen ­
  in  den  Depositenumlaufsmitteln  auf  die  Preise  ausüben,  näher
zu  betrachten.  Die  durch  Veränderungen  der  Depositenumlaufsmittel
veranlaßten  Preisbewegungen  schließen  gewöhnlich  jene  Kulminationen  ein,
die  als  Krisen  und  Depressionen  bezeichnet  werden.
Die  Wirtschaftsgeschichte  des  letzten  Jahrhunderts  ist  durch  eine
ganze  Beihe  von  Krisen  gekennzeichnet.  Juglar  gibt  in  seiner  Beschreibung
als  Vorzeichen  einer  nahenden  Krise  die  Merkmale  großen  Wohlstandes,
der  Unternehmungslust  sowie  Spekulationen  aller  Art,  ferner  das  Steigen
der  Preise,  Arbeitsnachfrage,  steigende  Löhne,  das  Streben,  schnell  reich
zu  werden,  erhöhten  Luxus  und  einen  übermäßigen  Aufwand  an a ).
Nach  Juglars  Begriffsbestimmung  bedeutet  eine  Krise  ein  Aufhalten
der  Preissteigerung.  Zu  höheren  als  den  bereits  erreichten  Preisen  können
keine  Käufer  mehr  gefunden  werden.  Wer  eingekauft  hat  und  mit  Vorteil
zu  verkaufen  hofft,  kann  seine  Güter  nicht  mehr  anbringen  *  2  3 ).
Unsere  vorige  Untersuchung  hat  uns  gezeigt,  daß  vor  dem  Eintreten
einer  Krise,  wenn  die  Preise  bereits  anziehen,  eine  große  Zunahme  der  Bankdepositen ­
  wahrzunehmen  ist,  und  daß  diese,  da  sie  ein  Zirkulationsmedium
sind,  das  Steigen  beschleunigen.

')  Vgl.  Wesley  Clair  Mitchell,  Eistory  of  the  Greenbacks,  S.  208  und  210.  Ebenso
Francis  A.  Walker,  Political  Economy,  3.  Aufl.,  New  York  (Holt),  1888,  S.  164.
2 )  Clement  Juglar,  Des  Crises  Commerciales  et  de  leur  Retour  Periodique  en  France,
en  Angleterre  et  aux  Etats-Unis,  2.  Aufl.,  Paris  (Guillaumin),  1889,  S.  4  und  5.  Siehe  auch
die  Übersetzung  des  Werkes,  die  sich  mit  den  Vereinigten  Staaten  beschäftigt,  von  De
Courcy  W.  Thom:  A  Brief  Eistory  of  Panics  in  the  United  States,  New  lork  (Putnam),
1893,  S.  7  bis  10.  Juglar  irrt  sich,  wenn  er  hinzufügt,  daß  der  Zinsfuß  bei  steigenden
Preisen  fällt.  Die  Tatsachen  beweisen,  daß  er  steigt,  wenn  auch  nicht  genug,  um  der
übermäßigen  Kreditgewährung  Einhalt  zu  tun.  Siehe  Irving  Fisher,  The  Rate  of  Interest,
XIV.  Kapitel.
3 )  Juglar,  loc.  cit.,  S.  14.
        <pb n="233" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

217

Es  ist  hervorgehoben  worden,  daß  bei  unseren  internationalen  Handelsbeziehungen ­
  das  aus  der  Ausdehnung  der  Depositen  resultierende  Steigen
der  Preise  ebenfalls  international  zu  sein  pflegt.  Selbst  wenn  sich  in  einigen
Ländern  die  Depositen  nicht  ausdehnen  sollten,  so  würde  nichtsdestoweniger
ein  Steigen  im  Preisniveau  eintreten.  Auch  würde  selbst  in  einem  Lande
von  beträchtlicher  Größe  die  Ausdehnung  der  Depositen  dadurch,  daß  sie
daselbst  die  Preise  erhöht,  den  Export  von  Gold  verursachen.  Auf  diese
Weise  würden  sich  die  Geldzulieferungen  in  anderen  Ländern  erhöhen  und
die  Preise  ebenfalls  ein  Steigen  erfahren.  Hierdurch  würde  die  Ausdehnung
der  Depositen  in  diesen  anderen  Ländern  angespornt  und  ein  weiteres  Steigen
herbeigeführt.  Selbst  wenn  also  die  Ausdehnung  des  Kredits  in  den  hauptsächlichsten ­
  Handelsländern  nicht  zu  ein-  und  derselben  Zeit  begonnen  hätte,
so  würde  sich  der  Anfang  in  einem  Lande  den  anderen  Ländern  rasch  mitteilen.
  Aus  demselben  Grunde  würde  das  Anhalten  des  Steigens  der  Preise
und  der  Beginn  ihres  Sinkens  in  fast  allen  hauptsächlichen  Ländern  zu  ungefähr ­
  derselben  Zeit  eintreten.  In  der  lat  finden  wir,  daß  dies  auch  der
Fall  ist.  Juglar  hat  eine  Tabelle  aufgestellt,  die  die  Krisen  in  England,
Frankreich  und  in  den  Vereinigten  Staaten  vom  Jahre  1800  bis  1882  veranschaulicht ­
  !).  Unter  Hinzufügung  der  Daten  späterer  Krisen  gestaltet  sich

die  Tabelle  folgenderweise:

Frankreich

1804
1810
1813—1814
1818
1825
1830
1836—1839
1847
1857
1864
1873
1882
1889—1890
1907

England

Vereinigte  Staaten

1803

1810

1815

1814

1818

1818

1825

1826

1830

1836—1839

1837—1839

1847

1848

1857

1857

1864—1866

1864

1873

1873

1882

1884

1890—1891

1890—1891

1893

1907

1907

*)  Juglar,  loc.  cit.  Tabelle  am  Schlüsse;  Thoms  Übersetzung  bringt  die  Tabelle  bis
zum  Jahre  1891,  S.  19.
        <pb n="234" />
        §  16.
Ein  Studium  der  Tabellen  von  Juglar  oder  Thom  zeigt,  daß  sich  der
Banknoten-  und  Depositengeldumlauf  im  allgemeinen  vor  einer  Krise  erhöht ­
  und  zur  Zeit  der  Krise  sein  Maximum  erreicht.  Die  Indexziffern  der
Preise  zeigen  allgemein  dieselbe  Kichtung.
In  gleicher  Weise  beweist  die  in  den  Vereinigten  Staaten  in  den  Jahren
1837  bis  1839  stattgehabte  Krise 1 ),  daß  der  Umlauf  von  Banknoten  der  Einzelstaatenbanken ­
  jedes  Jahr  stieg,  und  zwar  von  61  Millionen  im  Jahre  1830
auf  149  Millionen  im  Jahre  1837,  und  im  nächsten  Jahre  auf  116  Milhonen
fiel;  daß  die  individuellen  Depositen  jährlich  von  55  Millionen  im  Jahre  1830
auf  127  Milhonen  im  Jahre  1837  stiegen  und  im  nächsten  Jahre  auf  84  Millionen ­
  sanken;  ferner,  daß  sich  vom  Jahre  1844  bis  1848,  also  während  des
Zeitraumes  der  nächsten  Krise,  der  Umlauf  von  75  auf  128  Millionen  erhöhte,
im  darauffolgenden  Jahre  auf  114  Millionen  zurückging  und  daß  die  Depositen ­
  von  84  auf  103  Milhonen  stiegen,  worauf  sie  auf  91  Millionen  zurückgingen; ­
  daß  während  der  nächsten  Krise  in  den  Jahren  1851  bis  1857  der
Umlauf  von  155  auf  214  Milhonen  stieg,  im  darauf  folgenden  Jahre  auf
155  sank  und  daß  sich  die  Depositen  von  128  auf  230  Millionen  vermehrten
und  im  nächsten  Jahre  auf  185  Millionen  sanken.  Diese  Tatsachen,  nämlich
daß  während  der  Krisen  von  1837,  1846  und  1857  Preise  und  Depositen
stiegen,  ihren  Höhepunkt  erreichten  und  dann  wieder  fielen,  sind  durch  die
von  Sumner  gegebenen  Zahlen  für  den  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  berechneten ­
  Umlauf  und  Depositenbestand  bestätigt  worden 1  2 ).  Diese  Zahlen
veranschauhchen  die  charakteristische  plötzliche  Unterbrechung  der  Aufwärtsbewegung ­
  in  den  Jahren  der  Krise,  und  zwar  mäßiger  in  der  leichteren
Krisis  des  Jahres  1846  und  scharf  hervortretend  in  den  mehr  ausgesprochenen
Krisen  der  Jahre  1837  und  1857.  Ähnliche  Phänomene  zeigten  sich  bei  der
nächsten  Krise  der  Jahre  1863—1864.  Die  nach  dieser  Zeit  gegebenen  hauptsächlichsten ­
  Statistiken  betreffen  die  Nationalbanken,  und  diese  zeigen
analoge  Ergebnisse.  Vom  Jahre  1868  bis  1873  stieg  der  Umlauf  der  Nationalbanknoten ­
  von  295  auf  341  Millionen  und  begann  hierauf  wieder  zu  sinken,
während  in  derselben  Periode  die  Depositen  von  532  auf  656  Millionen  stiegen

1 )  Siehe  Thom,  Tabellen  folgend  nach  S.  18.
2 )  Ilistory  of  Banicing  in  the  United  States,  I.  Bd.  der  History  of  Banking  in  all  Nations,
New  York  (Journal  of  Commerce),  1896,  S.  456.  Die  Zahlen  sind  dem  37.  Kongreß,  3.  Session, ­
  5  Ex.,  210,  entnommen.
        <pb n="235" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

219

und  sodann  sanken.  Ähnliche,  wenn  auch  weniger  markierte  Bewegungen
traten  in  den  schwächeren  Krisen  der  Jahre  1884  und  1890  ein,  die  Thom
als  letzte  in  seine  Tabelle  aufgenommen  hat.  Die  im  Jahre  1893  stattgefundene ­
  Krise  nimmt  eine  Ausnahmestellung  ein  und  beschränkte  sich
größtenteils  auf  die  Vereinigten  Staaten;  diese  Krise  war  in  der  Hauptsache
eine  Folge  der  Zweifel  an  der  Stabilität  der  Goldwährung  und  bezog
sich  weniger  auf  den  Geldumlauf  und  die  Ausdehnung  der  Depositen*).
Während,  wie  in  den  Jahren  1873,  1884  und  1907,  das  Verhältnis  der
Depositen  zu  den  Reserven  in  dem  typischen  Spekulationszyklus  sich  allmählich ­
  zugunsten  der  ersteren  verschiebt,  bis  es  gerade  vor  der  Krisis
seinen  Höhepunkt  erreicht,  war  dies  im  Jahre  1893  nicht  der  Fall.
Das  Depositenquantum  der  Nationalbanken  war  allerdings  im  Jahre  1892
größer  als  das  der  Jahre  1890  oder  1891,  nicht  aber  im  Verhältnis
zu  den  Reserven,  wenngleich  möglicherweise  die  Zunahme  in  den  Reserven, ­
  die  der  leichten  Krise  von  1890—1891  folgte,  für  diese  Tatsache
verantwortlich  zu  machen  ist.  Ebenso  richtig  ist  es,  daß  das  Verhältnis
der  Depositen  zu  den  Reserven  der  Nationalbanken  im  Jahre  1893  ein
schlechtes  war,  doch  bot  nicht  die  Ausdehnung  der  Depositen  die  Veranlassung ­
  hierzu  —  denn  die  Depositen  nahmen  während  dieses  Jahres  ab  —,
sondern  es  war  dies  auf  den  Run  auf  die  Banken  und  die  konsequente
Erschöpfung  ihrer  Reserven  zurückzuführen  2 ).  Die  Krise  des  Jahres  1907
hingegen  war,  gleich  der  des  Jahres  1857,  eine  typische  Krise  der  Ausdehnung ­
  der  Umlaufsmittel.  Die  Begleitumstände  dieser  Krisen  werden  im
nächsten  Kapitel  eingehender  erörtert.
Dieselbe  Tendenz  des  Geld-  und  Notenumlaufs  und  des  Depositenbestandes,
  beim  Eintreten  oder  Herannahen  einer  Krise  das  Maximum  ihrer
Ausdehnung  zu  erreichen  und  unmittelbar  darauf  zurückzugehen,  ist  in
Frankreich  ziemlich  gut  illustriert  worden  3 ).

J )  Lauck,  Causes  of  the  Panic  of  1893,  Boston  (Houghton,  Mifflin),  1907,  S.  118.
O.  M.  W.  Sprague  bemerkt  in  „History  of  Crises  under  the  National  Banking  System“,
National  Monetary  Commission  Report,  Senatsdokument  538  (61.  Kongreß,  2.  Session),
daß  bei  den  Runs  auf  die  Banken  keine  spezielle  Nachfrage  nach  Gold  zutage  trat
und  neigt  der  Ansicht  zu,  daß  der  Einfluß  der  Ausdehnung  in  den  Umlaufsmitteln  übertrieben ­
  worden  ist.
2 )  Betreffs  eines  statistischen  Vergleiches  dieser  Verhältnisse  mit  typischen  Krisen
siehe  den  Artikel  von  Harry  G.  Brown,  „Typical  Commercial  Crises  versus  a  Money  Panic“
T  ale  Review,  August  1910.
3 )  Juglar,  a.  a.  0.  Tabellen  nach  S.  339  und  Karte  am  Schluß.  Juglar  nennt  die
        <pb n="236" />
        220

XI.  Kapitel.

Bei  der  Bank  von  England  finden  wir  im  allgemeinen  den  gleichen
Zusammenhang  zwischen  Krisen,  Umlauf  und  Privatdepositen 1 ).
§  17.
Abgesehen  davon,  daß  Geld-  und  Depositenumlaufsmittel  (G  und  G')
zur  Zeit  einer  Krise  regelmäßig  auf  ein  Maximum  steigen,  geht  auch
deren  Umlaufsgeschwindigkeit,  soweit  uns  die  Statistik  erkennen
läßt,  durch  denselben  Entwicklungsgang.  Pierre  des  Essars  hat  dies
für  die  Umlaufsgeschwindigkeit  der  Depositen  über  allen  Zweifel
dargetan *  2 ).
Für  die  Vereinigten  Staaten  besitzen  wir  kaum  eine  Statistik  über  die
Umlaufsgeschwindigkeit  der  Depositen,  doch  zeigt  die  zweier  Banken  in
New  Haven  und  einer  in  Indianapolis,  die  ich  für  die  letzten  Jahre  erlangte,
ein  Maximum  im  Krisisjahre  1907.
Nach  einer  Krisis  tritt  eine  Abnahme  von  G,  G",  U  und  U'  ein.  Die
Bankreserven  nehmen  zu,  und  dies  verursacht  eine  Abnahme  von  G.
Da  sowohl  die  Umlaufsmittel  als  auch  deren  Geschwindigkeit  vor  einer
Krise  zunehmen,  zurZeit  der  Krise  ihren  Höhepunkt  erreichen  und  nach  der
Krise  fallen,  so  ist  es  nicht  verwunderlich,  wenn  die  Preise  denselben  Verlauf
nehmen.  Daß  dies  geschieht,  ist  die  eigentliche  Bedeutung  einer  Kise.
Wie  bereits  erwähnt,  erklärt  Juglar  in  der  Tat  eine  Kisis  als  das  Aufhalten
einer  Preissteigerung.  Die  Preisindexnummern  zeigen  das  Steigen,  den
Höhepunkt  und  das  plötzliche  Fallen  beinahe  aller  Kisisjahre  an,  für  die
Preisstatistiken  vorhanden  sind 3 ).
Die  nachstehenden  Zahlen  sollen  ein  Bild  der  Kisis  des  Jahres  1907
in  den  Vereinigten  Staaten  geben  und  damit  den  Gipfelpunkt  eines  typischen
Kreditzyklus  illustrieren:

Krisis  des  Jahres  1873  in  Frankreich  eher  eine  politische  als  eine  Handelskrisis.  Die  Statistiken ­
  des  Geld-  und  Notenumlaufes  und  der  Depositen  sowie  deren  Umlaufsgeschwindigkeit, ­
  die  Pierre  des  Essars  geliefert  hat,  ergeben  für  das  Jahr  1873  ihren  Höhepunkt  und
gehen  unmittelbar  darauf  zurück.
D  Juglar,  a.  a.  0.,  Tabellen  nach  S.  291.
2 )  „La  vitesse  de  la  circulationJournal  de  la  SocitM  de  Statistique  de  Paris,  April
1895,  S.  148.  Des  Essars  findet  bei  Betrachtung  der  dreizehn  Krisisjahre  und  der  zwölf
„Liquidations“-Jahre  in  Frankreich  von  1810  bis  1892,  daß  ohne  Ausnahme  die  Umlaufsgesehwindigkeit
  von  Depositen  der  Bank  von  Frankreich  in  den  Krisisjahren  ihr  Maximum
und  in  den  Liquidationsjahren  ihr  Minimum  erreicht.
s )  Die  ausführlichen  Zahlen  sind  aus  dem  Anhang  zum  nächsten  Kapitel  (Kapitel  XII)
zu  ersehen.
        <pb n="237" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

221

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1904

3.31

658

5.0

113

228

113.2

1905

3.78

649

5.8

144

279

114.0

1906

4.06

651

6.2

160

315

120.0

1907

4.32

692

6.2

145

323

127.9

1908

4.38

849

5.1

132

294

125.7

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TJ  ö  r
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0.7
5.3
6.6
—1.7

4.2
4.3
5.7
6.4
4.4

3.5
—1.0
—0.9
8.1

In  der  ersten  Kolonne  bemerken  wir  eine  stetige  und  rasche  Zunahme
in  den  Depositen  der  Nationalbanken  bis  einschließlich  zum  Krisisjahr.
Obgleich  für  das  Jahr  1908  keine  Abnahme  der  Depositen  zu  verzeichnen
ist,  so  bleiben  sie  doch,  mit  denen  des  vorhergehenden  Jahres  verglichen,
beinahe  stationär.  Die  für  Keserven  aufgestellte  zweite  Kolonne  zeigt,
wie  zu  erwarten  ist,  eine  große  Zunahme  in  dem  der  Krisis  folgenden  Jahre,
nachdem  sich  die  Banken  gegen  die  Abnahme  des  Geschäftsvertrauens  gesichert ­
  haben.  Wir  finden  alsdann  (dritte  Kolonne)  eine  Zunahme  der  Depositen ­
  im  Verhältnis  zu  den  Reserven,  wobei  in  den  Jahren  1906  und  1907
die  größte  Spannung  erreicht  wurde,  nicht  etwa  infolge  einer  Erschöpfung
der  Reserven  —,  sie  erweiterten  sich  im  Gegenteil  in  diesen  Jahren  —,  sondern ­
  weil  sich  die  Depositen  noch  rascher  ausdehnten.  Wenn  die  im  IV.  Kapitel ­
  aufgestellte  Theorie  zutrifft,  so  ist  es  genau  genommen  dieses  hohe
Verhältnis  der  Depositen  zu  den  Reserven,  eine  Folge  des  Zurückbleibens  *  2  3  4

D  Die  Zahlen  für  Depositen  und  Reserven  der  Nationalbanken  sind  die  in  den  Re-Ports
  of  the  Comptroller  of  the  Currency  angeführten  und  stellen  den  Stand  der  Banken
zur  Zeit  ihres  dritten  Jahresberichtes  an  den  Comptroller  dar  (gewöhnlich  um  den  1.  Juli)
Die  Kolonne,  die  die  Verhältnisse  angibt,  erklärt  sich  von  selbst.
2 )  Die  Zahlen  für  die  Clearings  sind  der  Financial  Review  für  1910,  S.  33,  entnommen.
Die  für  G'U'  sind  von  den  Zahlen  für  Clearings  gebüdet,  und  zwar  mittels  der  in  §  5  des
Anhanges  zum  XII.  Kapitel  erklärten  Methode.
3 )  Die  Indexnummern  der  Preise  sind  die  des  Arbeitsamtes  (Bureau  of  Labor)  (Bulletin ­
  81,  März  1909)  und  beziehen  sich  auf  den  Januar  der  in  Rede  stehenden  Jahre.  Die
unter  dem  Titel  „Jährliches  prozentuales  Steigen  der  Preise“  aufgeführte  nächste
Kolonne  zeigt  das  Steigen  vom  Januar  des  betreffenden  Jahres  bis  zum  nächsten  Januar  an
4 )  Die  Zahlen  für  die  Zinsraten  sind  dem  Anhang  meines  Buches  The  Rate  of  Interest
S.  418,  entnommen.  Diese  sind  auf  Grund  von  Angaben  der  Financial  Review  für  den  Verlauf ­
  der  Jahres  1908  berechnet.  Das  prozentuale  Steigen  der  Preise  wird  vom  Geldzin"
subtrahiert,  und  das  hierdurch  erlangte  Resultat  ist  der  virtuelle  Zins.
        <pb n="238" />
        der  Zins-  hinter  der  Preissteigerung,  das  die  Banken  nötigte,  ihre
Diskontraten  zu  erhöhen  und  damit  einer  weiteren  Ausdehnung  des
Kredites  Einhalt  zu  tun.  Dann  kam  die  Krise  und  die  kurze  nachfolgende ­
  Depression.  Die  nächste,  den  Titel  „Clearings“  tragende  Kolonne, ­
  zeigt  das  Volumen  der  Schecktransaktionen,  d.  h.  die  Zirkulation
der  Depositenumlaufsmittel  an.  Da  ein  ziemlich  konstanter  Bruchteil  der
Schecks  durch  die  verschiedenen  Clearinghäuser  des  Landes  beglichen  wird,
so  kann  der  Abrechnungsverkehr  einigermaßen  als  ein  Kriterium  von  G'U'
betrachtet  werden.  Die  fünfte  Kolonne  wurde  aus  der  vierten  und  von
anderen  Angaben  abgeleitet  und  als  Schätzung  von  G'U'  betrachtet.
Diese  zwei  Kolonnen  weisen  im  Verlaufe  des  Jahres  1906  ein  Steigen  auf,
beginnen  jedoch  mit  dem  Herbste  des  Jahres  1907  (da  sie  sich  auf  das  ganze
Jahr  und  nicht  auf  einen  Zeitpunkt  in  der  Mitte  des  Jahres  beziehen)  die
Wirkungen  des  plötzlichen  Zusammenbruches  des  Kredites  zu  zeigen,  sodaß
ihr  Anwachsen  in  diesem  Jahre  und  mehr  noch  im  darauffolgenden  aufgehalten ­
  wurde.  Wir  sollten  also  ein  Steigen  der  Preise,  das  im  Jahre  1907
seinen  Höhepunkt  erreicht  und  im  Jahre  1908  nachläßt,  erwarten  und  finden
dies  auch  in  der  sechsten  Kolonne.  Kolonne  sieben  zeigt  das  Steigen  während
jedes  einzelnen  Jahres  in  Prozenten  ausgedrückt.  So  ist  die  Indexnummer
oder  P  für  Januar  1904  113,2  und  für  Januar  1905  114,0.  Das  Steigen  beträgt ­
  daher  etwas  weniger  als  1  Prozent.  Das  Minuszeichen  bedeutet  ein
Fallen.  Die  achte  Kolonne  stellt  den  Zinsfuß  dar  und  zeigt,  wie  zu  erwarten
steht,  ein  Steigen,  das  im  Jahre  1907  seinen  Höhepunkt  erreicht.  Der
virtuelle  Zins  —  d.  h.  der  in  Waren  ausgedrückte  Zins  —  war  während  der
demJahre  1907  unmittelbar  vorausgehenden  Jahre  außerordentlich  niedrig,
weil  die  Preise  so  rasch  stiegen.  Dies  ist  in  Kolonne  neun  angegeben,  in  der
der  nominelle  (in  Geld  bemessene)  Zins  mit  dem  Steigen  oder  mit  dem
Fallen  der  Preise  in  Einklang  gebracht  ist,  um  den  Zins  seiner  wirklichen
Kaufkraft  gemäß  bemessen  zu  können.  Als  der  Höhepunkt  des  Entwicklungsganges ­
  im  Jahre  1907  erreicht  wurde  und  ein  Sinken  der  Preise
einsetzte,  finden  wir  ein  plötzliches  Anziehen  des  virtuellen  Zinsfußes.  Kein
Wunder,  daß  borgende  Unternehmer  es  oft  schwer  fanden,  mit  ihren
Mitteln  auszukommen.
Die  Tatsachen  der  zyklischen  Kreditentfaltung  bestätigen  also  vollständig
die  bereits  in  früheren  Kapiteln  gegebene  Analyse  und  zeigen  an,  daß  die
Preise  mit  den  Umlaufsmitteln  und  deren  Geschwindigkeit  steigen  oder  fallen.
Für  diejenigen,  die  bezweifeln,  ob  die  Ausdehnung  der  Depositenumlaufs  -
mittel  die  Preise  erhöht,  oder  ob  das  Steigen  der  Preise  Depositenumlaufsmittel ­
  erzeugt,  soll  hinzugefügt  werden,  daß  sowohl  Tatsachen  als  auch  die
        <pb n="239" />
        Statistischer  Nachweis.  Allgemeiner  historischer  Rückblick.

223

Theorie  beweisen,  daß  die  Preissteigerung  eine  Wirkung  der  Depositenumlaufsmittel
  ist.  Miss  England  hat  zum  Beispiel  gezeigt,  daß  sich  Anleihen ­
  und  Depositen  ausdehnen,  bevor  die  Preise  steigen  und  daß,  wenngleich ­
  die  Preise  oft  fallen,  bevor  Anleihen  und  Depositen  abnehmen,  diese
anomale  Reihenfolge  der  Ereignisse  durch  das  nach  einer  Krise  folgende
Wiederaufblühen  des  Handels  zu  erklären  ist x ).
Es  ist  in  diesem  Kapitel  keinerlei  Versuch  gemacht  worden,  alle  Phänomene ­
  oder  auch  nur  alle  typischen  Krisenphänomene  zu  untersuchen.
Wir  haben  es  hier  nur  insofern  mit  Krisen  zu  tun,  als  sie  in  Verbindung  mit
den  Umlaufsmitteln  stehen.  Unser  Interesse  betrifft  vor  allem  die  in  der
Verkehrsgleichung  enthaltenen  Größen,  besonders  auf  G,  G'  und  TJ’,  denn
dies  sind  die  unmittelbaren  Elemente,  deren  Veränderungen  auf  das  Preisniveau ­
  einwirken  und  es  zum  Steigen  und  zum  Fallen  veranlassen.
§  18-Dieses
  Kapitel  war  einem  historischen  Studium  der  Veränderungen
der  Quantität  der  Umlaufsmittel  und  der  Wirkungen  dieser  Veränderungen
auf  die  Preise  gewidmet.  Wir  haben  gesehen,  daß  im  großen  Ganzen  Zunahmen ­
  im  Geldbeträge  die  Tendenz  hatten,  die  Preise  während  der  letzten
tausend  Jahre  von  Jahrhundert  zu  Jahrhundert  und  ganz  besonders  seit  der
Entdeckung  Amerikas  zu  erhöhen.  Die  Veränderungen  im  letzten  Jahrhundert, ­
  oder  genauer  von  1789  bis  1909,  die  fünf  Perioden  abwechselnd
steigender  und  fallender  Preise  umfassen,  sind  etwas  ausführlicher  behandelt
worden.  Wir  haben  nachgewiesen,  daß  diese  Preisbewegungen  mit  den  Veränderungen ­
  in  der  Geldquantität  und  im  Geschäftsvolumen  zu  verbinden
sind.  Die  Perioden  von  1789  bis  1809,  von  1849  bis  1873  und  von
1896  bis  1909  waren  Perioden  steigender  Preise  und  großer  Zunahmen  der
Geldzufuhr.  Aller  Wahrscheinlichkeit  nach  fielen  die  Preise  in  der  Periode
1809  bis  1849  auf  Grund  einer  Abnahme  in  der  Gold-  und  Silberproduktion
sowie  einer  andauernden  Geschäftszunahme;  nachher  in  den  Jahren  zwischen
1873  und  1896  fielen  die  Preise  in  den  Goldwährungsländern,  obgleich  die
Weltvorräte  der  Edelmetalle  sich  langsam  vermehrten,  weil  zum  zunehmenden ­
  Geschäftsvolumen  noch  ein  wilder  Wettbewerb  unter  den  Nationen
kam,  die  Goldwährung  einzuführen  und  die  Silberprägung  einzustellen  oder
einzuschränken.

i)  Minnie  Throop  England,  „Statistical  Inquiry  into  the  Influence  of  Credit  upon  the
Level  of  Prices 4 ‘,  University  Studies  (University  of  Nebraska),  1907.
        <pb n="240" />
        224

XI.  Kapitel.

Wir  haben  die  in  letzter  Zeit  andauernde  Zunahme  der  Goldproduktion ­
  beobachtet  und  Gründe  gefunden,  die  zu  prophezeien  gestatten,
daß  die  Goldproduktion  in  Zukunft  andauern  und  wahrscheinlich  noch
einige  Zeit  die  Fortdauer  des  gegenwärtigen  Steigens  der  Preise  zur  Folge
haben  wird.
Ferner  haben  wir  einige  der  hauptsächlichsten  Beispiele  einer  übermäßigen ­
  Ausgabe  von  Papiergeld  beschrieben  und  bewiesen,  daß  die  Angaben ­
  über  den  Umlauf  und  die  Preisveränderungen  die  in  vorigen
Kapiteln  dargelegten  Prinzipien  in  allgemeiner  Weise  rechtfertigen.  Die
Erfahrungen,  die  Frankreich  während  der  französischen  Revolution,  England ­
  während  der  Kapoleonisehen  Kriege,  Österreich,  die  amerikanischen
Kolonien,  die  Vereinigten  Staaten  und  die  konföderierten  Staaten  mit  Papiergeld ­
  gemacht  haben,  sind  einer  kurzen  Betrachtung  unterzogen  worden.
Wir  haben  bemerkt,  daß  in  diesen  wie  auch  in  anderen  Fällen  die  Preise  von
der  Geldquantität,  der  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  und  dem  Geschäftsvolumen ­
  abhängig  waren.  Ebenso  sahen  wir,  daß  die  scheinbaren
Ausnahmen,  die  einem  Mangel  an  Vertrauen  zum  Papiergeld  zuzuschreiben
sind,  keine  wirklichen  Ausnahmen  darstellen,  weil  sich  der  Mangel  an  Vertrauen ­
  durch  die  Größen  in  der  Verkehrsgleichung  ausdrückt.  Mißtrauen
erhöht  die  Umlaufsgeschwindigkeit  und  verringert  das  durch  das  Geld
bewältigte  Handelsvolumen.  Es  ist  ferner  bewiesen  worden,  daß  die  allgemeine ­
  Wirkung  von  Emissionen  von  uneinlösbaren  Papiergeld,  die,  ungeachtet ­
  aller  gegenteiligen  Zusicherungen,  fast  immer  in  großen  Quantitäten
erfolgen,  in  einem  Steigen  der  Preise  bestand.
Endlich  hat  unser  Studium  des  Depositenumlaufs  und  der  Krisen  eine
weitere  Illustration  ermöglicht.  Einer  typischen  Krise  vorausgehend,
ist  im  allgemeinen  die  Tendenz  einer  Zunahme  der  Depositen  und  ebenso
auch  ihrer  Umlaufsgeschwindigkeit  zu  beobachten,  während  die  Preise  das
Bestreben  einer  Steigerung  zeigen.  Nach  der  Krise  kommt  eine  Abnahme
der  Bankdepositen  und  deren  Umlaufsgeschwindigkeit,  eine  Zunahme  der
Bankreserven  mit  einer  entsprechenden  Tendenz,  das  in  Umlauf  befindliche
Geld  zu  vermindern,  sowie  ein  Fallen  der  Preise  zum  Vorschein.  In  den
Jahren  der  Hauptkrisen  fanden  diese  Vorgänge  gleichzeitig  in  verschiedenen
Ländern  statt.
        <pb n="241" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

225

XII.  Kapitel.
Statistiken  der  letzten  Jahre.
§i-Das
  letzte  Kapitel  war  einer  kurzen  Betrachtung  über  Preisbewegungen
und  deren  Ursachen  gewidmet,  soweit  die  zur  Verfügung  stehenden  dürftigen
Angaben  eine  auch  nur  den  Versuch  einer  Auslegung  möglich  machten.  Von
dieser  teleskopischen  Betrachtung  der  Vergangenheit  wenden  wir  uns  nun
einer  mikroskopischen  Untersuchung  der  Gegenwart  zu.  Wir  beschränken
uns  daher  auf  ein  Studium  der  Ereignisse  in  den  Vereinigten  Staaten  während
der  letzten  drei  Jahrzehnte.  Beim  Studium  des  vorigen  Kapitels  fanden  wir
die  historischen  Tatsachen  in  Übereinstimmung  mit  den  bereits  in  der  Verkehrsgleichung ­
  a  priori  dargelegten  Prinzipien.  Doch  waren  diese  geschichtlichen ­
  Tatsachen  zu  allgemeiner  und  unbestimmter  Natur,  um  die
quantitative  Befriedigung  der  Verkehrsgleichung  zu  gestatten.  Für  die
letzten  Jahrzehnte  hingegen  finden  wir  viel  ausführlichere  Angaben  vor.
Wir  werden  sehen,  daß  die  Verkehrsgleichung,  für  die  bereits  der  Beweis
a  priori  erbracht  wurde,  auch  durch  Statistiken  der  Gegenwart  bewiesen
werden  kann,  d.  h.  wenigstens  innerhalb  der  Fehlergrenzen,  denen  Statistiken
in  der  Regel  unterworfen  sind.
Einen  guten  Anfang  eines  solchen  Studiums  bildet  die  schon  oft  erwähnte
Pionierarbeit  von  Professor  Kemmerer.  Er  hat  die  Hauptgrößen  derVerkehrsgleichung
  ungefähr  abgeschätzt 1 )  und  gefunden,  daß  diese  mit  den  Bedingungen, ­
  die  die  Verkehrsgleichung  vorschreibt,  in  allgemeiner  Beziehung
übereinstimmt.  Mit  dem  Jahre  1879  (dem  Jahre  der  Wiedereinführung  der
Goldwährung)  beginnend  und  mit  dem  Jahrel908endigendhat  Genannter  den
gesamten  Geld-  und  Scheckumlauf  (den  wir  GU  und  G'V  genannt  haben)
und  das  Handelsvolumen  (H)  abgeschätzt  und  aus  diesen  Größen  berechnet *  2 ),
GU  -(-  G'U'
welches  das  von  diesen  Faktoren,  d.  h.  —  bestimmte  Preisniveau
H
sein  sollte.  Kemmerer  vergleicht  sodann  diese  berechnete  Größe,  die  er  den

1)  Money  and  Credit  Instruments  in  their  Relation  to  General  Prices,  New  York  (Holt),
1909,  II.  Teil.
2 )  In  bezug  auf  weitere  Einzelheiten  über  die  von  Kemmerer  allgestellten  Berechnungen ­
  verweisen  wir  den  Leser  auf  sein  Buch.  Eine  gedrängte  Übersicht  und  Kritik  sind
in  §  1  des  Anhanges  zu  diesem  (XII.)  Kapitel  gegeben.
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.

15
        <pb n="242" />
        „relativen  Umlauf  des  Geldes“  nennt,  mit  den  tatsächlichen  Zahlen  für  Preisniveaus, ­
  wie  sie  in  den  Statistiken  der  Indexnummern  gegeben  sind.
Meiner  Meinung  nach  ist  Kemmerers  Berechnung  der  erste  ernstliche
Versuch,  der  je  gemacht  wurde,  die  sogenannte  „Quantitätstheorie“  des
Geldes  statistisch  zu  prüfen.  Die  Resultate  zeigen  eine  Übereinstimmung,
die  in  Anbetracht  des  außerordentlich  skizzenhaften  und  fragmentarischen
Charakters  der  verwendeten  Angaben  sehr  überraschend  ist.
Die  meisten  anderen  Autoren,  die  die  Quantitätstheorie  statistisch  zu
prüfen  versuchten,  scheinen  von  dem  Wunsche  beseelt  gewesen  zu  sein,  sie
keiner  unparteiischen  Prüfung  zu  unterziehen,  sondern  sie  zu  widerlegen.
Sie  haben  sorgfältig  vermieden,  noch  andere  Faktoren  außer  Geld  und

relative  Zirkulation,  allgemeine  Preise.
Fig.  12.

Preise  in  Anschlag  zu  bringen.  Man  braucht  sich  nicht  darüber  zu  verwundern, ­
  daß  sie  nur  eine  geringe  statistische  Wechselbeziehung  zwischen
diesen  beiden  Faktoren  finden  1 ).  Der  Vorzug  der  Arbeit  von  Kemmerer
besteht  darin,  daß  er  außer  dem  Gelde  auch  anderen  Faktoren  gebührende
Aufmerksamkeit  schenkt.
Der  Hauptfehler  in  seiner  Untersuchung  ist,  daß  er  die  Zahl  47  als  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes  annimmt.  Wie  wir  sehen  werden,  ist  der
richtige  Wert  genauer  18  bis  20.  Doch  ist  das  Volumen  der  Geldzahlungen,
selbst  mit  Kemmerers  übertriebener  Zahl  für  die  Geschwindigkeit,  wenn
sie  mit  Scheckzahlungen  verglichen  wird,  so  gering,  daß  diese  Schwäche
seine  Schlußvergleiche  nicht  besonders  beeinflußt.  Auf  mein  Ersuchen  hat
Prof.  Kemmerer  seine  Kurven  auf  der  Basis  von  18  statt  47  als  derUmlaufs-1
 )  Siehe  z.  B.  Miss  S.  M.  Hardy,  „The  Quantity  of  Money  and  Prices,  1860—1891.
An  Inductive  Study.“  Journal  of  Political  Economy,  Bd.  III,  S.  145—168.
        <pb n="243" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

227

geschwindigkeit  des  Geldes  nochmals  berechnet.  Die  Resultate  sind  in  Figur  12
wiedergegeben.  Wenn  diese  mit  den  in  Kemmerers  Buch  enthaltenen  verglichen ­
  werden,  sieht  man,  daß  der  Unterschied  nur  ein  geringer  ist.  Es
ist  interessant  zu  beobachten,  daß,  wenn  ein  ganz  genauer  Vergleich  angestellt ­
  wird,  die  Wahl  der  Zahl  18  als  Schätzung  der  Geschwindigkeit  eine
etwas  bessere  Übereinstimmung  zwischen  den  beiden  Kurven  gibt,  als  sie
die  Zahl  47  liefert.
Als  „Korrelationskoeffizienten“  zwischen  Kemmerers  Resultaten  für  P,
von  denen  sich  das  eine  direkt  aus  den  Statistiken  ergab  und  das  andere
indirekt  aus  den  andern  Faktoren  der  Verkehrsgleichung  berechnet  wurde,
fand  Professor  Persons  1 )  vom  Dartmouth  College  nur  0,23  (oder  23  Prozent
vollkommener  Korrelation)  mit  einem  wahrscheinlichen  Irrtum  von  0,13.
Nach  Persons  Ausspruch  ist  dies  ein  sehr  niedriger  Grad  der  Korrelation.
Indessen  ist  Persons  Methode,  die  Übereinstimmung  vermittelst  eines
Korrelationskoeffizienten  zu  prüfen,  eigentlich  nicht  auf  zwei  Kurven
anwendbar,  die  zeitlich  wechselnde  Größen  darstellen.  Denn  diese  Methode ­
  läßt  tatsächlich  einen  ganz  wesentlichen  Faktor  unbeachtet:  ihre
Zeitfolge.  Ein  Vergleich  von  Jahr  zu  Jahr  ist  ratsamer.  Wenn  wir  die
Kurven  der  Preise  und  der  „relativen  Zirkulation“  betrachten  2 ),  sehen  wir
auf  den  ersten  Blick,  daß  fast  alle  aufeinanderfolgenden  Veränderungen  in
der  Richtung  der  einen  Kurve  von  entsprechenden  Veränderungen  in  der
der  anderen  Kurve  begleitet  sind.  In  der  Tat  finden  wir  von  28  möglichen
Fällen  solchen  Zusammentreffens  als  tatsächliche  Zahlen  16  Fälle  von  Übereinstimmung ­
  in  den  Veränderungen  der  Richtung,  9  Fälle  von  Nichtübereinstimmung ­
  und  3  Fälle  neutraler  Art  (d.  h.  Fälle,  die  keinen  Wechsel  in
der  Richtung  der  einen  der  beiden  Kurven  zeigten).
Die  obengenannten  Zahlen  beziehen  sich  auf  die  Kurven  in  Kemmerers
Buche.  Die  späteren  Kurven,  die  die  Zahl  18  anstatt  47  für  Geldgeschwindigkeit ­
  verwenden,  zeigen  ungefähr  dieselben  Resultate,  indem  16  Fälle  von
Übereinstimmung,  8  Fälle  von  Nichtübereinstimmung  und  4  Fälle  neutraler
Art  zu  verzeichnen  sind.  Die  Übereinstimmung  zwischen  Preisen  und
„relativer  Zirkulation“  ist  hier  nur  sehr  wenig  größer  als  vorher.  In  beiden
Diagrammgruppen  sind  die  Übereinstimmungen  nicht  nur  viel  zahlreicher,
sondern  auch  ausgesprochener  als  die  Nichtübereinstimmungen.
Schließlich  scheinen  einige  der  Nichtübereinstimmungen  in  Wirklichkeit ­
  Übereinstimmungen  zu  sein,  insofern  sie  durch  eine  Verschiebung  um
D  „  Qmntity  Tlieory  as  tested  ly  Kmmerer“,  Quarterly  Journal  of  Economics,  Februar
WC«,  S.  287.
2 )  Kemmerer,  op.  eit.  S.  149.

15*
        <pb n="244" />
        228

XII.  Kapitel.

ein  Jahr  nach  vorwärts  unseren  Blicken  entzogen  sind.  Daher  sind  die
Senkungen  der  „relativen  Zirkulation“  der  Jahre  1899,  1900  und  1901,
obgleich  sie  alle  als  Fälle  von  Nichtübereinstimmung  gezählt  werden,
den  Senkungen  der  „allgemeinen  Preise“  der  Jahre  1900,  1901  und  1902
auffallend  ähnlich.  Aus  der  Tatsache,  daß  die  Statistiken  teilweise  für  Kalenderjahre ­
  und  teilweise  für  Finanzjahre  gelten,  ist,  wie  Professor  Kemmerer
bemerkt,  mit  einer  solchen  Verschiebung  der  Übereinstimmung  um  ein  Jahr
zu  rechnen.

§2.
Ich  will  nun  versuchen,  eine  so  genaue  statistische  Schätzung  der
Größen  in  der  Verkehrsgleichung  für  die  Jahre  1896  bis  1909  vorzunehmen,
wie  die  verfügbaren  Angaben  es  erlauben.  Die  Periode  1896  bis  1909  ist
hauptsächlich  deshalb  gewählt  worden,  weil  ihre  zwei  Endjahre  die  einzigen
bekannten  Daten  gewähren,  die  eine  Schätzung  der  Umlaufsgeschwindigkeit
des  Geldes  und  der  Bankdepositen  ermöglichen.
Wir  wollen  nun  die  Größen  in  der  Reihenfolge  G,  G',  U,  U',  H,  P  einer
näheren  Betrachtung  unterziehen.  Für  jede  der  Größen  sind  die  in  Anwendung ­
  kommenden  Zahlen  neu.
G.  Nachstehende  Tabelle  gibt  den  abgeschätzten  Betrag  des  in  Umlauf
befindlichen  Geldes  in  den  Vereinigten  Staaten  wieder.  Hierunter  verstehen
wir  die  außerhalb  des  Bundesschatzamtes  und  der  Depositen-  und  Diskontbanken ­
  (nationaler,  staatlicher,  privater  und  Trust-Gesellschaften)  befindliche ­
  Geldmenge  (Münzen  und  Papier).  Der  Bestand  im  Schatzamt  ist  nicht
inbegriffen,  und  zwar  aus  dem  Grunde,  weil  er  Vorräte  darstellt,  die  sich
nicht  in  dem  Sinne  —  oder  auf  jeden  Fall  nicht  in  dem  Maße  —  den  Zahlungsbedürfnissen ­
  anpassen,  wie  die  Bestände  in  den  Betriebskassen  der  Kaufleute
und  in  den  Taschen  des  Publikums.  Die  Bankreserven  sind  deshalb  ausgeschlossen, ­
  weil  sie,  wie  wir  erklärt  haben,  für  Bankgeschäfte  und  nicht  zu
Handelszwecken  benutzt  werden.
Abgeschätztes  und  in  Umlauf  befindliches  Geld  (G)  in  den  Vereinigten  Staaten
(in  Milliarden  Dollar).

1896  .

0,87

1903

1,38

1897

0,88

1904

1,37

1898

0  96

1905

1899

1,03

1906

1900

1,17

1907

1901

1,22

1908
        <pb n="245" />
        A

Statistiken  der  letzten  Jahre.

229

Diese  Tabelle  beruht  auf  amtlichen  Schätzungen  des  Geldes  in  den
Vereinigten  Staaten,  die  das  in  den  Banken  und  im  Bundesschatzamt
befindliche  Geld  einschließen.  Diese  offiziellen  Zahlen  werden  dann  mittelst
der  in  letzter  Zeit  vorgenommenen  Revisionen  der  Abschätzungen  des  Goldes
in  den  Vereinigten  Staaten  berichtigt,  sowie  durch  Abzug  der  Geldsummen
im  Bundesschatzamt  und  in  Banken,  die  Berichte  liefern,  und  in  solchen,
die  keine  liefern  1 ).  Die  Resultate  weichen  einigermaßen  von  den  offiziellen
Zahlen  für  das  sogenannte  „in  Umlauf  befindliche  Geld“  ab,  wobei  der
Hauptgrund  der  Verschiedenheit  ist,  daß  diese  amtlichen  Zahlen  das  Geld
in  den  Banken  einschließen.  Die  hier  angeführten  Zahlen  sind  wahrscheinlich ­
  annähernd  richtig;  die  Fehlergrenze  kann  meiner  Meinung  nach  auf
2  bis  3  Prozent  geschätzt  werden.
Die  Tabelle  zeigt,  daß  während  eines  Zeitraumes  von  dreizehn  Jahren
zwischen  1896  und  1909  das  in  Umlauf  befindliche  Geld  sich  beinahe  verdoppelt ­
  hat  und  daß  seine  Zunahme  eine  fast  ununterbrochene  gewesen  ist.
G'.  Die  folgenden  für  G'  gegebenen  Zahlen  sind  Abschätzungen  individueller ­
  Depositen,  die  dem  Scheckverkehr  unterworfen  sind.
Individuelle,  dem  Scheckverkehr  unterworfene  Depositen  ((?') 1  2 )
(in  Milliarden  Dollar).

1896

2,68

1903

5,70

1897

.  2,80

1904

5,80

1898

.  3,19

1905

6,54

1899

.  3,90

1906

6,84

1900

4,40

1907

....  7,13

1901

5,13

1908

....  6,60

1902

5,43

1909

6,75

Diese  Ziffern  haben  die  amtlichen  Zahlen  für  „individuelle  Depositen“
zur  Grundlage,  sind  aber  viel  niedriger  als  diese,  weil  die  amtlichen  Zahlen
Depositen  in  Sparkassen  und  andere  dem  Scheckverkehr  nicht  unterworfene
Depositen  einschließen,  sowie  auch  infolge  verschiedener  anderer  unbedeutender ­
  Ursachen.  Die  hier  gegebenen  Schätzungen  stellen  den  ersten  Versuch
dar,  eine  Reihe  von  Zahlen  für  die  dem  Scheckverkehr  unterworfenen  Bankdepositen ­
  in  den  Vereinigten  Staaten  zu  geben.  Es  ist  dies  durch  die  gütige
1 )  Einzelheiten  über  die  Konstruktion  der  Tabelle  enthält  §2  des  Anhanges  zu  diesem
(XII.)  Kapitel.
2 )  Bezügl.  der  Methode  zur  Abschätzung  dieser  Zahlen  siehe  §  3  des  Anhanges  zu
diesem  (XII.)  Kapitel.
        <pb n="246" />
        Mitwirkung  der  National  Monetary  Commission  und  deren  Sachverständigen
A.  Piatt  Andrew  ermöglicht  worden 1 ).
Diese  Zahlen  geben  daher  die  tatsächlichen  Depositenwmlaufsmittel  in
den  Vereinigten  Staaten  wieder.  Sie  zeigen  ein  enormes  Anwachsen  der
Bankdepositenumlaufsmittel.  In  einem  Zeitraum  von  dreizehn  Jahren  (vom
Anfang  bis  zum  Ende  der  Tabelle)  haben  sich  diese  nahezu  verdreifacht.
Überdies  zeigt  jedes  Jahr  einen  Fortschritt  gegen  das  vorhergehende,  mit
Ausnahme  des  der  Krise  von  1907  folgenden  Jahres  1908.
§3.
Nachdem  wir  G  undG',  die  Zirkulationsmittel,  gefunden  haben,  kommen
wir  nun  zur  Feststellung  von  U  und  U',  deren  Umlaufsgeschwindigkeit.
Es  wird  zweckmäßig  sein,  die  letztere  zuerst  in  Erörterung  zu  ziehen.
Die  Umlaufsgeschwindigkeit  der  Bankdepositen  findet  man,  wenn
man  den  gesamten  Scheckumlauf  (CU')  durch  die  Bankdepositen  (C)
dividiert.  Der  Divisor  G'  wurde  bereits  gefunden.  Was  den  Dividenden
G'U'  anbelangt,  so  sind  dies  tatsächlich  die  gesamten  in  einem  Jahre  gezogenen ­
  Schecks,  denn  wir  können  vernünftigerweise  annehmen,  daß  im
Durchschnitt  jeder  Scheck  einmal  und  nur  einmal  gegen  Güter  zirkuliert 2 ).
Dank  den  Bemühungen  des  Professors  Kinley  von  der  Universität  von
Illinois  haben  wir  für  zwei  Jahre,  und  zwar  für  1896  und  1909,  umfangreiche
und  einzigartige  Angaben,  die  ursprünglich  für  den  Zweck  einer  Berechnung
des  Verhältnisses  von  Geldtransaktionen  zu  Schecktransaktionen  in  den
Vereinigten  Staaten  gesammelt  waren,  d.  h.  des  Verhältnisses  von  GU  zu
G'U’.  Wir  werden  sehen,  daß  diese  Angaben  in  Verbindung  mit  anderen
amtlichen  Statistiken  selbst  für  etwas  Bedeutenderes  als  die  Berechnung
dieses  Verhältnisses  verwendet  werden  können,  denn  sie  setzen  uns  in  den
Stand,  die  Größen  U  und  V  für  die  erwähnten  beiden  Jahre  mit  ziemlicher
Genauigkeit  zu  berechnen.  Bei  dieser  Gelegenheit  werden  wir  finden,  daß
es  mit  Hilfe  dieser  Größen  möglich  ist,  genauer  als  in  den  obenerwähnten
Nachforschungen  gerade  die  Größe  herauszuarbeiten,  für  die  diese  Untersuchungen ­
  unternommen  wurden,  nämlich  das  Verhältnis  von  Geldtransaktionen ­
  zu  den  Kredittransaktionen.
Wir  wollen  zunächst  G'U'  abschätzen.
G'U'.  Professor  Kinleys  spezielle  Untersuchung  für  das  Jahr  1896  zeigt,

D  Bezügl.  Einzelheiten  siehe  §  3  des  Anhanges  zu  diesem  (XII.)  Kapitel.
2 )  Vgl.  Kemmerer,  op.  cit.,  S.  114.
        <pb n="247" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

231

daß  sich  an  dem  ersten  „dem  1.  Juli  1896  folgenden  Abrechnungstage“  der
Wert  der  deponierten  Schecks  auf  ungefähr  $  468,000,000  belief.  Wenn  wir
annehmen  könnten,  daß  dieser  Tag  ein  Durchschnittstag  des  Jahres  war,
so  brauchten  wir,  um  die  Scheckdepositen  eines  ganzen  Jahres  zu  erlangen,
diese  einfach  mit  der  Anzahl  der  Abrechnungstage  im  Jahre  1896,  die  305
betrug,  zu  multiplizieren 4 ).  Nun  ist  aber  zufällig  der  erste  Juli  für  Scheckdepositen ­
  ein  außergewöhnlich  lebhafter  Tag.  Wie  durch  die  Clearings  der
New  Yorker  Abrechnungsbörse  angezeigt  wird,  kommen  wir  unter  Berücksichtigung ­
  dieser  Tatsache  zu  dem  Schlüsse,  daß  die  gesamten  Jahresdepositen ­
  an  Schecks  im  Jahre  1896  ungefähr  97  Milliarden  betrugen,  wobei
man  mit  einem  möglichen  Irrtum  von  vielleicht  5  oder  6  Prozent  rechnen
kann  2 ).  Nach  ähnlichen  Berechnungen  für  1909  beziffert  sich  der  gesamte
Scheckumsatz  dieses  Jahres  auf  364  Milliarden 3 ).  Wir  haben  also  die  Werte
des  gesamten  Scheckverkehrs  (G'U')  in  den  beiden  Jahren  1896  und  1909
und  finden,  daß  sie  97  bzw.  364  Milliarden  betragen,  die  innerhalb  dreizehn
Jahren  ein  gewaltiges  Anwachsen  bezeugen.  Es  sind  dann  noch  die  Zahlen
für  die  dazwischenhegenden  Jahre  einzuschalten.  Leider  haben  wir  für  den
zwischen  diesen  beiden  Jahren  liegenden  Zeitraum  keinerlei  Angaben  wie
die  von  Kinley  für  1896  und  1909.  Wir  können  jedoch  in  den  Clearinghausumsätzen ­
  ein  ausgezeichnetes  Barometer  finden  —  ein  Barometer,
das  zum  Teil  von  den  Clearings  in  New  York,  noch  mehr  aber  von  denen
außerhalb  dieser  Stadt  abhängig  ist.  Obgleich  die  Clearings  in  New  York
weitgehendste  Beachtung  verdienen,  so  wird  doch  allgemein  anerkannt,
daß  deren  relative  Bedeutung  in  den  Gesamtabrechnungen  übertrieben  wird 4 ).
Was  die  Frage  betrifft:  „Welche  relative  Bedeutung  sollte  den  Verrechnungen ­
  in  New  York  bzw.  den  auswärtigen  Verrechnungen  gegeben  werden,
um  das  beste  Barometer  der  Schecktransaktionen  für  das  ganze  Land  zu
erhalten  ?“,  so  kommen  wir  zu  dem  Schluß,  daß  man  ein  gutes  Barometer  des
Scheckumsatzes  für  die  Vereinigten  Staaten  dadurch  erhält,  indem  man  die
auswärtigen  Clearings  mit  fünf  multipliziert  und  das  Resultat  zu  den  New
Yorker  Abrechnungen  addiert 6 ).

i)  Diese  Multiplikation  ergibt  $  143,000,000,000;  diese  Zahl  benutzt  Professor  Kemmerer
  (op.  eit.,  S.  110—111).  ......  ,  ,  ,
a )  Die  zur  Erlangung  dieses  Resultates  angewandte  Methode  ist  m  §  4  des  Anhanges
zu  diesem  (XII.)  Kapitel  beschrieben.
3 )  Siehe  §  4  des  Anhanges  zu  diesem  (XII.)  Kapitel.
4 )  Siehe  z.  B.  die  im  Financial  Review  jor  1910,  S.  33  und  in  Babsons  Business  Barometers ­
  (Wellesley  Hills,  Mass.)  1910,  S.  188  über  diese  Clearings  gemachten  Bemerkungen.
5 )  Siehe  §  5  des  Anhanges  zu  diesem  (XII.)  Kapitel.
        <pb n="248" />
        Mittelst  dieses  Barometers  des  Scheckumsatzes,  bestehend  aus  Verrechnungen ­
  von  New  York,  vermehrt  um  den  fünffachen  Betrag  der  auswärtigen ­
  Clearings,  und  mittelst  unserer  Kenntnis  des  tatsächlichen  Scheckverkehrs ­
  von  1896  und  1909  können  wir  bequem  von  diesem  „Barometer“
eine  Schätzung  des  tatsächlichen  Scheckverkehrs  ableiten.  Das  Ergebnis
gestaltet  sich  sodann  folgendermaßen:
Abgeschätzte  Schecktransaktionen  (G'U')  (in  Milliarden  Dollar)  1896—1909 1 ).

1896

97

1903

223

1897

106

1904

233

1898

127

1905

282

1899

166

1906

1900

165

1907

1901

208

1908

1902

222

1909

Der  wahrscheinliche  Irrtum  in  den  Jahren  zwischen  1896  und  1909  kann
auf  ungefähr  5  bis  10  Prozent  angesetzt  werden.
U’.  Nachdem  wir  Schätzungen  von  G’U'  und  vorher  Schätzungen
von  (7  erlangt  haben,  ist  es  sehr  leicht,  durch  einfache  Division  U'  zu  erhalten.
Die  Ergebnisse  sind:
Durch  Schecks  abgeschätzte  Umlaufsgeschwindigkeit  (U')  der  dem  Scheckverkehr ­
  unterworfenen  Depositen.

1896

36

1903

39

1897

38

1904

40

1898

1905

43

1899

43

1906

47

1900

37

1907

45

1901

1908

46

1902

1909

54

Es  kann  sich  bei  diesen  Zahlen  ebenfalls  um  einen  Irrtum  von  ungefähr
5  bis  10  Prozent  handeln,  der  für  1896  und  1909  am  geringsten  und  um  die
Mitte  dieser  Zeitperiode  am  größten  ist.
"Wir  ersehen  hieraus,  daß  sich  die  Umlaufsgeschwindigkeit  in  dreizehn
Jahren  um  50  Prozent  erhöht  hat,  und  daß  sie  von  Jahr  zu  Jahr  großen
Veränderungen  unterworfen  war.  In  den  Jahren  1899  und  1906  erreichte
sie  ihren  Höhepunkt,  worauf  unmittelbar  die  Krisen  folgten.  Diese  Resultate
stimmen  mit  denen  von  Pierre  des  Essars  für  die  Umsatzraten  von  Depositen
        <pb n="249" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

233

in  den  bereits  erwähnten  festländischen  Banken  überein  mit  Ausnahme  des
Umstandes,  daß  der  Genannte  den  Höhepunkt  eher  im  Krisisjahr  selbst,
als  im  vorhergehenden  Jahr  findet.  Es  ist  zu  beachten,  daß  die  Zahl  für
1909  bei  weitem  die  höchste  in  der  Tabelle  ist.  Ob  sie  das  Vorzeichen
einer  herannahenden  Krise  ist,  wird  die  Zeit  lehren  1 ).
§4.
GU.  Unsere  nächste  Untersuchung  gilt  der  Umlaufsgeschwindigkeit
des  Geldes.  Ihre  Berechnung  bietet  große  Schwierigkeiten  —  und  zwar
Schwierigkeiten,  die  in  der  Tat  gewöhnlich  als  unüberwindlich  betrachtet
worden  sind.  Dieser  Meinung  wird  durch  Jevons  2 )  treffend  Ausdruck  gegeben. ­
  Er  schreibt:
„Nie  habe  ich  gefunden,  daß  in  irgendeinem  Lande  der  Versuch
gemacht  worden  ist,  die  Durchsclmittsschnelligkeit  des  Umlaufes  zu  bestimmen, ­
  und  ebensowenig  bin  ich  imstande  gewesen,  irgendwelche
Mittel  und  Wege  zu  finden,  einer  Untersuchung  der  Frage  näherzukommen, ­
  es  sei  denn  auf  umgekehrtem  Wege.  Wenn  wir  den  Betrag
des  vollzogenen  Gesamtaustauschs  und  das  Quantum  der  verwendeten
Umlaufsmittel  kennen,  so  könnten  wir  durch  Division  die  Durchschnittszahl ­
  erhalten,  die  angibt,  wievielmal  die  Umlaufsmittel  umgesetzt ­
  wurden;  wie  bereits  erklärt,  fehlen  aber  alle  Angaben.“
Wie  wir  jedoch  sehen  werden,  sind  die  zur  Ermittelung  des  „Betrages
des  vollzogenen  Gesamtaustauschs“  geeigneten  Angaben  oder  GU  nunmehr
vorhanden.  Tatsächlich  ist  dieser  Betrag  dem  gesamten  in  den  Banken
deponierten  Gelde  gleich,  vermehrt  um  die  Gesamtsumme  der  zur  Auszahlung ­
  gelangten  Geldlöhne  und  einen  kleinen,  Verschiedenes  umfassenden
Posten.  Aus  GU  und  G  ist  es  natürlich  leicht,  durch  Division  U  zu  erlangen.
Die  Formel  zur  Erlangung  von  GU  ist  ebenso  einfach,  wie  sie  auf  den
ersten  Blick  mysteriös  zu  sein  scheint.  Die  Haupteigentümlichkeit  der
Methode,  die  sich  in  dieser  Formel  ausdrückt,  und  das  charakteristische
Merkmal,  das  sie  für  praktischen  Gebrauch  verwendbar  erscheinen  läßt,
besteht  darin,  daß  sie  Bankberichte  und  andere  ermittelbare  Statistiken
als  ein  Mittel  zur  Auffindung  des  Gesamtwertes  der  Geldtransaktionen
benutzt.  Die  Methode  beruht  auf  dem  Gedanken,  daß  das  in  Umlauf  be-1)

  Seit  Abfassung  dieser  Zeilen  ist  die  Welt  Zeuge  einer  unbedeutenden  Krisis  gewesen, ­
  die  sich  wenigstens  insoweit  bemerkbar  machte,  als  es  schwierig  war,  Anleihen  zu
erhalten,  als  die  Aufwärtsbewegung  der  Preise  Ende  1913  und  Anfang  1914  aufhörte.
2 )  Money  and  the  Mechanism  of  Exchange  (London),  S.  336.
        <pb n="250" />
        234

XII.  Kapitel.

findliche  Geld  und  das  Geld  in  den  Banken  nicht  zwei  unabhängige  Reservoire ­
  sind,  sondern  daß  beständig  ein  Zufluß  aus  dem  einen  in  das  andere
erfolgt  und  daß  man  aus  dem  Ein-  und  Ausgang  des  Geldes  bei  den
Banken,  der  ja  registriert  wird,  die  außerhalb  der  Banken  stattfindende
Zirkulation  ermitteln  kann.
Es  liegt  klar  auf  der  Hand,  wie  der  Bankbericht  lauten  würde,  wenn  ein
jeder  aus  der  Bank  gezogene  Dollar  einmal  und  nur  einmal  zirkulierte,  bevor
seine  Wiedereinzahlung  erfolgt.  Unter  solchen  Umständen  wäre  der  jährliche ­
  Strom  des  Geldumlaufes  der  jährlichen  Geldentnahme  aus  den  Banken
vor  dem  Umlauf,  wie  den  jährlichen  Einzahlungen  in  die  Banken  nach  dem
Umlauf  völlig  gleich.
Da  wir  eine  Aufzeichnung  der  ersten  und  der  letzten  der  drei  Stufen
haben,  nämlich  der  Entnahme  und  der  Einlagen,  so  besitzen  wir  die  Mittel,
um  das  Zwischenglied,  den  Austausch  des  Geldes  für  Güter  kennen  zu  lernen.
Der  gewöhnliche  Umlauf  des  Geldes  —  ausgenommen  die  Fälle,  in  denen
es  mehr  als  einmal  zwischen  Entnahme  und  Wiedereinlage  von  Hand  zu
Hand  geht  —  ist  gleich  dem  durch  die  Banken  fließenden  Geldstrome.
Die  vollständigen  Tatsachen  sind  indes  nicht  so  einfach,  und  zwar  aus
dem  Grunde,  weil  das  den  Banken  entnommene  Geld  oft  mehr  als  einmal
in  Umlauf  gesetzt  wird.  Gleichwohl  folgen  die  Komplikationen  dieser  Bewegung
bestimmten  Gesetzen.  Sie  zerstören  nicht  den  Wert  der  Bankberichte,
sondern  erschweren  nur  etwas  ihre  Ausnützung.  Es  ist  nun  unsere  Absicht, ­
  zu  beweisen  1.  daß  in  der  Tat  viel  von  dem  außerhalb  der  Banken
befindlichen  Gelde  nur  einmal  zirkuliert  (wie  in  dem  soeben  erwähnten
hypothetischen  Falle);  2.  daß  das  Geld,  wenn  es  zur  Auszahlung  von  Löhnen
dient,  gewöhnlich  zweimal  in  Umlauf  ist,  und  3.,  daß  es  nur  selten  drei-  oder
mehrmals  zirkuliert,  bevor  es  seinen  Kreislauf  zurück  in  die  Banken  vollendet.
Unter  dieser  Behauptung  ist  zu  verstehen,  daß  das  Geld  gleich  den
Schecks  im  allgemeinen  nur  einmal  außerhalb  der  Banken  zirkuliert;  daß  es
aber,  w r enn  es  durch  die  Hände  von  Nichtdeponenten  geht  (worunter  in  Wirklichkeit ­
  Lohnempfänger  zu  verstehen  sind)  einmal  mehr  zirkuliert,  und  auf
diese  Weise  zu  dem  Volumen  des  gewöhnlichen  Geldumlaufes,  das,  wie  wir
gesehen  haben,  dem  Strome  des  durch  die  Banken  gehenden  Geldes  gleich
ist,  das  Volumen  der  Lohnzahlungen  hinzufügt.
Wir  machen  uns  vom  Umlauf  des  Geldes  in  der  modernen  Gesellschaft
ein  falsches  Bild,  wenn  wir  ihn  uns  als  eine  stetige  Aufeinanderfolge  von
Übertragungen  von  Person  zu  Person  denken.  Wenn  es  eine  solche  Aufeinanderfolge ­
  wäre,  so  läge  sie,  wie  Jevons  sagt,  außerhalb  des  Bereiches
der  Statistiken.  Wir  können  uns  aber  ein  richtigeres  Bild  machen,  wenn  wir
        <pb n="251" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

235

uns  die  Banken  als  die  Heimat  des  Geldes  und  dessen  Umlauf  als  zeitweiligen
Abstecher  aus  diesem  Orte  denken.  Wenn  diese  Darstellung  richtig  ist,
unterscheidet  sich  der  Umlauf  des  Geldes  nur  wenig  von  dem  der  Schecks.
Jeder  vollzieht  eine  oder  höchstens  einige  Transaktionen  außerhalb  der
Bank  und  kehrt  dann  in  diese  zurück,  um  seinen  Kreislauf  zu  melden.
Wie  aus  dem  Anhang  zu  ersehen,  belief  sich  das  gesamte  im  Jahre
1896  in  den  Banken  deponierte  Geld  auf  nahezu  10  Milliarden  Dollar  x )
und  der  Gesamtaufwand  der  Nichtdeponenten  auf  nahezu  6  Milliarden,
von  denen  4%  Milliarden  den  Aufwand  der  Lohnempfänger  ausmachten;
der  restliche  Posten  in  der  Formel  für  den  Umlauf  betrug  weniger  als  eine
Milliarde,  was  einen  Gesamtumlauf  von  ungefähr  16  Milliarden  ergibt.
Die  entsprechenden  Zahlen  für  das  Jahr  1909  sind:  Deponiertes  Geld:
21  Milliarden;  Ausgaben  der  Nichtdeponenten:  13  Milliarden;  der  verbleibende
Rest  ungefähr  1  Milliarde,  was  alles  in  allem  35  Milliarden  ergibt.
Die  folgende  Tabelle  stellt  eine  kurze  Zusammenfassung  dieser  Ergebnisse ­
  in  Milliarden  Dollars  dar  1  2 ):

1896

1909

1.  Posten  (das  in  den  Banken  eingezahlte  Geld)

10  —

21

9  Posten  (Aufwand  der  ..Nicht-Einleeer“')

6  —

.
13

Restposten

1  —

i

Total

16  +

35

U.  Um  die  Umlaufsgeschwindigkeit  zu  erlangen,  muß  der  Gesamtumlauf ­
  GU  (16  Milliarden  für  das  Jahr  1896,  oder  genauer  16,2  Milliarden)
durch  den  im  Jahre  1896  zirkulierenden  Geldbetrag  G  dividiert  werden.
Diese  Summe  wird  auf  $  870,000,000  geschätzt.  Die  Geschwindigkeit  ist
daher  16,200,000,000  ~  870,000,000  =  18,6,  oder  ungefähr  19  mal  für  ein
Jahr.  Mit  anderen  Worten:  das  Geld  wurde  im  Durchschnitt  ungefähr
365  19  gehalten,  was  19  oder  20  Tage  beträgt.  Wenn  ich  auf  einen  meinem
Ermessen  nach  hier  vorgekommenen  Irrtum  hinreichend  Rücksicht  genommen
habe,  so  handelt  es  sich  höchstens  um  zwei  oder  drei  Tage.  Für  das  Jahr

1 )  Bezüglich  einer  ausführlicheren  Darlegung  der  Methode  zur  Abschätzung  der  Umlaufsgeschwindigkeit
  des  Geldes  und  ihrer  statistischen  Anwendung  siehe  §  6  des  Anhanges
zu  diesem  (XII.)  Kapitel,  der  mit  Revisionen  und  Zusätzen  in  einem  von  mir  im  Dezember
1909  im  Journal  of  the  Royal  Statistical  Society  veröffentlichten  Artikel  über  „A  New  Method
of  estimating  the  Velocity  of  Circulation  of  Money“  besteht.  In  den  dem  Anhang  (§§  7
und  8)  einverleibten  Zusätzen  sind  die  statistischen  Einzelheiten  der  Berechnungen  für
die  Vereinigten  Staaten  enthalten.
2 )  Zwecks  Einzelheiten  in  bezug  auf  die  Zahlen  in  dieser  Tabelle  siehe  §  7  des  Anhanges ­
  zu  diesem  (XII.)  Kapitel.
        <pb n="252" />
        236

XII.  Kapitel.

1909  wurde  die  Umlaufsgeschwindigkeit  geschätzt  als  der  Gesamtumlauf
(35,1  Milliarden),  dividiert  durch  das  in  Umlauf  befindliche  Geld  (1,63  Milliarden), ­
  was  21,5  -f  ergibt;  d.  h.  ungefähr  22  mal  im  Jahr,  oder  einmal  in
17  Tagen.  Wir  schließen,  daß  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  im
Jahre  1896  und  die  Geschwindigkeit  im  Jahre  1909  ungef  ähr  19—  beziehungsweise ­
  22  mal  betrug,  wobei  mit  einem  mutmaßlichen  Irrtum,  der  im  Jahre
1896  auf  2  und  im  Jahre  1909  auf  nicht  mehr  als  1  zu  beurteilen  ist,  gerechnet
werden  kann.
Diese  Ergebnisse  würden  dem  Gelde  einen  langsameren  Umlauf  zuweisen, ­
  als  die  meisten  der  vorgenommenen  Schätzungen  oder  Annahmen.
Wir  dürfen  aber  nicht  vergessen,  daß  Leute  wie  Nationalökonomen,  die  am
meisten  befähigt  sind,  über  den  Umlauf  des  Geldes  nachzudenken,  einen
raschen  Geldumsatz  haben.  Sie  bewohnen  gewöhnlich  die  Stadt  und  gehören ­
  zu  den  relativ  Wohlhabenden,  die,  wie  wir  wissen,  ihr  Bargeld  nicht
lange  müssig  liegen  lassen.  Arbeiter,  besonders  die  sparsamen,  sowie  solche
Personen,  die  monatlich  bezahlt  werden,  halten  ihr  Geld  oft  mehrere  Wochen
an  der  Hand,  ohne  es  auszugeben.  Landwirte  und  andere  in  wenig  bevölkerten ­
  Distrikten  lebende  Leute  behalten  es  selbst  für  Monate.  Aller
Wahrscheinlichkeit  nach  ist  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  unter
den  verschiedenen  Klassen  und  Ortsverhältnissen  grundverschieden.
Wir  können  nun  die  Jahre  1896  und  1909  in  bezug  auf  das  in  Umlauf
befindliche  Geld,  die  Depositenumlaufsmittel,  deren  Geschwindigkeit  und
ihren  Gesamtumlauf  wie  folgt  vergleichen:

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

G

G'

U

V

GU

G'U'

GU+G'U'

1896

0,87

2,68

19

36

16

97

113

1909

1,63

6,75

22

54

35

364

399

Unsere  nächste  Aufgabe  ist,  zwischen  die  Zahlen  19  (im  Jahre  1896)
und  22  (im  Jahre  1909)  für  U  weitere  Schätzungen  einzuschalten.  Die
Resultate  sind  in  nachstehender  Tabelle  veranschaulicht:

Schätzungen  von  U,  von  1896—1909  1 ).

1896

19

1903

21

1897  .

19

1904

21

1898

20

1905

22

1899

22

1906

22

1900

20

1907

21

1901

22

1908

20

1902

22

1909

*)  Bezüglich  der  Methode  zur  Berechnung  dieser  Tabelle  siehe  §  8  des  Anhanges  zu
diesem  (XII.)  Kapitel.
        <pb n="253" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

237

§5.
Wir  haben  nun  unsere  statistische  Übersicht  der  Größen  G,  G,  U,U
auf  der  linken  Seite  der  Verkehrsgleichung  beendet,  und  es  bleiben  nur  noch
die  zwei  Größen  P  und  H  auf  der  rechten  Seite  der  Gleichung  übrig.
Wir  wollen  uns  zunächst  mit  H  beschäftigen.  Die  Resultate  unserer
Berechnungen  sind  in  nachstehender  labeile  gegeben,  die  das  Handelsvolumen ­
  in  Milliarden  Dollar,  zu  den  Preisen  des  Jahres  1909  veranschlagt,
ausdrückt:

Äbgeschätztes  Handelsvolumen
(in  Milliarden  Dollar  zu  den  Preisen  des  Jahres  1909).

1896

209

1903

335

1897

239

1904

324

1898

260

1905

378

1899

....  273

1906

396

1900

275

1907

412

1901

311

1908

381

1902

304

1909

399

Die  Tabelle  ist  in  der  Weise  berechnet  worden,  daß  der  Durchschnitt
der  Indexnummern  der  Mengen  (nicht  der  Werte)  für  verschiedene  Umsatzgebiete ­
  genommen  wurde.  Die  den  Handel  darstellenden  Zahlen  haben  als
Grundlage  die  Angaben  für  44  Artikel  des  Binnenhandels,  23  Import-  und
25  Exportartikel,  Aktienumsätze,  Eisenbahnfrachttransporte  und  durch  die
Postverwaltung  beförderte  Briefe.  Die  endgültigen  Zahlen  sind  so  eingerichtet, ­
  daß  die  für  das  Jahr  1909  sich  ergebende  Zahl  399  beträgt,  die  den
tatsächlichen  Geldwert  der  in  diesem  Jahre  durchgeführten  Geschäfte  gleichkommt, ­
  wie  er  auf  der  anderen  Seite  der  Gleichung  (d.  h.  GU  +  G'TJ')  dargestellt ­
  wird.  In  ihren  gegenseitigen  Beziehungen  sind  die  Zahlen  für  H
von  der  anderen  Seite  der  Gleichung  unabhängig 1 ).
Der  einzige  übrigbleibende  Faktor  in  der  Verkehrsgleichung  ist  P,  die
Indexnummer  der  Preise.  Theoretisch  könnte  diese  aus  den  bereits  abgeschätzten ­
  fünf  anderen  Größen  berechnet  werden,  vorausgesetzt,  daß  wir
uns  hinsichtlich  der  absoluten  Richtigkeit  auf  unsere  sämtlichen  vorhergehenden ­
  Berechnungen  verlassen  können.  Doch  ist  es  möglich,  daß  in  all
den  Größen  G,  G',  U,  U'  und  H  Irrtümer  vorgekommen  sind,  und  wenn  dies
wirklich  der  Fall  ist,  so  würden  diese  Irrtümer  in  verstärkendem  Maße  in

i\  Bezüglich  der  genauen  Methode  zum  Aufbau  dieser  Tabelle  (die  notwendigerweise
mit  großer  Mühe  verbunden  ist)  siehe  §  9  des  Anhanges  zu  diesem  (XII.)  Kapitel.
        <pb n="254" />
        238

XII.  Kapitel.

P  zum  Vorschein  gelangen.  Es  ist  daher  wichtig,  einen  derart  indirekt  berechneten ­
  Wert  von  P  durch  eine  direkt  berechnete  Statistik  zu  berichtigen.
Wenn  wir  dies  tun,  so  sind  wir  in  der  Lage,  das  direkt  und  das  indirekt  berechnete ­
  P  miteinander  zu  vergleichen.  Auf  ebensolche  Weise  können  wir,
wenn  uns  daran  gelegen  ist,  die  direkt  und  indirekt  berechneten  Werte
von  Cr,  G',  U,  U'  und  H  vergleichen.  Wir  wollen  uns  auf  die  Vergleichung
der  beiden  Werte  von  P  beschränken,  da  es,  wie  wir  gesehen  haben,  P  ist,
das  in  Wirklichkeit  von  den  fünf  anderen  Faktoren  in  der  Verkehrsgleichung
abhängt.  Die  Werte  von  P  (einschließlich  der  Preise  für  Waren,  für  Wertpapiere ­
  und  für  geleistete  Arbeit),  direkt  nach  den  Ziffern  für  1909,  die
gleich  100  gesetzt  werden,  sind  folgende:

Indexnummern  allgemeiner  Preise.

1896  63  1903.
1897  64  1904.
1898  66  1905.
1899  74  1906.
1900  80  1907,
1901  84  1908.
1902  89  1909.

87
85
91
96
97
92
100

Diese  Tabelle  ist  auf  die  Zahlen  des  Arbeitsamtes  für  Engrospreise  gegründet. ­
  Sie  differiert  nur  unbedeutend  mit  den  Zahlen  des  Arbeitsamtes
infolge  der  Tatsache,  daß  wir  hier  Preise  von  Wertpapieren  und  Löhnen
einschließen 1 ).
Schließlich  sollen  noch  diese  eigentlichen  Statistiken  für  P  mit  dem
indirekt  aus  den  anderen  Größen  der  Verkehrsgleichung  berechneten  P  verglichen ­
  werden.  Diese  Berechnung  und  Vergleichung  wird  im  folgenden  Abschnitt ­
  behandelt.
§6-Wir
  haben  nun  die  sechs  Größen  der  Verkehrsgleichung  für  die  vierzehn
Jahre  von  1896—1909  unabhängig  voneinander  berechnet.  Wir  wissen  aber,
wie  schon  früher  bemerkt,  daß  diese  sechs  Größen  durch  die  Verkehrsgleichung
in  gegenseitiger  Beziehung  stehen.  Es  ist  nun  die  Frage,  ob  die  so  berechneten ­
  Größen  die  Verkehrsgleichung  tatsächlich  annähernd  erfüllen.
Ein  Weg  zur  Untersuchung  dieser  Frage  ist  der  von  Kemmerer  eingeschlagene; ­
  nämlich  eine  Vergleichung  der  Statistiken  für  einen  der  Fak1 ­

 )  Bezüglich  der  Methode  für  die  Konstruktion  dieser  Tabelle  siehe  §  10  des  Anhanges ­
  zu  diesem  (XII.)  Kapitel.
        <pb n="255" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

239

toren  (sagen  wir  P),  wie  oben  direkt  berechnet,  mit  dem,  was  eine  indirekte
Berechnung  aus  den  fünf  anderen  Größen  der  Verkehrsgleichung  ergeben
würde.  Folgende  Tabelle  zeigt  den  Wert  von  P,  wie  er  auf  diese  zwei  Arten
erlangt  worden  ist:
Direkt  und  indirekt  berechnete  Preisindexnummern.

Direkt
CP)

Indirekt
tGU+G'U')
E

1896

63

64

1897

64

52

1898

66

56

1899

74

69

1900

80

68

1901

84

76

1902

89

82

1903

87

75

1904

85

81

1905

91

83

1906

97

90

1907

97

86

1908

92

87

1909

100

100

Die  zwischen  den  beiden  Zahlengruppen  bestehende  Übereinstimmung
wird  in  Figur  13  ersichtlich.
Die  durch  die  obere  und  untere  Kurve  angedeuteten  beiden  Werte
stimmen  auffallend  miteinander  überein 1 ).  Die  Genauigkeit  ihrer  Übereinstimmung ­
  kann  auf  verschiedene  Weise  ausgedrückt  werden.  Die  eine
Methode  besteht  in  der  Aufzählung  der  Übereinstimmungen  und  Nichtübereinstimmungen ­
  in  ihren  Richtungsveränderungen  oder  Krümmungen.  Von
12  Wendungen  in  jeder  Kurve  stimmen  die  beiden  sechsmal  überein,  dreimal
stimmen  sie  nicht  überein  und  dreimal  sind  sie  neutral.  Die  andere,  von
Pearson  angewandte  Methode  besteht  in  der  Berechnung  eines  sogenannten
„Korrelationskoeffizienten“  (wie  er  sich  ausdrückt).  Letzterer  zeigt  eine
Übereinstimmung  von  97  Prozent  Vollkommenheit  im  Vergleich  mit
23  Prozent,  die  Professor  Persons  von  Dartmouth  für  Kemmerers  Zahlen  1  2 )
für  1879—1901  fand.  Doch,  wie  bereits  erklärt,  ist  ein  Korrelations1 ­
 )  Die  dazwischenliegende  Kurve  wird  später  erklärt.
2 )  „QuarUity  Theory  as  tested  ly  Kemmerer“,  Qmrterly  Journal  of  Economics
1907—1908,  S.  287.
        <pb n="256" />
        240

XII.  Kapitel.

koeffizient  für  zeitlich  einander  folgende  Phänomene  leicht  irreführend.
Wenn  in  dem  Falle  der  Zahlen  von  Kemmerer  der  Koeffizient  0,23  eine
Unterschätzung  des  Parallelismus  zwischen  seinen  Kurven  war,  so  überschätzt ­
  der  Koeffizient  0,97  den  Parallelismus  zwischen  den  meinen.  Diese

Obere  fortlaufende  Linie:  P  ursprünglich.
Untere  fortlaufende  Linie:  J*  Ü  ursprünglich.
Jtl
Punktierte  Linie:  P  und  —-  berichtigt.
J~L
Fig.  13.
Überschätzung  kann  sich  stets  sehr  leicht  ergeben,  wenn  die  beiden  zu
vergleichenden  Kurven  rasch  auf-  oder  absteigen 1 ).
Die  geeignetste  Methode,  einen  Korrelationskoeffizienten  für  aufein1 ­
 )  Persons  findet  z.  B.  einen  Koeffizienten  von  0,98  für  die  Korrelation  zwischen
Kemmerers  Zahlen  für  Bankreserven  und  das  in  Umlauf  befindliche  Geld  einschließlich ­
  der  Bankreserven,  obwohl  die  beiden  Größen  keine  sehr  große  Übereinstimmung  in
Schwankungen  aufeinanderfolgender  Jahre  zeigen,  sondern  nur  eine  allgemeine  Übereinstimmung ­
  in  der  Tatsache,  daß  beide  schnell  ansteigen.  Der  Koeffizient  für  Kemmerers
Zahlen  für  P  wird  viel  höher  sein,  wenn  statt  der  mit  dem  Jahre  1879  beginnenden  Periode,
die  viele  Jahre  enthält,  in  denen  sich  die  Preise  nicht  merklich  verändern,  die  Periode  genommen ­
  wird,  die  zur  selben  Zeit  wie  meine  eigenen  Zahlen  beginnt,  nämlich  im  Jahre  1896.
Der  Korrelationskoeffizient  für  Kemmerers  Zahlen  von  1896  1908  ist  83  Prozent,  was
einen  viel  höheren  Prozentsatz  ergibt  als  den,  welchen  Persons  mit  der  vom  Jahre  1879
beginnenden  Periode  erlangte.
        <pb n="257" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

241

anderfolgende  Angaben  anzuwenden,  scheint  die  zu  sein,  daß  der  Koeffizient
nicht  für  die  rohen  Zahlen,  sondern  für  ihre  Verhältnisse  von  Jahr  zu  Jahr
berechnet  wird.  Mit  anderen  Worten:  wir  setzen  in  die  Tabelle  die  Verhältnisse ­
  von  P  eines  jeden  Jahres  und  vergleichen  sie  mit  dem  P  des  vorhergehenden ­

  Jahres  und  von

GU  +  G'U’
H

eines  jeden  Jahres  mit

GU+G'U'
n

des  Vorjahres.  Sollten  die  zwei  Verhältnisgruppen  gleichzeitig  steigen
oder  fallen,  so  wiesen  die  Kurven  einen  nahen  Parallelismus
oder  eine  Übereinstimmung  in  ihren  aufeinanderfolgenden  Veränderungen
in  der  Richtung  auf.  Tatsächlich  zeigen  die  Resultate  dieser  Methode
einen  Korrelationskoeffizienten  von  57  Prozent  (oder  0,57  ±  0,10,  mit
einem  mutmaßlichen  Irrtum  von  0,10).  Diese  Zahl  57  Prozent  ist  ein
mäßig  hoher  Korrelationskoeffizient x ).  Wir  können  daher  den  Schluß
ziehen,  daß  die  „Quantitätstheorie“  durch  einen  hohen  Grad  von  Korrelation ­
  statistisch  bestätigt  wird *  2 ).
Es  muß  betont  werden,  daß  die  soeben  gegebenen  Korrelationskoeffizienten ­
  das  Preisniveau  mit  dem  vergleichen,  was  es  den  Statistiken
der  fünf  Größen  gemäß  sein  sollte,  von  denen  es  nach  der  sogenannten
Quantitätstheorie  abhängig  ist.  Wenn  anstatt  dieser  fünf  Größen  nur
eine  Größe  genommen  würde,  wäre  die  Korrelation  eine  geringere.  Zieht
man  also  das  Verhältnis  von  Jahr  zu  Jahr,  so  beträgt  z.  B.  der  Korrelationskoeffizient ­
  von  1896  bis  1909  für  Geld,  G,  und  Preise,  P,  43  Prozent  (oder
0,43  ±  0,13) 3 ).  Selbst  dies  ist  ein  verhältnismäßig  hoher  Grad  der
Korrelation.
Wenn  die  Gegner  der  „Quantitätstheorie“  dadurch,  daß  sie  den  Mangel

*)  Niemand  wird  z.  B.  in  Abrede  stellen,  daß  die  Länge  und  die  Breite  von  Nüssen
in  großer  Korrelation  zueinander  stehen.  Der  Koeffizient  ihrer  Korrelation  ist  57  Prozent.
Die  Korrelation  der  Körperlänge  eines  Menschen  und  seinem  Gesichtsumfang  kann
bis  35  Prozent  betragen.
2 )  Bei  dieser  Gelegenheit  soll  hier  der  relative  Korrelationsgrad  der  Zahlen  Kümmerers ­
  und  meiner  eigenen  einer  Vergleichung  unterzogen  werden.  Wir  nehmen  zu  diesem
Zwecke  den  zwischen  den  Jahren  1896—1908  liegenden  Zeitraum,  der  für  beide  Untersuchungen ­
  die  längste  Periode  bedeutet.  Für  meine  Zahlen  beträgt  der  Koeffizient  dieser
Jahre  54  Prozent  (oder  0,54  ±  0,11);  wohingegen  sich  der  für  die  Zahlen  Kümmerers  auf
37  Prozent  (oder  0,37  ±  0,14)  beläuft.  Beide  Zahlen  wurden  mittelst  der  Methode  der
Vergleichung  der  Relationen  von  Jahr  zu  Jahr  erlangt.  Bei  der  Methode  der  Anwendung ­
  absoluter  Zahlen  beträgt  meine  Korrelation  95  Prozent  und  die  Kemmerers
83  Prozent.
3 )  Bei  einer  direkten  Vergleichung  von  G  mit  P  beträgt  der  Korrelationskoeffizient
für  1896—1909  97  Prozent.
bisher,  Kaufkraft  des  Geldes.

16
        <pb n="258" />
        einer  statistischen  Übereinstimmung  zwischen  den  beiden  Faktoren  geltend
machen  und  jedwede  Beziehung  zwischen  Geld  und  Preisen  in  Abrede
stellen,  damit  bloß  sagen  wollen,  daß  sich  außer  dem  Gelde  auch  die  anderen
Faktoren  G',  U,  U’  oder  H  von  Zeit  zu  Zeit  verändern  und  daß  infolgedessen
in  Wirklichkeit  das  Preisniveau  mit  der  Quantität  des  Geldes  nicht  genau
übereinstimmend  variiert,  so  ist  diese  ihre  Behauptung  allerdings  zutreffend.
Aber  dieser  Einwurf  ist  von  ebenso  geringer  wissenschaftlicher  Tragweite
wie  die  Behauptung,  daß  der  Druck  der  Atmosphäre  nicht  in  genauem
Verhältnis  zu  ihrer  Dichtigkeit  von  einem  Tag  zum  anderen  variiert.
Wir  wissen,  daß  der  Druck  eines  Gases  bei  konstanter  Temperatur
direkt  wie  dessen  Dichtigkeit  wechselt,  daß  aber  tatsächlich  die  Temperatur
selten  konstant  ist.  Wer  versuchen  wollte,  die  wissenschaftliche  Gültigkeit
des  Boyleschen  Gesetzes  von  solcher  Basis  aus  zu  bestreiten,  verriete  nur
seine  Unkenntnis  der  wirklichen  Bedeutung  eines  wissenschaftlichen
Gesetzes.  Und  wenn  er  die  Behauptung  durch  Aufzeichnung  täglicher,
den  barometrischen  Druck  und  die  atmosphärische  Dichtigkeit  darstellender
Kurven  allen  Ernstes  „statistisch  widerlegen“  wollte,  würde  er  sich  wissenschaftlichem ­
  Spott  aussetzen.
Ein  jeder,  der  wirklich  die  Meinung  vertritt,  daß  das  Preisniveau  einzig
und  allein  von  der  Quantität  des  Geldes  abhängt,  sollte  gewiß  eines  besseren
belehrt  werden.  Die  wahre  Bedeutung  der  Sache  besteht  aber  darin,  daß  die
ökonomische  Forschung  die  Existenz  eines  Gesetzes  der  direkten  Proportion ­
  zwischen  der  Quantität  des  Geldes  und  dem  Preisniveau  würdigen
sollte,  eines  Gesetzes,  das  in  der  Wirtschaftstheorie  des  Geldes  ebenso  wahr,
ebenso  wichtig  und  fundamental  ist,  wie  das  Boylesche  Gesetz  direkter
Proportion  zwischen  Dichtigkeit  und  Druck  in  der  physikalischen  Theorie
der  Gase  wahr,  wichtig  und  fundamental  ist.  Meiner  Meinung  nach  ist  die
so  häufige  Nichterfassung  der  Existenz  dieses  Gesetzes  zum  großen  Teil
dem  Mangel  eines  klaren  Begriffes  der  involvierten  Größen  zuzuschreiben.
G  und  P  scheinen  die  einzigen  Größen  zu  sein,  die  von  vielen  die  Sache
Studierenden  wirklich  verstanden  werden.  G’,  U,  U’  und  E  werden  nur
selten  erörtert,  wenn  überhaupt  erwähnt.  Aber  erst,  wenn  der  Gegenstand
durch  Zahlen,  die  die  tatsächlichen  Depositenumlaufsmittel,  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  und  das  Handelsvolumen  bewerten,  auf  eine  statistische
Grundlage  gestellt  ist,  wird  man  zugeben,  daß  diese  Größen  eine  wahre
Existenz  und  Bedeutung  haben.
Doch  sollte  die  Quantitätstheorie  für  jedermann  mit  unparteiischem
Urteil  auch  ohne  eine  solche  Kontrolle  hinreichend  sichergestellt  erscheinen.
Der  beste  Beweis  für  sie  muß  stets  a  'priori  sein,  d.  h.  nicht  in  dem  Sinne,
        <pb n="259" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

243

wie  er  in  der  Beweisführung  abstrakter  mathematischer  Behauptungen  zur
Anwendung  kommt,  aber  in  dem  gleichen  Sinne,  wie  es  der  Beweis  für  das
Boylesche  Gesetz  ist.  So  ist  durch  Induktion  bekannt,  daß  der  Druck
eines  eingeschlossenen  Gases  durch  das  Bombardement  der  umgebenden
Wände  durch  seine  Moleküle  veranlaßt  wird.  Ebenso  ist  durch  Induktion
bekannt,  daß  der  Druck  im  Verhältnis  zur  Häufigkeit  des  Anpralles  stehen
muß,  vorausgesetzt,  daß  die  Geschwindigkeit  der  Moleküle  eine  beständige
ist.  Und  schließlich  ist  bekannt,  daß  die  Frequenz  des  Anstoßes  mit  der
Anzahl  der  Moleküle,  d.  h.  mit  der  Dichtigkeit  des  Gases  im  Verhältnis
stehen  muß  und  daß  Beständigkeit  in  der  Geschwindigkeit  Beständigkeit
in  der  Temperatur  bedeutet.  Es  folgt  daraus,  daß  bei  konstanter  Temperatur ­
  der  Druck  im  Verhältnis  zur  Dichtigkeit  steht.  Aus  der  induktiv
gewonnenen  Kenntnis  der  individuellen  Druckkräfte  des  aus  Molekülen
bestehenden  Gases  können  wir  also  deduktiv  den  allgemeinen  Druck  eines
Gases  begründen.
In  ähnlicher  Weise  können  wir  —  wie  bei  den  Molekülen  —  aus  der
induktiv  gewonnenen  Kenntnis  des  individuellen  Austauschs,  der  den  Gesamtaustausch ­
  der  menschlichen  Gesellschaft  zusammensetzt,  deduktiv  die
allgemeine  Verkehrsgleichung  begründen.
Glücklicherweise  können  wir  genau  so,  wie  das  Boylesche  Gesetz
sowohl  deduktiv  als  auch  induktiv  aufgestellt  worden  ist,  nun  erklären,  daß
die  Verkehrsgleichung  sowohl  deduktiv,  als  auch  induktiv  hinreichend  aufgestellt ­
  worden  ist.
Wie  bereits  früher  bemerkt,  kann  die  Aufstellung  der  Verkehrsgleichung
  nicht  die  vollständige  Aufstellung  der  Quantitätstheorie  des
Geldes  bedeuten,  denn  die  Gleichung  gewährt  keinerlei  Aufklärung,
welche  Faktoren  Ursachen  und  welche  Wirkungen  sind.  Diese  Frage  ist
jedoch  im  VIII.  Kapitel  beantwortet  worden.
§?•
Wer  an  einen  Mpnon-Beweis  der  Verkehrsgleichung  glaubt,  sollte  unter
der  wahren  Bedeutung  der  bemerkenswerten  Übereinstimmung  in  unseren
statistischen  Resultaten  nicht  verstehen,  daß  die  Gleichung  durch  die  Zahlen,
sondern  die  Zahlen  durch  die  Gleichung  bestätigt  werden.  Allerdings  sind
in  unserer  induktiven  Beweisführung  Verschiedenheiten  aufzuweisen,  doch
liegen  diese  samt  und  sonders  richtig  innerhalb  der  Fehlergrenzen  der
Messung.  Die  Abweichungen  beweisen,  daß  bei  den  Zahlen  geringfügige ­
  Irrtümer  unterlaufen  sind,  denn  sonst  würden  sie  mit  dem

IG*
        <pb n="260" />
        durch  die  Verkehrsgleichung  vorgeschriebenen  Verhältnis  genau  übereinstimmen.

Unsere  nächste  Aufgabe  ist  nun,  die  Abweichungen  zu  prüfen  und,  soweit ­
  angängig,  die  vorkommenden  Irrtümer  festzustellen.  Der  Grad  der
totalen  gegenseitigen  Abweichung  zwischen  den  unabhängig  berechneten
Größen  wird  am  besten  durch  den  Grad  der  Ungleichheit  zwischen  den  berechneten ­
  Werten  von  GU  +  G'U’  und  PH  ausgedrückt,  die  gleich  sein
sollten.  Das  heißt,  PH  dividiert  durch  GU  +  G'U'  sollte  stets  gleich  eins
sein.  Die  tatsächliche  Division  ergibt  die  in  nachstehender  Tabelle  unter
der  mit  „Ursprünglich“  betitelten  Kolonne  aufgeführten  Zahlen.  Die  andere
Kolonne  soll  sofort  erklärt  werden.
Ursprünglich  und  reduziert  berechnetes  Verhältnis  von  PH  zu  GU  +  G'U'.

1.

2.

3.

Ursprünglich

Reduziert

1896

1,17

1,06

1897

1,24

1,13

1898

1,18

1,07

1899

1,06

0,95

1900

1,17

1,06

1901

1,11

1,00

1902

1,08

0,97

1903

1,16

1,05

1904

1,06

0,95

1905

1,09

0,98

1906

1,08

0,97

1907

1,13

1,02

1908

1,05

0,94

1909

1,00

0,89

Die  Zahlen  der  zweiten  Kolonne  zeigen,  daß  die  aus  PH  berechneten
Werte  stets  größer  sind,  als  die  von  GU  +  G'U'  berechneten,  und  daß  der
Überschuß  zwischen  24  Prozent  und  0  variiert  und  einen  Durchschnitt  von
11  Prozent  aufweist.
Diese  Abweichungen  zwischen  PH  und  GU  +  G'U'  können  jedoch
durch  bloße  Veränderung  der  verwendeten  Basispreise  verringert  werden.
Bisher  haben  wir  das  Preisniveau  des  Jahres  1909  als  Basis  genommen.
Da  aber  die  Indexnummern  nur  eine  relative  Bedeutung  haben,  so  steht
es  uns  frei,  irgendeine  andere  Zahlengruppe  zu  wählen,  vorausgesetzt,
daß  dieselben  relativen  Größen  beibehalten  werden.  Diesem  Vorrechtege-
        <pb n="261" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

245

maß  wollen  wir  nun  sämtliche  Zahlen  für  P  um  11  Prozent,  den  Durchschnitt ­
  der  ursprünglichen  Verschiedenheiten,  reduzieren.  Das  Resultat
ist,  daß  PH  um  11  Prozent  erniedrigt  und  die  Reihe  der  in  der  zweiten
Kolonne  angegebenen  Abweichungen  auf  (annähernd)  die  der  dritten
Kolonne  abgeändert  wird.  Diese  Zahlen  variieren  zwischen  13  Prozent
über  und  11  Prozent  unter  eins.  Die  Irrtümer  sind  ganz  geringfügig  —
tatsächlich  viel  geringer  als  angesichts  des  unvollständigen  und  unzu-Fortlaufende

  Linien:  G  und  G'  ursprünglich.
Punktierte  Linien:  G  und  G'  berichtigt.
Fig.  14.

verlässigen  Charakters  gewisser  uns  zur  Verfügung  stehender  Angaben  erwartet ­
  werden  kann.
Es  ist  nun  die  Frage:  Wo  liegt  die  Schiüd  für  die  durch  die  vorhandenen
geringen  Abweichungen  angezeigten  Irrtümer  ?  Ist  G,  G',  U,  V,  P  oder  fl
für  diese  verantwortlich  zu  machen?  Wie  können  wir  die  von  uns  berechneten ­
  Zahlen  berichtigen?  Nach  allgemeinem  Grundsätze  ist  zu  schließen,
daß  die  kleinsten  Korrekturen  die  richtigsten  sind.  Die  geringfügigsten
Korrekturen  bedeuten  eine  gegenseitige  Ausgleichung  der  sechs  Faktoren
untereinander,  wobei  jede  Adjustierung  eine  die  vorhandene  Abweichung
        <pb n="262" />
        246

XII.  Kapitel.

verringernde  Richtung  verfolgt.  In  diesem  Sinne  wird  jedem  Faktor,  so  wie
er  berechnet  ist,  ein  gewisser  Wert  zugeschrieben  und  ihm  ein  Einfluß  auf
die  Berichtigung  der  anderen  Faktoren  gegeben,  wodurch  jeder  Faktor
nur  einer  äußerst  geringen  Abänderung  bedarf.  Die  Änderungen  in  den
verschiedenen  Faktoren  werden  im  Verhältnis  zu  ihrer  relativen  vermutlichen ­
  Irrtumstendenz  gemacht.
Die  Resultate  sind  in  Figur  14,  15,  16  und  in  der  bereits  erwähnten
Figur  13  veranschaulicht.  Jede  Figur  bezieht  sich  auf  einen  der  Faktoren

Fortlaufende  Linien:  V  und  U'  ursprünglich.
Punktierte  Linien:  U  und  U'  berichtigt.
Fig.  15.
der  Verkehrsgleichung,  wie  sie  ursprünglich  berechnet  und  schließlich  berichtigt ­
  wurden  (punktierte  Linien).  Auf  diese  Weise  ausgeglichen,  stimmen
die  Faktoren  mit  dem  Erfordernis  der  Verkehrsgleichung  überein x ).
Aus  Figur  14  ersehen  wir,  daß  die  in  den  Zahlen  für  G  und  G'  gemachten
Abänderungen  so  unbedeutend  sind,  daß  sie  beinahe  nicht  beachtet  zu  werden
brauchen;  sie  betragen  gewöhnlich  viel  weniger  als  1  Prozent.  Die  in
Figur  15  angegebenen  Abänderungen  von  U  und  U'  sind  zwar  etwas  größer,
doch  ebenfalls  von  geringer  Bedeutung  und  betragen  gewöhnlich  weniger

D  Bezüglich  der  Berichtigungsmethode  siehe  §  11  des  Anhanges  zu  diesem  (XII.)
Kapitel.
        <pb n="263" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

247

als  2  Prozent.  Die  in  Figur  16  veranschaulichten  Abänderungen  in  II  sind,
wenngleich  größer  als  die  vorhergehenden,  nichtsdestoweniger  so  unbedeutend
und  gleichförmig,  daß  sie  einen  fast  vollkommenen  Parallelismus  zwischen  der
ursprünglichen  und  der  abgeänderten  Kurve  ergeben.  Die  Differenzen
überschreiten  selten  10  Prozent.  Die  in  P  vorgenommenen  Abänderungen
wurden  bereits  in  Figur  13  gegeben,  in  der  die  obere  Kurve  die  ursprünglichen
und  die  punktierte  oder  mittlere  Kurve  die  abgeänderten  Zahlen  für  P  darstellt. ­
  Auch  hier  ist  ein  äußerst  naher  Parallelismus  zwischen  den  ursprüng-Fortlaufende

  Linie:  H  ursprünglich.
Punktierte  Linie:  H  berichtigt.
Fig.  16.
liehen  und  den  abgeänderten  Kurven  klar  ersichtlich.  Die  Differenzen  übersteigen ­
  selten  3  Prozent.
Gewiß  könnte  auch  der  anspruchsvollste  Kritiker  keine  größere  Folgerichtigkeit ­
  der  Resultate  und  Übereinstimmung  mit  der  Theorie  der  Verkehrsgleichung ­
  verlangen,  als  diese  Statistiken  zeigen.  Die  Berichtigungen,
die  für  notwendig  erachtet  wurden,  um  die  in  der  zuerst  berechneten  Weise
erlangten  sechs  Zahlen  in  vollkommene  Übereinstimmung  zu  bringen,  sind
geringer,  als  der  mutmaßliche  Irrtum  in  diesen  Zahlen  selbst.  Ich  hatte
■—-  kurz  vor  meiner  Kenntnis,  wie  sehr  die  Schlußresultate  harmonieren  —
gewisse  ungefähre  Abschätzungen  der  wahrscheinlichen  Irrtüiner  vorgenommen, ­
  die  im  Anhang  vermerkt  wurden.  Der  mutmaßliche  Irrtum  von
        <pb n="264" />
        248

XII.  Kapitel.

G  kann  auf  2  bis  3  Prozent  geschätzt  werden,  von  G'  ebenfalls  auf  2  bis  3
Prozent,  von  U,  U',  P  und  E  auf  je  5  bis  10  Prozent.  Mit  anderen  Worten:
Unsere  statistischen  Angaben  wurden  für  nur  ungefähr  und  annähernd  gehalten. ­
  Der  schließlich  nötige  „statistische  Ausgleich“,  um  die  Zahlen  miteinander ­
  in  Einklang  zu  bringen,  überstieg,  wie  wir  gesehen  haben,  selten
2  Prozent,  und  zwar:  weniger  als  1  Prozent  für  G  und  G\  weniger  als
2  Prozent  für  U  und  U',  weniger  als  3  Prozent  für  P  und  weniger  als
10  Prozent  für  H.  Wir  schließen  hieraus,  daß  die  Zahlen  besser  zueinander
passen,  als  bei  ihrem  uns  bekannten  Mangel  an  Präzision  erwartet  werden
konnte.
Die  Berichtigungen,  die  wir  den  verschiedenen  Faktoren  angedeihen
ließen,  sind  so  unerheblich,  daß  eine  besondere  Erklärung  derselben  gewagt
wäre.  Die  Irrtümer,  die  sie  mutmaßlich  darstellen,  können  auf  die  verschiedensten ­
  Quellen  zurückgeführt  werden,  z.  B.  auf  den  wachsenden  Anteil ­
  der  Bankübertragung  zum  Unterschied  von  den  gewöhnlichen  Schecktransaktionen ­
  in  den  Gesamtumsätzen  des  New  Yorker  Clearinghauses,  oder  auf
Irrtümer  oder  Ungleichheiten  in  den  Statistiken  des  Getreidehandels  usw.:
ferner  auf  Über-  oder  Unterschätzungen  der  besonderen,  von  normalen
Verhältnissen  abweichenden  Tage  im  Jahre  1896  und  1909,  an  denen  die  in
den  Banken  geführten  Statistiken  über  die  Depositen  gesammelt  wurden,  und
schließlich  auf  eventueller  Über-  und  Unterschätzung  nichtgemeldeter  Depositen ­
  und  des  in  den  Vereinigten  Staaten  vorhandenen  Goldes,  der  Lohnzahlungen, ­
  und  auf  eine  Anzahl  anderer  untergeordneter,  wenn  auch  nur  auf
Vermutungen  gegründeter  Elemente  in  unseren  Berechnungen.
Die  soeben  erwähnten  Fehlerquellen  wurden  in  der  Reihenfolge  ihrer
mutmaßlichen  Bedeutsamkeit  aufgeführt.  Es  ist  bezeichnend,  daß  die  Jahre
1896  bis  1898,  für  die  die  unvollkommensten  Angaben  für  H  vorliegen,
sowie  die  Jahre  1900,  1903  und  1907,  welche  Jahre  der  Krise  bzw.
drohender  Krise  bedeuten,  die  größten  Abweichungen  aufweisen.
§8.
Nachdem  in  den  sechs  Größen  der  Verkehrsgleichung  die  obengenannten ­
  gegenseitigen  Berichtigungen  vorgenommen  worden  sind,
erhalten  wir  die  nachstehenden,  in  den  punktierten  Kurven  dargestellten
Zahlen,  die  unsere  Schlußtabelle  der  Werte  für  G,  G r ,  U,  U r ,  P  und  H
konstituieren:
        <pb n="265" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

249

Endgültig  berichtigte  Werte  der  Elemente  in  der  Verkehrsgleichung.

(Die  Ziffern  der  Jahre  1910—1912  siehe  S.  415.)

G

G'

U

V

P

H

GU

G'U'

GU
G'U’
u  .PH

1896

0,88

2,71

18,8

36,6

60,3

191

16

99

115

1897

0,90

2,86

19,9

39,4

60,4

215

18

112

130

1898

0,97

3,22

20,2

40,6

63,2

237

20—

131—

150

1899

1,03

3,88

21,5

42,0

71,6

259

22

163

185

1900

1,18

4,44

20,4

38,3

76,5

253

24

170

194

1901

1,22

5,13

21,8

40,6

80,5

291

27

208

235

1902

1,25

5,40

21,6

40,5

85,7

287

27

219

246

1903

1,39

5,73

20,9

39,7

82,6

310

29

227

256

1904

1,36

5,77

20,4

39,6

82,6

310

28

228

256

1905

1,45

6,54

21,6

42,7

87,7

355

31+

279  +

311

1906

1,58

6,81

21,5

46,3

93,2

375

34

315

349

1907

1,63

7,13

21,3

45,3

93,2

384

35

323

358

1908

1,62

6,57

19,7

44,8

90,3

361

32

294

326

1909

1,61

6,68

21,1

52,8

100,0

387

34

353

387

1910

1,69

7,23

21,0

52,7

104,0

399

34

381

415

1911

1,64

7,78

21,0

49,9

102,2

413

34

388

422

1912

1,71

8,17

22,0

53,4

105,3

450

38

436

474

Von  dieser  Tabelle,  die  die  Vorzüge  unabhängiger  Berechnung  der
Faktoren  G,  G\  U,  U',  P  und  H  mit  den  Berichtigungen  vereinigt,  die  für
jeden  einzelnen  Faktor  nötig  waren,  um  ihn  mit  den  anderen  Faktoren  übereinstimmend ­
  zu  gestalten,  kann  man  behaupten,  daß  sie  in  bezug  auf  diese
Größen  die  bestmöglichen  Daten  liefert.
Diese  Zahlen  oder  die  punktierten  Kurven  in  den  vorhergehenden
Diagrammen  zeigen,  daß  sich  das  in  Umlauf  befindliche  Geld  (G)  in  dreizehn
Jahren  beinahe  verdoppelt  hat,  daß  seine  Umlaufsgeschwindigkeit  (U)  um
nur  10  Prozent  zunahm,  daß  sich  die  Depositenumlaufsmittel  beinahe  verdreifachten, ­
  daß  ihre  Umlaufsgeschwindigkeit  (£/')  eine  Zunahme  von
50  Prozent  aufweist,  ferner,  daß  sich  das  Handelsvolumen  verdoppelte
und  daß  die  Preise  um  zwei  Drittel  gestiegen  sind.
Diese  Kesultate  sind  nicht  überraschend,  sondern,  meiner  Meinung  nach,
genau  so  wie  wir  sie  erwarten  konnten.  Nichtsdestoweniger  sind  die  Ergebnisse ­
  fast  sämtlich  neu.  Die  Zahlen  für  das  in  Umlauf  befindliche  Geld
(G)  unterscheiden  sich  nicht  wesentlich  von  den  in  amtlichen  Dokumenten
gegebenen  und  von  den  von  Kemmerer  gebrauchten  Zahlen.  In  gleicher
Weise  sind  die  Zahlen  für  die  Preisindexnummern  in  der  Hauptsache  auf  die
seitens  des  Arbeitsamtes  der  Vereinigten  Staaten  veröffentlichten  Index ­
        <pb n="266" />
        250

XII.  Kapitel.

nummern  für  Engrospreise  gegründet  und  diesen  sehr  ähnlich.  Die  Statistiken ­
  für  das  Handelsvolumen  sind  samt  und  sonders  neu  konstruiert
worden  und  differieren  einigermaßen  von  den  durch  Kemmerer  aufgestellten ­
  Statistiken,  die  ihre  einzigen  Vorläufer  sind.  Die  Statistiken  für  die
dem  Scheckverkehr  unterworfenen  Depositen  ((?')  werden  hier  zum  erstenmal ­
  veröffentlicht.  Die  Statistiken  der  Umlaufsgeschwindigkeit  der
Bankdepositen  (£/')  sind,  mit  Ausnahme  der  über  die  Tätigkeit  von  Bankabrechnungen ­
  in  europäischen  Banken,  die  ersten  ihrer  Art.  Und  schließlich ­
  sind  die  Statistiken  der  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  (U)  in
ihrer  Art  neu.
Mit  diesem  Zahlenmaterial  sind  wir  in  der  Lage,  uns  ein  ziemlich  korrektes
statistisches  Bild  des  Zirkulationssystems  in  den  Vereinigten  Staaten  zu
machen.  Den  Aufzeichnungen  vom  Jahre  1909  gemäß  beträgt  das  in  tatsächlichem ­
  Umlauf  befindliche  Geld  (0)  1,6  Milliarden  Dollar  oder  $  18
pro  Kopf  der  Bevölkerung  (bedeutend  weniger  als  die  für  den  Umlauf  mit
$  35  gegebene  amtliche  Zahl);  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  (17)
beträgt  einundzwanzigmal  per  Jahr.  Die  Depositenumlaufsmittel  ((?')  betragen ­
  6,7  Milliarden  oder  $  74  per  Kopf,  d.  h.  den  vierfachen  Betrag  des
Geldes;  die  Umlaufsgeschwindigkeit  dieser  Depositen  beträgt  dreiundfünfzig  -
inal  per  Jahr,  d.  h.  das  Zweieinhalbfache  der  des  Geldes.  Der  Gesamtumlauf ­
  des  Geldes  oder  die  damit  erledigten  Zahlungen  (Gü)  belaufen  sich
auf  34  Milliarden  per  Jahr.  Der  Umlauf  der  dem  Scheckverkehr  unterworfenen ­
  Depositen  oder  der  durch  Scheck  vorgenommenen  Zahlungen
('G'U')  beläuft  sich  auf  353  Milliarden,  d.  h.  zehnmal  mehr  oder  nahezu
eine  Milliarde  pro  Tag.  Die  zu  gegenwärtigen  Preisen  durch  geführten  Geschäfte ­
  (Gü  +  G'U'  oder  PH)  ergeben  somit  die  enorme  Gesamtsumme  von
387  Milliarden  oder  mehr  als  eine  Milliarde  pro  Tag.  Die  Höhe  dieses  Aggregates ­
  wird  sicherlich  viele  Leser  in  Erstaunen  setzen.  Durch  den  Mangel
an  tatsächlichen  Statistiken  haben  wir  uns  von  der  kolossalen  Ausdehnung
unseres  Handels  kaum  eine  Vorstellung  machen  können.  Außer  den  Statistikern ­
  haben  wohl  wenige  Personen  daran  gedacht,  daß  unser  Import-  und
Exporthandel,  die  in  unseren  politischen  Wahnbildern  einen  so  großen  Raum
einnehmen,  im  Vergleich  zu  dem  Innenhandel  zur  äußersten  Bedeutungslosigkeit ­
  herabsinken.  Der  gesamte  Export  und  Import  beläuft  sich  nur
auf  armselige  3  Milliarden  im  Vergleich  zu  dem  gesamten  nationalen  Handel
von  387  Milliarden.
Wir  sind  nun  in  der  Lage,  die  ganze  in  der  letzten  Tabelle  gegebene
Zahlengruppe  durch  eine  mechanische  Illustration,  v r ie  solche  bereits  in
früheren  Kapiteln  zur  Anwendung  kamen,  zur  Darstellung  zu  bringen.
        <pb n="267" />
        &amp;gt;  •  -  :  *

t

Das  durch  einen  Geldbeutel  versinnbildlichte  Gewicht  j  stellt  G,  das  in  den  Vereinigten  Staaten
in  Zirkulation  befindliche  Geld  (d.  h.  alles  außerhalb  des  fcllA  Schatzamtes  der  Vereinigten  Staaten  und
der  Banken  befindliche  Geld)  dar.  Es  beläuft  sich  gewöhnlich  auf  1—2  Milliarden  Dollar  ($  in  Billions).
Das  Hebelarmverhältnis  dieses  Geldbeutels  oder  seine  Entfernung  vom  Drehpunkte  der  Wage  repräsentiert ­
  17,  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes.  Das  Geld  wird  gewöhnlich  zirka  20  mal  im  Jahr  umgesetzt.

veranschaulicht  G',  die  Bank-Milliarden
  Dollar)  ($  in  Billions).
TJ',  die  Umlaufsgeschwindigkeit

Das  durch  ein  Bankdepositenbuch  versinnbildlichte  Gewicht
depositen,  gegen  die  Schecks  gezogen  werden  (gewöhnlich  3—8
Das  Hebelarmverhältnis  dieses  Bankdepositenbuches  stellt
(„Lebhaftigkeit“)  dieser  Depositen  dar.  Die  Depositen  werden  gewöhnlich  40—50  mal  im  Jahr  umgesetzt.
Das  durch  eine  mit  Spezereiwaren  gefüllte  Wagschale  ^  versinnbildlichte  Gewicht  veranschaulicht ­
  H,  das  in  „Einheiten“  (Units)  ausgedrückte  Handelsvolumen,  wobei  jede
„Einheit“  (Unit)  die  Quantität  bedeutet,  die  im  Jahre  1909  für  $  1  gekauft  werden  konnte.
Das  Hebelarmverhältnis  dieser  Wagschale  stellt  P,  d.  h.  die  als  Prozentsatz  der  Preise  vom  Jahre
1909  bemessene  indexnummer  der  Preise  dar.

in  i  i|i  mrn  111rrmi  iHflmi

iinri|vnir

i  ipi  n  11111111  iTT{'rri  n  i  ii  q  n  11  p  if  i[  i  n  11111  rp  111|  h  i  f  r

1896

11  HTI  rt|Tiiili

HnTT|inrpirryrTTT;nmn  ii  |mrpmnTni|i

n  ii  iriiTiTtm  ‘  wii—v
J22  1(Q—iaJ

1897

Min.nn'rrmTniTrru

■iTnn 1 imimipiii|iiii T im|mi| , i  tTi|nirpHi|Mnpinpii|«iT]mipni|MW|iiiitii|i|iinTmiTmi|'iiii

fuim ||| m^rn ||||| |u || i || iv|Trr | i | m|mi[ | iii| ||||| |iniT n nr | n[ T r r TTHriji ||| | |, f | | ||| n’rn^~^

1900

nu|Tm|iinirTrrpni|H

rTTTTTTTT|TTTTpTm  0  ll|H  I  ili  mjn  n|i  m  |illij

iKT'.'lfc'  ^

Turrrrrt  mp 1

[irrri  nii|i  Mi|?  11

n  11  rn  p  n  11  r  rr  rp-  rrri  n.  111  r  ■  ri  h  itp

1903

iiiiimiam'|'iiHiiii|iiinilM|mi|innmi|lliT^ivnTr^[-i

1904

•nrri-iijrnini.ii  mmi

;!|immii|iiu|HnTTHT|U  mi  mpni  iimjTTni'iu

u  ;u  irtfmp'rr

1905

11  r  i  ri  in  11  i|i  111  ]  n  i  n  i  ii  r  [rinrnTr|  imji

Hrni|inr|Ti  nnnrpiiTfmqni  i  rn  np  nrrm  rjnni  rrn]  i  n  11  ri  u  p  11  nm

1  ii  111n  r11rr

ii|iiiiimi|iiii|iiii|iiii|ini|in'i  pvri|niifii  ff[TTii|i  i  ii  |iii[pTii|  iiii^i  Mi|nii|rm

/  111  n  rnii  i  rrrip  rn'i  n
Cb'o  Vq  fip

399
IILCION  UM«

riTT|i  i  H|  i  in[n  i  i|ii  i/[  11  rTfrvri  p  1111111111111  frnT  j  ■  n  ■[  i  ■  ■  ■  11

v  All
BILLION

Mir]n  n  fiinrmtjimr

(■rrrrrmifm  v

$

h 5  1

»i

^3

HtTI

$

ji  (  61LU0H.»

4

2

|im|miTirinvn , niinTiiiiirm , |i
O  30  30  IO

4
[  l_

FsTk

'898

Eig.  17.
        <pb n="268" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

251

Dies  ist  in  Figur  17  geschehen,  die  auf  den  ersten  Blick  den  Verlauf  aller
sechs  Größen  für  einen  Zeitraum  von  vierzehn  Jahren  veranschaulicht
und  im  ganzen  84  statistische  Zahlen  aufweist.  Mittelst  dieses  Schaubildes
kann  man  sich  von  dem  Ansteigen  der  Preise,  das  während  dieser  vierzehn
Jahre  vor  sich  ging,  eine  Vorstellung  machen  (Verlängerung  des  rechten
Armes)  und  gleichzeitig  die  Veränderungen  in  allen  fünf  Faktoren  ersehen,
von  denen  diese  Preiserhöhung  abhängt.  Alle  hier  dargestellten  6  Größen
enthalten  natürlich  die  bezüglichen  Berichtigungen,  so  daß  sie  gegenseitig
miteinander  übereinstimmen  und  die  beiden  Seiten  der  Wage  sich  im  Gleichgewichte ­
  befinden.  Das  stetige  Anwachsen  des  in  Umlauf  befindlichen
Geldes  wird  durch  die  zunehmende  Größe  des  angehängten  Geldbeutels
angezeigt;  das  ähnliche,  jedoch  raschere  Anwachsen  der  dem  Scheckverkehr
unterworfenen  Depositen  wird  durch  die  Zunahme  in  dem  Umfang  des  Bankbuches ­
  veranschaulicht;  die  geringere  Zunahme  der  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  dieser  beiden  Austauschmittel  wird  durch  die  Verlängerung  der  beiden
Arme  zur  Linken  des  Drehpunktes  der  Wage  angezeigt.  Durch  das  Zusammenwirken ­
  sämtlicher  vier  Faktoren  wurde  ein  Steigen  der  Preise  herbeigeführt. ­
  Der  einzige  Faktor,  der  dem  Steigen  Widerstand  leistete,  ist  die
Zunahme  im  Handel,  die  durch  die  zunehmende  Größe  der  zur  Hechten
hängenden  Wagschale  veranschaulicht  wird  und  die  einer  Reduzierung
der  Preise  zustrebte.
Wir  haben  hier  ein  vollständiges  quantitatives  Bild  der  Ursachen,  die
während  der  letzten  vierzehn  Jahre  auf  das  Preisniveau  einwirkten,  oder
jedenfalls  aller  unmittelbaren  Ursachen,  denn  es  liegen,  wie  wir  gesehen  haben,
hinter  den  fünf  unmittelbaren  Ursachen  eine  große  Anzahl  vorhergehender
Ursachen.
Welches  sind  nun,  kurz  zusammengefaßt,  die  geschichtlichen  Tatsachen?
Es  sind  folgende:  Die  Preise  sind  vom  Jahre  1896  bis  1909  um  ungefähr
zwei  Drittel  gestiegen.  Dies  geschah  trotz  der  Verdoppelung  im  Handelsvolumen ­
  und  infolge  1.  einer  Verdoppelung  des  Geldes,  2.  einer  Verdreifachung ­
  der  Depositen  und  3.  und  4.  leichten  Wachstums  der  Umlaufsgeschwindigkeiten. ­

§9.
In  bezug  auf  die  wichtigsten  Ursachen,  die  während  der  letzten  Jahre
e w  Steigen  der  Preise  hervorriefen,  hat  es  lebhafte  Erörterungen  gegeben.
Es  ist  daher  von  Interesse,  die  vier  unmittelbaren  Ursachen,  die,  wie  uns
bekannt,  während  der  Periode  1896  bis  1909  auf  eine  Erhöhung  der  Preise
gerichtet  waren,  einer  Vergleichung  zu  unterziehen.  Die  einfachste  und  beste
        <pb n="269" />
        252

XII.  Kapitel.

Methode  besteht  vielleicht  darin,  daß  man  das  tatsächliche  Steigen  der
Preise  mit  dem  vergleicht,  wie  es  gewesen  wäre,  wenn  eine  der  Ursachen  dieses
Steigens  nicht  vorhanden  gewesen  wäre.  Das  heißt,  wir  wollen  die  Bedeutung
eines  jeden  der  preissteigernden  Faktoren  prüfen,  indem  wir  die  Frage
beantworten:  Wie  gestalten  sich  die  Preise,  wenn  dieser  oder  jener  Faktor
vertreten  ist  oder  nicht  ?  Wie  wir  sehen  werden,  ist  das  Anwachsen  des  Geldes
die  bei  weitem  wichtigste  Ursache.  Das  Anwachsen  der  Depositen  ist  von
geringerer  Bedeutung,  als  es  auf  den  ersten  Blick  zu  sein  scheint.  Wenn
die  Depositen  als  vom  Gelde  unabhängig  anzusehen  wären,  wäre  ihre  Vermehrung ­
  als  die  wichtigste  Ursache  zu  betrachten.  Doch  sind  die  Depositen
nicht  unabhängig.  Wir  wissen,  daß  unter  normalen  Umständen  die  Depositen ­
  mit  dem  in  Umlauf  befindlichen  Gelde  steigen  oder  fallen.  Wenn  also
die  Depositen  genau  ebenso  schnell  und  nicht  schneller  wie  das  Geld  zugenommen ­
  hätten,  so  wäre  die  ganze  Zunahme  dem  Gelde  allein  beizumessen.
In  diesem  Falle  wäre  keinerlei  Anteil  an  der  Preissteigerung  einer  Zunahme
in  den  Depositen  zuzuschreiben,  denn  außer  der  durch  die  Zunahme  im
Gelde  veranlaßten  Preiserhöhung  hätte  es  keine  solche  gegeben.  Die  Zunahme ­
  in  den  dem  Scheckverkehr  unterworfenen  Depositen  kann  nur  insoweit ­
  als  von  der  Zunahme  des  Geldes  unabhängig  betrachtet  werden,  als  sich
die  Depositen  im  Verhältnisse  zum  Gelde  vermehrt  haben.  Wir  haben
gesehen,  daß  unter  normalen  Umständen  eine  bloße  Zunahme  des  Geldes  aus
sich  selbst  heraus  eine  verhältnismäßige  Zunahme  der  Depositen  hervorrufen
würde;  daher  sollte  nur  die  ««verhältnismäßige  Zunahme  in  den  Depositen  von
der  im  Gelde  getrennt  als  eine  Ursache  des  Steigens  der  Preise  betrachtet
werden.  Die  richtige  Methode,  die  Depositen  als  eine  Ursache  für  sich  zu
betrachten,  scheint  darin  zu  bestehen,  daß  diese  relativ  zum  Gelde  berechnet
Q?
werden.  Das  heißt,  nicht  Q',  sondern  —  ist  die  in  Betracht  zu  ziehende
G
Größe 1 ).
Als  die  einzigen  Ursachen  des  während  der  Periode  1896  bis  1909  stattgefundenen
  Steigens  der  Preise  können  wir  daher  die  folgenden  vier  betrachten ­
  :
1.  Die  Zunahme  des  in  Umlauf  befindlichen  Geldes,  d.  i.  die  Zunahme  in  G.
2.  Die  Zunahme  in  den  relativen  Depositen,  d.  h.  die  Zunahme
.  G'

1 )  Siehe  §  1  des  Anhanges  zum  III.  Kapitel,  in  dem  diese  Größe  (relative  Depositen)
behandelt  und  durch  den  Buchstaben  k  dargestellt  ist.
        <pb n="270" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

253

3.  Die  Zunahme  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes,  d.  h.  die
Zunahme  in  ü.
4.  Die  Zunahme  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit  der  Depositen,  d.  h.
die  Zunahme  in  U'.
Der  das  Preisniveau  bestimmende  fünfte  baktor,  nämlich  H,  hatte,
wie  uns  bekannt,  die  Tendenz  zu  einer  Herabsetzung  der  Preise.
Wir  gehen  nun  dazu  über,  festzustellen,  welches  die  gesonderten  Wirkungen ­
  dieser  vier  preiserhöhenden  und  der  einen  preiserniedrigenden  Ursache ­
  auf  die  Preise  sein  würden.  Wir  wollen  also  wissen,  wie  sich  das  Preisniveau ­
  im  Jahre  1909  unter  folgenden  fünf  Umständen  hätte  gestalten  müssen:
1.  Wenn  das  Quantum  des  in  Umlauf  befindlichen  Geldes  (G)  seit  dem
Jahre  1896  nicht  erhöht  worden  wäre,

2.  wenn  in  den  relativen  Depositen  -  seit  1896  keine  Vermehrung  ein-Cr


getreten  wäre,
3.  wenn  sich  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  (U)  seit  1896
nicht  erhöht  hätte,
4.  wenn  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit  der  Depositen  (TJ')  seit  dem
Jahre  1896  keine  Erhöhung  zu  verzeichnen  gewesen  wäre,
5.  wenn  das  Handelsvolumen  seit  1896  nicht  zugenommen  hätte,  wobei
wir  in  jedem  Falle  annehmen,  daß  alle  anderen  vier  Faktoren  genau  in  derselben ­
  Weise  zugenommen  haben,  wie  dies  wirklich  geschehen  ist.  Wir
haben  bisher  das  tatsächliche  Preisniveau  des  Jahres  1909  als  100  Prozent
genommen  und  wollen  es  auch  weiter  beibehalten,  indem  wir  auf  dieser
Basis  darstellen,  welches  das  Preisniveau  unter  jeder  einzelnen  der  vorgenannten ­
  fünf  Hypothesen  gewesen  wäre.  Wir  kommen  zu  den  folgenden
Kesultaten 1 ):
Hätte  keine  Zunahme  stattgefunden
1.  des  Geldes  (G),  so  wäre  das  Preisniveau  vom  Jahre  1909  55  anstatt  100
gewesen,
J )  Die  erforderlichen  Berechnungen  sind  ebenso  Max  ersichtlich  wie  einfach.  Sie
bestehen  darin,  daß  an  Stelle  aller  Faktoren  auf  der  rechten  Seite  der  Gleichung

H

außer  einem  einzigen  die  bereits  für  1909  erlangten  Statistiken  gesetzt  werden  und  an  Stelle
des  übrigbleibenden  einen  Faktors  die  für  1896  gegebene  Zahl.  Dieser  übrigbleibende  eine
Faktor  ist  für  die  erste  Hypothese  G,  für  die  zweite  G'/G,  für  die  dritte  ü,  für  die  vierte
V'  und  für  die  fünfte  H.
        <pb n="271" />
        254

XII.  Kapitel.

2.  der  relativen  Depositen  wäre  das  Preisniveau  von  1909  77
anstatt  100  gewesen;
3.  der  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  (27),  wäre  das  Preisniveau
von  1909  99  anstatt  100  gewesen;
4.  der  Umlaufsgeschwindigkeit  der  Depositen  (Uwäre  das  Preisniveau ­
  von  1909  72  anstatt  100  gewesen;
5.  des  Handelsvolumens  (H),  wäre  das  Preisniveau  von  1909  206  anstatt ­
  100  gewesen.
Mit  anderen  Worten:  Fehlte  das  Anwachsen
1.  des  Geldes  (0),  dann  wären  die  Preise  um  45  Prozent  niedriger  gewesen;
2.  der  relativen  Depositen  dann  wären  die  Preise  23  Prozent
W
niedriger  gewesen;
3.  der  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  (27),  dann  wären  die  Preise
um  1  Prozent  niedriger  gewesen;
4.  der  Umlaufsgeschwindigkeit  der  Depositen  (27'),  dann  wären  die
Preise  28  Prozent  niedriger  gewesen;
5.  des  Handelsvolumens  (H),  dann  wären  die  Preise  um  106  Prozent
höher  gewesen.
Die  vier  preissteigernden  Ursachen  können  daher  in  der  folgenden
Reihenfolge  ihrer  relativen  Bedeutung  aufgestellt  werden:
Ohne  Anwachsen  von  27  wären  die  Preise  um  1  Prozent  niedriger  gewesen, ­
  als  sie  es  waren.
Cr'
Ohne  Anwachsen  von  -=•  wären  die  Preise  um  23  Prozent  niedriger
Cr
gewesen,  als  sie  es  waren.
Ohne  Anwachsen  von  27'  wären  die  Preise  um  28  Prozent  niedriger
gewesen,  als  sie  es  waren.
Ohne  Anwachsen  von  G  wären  die  Preise  um  45  Prozent  niedriger
gewesen,  als  sie  es  waren.
Wir  ziehen  daher  den  Schluß,  daß  die  Zunahme  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes  ein  unbedeutender  Faktor  im  Steigen  der  Preise
war,  ferner,  daß  das  relative  Anwachsen  der  Depositen  und  deren  Geschwindigkeit ­
  bedeutende  Faktoren  waren  und  daß  in  der  Zunahme  des  Geldes  der
wichtigste  Faktor  zu  erblicken  ist.  Den  vorstehenden  Zahlen  gemäß  hat
die  Zunahme  des  Geldes  als  preissteigernder  Faktor  ziemlich  genau  die
doppelte  Bedeutung  wie  die  der  relativen  Depositen  und  eine  etwas  über
50  Prozent  höhere  Bedeutung,  als  die  ihrer  Umlaufsgeschwindigkeit.
        <pb n="272" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

255

§  io.
In  Wirklichkeit  ist  aber  die  volle  Wirkung  der  Zunahme  in  der  Quantität ­
  des  Geldes  sogar  größer,  als  diese  Zahlen  anzeigen,  denn  wir  haben  die
Wirkung  nicht  inbegriffen,  die  durch  das  Überfließen  des  Geldes  nach  Europa
verursacht  wurde,  das  wiederum  in  der  großen  Zunahme  an  Bankdepositen
in  Amerika  seinen  Grund  hatte.  Daß  dieses  Überfließen  in  Anschlag  zu
bringen  ist,  liegt  auf  der  Hand,  und  zwar  insofern,  als  sich  die  anderen  drei
preissteigernden  Faktoren  dadurch,  daß  sie  das  Geld  hinausdrängten  und
sich  dessen  Platzes  bemächtigten,  einen  übertriebenen  Anschein  von  Bedeutung ­
  gegeben  haben.  Mit  anderen  Worten:  Die  Zunahme  im  Gelde
war  größer,  als  aus  den  Zahlen  der  Vereinigten  Staaten  ersichtlich  ist,  und
zwar  um  das  Quantum,  das  in  fremde  Länder  überfloß.  Die  Vereinigten
Staaten  nehmen  auf  dem  Weltmärkte  nur  einen  kleinen  Raum  ein,  und  das
Preisniveau  dieses  Landes  wird  zum  großen  Teil  durch  das  Weltpreisniveau
bestimmt.  Was  auch  immer  die  Preise  in  einem  Lande  erhöht,  hat  die  Tendenz, ­
  die  Preise  auch  in  anderen  Ländern  zu  erhöhen,  und  das  einzig  richtige
Verfahren,  um  die  relative  Bedeutung  der  preissteigernden  Ursachen  zu  bewerten, ­
  besteht  letzten  Endes  darin,  daß  man  die  Welt  als  ein  Ganzes  betrachtet. ­
  Wenn  die  für  die  Vereinigten  Staaten  ausgearbeiteten  Statistiken
für  die  ganze  Welt  typisch  wären,  so  wäre  die  sich  ergebende  Abschätzung
der  relativen  Bedeutung  der  vier  preissteigernden  Ursachen  für  die  ganze
Welt  gültig.  Doch  liegt  ein  gewichtiger  Grund  zu  der  Annahme  vor,  daß
das  Wachsen  der  Depositen  und  ihrer  Geschwindigkeit  bei  dem  Steigen  der
Preise  in  den  Vereinigten  Staaten  eine  viel  größere  Rolle  gespielt  hat,  als
sonstwo.  Dieser  Grund  besteht  in  der  Tatsache,  daß  sich  das  Bankwesen
in  Frankreich  und  in  den  meisten  anderen  Ländern  noch  im  Anfangsstadium
befindet.  Dieses  Bankwesen  ist  so  belanglos,  daß,  selbst  wenn  es  in  jenen
Ländern  gewaltige  Fortschritte  machen  sollte,  bei  dem  Steigen  der  Preise
noch  immer  als  ein  relativ  unwesentlicher  Faktor  figurieren  würde.  Menschheitlich
  gesprochen  können  wir  also  sicher  sein,  daß  das  Steigen  der  Preise
außerhalb  der  Vereinigten  Staaten  sogar  in  höherem  Grade  dem  Anwachsen
des  Geldes  (Gold)  zuzuschreiben  ist,  als  in  den  Vereinigten  Staaten.
Wir  können  also  mit  großer  Zuverlässigkeit  schließen,  daß  in  der  Hauptsache ­
  die  Zunahme  in  den  Goldbeständen  der  Welt  für  das  Steigen  der  Weltpreise ­
  verantwortlich  zu  machen  ist.  Aus  dem  Gesagten  geht  wohl  hervor,
warum  in  den  letzten  drei  Jahren  keine  tatsächliche  Zunahme  in  der  Quantität ­
  des  in  den  Vereinigten  Staaten  in  Umlauf  befindlichen  Geldes  zu  verzeichnen ­
  war.  Es  wurde  hinausgedrängt  oder  durch  die  ungewöhnlich  große
        <pb n="273" />
        256  XII.  Kapitel.

Zunahme  in  den  amerikanischen  Depositen  und  ihrer  Umlaufsgeschwindigkeit
am  Zunehmen  verhindert.
Außer  den  Weltpreisbewegungen  gibt  es  aber  auch  speziell  lokale  Preisbewegungen. ­
  Alles  was  störend  auf  den  Handel  einwirkt,  wie  dies  mit  dem
Zolltarif  der  Fall  ist,  hat  die  Tendenz,  das  Steigen  der  Preise  ungleich  zu  gestalten. ­
  Es  bleibt  uns  daher  noch  die  Frage  bezüglich  der  speziellen  Einwirkungen ­
  auf  das  amerikanische  Preisniveau  z.  B.  der  des  Zolltarifs,  der
seine  Wirkung  durch  G  geltend  macht.
Wie  bereits  in  einem  früheren  Kapitel  erwähnt,  hat  ein  zum  Gesetz  erhobener ­
  Schutzzolltarif  die  Wirkung,  daß  durch  die  zeitweilige  Schaffung
einer  „günstigen“  Handelsbilanz  das  Preisniveau  des  „geschützten“  Landes  erhöht ­
  und  auf  diese  Weise  der  Import  des  Geldmetalles  angespornt  und  sein
Export  gelähmt  wird.  Sobald  als  das  einheimische  Preisniveau  im  Verhältnis ­
  zu  den  ausländischen  Preisniveaus  genügend  erhöht  worden  ist,  um
das  Gleichgewicht  des  Handels  wieder  herzustellen  und  der  relativen  Anhäufung ­
  des  Goldes  in  dem  geschützten  Lande  Einhalt  gebieten  zu  können,
hört  diese  Einwirkung  auf.  Mit  Ausnahme  des  Umstandes,  daß  der  Tarif
störend  auf  den  Handel  einwirkt  und  dadurch  das  einheimische  Preisniveau
verhindert,  sich  den  ausländischen  Preisniveaus  anzupassen,  läßt  sodann  der
Zolltarif  nach,  auf  das  Preisniveau  einzuwirken.  Dieses  störende  Einwirken
kann  in  jeder  Kichtung  sich  geltend  machen,  d.  h.  das  einheimische  Preisniveau ­
  wird  von  den  ausländischen  Preisniveaus  unabhängiger  gemacht,
als  es  bei  einem  freien  Handel  der  Fall  wäre.  Das  geschützte  Land  wird
durch  den  Zolltarif  lediglich  isoliert.
Während  der  von  uns  in  Untersuchung  gezogenen  Periode  1896—1909
sind  im  Zolltarifsgesetze  zwei  Veränderungen  vorgenommen  worden,  wovon
die  eine  im  Jahre  1897  und  die  andere  im  Jahre  1909  stattfand.  Die  erste
Änderung  stellte  eine  Erhöhung  der  im  Jahre  1894  aufgestellten  Zollsätze
dar.  Das  Gesetz  vom  Jahre  1897  muß  also  auf  eine  Einschränkung  des
Imports  und  auf  die  Erhöhung  der  Preise  gerichtet  gewesen  sein.  Wenn
in  der  hier  erörterten  Zeitperiode  die  amerikanischen  Preise  schneller  gestiegen ­
  sind,  als  die  Preise  anderer  Länder,  wie  z.  B.  Englands,  so  scheint
die  Annahme  gerechtfertigt,  daß  ein  Anteil  an  diesem  weiteren  Steigen  dem
amerikanischen  Zolltarifsystem  zuzuschreiben  ist.
Wir  kommen  endlich  zum  Zolltarif  vom  Jahre  1909.  Dieses  Gesetz
ist  noch  so  neu,  daß  ein  großer  Einfluß  bis  jetzt  kaum  wahrnehmbar  sein
konnte,  selbst  wenn  man  annehmen  wollte,  daß  sich  diese  Einwirkung  schon
zur  Zeit  des  Entwurfes  des  Gesetzes,  also  bereits  zu  Beginn  des  Jahres  1909,
fühlbar  machte.  Über  die  Frage,  ob  die  Revision  des  Tarifs  nach  aufwärts
        <pb n="274" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

257

A

oder  abwärts  ging,  ist  ein  erbitterter  politischer  Streit  geführt  worden.  Nach
der  vielleicht  besten  und  vorurteilsfreiesten  Meinung  ging  die  Revision  leicht
nach  aufwärts  und  bedeutete  in  der  Hauptsache  bloß  eine  Neuordnung,  bei
der  die  einen  Abgaben  erhöht  und  die  anderen  erniedrigt  wurden.  Diese
von  Taussig,  Willis  und  anderen  gezogenen  Schlüsse  sind  auf  ein  intensives
Studium  der  Zolltarifverzeichnisse  gegründet.
Eine  Durchsicht  der  Statistiken  über  die  Verkehrsgleichung  stimmt
mit  diesen  Schlußfolgerungen  völlig  überein.  Diese  Folgerichtigkeit  mag
zunächst  nicht  recht  einleuchtend  erscheinen.  Im  Gegenteil,  jeder,  der
behauptet,  daß  die  Zölle  eine  bedeutende  Erhöhung  erfahren  haben,
kann  auf  die  Tatsache  hinweisen,’  daß  die  amerikanischen  Preise  seit  dem
Zolltarifgesetze  rascher  gestiegen  sind,  als  die  englischen  Preise 1 ),  während
diejenigen,  die  an  der  Meinung  festhalten,  daß  die  Revision  auf  eine  Verminderung ­
  der  Zollsätze  gerichtet  war,  auf  die  Zunahme  im  amerikanischen
Warenimport  und  die  Zunahme  im  Goldexport  dieses  Landes  verweisen
können.  Diese  dem  Anscheine  nach  nicht  übereinstimmenden  Tatsachen
sind  jedoch  vereinbar.
Die  amerikanischen  Statistiken  zeigen,  daß  die  Bankdepositen  und  deren
Umlaufsgeschwindigkeit  im  Jahre  1909  im  Vergleich  zum  Jahre  1908  eine
ganz  gewaltige  Zunahme  erfahren  haben.  Die  Folge  davon  wäre  eine  Erhöhung ­
  der  amerikanischen  Preise,  ein  Verdrängen  des  Goldes  und  ein  Aufhalten
  der  Zunahme  des  in  den  Vereinigten  Staaten  in  Umlauf  befindlichen
Geldes  (einer  Zunahme,  die  sonst  eintreten  würde),  ferner  die  Ermutigung
zu  einem  der  Zunahme  im  Gelde  entsprechenden  Import  von  Waren.  Die
Tatsachen  stimmen  mit  diesen  bekannten  Tendenzen  genau  überein.  Die
Preise  in  den  Vereinigten  Staaten  sind  nun  höher  gestiegen  als  in  England,
die  Zunahme  in  der  Quantität  des  in  Umlauf  befindlichen  Geldes  ist  zurückgegangen, ­
  der  Export  von  Gold  und  der  Import  von  Waren  erhöhten  sich.
Wir  können  uns  also  alle  diese  Tatsachen  erklären,  ohne  dabei  das  Zolltarifgesetz ­
  als  das  störende  Element  anzunehmen 2 ).
1 )  Über  das  Jahr  1909  hinaus  stehen  uns  nur  amerikanische  Zahlen  zur  Verfügung.
Die  Zahlen  des  Bulletin  of  the  TJnited  States  Bureau  of  Labor  weisen  vom  Januar  1909  bis
März  1910  ein  ununterbrochenes  Steigen  der  Preise  auf.  In  der  zwischen  diesen  Daten
hegenden  Zeit  stiegen  die  Indexnummern  für  Engrospreise  von  124,0  auf  133,8.  Eine
treffliche  Vergleichung  der  Zahlen  Englands  und  Amerikas  enthält  der  Report  of  the
(Massachusetts)  Commission  cm  the  Cost  of  IAving,  Boston  1910,  S.  26  und  66.
&amp;gt;  2 )  Wenn  wir  nun  auch,  um  gerecht  zu  sein,  den  Zolltarif  nicht  dessen  überführen
können,  das  amerikanische  Preisniveau  in  den  letzten  Jahren  erhöht  zu  haben,  so  ist  es
allerdings  richtig,  daß  eine  Herabsetzung  des  Zolltarifs  ganz  gewaltig  zu  einer  Erniedrigung
dieses  Niveaus  beitragen  würde,  denn,  wie  uns  klar  geworden  ist,  funktioniert  ein  Zolltarif
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.
        <pb n="275" />
        258

XII.  Kapitel.

Es  würde  uns  zuweit  vom  Wege  abführen,  wenn  wir  alle  anderen  Faktoren, ­
  die  mehr  oder  weniger  für  die  Erhöhung  der  Preise  verantwortlich
gemacht  worden  sind,  erörtern  wollten.  Wir  haben  bereits  klargelegt,  daß
keiner  von  ihnen  einen  Einfluß  auf  die  Preise  ausüben  könnte,  es  sei  denn
durch  die  Erhöhung  der  Quantität  des  in  Umlauf  befindlichen  Geldes,  der
relativen  Depositen  oder  deren  Umlaufsgeschwindigkeit,  oder  aber  durch
eine  Verminderung  des  Handels.  Da  sich  der  Handel  ganz  bedeutend  erhöht ­
  hat,  braucht  von  dieser  letzten  Möglichkeit  keinerlei  Notiz  genommen
zu  werden.
Was  die  Ursachen  anbelangt,  durch  die  das  Geld,  die  Depositen  und
deren  Geschwindigkeit  erhöht  worden  sind,  so  erscheinen  die  folgenden
als  die  wichtigsten:
1.  Die  Hauptursache  der  Zunahme  des  Geldes  lag  in  der  Erhöhung  der
Goldproduktion.  Die  Banknoten  haben  etwas  mehr  als  das  Geld  zugenommen, ­
  im  großen  Ganzen  aber  mit  dem  anderen  in  Umlauf  befindlichen
Gelde  ziemlich  gleichen  Schritt  gehalten.
2.  Der  Hauptgrund  der  relativen  Zunahme  in  den  Bankdepositen  ist
wohl  in  den  Ursachen  zu  erblicken,  die  eine  Ausdehnung  des  Bankwesens
zur  Folge  hatten,  was  besonders  in  den  Südstaaten  der  Fall  war.  Die  neuen
Bankgesetze,  die  zur  Gründung  kleiner  Banken  aufmuntern,  mögen  zu
dieser  Ausdehnung  beigetragen  haben.
3.  Die  Hauptursache  der  Zunahme  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit  und
besonders  der  der  Bankdepositen  scheint  auf  die  Konzentration  der  Bevölkerung ­
  in  den  Städten  zurückzuführen  zu  sein.  Wir  haben  gesehen,  daß,
je  größer  die  Stadt  ist,  die  Bankdepositen  eine  desto  größere  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  aufweisen.
§  11-Wir
  haben  in  allen  Teilen  dieses  Buches  das  Ziel  verfolgt,  die  allgemeine
Kaufkraft  des  Geldes,  nicht  aber  dessen  Kaufkraft  für  besondere  Güter
oder  Güterklassen,  auseinanderzusetzen.  Das  Problem  der  steigenden
„Lebenskosten“  ist  zum  Teil  ein  allgemeines  Problem  der  Kaufkraft  des
Geldes  und  zum  Teil  ein  spezielles  Problem  der  Preise  von  Nahrungs-  und
Kleidungsmitteln  sowie  anderer  zum  „Lebensunterhalt“  gehörigen  Kosten.
Mit  dem  speziellen  Problem  haben  wir  hier  nichts  zu  tun.  Nun  sind  aber  die
speziellen  Veränderungen  in  den  Lebenskosten  im  Vergleich  zu  der  allgewie

  ein  Damm,  und  zwar  insofern,  als  er  das  hohe,  durch  die  ursprüngliche  Auferlegung
der  Abgaben  angewachsene  Niveau  aufrecht  erhält.
        <pb n="276" />
        Statistiken  der  letzten  Jahre.

259

meinen  Veränderung  in  den  Preisen  ganz  unbedeutend.  Dies  bestätigt  sich
auf  jeden  Fall  bei  den  Engrospreisen  der  Nahrungsmittel.  Vom  Januar  1909
bis  März  1910  stieg  die  Indexnummer  dieser  letzteren  von  122,6  auf  130,9,
während  sich  die  allgemeinen  Engrospreise  von  124,0  auf  133,8  erhöhten;
d.  h.  die  Spezialpreise  der  Nahrungsmittel  stiegen  ziemlich  gleichförmig  mit
der  allgemeinen  Preisaufwärtsbewegung.  Wenn  hierin  ein  Unterschied  zu  verzeichnen ­
  ist,  so  beruht  er  darauf,  daß  die  Spezialpreise  etwas  weniger  stiegen,
als  die  allgemeinen  Preise.  Die  „allgemeinen  Preise“,  auf  welche  wir  uns  hier
beziehen,  sind  nur  Engrospreise,  in  die  die  Preise  für  geleistete  Arbeit  oder  für
Wertpapiere  nicht  inbegriffen  sind.  Nach  den  bereits  gegebenen  Statistiken
bis  zum  Jahre  1909  und  den  seit  diesem  Jahre  veröffentlichten  Marktberichten ­
  zu  urteilen,  würde  jedoch  der  Einschluß  dieser  Elemente  das
Resultat  nicht  wesentlich  verändern.
Wir  schließen  hieraus,  daß  das  „Steigen  in  den  Lebenskosten“  weder
eine  spezielle  Bewegung  der  Nahrungsmittelpreise,  noch  mutmaßlich  anderer
besonderer  Preise  ist,  sondern,  daß  es  nur  einen  Teil  der  allgemeinen  Preisbewegung ­
  bildet.  Die  Lebenskosten  werden  mit  der  allgemein  steigenden
Flut  der  Preise  aller  Art  mitgeschwemmt.  Sie  zeigen  wenig  oder  gar  keine
spezielle  Veränderung  in  Angebot  und  Nachfrage  spezieller  Güterklassen,
sondern  reflektieren  einfach  auf  das  Fallen  in  der  allgemeinen  Kaufkraft  des
Geldes.  Diese  Bemerkungen  beziehen  sich  nicht  nur  auf  die  mit  Januar
1909  beginnenden  Monate,  sondern  auch  schon  auf  die  des  Jahres  1908.
Vom  Jahre  1908  nach  rückwärts  bewegen  sich  die  Nahrungsmittelpreise  im
Vergleich  zu  den  allgemeinen  Preisen  etwas  unregelmäßig,  im  großen  Ganzen
halten  sie  aber  vom  Jahre  1897  bis  1909  nahezu  gleichen  Schritt.
Nachstehende  Tabelle  gibt  einige  interessante  Nebenprodukte  unseres
Studiums  der  Zeitperiode  1896  bis  1909:

1.

2.

3.

4.

5.

Virtuelle

G'

Umlaufs-GU



G'U'

G

geschwindigkeit


GU  +  G'U'

GU  +  G'U'

1896

3,1

80

0,14

0,86

1897

3,2

84

0,14

0,86

1898

3,3

89

0,13

0,87

1899

3,8

103

0,12

0,88

1900

3,6

99

0,12

0,88

1901

4,2

114

0,11

0,89

1902

4,3

115

0,11

0,89

1903

4,1

113

0,11

0,89

17*
        <pb n="277" />
        260

XII.  Kapitel.

1.

2.

3.

4.

5.

Virtuelle

G'

Umlaufs-GU



G'U'

G

gesch  windig  -
keit

GU+G’Ü'

GU+G'U'

1904

4,2

107

0,11

0,89

1905

4,5

125

0,10

0,90

1906

4,3

132

0,10

0,90

1907

4,4

129

0,10

0,90

1908

4,0

107

0,10

0,90

1909

4,1

124

0,09

0,91

1910  (s.  S.  415)

4,4

134

0,08

0,92

1911  „  „  „

4,7

131

0,08

0,92

1912  „  „  „

4,8

144

0,08

0,92

Aus  der  zweiten  Kolonne  entnehmen  wir,  daß  die  Depositen  (Gr')  nicht
nur  absolut,  sondern  auch  relativ  zum  Gelde  (G)  zugenommen  und  das  in
Umlauf  befindliche  Geld  von  einem  Geringen  über  das  Dreifache  bis  zu  einem
Geringen  über  das  Vierfache  verändert  haben.  Mit  Ausnahme  einer  einzigen
Zahl  war  die  für  das  Panikjahr  1907  gegebene  Ziffer  die  höchste  von  allen,
und  das  im  darauffolgenden  Jahre  stattgefundene  Sinken  bedeutet  das
stärkste  Fallen  in  der  ganzen  Tabelle.
Die  dritte  Kolonne  zeigt  die  „virtuelle“  Umlaufsgeschwindigkeit  des
Geldes,  die  die  Idee  zur  Grundlage  hat,  daß  die  gesamte  Austauscharbeit,
und  zwar  auch  die  durch  Schecks  vollzogene,  indirekt  tatsächlich  die  Arbeit
des  Geldes  war.  Diese  Umlaufsgeschwindigkeit  ist  einfach  der  Quotient
aus  der  insgesamt  ausgeführten  Austauscharbeit,  dividiert  durch  das  gesamte
in  Umlauf  und  in  den  Banken  befindliche  Geld.
Wir  bemerken,  daß  diese  virtuelle  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes
oder  seine  Fähigkeit,  den  Austausch  zustande  zu  bringen,  um  ungefähr
50  Prozent  zugenommen  hat.  Allerdings  ist  dieses  Wachsen  in  der  Geschwindigkeit ­
  dann  und  wann  durch  ein  plötzliches  Fallen  unterbrochen
worden,  doch  war  dieses  mit  Ausnahme  des  dem  Krisisjahre  1907  folgenden
Jahres  stets  von  geringer  Bedeutung.
Die  vierte  und  die  fünfte  Kolonne  bringen  die  Lösung  der  so  lebhaft
diskutierten  Frage  der  relativen  Bedeutung  der  durch  Scheck(G'TJ')  und  der
durch  Geld  (GU)  vollzogenen  Transaktionen—einer  Frage,  der  viele  Autoren
über  diesen  Gegenstand,  einschließlich  Kinley,  große  Aufmerksamkeit  geschenkt ­
  haben.  Wir  finden,  daß  im  Jahre  1896  ungefähr  14  Prozent  und  im
Jahre  1909  ungefähr  9  Prozent  der  in  den  Vereinigten  Staaten  durchgeführten ­
  Geschäfte  mittelst  Geld  vollzogen  worden  sind.  Mit  anderen  Worten:
        <pb n="278" />
        Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.

261

Im  Jahre  1896  wurden  ungefähr  86  Prozent  und  im  Jahre  1909  ungefähr
91  Prozent  der  gesamten  Austauscharbeit  durch  Schecks  ausgeführt x ).
Diese  Zahlen  bieten  wohl  die  erste  ziemlich  genaue  Festsetzung  der
relativen  Bedeutung  von  Scheck-  und  Geldtransaktionen.  Sie  bestätigen
die  Überzeugung 2 ),  daß  die  Rolle,  die  die  Schecks  in  den  Umsätzen  des
Landes  spielen,  substantiell  an  Bedeutung  zugenommen  hat.  Der  obwaltende ­
  Eindruck,  daß  sie  neun  Zehntel  aller  Transaktionen  bilden,  ist
ebenfalls  als  richtig  erkannt  worden.

XIII.  Kapitel.
Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.
§1-Wir
  haben  gesehen,  daß  die  Kaufkraft  des  Geldes  (oder  deren  reziproker
Wert,  das  Preisniveau)  ausschließlich  von  fünf  Faktoren  abhängt,  nämlich:
von  der  Quantität  des  in  Umlauf  befindlichen  Geldes,  von  dessen  Umlaufsgeschwindigkeit, ­
  von  der  Quantität  der  dem  Scheckverkehr  unterworfenen
Depositen,  von  deren  Umlaufsgeschwindigkeit  und  vom  Handelsvolumen.
Eine  jede  dieser  fünf  Größen  hängt  von  einer  Anzahl  tieferliegender  Ursachen ­
  ab,  die  aber  mit  Ausnahme  der  nachstehenden  nicht  voneinander
abhängig  sind:
1.  Die  dem  Scheckverkehr  unterworfenen  Depositen  hängen  von  dem
in  Umlauf  befindlichen  Gelde  ab;  unter  normalen  Umständen  variieren
diese  beiden  Faktoren  in  derselben  Richtung.
2.  Bei  einer  Erhöhung  des  Handelsvolumens  hat  auch  die  Umlaufs  -
geschwindigkeit  des  Geldes  und  der  Depositen  die  Tendenz  zu  steigen.
3.  Zwei  oder  mehr  der  fünf  Faktoren  können  von  einer  gemeinsamen
Ursache  oder  gemeinsamen  Ursachen  abhängen,  und  daher  indirekt  zueinander ­
  in  Beziehung  stehen.  Ein  und  dieselbe  Erfindung  kann  so  sowohl
in  der  Geschwindigkeit  des  Geldes  als  auch  in  der  Geschwindigkeit  der
Depositen,  ebenso  im  Gelde  wie  im  Handel  oder  ebenso  in  den  Depositen
x )  Bezüglich  einer  Erörterung  dieser  Zahlen  siehe  §  12  des  Anhanges  zu  diesem
(XII.)  Kapitel,  woselbst  Vergleichungen  mit  Kinleys  Resultaten  vorgenommen  wurden.
2 )  Siehe  z.  B.  Cannon  über  Clearing-Häuser  unter  den  Reports  of  the  Monetary  Commission ­
  1910.
        <pb n="279" />
        262

XIII.  Kapitel.

wie  in  deren  Geschwindigkeit  eine  Erhöhung  herbeiführen.  Bei  der  Betrachtung ­
  geschichtlicher  Tatsachen  haben  wir  gesehen,  daß  eine  zunehmende
Bevölkerungsdichte  eine  Zunahme  in  allen  fünf  Faktoren  bewirkt.
4.  Während  der  Übergangsperioden  finden  in  allen  sechs  Größen  gewisse
zeitweilige  Störungen  und  Schwankungen  statt,  die  in  Krisen  und  Depressionen ­
  ihren  höchsten  Grad  erreichen.  Unter  normalen  Verhältnissen
ist  das  Preisniveau  in  der  Verkehrsgleichung  Wirkung  und  nicht  Ursache,
doch  üben  seine  Schwankungen  während  solcher  Übergangsperioden  zeitweilig ­
  auf  die  anderen  fünf  Faktoren  und  besonders  auf  die  Depositen  eine
Gegenwirkung  aus.  Ein  Steigen  erzeugt  daher  zeitweilig  ein  weiteres  Steigen,
während  ein  Fallen  zeitweise  in  der  entgegengesetzten  Richtung  wirkt.
Das  Preisniveau  ist  also  das  Resultat  der  erwähnten  fünf  großen  Ursachen, ­
  das  sich  unter  normalen  Umständen  direkt  mit  der  Quantität  des
Geldes  verändert  (und  mit  den  Depositen,  die  unter  normalen  Verhältnissen ­
  mit  der  Geldquantität  übereinstimmend  variieren),  vorausgesetzt,
daß  die  Umlaufsgeschwindigkeiten  und  das  Handelsvolumen  unverändert
bleiben  und  daß  sich  das  Depositenbankwesen  in  einem  Entwicklungsstadium ­
  befindet.  Dies  ist  eines  der  Haupttheoreme  in  bezug  auf  das  Preisniveau ­
  oder  dessen  reziproken  Wert,  die  Kaufkraft  des  Geldes.  Es  konstituiert ­
  die  sogenannte  Quantitätstheorie  des  Geldes.  Das  qualifizierende
Adverb  „unter  normalen  Umständen“  ist  deshalb  in  der  Formulierung  eingeschaltet, ­
  damit  den  Übergangsperioden  oder  den  Kreditzyklen  Rechnung
getragen  wird.  Tatsächlich  stellt  dieser  Lehrsatz  eine  präzise  gesetzmäßige
Proportionalität  dar,  das  in  der  Wissenschaft  der  Nationalökonomie  ebenso
korrekt  und  grundlegend  ist,  wie  in  der  Physik  das  Proportionsgesetz  zwischen
dem  Druck  und  der  Dichte  von  Gasen  unter  der  Annahme,  daß  die  Temperatur
unverändert  bleibt.  Allerdings  ist  es  richtig,  daß  die  Geschwindigkeiten  und
der  Handel  in  der  Praxis  selten  unverändert  bleiben,  wie  es  ja  auch  selten
vorkommt,  daß  die  Temperatur  unverändert  bleibt.  Aber  was  auch  immer
mit  den  in  Frage  kommenden  Elementen  geschehen  möge,  die  in  der  Quantitätstheorie ­
  vertretene  Tendenz  bewahrheitet  sich  genau  so,  wie  sich  die
Tendenz,  die  in  der  Dichtigkeitstheorie  vertreten  wird,  bewahrheitet,  ohne
Rücksicht  darauf,  wie  sich  die  Temperatur  auch  immer  gestaltet.  Nur
wer  die  wirkliche  Bedeutung  eines  wissenschaftlichen  Gesetzes  nicht  erfaßt,
ist  außerstande,  die  Wichtigkeit  und  Bedeutung  des  Quantitätsgesetzes  des
Geldes  zu  erkennen.  Unter  einem  wissenschaftlichen  Gesetze  ist  nicht  eine
auf  Statistiken  oder  geschichtliche  Tatsachen  gegründete  Formulierung  zu
verstehen,  sondern  eine  Formulierung  dessen,  was  sich  unter  gegebenen
Bedingungen  bewährt.  Statistiken  und  geschichtüche  Tatsachen  können
        <pb n="280" />
        Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.

263

nur  dann  zur  Erläuterung  und  zum  Nachweis  von  Gesetzen  benützt  werden,
wenn  in  geeigneter  Weise  auf  veränderte  Bedingungen  Rücksicht  genommen
wird.  Im  Studium  dieser  Materie,  wobei  wir  die  letzten  zehn  Jahrhunderte
nur  flüchtig,  die  letzten  einundeinhalb  Jahrzehnte  dagegen  eingehend  behandelten, ­
  haben  wir  die  Berücksichtigung  solcher  veränderter  Bedingungen
verfolgt,  und  überall  fanden  wir  die  Tatsachen  in  Übereinstimmung  mit
den  früher  formulierten  Grundsätzen.
Das  vom  praktischen  Gesichtspunkte  durch  dieses  historische  und
statistische  Studium  enthüllte  und  äußerst  bedenkliche  Moment  besteht  in
der  Unbeständigkeit  und  Unzuverlässigkeit  der  Kaufkraft  des  Geldes.  Wir
finden,  daß  diese  Kaufkraft  auf  zweifache  Weise  Gegenstand  großer  Schwankungen ­
  ist:  erstens  schwingt  sie  mit  den  Übergangsperioden  auf  und  nieder,
wodurch  bestimmte  Kreditzyklen  entstehen,  und  zweitens  unterhegt  diese
Kaufkraft,  den  in  der  einen  oder  der  anderen  Richtung  auftretenden  industriellen ­
  Wechselfällen  gemäß,  säkularen  Veränderungen.  Der  erstgenannte
Übergang  steht  mit  den  Banksystemen  in  Verbindung,  während  der  letztere
überwiegend  von  der  Zu-  oder  Abnahme  des  Geldmetalles  abhängt.
Der  Abschwächung  dieser  beiden  Übel  dient  eine  bessere  Kenntnis  der
voraussichtlichen  Preisniveaus.  Wie  wir  gesehen  haben,  liegen  die  tatsächlichen ­
  Übel  wechselnder  Preisniveaus  nicht  in  diesen  Veränderungen  an
sich,  sondern  in  der  Tatsache,  daß  sie  gewöhnlich  unerwartet  auftreten.
Es  ist  gesagt  worden,  daß  vorhergewarnt  sein  gleichbedeutend  ist  mit  gerüstet ­
  sein,  und  daß  eine  voraussichtliche  Veränderung  in  den  Preisniveaus
beim  Zinsfuß  in  einer  die  Übel  der  Veränderung  neutralisierenden  Weise  in
Anschlag  gebracht  werden  kann.  Wenn  wir  auch  nicht  erwarten  dürfen,
daß  unsere  Kenntnis  der  Zukunft  jemals  vollkommen  genug  sein  wird,  um  das
Ideal  zu  erreichen,  jede  Preisschwankung  durch  entsprechende  Berichtigungen
im  Zinsfuß  ausgleichen  zu  können,  so  bringt  uns  nichtsdestoweniger  jede
Bereicherung  unseres  Wissens  diesem  fernen  Ideal  etwas  näher.  Glücklicherweise ­
  macht  diese  zunehmende  Kenntnis  immer  raschere  Fortschritte.  Der
volkswirtschaftliche  Horizont  wird  von  den  Herausgebern  der  Handelsjournale ­
  heutzutage  ebenso  genau  untersucht,  wie  die  Wetterprognosen  den
naturwissenschaftlichen  Horizont  aufhellen,  und  jedes  Anzeichen  eines
Wechsels  im  Wetter  der  Volkswirtschaft  wird  aufgezeichnet  und  gedeutet.
Eine  gewisse  Firma  hat  während  der  letzten  Jahre  einen  statistischen  Dienst
eingerichtet,  der  unter  dem  ausgesprochenen  Zweck,  Paniken  vorzubeugen,
den  Bankiers,  Handeltreibenden,  Zwischenhändlern  und  Kaufleuten  Verzeichnisse ­
  oder  „Geschäftsbarometer“  und  darauf  gegründete  Voraussagen
liefert.  Doch  ist  wohl  gerade  in  Hinsicht  auf  den  grundlegenden  Mechanismus,
        <pb n="281" />
        264

XIII.  Kapitel.

auf  dem  solche  Voraussagen  beruhen,  unbedingt  eine  größere  Ausbreitung
des  Wissens  nötig.  Das  Gebiet  theoretischer  Kenntnisse  eines  Geschäftsmannes ­
  ist  ein  äußerst  beschränktes.  Er  ist  sogar  geneigt,  solcher
Kenntnis  mit  Argwohn  oder  gar  mit  Verachtung  zu  begegnen.  Die  Folgen
solcher  Beschränktheit  sind  oft  verhängnisvoll,  wie  dies  z.  B.  der  Fall  war,
als  der  Finanzminister  Chase  auf  Anraten  der  New  Yorker  Geschäftsleute
die  „Greenbacks“  ausgab,  oder  als  das  übel  beratene  Gesetz  betreffs  der
Schüeßung  des  „Gold  Boom“  erlassen  wurde.  Auch  ist  eine  so  fatale  Situation, ­
  wie  sie  durch  den  Bürgerkrieg  herbeigeführt  und  durch  das  beschränkte ­
  Wissen  der  Geschäftsleute  eine  verderbliche  Gegenwirkung  ausgeübt ­
  wurde,  nicht  allzu  ungewöhnlich.  Tagtäglich  wird  der  Geschäftsmann
durch  den  Mangel  an  Verständnis  der  die  Kaufkraft  des  Geldes  regulierenden
Prinzipien  in  Verlegenheit  gebracht  und  in  dem  Verhältnis  wie  ihm  das
Verständnis  dieser  Grundsätze  mangelt,  ist  er  Irrtümern  in  der  Beurteilung
der  bevorstehenden  Lage  ausgesetzt.  Das  seitens  der  Geschäftsleute  gegen
die  Veränderlichkeit  des  Zinsfußes  und  besonders  gegen  dessen  Steigen
gefaßte  Vorurteil  bildet  ein  Hindernis  der  raschen  Anpassung  dieses  Zinsfußes, ­
  das  zu  einer  Verschlimmerung  der  viel  nachteiligeren  Veränderlichkeit ­
  im  Niveau  der  Preise  und  dessen  reziproken  Wertes,  der  Kaufkraft
des  Geldes  führt.  Tatsächlich  hat  es  der  Geschäftsmann  niemals  als  einen
Teil  der  Vorbereitung  zu  seinem  Berufe  betrachtet,  sich  mit  den  allgemeinen
Grundsätzen  des  Geldwesens  und  des  Zinsfußes  vertraut  zu  machen.  Er
ist  der  Meinung,  sein  Wirkungskreis  beschränke  sich  darauf,  über  ein  technisches ­
  Wissen  über  die  Natur  der  Güter  zu  verfügen,  mit  denen  er  sich  zu
beschäftigen  hat.  Der  mit  Zucker  handelnde  Kaufmann  unterrichtet  sich
über  Zucker,  der  Getreidehändler  über  Getreide,  der  Grundstücksverkäufer
in  bezug  auf  Grundstücke.  Wohl  keinem  von  ihnen  fällt  es  ein,  daß  er  eine
Kenntnis  der  Goldwährung  benötigt.  Und  doch  hängt  eine  der  beiden  Bedingungen ­
  eines  jeden  Geschäftsabschlusses  vom  Golde  ab.  Ich  bin  der
festen  Überzeugung,  daß  eine  vollkommene  Kenntnis  der  Verkehrsgleichung,
des  Verhältnisses  des  Geldes  zu  den  Depositen,  der  Kreditzyklen  und  des
Zinsfußes  den  Geschäftsleuten  in  Zukunft  zuteil  werden  muß  und  daß
ein  Studium  dieser  Materie  durch  Abschwächung  der  in  Krisen  und  Depressionen ­
  zum  Ausdruck  kommenden  Übel  ihnen  reiche  Früchte  tragen  wird.

§  2.
Doch  wenn  auch  von  einer  größeren  Vorkenntnis  der  Veränderungen  in
den  Preisen  viel  erwartet  werden  kann,  so  ist  ein  Abschwächen  der  Preis-
        <pb n="282" />
        Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.

265

Veränderungen  selbst  noch  viel  wünschenswerter.  Es  sind  verschiedene
Methoden  vorgeschlagen  worden,  einem  Verändern  der  Preise  vorzubeugen  und
es  sollen  zunächst  diejenigen  Erwägung  finden,  die  insbesondere  bei  säkularen
Preisveränderungen  anzuwenden  sind  und  hierauf  jene,  die  insonderheit  mehr
für  die  Preisveränderungen  passen,  die  mit  den  Kreditzyklen  Zusammenhängen. ­
  Die  säkularen  Preisveränderungen  sind,  wie  wir  gesehen  haben,
in  der  Hauptsache  auf  die  Veränderungen  im  Gelde  und  im  Handel  zurückzuführen. ­
  Schon  seit  Jahrhunderten  vollzieht  sich  ein  Wettlauf  zwischen
Geldmenge  und  Handelsvolumen,  was  auch  noch  für  kommende  Jahrhunderte ­
  zu  erwarten  steht.  Von  den  Resultaten  dieses  Wettlaufes  hängt
gewissermaßen  das  Wohl  und  Wehe  eines  jeden  Geschäftsmannes  ab.  Durch
eine  Reihe  historischer  Ereignisse,  die  mit  dem  Geeignetsein  dieses  oder
jenes  Metalles  als  stabile  Währung  in  nur  geringer  oder  gar  keiner  Verbindung ­
  stehen,  ist  die  Handelswelt  mehr  und  mehr  der  Goldwährung  in  die
Hände  geliefert  worden.  Es  ist  nicht  zuviel  gesagt,  daß,  soweit  die  Frage
monetärer  Stabilität  in  Betracht  kommt,  wir  geradeso  zufällig  auf  die  Goldwährung ­
  gekommen  sind,  wie  wir  von  der  früher  gebräuchlichen  Kutsche
auf  die  gegenwärtige  Eisenbahnspurweite  gekommen  sind,  und  gerade  so
wie  wir  durch  den  Zufall  zehn  Finger  zu  haben,  auf  das  Dezimalzahlensystem ­
  verfielen,  ohne  irgendwelche  Beziehung  zu  der  Frage  numerischer
Annehmlichkeit,  in  der  ihm  andere  Rechensysteme  überlegen  sein  würden.
Seitdem  wir  nun  eine  Goldwährung  angenommen  haben,  ist  es  beinahe
ebenso  schwer,  eine  andere  an  ihre  Stelle  zu  setzen,  wie  wenn  man  die  russische ­
  Eisenbahnspurweite  oder  das  Duodezimalzahlensystem  einführen
wollte.  Und  die  Tatsache,  daß  die  Goldwährungsfrage  heutzutage  so  sehr
eine  internationale  Frage  ist,  gestaltet  sie  um  so  schwieriger.  Gleichwohl,
wie  der  Geologe  Professor  Shaler  gesagt  hat,  „ist  es  wahrscheinlich,  daß  innerhalb ­
  weniger  Jahrzehnte  zur  Bemessung  von  Werten  einige  andere  Mittel
werden  ausfindig  gemacht  werden,  als  die  aus  alten  Zeiten  stammenden
Methoden,  diese  Werte  gegen  eine  Substanz  abzuwägen,  deren  Angebot  ein
übermäßiges  ist“  1 ).
Ich  will  nicht  versuchen,  eine  unmittelbare  Lösung  dieses  großen  Weltpi'oblems,
  für  Gold  einen  Ersatz  zu  finden,  vorzuschlagen.  Bevor  ein  solches
Goldersatzmittel  gefunden  werden  kann,  sind  weitgehende  Untersuchungen
und  eine  Belehrung  des  Publikums  erforderlich.  Hier  wird  nur  der  Zweck
verfolgt,  auf  die  Notwendigkeit  einer  Nachforschung  und  Aufklärung  hinzuweisen, ­
  sowie  auf  die  Prüfung  bereits  vorgeschlagener  Lösungen  auf  merk-*)

  Man  and  the  Earth,  New  York  (Duffield),  1906,  S.  62.
        <pb n="283" />
        266

XIII.  Kapitel.

sam  zu  machen.  Ganz  versuchsweise  soll  nur  eine  Anregung  gegeben  sein,
die  für  clen  Fall,  daß  durch  eine  umfassende  Kenntnis,  bessere  Statistiken
und  eine  bessere  Regierung  in  späteren  Jahren  die  Zeit  der  Reife  kommt,  in
Erwägung  gezogen  werden  könnte.
Ein  Vorschlag  besteht  in  der  Wiederaufnahme  des  Bimetallismus,  der
bereits  im  VII.  Kapitel  erörtert  worden  ist.  Doch  hatten  wir  es  dort  hauptsächlich ­
  mit  dem  „Mechanismus  der  Doppelwährung“  und  nicht  mit  deren
Einwirkung  auf  die  Preisniveaus  zu  tun.  Wir  wollen  nun  auf  die  Aussage
der  Verteidiger  einer  bimetallistischen  Währung  eingehen,  von  denen  behauptet ­
  wird,  daß  letztere  die  Tendenz  habe,  die  Preise  stabil  zu  gestalten 1 ).
Wenn  die  Umlaufsmittel  von  Gold-  und  Silberwährungsländern  miteinander
verbunden  werden,  so  hat  der  Bimetallismus,  solange  er  in  betriebsfähiger
Ordnung  verbleibt,  wie  wir  gesehen  haben,  die  Wirkung,  jede  Veränderung
eines  einzelnen  Metalles  über  das  vereinigte  Gebiet  der  Gold-,  Silber-  und
Doppelwährungsländer  auszubreiten.  Wenn  Schwankungen  in  beiden
Metallen  gleichzeitig  stattfinden,  so  können  sie  sich  in  entgegengesetzter
Richtung  bewegen  und  sich  gegenseitig  mehr  oder  weniger  vollständig  neutralisieren, ­
  während  eine  kombinierte  Wirkung,  selbst  wenn  sich  beide  Metalle ­
  in  ein  und  derselben  Richtung  bewegen  sollten,  auf  die  ganze  unter
dem  Bimetallismus  vereinigte  Welt  nicht  größer  wäre,  als  die  Wirkung,
die  auf  beide  Hälften  der  unter  Silber-  bzw.  Goldmonometallismus  befindlichen ­
  Welt  ausgeübt  würde.  Selbst  wenn  der  Bimetalüsmus  sein  Währungsgebiet ­
  nicht  erweiterte,  so  könnte  er  doch  Geldschwankungen  abschwächen.
Eine  Weltgoldwährung  würde  sich  also  unbeständiger  als  der  Bimetallismus ­
  erweisen 1  2 ).  Wenn  sich  aber  das  Quantum  des  einen  zur  Münzprägung
verwendeten  Metalles  schneller  oder  langsamer  als  der  Handel  erhöht,  während ­
  das  Quantum  des  anderen  Metalles  ein  konstantes  Verhältnis  zum
Handel  beibehält,  dann  hat  die  Benützung  beider  Metalle  eine  geringere
Stabilität  zur  Folge  als  die,  die  sich  aus  dem  weniger  veränderlichen  der
beiden  Metalle  ergibt,  wenngleich  diese  Stabilität  etwas  größer  wäre  als
die,  die  aus  der  Verwendung  des  mehr  veränderlichen  Metalles  resultiert.
Zwei  wertveränderliche,  durch  den  Bimetallismus  vereinigte  Metalle
kann  man  mit  zwei  betrunkenen,  miteinander  Arm  in  Arm  gehenden  Männern
vergleichen.  Zusammen  gehen  sie  etwas  weniger  wackelig  als  jeder  für  sich,
doch  würde,  wenn  einer  zufällig  weit  nüchterner  wäre  als  der  andere,  diesem
1 )  Siehe  Jevons,  Invesligations  in  Currency  and  Finance,  London  (Macmillan),  1884,
S.  331—333.
2 )  Vgl.  F.  Y.  Edgeworth,  „Thoughts  on  Monetary  Reform“,  (British)  Economic
Journal,  September  1895,  S.  449.
        <pb n="284" />
        Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.  267

Nüchterneren  der  Heimweg  durch  das  Arminarmgehen  stärker  erschwert
werden 1 ).
Die  in  der  Fußnote  aufgeführte  Tabelle  zeigt,  daß  im  siebzehnten  und
neunzehnten  Jahrhunderte  Gold  und  Silber  ungefähr  gleich  unbeständig
waren.  Im  achtzehnten  Jahrhundert  war  Gold  das  beständigere  Metall.
In  der  ersten  Hälfte  des  neunzehnten  Jahrhunderts  hingegen  war  das  Silber
beständiger,  während  vom  Jahre  1851—1890  Gold  beständiger  war.  Seit
dieser  Zeit  ist  das  Silber  beständiger.  Im  großen  Ganzen  besteht  im  Verhalten ­
  der  beiden  Metalle  kein  großer  Unterschied.
Der  Bimetallismus  würde  sich  also,  selbst  wenn  er  aufrecht  erhalten
werden  könnte,  nur  als  ein  unwesentliches  Abhilfsmittel  gegen  Schwankungen ­
  im  Preisniveau  erweisen  und  außerdem  besteht  nach  wie  vor  der  bereits
früher  erwähnte  Einwand,  daß  das  System  zusammenbrechen  kann.  In
dem  betreffenden  Kapitel  ist  gesagt  worden,  daß  die  Möglichkeit  vorhanden
ist,  das  eine  Metall  könne  zuweilen  in  solcher  Reichhaltigkeit  produziert
werden,  daß  es  das  Geldreservoir  vollständig  füllt  und  das  andere  Metall
gänzlich  aus  der  Zirkulation  treibt,  ohne  Rücksicht  darauf,  welches  das
Verhältnis  ist,  zu  dem  beide  Metalle  zu  zirkulieren  haben.  Es  kann  lange
dauern,  ehe  es  zu  einem  solchen  Resultate  kommt,  doch  kann  auf  sein  schließliches
  Eintreten  mit  Sicherheit  gerechnet  werden.
Es  erübrigt,  noch  einen  wichtigeren  Einwand  aufzuführen.  Da  der
Bimetallismus  in  der  Form  wie  er  gewöhnlich  vorgeschlagen  wird,  den  Wert
des  einen  der  beiden  Metalle  bedeutend  überwertet,  so  könnte  seine  Annahme
zunächst  die  große  Wirkung  haben,  daß  die  Preise  sich  nicht  stabil,  sondern

*)  Die  Veränderlichkeit  in  der  Gold-  und  Silberproduktion  ist  von  einem  meiner
Studenten,  Mr.  Morgan  Porter,  berechnet  worden.  Aus  der  Durchschnittsproduktion  für
jede  einzelne  der  genannten  Perioden  berechnete  er  folgende  Variationen  der  Durchschnittsprozentsätze ­
  :

Gold

Silber

1601—1701  5  Perioden,  jede  20  Jahre  umfassend

%
7,8

0/
/O
7,7

1701—1800  5  Perioden,  jede  20  Jahre  umfassend

15,6

27,4

1801—1900  5  Perioden,  jede  20  Jahre  umfassend

69,0

67,0

1801—1850  5  Perioden,  jede  10  Jahre  umfassend

52,4

22,3

1851—1885  7  Perioden,  jede  5  Jahre  umfassend

8,1

40,8

1886—1890  5  Perioden,  jede  1  Jahr  umfassend

5,9

10,5

1891—1895  5  Perioden,  jede  1  Jahr  umfassend

13,8

6,3

1896—1900  5  Perioden,  jede  1  Jahr  umfassend

12,3

3,4

1901—1905  5  Perioden,  jede  1  Jahr  umfassend

10,7

1,9
        <pb n="285" />
        268

XIII.  Kapitel.

labil  gestalten  und  die  Beziehungen  zwischen  Gläubiger  und  Schuldner  über
den  Haufen  geworfen  werden.  Wenn  auch  der  Biraetallismus  nicht  notwendig ­
  eine  beträchtliche  Überwertung  des  einen  Metalles  bedingt,  so  ist
sie  doch  stets  das  Moment  gewesen,  durch  welches  der  Bimetallismus  politisch
populär  gemacht  wurde.  Daher  war  der  Bimetallismus,  wie  er  während
der  letzten  zwanzig  oder  dreißig  Jahre  in  den  Vereinigten  Staaten  befürwortet ­
  wurde,  eine  Währung,  durch  die  das  Silber  eine  ganz  bedeutende  Überwertung ­
  erführe.  Diesem  Bimetallismus  zufolge  hätten  16  Unzen  Silber  als
das  Äquivalent  einer  Unze  Gold  zu  zirkulieren,  während  in  einem  großen  Teil
dieses  Zeitraumes  tatsächlich  30  oder  35  Unzen  Silber  erforderlich  waren,  um
den  gleichen  Wert  einer  Unze  Gold  zu  repräsentieren.  Eine  solche  Silberüberwertung ­
  würde  dahin  führen,  daß  Silber  aus  Mexiko,  Indien,  China  und
anderen  Silberwährungsländern  importiert,  größere  Quantitäten  dieses  Metalles ­
  produziert  und  in  den  Vereinigten  Staaten  zur  Prägung  kommen
würden,  worauf  das  Umlaufsmittel  auf  diese  Weise  in  hohem  Grade  und
ganz  plötzlich  im  Werte  sinken  müßte.  Dieser  Vorschlag  wurde  im  Jahre
1896  während  der  Kampagne  für  „freies  Silber“  durch  eine  Karikatur  ins
Lächerliche  gezogen,  die  die  Vereinigten  Staaten  als  Schiff  darstellte,  das
durch  die  Niagarafälle  segelnd  unterhalb  der  Fälle  glatt  dahinfährt  —
wenn  es  nur  die  Erschütterung  des  Falles  überlebt!
Der  Bimetallismus  ist  in  bezug  auf  die  Stabilität  einer  Geldwährung
das  einzige  System,  das  jemals  politisches  Gewicht  besessen  hat.  Die  Popularität ­
  dieses  Systems  liegt  viel  weniger  in  seiner  Fähigkeit,  die  Währung
zuguterletzt  stabil  zu  gestalten,  als  in  seiner  Kraft,  sie  sofort  aus  dem  Gleichgewicht ­
  zu  bringen.
Wir  gehen  nun  dazu  über,  die  Systeme  zu  erörtern,  die  niemals  das
Stadium  praktischer  Vorschläge  erreichten,  sondern  noch  gänzlich  akademisch
geblieben  sind.  In  erster  Reihe  ist  hier  der  Polymetallismus  zu  nennen,  der
eine  Verallgemeinerung  des  Bimetallismus  bedeutet.  Bei  der  Theorie  des
Bimetallismus  v'ird  die  Zirkulation  zweier  Metalle  nebeneinander  ins  Auge
gefaßt,  während  die  des  Polymetallismus  auf  ein  gleichzeitiges  Zirkulieren
von  mehr  als  zwei  Metallen  ausgeht.  Solange  als  mehrere  Metalle  zugleich
in  der  Zirkulation  erhalten  werden  können,  schwankt  das  Preisniveau  weniger
als  wenn  nur  ein  Metall  zur  Verwendung  kommt.  Doch  gelten  alle  gegen
den  Bimetallismus  erhobenen  theoretischen  Einwände  auch  für  den  Polymetallismus.
  Das  eine  Metall  würde  wohl  alle  anderen  Metalle  aus  dem
Lande  hinausdrängen,  oder  —  wenn  der  Polymetallismus  international  ist
—  in  die  gewerblichen  Verw r endungsgebiete.
        <pb n="286" />
        Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.

269

§3.
In  der  Erkenntnis  der  überzeugenden  Kraft  der  gegen  den  Bimetallismus ­
  (und  Polymetallismus)  erhobenen  Argumente  schlug  Professor  Marshall
an  deren  Stelle  ein  System  vor,  das  man  Symmetallismus  genannt  hat.
Unter  dem  symmetallischen  System  könnten  zwei  oder  mehrere  Metalle
in  ein  und  demselben  Münzstück  oder  zu  miteinander  „fest  verbundenen
Barrenstücken“  physisch  verbunden  werden.  Offenbar  könnte  ein  beliebiges
Verhältnis  zur  Anwendung  kommen  und  hierbei  könnte  keines  der  beiden
Edelmetalle  das  andere  aus  der  Zirkulation  treiben.  Der  Wert  der  zusammengesetzten ­
  Münze  würde  aus  dem  Betrage  der  Werte  ihrer  beiden  Bestandteile ­
  bestehen  und  deren  Wertschwankungen  würden  das  Mittel  der  Schwankungen ­
  ihrer  Bestandteile  bilden 1 ).
Es  sind  noch  einige  andere  Vorschläge  einer  Vereinigung  der  Metalle
aufgetaucht.  Darunter  befinden  sich  die  „verbundenen  Metallsysteme“  von
Stokes  und  Hertzka,  die  Abarten  des  Bimetallismus  sind,  aber  anstatt
eines  festgesetzten  ein  veränderliches  Verhältnis  haben.  Ein  anderer  von
Walras 2 )  vertretener  Vorschlag  besteht  in  der  Goldwährung  mit  einem
»Silberregulator“,  der  schlechtweg  die  hinkende  Währung  vorstellt,  wie  sie
nun  in  den  Vereinigten  Staaten,  Frankreich  und  Indien  herrscht,  nur  mit
Ausnahme  des  Umstandes,  daß  die  Quantität  des  in  Umlauf  befindlichen
Silbers,  anstatt  eine  festgesetzte  zu  sein,  von  der  Regierung  dergestalt
systematisch  gehandhabt  wird,  daß  den  Preisen  Stabilität  gesichert  wird.
All  diese  Systeme  wie  der  Symmetallismus  und  Bimetallismus  stellen  Reformen ­
  dar,  die  bestenfalls  nur  teilweise  Abhilfe  schaffen.  Im  Walrasschen
Vorschläge  zum  Beispiel  könnte  es  gegebenen  Falles  zur  Aufrechterhaltung
der  Preise  erforderlich  sein,  daß  das  Quantum  des  Silbers  auf  Null  herabgesetzt ­
  wird,  worauf  eine  weitere  Regulierung  dann  nicht  mehr  möglich
wäre,  oder  es  könnte  sich  als  notwendig  erweisen,  das  Silber  derart  zu  erhöhen, ­
  daß  alles  Gold  verbannt  wird.  Das  System  wäre  dann  keine  Goldwährung ­
  mehr,  sondern  es  würde  zu  einer  nicht  einlösbaren  Silberwährung
werden.  Das  Schlimmste  aber  ist,  daß  jedes  dieser  vorgeschlagenen  Abhilfsmittel
  der  Gefahr  unkluger  und  unehrlicher  politischer  Manipulationen
ausgesetzt  wäre.

l )  Siehe  F.  Y.  Edgeworth,  „Thoughis  on  Monetary  Reform“,  (British)  Economic
Journal,  September  1895,  S.  448.
*)  „Monnaie  d'or  avec  Ulbn  d’argent  regulateur“,  Revue  de  droit  international,  Dezember ­
  1884;  Nachdruck  in  Etudes  d'Economie  politique  appliquie,  Lausanne  (Rouge),  1898
        <pb n="287" />
        270

XIII.  Kapitel.

Allerdings  könnte  das  Preisniveau  seitens  der  Regierung  durch  eine
lediglich  zu  diesem  Zweck  gesetzlich  angeordnete  Regulierung  der  Geldzulieferung ­
  fast  absolut  stabil  erhalten  werden.  Ein  anscheinend  einfaches
Mittel,  dahin  zu  gelangen,  besteht  in  der  Ausgabe  uneinlöslichen  Papiergeldes, ­
  das  mit  der  Zunahme  des  Handelsverkehrs  in  ein  solches  Verhältnis
gebracht  würde,  daß  das  Gesamtquantum  der  in  Zirkulation  befindlichen
Umlaufsmittel,  multipliziert  mit  seiner  Schnelligkeit,  mit  den  Gesamtgeschäften ­
  zu  der  einen  Zeit  dasselbe  Verhältnis  einhielte,  wie  zu  jeder  anderen
Zeit.  Wenn  das  Vertrauen  der  Bürger  bewahrt  bliebe  und  dieses  Verhältnis
aufrecht  erhalten  würde,  so  bedürfte  das  Problem  keiner  weiteren  Lösung.
Traurige  Erfahrungen  haben  aber  gelehrt,  daß  uneinlösbares  Papiergeld, ­
  wenn  es  auch  theoretisch  imstande  ist,  die  Preise  stabil  zu  erhalten,
in  der  Praxis  so  gehandhabt  werden  kann,  daß  es  gerade  Preisschwankungen
herbeiführt.  In  fast  jedem  Lande  gibt  es  eine  aus  Schuldnern  und  Schuldner  -
ähnlichen  Klassen  bestehende  Partei,  die  eine  Herabsetzung  des  Geldes
begünstigt.  Daher  ist  jederzeit  eine  Bewegung  möglich,  die  dahin  zielt,  ein
zur  Aufrechterhaltung  der  Stabilität  dienendes  System  in  einfachen  Inflationismus ­
  umzukehren.  Sobald  eine  Regierung  über  ein  Papierumlaufsmittel
  Gewalt  hat,  das  zum  Golde  oder  zum  Silber  in  keinerlei  Beziehung
steht,  wird  immer  ein  Vorwand  zu  einer  zu  starken  Ausgabe  von  Papiergeld ­
  zu  befürchten  sein.
Wenn  es  in  Friedenszeiten  auch  gelingt,  dem  beharrlichen  Drängen
nach  Inflation  Widerstand  zu  leisten,  so  ist  es  doch  zweifelhaft,  ob  dies  auch
in  Kriegszeiten  der  Fall  sein  würde.  Zur  Zeit  eines  Krieges  können  viele
plausible  Motive  geltend  gemacht  werden,  namentlich  der  dringende
Bedarf  für  Staatszwecke.  Die  Lehren  der  Geschichte  unseres  eigenen  Landes
sind  in  dieser  Hinsicht  keineswegs  beruhigend.  Es  ist  daher  ganz  natürlich,
daß  solche  Systeme  sich  einen  schlechten  Ruf  erworben  haben.  Tatsächlich
ist  er  so  schlecht  gewesen,  daß  von  vielen  Seiten  impulsiv  der  Schluß  gezogen ­
  wurde,  die  „Quantitätstheorie“,  an  die  man  zur  Ermöglichung  der
Preismanipulationen  seitens  der  Regierung  appellierte,  sei  in  ihren  Grundlagen ­
  ungesund.  Die  Erfahrung  hat  jedoch  gelehrt,  daß  das  befürchtete
Übel  sich  nicht  immer  zu  verwirklichen  braucht.
Eine  andere  Methode,  wie  die  Regierung  das  Preisniveau  theoretisch
stabiler  gestalten  könnte,  besteht  darin,  daß  das  Bargeld  auf  ein  Edelmetall,
z.  B.  auf  Gold,  beschränkt,  und  die  Quantität  dieses  Metalles  im  Umlaufs  -
mittel  durch  das  System  einer  Münzgebühr  reguliert  wird.  Wenn  also  die
Goldlieferungen  aus  den  Minen  zunehmen  und  das  Gold  die  Tendenz  zeigt
im  Werte  zu  sinken,  dann  könnte  der  Wert  der  Goldmünze  durch  Zahlung
        <pb n="288" />
        Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.

271

einer  Münzgebühr,  deren  Höhe  je  nach  Erfordernis  festgesetzt  werden  kann,
aufrecht  erhalten  werden.  Je  billiger  das  Barrengold  wird,  desto  höher
müßte  diese  Gebühr  sein.  Sie  müßte  sich  in  einem  solchen  Verhältnis  erhöhen, ­
  daß  das  Umlaufsmittel  mit  dem  Geschäftsvolumen  in  gleichem  Verhältnis ­
  bleibt  und  das  Preisniveau  auf  diese  Weise  stabil  erhalten  wird.
Wenn  sich  die  jährliche  Produktion  des  Goldes  später  verringert  und  das
Gold  infolgedessen  wieder  im  Werte  steigt,  dann  könnte  die  Stabilität  durch
umgekehrte  Politik,  d.  h.  durch  ein  allmähliches  Herabsetzen  der  Münzgebühr ­
  aufrecht  erhalten  werden,  wodurch  eine  Erhöhung  im  Werte  des
Umlaufsmittels  verhindert  würde.  Der  regulierenden  Behörde  wäre,  wie
dies  im  Walrasschen  System  der  Fall  ist,  nach  dieser  Richtung  insofern
eine  Grenze  zu  setzen,  daß  die  Münzgebühr  niemals  auf  weniger  als  auf  Null
herabgesetzt  werden  dürfte.  Materiell  kann  das  Geld  nie  billiger  werden
als  das  Metall,  aus  dem  es  besteht,  da  auch  nur  die  geringste  Tendenz  in
dieser  Richtung  zur  Folge  hätte,  daß  die  Münzen  exportiert  oder  in  Barrenmetall
  eingeschmolzen  würden.  In  einer  Periode  steigender  Preise  würde
die  Regulierung  keinerlei  Schwierigkeit  bereiten,  in  einer  Zeit  fallender
Preise  hingegen  würde  sie  ganz  unmöglich  sein 1 ).
Ein  weiterer  Plan  besteht  in  einer  einlösbaren  Papierwährung,  bei  der
das  Papier  auf  Verlangen  einzulösen  ist,  jedoch  nicht  gegen  ein  erforderliches ­
  Gewicht  an  Gold  oder  an  Goldmünze,  sondern  gegen  dessen  erforderliche ­
  Kaufkraft.  Unter  einem  solchen  System  wäre  das  Papiergeld  mit  ebensoviel ­
  Gold  einzulösen,  wie  dessen  erforderliche  Kaufkraft  beansprucht.  Auf
diese  Weise  würde  der  für  einen  Papierdollar  zu  beanspruchende  Goldbetrag
roit  dem  Betrage  der  gekauften  Waren  per  Unze  Gold  umgekehrt  variieren,
und  die  Gesamtkaufkraft  des  Dollars  bliebe  also  immer  dieselbe.  Der  Umstand, ­
  daß  ein  Papierdollar  immer  in  der  Höhe  seiner  Kaufkraft  einlösbar
wäre,  würde  das  Preisniveau  theoretisch  unveränderlich  gestalten.  Der
Zufluß  des  in  Zirkulation  befindlichen  Geldes  würde  automatisch  reguliert
werden.  Sollte  das  Geld  die  Tendenz  zeigen,  sich  so  schnell  zu  vermehren,
haß  seine  Kaufkraft  beeinträchtigt  würde,  so  würden  die  Noten  zur  Einlösung ­
  in  Gold  präsentiert  werden,  denn  unter  dem  angenommenen  Über-*)
  Über  die  Wirkung  eines  gesetzlichen  Verbotes  des  Exportes  von  Münzen  vgl,
Kemmerer,  Money  and  Credit  Instruments  in  their  Relation  to  General  Prices,  2.  Aull.,  New
York  (Holt),  1909,  S.  39  Anm.  Vgl.  Kemmerer,  „The  Establishment  of  (he  Gold  Exchange
Standard  in  the  Philippines“,  in  the  Quarterly  Journal  of  Economics,  Bd.  XIX,  600  605
(August  1905);  Second  Annual  Report  of  the  Chief  of  the  Division  of  Currency,  etc.,  14
lö,  21—28;  „A  Gold  Standard  for  the  Straits“,  II,  in  Political  Science  Quarterly,  Bd.  XXI
S.  665—677  (Dezember  1906).
        <pb n="289" />
        272

XIII.  Kapitel.

einkommen  hätte  das  zu  gebende  Gold  immer  dieselbe  Kaufkraft.  Wenn
jedoch  das  Geld  die  Tendenz  zu  einem  Knappwerden  zeigen  und  somit  im
Werte  steigen  sollte,  dann  würde  der  Goldbetrag,  dessen  Kaufkraft  sich  nicht
verändert  hat,  in  Noten  umgetauscht  werden.
Allerdings  wäre  dieses  System,  ebenso  wie  jedes  einfache  Papiergeldsystem, ­
  Mißbrauch  ausgesetzt,  doch  wiese  es  zwei  praktische  Vorteile  auf.
Da  das  System  auf  einer  Metallbasis  beruht,  würde  es  mehr  Vertrauen
einflößen  als  ein  reines  Papiergeldsystem,  und  böte  dabei  weniger  Vorwand
zu  dessen  Mißbrauch  und  weniger  Gelegenheit  zu  einer  Hintergehung  des
Publikums.  Jeder  Wechsel  im  Gewichte  des  Golddoflars  wäre  definitiv
meßbar  und  dem  Publikum  gegenüber  zu  rechtfertigen.  Eine  Herabsetzung
des  Gewichtes,  das  durch  ein  Fallen  der  Preise  nicht  völlig  begründet  ist,
würde  ein  nicht  mißzuverstehendes  Bekenntnis  der  Geldentwertung  bedeuten. ­

§4.
Das  nächste  in  Erwägung  zu  ziehende  System  ist  von  Professor  Marshall
und  vom  Committee  of  the  British  Association 1 )  vertreten  worden.  Dem
Wesen  nach  bedeutet  es  eine  Wiederbelebung  der  von  Lowe 2 ),  Scrope 3 ),
Jevons 4 )  und  anderen  vorgeschlagenen  und  viel  besprochenen  Tabellarwährung ­
  (Tabular  Standard),  einer  Währung,  die  von  spezieller  Gesetzgebung ­
  relativ  unabhängig  ist.  Sie  setzt  die  Annahme  eines  zunächst  nur
dispositiv  wirkenden  Gesetzes  voraus,  durch  das  erlaubt  wird,  daß  vertragsmäßige ­
  Zahlungen  in  Indexnummern  der  Preise  stipuliert  werden.  Ein
solches  Gesetz  wäre  zwar  nicht  unumgänglich  nötig,  doch  würde  es  dazu
dienen,  die  Aufmerksamkeit  auf  die  Indexmethode  zu  lenken.  Das  Geld
des  Landes  käme  nach  wie  vor  als  ein  Austauschmittel  und  als  Bemessung
von  Werten  zur  Verwendung,  nicht  aber  als  eine  Währung  für  später  fällige
Zahlungen.  Diese  Währung  für  später  fällige  Zahlungen  würde,  so  oft
man  von  dem  Gesetz  Gebrauch  machte,  in  der  Indexnummer  der
allgemeinen  Preise  bestehen  und  die  Kontrakte,  die  Zahlungen  zu  späteren

x )  Siehe  den  Report  0/  the  British  Association  for  the  Advancement  oj  Science,  1890,
S.  488,  der  den  Entwurf  eines  zu  diesem  Zwecke  vorgeschlagenen  Parlamentsgesetzes
enthält.
2 )  Present  State  of  England  in  regard  to  Agriculture,  Trade,  and  Finance.  London
1822.
3 )  Principles  of  Political  Economy,  London,  1833,  S.  406.
4 )  Invesiigations  in  Currency  and  Finance,  London  (Macmillan),  1884,  S.  122;  ebenso
Money  and  the  Mechanism  of  Exchange,  London  (Kegan  Paul),  1893,  Kap.  XXV.
        <pb n="290" />
        Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.

18

Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.

Terminen  bezwecken,  könnten  nach  Belieben  entweder  auf  den  Austausch
einer  gegebenen  Kauf  kraft  oder  auf  einen  bestimmten,  direkt  mit  der  Indexnummer ­
  variierenden  Geldbetrag  lauten.  Um  eine  solche  Änderung  leichter
zu  gestalten,  wäre  es  angebracht,  wenn  die  Regierung  ein  autorisiertes
Indexnummersystem  einsetzte,  doch  brauchte  die  Tätigkeit  der  Regierung
nur  bis  zu  diesem  Punkte  zu  gehen,  tatsächlich  wäre  es  nicht  einmal  bis
hierher  notwendig.  Es  würde  sich  nicht  mehr  darum  handeln,  das  Preisniveau ­
  absolut  stabil  zu  erhalten.  Gold  und  Silber  oder  beide  Metalle  zusammen ­
  hätten  das  Bargeld  zu  liefern  und  dessen  Wert  würde  sich  folgerichtig ­
  dem  Metall  entsprechend  verändern,  aus  dem  es  besteht.  Die  auf
Indexnummern  gegründeten  Kontrakte  würden  hierbei  nicht  berührt,  weil
sie  in  Gestalt  von  Indexnummern  abgeschlossen  sind.  Zweifelsohne  begegnete ­
  dieses  System  großer  Opposition  *),  würde  aber  in  gewissen  Kreisen
lebhaften  Beifall  finden 2 ).  Denen,  die  „von  ihren  Einkommen  leben“,
würde  es  zum  Beispiel  lieber  sein,  die  Garantie  einer  stabilen  Kaufkraft  zu
haben.  Eine  Witwe,  ein  Vormund  oder  andere,  die  Geld  auf  lange  Zeit
anlegen,  würden  Wertpapiere,  die  eine  regelmäßige  jährliche  Kaufkraft
haben,  solchen  vorziehen,  die  eine  gegebene  Geldsumme  von  nur  ungewissem
Werte  verbürgen.  Einige  Präzedenzfälle  in  der  Form  dieses  neuen  Systems
sind,  wenn  auch  nur  andeutungsweise,  bereits  vorhanden.  In  England
wurden  die  „Durchschnittszehnten“  nach  dem  jeweiligen  Werte  des  Getreides ­
  festgesetzt,  so  daß  der  Zehnte  in  Wirklichkeit  so  und  soviel  Getreide
und  nicht  so  und  soviel  Geld  vorstellte.  Einen  ähnlichen  Zweck  verfolgten
während  mehr  als  zwei  Jahrhunderte  die  schottischen  „Fiars“-Preise,  die
den  Preis  des  Getreides  auf  der  Basis  festsetzten,  zu  der  auf  Getreide  abgeschlossene ­
  Pachtsummen  in  Geld  zahlbar  sein  würden 3 ).
Wie  bereits  erwähnt,  wäre  es  nicht  durchaus  notwendig,  daß  die  Regierung ­
  zum  Zwecke  eines  solchen  Systems  gesetzliche  Maßnahmen  trifft.
Den  Anfang  zur  Verwirklichung  dieses  Systems  für  einen  „tabellarischen
Wertregulator“  könnten  jederzeit  Privatkontrahenten  machen,  wobei  einige
bereits  allgemein  bekannte  Indexnummern  wie  die  von  Sauerbeck  oder  die
seitens  des  Arbeitsamtes  der  Vereinigten  Staaten  auf  gestellten  Indexnummern
als  Norm  dienen  könnten.  Sollten  die  Kontrahenten  im  großen  ganzen
uüt  dem  Ergebnis  eines  solchen  Versuches  zufrieden  sein,  dann  würden
*)  Vgl.  Francis  Walker,  Money,  New  York  (Holt),  1891,  S.  157—163.
2 )  Siehe  Joseph  French  Johnson,  Money  and  Currency,  Boston  (Ginn),  1906
S.  175.
3 )  Siehe  Edgeworth,  Reports  of  (he  British  Association  for  (he  Advancment  of  Science
1or  1888,  S.  182.
        <pb n="291" />
        274

XIII.  Kapitel.

weitere  Personen  oder  Parteien  ihrem  Beispiel  folgen.  Zunächst  wären  die
Kontrakte  so  auszulegen,  als  ob  sie  auf  Geld  lauteten,  es  sei  denn,  daß  andere
Bestimmungen  getroffen  wären.  Bei  Kontrakten,  die  auf  die  Indexnummern
lauten  würden,  wäre  demnach  eine  besondere  Klausel  erforderlich.  Wenn
aber  diese  letztere  Form  von  Kontrakten  populär  werden  sollte,  so  wäre
ein  Gesetz  zu  schaffen,  das  die  Indexnummer  allgemein  als  Norm  aufstellt
und  zwar  mit  Ausnahme  solcher  Fälle,  bei  denen  Zahlung  nach  einer  anderen
Norm  vorgesehen  wurde.
Es  ist  zu  beachten,  daß  ein  solcher  Brauch,  so  allgemein  er  auch  immer
werden  könnte,  die  Erwünschtheit  eines  elastischen  Umlaufsmittels,  das
den  j  ahreszeitlichen  Schwankungen  des  Verkehrs  entspricht,  nicht  beseitigen
würde.  So  sind  die  jahreszeitlichen  Anpassungen  der  Löhne  und  vieler
anderer  Preise  nicht  leicht  vorzunehmen.  Durch  Brauch  und  Sitte  werden
Normen  aufgestellt,  die  sich  in  den  aufeinanderfolgenden  Jahreszeiten  behaupten. ­
  Da  das  Geschäft  in  der  einen  Jahreszeit  lebhafter  ist  als  in  der
anderen,  würde  ein  Element  der  Spannung  auftreten,  wenn  nicht  auch
eine  Erweiterung  des  Kredites  stattfindet.  Ein  elastisches  Banksystem,
das  die  Krediterweiterung  erleichtert,  würde  daher  ein  Desideratum  bleiben.
Mit  dem  System,  Kontrakte  in  Bedingungen  des  Preisniveaus  abzuschließen, ­
  wird  nicht  direkt  die  Verhütung  von  Schwankungen  im  Preisniveau ­
  beabsichtigt.  Der  Zweck  besteht  vielmehr  darin  zu  verhüten,  daß
durch  diese  Schwankungen  im  Geschäftsleben  ein  spekulatives  Element  Platz
greift.  Als  Nebenresultat  des  Systems  würde  sich  jedoch  zeigen,  daß  die
Schwankungen  im  Preisniveau  etwas  nachlassen  aus  dem  Grunde,  weil  die
Kreditzyklen  keinen  Ansporn  mehr  erhielten.  Die  Aufnahme  von  Anleihen,
die  in  abnormer  Weise  bald  ermutigt  und  bald  entmutigt  wird,  würde  aufhören.
  Die  Schwankungen  im  Kredit  würden  sich  sonach  vermindern  und
das  Preisniveau  bliebe  von  solchen  Veränderungen  verhältnismäßig  unberührt ­
 1 ).  Selbst  wenn  Paniken  auftreten,  die  von  einem  starken  Sinken
der  Preise  begleitet  sind,  so  könnten  sich  diese  nicht  so  ernst  gestalten,  wie
dies  jetzt  der  Fall  ist.  Gegenwärtig  müssen  Anleihen  in  Geldpreissätzen  beglichen ­
  werden,  ohne  Rücksicht  darauf,  ob  dieses  Geld  zur  Zeit  der  Liquidation ­
  mehr  (oder  weniger)  kauft  als  zu  der  Zeit,  da  die  Anleihe  geschah,
und  ohne  Rücksicht  darauf,  ob  der  Entleiher  mehr  (oder  weniger)  Waren
verkaufen  muß,  um  den  gegebenen  Betrag  aufzutreiben.  Wenn  die  Preise
gefallen  sind,  ist  er  gezwungen,  auf  derselben  Basis  in  Geldpreissätzen  und

1 )  Siehe  Jevons,  Money  and  the  Mechanism  of  Exchange,  London  (KeganPaul),  1893,
S.  333.
        <pb n="292" />
        Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.

275

einen  viel  höheren  Wert  in  Güterpreissätzen  zu  zahlen,  als  wenn  die  Preise
auf  einer  höheren  Stufe  ständen.  Hieraus  resultieren  oft  Zahlungseinstellungen, ­
  eine  Verminderung  der  Kreditumlaufsmittel  und  ernste  Depression.
Bei  Bezahlung  in  Kaufkraft  wäre  die  Sachlage  eine  ganz  andere.  Das  Fallen
der  Preise  würde  weder  den  Entleiher  schädigen  noch  dem  Darleiher  Gewinn
bringen.
Es  hat  den  Anschein,  als  ob  die  „Tabellarwährung“  („tabular  Standard“)
im  großen  ganzen  wirklich  vorzüglich  sei 1 ).  Sicherlich  könnte  der  Versuch
mit  einem  zunächst  „dispositiven“  Gesetze  materiell  keinen  Schaden  bringen.
Doch  ist  die  Tabellarwährung  ganz  ernstlichen,  wenn  nicht  gar  völlig  verhängnisvollen ­
  Einwendungen  unterworfen.  Vor  allen  Dingen  würde  die
mit  dem  System  verbundene  Notwendigkeit,  das  Geld  in  die  Tabellarwährung
umzusetzen,  das  Publikum  nicht  in  genügender  Weise  anziehen,  um  zur
vollständigen  Annahme  seitens  der  Kegierung  zu  führen.  Ferner  könnten
während  der  Übergangszeit  von  dem  alten  zum  neuen  System  eine  Beihe
der  Übel,  die  durch  das  letztere  beseitigt  werden  sollen,  eine  Verschlimmerung
erfahren,  was  von  dessen  weiterer  Ausbreitung  eher  abschrecken,  als  sie
fördern  würde.  Selbst  wenn  ein  Land  das  System  in  ganzem  Umfange  annähme, ­
  so  würde  es  sich  kommerziell  isolieren,  was  die  Unannehmlichkeit
einer  unsicheren  internationalen  Austauschrate  zur  Folge  hätte.  Ein  ähnlicher ­
  Nachteil  träte  zutage,  wenn  das  System  in  einem  Lande  nur  teilweise
angenommen  würde.  Der  Geschäftsmann  zieht  natürlich  stets  ein  gleichförmiges ­
  Rechnungssystem  zwei  sich  einander  befehdenden  Systemen  vor.
Er  würde  sich  über  ein  derartiges  doppeltes  Rechnungssystem  genau  so  beschweren, ­
  wie  er  sich  stets  über  das  im  internationalen  Handel  zwischen
den  Gold-  und  Silberwährungsländern  bestehende  doppelte  Rechnungssystem
beschwert  hat.  Der  Gewinn  eines  Geschäftsmannes  stellt  einen  schmalen
Spielraum  zwischen  Einnahmen  und  Ausgaben  dar.  Wenn  sowohl  Einnahmen ­
  wie  Ausgaben  in  der  Tabellarwährung  berechnet  werden  könnten,
so  wiese  sein  Gewinn  eine  größere  Stabilität  auf,  als  wenn  Einnahmen  und
Ausgaben  in  Geld  berechnet  werden.  Wenn  aber  einige  seiner  Ausgaben
wie  Zinsen  und  Löhne  auf  einer  Tabellarbasis  zu  zahlen  wären,  während
seine  Einnahmen  auf  eine  Goldbasis  gegründet  sind,  so  würde  sein  Gewinn
v iel  größeren  Schwankungen  unterworfen  sein,  als  wenn  beide  Seiten  oder
alle  Posten  der  Abrechnung  auf  Gold  lauteten.  Tatsächlich  würde  eine
ieichte  Abweichung  in  den  beiden  Währungen  seinen  erwarteten  Gewinn
l )  Siehe  J.  Allen  Smith,  „The  Multiple  Money  Standard",  Annals  of  the  American
Academy  of  Political  and  Social  Science,  März  1896.

18*
        <pb n="293" />
        276

XIII.  Kapitel.

genau  so  in  Verlust  umwandeln,  wie  der  Gewinn  des  Importeurs  oder  des
Exporteurs  von  Gütern  zwischen  China  und  den  Vereinigten  Staaten  durch
eine  geringe  Veränderung  in  den  Wechselkursen  vernichtet  werden  kann.
Selbst  wenn  diese  Währung  Schwankungen  unterworfen  ist,  wird  der  Geschäftsmann ­
  in  jedem  der  beiden  Fälle  vorziehen,  auf  beiden  Seiten  des
Rechnungsbuches  ein  und  dieselbe  Währung  zu  haben,  als  zwei  verschiedene
Währungsarten,  von  denen  nur  eine  Schwankungen  ausgesetzt  ist.  Sein
Gewinn  hängt  mehr  vom  Parallelismus  zwischen  den  beiden  Seiten  seiner
Abrechnung  ab,  als  von  der  Stabilität  der  einen  oder  der  anderen  Währung.
In  Indien,  in  den  Philippinen,  in  Mexiko,  in  den  Straits  Settlements,  Siam
und  Panama  wurde,  um  den  Übeln  zu  entgehen,  die  das  Vorhandensein
zweier  Währungen  nach  sich  zieht,  nach  langwierigen  Debatten  und  Versuchen ­
  die  jetzige  Golddevisenwährung  angenommen.
§5.
Die  Erwähnung  der  Golddevisen  Währung  bringt  uns  zu  einem  Vorschläge, ­
  der  hier  versuchsweise  gegeben  sein  soll,  und  von  dem  anzunehmen
ist,  daß  er  eines  Tages  als  ratsam  und  ausführbar  erachtet  wird.  Dieser
Plan  vereinigt  die  Tabellarwährung  mit  den  Grundsätzen  der  Golddevisenwährung. ­

Wir  haben  die  Golddevisenwährung  bereits  kurz  beschrieben  und  auf
andere  ausführlichere  Informationsquellen  hierüber  hingewiesen.  Wenn
auch  der  Sinn  der  Golddevisenwährung  darin  besteht,  ein  System  teilweiser ­
  oder  völliger  Einlösung  der  einheimischen  Münze  in  Gold  darzustellen, ­
  so  ist  doch  in  dem  Lande  selbst,  in  dem  das  System  in  Kraft  ist,
Gold  nicht  unumgänglich  notwendig.  So  wechselt  die  Regierung  in  den
Philippinen  die  Silberpesos  auch  nicht  in  Gold  um,  wenn  das  Gold  für  den
Export  nach  New  York  gebraucht  wird.  Statt  dessen  unterhält  die  Regierung ­
  eine  Goldreserve  in  New  York  und  „löst“  die  Filipino  Pesos  nur
in  einer  Tratte  auf  dieses  Gold  ein.  Da  die  Tratte  nach  New  York  gesandt
werden  kann,  so  dient  sie  zur  Einlösung  des  Goldes  für  den  Export.  Im
Verkaufspreis  ist  eine  Wechselprämie  inbegriffen,  die  dem  gewöhnlichen
über  den  „Goldpunkt“  hinaus  festgesetzten  Zuschlag  entspricht,  d.  h.  die
Regierung  bringt  bei  dem  Filipino  auf  das  nach  New  York  gehende  Gold
das  Äquivalent  der  Fracht,  der  Versicherung  und  anderer  Auslagen  in  Anrechnung. ­

Es  liegt  auf  der  Hand,  daß  das  Golddevisensystem  nur  nominell  ein
Einlösungssystem  ist.  Tatsächlich  ist  es  ein  System,  das  das  Silberumlaufs-
        <pb n="294" />
        277

Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.
mittel  derart  handhabt,  daß  sein  Wert  von  dem  Pariwert  des  Goldes  niemals ­
  mehr  als  um  die  gewöhnlichen  zwischen  Goldwährungsländem  üblichen
Wechselprämien  abweicht.  Diese  Manipulation  besteht  darin,  daß  das
Umlaufsmittel  vermindert  wird,  wenn  der  Wechselkurs  einen  gewissen
Punkt  über  Pari  erreicht  und  daß  der  Geldumlauf  eine  Erweiterung  erfährt,
wenn  der  Wechselkurs  auf  einen  gewissen  Punkt  unter  Pari  zu  stehen  kommt.
Die  Verminderung  des  Umlaufsmittels  wird  durch  den  Verkauf  von  Auslandswechseln ­
  und  die  Absperrung  des  hierfür  erhaltenen  Kurantgeldes
gesichert,  während  die  Erweiterung  des  Umlaufsmittels  durch  dessen  Freigabe ­
  in  die  Zirkulation  oder,  falls  notwendig,  durch  das  Prägen  weiterer
Umlaufsmittel  erlangt  wird.
Der  erfolgreiche  Betrieb  dieses  Systems  wird  durch  eine  Überwertung
des  Metallgehaltes  des  Silberumlaufsmittels  nicht  nur  nicht  beeinflußt,
sondern  die  Überwertung  ist  sogar  erforderlich.  Tatsächlich  fand  man  es
in  den  Philippinen  nötig,  das  Gewicht  der  Silberpesos  von  374  Gran  auf
247  Gran  herabzusetzen,  um  deren  Verschwinden  zu  verhüten.  Ohne  einen
Spielraum  zwischen  dem  Münz-  und  dem  Barrenwerte  des  Pesos  würde  die
Kraft,  die  die  Zirkulation  der  Pesos  reguliert,  nur  nach  einer  Richtung
hin  wirken,  nämlich  in  der  einer  Kontraktion;  mit  einem  solchen  Spielraum
aber  ist  die  Fähigkeit  sowohl  zu  einer  Erweiterung  als  auch  einer  Kontraktion ­
  gegeben.
Sobald  das  System  einmal  eingebürgert  wäre,  würde  es  mit  demselben
Erfolge  arbeiten,  wenn  das  Gewicht  der  Silbermünzen  noch  weiter  reduziert
oder  gar  durch  ein  Papierumlaufsmittel  ersetzt  würde.  Hieraus  ist  zu  ersehen, ­
  daß  die  Golddevisenwährung  im  Grunde  genommen  tatsächüch  dieselbe ­
  Währung  ist,  die  jetzt  (1913)  in  Österreich  für  das  Papiergeld  in  Betrieb
ist.  In  diesem  Lande  ist  das  Papiergeld  faktisch  uneinlöslich,  es  wird
aber  durch  den  Verkauf  von  Devisen  auf  London  auf  dem  Pariwerte  gehalten. ­

Vermittelst  dieses  Planes,  durch  den  der  Barrengehalt  der  Münzen
unter  deren  Werte  als  Münze  gehalten  wird,  kommt  nicht  nur  das  Einschmelzen, ­
  der  Export  und  das  konsequente  Verlorengehen  einer  Kontrolle
ihrer  Quantität  und  ihres  Wertes  in  Wegfall,  sondern  der  Plan  besitzt  auch
den  Vorteil  der  Ökonomie.  Tatsächlich  wurden  die  bei  der  Reduzierung
des  Gewichtes  auf  den  Philippinen  gemachten  Ersparnisse  als  Mittel  zur
Deckung  der  Kosten  für  die  Unterhaltung  der  Goldreserve  und  der  anderen
Ausgaben  verwendet,  die  zur  Einführung  und  Inbetriebsetzung  des  Systems
erforderlich  waren.
Anfangs  wurde  die  Golddevisenwährung  mit  großem  Argwohn  auf ­
        <pb n="295" />
        278

XIII.  Kapitel.

genommen  und  ihre  Verteidiger  wagten  es  kaum,  der  Währung  einen  größeren
Wert  als  den  eines  praktischen  Notbehelfs  beizulegen,  der,  wie  dies  ja  auch
der  Fall  war,  ohne  Gewaltsamkeit  die  Mittel  an  die  Hand  gab,  den  Übergang
von  dem  bestehenden  System  zur  Goldwährung  oder  die  Einführung  ungewohnter ­
  Münzen  leichter  zu  gestalten.
Die  Ergebnisse  waren  jedoch  so  günstig,  daß  man  sich  fragen  darf,
ob  diejenigen,  die  das  rein  devisenpolitisch  wirksame  System  der  Golddevisenwährung ­
  ersannen,  nicht  besser  beraten  waren,  als  sie  selbst  es  zu
sein  glaubten.  Während  dieses  System  oberflächlich  betrachtet  eine  starke
Ähnlichkeit  mit  Vorgängen,  die  auf  die  künstliche  Schaffung  einer  Überfülle ­
  von  Umlaufsmittel  hinzielen,  aufweist,  ist  mit  ihm  doch  nur  wenig
oder  gar  nicht  das  Odium  oder  das  Mißtrauen  verknüpft,  dem  jene  Manöver
ausgesetzt  sind.  Die  Obliegenheiten  zur  Aufrechterhaltung  des  Goldwechselparis ­
  sind  so  einfach  und  das  System  ist  so  unfehlbar  gewissenhaft  durchgeführt ­
  worden,  daß  selbst  jene,  die  es  anfangs  mit  aller  Energie  bekämpften,
nunmehr  veranlaßt  zu  sein  scheinen,  ihm  unbedingtes  Vertrauen  zu  schenken.
In  der  Tat  ist  wohl  unter  allen  erdenklichen  Umständen  kein  Grund  zur
Befürchtung  eines  Mißbrauches  des  Systems  vorhanden.
Wenn  hier  nun  also  wirklich  eine  neue  Verwaltungsmethode  eingeführt
worden  ist,  der  in  dem  Vollzüge  ihrer  Begulierungsfunktionen  dasselbe  Zutrauen ­
  entgegengebracht  werden  kann,  wie  der  Tätigkeit  eines  Münzamtes,
so  steht  eigentlich  nichts  im  Wege,  das  System  noch  weiter  auszudehnen.
Wir  wissen,  daß  das  Wechselpari,  das  für  die  Golddevisenwährung  angenommen ­
  wurde,  durchaus  arbiträr  ist,  woraus  ersichtlich  ist,  daß  dieses  Pari
abgeändert  werden  kann.  Das  Wechselpari  zwischen  dem  englischen  und
dem  indischen  Währungssystem  beträgt  16  d  per  Rupie.  Dieses  Pari  könnte
mit  Leichtigkeit  auf  15  d  oder  17  d  und  allmählich  nach  aufwärts  oder  nach
abwärts  abgeändert  werden.  Falls  wünschenswert,  könnte  bei  derartigen
Veränderungen  des  Goldaustauschparis  das  Umlaufsmittel  der  Länder,  die
gegenwärtig  eine  Golddevisenwährung  haben,  mit  einer  Tabellarwährung  auf
Pari  gehalten  werden.  Wenn  es  also  für  vorteilhaft  erachtet  wird,  die  genaue
Verschiebung  der  Goldwährung  durch  Indexnummern  zu  bemessen,  so  könnte
eine  entsprechende  Verschiebung  des  Wechselparis  oder  des  Rupiepreises
in  Gold  bewirkt  werden.
Nach  dem  gegenwärtigen  Stande  des  Systems  wird  die  Münzenprägung
so  gehandhabt,  daß  sie  auf  gleichem  Wert  mit  dem  Gold  gehalten  wird,
d.  h.  die  geprägten  Münzen  folgen  den  Schwankungen  der  Goldwährung,  wohin ­
  diese  auch  immer  führen  mögen.  Wir  wohnen  also  dem  Schauspiele  bei,
daß  Indien  und  andere  Länder,  die  zuvor  eine  Silberwährung  hatten,  sich  nun
        <pb n="296" />
        Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.

279

den  Goldwährungsländern  sozusagen  an  die  Rockschöße  hängen  und  dieser
erratischen  Währung  folgen,  wohin  diese  auch  immer  führt,  obgleich  es
durch  eben  denselben  Mechanismus  in  ihrer  Macht  steht,  ihren  Kurs  stabil
zu  erhalten.
Ich  würde  indessen  keinen  Augenblick  daran  denken,  die  Anregung  zu
geben,  diese  Länder  zu  veranlassen,  ihr  Wechselpari  mit  den  Goldwährungsländern
  aufzugeben.  Obgleich  sich  zugunsten  eines  solchen  Verfahrens
viel  sagen  ließe,  so  würde  dies  einen  großen  Schritt  nach  rückwärts  bedeuten
und  zwar  insofern,  als  dadurch  die  erwähnten  Ungewißheiten  internationalen
Austausches  wieder  auftauchen  würden.  Das  Erforderliche  besteht  darin,
die  gesamte  zivilisierte  Welt  zu  veranlassen,  das  zu  tun,  was  nun  in  der
Macht  der  Golddevisenländer  steht,  nämlich  mit  einer  Tabellarwährung
gleichen  Schritt  zu  halten.  Es  liegt  eine  gewisse  Anomalie  in  der  Tatsache,
daß  diese  Golddevisenwährungsländer  über  eine  Macht  verfügen,  ihr  Preisniveau ­
  zu  regulieren,  die  die  Goldwährungsländer  selbst  nicht  besitzen.
Infolge  ihres  gegenwärtigen  Systems  sind  die  letzteren  den  Zufällen  der
Goldproduktion  und  der  Metallurgie  preisgegeben,  während  die  ersteren
das  Wechselpari  mit  den  Goldwährungsländern  nach  Belieben  innehalten
oder  verändern  können.
Offenbar  könnten  aber  die  Goldwährungsländer  genau  dasselbe  tun,  was
die  Silberwährungsländer  getan  haben,  d.  h.  sie  könnten  das  System  einer
Golddevisenwährung  dadurch  einführen,  daß  sie  ihre  Münzstätten  dem
Golde  verschlössen  und,  falls  erforderlich,  das  Gewicht  der  Goldmünzen
reduzierten  (obwohl  dies  bei  der  nun  vor  sich  gehenden  Entwertung  des
Goldes  wohl  nicht  nötig  wäre)  und  eine  Devisenwährung  einsetzten,  in  derselben ­
  Weise  wie  die  Philippinen  und  die  erwähnten  anderen  Länder  nunmehr ­
  ihr  Golddevisensystem  betreiben.
Um  dies  klarzumachen,  wollen  wir  zunächst  annehmen,  ein  Land,  sagen
wir  Österreich,  wolle  die  Goldwährung  beibehalten,  während  England,  Deutschland, ­
  Frankreich,  die  Vereinigten  Staaten  und  die  bedeutendsten  anderen
Länder  der  Welt  ihre  Münzstätten  dem  freien  Prägen  von  Gold  verschließen.
Diese  Länder  könnten  dann  mit  Österreich  eine  Golddevisenwährung  mit
einem  (variierenden)  Wechselpari  aufrecht  erhalten.  Durch  eine  von
Zeit  zu  Zeit  vorzunehmende  entsprechende  Änderung  des  Wechselparis ­
  könnte  die  ganze  Handelswelt,  Österreich  ausgenommen,  die  Kaufkraft ­
  des  Geldes  stabil  erhalten  und  deren  Schwankungen  mit  dem  Golde
verhindern.  Das  Verhältnis,  in  dem  Indien  nun  zu  England  steht,  wäre
dann  von  Indien  und  von  England  Österreich  gegenüber  einzuhalten.  Doch
wäre  es  gar  nicht  einmal  notwendig,  daß  sich  ein  Land  wie  Österreich  kom ­
        <pb n="297" />
        280

XIII.  Kapitel.

merziell  isoliert.  Wenn  das  System  in  Betrieb  gesetzt  wird,  sollten
alle  Länder,  die  an  der  Sache  genügendes  Interesse  haben,  um  einen
Staatsvertrag  einzugehen,  beteiligt  sein.  Damit  aber  Österreich  seine  eigenen
Interessen  nicht  opfert,  wenn  es  als  Goldwährungsland  zu  den  Bedingungen
dient,  unter  denen  alle  anderen  Länder  der  Welt  gemeinsam  ihre  Wechselparis ­
  adjustieren  müßten,  könnte  es  seine  Umlaufsmittel  durch  den  Einund
  Verkauf  von  Gold  selbst  adjustieren.  Mit  anderen  Worten:  genau
dieselben  Prinzipien,  durch  die  die  Währungsmittel  in  Indien  oder  in  den
Philippinen  vermittelst  des  Ein-  und  Verkaufes  von  im  Ausland  auf  Gold
gezogenen  Devisen  reguliert  werden,  könnten  den  Ein-  und  Verkauf  des
Goldes  im  Inlande  selbst  direkter  bewirken.  Österreich  würde  sich  deshalb
hierzu  vorzüglich  eignen,  weil  das  System,  mittelst  dessen  es  sein  uneinlösliches ­
  Papiergeld  zu  einem  festen  Pari  mit  Gold  aufrechterhalten  hat,  in
diesem  Lande  der  Hauptsache  nach  schon  lange  in  Betrieb  ist.  Sollte  es
zu  entsprechenden  Vertragsunterhandlungen  kommen,  so  könnte  sich
Österreich  zur  Aufrechterhaltung  eines  Paris  verpflichten  und  zwar  nicht
eines  Paris  mit  einem  festgesetzten  Goldgewicht,  sondern  mit  einem
solchen  Goldgewicht,  das  eine  festgesetzte  Kaufkraft  hat  und  dies  könnte
durch  den  Ein-  und  Verkauf  von  Gold  zu  diesen  adjustierten  Preisen
geschehen,  indem  es  Barrengold  für  Kronen  verkauft,  wenn  das  Umlaufs  -
mittel  vermindert  werden,  und  Barrengold  für  Kronen  kauft,  wenn  es  eine
Erweiterung  erfahren  soll.  Alle  anderen  Länder  könnten  durch  solche
Methoden,  wie  die,  durch  welche  zum  Beispiel  Indien  jetzt  sein  Pari  mit
England  aufrecht  erhält,  ihr  Pari  mit  Österreich  oder  gegeneinander  aufrechterhalten ­
  für  den  Fall,  daß  genau  dasselbe  Verfahren,  wie  es  für  Österreich ­
  vorgeschlagen  wurde,  nicht  vorgezogen  wird.  Tatsächlich  ist  die
Methode,  das  Pari  durch  den  Verkauf  von  Wechseln  auf  andere  Länder
aufrecht  zu  erhalten  oder  dies  durch  den  Austausch  von  Umlaufsmitteln
für  irgendeine  Ware,  z.  B.  für  Gold  zu  bewerkstelligen,  im  Grunde  genommen
fast  ein  und  dasselbe.
Zur  richtigen  Durchführung  eines  solchen  internationalen  Systems  sind
drei  getrennte  Funktionen  erforderlich:  1.  die  Funktion,  das  Wechselpari
mit  der  österreichischen  Kronenmünze  aufrecht  zu  erhalten,  was  durch
Bureaus  für  den  Auslandswechselverkehr  auszuführen  wäre  und  zwar  in
genau  derselben  Weise,  wie  dies  jetzt  in  den  Philippinen  unter  dem  Golddevisensystem ­
  geschieht;  2.  die  ähnliche  Funktion,  das  Umlaufsmittel  in
wenigstens  einem  Lande  zu  regulieren  (beispielsweise  in  Österreich),  was
mit  Hilfe  eines  Bureaus  zur  Regulierung  der  Umlaufsmittel  durch  den  Einund
  Verkauf  von  Gold  nach  Wahl  des  Publikums  und  zu  einem  amtlichen
        <pb n="298" />
        Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.

281

Preise  zu  geschehen  hätte;  dieser  Preis  würde  der  Entscheidung  des  (unter
3.  erwähnten)  Statistischen  Amtes  gemäß  von  Zeit  zu  Zeit  festgesetzt  werden;
3.  die  Funktion,  diesen  amtlichen  Goldpreis  dem  Preisniveau  gemäß  festzusetzen. ­
  Es  könnte  ein  internationales  Statistisches  Amt,  sagen  wir  im  Haag,
eingerichtet  werden,  wo  dies  von  Beamten  in  ganz  mechanischer  Weise  zu
vollziehen  wäre.  Die  Obliegenheiten  dieses  Bureaus  würden  in  der  Ermittelung ­
  der  Preisindexnummern  bestehen,  was  in  der  üblichen  Weise  geschehen ­
  könnte,  und  sodann  würde  der  Marktpreis  des  Goldes  durch  diese
Indexnummer  zu  dividieren  sein.
Wenn  zum  Beispiel  nach  Ablauf  eines  Jahres,  nachdem  das  System
in  Betrieb  gesetzt  wurde,  das  Statistische  Bureau  findet,  daß  die  Preise
um  1  %  gestiegen  sind,  so  würde  dieses  Bureau  zur  Neutralisierung  dieses
Steigens  eine  offizielle  Erklärung  an  das  Bureau,  das  die  Umlaufsmittel
reguliert,  abgeben,  die  den  offiziellen  Goldpreis  substantiell  um  ein  Prozent
niedriger  stellt  als  der  herrschende  Marktpreis  beträgt.  Das  Publikum
wird  sodann  zu  diesem  billigen  Preise  von  der  Regierung  Barrengold
kaufen  und  dagegen  Kurantgeld  abtreten.  Das  Umlaufsmittel  wird
dadurch  vermindert  und  die  allgemeinen  Preise  werden  fallen,  bis  Gold
nicht  mehr  verlangt  oder  bis  ein  neuer  offizieller  Goldpreis  deklariert  wird.
Sollte  der  nächste  amtliche  Goldpreis  über  dem  Marktpreis  zu  stehen  kommen,
so  hätte  die  Regierung  Gold  einzukaufen  und  auf  diese  Weise  einen  Teil
der  früher  eingezogenen  Umlaufsmittel  wieder  auszugeben  oder,  falls  es
erforderlich  wäre,  eine  Neuausgabe  von  Kurantgeld  vorzunehmen.
In  dem  vorstehend  entworfenen  Vorschlag  wird  ein  einziger  Goldpreis
aufgestellt,  zu  dem  die  Regierung  zu  kaufen  oder  zu  verkaufen  bereit  sein
muß.  Es  wäre  indessen  praktisch  von  großem  Vorteil,  wenn  zwei  Preise
aufgestellt  würden,  die  voneinander  etwas  differieren  und  zwar  dergestalt,
daß  der  höhere  für  den  Verkauf  und  der  niedrigere  für  den  Einkauf  gilt.
Die  Idee  eines  Preispaares  rührt  von  Ricardo  her 1 ).  Wie  wir  gesehen  haben,
wird  dieser  Modus  auch  in  der  Golddevisenwährung  analog  den  „Goldpunkten“ ­
  angewandt.  Obgleich  das  österreichische  Papierumlaufsmittel
gewöhnlich  als  uneinlösbar  gilt,  so  wird  es  doch  durch  ein  ähnliches  Abkommen ­
  auf  gleichem  Werte  mit  dem  Gold  gehalten.  Unter  diesem  Abkommen ­
  ist  die  Österreichisch-Ungarische  Bank  stets  bereit,  Gold  zum
Preise  von  3278  Kronen  2 )  per  Kilo  zu  kaufen  und  Golddevisen  auf  London
feiner  etwas  höheren  Rate  zu  verkaufen.
l )  Proposals  jor  an  Economical  and  Secure  Currency,  2.  Aufl.,  London  (Murravi
!816,  S.  26.
*)  Siehe  L.  V.  Mises,  „The  foreign  exchange  policy  of  the  Austro-Hungarian  Bank“
Economic  Journal,  Juni  1909,  S.  201.
        <pb n="299" />
        282

XIII.  Kapitel.

Aus  dem  Vorstehenden  ist  ersichtlich,  daß  der  hier  vorgeschlagene
Plan  in  den  Umlaufsmitteln  der  Welt  keinerlei  Umwälzung  hervorrufen
würde.  Der  Vorschlag  erfordert  nicht  viel  mehr  als  bereits  vorhandene,  getrennte ­
  Funktionen  zu  einem  betriebsfähigen  Ganzen  zu  vereinigen.  Nach
diesem  Plane  wäre  1.  eine  Berechnung  der  Indexnummern  vorzunehmen,
wie  dies  gegenwärtig  durch  das  amerikanische  Arbeitsamt  geschieht;  2.  der
Ein-  und  Verkauf  von  Wechseln  zu  besorgen,  wie  dies  gegenwärtig  die
Regierung  auf  den  Philippinen  tut;  8.  wäre  der  Ein-  und  Verkauf  von  Gold
zu  bewirken,  wie  es  gegenwärtig  in  Österreich  der  Fall  ist  und  4.  die  periodische ­
  Wiederanpassung  der  Goldparis  vorzunehmen  (was  nur  bedeuten
würde,  mehr  als  einmal  das  zu  tun,  was  in  Indien,  in  den  Philippinen,  in
Mexiko,  den  Straits  Settlements,  Siam  und  Panama  geschah,  als  dort  das
jetzige  System  eingeführt  wurde).  Die  Wiederanpassung  des  Pariwertes  ist
der  einzige  hinzugekommene  Punkt,  und  dieser  sollte  nicht  mit  der  Begründung ­
  verurteilt  werden,  daß  er  Wertschwankungen  verursache,  denn  gerade
durch  diese  Wiederanpassung  wird  bezweckt,  die  Schwankungen,  unter
denen  wir  jetzt  zu  leiden  haben,  zu  verhindern.  Weder  diese  periodische
Wiederanpassung  noch  irgendein  anderer  hervortretender  Punkt  des  Planes
würde  eine  Veränderung  im  Zirkulationsmedium  erfordern.  Jede  Nation
würde  das  altbewährte  und  gewohnte  Kurantgeld,  sei  es  Gold,  Silber  oder
Papier,  nach  wie  vor  verwenden.  Der  Alltagsmensch  würde  von  einer  Veränderung ­
  nichts  merken.
Die  Kosten  zur  Unterhaltung  des  Golddevisensystems  haben  sich  nur
als  gering  erwiesen;  die  Kosten  einer  Durchführung  des  hier  vorgeschlagenen
Systems  stehen,  wie  es  sich  auch  immer  gestalten  möge,  in  keinem  Vergleich
zu  den  Vorteilen,  die  es  der  gesamten  zivilisierten  Welt  bringen  würde.
Nebenbei  würde  das  System  den  Vorteil  haben,  die  schon  oft  vorgeschlagene ­
  Adjustierung  der  relativen  Werte  verschiedener  Münzen  mit
Leichtigkeit  vorzunehmen  und  zwar  insofern  als  natürlich  die  erste  Adjustierung ­
  der  Pariwerte  das  Pfund  Sterling  mit  fünf  Dollar,  den  Rubel  mit
fünfzig  Cent,  den  japanischen  Yen  mit  fünfzig  Cent,  den  holländischen
Gulden  mit  vierzig  Cent,  die  Mark  mit  fünfundzwanzig  Cent,  den  Franken
mit  zwanzig  Cent,  die  österreichische  Krone  mit  zwanzig  Cent  und  die
portugiesische  Krone  mit  zehn  Cent  gleichwertig  gestalten  würde.
Durch  den  Plan  wie  er  hier  entworfen  wurde,  wird  die  Regulierung  der
Umlaufsmittel  der  Welt  durch  den  Ein-  und  Verkauf  von  Gold  ins  Auge
gefaßt,  doch  könnte  selbstverständlich  an  Stelle  des  Goldes  Silber  oder  eine
andere  Ware  zur  Verwendung  kommen.  Je  weniger  veränderlich  der  Artikel
im  Verhältnis  zu  den  Waren  im  allgemeinen  ist,  desto  weniger  werden  Wieder ­
        <pb n="300" />
        Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.

283

anpassungen  nötig  und  desto  lebhafter  wird  der  seitens  der  Regierung  zu
vollziehende  Ein-  und  Verkauf  dieses  Artikels  sein.
Der  Einwendungen,  die  gegen  dieses  System  erhoben  werden  können,
gibt  es  ohne  Zweifel  viele,  doch  sind  diese  wohl  nicht  so  bedeutungsvoll
als  die  Einwendungen,  die  bereits  gegen  die  Annahme  der  Golddevisenwährung
geltend  gemacht  wurden  und  die  durch  den  Lauf  der  Ereignisse  eine  zufriedenstellende ­
  Lösung  ergaben.  Wenn  durch  ein  internationales  Abkommen
Österreich  verpflichtet  würde,  die  Krone  als  idealen  Pariwert  mit  Waren  in
Übereinstimmung  mit  einer  Indexnummer  aufrecht  zu  erhalten,  so  hat  es
tatsächlich  den  Anschein,  als  ob  darin  keine  größere  Gefahr  zu  erblicken
ist,  als  wenn  diesem  Lande,  wie  dies  gegenwärtig  der  Fall  ist,  das  Vertrauen
geschenkt  wird,  das  Wechselpari  mit  London  stabil  zu  unterhalten,  ebenso
wie  der  Regierung  in  Indien,  in  Mexiko,  in  den  Straits  Settlements,  in  Siam,
Panama  oder  in  den  Philippinen  gestattet  ist,  ihr  überwertetes  Silber  zum
Pariwerte  mit  Gold  aufrecht  zu  erhalten.  Die  Funktionen,  um  die  es  sich
hier  handelt,  sind  rein  mechanischer,  die  erforderlichen  Verrichtungen
spezifischer  Natur.  Vergehen  gegen  eine  strikte  Erfüllung  des  Gesetzes  oder
Vertrages  würden  augenblicklich  wahrgenommen  und  je  nach  der  internationalen ­
  Bedeutung  und  Tragweite  des  Verstoßes  der  Schuldige  zur  Verantwortung ­
  gezogen  und  bestraft  werden.  Der  Vorschlag  erheischt  und  gestattet ­
  keinerlei  von  dem  Gutdünken  irgendeines  Beamten  abhängiges  Herum  -
experimentieren  an  der  Währung.  Der  Beamte,  der  die  Regulierung  vornimmt,
tut  dies  lediglich  durch  Ein-und  Verkauf  von  Gold  zu  den  spezifischen  Preisen,
die  von  anderen  Personen  festgesetzt  wurden  und  hat  je  nach  dem  Gutdünken
des  Publikums  zu  kaufen  oder  zu  verkaufen.  Er  würde  keine  größere  Selbständigkeit ­
  haben  als  ein  Börsenmakler,  der  bestimmt  wird  zu  Preisen
einzukaufen  oder  zu  verkaufen,  die  von  seinen  Kunden  spezifiziert  wurden,
oder  als  sein  Prototyp,  der  derzeitige  Beamte  in  den  Philippinen,  der
das  Ein-  und  Verkaufen  von  Auslandswechseln  zu  besorgen  hat.  Die
Gefahr  eines  Mißbrauches  oder  einer  Unterschlagung  im  Statistischen
Bureau,  dessen  Arbeit  auf  veröffentlichte  Marktpreise  gegründet  ist  und
die  notwendigerweise  offen  verrichtet  werden  muß,  bedarf  wohl  keiner
Erörterung.
Die  Verwirklichung  des  Vorschlages  würde  nicht  nur  die  Möglichkeit
des  Mißbrauches  durch  einzelne  Beamte  beseitigen,  sondern  auch  gegen  die
Gefahr  einer  inflationistischen  Gesetzgebung  alle  Sicherheit  bieten.  Keine
einzige  Nation  könnte  durch  derartige  Maßnahmen  ihr  Geldquantuni  erhöhen, ­
  ohne  das  internationale  Abkommen  zu  verletzen  und  sich  demgemäß
zu  isolieren,  während  es  ganz  undenkbar  ist,  daß  alle  zivilisierten  Staaten
        <pb n="301" />
        284

XIII.  Kapitel.

der  Welt  willkürlich  und  gleichzeitig  die  Torheit  einer  inflationistischen
Gesetzgebung  begehen  könnten.
Bevor  aber  irgendwie  eine  Kontrolle  des  Preisniveaus  unternommen
werden  kann,  muß  das  Publikum  die  Notwendigkeit  einer  solchen  zu  würdigen
lernen.  Solange  man  sich  aber  sogar  in  den  Reihen  der  Geschäftsleute
selbst  nicht  einmal  voll  und  ganz  bewußt  ist,  daß  man  tagtäglich  mit  Veränderungen ­
  im  Werte  des  Geldes  spielt  und  sich  über  diese  Tatsache  in
glückseliger  Unwissenheit  befindet,  solange  wird  man  kein  Verlangen  zeigen,
diese  Veränderungen  zu  verhindern.  Und  doch  bildet  die  Geschäftswelt  die
Partei,  um  deren  Interessen  es  sich  in  erster  Linie  handelt,  und  der  erste
wichtige  Schritt  in  dem  Reformverfahren  muß  darin  bestehen,  den  Geschäftsleuten ­
  die  Wohltaten  einer  stabilen  Kaufkraft  begreiflich  zu  machen 1 ).
Solange  dies  nicht  geschehen  ist,  sind  irgendwelche  politischen  Vorschläge
als  verfrüht  zu  betrachten.

§6-Zu
  Beginn  dieses  Kapitels  haben  wir  die  Grundsätze,  die  die  Kaufkraft
des  Geldes  bestimmen  und  die  mit  ihnen  verbundenen  praktischen  Probleme
einer  Durchsicht  unterzogen.  Hierauf  wurden  die  möglichen  Methoden
erörtert,  durch  die  die  Übel  der  Veränderlichkeit  in  der  Kaufkraft  vermieden
werden  könnten.  Unter  diesen  Methoden  wurde  eine  erhöhte  spezifische
Kenntnis  der  Bedingungen  wie  auch  eine  allgemeine  Kenntnis  der  Prinzipien
als  eine  der  wichtigsten  und  ausführbarsten  Bedingungen  erachtet.  Sodann
wurden  die  Behauptungen,  daß  der  Bimetallismus  und  der  Polymetallismus
J )  In  einer  kürzlich  herausgegebenen  populären  Flugschrift  von  A.  C.  Lake,  betitelt ­
  Currency  Reform  the  Paramount  Issue,  Memphis  (28  N.  Front  St.),  Tenn.,  wird  der
Vorschlag  gemacht,  die  freie  Ausprägung  von  Gold  einzustellen.  Während  ich  dies  schreibe,
erhalte  ich  über  die  nun  auch  in  außerakademischen  Kreisen  Platz  greifende  Idee,  daß
das  Gold  eine  unbeständige  Währung  sei,  weiteres  Beweismaterial.  Das  rasche  Steigen
in  den  Lebenskosten  hat  die  Aufmerksamkeit  der  Zeitschriften  und  Tagespresse  natürlich
auf  diesen  Gegenstand  gelenkt.  Thomas  Alva  Edison  prophezeit  in  einer  kürzlich  stattgehabten ­
  Unterredung  einen  weiteren  Sturz  im  Wert  des  Goldes  durch  die  Entdeckung
billiger  Methoden,  aus  gewissen  Tonlagem  im  Süden  ungeheure  Goldmengen  herauszuziehen, ­
  —  eine  Entdeckung,  die  mit  Gewißheit  früher  oder  später  gemacht  werden  wird.
Er  macht  die  treffende  Bemerkung:  „Ist  es  nicht  absurd,  eine  Substanz  als  Wertregulator
zu  haben,  deren  eigentlicher  Zweck  ist,  Bilderrahmen  zu  vergolden  und  Zähne  zu  plombieren?“ ­
  Mr.  Carnegie  stipuliert  in  seiner  letzten  Schenkung  von  zehn  Millionen  Dollar
für  die  Carnegie  Institution  in  Washington,  daß  ein  gewisser  Teil  des  Einkommens  als
Tilgungsfond  gegen  die  „abnehmende  Kaufkraft  des  Geldes“  in  Reserve  gestellt  wird.
ies  ist  bedeutungsvoll  als  einer  der  ersten  Fälle,  daß  ein  Geschäftsmann  in  praktischer
Weise  die  Unbeständigkeit  des  Goldes  erkannt  hat.
        <pb n="302" />
        Das  Problem,  die  Kaufkraft  stabiler  zu  gestalten.

285

als  Mittel  zur  Aufrechterhaltung  eines  stabilen  Preisniveaus  dienen,  in  Erwägung ­
  gezogen.  Es  zeigte  sich,  daß  ein  System,  durch  das  zwei  oder  mehrere
Metalle  aufs  unbestimmte  zu  einem  übereingekommenen  Verhältnis  in  Zirkulation ­
  gehalten  werden,  keinerlei  Garantie  gewährt,  und  es  wurde
darauf  hingewiesen,  daß,  selbst  wenn  dies  der  Fall  wäre,  ein  eventueller
Vorteil  in  bezug  auf  die  Stabilität  der  Preise  wohl  nur  von  geringer  Bedeutung
sein  würde.  Der  letztere  Einwand  wurde  auch  gegen  den  Symmetallismus,
also  gegen  den  Vorschlag,  mehr  als  ein  Edelmetall  in  jeder  Währungsmünze
zu  vereinigen,  und  ebenso  auch  gegen  das  System  der  „verbundenen  Metallplatten“ ­
  erhoben,  usw.
Es  wurden  sodann  mehrere  Methoden  in  Erwägung  gezogen,  mittelst
deren  die  Regierung  die  Quantität  des  Geldes  im  Verhältnis  zum  Verkehrsbedürfnis
  derart  regulieren  könnte,  daß  das  Preisniveau  stabil  erhalten  wird.
Zu  diesem  Zwecke  wurde  die  Methode  aufgeführt,  uneinlösbares  Papiergeld
als  Währungsgeld  zu  ernennen  und  dessen  Quantität  zu  regulieren.  Eine
andere  Methode  ging  dahin,  den  Zufluß  des  Metallgeldes  durch  eine  variierende ­
  Münzgebühr  zu  regulieren.  Ein  noch  anderes  Verfahren  bestand  in
der  Ausgabe  von  Papiergeld,  das  auf  Verlangen  in  Gold  einzulösen  ist,  was
jedoch  nicht  in  dem  festgesetzten  Betrage  des  Grundedelmetalles,  sondern
in  einem  veränderlichen  Betrage  zu  geschehen  hätte,  dessen  Höhe  so  festgesetzt ­
  wird,  daß  das  Preisniveau  unverändert  bleibt.  Und  schließlich  wurde
der  Plan  des  Verfassers,  der  die  Golddevisenwährung  in  Verbindung  mit
einer  Tabellarwährung  vorschlägt,  in  reifliche  Erwägung  gezogen.
Es  wurde  die  Anregung  gegeben,  daß  der  erste  Schritt  in  dieser  notwendigen ­
  Reform  darin  bestehen  müsse,  das  Publikum  und  insbesondere
die  Geschäftswelt  zu  bewegen,  das  Problem  der  Wertbeständigkeit  des  Geldes
zu  studieren  und  sich  zu  überzeugen,  daß  gegenwärtig  Kontrakte  in  Geld
ebenso  wahrhaftige  Spekulationsgeschäfte  sind,  wie  Warentermingeschäfte,
und  daß  sie  in  der  Tat  nur  eine  Spielart  des  Terminhandels  bedeuten.
Ist  die  notwendige  Aufklärung  einmal  im  Gange,  dann  wird  es  an  der
Zeit  sein,  Vorschläge  zur  Regulierung  der  Kaufkraft  des  Geldes  im  Lichte
der  öffentlichen  und  wirtschaftlichen  Lage  derZeit  zu  erstatten.  Aber  alles
dies  ist  Sache  der  Zukunft.  Für  den  Augenblick  scheint  nichts  so  notwendig
zu  sein,  als  das  Problem  und  die  Grundzüge  seiner  Lösung  zu  formulieren  und
der  Hoffnung  Raum  zu  geben,  daß  das,  was  heute  eine  akademische  Frage
ist,  zu  gegebener  Zeit  zu  den  wichtigsten  Entscheidungen  drängen  möge 1 ).
*)  Eine  ausführlichere  Erklärung  des  vorstehend  beschriebenen  Vorschlages  der
»Wertstabilisierung  des  Dollars“  findet  der  Leser  auf  S.  416  ff.
        <pb n="303" />
        286

Anhang  zum  II.  Kapitel.

Anhang  zum  II.  Kapitel.
§  1  (zum  II.  Kapitel,  §  3).
Der  Begriff  eines  Mittelwertes.
In  der  Theorie  wie  in  der  Praxis  sind  Mittelwerte  von  so  großer  Bedeutung, ­
  daß  es  angezeigt  erscheint,  eine  kurze  Darlegung  ihrer  Grundbegriffe ­
  hier  einzuschalten,  um  so  mehr,  als  den  Lesern  volkswirtschaftlicher
Werke  so  wenig  über  diesen  Gegenstand  zu  Gebote  steht 1 ).
Es  gibt  zahlreiche  Arten  von  Mittelwerten.  Von  diesen  sind  besonders
die  arithmetischen,  geometrischen  und  harmonischen  Mittel  zu  nennen,  von
denen  es  wieder  viele  verschiedene  Varietäten  gibt.  Das  einfache  arithmetische
Mittel  einer  bestimmten  Reihe  von  Gliedern  wird  gefunden,  indem  man  die
Summe  der  Einzelwerte  durch  deren  Anzahl  dividiert.  Nehmen  wir  z.  B.
an,  daß  der  Durchschnitt  von  2  und  8  gefunden  werden  soll.  Er  beträgt
(2  8)  10
unzweifelhaft  —'  =  —  =  5.  Dieser  Mittelwert  wird  tatsächlich  am
a  a
häufigsten  verwendet.
Das  einfache  geometrische  Mittel  erhält  man,  wenn  man  alle  Glieder
miteinander  multipliziert  und  aus  dem  Produkt  diejenige  Wurzel  zieht,
die  der  Anzahl  der  Glieder  entspricht.  Der  geometrische  Durchschnitt  von
2  und  8  beträgt  demnach  /2  x  8  oder  4.
Das  einfache  harmonische  Mittel  einer  beliebigen  Anzahl  von  Gliedern
ist  der  reziproke  Wert  des  arithmetischen  Mittels  ihrer  reziproken  Werte.
1
Für  2  und  8  beträgt  es  demnach  \  oder  3£.
2
Das  gewogene  arithmetische  Mittel  ist  eine  Modifikation  des  einfachen
arithmetischen  Mittels.  Setzen  wir  den  Fall,  daß  die  mittlere  Höhe  von
zwei  Baumgruppen  gefunden  werden  soll,  von  denen  die  eine  Gruppe  aus
hohen  und  die  andere  aus  niedrigen  Bäumen  besteht.  Die  Höhe  der  einen
Gruppe  beträgt  8  und  die  der  anderen  2  Meter.  Das  einfache  arithmetische
Mittel  ist,  wie  wir  gesehen  haben,  5.  Dieses  Mittel  behandelt  aber  beide
Groppen  als  gleichbedeutend.  Wir  wollen  aber  annehmen,  daß  die  Zweimetergruppe ­
  aus  zwanzig  und  die  Achtmetergruppe  aus  zehn  Bäumen  ber

 )  Eine  eingehende  Erörterung  erfährt  dieser  Gegenstand  in  Dr.  Franz  Zizeks  „Die
statistischen  Mittelwerte“,  Leipzig  (Duncker  &amp;amp;  Humblot),  1908,  wo  weitere  Verweisungen
zu  finden  sind  (S.  2).
        <pb n="304" />
        Anhang  zum  II.  Kapitel.

287

steht,  und  daß  wir  einen  Durchschnitt  der  beiden  Höhen  zu  suchen  haben,
die  jedem  Baume  die  gleiche  Bedeutung  gibt.  Die  Gruppe  der  zwanzig
niedrigen  Bäume  erhält  hierbei  die  doppelte  Bedeutung  gegenüber  der  aus
den  zehn  hohen  Bäumen  bestehenden  Gruppe.  Wir  geben  jedem  Baume
die  gleiche  Bedeutung,  wenn  wir  das  einfache  arithmetische  Mittel  der
dreißig  Bäume  nehmen.  Dieses  einfache  Mittel  von  dreißig  Bäumen  ist  dann
der  gewogene  Durchschnitt  der  beiden  Baumgruppen.  Er  wird  gefunden,
wenn  die  sämtlichen  Höhen  addiert  (zwanzig  Höhen  von  zwei  Metern  und
zehn  Höhen  von  acht  Metern)  und  durch  die  Zahl  der  Bäume  (20  +  10)
20  x  2  4-10  x  8
dividiert  werden.  Das  heißt,  die  mittlere  Höhe  beträgt  20  +  10  =  ^
(als  Durchschnitt  der  beiden  Gruppen  betrachtet,  anstatt  desjenigen  der
dreißig  Bäume),  und  dies  ist  das  gewogene  arithmetische  Mittel  von  2  und  8;
darin  ist  die  2  zwanzigmal  und  die  8  zehnmal  gewogen.  Das  gewogene  Mittel
der  beiden  Gruppen  bedeutet  das  einfache  Mittel  der  dreißig  Bäume.  Mit
anderen  Worten:  wenn  wir  die  verschiedenen  Glieder,  deren  Durchschnitt
ermittelt  werden  soll,  „wiegen“,  so  wird  jedes  dieser  Glieder  nicht  mehr
einmal  gezählt,  sondern  so,  als  ob  das  eine  (sagen  wir)  zwanzig  und  das  andere
(sagen  wir)  zehn  bedeuten  würde,  wobei  die  Zahl,  die  angibt,  wie  oft  ein
Glied  gezählt  wird,  dessen  „Gewicht“  bildet.  Auf  dieselbe  Weise  können
wir  den  gewogenen  geometrischen  und  den  gewogenen  harmonischen  Durchschnitt ­
  bestimmen.  Wenn  wir  das  nämliche  Beispiel  der  Bäume  anwen-1

den,  so  finden  wir  die  Ergebnisse  S j/2 20  •  8 10  bzw.  3.175  und  ^0(-)■)  -(-10  (rj
30
oder  2f.
Das  gleiche  Ergebnis  würden  wir  erhalten  haben,  wenn  wir  (statt  20
und  10)  2  und  1  als  Gewichte  genommen  hätten.
Da  es  so  viele  verschiedene  Arten  von  Durchschnitten  gibt,  müssen
wir  uns  die  Frage  vorlegen:  Welche  Bedeutung  hat  ein  Durchschnitt  oder
Mittelwert  im  allgemeinen?  Die  Antwort  lautet:  Jeder  Durchschnitt  einer
Anzahl  von  Gliedern  muß  durch  eine  mathematische  Regel  erlangt  werden,
und  zwar  so,  daß  deren  Durchschnitt  auf  eine  Reihe  gleichbedeutender  Glieder
ungewandt,  mit  jedem  einzelnen  dieser  Glieder  gleichbedeutend  ist.  Eine
jede  Regel  ist  zur  Berechnung  von  Durchschnitten  zulässig,  die  diese  Bedingungen ­
  erfüllt  (nämlich  die  Bedingung,  daß  der  Durchschnitt  gleichbedeutender ­
  Glieder  mit  jedem  einzelnen  Gliede  gleichbedeutend  sein  muß).
Bekanntlich  ist  das  einfache  arithmetische  Mittel  A,  von  a,  b  und  c,
A  =  Daß  diese  Formel  der  geforderten  Probe  entspricht,  liegt
        <pb n="305" />
        288

Anhang  zum  II.  Kapitel.

auf  der  Hand.  Wenn  A  an  Stelle  jeder  der  drei  Größen  a,  b  und  c  in
.A+A+A

a  +  b  +  c

gesetzt  wird,  so  erhalten  wir :

ein  Ergebnis,  das,  wie  wir  sehen,

gleich  A  ist;  die  Probe  bestätigt  sich  also.
Wir  wollen  ferner  annehmen,  daß  G  das  geometrische  Mittel  von  a,
3
b  und  c  ist,  so  daß  G  =  ]/abc.  Diese  Formel  stimmt  mit  der  Begriffsbestimmung ­
  eines  Durchschnittes  ebenfalls  überein,  da  G  =  ] ! GGG.
Der  harmonische  Durchschnitt  (den  wir  H  nennen  wollen)  von  a,  b
1
und  c  ist  in  ähnlicher  Weise  H  =  -  +  \  +  Auch  dies  stimmt,  weil
a  b  c

H =g+s

1
H

Für  einen  gewogenen  arithmetischen  Durchschnitt  A  von  a,  b  und  c,

dessen  Gewichte  a,  ß,  y  sind,  haben  wir  die  Formel  A g  =
welche  mit  unserer  Probe  übereinstimmt,  da  unzweifelhaft
^  =  +  ßAg  +  yA g
ß  +  ß+  7

««+  ßb-\-  yc
~a~+ß+r  ’

Durch  die  Anwendung  dieser  allgemeinen  Regel  können  wir  nach  Belieben ­
  zahllose  Arten  von  Durchschnitten  ermitteln.  Nur  ist  es  notwendig,
eine  jede  Formel  zweimal  zu  schreiben,  einmal  unter  Benutzung  der  Glieder,
deren  Durchschnitte  gefunden  werden  sollen,  und  das  andere  Mal  statt
dessen  unter  Benutzung  des  gef  orderten  Durchschnittes,  worauf  die  Gleichung
der  beiden  Formeln  auf  gestellt  werden  kann.  Nehmen  wir  z.  B.  die  kom-{a
  +  a 2  +  Ka3) ( b+
plizierte  Formel  1  .  ..  Diese  kann  zur  Erlangung  einer
3 ,—
c+  |fbe
neuen  Art  von  Durchschnitten  (x)  von  a,  fcund  c  angewandt  werden,  einfach
(x+% 2  +  Ko?)  (x~\—
durchAusgleichung  derselben  mit  der  ähnlichen  Form  A  Az.
x  +  Vx 2
Daß  x,  wie  wir  durch  diese  Gleichung  gefunden  haben,  mit  unserer  Begriffs ­
        <pb n="306" />
        Anhang  zum  II.  Kapitel.

289

bestimmung  eines  Durchschnittes  übereinstimmt,  ist  klar  ersichtlich,  da
durch  die  Einsetzung  von  x  für  a,  b  und  c,  die  Richtigkeit  der  Gleichung
klar  vor  Augen  liegt,  was  uns  lehrt,  daß  x  der  vorgeschlagene  neue  Durchschnitt ­
  der  gleichbedeutenden  Glieder  x  ist.
Ein  besonderer  Fall  der  Begriffsbestimmung,  welcher  hervorgehoben
werden  muß,  ist  der,  in  welchem  zwei  oder  mehrere  Durchschnitte  (die  nicht
notwendigerweise  von  derselben  Art  sein  müssen)  zueinander  in  Beziehung
stehen.  Wenn  wir  wissen,  daß  B  ein  Mittelwert  von  6,,  b 2 ,  b 3 ,...  ist,  so  brauchen ­
  wir,  wenn  A  ein  Mittelwert  von  a x ,  a 2 ,  a 3 ,...  werden  soll,  nur  eine  derartige ­
  Formel  zu  haben,  daß,  wenn  a 1  =  a 2  =  a 3 ...  und  zugleich  b 1  =  b 2 =  b 3
(jede  der  Größen  muß  durch  Hypothese  B  gleich  sein),  auch  A  jeder  der
Größen  a 2 ,  a 2 ,  a 3  usw.  gleich  sein  muß.  Viele  ähnliche  Beispiele  von  Mittelwertpaaren ­
  wie  A  und  B  sind  in  Kapitel  X  gegeben  (über  die  Konstruktion
von  Indexziffern).  Ein  einfaches  Beispiel  ist  das  folgende:
Lassen  wir  nAB  =  a i b 1  +  aJb 2  -f-  aj) 3  +  •  •  •  und  B  das  arithmetische
Mittel  sein  =  +  62  +  &amp;amp;3  +  —  ( n  ist  die  Zahl  der  Glieder).  Dann  ist
n
A  eine  (neue)  Art  Mittelwert  von  a v  a 2 ,  a 3 ;  denn  durch  den  Ersatz  von
A  für  Uj,  a 2 ,  a 3 ,...  und  B  für  b u  b 2 ,  l 3  in  der  Gleichung  nAB  =  •
ist  die  Gleichung  befriedigt.
§  2  (zum  II.  Kapitel,  §  5).
Der  Begriff  „Umlaufsgeschwindigkeit“.
Die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  ist  als  das  Verhältnis  des  aufgewendeten
  Geldes  zu  dem  durchschnittlich  verfügbaren  Gelde,  d.  h.  als  die
Umsatzrate,  definiert  worden.  Eine  Umsatzrate  unterscheidet  sich  von
der  populären  Vorstellung  von  „Geschwindigkeit“.  Volkstümlich  versteht
man  unter  Geschwindigkeit,  wievielmal  Geld  durchschnittlich  aus  der
Hand  der  einen  Person  in  die  einer  anderen  übergeht,  wogegen  wir  in
Geschwindigkeit  die  Durchschnittszahl  der  Münzen  erblicken,  die  durch
eines  Mannes  Hand  gehen,  dividiert  durch  den  in  seinem  Besitze  befindlichen ­
  Durchschnittsbetrag.  Der  Unterschied  zwischen  diesen  beiden
Begriffen  ist  dem  zweier  Methoden,  die  Geschwindigkeit  eines  Eisenbahnzuges ­
  zu  ermitteln,  sehr  ähnlich.  Die  eine  Methode  ist,  dem  Zuge
eine  gewisse  Anzahl  von  Meilen  zu  folgen  und  festzustellen,  wieviel
Zeit  er  braucht,  um  diese  Meilen  zurückzulegen.  Die  andere  Methode
besteht  darin,  von  einem  gewissen  Punkte  neben  dem  Geleise  aus  die  Zeit
bisher,  Kaufkraft  des  Geldes.  19
        <pb n="307" />
        290

Anhang  zum  II.  Kapitel.

festzustellen,  die  ein  Zug  von  gegebener  Länge  zum  Vorbeifahren  an  dieser
Stelle  benötigt.  Das  Folgen  des  Zuges  von  Ort  zu  Ort  entspricht  dem  Folgen
einer  Münze  von  Person  zu  Person,  während  das  Beobachten  der  Vorbeifahrt
des  Zuges  an  einem  Punkte  mit  dem  Beobachten  der  Umsatzrate  des  Geldbeutels ­
  einer  Person  vergüchen  werden  kann.  Wir  können  diese  zwei  Methoden
als  die  „Münzenübertragungsmethode“  und  die  „Personenumsatzmethode“
unterscheiden.  Beide  Methoden  ergeben,  wenn  richtig  angewandt,  dasselbe
Resultat.  Bei  der  Münzenübertragungsmethode  wird  jedoch  gewöhnlich  ein
wichtiger  Unterschied  übersehen,  nämlich  der  Unterschied  zwischen  dem
Brutto-  und  Nettoumlauf  des  Geldes.  Was  wir  haben  wollen,  ist  die  Rate,  zu
der  Geld  für  den  Einkauf  von  Gütern  verwendet  wird  und  nicht  die  „Umwechslung ­
  in  kleinere  Münzsorten“.  Das  Ergebnis  ist  der  Unterschied  zwischen
der  Anzahl  der  Male,  die  jedes  Geldstück  seinen  Besitzer  gegen  Güter,
und  der  Anzahl  der  Male,  die  es  seinen  Besitzer  mit  Gütern  wechselt.
Wenn  eine  Zehndollarnote  für  den  Einkauf  von  Waren  umgesetzt  und
$  2  „herausgegeben“  werden,  so  kann  das  wirkliche,  für  Güter  ausgegebene
Geld  weder  mit  $  12,  der  Bruttogeldübertragung,  noch  mit  $  10,  dem
gegen  Güter  umgesetzten  Bruttobeträge,  gemessen  werden,  sondern  nur
mit  $  8,  dem  für  Güter  gezahlten  Nettobeträge.  Wollen  wir  bei  der
Münzenübertragungsmethode  die  durchschnittliche  Umlaufsgeschwindigkeit
zweier  Geldstücke  ermitteln,  sagen  wir  von  einem  Dollar  und  einem  Zehncentstücke, ­
  so  müssen  wir  nicht  nur  die  VeWoumsatzrate  jeder  Münze  finden,
sondern  auch  die  Verschiedenheit  der  Kaufkraft  der  beiden  Münzen  erwägen.
Nehmen  wir  an,  daß  der  Dollar  während  eines  Jahres  115  mal  gegen  Güter
und  15  mal  mit  Gütern  ausgegeben  wird,  so  daß  seine  Nettoumlaufsgeschwindigkeit ­
  115  —15  oder  100  ist.  Wenn  wir  nun  die  Geschwindigkeit  des  Zehncentstückes ­
  mit  290  —  90  oder  200  annehmen,  so  muß  bei  der  Durchschnittsgeschwindigkeit
  der  beiden  Münzen  ihr  verschieden  hoher  Wert  irgendwie
berücksichtigt  werden.  Ein  Dollar  ist  das  Äquivalent  von  zehn  Zehncentstücken. ­
  Um  den  tatsächlichen  Durchschnitt,  das  heißt  den  Durchschnitt
des  von  beiden  geleisteten  Dienstes  zu  erhalten,  ist  also  seine  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  zehnfach  zu  „wiegen“.  Die  Nettozirkulationsrate  von
100  für  den  Dollar  ist  gleichwertig  der  Nettoumlaufsgeschwindigkeit
von  100  für  jedes  einzelne  der  zehn  Zehncentstücke.  Daraus  folgt,
daß  die  Durchschnittsgeschwindigkeit  der  beiden  Münzen  ^  ^
ist,  ein  Ergebnis,  das  der  Geschwindigkeit  des  Dollars  viel  näher  kommt
als  der  des  Zehncentstückes.  Werden  diese  beiden  Sicherheitsmaßregeln
gegen  Irrtümer  bei  der  Münzenübertragungsmethode  angewandt,  so  ist
        <pb n="308" />
        Anhang  zum  II.  Kapitel.  291

leicht  zu  ersehen,  daß  diese  dasselbe  Resultat  ergibt,  wie  die  Personenumsatzmethode ­
  1 ).
Es  gibt  jedoch  noch  eine  Größe,  die  im  Zusammenhang  mit  der  Geschwindigkeit ­
  des  Geldumlaufes  zu  berücksichtigen  ist.  Sie  kann  die  Durchschnittsumsatzzeit ­
  genannt  werden,  d.  h.  der  Durchschnittsbetrag  der  Zeit,
die  gebraucht  wird,  um  alles  gegebene  Geld  einmal  umzusetzen.  Dies  ist
der  „reziproke  Wert“  der  Geschwindigkeit.  Wenn  Geld  zwanzigmal  im  Jahre
von  Hand  zu  Hand  geht,  so  ist  es  durchschnittlich  einmal  in  eines  Jahres
oder  einmal  in  etwas  über  18  Tagen  umgesetzt  worden.  Dies  ist  seine  Durchschnittsumsatzzeit. ­
  Wenn  die  Durchschnittsumlaufsgeschwindigkeit  oder
Umsatzrate  vierzigmal  im  Jahre  erfolgt,  dann  ist  die  Durchschnittsumsatz  -
zeit  ^  eines  Jahres  oder  ungefähr  neun  Tage.  Oder  wir  wollen  anstatt
alles  gegebene  Geld  direkt  in  Erwägung  zu  ziehen,  nur  einen  Teil  davon
betrachten.  Wenn  ein  Mann  im  Durchschnitt  jeden  Tag  $  10  in  seiner
Tasche  hat  und  täglich  durchschnittlich  $  1  ausgibt,  so  setzt  er  offenbar
jeden  Tag  T V  seines  Geldes  um.  Da  jeden  Tag  T V  seines  durchschnittlichen
Bestandes  umgesetzt  wird,  so  vollzieht  sich  der  Umsatz  seines  gesamten
Bestandes  36V 2  mal  im  Jahre  oder  einmal  in  10  Tagen;  die  Umsatzzeit
beträgt  somit  10  Tage.  Wenn  nun  dieser  Mann  eine  Brieftasche  mit  einem
Stoße  von  10  Eindollarnoten  besäße  und  jeden  Tag,  sobald  er  die  oberste
für  seine  Ausgaben  herausgenommen  hätte,  eine  andere  zu  unterst  hinzufügte,
  so  würde  offenbar  eine  jede  dieser  Noten  gerade  zehn  Tage  in  seinen
Händen  verbleiben,  bis  sie  in  diesem  Stoße  die  Wanderung  von  unten  bis
oben  gemacht  hätte.
§  3  (zum  II.  Kapitel,  §  5).
Anordnung  der  p,  Q  und  pQ.
Nehmen  wir  an,  daß  das  Jahr  in  eine  unbestimmte  Anzahl  von  Zeitperioden ­
  oder  Zeitpunkten  eingeteilt  ist  und  daß  die  Preise  und  Quantitäten,
die  sich  auf  jene  aufeinander  folgenden  Perioden  beziehen,  durch  die  Bezeichnungen ­
  1,  2,  3  usw.  auf  der  linken  Seite  der  Buchstaben  p  und  q  unterschieden ­
  sind,  ferner  daß  wir  mit  einem  Gemeinwesen  von  unbestimmter
Bersonenzahl  in  Verkehr  stehen,  das  durch  Bezeichnungen  auf  der  rechten
Seite  der  Buchstaben  unterschieden  ist.  Die  Quantität  einer  besonderen
Gattung  von  Gütern,  eingekauft  von  Person  Nr.  1  an  Zeitpunkt  Nr.  3,
wird  demnach  mit  3 q t  und  der  Verkaufspreis  mit  3 p 1  dargestellt.  Das  ganze

l )  Mathematische  Darlegung  siehe  §  5  dieses  Anhanges.

19*
        <pb n="309" />
        292

Anhang  zum  II.  Kapitel.

System  der  Quantitäten  und  Preise  ist  durch  die  beiden  folgenden  Anordnungen ­
  dargestellt:

Personen

Perioden

Total

Personen

Perioden

Durchschnitt ­


1

2  .

3...

1

2

3...

1

1S1

t&amp;amp;i

z&amp;lt;h

Ci

1

1P1

zPl

2P1

Pi

2

1#2

2#2

3#2

G.

2

1P2

zPz

sPa

Pi

3

2^3

3  2s

Qz

3

xPs

*Pz

zPz

Pi

Total

1Q

2  Q

3§

Q

Durchschn.

1P

2  P

3p--.

p

Wir  haben  soeben  die  Bedeutung  der  Buchstaben  in  den  Innenspalten
dieser  Anordnungen  erklärt.  Die  Buchstaben  in  den  Außenspalten  bedeuten: ­
  Q x  die  von  Person  1  gekaufte  Gesamtquantität,  d.  h.  die  Summe
(i?i  +  2?i  +  3?i  H—)  aller  von  ihr  in  den  verschiedenen  Zeitperioden
gekauften  Quantitäten.  Die  gleiche  Definition  gilt  für  Q 2 ,  Q 3  usw.  X Q  ist
die  an  Zeitpunkt  1  gekaufte  Gesamtquantität,  d.  h.  die  Summe  -]-x
 q 2  +  i?3  H—)  aller  an  diesem  Zeitpunkte  von  den  verschiedenen  Personen
eingekauften  Quantitäten.  Die  gleiche  Definition  gilt  auch  für  Z Q,  S Q,  ■  ■  ■
Endlich  ist  Q  (wie  im  Texte)  die  Gesamtsumme  der  von  allen  Personen
zu  allen  Zeitperioden  gekauften  Quantitäten.  Offensichtlich  ist
Q  =  1Q  +  2Q  +  3Q  +  •  •  *
=  Ql  +  Q2  +  $3  +  '  '  ‘
=  1?1  +  a 2i  +  usw.  +  i?a  +  2+  usw.  p  usw.
Die  gleiche  Definition  gilt  auch  für  die  in  den  Außenspalten  der  p-Anordnung
  befindlichen  Buchstaben,  doch  sind  hier  die  Beziehungen  zu
den  Buchstaben  in  den  Innenspalten  der  Anordnung  Durchschnitte  anstatt
Summen.  Wir  können  die  Form  dieser  Durchschnitte  am  besten  von  einer
dritten  oder  Zwischenanordnung  für  pQ  ableiten,  die  die  Geldwerte  der
Einkäufe  anzeigt.
Diese  letztgenannte  Anordnung  ist:

Personen

Perioden

Total

1

2

3

1

1P1  i2i

aPi  i&amp;lt;h

zPl  säl

p  1  Qi

2

lPi  X?2

iPt  2&amp;lt;li

3^2  3#2

P2  Q/Z

3

1  Pz  1?3

2P2  2Q3

2P2  3#3

Pz  Q*

Total

1p  1Q

2  P  2  Q

3  p  zQ

p  Q
        <pb n="310" />
        Anhang  zum  II.  Kapitel.

293

Offenbar  müssen  in  dieser  Anordnung  dieselben  Beziehungen  gelten,
wie  in  der  Q-Anordnung.  Das  heißt,  pQ,  die  ganze  für  eine  gegebene  Ware
von  allen  Personen  in  dem  Gemeinwesen  während  aller  Perioden  des  Jahres
verausgabte  Summe,  muß  gleich  sein  1.  der  Summe  der  darüber  befindlichen ­
  Kolonne,  2.  der  Summe  der  Reihe  zu  ihrer  Linken  und  3.  der  Summe
der  Glieder  in  den  Innenspalten  der  Anordnung.  Mit  anderen  Worten:
sie  muß  gleich  sein  1.  der  Summe  der  von  den  vielen  verschiedenen  Personen ­
  ausgegebenen  Gesamtjahresbeträge,  2.  der  Summe  der  in  dem  Gemeinwesen ­
  zu  den  verschiedenen  Perioden  des  Jahres  ausgegebenen  Gesamtbeträge ­
  und  3.  der  Summe  der  Einkäufe  aller  Personen  in  allen  Zeitperioden. ­

Die  Beschaffenheit  der  p-Anordnung  ist  nun  durch  die  Q-  und  die  pQ-Anordnung
  bestimmt.  Sie  muß  nämlich  derart  sein,  daß  sie  die  soeben
beschriebene  Summierung  für  die  pQ-Anordnung  gestattet.  Das  heißt,
jeder  der  Durchschnittspreise  (wie  z.  B.  p x )  muß  mit  dem  Inhalt  folgender
Formel  übereinstimmen:
Pi  Qi  —  iPi  1Q1  +  2P12&amp;lt;h  J  1
das  heißt
iPl  lQl  +  iPi  2?1  |
Pl ~  Qi
=  lPl  lffl  +  iPl  2&amp;lt;?1  H  ~.
i2i  +  2Üi  H
Daher  ist  p  ein  gewogener  Durchschnitt  von  x p t ,  2 Pi  usw.,  wobei  die  Gewichte ­
  x q u  2 q t  usw.  sind.  Das  heißt,  der  von  Person  Nr.  1  gezahlte  Durchschnittspreis ­
  ist  das  gewogene  arithmetische  Mittel  der  von  ihr  zu  den  verschiedenen ­
  Zeitpunkten  des  Jahres  gezahlten  Preise,  wobei  die  gekauften
Quantitäten  die  Gewichte  darstellen.  Der  gleiche  Grundsatz  bewährt  sich
auch  für  alle  anderen  Personen.
In  ähnlicher  Weise  kann  der  Durchschnittspreis,  x p,  wie  folgt  angezeigt
werden:
lPl  lffl  +  1P2  1&amp;lt;?2  +  •  •  •
lP  1Q  (=  i2i  +  i2a  +  •  •')
Fas  heißt:  der  Durchschnittspreis  in  der  Periode  Nr.  1  ist  das  gewogene
arithmetische  Mittel  aller  von  verschiedenen  Personen  an  Zeitpunkt  Nr.  1
bezahlten  Preise;  die  Gewichte  sind  die  von  jeder  Person  gekauften  Quantitäten. ­
  Die  gleichen  Grundsätze  bestehen  auch  für  alle  anderen  Zeitpunkte.
Endlich  ist  der  Durchschnittspreis  p  in  der  unteren  rechten  Ecke  der
^-Anordnung  entweder  p  =  Q~  jJ^'  jÄ.T7)  (^ as  heißt,  p  ist  ein  ge ­
        <pb n="311" />
        294

Anhang  zum  II.  Kapitel.

wogenes  arithmetisches  Mittel  von  p u  p 2  usw.,  dessen  Gewichte  Q u  Q 2  usw.
sind),  oder  (indem  wir  die  Reihe  anstatt  der  Kolonne  benützen)  p  ist  das
gleiche  gewogene  arithmetische  Mittel  von  pp,  2 p  usw.  und  die  Gewichte  dabei
iQ,  2 Q  usw.;  oder  es  kann  schließlich  jeder  dieser  beiden  Ausdrücke  für  p,
verbunden  mit  dem  vorhergehenden  Ausdrucke  für  p x ,  p 2  usw.  oder  mit
dem  für  pp,  2 p  usw.  dazu  benützt  werden,  um  zu  beweisen,  daß  p  ein  gewogenes ­
  arithmetisches  Mittel  aller  p  innerhalb  der  Anordnung  ist,  dessen
Gewichte  die  entsprechenden  q  sind.  Kurz,  der  Preis  jeder  Ware  für  das
Jahr  ist  sein  Durchschnitt  zu  allen  Zeiten  und  für  alle  Einkäufe  im  Jahre,
den  eingekauften  Quantitäten  gemäß  gewogen.
Dieser  Grundsatz  umfaßt  die  Methode  zur  Erlangung  von  Durchschnittspreisen ­
  an  verschiedenen  Plätzen.  So  ist  der  Durchschnittspreis
des  Zuckers  in  den  Vereinigten  Staaten  für  das  Jahr  1909  das  gewogene
arithmetische  Mittel  aller  Verkaufspreise  aller  Personen  in  den  Vereinigten
Staaten  und  zu  allen  Zeitpunkten  während  des  Jahres;  die  gekauften  Quantitäten ­
  sind  die  Gewichte.  Wenn  daher  große  örtliche  oder  zeitliche  Veränderungen ­
  im  Preise  eintreten,  ist  es  von  Bedeutung,  das  Hauptgewicht
auf  die  größten  Einkäufe  zu  legen.
Was  bezüglich  der  Q-  und  p-Anordnungen  gesagt  worden  ist,  bezieht
sich  nur  auf  eine  Ware.  Doch  gelten  dieselben  Grundsätze  für  jede  Ware,
für  die  sich  getrennte  Anordnungen  sowohl  in  Übereinstimmung  mit  jeder
Totalquantität  Q,  Q',  Q"  usw.  als  auch  mit  jedem  Durchschnittspreis  p,
p',  p"  usw.  aufstellen  lassen.

§  4  (zum  II.  Kapitel,  §  5).
Anordnung  der  a,  g  und  77.
Im  vorhergehenden  Abschnitt  haben  wir  gesehen,  daß  eine  „Anordnung“
der  p,  pQ  und  Q  für  jede  Ware  besteht.  Dies  gilt  für  die  rechte  Seite  der
Verkehrsgleichung.  Ähnliche  Anordnungen  bestehen  für  die  linke  Seite.
Wenn  wir,  wie  zuvor,  ein  Gemeinwesen  mit  einer  beliebigen  Anzahl
von  Personen,  durch  Bezeichnungen  rechts  unterschieden,  annehmen,  und
das  Jahr  in  Zeitpunkte  durch  Bezeichnungen  links  unterschieden  einteilen,
so  können  wir  den  Betrag  des  am  ersten  Zeitpunkte  durch  die  erste  Person
ausgegebenen  Geldes  mit  x a x ,  den  Durchschnittsbetrag  des  Geldes,  den  diese
Person  an  diesem  Zeitpunkte  in  Händen  hat,  mit  X &amp;lt;7 X  und  die  Umlaufsgeschwindigkeit
  an  diesem  Zeitpunkte  (zum  Jahressatze  berechnet)  mit
üÄ  bezeichnen.  Die  Ausgabe  an  dem  Zeitpunkte  ist  x  cq,  und  dessen  Rate
        <pb n="312" />
        Anhang  zum  II.  Kapitel.

295

per  Jahr  ist  jWj  bei  einer  Anzahl  von  n  Zeitpunkten  im  Jahre,  so  daß
also  die  Umlaufsgeschwindigkeit  oder  die  Umsatzrate  1 U 1  per  Jahr  n  —
i9i
beträgt.  Auf  ähnliche  Weise  kann  man  die  ausgegebenen  und  vorrätig ­
  gehaltenen  Beträge  und  die  Umlaufsgeschwindigkeit  für  jedes
Mitglied  des  Gemeinwesens  während  jedem  Zeitpunkt  im  Jahre  ausdriicken,
  wie  aus  den  folgenden  drei  Anordnungen  (in  den  Innenspalten)
ersichtlich  ist.
In  der  ersten  Tabelle  finden  wir  auf  der  ersten  Linie  rechts  A lt  die
von  der  ersten  Person  ausgegebene  Summe,  d.  h.  die  Summe  von  2 a x ,
3 a x ..  .  auf  der  ersten  Linie,  die  die  von  dieser  Person  an  aufeinanderfolgenden
Zeitpunkten  während  des  Jahres  ausgegebenen  Beträge  darstellt.  Ebenso
ist  Ä 2  die  von  der  zweiten  und  A 3  die  von  der  dritten  Person  während  des
Jahres  ausgegebene  Summe.  X A  am  Fuße  der  ersten  Kolonne  ist  der  von
allen  Personen  am  ersten  Zeitpunkte  ausgegebene  Betrag,  d.  h.  es  ist  die
Summe  aller  Beträge  in  der  darüber  befindlichen  Kolonne;  ebenso  ist  2 A  der

Aufgewendeter  Betrag  Geldvorrat

Personen

Perioden

Total

Personen

Perioden

Durchschnitt ­


1

2

3.^

1

2

3...

1

1#1

2^1

3^1  *  *  •

Ai

1

201

301  •  •  ’

0i

2

1&amp;amp;2

2#2

3#2  •  •  •

An

2

i0«

202

302  •  •  •

02

3

1*3

2 a 3

3^3  *  •  •

A$

3

103

203

303  •  •  •

03

Total

i  A

4  1  A
2 al  ...

A

Total

i  G

2 £t

*G...

G

Umlaufsgeschwindigkeit

Personen

Perioden

Durchschnitt

1

2

3

1

„  1*1  TT
n  —  =  it/i
i0i

u t
201

3^1
n  —  =
301

2  Ut

—  =  Di
0i

2

„„  1*2  TJ
n  —  —  i  2
102

„  2^2  7-7
n  —  2  4^2
202

n^ 2  =
802

A-2  ~T  T
—  u 2
02

3

1^3  TT
n  —  =■  iC/ 3
103

^  2^3  7-7
n  -  —  2^3
203

n^  =
303

3U3

Ä 3
~=ü 3
03  3

Durchschn.

l-A  ~r~r
n &amp;amp;~ lü

2-A  T7
2' t

zA
\g

,u

4=u
        <pb n="313" />
        von  allen  Personen  am  zweiten  Zeitpunkte  ausgegebene  Betrag,  Z A  der
am  dritten  Zeitpunkte  ausgegebene,  usw.  Endlich  ist  A  in  der  unteren
rechten  Ecke,  wie  schon  im  Texte  angewandt,  die  von  allen  Personen  zu
allen  Zeitpunkten  des  Jahres  ausgegebene  Gesamtsumme.  Offensichtlich
kann  A  durch  Addition  der  Reihe  zu  seiner  Linken  oder  durch  Addition
der  darüber  befindlichen  Kolonne  erhalten  werden.  Es  ist  auch  die  Summe
aller  Elemente  in  den  Innenspalten,  d.  h.  A  —  ^iA  =  2Ai  =  Jqcq.
G  in  der  unteren  rechten  Ecke  der  zweiten  Tabelle  ist  die  Summe  der
von  den  verschiedenen  Mitgliedern  des  Gemeinwesens  während  eines  Jahres
zur  Verfügung  gehaltenen  Durchschnittsbeträge,  d.  h.  es  ist  die  Summe
der  Elemente  in  der  darüber  befindlichen  Kolonne,  g v  g 2 ,  g 3  usw.,  von  denen
jedes  durch  Hypothese  ein  einfacher  Durchschnitt  der  Reihe  zu  seiner
Linken  ist.
Oder  aber,  G  ist  ein  einfacher  Durchschnitt  der  Reihe  zu  seiner  Linken,
jCr,  2 tr,  oß  usw.,  die  Durchschnittsbeträge  des  Geldes  in  dem  Gemeinwesen
an  den  aufeinanderfolgenden  Zeitpunkten  des  Jahres;  jeder  dieser  Durchschnitte ­
  ist  wieder  die  Summe  der  darüber  befindlichen  Kolonne,  d.  h.

G  =  zg  1  =

2\G

Daher  ist  G  sowohl  die  Summe  der  Durchschnitte  als

auch  der  Durchschnitt  der  Summen.  Daß  beide  Zahlen  einander  gleich
sind,  ergibt  sich,  wenn  beide  in  Gliedern  der  Elementarquantitäten  x g t
vermittelst  der  Gleichung
l9l  +  201  +  301  +

9i

usw.

und  die  Gleichung  ß  =  1 g 1  +  i?2  +  lfo  +  •  •  •  ausgedrückt  werden.  Es  ist
natürlich  leicht,  auch  G  direkt  in  Gliedern  von  x g t  usw.  in  den  Innenspalten
  auszudrücken.  So  ausgedrückt  ist  es
Die  dritte  Tabelle  (die  der  Geschwindigkeiten)  ist  von  den  ersten
beiden  abgeleitet.  Wie  soeben  erklärt,  ist  1 Z7 1  die  Umlaufsgeschwindigkeit
(als  Jahressatz  betrachtet)  für  die  erste  Person  in  dem  Gemeinwesen
zum  ersten  Zeitpunkte.
Es  sind  nun  noch  die  Verhältnisse  der  Elemente  in  der  [/-Tabelle  darzulegen. ­

A
G
Ai  -f-  A 2  -}-•  ••

Offensichtlich  ist  [7  =

(1)

9i  +  g%  +  •  •  •
■  9iGiA~  g. 2  U 2  -f-9l
  +  02  +  •  •  •
        <pb n="314" />
        Anhang  zum  II.  Kapitel.

297

Formel  (1)  zeigt,  daß  ü  ein  gewogener  Durchschnitt  der  jährlichen
Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  der  verschiedenen  Personen  ist,  daß  die
Geschwindigkeit  des  Geldes  jeder  Person  für  das  ganze  Jahr  gemessen  und
ihrem  durchschnittlichen  vorrätigen  Geldbetrag  gemäß  gewogen  ist.
Einer  ähnlichen,  doch  etwas  verschiedenen  Anordnung  folgend,  haben  wir

_  \A  +  jA  4-  •  •  •
1G  +  +  —  •

n

iG  +2G

iCr  -|-  2 G  -j-  •  •  •

jO  +  2 G  +  •  •  •
iß-jj  +  2 G 2 U  +
,(r  +  oG  +  •  •  •

(2)

Formel  (2)  zeigt,  daß  U  ebenfalls  der  gewogene  Durchschnitt  der  Jahresgeschwindigkeit ­
  der  aufeinanderfolgenden  Zeitpunkte  ist,  in  die  das  Jahr
eingeteilt  wird;  die  Geschwindigkeit  jedes  Zeitpunktes  gilt  für  das  ganze
Gemeinwesen  und  wird  ihrem  in  Umlauf  befindlichen  Durchschnittsbetrag
des  Geldes  gemäß  gewogen.
Formel  (1)  zeigt  also  U  in  Gliedern  der  darüber  befindlichen  Kolonne,
während  Formel  (2)  ü  in  Gliedern  der  Reihe  zu  seiner  Linken  darstellt.
Um  die  Größen  l U,  2 U,  3 U  usw.  in  Gliedern  der  darüber  befindlichen  Kolonne
auszudrücken,  kann  eine  ähnliche  Formel  wie  (1)  konstruiert  werden,  während
eine  ähnliche  Formel  wie  (2)  konstruiert  werden  kann,  um  eine  jede  der
Größen  ü x ,  U 2 ,  U 3  usw.  in  Gliedern  der  Reihe  zu  ihrer  Linken  auszudrücken.
Das  heißt,  die  Geschwindigkeit  in  dem  ganzen  Gemeinwesen  zu  irgendeinem ­
  Zeitpunkte  ist  eine  spezifische  Form  des  Durchschnitts  der  Geschwindigkeit ­
  des  Geldes  der  verschiedenen  Personen  an  diesem  Zeitpunkte,
und  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  von  irgendeiner  Person  für  das
ganze  Jahr  ist  eine  spezifische  Form  des  Durchschnittes  der  Geschwindigkeiten ­
  zu  verschiedenen  Zeitpunkten  für  diese  Person.
        <pb n="315" />
        298

Anhang  zum  II.  Kapitel.

Endlich  kann  U  nicht  nur  als  Durchschnitt  seiner  Kolonne  und  Reihe,
wie  es  bei  den  Formeln  (1)  und  (2)  der  Fall  ist,  sondern  auch  als  Durchschnitt
der  Größen  in  den  Innenspalten  der  Tabelle,  ausgedrückt  werden.  Dieses
letzte  Resultat  kann  auf  verschiedene  Art  erlangt  werden;  das  direkteste
Verfahren  ist  kurz  wie  folgt:  Wir  wissen,  daß  A  die  Summe  der  Innenspalten
der  ersten  oder  A  -  Tabelle  ist,  das  heißt,  A  =  -SiCfi  und  daß  0  gleich
ist  —  2 1 q,.  Daher  haben  wir

_  Ai  ffi  -JJi
~  2i9i
Das  heißt,  U  ist  das  gewogene  arithmetische  Mittel  der  den  verschiedenen
Personen  zu  verschiedenen  Zeitpunkten  zukommenden  Jahresgeschwindigkeit,
  wobei  jede  Geschwindigkeit  durch  den  an  diesem  Zeitpunkte  vorrätigen ­
  Geldbetrag  gewogen  wurde.  Der  Mathematiker  wird  bemerken,
daß  eine  alternative  Behandlung  das  Resultat  im  Ausdruck  eines  harmonischen ­
  Durchschnittes  ableitet.

§  5  (zum  II.  Kapitel,  §  5).
Der  Münzenübertragungsbegriff  der  Geschwindigkeit  und  der
Begriff  Umsatzzeit.
Wir  wenden  uns  nun  dem  Münzenübertragungsbegriff  der  Umlauf  sgesehwindigkeit
  zu.  Um  zu  zeigen,  was  für  eine  Art  des  Durchschnitts  der
Umlaufsgeschwindigkeit  individueller  Münzen  oder  besser  individueller  Geldstücke ­
  U  im  allgemeinen  ist,  wollen  wir  die  Werte  der  einzelnen,  im  Gemeinwesen ­
  im  Umlauf  befindlichen  Geldstücke  mit  den  Buchstaben  a,  h,
c,  d  usw.,  und  deren  Veföoumlaufsgeschwindigkeit  (die  Zahl,  wieviel  mal
sie  gegen  Güter,  vermindert  um  die  Zahl,  wieviel  mal  sie  mit  Gütern  oder
m  „kleinere  Münzsorten“  ausgetauscht  wurden)  mit  h,  i,  j,  k  usw.  bezeichnen.
Den  ausgegebenen  Gesamtbetrag,  A,  bezeichnen  wir  dann  mit  ha  +  ib  -f-
        <pb n="316" />
        Anhang  zum  II.  Kapitel.

299

je  +  M-\  ,  und  den  Geldbetrag  in  dem  Gemeinwesen,  G,  mit  a  +  l  +
c  d.  Wir  haben  also
A  ha-\-  ib  +  je  +  kd  •  •  •
A
Das  heißt,  ist  ein  gewogener  Durchschnitt  der  Nettoumlaufsgeschwindigkeit ­
  der  verschiedenen  Geldstücke,  wobei  die  Geschwindigkeit  jedes  Geld-A

Stückes  seinem  Wert  gemäß  gewogen  ist.  Aber  ist  auch  U,  das,  wie  wir
bereits  gesehen  haben,  die  Umlaufsgeschwindigkeit  im  Sinne  des  „Personen-Umsatzes“
  darstellt.
Es  ist  also  klar,  daß  die  Münzenübertragungsmethode  der  Durchschnittsberechnung ­
  dasselbe  ergibt,  wie  die  Personenumsatzmethode,  wenn
alle  Geldstücke  in  dem  Gemeinwesen  inbegriffen  sind.
Wir  kommen  nun  zu  dem  Begriff  „Umsatzzeit“.  Wenn  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  mit  U  dargestellt  wird,  so  stellt  -jj  die  Umsatzzeit
dar.  Ähnlich  sind  die  reziproken  Werte  von  } IJ,  JO,  ...,  U t ,  U 2 ,  ...,  1 U 1 ,
iU 2 ,  ...,  2 Ui,  ...,  entsprechende  Umsatzzeiten.  Wenn  wir  W  für  den  reziproken ­
  Wert  von  U  benützen  und  die  geeigneten  Bezeichnungen  anwenden,
so  können  wir  analog  der  vorhergehenden  Anordnung  der  V  auch  eine  solche
für  die  W  aufstellen  und  beweisen,  daß  W  ein  Durchschnitt  von  W x ,  W 2 ,
oder  von  X W,  2 IF,  •  ■  •  oder  von  X W X ,  X W 2 ,  ...,  2 W X ,  ...  ist.
Alle  diese  Durchschnitte  sind  jedoch  harmonische  Durchschnitte.  Um
dies  zu  verstehen,  brauchen  wir  uns  nur  ins  Gedächtnis  zurückzurufen,
daß  U  bereits  als  gewogener  Durchschnitt  der  einfachen  U  analysiert 1 ),
und  daß  W  als  der  reziproke  Wert  von  U  festgesetzt  worden  ist.  Das  heißt,
W  ist  der  reziproke  Wert  des  gewogenen  Durchschnittes  der  einfachen  U.
Die  einfachen  W  sind  aber  reziproke  Werte  der  einfachen  V.  Mit  anderen
Worten:  W  ist  der  reziproke  Wert  des  gewogenen  arithmetischen  Mittels
der  reziproken  Werte  der  einfachen  W.  Der  Definition  gemäß  wird  aus  W
ein  gewogener  harmonischer  Durchschnitt  dieser  elementaren  Größen.
§  6  (zum  II.  Kapitel,  §  5).
Algebraische  Darlegung  der  Verkehrsgleichung.
Es  ist  klar,  daß  die  Verkehrsgleichung,  GlJ  =  2p  Q,  von  einfachen
Gleichungen  abgeleitet  ist,  die  die  Gleichwertigkeit  des  Einkaufsgeldes  mit

)  In  §  4  dieses  Anhanges.
        <pb n="317" />
        300

Anhang  zum  II.  Kapitel.

den  gekauften  Gütern  ausdrücken.  Das  durch  irgendeine  Person  an  einem
bestimmten  Zeitpunkte  ausgegebene  Geld  ist  durch  den  bloßen  Begriff  Preis
gleich  den  Mengen  aller  an  diesem  Zeitpunkte  von  dieser  Person  gekauften
Waren,  multipliziert  mit  den  Preisen,  d.  h.

i«i  =  1P1  i&amp;lt;h  +  i'fh  Ä\  +  1V1  i?i  H  •
Von  dieser  und  ähnlichen  Gleichungen  für  jede  Person  des  Gemeinwesens

und  für  jeden  Zeitpunkt  des  Jahres  erhalten  wir  durch  einfaches  Addieren
die  Summe  der  a,  die  wir  A  nennen,  als  linke  Seite  der  Gleichung,  und  die
Summe  aller  pq  als  rechte  Seite.  Wir  haben  schon  im  Texte  gesehen,  wie
die  linke  Seite  A  (durch  Multiplizieren  und  Dividieren  durch  G)  in  GU  verwandelt ­
  werden  kann,  und  wir  haben  soeben  gefunden  (§3  dieses  Anhanges), ­
  wie  die  Summe  aller  Glieder,  die  sich  auf  irgendeine,  auf
der  rechten  Seite  dargestellte  Ware  bezieht,  durch  ähnliche  einfache
algebraische  Operationen  in  ein  Glied  der  Form  pQ,  umgewandelt  werden
kann,  so  daß  sich  die  ganze  Summe  2pQ  gestaltet.  Das  Resultat  ist  also:
GU  =  2p  Q.  Diese  Schlußfolgerung  konstituiert  daher  den  Beweis  der
Richtigkeit  dieser  Formel,  die  auf  die  einfache  elementare  Wahrheit  gegründet ­
  ist,  daß  bei  jedem  Austausch  das  ausgegebene  Geld  der  gekauften
Quantität,  multipliziert  mit  dem  Verkaufspreise,  gleich  ist.
§  7  (zum  II.  Kapitel,  §  5).
P  muß  eine  spezifische  Form  des  Durchschnittes  sein,  um  sich
direkt  wie  G-  und  U  und  umgekehrt  wie  die  Q  zu  verändern.
Wir  nehmen  an,  daß  U  und  die  Q  unverändert  bleiben,  während
sich  G  in  G 0  und  p,  p',  p"  usw.  in  p ü ,  p' 0 ,  p”,  usw.  verändert.  (Die  Kennziffern ­
  „0"  beziehen  sich  auf  ein  Jahr,  welches  wir  zum  Unterschiede  von
dem  ursprünglichen  Jahre  das  Basisjahr  nennen.)  Wir  haben  dann  für
die  betreffenden  zwei  Jahre  die  beiden  Gleichungen:

GU^pQ  +  p'Q'  +  ■
GqÜ  =  p 0 Q  +  p 0 Q'  +

aus  denen  wir  durch  Division

Go  pTÖTpTQ'-P---  Po  Q  +  Po  «"  +  •••

erhalten.  Offensichtlich  ist  der  letzte  Ausdruck  ein  gewogener  arithme-
        <pb n="318" />
        Anhang  zum  II.  Kapitel.

301

tischer  Durchschnitt  von

usw.,  in  dem  p 0 Q,  p' 0 Q'  usw.  die  Gewichte ­

  sind.  Wir  folgern,  daß,  wenn  die  Umlaufsgeschwindigkeit  und  die
Menge  der  ausgetauschten  Güter  unverändert  bleiben,  während  sich  die
Geldmenge  in  einem  gegebenen  Verhältnis  verändert,  so  werden  sich  die
Preise  „im  Durchschnitt“  in  demselben  Verhältnis  verändern,  wobei  der
Durchschnitt  als  ein  gewogenes  arithmetisches  Mittel  genau  bestimmt  ist,  in
dem  die  Gewichte  die  Werte  der  verkauften  Güter  zu  den  Preisen  des  Basisjahres ­
  berechnet  sind.  Das  Verhältnis  kann  demnach  auch  wie  folgt  geschrieben ­
  werden:

1

G  pQ  +  v'Q'  +  -_^_

Vo  Q  +  v'oQ'  -\—
pQ  +  v'  Q'  -1—

G 0  Po  Q  +  p'Q'-]—

l

pQ  +  p'  Q'  H

die  Gewichte  pQ,  p'Q'  usw.  sind,  d.  h.  es  sind  nicht  die  Werte  des  Basisjahres, ­
  sondern  die  des  ursprünglichen  Jahres.
Wenn  G  und  die  Q  unverändert  bleiben,  während  sich  ü  in  U 1  verändert, ­
  so  kann  das  Verhältnis  ~  natürlich  genau  nach  oben  erwähnter ­

  Formel  ausgedrückt  werden.
Wenn  die  Q  unverändert  bleiben,  während  sich  sowohl  G  als  auch  U  ver-QU


ändert,  so  ist  das  Verhältnis  „  offenbar  durch  dieselbe  Formel  auszudrücken. ­



Dieselben  Formeln  lassen  sich  weiter  auch  anwenden,  wenn  G  und  U
unverändert  bleiben,  während  sich  alle  Q  in  einem  gegebenen  Verhältnis
verändern,  oder  wenn  sich  alle  Q  in  einem  gegebenen  Verhältnis  in  Verbindung ­
  mit  irgendeiner  Veränderung  in  G  oder  U,  oder  in  beiden  ändern.
Kurz,  die  Formeln  sind  in  allen  Fällen  einer  Veränderung  vollkommen
anwendbar,  mit  Ausnahme  derer,  wo  die  Q  sich  relativ  zueinander  verändern. ­

Es  soll  noch  bemerkt  werden,  daß  vorerwähnte  Formeln  diejenigen
sind,  welche  später  als  Formeln  (11)  erörtert  werden  und  in  der  großen
Formeltabelle  im  Anhänge  zu  Kapitel  X  erscheinen.
        <pb n="319" />
        302

Anhang  zum  III.  Kapitel.

Anhang  zum  III.  Kapitel.
§  1  (zum  III.  Kapitel,  §  2).
Anordnung  der  Je  und  r.
Angenommen,  k  sei  das  Verhältnis  der  Depositen  zu  dem  im  Umlauf
( Q r  \
ß-J,  das  durchschnittlich  vom  Publikum  mit  Vorliebe
zurückbehalten  wird;  dann  ist  k  aus  den  gleichen  Verhältnissen  für  die  verschiedenen ­
  Personen  und  Geschäftsfirmen  des  Gemeinwesens  in  den  aufeinanderfolgenden ­
  Zeitpunkten  des  Jahres  ableitbar,  und  wir  können  deshalb ­
  eine  der  vorhergehenden  analoge  Anordnung  von  nachstehender
Form  auf  stellen:

Zeitperioden

Durch-Personen



1

2

schnitt

1

l/vi

Jh

k x

2

1^2

2^2

k  2

Durchschnitt

1  *

Je

k

Jeder  in  den  Außenspalten  befindliche  Buchstabe  ist  entweder  ein
gewogener  arithmetischer  Durchschnitt  der  Beihe  zu  seiner  Linken  oder  der
über  ihm  befindlichen  Kolonne,  k  (in  der  unteren  rechten  Ecke)  ist  beides
und  auch  noch  der  gewogene  arithmetische  Durchschnitt  aller  Elemente
in  den  Innenspalten  (die  Gewichte  sind  in  allen  Fällen  die  Beträge  des  in
Umlauf  befindlichen  Geldes,  die  die  Nenner  der  in  der  Anordnung  dargestellten ­
  Verhältnisse  sind).  Dieselben  Proportionen  bleiben  gültig,  wenn
„harmonisch“  an  die  Stelle  von  „arithmetisch“  gesetzt  wird  (vorausgesetzt,
daß  die  Gewichte  von  Nennern  in  Zähler  der  Verhältnisse,  nämlich  der  Depositen, ­
  umgewandelt  werden).  Diese  Lehrsätze  können  denen  in  §  7  des
Anhanges  zum  II.  Kapitel  entsprechend,  leicht  bewiesen  werden,  wenn  wir  uns
.  nr
ms  Gedächtnis  zurückrufen,  daß  k  —  ist.
6r
Ähnlich  können  wir  r  für  das  Jahresdurchschnittsverhältnis  aller
Bankreserven  (y)  zu  den  Depositen  ((?')  setzen.  Dieses  Verhältnis
(u  oder  ~j  ist  in  eine  Anordnung  auflösbar,  die  die  Verhältnisse
        <pb n="320" />
        Anhang  zum  III.  Kapitel.

303

für  verschiedene  Banken  zu  verschiedenen  Zeitpunkten  ausdrücken,
nämlich:

Personen

Zeitperioden

Durch-1



2

schnitt

1

1  n

2 r  1

2

l r 2

2^*2

»a

—

—

—

—

—

—

—

—

Durchschnitt

ir

r

Hier  ist  jedes  Element  in  den  Außenspalten  ein  gewogener  arithmetischer
(oder  harmonischer)  Durchschnitt  der  Glieder  in  der  Reihe  zu  seiner  Linken
oder  der  darüber  befindlichen  Kolonne,  während  r  beides  und  auch  noch
ein  gewogener  arithmetischer  (oder  harmonischer)  Durchschnitt  aller  inneren
Glieder  ist,  wobei  die  Gewichte  (für  den  arithmetischen  Durchschnitt)  in
jedem  Falle  die  Depositen,  oder  (für  den  harmonischen  Durchschnitt)  in
jedem  Falle  das  Geld  sind.  Die  gesamten  Umlaufsmittel  des  Gemeinwesens
betragen  y  4-  G  -j-  Cr',  obzwar  nur  G  +  G'  tatsächlich  in  Umlauf  sind.
§  2  (zum  III.  Kapitel,  §  4).
Algebraische  Darlegung  der  Verkehrsgleichung  mit  Einschluß  der
Depositenumlaufsmittel.
Das  durch  Person  1  an  Zeitpunkt  1  für  Güter  ausgegebene  Geld  ist  ^
und  ihre  Scheckausgabe  ist  Ihre  Gesamtausgabe  für  Güter  in  Geld
und  Schecks  ist  daher  ^  =  tfh  i&amp;lt;h  +  j&amp;gt;\  ^  +  •  •  •.
Durch  Addition  aller  derartigen  Gleichungen  für  alle  Personen  in  dem
Gemeinwesen  und  für  alle  Zeitpunkte  des  Jahres  erhalten  wir  die
Gleichung
A  +  Ä  =  2pQ
und  somit  Gü  +  G’ü'  =  2pQ,
da  nach  Definition
[7  =  ^  und  U'  —  ^r  ist-
        <pb n="321" />
        304

Anhang  zum  V.  Kapitel.

Anhang  zum  V.  Kapitel.
§  1  (zum  V.  Kapitel,  §  5).
Wirkung  des  Zeitkredits  auf  die  Verkehrsgleichung.
Es  ist  wichtig  zu  beachten,  daß  das  System  des  Buchkredites  zwar
indirekt  einen  großen  Einfluß  auf  die  Preise  ausübt,  in  der  Verkehrsgleichung
aber  nicht  wie  der  Umlauf  oder  der  Bankkredit  in  Erscheinung  tritt.  Wir
können  in  die  Erörterung  des  Buchkredites  ohne  weiteres  jene  Fälle  des
Kredites  einschließen,  wo  die  Aufzeichnung  der  Schuld  nicht  einfach  in
den  Büchern  der  einen  der  beiden  Parteien  erfolgt,  sondern  in  denen  eine
bestimmte  Aufzeichnung  in  Form  eines  Schuldscheines  besteht,  den  der
Käufer  dem  Verkäufer  einhändigt.  In  beiden  Fällen  werden  die  Güter  mit
dem  Versprechen  gekauft,  sie  zu  einem  späteren  Zeitpunkte  zu  bezahlen;
in  dem  einen  Falle  ist  das  Versprechen  klar  ausgedrückt,  in  dem  anderen
Falle  stillschweigend  angenommen.
Ein  solcher  Austausch  von  Gütern  gegen  spätere  Bezahlung  kann  in
zwei  aufeinanderfolgende  Austausche  zerlegt  werden.  Der  erste  findet  zu
Beginn  statt,  wenn  der  Kredit  für  die  Güter  gegeben  wird.  Der  Käufer
erwirbt  dann  die  Güter  im  Austausche  gegen  das  Zahlungsversprechen.  Der
zweite  Austausch  geschieht  am  Ende  des  Geschäftes,  wenn  die  Schuld  abgetragen ­
  wird.  Man  kann  also  sagen,  der  ursprüngliche  Käufer  kauft  dann
seinen  Buchkredit  oder  Schuldschein  mit  Geld  zurück.  Ungleich  dem  Bankkredit, ­
  erspart  somit  der  Zeitkredit  nicht  direkt  den  Gebrauch  des  Geldes.
Seine  unmittelbare  Wirkung  besteht  in  der  bloßen  Aufschiebung  dieses
Gebrauches 1 ),  da,  um  den  gegebenen  Kredit  aus  der  Welt  zu  schaffen,  soviel
Geld  oder  Schecks  ausgegeben  werden  müssen,  wie  wenn  sofort  bares  Geld
gezahlt  worden  wäre.  Dr.  Andrew,  gegenwärtiger  Untersekretär  des  Schatzamtes, ­
  zeigt,  daß,  wenn  Zeitkredit  schneller  abgeschlossen  als  aufgehoben
wird,  die  Preise  steigende  Tendenz  annehmen,  daß  aber,  sobald  die  Bezahlung ­
  dieser  Schulden  in  gleichem  Tempo  erfolgt,  wie  sie  gemacht  werden,
die  Preise  auf  ihr  altes  Niveau  zurückgehen *  2 ).  Das  Übermaß  eingegangener
Schulden  über  getilgte  Schulden  wirkt  in  derselben  Weise,  wie  das  Angebot
von  ebensoviel  Geld  oder  Bankdepositen  für  Güter.
Um  zu  zeigen,  wie  diese  den  Buchkredit  betreffenden  Erwägungen
auf  die  Verkehrsgleichung  einwirken,  wollen  wir  die  Gewährung  aller  Buchx ­
 )  Siehe  A.  Piatt  Andrew,  „Credit  and  the  Value  of  Money“,  Proceedings  Seventeenth
Arnual  Meeting,  American  Economic  Association,  Dezember  1904.
2 )  loc.  cit.
        <pb n="322" />
        kredite  und  anderer  Zeitanleihen  durch  den  Buchstaben  A"  und  ihre
Tilgung  durch  A'"  bezeichnen.  Die  linke  Seite  unserer  Verkehrsgleichung
—  oder  der  Gesamtbetrag  der  Geldzahlungen,  Scheckzahlungen,  Buch-  und
Wechselschulden  für  die  im  Laufe  des  Jahres  gekauften  Güter  —  ist  dann
GU  +  G'TJ'  +  A";  und  die  rechte  Seite,  die  1.  den  Wert  der  gekauften
Güter  und  2.  die  während  des  Jahres  fälligen  und  getilgten,  mit  Geld  oder
Schecks  bezahlten  Schulden  umfaßt,  wird  durch  2pQ  -f-  A"'  dargestellt.
Wenn  wir  A'"  der  Bequemlichkeit  halber  umstellen,  so  kann  die  Verkehrsgleichung ­
  nun  GU  -+-  G'U'  +  M"—  A'"  =  2pQ  geschrieben  werden.
Da  A"  annähernd  A!"  gleich  ist,  so  heben  sich  diese  gleichen  und  entgegengesetzten ­
  Glieder  beinahe  auf,  d.  h.  A"  —  A"'  wird  Null,  und  die
Gleichung  wird  dann  in  Wirklichkeit  wieder  GU  +  G'U'  =  2pQ.
Bevor  wir  dieses  Thema  verlassen,  mag  noch  erwähnt  werden,  daß
der  Buchkredit  durch  Einführung  von  Gegenforderungen  das  Steigen
der  Preise  begünstigt  und  so  den  Umfang  des  Handels,  der  durch  Geld
oder  Schecks  ausgeführt  werden  muß,  vermindert.  So  kauft  der  Landmann
  auf  Abrechnung  im  Dorfladen,  indem  er  dann  und  wann  landwirtschaftliche ­
  Produkte  ebenfalls  auf  Abrechnung  dort  verkauft.  Die  Abrechnung ­
  erfolgt  in  langen  Zwischenräumen,  wobei  nur  der  sich  ergebende
Unterschied  in  Geld  gezahlt  wird 1 ).  Wie  im  Texte  dieses  Kapitels  gesagt
keit  zu  erhöhen 2 ).

Anhang  zum  VI.  Kapitel.
§  1  (zum  VI.  Kapitel,  §  1).
Die  durch  den  internationalen  Handel  erforderliche  Modifikation
der  Verkehrsgleichung.
Wir  haben  bereits  gesehen,  daß  es  zwei  Verkehrsgleichungen  gibt,  eine
für  Einkäufe  und  die  andere  für  Verkäufe.  In  einem  geschlossenen  Gemeinwesen ­
  sind  beide  notwendigerweise  identisch,  denn  jeder  Einkauf  durch
ein  Mitglied  des  Gemeinwesens  ist  gleichzeitig  ein  Verkauf  durch  ein  anderes
Mitglied.  Dagegen  sind  die  Gleichungen  in  einem  Gemeinwesen  mit  internationalem ­
  Handel  etwas  verschieden.  Wie  in  diesem  Buche  ausgeführt,
bezieht  sich  die  Verkehrsgleichung  auf  den  Aufwand  von  Geld  für  den

*)  loc.  cit.  S.  10.
2 )  Kapitel  V,  §4.
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.
        <pb n="323" />
        306

Anhang  zum  VI.  Kapitel.

Einkauf  von  Gütern  und  nickt  auf  den  Eingang  von  Geld  für  den  Verkauf
von  Gütern.  Diese  Verkehrsgleichung  war  in  ihrem  letzten  Grade  der  Ausarbeitung ­
  Gü  +  G , üf  +  A „  _  A „,  _  2v q,
wo  die  Buchstaben  die  ihnen  früher  gegebene  Bedeutung  haben;  A"  bezieht
sich  auf  die  in  dem  gegebenen  Zeitraum  gemachten  Schulden  in  Buchkonten ­
  und  die  bei  Einkäufen  von  Gütern  verwendeten  Schuldscheine,  und
A!"  bezieht  sich  auf  die  Tilgung  solcher  Schulden  während  desselben  Zeitraumes. ­
  Da  OU  aus  A  und  G'lV  aus  Al  entwickelt  wurde,  so  kann  die
Gleichung  wie  folgt  geschrieben  werden:
A  +  A'  +  A"~A'"=  2p g Q g ,
wobei  die  Buchstaben  A  auf  der  Geldseite  der  Gleichung  verwendet  sind,
um  auszudrücken,  daß  das  Geld  ausgegebenes  Geld  ist,  und  die  Kennziffern
g  auf  der  Warenseite,  um  anzuzeigen,  daß  die  Güter  gekaufte  Güter  sind.
Wenn  wir  in  gleicher  Weise  E  nehmen,  um  eingegangene  Gelder,  und  die
Kennziffer  v,  um  verkaufte  Güter  auszudrücken,  so  stellt  folgende  Gleichung
den  Eingang  des  Geldes  usw.  im  Austausch  für  verkaufte  Güter  dar:
E  +  E'  +  E"-E"'  =  2p v Q v .
Wenn  kein  auswärtiger  Handel  vorhanden  ist,  dann  sind  die
einzelnen  Größen  in  diesen  beiden  Gleichungen  offensichtlich  auf  jeder
Seite  gleichbedeutend.  Ist  aber  ein  auswärtiger  Handel  da,  so  kann
jede  Gleichung  in  eine  solche  aufgelöst  werden,  in  der  der  Binnenhandel ­
  und  der  Außenhandel  unterschieden  sind.  So  können  in  der
ersten  Gleichung,  die  sich  auf  die  Ausgaben  bezieht,  A,  Al  usw.
durch  D  +  F,  D'  +  F'  usw.  ersetzt  werden,  wo  die  D  auf  die  einheimischen
Käufe  und  die  F  auf  das  auswärts  verausgabte  Geld  Bezug  haben.  Auf  der
anderen  Seite  der  Gleichung  kann  2p g Q g  durch  2p d Q d  +  2p i Q i  ersetzt
werden,  wobei  die  Kennziffern  d  sich  auf  die  im  Inlande  gekauften  Güter
beziehen,  und  die  Kennziffern  i  auf  die  Einfuhren.  Die  Gleichung  erhält
dann  die  Form:
(D  +  D'  +  D"  -  D'")  +  (F  +  F'  +  F"  -  F'")  =  2p d  Q d  +  2PiQ„
die  wir  der  Kürze  halber  2D  +  2F  =  2p d  Q d  +  2p i  Q i  schreiben  wollen.
In  ähnlicher  Weise  kann  dann  die  Gleichung  für  die  Verkäufe,
2D+  2l=2p d Q d  +  2p f Q f
geschrieben  werden.  Das  heißt,  der  Nettobetrag  der  einheimischen  Eingänge
        <pb n="324" />
        (an  Geld,  Bank-  und  Buchkredit),  vermehrt  um  die  Zahlungen  für  die^
geführten  Güter,  ist  gleich  der  Summe  des  Wertes  der  im  Inlande  verkauft?
Güter,  vermehrt  um  den  Wert  der  aus  dem  Lande  ausgeführten  Güter.  Die
letzten  beiden  Gleichungen,  von  denen  sich  die  eine  auf  Einkäufe
und  die  andere  auf  Verkäufe  bezieht,  können  addiert  werden,  um
in  einer  gemeinsamen  Gleichung  den  Gesamthandel  auszudrücken,  an  dem
das  gegebene  Gemeinwesen  beteiligt  ist,  d.  h.  die  Gesamtverkäufe  und
Einkäufe  innerhalb,  und  die  Verkäufe  und  Einkäufe  außerhalb  desselben.
Die  zusammengesetzte  Gleichung  ist  dann
2  2D  +  2F  +  2l  =  22p d Q d  +  Spfa  +  2p f Q f .
Hier  ist  der  inländische  Handel  zweimal  gezählt,  weil  jeder  Warenumsatz
als  Verkauf  wie  auch  als  Einkauf  vorkommt.  Dies  drückt  die  Verkehrsgleichung ­
  für  den  Gesamthandel  (in-  und  ausländisch)  aus,  an  dem
das  betreffende  Land  beteiligt  ist.  Wenn  wir,  anstatt  zu  addieren,  eine
Gleichung  von  der  anderen  subtrahieren,  so  erhalten  wir
2F  —  21  =  2p i Q i  2p^Qp
was  die  Gleichung  der  Handelsbilanz  in  ihrer  gewöhnlichsten  Form  darstellt, ­
  die  den  Kredit  wie  auch  das  Geld  in  Betracht  zieht.  So  hängt  der
Geldstrom  von  oder  zu  einer  Nation  von  dieser  letzten  Gleichung  ab.
Die  rechte  Seite  der  vorletzten  Gleichung  hängt  von  drei  Preisgruppen
ab,  —  den  einheimischen  Preisen  (den  p d ),  den  Preisen  der  Güter,  die  in
das  Land  eingeführt  werden  (den  pi),  und  den  Preisen  der  ausgeführten
Güter  (den  p t ).
Wenn  zum  Beispiel  die  p d  außerordentlich  hoch  sind,  so  ist  die  natürliche ­
  Folge  ein  Ansporn,  Güter  hereinzuschaffen  (Q { ),  und  eine  Entmutigung, ­
  Güter  hinauszusenden  (Q f ),  was  dazu  beitragen  wird,  die  rechte  Seite
der  Gleichung  groß  zu  gestalten  und  f  olglich  auch  die  Unke  Seite  zuvergrößern.
Mit  anderen  Worten,  es  entsteht  eine  sogenannte  ungünstige  Handelsbilanz,
wobei  die  Zahlungsmittel  die  Tendenz  annehmen,  stärker  hinauszugehen  als
hereinzukommen;  das  heißt,  es  wird  ein  Abströmen  von  Geld  (angezeigt  durch
F),  oder  eine  Übertragung  von  Bankkrediten  ins  Ausland  stattfinden  (F'),
oder  ein  Belasten  der  Auslandsbücher  (0"),  oder  eine  Verminderung  in  der
Tilgung  bestehender  Buchkonten  (F' n ),  oder  es  werden  entgegengesetzte
Veränderungen  in  I,  I',  I",  V”  stattfinden,  oder  endlich  eine  Vereinigung
der  beiden  Tendenzen,  während  zeitweilig  Schwankungen  zwischen  diesen  verschiedenen ­
  Größen  eintreten.  Auf  die  Dauer  und  letzten  Endes  beziehen  sich
die  Veränderungen  hauptsächlich  auf  die  tatsächüche  Ausfuhr  und  Einfuhr
v °u  Geld,  d.  h.  sie  betreffen  die  nicht  mit  (')  bezeichneten  Größen  F  und  I.
20*
        <pb n="325" />
        308

Anhang  zum  VII.  Kapitel.

In  einem  großen  Lande  wie  in  den  Vereinigten  Staaten  ist  der  auswärtige ­
  Handel  im  Vergleich  zum  Binnenhandel  so  unbedeutend,  daß  er
kaum  eine  Beachtung  verdient.  Wie  wir  im  XII.  Kapitel  sehen  werden,
ist  der  Außenhandel  der  Vereinigten  Staaten  nur  ein  Bruchteil  eines  Prozentes ­
  des  Binnenhandels.  Und  weil  sich  die  Ausfuhr-  und  Einfuhrseite
der  verschiedenen  Größen  (F,  I,  Q/Und  Q { )  beinahe  aufheben,  so  beläuft  sich
die  auf  jeder  Seite  der  Verkehrsgleichung  verbleibende  Keinbilanz  selten
auf  mehr  als  ein  Achtel  eines  Prozentes  des  einheimischen  Handels  der
Vereinigten  Staaten.
Nach  Schätzungen  der  Schuldverhältnisse  wie  derjenigen  von  Holmes
ist  der  Unterschied  A"  —  A"'  zwischen  den  jährlich  gemachten  und  bezahlten ­
  Schulden  fast  ebenso  unbedeutend.  Wir  können  auf  jeden  Fall
mit  Sicherheit  sagen,  daß,  soweit  die  Vereinigten  Staaten  in  Betracht
kommen,  die  Zusätze  zu  unserer  Verkehrsgleichung,  die  in  diesem  und  dem
vorhergehenden  Abschnitt  behandelt  wurden,  nur  unnütze  Komplikationen
sind.  Wir  können  deshalb  die  Gleichung  GU  +  G'U'  =  2pQ  tatsächlich
als  eine  genaue  Form  der  Gleichung  ansehen.

Anhang  zum  VII.  Kapitel.
§  1  (zum  VII.  Kapitel,  §  2).
Geldsurrogate  ungleich  anderen  Ersatzmitteln.
Eine  viel  umstrittene  Frage  ist  die  Annahme,  daß  die  Preisbestimmung
zweier  als  Zahlungsmittel  verwendeter  Waren  analog  der  zweier  beliebiger
anderer  Waren  sei.  Es  ist  jedoch  klar,  daß  sich  zwei  Geldformen  von  einem
aufs  Geratewohl  gewählten  Warenpaar  als  Substitut  unterscheiden x ).  Zwei
passende  Ersatzmittel  werden  vom  Konsumenten  als  eine  einzige  Ware
betrachtet.  Diese  Vereinigung  zweier  Waren  zu  einem  einheitlichen  Ganzen

x )  Ersatzmittel  rein  im  Sinne  des  Greshamschen  Gesetzes,  daß  das  billigere  an  die
Stelle  des  teureren  tritt.  Es  stellt  nicht  in  Abrede,  daß  die  Metalle  für  die  verschiedenen ­
  Geldzwecke  eine  verschiedene  Bevorzugung  erfahren.  Wir  können  Gold  und
Silber  nicht  mit  unabhängigen  Waren  wie  „Kupfer  und  Weizen“  oder  „Rindfleisch  und
Schuhe“  vergleichen,  sondern  nur  mit  Ersatzmittelpaaren  oder  Quasisubstituten,  wie
zum  Beispiel  Eisen  und  Stahl,  Baumwolle  und  Schafwolle,  Hafer  und  Mais,  Melasse
und  chinesisches  Zuckerrohr,  Rohr-  und  Rübenzucker,  indischen  und  Dakotaweizen.
        <pb n="326" />
        Anhang  zum  VII.  Kapitel.

309

vermindert  die  Zahl  der  Vorbedingungen  für  die  Nachfrage,  doch  läßt  sie
keine  Unbestimmtheit  in  dem  Problem  aufkommen,  da  die  fehlenden  Bedingungen ­
  sofort  durch  ein  festgesetztes  Substitutionsverhältnis  ersetzt  werden.
Wenn  daher  zehn  Pfund  Rohrzucker  demselben  Zwecke  dienen  wie  elf
Pfund  Rübenzucker,  so  ist  deren  festgesetztes  Substitutionsverhältnis  zehn
zu  elf;  oder  wenn  ein  Scheffel  indischer  Weizen  durch  einen  Scheffel  Dakotaweizen ­
  ersetzt  werden  kann,  ist  das  Substitutionsverhältnis  gleich  Eins.
In  diesen  Fällen  ist  das  festgesetzte  Verhältnis  auf  die  relative  Fähigkeit
der  beiden  Waren  gegründet,  ein  allgemeines  Bedürfnis  des  Menschen  zu
befriedigen,  und  geht  ihren  Preisen  unbedingt  voraus.  Zehn  Pfund  Rohrzucker ­
  können  so  lange  elf  Pfund  Rübenzucker  ersetzen,  wie  der  menschliche ­
  Geschmack  kein  anderes  Verhältnis  festsetzt.  Indischer  und  Dakotaweizen ­
  besitzen  denselben  subjektiven  Nutzwert,  weil  sie  zum  menschlichen
Geschmack  in  dem  gleichen  Verhältnis  stehen.  Keine  Veränderung  der
Marktlage,  keine  Preisveränderung  könnte  einen  Konsumenten  veranlassen,
einen  Scheffel  indischen  Weizen  als  gleichwertig  mit  zwei  Scheffeln  Dakotaweizen ­
  zu  betrachten.  Das  Substitutionsverhältnis  wird  durch  die  Natur
bestimmt  und  diese  wiederum  bestimmt  das  Preisverhältnis.
Geld  ist  der  einzige  Fall,  in  dem  es  kein  festgesetztes  Substitutionsverhältnis ­
  gibt.  Zu  einer  Zeit  können  zehn  Unzen  Silber  als  Gegenwert
einer  Unze  Gold  zirkulieren,  zu  einer  anderen  dagegen  zwanzig.  Weder
menschliche  Vorliebe  noch  irgendeine  Notwendigkeit  wird  das  hindern.
Wir  haben  es  hier  weder  mit  relativer  Versüßungskraft,  noch  relativer
Nährkraft,  oder  mit  irgendeiner  anderen  Fähigkeit  zur  Befriedigung  von
Bedürfnissen,  sowie  mit  keiner  den  Metallen  innewohnenden  und  von  ihren
Preisen  unabhängigen  Qualifikation  zu  tun.  Es  handelt  sich  vielmehr  um
die  relative  Kaufkraft  allein.  Wir  rechnen  nicht  mit  dem  Nutzwert  des
Metalles  selbst,  sondern  mit  den  Waren,  die  es  kaufen  kann.  Wir  weisen
dem  Zucker  oder  dem  Weizen  subjektiven  Nutzwert  oder  Nutzbarkeit  zu,
bevor  wir  deren  Preise  kennen,  doch  müssen  wir  uns  zuerst  nach  dem  relativen
Zirkulationswert  des  Goldes  und  des  Silbers  erkundigen,  bevor  wir  wissen
können,  wie  hoch  die  beiden  Metalle  einzuschätzen  sind.  Für  uns  ist  das
Substitutionsverhältnis  mit  dem  Preisverhältnis  identisch  und  es  kann
daher  auf  die  Festsetzung  dieses  Verhältnisses  keinen  Einfluß  ausüben.
Der  Fall,  Geld  in  zweierlei  Form,  ist  einzig  in  seiner  Art.  Beide  Geldformen
sind  Substitute,  haben  aber  kein  natürliches  Substitutionsverhältnis,  und  hängen
von  der  Bevorzugung  seitens  des  Konsumenten  ab.
Auf  vorstehende  Betrachtungen  wird  aus  dem  Grunde  besonderer  Nachdruck ­
  gelegt,  weil  sie  von  Autoren  übersehen  werden,  die  der  Meinung
        <pb n="327" />
        310

Anhang  zum  VII.  Kapitel.

sind,  ein  gesetzlich  festgelegtes  Verhältnis  sei  nur  dem  bereits  bestimmten
System  von  Angebot  und  Nachfrage  auferlegt,  und  die  damit  beweisen
wollen,  daß  ein  solches  Verhältnis  von  vornherein  versagen  muß.  Dies
ist  eine  Lieblingsanalogie  der  Verfechter  des  Monometallismus.  Sie  ist
unrichtig,  doch  bedingt  diese  Unrichtigkeit  nicht  notwendigerweise  die
Unrichtigkeit  der  seitens  der  Anhänger  des  Monometallismus  gezogenen
allgemeinen  Schlüsse.  Gold  und  Silber,  oder  zwei  beliebige  andere  zu  Geldzwecken ­
  dienende  Waren,  haben  keinerlei  Analogie  mit  zwei  gewöhnlichen,
einander  nicht  verwandten  Artikeln;  sie  haben  selbst  mit  zwei  Substituten
keine  vollkommene  Analogie,  da  für  den  Konsumenten  bei  zwei  Geldarten
kein  natürliches  Substitutionsverhältnis  besteht.  Es  scheint  daher  die
Möglichkeit  für  ein  künstliches  Verhältnis  gegeben  zu  sein.  Wir  werden
jedoch  sehen,  daß  einem  künstlichen  Verhältnis  Grenzen  gezogen  sind,  über
die  hinaus  es  versagen  muß.
§  2  (zum  VII.  Kapitel,  §  2).
Grenzen  der  Verhältnisse,  innerhalb  deren  der  Bimetallismus
möglich  ist.
Eine  Veränderung  des  Verhältnisses  wird  durch  eine  Rekonstruktion
unserer  Reservoire  in  neue  Einheiten  veranschaulicht,  doch  können  wir
ohne  die  Mühe  einer  Umgestaltung  unseres  Schaubildes,  wie  es  gegeben
ist,  die  Grenzverhältnisse  darstellen,  innerhalb  deren  der  Bimetallismus
möglich  ist.  Gesetzt  den  Fall,  daß  der  Film  in  Figur  7  b  zuerst  nach  seiner
äußersten  rechten  Grenze  und  dann  nach  seiner  äußersten  linken  Grenze
getrieben  und  daß  in  jedem  Falle  dauerndes  Gleichgewicht  erlangt  wird..
In  dem  einen  Falle  gibt  es  ein  Agio  auf  Gold,  in  dem  anderen  ein  Agio  auf
Silber.  Diese  Agios  bezeichnen  die  Abweichungen  von  dem  gegebenen
Verhältnis,  die  ohne  den  Bimetallismus  zu  zerstören  möglich  sind.  Nehmen
wir  also  an,  daß  das  gesetzliche  Verhältnis  des  Silbers  zum  Golde  und  das,
zu  dem  das  Schaubild  konstruiert  wurde,  32  zu  1  betrug  und  daß,  wenn
sich  der  Film  nach  der  linken  Grenze  bewegt,  der  Abstand  des  Goldniveaus
unter  00  um  7 / 8  größer  ist  als  der  Abstand  des  Silberniveaus,  während  er
an  der  rechten  Grenze  5 / 4  beträgt.  Somit  kann  das  Verhältnis  32  zu  1
zwischen  den  Faktoren  7 / 8  von  32  zu  1  und  s / 4  von  32  zu  1  verändert  werden
und  der  Bimetallismus  würde  sich  zu  jedem  Verhältnis  zwischen  32  X  7 /s
zu  1  und  32  x  s /4  zu  1,  d.  h.  zwischen  28  zu  1  und  40  zu  1  bewähren.  Ein
Verhältnis  unter  28  zu  1,  wie  das  berühmte  16  zu  1,  würde  den  Goldmonometallismus ­
  schüeßlich  in  Silbermonometallismus  umwandeln,  in  der  ent ­
        <pb n="328" />
        Anhang  zum  VIII.  Kapitel.

311

gegengesetzten  Richtung  hingegen  unwirksam  sein.  Ein  Verhältnis  über
40  zu  1,  etwa  wie  50  zu  1,  würde  schließlich  Silbermonometallismus  in
Goldmonometallismus  umkehren.  Ein  Verhältnis  zwischen  den  beiden
Extremen  würde  weder  den  einen  noch  den  anderen  Monometallismus,
sondern  den  Bimetallismus  zur  Folge  haben.  Die  statistische  Bestimmung
dieser  Grenzen  ist  natürlich  ein  Problem,  das  die  heutige  Wissenschaft  nicht
lösen  kann.  Die  Zahlen  28  und  40  gelten  nicht  als  Mutmaßung,  sondern
dienen  ledigüch  zur  Erläuterung.

Anhang  zum  VIII.  Kapitel.
§  1  (zum  VIII.  Kapitel,  §  6).
Umsatzstatistik  an  der  Yale-Universität.
Die  Umsatzrate  des  Geldes  verändert  sich  mit  dem  Betrage  des  Geldes,
das  bei  einem  gegebenen  Preisniveau  verausgabt  wird.  Mit  anderen  Worten,
sie  verändert  sich  mit  dem  Handelsvolumen  des  Einzelwesens.  Die  Umsatzstatistiken ­
  unter  den  Studenten  der  Yale-Universität  bilden  zwei  Abteilungen; ­
  die  erste  oder  frühere  zeigt  eine  Durchschnittsgeschwindigkeit
oder  Umsatzrate  von  34  für  das  Jahr,  die  zweite  oder  spätere,  eine  solche
von  66.  Der  Unterschied  ist  wahrscheinlich  teilweise  den  höheren  Ausgaben
der  zweiten  Studentengruppe  zuzuschreiben,  aller  Vermutung  nach  wurde
derselbe  jedoch  hauptsächlich  durch  ungenaue  Angaben  der  ersten  Abteilung ­
  herbeigeführt.  Jeder  Student  der  ersten  Gruppe  wurde  einfach  aufgefordert, ­
  eine  ungefähre  Schätzung  seiner  jährlichen  Geldausgaben  und
seines  durchschnittlich  zur  Verfügung  gehaltenen  Geldes  vorzunehmen.
Der  Quotient  aus  der  Division  der  ersten  Zahl  durch  die  zweite  ergab  seine
Umsatzrate.  Solche  Schätzungen  wurden  von  128  Studenten  geliefert.
Die  durchschnittliche  Jahresausgabe  in  Bargeld  betrug  $  514  und  der
Durchschnittsbetrag  des  zur  Verfügung  gehaltenen  Geldes  $15,  was  den
Quotienten  34  als  Durchschnittsumsatzrate  für  das  Jahr  ergab.  Diese
Schätzungen,  die  in  der  Hauptsache  nicht  viel  mehr  als  bloße  Vermutungen
darstellen,  mögen  das  Ziel  weit  verfehlt  haben.  Um  eine  genauere  Schätzung
zu  erhalten,  wurde  eine  zweite  Serie  aufgestellt.  Die  sich  freiwillig  Meldenden
wurden  aufgefordert,  während  eines  Monats  über  die  täglichen  Geldausgaben
        <pb n="329" />
        312

Anhang  zum  VIII.  Kapitel.

genau  Rechnung  zu  führen  und  den  Bestand  am  Beginn  und  zu  Ende  eines
jeden  Tages  zu  notieren.  Diesen  Statistiken  war  zu  entnehmen,  daß  die
Durchschnittsjahresrate  der  Ausgaben  der  113  Personen,  die  diese  neuen  Zahlen
lieferten,  $  660,  und  die  durchschnittliche  Barschaft  fast  genau  $  10  betrug,
was  als  Quotienten  66  mal  im  Jahre  ergab.  Die  ungefähren  Schätzungen,
deren  Durchschnitt  34  war,  sind  im  Vergleich  zu  den  genauen  Aufzeichnungen, ­
  deren  Durchschnitt  66  war,  von  so  geringer  Bedeutung,  daß  wir
den  allgemeinen  Durchschnitt  mit  60,  der  unter  66  nächsten  runden  Zahl
festsetzen  können.  Außer  den  Studenten  wurden  noch  von  fünf  anderen
Personen  statistische  Aufzeichnungen  gemacht.  Die  eine  war  Stenographin,
deren  Ausgaben  während  eines  Monats  die  Jahresrate  von  $  435  ergab
und  deren  durchschnittliche  Barschaft  $  7,86  betrug,  was  eine  Umsatzrate
von  55  mal  per  Jahr  ergab.  Die  zweite  Person,  ein  junger  Bibliothekar,
der  während  sechs  Monaten  über  seine  Barausgaben  sorgfältig  Rechnung
führte,  erlangte  eine  Jahresrate  von  $  854  mit  einem  durchschnittlichen
Bargeldsaldo  von  $  10.41  und  einer  Rate  von  82  mal  per  Jahr.  Der  dritte
war  ein  Rechtsanwalt,  der  seine  Rechnungen,  die  sich  jährlich  auf  etwa
$  4000  beliefen,  in  bar  zu  bezahlen  pflegte,  und  der  seinen  durchschnittlichen ­
  Barsaldo  auf  $  175  schätzte,  welche  Zahl  er  bis  auf  etwa  $  15  als
korrekt  erachtete.  Die  auf  Grund  von  4000,  dividiert  durch  175,  berechnete
Umlaufsgeschwindigkeit  ergibt  23  mal  per  Jahr.  Die  weiteren  beiden  Aufzeichnungen ­
  wurden  von  Professoren  geliefert.  Die  sorgfältige  Rechnungsführung ­
  des  einen  ergab,  daß  er  sein  Bargeld  37  mal  und  sein  Bankkonto
52  mal  im  Jahre  umsetzte,  während  der  andere  die  Umsatzrate  seines  Bargeldes ­
  auf  ungefähr  175  und  die  seiner  Bankdepositen  auf  25  schätzte.
Von  den  insgesamt  246  Personen,  deren  Aufzeichnungen  gesammelt
wurden,  hatten  nur  116  sorgfältig  Rechnung  geführt.  Mit  Ausnahme  von
dreien  waren  alle  116  Personen  Studenten.  Die  Annahme,  daß  die  niedrigere
Umsatzgeschwindigkeit  der  ersten  Reihe  nicht  ausschließlich  ihren  Grund
in  irrtümlichen  Schätzungen  hat,  sondern  zum  Teil  eine  Folge  der  niedrigeren
Ausgaben  dieser  Gruppe  darstellt,  ist  auf  die  Tatsache  gegründet,  daß  wir
zwischen  dem  aufgewendeten  Geldbeträge  und  der  Umsatzrate  innerhalb
jeder  Gruppe  ein  bestimmtes  Verhältnis  finden.  Wenn  wir  also  die  113  Studenten, ­
  die  sorgfältig  Rechnung  führten,  in  zwei  Gruppen  sondern,  deren
eine  sich  aus  allen  denen  zusammensetzt,  die  weniger  als  $  50  im  Monate
verausgabten,  und  die  andere  aus  denen,  die  $  50  und  mehr  ausgaben,  so
erhalten  wir  folgende  Zahlen:
        <pb n="330" />
        Anhang  zum  VIII.  Kapitel.

313

Anzahl
der
Fälle

Durchschnitts ­
 ­

der  Ausgaben

Durchschnitts-




Umlaufsgeschwindig ­
 ­


Ausgaben  von  weniger  als  $  600
per  Jahr

72

$  367

$  8.60

43

Ausgaben  von  $  600  und  mehr
per  Jahr

41

1175

12.70

93

Wir  sehen  hier,  daß  der  wohlhabendere  Mann  im  Durchschnitt  dreimal
so  große  Ausgaben  hat,  wie  der  ärmere,  daß  er  aber  nur  50  v.  H.  mehr  Bargeld ­
  bei  sich  führt.  Folglich  war  die  Geschwindigkeit  des  Reicheren  93
gegen  43  für  den  Ärmeren  oder  mehr  als  das  Doppelte.  Das  fortschreitende
Verhältnis  zwischen  Ausgabe  und  Umsatzrate  ist  aus  untenstehender
Darstellung  der  113  Fälle,  die  nach  den  Ausgaben  in  fünf  Gruppen  angeordnet ­
  sind,  zu  ersehen.

Anzahl
der
Fälle

Durchschnitts- ­



Umlaufsgeschwindig ­
 ­


Jährliche  Ausgabe  von  weniger  als  $300  .

22

179

17

Jährliche  Ausgabe  über  $300  und  unter
$600

50

450

59

Jährliche  Ausgabe  über  $600  und  unter
$900

19

781

61

Jährliche  Ausgabe  über  $900  und  unter
$1200

10

1012

96

Jährliche  Ausgabe  über  $1200

12

1936

137

Die  Anzahl  der  Fälle  ist  gering,  doch  die  Ergebnisse  sind  gleichmäßig
folgerichtig.  Sie  zeigen,  daß  Geschwindigkeit  und  Ausgabe  in  direkter
Korrelation  stehen.  Selbst  die  Abteilung  der  ungefähren  Schätzungen  zeigt
dasselbe  Allgemeinverhältnis.  Wenn  wir  die  Ausgaben  ebenso  einteilen,
so  finden  wir,  daß  die  Geschwindigkeiten  22,  30,  44,  88  und  32  sind.  Eine
einzige  Ausnahme  bildet  hier  die  letzte  Zahl,  die,  da  sie  den  Durchschnitt
von  nur  fünf  Personen  darstellt,  von  geringer  Bedeutung  ist.  Wir  können
daher  wenigstens  mit  einiger  Bestimmtheit  den  Schluß  ziehen,  daß  bei
einem  gegebenen  Preisniveau  die  Umsatzrate  um  so  höher  ist,  je  größer
die  Ausgaben  sind.  Mit  anderen  Worten:  Personen,  die  absolut  ihr  Geld
schneller  ausgeben  als  andere,  geben  es  auch  im  Verhältnis  zu  dem  zur
        <pb n="331" />
        314

Anhang  zum  VIII.  Kapitel.

Verfügung  gehaltenen  Gelde  schneller  aus.  Obwohl  der  von  den  Reichen
zur  Verfügung  gehaltene  Geldbetrag  absolut  größer  ist  als  derjenige  der
Armen,  so  ist  er  doch  relativ  zu  den  Ausgaben  geringer.
Dieses  Gesetz  zunehmender  Geschwindigkeit  bei  zunehmenden  Ausgaben ­
  stimmt  mit  der  allgemeinen  Tatsache  überein,  daß,  je  größer  der
Umfang  eines  Geschäftsbetriebes  ist,  eine  desto  größere  Ersparnis  erzielt
wird.  Kleine  Kaufläden  müssen  im  Verhältnis  zu  ihrem  Geschäftsumfange
ein  größeres  Warenlager  führen,  als  große  Läden.  Ebenso  haben  kleine
Banken  im  Verhältnis  zu  ihrem  Geschäftsumsatz  größere  Reserven  zu  halten.
Edgeworth  hat  die  Tatsache  mathematisch  bewiesen,  daß,  je  größer  die
Bank  ist,  desto  kleiner  im  Verhältnis  die  nötigen  Reserven  zu  sein  brauchen.
Es  ist  daher  nicht  befremdlich,  daß  der  kleine  Käufer  es  für  richtig  hält,
einen  verhältnismäßig  größeren  Geldvorrat  bei  sich  zu  führen  als  der  große
Käufer.
Das  Material  ist  zu  dürftig,  um  ein  genaues  quantitatives  Verhältnis
zwischen  Geschwindigkeit  und  Ausgabe  festzusetzen.  Es  beweist,  daß  mit
der  Erhöhung  der  Ausgaben  die  Geschwindigkeit  zunimmt.  Darüber  hinaus
können  wir  aber  nichts  Sicheres  feststellen.  Die  Tatsachen  scheinen  jedoch
zu  dem  Schlüsse  zu  führen,  daß  die  Geschwindigkeit  in  einem  geringeren
Verhältnis  zunimmt  als  die  Ausgaben.

§  2  (zum  VIII.  Kapitel,  §  8).
Gegenüberstellung  von  vier  Warengattungen.
Wir  nehmen  hierzu  vier  Arten  von  Waren  und  wählen  der  Bequemlichkeit ­
  wegen  Wein,  Zucker,  Rindfleisch  und  Salz.  Setzen  wir  nun  den
Fall,  daß  eine  Herabsetzung  des  Preises  der  vier  Waren  auf  den  Verkauf
jeder  einzelnen  eine  verschiedene  Wirkung  hat.  Demgemäß  werden  wir
als  Folge  einer  Reduzierung  des  Preises  der  vier  Waren  vier  mögliche  Wirkungen ­
  auf  das  allgemeine  Preisniveau  feststellen  können.
Erstens  Wein.  Dieser  wird  als  eine  Ware  solcher  Natur  betrachtet,
daß  eine  Herabsetzung  seines  Preises  von  einer  mehr  als  proportionalen
Zunahme  im  Verkaufe  begleitet  sein  wird.  Der  Gesamtbetrag  des  für  Wein
ausgegebenen  Geldes  wird  sich  sonach  erhöhen.  Dies  läßt  einen  geringeren
Betrag  zum  Einkauf  der  anderen  Waren  übrig.  Infolgedessen  müssen  auch
die  Preise  der  anderen  Waren,  wie  der  des  Weines  selbst,  fallen.
Als  nächstes  folgt  Zucker.  Dieser  ist  eine  Ware,  von  der  angenommen
wird,  daß  ein  Sinken  des  Zuckerpreises  eine  genau  proportionale  Zunahme
        <pb n="332" />
        Anhang  zum  VIII.  Kapitel.

315

im  Verkaufe  zur  Folge  hat,  so  daß  der  Gesamtbetrag  des  für  Zucker  aufgewandten ­
  Geldes  unverändert  bleibt.  Unter  diesen  Umständen  wird  das
für  andere  Dinge  auszugebende  Geld  weder  zunehmen  noch  abnehmen  und
die  anderen  Preise  werden  keinerlei  Veränderung  erfahren;  das  allgemeine
Preisniveau  hingegen,  mit  Einschluß  des  Zuckerpreises,  wird  etwas  sinken,
weil  das  Fallen  des  Preises  einer  Ware,  während  andere  sich  nicht  verändern,
ein  gewisses  Fallen  im  Durchschnitt  hervorrufen  muß.
Unsere  dritte  Ware  ist  Rindfleisch.  Dies  stellt  ein  sogenanntes  „Lebensbedürfnis“ ­
  dar.  Wir  nehmen  an,  daß  eine  Herabsetzung  seines  Preises
von  einer  Zunahme  in  der  Konsumtion  begleitet  ist,  die  jedoch  nicht  hinreicht, ­
  um  all  das  Geld,  das  früher  dafür  ausgegeben  wurde,  gänzlich  aufgehen ­
  zu  lassen.  Der  gesamte  Aufwand  an  Rindfleisch  wird  daher  verringert ­
  und  infolgedessen  eine  gewisse,  für  andere  Waren  auszugebende
Geldsumme  frei,  deren  Preise  somit  im  allgemeinen  etwas  in  die  Höhe  gehen
werden.  Die  Endwirkung  wird  jedoch  ein  infinitesimales  Sinken  der  allgemeinen ­
  Preise,  einschließlich  des  Rindfleischpreises  sein;  denn  insoweit,
als  auf  Grund  der  Zunahme  in  den  Verkäufen  von  Rindfleisch,  ohne  irgendwelche ­
  Erhöhung  des  Gesamtbetrages  des  verausgabten  Geldes,  eine  Zunahme
der  insgesamt  verkauften  Güter  stattfindet,  muß  ein  Fallen  der  Durchschnittspreise ­
  eintreten 1 ).
Zuletzt  das  Salz.  Dieses  wird  als  ein  „unentbehrlicher  Bedarfsartikel“
angesehen,  so  daß  eine  Herabsetzung  des  Preises  seinen  Absatz  in  keiner
Weise  beeinflussen  würde.  Die  Folge  davon  ist,  daß  das  allgemeine  Preisniveau ­
  unberührt  bleibt,  da  das  Fallen  des  Salzpreises  durch  ein  ausgleichendes ­
  Steigen  der  anderen  Preise  genau  aufgewogen  wird  und  das  Gesamthandelsvolumen ­
  keine  Veränderung  erfährt.
Wir  sehen  also,  daß  der  Grad  des  Fallens  im  Preisniveau,  das  durch
das  Sinken  eines  einzelnen  Preises  veranlaßt  wurde,  je  nach  den  Umständen
hoch,  niedrig  oder  gleich  Null  sein  kann.
Bei  diesen  vier  Beispielen  wurde  angenommen,  daß  das  Sinken  eines
Einzelpreises  in  einer  Veränderung  der  Angebotkurye  oder  Warenquantitäten-Schedul
  seinen  Ursprung  hatte.  Wenn  das  Fallen  im  Preise  einer  Ware
in  einer  Veränderung  der  Nachfrage  kurve  oder  Quantitäten-Schedul  seinen
Ursprung  hat,  so  findet  meist  ein  Steigen  in  den  anderen  Preisen  und  im
!)  Die  mathematische  Notwendigkeit  dieses  Ergebnisses  ist  aus  den  Formeln  im
Anhänge  zum  X.  Kapitel  zu  ersehen,  woselbst  die  rechte  Seite  der  Verkehrsgleichung  in
das  Produkt  zweier  Faktoren,  in  das  Handelsvolumen  (H)  und  das  Preisniveau  (P),
umgewandelt  wurde.  Wenn  deren  Produkt  gleich  bleibt,  so  muß  eine,  wenn  auch  geringe
Zunahme  des  Handelsvolumens,  eine  Herabsetzung  des  Preisniveaus  bewirken.
        <pb n="333" />
        316

Anhang  zum  X.  Kapitel.

allgemeinen  Preisniveau  statt,  denn  es  wird  dann  von  dieser  Ware  weniger
und  zu  einem  niedrigeren  Preise  gekauft  und  somit  weniger  Geld  für  diese
Ware  und  mehr  für  andere  Waren  ausgegeben,  deren  Preis  höher  ist.  Da
die  Verminderung  im  Betrage  der  gekauften  Ware  im  allgemeinen  eine
Verminderung  des  Handelsvolumens  mit  sich  bringt,  so  wird  das  allgemeine
Preisniveau  eine  Steigerung  erfahren 1 ).

Anhang  zum  X.  Kapitel.
§1-Jede
  Form  der  Indexziffer  für  Preise  umfaßt  eine  korrelative  Form
der  Indexziffer  für  Quantitäten.
Wir  haben  gesehen,  daß  die  Anzahl  möglicher  Durchschnittsformen
eine  unbegrenzte  ist.  Da  eine  Indexziffer,  wie  P 1?  ein  Durchschnitt  ist,  so
folgt  daraus,  daß  es  eine  unbegrenzte  Anzahl  möglicher  Indexzifferformen
gibt.  In  der  zwischen  S.  346  und  347  angefügten  Tabelle  sind  vierundvierzig
der  einfachsten  und  wichtigsten  Formen  gegeben.  In  dieser  Tabelle  bezieht
sich  die  Bezeichnung  „1“  auf  irgendein  bestimmtes  Jahr,  welches  wir  der
Bequemlichkeit  wegen  das  „Jahr  1“  nennen  wollen,  während  sich  die  Bezeichnung ­
  „0“  in  gleicher  Weise  auf  das  „Jahr  0“  bezieht,  das  wir  das
„Basis“-Jahr  nennen.  Die  Überschriften  der  Kolonnen  in  der  Tabelle  geben
die  Formel  für  die  Indexziffer  I\  für  das  Jahr  1  relativ  zum  Basisjahr  0
an.  Durch  Einsetzung  von  „2“  für  „1“  kann  jede  Formel  so  gestaltet
werden,  daß  sie  auf  ein  zweites  Jahr,  2,  relativ  zum  Basisjahr  0  betrachtet,
Bezug  hat.  Wenn  wir  gleicherweise  „3“,  „4“  usw.  für  „1“  einsetzen,  so
haben  wir  eine  ganze  Reihe  von  Indexziffern,  P lf  P 2 ,  P 3 ,  P 4  usw.  für  verschiedene ­
  Jahre,  die  alle  auf  das  gleiche  Basisjahr  0  Bezug  haben.  Da  die
Formeln  alle  gleich  sind  und  sich  nur  in  der  Bezeichnung  unterscheiden,
so  ist  es  nicht  nötig,  mit  den  Ausdrücken  von  P 2 ,  P 3  usw.  in  den  Überschriften ­
  unnütz  Raum  einzunehmen.  Infolgedessen  ist  in  jeder  Kolonnenüberschrift ­
  nur  die  Formel  für  P 1  angegeben.

Ü  Siehe  Irving  Fisher,  „Mathematical  Investigations  in  the  Theory  of  Value  and
Prices  ,  Transadions  of  the  Connecticut  Academy  of  Arts  and  Sciences,  1892,  S.  51.
        <pb n="334" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

317

Aus  dem  gleichen  Grunde  wurden  auch  die  Formeln  für  ff,  usw.,
welche  zu  jenen  für  P,  in  Korrelation  stehen,  in  den  Kolonnenüberschriften ­
  weggelassen.  Jede  Preisindexform,  P„  die  auf  die  Verkehrsgleichung ­
  anwendbar  ist,  bringt  einen  korrelativen  Handelsindex,  ff„  mit
sich,  und  zwar  so,  daß  das  Produkt  beider  gleich  ist  2pxQi,  der  rechten
Seite  der  Verkehrsgleichung.

P1H1  —  2piQi
2px  Q
Hi== ~~pT

Aus

folgt

Es  ergibt  sich  also  aus  einer  gegebenen  Formel  für  P,  auch  die  entsprechende ­
  Formel  für  ff,.  Ist  zum  Beispiel  P,  ein  einfacher  arithmetischer

d.  h.  ist  P,  =  —  —  (Formel
n  p 0

3  in  der  Tabelle)  —  wobei  n  die  Anzahl  der  Waren  bedeutet,  deren  Preis-Verhältnisse
  gegeben  sind  —,  so  erhalten  wir  die  korrelative  Formel  für  H 1
jj-  _  2p  x  Qx  _  2px  Qx
“i  —  ti  —  1  „  •

l S Pl

n  Po
Andrerseits,  wenn  P x  der  geometrische  Durchschnitt

ist  (Formel  7  in  der  Tabelle),  so  ergibt  sich  für  Hx  die  korrelative  Form
2px  Qi

Umgekehrt  gehört  zu  jeder  Formel  für  Hx  eine  entsprechende  korrelative ­
  Formel  für  P,.

Pßi  —  2pxQx

Denn  aus

,  2px  Q
Hx

folgt

Vermittelst  dieser  Gleichung  ergibt  sich  aus  jeder  gegebenen  Formel
für  Hx  auch  eine  entsprechende  Formel  für  Pj.
Die  bereits  gegebenen  Beispiele  von  P x  (dem  arithmetischen  und  geometrischen ­
  Durchschnitt)  zeigen,  wie  man  die  korrelative  Formel  für  ff,
erhält.  Wenn  wir  von  diesen  etwas  komplizierten  Formeln  für  ff,  nach
        <pb n="335" />
        318

Anhang  zum  X.  Kapitel.

rückwärts  rechnen,  so  können  wir  nacheinander  die  arithmetischen  und  geometrischen ­
  Durchschnitte  als  korrelative  Formeln  für  P x  ableiten.
Als  drittes  Beispiel,  das  die  Ableitung  der  Formel  für  P x  von  einer
gegebenen  Formel  für  E x  erläutert,  wollen  wir  E x  als  2p 0 Q x  definieren.
Folglich  ist
p  ^Pi  Qi  ■S'Pi  Qi
1_  E x  ~  IVo  Qi
(Formel  11  in  der  Tabelle).
Wir  können  also  annehmen,  daß  zu  jeder  Kolonnenüberschrift,  wenngleich ­
  sie  nur  die  Formel  für  P x  angibt,  auch  eine  entsprechende  Formel
für  E 1  gehört,  d.  h.  P x  und  H 1  kommen  in  korrelativen  Paaren  vor.  P 1  und
E x  sind  so  beschaffen,  daß,  wenn  eines  von  beiden  (sagen  wir  P x )  unabhängig ­
  von  der  Gleichung  2p x Q x  =  P X E X  gegeben  ist,  das  andere  dann
vermittelst  dieser  Gleichung  bestimmt  werden  kann.
Die  zwei  Größen  P x  und  H 1  sind  jedoch  nicht  vollkommen  symmetrisch. ­
  Zwischen  ihnen  besteht  der  wichtige  Unterschied,  daß  Pi  eine  unbenannte, ­
  E x  dagegen  eine  benannte  Zahl  ist,  die  in  Dollar  und  Cent  ausgedrückt
  werden  kann.
Die  p  und  Q  treten  nun  zwar  symmetrisch  in  der  Formel  2p x Q x
auf.  Ersetzen  wir  aber  diese  Formel  durch  P X E X ,  so  wird  es  offenbar,  daß
der  erste  Faktor  P x  die  p  in  einer  etwas  verschiedenen  Weise  darstellt  wie
der  zweite  Faktor,  E x ,  die  Q.  P x  ist  eine  reine  Zahl,  ein  Durchschnitt
reiner  Zahlen  —  der  Verhältnisse  zwischen  den  p  und  den  Basispreisen
p 0  —,  wogegen  E u  das  gleich  1  ist,  eine  benannte  Zahl  ist,  ein  Wert,
*  1
der  durch  Division  des  Wertes  2p x Q x  durch  die  reine  Zahl  P x  gefunden
wird.
Während  also  die  p  und  Q  in  der  ursprünglichen  Formel  2p x Q x  Symmetrischvorkommen, ­
  behandelt  sie  der  Prozeß,  durch  den  wir  Ip x Q x  in  P X E X
verwandeln,  unsymmetrisch.  Doch  können  wir  offenbar  die  Asymmetrie  in
ihrer  Behandlung  aufheben;  denn  anstatt  2p x Q x  gleich  P X E X  zu  setzen,
können  wir  es  gleich  W,  Di  setzen,  wobei  D x  nun  ein  Quantitäts-Index  ist,
das  heißt,  ein  Durchschnitt  der  Verhältnisse  zwischen  den  Q x  und  den  Q 0
0  0'  0"
oder  Basisquantitäten  (d.  h.  ein  Durchschnitt  von  •  ~r?&amp;gt;'")'•&amp;gt;  und
Q°  Qo
W,  das  daher  —^—-  ist,  ist  der  „Aggregatwert“,  d.  h.  der  Wert,  der  durch
Ml
Division  des  Wertes  2piQi  durch  die  reine  Zahl  Di  erhalten  wird.  Wenn
hier  die  Form  D x  unabhängig  von  der  Gleichung  2p x Q x  =  WiDi  gegeben
        <pb n="336" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

ist,  so  wird  die  Form  W\  vermittelst  dieser  Gleichung  bestimmt,  und  umgekehrt. ­

So  können  wir  2p x Q x  in  P 1 E 1  und  ebenso  in  PF 1 Ci 1  verwandeln.  Im
ersten  Falle  sind  die  p  durch  ein  Verhältnis  P 1  dargestellt,  im  zweiten  Falle
durch  einen  Wert  Wp,  im  ersten  Falle  sind  die  Q  durch  einen  Wert  E x  dargestellt, ­
  im  zweiten  Falle  durch  ein  Verhältnis  Q x .  Die  Asymmetrie  bei
jeder  der  beiden  Formeln  P 1 E 1  und  WCh  ist  umgekehrt  wie  bei  der
andern.
Endlich  können  wir,  wenn  wir  wollen,  die  p  sowohl  als  auch  die  Q
in  gleicher  Weise  behandeln,  durch  die  Gleichstellung  von  2p x Q x  mit  (2p 0 Q 0 )
PjDj,  wobei  beide,  P x  und  D lt  Indexziffern  für  die  p lt  beziehungsweise  die
Qi,  sind.  Das  heißt,  P x  und  Qj.  sind  (wie  wir  beweisen  werden)  Durchschnitte
von  Preisverhältnissen  wie  —  ,  bzw.  QuantitätsVerhältnissen  wie  Man
Po  y 0
kann  sagen,  daß  die  Gleichung  2p x Q x  =  (2p 0 Q 0 )  P X D x  jeden  der  beiden
Durchschnitte  (P x  und  Oj)  durch  den  andern  ausdrückt.  Einer  von
beiden  muß  also  unabhängig  von  der  Gleichung  bestimmt  werden.
So  gibt  es  also  drei  Möglichkeiten  verschiedener  Auflösungen  für
2'p x Qi,  nämlich:
2 Vl Q x  =  PjHj  =  Wgh  =  (SPoQo)  P&amp;amp;i-Dividiert
  man  die  dritte  Form  durch  2p a Q 0 ,  so  ergibt  sich
Qi  d  n
Wird  nun  entweder  P x  oder  O x  nach  Art  einer  Durchschnittsdefinition ­
  bestimmt,  und  erhält  man  die  andere  Größe  durch  obige  Gleichung,
so  wollen  wir  beweisen,  daß  auch  letztere  notwendigerweise  eine  Form
annehmen  muß,  die  einer  Durchschnittsdefinition  gleichkommt.  Wir  haben
Q  Q'
beweisen,  daß,  wenn  Qj.  als  Durchschnitt  von  A  A  •  •  •  angenommen
y 0  tyo
wird,  die  korrelative,  von  (1)  abgeleitete  Formel  für  P l5  nämlich:

ein  Durchschnitt  von

''&amp;amp;m
        <pb n="337" />
        320

Anhang  zum  X.  Kapitel.

(gemäß  der  allgemeinen,  im  Anhang  zum  II.  Kapitel  gegebenen  Definition
eines  Durchschnittes),  daß  Formel  (2)  gleich  k  sein  muß,  wenn

Pi_P ± _

■  ■■  =  k

o
O  '

(und  wenn  gleichzeitig

II
II
C?  je?

...  =  k').

Wir  setzen  also  voraus:

Pi_  v\  .

=  k,

Vo  P 0

dann  ist

Pi  =  kp 0 ;  p[  =  kp' 0 ‘,  •

Ferner  setzen  wir  voraus,

daß:

Qi  =  Q\  =
Qo  Qo

•  •  •  =  V,

dann  ist

&amp;lt;o
H*
II
&amp;lt;6
O

O»
II
K  H
&amp;lt;3*

Also  ist

2piQi  --  —(*Po

X
&amp;lt;0
o
T

Nun  ist  bekanntlich

Qi  =  Q\_  =

Qo  Qo

folglich  ist

Drchschn.

Qi  Qo
Qo’  Q\

=  v

nach  der  Definition  eines  Durchschnittes.
Daher  kann  die  Formel  (2)  nun  wie  folgt  geschrieben  werden:
kk'  2&amp;gt;„  Qo
^Po  Qo
k’

was  offensichtlich  gleich  k  ist.
Nach  der  Definition  ist  daher  die  Formel  (2)  ein  Durchschnitt  von
“Pi  V
Po’  ~iT  ^ urc ^  gleiche  Folgerung  können  wir  umgekehrt  nachweisen,
  daß
        <pb n="338" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

321

2PiQi
•^PoQo

((Dchschn.  —

Po

Pi
Po

Qi  Qi
4’  Q'o
daß,  wenn  entweder  P 1  oder  Di  in  der  Formel  P X D x

ein  regelrechter  Durchschnitt  von  ^,  -g  ■  •  •  ist -  Wir  schließen  daraus,
2PiQi

^PoQo

ein  Durchschnitt ­

  der  p-  bzw.  Q-Verhältnisse  ist,  folglich  auch  das  andere  ein  Durchschnitt ­
  der  Q-  bzw.  p-Verhältnisse  sein  muß.

§2.
Die  Indexziffern  für  Preise  kommen  ebenso  wie  die  Indexziffern  für
Quantitäten  in  antithetischen  Paaren  vor.
Wir  haben  gesehen,  daß  sich  aus  jeder  gegebenen  speziellen  Durchschnittsform ­
  für  Pj  eine  korrelative  Form  für  ergibt,  und  umgekehrt.  Wenn

also  P x  der  einfache  arithmetische  Durchschnitt

—  2  —  ist,  so  ist  dann
n  Po

-PiQi
0
Di  =  ~ F0V0 .  Wenn  wir  dagegen  von  Dj  als  dem  einfachen  arithmetischen
—  2?!
n  p 0
Durchschnitte  —  ^  ausgehen,  so  entdecken  wir  in  seinem  Korrelat  eine
n  Q 0
-P1Q1
Q
neue  Formel  für  P x ,  nämlich:  1  ■■■_■.  Auf  diese  Weise  führt  jede  für  P x
jL  v  Qi
n  ~  Q 0

gegebene  Formel  zu  einer  anderen  Formel  für  P a ,  die  deren  Antithese  genannt
werden  kann.  Diese  zweite  Formel  für  P x  ist  in  ihrer  Form  mit  der  zur  ersten
Formel  für  P x  in  Korrelation  stehenden  Formel  für  identisch  und  unterscheidet ­
  sich  von  derselben  nur  durch  eine  Vertauschung  der  p x  und  Q x .
Die  vier  Formeln  und  deren  Beziehungen  sind  klar  ersichtlich,  wenn
man  sie,  wie  in  folgendem  Beispiel,  in  Form  eines  Vierecks  anordnet.
.  91
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.
        <pb n="339" />
        322

Anhang  zum  X.  Kapitel.

vPi
Po

2piQi

antithetisch  zu

Q 0

korrelativ  zu

korrelativ  zu

D,  =  antithetisch  zu
1

W

Das  Formelpaar  in  der  linken,  senkrechten  Kolonne  drückt  korrelative
Formeln  aus,  die  eine  für  P 1  und  die  andere  für  Di-  In  der  diesen  beiden
diagonal  gegenüberliegenden  Formel  wurden  die  p  und  Q  miteinander  vertauscht. ­
  Bei  dem  so  gebildeten  rechten  Paare  ist  offensichtlich  jede  Formel
auch  ein  Korrelat  der  anderen  und  jede  ist  die  Antithese  der  in  derselben
wagerechten  Linie  zu  ihrer  Linken  stehenden  Formel.  Da  jede  Formel  P 1
eine  antithetische  Formel  für  P 1  bedingt,  so  haben  wir  hier  ein  Mittel,  aus
alten  Formeln  neue  zu  bilden,  und  auch  gewisse  unvermutete  Verwandtschaften ­
  zwischen  bereits  in  Anwendung  befindlichen  Formeln  aufzufinden. ­

In  der  nach  Seite  346  folgenden  Tabelle  der  Indexziffern  für  P x  stehen
die  antithetischen  Formeln  in  jedem  Falle  nebeneinander  und  sind  durch
eine  Klammer  verbunden.  Beide  zusammen  stellen,  wie  oben,  immer  die
obere  Hälfte  eines  Vierecks  dar.  Die  weggelassene  untere  Hälfte,  die  die  korrelativen ­
  Formen  für  gibt,  kann  in  jedem  Falle  leicht  ergänzt  werden;
um  indessen  Raum  zu  sparen,  enthält  jede  Kolonnenüberschrift  in  der
Tabelle  nur  die  Formel  für  P x  unter  Weglassung  des  Korrelats  für  £h  sowie
der  entsprechenden  Formeln  für  E 1  und  W v  Die  Formel  für  £i a  kann,  wie
gesagt,  durch  Vertauschung  der  p  und  Q  der  in  den  benachbarten  (antithetischen) ­
  Kolonnen  gegebenen  Formel  leicht  geschrieben  werden;  die  für
Hi  wird  durch  Division  von  2p 1 Q 1  durch  I\  gefunden;  die  für  W x  durch
Division  von  2p x  Qi  durch  £h.  Tatsächlich  dienen  1\  und  Wi  demselben
Zwecke,  nämlich  zur  Angabe  von  Preisveränderungen;  ebenso  haben
und  E x  den  Zweck,  Quantitätsveränderungen  anzuzeigen.  Während  einer
Reihe  von  Jahren  werden  die  Ziffern  für  P x  und  W x  proportional  sein,  mit
dem  einzigen  Unterschiede,  daß  P x  Prozente  darstellt,  wobei  die  Zahl  für
das  Ausgangsjahr  100  Prozent  ist;  während  in  Dollar  ausgedrückt  wurde
und  die  Zahl  für  das  Ausgangsjahr  repräsentiert  den  tatsächlichen  Umsatz
2p&amp;lt;&amp;gt;  Q 0  in  diesem  Jahre.  In  gleicher  Weise  unterscheiden  sich  £ij  und  E x
        <pb n="340" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

323

nur  dadurch,  daß  erstere  in  Prozenten  und  letztere  in  Dollar  ausgedrückt
sind,  wobei  die  Basisziffer  100  Prozent  respektive  2p 0 Q 0  Dollar  ist.
§3.
Allgemeine  Bedeutung  der  p  und  Q.
Wir  wollen  hier  einmal  innehalten  und  darauf  hinweisen,  daß  die  ganze
vorliegende  Erörterung  lediglich  die  Form  einer  Indexziffer  der  p  und  Q
betrifft  ohne  jedwede  Bezugnahme  auf  die  Bedeutung,  die  diesen  p  und  Q
beizulegen  ist.  Diese  Bedeutung  kann  sich  auf  viel  weitgehendere  Probleme
beziehen,  als  einfach  auf  die  Preise  und  Mengen  in  der  Verkehrsgleichung.
So  z.  B.  kann  eine  Preisindexziffer  mit  Bezug  auf  die  Kaufkraft  des  Lohnes
eines  Arbeiters  konstruiert  werden.  In  diesem  Falle  kann  die  vorherige
Formel,  nämlich  2p t  Qi  zur  Anwendung  kommen,  die  Glieder  haben  aber
dann  eine  verschiedene  Bedeutung.  Die  p  beziehen  sich  nun  auf  die  Preise
der  Güter,  die  in  den  Arbeiterbudgets  Vorkommen,  und  die  Q  auf  die  Mengen
der  Güter,  die  unter  den  Konsum  eines  Arbeiters  fallen.  In  diesem  Falle
zeigt  der  Preisindex  P  das  Preisniveau  des  Arbeiter-Konsums  an,  und  der
Index  H  bedeutet  einen  Index  der  Reallöhne  der  Arbeiter.  Jedwede  besondere ­
  Form  eines  Preisindexes  bedingt  nun  auch  eine  besondere  entsprechende ­
  Form  eines  Reallohnindexes.
Wenn  wir  andrerseits  die  Kapitalstatistiken  studieren,  wie  die  in  Giffens
Growth  of  Capital,  so  haben  wir  2p  Q  als  Kapitalwert,  wobei  die  p  die  Preise
der  verschiedenen  Kapitalarten  und  die  Q  deren  Quantitäten  sind.  Für
jede  spezielle  Form  der  Preisindexziffer  P,  die  das  Preisniveau  des  Kapitals
darstellt,  gibt  es  einen  korrelativen  speziellen  Kapitalmdex,  der  zum  Unterschiede ­
  von  seinem  bloßen  Geldwerte  das  tatsächliche  „Wachsen  des  Kapitals“ ­
  anzeigt.  Ein  derartiger  Index  scheint  selten  angewendet  worden  zu
sein 1 ).  Doch  ist  es  offenbar  ratsam,  zwischen  einer  scheinbaren,  durch  eine
künstliche  Preissteigerung  hervorgerufene  Kapitalzunahme  und  einer
natürlichen  Kapitalzunahme,  wie  sie  durch  einen  wie  hier  vorgeschlagenen
Index  angezeigt  würde,  einen  Unterschied  zu  machen.

x)  Siehe  Giften,  Growth  of  Capital,  London  (George  Bell  &amp;amp;  Sons)  1889  S.  50-54,
woselbst  Veränderungen  im  Preisniveau  berücksicht.gt  und  Indexziffern  aus  dem  Economist ­
  von  Sauerbeck  und  von  Soetbeer  angeführt  wurden.  Professor  J.  S.  Nicholson  befürwortete ­
  eine  solche  Kapitalnorm  im  Journal  of  the  Royal  Statistical  Association,  März
1887,  S.  152  ff.  Diese  Methode  wurde  von  Edgeworth  im  Report  of  the  Bnhsh  Association, ­
  1887,  S.  276  erörtert.

21*
        <pb n="341" />
        324

Anhang  zum  X.  Kapitel.

Wir  sehen  also,  daß  dort,  wo  immer  Preise  und  Quantitäten  vereinigt
wurden,  zur  Konstruktion  korrelativer  Indexzifferpaare  die  erforderlichen
Bedingungen  gegeben  sind,  wobei  sich  der  eine  Index  jeden  Paares  auf  Preise
und  der  andere  auf  Quantitäten  bezieht.
Der  Einfachheit  wegen  werden  wir  aber  nach  wie  vor  die  Größe  H  und
nicht  Q  anwenden  und  dieselbe  einen  „Handelsindex“  nennen.

§4.
Übersicht  über  die  44  Formeln  als  Kolonnenköpfe  der  Tabelle.
Wir  wollen  nun  die  Formeln  der  Tabelle  ausgewählter  Indexziffern
einer  kurzen  Betrachtung  unterziehen.  Jede  Formel  mit  gerader  Zahl  wird
am  besten  als  von  der  Formel  mit  ungerader  Zahl  zu  ihrer  Linken  als  deren
Antithese  ableitbar  betrachtet.  Die  ungeraden  Formeln  sind  diejenigen,
welche  ohne  Bezug  auf  den  Durchschnitt  der  Q  direkt  für  die  p  konstruiert
wurden;  die  geraden  Formeln  wurden  unter  Bezugnahme  auf  einen  für  die  Q
zuerst  angenommenen  Durchschnitt  indirekt  konstruiert.  Die  letzteren  sind
das,  was  Wal  sh  mit  dem  Namen  „doppelt  wiegend“  bezeichnete.
Formel  (1)  ist  lediglich  das  Verhältnis  der  Preissummen.  Sie  kann
auch  als  das  Verhältnis  der  Preisdurchschnitte  der  beiden  in  Betracht

kommenden  Jahre  angesehen  werden,  wie  durch  die  Schreibweise

2pi
n
2p 0
n

klar  ersichtlich  ist,  wobei  n  die  Zahl  der  angewandten  Waren  darstellt.
Diese  Formel  wurde  im  Jahre  1738  von  Dutot x )  und  kürzlich  von  Bradstreet
 *  2 )  gebraucht,  welch  letzterer  sie  praktisch  anwandte.
Obgleich  die  Formel  ein  Verhältnis  von  Durchschnittspreisen  darstellt,  so
kann  sie  auch  auf  die  Form  eines  gewogenen  arithmetischen  Durchschnittes  der

Preisverhältnisse  —,  usw.  gebracht  werden,  wie  folgende  Um-Po
  Po  Po

Wandlung  zeigt:

*)  Siehe  Walsh,  Measurement  of  Generäl  Exchange  Value,  New  York  (MacmiUan),
1901,  S.  534,  653.
2 )  Bradstreet's  Journal  aus  dem  Jahre  1895.
        <pb n="342" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

325

2pi  _  Pi  +  Pi  +  P"  ~\
2p 0  Vo  +  Vo  +  Vo  4

Po  +  PÖ  +  Po  +  •  •  •

In  dieser  letzten  Form  ist  die  Formel  offenbar  der  gewogene  arithmetische
Durchschnitt  der  eingeklammerten  Proportionen  mit  den  Preisen  p 0 ,  p' 0 ,
p”,...  des  Jahres  0  als  Gewichte.  Eine  Veränderung  der  Mengeneinheiten
der  verschiedenen  Güter  würde  auch  eine  solche  dieser  Preise  nach  sich
ziehen;  eine  Abänderung  der  Unzen  in  Pfunde  würde  die  den  Preis  ausdrückende ­
  Zahl  mit  sechzehn  multiplizieren.  Jede  derartige  Änderung
eines  Preises  wie  z.  B.  der  p 0  würde  auch  die  relative  Bedeutung  der  „Gewichte ­
 11  Po,  Pq  usw.  gänzlich  ändern.  Infolgedessen  ist  dieses  System  des
Wiegens,  wie  Walsh  erklärte,  ein  ganz  willkürliches  oder  zufälliges x ).
Dieselbe  Formel  ist,  wie  aus  folgender  Umwandlung  zu  ersehen  ist,
auch  ein  harmonischer  Durchschnitt:
Sp t  =  Pi  +  Pi-i
-Po  Po  +  Po  4

Pl  +  Pl  +  •  •  •

Pl

(Po
\Pv

1

)+•■■

Pl(

'Po\
-Pli

4

Pi  +  Pi  4

Offensichtlich  ist  die  letzte  Formel  der  reziproke  Wert  eines  gewogenen
arithmetischen  Durchschnittes  der  in  Klammern  stehenden  Preisverhältnisse. ­
  Diese  Preisverhältnisse  sind  aber  die  reziproken  Werte  von
(~J,  p/j,  usw.  Mit  anderen  Worten:  die  Formel  ist  der  reziproke
Wert  eines  gewogenen  arithmetischen  Durchschnittes  der  reziproken  Werte
der  Verhältnisse  —  usw.  Sie  ist  daher  der  gewogene  harmonische  Durch-Po

schnitt  der  Verhältnisse  —  usw.,  und  die  Gewichte  sind  p x ,  p[  usw.  oder
Po
die  Preise  des  Jahres  1.  1
1 )  Walsh,  Measurment  usw.,  S.  81  und  82.
        <pb n="343" />
        326

Anhang  zum  X.  Kapitel.

Kurz,  die  Formel  (1)  ist  sowohl  ein  arithmetischer  als  auch  ein  harmonischer ­
  Durchschnitt  von  —,  ~  usw.,  wobei  im  ersten  Falle  die  Glieder  des
Po  Po
Nenners  und  im  zweiten  die  des  Zählers  die  Gewichte  sind.
Obwohl,  wie  wir  gesehen  haben,  Formel  (1)  der  Tabelle  vornehmlich  ein
Verhältnis  von  Preisdurchschnitten  darstellt,  so  kann  sie  doch  als  ein  Durchschnitt ­
  von  Preisverhältnissen  mit  willkürlicher  Wägung  betrachtet  werden.
Umgekehrt  können  wir  nach  Belieben  jeden  Durchschnitt  der  Verhältnisse ­
  als  ein  Verhältnis  von  Durchschnitten  betrachten,  wenn  wir  zur
Messung  von  Waren  willkürliche  Einheiten  annehmen.  Es  ist  klar  ersichtlich, ­
  daß,  wenn  die  Maßeinheit  in  irgendeinem  Verhältnis  erhöht  wird,  die
den  Preis  ausdrückende  Zahl  in  umgekehrtem  Verhältnis  eine  Erniedrigung
erfährt.  Wenn  wir  daher  die  Maßeinheit  einer  Ware,  deren  Preis  zuerst
durch  2h  ausgedrückt  ist,  mittels  Division  durch  p 0  ändern,  so  wird  aus
diesem  Preise  —.  Auf  diese  Weise  kann  —  sowohl  als  Preis  als  auch  als  Preis-Po
  Po
rß  (ß
Verhältnis  angesehen  werden.  Folglich  kann  ein  Durchschnitt  von  —,  ,,
Po  Po

1 usw.,  als  Durchschnitt  von  Preisen  betrachtet  werden.  Als  neue  Einheit
fo
einer  Ware  gilt  dann,  an  Stelle  eines  Pfundes,  Yards  usw.  die  Warenquantität,
welche  ein  Dollar  im  Ausgangsjahre  häufen  würde.  Bei  dieser  Einheit  ist  der
Preis  im  Ausgangsjahre  gleich  Eins,  denn  wenn  wir  den  Preis  p 0  der  ursprünglichen ­
  Einheit  durch  den  Faktor  p 0  dividieren,  so  erhalten  wir  Eins.
Von  nun  an  werden  wir  jedoch  alle  Indexziffern  als  Durchschnitte  von
Preisverhältnissen  behandeln.
Interessant  ist  die  Feststellung,  daß  die  Antithese  von  Dutots  oder
Bradstreets  Formel  (Nr.  2),  die  mittels  Division  des  Bruches
AQi

die  korrelative  Formel  für  £b,  nämlich  durch

2Qo’

v»,  o  durch
O^O
gefunden  wird,  sich

als  diejenige  erweist,  welche  von  Drobisch x )  und  früher  von  Sir  Rawsonr

 )  Siehe  M.  W.  Drobisch,  „Über  Mittelgrößen  und  die  Anwendbarkeit  derselben
auf  die  Berechnung  des  Steigens  und  Sinkens  des  Geldwertes“  (Berichte  über  die  Verhandlungen ­
  der  Königlich  sächsischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften  zu  Levpzig\  Mathematisch-physische ­
  Klasse,  Band  XXIII,  1871,  S.  25—48).  Dgl.  „Über  die  Berechnung
der  Veränderungen  der  Warenpreise  und  des  Geldwertes“  (Jahrbücher  für  Nationalökonomie
und  Statistik,  1871,  Band  XVI,  S.  143—156);  und  „Über  einige  Einwürfe  gegen  die  in
diesen  Jahrbüchern  veröffentlichte  neue  Methode,  die  Veränderungen  der  Warenpreise
und  des  Geldwertes  zu  berechnen“  (loc.  dt.,  1871,  Band  XVI,  S.  416—427).  Siehe  auch
V  alsh,  op.  dt.,  S.  97—99,  woselbst  die  Berechnungsmethode  erklärt  wurde.
        <pb n="344" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

327

Rawson x )  vertreten  wurde.
Formel  (3) 2 )  ist  oöensichtlich  der  bekannte,  einfache  arithmetische
Durchschnitt

n

n

Formel  (4),  die  Antithese  von  Formel  (3),  gibt  als  Durchschnitts-Preis-Verhältnis
  das  Verhältnis  der  Gesamtwerte  2piQil2p 0 Q 0 ,  die  zur  Abänderung ­
  der  Q  mittels  Division  durch  das  arithmetische  Durchschnittsverhältnis ­
  der  Q  berichtigt  wurde.
Künftighin  werden  wir  die  Formeln  mit  geraden  Zahlen,  die  Antithesen
der  vorhergehenden  ungeraden  Formeln  darstellen,  übergehen  und  sie  nur
dann  erwähnen,  wenn  ein  besonderer  Grund  hierzu  vorliegt.
Formeln  (5),  (7) 3 )und  (9) 4 )  stellen  das  gewöhnliche  harmonische  und
geometrische  Mittel  sowie  den  gewöhnlichen  Medianwert  dar.  Wir  sehen,
daß  die  Antithese  von  (7),  nämlich  (8),  einer  der  von  Nicholson  und  Walsh
vorgeschlagenen  Werte  ist 5 ).
Formel  (11) 6 )  ähnelt  der  von  Bradstreet,  nur  mit  dem  Unterschiede,
daß  die  Einführung  der  Q  als  Multiplikatoren  ein  willkürliches  Wägen  nicht
zuläßt,  denn  ungleich  den  Gewichten  p 0  usw.,  werden  die  Gewichte  p 0 Q 1
usw.  durch  eine  Änderung  der  Maßeinheiten  für  Waren  nicht  beeinflußt.
Ob  nun  ein  Artikel  in  Pfunden  oder  Unzen  gemessen  wird,  übt  auf
O  Siehe  Edgeworth,  Report  oj  the  British  Association  for  ihe  Advancemmt  of  Science,
1889,  S.  152.  Sir  Rawson-Rawsons  Vorschlag,  wie  ihn  Edgeworth  eingehend  daxgestellt
hat,  ging  dahin,  den  Wert  der  Ausfuhr  (oder  Einfuhr)  durch  das  Ladegewicht  der
Ausfuhr  (oder  Importpreise)  zu  dividieren  und  das  Ergebnis  als  eine  Indexziffer  für  die
Exportpreise  (oder  Einfuhr)  anzusehen.  Der  Vorschlag  ist  nicht  aus  theoretischen
Gründen,  sondern  praktischer  Berechnungserleichterung  wegen  gemacht  worden.  Edgeworth ­
  verglich  die  Ergebnisse  von  Rawsons  ungefährer,  aber  zuverlässiger  Methode
mit  Giffens  genauerer  Methode,  indem  er  die  tatsächlichen  Zahlen  für  das  Jahr  1886
mit  denen  für  1885  verglich  und  eine  wesentliche  Übereinstimmung  fand.
2 )  Betr.  Darlegung  der  Geschichte  dieser  Formel  von  Carli  bis  zur  Gegenwart  siehe
Walsh,  op.  dt.  S.  534.
s )  Siehe  Jevons,  Investigations  in  Currency  and  Finance,  London  (Macmillan),  1884-Edgeworth,
  Reports  British  Assodation,  1887,  1888,  1889;  Walsh,  op.  dt.  S.  229  ff.
4 )  Siehe  Edgeworth,  Reports  British  Assodation,  1887,  1888,  1889,  besonders  1888
S.  206  ff.
6 )  Walsh,  op.  dt.,  S.  548.
6 )  Über  Formel  11  und  12  gibt  es  eine  umfangreiche  Literatur.  Siehe  Walsh
°V-  dt.,  S.  191  ff.  und  539  ff.
        <pb n="345" />
        328

Anhang  zum  X.  Kapitel.

den  Wert  einer  gegebenen  Menge  keinerlei  Einfluß  aus.  Folgende  Umformung ­
  zeigt,  daß  die  Formel  ein  gewogenes  arithmetisches  Mittel  ist:
^ViQi  __  P1Q1  +  v'iQi-\
^VoQi  PoQi  +  pöQi  4

VoQi  +  PoQi  H

Die  letzte  Formel  ist  offenbar  ein  gewogener  arithmetischer  Durchschnitt ­
  der  Preisverhältnisse  in  den  Klammern;  und  deren  Gewichte  sind
p 0 Qi,  PoQi  usw.,  d.  h.  es  sind  die  Werte  der  Quantitäten  des  Jahres  1,
berechnet  zu  den  Preisen  des  Jahres  0.
Dieselbe  Formel  ist  aber  auch  ein  harmonischer  Durchschnitt,  was
ersichtlich  wird,  wenn,  wie  dies  bei  Formel  (1)  geschah,  anstatt  des  Zählers
der  Nenner  umgeformt  wird.  Sie  ist  ein  gewogener  harmonischer  Durchschnitt, ­
  dessen  Gewichte  PiQ t ,  p[Q[  usw.,  oder  die  Werte  des  Jahres  1  sind.
Kurz,  Formel  (11)  oder  ist,  wie  Formel  (1),  sowohl  ein  gewogener
  arithmetischer  als  auch  ein  gewogener  harmonischer  Durchschnitt ­
  von  -- 1 -,  ”,  usw.,  doch  sind  die  Gewichte  in  beiden  Fällen  ver-Po
  Po  Po
schieden.
Formel  (11)  besitzt  die  interessante  Eigenart,  daß  ihre  Antithese  (12)
dieselbe  Form  hat,  nur  mit  dem  Unterschiede,  daß  die  Q  nunmehr  mit  dem
Index  0  anstatt  mit  1  bezeichnet  sind.  Eine  ähnliche  Folgerung  zeigt,
daß  diese  Formel  (12)  ebenfalls  sowohl  ein  arithmetischer  als  auch  ein
harmonischer  Durchschnitt  ist,  der  je  nach  den  Gliedern  seines  Nenners
bzw.  Zählers  gewogen  wurde.
Diese  beiden  Formeln  (11)  und  (12)  scheinen  bei  den  Autoren  über
Indexziffern  sehr  beliebt  zu  sein.  Da  die  Mängel  der  einen  Formel  in  gewissen ­
  Fällen  keinesfalls  Mängel  der  anderen  sind,  so  wurden  viele  Versuche
gemacht,  sie  in  eine  einzige  zu  verschmelzen.  So  ist  zum  Beispiel  Nr.  (18) x )
deren  einfacher  arithmetischer  Durchschnitt.  Die  Antithese  von  (13),  nämlich ­
  (14),  erweist  sich  als  einfacher  harmonischer  Durchschnitt  von  (11)  und
(12).  Die  Formel  (15)  ist  der  einfache  geometrische  Durchschnitt  von  (11)  und
(12)  und  ist  mit  ihrer  eigenen  Antithese  (16)  identisch.  Die  Formel  (17),
(19),  (21)  und  (23)  stellen  weitere  Versuche  einer  Vereinigung  der  Formeln
1 )  Literaturnachweis  über  diese  und  viele  andere  der  übrigen  Formeln  der  Tabelle
(Kolonne  13  44)  siehe  Walsh,  Measurement  of  General  Exchange-Value,  S.  386  bis  388,
        <pb n="346" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

329

(11)  und  (12)  dar,  jedoch  nicht  durch  Berechnung  deren  Durchschnitts,  wie
es  bei  (13)  und  (15)  der  Fall  war,  sondern  durch  Berechnung  des  Durchschnitts ­
  ihrer  Koeffizienten  Qi  und  Qo&amp;gt;  Q'i  und  Q' 0  usw.  Zwei  ihrer  Antithesen,
nämlich  (18)  und  (22),  erweisen  sich  als  die  von  Walsh  und  (24)  als  die  von
Julius  Lehr  vorgeschlagenen  Formeln 1 ).
Wir  haben  gesehen,  daß  die  Formeln  (11)  und  (12)  als  arithmetische
Durchschnitte  betrachtet,  folgende  Gewichte  besitzen:
Nr.  11:  p 0 Qi,  VoQ'v  VoQi  usw.
und  Nr.  12:  p 0 Q 0 ,  p' 0 Qa,  Vo'Q'o  usw.
Wir  nehmen  sodann  die  Gewichte
ViQi,  p'iQv  ViQi  usw.  für  Nr.  (25)
und  PiQo,  PiQo,  ViQo  usw.  für  Nr.  (27)
und  ergänzen  auf  diese  Weise  die  vier  Permutationen  der  Indexzahlen
01,  00,  11  und  10.  Nummer  (29)  stellt  einen  gewogenen  arithmetischen
Durchschnitt  dar,  dessen  Gewichte  nicht  vom  Produkt  der  Preise  und  der
Quantitäten  des  Grundjahres  (1),  sondern  aus  anderen  Erwägungen  abgeleitet ­
  sind.  Als  Beispiel  hierfür  gilt  die  in  einigen  Tabellen  des  „Aldrich
Report“ 2 )  angewendete  Methode,  nach  welcher  der  Prozentsatz  der  Konsumtion ­
  verschiedener  Art  in  den  Arbeiterbudgets  die  Gewichte  sind  und
zwar  ohne  Bezugnahme  auf  das  Basisjahr  oder  auf  ein  anderes  bestimmtes  Jahr.
Die  Formeln  (31)  und  (33)  sind  gewogene  harmonische  Mittel,  in  denen
die  Gewichte  anstatt
p x Q ±  usw.,  wie  in  (11),
oder  piQo  usw.,  wie  in  (12),
p 0 Qi  usw.  für  (31)
und  p 0 Qo  usw.  für  (33)  sind.
Somit  wurden  hier  dieselben  Permutationen  der  Indexzahlen  für  harmonische ­
  Durchschnitte  durchgeführt,  wie  dies  vorher  für  arithmetische
Durchschnitte  geschah.  Wir  sehen  also,  daß  die  ungeraden  Formeln  von  (11)
bis  einschließlich  (33)  lediglich  arithmetische  oder  harmonische  Durchschnitte ­
  von  —  usw.  oder  aber  Durchschnitte  oder  Mischungen  solcher
Vo
Durchschnitte  sind.
D  Beiträge  zur  Statistik  der  Preise,  Frankfurt  a.  M.,  1885,  (Methode  S.  11  und
S.  37—42).  Erklärung  der  Methode  in  Walshs  Measurement  of  Generäl  Exchange-Vahie
S.  386—388.
2 )  Report  on  Wholesale  Prices,  Senatsbericht  1394,  2.  Session,  52.  Kongreß,  1893.
        <pb n="347" />
        330

Anhang  zum  X.  Kapitel.

Die  Formeln  (35),  (37),  (39),  (41)  repräsentieren  verschiedene  Formen
gewogener  geometrischer  Durchschnitte  jener  Preisverhältnisse  mit  folgenden ­
  Gewichten:
usw.  für  (35),
PoQo  usw.  für  (37),
PiQo  usw.  für  (39),
Po  Qi  usw.  für  (41).
Nummer  (43)  ist  das  Verhältnis  des  gewogenen  geometrischen  Durchschnittes ­
  der  Preise  in  den  Jahren  1  und  0,  wobei  die  Gewichte  für  das
Jahr  1  PiQj  usw.  und  für  das  Jahr  0  p 0 Q 0  usw.  sind.
Aus  all  dem  Gesagten  ist  zu  ersehen,  daß  sämtliche  44  für  die  Tabelle
ausgewählten  Formeln  auf  einige  einfache  Grundsätze  der  Durchschnittsbildung ­
  aufgebaut  wurden.  Die  meisten  davon  sind  arithmetische,  harmonische ­
  oder  geometrische  Durchschnitte  oder  deren  Kombinationen.
Es  erübrigt  sich  zu  erwähnen,  daß  zahlreiche  andere  und  kompliziertere
Formen  konstruiert  werden  können.

§5.

Übersicht  über  die  als  Titel  der  Tabellenreihen  figurierenden
acht  Proben.

Nachdem  wir  nun  die  Überschriften  der  senkrechten  Kolonnen  der  Tabelle ­
  durchgenommen  haben,  kommen  wir  zur  Erörterung  der  am  Anfang
der  wagerechten  Keihen  stehenden  Titelworte.  Letztere  repräsentieren  acht
Indexzifferproben.  Die  ersten  sechs  Proben  sind  in  Paare  geordnet,  wobei
die  ungeraden  auf  die  Preise  und  die  geraden  auf  die  Quantitäten  Bezug  haben.

Acht  Proben  für  eine  gute  Indexziffer.
Die  acht  Proben  haben  den  Zweck,  neben  den  bisher  beim  Studium  der
Indexziffern  angewandten  noch  weitere  Proben  zu  umfassen.  Es  sind  dies
die  folgenden:
1.  Probe  der  Proportionalität  in  bezug  auf  die  Preise.
2.  Probe  der  Proportionalität  in  bezug  auf  die  Handelsziffem.
3.  Probe  der  Bestimmbarkeit  in  bezug  auf  die  Preise.
4.  Probe  der  Bestimmbarkeit  in  bezug  auf  die  Handelsziffem.
5.  Probe  des  Ausschlusses  oder  Einschlusses  in  bezug  auf  die  Preise.
6.  Probe  des  Ausschlusses  oder  Einschlusses  in  bezug  auf  die  Handels-Ziffern.
        <pb n="348" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

331

7.  Probe  der  Veränderung  der  Basis  bei  den  Preisen  und  bei  den
Handelsziffern.
8.  Probe  der  Veränderung  der  Maßeinheit  sowohl  in  bezug  auf  die
Preise  als  auch  auf  die  Handelsziffern.
Wir  wollen  zunächst  jede  dieser  Proben  allgemein  definieren  und  sie
dann  durch  tatsächliche  Anwendung  veranschaulichen.
1.  Probe  der  Proportionalität  in  bezug  auf  die  Preise.  Eine  Formel  für
den  Preisindex  muß  so  beschaffen  sein,  daß  der  Preisindex  mit  allen  individuellen ­
  Preisverhältnissen  übereinstimmt,  wenn  letztere  untereinander
sämtlich  übereinstimmen.  Wenn  also  der  Preis  eines  jeden  Gegenstandes
im  Jahre  1910  um  10  Prozent  höher  ist  als  im  Jahre  1909,  so  muß  die
Indexziffer  um  zehn  Prozent  höher  ausfallen.
2.  Probe  der  Proportionalität  in  bezug  auf  die  Handelsziffern.  Ebenso
muß  die  korrelative  Formel  für  den  Handelsindex  derart  sein,  daß  der
Handelsindex  mit  allen  individuellen  Handelsverhältnissen  übereinstimmt,
wenn  letztere  untereinander  sämtlich  übereinstimmen.
3.  Probe  der  Bestimmbarkeit  in  bezug  auf  die  Preise.  Ein  Preisindex
darf  nicht  mit  Null,  unendlich  oder  unbestimmt  ausfallen,  wenn  ein  Einzelpreis ­
  Null  wird.  Wenn  beispielsweise  im  Jahre  1910  irgendeine  Ware  den
Markt  überfüllte  und  „Freigut“  wurde,  so  darf  deswegen  die  Indexziffer  für
1910  nicht  mit  Null  wiedergegeben  werden.
4.  Probe  der  Bestimmbarkeit  in  bezug  auf  die  Handelsziffern.  Der  korrelative ­
  Handelsindex  darf  nicht  mit  Null,  unendlich  oder  unbestimmt  ausfallen, ­
  wenn  eine  einzelne  Quantität  zu  Null  wird.  Wenn  also  im  Jahre
1910  irgendeine  Ware  vollständig  außer  Gebrauch  kam,  so  daß  deren  ausgetauschte ­
  Menge  gleich  Null  lautete,  dann  darf  diese  Tatsache  den
Handelsindex  für  1910  nicht  unbestimmbar  machen.
5.  Probe  des  Ausschlusses  oder  Einschlusses  in  bezug  auf  die  Preise.  Ein
Preisindex  muß  vom  Ausschluß  oder  Einschluß  eines  Preisverhältnisses,  das
mit  dem  Index  übereinstimmt,  unberührt  bleiben.  Wenn  also  der  Preisindex
einer  gewissen  Anzahl  von  Gütern,  ausschließlich  des  Zuckers,  im  Jahre  1910,
im  Vergleich  zum  Jahr  1900  auf  105  lautete  und  der  Preis  des  Zuckers
selbst  im  Jahre  1910  im  Vergleich  zum  Jahr  1900  ebenfalls  105  betrug,
dann  darf  der  Einschluß  des  Zuckers  in  die  Berechnung  der  Indexziffer
den  Index  105  nicht  verändern.
6.  Probe  des  Ausschlusses  oder  Einschlusses  in  bezug  auf  dieHandelsziffern.
Der  korrelative  Handelsindex  darf  vom  Ausschluß  oder  Einschluß  eines
Quantitätsverhältnisses,  das  mit  dem  Index  übereinstimmt,  nicht  berührt
"werden.
        <pb n="349" />
        332

Anhang  zum  X.  Kapitel.

7.  Probe  der  Veränderung  der  Basis.  Die  Verhältnisse  zwischen  verschiedenen ­
  Preisindizes  (und  daher,  wie  wir  sehen  werden,  auch  die  Verhältnisse ­
  zwischen  den  korrelativen  Handelsindizes)  dürfen  von  einer  Umkehrung
oder  Veränderung  der  Basis  nicht  berührt  werden.  Wenn  also  die  Indexziffer ­
  für  1910,  auf  der  Basis  von  1860  berechnet,  das  Doppelte  der  Ziffer
für  1900  ist,  so  muß  sie  auch,  auf  der  Basis  von  1870  berechnet,  doppelt
so  hoch  bleiben.
8.  Probe  der  Veränderung  der  Maßeinheit.  Die  Verhältnisse  zwischen
verschiedenen  Preisindizes  (und  daher,  wie  wir  sehen  werden,  auch  die  Verhältnisse ­
  zwischen  den  korrelativen  Handelsindizes)  müssen  bei  einer  Veränderung ­
  der  Maßeinheit  unbeeinflußt  bleiben.  Wenn  also  die  Indexziffer
für  1910,  falls  die  Kohlenmenge  nach  Tonnen  ausgedrückt  wird,  das  Doppelte
der  Ziffer  von  1900  ist,  so  muß  dieselbe  auch  das  Doppelte  bleiben,  falls
die  Kohlenmenge  nach  Pfunden  ausgedrückt  wird.
Die  Aufstellung  der  Probe  7  und  8  bezieht  sich  in  jedem  Falle  sowohl
auf  die  Preise  als  auch  auf  die  Quantitäten.  Beide  Fälle  bedeuten,  daß  das,
was  sich  bei  den  Preisindizes  bestätigt,  sich  auch  bei  den  Handelsindizes  bestätigen ­
  muß,  und  vice  versa.  Um  dieses  reziproke  Verhältnis  der  Probe  7
(Veränderung  der  Basis)  nachzuweisen,  wollen  wir  den  Preisindex  für  das
Jahr  1  im  Ausdruck  des  Jahres  0,  anstatt  wie  bisher  mit  P l5  mit  P 1)0  bezeichnen ­
  —  wobei  das  Grundjahr  eine  spezielle  Benennung  erhält  —  und
wir  wollen  dann  die  Jahre  1  und  2  miteinander  vergleichen,  indem  wir  zuerst
das  Jahr  0  und  dann  (sagen  wir)  das  Jahr  8  als  Basis  benutzen.  Wenn  die
P  i  P
Probe  der  Basisveränderung  bei  den  P  erfüllt  ist,  d.  h.  wenn  —=  D 1,8 &amp;gt;
B  2,0  B  2,8
so  haben  wir  noch  zu  beweisen,  daß  das  diesbezügliche  Verhältnis  auch  bei
den  E  zutrifft,  nämlich  daß

Bekanntlich  ist

E
E

1,8  •  ,
—  ist.
2,8

(1)
(2)
(3)

#1,0

ZPiQi
Pija  ’

E  2,0

Z'lhQ,
P«,0  ’

#1.8  =

ApiQi
P  1,8  ’
        <pb n="350" />
        —

k

Anhang  zum  X.  Kapitel.

333

Dividieren  wir  (1)  durch  (2)  und  (3)  durch  (4),  so  erhalten  wir  die
Quotienten
ffi.o  (ZViQi)  (Ps.o\
H»,o  [ipM  \Pi,J
und
Bl,S  PlQl\  /^*2,8\
#2,3  ~  Up 2 Q 2 /  V-Pi.s/  ‘
Vergleichen  wir  die  rechten  Seiten  dieser  Gleichungen,  so  finden  wir,  daß
die  "2”-Verhältnisse  in  beiden  Fällen  miteinander  identisch  sind,  und  wir
wissen,  daß  die  P-Verhältnisse  durch  Hypothese  gleich  sind.  Folglich  sind
die  ganzen  rechten  Seiten  der  beiden  Gleichungen  und  somit  auch  die
linken  Seiten  ebenfalls  gleich,  was  zu  beweisen  war.  Die  umgekehrte  Schlußfolgerung ­
  liegt  ebenfalls  klar  auf  der  Hand.
Der  Probe  der  Veränderung  der  Basis  gleich,  kann  auch  die  Probe  der
Veränderung  der  Maßeinheit,  nämlich  Nr.  8,  nicht  für  Preise  gelten,  ohne
gleichzeitig  auch  auf  die  Quantitäten  anwendbar  zu  sein  und  vice  versa.
Zur  Beweisführung  nehmen  wir  die  Gleichung  H  =  p  •  Offenbar  bleibt
der  Zähler  der  rechten  Seite  dieser  Gleichung  von  einer  Veränderung  der
Einheit  unberührt.  Wenn  z.  B.  Kohle  anstatt  in  Tonnen  in  Unzen  gemessen
und  somit  die  Zahl  (sagen  wir  die  Q),  die  deren  Quantität  darstellt,  ganz
bedeutend  erhöht  würde,  so  würde  dies  den  Wert  (p  Q)  nicht  beeinflussen,
da  die  Zahl  (p),  die  den  Preis  darstellt,  demgemäß  erniedrigt  wird.  Wenn
daher  der  Nenner  (P)  der  diesbezüglichen  Probe  entspricht,  d.  h.  wenn  derselbe ­
  bei  einer  Veränderung  der  Einheit  ebenfalls  unbeeinflußt  bleibt,  so
muß  auch  der  Quotient  (H)  unberührt  bleiben.  Das  heißt,  wenn  die  Probe
der  Maßeinheitsveränderung  für  P  entspricht,  so  muß  dieselbe  auch  für  H
entsprechen.  Da  sich  dies  auch  auf  die  umgekehrte  Schlußfolgerung  bezieht, ­
  so  ist  die  Behauptung  bewiesen.
Die  ersten  sechs  Proben  sind  abwechselnd  in  Preisen  und  in  Quantitäten
ausgedrückt.  Wir  machen  nun  darauf  aufmerksam,  daß  die  sich  auf  die  Preise
beziehenden  Proben  auch  für  die  Quantitäten  von  Bedeutung  sind  und  daß
die  sich  auf  Quantitäten  beziehenden  Proben  auch  für  die  Preise  Bedeutung
haben.  Das  heißt:  alle  Proben  sind  sowohl  für  Preise  als  auch  für  Quantitäten ­
  von  Bedeutung.
Um  auf  diese  wichtige  Tatsache  Nachdruck  zu  legen,  wollen  wir  die
Bedeutung  jeder  Probe  für  die  Kategorie  der  Preise  feststellen.  Da  diese
Bedeutung  bei  den  Proben  1,  3,  5,  7  und  8  in  der  Darlegung  der  Probe
        <pb n="351" />
        334

Anhang  zum  X.  Kapitel.

offensichtlich  zum  Ausdruck  kommt,  so  haben  wir  dies  nur  noch  bei  den
Proben  2,  4  und  6  darzustellen.
Probe  2  sagt  uns,  daß,  wenn  alle  Handelsverhältnisse  übereinstimmen,
auch  deren  Index  mit  letzteren  übereinstimmen  muß,  d.  h.  wenn

Q Z ~QL  q*  ’
dann  ist  auch
!-■
Es  handelt  sich  nun  um  die  Frage,  welche  Folge  für  die  p  zutrifft,  wenn
wir  vorstehende  Bedingung  als  bei  den  Q  zutreffend  annehmen.  Die  Antwort ­
  ist  offensichtlich:

2Vx  Ql
Pi  =  H x  =  _  flj  =  kS Vl Q 2;  h

(erhalten  durch  Substitution  von  ücQ 2  für  Qi&amp;gt;  yon  ^62  für  Qi  usw.  und  kH.,
für  Hi)  =
^PzQz  —  PzQi
Die  letzte  Form  ist  von  der  vorletzten  abgeleitet,  und  zwar  durch  Multiplikation ­
  des  Zählers  und  des  Nenners  mit  k  und  durch  Substituierung  von
für  kQ 2 ,  Q[  für  kQZ  usw.

p
Die  resultierenden  beiden  Formeln  für  -5^  stellen  Probe  Nr.  2  in  den
P  2
Bedingungen  dar,  denen  sich  die  Preise  anpassen  müssen.  Man  wird  in  diesen
Formeln  diejenigen  erkennen,  welche  in  §  7  des  Anhanges  zum  II.  Kapitel
zur  Erörterung  gelangten  und  deren  Bedeutung  daselbst  erklärt  wurde.  Es
wurde  dort  gezeigt,  daß  jedwede  Veränderung  in  G  oder  in  U  oder  eine
gleichmäßige  Veränderung  in  allen  Q  oder  irgendeine  Kombination  dieser
Veränderungen  durch  die  Verkehrsgleichung  auf  das  Preisniveau  in  der
Weise  einwirkt,  wie  es  in  nachstehender  Formel  ausgedrückt  ist:

P1  ^PiQi  __  ~PiQ%
Pz  -SPzQi  ^PzQz
So  schreibt  die  Verkehrsgleichung  Probe  Nr.  2  selbst  vor,  denn  nach  den
grundlegenden  Theoremen,  die  die  Verkehrsgleichung  uns  lehrt,  variieren
die  Preise  direkt  wie  G  und  U  sowie  umgekehrt  wie  die  Q  und  die  einzigen
Formen  von  Indexziffern,  die  diese  Veränderungen  getreu  widerspiegeln,
d.  h.  die  direkt  mit  G  und  umgekehrt  mit  den  Q  variieren  (wenn  wir  an-
        <pb n="352" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

335

nehmen,  daß  alle  Q  übereinstimmend  variieren),  sind  die  Indexzifferformen,
welche  mit  Probe  Nr.  2  übereinstimmen.  Jede  andere  Form  einer  Indexziffer ­
  könnte,  wenn  G  (und  G')  sich  um  50  Prozent  erhöhte  und  in  den  U
oder  Q  keinerlei  Veränderung  eintritt,  ein  Steigen  von  49  oder  51  Prozent
verzeichnen.  Das  heißt:  keine  andere  Form  einer  Indexziffer  berechtigt  uns
zu  der  Aussage,  daß  sich  bei  einer  Veränderung  der  Geldmengen,  während
die  Umlaufsgeschwindigkeit  und  die  Q  unverändert  bleiben,  die  Preisindexziffer ­
  proportional  verändert.  Keine  andere  Form  befähigt  uns  zur  Feststellung ­
  des  entsprechenden  Theorems  in  bezug  auf  die  Wirkung  einer  Veränderung ­
  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit  oder  einer  (gleichförmigen)  Veränderung ­
  in  den  Q.  Dies  sind  aber  die  grundlegenden  Theoreme.  Dem
wahren  Begriff  einer  Indexziffer  gemäß  muß  dieselbe  an  Stelle  der  divergierenden ­
  Einzelveränderungen  treten  und  uns  in  den  Stand  setzen,
aus  deren  proportionalen  Veränderungen  dieselben  Theoreme  abzuleiten,
die  sich  bewähren,  wenn  sämtliche  Preise  sich  in  gleicher  Weise  verändern. ­

Probe  Nr.  2  ist  daher  von  so  grundlegender  Bedeutung,  daß  es  sich  lohnt,
einen  Augenblick  innezuhalten  und  sie  wörtlich  zu  wiederholen.  Um  die
Ideen  zu  fixieren,  denken  wir  uns  zwei  Jahre,  sagen  wir  1900  und  1910
und  nehmen  an,  daß  die  Menge  jeder  im  Jahre  1910  verkauften  Warengattung, ­
  sagen  wir,  genau  doppelt  so  groß  ist  wie  die  im  Jahre  1900  verkaufte ­
  Quantität.  Die  einzig  richtige  Indexziffer,  die  das  Preisniveau  des
Jahres  1910  (Jahr  1)  im  Vergleich  zum  Preisniveau  des  Jahres  1900  (Jahr  0)
~^ 1 ^ 1  das  Verhältnis  des  Gesamtwertes  der  im  Jahre

anzeigt,  ist  sodann

-poQi'

1910  verkauften  Güter  zu  dem,  was  dieser  Wert  bei  den  Preisen  des  Jahres
1900  gewesen  wäre,  oder  was  auf  dasselbe  hinausläuft,  sie  ist  —  ,

das

Verhältnis  von  dem,  was  der  Gesamtwert  der  im  Jahre  1900  zu  den  Preisen
des  Jahres  1910  verkauften  Güter  gewesen  wäre  zu  dem,  was  es  tatsächlich ­
  zu  den  Preisen  des  Jahres  1900  war.
Von  den  44  Formeln  der  Tabelle  lassen  sich,  bei  gleichmäßiger  Veränderung ­
  der  Q,  nur  die  folgenden  auf  die  erforderliche  Formel  zurückführen:
Nr.  (2)  von  Drobisch,  (4),  (6),  (8),  (10),  (11),  (28),  (30),  (34),  (38)  und  (40).
Mit  Ausnahme  der  Formel  11  haben  alle  anderen  gerade  Indizes.  Verschiedene
andere  reduzieren  sich  auf  die  beanspruchte  Formel,  vorausgesetzt,  daß
eines  der  Vergleichsjahre  das  Grundjahr  ist.
Die  Formeln  der  Tabelle,  die  der  Probe  Nr.  2  überhaupt  nicht  entsprechen, ­
  würden  uns  in  bezug  auf  GU  +  G'TJ'  =  PR  nicht  einmal  die
        <pb n="353" />
        336

Anhang  zum  X.  Kapitel.

Aussage  gestatten,  daß  H  bei  einem  Gleichbleiben  aller  Q  konstant  bleibt
und  daß  P  wie  die  andere  Seite  der  Gleichung  variieren  wird.  Für  diese
Formeln  versagt  E  als  zuverlässiger  Index  der  Q,  denn  jedweder  Fehler
nach  der  einen  Richtung  zieht  einen  entsprechenden  Fehler  in  P  nach  der
entgegengesetzten  Richtung  nach  sich.
Probe  2  erscheint  daher  in  gewisser  Hinsicht  die  wichtigste  aller  acht
Proben  für  Preise  zu  sein,  obgleich  sie  ursprünglich  nicht  in  Preisen,  sondern
in  Quantitäten  aufgestellt  war.  Sie  ist  die  einzige  Probe,  die  die  Art  des
erforderlichen  Wägens  angibt.  Während  diese  Probe  jede  noch  so  sehr  abweichende ­
  Einzelveränderung  in  Preisen  gestattet,  schreibt  sie  ganz  genau
die  Bedingungen  vor,  die  uns  zu  der  Erklärung  berechtigen,  daß  eine  Veränderung ­
  in  G  oder  in  den  beiden  U  oder  in  allen  Q  in  einem  gegebenen
Verhältnis  auf  die  Preise  „im  Durchschnitt“  in  demselben  Verhältnis  einwirkt ­
  (auf  G  und  U  natürlich  direkt  und  auf  die  Q  indirekt).
Tatsächlich  gibt  Probe  2  die  wahre  Form  einer  Preisindexziffer  an,  wie
sie  die  Verkehrsgleichung  unter  allen  möglichen  Umständen  —  ausgenommen
wenn  die  Q  in  ungleichem  Verhältnis  variieren  —  vorschreibt.  Sie  zeigt  auch
die  erforderlichen  richtigen  Gewichte  an.  Man  kann  sagen,  daß  diese  Gewichte ­
  wechselseitig  entweder  von  den  oder  von  den  Q 0  abhängen.  Die
von  den  Q x  ausgehende  Formel  ist  Formel  Nr.  11,  die  von  den  Q 0  ausgehende
ist  Formel  Nr.  12.  Wenn  die  Q 1  und  Q 0  proportional  sind,  wird  jede  der
beiden  Formeln  vollkommen  befriedigen,  und  wenn  dies  nicht  der  Fall
ist,  so  kann  deren  Abweichung  nicht  nennenswert  sein.  Wenn  sich  aber
die  Q  ungleich  verändern,  dann  scheint  es  eine  zufriedenstellende  Formel
nicht  zu  geben.  Unter  diesen  Umständen  stehen  die  beiden  Gewichtssysteme,
das  eine  in  und  das  andere  in  Q 0  ausgedrückt,  in  Widerspruch.  Wie  aber
Edgeworth x )  bewiesen  hat,  ist  dieser  Widerspruch  nur  ein  geringer.  In  der
Tat  sind  die  Gewichte  zur  Festsetzung  einer  Preisindexziffer  von  viel  geringerer ­
  Bedeutung  als  die  Preise  selbst.
Die  Erörterung  der  Probe  2  wird  in  §  7,  woselbst  die  verschiedenen
Formen  von  Indexziffern  einem  Vergleich  unterzogen  werden,  nochmals
aufgenommen.
J )  Report  oj  the  British  Association  for  the  Advancement  of  Science,  für  das  Jahr  1887,
S.  288—292,  und  für  1888,  S.197—198,  200,  202,  203  und  206.  Edgeworth  legt  in  dem
von  ihm  angeführten  Falle  dar,  daß  ein  „Irrtum“  in  den  Gewichten  bei  der  sich
ergebenden  Indexziffer  nur  ein  Zwanzigstel  beträgt,  während  ein  „Irrtum“  in
den  Preisen  selbst  bei  der  sich  daraus  ergebenden  Indexziffer  einen  vier-  oder  fünfmal
so  großen  „Irrtum“  verursacht.
        <pb n="354" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel

Algebraisch  dargestellte  Proben  für  den  allgemeinen  Fall
zweier  beliebiger  Jahre,  verglichen  hinsichtlich  der  Preise
und  der  Handelsziffern.
(In  dem  speziellen  Falle,  wo  das  eine  der  beiden  Jahre  ein  Grundjahr  ist,  setze
man  „0“  an  Stelle  von  „2“.)

Gegeben

Die  Probe  erfordert,  daß
(in  bezug  auf  die  p)  |  (in  bezug  auf  die  Q)

Probe  1
Proportionalität
der  p
Probe  2
Proportionalität
der  Q
Probe  3
Bestimmbarkeit
der  p
Probe  4
Bestimmbarkeit
der  Q
Probe  5
Durch
oder
der  p

Ausschluß
Einschluß

Pi  =  Pi  =  ..
Pi  P'i
Qz  Qi
Px  =  0  oder
p 2  =  0  usw.
§,  =  0  oder
§ 2  =  0  usw.
Pl—h=,k
Pi  Pi

Probe  6
Durch  Ausschluß
oder  Einschluß
der  Q

9i=äLi

P v  PpiQi_PpxQi
Pi  PpiQi  PpiQi
Px  und  P 2  eindeutig  bestimmt ­
  und  weder
Null  noch  unendlich
Pj  und  P 2  eindeutig  bestimmt ­
  und  weder
Null  noch  unendlich
Pj
(Buchstaben  mit  dem
Zeichen  '  bedeuten
Ausschluß  der  px,  p^
§,  und  § 2 ;  Buchstaben ­
  ohne  das  Zeichen ­
  Einschluß  dieser
Faktoren)
p;  Zp[Q[  .  H x

PiQi  ^ihQi

Hx  und  H 2  bestimmt
und  weder  Null  noch
unendlich
Hx  und  II 2  bestimmt
und  weder  Null  noch
unendlich
El  Zp'xQ'x  .  Px

Probe  7
Durch  Veränderung ­
  der  Basis

Probe  8
Durch  Veränderung ­
  der  Maßeinheiten ­

F  i  s  h  e  :

Änderung  der  Basis
von  „0“  zu  „8“
verändert:
Pi.o  in  Pi,8
P2,o  in  P2,8
Hi,o  in  Hi,8
Hifi  in  Hifi
Qx  und  px  in  umgekehrtem ­
  Verhältnis ­
  verändert
        <pb n="355" />
        338

Anhang  zum  X.  Kapitel.

Probe  4  beweist,  daß,  wenn  eine  individuelle  Quantität  auf  Null  zu
stehen  kommt,  die  Quantität  oder  der  Handelsindex  dieserhalb  nicht  mit
Null,  unendlich  oder  unbestimmt  wiedergegeben  werden  darf.  Doch  je
nachdem  der  Index  auf  Null,  unendlich  oder  unbestimmt  zu  stehen  kommt
oder  nicht,  ist  auch  der  Preisindex  auf  Null,  unendlich  oder  unbestimmt
2p 1 Q 1
zu  registrieren.  Dies  geht  aus  dem  Verhältnis  ^  —  klar  hervor.
Probe  4  besitzt  daher  in  bezug  auf  Preise  eine  ähnüche  Bedeutung  wie
die,  welche  ihr  in  bezug  auf  die  Quantitäten  beigemessen  wird.
Die  Preisbedeutung  der  Probe  6  ist  komplizierter  und  anscheinend
ohne  Belang.  Sie  ist  in  der  erläuternden  Tabelle  auf  Seite  337  aufgeführt.
In  der  Tabelle  der  44  Indexziffern  wurde  die  „Punktzahl“  der  Probe  6  in
Klammem  gesetzt  um  anzuzeigen,  daß  dieselbe  keine  besondere  Preisbedeutung ­
  besitzt  und  daher  in  den  Gesamtsummen  ausgelassen  werden
kann.
Mutatis  mutandis  hat  jede  in  Preisen  ausgedrückte  Probe  (1,  3,  5)
auch  für  die  Quantitäten  Bedeutung.
Die  vorerwähnte  Tabelle  auf  Seite  337  stellt  algebraisch  ausgedrückt
Hypothese  und  Schlußfolgerung  jeder  der  acht  Proben  sowohl  in  bezug
auf  Preise  als  auch  auf  Quantitäten  dar.

§6.
Der  innere  Teil  der  Tabelle;  Kolonne  11  im  besonderen.
Wir  haben  nun  die  Überschriften  der  Vertikal-  und  Horizontalreihen
der  Tabelle  in  aller  Kürze  durchgenommen.  Die  Beziehungen  zueinander
sind  dem  Innern  der  Tabelle  zu  entnehmen.  Der  Zweck  der  Tabelle  ist,
den  Grad  der  Übereinstimmung  der  44  verschiedenen  Formeln  für  P
(und  deren  Korrelate  für  H)  mit  den  acht  Proben  zu  zeigen.  Ungeachtet
allen  mathematischen  Scharfsinnes,  den  die  zahlreichen  Autoren  über  die
Berechnung  von  Indexziffern  aufgewandt  haben,  wird  doch  keine  bekannte
und  offenbar  auch  keine  mögliche  Formel  alle  acht  Proben  erfüllen.
Bei  jeder  Probe  nehmen  wir  drei  mögliche  Grade  der  Übereinstimmung
wahr.  Sie  kann  durch  jede  spezielle  Formel  in  drei  Graden  der  Übereinstimmung ­
  oder  Nichtübereinstimmung  erfüllt  werden,  nämlich:  1.  vollständig, ­
  2.  teilweise  oder  3.  überhaupt  nicht.  Diese  drei  Grade  sind  in  der
großen  Tabelle  durch  die  Ziffern  1,  J-  und  0  angezeigt.  Die  vollkommene
Erfüllung  einer  Probe  geschieht  durch  Indexziffern  für  zwei  beliebige  Jahre
(wie  z.  B.  Jahr  1  und  2).  Eine  Probe  wird  teilweise  erfüllt,  wenn  dies  durch
        <pb n="356" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

339

Indexziffern  für  zwei  Jahre  geschieht,  von  denen  eines  das  Basisjahr  (Jahr  0)
ist.  Auf  diese  Weise  bezieht  sich  erstere  auf  jeden  allgemeinen,  und  letztere
auf  jeden  besonderen  Fall.  Da  das  Allgemeine  das  Spezielle  in  sich  schließt,
wird  die  Probe,  wenn  sie  im  allgemeinen  erfüllt  wurde,  auch  im  besonderen
Falle  erfüllt;  umgekehrt  braucht  dies  nicht  immer  der  Fall  zu  sein.  Wenn
aber  die  Probe  in  dem  besonderen  Falle  nicht  erfüllt  wird,  so  wird  sie  auch
im  allgemeinen  Falle  nicht  erfüllt;  im  umgekehrten  Falle  braucht  dies  nicht
immer  zuzutreffen.  Kurz,  eine  bejahende  Antwort  auf  die  Frage  vollständiger
Übereinstimmung  bedingt  eine  bejahende  Antwort  auf  die  Frage  teilweiser
Übereinstimmung  und  eine  verneinende  Antwort  auf  die  Frage  teilweiser
Übereinstimmung  bringt  auch  eine  verneinende  Antwort  auf  die  Frage
vollständiger  Übereinstimmung  mit  sich.  Diese  beiden  Regeln  ersparen
bei  der  Ausarbeitung  der  Zahlen  in  der  Tabelle  viel  Arbeit.
Unsere  nächste  Aufgabe  besteht  in  der  Erläuterung  der  acht  Proben
durch  Anwendung  derselben  auf  eine  besondere  Formel  für  P 1  und  die  korrelative ­
  Formel  für  H v  Zu  dieser  Erklärung  wählen  wir  das  in  der  Tabelle  mit
Nummer  (11)  bezeichnete  Formelpaar,  nämlich  P x  =
und  suchen  nun  zu  ergründen,  inwieweit  dieses  Formelpaar  mit  den  acht
Proben  übereinstimmt.
Probe  1.  Proportionalität  der  Preise.  Wir  beginnen  mit  „dem  besonderen
Falle“,  bei  dem  eines  der  beiden  Vergleichsjahre  das  Basisjahr  ist.  Konkret
ausgedrückt  bedeutet  diese  Probe,  daß,  wenn  alle  Preise  für  das  Jahr  1
eine  gegebene  Zahl  von  Malen  (fc-Mal)  die  Preise  für  das  Basisjahr  0  sind,
die  Indexziffer  für  das  Jahr  1  (im  Ausdruck  des  Jahres  0)  dieselbe  Zahl
k  sein  muß.
Algebraisch  ausgedrückt  lautet  die  Probe  am  besten  folgendermaßen:
W  Pl  Pl  P"  _  _  7,
Wenn  —  —  zj  —  zt,—  —  Ä
Po  Po  Po
ist,  d.  h.  wenn
Pi  =  k Po\  V'i  =  k Po’  Pi  =  k Po•  •  •
ist,  wobei  k  das  gegebene  konstante  Preisverhältnis  bedeutet,  so  sollte  auch
1  0
sein,  das  heißt  (da  P 0  =  1)  P t  =  k.
Diese  Probe  kann  leicht  auf  unser  gegebenes  Formelpaar  angewendet
Werden.
2v  Q
Die  Formeln  für  das  Jahr  1  sind:  P  1  =  ^77^;  =  ^PoQi-SpoQi



99  *
        <pb n="357" />
        340

Anhang  zum  X.  Kapitel.

Die  Formeln  für  das  Jahr  0  sind:  P 0  =  (—1);  H 0  =  Sp 0  Q 0 .
—Po^o

Demgemäß  ist

2piQi  _  ViQi  +  ViQi  d—

—PoQi  -&amp;gt;oQi
_  (kpp)  Qi  +  (kpo)Qi  +  •  •  •

&amp;amp;  (PoQi  +  p'oQ'i  +  •  •  •)
—Po  Qi

Tc  —p 0  Q 1

Probe  1  wird  also  für  den  besonderen  Fall,  in  welchem  eines  der  Jahre  das
Basisjahr  ist,  erfüllt.
Wie  wir  aber  bemerkten,  folgt  daraus  keineswegs,  daß  die  Probe  im
allgemeinen  erfüllt  wird.  Für  den  „allgemeinen  Fall“  zweier  beüebiger  Jahre
kann  die  Probe  wie  folgt  aufgestellt  werden:  Wenn  der  Preis  jedes  Gutes
für  das  Jahr  1  fe-mal  der  Preis  desselben  Gutes  für  das  Jahr  2  ist,  dann
muß  die  Indexziffer  für  das  Jahr  1  (im  Ausdruck  des  Jahres  0),  ebenfalls
fc-mal  die  Indexziffer  für  das  Jahr  2  (im  Ausdruck  des  Jahres  0)  sein.  Wenn
dies  zutreffen  soll,  verlangt  die  Probe  für  den  allgemeinen  Fall,  daß,  wenn
=  *£=...  =  *:  ist,
P 2  P2  P2
d.  h.  wenn  p%  —  fcp 2 ,  Pi  —  &amp;amp;p 2 ,  P\  —  i'Pz  tisw.,  ist,

Wie  aus  folgendem  zu  ersehen  ist,  wird  aber  diese  allgemeine  Probe
nicht  erfüllt:

-PiQi  fc-P 2 Qi

P\  —Po  Qi  —Po  Qi

werden.  Wenn  diese  Gleichheit  bei  einem  besonderen  Werte  von  (sagen
wir)  Q 2  gerade  zutrifft,  so  würde  dieselbe  offenbar  durch  die  geringste  Abweichung ­
  von  diesem  Werte  aufgehoben  werden.  Wenn  sich  z.  B.  Q 2  ver-—V

  0
ändert,  so  würde  dies  auf  die  linke  Seite  der  angenommenen  Gleich--2p
 0 Qi

heit  keinen  Einfluß  haben,  doch  würden  sich  die  ersten  Güeder  im  Zähler
und  Nenner  der  rechten  Seite  ändern.  Folglich  würde  der  rechte
        <pb n="358" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

341

Bruch

-£*2^2
—Po  Q‘&amp;gt;

beeinflußt  werden,  ausgenommen  wenn  das  Verhältnis  des

ersten  Gliedes  ~~ 2  zufällig  gleich  wäre,  in  welchem  Falle  dann  nach
P0Q2
einem  bekannten  Proportionsprinzip  (dem  Grundsätze  der  „Komposition
undDivision“)  die  Größe  der  Glieder  p 2 Q,  und  p 0 Q.,  unwesenthch  sein  würde.
Die  erste  Probe  wird  deshalb  nicht  für  den  allgemeinen,  sondern  nur
für  den  besonderen  Fall  erfüllt,  in  dem  eines  der  beiden  Vergleichsjahre  das
Basisjahr  ist.  Unserem  früheren  Brauch  gemäß  geben  wir  daher  der  Formel
11  die  Ziffer  A  womit  deren  Grad  der  Übereinstimmung  mit  Probe  2  dargestellt ­
  wird.
Probe  2.  Proportionalität  in  hezug  auf  die  Handelsziffern.  Diese  für
den  allgemeinen  Fall  dargestellte  Probe  bedeutet:  Wenn  die  Quantitäten
aller  im  Jahre  1  verkauften  Güter  fc-mal  die  Quantitäten  der  entsprechenden ­
  im  Jahre  2  verkauften  Güter  sind,  so  muß  die  Indexziffer  des  Handels
für  das  Jahr  1  (im  Ausdruck  des  Jahres  0)  ebenfalls  k-mal  die  Indexziffer
für  das  Jahr  2  (im  Ausdruck  des  Jahres  0)  sein.
Qi = Qi^W
Qz  Q2  Q*
Hr

Das  heißt,  wenn

=  k  ist,

so  muß

H,

=  k  sein.

Wir  werden  finden,  daß  diese  Probe  im  allgemeinen  Falle  und  daher
auch  im  besonderen  Falle  erfüllt  wird.
2p 0 Qi  kSpoQi  1
Ho  lp 0 Qi  ApoQ 2
was  zu  beweisen  war.  Probe  2  ist  somit  vollständig  erfüllt,  und  der
Formel  in  der  Tabelle  wurde  demgemäß  Wert  „1“  zuerkannt.
Probe  3.  Bestimmbarkeit  in  bezug  auf  die  Preise.  Diese  Probe  wird
ebenfalls  vollständig  erfüllt.
Sollten  in  der  Formel  für  P u  nämüch  eini g e &amp;gt;  aber  nicht  alle
Preise,  z.  B.  p lt  oder  eine  der  Quantitäten,  z.  B.  Q ly  gleich  Null  werden,
so  ist  es  klar,  daß  obige  Formel  noch  immer  bestimmbar  ist  und  zwischen
Null  und  unendlich  liegt.  Es  werden  lediglich  einige  der  zahlreichen  Glieder
im  Zähler  verschwinden,  während  alle  anderen  Glieder  bestehen  bleiben.
Da  derselbe  Schluß  auch  für  P 2  anwendbar  ist,  so  folgt  daraus,  daß
p
pr  auch  bestimmbar  sein  muß,  weil  es  der  Quotient  zweier  endlichen  Zahlen
        <pb n="359" />
        .

342

Anhang  zum  X.  Kapitel.

ist,  die  weder  Null  noch  unbestimmbar  sind.  Probe  3  wird  daher  vollständig
erfüllt.
Probe  4.  Bestimmbarkeit  des  Handels.  Die  der  dritten  analoge  vierte
Probe  erklärt,  daß  der  Handelsindex  nicht  mit  unbestimmt,  Null  oder  unendlich ­
  wiedergegeben  werden  muß,  wenn  ein  oder  mehrere  Preise  Null
werden.  Die  Formel  für  H x  lautet  stets  —Da  nun  weder  der  Zähler  noch
der  Nenner  dieses  Bruches  durch  das  Verschwinden  einiger,  doch  nicht
aller  p  oder  Q  Null,  unendlich  oder  unbestimmbar  wird,  so  muß  der  Quotient
gleichfalls  weder  Null,  noch  unendlich  und  unbestimmbar  sein.  Auch  Probe  4
wird  somit  vollständig  erfüllt 1 ).
Probe  5.  Ausschluß  oder  Einschluß  der  Preise.  Gesetzt  den  Fall,  daß
wir  100  spezifizierte  Waren  haben.  Wenn  das  allgemeine  Preisniveau  eines
Jahres  fc-mal  das  eines  anderen  Jahres  ist,  und  wenn  ein  Gut,  dessen  Preis
in  dem  einen  Jahre  fc-mal  der  Preis  des  anderen  Jahres  ist,  aus  den  100
Gütern  ausgeschieden  wird,  so  daß  also  nur  noch  99  übrig  bleiben,  so  muß
das  Verhältnis  des  Preisniveaus  der  beiden  Jahre  unverändert  bleiben.
Diese  Probe  ist  schwer  zu  erfüllen,  und  die  Formel,  von  der  hier  die
Rede  ist,  erfüllt  sie  nur  teilweise,  das  heißt,  nur  wenn  eines  der  beiden
Vergleichs]ahre  das  Basisjahr  ist.
Wenn  =  k  ist,  wobei  k  ein  gegebenes  Verhältnis  ist,  und  wenn
■VPoQi
auch  —  =  k  ist,  dann  haben  wir  zu  beweisen,
Po  2'poQi
lieh  2p'  Q[  =  p[  Q[  +  p['  Q"  H  ist,  während  2p 1 Q 1  =  p 1 Q 1  +  f[Q[
+  vi'Qi  -1  ist &amp;gt;  s0  ist  2p[Q[  =  2p 1 Q 1  —  PiQidaß

  =  k,  da  natürein.

  Der  einfache  geometrische  Durchschnitt  für

*)  Es  hat  den  Anschein,  als  ob  die  einfachen  Proben  der  Bestimmbarkeit  durch
jede  beliebige  Formel  erfüllt  werden  könnten,  was  jedoch  nicht  der  Fall  ist.  (Wenn
dies  zuträfe,  so  würde  die  in  der  der  Probe  4  gegenüberliegenden  letzten  Kolonne
gegebene  Gesamt-„Punktzahl“  nicht  31,  sondern  44  lauten.)  Der  einfache  geometrische
Durchschnitt  (Formel  7)  stimmt  also  mit  Probe  3  der  Preisbestimmbarkeit  nicht  über-Waren
  ist  P t  =  ~l/—  .  •  •  •.
r  Po  Po'
Wenn  Null  wird,  so  wird  offenbar  der  Wert  des  ganzen  Ausdruckes  Null.  Wenn  wir
also  zur  Festsetzung  der  Preisniveaus  vom  geometrischen  Mittel  abhängig  wären,  so
würde,  wenn  von  irgendeiner  Ware  zeitweilig  ein  so  großer  Überfluß  vorhanden  wäre,
daß  ihre  Preise  für  einen  einzigen  Augenblick  verschwinden,  die  Indexziffer,  die  das
gesamte  Preisniveau  daxstellt,  für  diesen  Augenblick  auf  Null  sinken.  Eine  Durchschnittsform,
  die  in  einem  extremen  Falle  so  widersinnig  ist,  nähert  sich  dem  Widersinn,  bevor
das  Extrem  erreicht  ist.  So  wirken  niedrige  Preise,  auch  wenn  sie  nicht  buchstäblich
gleich  Null  sind,  unverhältnismäßig  auf  den  geometrischen  Durchschnitt  ein.
        <pb n="360" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

343

Nun  wissen  wir,  daß  —  =  k,  auch  —  k  ist.  Und  da
Po  P0Q1  2 PoQi

~~  -  ft  ist,
&amp;gt;sn  l)  7

so  folgt  nach  dem  Proportionsprinzip  („Komposition  und  Division“),  daß

^PiQi  —  P1Q1  __  ^
2poQi  PoQi

das  heißt,  daß  —  ft  was  zu  beweisen  war.
-SpoQi

Wird  die  fehlende  Ware  wieder  aufgenommen,  so  bleibt  das  Verhältnis
natürlich  ungestört,  so  daß  sich  die  Regel  sowohl  für  den  Einschluß  als  auch
für  den  Ausschluß  derselben  anwenden  läßt.  Probe  5  wird  daher  füi  den
besonderen  Fall  erfüllt.
Betrachten  wir  aber  den  allgemeinen  Fall  für  Preisverhältnisse  zweier
Jahre,  von  denen  weder  das  eine  noch  das  andere  das  Basisjahr  ist,  dann
wird  die  Probe  nicht  erfüllt.

k  ist,  und  auch  —  =  1c  ist,  dann  wird

2p 0  Q.o

Denn  wenn  dieser  Ausdruck

Apo  Qi

zufällig  einmal  gleich  k  wäre,  so  würde  eine  geringe  Veränderung  in  einem
Basisjahrpreise,  wie  z.  B.  in  p' a ,  die  Gleichheit  stören,  wenn  die  Veränderung
111  Po  die  Nenner  des  Zählers  und  Nenners  des  letzten  Ausdruckes  in  demselben ­
  Verhältnis  berührt.  Dies  hätte  zu  bedeuten,  daß  das  Verhältnis

^TTTp  von  einer  Veränderung  in  p' 0  unberührt  bliebe,  was  umgekehrt  (nach

dem  oben  angeführten  Lehrsätze)  zu  der  Annahme  berechtigen  würde,  daß

Po  Q[  =  SpoQi
Po  Qi  A’po  Qi

Das  ist  durchaus  nicht  immer  richtig,  da  sicherlich  leicht  Werte  für  (sagen
wir)  angenommen  werden  können,  die  dies  widerlegen.  So  würde  eine
Verdoppelung  der  Q{  wohl  die  linke,  aber  nicht  die  rechte  Seite  verdoppeln.
Unsere  Formel  wird  daher  der  Probe  5  nur  teilweise  gerecht  und  es  kann
ihr  somit  als  Grad  der  Übereinstimmung  mit  Probe  5  nur  die  Note  1  zugesprochen ­
  werden.
Probe  6.  Ausschluß  oder  Einschluß  der  Handelsziffem.  Wenn  die
Indexziffern  für  den  Handel  in  einem  gegebenen  Verhältnis  zueinander
        <pb n="361" />
        344

Anhang  zum  X.  Kapitel.

stehen,  so  darf  der  Einschluß  oder  Ausschluß  eines  gegebenen  Gutes,  dessen
Quantitäten  in  demselben  Verhältnis  stehen,  dieses  Verhältnis  nicht  stören.
Diese  Probe  wird  von  unserer  Formel  vollständig  erfüllt.

Wenn  ~  =  k  und  ~  =  fc  ist,  dann  fordert  die  Probe,  daß
Q-&amp;gt;  H  2  Sp 0  Q 2
MQi  ,  •
■  =  k  sei.

^Po  Qa

Qi

Diese  Probe  wird  erfüllt,  denn  aus  =  fc  folgt,
^VoQi

PoQi
P0Q2

=  k  ist.

Vereinigt  man  diesen  Ausdruck  mit  1  =  k,  so  erhält  man  nach  dem
Grundsatz  der  Proportion  („Komposition  und  Division“)  =  k.
oh52  —  V0V2
Das  heißt  =  k,  was  zu  beweisen  war.
2pöQ Z

Probe  7.  Veränderung  der  Basis.  Diese  Probe  wird  selbst  in  dem
besonderen  Falle  unserer  Formel  nicht  erfüllt.  Hierunter  ist  der  Fall  umgekehrter ­
  Basis,  z.  B.  derjenigen  zwischen  Jahr  1  und  0  zu  verstehen.

Um  unser  Bezeichnungssystem  nicht  zu  ändern  und  um  Verwechslungen
vorzubeugen,  wollen  wir  die  Kennziffer  0,  die  das  ursprüngliche  Basisjahr
angab,  benutzen,  um  dieses  selbe  Jahr  anzuzeigen,  selbst  wenn  es  für  den
Augenblick  nicht  als  Basisjahr  betrachtet  wird,  und  in  derselben  Weise
wollen  wir  die  Kennziffer  1  benutzen,  um  das  Jahr  1  anzuzeigen,  auch  wenn
es  für  den  Augenblick  als  Basisjahr  angenommen  wird.

Nach  der  Formel,  die  wir  zu  prüfen  haben,  ist  das  Preisindexverhältnis
für  das  Jahr  1  mit  Jahr  0  als  Basis  verglichen  ^ 1 ^ 1 .  Aus  analogischen
Gründen  geht  klar  hervor,  daß  das  Preisindexverhältnis  für  das  Jahr  0,
im  Vergleich  zu  dem  als  Basis  betrachteten  Jahre  1  ist.  Wenn  diese
n  y/p  q
beiden  Ausdrücke  reziproke  Werte  sind,  dann  muß  1  ~  gleich  1  ''

sein.  Da  zwischen  den  Q 0  und  den  Q t  keinerlei  Verhältnis  zu  bestehen
braucht,  so  kann  dies  offenbar  nicht  immer  richtig  sein.  Sollte  sich  die
Gleichung  zufällig  für  eine  besondere  Gruppe  von  Q 0  und  Q x  bewahrheiten,
so  würde  selbst  die  geringste  Veränderung  eines  einzigen  Buchstabens,
sagen  wir  Q 0  oder  Q x ,  unzweifelhaft  das  Verhältnis  stören.  Die  Probe  wird
somit  nicht  einmal  für  den  besonderen  Fall  einer  Umkehrung  der  Basis
zweier  Jahre  erfüllt,  und  die  Formel  muß  daher  mit  „0“  bezeichnet  werden,
        <pb n="362" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

345

womit  das  vollständige  Versagen  einer  Übereinstimmung  mit  der  Probe  7
ausgedrückt  wird.
Probe  8.  Veränderung  der  Maßeinheiten.  Würde  zum  Beispiel  bei  der
Preisangabe  die  Einheit  der  Kohle  von  Tonnen  in  Pfunde  umgewandelt,
so  dürfte  die  Indexziffer  dadurch  nicht  berührt  werden.  Es  wird  sich  zeigen,
daß  Formel  (11)  dieser  Probe  entspricht.
Offenbar  würde  jede  bei  irgendwelchen  Gütern  (deren  Preise  p lt  p[,
p"  und  deren  entsprechende  Quantitäten  Q x ,  Q[  und  Q['  sind)  vorgenommene
Veränderung  der  Einheit,  wie  z.  B.  von  Tonnen  auf  Pfunde,  sämtliche  Q
2000  mal  erhöhen,  sämtliche  p  hingegen  in  reziprokem  Verhältnis  um
reduzieren.  Die  Produkte  p x Qx,  p[Q[  und  p['Q"  bleiben  infolgedessen  unberührt. ­
  Die  Summe  der  Produkte,  die  den  Zähler  und  Nenner  der  rechten
Seite  der  Gleichung
^ViQi
Px  _  ZPoQi
P„  2p 2 Q 2
^PoQi
konstituieren,  bleibt  daher  ebenfalls  unberührt.  Und  auch  auf  das  Verhältnis ­
  der  Indexziffern  ~  kann  dies  keinerlei  Wirkung  ausüben.  Der  Probe
Jl  2
wird  also  vollkommen  Genüge  geleistet 1 ).

1 )  Es  hat  den  Anschein,  als  ob  jede  Indexziffer  dieser  Einheitsveränderungs-Probe
  entsprechen  würde.  Von  den  44  Formeln  ist  dies  bei  40  Formeln  der  Fall.
Aber  die  vielleicht  einfachste  aller  Indexziffern,  nämlich  Bradstreets  P,  =  ver-Ap
 0
sagt  in  dieser  Hinsicht.
Es  liegt  auf  der  Hand,  daß  dort,  wo  eine  Veränderung  der  Einheit  in  irgendeiner  Ware,
deren  Preise  r p 1  und  p 0  sind,  besteht,  sowohl  der  Zähler  als  auch  der  Nenner  davon  berührt
werden,  jedoch  nicht  in  demselben  Verhältnis,  ausgenommen,  wenn  es  sich  gerade  trifft,  daß
ist.
Po  Ap„
Pie  Indexziffer  hängt  infolgedessen  von  der  Maßeinheit  ab.  Eine  solche  Indexziffer  ist
gänzlich  willkürlich  und  könnte  bei  geeigneter  Handhabung  der  Maßeinheiten  jedweder
Ware  angepaßt  werden.  Je  größer  die  Einheit  einer  verwendeten  Ware  ist,  desto  höher
ist  der  Preis,  der  in  die  Formel  aufgenommen  wird,  und  desto  mehr  wirkt  diese  Ware
a uf  das  Resultat  ein.
Bradstreet  benutzt  96  der  gebräuchlichsten  Waren  und  bemißt  dieselben  samt
u nd  sonders  dem  Pfunde  nach.  Das  Resultat  ist,  daß  das  Silber  zum  Beispiel  hoch
über  dem  Eisen  steht  und  zu  mehreren  Dollars  per  Pfund  in  der  Liste  figuriert,
während  Eisen  nur  mit  einigen  Cents  erscheint.
        <pb n="363" />
        346

Anhang  zum  X.  Kapitel.

§7-Vergleich

  der  44  Formeln.
Wir  sind  nun  am  Schlüsse  unserer  Beweisführung,  in  welcher  die  Übereinstimmung ­
  eines  —  der  in  der  Tabelle  aufgeführten  44  Paare  —  Indexzifferpaares ­
  für  Preise  und  Handel  geprüft  und  in  bezug  auf  die  acht  Proben
klassifiziert  wurde.  Ähnliche  Schlüsse  ergeben  sich  für  die  übrigen  43  Formeln
der  Tabelle.  Um  Baum  zu  sparen,  wurde  von  einer  weiteren  Darlegung
Abstand  genommen.  Der  mathematische  Leser  kann,  wenn  ihm  daran
gelegen  ist,  die  tabellarisierten  Kesultate  prüfen.  Auch  kann  er  das  Verhältnis ­
  prüfen,  aus  dem  hervorgeht,  daß  die  Zahl  jeder  Kolonne  der  ungeraden
Proben  derjenigen  der  benachbarten  antithetischen  Kolonne  der  geraden
Proben  entspricht.  Infolge  dieses  Verhältnisses  ist  die  Summe  jeder  Kolonne
der  ungeraden  Proben  gleich  der  Summe  in  den  antithetischen  Kolonnen
der  geraden  Proben.  In  der  Tat  ist  die  Tabelle  reich  an  Übereinstimmungen
und  mannigfachen  Verhältnissen.
Die  Totalsummen  liefern  uns  ein  Mittel  zum  Vergleich  des  Wertes
der  verschiedenen  Indexziffern.  Diese  Summen  sollen,  soweit  dies  mögüch
ist,  zum  Ausdruck  bringen,  inwieweit  die  Formeln  geeignet  sind,  als  Indexziffern ­
  für  Preisniveaus  zu  dienen.  Die  Punktzahl  der  Probe  6  muß  daher
bei  den  Gesamtsummen  weggelassen  werden,  da  diese  Probe  in  bezug  auf
Preise  keinen  Wert  hat.  Will  man  die  Punkte  der  korrelativen  Indexziffern
der  Quantitäten  oder  des  Handels  vergleichen,  so  muß  die  Punktzahl  der
Probe  6  mit  aufgenommen  werden.  Dann  ist  aber  Probe  5  wegzulassen.
Die  beste  Note  wäre  demnach  sieben.  Die  höchste  Punktzahl  (Note)
in  der  Tabelle  ist  54-,  die  niedrigste  2.
Es  wäre  natürlich  widersinnig,  wollte  man  den  Wert  der  Indexziffern
lediglich  nach  deren  Punktzahl  vergleichen.  Diese  Punktzahl  ist  eine  mehr
oder  weniger  willkürliche  und  alle  sieben  Proben  haben  hierbei  die  gleiche
Bedeutung.  Doch  gewährt  dieselbe  wenigstens  einen  Einblick  in  die  Ver-Wenn

  Radium,  das  in  den  letzten  Jahren  $  8  000  000  die  Unze  kostete,  inbegriffen  wäre,
würde  es  unbedingt  die  ganze  Gruppe  beherrschen,  und  wir  würden  zu  dem  aller  Vernunft
widersprechenden  Resultat  gelangen,  daß,  weil  der  Preis  des  Radiums  für  eine  Unze
von  einigen  Millionen  auf  einige  Hunderttausend  Dollar  gefallen  ist,  das  allgemeine  Preisniveau, ­
  trotz  des  allgemeinen  Eindruckes  steigender  Preise,  um  ein  vielfaches  gefallen  sein
muß!  Eine  Indexziffer  dieser  Art  wird  von  Walsh  treffend  als  eine  mit  zufälliger  oder
willkürlicher  Wägung  bezeichnet.
        <pb n="364" />
        Tabelle  von  Indexziffern  für  Preise  und  deren  Übereinstimmung
mit  gewissen  Proben

Benennung  der  Probe

Proportionalität

Bestimmbarkeit

Für  p

Für  Q

Für  p

Für  Q

Inhalt  der  Probe

I Ein  Preisindex  muß  mit  den  Preisverhältnissen
übereinstimmen,  wenn  letztere  untereinander
übereinstimmen  ! ).

|  Ein  Handelsindex  muß  mit  den  Hnndelsver-1
hältnissen  übereinstimmen,  wenn  letztere  |
untereinander  übereinstimmen  s ).
I  Ein  Preisindex  (und  folglich  auch  der  korrelative ­
  Handelsindex)  darf  durch  einen  I
Einzelpreis,  der  Null  wird,  nicht  Null,  t
endlich  oder  unbestimmt  werden.
|  Ein  Handelsindex  (und  folglich  auch  der  I
korrelative  Preisindex)  darf  durch  eine  ein-  [
zelne  Quantität,  die  Null  wird,  nicht  Null,
unendlich  oder  unbestimmt  werden.

Durch  Ausschluß
oder  Einschluß

-  j  Durch  Veränderung
1  der  Basis

Für  p

Für  Q

Für  p
und  für  Q

g  I  Durch  Veränderung  I  Für  p
'  der  Maßeinheit  |und  für  Q

I  Weder  der  Ausschluß  noch  der  Einschluß  eines  I
Preisverhältnisses,  das  mit  dem  Index  über-l
einstimmt,  darf  auf  den  Preisindex  Einfluß  [
haben.
I  Weder  der  Ausschluß  noch  der  Einschluß  eines  I
Handelsverhältnisses,  das  mit  dem  Index
übereinstimmt,  darf  auf  den  Handelsindex  |
Einfluß  haben  3 ).
|  Die  Verhältnisse  zwischen  verschiedenen  Preis-1
indizes  (und  daher  auch  die  zwischen  den  f
Handelsindizes)  dürfen  von  einer  Umkeh-  j
rung  oder  Veränderung  der  Basis  nicht  berührt ­
  werdem
I  Die  Verhältnisse  zwischen  verschiedenen  Preisindizes ­
  (und  daher  auch  die  zwischen  den  I
Handelsindizes)  dürfen  von  einer  Verän-1
derung  der  Maßeinheit  nicht  berührt  werden,  f

(0)

Gesamtnote  für  Preisindexziffern  (die  vollkommenste  Note  Probe  6  j
Hst  weggelassen  —  beträgt  7).
^  (TFolglich  muß  der  korrelative  Handelsindex  dem  Verhältnis  der
Vergleichsjahre  gleich  sein,  wobei  diese  Werte  zu  den  Preisen  eines  der  beiden  Jahre  berechnet
«“i  *)  Folglich  muß  der  korrelative  Preisindex  dem  Verhältnis  der  Handels»«-««  de  .beiden
re e „b 8 ' le ! 0hsiahro  * Ieicl ‘  sein &amp;gt;  woboi  diese  Werte  fUr  die  anantitäten  eines  er  be  Jah
rechnet  sind.  c)  Um  anz,neigen,  daß  die  Zahlen  in  dieser  Reihe  keine  .Preisbedeutung  haben,
urden  dieselben  in  Klammern  gesetzt.  Siehe  §  5,  S.  387  und  338.

Drobisch
Rawson-Rawson


Einfach
arithmetisch
.  Po
n
Carli
Evelyn
Economist
Sauerbeck
Soetbeer

Einfach
harmonisch

Qo

1

1  0

1

0

1

0

1  0  1

1

n

(1)

(0)

(1)

(0)

(1)

Einfach
geometrisch

VttL..
r  Po

Westi

Jevons

ergaard

(0)

Nicholson
Walsh

0

0

0

(1)

Mittelwert
von

1  P  P\
I  Po  ’  P'o  '

Edgeworth

s Pi  Qi
•^Po  Qo
Mittelwert
von
9i,  Q'i
Qo  Q^  '  '

o

(0)

0

(i)

Gewogen  arithmetisch
(Nenner  bilden  Gewichte)
oder  gewogen  harmonisch
(Zähler  bilden  Gewichte)
■^iPi  Qi  --'p'  Qo
ZPO  Qi  --) y o  Qo
Scrope
Sidgwick
Sauerbeck
Giften

L  +

2 Pi  Qo

Geometrisch

Sidgwick
Drobisch

(1)

0

(i)

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  -•  i  1  I  4
*)  Im  Falle  des  Ausschlusses  wird  die  Probe  nur  unter  der  Voraussetzung  erfüllt  (wenn  die  Anzahl  der  Glieder  zuerst  ungerade
ist),  daß  auoh  das  mittlere  Glied  dem  mittleren  Gliede  der  beiden  benachbarten  Glieder  gleich  ist  oder  (wenn  die  Anzahl  der
Glieder  zuerst  gerade  ist)  unter  der  Voraussetzung,  daß  die  beiden  mittleren  Glieder  gleich  sind.  Unter  gewöhnlichen  Umständen
werden  diese  Bedingungen,  wenigstens  annähernd,  tatsächlich  erfüllt.  Im.  Falle  des  Einschlusses  bedarf  es  keines  derartigen  Vorbehaltes. ­
  **)  Vorausgesetzt,  daß  die  Zahl  der  Glieder  ungerade  ist.  Wenn  die  Zahl  der  Glieder  gerade  ist  so  wird  die  Probe
nur  unter  der  Voraussetzung  erfüllt,  daß  wir  das  geometrische  Mittel  der  angrenzenden  mittleren  Glieder  als  Medianwert  nehmen.
        <pb n="365" />
        32

33

34

•
35

36

37

38

39

40

4  |  ID  16
vorhergehenden  Durchschnitte
und  12)

17

18  |  19  20  |  21
Zusammensetzungen  derselben  beiden  Formeln

22

23
-t-  (Pi  Qi  +  Po  Qo\  „

24
Zpi  Qi
2p 0  Qo

25  26  |
Die  ungeraden  Formeln  sind  andere  gewogene
arithmetische  Durchschnitte

Arithmetisch
(konstante
Gewichte)
-(£)

Zpi  Qi
ZPO  Qo

Die  ungeraden  Formeln  sind  andere  gewogene
harmonische  Durchschnitte

Die  ungeraden  Formeln  sind  gewogene  geometrische  Durchschnitte

Gewogene  geometrische  Durchschnitte

&amp;gt;

Geometrisch
/sv».  n  n

Zpi  (&amp;amp;  +  ®&amp;gt;\

zpi  Qi
Zpo  Qo

Zpi  |

i  »  \

Zpi  Qi
Zpo  Qo

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^•Po  VQo  Qi

Zpi  Qi  .

r  ( Pl \  n  n

(Zp&amp;lt;  QiV
\  ü n  1

zpi  Qo

Zpi  Qi
Zpo  Qo

2p&amp;lt;&amp;gt;  Qi

-£pi  §1

Zpo  Qo

Zpi  Qi

—p//Pi  \  Pi  Qi-  -  ■

Zpi  Qi

■■  ~\/  (  Pl\  VoQo--  ■

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l  p.  +  p»  P

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1

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1

1

H

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H

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5

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31

H

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3

3

21

31

3

3

21

4

3

31

a

der  Glieder  zuerst  ungerade
oder  (wenn  die  Anzahl  der
er  gewöhnlichen  Umständen
•f  es  keines  derartigen  Vorerade
  ist,  so  wird  die  Probe
r  als  Medianwert  nehmen.
        <pb n="366" />
        37

38

39

40

41

42

43

44

1

iometrische  Durchschnitte

Gewogene  geometrische  Durchschnitte

Gewogene  geometrische  Durchschnitte

Gewogene  geometrische  Durchschnitte

Total

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(131)

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0

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1

12

1

1

1

1

1

1

0

0

40

4

3

^1

3

3

2

2

1661
        <pb n="367" />
        gleichs-Kennziffern  der  44  Formeln.  Bemerkenswert  ist,  daß  die  einfachsten
Formeln  eine  hohe  und  die  kompliziertesten  im  allgemeinen  eine  niedrige
Note  erhalten.  So  haben  z.  B.  Formel  1  (Dutot),  7  (einfach  geometrisch),
9  (mittel),  11  und  12  (Scrope)  die  Punktzahlen  5  und  5£.  Alle  anderen,
welche  die  Ziffer  5  erreichen,  sind  eine  „Zusammensetzung“  der  Formeln
11  und  12.  Die  einfache  arithmetische  (3)  und  einfache  harmonische  Formel
(5)  haben  die  Punktzahl  4,  was  ziemlich  hoch  ist.  Die  komplizierteren
Formeln,  die  ziemlich  hohe  Punktzahlen  haben,  sind  in  mehreren  Fällen
Zusammensetzungen,  Durchschnitte  oder  Antithesen  der  einfachen  Formeln
11  und  12.
Bei  obigen  Vergleichen  werden  die  anderen  sieben  Proben  als  gleichbedeutend ­
  betrachtet.  Sie  sind  aber  nicht  von  gleicher  Bedeutung.  Da
die  Meinungen  in  bezug  auf  die  genaue  relative  Bedeutung  der  verschiedenen
Proben  höchst  wahrscheinlich  auseinandergehen,  so  wollen  wir  sie  nicht  zu
„wiegen“  versuchen.  Zur  Entscheidung  der  für  uns  wichtigsten  Frage,
welche  der  44  Indexziffern  den  Proben  am  vollkommensten  entsprechen,
dürfte  sich  dies  auch  erübrigen.  Im  Vergleich  zu  den  übrigen  Proben  hat
Probe  3  und  4  wohl  nur  geringe  praktische  Bedeutung.  Der  Probe  2  muß
dagegen  die  Hauptbedeutung  zuerkannt  werden,  und  zwar  aus  den  in  §5
dieses  Anhanges  und  im  II.  Kapitel  angegebenen  Gründen.  Um  die  besten
Indexziffern  der  Preise  auszuwählen,  wollen  wir  zunächst  die  18  Formeln
vom  Mitbewerb  ausschließen,  welche  bei  Probe  2  mit  „0“  bezeichnet  sind.
Es  bleiben  uns  sodann  noch  die  auf  der  nächsten  Seite  wiedergegebenen
Formeln,  welche  wir  in  zwei  Gruppen  einteilen.
Wenn  wir  dann  von  den  mit  Probe  2  vollkommen  übereinstimmenden
Formeln  mit  Ausnahme  derjenigen,  welche  eine  Punktzahl  von  4-k  und
darüber  haben,  alle  anderen  Formeln  ausschließen,  so  bleiben  uns  nur  noch
die  Formeln  10  und  11.  Von  den  Formeln,  die  Probe  2  nur  teilweise  erfüllen,
können  wir  alle  diejenigen  eliminieren,  welche  in  den  Gesamtpunkten  die
Zahl  4  nicht  überschreiten,  denn  obwohl  die  Formeln,  welche  4^  erreichen,
eine  ebensohohe  Punktzahl  haben,  so  sind  sie  doch,  wenn  alle  Proben  als
gleichbedeutend  betrachtet  werden,  insofern  minderwertiger,  als  sie  die
wichtigste  der  Proben,  Probe  2,  nicht  vollständig  erfüllen.  Wenn  wir  die
Sache  auf  andere  Weise  ausdrücken  wollen,  so  können  wir  auch  sagen,  daß,
wenn  Probe  2  schwerer  als  die  anderen  Proben  zu  wiegen  wäre,  so  würden
die  Punktzahlen  der  mit  Probe  2  nur  zur  Hälfte  übereinstimmenden  Formeln,
welche  nun  eine  ebenso  hohe  Punktzahl  haben  als  die  Formeln,  welche
mit  dieser  Probe  völlig  übereinstimmen,  versagen  und  daher  aus  dem  Mitbewerbe ­
  der  Formeln  10  und  11  der  ersten  Kolonne  ausscheiden.
        <pb n="368" />
        348

Anhang  zum  X.  Kapitel.

Punktzahl  der  Formeln,  welche  bei  Probe  2  nicht  völlig  versagen  (unter
Weglassung  der  Probe  6).

Formeln,  die  Probe  2
vollständig  erfüllen

Formeln,  die  Probe  2
teilweise  erfüllen

Formel

Punktzahl

Formel

Punktzahl

2

4

12

04

4

3

13

4

6

3

14

4

8

4

15

44

10

4*

16

44

11

5

17

5

28

4

18

44

30

3

20

4

34

3

21

5

38

3

22

44

24

4

26

34

32

91
2

36

24

42

24

Wenn  wir  also  von  der  zweiten  Kolonne  alle  Formeln  mit  einer  Punktzahl ­
  von  41  oder  weniger  eliminieren,  so  bleiben  uns  als  einzige  Mitbewerber
der  Formeln  10  und  11  die  Formeln  12,  17  und  21  mit  den  Punktzahlen
5-1,  5  und  5  übrig.  Unsere  besten  Formeln  sollten  sich  somit  unter  den
Nummern  10,  11,  12,  17  und  21  befinden.  Wir  wollen  daher  diese
fünf  übrigen  Formeln,  die  sämtlich  mit  den  Proben  3,  4  und  8  übereinstimmen,
  einer  sorgfältigen  Prüfung  unterziehen.  Nachstehende  Tabelle
stellt  eine  in  anderer  Beziehung  vorgenommene  Vergleichung  der  fünf
Formeln  dar:

10

11

12

17

21

Probe  1  .  .  .

0

4

1

4

4

Probe  2  .  .  .

1

1

4

4

4

Probe  5  .  .  .

0

i

1

4

4

Probe  7  .  .  .

4

0

0

4

Zusammen  .  .

14

2

24

2

2

Die  Formeln  17  und  21  haben  in  jedem  Falle  identische  Punktzahlen  und
können  daher  als  gleichwertig  bezeichnet  werden.
        <pb n="369" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

349

Wenn  wir  die  Formel  11  mit  17  (oder  21)  vergleichen,  so  sehen  wir,
daß  11  in  bezug  auf  die  wichtige  Probe  2  die  Formel  17  (oder  21)  übertrifft
und  daß  in  bezug  auf  Probe  7  Formel  17  (oder  21)  voransteht.  Da  der
Probe  2  eine  größere  Bedeutung  beigemessen  wird,  so  können  wir  der  Formel
11  der  Formel  17  (oder  21)  gegenüber  ruhig  den  Vorzug  geben.  Die  Formeln
17  und  21  werden  daher  vom  Mitbewerb  ausgeschlossen.
Es  bleiben  uns  nun  noch  die  Formeln  10,  11  und  12.  Wenn  wir  10
mit  11  vergleichen,  bemerken  wir,  daß  10  bei  Probe  7  im  Vorteil  ist,  während
Formel  11  bei  Probe  1  und  5  voransteht.  Wenn  wir  uns  hier  ein  vergleichendes ­
  Urteil  erlauben  dürfen,  so  möchten  wir  sagen,  daß  die  Überlegenheit
der  einen  Probe  7  durch  die  Überlegenheit  der  beiden  Proben  1  und  5  mehr
als  aufgehoben  wird.  Formel  10  wird  daher  eliminiert.
Es  bleiben  uns  jetzt  nur  noch  die  beiden  Formeln  11  und  12.  Zwischen
diesen  gibt  es  keinen  großen  Unterschied.  Während,  wenn  alle  Proben  als
gleichbedeutend  angesehen  werden,  Formel  12  eine  höhere  Punktzahl  aufweist, ­
  so  wird  dieselbe  doch  von  Formel  11  in  der  wichtigsten  Probe,  in
Probe  2,  übertroffen,  weshalb  wir  ihr  denn  auch  den  Vorzug  geben.
Unserem  Urteil  nach  geht  daher  Formel  11  in  dem  Punktzahlenwettstreit ­
  als  Siegerin  hervor.  Sie  hat  auch  den  Vorteil,  eine  der  einfachsten
Formeln  zu  sein,  die  als  korrelative  Formel  für  H  die  einfachste  aller  Formeln
für  H,  nämlich  H 1  =  2p 0 Qi,  besitzt.
Mchtmathematiseh  ausgedrückt  bedeutet  das  Formelpaar  11,  daß  das
Preisniveau  eines  beliebigen  Jahres  gefunden  wird,  indem  man  den  Gesamtwert
der  in  diesem  Jahre  verkauften  Quantitäten  durch  den  Wert,  den  diese  Quantitäten ­
  zu  den  Preisen  des  Basisjahres  gehabt  hätten,  dividiert,  und  daß  der
Handelsindex  eines  Jahres  einfach  der  Wert  der  in  diesem  Jahre  verkauften
und  zu  den  Preisen  des  Basisjahres  berechneten  Quantitäten  ist.
Wenn  wir  die  Formel  11  auf  die  Verkehrsgleichung  anwenden,  so  haben
wir:

(1)  GÜ  +  G'U'  =  2p 1 Q 1
(2)  =P 1 Hi

Wir  wollen  nun  nochmals  die  Vorzüge  dieser  Formel  11  in  Hinsicht
auf  die  Probe  2  hervorheben.  Durch  die  oben  angeführte  Verkehrsgleichung
soll  dargelegt  werden,  wie  Veränderungen  in  G,  G',  U,  ü’  oder  in  den  Q
auf  die  Preise  einwirken.  Aus  der  ursprünglichen  Form  (1)  dieser  Gleichung
        <pb n="370" />
        350

iHli-  .  'd

Anhang  zura  X.  Kapitel.

geht  klar  hervor,  daß  eine  proportionale  Veränderung  in  0  und  G'  (wenn
die  U  und  Q  unverändert  bleiben)  auf  sämtliche  j&amp;gt; 1  in  genau  demselben
Verhältnis  einwirkt,  oder  daß  einige  Preise  mehr  und  andere  genügend
weniger  als  in  diesem  Verhältnis  erhöht  werden,  um  einen  Ausgleich  zu
schaffen,  nach  welchem  die  Verkehrsgleichung  bewahrt  bleibt.  Das  allgemeine ­
  Preisniveau  verändert  sich  daher  gewissermaßen  genau  mit  G  und
G'.  Form  (3)  setzt  uns  in  die  Lage,  diese  Proportionalität  durch  Formu-ZpiQi


lierung  des  Preisniveaus  in  dem  Bruch

VoQi

auszudrücken.  Letzterer

variiert  direkt  mit  den  G.
In  genau  derselben  Weise  können  wir  feststellen,  daß  eine  gleichmäßige
Veränderung  in  den  beiden  U  oder  irgendeine  Veränderung  auf  der  linken
Seite  der  Gleichung  als  Ganzes  auf  die  Preise  in  genau  dem  gleichen  Verhältnis ­
  einwirkt  (wenn  die  Qi  als  konstant  angenommen  werden).  Wir
können  auch  sagen,  daß  eine  gleichmäßige  Veränderung  in  den  Q x  auf  die
Größe  Ily  in  genau  demselben  und  auf  l\  in  genau  dem  umgekehrten  Verhältnis ­
  einwirkt  (unter  der  Annahme,  daß  die  linke  Seite  der  Gleichung
unverändert  bleibt).  Wenn  wir  Formel  11  benutzen,  um  das  Durchschnitts-Preisverhältnis
  auszudrücken,  so  können  wir  (so  lange  sich  die  Qi  gleichmäßig
oder  überhaupt  nicht  verändern)  tatsächlich  in  allen  Fällen  konstatieren,
daß  die  Preise  „im  Durchschnitt“  genau  wie  die  linke  Seite  der  Gleichung
und  umgekehrt  wie  die  Qi  steigen  oder  fallen.
Wie  bereits  bemerkt,  sind  dies  die  grundlegenden  Theoreme,  welche  die
Verkehrsgleichung  vertritt.  Die  Beschränkung  hinsichtlich  der  gleichmäßigen ­
  Veränderung  der  möchten  wir  gern  beseitigt  wissen.  Als  vollkommen ­
  betrachten  wir  diejenige  Indexziffer  (soweit  sie  der  Verkehrsgleichung ­
  Genüge  leistet),  bei  der  wir,  ohne  die  Beschränkung  gleichmäßiger
Veränderung  der  das  obenerwähnte  Proportionstheorem  anwenden
können,  so  daß  bei  den  Q  an  die  Stelle  der  gleichmäßigen  Veränderung  eine
Dwreftsc/miffeveränderung  gesetzt  werden  kann.  Die  Tabelle  weist  keinen
solchen  Index  auf  und  jeder  derartige  Index  erscheint  unmöglich.  Tatsächlich ­
  ist  aber  dieser  Schluß  ohne  Belang,  denn  für  uns  kommen  weit
mehr  die  Preise  als  die  Quantitäten  in  Betracht,  da  letztere  nur  insofern
von  Bedeutung  sind,  als  sie  für  die  Preisindizes  die  Gewichte  liefern.  Wie
wir  bereits  bemerkt  haben,  hat  Edgeworth  nachgewiesen,  daß  selbst  eine
große  Variation  im  Wiegen  verhältnismäßig  von  geringer  praktischer  Bedeutung ­
  ist.
Die  Hauptverwendung  der  Indexziffern  besteht  im  Vergleich  aufeinanderfolgender ­
  und  nicht  weit  auseinanderliegender  Jahre.  Es  liegt  uns
        <pb n="371" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

351

weniger  an  einem  Vergleich  der  Preise  der  Jahre  1909  und  1910  mit  denen
des  Jahres  1873,  als  an  einem  Vergleich  derselben  miteinander.  In  der  Tat
benutzen  wir  das  Jahr  1873  als  Basisjahr  hauptsächlich,  um  zwei  andere
Jahre  miteinander  vergleichen  zu  können.  Doch  nur  wenige  Indexziffern,
die  einen  zuverlässigen  Vergleich  zwischen  dem  einen  und  dem  anderen  Jahr
als  Basisjahr  gewähren,  erlauben  einen  richtigen  Vergleich  zwischen  zwei
Jahren,  von  denen  jedes  den  Ausdruck  eines  dritten  Jahres  zur  Basis  hat.
Es  sind  dies  die  wenigen  Indexziffern,  welche  der  Basisveränderungsprobe  7
vollkommen  entsprechen 1 ).  Die  einzigenFormeln,  welche  diesen  Anforderungen
genügen,  sind  die  in  der  Tabelle  mit  1,  2,  7,  8,43  und  44  numerierten  Formeln,
denen  samt  und  sonders  aus  anderen  Gründen  ernstliche  Bedenken  entgegenstehen. ­
  1  und  2  sind  ganz  willkürliche  Formeln,  da  die  Wägung  „aufs  Geratewohl“ ­
  vorgenommen  wurde;  die  Formeln  43  und  44  haben  die  niedrigste
Punktzahl  in  der  Tabelle;  Formel  7  besitzt  kein  Wägesystem  und  Formel  8
wird  Null,  wenn  eine  einzelne  Quantität,  wie  Q,  aus  den  Jahresverkäufen
verschwinden  würde.
Man  könnte  daher  die  Frage  aufwerfen,  weshalb  wir,  wie  dies  stets
der  Fall  war,  unsere  Indexziffern  auf  eine  feste  Basis  und  auf  Grund  der
Bedingungen  hin  konstruieren,  zu  denen  wir  zwei  gegebene  Jahre  indirekt
vergleichen.  Warum  können  wir  die  Vergleichung  nicht  direkt  vornehmen?
Mit  Ausnahme  der  Formeln,  welche  der  Formel  7  entsprechen,  führt  ein
indirekter  Vergleich  in  allen  Fällen  zu  einem  Irrtum.  In  allen  diesen  Fällen
kann  eine  indirekte  Vergleichung  natürlich  kein  besseres  Kesultat  als  eine
direkte  Vergleichung  ergeben,  während  in  allen  anderen  Fällen  ein  direkter
Vergleich  besser  ist.
Es  erscheint  daher  ratsam,  jedes  Jahr  mit  dem  nachfolgenden  zu  vergleichen, ­
  oder,  mit  anderen  Worten,  jedes  Jahr  als  Basis  des  nächsten  Jahres
zu  nehmen.  Dieses  Verfahren,  das  auch  von  Marsljall,  Edgeworth  und
Flux  empfohlen  wurde 2 ),  ist  der  Schwierigkeit  ungleichmäßiger  Verände-J

 )  Daß  dieser  Probe  am  schwersten  Genüge  zu  leisten  ist,  geht  aus  der  Tatsache
hervor,  daß  die  in  der  letzten  Kolonne  für  Probe  7  gegebene  Gesamt-„Punktzahl“  die
niedrigste  der  ganzen  Kolonne  ist.  Sie  beträgt  bei  einer  möglichen  Punktzahl  von  44
nur  12.  Die  nächstschwierige  Probe  ist  Nr.  5  (oder  6),  deren  Gesamt-„Punktzahl“  13 1 /,,
ausmacht.
Die  einfachste  der  zu  erfüllenden  Proben  ist  Nr.  8,  deren  Gesamtpunktzahl  40  von
44  beträgt;  die  näehstleichteste  ist  Probe  3  (und  4)  mit  der  Zahl  31  von  44.
2 )  „Modes  of  constructing  Index  Numbers“,  Quarterly  Journal  of  Economics,  August
!907,  S.  613—631.
        <pb n="372" />
        352

Anhang  zum  X.  Kapitel.

rangen  in  den  Q  in  hohem  Maße  gewachsen,  denn  die  bei  aufeinanderfolgenden ­
  Jahren  vorkommenden  Ungleichheiten  sind  verhältnismäßig  gering.
Derartige  auf  der  Basis  von  100  Prozent  für  das  vorhergehende  Jahr
konstruierte  aufeinanderfolgende  Indexziffern  ergeben,  wenn  sie  miteinander
multipliziert  werden,  eine  Kette  von  Indexziffern,  welche,  jeder  gewöhnlichen
Reihenfolge  gleich,  die  Schwankungen  von  Jahr  zu  Jahr  anzeigen  und  zu
einem  Vergleich  der  Nachbarjahre  viel  geeigneter  sind.
Wir  wollen  nun  die  Vorzüge  der  Indexziffern  einer  nochmaligen  vergleichenden ­
  Prüfung  unterziehen,  und  zwar  unter  der  Voraussetzung,  daß
sie  nur  für  aufeinanderfolgende  Jahre,  das  heißt,  zum  Vergleich  eines  jeden
Jahres  mit  dem  vorhergehenden  Jahre  als  Basis  zu  verwenden  sind.  In
diesem  Falle  brauchen  wir  zwischen  einer  „teilweisen“  und  einer  „vollständigen“ ­
  Erfüllung  der  Proben  keinen  Unterschied  zu  machen.  Wir  können
somit  für  jedes  „&amp;lt;(“  die  Zahl  „1“  ansetzen.  Wenn  wir  nun,  wie  zuvor,  alle
Formeln,  welche  Probe  2  nicht  erfüllen,  weglassen,  so  kommen  wir  zu  folgenden ­
  Resultaten:

Formel

Punktzahl

Formel

Punktzahl

2

4

20

5

4

3

21

7

6

3

22

6

8

4

24

5

10

4}

26

4

11

6

28

4

12

6

30

3

13

5

32

3

14

5

34

3

15

6

36

3

16

6

38

3

17

7

40

3

18

6

42

3

19

6

Wir  sehen,  daß  Formel  11  und  12  die  gleiche  Punktzahl  6  aufweist,
während  deren  Durchschnitt  15  (und  16)  und  deren  Zusammensetzung  18
sowie  auch  22  dieselbe  Punktzahl  haben,  daß  aber  die  Formeln  17  und  21,
die  Zusammensetzungen  von  11  und  12  sind,  die  vollkommene  Punktzahl  7
besitzen.  Bei  jeder  dieser  beiden  Formeln  wird  als  Gewicht  der  Durchschnitt ­
  der  in  den  Formeln  11  und  12  verwendeten  Gewichte  genommen.
Theoretisch  finden  wir  also  zwei  Formeln,  welche,  soweit  es  sich  um  Vergleiche ­
  der  Preise  von  Jahr  zu  Jahr  handelt,  bei  allen  Proben  vollkommen
stimmen.
        <pb n="373" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

353

Wo  es  sich  also  um  große  Genauigkeit  handelt,  und  wo  für  die
nötigen  mühsamen  Berechnungen  reichliche  Hilfsmittel  vorhanden  sind,
empfehlen  wir  die  Verwendung  der  Formel  17  oder  21.  Dies  setzt  voraus,
daß  Statistiken  für  die  Q  erhältlich  sind,  was  jedoch  gewöhnlich  nicht  der
Fall  ist.
Bis  jetzt  ziehen  wir  daher  den  Schluß,  daß  1.  Formel  11  theoretisch
die  beste  ist,  wenn  jedes  Jahr  auf  Grund  einer  gemeinschaftlichen  Basis
ausgedrückt  wird;  2.  daß  (auch  theoretisch)  die  Formeln  17  und  21  etwas
höherwertiger  sind,  wenn  jedes  Jahr  auf  Basis  des  vorhergehenden  Jahres
dargestellt  wird,  und  daß  diese  beiden  alle  Garantien  für  Vergleichungen
von  Jahr  zu  Jahr  erfüllen.
§8.
Gründe  der  Bevorzugung  des  Medianwerts  für  praktische  Zwecke.
Für  die  Praxis  haben  jedoch  die  Formeln  17  und  21  der  Formel  11  gegenüber ­
  (oder  12,  was  bei  Vergleichen  von  Jahr  zu  Jahr  auf  dasselbe  herauskommt) ­
  nur  einen  geringen,  vielleicht  gar  keinen  Vorteil,  1.  weil  das  Wägen
von  geringer  Bedeutung  ist;  2.  weil  das  vollkommenere,  bei  den  Formeln
17  und  21  angewandte  Wägen  sich  von  dem  der  Formeln  11  und  12  selten
wesentlich  unterscheidet,  denn  jeder  Gewinn  in  der  Genauigkeit  würde
wahrscheinlich  geringer  sein  als  die  Irrtümer  beim  Messen  der  Q,  die
man  niemals  genau  kennt;  3.  weil  die  Methoden  von  17  und  21  in  der
Praxis  viel  mühsamer  sind.  In  der  Hauptsache  müssen  wir  ja  doch  auf
die  Praxis  Rücksicht  nehmen,  ausgenommen  da,  wo  die  große  Arbeit  und
die  für  die  Berechnung  auf  gewandten  Kosten  keine  Rolle  spielen.  Wenn
wir  die  Verdienste  der  verschiedenen  Formeln  in  praktischer  Hinsicht  untersuchen, ­
  so  werden  wir  meines  Erachtens  alle  Formeln  mit  Ausnahme  von
9  und  11  verwerfen  und  zu  dem  Schlüsse  kommen,  daß  die  beste  Indexziffer ­
  der  gewogene  Medianwert  ist.  In  bezug  auf  leichte  Berechnung  hat
er  nicht  seinesgleichen.  Die  Punktzahl  des  Medianwerts  in  der  Tabelle
(Formel  9)  ist  hoch,  wenn  sie  auch  der  Probe  2  nicht  entspricht.  Mit  Ausnahme ­
  dieser  Probe  erfüllt  der  Medianwert  ganz  oder  teilweise  jede  andere
Probe.  Er  hat  daher  selbst  in  theoretischer  Hinsicht  einiges  Verdienst.
Bei  dieser  Gelegenheit  möchten  wir  einen  charakteristischen  Zug
des  Medianwerts  erwähnen,  den  ich  eigentlich  als  Fehler  betrachten
möchte.  Edgeworth  legt  besonderen  Wert  auf  die  Tatsache,  daß  eine
Dispersion  der  Preise  nach  ölen  stets  oder  gewöhnlich  die  Dispersion
der  Preise  nach  unten  überbietet.  Der  ersteren  ist  keine  Grenze
gesetzt,  während  letztere  durch  Null  begrenzt  wird.  Statistische  Prü-Fisher,
  Kaufkraft  des  Geldes.  23
        <pb n="374" />
        354

Anhang  zum  X.  Kapitel.

fungen  zeigen  diese  Asymmetrie  der  Streuung  in  klarer  Weise 1 ).  Aus
dieser  Tatsache  ist  die  Behauptung  hergeleitet  worden,  daß  der  beste
Durchschnitt  der  sei,  bei  dem  große  Abweichungen  nach  oben  nicht  mehr
zählen,  als  kleine  Abweichungen  nach  unten.  Diese  Bedingung,  ob  gut  oder
schlecht,  wird  von  arithmetischen  Durchschnitten  nicht  erfüllt,  wohl  aber
vom  geometrischen  Durchschnitt  und  von  der  Mediane 1  2 ),  die  dem  geometrischen ­
  Durchschnitte  gewöhnlich  dicht  folgt.  Edgeworth  behauptet,
daß  der  Medianwert  die  anderen  Formeln  übertrifft,  wenn  die  Veränderlichkeit ­
  der  verschiedenen  Elemente,  deren  Durchschnitt  genommen  wird,
ganz  verschieden  ist 3 ).
Edgeworth  schließt,  daß  „nach  dem  gegenwärtigen  Stande  unseres
Wissens  und  für  die  gegebenen  Zwecke  die  Mediane  die  richtige
Formel  ist“ 4 ).
Was  die  Methoden  des  Wägens  anbelangt,  so  zeigt  eine  theoretische  Erörterung ­
  in  bezug  auf  Probe  2,  daß  das  Wiegen  auf  Grund  der  in  dem  einen
oder  andern  Vergleichs]  ahre  verkauften  Werte  vorgenommen  werden  sollte.
Es  ist  leicht  zu  beweisen,  daß  ein  System  des  Wägens  des  Medianwerts
durch  gegebene  Gewichte,  das  heißt,  nicht  nur  durch  einmaliges,  sondern
mehrmaliges  Zählen  jedes  Preisverhältnisses  (die  Anzahl  des  Zählens  ist  das
Gewicht),  die  relativen  Erfüllungen  der  Proben,  wie  dies  beim  einfachen
Medianwert  9,  der  einzigen  Mediane  in  der  Tabelle,  der  Fall  ist,  nicht  beeinflußt. ­
  Edgeworth  hat  nachgewiesen,  daß  für  alle  praktischen  Zwecke  ein
ganz  ungefähres  System  des  Wägens  genügt 5 ).  Ob  nun  das  Wägen  nach

1 )  Siehe  Edgeworth,  „First  Report  on  Monetary  Standard“,  Report  of  (he  British
Association  for  the  Advancement  of  Science,  1887,  S.  284—855.
2 )  Edgeworth,  ebendaselbst,  S.  284—286.  Jedoch  sollte  vom  Standpunkte  der  Preisverhältnisse ­
  zum  Umlaufsmittel  eine  große  Abweichung  nach  oben  mehr  zählen,  als  eine
kleine  Abweichung  nach  unten,  weil  sie  mehr  Umlaufsmittel  erfordert.  Wie  wir  schon
gesehen  haben,  ist  der  ungünstig  beurteilte  arithmetische  Durchschnitt  in  der  Tat  genau
der  für  die  Verkehrsgleichung  erforderliche  Durchschnitt.  Siehe  §  6  des  Anhanges  zum
II.  Kapitel  und  §  7  dieses  Anhanges.  Bezüglich  der  Asymmetrie  der  Preisdispersion
siehe  Mitchell,  Gold,  Prices,  and  Wages  under  the  Greemback  Standard,  Berkeley  (University
  of  California  Press)  1908,  und  die  Besprechung  dieses  Werkes  von  Edgeworth,
Journal  of  the  Royal  Economic  Society,  Dezember  1908,  S.  578—582,  und  H.  G.  Brown,
Yale  Review,  Mai  1909,  S.  99—101.
3 )  Edgeworth,  Report  usw.,  1887,  S.  291,  und  „On  the  Choice  of  Means“,  Philosophical
Magazine,  September  1887;  siehe  auch  Report  of  the  British  Association  for  the  Advancement
of  Science,  1889,  S.  156—161,  und  Journal  of  the  Royal  Statistical  Society,  Juni  1888.
4 )  Ebendaselbst  S.  191
5 )  Siehe  Report  of  the  British  Association  for  the  Advancement  of  Science,  1888,  S.  208
bis  211.  Edgeworth  vergleicht  verschiedene  Mittel  von  21  Artikeln  der  Jahre  1885  und
        <pb n="375" />
        Anhang  zum  X.  Kapitel.

355

den  Werten  p 0 Q 0  usw.  oder  p t Q y  usw.  oder  p 0 Q y  U sw.  oder  p t Q 0  usw.
vorgenommen  wird,  ist  praktisch  gewöhnlich  ohne  Bedeutung.  Wenn  wir
also  theoretische  Rücksichten  den  praktischen  unterordnen,  so  scheint
das  geeignete  Verfahren  darin  zu  bestehen,  gewisse  Konstanten  zu
wählen,  die  einfache  ganze  Zahlen,  und  den  Werten,  mit  denen  wir  es  in
den  von  uns  betrachteten  Jahren  zu  tun  hatten,  so  nahe  als  möglich  sind.
Diese  Gewichte  brauchen  nicht  jedes  Jahr  geändert  zu  werden,  sollten
jedoch  eine  Änderung  erfahren,  wenn  sich  die  Werte  (p t Q x )  bedeutend
verändern.
Im  Falle,  daß  sowohl  eine  Quantitäts-  oder  Handelsindexziffer  (Q 1
oder  Hj)  als  auch  eine  Preisindexziffer  (PQ  gewünscht  werden,  können  wir
den  Medianwert  gleichfalls  als  die  Form  für  wählen.  Mit  anderen  Worten:
die  Indizes  für  die  p  und  die  ö  werden  am  besten  unabhängig  voneinander ­
  gewählt.  Freilich  verwerfen  wir  dadurch  jede  absolute  gegenseitige
Übereinstimmung  zwischen  den  beiden,  wir  sprechen  aber  jetzt  von
praktischen  und  nicht  von  theoretischen  Rücksichten.
Einer  der  großen  praktischen  Vorteile  des  Medianwerts  ist  seine  Verwendung ­
  in  Verbindung  mit  „Quartilen“  oder  „Dezilen“,  um  sowohl  die
Dispersion  als  auch  die  Durchschnitte  darzustellen.  Dieses  Verfahren
zur  Darstellung  der  Dispersion  von  einem  Mittelwert  aus  ermöglicht ­
  eine  leichtere  Berechnung  und  auch  ein  tieferes  Eingehen  auf
eventuell  gewünschte  Einzelheiten,  als  das  Karl  Pearsonsche  Verfahren
der  „Normalabweichung“  von  einem  arithmetischen  Mittel.
Die  praktische  Schlußfolgerung  ist  daher,  daß  der  gewogene  Medianwert
den  Zwecken  eines  praktischen  Preis-  und  Quantitätenbarometers  ebensogut,. ­
  wenn  nicht  besser,  entspricht  als  theoretisch  höherwertige  Formeln.
Doch  ungeachtet  der  besonderen  Einfachheit  und  Leichtigkeit  der
Berechnung,  die  den  Medianwert  auszeichnet,  und  trotz  Edgeworths  starker
Bekräftigung  kommt  derselbe  fast  nie  zur  Anwendung,  wenn  er  überhaupt
bekannt  ist.  Wesley  C.  Mitchell 1 )  hat  die  Mediane  in  ausgedehnterem
1873,  wovon  eines  von  dem  Komitee,  dessen  Mitglied  er  war,  empfohlen  ist.  Dieses
Mittel  wurde  bereits  im  Texte  des  X.  Kapitels,  §  5  erwähnt.
*)  Gold,  Prices,  and  Wages  under  the  Greenback  Standard,  Veröffentlichung  der  Universität ­
  von  Kalifornien.  Mitchells  Verwendung  von  Dezilen  ist  jedoch  von  geringem
Werte,  da  er  eine  gemeinschaftliche  Basis,  nämlich  das  Jahr  1860  verwendet,  so  daß  seine
Zahlen  für  jedes  folgende  Jahr  die  Dispersion  dieses  Jahres  im  Verhältnis  zum  Jahre
1860  geben.  Die  Kenntnis  der  Dispersion  der  Preise  in  den  Jahren  1909  oder  1910
im  Vergleich  zum  Jahre  1860  ist  so  gut  wie  von  gar  keiner  Bedeutung  und  liefert
auch  keinen  Aufschluß  darüber,  ob  sich  die  Preise  gleichförmig  veränderten,  oder  ob
sie  sich  vom  Jahre  1909  bis  1910  weit  zerstreuten.  Was  wir  wissen  sollten,  ist  die
23*
        <pb n="376" />
        356

Anhang  zum  X.  Kapitel.

Maße  als  irgendein  anderer  zur  Bestimmung  von  Preisindizes  benützt.
Professor  Davis  R.  Dewev  verwandte  sie  in  seinem  Spezialberichte  über
diesen  Gegenstand  für  Löhne.
§9.
Kurze  zusammenfassende  Übersicht.
Die  Schlußfolgerungen  dieses  Anhanges  können  kurz  wie  folgt  dargestellt ­
  werden:
1.  Jede  Summe  der  Produkte  je  zweier  Faktoren,  z.  B.  2pQ,  kann
in  eine  der  drei  Formen  verwandelt  werden:  1.  PH,  wo  P  der  Durchschnitt
der  Verhältnisse  der  p  zu  einem  als  Basis  angenommenen  p 0  und  II  der
Quotient  ist;  2.  WB,  wobei  ■£*  der  Durchschnitt  der  Verhältnisse  der
P  .  2p  Q
Q  zu  einem  als  Basis  angenommenen  Q 0  und  W  der  Quotient  —~  ist;
3.  P£x2p 0 Q 0 .
2.  Von  den  vorstehenden  drei  Formeln  ist  nur  die  letzte  in  dem
Sinne  symmetrisch,  daß  die  p  und  Q  gleich  behandelt  werden.
3.  P  und  H  (oder  P  und  £.)  werden  als  korrelativ  betrachtet,  und  jede
besondere  Formel  für  dieses  oder  jenes  umfaßt  eine  besondere  korrelative
Formel  für  das  andere.
4.  Zwei  korrelative  Formeln  für  P  und  jQ  sind  einander  im  allgemeinen
ganz  unähnlich.  Wenn  gleiche  Formeln  für  P  und  iö  konstruiert  werden,
so  bildet  das  Korrelat  von  Q  eine  neue  Formel  für  P,  die  als  der  ursprünglichen ­
  Formel  für  P  antithetisch  angesehen  wird,  und  vice  versa.
5.  Es  gibt  eine  unbegrenzte  Anzahl  von  Formeln  für  P,  von  denen  44
in  der  Tabelle  angegeben  sind,  und  es  bestehen  wenigstens  8  wichtige  Proben,
mit  denen  jede  Formel  in  einem  der  drei  folgenden  Grade  übereinstimmt:
1.  ganz  oder  für  das  Verhältnis  P 1  zu  P 2 ,  von  denen  jedes  im  Verhältnis  zu
einem  dritten  Jahre  als  Basis  steht;  2.  teilweise  oder  für  das  Verhältnis
P,  zu  Eins,  und  3.  überhaupt  nicht.
6.  Die  acht  Proben  betreffen  die  Proportionalität  der  Preise  oder
Quantitäten  (1  und  2);  die  Bestimmbarkeit  der  Preise  oder  Quantitäten
(3  und  4);  den  Ausschluß  oder  Einschluß  von  Preisen  und  Quantitäten
(5  und  6);  die  Veränderung  der  Basis  für  Preise  und  Quantitäten  (7),  und
die  Veränderung  der  Einheiten  für  Preise  und  Quantitäten  (8).
Preisdispersion  von  Jahr  zu  Jahr,  und  dies  kann  dadurch  erfolgen,  wenn  man  drei
radiale  Linien  von  1909  nach  1910  zieht,  deren  mittlere  die  Bewegung  der  Mediane
anzeigt,  während  die  beiden  anderen  die  Bewegungen  der  zwei  benachbarten  Quartilen
angeben.
        <pb n="377" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

357

7.  Die  Proben  gruppieren  sich  ihrerseits  in  Paare,  und  zwar  bezieht
sich  von  jedem  Paare  die  eine  auf  die  p  in  derselben  Weise  wie  die  andere
auf  die  Q;  doch  hat  jede  Probe  sowohl  für  die  p  als  auch  für  die  Q  Bedeutung. ­

8.  Die  Formeln  ordnen  sich  selbst  zu  antithetischen  Paaren.
9.  Von  4  beliebigen  benachbarten  Abteilungen  in  der  Tabelle,  die  sich
auf  zwei  korrelative  Reihen  (Proben)  und  zwei  antithetische  Kolonnen
(Formeln)  beziehen,  haben  die  Diagonalen  die  gleichen  „Punktzahlen“.
10.  Keine  uns  bekannte  Form  der  Indexziffer  P  stimmt  vollkommen
mit  allen  acht  Proben  überein,  wenn  ein  gemeinschaftliches  Basisjahr
verwendet  wird,  doch  stimmen  mehrere  gut  überein,  die  Formel  Nr.  11,
^r^r,  am  besten.
^VoQi
11.  Wenn  wir  aber  mit  Vergleichen  von  Jahr  zu  Jahr  zufrieden
sind,  und  auf  Vergleiche  in  Ausdrücken  eines  dritten  Jahres  verzichten,
so  haben  wir  zwei  Formeln,  die  vollkommen  übereinstimmen,  nämlich  die
Formeln  17  und  21.
12.  Praktisch  ist  aber  die  Formel  11  höherwertig  als  die  Formeln
17  und  21,  und  Formel  9  (die  Mediane)  ist,  wenn  sie  richtig  gewogen
wird,  der  Formel  11  überlegen.
13.  Für  praktische  Zwecke  ist  daher  der  Medianwert  (samt  seinen
beiden  benachbarten  Quartilen)  zu  empfehlen,  und  zwar  mit  einem  einfachen ­
  Gewichtssystem  (ganzen  Zahlen),  das  auf  Ausgaben  basiert  und
von  Zeit  zu  Zeit  geändert  wird,  um  bessere  Vergleiche  von  Jahr  zu
Jahr  anstellen  zu  können;  es  sei  denn,  daß  die  Kosten  und  die  Mühe  der
Berechnung  keine  Rolle  spielen.

Anhang  zum  XII.  Kapitel.
§  1  (zum  XII.  Kapitel,  §  1).
Kemmerers  Berechnungen.
Kemmerer  nimmt  in  seinem  Buche  Money  and  Prices  (S.  99)  die  Abschätzung ­
  des  in  Zirkulation  befindlichen  Geldes  (G)  vor,  indem  er  von  dem
Gelde,  wie  es  vom  Comptroller  of  the  Currency  für  die  Vereinigten  Staaten
abgeschätzt  wird,  zwei  Posten,  und  zwar  das  im  Schatzamt  der  Vereinigten
Staaten  und  das  in  den  Banken  befindliche  (gemeldete  und  abgeschätzte)
        <pb n="378" />
        358

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

Geld,  in  Abzug  bringt.  Er  schätzt  sodann  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des
Geldes  auf  47  mal  im  Jahr  und  nimmt  mangels  irgendwelchen  Materials,
nach  dem  deren  Veränderungen  beurteilt  werden  könnten,  an,  daß  die
Umlaufsgeschwindigkeit  konstant  bleibt.  Zur  Zahl  47  gelangt  er  auf  folgende
Weise:  Er  schätzt  den  Betrag  der  Schecktransaktionen  für  das  Jahr  1896
auf  143  Milliarden  (S.  111  seines  Buches).  Diese  Veranschlagung  ist  auf
Zahlen  gegründet,  die  einer  von  Kinley  im  Jahre  1896  auf  Veranlassung
des  Comptrollers  oj  the  Currency  gemachten  Untersuchung  entnommen
sind.  Kinley  nimmt  unter  Bezug  auf  seine  schätzungsweise  Annahme,
daß  Schecktransaktionen  wenigstens  dreimal  Geldtransaktionen  sind,  den
dritten  Teil  von  143  Milliarden,  also  47.7  Milliarden,  als  die  Summe  der
Geldtransaktionen  an.  Er  schätzt  den  Betrag  des  in  Zirkulation  befindlichen ­
  Geldes  für  das  Jahr  1896  auf  1.025  Milliarden,  dividiert  47.7  durch
1.025  und  kommt  (S.  114)  auf  eine  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes
von  47  mal  im  Jahr.  Wie  wir  sehen  werden,  ist  diese  Zahl  höchstwahrscheinlich ­
  beinahe  dreimal  zu  hoch  gegriffen;  der  Irrtum  ist  wohl  darauf
zurückzuführen,  daß  Kemmerer  nicht  der  Ansicht  Kinleys  ist,  die  seitens
des  letzteren  vorgenommene  Abschätzung  des  Prozentsatzes  der  Scheckzirkulation ­
  vom  Jahre  1896  sei  ein  „zuverlässiges  Minimum”,  sondern  die
entgegengesetzte  Meinung  vertritt,  sie  sei  vielmehr  ein  zuverlässiges  Maximum. ­
  Wir  wollen  nun  die  Gründe  angeben,  die  zu  der  Annahme  führen,
daß  Kinley  mit  seiner  Schlußfolgerung,  die  Schätzung  der  Schecktransaktionen ­
  auf  drei  Viertel  der  Gesamttransaktionen  sei  ein  „zuverlässiges
Minimum”,  recht  hatte.  Die  Berechnungen,  die  wir  nun  folgen  lassen,
beweisen,  daß  eher  neun  Zehntel  als  drei  Viertel  die  wahrscheinliche  Zahl  ist.
Wie  bereits  erwähnt,  schätzt  Kemmerer  die  Schecktransaktionen  (die
wir  O'U'  nannten)  im  Jahre  1896  auf  143  Milliarden.  Die  Schecktransaktionen ­
  der  anderen  Jahre,  für  die  kein  entsprechendes  Material  vorhanden ­
  ist,  werden  von  ihm  so  geschätzt,  daß  die  Bankclearings  stets  35  %
davon  betragen  (S.  118  seines  Buches).  Er  macht  keinerlei  Versuch,  G'
(die  Bankdepositen)  und  ü'  (deren  Umlaufsgeschwindigkeit)  getrennt  abzuschätzen. ­
  Kemmerer  schätzt  das  Handelsvolumen  (H)  relativ  (d.  h.  er
schätzt  das,  was  wir  im  Anhang  zum  X.  Kapitel  Q,  genannt  haben).  Dies
sind  eingestandenermaßen  die  ungefährsten  aller  seiner  Schätzungen.
Er  trachtet  möglichst  viele  Indikatoren  für  das  Anwachsen  des  Handels
zu  erhalten  (S.  130),  ohne  besondere  Rücksicht  darauf  zu  nehmen,  ob  sie
passen  oder  nicht.  Seine  Indikatoren,  fünfzehn  an  der  Zahl,  sind  die  folgenden: ­
  Bevölkerung,  ein-  und  ausgehende  Schiffsladungen,  Export  und
Import  von  Waren  (Werte),  Einkommen  der  Reichspost,  Bruttogewinne
        <pb n="379" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

359

aus  dem  Betriebe  der  Eisenbahnen  in  den  Vereinigten  Staaten,  durch  die
Eisenbahnen  beförderte  Frachten,  Bruttoeingänge  der  Western  Union
Telegraphengesellschaft,  Verbrauch  an  Roheisen,  bituminöse  Kohle,  Weizen,
Korn,  Baumwolle,  Schafwolle,  Weine,  Liköre  und  den  Marktwert  gemeldeter ­
  Verkäufe  an  der  New  Yorker  Effektenbörse.  Jede  dieser  Zahlengruppen
wird  von  Kemmerer  durch  Indexnummern  ausgedrückt  und  deren  einfacher ­
  Durchschnitt  als  die  Handelsindexnummer  für  jedes  in  Frage  stehende
Jahr  genommen.
Allerdings  ist  sich  Kemmerer  völlig  bewußt  gewesen,  daß  viele  dieser
Zahlen  mehr  oder  weniger  gewichtigen  Einwänden  ausgesetzt  sind.  Bei
einer  Veränderung  des  auf  den  Kopf  berechneten  Handels  kann  die  Bevölkerung ­
  nur  einen  sehr  dürftigen  Handelsindex  bieten.  Werte  eignen
sich  nur  dann,  wenn  Beständigkeit  der  Preise  vorausgesetzt  werden  kann,
was  bei  den  Einnahmen  der  Post  und  der  Telegraphengesellschaften  nur
teilweise,  beim  Import  und  Export,  bei  den  Einnahmen  der  Eisenbahnen
und  bei  Wertpapieren  überhaupt  nie  der  Fall  sein  kann.
Nachdem  Kemmerer  auf  diese  Weise  die  verschiedenen  Elemente,
nämlich  Oü  +  G'ü'  und  H,  die  die  Preisniveaus  theoretisch  bestimmen,
für  1879—1908  festgestellt  hat,  rechnet  er  aus  ihnen  die  Indexnummer  der
Preise  heraus.  Diese  aus  den  anderen  Größen  der  Verkehrsgleichung  berechnete ­
  Indoxnummer  nennt  er  „relative  Zirkulation“.  Die  Zahlen  relativer ­
  Zirkulation  (virtuell  nach  der  Formel  P  —  (GU  +  G'U')  -f-  H)  werden
von  ihm  sodann  mit  den  tatsächlichen  Statistiken  der  Preisniveaus  verglichen. ­
  Diese  direkt  berechneten  Preisindexnummern  nimmt  er  als  Durchschnitt ­
  der  Indexnummern  für  Engrospreise  (Zahlen  von  Commons  und
vom  Arbeitsamt,  S.  137),  für  Löhne  (dem  Bericht  des  Arbeitsamtes,
S.  137,  und  der  Industrial  Commission  entnommen),  sowie  für  Preise
von  Eisenbahnaktien  (Industrial  Commission  und  Wall  Street  Journal),
die  er  folgendermaßen  wiegt:  Löhne  3  Prozent,  Aktien  8  Prozent,  Engroswaren
  89  Prozent.
Die  durch  Kurven  (S.  149)  dargestellten  beiden  Zahlengruppen  —
„relative  Zirkulation“  und  „allgemeine  Preise“  —  zeigen  eine  allgemeine
Übereinstimmung.
§  2  (zum  XII.  Kapitel,  §  2).
Methode  zur  Berechnung  von  G.
Die  Abschätzungen  von  G  oder  des  in  den  Vereinigten  Staaten  in  Umlauf
befindlichen  Geldes  sind  auf  die  Berichte  des  Comptrollers  of  the  Currency
        <pb n="380" />
        360

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

gegründet.  Die  Berechnungen  sind  in  nachstehender  Tabelle  veranschaulicht: ­


Geld  in  den  Vereinigten  Staaten  usw.  (in  Milüarden  Dollar).

(1)
Jahr

Geld  in  den  Vereinigten ­
  Staaten
(Offizielle  “
Schätzung)

Geld  in  den  Vereinigten ­
  Staaten  p
(Berichtigte  ®
Schätzung)

Geld  im  Schatzamt ­
  der  Ver-  3
einigten  Staaten

In  den  Banken
befindliches  (ge-  @
meldetes)  Geld

Ungemeldetes
Geld  in  den
Banken,  geschätzt
  in  Prozenten
  des  gemeldeten ­
  Geldes

In  den  Banken
befindliches  Geld  q
(Berichtigte
Schätzung)

In  Zirkulation
befindliches
Geld;  Kolonne
(4)  und  (7)  von  -25
(3)  ausgeschlossen ­


1896

1.80

1.74

0.29

0.53

8.4%

0.58

0.87

1897

1.91

1.83

0.27

0.63

8.4%

0.68

0.88

1898

2.07

1.94

0.24

0.69

7.7  %

0.74

0.96

1899

2.19

2.09

0.29

0.72

6.7  %

0.77

1.03

1900

2.34

2.25

0.28

0.75

6.4%

0.80

1.17

1901

2.48

2.37

0.31

0.79

5.4%

0.84

1.22

1902

2.56

2.45

0.31

0.84

5.3%

0.88

1.26

1903

2.68

2.59

0.32

0.85

5.2%

0.89

1.38

1904

2.80

2.68

0.28

0.98

4.5%

1.03

1.37

1905

2.88

2.77

0.29

0.99

3.9%

1.03

1.45

1906

3.07

2.97

0.33

1.01

3.4%

1.05

1.59

1907

3.12

3.12

0.34

1.11

4.2%

1.15

1.63

1908

3.38

3.38

0.34

1.36

3.8%

1.41

1.63

1909

3.41

3.41

0.30

1.44

2.8%

1.48

1.63

Die  Zahlen  der  zweiten  Kolonne  (2)  stellen  das  Geld  dar,  das  sich  den  offiziellen ­
  Abschätzungen  des  Direktors  der  Münzstätte  gemäß  Mitte  eines
jeden  Kalenderjahres  in  den  Vereinigten  Staaten  befindet.  Infolge  der  von
Maurice  L.  Muhleman  angestellten  Untersuchungen  wurden  diese  offiziellen
Schätzungen  im  Jahre  1907  durch  Subtraktion  eines  auf  $  135  000  000
geschätzten  Irrtums  von  dem  Golde  berichtigt,  das,  wie  man  glaubte,  in
den  Vereinigten  Staaten  vorhanden  war.  Die  Berichtigungen  der  Münzstätte ­
  wurden  jedoch  nur  am  Schlüsse  der  Kalenderjahre  vorgenommen 1 ).
Um  die  Berichtigungen  auf  die  Mitte  eines  gegebenen  Kalenderjahres  anzuwenden, ­
  wurde  der  Durchschnitt  der  für  das  Gold  in  den  Vereinigten  Staaten
berichtigten  Zahlen  zu  Anfang  und  zu  Ende  des  Jahres  genommen.  Der  so
erlangte  Durchschnitt  wurde  als  die  berichtigte  Zahl  des  Goldes  für  die
Jahresmitte  genommen.  Diese  berichtigte  Zahl  wurde  sodann  mit  der
offiziellen  für  die  Mitte  des  Jahres  gegebenen  Zahl  des  Goldes  verglichen

D  Siehe  den  Report  o/  the  Director  of  ihe  Mint,  1907,  S.  87.
        <pb n="381" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

361

und  die  Differenz  als  Berichtigung  für  dieses  Datum  angenommen.  Diese
Berichtigung  wurde  dann  von  den  Zahlen  des  in  der  zweiten  Kolonne  (2)
gegebenen  Geldes  der  Vereinigten  Staaten  abgezogen.  So  erhalten  wir  die
Zahlen  der  dritten  Kolonne  (3).  Ganz  unabhängige  Berichtigungen  wurden
von  Muhleman  für  die  Mitte  der  Jahre  1896  bis  einschließlich  1900  vorgenommen. ­
  Sie  sind  unbedeutender  als  die  Berichtigungen,  die  aus  den
oben  gegebenen  Zahlen  der  Münzstätte  berechnet  wurden;  die  Differenz  in
den  aufeinanderfolgenden  Jahren  beträgt  0.05,  0.03,  0.00,  0.03  und  0.05.
Die  vierte  und  fünfte  Kolonne,  (4)  (5)  unserer  Tabelle,  geben  das  Geld
im  Bundesschatzamt  und  das  in  den  Banken  gemeldete  Geld  an,  wie  es  in
den  Jahresberichten  des  Comptrollers  of  the  Currency  festgestellt  wurde.  Die
sechste  Kolonne  (6)  bringt  den  abgeschätzten  Prozentsatz  des  nichtgemeldeten
  Geldes.  Diese  Schätzung  wird  durch  die  Annahme  erlangt,  daß  die
nichtgemeldeten  Reserven  zu  den  gemeldeten  Reserven  in  demselben  Verhältnis ­
  stehen  wie  die  nichtgemeldeten  Depositen  zu  den  gemeldeten
Depositen;  die  Verhältnisse  der  letzteren  werden  aus  der  im  nächsten  Abschnitt ­
  (§3)  dieses  Anhanges  gegebenen  Tabelle  berechnet.
Wenn  wir  diesen  abgeschätzten  Prozentsatz  berechnen  und  die  hierbei
erlangte  Berichtigung  zu  dem  Geldo  der  berichtenden  Banken  hinzuzählen ­
  (Kolonne  5),  so  erhalten  wir  die  Gesamtschätzung  des  in  den
Banken  befindlichen  Geldes  (Kolonne  7).  Wenn  von  dem  berichtigten
Gelde  in  den  Vereinigten  Staaten  (wie  in  Kolonne  3  angegeben)  die  Summe
des  im  Schatzamt  befindlichen  Geldes  (Kolonne  4)  und  des  abgeschätzten
Geldes  in  den  Banken  (Kolonne  7)  subtrahiert  wird,  erhalten  wir  die  Zahlen
der  achten  Kolonne  (8).  Diese  Schätzungen  des  in  nicht  berichtenden  Banken
befindlichen  Geldes  sind  allerdings  gewissen  Irrtümern  unterworfen,  doch
würde  selbst  ein  Irrtum  von  50  Prozent  in  einer  ihrer  bedeutendsten  Schätzungen ­
  die  letzte  Kolonne  um  nicht  viel  mehr  als  2  Prozent  beeinflussen.
Eine  bedeutendere  Quelle  des  Irrtums  entspringt  aber  höchstwahrscheinlich
aus  den  Zahlen  der  zweiten  Kolonne  (2),  die  von  hypothetischen  Schätzungen
des  Goldes  in  den  Vereinigten  Staaten  abhängt.  Muhleman  schreibt  mir,
daß  die  von  der  Münzstätte  vorgenommenen  Berichtigungen  seiner  Meinung
nach  nicht  ausreichend  sind.  Durch  die  in  diesem  Bureau  gemachten  und
hier  angenommenen  Berichtigungen  verändern  sich  mehrere  der  Zahlen  der
achten  Kolonne  sogar  um  10  Prozent.  Die  bei  diesen  Berichtigungen  unterlaufenen ­
  Irrtümer  sind  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  viel  geringer  als  10  Prozent. ­
  Es  wären  noch  weitere  Irrtumsquellen  zu  verzeichnen,  doch  können,
wenn  alle  diese  Dinge  in  Anschlag  gebracht  werden,  die  Ergebnisse  aller
Vermutung  nach  im  allgemeinen  als  zuverlässig  gelten  und  wohl  nur  einem
        <pb n="382" />
        362

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

Irrtum  von  höchstens  2  bis  3  Prozent  unterworfen  sein.  Bei  gewöhnlichen
Statistiken  kann  ein  solches  Resultat  als  ziemlich  richtig  angesehen  werden.
§  3  (zum  XII.  Kapitel,  §  2).
Methode  zur  Berechnung  von  Gr'.
Die  Berechnungen  zur  Erlangung  von  G'  oder  der  individuellen,  dem
Scheckverkehr  unterworfenen  Depositen  sind  in  der  Tabelle  auf  Seite  363
wiedergegeben.
Die  in  der  zweiten  Kolonne  (2)  aufgeführten  Zahlen  stellen  die  „individuellen ­
  Depositen“  dar,  wie  sie  den  Jahresberichten  des  Comptrollers  of
the  Currency  entnommen  wurden  (siehe  den  Bericht  für  das  Jahr  1909,  S.  64
bis  66).  Bei  den  Jahren  1896—1899  wurden  die  Depositen  von  Kreditgesellschaften ­
  und  Sparkassen,  die  nicht  in  die  Klasse  der  individuellen
Depositen  gehören,  einer  Berichtigung  unterzogen.  Vor  dem  Jahre  1900
schlossen  viele  Banken  derartige  Depositen  von  Bankiers  in  die  individuellen
Depositen  ein.  Sie  sollten  aber  abgezogen  werden,  da  solche  von  anderen
Banken  herrührenden  Depositen  im  allgemeinen  in  einer  Bank  nicht  für
Handelszwecke  sondern  für  Bankgeschäfte  benützt  werden.  Diese  von  den
Zahlen  der  zweiten  Kolonne  abzuziehenden  Depositen  sind  in  der  dritten
Kolonne  (3)  gegeben.
Die  Zahlen  der  dritten  Kolonne  sind  Schätzungen,  die  die  Tatsache
zur  Grundlage  haben,  daß  die  Depositen  von  Sparkassen  und  Kreditgesellschaften ­
  in  den  Nationalbanken  (wenn  immer  ein  Vergleich  möglich  ist,
z.  B.  von  1900—1908)  den  Depositen  der  Einzelstaatenbanken  in  den
Nationalbanken  annähernd  gleich  sind.  Da  die  Zahlen  der  Einzelstaatenbanken ­
  für  1896—1899  zur  Verfügung  stehen,  so  nahm  man  diese  an
Stele  der  fehlenden  Kredit-  und  Sparkassenzahlen.  Eine  zur  Zeit  der
Drucklegung  der  ersten  Auflage  dieses  Buches  stattgehabte  Beratung  mit
dem  Comptroller  of  the  Currency  hat  den  Verfasser  davon  überzeugt,  daß
diese  Berichtigungen  zu  hoch  gegriffen  sind  und  daß  es  besser  gewesen
wäre,  sie  gänzlich  wegzulassen.  Um  zahlreiche  Abänderungen  in  den  Druckplatten ­
  zu  vermeiden,  wurden  sie  jedoch  beibehalten.  Glücklicherweise
ist,  wie  aus  S.  415  hervorgeht,  der  bestehen  bleibende  Irrtum  gering.
Nachdem  wir  von  der  zweiten  Kolonne  die  Berichtigung  der  dritten
Kolonne  in  Abzug  gebracht  haben,  ist  unsere  nächste  Aufgabe,  zu  der  hierhieraus
  resultierenden  Zahl  die  Berichtigung  der  vierten  Kolonne,  nämlich
die  Schätzung  der  nichtgemeldeten  Depositen,  hinzuzuzählen.
Die  Zahlen  nicht  berichtender  Banken  für  1900  und  1902—1909  Stelen
        <pb n="383" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

363

Individuelle,  dem  Scheckverkehr  unterworfene  Depositen
(in  Milliarden  Dollar).

(6)  (7)

(!)  (2)  (3)  (4)  (5)

(8)  (9)

85
86
88
89
87
86
84
83
81
80
78
74
71
67

2.68
2.80
3.19
3.90
4.40
5.13
5.43
5.70
5.80
6.54
6.84
7.13
6.60
6.75

.40  1.91  .11  3.17
.41  1.94  .11  3.25
.42  2.07  .16  3.63
.44  2.23  .27  4.38
.45  2.45  .18  5.06
.46  2.60  .36  5.96
.48  2.75  .36  6.47
.50  2.93  .25  6.87
.45  3.06  .23  7.16
.44  3.26  .36  8.17
.41  3.48  .40  8.75
.55  3.69  .33  9.63
.49  3.66  .29  9.30
.39  3.91  -38  10.11

1896  4.95  .16
1897  5.10  .21
1898  5.69  .25
1899  6.77  .33

1900  7.24
1901  8.46
1902  9.10
1903  9.55
1904  10.00
1905  11.35
1906  12.22
1907  13.10
1908  12.78
1909  14.01

die  offiziellen  Schätzungen  des  Comptrollers  of  the  Currency  dar.  (Die  für
1900  und  1902  gegebenen  Zahlen  sind  in  den  Tabellen  des  Comptrollers
unter  der  Rubrik  „Nur  gemeldetes  Kapital“  anstatt  „nichtgemeldetes“
eingetragen,  doch  wurde  mir  in  diesem  Bureau  versichert,  diese  Unterscheidung ­
  hätte  nichts  zu  bedeuten.)  Die  für  1901  aufgestellte  Zahl  wurde
zwischen  die  der  Jahre  1900  und  1902  eingeschaltet.  Die  Zahl  füi  1896
bildet  eine  mit  Hilfe  zweier  Voraussetzungen  vorgenommene  Abschätzung.
Erstens  wurde  angenommen,  daß  in  diesem  Jahre  die  ungemeldeten  Depositen ­
  im  Verhältnis  zu  allen  anderen  Depositen  einen  größeren  Umfang  erreichten, ­
  als  es  im  Jahre  1903  der  Fall  war,  insofern  als  aus  der  Tabelle
ersichtlich  ist,  daß  der  Prozentsatz  der  fehlenden  Depositen  um  so  größer
ist,  je  weiter  wir  in  den  Jahren  zurückgehen.  Dies  bedeutet,  daß  die
Berichtigung  0.28  übersteigt.  Die  zweite  Annahme  bestand  darin,  daß
die  Berichtigung  eine  weniger  absolute  als  in  späteren  Jahren  sein  sollte,
und  zwar  aus  dem  Grunde,  weil  damals  die  Summe  der  Gesamtdepositen
eine  viel  geringere  war  als  späterhin  und  weil  die  offiziellen  Ziffern  der  vierten
Kolonne  (4),  d.  h.  die  für  1900  und  1902—1909  gegebenen  Zahlen,  zeigen,
        <pb n="384" />
        364

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

daß  sie,  wenn  wir  in  der  Zeit  nach  rückwärts  gehen,  eine  leichte  Tendenz
aufweisen,  im  absoluten  Betrage  weniger  anzuwachsen.  (Die  größte  Ausnahme ­
  macht  das  Jahr  1909,  und  zwar  insofern,  als  die  spezielle  Untersuchung ­
  vom  28.  April  einen  ungewöhnlichen  Grad  von  Genauigkeit  aufwies.)
  Unter  Berücksichtigung  dieses  Umstandes  würde  sich  die  Berichtigung ­
  auf  weniger  als  0.50  belaufen.  Als  ungefähres  Mittel  zwischen  0.28
und  0.50  wählen  wir  daher  0.40.  Ein  hierbei  vorkommender  Irrtum  kann
die  Schlußkolonne  nicht  viel  mehr  als  um  3  oder  4  Prozent  beeinflussen.
Für  die  Jahre  1897—1899  wurden  die  Berichtigungen  eingeschaltet.
Die  fünfte  Kolonne  (5)  enthält  eine  Berichtigung,  die  von  dem  erhaltenen ­
  Resultate  abzuziehen  ist,  nämlich  die  Depositen  in  den  Sparkassen.
Es  liegt  in  der  Natur  der  Sache,  daß  diese  Depositen  zwar  nicht  als  Zirkulationsmittel ­
  benutzt,  aber  trotzdem  in  die  offiziellen  „individuellen  Depositen“ ­
  der  zweiten  Kolonne  auf  genommen  werden.  Außer  den  gemeldeten
Zahlen  enthält  der  hier  gegebene  Posten  für  das  Jahr  1909  einen  weiteren
Posten  von  0.20  (d.  h.  $  200  000  000),  die  die  Spareinlagen  der  „state  banks“
in  Illinois  darstellen.  Dieser  Posten  wurde  einfach  deshalb  eingereiht,  um
die  Zahlen  für  1909  mit  den  Zahlen  der  vorhergehenden  Jahre,  in  denen
dieser  Posten  stets  enthalten  war,  vergleichbar  zu  machen  (siehe  den  Bericht
des  Comptrollers  vom  Jahre  1909,  S.  43—44).
Die  nächste  Kolonne  (6)  enthält  einen  anderen,  wenn  auch  nur  kleinen
Posten,  nämlich  „Schecks  für  Clearing“,  der  ebenfalls  von  dem  Vorhergehenden ­
  abzuziehen  ist.  Im  allgemeinen  sind  diese  Schecks,  die  von  den
Personen,  welche  sie  erhielten,  zwar  deponiert  wurden,  die  aber  die  Bank,
von  der  sie  stammen,  noch  nicht  wieder  erreicht  haben,  und  daher  den
Personen,  die  sie  gezogen  haben,  noch  nicht  angerechnet  werden  konnten.
Jedermann,  er  sei  denn  ein  Schwindler  oder  ein  Dummkopf,  wird,  sobald
er  einen  Scheck  gezogen  hat,  dessen  Betrag  (sagen  wir  $  100)  von  seinem
Depositensaldo  in  Abzug  bringen  und  ihn  nicht  noch  einmal  ziehen.  Eine
solche  Person  —  sagen  wir  Smith  —  betrachtet  die  $  100  als  seinem  Trassaten
—  sagen  wir  Jones  —  übertragen  und  sieht  sie  ebensowenig  für  ihm  (Smith)
gehörig  an,  wie  er  eine  ausgezahlte  Bargeldsumme  noch  für  seinen  Besitz
halten  würde.  Aber  es  braucht  Zeit,  bevor  die  Bank,  bei  der  Smith  gezogen
hat,  von  der  Übertragung  des  Depositums  von  Smith  auf  Jones  unterrichtet
ist.  Die  Bankbücher  führen  in  der  Zwischenzeit  diese  $  100  noch  unter
Smiths  Depositen.  Die  Gesamtzahl  der  Depositen  wird  durch  den  Einschluß ­
  der  $  100  in  Smiths  Konto  nicht  gestört,  vorausgesetzt,  daß  die
Summe  nicht  auch  in  Jones’  Konto  auf  genommen  wurde.  Wenn  aber  Jones
den  Scheck  in  seiner  Bank  deponiert,  fügt  dessen  Bank  $  100  zu  Jones’
        <pb n="385" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

365

Konto  hinzu,  bevor  Smiths  Bank  die  Summe  von  dessen  Konto  abziehen  kann.
Das  heißt,  die  $  100  werden  zeitweilig  als  beiden  gehörend  gerechnet.  Wenn
beide  Seiten  dieser  Übertragung  gleichzeitig  gemeldet  würden,  könnte  es
kein  doppeltes  Inrechnungstellen  geben.  Bis  aber  der  Scheck  Smiths  Bank
erreicht,  ist  die  einzige  Aufzeichnung  des  Abzuges,  der  an  Smiths  Konto
vorgenommen  werden  sollte,  unter  den  „Schecks  für  Clearing“  zu  finden,
die  wir  folglich  in  unserer  Statistik  in  Abzug  bringen  müssen.
Diese  Ziffern  können  indessen  nur  schätzungsweise  aufgestellt  werden.
Nur  für  den  28.  April  1909  sind  sie  für  alle  Banken  gegeben;  die  Zahlen
sind  die  des  Spezialberichtes  der  bereits  erwähnten  Monetary  Commission.
Von  diesem  Betrage  stammen  vier  Fünftel  aus  den  Nationalbanken;  und
da  die  Nationalbanken  über  ihren  Austausch  mit  den  Clearinghäusern  jährlich ­
  berichten,  nehmen  wir  an,  daß  der  Gesamtbetrag  eines  Jahres  fünf
Viertel  der  von  den  Nationalbanken  gemeldeten  Summe  beträgt  (siehe  den
Bericht  des  Comptrollers  vom  Jahre  1908,  S.  514—522).  Die  ganze  Berichtigung ­
  ist  so  gering,  daß  ein  eventueller  Irrtum  in  diesem  angenommenen
Verhältnis  für  das  Endresultat  ganz  belanglos  ist.
Die  siebente  Kolonne  (7)  wurde  gewonnen  durch  Anwendung  der  oben
besprochenen  Korrekturen  auf  Kolonne  2  —  nämlich  durch  Abzug  der
Posten  der  dritten  Kolonne,  durch  Addition  derer  der  vierten  Kolonne
und  durch  schließlichen  Abzug  der  Zahlen  der  fünften  und  sechsten  Kolonne.
Aber  auch  jetzt  haben  wir  noch  nicht  den  gewünschten  Posten,  die
Depositenumlaufsmittel  oder  die  dem  Scheckverkehr  unterworfenen  Depositen ­
  erlangt.  Die  abgeschätzten  reinen  individuellen  Depositen  schließen
nicht  nur  Kontokorrente  sondern  Depositenzertifikate  und  andere  Depositen
ein,  die  mehr  als  Kapitalanlage  als  als  Austauschmedia  betrachtet  werden.
Der  erste  veröffentlichte  Versuch,  die  wahren,  dem  Scheckverkehr  unterworfenen ­
  Depositen  zu  geben,  wurde  von  der  National  Monetary  Commission
gemacht.  In  deren  wertvollem  Spezialbericht,  wie  dem  vom  28.  April  1909,
der  vom  Comptroller  of  the  Currency  hergestellt  worden  war,  sind  die  scheckfähigen ­
  Depositen  mit  6.94  Milharden  angegeben  x ).  Dieser  Ziffer  6.94  muß
ein  Betrag  für  „nicht  berichtende  Banken“  hinzugefügt  und  ein  anderer
für  die  „Schecks  für  Clearing“  muß  davon  abgezogen  werden.  Die  ungemeldeten
  Depositen  aller  Art  sind  in  der  Tabelle  für  das  Jahr  1909  auf
0.39  geschätzt  worden,  von  denen  wohl  nach  Proportionsrechnung  nur
*)  Siehe  Senatsdokument  Nr.  225,  61.  Kongreß,  2.  Session,  Special  Report  front  Banks
oj  the  United  States,  28.  April  1909,  S.  261;  dgl.  Report  of  Comptroller  of  the  Currency,  1909,
S.  835.  Die  Zahlen  schließen  Hawaii,  Porto  Rico  und  die  Philippinen  aus,  obgleich  die
hierdurch  ausgeschlossene  Summe  kaum  der  Rede  wert  ist.
        <pb n="386" />
        366

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

von  0.39  oder  0.19  scheckfähig  sind.  Der  ganze  Clearingaustausch  in  der
Höhe  von  0.38  muß  also,  wie  wir  annehmen  können,  fast  gänzlich  aus  Depositen, ­
  die  dem  Scheckverkehr  unterworfen  sind,  bestehen.  Die  berichtigte
Nettoziffer  beträgt  daher  6.94  +  0.19  =  0.38  oder  6.75  Milliarden  an  scheckfähigen ­
  Depositen  für  das  Jahr  1909.  Diese  stellen  ungefähr  67  Prozent
der  „individuellen  Nettodepositen“  der  siebenten  Kolonne  dar.
Diese  Zahl  für  die  scheckfähigen  Depositen  des  Jahres  1909  steht  in
der  Tabelle  am  Fuße  der  neunten  Kolonne  (9).  Da  es  nur  67  Prozent  der
individuellen  Nettodepositen  sind  und  da  nicht  angenommen  werden  konnte,
daß  dieses  selbe  Verhältnis  auch  für  andere  Jahre  Geltung  habe,  wollte  ich
mich  in  bezug  auf  die  scheckfähigen  Depositen  für  diese  anderen  Jahre  nicht
aufs  Raten  verlegen,  ohne  mich  weiter  unterrichtet  zu  haben.  Ich  schrieb
daher  an  Herrn  A.  Piatt  Andrew,  dem  damaligen  Direktor  der  Münze,  und
fragte  ihn,  ob  er  in  seiner  Eigenschaft  als  Berater  der  Monetary  Commission
in  den  Statistiken  des  Comptrollers  für  das  Jahr  1896  und  einiger  anderer
Jahre  nicht  eine  Untersuchung  anstellen  lassen  könnte,  um  die  entsprechenden ­
  Verhältnisziffern  für  diese  Jahre  zu  erhalten.  Dank  seiner  Freundlichkeit ­
  und  der  der  Kommission  und  des  Comptrollers,  mit  der  man  auf  mein
Ersuchen  einging,  ist  es  mir  ermöglicht  worden,  die  entsprechende  Verhältnisziffer ­
  für  1896  in  der  Höhe  von  85  Prozent,  für  1899  in  der  Höhe  von  89  Prozent ­
  und  für  1906  in  der  Höhe  von  78  Prozent  auszuarbeiten.
Herr  Andrew  gibt  4.97  Milliarden  als  die  (unberichtigte)  Gesamtsumme
der  Depositen  aller  Banken,  wie  sie  am  14.  Juli  1896  vorhanden  war.  Diese
Zahl  ist  um  ein  Geringes  vollständiger,  als  die  aus  dem  Berichte  des  Comptrollers ­
  (nämlich  4.95),  die  ich  schon  vorher  benutzt  hatte,  und  zwar  zweifellos ­
  deshalb,  weil  für  diese  besondere  Untersuchung  eine  größere  Anzahl
von  Banken  herangezogen  worden  war,  als  die,  die  man  ursprünglich  für
die  Tabellen  des  Comptrollers  benützt  hatte.  Andrew  gibt  die  scheckfähigen
Depositen  mit  2.59  Milliarden  an.  Diese  Zahl  muß  sich  zwei  Berichtigungen
gefallen  lassen:  die  eine  besteht  darin,  daß  man  den  nichtberichtenden
Banken,  und  die  andere  darin,  daß  man  den  „Schecks  für  Clearing“  Rechnung
trägt.  Wir  haben  die  Depositen  der  nichtberichtenden  Banken  auf  0.40
eingeschätzt;  und  da  Andrew  in  den  erwähnten  Banken  0.02  mal  mehr
Gesamldepositen  (4.97)  entdeckt  hat,  als  der  Comptroller  berichtet  hatte,
müssen  wir  annehmen,  daß  sich  in  seinen  Zahlen  0.02  mal  weniger  ungemeldete
  Depositen  befinden  als  in  denen  des  Comptrollers.  Dieses  würde
für  die  ungemeldeten  Depositen  die  schätzungsweise  Ziffer  0.38  für  Andrews
Zahlen  ergeben,  an  Stelle  von  0.40,  wie  wir  sie  für  die  des  Comptrollers
angenommen  haben.  Der  Teil  davon,  den  man  dabei  den  scheckfähigen
        <pb n="387" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

367

2  59
Depositen  (2.59)  zuweisen  muß,  ist  X  0.38  oder  0.20.  Dies  ist  die
erste  (addierende)  Berichtigung.  Die  zweite  (subtrahierende)  Korrektur
besteht  im  Abzug  der  „Schecks  für  Clearing“,  nämlich  0.11.  Die  endgültige
berichtigte  Zahl  ist  daher  2.59  +  0.20  —  0.11  oder  2.68.  Das  Verhältnis
2  68
dieser  Ziffer  zu  den  Nettodepositen  ist  oder  85  Prozent.
Andrews  Zahlen  für  die  gesamten  Nettodepositen  im  Jahre  1899  betragen ­
  4.38  und  für  scheckfähige  Depositen  4.09.  Seine  Zahlen  für  die  Gesamtdepositen ­
  (7.07)  sind  um  30  Prozent  vollständiger  als  die  des  Comptrollers,
  wie  sie  in  der  ersten  Kolonne  obenstehender  Tabelle  angewandt
worden  sind  und  reduzieren  dadurch  die  auf  Andrews  Ziffern  anwendbare
Schätzungsziffer  für  nichtberichtende  Banken  von  0.44  auf  0.14,  wovon
X  0.14  oder  0.08  den  scheckfähigen  Depositen  zuzuschreiben  sind.
Die  aus  „Schecks  für  Clearing“  bestehende  Berichtigungszahl  beträgt  0.27.
Die  Zahlen  für  die  scheckfähigen  Depositen  sind  daher  4.09  +  0.08  —  0.27
oder  3.90,  was  89  Prozent  der  „Nettodepositen“  (4.38)  bedeutet.
Andrews  Zahlen  für  die  gesamten  Nettodepositen  im  Jahre  1906  betragen ­
  8.75  und  für  scheckfähige  Depositen  6.90.  Seine  Zahlen  für  die
Gesamtdepositen  (12.37)  sind  weniger  vollständig  als  die  des  Comptrollers
und  erhöhen  so  die  Schätzungsziffer  für  nichtberichtende  Banken,  die  auf
seine  Zahlen  anwendbar  ist,  von  0.41  auf  0.61,  wovon  x  °der
0.34  den  scheckfähigen  Depositen  zuzuschreiben  sind.  Die  „Schecks  für
Clearing“  waren  0.40.  Die  Zahlen  für  scheckfähige  Depositen  sind  daher
6.90  +  0.34  —  0.40  oder  6.84,  was  78  Prozent  der  „Nettodepositen“  (8.75)
gleichkommt.  Wir  haben  also  Ziffern  für  Kolonne  (9)  und  Kolonne  (8)
für  die  Jahre  1896,  1899,  1906  und  1909.  Wenn  wir  nun  für  die  dazwischenliegenden ­
  Jahre  zwischen  diesen  Prozentsatzziffern  für  die  Jahre  1896,1899,
1906  und  1909  ebenmäßige  Interpolationen  vornehmen,  so  erhalten  wir
Kolonne  (8)  der  obenstehenden  Tabelle.
Als  nächstes  kann  nur  Kolonne  (9)  für  die  folgenden  Jahre  gefunden
werden,  indem  man  die  Prozentsätze  in  Kolonne  (8)  auf  die  individuellen
Nettodepositen  in  Kolonne  (7)  anwendet.
Die  Tafel  ist  nun  vollständig.  Die  Resultate  sind  natürlich  gewissen
Irrtümern  unterworfen,  die  man  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  für  die
Jahre  1896,  1899,  1906  und  1909  nicht  höher  anzunehmen  braucht  als
zwei  oder  drei  Prozent  und  vielleicht  doppelt  so  hoch  für  die  Jahre  in
der  Mitte  der  Zeitabstände  zwischen  diesen  vier  Jahren.
        <pb n="388" />
        368

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

Da  soviel  von  der  relativen  Bedeutung  des  Scheck-  und  Geldumlaufs
gesagt  worden  ist,  scheint  es  sonderbar,  daß  bis  zu  dieser  Zeit  noch  kein
Versuch  gemacht  worden  ist,  das  Volumen  der  Umlaufsmittel,  die  perScheck
zirkulieren,  abzuschätzen  oder  aufzuzeichnen.  Diese  Umlaufsmittel  und
ihre  Zirkulation  haben  eine  viel  größere  statistische  Bedeutung  als  das  Geld
und  dessen  Zirkulation.  Unsere  Verwunderung  ist  um  so  größer,  wenn  wir
bedenken,  daß  „dem  Scheckverkehr  unterworfene  Depositen“  dem  Comptroller
  of  the  Currency  von  den  einzelnen  Banken  regelmäßig  gemeldet
worden  sind.  Von  den  sechziger  Jahren  an  begannen  die  veröffentlichten
Ziffern  diese  Kategorie  auszulassen  sowie  alle  persönlichen  Depositen  in
einen  Topf  zu  werfen  und  die  darnach  erschienenen  Berichte  folgten  einfach ­
  dem  von  ihren  Vorgängern  gesetzten  Beispiel.  Der  gegenwärtige
Comptroller  erklärte,  daß  in  Zukunft  der  Betrag  der  dem  Scheckverkehr
unterworfenen  Depositen  getrennt  zu  behandeln  ist,  und  wir  können
also  hoffen,  daß  uns  von  jetzt  ab  jährliche  Aufstellungen  der  scheckfähigen ­
  Depositen  zur  Verfügung  stehen.  So  werden  wir  denn  jedes
Jahr  die  Größe  dieses  Postens  in  unserem  Zirkulationsmittel  erfahren,
der,  wie  wir  sehen  werden,  neun  Zehntel  der  gesamten  Austauscharbeit
des  Landes  verrichtet.

§  4  (zum  XII.  Kapitel,  §  3).
Methode  zur  Berechnung  von  G-'  U'  für  die  Jahre  1896  und  1909.
Nach  dem  Bericht  des  Comptrollers  für  1896  war  die  Gesamtsumme  (an
Geld  und  Schecks),  die  in  allen  Berichte  liefernden  Banken  an  dem  dem
1.  Juli  1896  nächsthegenden  Abrechnungstag  deponiert  war,  303  000  000.
Die  Summe,  die  Kemmerer  für  nichtberichtende  Banken  ansetzt  (op.  cit.
S.  110—111),  bringt  die  Zahl  auf  506  Millionen.  Der  für  die  Schecks  an  allen
Depositen  gefundene  Anteil  wurde  mit  92,5  %  angegeben,  was  468  000  000  als
in  einem  Tage  deponierte  Schecksumme  ergibt,  wenn  man  diesen  Prozentsatz
auf  die  schätzungsweise  gefundenen  506  000  000  Gesamtdepositen  anwendet.
Indessen  zeigte  der  1.  Juli,  da  er  der  erste  eines  Monats  ist,  naturgemäß
eine  außergewöhnlich  große  Depositensumme.  Um  festzustellen  eine  wie
hohe  Summe  man  für  diese  Tatsache  anzusetzen  hat,  habe  ich  durch  die
Freundlichkeit  des  Herrn  Gilpin  vom  New  Yorker  Clearinghaus  die  Zahlen
der  New  Yorker  Clearings  vom  2.  Juli  1896  erhalten.  Der  2.  Juli  wurde
deshalb  ausgewählt,  weil  die  am  1.  Juli  in  New  York  deponierten  Schecks
in  den  Clearinghausstatistiken  vom  2.  Juli  zu  erscheinen  pflegen.  Die  Clearings
vom  2.  Juli  zeigten  einen  Betrag  von  157  000  000,  während  der  tägliche
Durchschnitt  für  1896  nur  95  000  000  oder  60  %  so  viel  war.  Um  den
        <pb n="389" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

369

tatsächlichen  Durchschnitt  für  das  Jahr  zu  erhalten,  muß  man  also  die
übergroßen  Clearings  vom  2.  Juli  durch  Multiplikation  mit  0.60  korrigieren.
Es  ist  vielleicht  berechtigt,  anzunehmen,  daß  die  am  1.  Juli  in  New  York
gemachten  Depositen  im  wesentlichen  derselben  Korrektur  bedürfen.  Wenn
wir  annehmen  könnten,  daß  das  Abnorme  in  den  Depositen  des  Tages  im
übrigen  Land  ebenso  wäre  wie  in  New  York,  also  auch  desselben  korrigierenden ­
  Faktors  (0.60)  bedürfte,  dann  wäre  dieser  korrigierende  Faktor  für
das  ganze  Land  gültig.  Dies  können  wir  indessen  unmöglich  annehmen.
Zweifellos  ist  0.60  als  tatsächlicher  Multiplikationsfaktor  für  das  ganze  Land
außerhalb  New  Yorks  zu  niedrig  angenommen.  Das  Abweichen  vom  Durchschnitt ­
  war  wahrscheinlich  etwas  geringer  als  in  New  York  City.
Daß  dies  der  Fall  ist  erscheint  aus  verschiedenen  Gründen  wahrscheinlich. ­
  Erstens  ist  New  York  gegen  Schwankungen  in  der  geschäftlichen
Lebhaftigkeit  empfindlicher  als  es  das  Land  gewöhnlich  ist.  In  Übereinstimmung ­
  mit  dieser  Ansicht  finden  wir,  daß  die  Schwankungen  im  Prozentsatz ­
  der  Clearings  von  Jahr  zu  Jahr  in  New  York  größer  sind  als  im
übrigen  Lande.  Wenn  jedes  Jahr  mit  dem  darauffolgenden  verglichen
wird,  findet  man,  daß  dies,  mit  Ausnahme  von  fünf  Jahren,  für  27  Jahre
von  1883  bis  einschließlich  1909  *)  stimmt.
Weiterhin  würden  die  viertel-  und  halbjährlichen  Dividenden  in  einem
finanziellen  Mittelpunkt  wie  New  York  eine  größere  Ziffer  ergeben,  als  in
anderen  Städten,  in  denen  nur  wenige  oder  gar  keine  Dividenden  gezahlt
werden.
Schließlich  werden  in  großen  Städten  wie  New  York  Schecks  systematischer ­
  und  pünktlicher  deponiert,  als  in  einem  kleineren  Gemeinwesen,
so  daß  ein  größerer  Teil  der  auf  den  ersten  des  Monats  lautenden  und
am  1.  Juli  empfangenen  Schecks  an  diesem  Tage  deponiert  werden.  In  dem
kleineren  Gemeinwesen  bummeln  diese  Schecks  auf  ihrem  Weg  zur  Bank
einige  Tage  nach  ihrem  Empfang  herum  und  tragen  auf  diese  Weise  dazu  bei,
den  täglichen  Strom  auszugleichen  und  ganz  besonders  den  übermäßigen
Andrang  am  und  um  den  1.  Juli  abzuschwächen.  Wir  schließen  daher,  daß
0.60  eine  Mmimafechätzung  für  unseren  Multiplikationsfaktor  für  1896  ist.
Nachdem  wir  so  0.60  als  Minimalschätzung  erhalten  haben,  gehen  wir
nun  dazu  über,  eine  Maximalschätzung  aufzustellen.  Wir  können  ziemlich
sicher  sein,  daß  Depositen  außerhalb  New  Yorks  dem  Einfluß  vierteljähriger ­
  Dividendenzahlungen,  Monatszahlungen  usw.  dermaßen  unterworfen ­
  sind,  daß  das  Volumen  der  Scheckdepositen  außerhalb  New  Yorks
1 )  Siehe  Financial  Review  (the  Animal  of  the  Commercial  and  Financial  Chronide)
1906,  S.  26  und  1910,  S.  33.  '
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.

24
        <pb n="390" />
        370

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

den  Durchschnitt  von  1896  wenigstens  etwas  überschreiten  muß.  Wir  müssen
wissen,  bis  zu  welchem  Umfange  wir  mit  Sicherheit  ein  Überschreiten  des
Durchschnitts  seitens  dieses  auswärtigen  Volumens  an  Scheckdepositen  an
dem  gewählten  Tag  annehmen  dürfen.  Eine  solche  sichere  Schätzung
können  wir  am  besten  durch  Material  über  Clearinghäuser  im  Finanzreport
für  1896  (S.  493,  Comptrollers  Report)  erlangen.  Es  zeigt  sich  dort,  daß  am
1.  Juli  oder  an  dem  „dem  1.  Juli  nächsten  Abrechnungstage“  66  von  78
Clearinghäusern  des  Landes  228  Millionen  Dollar  an  Clearings  hatten.  Wir
können  mit  Sicherheit  annehmen,  daß  die  Gesamtclearings  des  Landes  an
diesem  Tage  größer  waren  als  diese  Summe,  weil  die  Berichte  wie  sie  vorliegen, ­
  von  78  Clearinghäusern  des  Landes  nur  66  umfassen.  Desgleichen
können  wir  annehmen,  daß  sie  am  folgenden  Tag  noch  größer  waren 1 ),
weil  an  diesem  der  Hauptandrang  der  umfangreichen  Scheckdepositen  vom
1.  Juli  erfolgte.  Wenn  die  228  Millionen  Clearings  am  1.  Juli  1896  für  jeden
Tag  dieses  Jahres  gültig  wären,  könnten  wir  durch  einfache  Multiplikation
mit  305,  der  Anzahl  der  Abrechnungstage  des  Jahres  1896,  die  Gesamtclearings ­
  des  Landes  auffinden.  Das  Resultat  dieser  Multiplikation  ist  indessen ­
  67,1  Milliarden,  wohingegen  die  tatsächlichen  Clearings  des  Landes
für  1896  nur  51,2  Milliarden  betrugen.  Hieraus  kann  man  mit  hinreichender
Berechtigung  schließen,  daß  die  Clearings  vom  1.  Juli  und  vermutlich  die
vom  2.  Juli  noch  mehr,  den  täglichen  Durchschnitt  überschritten  und  eine
51  2
Reduktion  zum  mindesten  im  Verhältnis  ^  oder  0.76,  bedürfen.
Daher  muß  der  richtige  Korrektionsfaktor  zwischen  0.60  und  0.76  liegen.
Durch  Halbierung  der  Differenz  finden  wir  0.68  als  schätzungsweise  Ziffer,
die  von  den  richtigen  Zahlen  beider  Seiten  nicht  weit  entfernt  sein  kann;
besonders  da  0.60  und  0.76  zuverlässige  und  extreme  Grenzpunkte  sind.
Zahlen,  die  ganz  in  der  Nähe  von  beiden  liegen,  sind  unwahrscheinlich.
Der  wahrscheinliche  Irrtum  ist  einfach  auf  5  oder  6  Prozent  anzusetzen.
Wir  wenden  uns  nun  zu  ähnlichen  Berechnungen  für  1909.  Auf  mein
Ersuchen  hat  Herr  Professor  Weston  von  der  Universität  Illinois  durch
die  Freundlichkeit  des  Herrn  Professors  Kinley,  in  der  Hauptsache  dieselbe
Methode  angewandt,  um,  gestützt  auf  die  Untersuchung  Kinleys, 1 )  die  Scheck-J
 )  Einen  überzeugenden  Beweis,  daß  die  Clearings  am  2.  Juli  die  des  1.  Juli  überstiegen, ­
  liefert  die  folgende  Tatsache:  Während  sich  die  Clearings  des  Staates  New  York,
wie  sie  der  Bericht  des  Comptrollers  für  1896  (S.  494)  gibt,  auf  140  Millionen  Dollar  beliefen, ­
  betrugen  die  Clearings  am  2.  Juli  von  New  York  City  allein  157  Milhonen  Dollar.
Wie  Herr  Gilpin  vom  New  Yorker  Clearinghaus  mir  mitteilte,  waren  die  Clearings  von
New  York  City  am  2.  Juli  1896  viel  höher  als  am  1.  Juli.  Die  diesbezüglichen  Zahlen  sind
157  und  138  Millionen.
        <pb n="391" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

371

Zirkulation  des  Jahres  1909  für  den  16.  März  dieses  Jahres  zu  berechnen.
Professor  Weston  schätzt  die  gesamten  Scheckdepositen  des  16.  März  1909
auf  1.02  Milliarden.  Diese  Zahl  liegt  unter  dem  täglichen  Durchschnitt.
Ein  Beweis  hierfür  findet  sich  in  den  Clearings  des  New  Yorker  Clearinghauses ­
  vom  17.  März,  die  die  Depositen,  die  in  den  New  Yorker  Banken
den  Tag  vorher  gemacht  worden  waren,  widerspiegeln;  diese  betrugen
268  000  000,  die  für  das  Jahr  nicht  repräsentativ  waren,  da  der  tägliche
Durchschnitt  der  Clearings  viel  größer  war,  nämlich  342  000  000,  oder  um
28  Prozent  größer  als  die  des  17.  März.  1.28  wäre  also  der  Multiplikations  -
faktor  der  Korrektur,  den  wir  anwenden  würden,  wenn  die  New  Yorker
Clearings  als  zuverlässiges  Barometer  für  das  ganze  Land  betrachtet
werden  könnten.  Da  aber,  wie  wir  gesehen  haben,  New  York  gegen  Spekulationen ­
  und  andere  Abarten  von  Bankoperationen  besonders  empfindlich
ist  und  als  Teil  gewöhnlich  größeren  Variationen  unterworfen  ist  als  das
Ganze,  kann  man  mit  Kecht  annehmen,  daß  der  abnorme  Zustand,  den
wir  bezüglich  der  Depositen  vom  16.  März  in  New  York  finden,  den  abnormen ­
  Zustand  dieses  Tages  für  das  ganze  Land  viel  zu  groß  erscheinen
läßt,  und  daß  der  Multiplikationsfaktor  der  Korrektur  weniger  als  1.28  sein
sollte.  Um  nun  eine  sichere  niedere  Grenze  anzusetzen,  wollen  wir  einmal
sehen,  welche  Zahl  sich  aus  der  ganz  extremen  Annahme  ergibt,  daß  die
Tagessumme  der  Depositen  am  16.  März  1909  außerhalb  von  New  York
genau  dieselbe  Höhe  auf  wiese,  wie  der  tägliche  Durchschnitt  für  das  Jahr.
Den  resultierenden  Korrektionsfaktor  können  wir  nach  der  Tabelle  auf
S.  372  ganz  gut  abschätzen.
Diese  Tabelle  wurde  aus  Material  konstruiert,  das  man  Kinleys  Bericht
an  die  Monetary  Commission  on  Credit  Instruments  (S.  182  und  186)  entnahm ­
  und  zwar  in  Verbindung  mit  den  abgeschätzten  Berichtigungen
für  die  Scheckdepositen  des  ganzen  Landes,  die  von  Weston  stammen.
Die  Zahl  für  Depositen  in  New  York  City  ist  für  den  16.  März  1909  gegeben. ­
  Wenn  wir  diese  Zahlen  von  denen  abziehen,  die  Weston  durch
Schätzung  für  das  ganze  Land  gefunden  hat,  so  haben  wir  die  Depositen  (786)
außerhalb  NewYorks.  Wie  nachgewiesen  wurde,  ist  aber  der  tägliche  Durchschnitt ­
  in  New  York  höchstwahrscheinlich  um  28  Prozent  oder  um  306
höher.  Wenn  man  diese  Zahlen  zu  denen  für  die  Depositen  außerhalb  New
Yorks  (786)  addiert,  ergeben  sie  den  täglichen  Durchschnitt  für  das  ganze
Land,  wobei  angenommen  wird,  daß  nur  New  York  City  an  dem  ausgewählten
Tage  einen  abnormen  Zustand  zeigt.  Das  Resultat  (1092),  verglichen  mit  den
x )  Kinley,  The  Use  of  Credit  Instruments  in  Payments  in  the  United  States.  (National
Monetary  Commission,  61.  Kongreß,  2.  Session,  Doc.  No.  399,  1910.)

24'
        <pb n="392" />
        372

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

tatsächlichen  Depositen  an  dem  ausgewählten  Tag  (1025),  zeigt  den  Korrektionsfaktor ­
  unter  der  Annahme,  daß  nur  New  York  abnorm  war.
Dieser  Faktor  ist  1.07.  Hieraus  ergibt  sich  eine  niedere  Grenze  für  den
Korrektionsfaktor,  den  wir  suchen.

Deponierte  Schecks  (in  Millionen):

(1)

(2)
New  York
City

(3)
Außerhalb
New  York
City

(4)
Total
Ver.  St.

16.  März  1909

239

786

1025

Tagesdurchschnitt  wenn  New  York  allein
abnorme  Ziffern  aufwiese
Durchschnittsverhältnis  zur  tatsächlichen

306

786

1092

Halbieren  wir  die  Differenz  zwischen  unseren  beiden  äußersten  Grenzen,
1.07  und  1.28,  so  erhalten  wir  als  Schätzungsergebnis  für  die  Korrektionsfaktoren ­
  1.17  für  1909  gegen  0.68  für  1896.  Der  Umfang  möglichen  Irrtums
auf  jeder  Seite  ist  ungefähr  10  für  1909  und  8  für  1896.  Da  die  Grenzen  sehr
extrem  gezogen  sind,  muß  der  wahrscheinliche  Irrtum  viel  geringer  sein  —
vielleicht  gerade  halb  so  groß.  Wir  können  behaupten,  daß  die  Korrektionsfaktoren, ­
  0.68  und  1.17,  wahrscheinlich  bis  zu  einem  Grad  von  5  oder
6  Prozent  richtig  sind.
Wir  schließen  also,  daß  die  468  Millionen,  die  Schätzungsziffer  für  die
tatsächlichen  Scheckdepositen  des  1.  Juli  1896,  mit  0.68  multipliziert  werden
müssen,  um  den  schätzungsweisen  Durchschnitt  der  Tagesdepositen  des
Jahres  1896  zu  erhalten.  Das  Kesultat  ist  318  Millionen;  multipliziert  man
diese  mit  305,  der  Anzahl  der  Abrechnungstage,  so  erhalten  wir  97.0  Milliarden
als  unsere  Schätzungsziffer  für  die  Schecktransaktionen  in  den  Vereinigten
Staaten  für  das  Jahr  1896.
Multipliziert  man  in  der  gleichen  Weise  den  schätzungsweisen  Umfang
der  tatsächlichen  Schecktransaktionen  in  den  Vereinigten  Staaten  am  16.  März
1909  (nämlich  1025  Millionen)  mit  dem  Korrektionsfaktor  1.17,  so  erhalten
wir  1.20  Milliarden  als  den  schätzungsweisen  täglichen  Durchschnitt  der
Scheckdepositen  und  -transaktionen.  Multipliziert  man  diese  Zahl  mit  303
(der  Zahl  der  Clearingtage  des  New  Yorker  Clearinghauses  und  der  vermutlichen ­
  Durchschnittszahl  der  Bankgeschäftstage  des  Landes),  so  erhalten ­
  wir  364  Milharden  als  Ergebnis  der  Schätzung  der  Schecktransaktionen
der  Vereinigten  Staaten  im  Jahre  1909.
        <pb n="393" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

373

§  5  (zum  XII.  Kapitel,  §  3).
Methode  zur  Berechnung  von  G'  V  für  die  Jahre  1897—1908.
Obwohl  die  New  Yorker  Clearings  zwei  Drittel  aller  Clearings  des  ganzen
Landes  darstellen,  kann  man  sich  doch  nicht  vorstellen,  daß  die  Schecktransaktionen ­
  in  und  um  New  York  zwei  Drittel  der  Schecktransaktionen
der  Vereinigten  Staaten  bilden.  Wir  haben  schon  gesehen,  daß  die  für  den
16.  März  1909  gemeldeten  Scheckdepositen  in  New  York  239  Millionen  betrugen. ­
  Diese  Zahl,  die  für  New  York  gilt,  ist  wahrscheinlich  fast  vollständig
und  zeigt,  wie  wir  gesehen  haben,  einen  schätzungsweisen  Durchschnitt  von
306  Millionen  für  die  täglichen  Depositen  in  New  York  City  im  Jahre  1909
an.  Dies  ergibt  306  X  303  Millionen  oder  93  Milliarden  für  New  York  City
für  das  ganze  Jahr.  Unsere  Schätzung  für  das  ganze  Land  war  364  Milliarden,
wobei  271  Milliarden  für  das  Land  außerhalb  New  York  Citys  übrig  bleiben.
Vergleichen  wir  einmal  diese  schätzungsweisen  Ziffern  für  Scheckdepositen
mit  den  Zahlen  für  die  Clearings.  Die  New  Yorker  Clearings  im  Jahre  1909
betrugen  104  Milliarden  und  die  außerhalb  New  Yorks  62  Milliarden.
Die  New  Yorker  Clearings  (104)  übersteigen  daher  die  New  Yorker
Scheckdepositen  (93)  vermutlich  deshalb,  weil  die  Clearings  in  Anbetracht
der  Banken  außerhalb  der  Stadt  solche  einschließen,  die  Banktransaktionen
zum  Unterschiede  von  Handelstransaktionen  darstellen,  da  ja  New  York
City  die  hauptsächlichste  zentrale  Beservestadt  ist.
Die  Depositen  der  Stadt  New  York  waren  so  nur  oder  ungefähr
90  Prozent  der  New  Yorker  Clearings.  Andrerseits  überstiegen  die  Depositen ­
  außerhalb  New  Yorks  die  Clearings  ganz  bedeutend,  und  zwar  im
971
Verhältnis  —  oder  4.4.  Diese  Verhältnisziffern  zwischen  Schecktrans-62

aktionen  und  Clearings,  nämlich  0.90  für  New  York  und  4.4  für
„draußen“  zeigen  an,  daß  die  veröffentlichten  Zahlen  für  Clearings  im
Verhältnis  4.4  zu  0.9  oder  rund  5  zu  1  zu  wiegen  sind.  Das  heißt,  das  Fünffache ­
  der  auswärtigen  Clearings  vermehrt  um  das  Einfache  der  New  Yorker
Clearings  müßte  auf  der  Basis  der  Zahlen  für  1909  ein  gutes  Barometer
der  Schecktransaktionen  liefern.
Für  1896  fehlen  leider  die  Zahlen  für  die  Depositen  der  Stadt  New  York.
Indessen  haben  wir  Ziffern  für  die  Depositen  im  Staate  New  York  für  die
beiden  Jahre  1896  und  1909,  und  das  Studium  dieser  Zahlen  zeigt  an,  daß
das  Gewichtsverhältnis  für  1896  etwas  über  3  zu  1  betragen  sollte.  Um
es  nicht  allzugenau  zu  nehmen,  wollen  wir  das  Bewertungsverhältnis  5  zu
1  für  alle  Jahre  benutzen.  Der  Unterschied  in  den  Resultaten  zwischen
        <pb n="394" />
        374

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

dem  Verhältnis  5  zu  1  und  einem  Verhältnis  von  3  zu  1  oder  irgend  einem
dazwischenhegenden  Verhältnis  ist  geringfügig.  5  zu  1  wurde  aber  gewählt,
1.  weil  das  Material  für  1896,  auf  das  die  Zahl  3  basiert  ist,  weniger
sicher  ist  als  das  für  1909,  und  2.  weil  die  New  Yorker  Clearings  die  New
Yorker  Depositen  nicht  so  gut  repräsentieren  wie  die  auswärtigen  Clearings
die  auswärtigen  Depositen.  Die  New  Yorker  Clearings  werden  ja  immer
etwas  von  einem  störenden  Element  berührt,  das  nicht  zu  New  York
gehört,  und  ganz  besonders  durch  die  Banktransaktionen,  die  mit  der  Adjustierung ­
  von  Bankreserven  Zusammenhängen.  Wir  ziehen  deshalb  vor,
soviel  wie  möglich  Gewicht  auf  die  „auswärtigen“  Clearings  zu  legen.
Nachdem  wir  so  unser  „Barometer“  der  Schecktransaktionen  gewonnen
haben,  nämlich  die  New  Yorker  Clearings  plus  dem  Fünffachen  der  auswärtigen ­
  Clearings,  brauchen  wir  dies  nur  noch  mit  dem  angemessenen
Verhältnis  zu  multiplizieren,  um  die  Schecktransaktionen  selbst  zu  erhalten.
Eine  absolute  Kenntnis  dieses  Verhältnisses  der  Schecktransaktionen  zum
Barometer  besteht  nur  für  1896  und  1909;  für  diese  Jahre  kennen  wir  nämlich ­
  die  Schecktransaktionen  so  genau  wie  das  Barometer.  Diese  Verhältnisziffern ­
  sind  0.69  und  0.88.  Aber  wir  können  nicht  sehr  fehl  gehen,
wenn  wir  annehmen,  daß  die  dazwischenliegenden  Jahre  dazwischenliegende
Verhältniszahlen  besitzen,  die  sich  jedes  Jahr  regelmäßig  verändern.  Das
Resultat  ist  die  folgende  Tabelle:

Clearings  als  Barometer  von  Schecktransaktionen.

(1)
Jahr

(2)
New
Yorker
Clearings

(3)
Auswärtige ­

Clearings

(4)
Barometer ­

(2)+  5
X  (3)

(5)
Verhältnis
der  Schecktransaktion ­

zum  Barometer ­


(6)  Gr'  U'
Schecktransaktionen ­

(4)  X  (5)

(7)  U'
Umlaufsgeschwindig ­
 ­
  der
Depositen
m  (6)

1896

28.9

22.4

140.9

.69

97

36.2

1897

33.4

23.8

152.4

.70

106

37.9

1898

42.0

26.9

176.5

.72

127

39.8

1899

60.8

33.3

227.3

.73'

166

42.6

1900

52.6

33.4

219.6

.75

165

37.5

1901

79.4

39.0

274.4

.76

208

40.6

1902

76.3

41.7

284.8

.78

222

40.9

1903

66.0

43.2

282.0

.79

223

39.1

1904

68.6

43.9

288.1

.81

233

40.2

1905

93.8

50.0

343.8

.82

282

43.1

1906

104.7

55.2

380.7

.84

320

46.8

1907

87.2

57.8

376.2

.85

320

44.9

1908

79.3

53.1

344.8

.87

300

45.5

1909

103.6

62.0

413.6

.88

364

53.9
        <pb n="395" />
        375

Anhang  zum  XII.  Kapitel.
Wie  bereits  angegeben,  wurden  nur  die  ersten  und  letzten  Zahlen  in
Kolonne  (5)  unabhängig  berechnet,  während  der  Rest  interpoliert  ist.
Die  andern  Zahlen  in  der  Tabelle  erklären  sich  selbst.  Die  letzte  Kolonne
gibt  die  ganz  bedeutende  Größe,  die  wir  die  Umlaufsgeschwindigkeit  der
scheckfähigen  Bankdepositen,  oder  die  „Lebhaftigkeit“  der  scheckfähigen
Konten  genannt  haben.  Die  wahrscheinlichen  Fehler  der  letzten  Kolonne
liegen  vermutlich  ungefähr  zwischen  5  und  10  Prozent.
§  6  (zum  XII.  Kapitel,  §  4).
Allgemein  anwendbare  Formel  zur  Berechnung  von  U.
I.  Eine  annähernd  richtige  Formel.
Um  den  Geldumlauf  in  kurzen  Umrissen  schildern  und  durch  Aufzeichnungen ­
  in  Banken  messen  zu  können,  wollen  wir  die  Personen,  die
Geld  zum  Einkauf  von  Gütern  benutzen,  in  drei  Gruppen  einteilen:
1.  In  kaufmännische  Deponenten,  zu  denen  alle  Geschäftstreibende,
Firmen,  Gesellschaften  und  andere  gehören,  welche  die  Bankdepositen  in
der  Hauptsache  oder  gänzlich  von  persönlichen  Kontis  getrennt  haben.
2.  In  alle  anderen  Deponenten,  hauptsächlich  Privatpersonen.
3.  In  diejenigen,  die,  den  meisten  Lohnempfängern  gleich,  keine
Deponenten  sind.
Diese  drei  Klassen  wollen  wir  durch  die  Bezeichnungen:  „Kaufmännische ­
  Deponenten“,  „Andere  Deponenten“  und  „Mchtdeponenten“  oder
K,  A  und  N  voneinander  unterscheiden.  Das  im  Besitze  der  „Kaufmännischen ­
  Deponenten“  befindliche  Geld  wollen  wir  „Kassengeld“  und  das
übrige  „Taschengeld“  nennen.
Diese  drei  Gruppen  schließen  notwendigerweise  alle  diejenigen  des  Gemeinwesens ­
  ein,  die  Geld  in  Umlauf  setzen.  Unter  dem  Ausdrucke  umlaufendes ­
  Geld  verstehen  wir  das  im  Austausche  für  Güter  und  nicht  für
irgendein  anderes  Umlaufsmittel  wie  z.  B.  für  Schecks  ausgegebene  Geld.
Die  Natur  dieser  drei  Personengruppen  muß  nun  unsere  Aufmerksamkeit ­
  in  Anspruch  nehmen.  In  Ländern,  wo  das  Bankwesen  vorgeschritten  ist,
umfassen  die  „Kaufmännischen  Deponenten“  tatsächlich  alle  Geschäftshäuser ­
  und  sonstige  kleine  Unternehmungen;  zu  den  „Anderen  Deponenten“ ­
  gehören  die  meisten  Gewerbetreibenden,  Beamte  und  Eigentümer,
während  die  Klasse  der  „Nichtdeponenten“  mit  derjenigen  der  Lohnempfänger ­
  fast  gleichbedeutend  ist.
Freilich  ist  diese  Einteilung  in  drei  verschiedene  Klassen  durchaus
nicht  vollständig.  Bei  den  „Kaufmännischen  Deponenten“  z.  B.  sind  die
        <pb n="396" />
        376

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

kleinen  Händler,  wie  die  Straßenverkäufer,  nicht  inbegriffen,  denn  diese
haben  gewöhnlich  kein  Bankkonto.  Doch  ist  deren  Zahl  verhältnismäßig
klein  im  Vergleich  zu  der  Anzahl  der  Geschäftsleute  oder  Gesellschaften,
die  Konti  haben,  und  was  hier  mehr  in  Betracht  kommt,  ihr  Geschäftsumfang ­
  ist  viel  kleiner.  Daraus  folgt,  daß  das  von  ihnen  ausgegebene
Geld  kaum  Beachtung  verdient.  In  den  Vereinigten  Staaten  wenigstens,
mit  Ausnahme  der  ländlichen  Distrikte  im  Süden  und  einiger  weniger
Plätze,  wo  die  Geldausgaben  sehr  gering  sind,  ist  die  Einrichtung  von
Bankdepositen  sozusagen  allgemein.
Ein  Bankkonto  zu  haben  ist  in  der  Tat  für  den  Geschäftsmann  eine
praktische  Notwendigkeit.  Ohne  ein  solches  Konto  beraubt  er  sich  selbst
dreier  wichtiger  Hilfsmittel  im  modernen  Geschäftsleben,  nämlich:  der
Benutzung  des  Zirkulationskredits,  der  Einrichtung  von  Zahlungen  durch
die  Post,  und  des  Vorteils  des  Zeitkredits.
Wofern  ein  Kaufmann  nicht  genötigt  ist,  sofort  bar  zu  bezahlen,  oder
wenn  er  diese  Zahlungsweise  vorzieht  —  und  solcher  Fälle  gibt  es  sowohl
hinsichtlich  der  Zahl  als  auch  der  Bedeutungslosigkeit  des  involvierten
Geldbetrages  nur  wenige  —  so  wird  er  es  fast  immer  leichter  finden,  seine
Zahlungen  durch  Scheck  vorzunehmen.  Überdies  macht  gerade  die  Tatsache, ­
  daß  die  meisten  anderen  Geschäftsleute  Bankeinrichtungen  benutzen,
den  Wunsch  in  ihm  rege,  ebenfalls  ein  Konto  zu  besitzen,  nicht  nur,  weil
er  den  anderen  nicht  „nachstehen“  will,  sondern  weil  er  es  notwendig  findet,
die  ihm  an  Geldesstatt  gesandten  Schecks  einzukassieren,  eine  Prozedur,  die
immer  mit  größeren  Schwierigkeiten  verknüpft  ist,  als  Schecks  zu  deponieren.
Barzahlungen  sind  besonders  dann  unbequem,  wenn  Geschäfte  auf
größere  Entfernung  abgeschlossen  werden.  Geld  durch  die  Post,  per
Expreß  oder  durch  persönliche  Überbringung  zuzustellen,  ist  mühsam,
riskant  und  kostspielig  im  Vergleich  zur  Übersendung  eines  Schecks  durch
Brief.  Selbst  die  Geldanweisung  durch  die  Post  ist  ein  umständlicher  und
teurer  Ersatz  und  ihre  Verwendung  macht  den  Gebrauchenden  finanziell
zu  einem  unbedeutenden  Faktor.
Schließlich  kann  ein  Geschäftsmann  ohne  Bankkonto  gewöhnlich  weder
von  Händlern  noch  von  Banken  Zeitkredit  erlangen.  In  den  Vereinigten
Staaten  gewähren  die  Banken  in  der  Regel  nur  ihren  eigenen  Deponenten
Anleihen.  Ein  Geschäftsmann,  der  eine  Bankanleihe  zu  machen  wünscht,
wird  gewöhnlich  aufgefordert,  bei  der  betreffenden  Bank  ein  Konto  zu
eröffnen.  Wenn  er  einen  anderen  Händler  um  eine  Anleihe  ersuchen
wollte,  z.  B.  seinen  Lieferanten,  so  würde  das  Fehlen  eines  Bankkontos
Zweifel  über  seinen  geschäftlichen  Ruf  auf  kommen  lassen,  und  eine
Weigerung  zur  Folge  haben.
        <pb n="397" />
        *&amp;gt;•

Diese  Tatsachen,  die  durch  Beobachtungen  und  Nachfragen  bestätigt
werden,  haben  zu  der  Überzeugung  geführt,  daß  eigentlich  alle  Geschäfte
in  den  Vereinigten  Staaten,  sicherlich  aber  über  99  Prozent  (nicht  nach
deren  Zahl,  sondern  nach  dem  Gesamtumfang  gemessen)  mittels  des  bankmäßigen ­
  Zahlungsverkehrs  ausgeführt  werden.  Sogar  in  Orten,  wo  sich
keine  Banken  befinden,  ziehen  es  die  Händler  vor,  ein  Bankkonto  in  der
ihnen  am  nächsten  liegenden  Stadt  zu  haben,  um  als  Käufer  ihre  Geschäfte
bequemer  abwickeln  zu  können.  Wir  schließen  daher,  daß,  für  alle  praktischen ­
  Zwecke,  die  Kategorie  der  „Kaufmännischen  Deponenten“  mit  der
Kategorie  der  Handelshäuser  zusammenfällt.
„Andere  Deponenten“  umfassen  zumeist  Eigentümer,  Gewerbsleute  und
Angestellte.  Lohnempfänger,  Handelsleute  oder  Geschäftsunternehmungen
in  kaufmännischem  Sinne  werden  hier  selten  eingeschlossen.  Wenn  ein
einzelner  Mann  ein  Geschäft  leitet,  so  trennt  er  gewöhnlich  sorgfältig  sein
geschäftliches  und  sein  persönliches  Ich.  Die  Person  Johann  Schmidt  und
das  Geschäft  Johann  Schmidt  sind  voneinander  verschieden.  Das  Taschengeld ­
  des  einen  und  das  Kassengeld  des  anderen  werden  selten  durcheinandergeworfen. ­
  Geldzahlungen,  welche  von  dem  einen  an  den  anderen  gemacht  werden,
tragen  genau  denselben  Charakter  .wie  die  Zahlungen  des  Geschäftes  an
irgendeine  andere  Person.  Ursprünglich  und  unter  primitiven  Verhältnissen ­
  wurde  natürlich  eine  solche  Unterscheidung  nicht  vorgenommen  und
mitunter  geschieht  dies  auch  heutzutage  nicht,  wie  es  z.  B.  bei  Hökern,
Hausierern,  Obstverkäufern  und  kleinen  Landkrämern  der  Fall  ist.  Wie
wir  aber  gesehen  haben,  gehören  diese  Personen  eigentlich  nicht  zu  den
Deponenten.  Zudem  ist  ihre  Zahl  nur  gering  und  da  nach  der  Natur  ihres
Geschäftes  das  von  ihnen  umgesetzte  Geld  nur  unbedeutend  ist,  so  ist  für
praktische  Zwecke  deren  Einreihung  kein  Gegenstand  von  Bedeutung.
Es  mag  dann  und  wann  Vorkommen,  daß  gewöhnliche  Kaufleute,  die  die
ausschließliche  Verwaltung  ihrer  Geschäfte  innehaben,  ihr  Geschäftskonto
und  ihr  Personenkonto  nicht  besonders  trennen.  Doch  können  wir  in  diesen
Fällen  die  Trennung  in  Gedanken  vornehmen.  Wenn  ein  solcher  Mann  aus
seinem  Schranke  Geld  herausnimmt  und  es  in  seine  Tasche  steckt,  so  können
wir  sagen,  daß  sein  geschäftliches  Ich  an  sein  persönliches  Ich  Dividende
gezahlt  hat.  In  gleicher  Weise  sind  seine  gezogenen  Schecks  gewöhnlich
so  unterscheidbar,  wie  seine  geschäftlichen  oder  seine  persönlichen  Ausgaben, ­
  selbst  wenn  er  es  unterläßt,  zwei  separate  Bankkonti  zu  führen.
Solche  Fälle  sind  jedoch  selten  und  von  keiner  Bedeutung,  weil  jedes  größere
moderne  Geschäft  von  Teilhabern  und  Gesellschaften  geleitet  wird,  wo  ein
striktes  Auseinanderhalten  der  Konti  notwendig  ist,  um  die  gegenseitigen
Interessen  zu  schützen.
        <pb n="398" />
        378

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

So  viel  nun  über  die  Grenzlinie  zwischen  „Anderen  Deponenten“  und
„Kaufmännischen  Deponenten“.  Was  die  Grenzlinie  zwischen  „Anderen
Deponenten“  und  „Nichtdeponenten“  anbelangt,  so  ist  zu  beachten,  daß
„Andere  Deponenten“  die  meisten  Eigentümer,  Gewerbsleute  und  Beamte
einschließen;  doch  sind  manche  Eigentümer  und  Gewerbetreibende,  besonders ­
  in  ländlichen  Gemeinwesen,  und  manche  Gehaltsempfänger,  hauptsächlich ­
  die  kleinen  Angestellten,  zu  den  „Nichtdeponenten“  zu  rechnen.
„Nichtdeponenten“  endlich  setzen  sich  in  der  Hauptsache  aus  allen
jenen  zusammen,  die  in  den  Statistiken  als  Lohnempfänger  bezeichnet
werden.  Wenn  es  aber  doch  Deponenten  unter  ihnen  gibt 1 ),  so  ist  deren
Zahl  sehr  gering,  und  während  es  andererseits  „Nichtdeponenten“  gibt,  die
nicht  als  Lohnempfänger  betrachtet  werden  können,  besonders  (wie  eben
erwähnt)  die  Besitzer  von  Landwirtschaftsgrundstücken  (Landwirte)  und
kleine  Angestellte,  so  ist  das  von  ihnen  umgesetzte  Geld  im  Vergleich  zum
Gesamtumlauf  sehr  gering.  Während  die  Grenzlinie  zwischen  Löhnen  und
Gehältern  in  der  Theorie  nicht  besonders  scharf  gezogen  wird,  ist  sie  doch
in  der  Praxis  leicht  festzustellen.
Kinder  unter  etw r a  zwölf  Jahren  können  nicht  in  eine  der  drei  Kategorien
eingereiht  werden,  da  sie  mit  Geld  nicht  umgehen,  wenigstens  nicht  bis  zu
einem  Grade,  daß  dies  einen  nennenswerten  Einfluß  auf  den  Gesamtumlauf
ausübt.
Wir  können  nun  die  Hauptläufe  des  Geldstromes,  einschließlich  des  im
Austausch  für  Güter  zirkulierenden  Geldes,  in  konkreter  Weise  darstellen.
Figur  18  veranschaulicht  die  drei  Haupttypen.
Die  Ecken  des  Dreiecks,  K,  A  und  N,  repräsentieren  die  drei  Gruppen:
„Kaufmännische  Deponenten“,  „Andere  Deponenten“  und  „Nichtdeponenten“, ­
  und  die  B  repräsentieren  die  Banken.  Die  Pfeile  stellen  den  Geldstrom ­
  einer  jeden  der  vier  Kategorien  zu  den  anderen  dar.  So  bezeichnet  B a
die  jährlichen  Entnahmen  aus  den  Banken  durch  „Andere  Deponenten“,
Aj.  den  Aufwand  dieses  entnommenen  Geldes  durch  „Andere  Deponenten“
an  „Kaufmännische  Deponenten“  und  K b  die  Rückkehr  des  Geldes  von  den
„Kaufmännischen  Deponenten“  in  die  Banken.  Dieser  Kreislauf  (B a  A k  K b )
dreier  Glieder  ist  ganz  allgemein.  Eine  zweite  Type  des  Kreislaufes  ist
durch  eine  Kette  von  vier  Pfeilen  dargestellt  (B a  A n  N } .  K b ),  welche  die
Privatdeponenten  illustrieren,  die  das  den  Banken  entnommene  Geld  B a  als
Lohn  in  die  Hände  der  Dienstboten  gelangen  lassen  (A n ),  von  denen  es
r )  Der  hier  verwendete  Ausdruck  „Deponenten“  schließt  natürlich  nicht  die  Einleger ­
  in  Sparkassen  ein.  Eine  Sparkasse  ist  eigentlich  keine  Depositenbank,  welche  für
den  Umlaufskredit  sorgt.
        <pb n="399" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

379

wiederum  an  Kaufleute  ausgegeben  wird  (N k ),  die  es  schließlich  deponieren
(K b ).  Eine  ebenfalls  vierfache  dritte  Type  des  Kreislaufes  ist  durch  die
Pfeile  B k  K n  N k  K b  dargestellt.  Darunter  verstehen  wir  kaufmännische
Firmen,  welche  die  für  die  Gehaltsliste  nötigen  Schecks  in  den  Banken  einkassieren ­
  (B k ),  um  mit  dem  so  erhaltenen  Gelde  die  Gehälter  an  die  Angestellten ­
  auszuzahlen  (K n ),  von  denen  das  Geld  wieder  an  Handeltreibende
(N k )  abgegeben  wird,  welche  es  von  neuem  in  den  Banken  deponieren  (K b ).
Diese  drei  Typen  sind  nicht  die  einzigen,  haben  aber  eine  viel  größere  Bedeutung ­
  als  andere,  so  daß  wir  ihnen  unsere  ungeteilte  Aufmerksamkeit
widmen  müssen,  bevor  wir  auf  ein  gründlicheres  Studium  eingehen.
Figur  18  wurde  konstruiert,  um  dieselben  ohne  Komplikation  durch  andere ­
  Details  klar  darzustellen.
Es  ist  zu  bemerken,  daß  nicht  alle  der  hier  beschriebenen  Ströme  Beispiele ­
  der  Geldzirkulation  sind.  Wie  bereits  angedeutet,  versteht  man  unter
Zirkulation  des  Geldes  den  Austausch  des  letzteren  gegen  Güter.  Sein  Eintritt ­
  in  die  Banken  und  sein  Austritt  aus  den  Banken  ist  ein  Strom,  nicht
aber  eine  Zirkulation  gegen  Güter.  In  dem  Diagramm  stellen  die  wagerechten
Pfeile  bloße  Bankoperationen  und  nicht  die  wirkliche  Zirkulation  dar.  Das
Diagramm  zeigt  vier  solcher  Pfeile,  welche  die  vier  Haupttypen  der  Zirkulation ­
  repräsentieren,  nämlich:  A k  Geldzahlungen  der  „Anderen  Deponenten“
an  „Kaufmännische  Deponenten“  im  Einkauf  von  Gütern;  A n  Zahlungen
seitens  der  „Anderen  Deponenten“  an  „Nichtdeponenten“,  wenn  z.  B.  eine
Hausfrau  Löhne  zahlt;  K n  Zahlungen  der  „Kaufmännischen  Deponenten“
an  „Nichtdeponenten“,  wenn  Firmen  Gehälter  auszahlen;  und  N k  Zahlungen
seitens  der  „Nichtdeponenten“  an  „Kaufmännische  Deponenten“,  wenn
Lohnempfänger  vom  Kaufmann  Ware  kaufen.
Diese  vier  Typen  der  Geldzirkulation  gehen  in  den  bereits  beschriebenen
drei  Kreisläufen  vor  sich  und  spielen  sich  zwischen  den  Strömen  von  und  in
die  Banken  ab.  Die  erste,  A k ,  befindet  sich  innerhalb  des  Kreislaufes  B a  A b
K b  und,  da  „Nichtdeponenten“  hier  nicht  in  Betracht  kommen,  repräsentiert ­
  dieselbe  zwischen  Entnahme  und  Wiedereinlage  in  die  Banken  einmal
ausgetauschtes  Geld.  Die  verbleibenden  Typen  (A n ,  K n  und  N k )  bewegen
sich  innerhalb  der  beiden  anderen  Kreisläufe  (B a  A n  N k  K b  und  B k  K n  N k  K b
und  repräsentieren  gemäß  der  Tatsache,  daß  hier  „Nichtdeponenten“  auftreten,
  zwischen  Entnahme  und  Wiedereinlage  zweimal  zirkulierendes  Geld.
Kurz  zusammengefaßt  zeigt  einer  der  drei  Kreisläufe  (B a  A k  K b )  außerhalb ­
  der  Banken  einmal  zirkulierendes  Geld.  Die  beiden  anderen  gehen  durch
N  und  zeigen  außerhalb  der  Banken  zweimal  zirkulierendes  Geld.  Das
Diagramm  stellt  somit  alles  umlaufende,  aus  den  Banken  kommende  und
        <pb n="400" />
        380

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

Ln  die  Banken  gehende  Geld  dar.  In  seiner  Gesamtheit  zirkuliert  es  in  der
Zwischenzeit  zum  wenigsten  einmal,  und  jener  Teil,  der  von  den  „Nicht  -
deponenten“  ausgegeben  wird,  zirkuliert  außerdem  noch  einmal.  Der  Gesamtumlauf ­
  übersteigt  daher  den  Gesamtstrom  aus  und  in  die  Banken  um  den
Betrag,  der  durch  die  Hände  der  „Nichtdeponenten“  geht.  Mit  anderen
Worten:  der  Gesamtumlauf  in  dem  Diagramm  besteht  einfach  aus  der
Summe  der  jährlichen  Geldmenge,  die  ihren  Weg  aus  und  in  die  Banken
nimmt,  und  aus  dem  durch  die  Hände  der  „Mchtdeponenten“  gehenden
Gelde.  Der  Quotient  aus  der  Division  dieser  Summe  dividiert  durch  den

Betrag  des  in  Umlauf  befindlichen  Geldes  ergibt  die  ungefähre  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes.
II.  Die  vollständige  Formel.
Wir  haben  aber  noch  die  vorzunehmenden  Korrekturen  für  die  weniger
bedeutenden  Formen  des  Geldumlaufs  zu  berücksichtigen,  die  in  Figur  18
nicht  enthalten  sind.
Um  den  Grad  der  Genauigkeit  des  ersten  Näherungswertes,  den  wir
soeben  für  den  Geldumlauf  bestimmt  haben,  abzuschätzen,  müssen  wir  diesen
Näherungswert  mit  einer  vollständigen  Formel  vergleichen,  die  so  gestaltet
sein  muß,  daß  sie  alle  möglichen  Arten  der  Übertragung  des  Geldes  gegen
        <pb n="401" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

381

Güter  umfaßt 1 ).  Es  gibt  neun  mögliche  Arten  der  Übertragung,  von  denen
sich  drei  innerhalb  jeder  einzelnen  der  drei  Gruppen.  K,  A  und  N,  und  sechs
zwischen  jedem  Paare  dieser  drei  Gruppen  nach  jeder  Richtung  befinden.
Innerhalb  einer  Klasse  sind  folgende  Austausche  möglich:  1.  der  Austausch ­
  zwischen  einem  „Kaufmännischen  Deponenten“  und  einem  anderen
„Kaufmännischen  Deponenten“;  2.  der  zwischen  einem  „Anderen  Deponenten‘
 !  und  einem  anderen,  und  3.  der  zwischen  einem  „Nichtdeponenten“  und
einem  anderen.  Die  zwischen  den  Klassen  möglichen  Übertragungen  sind
4.  und  5.  die  zwischen  „Kaufmännischen  Deponenten“  und  „Anderen  Deponenten“ ­

  in  beiden  Richtungen;  6.  und  7.  die  zwischen  „Anderen  Deponenten“
und  „Nichtdeponenten“  in  beiden  Richtungen,  und  8.  und  9.  die  zwischen
„Nichtdeponenten“  und  „Kaufmännischen  Deponenten“  in  beiden  Richtungen. ­
  So  gibt  es  drei  innerhalb  der  Klassen  befindliche  und  sechs  zwischen
den  Klassen  befindliche  Arten  der  Übertragung  des  Geldes  gegen  Güter.  i)
i)  Das  heißt,  alle  Übertragungen  innerhalb  des  unserer  Betrachtung  zugrunde  liegenden ­
  Gemeinwesens.  Wenn  es  erwünscht  ist,  die  exportierten  und  importierten  Summen
des  Außenhandels  als  Teil  der  Zirkulation  dieses  Gemeinwesens  einzuschließen,  so  können
diese  am  bequemsten  am  Schlüsse  hinzugefügt  werden.  Doch  selbst  wenn  solche  Summen
eingeschlossen  werden,  sind  sie  von  nur  geringer  Bedeutung,  teils  weil  der  Außenhandel
im  Vergleiche  zum  Binnenhandel  gewöhnlich  sehr  gering  ist  und  teils  weil  im  Außenhandel
sehr  wenig  Geld  verwendet  wird,  besonders  wenn  wir  Barrenmetall  nicht  in  die  Kategorie
des  Geldes  aufnehmen.
        <pb n="402" />
        382

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

Figur  19  gibt  ein  vollständiges  Bild  dieser  neun  Geldströme  im  Austausche ­
  für  Güter,  das  heißt,  von  der  gesamten  „Geldzirkulation“.  Diese
neun  Ströme  sind  in  dem  Diagramm  durch  neun  um  das  Dreieck  gehende
Pfeile  dargestellt,  von  denen  sich  sechs  längs  der  drei  Seiten  befinden,  welche
die  zwischen  den  Klassen  stattfindende  Zirkulation  darstellen,  während  die
drei  Pfeile  an  den  Ecken  (k,  a  und  n)  die  innerhalb  der  Klassen  stattfindende ­
  Zirkulation  darstellen.  Die  übrigen  den  wagerechten  Linien  entlang ­
  gehenden  sechs  Pfeile  stellen  natürlich  bloße  Bankoperationen  dar.
Der  Gesamtumlauf  oder  der  im  Austausch  gegen  Güter  stattfindende  Geldstrom ­
  (8)  ist  demnach  die  Summe  der  durch  die  neun  Pfeile  dargestellten
Größen,  nämlich:
(1)  S  =  A k  +  K a  +  N k  +  K n  +  A n  +  N a  +  -k  +  a  +  n.
Dies  ist  eine  genaue  Formel  für  den  Geldumlauf.  Wir  wollen  dieselbe
nun  mit  dem  ungenauen  ersten  Näherungswert,  nämlich  mit  dem  deponierten
Gelde,  plus  dem  Aufwand  der  „Nichtdeponenten“,  vergleichen.  Dieser
Vergleich  wird  den  Fehler  des  ersten  Näherungswertes  darstellen  und  uns
eine  Methode  zur  Umwandlung  der  genauen  Formel  (1)  in  eine  für  statistische
Verwendung  geeignetere  Form  an  die  Hand  geben.  Zunächst  müssen  wir  den
ersten  Näherungswert  algebraisch  ausdrücken.  Dies  kann  durch  aufmerksame ­
  Betrachtung  der  Figur  19  leicht  geschehen.  Das  gesamte  deponierte
Geld  ist  K b  +  A b  +  N b ,  während  der  Gesamtaufwand  der  „Nichtdeponenten“
  N k  +  N a  ist.  Die  Summe  dieser  beiden  Ausdrücke  wollen  wir  8'
nennen.  Der  algebraische  Ausdruck  für  den  ersten  Näherungswert  ist
demnach:
(2)  8 , =&amp;gt;K b  +  A^  +  N h  +  N t  +  N a .
Um  den  Unterschied,  S  —  S'  zwischen  der  genauen  und  der  annähernden ­
  Formel  zu  erhalten,  subtrahieren  wir  (2)  von  (1),  indem  wir  N k  und
N a  streichen  und  den  negativen  Ausdruck  zuerst  setzen.  Wir  erhalten  so
als  Rest  (r)  das  Folgende:
(3)  r  =  S  —  8'  =  —  K b  —  A b  —  N b  -f-  A k  +  K a  +  K n  +  A n  k  -f-  a  +  n.
Daß  der  Wert  von  8  —  S'  gering  ist,  kann  man  durch  Verwandlung  von  (3)
deutlich  ersehen.  Wir  werden  ihn  mit  Hilfe  einer  anderen,  unten  dargestellten ­
  Gleichung  (4)  übertragen.  Um  diese  neue  Gleichung  abzuleiten,
müssen  wir  uns  eine  Abschweifung  gestatten.  Die  neue  Gleichung  ist  lediglich ­
  eine  spezielle  Anwendung  des  allgemeinen  Grundsatzes,  daß  der  Nettoabfluß ­
  (d.  h.  Abfluß  minus  Zufluß)  des  Inhalts  eines  Reservoirs  gleich  sein
muß  der  Nettoabnahme  seines  Inhaltes  während  derselben  Zeit,  oder
        <pb n="403" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

383

(algebraisch  ausgedrückt),  daß  der  Nettoabfluß  (positiv  oder  negativ),  plus
der  Nettozunahme  des  Inhaltes  (negativ  oder  positiv),  Null  sein  muß.  Wir
können  diesen  Grundsatz  auf  irgendein  Reservoir  oder  Geldlager  anwenden,
doch  ist  es  hier  am  zweckmäßigsten,  ihn  auf  das  Geldreservoir  anzuwenden,
welches  die  „Kaufmännischen  Deponenten“  und,  „Nichtdeponenten“  in  einer
Gruppe  vereinigt.  Die  Kombination  dieser  beiden  wollen  wir  als  „KN-Gruppe“
  bezeichnen.  Der  in  dem  Diagramm  von  dieser  Gruppe  angezeigte
Gesamtabfluß  ist  offenbar  K b  +  K a  +  N b  +  N a ,  und  der  Gesamtzufluß  ist
B k  +  A k  +  B n  4-  A n .  Soweit  das  Diagramm  anzeigt,  ist  also  der  Nettoabfluß: ­

K b  +  K a  +  N b  +  N a -B k -A k -B n -A n .
Dieser  plus  dem  Nettoabfluß,  der  in  dem  Diagramm  nicht  angezeigt  wurde,
ist  dann  der  wirkliche  Nettoabfluß.  Da  das  Diagramm  nur  zu  dem  Zwecke
konstruiert  wurde,  Ströme  gegen  Güter  (Geldzirkulation)  und  Ströme  aus
und  in  die  Banken  darzustellen,  so  haben  wir  noch  das  in  das  Gemeinwesen
im  Austausch  für  andere  Dinge  als  Güter  fließende  Geld  und  sowohl  das,
welches  ohne  jedweden  Austausch  fließt,  als  auch  den  Nettoabfluß  außerhalb
des  Gemeinwesens  in  Berücksichtigung  zu  ziehen.
Wir  haben  somit  drei  im  Diagramm  nicht  dargestellte  Flüsse  zu  berücksichtigen. ­
  Der  erste  ist  der  Nettoabfluß  des  Geldes  von  der  „KW-Gruppe“
zur  „A-Gruppe“,  der,  wohl  im  Austausch,  nicht  aber  im  Austausch  gegen
Güter  stattfindet.  Dies  bedeutet  lediglich  einkassierte  Schecks,  denn  gemäß
der  hier  vorgenommenen  Klassifizierung  verstehen  wir  unter  „Gütern“  alles
Austauschbare  mit  Ausnahme  von  Geld  oder  Schecks.  Unsere  erste  Korrektur ­
  ist  daher  der  Nettoabfluß  des  Geldes  für  von  der  „KW-Gruppe“  kassierte ­
  Schecks,  d.  h.  die  Differenz  zwischen  den  von  der  „KW-Gruppe“  für
die  „A-Gruppe“  kassierten  Schecks  und  den  in  entgegengesetzter  Richtung
kassierten  Schecks.
Es  ist  klar,  daß  wir  hier  nichts  mit  der  Einkassierung  von  Schecks  in
Banken  zu  tun  haben,  denn  dies  ist  in  dem  Diagramm  (B a ,  B n  und  B k )  inbegriffen. ­
  Auch  haben  wir  hier  mit  der  Einkassierung  von  Schecks  innerhalb
der  „KW-Gruppe“  nichts  zu  tun,  wenn  z.  B.  ein  Ladeninhaber  einen  ihm
von  einem  „Nichtdeponenten“  präsentierten  Scheck  kassiert.  Es  handelt
sich  hier  nur  um  den  Nettoabfluß  kassierter  Schecks  von  KN  nach  A.  Diesen
Nettoabfluß  (der  positiv,  negativ  oder  Null  sein  kann),  wollen  wir  durch  den
Buchstaben  g  bezeichnen,  der  den  Begriff  „Gefälligkeits“-Schecks  ausdrückt.
Hinsichtlich  der  zweiten  Korrektur  haben  wir  den  Nettoabfluß  von
durch  die  „KA 7 -Gruppe“  für  Geschenke,  Steuern,  Diebstähle  usw.  hinge ­
        <pb n="404" />
        384

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

gebenen  Geldes  zu  bestimmen,  gegen  welches  spezifische  Güter  nicht  hereinkommen. ­
  Dieser  Nettoabfluß  soll  mit  ln  bezeichnet  werden.
Drittens  ist  noch  der  seitens  der  AW-Gruppe  außerhalb  des  Gemeinwesens ­
  stattfindende  Nettoabfluß  aufzuführen,  d.  h.  der  Nettobetrag  des
durch  den  Export,  durch  Feuer,  Schiffbruch,  Schmelzen  usw.  dem  Lande
verlorengehenden  Geldes,  soweit  dieser  Betrag  das  durch  den  Import  hereinkommende ­
  Geld,  neues  Ausmünzen  usw.  überschreitet.  Diesen  „äußeren“
Nettoabfall  bezeichnen  wir  mit  a.  Wenn  wir  den  im  Diagramm  nicht  dargestellten ­
  Nettoabfluß  {g  +  h  +  a)  zu  dem  im  Diagramm  vertretenen  Nettoabfluß ­
  addieren,  so  erhalten  wir  als  Gesamtnettoabfluß
-K&amp;amp;  +  K a  -J-  N b  -(-  N a  —  B k  —  A t  B n  A n  -f-  g  +  Ji  -j-  a.
Nun  muß  nach  dem  bereits  erklärten  Reservoirprinzip  die  algebraische
Summe  dieses  Nettoabflusses  von  der  „AN-Gruppe“  und  der  Nettozunahme ­
  des  Geldes  in  dieser  Gruppe  Null  sein.  Wenn  wir  diese  Nettozunahme ­
  durch  z  ausdrücken,  so  ergibt  dies
(4)  A  —  K b  +  K a  +  N b  +  N a  —  B k  —  A k  —  B n  —  A n  +  g  +  h  +  a  +  z.
Wir  setzen  nun  diese  Gleichung  (4)  unter  die  frühere  (3),  indem  wir  den
Wert  von  r  =  S  —  8'  in  der  folgenden  Weise  geben:
r  —  —  C%b)  —  A b  —  (N b )  +  (Aj.)  +  K a  +  %-n  +  (^-n)
+  Ä  +  fl+  m
«  =  (K b )  +  K a  +  (N b )  +N a -B k -  (A k )  -B n  -  (A n )
+  9'  +  ^  +  ®  +2.
Wenn  wir  die  in  Klammern  stehenden  Glieder  (3)  und  (4),  addieren
und  wegstreichen,  und  die  verbleibenden  Glieder  neu  anordnen,  so  erhalten ­
  wir
(3)'  r  =  8-8’  =  (K a  +  K n -B k )  +  (K a  +  N a -  A t )  +  (k  +  a  +  n)
+  (9  +  ^  +  a )  +  z  —
Die  Buchstaben  wurden  in  Klammern  gruppiert  und  bilden  sechs  Ausdrücke, ­
  die,  soweit  wir  beurteilen  können,  in  der  Reihenfolge  absteigender
Bedeutung  geordnet  sind.
Unter  Benutzung  des  eben  erhaltenen  Ausdruckes  für  r  kann  die  vollständige ­
  Formel  (1)  für  die  Zirkulation  des  Geldes  nun  in  die  geeignete
Form  für  statistische  Verwendung  gebracht  werden.  Da  r  =  S—S',  so
ist  8  =  8'  +  r.  Wenn  wir  für  8'  und  r  den  schon  in  den  Gleichungen
(2)  und  (3)'  gegebenen  Ausdruck  einsetzen,  so  erhalten  wir  als  Umformung
von  (1),
        <pb n="405" />
        Anhang  zum  XIT.  Kapitel.

385

8  =  S'  +  r
=  (&amp;amp;b  +  A h  +  N b )  +  (N  k  +  N  a )
+  (K a  +  K n  —  B k )  +  (K a  +  N a  A b )  ~\-{k-\-a-\-n)-\-{g-\-h-\-a)
(1)'  +*  —  B n
=  (1)  alles  deponierte  Geld.
+  (2)  Geldausgaben  der  „Nichtdeponenten“,
+  (3)  Ks  Geldausgaben  aus  Ladenkassen  (d.  h.  Geldausgaben,  die
zu  dem  den  Banken  entnommenen  Gelde  noch  hinzukommen),
+  (4)  A’s  unter  der  Hand  empfangene  Geldeinnahmen  (d.  h.  Geldeinnahmen, ­
  die  zu  dem  in  den  Banken  deponierten  Gelde  noch
hinzukommen),
-f  (5)  innerhalb  der  verschiedenen  Klassen  stattfindender  Geldumlauf,
+  (6)  KN’s  Nettogeldabfluß,  im  Diagramm  nicht  dargestellt,
+  (7)  KN’s  Nettozunahme  des  zur  Verfügung  gehaltenen  Geldes,
—  (8)  seitens  N  den  Banken  entnommenes  Geld.
Dies  ist  eine  vollständige  und  allgemeine  Formel  für  den  Geldumlauf
eines  Gemeinwesens.  Ihre  ersten  beiden  Glieder  bilden  den  ersten  Näherungswert ­
  und  die  anderen  sechs  Glieder  bilden  r,  welches  das  „Kestglied“  genannt
werden  kann.
Das  erste  und  zweite  Glied  sind  die  allerwichtigsten.  Die  letzten
drei  Glieder,  das  sechste,  siebente  und  achte,  sind  unter  allen  in  Betracht
kommenden  Umständen  zweifellos  ganz  ohne  Belang.  Ich  darf  wohl  auch
mit  Sicherheit  annehmen,  daß  sich  in  den  Vereinigten  Staaten  das  dritte,
vierte  und  fünfte  Glied  auf  weniger  als  zehn  Prozent,  ja  höchstwahrscheinlich
auf  weniger  als  fünf  Prozent  der  Gesamtsumme  beläuft.  Das  vollständige
Weglassen  aller  Glieder  mit  Ausnahme  der  ersten  beiden  würde  daher
noch  immer  eine  ziemlich  genaue  Zahl  für  die  gesamten  8  geben,  denn  jedermann, ­
  dem  die  Ungenauigkeit  der  Statistiken  bekannt  ist,  weiß,  daß  ein
Irrtum  von  5  oder  10  Prozent  als  unbedeutend  betrachtet  werden  kann,
besonders  bei  einer  Größe,  die  bisher  außer  dem  Bereich  aller  Meßversuche  lag.
Wir  können  also  bei  unseren  Näherungswerten  drei  aufeinanderfolgende
Stadien  unterscheiden.  Der  erste  Näherungswert  umfaßt  nur  die  ersten
beiden  Glieder,  nämlich  deponiertes  Geld  plus  Ausgaben  seitens  der  „Nichtdeponenten“; ­
  der  zweite  enthält  außerdem  die  Glieder  (3),  (4)  und  (5),
nämlich  die  aus  Ladenkassen  gedeckten  Geldausgaben  von  K,  seitens  A  eingenommene ­
  Geldeingänge,  und  den  innerhalb  der  Klassen  stattfindenden
Geldumlauf,  während  der  dritte  durch  den  Einschluß  der  Glieder  (6),  (7)
und  (8),  von  denen  keines  praktische  Bedeutung  besitzt,  absolut  vollständig
wiedergegeben  wurde.  Wir  haben  die  Formel  vollständig  dargelegt,  damit
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.  25
        <pb n="406" />
        386

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

dieselbe  eine  Diskussion  und  Untersuchung  der  Frage  veranlassen  und  insbesondere ­
  klarstellen  möge,  inwieweit  diese  Formel  auf  Länder  angewendet
werden  kann,  in  denen  das  Material  für  die  ersten  beiden  Glieder,  nämlich
für  das  deponierte  Geld  und  für  die  Ausgaben  der  „Nichtdeponenten“,
vorhanden  ist.  Ersteres  ist  in  den  meisten  Kulturländern  vornehmlich
Gegenstand  täglicher  Aufzeichnung,  und  letzteres  besteht  in  der  Hauptsache
aus  Löhnen,  einer  Größe,  welche  schon  seit  langer  Zeit  mit  Vorliebe  zu
statistischen  Schätzungen  genommen  wurde.
§  7  (zum  XII.  Kapitel,  §  4).
Anwendung  der  Formel  zur  Berechnung  von  TJ  für  die
Jahre  1896  und  1909.
Wir  wollen  nun  die  Verwendung  unserer  Formel  an  den  für  die  Vereinigten ­
  Staaten  gegebenen  Zahlen  erläutern.  Der  Bericht  des  Comptrollers
of  the  Currency  für  das  Jahr  1896,  auf  den  bereits  verwiesen  wurde,  und  der
Spezialbericht  der  National  Monetary  Commission  für  das  Jahr  1909  geben
uns  eine  Grundlage  zur  Abschätzung  des  ersten  Gliedes  (K b  -f-  A b  +  N b ),
des  jährlichen  in  diesen  beiden  Jahren  in  den  Banken  deponierten  Geldes.
Beide  Berichte  wurden  unter  der  Leitung  von  Professor  David  Kinley  von
der  Universität  Illinois  erstattet.  Wir  wollen  zunächst  die  Zahlen  für  das
Jahr  1896  betrachten.  Das  gesamte,  an  dem  dem  1.  Juli  1896  nächstgelegenen ­
  Abrechnungstage  in  den  Banken  deponierte  Geld  betrug  7.4  Prozent ­
  der  Gesamtdepositen  aller  Art.  Die  Gesamtsumme  aller  Bericht  erstattenden ­
  Banken  betrug  303  Millionen,  von  denen  7.4  Prozent  die  Summe  von
$  22  400000  ausmachen.  Über  $  16  200  000  waren  bei  3474  Nationalbanken,  und
der  Rest  bei  2056  anderen  Banken  deponiert.  Dem  Berichte  des  Comptrollers
zufolge  gab  es  damals  im  Lande  insgesamt  ungefähr  13  000  Banken.  Auf
Grund  dieser  Zahlen  versuchte  der  Comptroller  die  (Einzel-)Depositen  aller
Art  für  alle  13  000  Banken  abzuschätzen,  indem  er  annahm,  daß  das  Durchschnitts-Depositum ­
  dieselbe  Höhe  habe,  wie  das  der  Banken  auf  dem  Lande,
von  denen  Berichte  Vorlagen.  Bei  Banken  an  Orten  mit  12  000  Einwohnern
oder  weniger  betrug  dieser  Durchschnitt  $  2375.  Wenn  wir  diesen  Durchschnitt ­
  auf  die  nicht  Bericht  erstattenden  Banken  anwenden,  so  erhöhen  sich
die  Einzeldepositen  (in  Höhe  von  $  26  500  000)  um  weitere  $  17  800  000.
Wenn  wir  dasselbe  Zunahmeverhältnis  auf  die  gesamten  GeMdepositen
anwenden,  so  erhöht  sich  die  Summe  von  22.4  Millionen  um  15.0  Millionen,
was  eine  Gesamtsumme  von  37.4  Millionen  als  das  an  dem  dem  1.  Juli  1896
nächsten  Abrechnungstage  in  den  Banken  deponierte  Geld  ergibt.  Diese
Zahl  repräsentiert  wenigstens  annähernd  den  ungefähren  Zufluß  des  Geldes
        <pb n="407" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

387

in  die  Banken  und  daher  auch  den  Abfluß  desselben  aus  den  Banken  des
Landes.  Multiplizieren  wir  nun  diese  Zahl  mit  305,  der  Anzahl  der  jährlichen
Abrechnungstage,  so  erhalten  wir  11.4  Milliarden  als  Gesamtbetrag  des
jährlich  deponierten  Geldes.  Die  für  den  dem  1.  Juli  nächstgelegenen  Abrechnungstag ­
  gegebenen  Zahlen  stehen  höchstwahrscheinlich  über  dem
Tagesdurchschnitt  des  Jahres.  So  ist  die  Zahl  11.4  mehr  eine  obere  Grenze
als  eine  Schätzung.  Später  werden  wir  auch  eine  untere  Grenze  ansetzen.
Vorstehende  Zahlen  beziehen  sich  auf  das  Jahr  1896.  Ähnliche  Berechnungen ­
  für  das  Jahr  1909  wurden  von  Professor  David  Kinley 1 )  mit
Unterstützung  von  Professor  Weston  vorgenommen.  Es  ergab  sich,  daß  das
im  Jahre  1909  deponierte  Geld  19,1  Milliarden  betrug  *  2 ).
Wenn  es  aber  in  Anbetracht  dessen,  daß  die  gewählten  Tage  eine  Ausnahme ­
  bilden  (siehe  §  4  dieses  Anhanges),  notwendig  erscheint,  eine  Berichtigung ­
  der  Zahlen  für  die  Sc/iecfcdepositen  der  Jahre  1896  und  1909
vorzunehmen,  so  müssen  auch  die  Zahlen  für  die  GeMdepositen  berichtigt
werden.  Am  1.  Juli  1896  müssen  viele  Junirechnungen  sowohl  in  bar  als
auch  per  Scheck  bezahlt  worden  sein,  und  am  16.  März  1909,  also  in  der
Mitte  des  Monats,  müssen  die  Geld-  und  Scheckzahlungen  eine  große  Abnahme ­
  gezeigt  haben.  Den  gesamten  Scheckdepositen  gleich,  müssen  daher
die  am  1.  Juli  1896  vorgenommenen  gesamten  Gelddepositen  aller  Vermutung
nach  über  dem  Tagesdurchschnitt  des  Jahres  1896,  und  am  16.  März  1909
unter  dem  Tagesdurchschnitt  des  Jahres  1909  gestanden  haben.  Mit  anderen
Worten:  Die  Zahl,  welche  die  Geldzirkulation  für  das  Jahr  1896  darstellt,
würde  ohne  Berichtigung  in  bezug  auf  die  Abnormität  der  gewählten  Tage
zu  hoch  und  diejenige  für  1909  zu  niedrig  sein.  Das  heißt,  ohne  eine  derD ­

  Siehe  „Note  on  Professor  Fishers  Formula  for  Estimated  Velocity  of  Circulaiion  of
Money“.  Publications  American  Statistical  Association,  März  1910.  Die  Berechnungen
basieren  auf  Angaben,  die  der  wertvollen  Monographie  von  Kinley  über  „Credit  Instruments“
(Reports  of  National  Monetary  Commission,  61.  Kongreß,  2.  Session,  Doc.  No.  399)  entnommen ­
  wurden.
2 )  Kinley  gibt  18.3  an.  Der  Unterschied  ist  darauf  zurückzuführen,  daß  Kinley  die
täglichen  Depositen  wohl  auf  62.9  schätzt,  diese  Zahl  aber  bei  seinen  Berechnungen  auf
60  Millionen  abrundet.  Es  ist  jedoch  praktischer,  die  Schätzung  in  voller  Zahl  zu
nehmen  und  etwaige  Irrtümer  lieber  am  Schlüsse  als  am  Anfänge  zu  berücksichtigen.
Auch  nimmt  Kinley  305  Abrechnungstage  per  Jahr,  also  dieselbe  Anzahl,  welche
Kemmerer  für  das  Jahr  1896  benutzt.  Von  Herrn  Gilpin  vom  New  Yorker  Clearing
House  erfahre  ich  aber,  daß  das  Clearing  House  im  Jahre  1896  305  Geschäftstage  hatte,
während  das  Jahr  1909  nur  303  solcher  Tage  aufwies.  Ich  habe  daher  für  das  Jahr  1909
um-  303  Abrechnungstage  genommen.  62.9  Millionen  mit  303  multipliziert  ergeben
demnach  19.1  Milliarden.

25*
        <pb n="408" />
        388

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

artige  Berichtigung  würden  unsere  Berechnungen  für  das  Jahr  1896  nur
eine  obere  Grenze  und  für  das  Jahr  1909  eine  untere  Grenze  setzen.
Doch  können  wir  mit  Leichtigkeit  die  entgegengesetzten  Grenzen  festsetzen. ­
  Es  ist  ziemlich  sicher,  daß  die  Gelddepositen  weniger  vom  Durchschnitt ­
  abweichen  als  die  Scheckdepositen,  denn  man  kann  unmöglich  annehmen, ­
  daß  die  täglichen  Gelddepositen  ebensogroßen  Schwankungen
unterworfen  sind,  wie  die  täglichen  Scheckdepositen.  Tatsächlich  übt  die
Periodizität  der  Scheckeingänge  seitens  der  Deponenten  (in  Form  von
Gehalt,  Zinsen  oder  Dividendenschecks)  oder  die  Periodizität  des  den  Deponenten ­
  gewährten  Kredits  (Geschäftsleuten,  die  Monatsrechnungen  ausstellen) ­
  auf  alle  Scheckzahlungen  einen  großen  Einfluß  aus.  Wenn  die  den
Schwankungen  unterworfenen  Geldzahlungen  auch  mehr  oder  weniger
gleichartig  sind,  so  ist  doch  deren  Umfang  aus  zwei  Gründen  ein  viel  geringerer: ­
  Erstens  sind  dieZahlungs-  oder  Kreditzyklen,  welche  auf  die  Schwankungen ­
  der  Gelddepositen  Einfluß  haben,  gewöhnlich  von  kürzerer  Dauer  als
diejenigen,  welche  auf  die  Schwankungen  der  Scheckdepositen  einwirken.
Der  Lohnempfänger  wird  gewöhnlich  wöchentlich  ausbezahlt,  eine  Gehalt
beziehende  Person  empfängt  ihren  Scheck  monatlich,  während  ein  Aktieninhaber ­
  seine  Dividenden  vierteljährlich  erhält.  Zweitens  haben,  im  Gegensatz ­
  zu  Scheckzahlungen,  viele,  wenn  nicht  die  meisten  Geldzahlungen,
keinen  Zahlungs-  oder  Kreditzyklus.  Bei  den  sogenannten  „Kasse“-Zahlungen ­
  ist  keinerlei  Kredit  involviert.  Die  Eingänge  großer  Warenhäuser,  bei
denen  in  bar  bezahlt  wird,  die  kleineren  Eingänge  gewöhnlicher  Kaufläden,
die  Eingänge  an  Eisenbahnen,  Straßenbahnen  und  Dampfschilfbureaus,  die
Eingänge  an  Theaterkassen  und  bei  den  verschiedenen  Institutionen  befinden ­
  sich  fast  ausschließlich  auf  der  Basis  der  Barzahlung.  Aus  derartigen
Etablissements  werden  daher  täglich  und  ziemlich  gleichmäßig  Geldbeträge
deponiert.  Dies  sind  alltägliche  und  von  Bankiers  bestätigte  Vorgänge,  aus
denen  mit  Bestimmtheit  hervorgeht,  daß  die  Gelddepositen  Tag  für  Tag
eine  größere  Gleichmäßigkeit  zeigen  als  die  Scheckdepositen.  Zusammenfassende ­
  Evidenz  über  diesen  Gegenstand  ist  auch  in  Kinleys  Untersuchung
im  Bericht  des  Comptrollers  für  das  Jahr  1896  gegeben  (S.  95).  Wenn  die
Scheck-  und  Gelddepositen  in  vollkommener  Übereinstimmung  schwanken
würden,  so  bliebe  der  Prozentsatz  der  aus  Schecks  bestehenden  Gesamtsumme ­
  konstant.
Wenn  aber,  wie  wir  beweisen  werden,  das  Übermaß  oder  die  Abnormität  der
Scheckdepositen  am  1.  Juli  größer  ist  als  das  Übermaß  oder  die  Abnormität
der  Gelddepositen  des  genannten  Tages,  so  muß  sich  herausstellen,  daß
der  Prozentsatz  der  Seheekdepositen  am  1.  Juli  höher  ist  als  gewöhnlich.
        <pb n="409" />
        Die  Zahlen  im  Bericht  des  Comptrollers  beweisen,  daß  dies  der  Fall  ist.  Sie
zeigen,  daß  der  Prozentsatz  der  eingegangenen  Schecks  (die  leider  mit  „Depositen“ ­
  nicht  ganz  synonym  sind)  am  17.  September  1890  91.0  Prozent
und  am  1.  Juli  desselben  Jahres  92.5  Prozent  betrug  oder  um  l 1 /,  Prozent
höher  war.  Wenn  wir  ferner  den  1.  Juli  1896  mit  dem  nächst  verfügbaren
Datum  eines  anderen  Jahreszeitraums  vergleichen,  nämlich  mit  dem  15.  September ­
  1892,  so  ergeben  sich  folgende  Zahlen:  Scheckeingänge  vom  15.  September ­
  1892  90.6  Prozent,  Scheckdepositen  vom  1.  Juli  1896  92,5  Prozent,
also  1.9  Prozent  mehr.  Wenn  beide  Zahlen  Eingänge,  also  keine  davon
Depositen  darstellten,  dann  würde  sich  eine  noch  größere  Differenz  ergeben,
denn  nach  Aussage  des  Comptrollers  führt  der  Einschluß  anderer  Eingänge
als  der  der  Depositen  zu  einem  zu  hohen  Prozentsatz  der  Schecks.  Daß
der  verhältnismäßige  Anteil  der  Schecks  am  1.  Juli  weit  größer  ist  als  der
am  30.  Juni,  geht  aus  den  Zalden  für  Detaildepositen  vom  30.  Juni  1894
und  vom  1.  Juli  1896  hervor,  von  denen  auf  das  erstere  Datum  58.5  Prozent
und  auf  das  letztere  67.6  Prozent,  also  um  9.1  Prozent  mehr,  entfallen.  Wir
müssen  uns  aber  hüten,  aus  dieser  Differenz  irgendwelche  quantitativen
Schlüsse  zu  ziehen,  da  die  Untersuchungen  für  die  Jahre  1894  und  1896
verschieden  angestellt  wurden.  Die  gegebene  Differenz  stimmt  aber  mit
den  vorliegenden  Tatsachen  vollkommen  überein.  Eine  ähnliche  Bekräftigung ­
  ist  daraus  herzuleiten,  daß  im  Vergleich  mit  dem  großen  Kontrast,  den
wir  zwischen  dem  1.  Juli  und  dem  17.  September  des  Jahres  1890  wahrgenommen ­
  haben,  zwischen  den  Zahlen  für  den  30.  Juni  und  17.  September
1881  keinerlei  Kontrast  besteht.  An  den  letztgenannten  beiden  Tagen
betrugen  die  Krediteingänge  91.77  bzw.  91.85  Prozent,  woraus  zu  ersehen
ist,  daß  diese  Zahlen  substantiell  gleich  sind,  während  der  1.  Juli  und  der
17.  September  1890  eine  Differenz  von  1%  Prozent  aufweisen.
Wir  können  daher  mit  Bestimmtheit  den  Schluß  ziehen,  daß  die  Scheckdepositen ­
  größeren  Schwankungen  und  Abnormitäten  unterworfen  sind  als
die  Gelddepositen.  Wenn  nun  auch  die  Gelddepositen  am  1.  Juli  1896  den
Tagesdurchschnitt  überschritten  haben  können,  so  standen  dieselben  doch
höchstwahrscheinlich  nicht  so  weit  über  dem  Tagesdurchschnitt  als  die
Scheckdepositen,  und  ebenso  standen  am  16.  März  1909  die  Gelddepositen
aller  Mutmaßung  nach  nicht  so  weit  unter  dem  Tagesdurchschnitt  der  Gelddepositen, ­
  wie  dies  bei  den  Seheckdepositen  der  Fall  war.
Wenn  sich  dies  nun  nicht  bewahrheitete,  d.  h.  wenn  die  Gelddepositen
genau  parallel  übereinstimmend  mit  den  Scheckdepositen  schwanken
würden,  so  müßten  wir  für  das  Geld  dieselben  Berichtigungsfaktoren
anwenden  wie  für  die  Schecks,  nämlich:  0.68  für  das  Jahr  1896  und  1.17
        <pb n="410" />
        390  Anhang  zum  XII.  Kapitel.

für  das  Jahr  1909.  Das  Resultat  ist  in  Kolonne  (4)  der  nachstehenden
Tabelle  gegeben.

Geschätzte  Gelddepositen  des  Jahres

(1)

(2)

(3)

(4)
Die  angenomme-(5)



An  dem  gewähl-Tag

  als  Durchnen

  Bericht!-Mittel

  zwischen

ten  Tage  deposchnittstag

  angegungsfaktoren



den  beiden  vorniertes

  Geld

nommen

sind  denjenigen

hergehenden  Ko-(In

  Millionen)

(In  Milliarden)

für  Scheckdepositen ­
  gleich

lonnen

1896  .  .  .

37.4

11.4

7.8

9.6

1909  .  .  .

62.9

19.1

22.3

20.7

Wir  sehen,  daß  der  richtige  Wert  des  im  Jahre  1896  in  den  Banken
deponierten  Geldes  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  zwischen  7.8  und  11.4
Milliarden  und  im  Jahre  1909  zwischen  19.1  und  22.3  Milliarden  liegen  muß.
Wenn  wir  in  jedem  der  beiden  Fälle  die  Differenz  teilen,  so  betragen  die
Schätzungen  für  das  Jahr  1896  9.6  und  für  1909  20.7.  Diese  Zahlen  können
als  ziemlich  richtig  angenommen  werden,  denn  beiderseits  gibt  es  nur  enge
Grenzen.  Den  berechneten  Grenzen  und  dem  Charakter  der  Schätzungen
dieser  Grenzen  nach  zu  urteilen,  kann  der  mutmaßliche  Irrtum  in  jedem
der  beiden  Fälle  auf  ungefähr  eine  Milliarde  gesetzt  werden.  Es  ist  natürlich
zu  beachten,  daß  dieser  Irrtum  im  Jahre  1896  verhältnismäßig  größer  ist
als  im  Jahre  1909.
Wir  haben  nun  das  erste  Glied  (die  Gesamtdepositen)  der  Formel  über
die  gesamte  Geldzirkulation  abgeschätzt  und  kommen  nun  zu  dem  Gliede
N k  +  N.  Dieses  besteht  in  den  an  andere  Klassen  vorgenommenen  Ausgaben ­
  seitens  der  „Nichtdeponenten“  und  stellt  den  Aufwand  der  Lohnempfänger ­
  dar.  Der  Census  gibt  die  Durchschnittslöhne  in  den  Manufakturindustrien ­
  mit  $  430  an.  Mr.  William  C.  Hunt  vom  Census  Bureau  hat  in
einem  nichtamtlichen  Memorandum,  in  das  er  mich  Einsicht  nehmen  ließ,
die  Zahl  der  Arbeiter  in  den  Vereinigten  Staaten  auf  ungefähr  18  400  000
abgeschätzt.  Als  annähernd  richtig  können  wir  annehmen,  daß  deren  Durchschnittslöhne ­
  dem  Durchschnitt  der  Manufakturindustrien  gleich  sind  und  sich
somit  ebenfalls  auf  $  430  belaufen.  Wir  wenden  dies  zunächst  auf  die
8.5  Millionen  Menschen  an,  welche  nach  Hunts  Schätzung  in  Fabrik-  und
Handwerksbetrieben,  sowie  im  Handel  und  Verkehr  angestellt  sind,  wonach
dieselben  ungefähr  3.7  Milharden  Dollar  an  Löhnen  erhalten.
Die  übrigen  Arbeiterklassen  bestehen  aus  Hausbedienten  und  Landarbeitern. ­
  Diesen  wird  aber  bei  der  Bezahlung  Wohnung  und  Kost  in  An ­
        <pb n="411" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

391

rechnung  gebracht.  Da  in  den  Arbeiterbudgets  Wohnung  und  Lebensmittel
mit  ungefähr  60  Prozent  figurieren,  so  können  wir  annehmen,  daß  das  den
Hausbediensteten  und  Feldarbeitern  tatsächlich  gezahlte  Geld  nur  etwa
40  Prozent  des  in  Fabrik-  und  Handwerksbetrieben  gezahlten  Geldes  beträgt,
was  ungefähr  $  170  ergibt.  Mr.  Hunt  schätzt  die  Zahl  der  Haus-  und  Feldarbeiter ­
  auf  9.9  Milüonen.  Das  gesamte  während  eines  Jahres  in  deren
Besitz  kommende  Geld  beträgt  demnach  höchstwahrscheinlich  etwa  1.7  Milliarden. ­
  Diese  Summe  zu  den  vorhergehenden  3.7  Milliarden  addiert,  ergibt
5.4  Milharden  als  Gesamtbetrag  der  in  den  Vereinigten  Staaten  gezahlten
Löhne.  Die  genannten  Zahlen  beziehen  sich  auf  das  Jahr  1900,  während
die  Zahlen  des  ersten  Gliedes  für  das  Jahr  1896  gelten.  In  der  Zwischenzeit ­
  hat  sich  zweifellos  sowohl  die  Zahl  der  Arbeiter,  als  auch  deren  Löhne
etwas  erhöht  und  beide  Zahlen  müssen  daher  berichtigt  werden.  Wir  wollen
annehmen,  daß  sich  die  Zahl  der  Arbeiter  im  gleichen  Verhältnis  wie  die
Bevölkerung  erhöhte  und  daß  letztere  während  der  Jahre  1896  und  1900
zur  selben  Jahresrate  zunahm  wie  zwischen  1890  und  1900.  Hierdurch
würden  die  5.4  Milliarden  auf  5.0  Milliarden  reduziert.  Wenn  wir  an  Stelle
der  Bevölkerungszahl  die  Zahl  der  in  Fabrik-  und  Handwerksbetrieben
Beschäftigten  annehmen,  wie  sie  vom  Arbeitsamt  gegeben  wurde  r ),  so  erniedrigt ­
  sich  die  Ziffer  auf  4.6.  Die  richtige  Zahl  hegt  vermutlich  zwischen
den  beiden  Angaben,  insofern  als  Feldarbeiter,  für  welche  wir  keine  Statistiken
besitzen,  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  nicht  so  rasch  zugenommen  haben
als  Fabrikarbeiter,  und  so  würde  demnach  die  relative  Zunahme  der  Fabrikarbeiter ­
  im  Vergleich  zu  Landwirtschaftsarbeitern,  selbst  wenn  die  Arbeit
im  großen  Ganzen  in  demselben  Verhältnis  wie  die  Bevölkerung  zunahm,
eine  höhere  Auszahlung  von  GeMlöhnen  bedeuten.  Als  der  Richtigkeit
nahe  können  wir  4.8  Milliarden  ansetzen.  Was  den  Lohnsatz  anbelangt,
so  standen  die  Indexziffern  des  Arbeitsamtes  1  2 )  für  die  Jahre  1896  und  1900
auf  99.5  bzw.  104.1.  Wir  müssen  daher  unsere  Schätzung  des  im  Jahre
1896  zur  Rate  von  104.1  zu  99.5  oder  von  4.8  Milliarden  auf  4.6  Milliarden
gezahlten  Geldlöhne  noch  weiter  reduzieren.  Außerdem  lebt  ein  kleiner
Teil  dieser  Arbeiter  im  Wohlstand  und  besitzt  Bankkontos  und  der  Aufwand
dieser  Arbeiter  darf  daher  nicht  in  die  Ausgaben  der  „Nichtdeponenten“
aufgenommen  werden.  Wir  können  hierfür  41  Milliarden  ansetzen,
womit  wir  der  Richtigkeit  wohl  ziemüch  nahekommen.
Zu  dieser  Summe  haben  wir  nun  aber  noch  diejenige  der  „Nichtdeponenten“ ­
  zu  addieren,  welche  keinen  Lohn  empfangen.  Eine  Anzahl  der  von
1 )  Bulletin  of  the  Bureau  of  Labor,  Nr.  77,  Juli  1908,  S.  7.
2 )  Ebendaselbst  S.  7.
        <pb n="412" />
        392

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

Hunt  geschätzten  2.1  Millionen  Angestellten  und  8.6  Millionen  Eigentümer
sowie  Angehörigen  der  gelehrten  Berufe  sind  zwar  keine  Arbeiter,  aber  doch
„Nichtdeponenten“.  Was  die  erstgenannten  anbelangt,  so  versichern  Geschäftsleute, ­
  daß  die  meisten  Angestellten  mit  über  8  100  Monatsgehalt
und  selbst  solche  mit  geringeren  Bezügen  ein  Bankkonto  haben.  Die  überwiegende ­
  Mehrheit  der  geschätzten  2  Milhonen  Angestellten  bezieht  höchstwahrscheinlich ­
  viel  weniger  als  $  100  per  Monat,  und  es  befinden  sich  zweifellos ­
  viele  darunter,  die,  wie  z.  B.  Bureaujungen,  weniger  bekommen  als  das,
was  gewöhnlich  Lohn  genannt  wird.  Wenn  wir  eine  ziemlich  reichliche
Schätzung  vornehmen  wollen,  so  können  wir  sagen,  daß  drei  Viertel  der
Angestellten  kein  Bankkonto  haben  und  ein  durchschnittliches  Monatsgehalt ­
  von  $  60  beziehen.  Selbst  dann  würde  das  gesamte  in  bar  gezahlte
Geld  kaum  eine  Milliarde  übersteigen.
Unter  den  Eigentümern  und  Professionisten  brauchen  wir  nur  die
Gruppe  der  Gutsbesitzer  in  Betracht  zu  ziehen  (5.7  Millionen).  Der  Rest  besteht ­
  aus  Klassen,  unter  denen  das  Bankkonto  eigentlich  ganz  allgemein  ist.
Diejenigen,  welche  kein  Bankkonto  besitzen,  können  zweifellos  zu  den  kleineren ­
  Gutsbesitzern  gerechnet  werden,  die  in  Distrikten  leben,  wo  nur  wenig
Geld  von  Hand  zu  Hand  geht.  Den  hierfür  in  Betracht  kommenden  Betrag
können  wir  auf  höchstens  4  Millionen  ansetzen,  was  über  zwei  Drittel  der
Gesamtsumme  ausmacht.  Es  ist  nun  die  Frage,  wie  hoch  sich  das  den  Deponenten, ­
  Kaufleuten  und  anderen  Personen  in  bar  gezahlte  Geld  beläuft.
Das  heißt,  wir  wollen  wissen,  wieviel  Geld  die  auf  dem  Lande  lebenden
Ladeninhaber  von  den  Landwirten  erhalten.  Zahlungen  der  letzteren  an
Wirtschaftsbedienstete  oder  an  andere  Landwirte  stellen  Zahlungen  an
andere  „Nichtdeponenten“  dar  und  kommen  hier  nicht  in  Betracht.  Für
Nahrung  und  Wohnung  oder  Landwirtschaftsprodukte,  die  sie  selbst  hervorbringen, ­
  wird  wenig  oder  gar  nichts  gezahlt.  So  soll  z.  B.  die  Heuernte
des  Landes  die  Weizenernte  an  Wert  übersteigen;  es  kommt  aber  so  wenig
Heu  auf  den  Markt,  daß  es  nur  selten  angeführt  oder  als  Marktware  betrachtet ­
  wird.  Selbst  der  Handel  der  Landwirte  mit  den  Ladeninhabem
vollzieht  sich  größtenteils  durch  Tausch  oder  Buchkredit.  Deren  Aufwand  an
Bargeld  kann  durchschnittlich  auf  weniger  als  $  250  jährlich  pro  Landwirt
beziffert  werden,  was  höchstens  etwas  weniger  als  eine  Milliarde  Dollar  ausmacht
  (selbst  wenn  die  Zahl  dieser  Landwirte  auf  4  Millionen  angesetzt  wird).
Wir  können  daher  mit  ziemlicher  Gewißheit  annehmen,  daß  nach  Anrechnung ­
  einer  Milliarde  für  Angestellte  und  einer  Milliarde  für  Landwirte,
der  gesamte  Aufwand  der  „Nichtdeponenten“  4^  +1  +  1  ==  Milliarden
nicht  übersteigen  kann.
        <pb n="413" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

393

Andererseits  kann  der  Aufwand  kaum  weniger  als  5  Milliarden  betragen. ­
  Wollen  wir  ihn  auf  diese  Zahl  reduzieren,  so  müßten  wir  schon
die  „Nichtdeponenten“,  die  keinen  Lohn  empfangen,  weglassen  oder  in  der
Schätzung  der  Löhne  mit  einem  großen  Irrtum  rechnen.
Wir  ziehen  also  den  Schluß,  daß  das  zweite  Glied  für  das  Jahr  1896
zwischen  5  und  61  Milliarden  hegen  muß.  Wenn  wir  die  Mitte  der  beiden
Summen  annehmen,  so  erhalten  wir  ungefähr  5.7  Milharden  mit  einem
möglichen  Irrtum  von  0.7  oder  0.8.  Eine  gleiche  Berechnung  für  das  Jahr
1909  ergibt  für  das  zweite  Glied  13.1  Milliarden,  bei  einem  möghchen  Irrtum
von  1.0.  Wir  möchten  hier  aus  dem  bereits  erwähnten  Artikel  von  Prof.
Kinley  folgende  Passage  zitieren 1 ):
„Das  zweite  Glied  der  Formel  besteht  aus  Geldzahlungen  seitens  der
„Mchtdeponenten“,  die  nach  Prof.  Fisher’s  Ansicht  in  der  Hauptsache  aus
Arbeiterlöhnen  zusammengebracht  wurden.  Nachstehende  Tabelle  gibt  eine
Schätzung  der  Zunahme  in  gewissen  Berufen  während  der  Jahre  1900—1909,
und  zwar  auf  Grund  des  Zunahme-Prozentsatzes  von  1890—1900,  sowie
auf  Grund  des  Zensus  und  der  Eisenbahneingänge  seit  1900.  Die  Zahl  der
gehaltbeziehenden  Beamten  wurde  nach  Möglichkeit  ausgeschaltet:

Landwirtschaftliche  Betriebe
Häuslicher  und  persönlicher  Dienst
Zusammen  ..
Handel  und  Verkehr
Industrie  und  Gewerbe
Zusammen  ..

Zunahme

Schätzung

1890

1900

Prozent

1909

8,565.926  10,381.765

21,2

12,362.605

4,220.812

5,580.657

32,2

7,377.628

19,740.233

1,977.491

2,617.479

35.2

4,276.913

4,251.613

5,208.406

6,935.113

11,211.026

„Eine  auf  Grund  der  Zahlen  des  Census  Bulletins  Nr.  93  vorgenommene
ungefähre  Berechnung  ergibt  zirka  $  550  als  Durchschnittsjahreslohn  in
Fabrikbetrieben.  Wenn  wir  Handwerksberufe  mit  einschließen  wollen,  so
müßte  der  Durchschnitt  wohl  etwas  erhöht  werden.  .$  600  wäre  für  diese
Klasse  eigentlich  richtiger.
„Ebenso  gibt  der  Bericht  der  Interstate  Commerce  Commission  für  1907
Zahlen,  aus  denen  hervorgeht,  daß  der  Durchschnitts-Jahreslohn  ungefähr
$  640  beträgt.  Es  ist  nicht  so  leicht,  eine  Basis  zur  Abschätzung  der  Geldlöhne ­
  der  in  landwirtschaftlichen  und  häuslichen  Diensten  Beschäftigten  zu
erhalten.  Jedenfalls  ist  es  schwieriger,  als  man  auf  den  ersten  Blick  annehmen ­
  könnte.  Die  Geldlöhne  der  Hausbediensteten  betragen  zur  Zeit

)  Publications  of  the  American  Statistical  Association,  März  1910.
        <pb n="414" />
        394

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

durchschnittlich  nicht  weniger  als  $  250  per  Jahr.  Landwirtschaftliche
Arbeiter  erhalten  jetzt  einen  höheren  Lohn  als  früher  und  die  Summe  von
$  300  bis  $  350  dürfte  hierfür  wohl  nicht  zu  hoch  gegriffen  sein.  Wir  gelangen ­
  daher  zu  folgenden  Zahlen:
Handel  und  Verkehr  4.3  Millionen  zu  $  640  $  2,752  Millionen
Industrie  und  Gewerbe  6.9  Millionen  zu  $  550  $  3,790  Millionen
Landwirtschaftliche  Betriebe  12.4  Milhonen  zu  $  300  $  3,720  Millionen
Häuslicher  u.  persönlicher  Dienst..  7.4  Milhonen  zu  $  250  $  1,850  Millionen

Angestellte  usw.,  die  kein  Bankkonto
haben  $  1,000  Milhonen
Zusammen  $  13,112  Milhonen.

„Vorstehende  Zahlen  ergeben  das  zweite  Glied  der  Formel.“
Wir  haben  nun  die  ersten  beiden  Glieder  (die  zusammen  die  sogenannte
annähernde  Berechnung  konstituieren)  für  1896  und  1909  abgeschätzt.
Zu  diesem  ersten  Näherungswert  muß  der  übrige  Teil,  nämlich  r,  addiert
werden,  der  aus  den  bereits  erklärten  Gliedern  besteht,  die  wir  meistenteils
nicht  mit  Gewißheit  kennen  und  von  denen  wir  nur  wissen,  daß  dieselben
gering  sind.  Der  Ausdruck  „gering“  hat  stets  eine  relative  Bedeutung  und
in  diesem  Falle  ist  für  das  Jahr  1896  dasjenige  Glied  gering,  welches  mit
16  Milliarden  verglichen  gering  ist.  160  Millionen  sind  z.  B.  eine  Kleinigkeit,
da  sie  von  16  Milliarden  nur  1  Prozent  darstellen,  während  16  Millionen
nur  das  Zehntel  eines  Prozents  bedeuten.  Zum  Zweck  eines  Vergleichs  der
verschiedenen  Posten,  aus  denen  r  zusammengesetzt  ist,  bedarf  es  keiner
genauen  Statistik.  Wir  brauchen  einzig  und  allein  zu  wissen,  daß  r  gering
ist  und  daß  es  ungefähr  so  wie  der  übrige  Teil  der  Zirkulation  variiert.  Ein
großer  Fehler  in  der  Schätzung  ruft  unter  diesen  Umständen  nur  einen
kleinen  Fehler  bei  Vergleichen  hervor.  Ein  Fehler  in  der  Schätzung  könnte
die  Vergleiche  nur  dann  in  hohem  Maße  berühren,  wenn  r  in  bezug  auf
die  anderen  Glieder  sofort  groß  und  veränderlich  ist.  Der  Versuch,  r  zu
schätzen,  wurde  weniger  zum  Zweck  der  Erlangung  dessen  absoluten  Wertes
als  vielmehr  zur  Festsetzung  breiter  und  sicherer  Grenzen  gemacht.
Die  Größe  r  besteht  aus  sämtlichen,  dem  zweiten  Posten  folgenden
fünf  Gliedern.  Wir  wollen  dieselben  der  Reihe  nach  vornehmen.
Das  dritte  Glied  der  Formel  ist  C 0  +  C n  —  B c .  Es  stellt  den  aus  Kassen  -
geld  bezahlten  kommerziellen  Aufwand  oder  den  Überschuß  des  von  „kommerziellen ­
  Deponenten“  gezahlten  und  aus  den  Banken  entnommenen
Geldes  dar.  Eine  persönliche  Nachfrage  ergab,  daß  der  größte  Teil  des  von
„kaufmännischen  Deponenten“  den  Banken  entnommenen  Geldes  für  Lohnzahlungen ­
  verwendet  wird.  Ebenso,  daß  der  größte  Teil  des  von  „kauf ­
        <pb n="415" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

395

männischen  Deponenten“  ausgegebenen  Bargeldes  für  Lohn  verwandt  wird.
Mit  anderen  Worten:  K a  ist  im  Vergleiche  zu  K n  sehr  gering,  und  die  Summe
der  beiden  ist  nahezu  die  gleiche  wie  B k .  Die  Differenz  K a  +  K n  B k ,
d.  h.  die  aus  Kassengeld  bezahlten  Ausgaben,  ist  daher  fast  gleich  Null.
Die  aus  Kassengeld  bezahlten  Auslagen,  die  größtenteils  aus  Löhnen  bestehen, ­
  und,  den  gemachten  Erfahrungen  gemäß,  nur  ein  kleiner  Teil  der
Gesamtlöhne  (44-Milliarden)  —  die  sicherlich  ein  Zehntel  nicht  übersteigen
können  für  das  Jahr  1896  auf  weniger  als  eine  halbe  Milliarde  und  für  das
Jahr  1909  auf  weniger  als  eine  Milliarde  angesetzt  werden.
Das  vierte  Glied  (K a  +  N a  —  A h )  besteht  aus  den  Geldeinnahmen  von
A,  welche  nicht  deponiert,  sondern  vereinnahmt  werden.  Nun  sind  diese
Geldeinnahmen  von  A,  nämlich  K a  und  N a  zunächst  gering,  denn  die  Deponenten ­
  (A)  empfangen  ihre  Dividenden,  Zinsen  und  Gehälter  gewöhnlich
per  Scheck.  Eine  Hauptausnahme  bilden  hier  Mieten  und  die  seitens  der
Arbeiter  an  Hauswirte,  Ärzte  usw.  geleisteten  Zahlungen,  die  den  größten
Teil  von  N a  bilden.  Diese  von  Arbeitern  an  Privatpersonen  gezahlten  Mieten
und  Honorare  bedeuten  aber  nur  einen  Teil  der  seitens  der  Arbeiter  gezahlten
Gesamtmieten  und  Honorare  und  die  Gesamtmieten  und  Honorare  selbst
figurieren  in  den  Statistiken  der  Arbeiterbudgets  nur  mit  ungefähr  20  Prozent
der  Löhne.  Nach  diesen  und  anderen  Anhaltspunkten  können  wir  als  obere
Grenze  für  das  vierte  Glied  des  Jahres  1896  bestimmt  eine  halbe  Milliarde
ansetzen.  Prof.  Kinley  nimmt  für  das  Jahr  1909  als  obere  Grenze  0.8  Milliarden ­
  an.
Das  fünfte  Glied  Qt  +  a  +  n)  repräsentiert  die  Zirkulation  innerhalb
jeder  der  drei  Gruppen.  Offenbar  zirkuliert  Geld  zwischen  einem  „kaufmännischen ­
  Deponenten“  und  einem  anderen,  zwischen  zwei  „anderen
Deponenten“  oder  zwischen  zwei  „Nichtdeponenten“  nur  in  unbedeutenden
Fällen.  Für  das  Jahr  1896  wurde  als  äußerste  Grenze  eine  halbe  Milliarde
angesetzt  und  Prof.  Kinley  nahm  für  1909  0.8  an.  Darunter  ist  zu  verstehen,
daß  von  jeden  fünfunddreißig  ausgegebenen  Dollars  ungefähr  ein  Dollar
anderen  Personen  innerhalb  der  Klasse,  zu  welcher  der  Ausgebende  gehört,
weitergegeben  wird.  Soweit  mir  durch  persönliche  Umfrage  festzustellen
möglich  war,  ist  universeller  Aussage  gemäß  das  richtige  Verhältnis  der
wenigen  Repräsentanten  von  k,  a  und  n  tatsächlich  geringer  als  das  genannte.
Die  übrigen  drei  Glieder  sind  von  noch  geringerer  Bedeutung.  Wenn
sich  die  „KV-Gruppe“  im  Zustande  normalen  Gleichgewichts  befindet,  steht
das  sechste  und  siebente  Glied  substantiell  auf  Null.  Das  achte  Glied,  nämlich
das  den  Banken  durch  Personen,  die  kein  Bankkonto  haben,  entnommene
Geld  stellt  nur  ganz  außergewöhnliche  Fälle  dar,  wie  z.  B.  wenn  Arbeiter
        <pb n="416" />
        396

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

in  Banken  Schecks  kassieren,  denn  es  kommt  selten  vor,  daß  Arbeiter  Schecks
einzulösen  haben,  und  wenn  dies  der  Fall  ist,  so  geschieht  es  gewöhnlich  in
Läden  und  Schankwirtschaften.
Die  Schätzungen  für  jedes  einzelne  der  acht  Glieder  sind  in  nachstehender ­
  Tabelle  zusammengefaßt.  Bei  jedem  Glied  wurde  die  Mitte  zwischen
der  oberen  und  unteren  Grenze  als  richtig  angenommen,  wobei  jede  mögliche
Variation  nach  der  einen  oder  anderen  Richtung  hinter  dem  Zeichen  „±“
angegeben  wurde.  Unter  $  300  000  000  ±  300  000  000  ist  zu  verstehen,
daß,  obgleich  $  300  000  000  als  Schätzung  gilt,  der  richtige  Wert  um  eine
Summe,  die  $  300  000  000  nicht  übersteigt,  höher  oder  niedriger  sein  kann;
mit  anderen  Worten,  daß  der  wahre  Wert  zwischen  $  600  000  000  und  Null
liegt.  Da  diese  Zahl  durch  2  besser  zu  dividieren  ist,  haben  wir  in  der  Tabelle
statt  halben  Milliarden  $  600  000  000  genommen.  Die  Tabelle  enthält  Ergebnisse ­
  für  beide  Jahre,  und  „mögliche  Irrtümer“  wurden  in  jedem  Falle
reichlich  abgeschätzt.  Tatsächlich  wurden  viele  dieser  „möglichen“  Irrtümer
ungewöhnlich  hoch  angesetzt.

1896

1909

1.  Deponiertes  Geld  (K b  -f  A b  +  N)

9.6  ±1.5

20.7  ±  1.5

2.  Ausgaben  der  „Nichtdeponenten“  (N k  +  N a )....

5.7  ±  0.7

13.1  ±1.0

3.  K's  Ausgaben  aus  der  Ladenkasse  (K a  +  K n  —  B b )

0.3  ±  0.3

0.5  ±  0.5

4.  A'&amp;amp;  Eingänge,  zur  sofortigen  Verfügung  gehalten
(K a  +  N a -A b )

0.3  ±  0.3

0.4  ±0.4

5.  Innerhalb  der  Klassen  stattfindende  Zirkulation
(1c  +  a  +  n)

0.3  ±  0.3

0.4  ±0.4

6.  Im  Diagramm  nicht  dargestellter  Nettoabfluß  von
KN  (g  +  h  +  a)

0.0  ±0.1

0.0  ±.2

7.  Nettozunahme  des  Geldes  von  KN  (s)

0.0  ±0.1

0.0  ±  .2

8.  Geldentnahme  aus  Banken  durch  „Nichtdeponenten“ ­
  (—  B n )

—0.001  ±  0.001

—0.001  ±.001

16.2  ±  2

36.1  ±  2

Die  ersten  beiden  Glieder  (S')  konstituieren  den  Hauptteil  der  Gesamtsumme. ­
  Die  übrigen  sechs  Glieder  (r)  machen  in  jedem  der  beiden  Jahre
unter  einer  Milharde  mehr  aus.  Die  Gesamtsumme  beläuft  sich  auf  ungefähr
16  Milliarden,  welche  die  abgeschätzte  Geldzirkulation  in  den  Vereinigten
Staaten  für  das  Jahr  1896  darstellen.  Diese  Schätzung  kann  Irrtümern
unterhegen,  doch  können  dieselben  nicht  so  groß  sein  als  diejenigen  der
Gesamtsumme  der  möglichen  Irrtümer  der  Einzelgheder,  welche  über  drei
Milliarden  betragen.  Selbst  wenn  jeder  der  angegebenen  möglichen  Fehler
ebenso  wahrscheinlich  wie  unwahrscheinlich  wäre,  so  beliefe  sich  die  Möglichkeit, ­
  daß  die  Irrtümer  in  allen  acht  Fällen  gleichzeitig  in  ein-  und
        <pb n="417" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

397

derselben  Richtung  auftreten,  auf  (l) 8 ,  d.  h.  es  gäbe  unter  256  Fällen  einen
möglichen  Fall.  Wir  können  daher  „auf  gut  Glück“  annehmen,  daß  sich  die
Irrtümer  einigermaßen  aufheben.  Die  Möglichkeit,  daß  der  Irrtum  die  Summe
derjenigen  der  ersten  drei  Glieder,  oder  der  3  Milliarden  erreicht,  beträgt
tatsächlich  weniger  als  die  Hälfte.  Der  „mutmaßliche  Irrtum“  kann  daher
mit  ziemlicher  Gewißheit  auf  weniger  als  2  Milliarden  gesetzt  werden.
Wenn  wir  die  für  den  Gesamt-Geldumlauf  erhaltenen  Zahlen  durch  die
Zahlen  des  in  Umlauf  befindlichen  Geldbetrages  dividieren,  so  erhalten  wir
die  Zahl  der  Umlaufsgeschwindigkeit.  Letztere  beträgt  für  das  Jahr  1896
18.6  und  für  das  Jahr  1909  21.5;  die  Veränderung  ist  demnach  auffallend
gering.
Zurückkommend  auf  die  Bemerkung,  mit  der  wir  die  Erörterung  des
Geldumlaufes  einleiteten,  nämlich,  daß  das  Geld  außerhalb  der  Banken  nur
selten  zirkuliert,  wollen  wir  nun  unsere  statistischen  Ergebnisse  im  Lichte
dieser  Tatsache  betrachten.
Wenn  sämtliches  Geld  nur  einmal  zirkulierte,  dann  würde  der  Bankbericht ­
  für  das  Jahr  1896,  nach  welchem  jährlich  ungefähr  91  Milliarden
Geld  in  die  Banken  und  aus  den  Banken  fließen,  das  Volumen  der  während
eines  Jahres  erledigten  Arbeit  genau  anzeigen.  Es  würde  demnach  9k  Milliarden ­
  betragen.  Unserer  Darlegung  gemäß  beträgt  aber  die  richtige  Zahl
ungefähr  16  Milharden,  woraus  hervorgeht,  daß  ein  Teil  der  von  den  Banken
abströmenden  91  Milliarden  vor  seiner  Rückkehr  in  die  Banken  seinen
Besitzer  mehr  als  einmal  wechselt.
Nehmen  wir  nun  an,  daß,  mit  Ausnahme  jenes  Teils,  der  durch  die
Hände  der  „Nichtdeponenten“  geht  (6  Milliarden),  diese  9-1  Milliarden
sämtlich  nur  einmal  zirkulieren,  während  der  erstere  eine  zweimalige  Zirkulation ­
  erfährt.  Dann  zirkulieren  3^  Milliarden  nur  einmal.  Unter  dieser
Annahme  beträgt  die  gesamte  Austauschsumme  3|  -f  2  X  6  =  151  Milliarden. ­
  Tatsächlich  haben  wir  aber  16  Milliarden  herausgerechnet.  Die
Differenz  von  einer  halben  Milliarde  ist  hauptsächlich  auf  das  außerhalb  der
Banken  mehr  als  zweimal  zirkulierende  Geld  zurückzuführen.
Die  gesamten  16  Milliarden  können  am  besten  aufgerechnet  werden,  wenn
man  die  aus  den  Banken  fließenden  9^  Milliarden  in  drei  Ströme  teilt,  und
zwar  in  3|  Milliarden,  die  nur  ein  einziges  Mal  zirkulieren,  in  51  Milliarden,
die  nur  zweimal  zirkulieren  und  in  eine  halbe  Milliarde,  die  dreimal  zirkuliert.
Dies  ergibt  31  -f-  2  x  51  +  3  x  ^  =  16  Milliarden.  Der  erste  Teil  (3  \  Milliarden) ­
  besteht  in  der  Hauptsache  aus  dem  von  „anderen  Deponenten“
für  deren  Auslagen  gezogenes  Geld,  der  zweite  Teil  (5-J-  Milliarden)  stellt
das  Geld  dar,  das  den  Banken  für  Löhne  und  andere  an  „Nichtdeponenten“
        <pb n="418" />
        398

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

geleistete  Zahlungen  entnommen  wurde,  während  der  dritte  Teil  (1  Milliarde)
den  unbedeutenden  Betrag  repräsentiert,  der  nicht  auf  andere  Weise  aufgerechnet
  wurde.  Dies  ist  jedoch  nur  eine  ganz  ungefähre  Einteilung.  Ein
ganz  kleiner  Teil  zirkuliert  öfter  als  dreimal 1 ).
Auf  ähnliche  Weise  müssen  die  durch  die  Hände  der  „Nichtdeponenten“
gehenden  13  Milliarden  aus  den  in  die  Banken  und  aus  den  Banken  fließenden ­
  21  Milliarden  für  das  Jahr  1909  zweimal  oder  öfter  zirkuliert  haben,
was  26  Milliarden  der  Gesamtzirkulation  oder  mehr  (35  Milliarden)  entsprechen ­
  würde,  wobei  21—13,  oder  8  Milliarden  mit  einmaliger  Zirkulation
übrig  bleiben.  Dies  bezieht  sich  auf  26  +  8  oder  34  Milliarden.  Die  gesamten
35  Milliarden  werden  aufgebracht,  wenn  man  die  aus  den  Banken  fließenden
21  Milliarden  in  folgende  drei  Ströme  einteilt:
In  8  Milliarden  mit  nur  einmaliger  Zirkulation  ...  8  Milliarden
In  12  Milliarden  mit  zweimaliger  Zirkulation  24  Milliarden
In  1  Milliarde  mit  dreimaliger  Zirkulation  3  Milliarden.
Die  gesamten  aus  den  Banken  fließenden  21  Milliarden  vollbringen  vor  ihrer
Rückkehr  in  die  Banken  35  Milliarden  der  Zirkulation.
Die  ersten  beiden  Glieder  der  Formel  für  die  Geldzirkulation  ergeben
aus  dem  für  das  Jahr  1896  abgeschätzten  Gesamtbetrag  von  16  Milliarden
die  Summe  von  15\  Milliarden  und  aus  demjenigen  von  35  Milliarden  für
1909  34  Milharden,  woraus  hervorgeht,  daß  der  Rest,  wenn  derselbe  nicht
bedeutend  unterschätzt  wurde,  relativ  gering  ist.  Das  Eigentümhche  hierbei
ist,  daß  die  statistisch  am  schwersten  abzuschätzenden  Glieder  die  geringste
Bedeutung  haben.  Von  den  beiden  den  „ersten  Näherungswert“  konstituierenden ­
  Gliedern  ist  das  erste  und  bedeutendste  von  allen  der  akkuratesten
Bestimmung  fähig,  während  das  zweite  hauptsächlich  aus  Löhnen  besteht,
welche  ebenfalls  statistischer  Festsetzung  fähig  sind  oder  es  zu  werden
scheinen.
Wollten  wir  als  statistischen  Notbehelf  für  den  ersten  Näherungswert
tatsächlich  nur  den  jährlich  aus  den  Banken  gezogenen  Geldbetrag  zu  den
jährlichen  Geldlöhnen  addieren,  so  würden  die  16  Milliarden  des  Jahres
1896  aus  9JL  +  4|-  oder  14  Milliarden  bestehen  und  nur  2  Milliarden  übrig
1 )  Um  jede  Unklarheit  zu  vermeiden,  möchten  wir  den  Leser  darauf  aufmerksam
machen,  daß  wir  es  hier  nicht  mit  bestimmten  Münzen,  sondern  mit  Geldsummen  zu  tun
haben,  die  für  Güter  ausgegeben  wurden.  Viele  Münzen  bleiben  vor  ihrer  Rückkehr  in
die  Bank  lange  Zeit  „in  Umlauf“,  da  sie  zum  Geldwechseln  dienen.  Zum  Wechseln  benutztes
Geld  figuriert  aber  in  den  Ausgaben  als  Subtraktionsglied.  Wenn  gegen  einen  Einkauf
ihr  S  8  $  10  gezahlt  und  $  2  zurückgegeben  werden,  so  haben  $  12  den  Besitzer  gewechselt,
wenngleich  in  der  monetären  Zirkulation  nur  $  8  gegen  Güter  effektuiert  wui  den.
        <pb n="419" />
        bleiben,  die  aus  anderen  Ursachen  erklärt  werden  müssen.  Mit  anderen
Worten:  Dieser  Notbehelf  —  der  für  die  statistische  Bemessung  geeignetste
Teil  —  entspricht  ungefähr  88  Prozent  der  Gesamtzirkulation,  wobei  bloß
12  Prozent  für  jenen  Teil  übrig  bleiben,  welcher  nur  innerhalb  weiter  Grenzen
festgesetzt  werden  kann.  Aus  35  Milharden  des  Jahres  1909  betrugen  die
Depositen  plus  Löhnen  ungefähr  32  Milliarden,  also  über  90  Prozent.  Ein
noch  einfacherer  Notbehelf  besteht  darin,  daß  man  die  Depositen  zu  den
Gesamüöhnen  addiert,  ohne  den  in  Geld  gezahlten  Teil  ermitteln  zu  wollen.
Dieser  Notbehelf  ist  aus  dem  Grunde  zu  rechtfertigen,  weil  Gesamtlöhne
genauer  zu  ermitteln  sind  als  der  in  Geld  bezahlte  Teil  und  daß  letzterer
aller  Vermutung  nach  von  Jahr  zu  Jahr  ein  ziemlich  konstantes  Verhältnis
zu  den  Gesamtlöhnen  beibehält.  Die  hier  angegebenen  beiden  Teile  können
in  einen  meßbaren  (das  erste  Glied  unserer  Formel  (1)'  und  den  größten  Teil
des  zweiten  Gliedes  umfassenden)  und  einen  auf  Mutmaßungen  gegründeten
Teil  (den  Rest  des  zweiten  Gliedes  und  die  anderen  sechs  Glieder  umfassenden ­
  Teil)  gesondert  werden.  Selbst  wenn  letzterer  nur  zur  Hälfte  auf  Richtigkeit ­
  beruhte,  so  würde  der  meßbare  Teil  noch  immer  ein  sicherer  praktischer ­
  Index  oder  ein  Barometer  der  Veränderungen  im  Zirkulationsvolumen
sein.  Im  Vergleich  zum  meßbaren  Teil  würde  jeder  sich  auf  das  Ganze
ausdehnende  Exzeß  einer  Veränderung  in  dem  auf  Mutmaßungen  gegründeten ­
  Teil  nur  eine  ein  Viertel  so  große  Störung  hervorbringen.  Man  kann
wohl  annehmen,  daß  der  auf  Mutmaßungen  gegründete  und  der  meßbare
Teil  gewöhnüch  zugleich  variieren.  Wenn  der  meßbare  Teil  um  10  Prozent
variiert,  so  kann  natürlicherweise  angenommen  werden,  daß  der  auf  Vermutungen ­
  gegründete  Teil,  ebenso  wie  die  Gesamtsumme  beider  Teile  in
gleicher  Weise  variiert.  Nehmen  wir  nun  aber  an,  daß  dies  auf  einem
Irrtum  beruht,  und  daß  der  auf  Vermutungen  gegründete  Teil  in  Wirklichkeit
um  14  Prozent  oder  um  6  Prozent,  und  der  meßbare  Teil  um  10  Prozent  variiert. ­
  Die  Differenz  zwischen  ersteren  und  letzteren,  d.  h.  die  4  Prozent,
welche  einen  angenommenen  Exzeß  oder  ein  Fehlen  der  Variation  repräsentieren, ­
  würden  in  der  Gesamtsumme  eine  Differenz  von  nur  1  Prozent  ausmachen. ­
  Das  heißt,  die  Gesamtsumme  würde,  anstatt  um  10  Prozent,  um
11  Prozent  oder  um  9  Prozent  variieren.  Offenbar  kann  also  jede  unbekannte
Variation  in  dem  auf  Mutmaßungen  gegründeten  Teil  im  Resultate  nur
geringfügig  sein.  Mit  anderen  Worten:  Der  meßbare  Teil  stellt  stets  einen
guten  Index  der  Gesamtsumme  und  demgemäß  ein  zuverlässiges  Zirkulationsbarometer ­
  dar.  Wenn  wir  diesen  Teil  durch  die  Quantität  des  in  Zirkulation ­
  befindlichen  Geldes  dividieren,  so  erhalten  wir  eine  Zahl,  welche
die  relative  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  von  Jahr  zu  Jahr  anzeigt.

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

399
        <pb n="420" />
        400

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

Wir  kommen  daher  zu  dem  Schlüsse,  daß  die  Gelddepositen  plus  Löhnen,
dividiert  durch  das  in  Umlauf  befindliche  Geld  stets  ein  gutes  Barometer  der
Umlaufsgeschwindigkeit  abgeben.
Es  ist  nicht  immer  der  absolute,  sondern  der  unter  verschiedenen  Umständen ­
  existierende  relative  Wert  einer  Größe,  den  wir  am  brauchbarsten
finden.  Wenn  wir  die  relative  Länge  zweier  Schiffe  vergleichen  wollen,
so  können  wir  deren  Wasserlinie  messen,  bei  welcher  Methode  allerdings
der  an  beiden  Enden  überhängende  Teil  nicht  berücksichtigt  wird.  Ein
solcher  Vergleich  kann  bei  zwei  beliebigen  Schiffen,  und  mit  großer  Genauigkeit ­
  bei  zwei  Schiffen  von  gleicher  Bauart  angestellt  werden.  In  ähnlicher
Weise  ermöglicht  das  vorerwähnte  Barometer  ungefähre  Vergleiche  zweier
Länder  mit  Bankeinrichtungen  vergleichbarer  Art  und  ziemlich  genaue
Vergleiche  zweier  aufeinanderfolgender  Jahre  für  ein  und  dasselbe  Land.
Das  richtige  statistische  Verfahren  wäre  daher,  den  auf  Vermutungen
gegründeten  Teil  mit  einer  abgeschätzten,  als  konstanten  Faktor  an  den
meßbaren  Teil  anzuwendenden  Prozentsatz-Korrektur  zu  versehen.  Vermutlich ­
  wären  in  den  verschiedenen  Ländern  verschiedene  Korrektur-Faktoren
anzuwenden,  wie  z.  B.  in  den  Vereinigten  Staaten  10  Prozent,  in  England
20  Prozent,  in  Frankreich  30  Prozent  usw.  Der  Hauptwert  solcher  mutmaßlichen ­
  Korrekturen  besteht  darin,  daß  Umlauf  und  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  in  den  verschiedenen  Ländern  ungefähr  verglichen  werden  können.  Bei
Vergleichen  verschiedener  Zeiten  in  ein  und  demselben  Lande  ist  es  ziemlich
unwesentlich,  welche  Prozentsatz-Korrektur  angenommen,  oder  ob  eine
solche  überhaupt  angenommen  wird.
Vermittelst  der  bereits  erklärten  Methode  glaubt  man  in  Zukunft  interessante ­
  und  wertvolle  Resultate  zu  erzielen,  wenn  die  Statistiker  der  verschiedenen ­
  Länder  sich  folgende  Angaben  sichern  können:  1.  das  jährlich
in  den  Banken  deponierte  gesamte  Geld  (mit  Ausnahme  des  von  anderen
Banken  deponierten)  oder,  was  eigentlich  auf  dasselbe  hinausläuft,  das
gesamte  den  Banken  entnommene  Geld  (mit  Ausnahme  des  von  anderen
Banken  gezogenen);  2.  die  ausgegebenen  Gesamtlöhne,  oder,  was  beinahe
dasselbe  ist,  die  empfangenen  Gesamtlöhne;  3.  falls  gewünscht,  die  Hinzufügung ­
  eines  mutmaßlichen  Prozentsatzes  zwecks  Berücksichtigung  des
übrigen  und  weniger  bekannten  Teils  unserer  Formel;  4.  das  gesamte  in
Umlauf  befindliche  Geld.  Die  Jahressumme  von  1  und  2  korrigiert  mit  3
und  dividiert  durch  4  bildet  nicht  nur  ein  ganz  akkurates  Barometer  der
relativ  betrachteten  Umlaufsgeschwindigkeit,  sondern  auch  eine  richtige
Näherung  des  absoluten  Wertes.  Durch  ein  Weglassen  des  Postens  3  werden
die  Resultate  für  relative  Vergleichszwecke  nicht  beeinflußt.
        <pb n="421" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

401

Nach  den  über  diesen  Gegenstand  von  Jevons,  Landry  und  anderen
gemachten  Äußerungen  kann  die  Wichtigkeit  solcher  genauer  Bestimmungen
kaum  überschätzt  werden.  Wenn  wir  statistisch  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes  kennen,  sind  wir  in  der  Lage,  die  „Quantitätstheorie“  des
Geldes  induktiv  zu  studieren  und  die  Bedeutung  dieser  Geschwindigkeit
in  bezug  auf  Krisen,  Reichtumsanhäufung,  Bevölkerungsdichte,  Transportund
  Verbindungsmittel  und  viele  andere  Umstände  zu  erforschen.  Es  eröffnet
sich  uns  in  der  Tat  ein  neues  Gebiet  der  Geldstatistik.

§  8  (zum  XII.  Kapitel,  §  4).
Interpolation  von  U-Werten  für  die  Jahre  1897—1908.
Um  TJ-Werte  zu  interpolieren,  nehmen  wir  zwei  extreme  Hypothesen
an:  einerseits  eine  äußerste  Stetigkeit  und  andererseits  eine  extreme
V  eränderlichkeit.
Die  erste  dieser  Hypothesen  ist,  daß  TJ  sich  in  stetigem  Fortschreiten
von  seinem  Werte  18.6  im  Jahre  1896  zu  seinem  Werte  21.5  im  Jahre  1909
verändert.  Dies  würde,  ohne  jedwede  zeitweilige  Schwankung,  ein  vollkommen ­
  regelmäßiges  Wachsen  mit  der  Zeit  in  sich  schließen.  Es  ist
jedoch  unwahrscheinlich,  daß  die  Umlaufsgeschwindigkeit  des  Geldes  von
Jahr  zu  Jahr  keinerlei  Schwankungen  unterworfen  sein  sollte.  Wir  haben
gesehen,  daß  theoretisch  unter  normalen  Verhältnissen  die  Geldausgaben
(GTJ)  die  Tendenz  haben,  mit  den  Scheckausgaben  (G'TJ')  gleichen  Schritt
zu  halten.  Wenn  diese  Übereinstimmung  eine  vollkommene  wäre,  so  wäre
das  Verhältnis  von  GTJ  zu  G'  TJ',  wenn  auch  nicht  konstant,  so  doch  wenigstens ­
  ein  solches,  das  sich  in  vollkommener  Übereinstimmung  mit  der  Zeit
verändert.  Nun  beträgt  dieses  Verhältnis  für  das  Jahr  1896  16.7  Prozent
und  für  1909  9.6  Prozent.  Wenn  wir  für  die  dazwischenliegenden  13  Jahre
eine  vollkommen  gleichmäßige  Veränderung  in  diesem  Verhältnis  anzunehmen ­
  hätten,  so  würde  sich  der  ergebende  Z7-Wert  ganz  bedeutend  verändern. ­
  Diese  Annahme  bildet  unsere  zweite  Hypothese  extremer  Veränderlichkeit. ­
  Die  Tabelle  auf  Seite  402  zeigt  das  Ergebnis  der  beiden  extremen ­
  Hypothesen.  Wir  ersehen  daraus,  daß  im  allgemeinen  kein  großer
Unterschied  zwischen  ihnen  ist.
Eine  nachträgliche  Berechnung  offenbart  die  interessante  Tatsache,
daß  die  „Hypothese  extremer  Veränderlichkeit“  ein  annähernd  gleiches
Schwanken  der  Geldgeschwindigkeit  wie  das  der  Depositengeschwindigkeit
hervorrufen  würde.  Wenn  wir  die  Differenz  zwischen  den  beiden  extremen
Kiaher,  Kaufkraft  des  Geldes.  26
        <pb n="422" />
        402

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

(1)

(2)

(3)

Jahr

Hypothese
extremer
Stetigkeit

Hypothese
extremer  Veränderlichkeit. ­
  U  verändert ­
  sich  nach
Erfordernis,
um  das  gleichförmige ­
  Veränderungsverhältnis ­
  von
Gü  zu  G'V  beizubehalten ­


Mittel  der
beiden
Hypothesen

1896

18.6

18.6

18.6

1897

18.8

19.4

19.1

1898

19.0

20.6

19.8

1899

19.3

24.4

21.9

1900

19.5

20.4

20.0

1901

19.7

23.9

21.8

1902

19.9

23.6

21.8

1903

20.2

20.9

20.6

1904

20.4

20.9

20.7

1905

20.6

23.0

21.8

1906

20.8

22.5

21.7

1907

21.1

21.0

21.1

1908

21.3

18.6

20.0

1909

21.5

21.4

21.5

Hypothesen  —  die  der  extremen  Stetigkeit  und  die  der  extremen  Veränderlichkeit ­
  —  teilen,  so  erhalten  wir  das,  was  wir  als  annähernd
richtige  Schätzung  der  wirklichen  Geschwindigkeit  annehmen  können.  In
den  meisten  Fällen  ist  sie  wahrscheinlich  für  die  ersten  beiden  Ziffern  richtig.
Selbst  für  die  Jahre  1896  und  1909  können  wir  nicht  annehmen,  daß  die
dritte  Ziffer,  nämlich  jene  hinter  dem  Dezimalpunkt,  korrekt  ist,  um  so
weniger  kann  sich  dies  für  die  dazwischenliegenden  Jahre  bestätigen.  Doch
ist  es  manchmal  ratsam,  die  Berechnungen  bis  auf  eine  Ziffer  hinter  „der
letzten  bezeichnenden  Zahl“  auszuführen.

§  9  (zum  XII.  Kapitel,  §  5).
Methode  zur  Berechnung  von  2T.
Die  Tabelle  im  Texte  des  Buches  ist  der  Schlußkolonne  der  folgenden
vollständigeren  Tabelle  entnommen:
        <pb n="423" />
        26*

Indexziffern  des  Handelsvolumens.

Direkte  Indizes  und  Kalenderjahre

Indirekte  Indizes  und  Fiskaljahre

Kalenderjahre

(1)
Jahr

(2)
Inland-



(3)
Export
und
Import

(4)
Effekten-




(5)
Gewogener  Durchschnitt ­
  der  drei
vorhergehenden
Kolonnen
20x(2)+3x(3)+lX(4)

(6)
Per
Eisenbahn ­

beförderte
Güter  in
Tonnen

(7)
Durch  die
Post  beförderte ­

Briefe

(8)
Gewogener
Durchschnitt  d.
beiden  vorhergehenden ­

Kolonnen
2x(6)+lx(7)

(9)
(8)  Reduziert ­
  auf
Kalenderjahre ­


(10)
Relativer
Handel
gewogener
Durchschnitt
2x(5)+lx(9)

(11)
Absoluter
Handel  (H)

24

3

3

1896..

89

76

55

86

77

72

73

81

209

1897..

103

87

77

100

79

63

74

78

93

239

1898..

111

96

113

109

91

68

83

86

101

260

1899..

111

100

176

112

98

72

89

93

106

273

1900..

111

101

138

111

107

78

97

99

107

275

1901..

125

107

266

129

108

85

100

105

121

311

1902..

119

102

189

120

119

92

110

115

118

304

1903..

139

101

161

135

130

101

120

120

130

335

1904..

125

101

187

125

127

105

120

126

126

324

1905..

149

109

263

149

144

111

133

141

147

378

1906..

152

114

284

163

161

128

150

155

154

396

1907..

167

117

196

162

172

137

160

154

160

412

1908..

148

110

197

145

152

142

149

154

148

381

1909..

163

125

216

152

—

162

160

—

155

399

Anhang  zum  XII.  Kapitel.  403
        <pb n="424" />
        404

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

Diese  Tabelle  ist  wie  folgt  konstruiert  worden:
Kolonne  (2)  wurde  aus  den  im  Monüily  Summary  of  Commerce  and
Finance  of  the  United  States  veröffentlichten  Monatszahlen  des  Inlandhandels
der  Jahre  1900—1909  konstruiert.  Durch  Anwendung  der  Monatszahlen
war  es  möglich,  Resultate  für  Kalenderjahre  zu  erhalten.  Diese  Kolonne
stellt  den  Durchschnitt  getrennter  Indizes  nachstehender  Artikel  dar,  für
die  Aufzeichnungen  erhältlich  waren.  Die  ursprünglichen  Zahlen  geben  die
Quantitäten  jedes  in  die  hauptsächlichsten  Städte  der  Vereinigten  Staaten
gebrachten  Artikels.  Jede  dieser  Quantitäten  wurde  mit  einem  angenommenen ­
  Preise  multipliziert,  der  als  konstanter  Multiplikator  für  jedes  Jahr  beibehalten ­
  wurde.  Die  Produkte  wurden  dann  addiert  und  die  so  erhaltenen
Zahlen  zur  Darstellung  des  Gesamthandels  in  diesen  Waren  genommen,  um
als  Barometer  des  relativen  Inlandhandels  der  Vereinigten  Staaten  zu  gelten.
Die  diesbezüglichen  Artikel  und  die  Daten,  für  die  das  Material  benutzt
wurde  (wie  auch  die  laut  nachstehender  Erläuterung  angewandten  Preisfaktoren), ­
  sind  die  folgenden:

Artikel

Preis,  in  Dollar

Zeitperiode

Baumwolle

45.00

per

Ballen

Januar  1900—1909

Reis

5.00

53

Sack

August  1900—1909

Früchte
Bauholz  (Sendungen  aus  dem  Süden  und

1000.00

53

Waggon

Februar  1900—1909

Südwesten)

0.02

35

Fuß

Februar  1900—1909

Stiefel  und  Schuhe

80.00

33

Kiste

März  1900—1909

Anthrazitkohle

4.74

33

Tonne

Januar  1900—1909

Bituminöse  Kohle

2.74

33

Tonne

Januar  1900—1909

Roheisen,  Koks  und  Anthrazit

19.40

33

gr.  Tonne

Juli  1902—1909

Petroleum  (Sendungen  aus  Texas)  ....

1.80

33

Faß

Novbr.  1901—1909

Hornvieh  (Eingänge  in  fünf  Städten)  .

55.00

33

Kopf

Januar  1900—Dez.  1908

Hornvieh  (Eingänge  in  sieben  Städten)

55.00

33

Kopf

Januar  1900—1909

Schweine  (Eingänge  in  fünf  Städten)..

18.00

33

Kopf

Jan.  1900—Dez.  1903

Schweine  (Eingänge  in  sieben  Städten)

18.00

33

Kopf

Januar  1900—1909

Schafe  (Eingänge  in  fünf  Städten)....

4.00

33

Kopf

Jan.  1900—Dez.  1903

Schafe  (Eingänge  in  sieben  Städten)  ..

4.00

33

Kopf

Januar  1900—1909

Weizen  (Eingänge  in  elf  Städten)

1.00

33

Scheffel

Juni  1903

Weizen  (Eingänge  in  zwölf  Städten)...

1.00

33

Scheffel

April  1903—Dez.  1903

Weizen  (Eingänge  in  vierzehn  Städten)

1.00

33

Scheffel

Mai  1904—1909

Weizen  (Eingänge  in  fünfzehn  Städten)

1.00

33

Scheffel

April  1903—1909

Mais  (Eingänge  in  zwölf  Städten)]

0.75

33

Scheffel

April  1903—Dez.  1903

Mais  (Eingänge  in  vierzehn  Städten)..

0.75

33

Scheffel

Januar  1904—1909

Mais  (Eingänge  in  dreizehn  Städten)..

0.75

33

Scheffel

Febr.  1906—Febr.  1907

Mais  (Eingänge  in  fünfzehn  Städten)..

0.75

33

Scheffel

April  1903—1909

Hafer  (Eingänge  in  zwölf  Städten)....

0.53

33

Scheffel

April  1903—Dez.  1903
        <pb n="425" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

405

Artikel
Hafer  (Eingänge  in  vierzehn  Städten).
Hafer  (Eingänge  in  fünfzehn  Städten).
Gerste  (Eingänge  in  neun  Städten)....
Gerste  (Eingänge  in  zehn  Städten)....
Gerste  (Eingänge  in  elf  Städten)
Gerste  (Eingänge  in  zwölf  Städten)  ...
Gerste  (Eingänge  in  dreizehn  Städten).
Gerste  (Eingänge  in  vierzehn  Städten).
Roggen  (Eingänge  in  elf  Städten)
Roggen  (Eingänge  in  zwölf  Städten)  ..
Roggen  (Eingänge  in  dreizehn  Städten)
Roggen  (Eingänge  in  vierzehn  Städten)
Leinsamen  (Eingänge  in  vier  Städten).
Leinsamen  (Eingänge  in  fünf  Städten).
Leinsamen  (Eingänge  in  sechs  Städten)
Mehl  (Eingänge  in  zehn  Städten)
Mehl  (Eingänge  in  elf  Städten)
Mehl  (Eingänge  in  zwölf  Städten)
Mehl  (Eingänge  in  dreizehn  Städten)..
Petroleum  (Sendungen  durch  Röhrenleitungen. ­
  —  Eingetragene  Liefe-Preis,

  in  Dollar

0.53  per  Scheffel

0.63

55

Scheffel

0.70

55

Scheffel

0.70

55

Scheffel

0.70

5  5

Scheffel

0.70

55

Scheffel

0.70

55

Scheffel

0.70

55

Scheffel

0.80

55

Scheffel

0.80

55

Scheffel

0.80

55

Scheffel

0.80

55

Scheffel

1.60

55

Scheffel

1.50

55

Scheffel

1.50

55

Scheffel

4.80

55

Faß

4.80

55

Faß

4.80

55

Faß

4.80

55

Faß

Zeitperiode
Febr.  1906—Febr.  1907
April  1903—1909
Juni  1903—Aug.  1908
April  1903—Mai  1908
Sept.  1903—Juni  1908
Febr.  1906—Sept.  1908
Februar  1904—1909
April  1903—1909
April  1903—Juni  1906
Jan.  1905—Aug.  1908
April  1904—1909
April  1903—1909
Februar  1905—1909
Januar  1904—1909
Januar  1904—1909
April  1903—1909
Januar  1904—1909
März  1904—1909
April  1903—1909

rangen

1.80  „  Faß

Januar  1901—1909

Diese  Artikel  repräsentieren  den  Handel  des  Landes  und  können  gut
als  dessen  Barometer  dienen.  Dennoch  bildet  der  Handelsumfang,  der
tatsächlich  aus  den  Verkäufen  dieser  Artikel  in  den  betreffenden  wenigen
Städten  besteht,  natürlich  nur  einen  sehr  kleinen  Teil  (wahrscheinlich  weniger
als  ein  Zehntel  eines  Prozentes)  des  Gesamthandels  des  Landes.
Alle  zuerst  erhaltenen  tatsächlichen  Zahlen  wurden,  vor  Einsetzung
in  Kolonne  (2),  durch  zwei  dividiert,  um  sie  auf  einen  Maßstab  zu  bringen,
der  einen  besseren  Vergleich  mit  den  Zahlen  der  Kolonne  (3)  ermöglicht.
Da  die  angegebenen  Jahre  nicht  alle  Waren  enthalten,  so  mußten  die  fehlenden ­
  Jahre  in  der  Tabelle  ergänzt  werden  und  zwar  nach  dem  durch  Beispiele ­
  bereits  erläuterten  Grundsätze  der  Proportion.  Da  die  Statistiken
des  Monthly  Summary  nur  bis  zum  Jahre  1900  zurückreichen,  mußte  die
Tabelle  zum  Jahre  1896  zurück  „angestückt“  werden.  Dies  geschah  durch
Benutzung  des  Materials  aus  dem  statistischen  Auszug  der  Vereinigten
Staaten  und  aus  dem  Auszug  des  Zensus  der  Vereinigten  Staaten.  Die  einzigen
erhältlichen  Zahlen  für  wichtige  Artikel  des  Inlandhandels  waren  die  für
Getreide,  welche  von  fünfzehn  Hauptmärkten  während  der  Kalenderjahre
erlangt  wurden,  und  für  die  abgeschätzte  Konsumtion  des  Landes  für  Fiskal ­
        <pb n="426" />
        406

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

jahre  diejenigen  der  folgenden,  hauptsächlich  oder  größtenteils  aus  einheimischen ­
  Produkten  bestehenden  Artikel:  Baumwolle,  Schafwolle,  bituminöse ­
  Kohle,  Roheisen,  Eisen-  und  Stahlschienen,  „destillierte  Spirituosen,
"Weine  und  Liköre“.
Die  Fiskaljahrzahlen  wurden  von  1896  bis  einschließlich  1901  genommen ­
  und  unter  der  Voraussetzung  auf  Kalenderjahre  reduziert,
daß  z.  B.  die  wahre  Zahl  für  das  Kalenderjahr  1896  das  Mittel  derjenigen ­
  für  die  beiden  mit  dem  30.  Juni  1896  und  dem  30.  Juni  1897  endenden ­
  Fiskaljahre  ist.  Auf  diese  Weise  erhalten  wir  hypothetische  Kalenderjahrzahlen ­
  für  die  Jahre  1896  bis  1900.  Diese  Zahlen  und  jene  für
Getreide,  die  bereits  für  Kalenderjahre  gegeben  waren,  wurden  sodann  durch
einen  Faktor  reduziert,  wonach  jede  Zahl  für  das  Jahr  1900  111  ausmachte;
die  Zahl  für  dieses  Jahr  wurde  durch  Berechnung  der  in  der  Serie  1900—1909
involvierten  Artikel  gefunden.  Von  den  so  erhaltenen  Zahlen  wurde  der
Durchschnitt  mit  Hilfe  von  Gewichten  genommen,  die  so  gewählt  wurden,
daß  sie  mit  den  Schätzungen  ihrer  bezüglichen  Bedeutung  übereinstimmten,
beurteilt  nach  den  Schätzungen  der  Werte  ihrer  Landeskonsumtion  und
nach  der  Tatsache,  daß  einige  davon  Indikatoren  großer,  verwandter  Geschäftszweige ­
  sind.  Die  ausgewählten  Gewichte  waren:  für  Getreide  (einschließlich ­
  Weizen,  Weizenmehl,  Mais,  Roggen,  Hafer,  Gerste,  Malz  und
Erbsen) 1 ),  20,  für  bituminöse  Kohle,  Eisen  und  Stahl,  geistige  Getränke
und  Baumwolle  je  5,  und  für  Roheisen  und  Wolle  je  1.
Das  Material  für  die  Jahre  1896—1899  ist  viel  geringer  als  das  dem
Monthly  Summary  entnommene  für  1900—1909,  und  zwar  aus  drei  Gründen:
1.  weil  es  in  der  Anzahl  so  gering  ist,  2.  weil  es  mit  Ausnahme  des  Getreides
für  Fiskaljahre  gilt  und  die  hypothetische  Korrektur  bei  Kalenderjahren
Irrtümern  unterworfen  ist,  und  3.  weil  es  mit  Ausnahme  des  Getreides  nur
auf  ganz  ungefähre  Konsumtionsschätzungen  und  nicht  auf  Sendungen  oder
Eingänge,  sondern  auf  abgeschätzter  Produktion  gegründet  ist,  die  betreffs
Export  und  Import  berichtigt  wurde;  sämtliche  drei  Elemente  sind  Irrtümern ­
  unterworfen.
Es  darf  uns  daher  nicht  überraschen,  in  den  sich  ergebenden  Zahlen
für  die  Jahre  1896—1899  größere  Irrtümer  zu  finden  als  für  die  Jahre  1900  bis
1909.  Tatsächlich  werden  wir  sehen,  daß  dies  höchstwahrscheinlich  der  Fall  ist.
Für  die  mühsame  Arbeit,  die  Bestimmung  der  Indexziffern  von  1900
bis  1908  festzustellen,  bin  ich  einem  meiner  noch  nicht  graduierten  Studenten,
Herrn  Robert  N.  Griswold,  und  für  diejenigen  bis  zum  Jahre  1909  einem
meiner  graduierten  Studenten,  Herrn  W.  Y.  Smiley,  zu  Dank  verpflichtet.

l )  Siehe  Statistical  Äbstrad  of  United  States,  1908,  s.  623.
        <pb n="427" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

Kolonne  (3)  ist  ebenfalls  auf  mühsame,  von  Herrn  Griswold  ausgefukrkj,
Berechnungen  gegründet.  Das  Material  wurde  gleichfalls  dem  MonwHfc^tQ
Summary  of  Finance  and  Commerce  entnommen  und  enthält  23  Hauptartikel
des  Imports  und  25  des  Exports.  Die  Quantitäten  jedes  Artikels  wurden  mit
einem  einheitlichen  Preise  multipliziert  und  die  Summe  der  sich  aus  den
für  Import  und  Export  ergebenden  Zahlen  genommen.  Die  Einfuhrartikel
(mit  dem  angewendeten  Preismultiplikator)  waren:

Import  der  Vereinigten  Staaten  in  den  Jahren  1896—1909

(Bulletin  oj  Bureau  of  Commerce  and  Statistics)

Kakao

0.13  per  Pfund

Rohseide

4.00

per  Pfund

Tee

0.16

55

Pfund

Häute  und  Felle  (Pelz-Kaffee



0.07

55

Pfund

waren  ausgenommen)

0.11

,,  Pfund

Zucker

0.02

Pfund

Rohe  Wolle

0.13

„  Pfund

Zitronen

0.04

Pfund

Kautschuk

0.78

„  Pfund

Bananen

0.16

Bündel

Bretter  und  gesägtes

Käse

0.17

55

Pfund

Bauholz

18.00

„  1000

Destillierte  Getränke

Fuß

(eingeführt)

5.00

55

Gallone

Kohle  (bituminöse  und

Schaumweine  (Champ.)  29.00

55

Dtz.  Quarts

Anthrazit)

2.60

,,  Tonne

Blättertabak

1.00

Pfund

Zinn

0.28

„  Pfund

Baumwolle  (zu  Tuch  ver-Kupfer

  (Massel,  Stangen,

arbeitet)

0.09

5  5

□-Yard

Barren,  alt  und  un-Leinen

  (aus  Flachs,  Hanf

verarbeitet)

0.17

„  Pfund

oder  Ramie)

0.50

55

□-Yard

Roheisen

23.00

„  Tonne

Wollene  Kleiderstoffe  .

0.21

55

□-Yard

Salpetersaures  JNatron.  38.00

„  Tonne

Die  Ausfuhrartikel  waren:
Export  der  Vereinigten  Staaten  in  den  Jahren  1896—1909
{Bulletin  of  Bureau  of  Commerce  and  Statistics)

Vieh

.  55.00  per  Kopf

Weizen

..  1.00  per  Scheff.

Schinken

.  0.11

55

Pfund

Mehl

..  4.80

55

Scheff.

Pökelfleisch

.  0.09

5)

Pfund

Tabakblätter

..  0.10

55

Pfund

Frisches  Rindfleisch  .

.  0.10

55

Pfund

Gesägtes  Bauholz  ...

..  23.00

55

1000

Büchsenfleisch

.  0.11

55

Pfund

Fuß

Speck

.  0.11

55

Pfund

Holzstoff

,.  0.015

55

Pfund

Schweineschmalz  ....

.  0.11

55

Pfund

Leinöl  (Kuchen)  ....

.  0.014

55

Pfund

Butter

.  0.21

55

Pfund

Gereinigtes  Leuchtöl.

.  0.07

55

Gallone

Sohlenleder

.  0.21

55

Pfund

Baumwollsamenöl  ...

..  0.04

55

Gallone

Stiefel  und  Schuhe  ..

.  2.75

55

Paar

Kohle

..  3.70

55

Tonne

Rohe  Baumwolle  ....

.  0.48

55

Ballen

Kupfer

..  0.17

55

Pfund

Baumwollstoffe

.  0.09

55

Yard

Stahlschienen

..  31.60

Tonne

Mais

.  0.60

55

Scheffel

Stahlblech

.  0.0135

Pfund.
        <pb n="428" />
        408

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

Die  Statistiken  der  Aus-  und  Einfuhr  sind  wahrscheinlich  fünfzigmal
so  vollständig,  wie  die  des  einheimischen  Handels  und  daher  (nach  dem
Grundsätze,  daß  wahrscheinliche  Fehler  sich  umgekehrt  wie  die  Quadratwurzel ­
  aus  der  Anzahl  der  angestellten  Beobachtungen  ändern),  ungefähr
siebenmal  so  genau.  Andrerseits  stellen  jedoch  die  Aus-  und  Einfuhren
weniger  als  1  Prozent  des  einheimischen  Handels  der  Vereinigten  Staaten
dar,  welche,  nach  den  in  früheren  Kapiteln  erklärten  Grundsätzen,
in  der  Verkehrsgleichung  nur  zur  Hälfte  ihres  Wertes  eingesetzt
werden  sollten,  da  ein  Teil  des  Tauschverkehrs  das  Ausland  ist.
Trotzdem  nun  auch  der  Außenhandel  eine  Kleinigkeit  ist,  so  ist  er
doch  bis  zu  einem  gewissen  Grade  ein  Index  des  Binnenhandels,  da
große  Inlandgeschäfte  eine  Vorbedingung  für  Ausfuhren  und  eine  Folge  von
Einfuhren  sind,  während  vielleicht  ein  noch  größerer  Umfang  auf  andere
Weise  indirekt  mit  diesem  Handel  in  Verbindung  steht.  Indem  wir  diese
und  andere  Betrachtungen  gegeneinander  abwogen,  wurden  die  dem
Außen-  und  Innenhandel  zugeteilten  relativen  Gewichte  so  ausgewählt,
wie  sie  in  Kolonne  (5)  wiedergegeben  sind.
Kolonne  (4)  gibt  die  Effektenverkäufe  nach  den  gewöhnlichen  Zahlen,
wie  sie  beispielsweise  in  der  Financial  Review  zu  finden  sind.  Diese  Zahlen
beziehen  sich  natürlich  nicht  auf  die  Werte,  sondern  auf  den  Umfang  der
Verkäufe.
Kolonne  (6)  gibt  die  Zahlen  für  die  per  Eisenbahn  beförderten
Güter  in  Tonnen  für  Fiskaljahre  und  zwar  nach  Poors  Railroad  Manual.
Kolonne  (7)  gibt  die  Zahlen  für  die  in  Fiskaljahren  durch  die  Post
der  Vereinigten  Staaten  beförderten  Briefe.  Diese  Ziffern  verdanken  wir
der  gütigen  Mitteilung  des  Postdepartements.  Für  das  Jahr  1896  fehlen
jedwede  Angaben.
Wir  haben  nun  noch  das  für  die  Kombination  der  Kolonnen  (2),  (3),
(4),  (6)  und  (7)  angewendete  Verfahren  zu  beschreiben.
Die  ersten  drei  Kolonnen  bilden  eine  Gruppe  für  sich,  die  direkte  Indizes
des  Handels  darstellt,  während  die  letzten  beiden  Kolonnen  eine  Gruppe
indirekter  Handelsindizes  konstituieren.
Die  direkten  Indizes  wurden  so  kombiniert,  daß  der  Binnenhandel  mit
zivanzig,  die  Aus-  und  Einfuhren  mit  drei,  und  die  Effektenverkäufe  mit
eins  gewogen  wurden.  Diese  Gewichte  sind  allerdings  nur  Sache  der  Ansicht,
doch  ergeben  bekanntlich  große  Unterschiede  im  System  des  Wiegens  nur
geringe  Unterschiede  in  den  End-Durchschnitten.
Auf  diese  Weise  wird  Kolonne  (5)  gefunden.
        <pb n="429" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

409

Was  die  relativen  Gewichte  für  Eisenbahn-  und  Post-Statistiken  anbelangt, ­
  so  wurden  die  ersteren  mit  zwei  und  die  letzteren  mit  eins  bewertet.
Eisenbahnfracht  ist  fast  bei  jeder  denkbaren  Ware  im  Handel  vertreten
und  kommt  dem  tatsächlichen  Handel  viel  näher  als  Postsachen.
Nachdem  so  die  Eisenbahn-  und  Postsachen-Indizes  kombiniert  waren,
wurde  der  Übergang  von  Fiskaljahren  zu  Kalenderjahren  auf  Grund  der  Annahme ­
  vorgenommen,  daß  die  Zahlen  für  ein  Kalenderjahr  das  Mittel  der
Zahlen  der  beiden  Fiskaljahre  sind,  die  mit  dem  30.  Juni  desselben  und  dem
30.  Juni  des  nächsten  Jahres  schließen.
Die  Resultate  sind  in  Kolonne  (9)  wiedergegeben.
Aus  den  Kolonnen  (5)  und  (9)  wurde  Kolonne  (10)  erlangt,  indem  Kolonne ­
  (5)  mit  zwei  und  Kolonne  (9)  mit  eins  gewogen  wurde.
Und  schließlich  wurde  Kolonne  (11)  gefunden  durch  Vergrößerung  der
399
Zahlen  der  Kolonne  (10)  im  Verhältnis  .v^,  um  die  Zahlen  für  das  Basisjahr ­
  1909  den  399  Milliarden  Dollar,  dem  Gesamtwert  der  linken  Seite  der
Gleichung  (GU  +  G'U'),  gleichzustellen.
Mutmaßliche  Irrtümer  in  den  berechneten  Werten  von  H  können  für
die  Jahre  1900—1909  auf  ungefähr  5  oder  10  Prozent  und  für  die  Jahre
1896—1900  auf  10  bis  15  Prozent  angenommen  werden.

§  10  (zum  XII.  Kapitel,  §  5).
Methode  zur  Berechnung  von  P.
Die  Tabelle  im  Texte  (Seite  238)  über  Preisindexnummern  ist  der
letzten  Kolonne  der  Tabelle  auf  Seite  410  entnommen.
Kolonne  (2)  gibt  die  Indexzahlen  des  Bureau  of  Labor  of  the  United
States  (Nr.  81,  März  1909,  S.  204).
Für  die  Zahl  für  das  Jahr  1909,  die  ich  vor  ihrer  Veröffentlichung
erhielt,  bin  ich  dem  Arbeitskommissär  Herrn  Neill  zu  großem  Dank  verpflichtet. ­

Kolonne  (3)  ist  dem  Bulletin  of  the  Bureau  of  Labor,  Juli  1908,  S.  7,
entnommen.
Kolonne  (4)  wurde  dem  Artikel:  „The  Priees  of  American  Stocks,  1890
bis  1909“  von  Wesley  C.  Mitchell,  Journal  of  Political  Economy,  Mai  1910,
entnommen.  Diese  Zahlen  sind  zweifellos  die  besten,  die  über  diesen  schwierigen ­
  Gegenstand  zu  erhalten  sind.
        <pb n="430" />
        410

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

Die  allgemeine  Indexziffer  in  Kolonne  (5)  ist  ein  gewogenes  Mittel  der
Zahlen  in  den  drei  vorhergehenden  Kolonnen,  deren  Gewichte  wesentlich
dieselben  sind  wie  die,  welche  von  Kemmerer  aus  gleicher  Begründung  benutzt
wurden 1 ).  Um  die  Berechnung  zu  erleichtern,  haben  wir  die  Gewichte  in
ganzen  Zahlen  angenommen,  nämlich  30  für  Kolonne  (2),  1  für  Kolonne  (3)
und  3  für  Kolonne  (4).  Diese  Berechnung  führt  die  Tabelle  über  das  Jahr
1907  hinaus.  Da  Kolonne  (3)  für  die  Jahre  1908—1909  unvollständig  ist,
wurden  diese  Jahre  und  das  Jahr  1907  als  Durchschnitte  der  Kolonnen  (2)  und
(4)  ausgearbeitet,  wobei  die  nämlichen  wie  die  bereits  erwähnten  Gewichte
genommen  wurden.  Das  Ergebnis  sind  zwei  Zahlenreihen,  und  zwar  eine
für  alle  drei  Kolonnen,  mit  dem  Jahre  1907  endende,  und  die  andere  für
zwei  Kolonnen,  mit  dem  Jahre  1907  beginnende  Reihe.  Da  in  diesem  Falle
beide  Reihen  für  das  Jahr  1907  die  nämliche  Ziffer  (137)  aufweisen,  so  sind
für  die  Jahre  1908  und  1909  keine  Korrekturen  erforderlich.  Wahrscheinliche ­
  Irrtümer  in  den  Zahlen  für  P  können  auf  ungefähr  5  bis  10  Prozent
angesetzt  werden.

Indexziffern  für  Preise:

(1)
Jahr

(2)
258  Waren
des  Großhandels ­


(3)
Lohn
per
Stunde

(4)
Vierzig
Wertpapiere ­


(5)
Gewogener
Durchschnitt
30x  (2)+l  x  (3)+3  x  (4)

(6)
Kolonne  (5)
reduziert
auf  der
Basis
100  in  1909

34

1896..

90

100

77

89

63.3

1897..

90

100

84

90

63.7

1898..

93

100

94

93

66.2

1899..

102

102

128

104

73.8

1900..

111

105

134

113

80.2

1901..

109

108

211

118

83.7

1902..

113

112

250

125

88.7

1903..

114

116

201

122

86.5

1904..

113

117

192

120

85.1

1905..

116

119

250

128

90.8

1906..

123

124

267

136

96.5

1907..

130

129

204

137

97.2

1908..

123

—

201

130

92.2

1909..

127

—

277

141

100.0

0  Siehe  Money  and  Credit  Instruments,  New  York  (Holt)  1909,  S.  139.
        <pb n="431" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

411

§  11  (zum  XII.  Kapitel,  §  7).
Gegenseitige  Angleichungen  der  berechneten  Werte  von
G,  Cr',  U,  V,  JP  und  H.
Es  gibt  zahlreiche  Methoden  zur  Berechnung  der  besten  Angleichungen,
unter  denen  auch  die  Methode  der  kleinsten  Quadrate  eine  Bolle  spielt.
Doch  kann  das  Problem  durch  Zerlegung  des  Prozesses  in  getrennte  Stufen
sehr  vereinfacht  werden.  Wir  haben  zunächst  die  beste  Angleichung  der
berechneten  Werte  jeder  Seite  der  Verkehrsgleichung  als  Ganzes  betrachtet
festzustellen.  Bei  der  Festsetzung  relativer  Irrtümer  auf  beiden  Seiten  ist
richtige  Beurteilung  erforderlich,  doch  sind  die  gesamten  Angleichungen  so
gering,  daß  Differenzen  in  der  Beurteilung  keinen  großen  Unterschied  in
den  Resultaten  ergeben.
Nach  sorgfältiger  Prüfung  aller  Beweismittel  nehmen  wir  an,  daß  die  Abweichungen ­
  auf  der  rechten  Seite  (PH)  ungefähr  doppelt  so  groß  sein  können,
wie  auf  der  linken  Seite  (GH  +  G'  H').  Demgemäß  wird  die  Verschiedenheit
der  beiden  Seiten  dadurch  ausgeglichen,  daß  PH  eine  zweimal  so  große  Veränderung ­
  erfährt  als  GH  +  G'U';  das  heißt  durch  eine  Korrektur  für  PH,  die
zwei  Dritteln  der  gesamten  Verschiedenheit  der  beiden  Seiten  gleichkommt
und  durch  Anwendung  des  verbleibenden  Drittels  auf  GH  -j-  G'  H',  wobei
die  beiden  Korrekturen  natürlich  einander  entgegenwirken,  und  zwar  derart,
daß  sie  die  beiden  Seiten  in  Übereinstimmung  bringen.  So  ist  die  Gesamtverschiedenheit ­
  für  das  Jahr  1899  5  Prozent,  von  denen  wir  ungefähr  ein
Drittel,  sagen  wir  2  Prozent,  auf  GU  +  G'  U’,  und  die  verbleibenden  3  Prozent ­
  auf  PH  übertragen.  Das  heißt:  Wir  erhöhen  die  für  GU  +  G'U'  berechneten ­
  Zahlen  um  2  Prozent  und  erniedrigen  die  für  PH  um  3  Prozent.
Das  Ergebnis  bringt  die  Zahlen  mit  185  Milliarden  beinahe  in  Übereinstimmung. ­
  Zuweilen  stimmen  die  Ergebnisse  nicht  genau  miteinander  überein,
da  diese  Methode  des  Addierens  und  Subtrahierens  prozentualer  Korrekturen ­
  nur  annähernd  richtig  ist,  doch  werden  irgendwelche  verbleibenden
kleinen  Verschiedenheiten  durch  geringe  erfahrungsmäßige  Veränderungen
in  den  Faktoren  sofort  ausgeglichen.  Das  Resultat  ist  aus  Figur  20  zu  ersehen, ­
  welche  GU.+  G'U'  und  PH  (reduziert  durch  Division  durch  1.11)
in  der  ursprünglichen  Berechnung  und  eine  mittlere  (punktierte)  Kurve
enthält,  die  die  berichtigte  Schätzung  von  GU  +  G'U'  und  PH  veranschaulicht. ­

Die  Korrekturen,  die  auf  diese  Weise  an  GU  +  G'U'  und  PH  vorgenommen ­
  worden  sind,  und  durch  die  sie  in  gegenseitige  Übereinstimmung
gebracht  werden,  sind  unbedeutend,  die  bei  den  einzelnen  Faktoren  G,  U,.
        <pb n="432" />
        412

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

G',  U',  P  und  II  nötigen  Korrekturen  sind  aber  noch  unbedeutender.  Der
Einfachheit  wegen  nehmen  wir  an,  daß  die  bei  G  und  G'  vorzunehmenden
prozentualen  Korrekturen  einander  gleich  sind,  und  daß  auch  die  bei  U
und  TJ'  vorzunehmenden  Korrekturen  einander  gleich  sind.  Dies  ist  eine
berechtigte  Annahme,  doch  selbst  wenn  irgendeine  andere  Annahme  vorläge, ­
  so  würde  dies  die  Endresultate  kaum  ändern.
Eine  gleichzeitige  Korrektur  von  1  Prozent  bei  G  und  G'  bewirkt  eine
Korrektur  von  1  Prozent  bei  GU  +  G'U'.  Ebenso  wird  eine  gleich  -

Obere  fortlaufende  Linie:  PH  ursprünglich.
Untere  „  „  :  GTJ+G'U'  ursprünglich.
Punktierte  Linie:  PH  und  GTJ+G'U'  berichtigt.
Fig.  20.
zeitige:  Korrektur  von  1  Prozent  bei  U  und  V'  eine  Korrektur  von  1  Prozent
bei  GU  +  G'  U'  hervorrufen.  Wir  können  somit  die  Korrektur  von  GU  +
G’U'  tatsächlich  als  aus  zwei  Teilen  bestehend  betrachten:  aus  der  Korrektur ­
  von  G  und  G'  und  aus  der  Korrektur  von  U  und  U'.  Da  die  G  genauer
festgestellt  wurden  als  die  U,  so  muß  deren  Korrektur  geringfügiger  sein.
Die  für  das  Jahr  1897  für  GU  +  G'  U'  festgesetzte  Gesamtkorrektur  beträgt
daher  3  Prozent,  von  denen  wir  1  Prozent  G  und  G'  und  die  verbleibenden
2  Prozent  U  und  U'  zuweisen.  Das  heißt:  Wir  erhöhen  die  berechneten  Werte
von  G  und  G'  um  1  Prozent  sowie  jene  von  U  und  U'  um  2  Prozent,  und  bewirken ­
  damit  (ungefähr)  die  gewünschte  Erhöhung  von  3%  für  GU+G’U'.  Auf
        <pb n="433" />
        Anhang  zum  XII.  Kapitel.

413

ähnliche  Weise  wird  die  für  PH  angenommene  Gesamtkorrektur  auf  P  und  H
verteilt,  wobei  wir  H  den  größeren  Teil  zuweisen.  Bei  Verteilung  der  Korrekturen ­
  1.  auf  0  und  G',  2.  auf  U  und  U',  3.  auf  P  und  4.  auf  H,  finden
wir,  daß  nur  sehr  geringe  Einzelkorrekturen  nötig  sind,  deren  Höchstziffer
nur  5  Prozent  beträgt,  und  die  große  Mehrzahl  (von  56  Fällen  50)  2  Prozent
nicht  überschreitet.  Die  entschiedene  Majorität  (von  56  Fällen  35)  bewegt
sich  innerhalb  1  Prozent.  Es  ist  wirklich  erstaunlich,  wenn  man  bedenkt,
daß  in  den  von  uns  berechneten  Werten  von  G,  G\  U,  U',  P  und  H  gewöhnlich ­
  nur  eine  Korrektur  von  2  Prozent  oder  weniger  nötig  ist,  um  sie  mit
der  Verkehrsgleichung  vollkommen  übereinstimmend  zu  gestalten.  Diese
Tatsache  beweist,  daß  die  von  uns  erlangten  Kesultate  im  allgemeinen  korrekt
und  zuverlässig  sind.
Nachdem  wir  durch  gegenseitige  Angleichung  alle  Faktoren  der  Verkehrsgleichung ­
  berichtigt  haben,  bleibt  uns  noch  eine  Zahl  für  P,  die  für
kein  Jahr  100  Prozent  beträgt.  Da  wir  vorziehen,  das  Jahr  1909  das  Einheitsjahr ­
  zu  nennen,  so  sind  die  Zahlen  für  P  auf  dieser  Basis  auszugleichen
und  dementsprechend  auch  jene  für  H.  Diese  Veränderung  stört  das  relativ
zu  den  ursprünglichen  Zahlen  bemessene  Korrektursystem.  Sie  reduziert  die
Korrektur  von  P  für  das  Jahr  1909  auf  Null.  Im  allgemeinen  verringert  sie
die  Korrekturen  bei  P  und  H  für  die  um  1909  liegenden  Jahre  und  erhöht
sie  dementsprechend,  je  weiter  sich  die  Jahre  von  1909  entfernen.  Doch
selbst  dann  übersteigen  die  Korrekturen  niemals  10  Prozent  für  H  und
ebensowenig  6  Prozent  für  P.  Da  das  ganze  Korrektursystem  eine  Sache
der  Beurteilung  ist  und  jede  Zahl  unter  Berücksichtigung  aller  Umstände
in  dem  jeweiligen  Falle  auf  ihr  eigenes  Verdienst  hin  frank  und  frei  ausgebessert ­
  wurde,  so  ist  es  nicht  ratsam,  diese  Seiten  mit  einer  vollständigeren
Darlegung  der  umfangreichen  Einzelheiten  des  Prozesses  zu  belasten.  Die
bereits  im  Texte  gegebenen  Figuren  13,  14,  15  und  16  sprechen  für  sich
selbst.
§  12  (zum  XII.  Kapitel,  §  8).
Kredit-  und  Bargeldgeschäfte.  Vergleich  mit  Kinleys  Schätzungen.
Diese  Zahlen  stimmen  auffallend  überein  mit  dem,  was  nach  einer
ungefähren  Berechnung  aus  Kinleys  Untersuchungen  erwartet  werden  kann.
Er  fand,  daß  die  deponierten  Gelder  am  1.  Juli  1896  7.4  Prozent  und  am
16.  März  1909  5.9  Prozent  aller  Depositen  konstituierten.  Diese  beiden  Zahlen
sind  zu  niedrig,  um  den  Prozentsatz  der  GÄdtransaktionen  darzustellen,
und  zwar  aus  dem  Grunde,  weil  Geld  oft  mehr  als  einmal  zirkuliert  ist,  bevor
        <pb n="434" />
        414

Anhang  zum  XII.  Kapitel.

es  deponiert  wird,  wohingegen  Schecks  im  allgemeinen  nur  einmal  zirkulieren. ­
  Besonders  ist  die  Zahl  für  das  Jahr  1896  wegen  der  ungewöhnlichen
Beträge  der  am  1.  Juli  deponierten  Schecks  zu  niedrig.  In  der  Tat  stellte
Kinley  die  Untersuchungen  für  das  Jahr  1909  hauptsächlich  deswegen  an,
weil  die  Zahlen  für  1896  nach  dieser  Richtung  kritisiert  wurden.  Selbstredend ­
  wollte  er  mit  den  Zahlen  der  Depositen  nicht  die  genauen  Verhältnisse ­
  der  Scheck-  und  Geldgeschäfte  angeben.  Er  erkannte  die  Tatsache,
daß  dieselben  ein  zu  niedriges  Verhältnis  für  Geld  und  ein  zu  hohes  für
Schecks  darstellen  würden.  Er  war  davon  überzeugt,  daß  für  die  Schecktransaktionen ­
  im  Jahre  1896  75  Prozent 1 )  und  im  Jahre  1909  88  Prozent
ein  sicheres  Minimum  seien,  wobei  er  25  Prozent  und  12  Prozent  als  sicheres ­
  Maximum  für  den  Geldumlauf  annahm.  Kinleys  Absicht  scheint  zu  sein,
lieber  sichere  Höchstziffern  aufzustellen,  als  genaue  Schätzungen  zu  wagen.
Wenn  wir  die  Zahlen  Kinleys  in  eine  Tabelle  bringen,  so  gestalten  sich  die  in
Prozenten  aller  Transaktionen  ausgedrückten  Geldgeschäfte  folgendermaßen:

(1)

(2)

(3)

(4)

(5)

Maximum

Minimum  (wie

Mittel  der  beiden

Gegenwärtige
Schätzung

Jahr

(Kinleys
Schätzung)

durch  Depositen
angezeigt)

vorhergehenden
Prozentsätze

1896  .

25

7.4

161

14

1909  .

12

5.9

9

9

Wenn  wir  dieser  Tabelle  gemäß  den  Prozentsatz  des  Geldes  in  Bankdepositen ­
  als  untere  Grenze  des  Prozentsatzes  der  Geldtransaktionen  und
Kinleys  Schätzungen  als  sichere  obere  Grenze  nehmen,  und  wenn  wir  die
Differenz  zwischen  diesen  beiden  Grenzen  teilen,  so  kommen  wir  beinahe 1  2 )
zu  denselben  Resultaten  wie  die,  welche  wir  bereits  aus  genaueren  Berechnungen ­
  in  diesem  Buche  erhalten  haben.  In  der  letzten  Kolonne  sind  diese
Resultate  zur  Vergleichung  gegeben.  So  bestätigen  die  Resultate  dieses
Buches  in  auffallender  Weise  diejenigen  von  Kinley.  Sie  stimmen  auch  voll
und  ganz  mit  der  in  der  Geschäftswelt  herrschenden  Ansicht  überein,  daß
ungefähr  90  Prozent  des  Handels  nun  vermittelst  Scheck  ausgeführt  werden.
1 )  Kinleys  ursprüngliche  Schätzung  eines  sicheren  Minimums  betrug  80  Prozent.
Doch  nimmt  er  im  Journal  of  Political  Economy,  Bd.  V,  S.  172,  und  in  „Money“,  S.  44
und  108—114,75  Prozent  als  sicherer  an.
2 )  Wenn  wir  Kinleys  ursprüngliches  „sicheres  Minimum“  von  80  Prozent  für  Schecks,
und  folglich  auch  das  „sichere  Maximum“  von  20  Prozent  für  Bargeld  nehmen,  so  erhalten ­
  wir  in  obiger  Tabelle  anstatt  der  16%  14  Prozent,  wodurch  die  beiden  letzten
.Kolonnen  miteinander  absolut  übereinstimmen.
        <pb n="435" />
        Nachtrag  zur  zweiten  Auflage.

415

Nachtrag  zur  zweiten  (amerikanischen)  Auflage.
In  der  vorliegenden  zweiten  Auflage  sind  die  Zahlen  in  den  Tabellen
auf  Seite  249  und  260  durch  Hinzufügung  von  Zahlen  für  die  Jahre  1910,
1911  und  1912  ergänzt  und  zwischen  Seite  250  und  251  ist  eine  neue
graphische  Darstellung  eingesetzt  worden.  (Betreffs  ausführlicher  Erläuterung ­
  dieser  Zahlen  siehe  „‘The  Equation  of  Exchange’,  1896—1910“,
American  Economic  Review  Juni  1911;  ,,‘The  Equation  of  Exchange’  for
1911  and  Forecast“,  a.  a.  0.  Juni  1912;  und  „‘The  Equation  of  Exchange’
for  1912  and  Forecast“,  a.  a.  O.  Juni  1913.)
Herr  Professor  Wesley  Clair  Mitchell  war  so  liebenswürdig,  mir  die
Druckbogen  seines  demnächst  erscheinenden  Buches  über  Business  Cycles
(University  of  California  Press)  zu  zeigen,  in  dem  er  die  scheckfähigen  Depositen ­
  (&amp;lt;7),  nach  etwas  anderen  Methoden  und  mit  Hilfe  von  Material,
das  bei  Bearbeitung  des  vorliegenden  Buches  noch  nicht  zur  Verfügung
stand,  nochmals  abgeschätzt  hat.

Mitchells  Schätzungen  der  scheckfähigen  Depositen  und  der  Umfang,  in  dem
Me  Schätzungen  des  Verfassers  dieses  Buches  die  ersteren  überschreiten  oder
hinter  ihnen  Zurückbleiben.

Mitchells
Ergebnisse

Fisher  Mehr  (oder  Minder)

nicht  ausgeglichen ­


ausgeglichen

1896..

2.69

—  0.01

+  0.02

1897..

2.75

+  0.05

+  0.11

1898..

3.20

—  0.01

+  0.02

1899..

3.87

+  0.03

+  0.01

1900..

4.21

+  0.19

+  0.23

1901..

4.96

+  0.17

+  0.17

1902..

5.37

+  0.06

+  0.03

1903..

5.64

+  0.16

+  0.19

1904..

5.85

—  0.05

—  0.08

1905..

6.56

—  0.02

—  0.02

1906..

6.86

—  0.02

—  0.05

1907..

7.11

+  0.02

+  0.02

1908..

6.52

+  0.08

+  0.05

1909..

6.81

—  0.06

—  0.13

1910..

7.71

—  0.47

—  0.48

1911..

8.24

—  0.46

—  0.46
        <pb n="436" />
        416

Wertstabilisierung  des  Dollars.

Wenn  ich  dieses  Buch  noch  einmal  zu  schreiben  hätte,  würde  ich  Mitchells ­
  vollkommeneren  Methoden  und  Resultaten  folgen.  Wollte  ich  dies
jetzt  tun,  so  müßten  wegen  einer  sehr  geringen  Nettoänderung  in  den  Endergebnissen ­
  eine  große  Anzahl  Druckplatten  abgeändert  werden.  Ich  begnüge ­
  mich  daher  hier  mit  einer  Tabelle  über  Mitchells  Zahlen,  denen  zwei
Kolonnen  angegliedert  wurden,  aus  welchen  hervorgeht,  um  wieviel  meine
Zahlen  größer  oder  kleiner  sind.

Anhang  zur  zweiten  (amerikanischen)  Auflage  über  die
„Wertstabilisierung  des  Dollars“.
Seit  Veröffentlichung  dieses  Buches  ist  der  im  XIII.  Kapitel  (S.  278  bis
284)  entworfene  Plan  einer  Stabilisierung  des  Preisniveaus  (und  folglich  der
Kaufkraft  des  Geldes)  in  Verbindung  mit  der  Golddevisenwährung  ausführlicher ­
  und  populärer  auseinandergesetzt  worden.  (Siehe  z.  B.  den  Bericht  des
Internationalen  Kongresses  der  Handelskammern  am  26.  September  1912,
die  Artikel  in  der  „New  York  Times“  vom  22.  Dezember  1912,  im  „British
Economic  Journal 11  vom  Dezember  1912  undim  „Independent“  vom  2.  Januar
1913.  Die  vollständigste  Darlegung  wurde  in  „The  Quarterly  Journal  of
Economics“  im  Februar  1913  veröffentlicht.)  Der  Verfasser  des  vorhegenden
Buches  gedenkt  in  kurzer  Zeit  ein  weiteres,  diesem  speziellen  Gegenstände
gewidmetes  Buch  herauszugeben.
Nachstehende  Angaben  sind  meiner  vor  der  „American  Economic  Association“ ­
  im  Dezember  1912  in  Boston  gehaltenen  Ansprache  entnommen,  die
im  März  1913  im  American  Economic  Review  Supplement  in  Druck  erschien:
Kurz  zusammengefaßt  bezweckt  der  Plan  die  Einführung  eines  zusammengesetzten ­
  Einheitsmaßes,  in  dem  die  Einheit  „eine  zusammengesetzte
Tonne“  oder  „ein  zusammengesetztes  Frachtstück“  vieler  Hauptprodukte
ist,  wobei  ein  solches  Handelsmaß  nicht  etwa  als  solches,  sondern  als  sein
Äquivalent  in  Barrengold  verwendet  wird.  Dem  Wesen  nach  würde  diese
Währung  einfach  das  Gewicht  des  Goldes  im  Dollar  oder  besser,  das  Gewicht
des  Goldes  hinter  dem  Rücken  des  Dollars  verändern.  Es  wird  der  Zweck
verfolgt,  die  Verluste  in  der  Kaufkraft  eines  jeden  Granes  Gold  durch  die
dem  DoUar  hinzugefügte  Goldmenge  zu  ersetzen.
Auf  Grund  der  Theorie  und  der  Tatsachen  können  wir  das  Prinzip  als
gesund  annehmen,  daß,  je  leichter  der  Golddollar,  um  so  geringer  dessen
        <pb n="437" />
        Wertstabilisierung  des  Dollars.

417

Kaufkraft  ist  und  um  so  größer  sämtliche  Preise  sind  und  daß,  je  schwerer
der  Dollar,  um  so  größer  seine  Kaufkraft  ist  und  um  so  niedriger  die  Preisskala ­
  zu  stehen  kommt.  Gelingt  es  uns  nun,  das  Gewicht  des  Dollars  rasch
genug  um  ebenso  viele  Gran  zu  erhöhen  als  nötig  sind,  um  seinen  jeweihgen
Verlust  an  Kaufkraft  aufzuwiegen,  so  haben  wir  den  idealen  „kompensierten ­
  Dollar“,  d.  h.  den  Dollar,  dem  jede  Kaufkraft,  die  er  bei  einer  Verringerung ­
  im  Werte  des  Goldes  verhert,  stets  zurückerstattet  wird.
Wir  haben  jetzt  einen  Dollar  mit  festem  Gewicht  (25.8  Gran),  aber
veränderlicher  Kaufkraft;  nach  dem  von  mir  vorgeschlagenen  Plan  erhielten
wir  einen  solchen  von  veränderlichem  Gewicht,  aber  von  feststehender
Kaufkraft.
Wie  ist  es  nun  aber  möglich,  einen  Dollar  mit  veränderlichem  Goldgehalt ­
  zu  haben,  ohne  daß  die  Goldmünzen  fortwährend  umgeprägt  werden
müssen  ?  Und  selbst  wenn  dies  geschehen  könnte,  wie  können  wir  jederzeit
wissen,  welches  Gewicht  der  Dollar  haben  muß,  ohne  dessen  Bestimmung
der  Willkür  politischer  Beamten  zu  überlassen?
Wir  befinden  uns  hier  vor  zwei  sehr  bedeutsamen  Fragen.  Ihre  Beantwortung ­
  wird  durch  eine  Erklärung  des  dem  Plane  zugrunde  liegenden
Prinzips  wesentlich  erleichtert,  wenn  wir  zunächst  einmal  annehmen,  daß
sich  keine  wirklichen  Goldmünzen,  sondern  nur  Goldzertifikate  im  Umlauf
befinden.  Nun  ist  eine  solche  Annahme  in  den  Vereinigten  Staaten  von
der  tatsächlichen  Wahrheit  nicht  allzuweit  entfernt,  denn  mit  Ausnahme
Kaliforniens  ist  die  Zahl  der  in  Zirkulation  befindlichen  Goldmünzen  eine
sehr  geringe.  An  deren  Stelle  zirkuliert  nahezu  eine  ganze  Milliarde  Dollar
in  Goldzertifikaten,  die  das  in  den  Schatzkammern  der  Vereinigten  Staaten
liegende  Gold  repräsentieren.  Nehmen  wir  nun  weiter  an,  daß  eine  andere
Form  des  Goldes  nicht  in  Umlauf  ist.  Unter  diesen  Umständen  ist  es  klar,
daß  der  endgültige  Golddollar  in  den  Schatzkammern  der  Vereinigten  Staaten
in  Stangen  von  Barrengold  unbedingt  vorhanden  ist.  Jede  25.8  Gran  dieses
Barrengoldes  bedeuten  einen  virtuellen  Dollar  hinter  einem  Dollar  der  ausstehenden ­
  Goldzertifikate.  Eine  25.800  Gran  wiegende  Stange  Gold  (Kornbarrengold) ­
  enthält  virtuell  1000  Golddollar.
Der  Goldgräber  bringt  nun  diese  Stangen  Korngoldes  zur  Münzstätte
und  deponiert  sie,  ohne  auf  ihre  Prägung  zu  warten,  erhält  dagegen  Goldzertifikate, ­
  und  zwar  für  jede  25.8  Gran  des  von  ihm  deponierten  Korngoldes ­
  einen  Dollar  in  Goldzertifikaten.  Desgleichen  können  die  Inhaber
von  Goldzertifikaten,  wenn  sie  für  Exportzwecke  oder  zur  Verwendung  in
Juwelierwerkstätten,  in  der  Zahnheilkunst  oder  für  Vergoldungen  usw.
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.  27
        <pb n="438" />
        418

Wertstabilisierung  des  Dollars.

Barrengold  brauchen,  solches  jederzeit  gegen  die  Zertifikate  entgegennehmen; ­
  sie  erhalten  für  jeden  Dollar  in  Goldzertifikaten  25.8  Gran  Gold.
Demnach  gibt  oder  nimmt  die  Regierung  Gold  zu  einer  Rate  von  25.8  Gran
des  Barrenmetalles  per  Dollar;  der  virtuelle,  wenngleich  unsichtbare  Dollar
besteht  aus  diesen  25.8  Gran  Barrengold  von  neun  Zehntel  Feingehalt.
Der  hier  gemachte  Vorschlag  geht  dahin,  das  Gewicht  des  Dollars  dergestalt ­
  zu  verändern,  daß  die  Veränderungen  in  seinem  Werte  ausgeglichen
werden.  Ohne  das  Vorhandensein  von  Goldmünzen  würde  eine  Durchführung
dieses  Planes  keinen  Schwierigkeiten  begegnen.  Wenn  zum  Beispiel  der
Wert  des  Goldes  oder  vielmehr  dessen  Kaufkraft  um  1  Prozent  abnimmt,
so  wäre  das  Gewicht  des  Barrengoldes,  das  den  virtuellen  Dollar  konstituiert,
nm  1  Prozent,  also  von  25.8  auf  26.058  Gran  zu  erhöhen.  Wenn  in  der
Kaufkraft  des  Goldes  eine  Zunahme  eintritt,  so  wäre  das  Gewicht  des  virtuellen ­
  Dollars  dementsprechend  zu  reduzieren.  Der  das  Gold  zur  Münzstätte ­
  bringende  Goldproduzent  würde  dann  ein  Goldzertifikat  erhalten,
das  für  jede  25.8  Gran  Gold  in  Korngehalt  nicht  notwendig  auf  einen  Dollar,
sondern,  je  nachdem,  auf  einen  größeren  oder  kleineren  Betrag  lauten  würde,
wobei  die  zu  erhaltende  Summe  immer  dieselbe  Kaufkraft  zu  besitzen  hätte.
In  gleicher  Weise  würde  der  Inhaber  von  Goldzertifikaten,  die  er  für  den
Export  oder  für  kunstgewerbliche  Zwecke  in  Barrengold  eingelöst  zu  haben
wünscht,  für  jeden  Dollar  in  Goldzertifikaten  nicht  immer  gerade  25.8  Gran,
sondern  je  nachdem  ein  größeres  oder  kleineres  Quantum  erhalten.  Die
Regierung  würde  auf  diese  Weise  genau  so  wie  dies  jetzt  der  Fall  ist,  vom
Goldproduzenten  Gold  erhalten  und  dasselbe  an  den  Juwelier  abgeben,  nur
mit  dem  Unterschied,  daß  dies,  anstatt  des  willkürlich  festgesetzten  Gewichtes ­
  von  25.8  Gran  in  einem  veränderlichen  Gewichte  des  Dollars  zu
geschehen  hätte.  Das  Gewicht  des  Goldes  per  Dollar,  zu  dem  die  Goldzertifikate ­
  jeweilig  einzulösen  wären,  würde  den  virtuellen  und  alleinigen
Golddollar  konstituieren.  Unter  solchen  Umständen  ließe  sich  das  Gewicht
des  Golddollars  (d.  h.  das  mit  einem  Goldzertifikat  von  einem  Dollar  einlösbare ­
  Quantum  Barrengold)  erhöhen  und  erniedrigen,  ohne  ein  Umprägen
oder  einen  anderen  Konflikt  mit  der  äußeren  Erscheinung  des  Kurantgeldes ­
  in  unserer  Tasche  zu  bedingen.
Eigentlich  sollten  wir  uns  zur  Darstellung  der  ganzen  Sachlage  mit
einem  anderen  Verfahren  vertraut  machen.  Statt  der  Ausdrucksweise,  daß
die  Regierung  in  der  Münzstätte  Barrengold  entgegennimmt  und  dieses  zur
Einlösung  von  Goldzertifikaten  benutzt,  können  wir  auch  sagen,  daß  die
Regierung  Gold  kauft  und  verkauft.  Die  Regierung  kauft  das  Gold  vom
Goldproduzenten  und  bezahlt  es  mit  Goldzertifikaten;  sie  verkauft  Gold
        <pb n="439" />
        Wertstabilisierung  des  Dollars.

419

an  den  Juwelier,  der  diese  Zertifikate  einlöst.  Der  Preis,  zu  dem  gegenwärtig ­
  Gold  von  der  Regierung  gekauft  und  verkauft  wird,  beträgt  $  18.60
per  Unze  (für  Korngold  neun  Zehntel  fein).  Dieser  Betrag  ist  aus  dem
Gewichte  des  Golddollars  leicht  auszurechnen,  denn  25.8  Gran  Gold  bilden
unseren  derzeitigen  Dollar,  und  jede  Unze  (oder  480  Gran)  Barrengold  enthält ­
  480/25.8  oder  18.60  virtuelle  Dollar.  Wenn  wir  uns  also  sagen,  daß
unser  Golddollar  ein  festes  Gewicht  hat,  das  auf  25.8  Gran  festgesetzt  ist,
so  bedeutet  dies  genau  dasselbe,  wie  wenn  wir  uns  sagen,  daß  wir  einen  von
der  Regierung  gezahlten  festen  Goldpreis  haben,  der  $  18.60  per  Unze  beträgt. ­
  Das  Gewicht  des  Golddollars  um  1  Prozent  oder  von  25.8  auf  26.058
Gran  zu  erhöhen,  bedeutet  dasselbe,  wie  den  von  der  Regierung  gezahlten
Preis  für  Gold  von  $  18.60  auf  $  18.42  per  Unze  zu  erniedrigen.
Wir  kommen  nun  zur  Beantwortung  der  zweiten  Frage:  Wie  ist  es  zu
ermöglichen,  die  richtigen  Anpassungen  herauszufinden,  die  im  Gewichte
des  virtuellen  Dollars,  d.  h.  im  Gewichte  des  mit  jedem  Goldzertifikat  von
einem  Dollar  auslösbaren  Barrengoldes,  vorzunehmen  sind,  ohne  die  Entscheidung ­
  hierüber  der  Gefahr  auszusetzen,  in  den  Händen  der  Regierungsbeamten ­
  nach  Belieben  geregelt  zu  werden  ?  Mit  anderen  Worten:  Wie  kann
die  Anpassung  im  Gewichte  des  virtuellen  Dollars  auf  automatische  Weise
geschehen?  Die  Antwort  hierauf  ist:  Vermittelst  einer  Statistik,  die  den
Namen  „Indexnummern  der  Preise“  führt.  Eine  solche  Statistik  wird  heute
vom  „Economist' 1  in  London,  vom  Arbeitsamt  der  Vereinigten  Staaten  und
Kanadas  sowie  von  verschiedenen  Handelsagenturen,  wie  der  von  Bradstreet,
veröffentlicht.  Die  auf  die  Engrospreise  von  257  Warengattungen  gegründete
Indexnummer  des  erstgenannten  Arbeitsamtes  zeigt  die  Ausdehnung  an,
in  der  die  Preise  im  großen  Ganzen  von  Jahr  zu  Jahr  vorrücken  oder  fallen,
d.  h.,  diese  Indexnummer  stellt  die  DwrcAscÄwtlfebewegung  sämtlicher  257
Preise  dar.
Es  gibt  eine  ganze  Anzahl  Indexnummersysteme,  doch  herrscht  unter
ihnen  eine  außerordentliche  Übereinstimmung.  Sobald  man  sich  über  das
zu  wählende  Indexnummersystem  einmal  schlüssig  geworden  ist,  gestaltet
sich  die  numerische  Berechnung  zu  einer  bloßen  Kommisarbeit.  Ein  statistisches ­
  Bureau  (wie  z.  B.  das  gegenwärtige  Arbeitsamt  in  den  Vereinigten
Staaten  oder  ein  internationales  statistisches  Bureau)  könnte  diese  Statistik
und  die  jeweiligen  Preise,  auf  denen  jene  basiert,  periodisch  zusammenstellen ­
  und  veröffentlichen.  Wenn  zu  einem  gewissen  Zeitpunkte  die  offizielle ­
  Indexnummer  angibt,  daß  das  Preisniveau  um  1  Prozent  über  Pari
gestiegen  ist,  so  würde  dies  das  Signal  zu  einer  Erhöhung  im  virtuellen
Dollar  von  1  Prozent  bedeuten.

27*
        <pb n="440" />
        420

Wertstabilisierung  des  Dollars.

Dem  vorliegenden  Plane  gemäß  wäre  also  erstens,  für  die  Berechnung
einer  offiziellen  Indexnummer  der  Preise  Sorge  zu  tragen,  und  zweitens,
würde  das  offizielle  Gewicht  des  virtuellen  Dollars,  zu  dem  die  Regierung
Goldzertifikate  an  die  Goldproduzenten  ausgibt  oder  die  von  den  Juwelieren
überreichten  Goldzertifikate  einlöst,  entsprechend  zu  adjustieren  sein.  Mit
anderen  Worten:  Die  amtlichen  Goldpreise,  zu  denen  die  Regierung  bereit
ist,  je  nach  Wahl  des  Publikums  Gold  zu  kaufen  oder  zu  verkaufen,
müßten  eine  entsprechende  Anpassung  erfahren.
Kurz,  der  Plan  verfolgt  den  Zweck,  das  Gewicht  des  Dollars  virtuell
entweder  höher  oder  niedriger  zu  stellen  (d.  h.  den  Preis  des  Barrengoldes
nach  aufwärts  oder  nach  abwärts  festzulegen),  was  in  einem  genauen  Verhältnis ­
  zu  den  Abweichungen  der  Preisindexnummer  über  oder  unter  Pari
zu  geschehen  hätte.
Es  sollen  nun  noch  in  aller  Kürze  einige  Einzelheiten  in  Bezug  auf  die
Durchführung  des  Planes  erwähnt  werden.  Der  Leser  erwartet  gewiß  noch
eine  Aufklärung  darüber,  in  welcher  Weise  bei  einem  solchen  System  die
wirklichen  Goldmünzen  zur  Verwendung  kommen.  Die  in  Zirkulation
befindlichen  Goldmünzen  fortwährend  umzuprägen,  würde  sich  natürlich
als  unausführbar  erweisen.  Doch  wäre  dies  auch  ganz  unnötig.  Die  zum
Gewichte  von  25.8  Gran  per  Dollar  vorhandenen  Goldmünzen  würden  unverändert ­
  bleiben  und  die  neu  zu  prägenden  Goldstücke  hätten  dasselbe
Gewicht  zu  erhalten.  Die  Goldmünzen  würden  einfach  den  Charakter  der
jetzigen  Silberdollar  annehmen,  d.  h.  sie  würden  sich  in  Münzwertzeichen
verwandeln.  Sie  würden,  den  Goldzertifikaten  gleich,  bloße  Lagerscheine
oder  sozusagen  „Metallanweisungen“  für  das  in  den  Schatzkammern  der
Regierung  in  Depot  hegende  Barrengold  darstellen.  Mit  anderen  Worten
ausgedrückt  würden  die  Goldmünzen  bloße  Goldzertifikate  bedeuten,  die  anstatt ­
  auf  Papier  auf  Gold  gedruckt  sind.  Die  Benutzung  würde  genau  dieselbe ­
  wie  diejenige  der  Goldzertifikate  sein,  nämlich,  die  Münzen  können
dem  Goldproduzenten  gegen  sein  Barrengold  ausgegeben  und  von  denen,
die  Barrengold  für  den  Export  oder  für  das  Kunstgewerbe  benötigen,  eingelöst ­
  werden.
Das  über  das  Gewicht  des  gemünzten  Dollars  hinausgehende  Barrenmetall ­
  würde  mit  der  allgemein  unter  dem  Namen  „Münzgebühr“  bekannten
Ähnlichkeit  haben,  so  daß  der  Vorschlag  gewissermaßen  als  ein  Plan  zur
Wiederherstellung  des  ehemaligen  Brauches  einer  „Münzgebühr“  auf  Goldmünzen ­
  bezeichnet  werden  kann.  Wenn  also  zu  irgendeiner  Zeit  der  virtuelle
Dollar  auf  35.8  Gran  zu  stehen  käme,  so  würde  das  Mehr  von  zehn  Gran
über  dem  Werte  der  25.8  Gran  wiegenden  Dollarmünze  die  „Münzgebühr“
        <pb n="441" />
        Wertstabilisierung  des  Dollars.

421

darstellen.  Der  Goldproduzent  würde  für  jede  35.8  Gran  Barrengold,  die
er  in  Korngehalt  zur  Münzstätte  bringt,  je  nach  seiner  Wahl  entweder  ein
auf  Papier  oder  auf  Gold  gedrucktes  Goldzertifikat  (d.  h.  eine  Dollargoldmünze) ­
  erhalten,  welch  letzteres,  genau  wie  dies  jetzt  der  Fall  ist,  25.8  Gran
enthält.
Jedermann,  der  alte  oder  neue  Goldmünzen  besitzt,  und  jedermann,  der
Goldzertifikate  in  Händen  hat,  könnte  von  der  Begierung  zu  der  von  Zeit
zu  Zeit  bekannt  gemachten  offiziellen  Rate  Barrengold  erhalten.  Man  würde
demnach  ein  größeres  Quantum  Barrengold  empfangen  als  das  im  Golddollar
enthaltene.  Unseren  anderen  Münzen  gleich,  würde  dann  das  Goldstück
als  Münze  mehr  wert  sein,  als  als  Barrenmetall,  und  dessen  Wert  wäre  genau
so  zu  bestimmen,  wie  heutzutage  der  Wert  eines  Goldzertifikates  oder  eines
anderen  Papiergeldes  bestimmt  wird,  nämlich  durch  das  endgültige  Barrenmetall, ­
  mit  dem  es  ausgelöst  werden  kann,  wobei  das  Gewicht  dieses  Barrenmetalls ­
  ein  größeres  sein  müßte,  als  das  des  Dollars  selbst.
Die  einzige,  durch  eine  Beibehaltung  des  jetzigen  Gewichtes  und  Feingehaltes ­
  der  Goldmünzen  möglicherweise  in  Erscheinung  tretende  Komplikation ­
  würde  darin  bestehen,  daß  sobald  die  Preise  die  Tendenz  zu  einem
Fallen  unter  den  Pariwert  oder  unter  den  Ausgangspunkt,  an  dem  das  System
seinen  Anfang  nahm,  zeigen  sollten,  die  Handhabung  des  Systems  eingeschränkt ­
  werden  müßte.  Das  Gewicht  des  virtuellen  Golddollars  dürfte  niemals ­
  unter  das  Gewicht  der  Dollarmünze  sinken,  denn  wenn  dies  der  Fall
wäre,  würde  die  Münzgebühr  zu  einer  Minusquantität,  und  da  die  Goldmünzen ­
  in  Barrenmetall  einen  höheren  Wert  repräsentieren  würden,  als  in
geprägtem  Zustande,  so  würde  ein  Einschmelzen  sämtlicher  Goldmünzen
in  Barrengold  die  unmittelbare  Folge  sein.  Das  System  müßte  daher  den
Vorbehalt  in  sich  schließen,  daß  das  Gewicht  des  virtuellen  Dollars  niemals
auf  weniger  als  25.8  Gran  zu  stehen  kommt  und  daß  demnach  der  von  der
Regierung  bewilligte  Goldpreis  niemals  mehr  als  $  18.60  per  Unze  beträgt.
Angesichts  der  heutzutage  herrschenden  Unzufriedenheit  über  die  hohen
Preise  würde  wohl  ein  großer  Teil  des  Publikums  gegen  eine  Einschränkung
nichts  einzuwenden  haben,  durch  die  den  Preisen  zwar  gestattet  wird,  unter
das  jetzige  Niveau  zu  fallen,  ein  höheres  Steigen  jedoch  nicht  zuläßt.  Dies
wäre  aber  ein  schlechter  Grundsatz,  weil  er  nur  nach  einer  Richtung  hin
wirkt.  Infolgedessen  müßte,  wenn  ich  für  meine  Person  auch  der  Ansicht
bin,  daß  die  Tendenz  zu  einem  Steigen  auch  in  Zukunft  andauern  wird,
für  die  Möglichkeit  einer  Preisbewegung  nach  abwärts  Sorge  getragen  werden.
Wenn  dieser  Fall  eintreten  sollte,  so  könnten  zu  allem  Anbeginn  die  Goldstücke ­
  eingezogen  und  in  Münzen  von  leichterem  Gewicht  umgeprägt  werden,
        <pb n="442" />
        422

Wertstabilisierung  des  Dollars.

was  sich  in  derselben  Weise  vollziehen  ließe,  wie  der  Peso  in  den  Philippinen
eingezogen  und  im  Gewicht  vermindert  wurde,  als  das  kurz  zuvor  eingetretene
Steigen  im  Preise  des  Silbers  zu  einem  Einschmelzen  der  Silberpesos  zu
führen  drohte.  Doch  brauchen  wir  meiner  Meinung  nach  die  Brücke  nicht
eher  zu  überschreiten,  als  bis  wir  zu  ihr  gelangen,  und  es  genügt  daher  vollständig, ­
  Maßnahmen  für  einen  solchen  Fall  im  voraus  zu  treffen.  Zu  diesem
Zwecke  könnte  einer  der  nachstehenden  beiden  Wege  eingeschlagen  werden.
Erstens  könnte  für  den  Fall,  daß  das  Preisniveau  jemals  um  mehr  als  zehn
Prozent  unter  den  ursprünglichen  Pariwert  oder  unter  das  Preisniveau  sinkt,
von  dem  das  System  seinen  Anfang  nahm,  die  Einziehung  sämtlicher  Goldmünzen ­
  aus  der  Zirkulation  vorgesehen  und  an  deren  Stelle  Goldzertifikate
ausgegeben  werden.  Auf  diese  Weise  könnten  wir  uns  aus  einer  durch  die
Benutzung  von  Goldmünzen  herbeigeführten  Komplikation  befreien,  und
es  würde  uns  fernerhin  jederzeit  freistehen,  das  Gewicht  des  virtuellen  Dollars
nach  abwärts  und  nach  aufwärts  zu  adjustieren.  Das  zweite  Verfahren
besteht  in  einer  Umprägung  und  Verringerung  unserer  Goldmünzen,  wenn
die  Preise  tatsächlich  um  mehr  als  die  angenommenen  zehn  Prozent  unter
das  ursprüngliche  Niveau  fallen  sollten.  Unter  dieser  Verringerung  ist  zu
verstehen,  daß  das  Gold,  auf  das  wir  unsere  Goldzertifikate  drucken,  im
Gewicht  zu  reduzieren  wäre.  Dieses  Gold  würde  natürlich  ebensowenig  eine
Verminderung  im  Werte  der  Goldmünzen  herbeiführen,  als  die  bei  einem
ähnlichen  Fall  im  Gewichte  der  Pesos  in  den  Philippinen  erfolgte  Reduzierung ­
  —  oder  um  ein  nächstliegenderes  Beispiel  zu  wählen,  ebensowenig
wie  die  vor  einem  halben  Jahrhundert  im  Gewichte  unserer  Silberhilfsmünzen ­
  bewirkte  Reduzierung  um  zehn  Prozent  —  die  Tendenz  hatte,  den
Wert  dieser  Münzen  herabzusetzen.
Bei  einer  Bevorzugung  des  letztgenannten  Planes  würde  der  Verminderungsbetrag ­
  der  Goldmünze  hinreichend  sein,  um  einen  bequemen
Spielraum  für  dergleichen  eventuell  in  Zukunft  auftauchende  unerwartete
Ereignisse  zu  schaffen.  Ein  späteres  Umprägen  könnte  daher  auf  lange
Zeit  hinausgeschoben  und  eine  ähnliche  Vorkehrung  dafür  getroffen  werden.
Ich  für  meine  Person  würde  der  erstgenannten  Methode,  bei  der  die  Goldmünzen ­
  ganz  und  gar  ausgeschieden  werden,  den  Vorzug  geben.
Ein  anderes  ganz  wesentliches  Detail  in  dem  System  besteht  in  einem
Vorbehalt,  durch  den  etwaige  für  die  Regierung  unheilvolle  Spekulationen
in  Gold  vereitelt  werden.  Dies  könnte  mittelst  einer  geringen,  sagen  wir
1  Prozent  betragenden  Gebühr  geschehen,  die  zur  Deckung  der  Prägekosten
an  die  Regierung  zu  zahlen  wäre.  Diese  spezielle  Gebühr  ist  schon  in  früheren
Zeiten  gebräuchlich  gewesen.  Demzufolge  würde  der  zu  irgendeinem  Zeit ­
        <pb n="443" />
        Wertstabilisierung  des  Dollars.

423

punkte  von  der  Regierung  bei  dem  Einkauf  von  Gold  gezahlte  Preis  etwas
geringer  sein  als  der,  zu  welchem  sie  das  Gold  verkauft.  Denn  ohne  eine
solche  zum  Schutze  der  Regierung  festgesetzte  Sicherheitssumme  würden
die  Spekulanten,  wenn  die  Regierung  den  Goldpreis  beispielsweise  von
$  18.—  auf  $  18.10  per  Unze  erhöht,  in  der  Voraussicht  dieser  Erhöhung
alles  in  den  Kellern  des  Schatzamtes  lagernde  Gold  zu  $  18.—  aufkaufen,
um  es  unmittelbar  nach  der  Preis  Veränderung  zum  Preise  von  $  18.10  an
die  Regierung  wieder  abzugeben,  wobei  sie  auf  Kosten  der  Regierung  zehn
Cent  per  Unze  profitieren  würden.
In  gleicher  Weise  würde  ein  eventuelles  Sinken  im  Preise,  sagen  wir
von  $  18.10  auf  $  18.—,  eine  Spekulation  nach  der  entgegengesetzten  Richtung ­
  ermutigen.  Wer  sich  im  Besitze  von  Barrengold  befindet,  würde  das
letztere  eiligst  zum  Schatzamt  bringen,  um  es  zur  neuen  Rate  von  $  18.10
zu  verkaufen  und  sofort  nach  dem  Preiswechsel  zu  $  18.—  zurückkaufen,
wobei  er  ebenfalls  auf  Kosten  der  Regierung  zehn  Prozent  per  Unze  profitierte. ­
  Wenn  sich  aber  die  Regierung  durch  die  obengenannte  spezielle
Münzgebühr  von  1  Prozent  gegen  derartige  Manöver  verwahrt  und  wenn
Vorkehrungen  getroffen  werden,  daß  in  dem  von  der  Regierung  aufgestellten
Preispaar  —  gleichviel  ob  sich  beide  Preise  nach  aufwärts  oder  nach  abwärts
bewegen  —  keinerlei  Einzelverschiebung  diese  „spezielle  Münzgebühr“  oder
den  für  beide  Preise  aufgestellten  Sicherheitsbetrag  überschreitet,  so  liegt
es  auf  der  Hand,  daß  eine  derartige  Spekulation  nicht  aufkommen  könnte,
denn  durch  die  an  die  Regierung  zu  zahlende  spezielle  Münzgebühr  würde
die  Einbuße  größer  sein,  als  ein  eventueller,  durch  den  Wechsel  im  Preise
herbeigeführter  spekulativer  Gewinn.
Ein  weiterer  in  dem  Schema  zu  berücksichtigender  Umstand  bezieht
sich  auf  Verfügungen,  mittelst  denen  von  allem  Anfang  an  eine  Goldreserve,
soweit  sie  nicht  bereits  vorhanden  ist,  gesichert  und  unterhalten  wird.  Die
in  den  Vereinigten  Staaten  bereits  im  Schatzamt  liegenden  50  000  000  Unzen
Gold  könnten  sodann  zur  Einlösung  der  ausstehenden  $  900  000  000  Goldzertifikate ­
  verwendet  werden.
Jede  im  Handel  befindliche  Einheit  ist  stabilisiert  worden,  ausgenommen
die  wichtigste  und  universellste  von  allen,  die  Einheit  der  Kaufkraft.  Welcher
Geschäftsmann  würde  auch  nur  im  entferntesten  darauf  eingehen,  einen
auf  soundsoviel  Meter  Tuch  oder  soundsoviel  Tonnen  Kohle  lautenden
Kontrakt  abzuschließen  und  die  Länge  des  Metermaßes  oder  die  Größe
der  Tonne  dem  Zufall  überlassen.  In  früheren  Zeiten  diente  der  Gürtel
eines  Mannes  als  Längenmaß.  Um  es  konstant  zu  gestalten,  wurde  es  stabilisiert. ­
  Selbst  unsere  neuen  Elektrizitätseinheiten,  das  Ohm,  das  Kilowatt,
        <pb n="444" />
        424

Wertstabilisierung  des  Dollars.

das  Ampere  und  das  Volt  sind  stabilisiert  worden.  Aber  der  Dollar  ist
nach  wie  vor  den  Wechselfällen  der  Goldproduktion  ausgesetzt.  Die  Wertstabilisierung ­
  der  elektrischen  Einheiten  konnte  anfangs  nicht  vorgenommen
werden,  weil  uns  die  geeigneten  Instrumente  zur  Bemessung  dieser  ausweichenden ­
  Größen  fehlten.  Sobald  aber  derartige  Bemessungsvorrichtungen
erfunden  wurden,  erfolgte  die  Stabilisierung  dieser  Einheiten.  Die  Unterlassung ­
  einer  Stabilisierung  des  Dollars  als  Einheit  der  Kaufkraft  und  somit
der  Stabilisierung  von  Zahlungen  zu  einem  späteren  Termin  konnte  bisher
auf.  eine  ähnliche  Rechtfertigung  zurückgeführt  werden,  denn  zu  einer  Bemessung ­
  fehlte  uns  das  geeignete  Instrument  und  auch  ein  Plan,  nach  dem
die  Resultate  hätten  praktisch  verwertet  werden  können.  Aber  mit  der  Entwicklung ­
  der  Indexnummern  und  mit  der  Einrichtung,  diesen  Indexnummern
eine  entsprechende  Münzgebühr  anzupassen,  stehen  uns  nunmehr  alle  zu
einer  wissenschaftlichen  Stabilisierung  des  Dollars  und  zur  Verwirklichung
des  langbegehrten  Ideals  eines  „vielfachen  Wertregulators“  erforderlichen
Materialien  zur  Verfügung.  Es  liegt  nun  in  der  Macht  der  menschlichen
Gesellschaft,  ein  stabilisiertes  Einheitsmaß  des  Geldes,  einen  stabilen  Dollar,
zu  schaffen.
        <pb n="445" />
        Personen-  und  Sachregister.

A.
Ägypten,  Annahme  der  Goldwährung,  197-Aktien,
  Überempfindlichkeit  den  Geldschwankungen ­
  gegenüber,  155—156.
Aldrich-Vreeland  Bill  vom  Jahre  1908,116 1 )
Aldrich  Report  über  Großhandelspreise,
210 2 )  211  3 ),  329
Amerikanische  Kolonien,  Papiergeld,  208  ff.
Andrew,  A.  Piatt,  X,  7  *),  304 1 ), 2 ).
Angebot  und  Nachfrage,  156  ff.
Anleihekontrakte  s.  Kontrakte.
Anordnungen,  Berechnung  der  Quantitäten,
Preise  und  Durchschnitte,  355—362,
367—368.
Arbeiter,  relative  Anpassungsfähigkeit  der
Preise  für  Arbeitsleistungen,  151—152.
Arbeitsteilung,  Einwirkung  auf  das  Handelsvolumen, ­
  60—61.
Assignaten  205.
Atkinson,  F.  J.,  über  Silberpreise  in  Indien,
197.
Aufschwungsperioden  führen  zu  Krisen  47ff.
Aupetit,  Albert,  128 1 ),  189  x ),  191 2 ),  194 1 ).
Auslandshandel,  Einfluß  auf  die  Geldquantität, ­
  72—77;  mit  Inlandshandel  verglichen, ­
  249—250,  407—409,  484—486.
Austausch,  definiert  als  zwei  gegenseitige  u.
freiwillige  Reichtumsübertragungen,  2.
Austauschbarkeit,  die  verschiedenen  Stufen,
Grundbesitz,  Hypotheken,  Privateffekten, ­
  Staatspapiere,  Wechsel,  Tratten  und
Schecks,  8.
Australien,  Preissteigerung  durch  Goldfunde, ­
  196.
Avenel,  Vicomte  d’,  Schätzungen,  189  '),
190  !),  191 2 ).
B.
Bankdepositen,  9;  Einfluß  auf  die  Verkehrsgleichung ­
  und  folglich  auf  die  Kaufkraft,
27  ff.;  quantitatives  Verhältnis  zum  Gelde

  in  einem  gegebenen  Gemeinwesen,  42,
120;  ihre  Erweiterung  während  Perioden
steigender  Preise,  48,  222—223;  Verminderung ­
  in  Perioden  fallender  Preise,
54—56;  ihre  Umlaufsgeschwindigkeit  erhöht ­
  sich  mit  zunehmender  Bevölkerungsdichte, ­
  70—71;  Abhängigkeit  von
der  Quantität  des  Geldes,  132.  S.  a.  Depositen. ­

Bankdepositenumlauf,  vor  dem  Eintritt  von
Krisen  und  während  ihrer  Dauer,  216—
220.  S.  a.  Depositen.
Bankgesetze,  relative  Zunahme  an  Depositen
teilweise  durch  Ausdehnung  des  Bankwesens ­
  veranlaßt,  258.
„Bank-Gold“,  91  *).
Banknoten,  31;  Zirkulation  vor,  während
und  nach  Krisen,  218  ff.
Bankschecks,  deren  Funktion,  27—29.  S.  a.
Schecks.
Bankwesen,  Einzelstaatenbankon  37.
Bargeld,  im  Gegensatz  zu  Kreditgeld,  9.
Barrengold  und  Goldmünze  im  Werte
gleich,  78—79.
Barrenmetall,  Einfluß  des  Einschmelzens
von  Münzen  auf  die  Geldquantität,  77—
79.
„Belasten“,  Erhöhung  der  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  durch  „Belastung“,  65;
Einwirkung  auf  das  Depositenvolumen,
66—67.
Bergwerksbetrieb,  Goldproduktionskosten,
82.
Bergwerksgrundstücke,  Beeinflussung  des
Wertes  durch  Veränderungen  im  Zinsfuß, ­
  157.
Bevölkerung,  Konzentration  als  Hauptursache ­
  der  Zunahme  in  der  Umlaufs  -
geschwindigkeit,  258.
Bevölkerungsdichte,  Zunahme  beschleunigt
Geldumlauf  und  Scheckverkehr,  134;
        <pb n="446" />
        426

Personen-  und  Sachregister.

Wirkungen  erhöhter  Bevölkerungsdichte
auf  Umlaufsgeschwindigkeit  und  Handelsvolumen, ­
  134—136.
Bimetallismus,  figürliche  Darstellung  seiner
Wirkungsweise,  92  ff.;  Erfordernisse  bei
vollkommenem  Bimetallismus:  freies  u.
unbeschränktes  Münzen  beider  Metalle
zu  festgesetztem  Verhältnis  und  unbeschränkte ­
  gesetzliche  Zahlungskraft  jedes
Metalls  zu  diesem  Verhältnis,  93;  Umstände, ­
  unter  denen  der  internationale
Bimetallismus  erfolgreich  ist,  100;  Schilderung ­
  seines  Betriebes  in  Frankreich
und  bei  der  Lateinischen  Münzunion,
105—107;  dessen  Unvollkommenheit,
110;  Behauptung,  daß  der  Bimetallismus
die  Preise  stabil  gestaltet,  266—267;
Möglichkeit  seines  Zusammenbruchs,
267;  Überwertung  des  einen  Metalls  kann
die  Wirkung  haben,  die  Preise  nicht  stabil, ­
  sondern  labil  zu  gestalten,  267—268;
Grenzen  der  Verhältnisse,  innerhalb  deren ­
  der  Bimetallismus  möglich  ist,  310—•
311.
Boden  s.  Grundbesitz.
Bortkiewicz,  L.  von,  26‘).
Bradstreet,  Indexnummern,  185,  199.
Bryan,  VIII.
Buchkredit,  Erhöhung  der  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  durch  Buchkredit,  65—67;
dessen  Einwirkung  auf  die  Verkehrsgleichung, ­
  304—305,  413—414,  491.
C.
Chile,  Annahme  der  Goldwährung,  197.
China,  Steigen  der  Preise,  197.
Clark,  J.  B„  178 1 ).
Committee  of  the  British  Association  for  the
Advancement  of  Science,  Bericht  über
Indexnummern,  184—185.
Conant,  Charles  A.,  105 1 ),  Hl 2 ),  180 1 ).
Costa  Rica,  Annahme  der  Goldwährung,  197.
D.
Darwin,  Leonhard,  Bimetallism,  101  *).
Del  Mar,  History  of  the  Precious  Metals,  191 2 ),
193 2 ).
Depositen,  Normalverhältnis  der  verschiedenen ­
  Banken,  37;  Zunahme  der  Depositen
hat  keine  nennenswerte  Wirkung  auf
Umlaufsgeschwindigkeiten  und  Handelsvolumen, ­
  verursacht  aber  ein  leichtes
Steigen  der  Preise,  132—133;  Wirkungen

einer  Veränderung  im  Verhältnis  zwischen ­
  Geldquantität  und  Depositen,  132
—133;  Wirkungen  von  Veränderungen
in  den  Depositenumlaufsmitteln  auf  die
Preise  (Krisen  und  Depressionen),  216ff.;
Statistiken  der  Depositen,  229—232;
Beweis,  daß  sich  die  Depositen  verdreifacht ­
  haben  und  deren  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  innerhalb  14  Jahren  um
50  %  zugenommen  hat,  249—250;  Statistik ­
  des  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung
berechneten  Geldes  und  dessen  Umlaufsgeschwindigkeit, ­
  250;  das  Anwachsen  der
Depositen  ein  bedeutender  Faktor  beim
Steigen  der  Preise,  251—254;  Zunahme
ihrer  Umlaufsgeschwindigkeit  hauptsächlich ­
  auf  die  Konzentrierung  der  Bevölkerung ­
  in  den  Städten  zurückzuführen, ­
  258;  Methode  zur  Berechnung  der
Depositen,  362—368,  434—441.
Detailpreise,  Zahlen  über  deren  relative  Bedeutung ­
  im  Vergleich  zu  den  Engrospreisen, ­
  182—183.
Deutschland,  Annahme  der  Goldwährung,
196.
Dispersion  der  Preise,'  149  ff.;  durch  Kontrakte, ­
  gesetzliche  Beschränkungen  und
Macht  der  Gewohnheit,  150—153;  Preise
der  aus  Geldmetall  bestehenden  Waren
weisen  keine  wesentlichen  Schwankungen ­
  auf,  154;  Schwankungen  der  Einzelpreise ­
  unter  dem  Einfluß  von  Angebot
und  Nachfrage,  155—157.
Durchschnitte,  Erörterung  und  Erklärung,
16,19,22,160—164,286—289;  gewogene
Durchschnitte,  19,  20 2 ),  161—164,  286—
289;  einfache,ungewogene  Durchschnitte
160—161,  286—289.
„Durchschnittszehnte“  in  England,  die  nach
dem  jeweiligen  Werte  des  Getreides  festgesetzt ­
  wurden,  273.
E.
Ecuador,  Annahme  der  Goldwährung,  196.
Edgeworth,  F.  V.,  20 3 ),  136,161 2 ),  176 1 ),
177 I ),266 2 ),269 1 ),273 3 ),  323 1 ),327 1 ) 2 ),
351,  354,  355,  426,  427.
Effektenkurse,  deren  Anpassungsfähigkeit
152.
Eigentum  oder  Eigentumsrecht,  definiert,13;
Unterscheidung  zwischen  Reichtum  und
Eigentum,  3—4;  Einheiten  zur  Bernes-
        <pb n="447" />
        Personen-  und  Sachregister.

427

sung  von  Eigentum,  4;  Unterscheidung
zwischen  Eigentumsanrechten  und  Ausweisscheinen
  dieser  Anrechte,  4.
Einkommen,  definiert  als  Strom  der  Nutzleistungen ­
  vom  Güterbestand  (Kapital), ­
  6.
Einnahme  und  Ausgabe,  Wirkung  einer  Zunahme ­
  in  deren  Frequenz  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit, ­
  67—69;  Wirkung
der  Regelmäßigkeit  in  Einnahme  und
Ausgabe,  69—70.
Eisenbahnen,  Einfluß  auf  die  Umlaufsgesehwindigkeit,
  71.
England,  Minnie  Throop,  Statistik,  141,
223 1 ).
England,  Statistik  über  Preisbewegungen,
193;  mit  Papiergeld  gemachte  Erfahrungen, ­
  193—194,205—207;  Aufstellung
der  Jahre  finanzieller  Krisen,  217.
„Equation  of  Exchange“,  415;  s.  Verkehrsgleichung. ­

Erfindungen  als  störende  Kräfte  des  finanziellen ­
  Gleichgewichts,  57;  deren  Einwirkung ­
  auf  das  Handelsvolumen  und
auf  das  Preisniveau,  62.
Essars,  Pierre  des,  50 1 ),  70 2 ),  219 3 ),  220 2 ).
Evelyn,  Sir  G.  S.,  Aufbau  von  Index  -
nummem  im  Jahre  1798,  168  ').
F.
Fairchild,  F.  R.,  Artikel  „Taxation  of  Timherland“,
  157.
Falkner,  Roland  P.,  Indexnummern,  185.
Fetter,  Frank,  178 1 ).
„Fiars“-Preise  in  Schottland,  273.
Fisher,  Irving,  Werke  „The  Nature  of  Capital ­
  and  Income“,  l 1 ),  36 1 ),  173 1 );  „The
Rate  of  Interest' 1 ,  45 1 ),  46 1 ),  47 1 ),  62 2 ),
67 1 ),  170 1 ),  173 1 ),  174 1 ),  180 2 ),  181 1 ),
216 2 ),  221  *);  Schriften  und  Artikel:  20 3 ),
92 1 ),  142»),  154 1 ),  169'),  170 2 ),  198»),
316 1 ),  415.
Fleetwood,  William,  168 1 ).
Flux,  A.  W.  351 2 ).
Forstkultur,  Wirkung  der  Veränderungen  im
Zinsfuß,  157.
Foxwell,  H.  S.,  176 1 ).
Frankreich,  mit  Bimetallismus  gemachte
Erfahrungen,  105—107;  mit  Papiergeldsystemen ­
  gemachte  Erfahrungen,  204—
205;  Aufstellung  der  Jahre  finanzieller
Krisen,  217.

G.
Gehälter,  relative  Anpassungsfähigkeit,  151
—152.
Geldmangel,  Ursachen,  54—55.
Geld,  definiert  als  der  Artikel,  der  im  Austausch ­
  für  Güter  allgemein  zur  Annahme
gelangt,  1,  7;  dreierlei  Bedeutung  des
Geldes  im  Sinne  von  Reichtum,  Eigentum ­
  und  urkundlichen  Nachweises,  4;
Umlauf  des  Geldes,  definiert  als  ein
Strom  übertragenen  Geldes  oder  Geldersatzmittel, ­
  6;  Benützung  verschiedener
Artikel  als  Geld,  7;  Bargeld  und  Kreditgeld, ­
  9;  Akzeptation  kraft  Zahlungsmittelgesetz ­
  oder  eingewurzelten  Brauch,
9;  Unterscheidung  zwischen  Bankdepositen ­
  und  Banknoten,  9;  Kaufkraft  des
Geldes  bestimmt  durch  die  Quantitäten
anderer  Güter,  die  eine  Geldquantität ­
  kauft,  11;  Umlauf  bedeutet  Gesamtbetrag ­
  der  Umsätze  gegen  Güter,  11;
Banknoten,  31,  47;  Greshams  Gesetz,
daß  das  billige  Geld  das  teurere  vertreibt,
89  ff.;  vergleichende  Aufstellung  der
Edelmetallbestände  in  Europa  und
Preisniveaus,  191—192;  Statistik  in  Umlauf ­
  befindlichen  Geldes,  228—229,
357  —361;  Nachweis,  daß  es  sich  in  14
Jahren  nahezu  verdoppelt  hat  und
Statistik  tatsächlichen  Geldumlaufs,
249—250;  Geldsurrogate  ungleich  anderen ­
  Ersatzmitteln  308—310.  S.  a.
Quantitätstheorie  des  Geldes.
Geldmenge  s.  Quantität  des  Geldes  oder
Geldquantität.
Geldquantität,  Zunahme  des  Geldes  der  bedeutendste ­
  Faktor  beim  Steigen  der
Preise,  251—254;  Wirkung  einer  Zunahme ­
  und  Wirkung  durch  das  Überfließen ­
  des  Geldes  ins  Ausland,  255;
Wettlauf  mit  dem  Handelsvolumen,  265.
Geldwechsel,  Austausch  von  Geld  gegen
Geld,  11.
Geographische  Unterschiede,  Einwirkung
auf  das  Handelsvolumen,  60—61.
„Geschäftsbarometer“  und  darauf  gegründete ­
  Voraussagen,  263—264,  402.
Geschäftsdepression,  55.
Gesetzliches  Zahlungsmittel,  Art  und  Weise,
wie  Geld  gesetzliches  Zahlungsmittel
wird  und  des  Geldcharakters  entkleidet
werden  kann,  7—8.
        <pb n="448" />
        428

Personen-  und  Sachregister.

Giften,  Sir  Robert,  167  ,  323  *)•
Gleichung  des  Tauschverkehrs  s.  Verkehrsgleichung. ­

Gold,  der  beste  Typus  einer  als  Geld  fungierenden ­
  Ware,  2;  Produktion,  Konsumtion ­
  und  Bestand  durch  mechanische
Illustration  veranschaulicht,  84—88;
Einfluß  des  Verlustes  an  Gold  auf
die  Geldmenge,  86;  relative  Nichtanpassungsfähigkeit ­
  der  Preise  aus  Geldmetall ­
  verfertigter  Artikel,  151—152,
154;  Statistik  der  Zunahme  der
Jahresproduktion  des  Goldes,  190—191;
Prophezeiung  eines  weiteren  Steigens
der  Preise  infolge  zunehmender  Goldproduktion, ­
  201—202;  Gold  in  den  Gewässern ­
  der  Ozeane,  202;  statistischer
Vergleich  zwischen  Gold  und  „Greenbacks“,
  210;  Schwierigkeit,  für  Gold
einen  Ersatz  zu  finden,  265—266;  die
verschiedenen  Ersatzmittelvorschläge,
266—285;  Veränderlichkeit  inderGoldund
  Silberproduktion,  267  *)•
Golddevisenwährung,  eine  Art  „hinkender
Währung“,  101;  das  unter  diesem  Namen
bekannte  System  teilweiser  Einlösung,
104—105,  276ff.;  deren  Annahme  in
Indien,  in  den  Philippinen,  Mexiko,  in
den  Straits  Settlements,  Siam  und
Panama,  111—112,  276ff.;  günstige
Resultate,  278.
Goldmünze,  das  einzige  primäre  Geld  in  den
Vereinigten  Staaten,  10.
Goldproduktion,  Hauptursache  der  Zunahme
des  Geldes,  258;  Prophezeiung  der  Entdeckung ­
  billiger  Methoden  der  Goldgewinnung, ­
  284 1 ).
Goldwährung,  allgemeine  Annahme  und
daraus  resultierendes  Fallen  der  Preise,
197,  Unkenntnis  seitens  der  Geschäftswelt, ­
  264,  284;  als  stabile  Währung  ungeeignet, ­
  265ff.;  Weltgoldwährung  unbeständiger ­
  als  Bimetallismus,  266.
Goodbody,  Robert,  153 a ).
„Greenbacks“,  Papiergeld  in  den  Vereinigten ­
  Staaten,  113;  eine  nutzlose  Anomalie,
115—116;  Entwertung  während  des
Bürgerkrieges,  209  ff.;  Vergleichung  von
Preisen  in  Gold  und  Greenbacks,  210;
Erklärung  über  Steigen  und  Fallen  in
ihrem  Werte,  212  ff.

Greshams  Gesetz,  daß  das  billige  Geld  das
teurere  vertreibt,  89  ff.
Griswold,  Robert  N.,  Berechnungen,  406.
Grundbesitz,  eine  Kategorie  des  Reichtums, ­
  1;  relative  Anpassungsfähigkeit
der  Preise  gepachteten  Grundbesitzes,
151;  Einwirkung  der  Veränderungen  im
Zinsfuß  auf  den  Wert  von  Grundbesitz,
157;  nimmt  unter  den  Gesamtumsätzen
der  Vereinigten  Staaten  nur  einen  geringen ­
  Raum  ein,  182.
Güter,  Definition,  5.
Güterbestand,  Unterscheidung  zwischen  Güterbestand ­
  und  Güterstrom,  6.
H.
Hadley,  A.  T„  20 3 ).
Hanauer,  189 1 ),  190 l ),  191 2 ).
Handel,  definiert  als  ein  Strom  von  Übertragungen, ­
  6;  Einwirkung  des  Außenhandels ­
  auf  die  Geldquantität,  72—77;
Vergleichung  des  Innen-  und  Außenhandelsvolumens, ­
  249—250,  407—409.
Handelsbilanz,  23;  günstige  und  ungünstige
Handelsbilanz,  75—76.
Handelsfreiheit,  Wirkung  auf  das  Handelsvolumen ­
  und  das  Preisniveau,  62—63.
S.  Zollgesetze.
Handelsverkehr,  Volumen  des  Außenhandels
dem  des  Innenhandels  gegenübergestellt,
249—250,  407—409.
Handelsvolumen,  Abhängigkeit  des  Preisniveaus ­
  vom  Handelsvolumen,  12,  15—
17,  20ff.;  außerhalb  der  Verkehrsgleichung ­
  liegende  Ursachen  der  Einwirkung,
69—63;  Nachweis  der  Unabhängigkeit ­
  von  der  Geldquantität,  126—127;
seine  Zunahme  erhöht  die  Menge
des  in  Zirkulation  befindlichen  Geldes,
134—135;  Wirkungen  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit, ­
  134—137;  Statistik,
237,  249—250;  Wettlauf  mit  der  Geldmenge, ­
  265;  Berechnungsmethode,  402;
Indexnummern,  403  ff.
Hardy,  S.  M.,  226 1 ).
Hazard,  Thomas,  208 4 ).
Hertzka,  Vorschlag  eines  „verbundenen
Metallsystems“,  269.
Hildebrand;  131 1 ).
„Hinkende  Währung“,  unter  dieser  Bezeichnung ­
  bekanntes  Geldsystem,  101;
Britisch  Indiens  Erfahrungen,  111—112;
        <pb n="449" />
        Personen-  und  Sachregister.

429

Erfahrungen  der  Vereinigten  Staaten,
112—147;  Walrassche  Goldwährung  mit
„Silberregulator“,  eine  Abart  der  hinkenden ­
  Währung,  269.
Holt,  Byron  W.,  151 1 ).
Hunt,  William  C.,  Schätzungen,  390—392.
Hypothekenscheine,  151—162.

I.
Indexnummem,  praktisch  notwendige  Kollektivzahlen, ­
  150—159;  Unterscheidung
in  bezug  auf  Form,  160  ff.;  einfache  oder
ungewogene  Durchschnitte,  160—161;
gewogene  Durchschnitte,  161—164;  Aufbaumethoden, ­
  162—164;  Wahl  einer
Basis,  164—165;  deren  Anwendung  zur
Bemessung  von  Kapital  undEinkommen,
166  ff.;  Anwendung  als  Basis  von  Dar
lehenskontrakten  und  aufgeschobenen
Zahlungsverbindlichkeiten,  168  ff.;  Vorschläge ­
  und  Bericht  des  britischen
Komitees,  184—185;  Vorteile  des  Medianwerts, ­
  185—186;  Indexnummern  des
Handelsvolumens,  237,  403;  Preisindexnummern, ­
  237—239,  410;  deren  Anwendung ­
  bei  einer  TabellarWährung,  272
—276;  korrelative  Form,  316  ff.;  Proben,
330-338.
Indien,  Silberumlaufsmittel,  88;  Erfahrungen ­
  mit  der  „hinkenden  Währung“,  111
—112;  Annahme  der  Goldwährung  und
darauffolgendes  Steigen  der  Preise,  197;
Golddevisenwährung,  276—277.
Industrie,  Einfluß  industriellen  Verbrauchs
an  Gold  auf  die  Geldquantität,  86;
Industrie-  und  Arbeitnehmerverbände,
146—147;  Inflationismus,  46;  Insolvenz
einer  Bank,  35;  Ursachen  der  Zahlungseinstellung, ­
  52—53.
Internationaler  Handelsverkehr,  Modifikation ­
  der  Verkehrsgleichung,  72—77,  305
—308.
Italien,  Folgen  übermäßiger  Papiergeldausgabe, ­
  91.

Jacob,  William,  191  *).
Jahreszeitliche  Schwankungen,  Wirkung  auf
Umlaufsgeschwindigkeit,  Geld-  und  Depositenquantität, ­
  68,  131.
Japan,  Annahme  der  Goldwährung  und
darauffolgendes  Steigen  der  Preise,  197.

Jevons,  W.  S.,  7 1 ),  8 1 ),  10 1 ),  64 1 ),  71 1 ),
151»),  158 1 ),  191 2 ),  195 1 ),  201*),  206,
233,  266 1 ),  272,  274 1 ),  327*).
Johnson,  J.  F.,  108 1 ),  203*),  273*).
Juglar,  Clement,  216 2 ),  217D,  219 s ),  220 1 ).
K.
Kalifornien,  Geldart,  7;  Preissteigerung
durch  Goldfunde,  125,  196.
Kapital,  definiert,  6;  Einfluß  der  Kapitalsanhäufung ­
  auf  das  Handelsvolumen,  61.
Kauf  und  Verkauf,  Austausch  von  Geld
gegen  Güter,  11.
Kaufkraft  des  Geldes,  Beziehung  zur  Verkehrsgleichung, ­
  7  ff.;  durch  die  Quantitäten ­
  anderer  Güter  bestimmt,  11;
Einfluß  d.  Depositenumlaufsmittel,27  ff.,
Störung  der  Kaufkraft  während  Übergangsperioden, ­
  44—59;  die  verschiedenen ­
  indirekten  Einwirkungen,  59  ff.;
Einwirkung  der  Goldsysteme,  89—118;
Einwirkung  der  Geldquantität,  119  ff.;
Indexnummern  der  Kaufkraft  des  Geldes,
149—188;  Tafelmaßstab,  171;  Maßstab
des  Nutzens,  178—179;  Problem  der
Stabilisierung,  261  ff.;  Unbeständigkeit
und  Unzuverlässigkeit,  263  ff.;  Mangel
an  Verständnis  seitens  der  Geschäftswelt,
264,  284.  S.  a.  Preisniveau.
Kemmerer,  E.  W„  12*),  20 3 ),  ß? 1 ),!!!*)  2 ),
172*),  183,  225  ff.,  271 1 ),  410,  357—359.
Kinley,48 2 ),  70 l ),  171 1 ),  183,230,  387,  413.
Knapp,  G.  F.,  26 1 ).
Kontinentalpapiergeld,  208  ff.
Kontrakte,  Beschränkung  der  freien  Preisbewegung ­
  kontraktlich  festgesetzter  Preise, ­
  150  ff.;  Nichtanpassungsfähigkeit  je
nach  Zeitdauer,  153—154;  Bemessung
des  Steigens  und  Fallens  im  Werte  durch
Benutzung  von  Indexnummern,  169—
176.
Korrelationskoeffizient,  239—241.
Kredit,  zirkulierender  Kredit  oder  Bankdepositen-Umlaufsmittel,
  27  ff.
Kreditgeld,  definiert,  9.
Kreditzyklus,  Beschreibung  des  Verlaufs,
47—68;  statistische  Aufstellung,  Kulmination, ­
  221—223;  Abschwächung  der
Schwankungen  durch  einen  „tabellarischen ­
  Wertregulator“,  274—275.
Krisen,  langsame  Anpassung  des  Zinsfußes,
Kulminationspunkt  einer  Preisbewegung

KB
        <pb n="450" />
        430

Personen-  und  Sachregister.

nach  aufwärts,  52—53;  definiert  als
Höhepunkt  des  Steigens  der  Preise,  216;
Phänomene  vor  und  nach  Eintritt  einer
Krise,  Krisenjahre,  218—223.
L.
Lake,  A.  C.,  dessen  Flugschrift  über  Umlaufsmittelreform, ­
  284 1 ).
Landry,  Adolphe,  68 1 ),  69 1 ).
Landwirtschaftsgrundstücke,  Beeinflussung
des  Wertes  durch  Veränderungen  im
Zinsfuß,  166—157.
Lateinische  Union,  105,  107—108.
Lauck,  219 1 ).
Laughlin,  12 1 ),  41 1 ),  83 1 ),  112,135 1 ),  196 1 ).
Launay,  L.  de,  201 x ).
Law,  John,  französische  Emissionsbank,  204.
Lebenskosten,  anhaltendes  Steigen,  258—
259,  284 1 ).
Leber,  189 1 ),  190  0,  191 3 ).
„Legal  Tender“  s.  gesetzliches  Zahlungsmittel. ­

Leslie,  Cliffe,  190.
Löhne,  Wirkung  der  Zahlungsfrequenz  auf
die  Umlaufsgeschwindigkeit,  68—69;
relative  Anpassungsfähigkeit,  151—152;
passende  Indexnummer,  168;  Prozentsatz ­
  in  den  Vereinigten  Staaten,  183.
Logan,  Walter  S.,  152 1 ).
Lowe,  Joseph,  Vorschlag  der  Benutzung  von
Indexnummem  oder  eines  tabellarischen
Wertmessers,  168 1 ),  272.
M.
Macleod,  H.  D.,  89 3 ).
Magee,  J.  D.,  Zahlen  über  die  Gold-  und
Silberproduktion  der  Welt,  190 2 ),  195 2 ).
Mandate,  französisches  Papiergeld,  205.
Marshall,  Alfred,  Symmetallismus  68 1 ),  269,
351.
Massachusetts,  Papiergeldausgabe,  208.
Maßstab  des  Nutzens,  178—179.
„Medianwert“,  dessen  Vorteile  über  andere
Indexnummerformen,  185—186,  353  ff.
Menger,  4 1 ).
Merriam,  Lucius  S„  178 L ).
Metallsysteme,  269.
Mexiko,  Annahme  der  Goldwährung,  197;
Golddevisenwährung,  276—277.
Mill,  J.  S„  20 3 ),  25 1 ),  39 1 ),  81 1 ),  162 1 ).
Mitchell,  W.O.,  IX,  113 1 ),  162 1 ),  210 3 )’),
211 l )  3 ),  216 1 ),  354 2 ),  355 1 ),  409,  415.

Monometallismus  (Gold  und  Silber),  98.
Morawetz,  Victor,  37 x ).
Münzen,  Adjustierung  der  relativen  Werte
verschiedener  Münzen,  282.
Münzenübertragung,  298—299.
Münzgebühr  s.  Schlagschatz.
Muhleman,  Maurice  L.,  Berechnungen,
198 3 )  *),  360,  361.
Mulhall,  194*).
N.
Nahrungsmittel,  Steigen  der  Engrospreise,
259.
Nationalbanknoten  der  Vereinigten  Staaten,
116—117.
Nationalökonomie,  definiert  als  Wissenschaft
des  Reichtums,  1.
Newcomb,  Simon,  20 3 ).
Nicholson,  J.  S„  166 3 ),  323 1 ).
Niederlande,  Annahme  der  Goldwährung,
197.
Nitti,  161 3 ).
Nogaro,  Bertrand,  26 1 ),  101 3 ).
Norton,  J.  Pease,  47 2 ),  dessen  Indexnummern, ­
  185.
,,Nützlichkeitsmaßstab  “,  178—179.
Nutzleistungen  des  Reichtums  zum  Unterschied ­
  von  Nutzbarkeit,  5.
O.
Obligationen  in  bezug  auf  Anpassungsfähigkeit, ­
  161—152,  155—156.
Österreich,  Annahme  der  Goldwährung,  197;
mit  Papiergeld  gemachte  Erfahrungen,
207—208;  Österreich  als  Goldwährungsland ­
  zur  Adjustierung  der  Wechselparis,
279—280;  Goldeinkauf  und  Golddevisen,
281—282.
Oresme,  Nicolas,  89.
Orient,  „Silberaufnahmereservoir“,  190,200.
P.
Palgrave,  7 1 ).
Panama,  Golddevisenwährung,  276—277.
Paniken  und  deren  Ursachen,  52—63.
Papiergeld,  Folgen  übermäßiger  Ausgabe,
91;  Wirkung  zu  großer  Ausgabe  auf  das
Gold,  103;  uneinlösbares  Papiergeld,
193  ff.;  Wirkung  auf  die  Preise,  193,
202  ff.;  prekärer  Wert,  203—204;  Erfahrungen ­
  der  verschiedenen  Länder  mit
Papiergeld  (Frankreich,  England,  öster ­
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        Personen-  und  Sachregister.

431

reich,  amerikanische  Kolonien)  204ff.;
Kontinentalpapiergeld,  208  ff.;  Erfahrungen ­
  der  Vereinigten  Staaten,  209—•
214;  konföderierte  Schatzanweisungen,
214—215;  Vorschlag  zur  Stabilisierung
der  Preise,  271—272;  das  uneinlösliche
Papiergeld  in  Österreich,  280.
Pareto,  56 1 ).
Peri,  Plan  der  Anpassung  des  Goldparis  zur
Regulierung  des  Preisniveaus,  279—280,
282.
Peru,  Annahme  der  Goldwährung,  197.
Pearson,  Karl,  Korrelationskoeffizient,
239—240.
„Personenumsatz“,  290,  298—299.
Persons,  227,  239—240.
Philippinen,  Golddevisenwährung,  276—•
277.
Polymetallismus,  Vorschlag  zur  Stabilisierung ­
  der  Geldwährung,  268.
Porter,  Morgan,  Berechnung  der  Veränderlichkeit' ­
  der  Gold-  und  Silberproduktion,
267  &amp;gt;).
Post-  und  Telegraphenamt  als  Depositenbank, ­
  9;  Poststatistik,  409.
Prägen  und  Einschmelzen  der  Geldmetalle,
Einwirkung  auf  die  Geldmenge,  77—79.
Preisbewegung,  Feststellungen  von  d’Avenel,
  Hanauer  und  Leber,  189—192.
Preise,  Festsetzung,  3;  Unterschied  zwischen
individuellen  Preisen  in  Beziehung  zueinander ­
  und  dem  allgemeinen  Preisniveau, ­
  147;  Indexnummern  und  Dispersion ­
  149  ff.,  409;  Resultat  der  Nichtanpassung ­
  und  Anpassungsfähigkeit
klassifizierter  Güter,  150—152;  Preisschwankungen ­
  und  aus  Geldmetall  verfertigte ­
  Artikel,  154;  Veränderungen  im
Zinsfuß  und  Angebot  und  Nachfrage,
156  ff.;  Unmöglichkeit  einer  gleichmäßigen ­
  Veränderung,  158;  Vorbeugung  von
Preisveränderungen,  265.
Preisniveau,  von  drei  Ursachengruppen  bestimmt, ­
  11—12;  der  Quantitätstheorie
gemäß  variieren  die  Preise  in  direktem
Verhältnis  zur  Geldquantität,  12,  128—
129,  242—243;  Geldmenge,  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  und  Handelsvolumen,
23—24;  Währungsverschlechterung,  24;
Wirkung  des  Steigens  und  Fallens  auf
den  Zinsfuß,  45  ff.;  Beschreibung  einer
Zeitperiode,  während  welcher  das  Preisniveau ­

  steigt  und  zu  einer  Krise  führt,
47—51;  der  entsprechende  Kurs  nach
abwärts,  54—56;  zu  einer  Herabsetzung
führende  Einwirkungen,  69—60;  Veränderungen ­
  im  menschlichen  Bedarf,  61
—62;  Herabsetzung  durch  Transporterleichterungen, ­
  relative  Handelsfreiheit
wirksames  Geld-  und  Banksystem  und
durch  Geschäftsvertrauen,  62—63;  Erhöhung ­
  durch  Buchkredit,  65—67;  Bevölkerungsdichte, ­
  71;  Regulierung  durch
internationalen  und  interlokalen  Handel,
72—77;  Wirkung  eines  Schutzzolltarifs,
75—76;  Erhöhung  der  Geldquantität  und
Steigen  des  Preisniveaus,  128—129;  Veränderungen ­
  im  Handelsvolumen,  135—
138;  unter  normalen  Verhältnissen  das
einzige  absolut  passive  Element  in  der
Verkehrsgleichung,  140;  Unterscheidung
zwischen  individuellen  Preisen  und  dem
Preisniveau,  142;  durch  Einzelpreise
nicht  bestimmbar,  143  ff.;  Industrie-  und
Arbeitnehmerverbände,  146—147;  Wirkung ­
  auf  die  Dispersion  der  Preise,  150
—160;  Wirkung  einer  Veränderung  im
Geschäftsvolumen,  158—159;  allgemeine
Bewegung  nach  aufwärts,  189—190;
Entdeckung  Amerikas  und  Zunahme  in
der  Gold-  und  Silberproduktion,  Edelmetallbestand ­
  zu  verschiedenen  Zeitpunkten, ­
  190—192;  rasches  Steigen  von
1789—1809,  195;  Übersicht  des  neunzehnten ­
  Jahrhunderts,  195  ff.;  Wirkung
der  allgemeinen  Annahme  der  Goldwährung ­
  auf  das  Preisniveau  und  auf  die
Länder  mit  Silberwährung,  197-—198;
Steigen  bis  zur  Gegenwart,  198—199;
weiteres  Steigen  infolge  anhaltender
Goldproduktion,  201—202;  Wirkungen
der  Veränderungen  in  den  Depositenumlaufsmitteln
  auf  das  Preisniveau,  216  ff.;
Preissteigerung  eine  Wirkung  der  Depositenumlaufsmittel, ­
  222—223;  Statistik,
237—238;  Gesetz  der  direkten  Proportion, ­
  242—243;  Steigerung  innerhalb
14  Jahren  um  zwei  Drittel,  249—250;
Zusammenfassung  des  Steigens  und
wichtigste  Ursachen,  251  ff.;  Zunahme
im  Gelde,  der  wichtigste  Faktor  beim
Steigen  der  Preise,  254;  Wirkung  der  Zunahme ­
  in  der  Geldquantität  und  durch
das  Überfließen  des  Geldes  ins  Ausland,
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        432

Personen-  und  Sachregister.

255;  Preisniveau  als  Resultat  von  fünf
großen  Ursachen,  261  ff.;  Geschäftsbarometer ­
  und  darauf  gegründete  Voraussagen, ­
  263—264;  vorgeschlagene  Methoden ­
  zur  Stabilisierung:  durch  Bimetallismus, ­
  266—268,  Polymetallismus,
268,  Symmetallismus,  „verbundene  Metallsysteme“ ­
  und  andere  rein  akademische
Vorschläge,  269ff.;  durch  uneinlösbares
Papiergeld  und  eine  variierende  Münzgebühr, ­
  270—271;  durch  auf  Verlangen
jedoch  nicht  in  Goldmünze,  sondern  gegen
dessen  erforderliche  Kaufkraft  einzulösendes ­
  Papiergeld,  271,  durch  eine
Tabellarwährung  und  durch  eine  Vereinigung ­
  mit  der  letzteren,  272—276;
Veränderungen  der  Einzelpreise  und
Preisniveau,  314—316.
Preispaar,  Vorteil  bei  der  Aufstellung  zweier
verschiedener  Preise,  281—282.
Preissteigerung,  durch  Goldfunde  in  Kalifornien ­
  und  Australien  veranlaßt,  196.
Price,  L.  L„  190 2 ),  1911),  195*).
Produktion,  Einfluß  produktionstechnischen
Wissens  auf  das  Handelsvolumen,  61.
Produktionsgrenzkosten,  80—81.
&amp;lt;i•
Quantität  des  Geldes,  Verhältnis  der  Preise
zur  Geldmenge,  12,  128—129,  242—243
(s.  a.  Quantitätstheorie);  Depositen  mit
Geldquantität  in  gleichem  Verhältnis,
41—43;  Zunahme  der  Geldquantität
eine  Ursache  der  Störung  des  finanziellen
Gleichgewichts,  57;  Einfluß  des  Außenhandels ­
  auf  die  Geldquantität,  72—77;
Einwirkung  außerhalb  der  Verkehrsgleichung ­
  liegender  Ursachen,  72  ff.;
Einfluß  des  Prägens  und  Schmelzens  von
Geldmetallen,  77—79;  durch  Produktion
und  Konsumtion  der  Geldmetalle  wirkende ­
  Einflüsse,  80—83;  Einwirkung  der
Geldsysteme,  89  ff.;  Verdoppeln  der
Geldquantität  verdoppelt  Depositen,  hat
keinen  Einfluß  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit,
  erhöht  aber  die  Preise  im  Verhältnis ­
  zu  ihrer  eigenen  Zunahme,  120—
129;  Gesetz  der  direkten  Proportion
zwischen  Geldquantität  und  Preisniveau,
128—129,242—243;  Verhältnis  zwischen
Depositen  und  Geldquantität,  132;  Wirkung ­
  von  Veränderungen  in  den  Umlaufsgeschwindigkeiten, ­

  134;  Wirkung
von  Veränderungen  im  Handelsvolumen,
134—135;  Beweis  der  Bedeutung  der
Geldquantität  als  preissteigemder  Faktor, ­
  251—254;  volle  Wirkung  einer  Zunahme ­
  durch  das  Überfließen  ins  Ausland
in  den  Vereinigten  Staaten  nicht  wahrnehmbar, ­
  255;  Hauptursache  der  Zunahme, ­
  258.
Quantitäten  der  Waren,  Veränderungen  denjenigen ­
  der  Preise  entsprechend,  157—
158,  314—316.
Quantitätstheorie  des  Geldes,  Streitursachen
12—13;  Preise  variieren  im  Verhältnis
zum  Gelde,  12,  127—129,  242—243;  die
Verkehrsgleichung  definiert,  13—26  (s.
a.  Verkehrsgleichung);  dreifache  Erläuterung, ­
  24  ff.;  kausaler  Zusammenhang,
120ff.;  Schlußfolgerung,  128;  bewährt
sich  nicht  voll  und  ganz  in  Übergangsperioden, ­
  129—131.
K.
Reichtum,  Hauptmerkmale:  Stofflichkeit
und  Aneignung,  1;  definiert  als  materielle
zu  menschlichem  Gebrauch  angeeignete
Gegenstände,  1;  Übertragung,  Austausch
Preis  und  Wert,  2;  Bemessung  in  physikalischen ­
  Maßeinheiten,  2;  Eigentum,  3;
Bedeutung  von  Nutzleistungen  und
Nützlichkeit,  5.
Remedium  (Abnutzungsgrenze),  91.
Rhode  Island,  Papiergeld,  208.
Reserven  (Bankreserven),  37  ff.;  gesetzliche
Regulierung,  37—38;  Wirkung  des  Steigens
  der  Preise,  52;  Verhältnis  zwischen
Geldquantität,  Depositenquantum  und
Bankreserven,  132.
Ricardo,  20 3 ),  25 1 ),  36 a ),  152 1 ),  203 1 );  Idee
eines  Preispaares,  281.
Robertson,  J.  Barr,  197  4 ),  198 6 ).
Ross,  Edward,  A.,  178 4 ).
„Runs  auf  die  Banken“,  verursacht  durch
Perioden  steigender  Preise,  52.
Rußland,  Annahme  der  Goldwährung,  197.
S.
Sakata,  197 s ).
Sauerbeck,  Indexnummern,  191 1 ),  193 1 ),
195 6 ),  199.
Schecks,  Wirkung  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit, ­
  67—68;  Zunahme  im  Handels ­
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        Personen-  und  Sachregister.

433

volumen  verursacht  Zunahme  an  Schecks,
134—135;  Statistik  der  Schecks,
229—230,  413;  Statistik  der  per  Scheck
vorgenommenen  Zahlungen,  249—250;
Statistik  der  gesamten  durch  Scheck  erledigten ­
  Austauscharbeit,  259—261;  Methode ­
  zur  Berechnung  der  dem  Scheckverkehr ­
  unterworfenen  Depositen,  362.
Scheidemünzen,  10.
Schlagschatz  für  den  Austausch  von  Barrenmetall ­
  in  Geldmünze,  25,  79;  Regulierung ­
  der  Goldlieferungen  aus  den  Minen
durch  einen  variierenden  Schlagschatz,
270—271.
Schutzzolltarif,  75—76;  durch  zeitweilige
Schaffung  einer  „günstigen“  Handelsbilanz ­
  hervorgebrachte  Wirkung,  256—
258.
Schwab,  J.  C.,  214 1 )  2 ),  215 1 )  2 ).
Scott,  12 2 ).
Scrope,  G.  P.,  Benutzung  der  Preisindexnummer ­
  zur  Stipulierung  vertragsmäßiger ­
  Zahlungen,  168 1 ),  272  ff.
Seager,  115 1 ).
Seigniorage  s.  Schlagschatz.
Shaler,  N.  S.,  dessen  Ansicht  über  die  Goldwährung, ­
  265.
Shaw,  W.  A.,  106 1 )  2 )  »),  108—109.
Sherman  Akte  vom  Jahre  1890,  113—114
Siam,  Golddevisenwährung,  276—277.
Sibirien,  Goldfunde,  195.
Sidgwick,  H„  162  &amp;gt;).
Silber,  Silberzertifikate  der  Vereinigten
Staaten,  115—116;  Statistik  über  die
Zunahme  der  Jahresproduktion  von  Silber, ­
  190—191;  Silberdemonetisierung
verursachte  Fallen  der  Preise  in  Goldwährungsländern, ­
  197;  Wirkung  der  Annahme ­
  der  Goldwährung  auf  die  Lander
mit  Silberwährung,  197—198;  Veränderlichkeit ­
  in  der  Gold-  und  Silberproduktion, ­
  267 x );  Überwertung  des  Silbers  bei
Bimetallismus,  267—268.
Skandinavische  Münzunion,  Annahme  der
Goldwährung,  196.
Smiley,  W.  Y.,  406.
Smith,  „George  Smith’s  Money“,  38.
Smith,  J.  Allen,  275 1 )-Soetbeer,
  Adolf,  Zahlen  über  die  Gold-  und
Silberproduktion  der  Erde  190 2 ),  191 2 ).
Sparsinn,  Einwirkung  auf  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes,  64—66.
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.

Statistik  über  die  Zunahme  der  Jahresproduktion ­
  von  Gold  und  Silber,  190—
191;  statistischer  Vergleich  zwischen
Gold  und  Greenbacks,  210;  Statistik  über
Schecks,  229—230,  413;  Statistik  über
Preisniveaus,  237—238;  statistische  Aufstellung ­
  der  Scheck-  und  Bargeldtransaktionen ­
  259—260,  413—414.
Sprague,  O.  M.  W.,  28 1 ),  219 1 )-J
  Steinbrüche,  Wirkung  der  Veränderungen
im  Zinsfuß,  157.
Stokes,  Vorschlag  „verbundener  Metallsysteme“, ­
  269.
Straits  Settlements,  Golddevisenwährung,
276—277.
Substitute,  Geldsurrogate  ungleich  anderen
Ersatzmitteln,  308—310.
Sumner,  W.  G.,  7 2 ) 3 )  *)  *),  2070,  208 2 ).
Symmetallismus,  von  Marshall  vorgeschlagenes ­
  Geldsystem,  269.
Synchronismus  von  Einnahmen  und  Ausgaben, ­
  70.
T.
„Tabellarischer  Wertregulator“,  zur  Verminderung ­
  der  Schwankungen  im  Kredit,
274—276.
Tabellarwäkrung,  Einwendungen  gegen  dieselbe, ­
  272—276;  Vorschlag  einer  Vereinigung ­
  der  Tabellarwährung  mit  der
Golddevisenwährung,  276  ff.
Tafelmaßstab,  171.
Tauschhandel,  Austausch  von  Gütern  gegen
Güter,  11.
Technik,  Einwirkung  der  Produktionstechnik ­
  auf  das  Handelsvolumen  und  auf  das
Preisniveau,  61.
Telegraph,  Erhöhung  der  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  durch  den  Telegraph,  71.
Thesaurieren,  130,  203.
Thom,  de  Courcy  W.,  216 2 ),  217 l ),  218 1 ).
Toleranzgrenze  seitens  der  Münzstätten,  91.
Transporterleichterungen,  Wirkung  auf  das
Handelsvolumen,  62;  Einfluß  auf  die
Umlaufsgeschwindigkeit,  71,  135.
Trusts,  beeinflussen  das  allgemeine  Preisniveau ­
  in  keiner  Weise,  146—147.
U.
Übergangsperioden,  deren  zeitweilige  Einwirkung ­
  auf  die  Verkehrsgleichung,  44ff.,
129—131;  charakterisiert  entweder  ein

28
        <pb n="454" />
        434

Personen-  und  Sachregister.

Steigen  oder  Fallen  der  Preise,  45  (s.
Krisen).
Übertragung  von  Reichtum,  definiert  als
Wechsel  des  Eigentümers,  2.
Umlauf,  Statistik  über  in  Umlauf  befindliches ­
  Geld,  228—229.  S.  a.  Umlaufsgeschwindigkeit. ­

Umlaufsmittel  oder  Zirkulationsmedia,  definiert ­
  als  Typus  von  Eigentumsrechten,  8;
zwei  Hauptklassen,  8—9;  Klassifizierung
in  den  Vereinigten  Staaten,  10—11.
Umlaufsgeschwindigkeit,  definiert,  14,289  ff.
Einwirkung  außerhalb  der  Verkehrsgleichung ­
  liegender  Ursachen,  63—64;
Zunahme  durch  „Belasten“  oder  Buchkredit, ­
  65—67;  Zunahme  durch  Bevorzugung ­
  der  Schecks  dem  Bargelde,  und
durch  erhöhte  Frequenz  der  Einnahmen
und  Ausgaben,  67—69;  Wirkung  der
Regelmäßigkeit  in  den  Einnahmen  und
Ausgaben,  69—70;  Einwirkung  durch
Ausdehnung  und  Raschheit  der  Transportverhältnisse, ­
  70;  wächst  mit  zunehmender ­
  Bevölkerungsdichte,  70—71,
258;  Beweisführung,  daß  die  Quantität
des  Geldes  und  der  Depositen  auf  die
Umlaufsgeschwindigkeit  keinen  Einfluß
ausübt,  120—125;  Wirkung  von  Veränderungen ­
  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit, ­
  134;  Wirkung  einer  Zunahme  im
Handelsvolumen,  134—137;  vor,  während ­
  und  nach  Krisen,  220;  Berechnungen, ­
  230—233;  Erhöhung  in  13  Jahren
um  10%,  249—250;  Bedeutung  beim
Steigen  der  Preise,  251—254;  Begriff  von
„Münzenübertragung“  und  „Personenumsatz“, ­
  290,  298—299;  Berechnungsmethode, ­
  368—375.
Umsatzzeit,  291,  299.
Umschlagsfrequenz,  individuelle  Umsätze,
136;  an  der  Yale  Universität  gesammelte
Statistik,  311—314.  S.  Umlaufsgeschwindigkeit. ­

Unzulänglichkeit  an  Barmitteln  seitens  der
Banken,  35—36.  V.
V.
Verkehrsgleichung,  definiert,  6;  allgemeine
Darstellung,  13—14,  Geld-  und  Güterseite, ­
  14—15;  arithmetische  Erläuterung,
14—17;  mechanisch  erläutert,  17—19;
algebraisch  dargelegt,  19—23,  299—300,

303;  Einwirkung  der  Bankdepositenumlaufsmittel, ­
  27  ff.;  Störung  der  Gleichung ­
  während  Übergangsperioden,  44  ff.
die  Frage  kausaler  Folge,  119—120;  Aufbau ­
  von  Indexnummern,  160  ff.  (s.  Indexnummem);
  statistischer  Nachweis,
226—261;  Vorteile  der  Geschäftswelt
durch  bessere  Kenntnis  der  Verkehrsgleichung, ­
  263—264;  Wirkung  des  Zeitkredits, ­
  304—305;  Modifikation  durch
internationalen  Handel,  305—308.
Venezuela,  Annahme  der  Goldwährung,  197.
„Verbundene  Metallsysteme“,  269.
Vereinigte  Staaten,  Skizze  über  das  Geldsystemin ­
  den  V  ereinigten  Staaten,  112  ff.;
Ausgabe  von  „Greenbacks“,  113  ff.;  mit
Papiergeld  gemachte  Erfahrungen,  209
—214;  Aufstellung  der  Jahre  finanzieller
Krisen,  217.
W.
Walker,  Francis  A„  7 1 ),  9 1 ),  203'),  273  Q-Walras,
  Vorschlag  einer  Goldwährung  mit
einem  „Silberregulator“,  269.
Walsh,  C.  M„  161 a ),  168 1 ),  180*),  182 1 ),
324 1 ),  325 1 ),  326  Q,  327*)  6 ),  329 1 ).
Waren,  definiert,  1;  vergleichsweise  Anpassung ­
  der  Warenpreise,  151—162;
Preisveränderungen  den  Quantitätsveränderungen ­
  entsprechend,  157—168;
Gegenüberstellung  von  Warentypen,  157
—158,  314—316.
Wechsel,  relative  Anpassungsfähigkeit  der
Wechselkurse,  151.
Wells,  David  A.,  143.
Wert,  die  Größe  „Wert“  und  Festsetzung,  2;
Geldwert  eines  Reichtumspostens,  3;
Wertzeichen,  10;  „Tabellarischer  Wertregulator“, ­
  274.
White,  Andrew  D„  205 1 ).
White,  Horace,  38*).
WickseH,  Knut,  48 1 ) 3 ).
Y.
Yale  Universität,  Statistik  individueller
Umsätze,  136,  311—314.
Z.
Zahlungen  zu  späterem  Termin,  Anwendung
von  Indexnummem  zur  Bemessung  von
Zahlungswerten,  169—176.
        <pb n="455" />
        Personen-  und  Sachregister.

435

N

Zeitpunkt  und  Zeitperiode,  5—6.
Zinsfuß,  Festsetzung  imBankwesen,  36—37;
Wirkung  steigender  und  fallender  Preise
auf  den  Zinsfuß,  45—46,  216 2 );  in  Perioden ­
  steigender  Preise  von  letzteren
überholt,  48,  222—223;  Handelskrisen
durch  zu  langsame  Anpassung  des  Zinsfußes ­
  veranlaßt,  53—54,  67—58;  Wirkung ­
  von  Veränderungen  im  Zinsfuß  auf
die  Einzelpreise,  157;  Anpassung  des
Zinsfußes,  die  Schwankungen  im  Geldwerte ­
  auszugleichen,  unzulänglich,  180,
188,  263.
Zirkulation  der  Banknoten  und  Bankdepositen, ­
  vor,  während  und  nach  Krisen,  216
—220.

Zirkulation  des  Geldes,  allgemein  anwendbare ­
  Berechnungsformel,  375—386.  S.
Umlauf.
Zirkulationsmedia  s.  Umlaufsmittel.
Zirkulierender  Kredit,  27  ff.  S.  Depositen.
Zizek,  Franz,  286 1 ).
Zolltarifgesetze,  Wirkungen  auf  die  Kaufkraft ­
  des  Geldes,  75—76;  temporäre  Wirkung ­
  der  Erhöhung  des  Preisniveaus  des
geschützten  Landes,  256—257.
Zuckerkandl,  12 1 ).
Zufluß,  Abfluß  und  Vorrat  des  Goldes,  84  ff.
Zunahme  des  Geldes,  der  wichtigste  Faktor
heim  Steigen  der  Preise,  251—255.
        <pb n="456" />
        mmRBBBSM

Nachtrag  zur  zweiten  Auflage.  415

Nachtrag  zur  zweiten  (amerikanischen)  Auflage.
In  der  vorliegenden  zweiten  Auflage  sind  die  Zalden  in  den  Tabellen
auf  Seite  249  und  260  durch  Hinzufügung  von  Zahlen  für  die  Jahre  1910,
1911  und  1912  ergänzt  und  zwischen  Seite  250  und  251  ist  eine  neue
graphische  Darstellung  eingesetzt  worden.  (Betreffs  ausführlicher  Erläuterung ­
  dieser  Zahlen  siehe  ,,‘The  Equation  of  Exchange,  1896  1910
American  Economic  Review  Juni  1911;  „‘The  Equation  of  Exchange’  for
1911  and  Forecast“,  a.  a.  0.  Juni  1912;  und  „‘The  Equation  of  Exchange’
for  1912  and  Forecast“,  a.  a.  O.  Juni  1913.)
Herr  Professor  Wesley  Clair  Mitchell  war  so  liebenswürdig,  mir  die
Druckbogen  seines  demnächst  erscheinenden  Buches  über  Business  Cycles
(University  of  California  Press)  zu  zeigen,  in  dem  er  die  scheckfähigen  Depositen ­
  (G'),  nach  etwas  anderen  Methoden  und  mit  Hilfe  von  Material,
das  bei  Bearbeitung  des  vorhegenden  Buches  noch  nicht  zur  Verfügung
stand,  nochmals  abgeschätzt  hat.

Mitchells  Schätzungen  der  schechfähigen  Depositen  und  der  Umfang,  in  dem
die  Schätzungen  des  Verfassers  dieses  Buches  die  ersteren  überschreiten  oder
hinter  ihnen  Zurückbleiben.

Mitchells
Ergebnisse

1896..

2.69

1897..

2.75

1898..

3.20

1899..

3.87

1900..

4.21

1901..

4.96

1902..

5.37

1903..

5.54

1904..

5.85

1905..

6.56

1906..

6.86

1907..

7.11

1908..

6.52

1909..

6.81

1910..

7.71

1911..

8.24

Fisher  Mehr  (oder  Minder)

nicht  ausgeglichen ­


ausgeglichen

—  0.01

+  0.02

+  0.05

+  0.11

—  0.01

+  0.02

+  0.03

+  0.01

+  0.19

+  0.23

+  0.17

+  0.17

+  0.06

+  0.03

+  0.16

+  0.19

—  0.05

—  0.08

—  0.02

—  0.02

—  0.02

—  0.05

+  0.02

+  0.02

+  0.08

+  0.05

—  0.06

—  0.13

—  0.47

—  0.48

—  0.46

—  0.46

A
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        ﻿
        <pb n="458" />
        ﻿
        <pb n="459" />
        ﻿
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
