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        <title>Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa</title>
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        ﻿
        <pb n="5" />
        ﻿Die hygienischen
Verhältnisse der Insel

FORMOSA

Im Aufträge des General-
gouvernements Formosa
herausgegeben von

Dr. T. Takaki

Dresden 1911

Druck von C. C. Meinhold &amp; Söhne, Kgl. Hofbuchdruckerei
        <pb n="6" />
        ﻿Zu den wichtigsten Faktoren, die für die Ent-
wicklung und Hebung einer Kolonie in Frage
kommen, gehören volkshygienische Maßnahmen.
Der Gesundheitszustand kann daher sehr wohl als
geeigneterMaßstab gelten, wenn man den Grad des
allgemeinen Fortschritts einer Kolonie erkennen will.

Die Insel Formosa stand früher in dem Rufe, eine
der ungesündesten Gegenden der Welt zu sein; in
den letzten Jahren jedoch ist erfreulicherweise eine
bedeutende Besserung der Volksgesundheit einge-
treten. Die diesbezüglichen Verordnungen und Vor-
schriften, die das Generalgouvernement getroffen
hat, sowie ihre zweckmäßige Durchführung haben
wir im letzten Grunde der Hygiene zu verdanken;
ihr müssen wir somit den größten Anteil an den
Erfolgen Formosas zuerkennen. Möge die Zivili-
sation auch auf das fernere Gedeihen der Insel
immerdar segensreich wirken.

Taihoku, April 1911.

Dr.jur. K.UCHIDA,

Chef der Zivilverwaltung.
        <pb n="7" />
        ﻿Vorwort des Herausgebers.

nläßlich der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911

hat das Generalgouvernement Formosa beschlossen, eine
Denkschrift herauszugeben, um auch weiteren Kreisen

eine zutreffende Vorstellung von den gesundheitlichen Verhältnissen
der Inselgruppe zu ermöglichen.

Die Ehre, das vorliegende Buch zu bearbeiten, ist mir zuge-
fallen und damit zugleich eine gewisse Verantwortlichkeit. Wenn
der Inhalt des Buches weder systematisch noch sonst einheitlich
ist, so kommt dies daher, daß einerseits lediglich die charakte-
ristischen Einrichtungen und Tatsachen berücksichtigt wurden und
daß anderseits auch unter diesen nur die eine und die andere aus-
führlicher behandelt sind. Außerdem soll gleich im voraus bemerkt
sein, daß eine streng wissenschaftliche Darstellung nicht beabsichtigt
war; viele wichtige und interessante Untersuchungen, die auf For-
mosa angestellt worden sind, mußten unerwähnt bleiben.

Zugrunde liegen meist offizielle Quellen; bei ihrer Verwertung
haben mich meine Amtsgenossen im Sanitätsbureau, in der medi-
zinischen Schule, im Regierungshospital, im Institut für experi-
mentelle Forschungen, in der Bauabteilung, im statistischen Bureau
und im Observatorium zu Taihoku mit dem größten Eifer unterstützt.

Dresden, den 6. Mai 1911,
am Tage der Eröffnung der Ausstellung.

Dr. med. T. TAKAKI,

Chef des Satiitätsbureaus, Direktor der
medizinischen Schule und des Instituts
für experimentelle Forschungen zu Taihoku.
        <pb n="8" />
        ﻿er Vft;w.'trtscte‘

iDO Kiä&gt;i

26 4- 4 5.

Inhaltsverzeichnis.

Einleitung................................................. 9

1.	Geographisches........................................... 13

2.	Das Klima .............................................. 13

3.	Die Bevölkerung......................................... 25

4.	Organe der öffentlichen Gesundheitspflege............... 32

5.	Quarantänewesen......................................... 36

6.	Das Institut für experimentelle Forschungen zu Taihoku. 37

7.	Die medizinische Schule zu Taihoku...................... 40

8.	Hospitäler.............................................. 45

9.	Ärzte, Hebammen und Krankenpflegerinnen................. 59

10.	Apotheker- und Arzneimittelwesen....................... 64

11.	Hygienische Maßnahmen in den Städten................... 69

12.	Wasserversorgung....................................... 77

13.	Kanalisation........................................... 89

14.	Nahrungsmittelkontrolle................................ 95

15.	Markthallen und Schlachthäuser......................... 97

16.	Pest.................................................. 100

17.	Andere Infektionskrankheiten.......................... 130

18.	Malaria..............................................  133

19.	Über einige endemische Krankheiten.................... 158

20.	Das Opium............................................. 165

21.	Arznei- und Giftpflanzen.............................. 172

22.	Giftschlangen und Giftschlangenbisse.................. 189

23.	Mineralquellen........................................ 203

24.	Begräbnisplätze und Krematorien sowie Beerdigungs- und

Feuerbestattungswesen................................... 205

25.	Die Sanitätskassen.................................... 208

26 Die ordentlichen Ausgaben für sanitäre	Zwecke........... 210

27.	Gefängniswesen........................................ 211

28.	Statistik............................................. 217
        <pb n="9" />
        ﻿Einleitung.

Formosa ist im April 1895 durch den Frieden von Shimonoseki
an Japan abgetreten worden. Hierüber ergrimmt, griff
damals ein Teil der Bevölkerung zu den Waffen und lehnte
sich, verbunden mit dem Reste der chinesischen Truppen, gegen die
kaiserlich japanische Besatzung auf. Dazu kam, daß die bereits unter
der Herrschaft der Chinesen gefürchteten Räuberbanden, begünstigt
durch die Unruhen im Volke, überall ihr Unwesen trieben. Nach alle-
dem mußten in der ersten Zeit der Besitzergreifung zahlreiche mili-
tärische Maßnahmen getroffen werden. Nachdem die ganze Insel im
Mai 1902 von Aufständischen und Räubern gesäubert worden war,
zog, von einzelnen Gebieten der Wilden abgesehen, allenthalben der
Friede ein, der seitdem nie wieder unterbrochen worden ist.

Das anfängliche Überwiegen der kriegerischen Tätigkeit hatte
jedoch auch in der ersten Zeit die Sorge für die Volkshygiene
keineswegs ausgeschaltet. Die hier in erster Linie zu lösende
Frage, die den leitenden Kreisen zunächst am meisten zu denken
gab, war die, welche Stellung man den Opiumrauchern gegen-
über einnehmen solle. Während in Japan das Opiumrauchen immer
streng verboten war, fand man unter den Bewohnern Formosas sehr
viele Opiumraucher vor. Noch nirgends in der Welt war damals etwas
von einer Antiopiumbewegung bekannt. Wollte man das Verbot des
Opiumgenusses wie im Inlande, so auch auf Formosa unerbittlich
durchführen, so mußte man bedenken, daß eine solche Maßnahme als
eine grausame Härte aufgefaßt und von den Aufrührern in diesem
Sinne als Vorwand und japanfeindliche Parole benutzt werden würde.
Anderseits aber konnte das Opium auch nicht ohne weiteres geduldet
werden, weil man ja dann nicht nur ein von der japanischen Regierung
bis jetzt stets gewahrtes Prinzip, sondern auch die Gebote der
Humanität hätte verletzen müssen. Dementsprechend waren die An-
sichten sehr geteilt. Da reichte der damalige Direktor der Sanitäts-
abteilung des Ministeriums des Innern, Dr. med. Baron S. Goto, der
        <pb n="10" />
        ﻿10

spätere Chef der formosaischen Zivilverwaltung und jetzige Verkehrs-
minister, eine Denkschrift ein, die von der kaiserlichen Regierung an-
genommen wurde. Daraufhin wurde im Januar 1897 die Bestimmung

Eingang- zum Verwaltungsgebäude des Generalgouvernements Formosa zu Taihoku

getroffen, daß die derzeitigen unheilbaren Opiumgewohnheitsraucher
einen besonderen Erlaubnisschein erhalten und weiter rauchen dürfen
sollten; alle anderen Individuen, die diesem Laster noch nicht frönten,
sollten davon möglichst fern gehalten und die Opiumschäden über-
haupt durch erzieherischen Einfluß aus der Welt geschafft werden.

Da, wie für alle administrativen Anordnungen, so auch für die
hygienischen Maßnahmen Landesaufnahme und Volkszählung
die Voraussetzung und Grundlage bilden, wurden bereits im J ahre 1898,
also noch vor der Ausrottung der Räuberbanden, Gesetze erlassen, die
die Durchführung einer Landesaufnahme und die Anlage von Grund-
büchern forderten; gleichzeitig setzte man ein außerordentliches
Landesaufnahmeamt ein und nahm die Feststellung der Grund-
besitzverhältnisse sowie die trigonometrischen und topographischen
Vermessungen in Angriff. Diese Arbeiten wurden im März 1905
        <pb n="11" />
        ﻿11 —

vollendet. Im Mai desselben Jahres wurde eine Verordnung über Zu-
sammensetzung und Tätigkeit der außerordentlichen Volkszählungs-
behörde erlassen. Die erste und bis jetzt einzige Volkszählung erfolgte
in den drei Tagen vom 1. bis 3. Oktober 1905.

Formosa hat über 3 Millionen Einwohner. Die weitaus über-
wiegende Mehrzahl (1905: 95,1%) hiervon machen die aus den
Provinzen Fukien und Kwang-tung eingewanderten Chinesen aus;
in sehr weitem Abstande folgen die chinesisierten und die eigent-
lichen Wilden. Unter diesen verschiedenen Völkerschaften herrscht,
ein Erbe von ihren Vorfahren her, beständig Fehde. Um im
kaufe der Zeit ein einträchtiges Zusammenleben herbeizuführen,
wurden seit 1901 Erhebungen über das Gewohnheitsrecht be-
gonnen, das sich unter ihnen allmählich herausgebildet hat. Diese
Erhebungen sind nunmehr zu Ende geführt.

Gouverneurhaus zu Taihoku

Um die Herzen der Bevölkerung zu gewinnen, beschloß das
Generalgouvernement, da einerseits Japan durch die medizinische
Wissenschaft für die westliche Kultur gewonnen worden ist und da es
        <pb n="12" />
        ﻿12

anderseits an dem Grundsätze unbeschränkter Religionsfreiheit fest-
hält, die Vermittlung der Heilkunde zu benutzen. Daher wurden
schon im Jahre 1896 Krankenhäuser zuTaihoku, Taichu und Tainan
eröffnet. Allmählich folgten solche an anderen Orten, und gegenwärtig
sind bereits 11 Hospitäler vorhanden. Ferner wurde 1899 die medi-
zinische Schule zu Taihoku errichtet, an der ausschließlich junge
Formosachinesen zu Ärzten ausgebildet werden. Jetzt (1911) haben
schon 181 Studierende die Anstalt erfolgreich absolviert. Ferner
wurden schon im Jahre 1896 die sogenannten Kö-i, halbbeamtete
Ärzte, die sich sowohl mit der Behandlung von Kranken aus dem
Volke als auch mit der öffentlichen Gesundheitspflege sowie der Aus-
stellung von Attesten und Gutachten und dergleichen zu befassen
haben, an allen bedeutenderen Orten stationiert. Augenblicklich
beträgt ihre Zahl 83.

In den der Besitzergreifung folgenden Jahren trat die Pest
verheerend auf; 1901 erkrankten 4496 daran, 1904; 4500. Doch
gelang es den gemeinsamen Bemühungen der Behörden und des
Volkes, die Kraft der Seuche zu brechen, sodaß im Jahre 1910 nur
noch 19 Erkrankungsfälle zu verzeichnen waren und zwar ausschließ-
lich in entlegenen Dörfern des Distrikts Kagi.

Von der Malaria wurden von jeher sehr viele Menschen be-
fallen; insbesondere hatten darunter die Japaner als Neuankömm-
linge stark zu leiden. Infolge der Vervollkommnung der Wohnungen
und der Organisation der Häuser- und Straßenreinigung, die unter
Aufsicht von Polizeibeamten vorgenommen wird, treten aber jetzt
Massenerkrankungen im westlichen Flachlande nur noch selten
auf; aus Taihoku und einigen anderen Städten ist die Malaria
sogar spurlos verschwunden. Nur an der Ostküste und auf den Vor-
höhen der Gebirgsketten wütet die Malaria noch weiter.

Auch sonst ist sehr viel auf dem Gebiete der Hygiene getan
worden. Man legte Wasserleitungen und Kanäle, Markthallen
und Schlachthäuser usw. an und arbeitete rationelle Stadtbebauungs-
pläne aus, um alsbald ihre Durchführung zu beginnen. So ist
jetzt alles ganz anders als früher geworden. Die erfreuliche Wirkung
der gesamten Maßnahmen ist natürlich die, daß sich der Gesundheits-
zustand der Insulaner wirklich mit jedem Jahre verbessert.
        <pb n="13" />
        ﻿1.	Geographisches.

Das Generalgouvernement Formosa besteht aus der eigentlichen
Insel Formosa (Taiwan), der Höko-(Pescadores-)Gruppe und
einer Anzahl kleiner Nebeninseln. Es erstreckt sich 160 km
östlich von dem in der chinesischen Provinz Fukien gelegenen Hafen
Amoy und 355 km nordöstlich von den Philippinen. Die Haupt-
insel Taiwan liegt zwischen 21° 45' und 25° 38' n. B. und 120° 2' und
122° 6' ö. L., die Höko-Gruppe zwischen 23° 1' und 23° 46' n. B. und
119° 18' und 119° 43' ö. E.

Die größte Breite der Hauptinsel von Osten nach Westen
ist etwa 157 km, während ihre Ausdehnung von Norden nach Süden
ca. 393 km beträgt. Bei einer Küstenlinie von 1140 km hat sie
einen Flächeninhalt von über 35 750 qkm. Nebeninseln besitzt sie
14; sie haben einen Gesamtumfang von etwa 98 km und einen
Flächeninhalt von etwa 93 qkm. Die Hauptinsel der Höko-Gruppe
hat einen Umfang von rund 114 km und einen Flächeninhalt von
über 62 qkm und mit ihren 63 Nebeninseln zusammen einen Um-
fang von rund 212 km und einen Flächeninhalt von über 62 qkm.
Der Gesamtflächeninhalt des Ganzen gleicht also beinahe dem
der Insel Kiushu. Auch die Bodengestaltung ist in mancher Be-
ziehung ähnlich. So durchziehen mächtige Gebirgsketten die Mitte
von Taiwan und teilen die Insel der Hänge nach in eine östliche
und eine westliche Hälfte. Die östliche Hälfte fällt jählings ins
Meer ab, während die westliche eine fruchtbare Ebene von an-
sehnlicher Ausdehnung bildet.

Von den Gebirgszügen, die die Mitte der Insel durchziehen,
ist die Sylvia-Kette der mächtigste. Sie erhebt sich am Kap Dom
südlich Suö zu Gipfeln, die mehrere Tausend Fuß hoch sind —
der Sylvia-Berg selbst erreicht eine Höhe von etwa 4000 m —,
macht eine kleine Biegung nach Süden hin und zieht bis zum Schnee-
berg (Taisetzu-zan) weiter, wo sich die Kette ein wenig nach Westen
wendet. Dann nimmt sie die südliche Richtung wieder an und erhebt
        <pb n="14" />
        ﻿14

Bambuswald

sich als Shükoran- und Pinan-
Gipfel zu einer Höhe von
etwa 3600 m, bis sie bei Kös-
hun im Südkap endet. Ein
anderer Gebirgszug, dieNita-
kayama-Kette, beginnt im
Kabusran-Berge, umgeht den
Sylvia-Zug auf der nord-
westlichen Seite, läuft bei
Taiko und Töseikaku vor-
bei und bildet bei Horisha
die Berggruppen von Kan-
tösan, Shujötaisan usw.
Sich weiter nach Süden er-
streckend, erreicht sie im
Nitakayama (Mount Morri-
son) eine Höhe von etwa
4300 m. Sie weist im Süden
noch einige andere Berge von
gleicher Plöhe auf, bis sie
sich am Pinan-Gipfel mit der
Sylvia-Kette vereinigt. Eine
dritte, nicht über 1500 m
hohe Kette entspringt am
nördlichen Rande des Ka-
busran-Gebirges. Sie wendet
sich als Sanshö- und Sorei-
Gebirge zunächst nach Süd-
westen, um sich dann, west-
lich an Töseikaku und
Horisha und östlich an Kagi
vorbei, in südlicher Richtung
bis nach Hözan zu erstrecken.
Die Berge im' nördlichen
Teile von Formosa sind un-
gleichmäßig hoch; es be-
finden sich einige ziemlich
        <pb n="15" />
        ﻿15

ansehnlicheSpitzen darunter,
wie der Daitonzan im Norden
des Distrikts Taihoku (etwa
1100 m), der an ver-
schiedenen Stellen Schwefel-
dämpfe ausströmt und reich
an heißen Quellen ist, oder
der am Hafeneingang von
Tamsui emporragende Kan-
nonzan (600 m), der wegen
seiner schönen Gestalt be-
rühmt ist.

Große Wasseradern
gibt es infolge dieser zahl-
reichen Bängsketten natur-
gemäß nicht. Von einiger
Bedeutung sind die Flüsse
Tamsui, Körökel, Taiankei,
Taikölcei, Taitokei, Daku-
suike'i, Sobunkei, Katam-
suikei, Pinantaikei, Shüko-
rankei und Karenkökei. Sie
haben sämtlich starkes Ge-
fälle. Nach den starken
Regengüssen im Juli und
August treten die Flüsse mit
außerordentlicher Schnellig-
keit über, wobei die Ufer
stark beschädigt werden,
und setzen die Felder unter
Wasser. Dann kommt es
vor, daß der Verkehr auf
Wochen abgeschnitten wird.
Sobald aber die trockene
Witterung eintritt, ver-
siegen die kürzeren Flüsse
gänzlich.

Betelnußwald
        <pb n="16" />
        ﻿i

— 16 —

Die Westküste der Hauptiusel besteht meist aus Untiefen mit
abgelagertem Schlamm und Sand, während im Osten eine Steil-
küste vorherrscht, die mitunter von Sandbänken umsäumt wird.
An Einschnitten ist die Küste sehr arm. Zu nennen sind da
eigentlich nur Kilung im Norden und Takao im Süden, daneben
höchstens noch Tamsui, Amping, Tokatsukutsu, Rokkö, Taihanroku,
Pinan, Karenkö, Suö usw. Doch können nur die beiden erstgenannten
Häfen größere Schiffe aufnehmen.

Der Boden der Insel ist fruchtbar; man erzielt j ähnlich eine zwei-
malige Reisernte. Der Südwesten, wo sich die Hauptebene erstreckt,
weist sehr ertragreiche Zuckerrohrkulturen auf. Auch der verhältnis-
mäßig am stärksten gebirgige Norden und Osten ist ziemlich reich an
anbaufähigem Flachlande. Dieses zieht sich hier zwischen Bergen hin,
in denen sich Gold, Kohle, Petroleum, Marmor, Schiefer u. a. finden.
Überall in den Gebirgen erheben sich die für Formosa charakte-
ristischen Kampferwälder; ebenso finden sich sehr zahlreiche Betel-
nuß- und Bambuswälder.

Die Höko-Inseln sind überall steinigt und erzeugen kein Reis-
korn. Dafür hat aber die Inselgruppe in Makiu einen von der Natur
sehr begünstigten Hafenplatz mit vorzüglicher Reede, deren Wasser-
tiefe bedeutend genug ist, um auch die größeren Schiffe beherbergen
zu können. Daher suchen und finden alle Schiffe, welche in der Nähe
einem Taifun begegnen, hier stets sichere Zuflucht.
        <pb n="17" />
        ﻿17

Urwald im Arisan-Gebirge
Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.
        <pb n="18" />
        ﻿2.	Das Klima.1}

Die Insel Formosa wird durch den nördlichen Wendekreis un-
gefähr halbiert. Sie liegt daher teils in der tropischen, teils
in der subtropischen Zone. Der Sommer ist lang und sehr
heiß. Besonders in den Monaten Juli und August erreicht die Maximal-
temperatur jeden Tag 30° Cund mehr; manchmal dauert diese Hitze
monatelang. Der Winter ist sehr mild, auch nur einigermaßen strenge
Kälte fast gänzlich unbekannt. Schnee fällt nur auf den höchsten
Bergen, Reif nur in dem nördlichen Teile der Insel und auch hier nur
selten. In den letzten fünfzehn J ahren sank die Temperatur nur ein
einziges Mal unter den Gefrierpunkt. Das j ährliche Mittel ist 22,7 °. Im
Juli steigt die durchschnittliche Temperatur bis auf 27,6°. Die durch-
schnittliche Maximaltemperatur beträgt sogar 31,4°. Der kälteste
Monat ist der Februar. Seine Durchschnittstemperatur ist 16,2°,
die durchschnittliche Minimaltemperatur 13,2°. Die absoluten
Extreme liegen zwischen über 37° und 0°, doch werden sie nur in
sehr wenigen Jahren erreicht.

Rings um Formosa ist von Mitte September bis März der
nordöstliche Monsun der vorherrschende Wind. Daher ist es zu
dieser Zeit auf dem umliegenden Meere stürmisch. Besonders im
Formosa-Kanal sind die Schiffer nicht selten großen Gefahren
ausgesetzt. Von April bis September herrscht der südliche Monsun.
Da seine Stärke nur gering ist, so ist dann, wenn man von den
Taifunen absieht, das Meer meistens sehr ruhig. Taifune kommen
auf dem umliegenden Meere jährlich ziemlich oft vor, meist im
August und September.

Die die Insel von Norden nach Süden durchziehenden hohen
Gebirgsketten haben natürlich Einfluß auf die Niederschlags-
verhältnisse. Im Winter, wenn der nordöstliche Monsun vor-
herrscht, ist das Wetter in Nord- und Südformosa sehr verschieden.

*) es liegen im großen und ganzen 15 jährige Beobachtungen zugrunde
(1896—1910)
        <pb n="19" />
        ﻿19

Der nordöstliche Monsun weht über die Meeresfläche hin und
führt viel Wasserdampf mit sich. Stößt er dann in Nordformosa
in der Umgegend von Kilung gegen die kalten Höhen des Gebirges,
so kondensiert sich dieser Wasserdampf, bildet Wolken und fällt
als Regen herab. Daher ist in dieser Zeit das Wetter in Nord-
formosa Tag für Tag trübe und regnerisch — die Regenzeit ist
da. Im Dandangai-Tale, von wo die Wasserleitung der Stadt Kilung
ihren Wasserbedarf deckt, erreicht die Regenmenge jährlich über
5000 mm. Kein anderer Ort in Ostasien weist eine gleich große
Ziffer auf. In der Stadt Taihoku dagegen, die von Kilung nur 23 km
entfernt ist, ist die Regenmenge kaum noch halb so stark.
Daher kommt es im Winter nicht selten vor, daß man in Taihoku
das schönste Wetter hat, während es in Kilung stark regnet.
Je weiter man nach Süden geht, desto geringer wird die Regen-
menge und desto heiterer das Wetter. In den Küstengegenden wird
man sogar durch Dürre gepeinigt.

Sobald aber der nordöstliche Monsun zu Ende ist und der
südliche Monsun seine von April bis September dauernde Herrschaft
antritt, beginnt die Regenzeit in Südformosa. Allerdings ist die
Windstärke des südlichen Monsuns nicht so groß wie die des
nordöstlichen; dafür suchen aber Donner und Blitz den südlichen
Teil der Insel häufig heim, wo es zu dieser Zeit meist regnerisch
und naß ist. Wenn sich noch ein Taifun dazu gesellt, schwillt die
Regenmenge eines einzigen Tages auf mehrere hundert Millimeter
an. In einigen südformosaischen Orten am westlichen Fuße jener
hohen, die Mitte der Insel durchziehenden Ketten überschreiten die
Niederschlagsmengen die Höhe von 3000 mm. Nicht weniger als
80% davon fallen im Sommer. In Nordformosa dagegen ist genau
zu derselben Zeit das Wetter meist heiter.

Wie oben erwähnt, ist es in Nordformosa im Winter immer feucht
und naß; der Feuchtigkeitsgehalt übersteigt 85%, während er im
Sommer bis auf 80% sinkt. Das Gegenteil davon trifft in Südformosa
zu: im Winter ist es überwiegend heiter und trocken, wobei der
Feuchtigkeitsgehalt der Duft bis auf 75% und darunter sinkt; im
Sommer aber steigt er auf 83%.

Gehen wir nun etwas näher auf die klimatischen Verhältnisse
der einzelnen Monate ein.

2*
        <pb n="20" />
        ﻿20

Der Januar ist als Vorbote des nächstfolgenden und kältesten
Monats zu charakterisieren. Seine Durchschnittstemperatur schwankt
zwischen 15,7 0 in Taihoku und 20,7 0 in Köshun. Je weiter man nach
Süden geht, desto größer ist die Wärme. Den wärmsten Januar
brachte das Jahr 1897; die Temperatur stieg damals in Tainan auf
32,4°. Am kältesten war der Januar im folgenden Jahre, wo die
Temperatur in Taichu bis auf 3,4° sank. Eine solche Erscheinung ge-
hört freilich zu den Seltenheiten. Im allgemeinen ist der Monat sehr
veränderlich, bald warm, bald kalt. In der Umgebung der Insel
herrscht der nordöstliche Monsun vor. Seine Windstärke ist recht
bedeutend. Besonders ist dies im Formosa-Kanal der Fall, so daß
hier das Meer unruhig und stürmisch ist. In den Küstengegenden
des nördlichen Formosa ist das Wetter fast jeden Tag trüb und der
Himmel bewölkt. In Südformosa dagegen regnet es zu dieser Zeit
sehr selten, und an den meisten Tagen hat man recht schönes Wetter.
In Kilung hat der Januar durchschnittlich 23 regnerische Tage, in
Tainan durchschnittlich nur 6.

Der Februar ist der kälteste Monat. Die durchschnittliche
Temperatur in Taihoku ist 14,1°. Am höchsten ist sie mit 20°
in Köshun. Der Unterschied zwischen Norden und Süden ist also
5,9°. Die Wärme nimmt von Norden nach Süden ständig zu.
Am höchsten war die Temperatur im Jahre 1898 in Tainan, wo sie auf
31,3°stieg. Im Jahre 1901 war es am kältesten und zwar in Taichu;
die Temperatur sank hier bis auf — 1 °. Das war in dem letzten Jahr-
zehnt das einzige Mal, daß der Nullpunkt unterschritten wurde. In
einer alten chinesischen Schrift wird einmal erwähnt, daß das Eis
einen Zoll dick gewesen sei. Das ist aber wohl weiter nichts als eine
Übertreibung der Phantasie. Frost allerdings bringt der Februar hie
und da, und auf den höheren Bergen sieht man in dieser Zeit Schnee
liegen. Windrichtung und Windstärke entsprechen dem vorigen Monat:
der nordöstliche Monsun ist vorherrschend. Im Norden der Insel
ist das Wetter meistens regnerisch, in Südformosa fast immer heiter.

Mit diesem Monat ist die formosaische Kälteperiode vorüber;
im Mär z wird es jeden Tag wärmer. Die Temperatur ist weit höher als
im Februar. Sie beträgt durchschnittlich in Kilung gegen 16,7° und
in Köshun 22,3°. Die höchste Temperatur ward im Jahre 1907
in Taitö mit 34,9° verzeichnet, die niedrigste 1906 in Taihoku
        <pb n="21" />
        ﻿21

mit 4,2°. Die ungewöhnlich hohe Wärme in Taitö wird durch einen
heißen Wind verursacht, der dem Föhn der Alpentäler gleicht und
jenem Orte eigentümlich ist. Im März herrscht der nordöstliche
Monsun weiter, aber seine Stärke ist geringer als im Februar. Im
nördlichen Teile ist das Wetter noch immer regnerisch, in Südformosa
bei seltenem Regenfall noch immer heiter.

■

Meteorologisches Observatorium zu Taihoku

April, Das Wetter wendet sich plötzlich, um in die Sommer-
zeit überzugehen. Die Temperatur in diesem gewöhnlich milden
und warmen Monat ist gleich der Durchschnittstemperatur des
ganzen Jahres; sie schwankt zwischen 20° in Kilung und 24,7° in
Köshun. Als höchste Temperatur überhaupt beobachtete man 34,8°
und zwar 1901 in Taihoku, als niedrigste 8,1° im Jahre 1909 am
gleichen Orte. Doch tritt eine derartige Kälte in diesem Monat nur
ganz ausnahmsweise auf; außerhalb der nördlichen Gegend beträgt
die Wärme nirgends unter 10°. Der nordöstliche Wind weht noch
immer, aber sehr schwach; das Meer ist still und ruhig. In Nord-
formosa ist das Wetter noch etwas trüb, doch viel besser als in den
vorhergehenden Monaten, und mit jedem Tage heitert es sich mehr
        <pb n="22" />
        ﻿22

auf. In Südformosa fällt wenig Regen; das Wetter ist hier über-
wiegend schön.

Im Mai hat die Insel vollkommen sommerliche Witterung.
Die durchschnittliche Temperatur steigt sehr hoch: sie schwankt
zwischen 23,4° in Kilung und 26,4° in Köshun. Am höchsten
war sie 1897 mit 36,5° in Taihoku, am niedrigsten 1905 mit 14,4°
ebenda. Eine so hohe Wärme wie 36,5° ist etwas Außergewöhnliches,
doch überschreitet — von den Pescador-Inseln abgesehen — das
Maximum 32 °. Es ist zwar noch nordöstlicher Monsun, aber die Wind-
richtung schlägt jetzt bereits sehr oft um. Die Windstärke nimmt
bedeutend ab. Die Zahl der regnerischen Tage im nördlichen Teile
übersteigt noch die in Südformosa, die Regenmenge jedoch ist in
Südformosa größer. Gewitter sind in diesem Monat häufiger. Ganz
vereinzelt wüten Taifune in der Umgegend der Insel.

Juni. Die Hitze steigt stetig. Die Durchschnittstemperatur
schwankt zwischen 26° in Kilung und 27,1° in Tainan und Köshun.
Am heißesten war es im Jahre 1903 in Taitö (37,9°), am kältesten im
Jahre 1899 in Taihoku und Taichu (16,8°). Diese große Hitze in
Taitö war jedoch eine durch jenen heißen Wind hervorgerufene
Ausnahme. Die Windrichtung ist unbestimmt, die Kraft der
Winde sehr gering, das Meer noch ebenso ruhig wie im April und
Mai. Die Niederschlagsmenge nimmt in Südformosa, wo es seit
dem Juni immer öfter regnet, bedeutend zu, im Norden etwas ab.
Es regnet in diesem Monat an allen Orten an mehr als an 10 Tagen.

Im Juli steigt die Hitze beständig und erreicht ihr Maximum.
Die Durchschnittstemperatur der ganzen Insel ist über 27°, der Unter-
schied zwischen Süd- und Nordende geringer als 1°. Am heißesten
war es im Jahre 1906 mit 37,2° in Taitö, am kühlsten in
Taihoku 1897 mit 19,5°. Vorherrschend weht schwacher Südwind.
Nordformosa hat heiteren, Südformosa trüben Himmel; regnet es in
Kilung gewöhnlich höchstens an 10 Tagen, so im Süden an 20. Da
die Taifune in dieser Zeit nach und nach häufiger werden, beginnt
jetzt die schwere Zeit für die Schiffer.

Der August ist nicht minder heiß. Die durchschnittliche
Temperatur steigt an den meisten Orten über 27°. Im Jahre 1902
war es am heißesten und zwar in Taichu. Das Thermometer stieg
damals dort auf 37,2°. Diese Maximaltemperatur ist also ebenso
        <pb n="23" />
        ﻿— 23 —

hoch wie die im Juli 1906 zu Taitö beobachtete und mit dieser
zusammen nächst der im Juni 1903 zu Taitö die höchste überhaupt.
Am tiefsten sank die Temperatur 1904 in Taihoku (19,7°). Wie im
Juli herrscht auch im August meist schwacher Südwind. Die Regen-
menge in Südformosa ist in diesem Monat am reichlichsten: es hat
zwei Drittel Regentage. Auch wüten jetzt häufig gewaltige Taifune.
Daher sind Not und Gefahr zu Lande wie zu Wasser im August am
größten.

September. Die Hitze mäßigt sich etwas, bleibt aber doch
ungefähr so stark wie im Juni. Die durchschnittliche Temperatur
schwankt zwischen 26,1° in Taihoku und 27,1° in Tainan. Am
höchsten war die Temperatur im Jahre 1897 in Tainan (36,6°), am
niedrigsten im Jahre 1902 in Taihoku (13,5°). Eine derartig ge-
ringe Temperatur ist ganz selten. In diesem Monat schlägt der
Wind wieder um, und von neuem setzt mit stetig wachsender
Stärke der nordöstliche Monsun ein. In Südformosa ist die Regen-
zeit vorüber, in Nordformosa beginnt sie zum zweiten Male; in der
Gegend von Kilung wird es mit jedem Tage trüber. Auch im
September gibt es manchmal noch Taifune.

Im Oktober wird es stetig kälter. Die durchschnittliche
Temperatur schwankt zwischen 23,3° in Taihoku und 25,5° in Köshun.
Sie ist also um 2—4° niedriger als im Juli. Am höchsten war die
Temperatur im Jahre 1909 in Taichu (34,9°), am niedrigsten im Jahre
1899 in Taihoku mit nur 12,6°, einem allerdings recht selten vor-
kommenden Minimum. Der nordöstliche Monsun hält weiter an.
Seine Stärke ist schon viel intensiver, das Meer daher unruhig und
gefährlich. Die Regenmenge nimmt in Nordformosa immer mehr zu,
in Südformosa bedeutend ab; in manchen Jahren fällt an der süd-
westlichen Küste in diesem Monat kein einziger Tropfen.

Die durchschnittliche Temperatur des Novembers schwankt
zwischen 19,7° in Taihoku und 23,2° in Köshun; die Unterschiede
werden von diesem Monat an ständig größer. Am höchsten war die
lemperatur — gewöhnlich bleibt sie an allen Orten unter 32° — im
Jahre 1897 mit 35,2° in Tainan, am niedrigsten im Jahre 1899 mit
6,9° in Taichu. Abgesehen von den Pescador-Inseln und dem süd-
lichsten Teil der Insel sinkt die Temperatur ab und zu allenthalben
unter 10°. Der nordöstliche Monsun erlangt im November seine größte
        <pb n="24" />
        ﻿24

Stärke: im Formosa-Kanal ist es unaufhörlich stürmisch. In
der Umgebung von Kilung fällt in diesem Monat die größte Regen-
menge, während sie in Südformosa ganz geringfügig ist. In Kilung
regnet es im November durchschnittlich an 23 Tagen, in Tainan da-
gegen nie an mehr als 5 Tagen. Die Taifune hören auf; in den letzten
Jahren kamen sie um diese Zeit nur dann und wann in der Nachbar-
schaft vor und zwar auf den Riukiu-Inseln, von wo die für Formosa
gefährlichsten Taifune zu kommen pflegen.

Im Dezember verringert sich die Wärme noch bedeutend: die
eigentliche Winterzeit beginnt. Die durchschnittliche Temperatur
schwankt zwischen 16,7° in Taihoku und 21,3° in Köshun. Der Unter-
schied zwischen Süden und Norden wird in diesem Monat am größten.
Am höchsten war die Temperatur im Jahre 1905 in Tainan (30,5°),
am niedrigsten im Jahre 1906 in Taichu mit nur 4,3°. Manchmal
stellt sich schon Frost ein; bisweilen liegt auf den Gebirgen in der
Umgebung von Taihoku und auf den großen Uängsketten frisch
gefallener Schnee. Der nordöstliche Monsun herrscht vor; seine Stärke
ist sehr bedeutend. Nordformosa hat Regenwetter, während in Süd-
formosa der Himmel heiter ist.
        <pb n="25" />
        ﻿3.	Die Bevölkerung.

Das Generalgouvernement Formosa ließ von Anfang seiner
Regierung an durch die Polizei eine Bevölkerungs- und Haus-
haltungsstatistik aufnehmen. Die erste Volks Zahlung
fand im Oktober 1905 statt; über ihre Ergebnisse, die trotz des
Mangels einer größeren praktischen Erfahrung recht zufriedenstellend
waren, sind mehrere Berichte in japanischer Sprache veröffentlicht
worden; auch eine kurz gefaßte englische Ausgabe ist unter dem
Titel Population Census of Formosa 1905 erschienen.

Erst seit dieser Zeit sind wir in der Eage, Größe und Be-
wegung der Bevölkerung hinreichend genau angeben zu können.
Die nachfolgenden Ziffern, die auf jener Zählung fußen, zeigen die
Menge der Bevölkerung und den Grad ihrer Vermehrung für den
Zeitraum 1906—09, oder besser, jemals für das Ende dieser Jahre.

Eine formosachinesische Familie
        <pb n="26" />
        ﻿26

Zeit	Bevölkerungszahl	Vermehrung °/oo
Ende 1906	3 193 708	10,7
„	1907	3 223 968	9,5
„	1908	3 252 589	8,9
,,	1909	3 290 186	11,6

Hieraus läßt sich die Bevölkerungsdichte leicht berechnen.
Für Ende 1909 beispielsweise entfielen, da der Flächeninhalt der
Inselgruppe 2322 Quadrat-Ri 35 972,441 qkm beträgt, auf
1 Quadrat-Ri 15,423 qkm 1411 Personen. Schließt man die-
jenigen Wilden, die außerhalb der Verwaltungsbezirke hausen (121981)
und den von ihnen bewohnten Flächenraum aus, so bleiben 1240,3
Quadrat-Ri und 3 168 205 Einwohner übrig, d. h. es kommen dann
auf 1 Quadrat-Ri 2554 Personen.

Nicht ganz so einfach gestaltet sich die Beantwortung der
Frage, inwieweit die sich in den obigen vier Zahlen widerspiegelnde
Bevölkerungsbewegung auf natürliche Ursachen zurückzuführen
ist, d. h. inwieweit Zu- oder Abnahme infolge von Geburt
und Tod vorliegt. Um dies zu erkennen, darf man nämlich nicht
von diesen vier Zahlen ausgehen. Denn in Formosa herrscht
ziemlich starke Zu- und Abwanderung. Man muß somit die Geburts-
und Sterbeziffern selbst heranziehen. Dabei empfiehlt es sich im
Interesse größerer Exaktheit, die außerhalb der Verwaltungsbezirke
wohnenden Wilden völlig außer acht zu lassen, da für sie sichere
statistische Angaben, besonders gerade solche bezüglich der Geburten
und Todesfälle, nicht möglich sind. Unter dieser Voraussetzung
ergibt sich für je 1000 Einwohner das folgende Bild.

Jahr	Geburten	Sterbefälle	Überschuß
1906	39,3	34,0	5,3
1907	39,9	33,1	6,8
1908	39,1	32,6	6,5
1909	41,1	31,8	9,3
        <pb n="27" />
        ﻿
        <pb n="28" />
        ﻿28

Man sieht im allgemeinen, daß sich diese Zahlen von denen der
Gesamtbevölkerungsbewegung nicht unwesentlich unterscheiden, und
im besonderen, daß die Geburtenziffer allmählich zugenommen, die
Sterbeziffer aber sich fortgesetzt vermindert hat. Das haben wir dem
Steigen des allgemeinen Wohlstandes und der Verbesserung der
sanitären Verhältnisse zu verdanken.

Versammlung von Formosawilden

Ein vom hygienischen Standpunkt wichtiges Ergebnis der
Volkszählung von 1905 ist ferner die Klarlegung gewisser demo-
graphischer Tatsachen. Ebenso grundlegend wie interessant ist
da die Gliederung der formosaischen Bevölkerung in Rassen und
Stämme, wie sie die nebenstehende Übersicht angibt, die zugleich
die Verteilung auf die beiden Geschlechter berücksichtigt.1)

*) die außerhalb der Verwaltungsbezirke wohnenden, noch nicht unter-
worfenen Wilden sind nicht mitgezählt
        <pb n="29" />
        ﻿29

zus. zusammen, m. männlich, w. weiblich.

Rassen und Stämme	absolut	relativ	auf je  100 Männer entfallen Frauen
A. Japaner .... zus.	57 355	1,9	
m.	34 624		
w.	22 711		65,6
B. Formosaner . . zus.	2 973 280	97,8	
m.	1 567 548		
w.	1 405 732		89,7
1. Formosachinesen . zus.	2 890 485	95,1	
m.	1 527 012		
w.	1 363 473		89,3
a) Fukinesen . . zus.	2 492 784	82,0	
m.	1 319 966		
w.	1 172 818		88,9
b) Kantonesen . zus.	397 195	13,1	
m.	206 699		
w.	190 496		92,2
c) andere .... zus.	506	0	
m.	347		
w.	159		45,8
2. Chinesisierte Wilde zus.	46 432	1,5	
m.	22 708		
w.	23 724		104,5
3. Formosawilde . . zus.	36 363	1,2	
m.	17 828		
w.	18 535		104,0
C. Ausländer .... zus.	9136	0,3	
m.	8 644		
w.	492		5,7
1. chin. Untertanen . zus.	8 973	0,3	
m.	8 527		
w.	446		5,2
2. andere			163	0	
m.	117		
w.	46		39,3
ABC. Gesamt-			
bevölkerung zus.	3039 751	100,0	
m.	1 610 816		
w.	1 428 935		88,7
        <pb n="30" />
        ﻿30

Bei Japanern und Ausländern sind die Familienverhältnisse
nicht natürlich; die meisten leben ledig. Infolgedessen sind bei
ihnen auch die Altersklassen nicht in der natürlichen Weise vertreten,
während sie bei den Formosanern eine regelrechte Pyramide bilden.

Nach diesen allgemeinen Bemerkungen wird es gut sein, noch
Zahl und Arten der Gebrechlichen zu betrachten. Sie sind stark
vertreten: unter je 10 000 Einwohnern sind 52 Blinde, 13 Taub-
stumme, 7 Idioten und 3 Irrsinnige. Die Blindheit ist meist die
Folge der Trachomkrankheit.

A. Zahl der Gebrechlichen.

Arten der Gebrechlichkeit	Zahl der  Gebrech-  lichen	Prozentualer Anteil der einzelnen Klassen der Gebrechlichen an der Gesamtzahl der Gebrechlichen
Personen mit einem Gebrechen:		
Blind		15 582	68,8
Taubstumm		3 929	17,4
Idiotisch		1 961	8,7
Irrsinnig		976	4,3
Zusammen		22 448	99,2
Personen mit zwei Gebrechen:		
Blind und taubstumm. . .	58	0,3
Blind und idiotisch ....	20	0,1
Blind und irrsinnig ....	11	0,1
Taubstumm und idiotisch .	77	0,3
Taubstumm und irrsinnig .	9	0
Irrsinnig und idiotisch. . .	9	0
Zusammen		184	0,8
Personen mit drei Gebrechen:		
Blind, taubst, und idiotisch	2	0
Blind, taubst, und irrsinnig	2	0
Zusammen		4	0
Gesamtzahl überhaupt ....	22 636	100,0
        <pb n="31" />
        ﻿31

B. Die Gebrechlichkeit nach ihrer Verursachung.

	Angeboren		Krankheit		Verletzung		Ursache  unbekannt	Insgesamt	
	abs.	rel.	abs.	rel.	| abs.	rel.	1 abs.	rel.	abs.	rel.
Blind	773	4,9	14 726	94,0	172	1,1	4 0	15 675	100
Taubst.	3177	77,9	887	21,8	8	0,2	5 0,1	4 077	100
Idiot.	1454	70,3	605	29,2	2	0,1	8	0,4	2 069	100
Irrsinn.	102	10,1	898	89,2	4	0,4	3	0,3	1 107	100
Summe	5506	24,1	17 116	75,0	186	0,8	; 20 1 0,8	22 828	100

Anmerkung. In dieser Tabelle sind 93 Blinde, 148 Taubstumme,
108 Idioten und 31 Irrsinnige, insgesamt 192 Personen, mehr vor-
handen als in der vorhergehenden Tabelle. Dies erklärt sich daraus,
daß hier jede Abnormität besonders gezählt ist.

Künstliche Abnormität, nämlich gemäß chinesischer Sitte ver-
krüppelte Füße, besitzen 800 616 Personen; das sind 56,9% der
gesamten weiblichen Bevölkerung chinesischer Abstammung, deren
Zahl 1 406 224 beträgt. Zieht man die Zahl der Mädchen unter
5 Jahren ab — denn bis zu diesem Alter werden die Manipulationen
zum Zwecke der Verkrüpplung noch nicht vorgenommen —, so
steigt der Prozentsatz sogar auf 66,6.1)

l)	Unter diesen Umständen können wir dem Verein für Bekämpfung der
Pußverkrüpplungen, der auf Anregung eines chinesischen Arztes in Taihoku
Namens Ko-Gyoku-ICai am 20. März 1900 entstanden ist und dem gleich
damals 1262 Personen beigetreten sind, nur Glück und Erfolg wünschen. In
manchen Gegenden besitzen etwa 40—50% aller Schulmädchen bereits natür-
liche Füße. Nebenbei sei angeführt, daß durch denselben Arzt auch ein Verein
für Zopfabschaffung begründet worden ist, dessen Mitglieder am 11. Februar
dieses Jahres, am 2571. Gründungstage des japanischen Kaisertums, von ihren
Zöpfen für immer Abschied genommen haben. — Über die Opiumraucher wird
in einem besonderen Abschnitte berichtet werden. — Über die weiteren Resul-
tate der Volkszählung 1905 verweisen wir auf die obengenannte Population
Census of Formosa.
        <pb n="32" />
        ﻿4.	Organe der

öffentlichen Gesundheitspflege.

A.	Zentralorgane.

/\ls am 2. Juli 1895 das Generalgouvernement Formosa kone
/ \ stituiert wurde, brachte man die Abteilung für öffentlich-
Ä. V. Gesundheitspflege in der Kanzlei des Generalgouverneurs
unter, und zwar wurde sie, da die Insel damals unter Militär-
verwaltung stand, von Militärärzten geleitet. Im April 1896 trat an
Stelle der Militär- die Zivilverwaltung. Damals wurde als Zentral-
stelle für die sanitäre Verwaltung der Insel ein Sanitätsbureau ein-
gerichtet. Zunächst bildete es eine Unterabteilung der Allgemeinen
Abteilung des Zivilverwaltungsamtes. Nachdem jedoch im No-
vember 1901 ein Polizeipräsidium des Generalgouvernements errichtet
und damit beauftragt worden war, außer der Oberaufsicht über
die Polizei auch einen Teil der Verwaltung zu übernehmen, wurde
es diesem als eine seiner Sektionen zugeteilt. Die Kompetenz
des Sanitätsbureaus wurde sodann infolge der Abschaffung des
außerordentlichen Pestbureaus erweitert. Im September 1903
nämlich wurden wegen der damals stark herrschenden Pest zu-
nächst ein Seucheninspekteur und mehrere Seuchenärzte angestellt,
um die durch die Distriktämter vorgenommene Bekämpfung
jener Epidemie einheitlich zu gestalten. Sie wurden dann im
Oktober desselben Jahres durch ein außerordentliches Pestbureau
abgelöst. Sodann wurden im Mai des folgenden Jahres zwei
Medizinalseucheninspekteure ernannt. Als nun im Oktober 1909
eine Reorganisation der Behörden eintrat, löste man, da kein
Grund vorhanden war, weshalb man eine Wiederkehr einer großen
Pestepidemie hätte befürchten müssen, das Pestbureau auf und
überwies seine Obliegenheiten dem Sanitätsbureau; die beiden
Medizinalseucheninspekteure blieben. Gleichzeitig wurde das Polizei-
präsidium aufgelöst und seine Aufgaben der neu entstandenen
        <pb n="33" />
        ﻿33

Abteilung für innere Verwaltung übertragen. Ihr also wurde nunmehr
auch das Sanitätsbureau unterstellt. Es zerfällt in fünf Unter-
sektionen, auf die sich die Aufsicht über die Durchführung der
einzelnen hygienischen Maßnahmen in der folgenden Weise verteilt.

Untersektion A:

1.	Aufsicht über die Sanitätskasse;

Unter Sektion B:

2.	Aufsicht über die Bekämpfung der Infektions- und ende-
mischen Krankheiten;

3.	Aufsicht über die Untersuchung der Prostituierten;

4.	Aufsicht über Wasserversorgung, Kanalisation und Bausachen;

5.	Aufsicht über Abfuhrwesen sowie Straßen- und Häuser-
reinigung ;

6.	Aufsicht über die von der Sanitätskasse zu errichtenden
und errichteten Baulichkeiten und Anlagen;

7.	Aufsicht über Fabriken, Markthallen und Schlachthöfe;

8.	Aufsicht über Nahrungsmittel, Koch- und Eßgeschirre sowie
über Farbstoffe;

9.	Aufsicht über Friedhöfe, Beerdigung und Feuerbestattung;

10.	Aufsicht über Korporationen, die sich mit Gesundheits-
pflege befassen;

Unter Sektion C:

11.	Aufsicht über die Hospitäler und über das medizinische
Schulwesen;

12.	Aufsicht über die Kö-i und die Kö-i-Anwärter;

13.	Aufsicht über die Privatspitäler, Ärzte, Heilkünstler aus der
altchinesischen Schule (J-sei), Apotheker, Drogisten, Arzneimittel-
bereiter und Heilpersonal überhaupt;

14.	Aufsicht über den Arzneimittel- und Geheimmittelverkehr;

Untersektion D:

15.	Aufsicht über die Opiumraucher und über den Opiumpasten-
verkehr;

16.	Aufsicht über die mit dem Opium zusammenhängenden
Handelszweige;

Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.

3
        <pb n="34" />
        ﻿34

17.	Aufsicht über die Bekämpfung des Opiumschmuggels und
über die Maßnahmen gegen die heimliche Bereitung von Opiumpaste;

Untersektion E:

18.	Aufsicht über die Pestbekämpfung;

19.	Aufsicht über die Rattenvertilgung;

20.	Aufsicht über die bakteriologische Untersuchung der Pest-
fälle und der Ratten;

21.	Aufsicht über die Malariabekämpfung.

Das Sanitätsbureau setzt sich zusammen aus:

2 Sanitätsräten (darunter einer im Chokunin-Range),

1	Seucheninspekteur,

2	Medizinalinspekteuren,

4	Seuchenärzten,

1 Polizeiinspektor,

5	subalternen Beamten und mehreren außeretatmäßigen Beamten.

Besondere Zentralorgane.

Als solche sind vier Kommissionen zu bezeichnen.

a)	Die Kommission für Gesundheitspflege, seit März 1897.
Sie besteht aus Regierungs- und Medizinalbeamten sowie aus Ärzten
und Apothekern. Der Vorsitzende ist der jedesmalige Chef der
Zivilverwaltung. Sie wird vom Generalgouverneur in Fragen der
Gesundheitspflege zu Ratschlägen herangezogen und besitzt auch
das Recht, ihm Vorschläge zu machen.

b)	Die Kommission für Erforschung der Infektions- und ende-
mischen Krankheiten, seit Februar 1899. Ihr fällt auch die Aufgabe
zu, geeignete Methoden für die Behandlung der Opiumgewohnheits-
raucher zu ermitteln. Den Vorsitz führt der Chef der Zivilverwaltung.

c)	Die Kommission zur Bekämpfung der Pest, seit Oktober 1903.
Den Vorsitz hat der Chef der Zivil Verwaltung.

d)	Die Kommission für Städteumbau, seit Mai 1909. Von No-
vember 1898 bis Mai 1909 hat eine Kommission für den Umbau der
Städte Taihoku und Kilung bestanden. Der Vorsitzende wird vom
Generalgouverneur aus der Reihe der Kommissare ernannt.
        <pb n="35" />
        ﻿35

B.	Distrikts- und Lokalorgane.

Mit der Ersetzung der Militär- durch die Zivilverwaltung ging
natürlich die Organisation von Unterbehörden Hand in Hand und
mit dieser wieder die Einrichtung einer entsprechenden sanitären
Verwaltung. Mit dieser wurden die Polizeiabteilungen der Ken
(Bezirksregierungen) und des Tö-chö (Inselamt) beauftragt. Im
Mai 1897 wurde die politische Einteilung revidiert. Es gab seitdem
drei Ken und außerdem drei Chö (Distrikte). Die Sanitätsverwaltung
bildete nunmehr allemal eine Unterabteilung der sechs Polizei-
abteilungen.

Seitdem erfuhr die Behördenorganisation manche Veränderung.
Im November 1901 wurden die drei Ken abgeschafft und die ganze
Insel in 20 Chö eingeteilt. Demgemäß wurde die Sanitätsverwaltung
nunmehr von den Polizeiabteilungen dieser 20 Distrikte besorgt. Im
Oktober 1909 wurden die seitherigen 20 Chö auf die jetzigen 12gebracht.

Bei jedem Distriktamte ist als beratendes Organ in hygienischen
und medizinischen Angelegenheiten ein Sanitätsrat (Yei'se'i-komon)
bestellt. Mit dieser Funktion sind die Direktoren der Regierungs-
hospitäler betraut. Ferner sind in allen bedeutenderen Ortschaften
als Hilfsorgane sogenannte Kö-i1) angestellt. Außerdem bestehen
noch vier niedere Hilfsorgane, die sich sehr bewährt haben. Sie sind
dazu bestimmt, die angeordneten Maßnahmen praktisch durch-
zuführen. Es sind erstens die aus der Zeit der chinesischen Herr-
schaft übernommenen Ho-kö (Hundertschaften)2), zweitens die von
den Japanern organisierten Sanitätssozietäten, drittens die Vorsteher
der Gai, Shö und Sha — es sind dies die Bezeichnungen für Uandstadt,
Dorf und Dorf der Wilden —, viertens die auf Grund des Gesetzes
vom Februar 1908 eingerichteten Korporationen zur Bekämpfung
der Pest. Als Sanitätsbeamte bei der Distriktverwaltung fungieren
gegenwärtig Distriktvorsteher, Sanitätsräte, Polizeioffiziere, Polizei-
inspektoren, Polizeiärzte, Sanitätschemiker, Vizepolizeiinspektoren,
halbbeamtete Arzte, Schutzleute3) und Hilfsschutzleute4).

4) vergl. Abschnitt 9 A

2)	Ho = 10 kö, kö = 10 Haushaltungen, Ho-kö = Verband von
100 Haushaltungen

3)	Japaner 4) Formosachinesen

3*
        <pb n="36" />
        ﻿36

Ouarantäne-Zweigstation zu Tamsui

5.	Quarantänewesen.

Die Pest, die 1894 in Hongkong und Kanton auftrat, griff in
China immer weiter um sich. Im Jahre 1895 wurde auch der
chinesische Hafen Amoy, Formosa gegenüber, stark von der
Seuche heimgesucht. Unter diesen Umständen war es dringend nötig,
die Schiffe, die von dort und überhaupt aus chinesischen Häfen ein-
trafen, streng zu überwachen. So wurden die Vorsteher der damaligen
Ken und Chö beauftragt, die von auswärts kommenden Schiffe in
Kilung, Tamsui, Amping, Takao und Rokkö auf ansteckende Krank-
heiten zu untersuchen. Später — 1897 — wurde die Errichtung einer
Quarantänestation in Kilung beschlossen; 1899 war sie fertig. Im
August desselben J ahres wurde ein die Quarantäne betreffendes Ge-
setz erlassen, das seit dem 4. dieses Monats in Kraft trat. Im April
1900 wurde sodann in Tamsui eine Zweigstation eröffnet. Außerdem
ist laut einer Kaiserlichen Verordnung vom November 1900 der
Generalgouverneur befugt, falls eine ansteckende Krankheit droht,
außerordentliche Quarantänestationen in beliebigen dem Fremden-
verkehr geöffneten Häfen zu errichten.
        <pb n="37" />
        ﻿B i K

4. 4 6.

6.	Das Institut für experimentelle
Forschungen zu Taihoku.

Man erkannte von vornherein die Notwendigkeit einer An-
stalt für chemisch-bakteriologische Untersuchungen im
Sinne der Hygiene. Daher wurde im März 1896 für
diese Zwecke eine Unterabteilung der pharmazeutischen Anstalt
(Opiumpastenfabrik) begründet. Da jedoch im Mai 1901 die phar-
mazeutische Anstalt durch das Monopolamt ersetzt wurde, so
gingen nunmehr jene Arbeiten auf dieses über, und schließlich
kam es, weil die Vervollständigung der Untersuchungsanstalt
vielseitig befürwortet wurde, zur Errichtung eines selbständigen
Instituts für experimentelle Forschungen. Nachdem 1906 vom

Institut für experimentelle Forschungen zu Taihoku
        <pb n="38" />
        ﻿38

Parlament auf fünf Jahre insgesamt 550 000 Yen bewilligt
worden waren, wurde im Etatjahre 1907/08 der Neubau in
Angriff genommen und zwar am Osttore der Stadt Taihoku. Die
Abteilung für Chemie und die für Hygiene sind jetzt schon so gut wie
fertig. Ihnen werden Abteilungen für experimentelle Pathologie,
Tierpathologie, Pflanzenpathologie, Anthropologie usw. nachfolgen.

Einteilung.

An der Spitze des Instituts, in dem Untersuchungen, Er-
hebungen und Versuche auf dem Gebiete der Landwirtschaft und
Industrie und der Hygiene angestellt werden, steht ein Direktor.
Die beiden gegenwärtig bereits in Betrieb befindlichen Abteilungen
haben je einen Abteilungschef sowie eine Anzahl höherer und
niederer wissenschaftlicher Beamter.

A.	In den Arbeitskreis der chemischen Abteilung gehören

1.	Untersuchungen von Mineralien, Steinkohlen, Erdarten,
Zement, Dungstoffen und anderen Materialien und Erzeugnissen der
Industrie und Landwirtschaft;

2.	Untersuchungen auf dem Gebiete der Elektrochemie;

3.	hygienisch-chemische Untersuchungen, z. B. solche der
Nahrungsmittel und des Leitungswassers;

4.	die Prüfung der Medikamente, soweit die letzteren nicht schon
einen Prüfungsvermerk der dem Ministerium des Innern zu Tokio
unterstehenden hygienischen Untersuchungsanstalten aufweisen —
denn sämtliche auf Formosa zur Verwendung kommende Heilmittel
müssen zuvor von einer zuständigen Behörde untersucht sein;

5.	in Ermangelung einer öffentlichen Gasanstalt die Erzeugung
von Steinkohlengas für den Institutsbedarf.

B.	Die hygienische Abteilung befaßt sich mit bakteriolo-
gischen und protozoischen Untersuchungen, ebenso mit Unter-
suchungen über Ätiologie, Prophylaxis und Therapie der Infektions-
krankheiten, über Tropenhygiene, über Arzneimittelkunde und
Toxikologie, über Viehseuchen und nutzbare Bakterien, mit Prüfung
und Untersuchung von Wasser in hygienischer Hinsicht, mit Her-
stellung von Impfstoff gegen Lyssa und Schweineseuche, ferner mit bio-
logischen Studien über die Termiten zum Zwecke ihrer Bekämpfung.
        <pb n="39" />
        ﻿Institut für experimentelle Forschungen zu Taihoku: Chemisches Laboratorium

Institut für experimentelle Forschungen zu Taihoku: Hygienisches Laboratorium
        <pb n="40" />
        ﻿7.	Die medizinische Schule zu Taihoku.

In dem auf die Einführung der Zivilverwaltung folgenden Jahre, 1897
also, beschloß die formosaische Regierung, beim Hospital zu
Taihoku versuchsweise einen medizinischen Kursus zu eröffnen,
der einer Anzahl junger, der japanischen Sprache einigermaßen
kundiger Formosachinesen außer allgemeiner Schulbildung die An-
fangsgründe der Medizin vermitteln sollte. Da sich der Kursus
als recht erfolgreich erwies, wurde er zu einer dauernden Einrichtung
gemacht, indem im April 1899 die gegenwärtige medizinische Schule
ins Reben gerufen wurde. Sie bildet junge Formosachinesen zu prak-
tischen Ärzten aus, gewährt den Kö-i-Anwärtern1) eine ihrem künftigen
Berufe entsprechende Vorbildung und stellt außerdem Studien über
die Tropenkrankheiten an.

a)	Ausbildung der formosachinesischen Ärzte.

1.	Schulgebäude und Internat. Anfangs wurde ein Raum
des Regierungshospitals zu Taihoku als Unterrichtszimmer benutzt.
Ende 1899 erbaute man ein besonderes Schulhaus in der inneren
Stadt, um nach wenigen Jahren vor dem Osttore einen Neubau zu
beginnen, von dem 1905 ein Teil der Schulgebäude und das Internat
vollendet waren. Bald darauf wurde auch das Hospital des Japanischen
Roten Kreuzes, das auf demselben Grundstück erbaut wurde und der
medizinischen Schule als Klinik dienen sollte, fertiggestellt. Als
dann noch weitere 1906 in Angriff genommene Teile der Schulgebäude
vollendet waren, wurde dadurch die Rehrtätigkeit noch bedeutend
mehr erleichtert. Doch ist von dem ganzen Neubau zurzeit nur ein
Viertel ausgeführt; erst in 3—4 Jahren wird alles fertig sein. Die Bau-
kosten sind insgesamt etwa auf 450 000 Yen veranschlagt.

2.	Schülermaterial. Hauptsächlich werden Formosachinesen
aufgenommen. Es werden jährlich über 500 junge Reute angemeldet,

1) vergl. darüber Abschnitt 9 A
        <pb n="41" />
        ﻿
        <pb n="42" />
        ﻿42

wovon aber kaum ein Zehntel aufgenommen wird. Das Aufnahme-
examen beruht auf Zertation; ihm wird die Abgangsprüfung der
Kö-gakkö (Volksschulen) als Maßstab zugrunde gelegt. Abgesehen
von der Vorschule, die ein Jahr beansprucht, dauert das medi-
zinische Studium vier Jahre. 1910 hatte die Schule 195 Studierende,
die im Durchschnitt 19,1 Jahre alt waren (in der letzten Klasse durch-
schnittlich 21,9 Jahre). Die Schüler wohnen sämtlich im Internat
und wurden ursprünglich alle auf Staatskosten unterhalten; doch
hat man in der letzten Zeit angestrebt, die Bemittelten zur Erstattung
der Selbstkosten heranzuziehen, was 1910 bei 59 (darunter drei
chinesische Untertanen) von 195 Schülern der Fall war.

3.	Uehr- und Verwaltungskörper. Außer dem Direktor
sind 25 Professoren und Lehrer, die zum Teile nur im Nebenamt
an der »Schule tätig sind, und 5 Verwaltungsbeamte angestellt.

4.	Lehrplan. Vorschule: Turnen, Moralunterricht, Japanisch,
Geographie, Geschichte, Mathematik, Physik, Chemie, Natur-
geschichte. Fachstudium: Anatomie, Histologie, Physiologie, Patho-
logie, Arzneimittelkunde, innere Medizin, Chirurgie, Geburtshilfe und
Gynäkologie, Dermatologie, venerische Krankheiten, Ohren-, Nasen-,
Rachen- und Kehlkopfkrankheiten, Ophthalmologie, Kinderkrank-
heiten, Bakteriologie, Hygiene, gerichtliche Medizin.

5.	Absolvierte. Bis 1910 hatten im ganzen 149 Schüler die Ab-
gangsprüfung bestanden1); davon sind 4 gestorben. Die Absol-
vierten stehen zum Teil als Ärzte in Staatsdiensten, die meisten aber
treiben Privatpraxis und erfreuen sich dabei guten Rufes und Erfolges.

Unter den Absolvierten befinden sich übrigens eine Anzahl
chinesisierte Wilde und auch ein nicht chinesisierter Wilder, der
am Hospital zu Taitö angestellt ist und bei der Aufklärung seiner
Stammesgenossen gute Dienste leistet.

b)	Heranbildung der Kö-i-Anwärter.2)

Sie werden aus der Zahl der sich dazu meldenden approbierten
Ärzte ausgewählt und während einer gewissen Zeit, die aber sechs
Monate nicht übersteigt, in folgenden Fächern unterwiesen:

*) 1911 kamen weitere 32 Absolvierte hinzu

2) Jun* 1907 fand ihre Ausbildung am Regierungshospital zu Taihoku statt
        <pb n="43" />
        ﻿43

Medizinische Schule zu Taihoku : die Zöglinge

Infektions- und endemische Krankheiten auf Formosa, Sanitätswesen
auf Formosa, Tropenhygiene, innere Medizin, Chirurgie, Geburts-
hilfe und Gynäkologie, Kinderkrankheiten, Ophthalmologie, gericht-
liche Medizin, Mikroskopieren, formosachinesischer Dialekt.

c)	Studien über Tropenkrankheiten.

Die auf Formosa heimischen Tropenkrankheiten werden ganz
besonders berücksichtigt.

d)	Kostenaufwand.

f'ür das Etatjahr 1910/11 waren 76 419 Yen ausgtworfen.
        <pb n="44" />
        ﻿44

V &lt;_a ^ . J

/f

STAATLICHE KRANKENHÄUSER

ISOLIERANSTALTEN FÜR
INFEKTIONSKRANKE

. KRANKENHAUS FÜR
PROSTITUIERTE

• SITZ HALBBEAMTETER ÄF

Verteilung ckr sanitären Organe auf Formosa

Die Verteilung der Krartkenhäuser

-f FQRMDSA

1:BOD OOO
Hr±~H-------
        <pb n="45" />
        ﻿8.	Hospitäler.

A.	Gouvernementshospitäler.

Nachdem in Taihoku 1896 ein Gouvernementshospital er-
richtet worden war, strebte das Generalgouvernement
danach, auch anderwärts staatliche Krankenhäuser zu
erbauen. Jetzt gibt es solche Anstalten in 10 Städten und Land-
städten, nämlich in Taihoku, Kilung, Giran, Shinchiku, Taichu,
Kagi, Tainan, Akö, Taitö und Karenkö, und außerdem eine auf den
Pescadorinseln. Unter diesen 11 Hospitälern ist das in Taihoku am
bedeutendsten; die nächstgrößten sind das in Tainan und das in
Taichu. Alle anderen sind von geringerem Umfang. Im folgenden
wird eine kurze Beschreibung des Hospitals in Taihoku ge-
geben, um durch ein Beispiel eine Vorstellung von der Organi-
sation der Gouvernementshospitäler zu ermöglichen.

Regier«ngsliospital zu Tainan : Gesamtansicht
        <pb n="46" />
        ﻿
        <pb n="47" />
        ﻿47

Regierungshospital zu Tainan : Grundriß des Erdgeschosses

Das Hospital liegt in der Hauptstadt der Insel, hat ein Areal von
49 586 qm, wovon 16 528 qm auf die Gebäude entfallen, und enthält
mehr als 250 Betten. Die Poliklinik wird im Winterhalbjahr täglich
von 300—400 und im Sommerhalbjahr von 700—800 auswärtigen
Kranken besucht. Es bestehen Abteilungen für innere Krankheiten,
Chirurgie, Augenheilkunde, Geburtshilfe, Frauenkrankheiten, Haut-
krankheiten, venerische Krankheiten, Ohren-, Nasen-, Rachen- und
Kehlkopfkrankheiten, Kinderkrankheiten, Zahnarzneikunde und
        <pb n="48" />
        ﻿48

Massage. An der Spitze jeder Abteilung steht ein Chefarzt, der zu-
gleich Professor an der medizinischen Schule ist. Außer den Chef-
ärzten sind noch 47 Ärzte angestellt, ferner 60 Pflegerinnen und
21 Beamte. Neben der Krankenbehandlung geht die Ausbildung von
Pflegerinnen und Hebammen (Japanerinnen und Formosachine-
sinnen) her.

Das Hospital ist im Pavillonsystem erbaut, und zwar besteht es
zum Teil aus hölzernen Erdgeschoßbauten, zum Teil aus einstöckigen
steinernen Gebäuden. Es ist ein allmählicher Ersatz der Holzbauten
durch massive Gebäude in Aussicht genommen. Die Krankenzimmer

Regierungshospital zu Tainan : Grundriß des ersten Stocks
        <pb n="49" />
        ﻿
        <pb n="50" />
        ﻿50

werden in solche der Extra-, der 1., 2. und 3. Klasse sowie in
solche für Infektionskranke eingeteilt. Auch findet unter Umständen
unentgeltliche Verpflegung und Behandlung statt. Außer den
verschiedenen Polikliniken und Krankenpavillons sind noch Kliniken,
Laboratorien, Sektionssäle, Tageräume für Patienten, Koch- und
Waschküche, Badehaus, Barbierraum, Eismaschinenhaus, Werk-
stätten für Mechaniker und Zimmerleute, Dampfdesinfektionsanstalt,
Verbrennungsofen, Leichenhaus, Pflegerinnenheim und dergleichen
vorhanden. Auch ist für elektrische und Gasbeleuchtung und für
Dampf-, Wasserleitungs- und Heizeinrichtungen gesorgt, was sonst
nicht überall in Ostasien der Fall ist.

Regierungshospital zu Taihoku: Außenausicht einer Krankenstation

B.	Spezialhospitäler.

Zu den speziellen Heilanstalten gehören

a)	die Isolieranstalten für Infektionskranke,

b)	die Hospitäler für Prostituierte,

c)	die Hospitäler für obdachlose Kranke.

Der von diesen Anstalten erforderte Aufwand wird aus der
Distriktkasse bestritten.
        <pb n="51" />
        ﻿
        <pb n="52" />
        ﻿
        <pb n="53" />
        ﻿53

THE TAIHOKU HOSPITAL,.

f*	I*. ”-mrvi-	15“



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FIRST FLOOR PLAN. s

SC AUE 1: 300.

Regierungshospital zu Taihoku: Grundriß des ersten Stocks
        <pb n="54" />
        ﻿54

Ständig in Betrieb befindliche Isolieranstalten für Infektions-
kranke gibt es in Taihoku, Kilung und Tainan; in anderen Orten
werden sie geöffnet, sobald irgend eine Infektionskrankheit epi-
demisch auftritt oder aufzutreten droht. — Hospitäler für Pro-
stituierte sind in Taihoku, Kilung, Taichu, Kagi, Tainan und
Hözan. Ihre Bestimmung ist, die bei der wöchentlichen Unter-
suchung krank Befundenen aufzunehmen. — Ein Hospital für ob-
dachlose Kranke gibt es in Taihoku.

Jsolieranstalt für Infektionskranke zu Taihoku

C.	Das Hospital des Japanischen Roten Kreuzes auf Formosa.

Das Hospital des Japanischen Roten Kreuzes wurde im Februar
1905 zu Taihoku gegründet und liegt auf dem Grundstück der medi-
zinischen Schule. Es besteht aus einem Hauptgebäude und aus zwei
Krankenpavillons mit zusammen 67 Betten. Der Bau kostete über
100 000 Yen. Das Hospital soll, den Zwecken der Humanität und
Barmherzigkeit entsprechend, bedürftige Kranke entweder unent-
geltlich oder gegen ein geringes, fast nach den Selbstkosten be-
messenes Entgelt behandeln; außerdem soll in ihm Personal für
        <pb n="55" />
        ﻿55

Hospital vom Japanischen Roten Kreuz zu Taihoku

Hospital vom Japanischen Roten Kreuz zu Taihoku: Krankensaal
        <pb n="56" />
        ﻿

BS

— 56 —

Krankenpflege herangebildet werden. Bei kriegerischen Ereignissen
dient es zur Aufnahme von verwundeten und kranken Militär- und
Marinepersonen.

Nach einem zwischen der medizinischen Schule und dem Japa-
nischen Roten Kreuz getroffenen Abkommen dient, wie oben erwähnt,
das Hospital den Schülern jener Anstalt als Klinik und zwar sowohl
hinsichtlich der poliklinischen als auch der in die Krankenpavillons
selbst aufgenommenen Kranken. Der Direktor und das medizinische
Personal sind daher am Hospital größtenteils nur nebenamtlich
tätig. Das medizinische Personal, einschließlich des Direktors, besteht
aus 20 Köpfen; außerdem sind 4 Apotheker, 11 Verwaltungsbeamte
und 17 Krankenpflegerinnen da. Die Menge der im Jahre 1909 be-
handelten Kranken zeigt die folgende Statistik.

Ambulante Kranke.

1909	Zahlende  Kranke	Unentgeltlich  Behandelte	Summe
Neue Kranke			
Japaner 		1 877	47	1 924
Formosaner ....	3 993	125	4 118
Zusammen		5 870	172	6 042
Wiederkehrende Kranke1)			
J apaner		6 692	534	7 226
Formosaner ....	14 902	2511	17 413
Zusammen		21 594	3045	24 639
Insgesamt		27 464	3217	30 681
Behandlungstage			
Japaner 		17 262	1530	18 792
Formosaner ....	32 537	5421	37 958
Zusammen		49 799	6951	56 750

1) d. h. solche, die die Ärzte während der Dauer einer Krankheit
zweimal und mehr konsultiert haben
        <pb n="57" />
        ﻿57

Interne Kranke.

1909	Zahlende  Kranke	Unentgeltlich  Behandelte	Summe
Zahl der Behandelten			
J apaner		390	61	451
Formosaner ....	279	51	330
Zusammen		669	112	781
Krankheitstage			
Japaner 		8 614	2567	11 181
Formosaner ....	4 626	2165	6 791
Zusammen		13 240	4732	17 972

Die 1909/10 aufgewandten Kosten betrugen 19 942,57 Yen.

D.	Wohltätigkeitseinrichtungen.

Die Frauenvereine mit wohltätigen Zwecken haben auch in
Formosa ihre sehr berechtigte Existenz. Die drei namhaftesten sind

a)	der Zweigverein des Frauenvereins vom Japanischen Roten
Kreuz,

b)	der Zweigverein des vaterländischen Frauen Vereins,

c)	der Frauenverein für wohltätige Zwecke.

Der erste Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Kriegs-
zeiten die Verwundeten und Kranken beider Parteien zu pflegen.
Der zweite hat den Zweck, die während der Kämpfe mit den Wilden
Verwundeten und Erkrankten zu unterstützen, besonders aber die
Hinterbliebenen der Gefallenen und die Invaliden. Und der dritte
errichtet Wohnungen für die arme Bevölkerung, erzieht entlassene
Sträflinge zur Arbeit, unterstützt den Bau von Abendschulen und
verbessert die Badeorte.

Umsonst oder ganz billig finden mittellose Kranke Behandlung
in den zu Tainan und Shöka gelegenen Hospitälern der British
Presbyterian Church, dem Mackay’s Hospital der Canadian
Presbyterian Church in Tamsui und dem von der Familie
Din-Hong-Gen gestifteten und verwalteten Hakuai-Hospital zu
Taihoku.
        <pb n="58" />
        ﻿58

Jinsai-in1) in Taihoku, Jikei-in in Tainan, Fusai-in auf
den Pescador-Inseln, Jikei-in in Shöka und Kagi sindEinrichtungen,
welche von der chinesischen Zeit her bestehen und hauptsächlich
dazu bestimmt sind, arme bejahrte Männer und Frauen sowie Waisen,
überhaupt hilfsbedürftige Menschen zu versorgen. Jikei-in in Shöka
ist auch Lepraheim. Mit Jikei- in in Tainan ist außerdem eine Blinden-
anstalt verbunden, deren Begründung durch William Campbelle,
einen englischen Missionar, angeregt worden ist.

*) in = Anstalt; Jinsai, Jikei, Fusai = Barmherzigkeit
        <pb n="59" />
        ﻿9.	Arzte, Hebammen
und Krankenpflegerinnen.

A.	Die Koi- oder halbbeamteten Ärzte.

ie Formosachinesen standen in ihrer Mehrzahl auf einer so
niedrigen Kulturstufe, daß sie bei Erkrankungen ärztliche

S Hilfe nur in sehr geringem Maße in Anspruch nahmen.
Zudem herrschte unter ihnen schon seit Jahrhunderten die ver-
derbliche Unsitte des Opiumrauchens. Daher wurde beschlossen,
an allen bedeutenderen Orten halbbeamtete Ärzte oder Kö-i zu
stationieren — halbbeamtet, weil sie keinen reinen Beamten-
charakter haben, sondern auch Privatpraxis zu treiben verpflichtet sein
sollten — , und so kam es, daß schon zwei Monate nach Einführung der
Zivilverwaltung, also im Juni 1896, eine Bestimmung über Einsetzung
und Pflichten der halbbeamteten Ärzte erlassen wurde. Diese Kö-i
hatten sich gemäß den Vorschriften des neuen Opiumgesetzes mit der
Feststellung der gewohnheitsmäßigen Opiumraucher zu befassen.
Außerdem wollte man durch sie auch die ins Gebiet der
Gesundheitspflege fallenden allgemeinen Maßnahmen in exakter
Weise zur Ausführung bringen und überhaupt den Gesundheitssinn
der Eingeborenen heben. In der Tat bildete diese Einrichtung
der Kö-i zusammen mit den auf Staatskosten errichteten Hospitälern
eines der wichtigsten Hilfsmittel bei der Verwirklichung zivilisa-
torischer Gedanken auf Formosa. Die Kö-i nehmen an den ihnen
zugewiesenen Orten Aufenthalt und stehen unter Aufsicht der
Distriktvorsteher und Sanitätsräte. Ihnen liegt es ob, die anstecken-
den Krankheiten nach Möglichkeit zu verhüten und als Gerichts-
ärzte zu fungieren. Ferner müssen sie Studien über die hygienischen
und medizinischen Verhältnisse der ihnen zugewiesenen Bezirke
anstellen und allmonatlich dem Distriktvorsteher hierüber berichten.
Diese Berichte umfassen alle ins Gebiet der Medizin und Hygiene
fallenden Gegenstände und sind daher wichtige Grundlagen für die
        <pb n="60" />
        ﻿60

Handhabung der Sanitätsverwaltung. Seit 1904 hat das General-
gouvernement für die Kö-i vier Fortbildungskurse eingerichtet, damit
sie nicht hinter den Fortschritten der Wissenschaft Zurückbleiben.
Auch wurden in den Distrikten Vereine der halbbeamteten Ärzte ge-
bildet, um das Moment der gegenseitigen Anregung für ihren Beruf
wirksam zu verwerten. Anfangs machte man in der Hauptsache nur
besonders ausgebildete Anwärter zu Kö-i, gegenwärtig können aber
auch solche Ärzte, die bei einer unter dem Generalgouvernement
stehenden Behörde oder Anstalt länger als ein J ahr angestellt
gewesen sind, unmittelbar dazu ernannt werden, ohne daß sie jenen
Kursus an der medizinischen Schule1) durchgemacht haben.

Zurzeit gibt es 83 Kö-i, die an den folgenden Punkten stationiert

sind:

1.	im Distrikt Taihoku in Shakkö, Pankyö, Shinshö, Shirin,
Kobi (Tamsui), Shökirun, Kinpöri, Suihenkyaku, Kilung, Chösökei,
Shinten, Shinkö, Zuihö;

2.	im Distrikt Giran in Giran, Parisha, Ratö, Soö.Töi, Heirinbi;

3.	im Distrikt Töyen inTöyen, Chüreki, Sankakuyü, Taikokan,
Kansaihö, Yöbaireki, Taikyüyen;

4.	im Distrikt Shinchiku in Shinchiku, Jukirin, Chükö, Nanshö,
Byörizu, Körö, Taiko;

5.	im Distrikt Taichu in Töseikaku, Koroton, Taikö, Gyubatö,
Tokatsukutsu, Shöka, Rokkö, Inrin, Hokuto, Jirin;

6.	im Distrikt Nanto in Nanto, Söaton, Horisha, Shüshü,
Rinkiho;

7.	im Distrikt Kagi in Dabyö, Shinkö, Doko, Toroku, Seira,
Hokkö, Bokushikyaku, Yensuikö, Tenshikö;

8.	im Distrikt Tainan in Amping, Wanri, Matö, Rokkö, Tapani,
Taimokukö, Kante'ibyö, Aköten, Nanshinkö, Takao, Hokumonsho,
Hözan;

9.	im Distrikt Akö in Akö, Arikö, Banshoryö, Chöshü, Tökö,
Böryö, Bözan, Köshun;

10.	im Distrikt Karenkö in Karenkö, Bokusekikaku;

11.	im Distrikt Höko inMakiu, Taisekikan, Shöchikaku, Möan.

vergl. Abschnitt 7
        <pb n="61" />
        ﻿61

Die Ausgaben für die Kö-i wurden anfangs vom Staate be-
stritten, bis sie seit 1898 von den Distrikten übernommen wurden.
Für die Tatsache, daß sich in der letzten Zeit die Sitten und Gebräuche
der Eingeborenen gebessert haben und daß sie insbesondere die Vor-
züge der modernen Heilkunde zu verstehen und eine mit jedem Tage
wachsende Hochachtung vor ihr zu zeigen beginnen, ist besonders
charakteristisch, daß selbst Frauen, die gemäß der alten Sitte gewohnt
waren, ihre Wohnung nie zu verlassen, und es für Schande hielten,
sich mit fremden Männern zu unterhalten, aus freiem Entschlüsse
die halbbeamteten Arzte aufsuchten; sie brachten auch wohl kleine
Kinder mit und scheuten oft selbst lange Wege nicht. Übrigens
sind jetzt auch schon 14 Kö-i aus den Formosachinesen selbst hervor-
gegangen.

B.	Praktische Ärzte, l-se'i und Zahnärzte.

Im Jahre 1895 gab es etwa 2000 I-sei, d. h. Heilkundige aus der
altchinesischen Schule. Ein Teil von ihnen war in der chinesischen
medizinischen und schönen Literatur wohl bewandert, ein Teil durch
ausländische Missionare mit den Anfangsgründen der modernen
Medizin bekannt gemacht worden, die große Mehrzahl jedoch ent-
behrte nicht nur der wissenschaftlichen Ausbildung, sondern auch
der allgemeinen Schulbildung. Daher rief das Generalgouvernement,
wie erwähnt, die Hospitäler, die medizinische Schule und die In-
stitution der Kö-i ins Leben. Sodann siedelten, seitdem 1896 die
Freizügigkeit auf Formosa eingeführt worden war, eine Anzahl Ärzte
aus Japan nach Formosa über, um hier ihre Praxis auszuüben.
Unter Ärzten und Zahnärzten werden jetzt solche Personen verstanden,
die entweder auf Grund der Ärzteverordnung für Formosa vom
Generalgouverneur zugelassen oder gemäß dem Gesetz betreffend
die Ausübung der ärztlichen und zahnärztlichen Praxis in Japan
registriert sind. Die Voraussetzungen hierzu werden erfüllt durch
erfolgreiches Studium auf einer Universität oder medizinischen
Hochschule oder durch das Bestehen des Staatsexamens für Ärzte.
Ausländische Ärzte, die in ihrer Heimat approbiert sind, können
nach Ermessen des Generalgouverneurs zugelassen werden.

Die I-sei wurden zunächst ohne jede Beschränkung stillschwei-
gend geduldet. Doch wurde mit der Zeit für geboten erachtet, sie
        <pb n="62" />
        ﻿62

unter Aufsicht zu stellen. In diesem Sinne wurde 1901 eine Vorschrift
über die Konzessionierung der Heilkundigen erlassen, wonach solchen
I-sei, die schon vor der Veröffentlichung der Vorschrift auf Formosa
den Beruf eines Heilkundigen ausgeübt haben, durch das Distrikt-
amt ein Zeugnis über die Berechtigung zur Ausübung ärztlicher
Praxis verliehen werden kann.

Nach dem Stande von Ende September 1910 war die Anzahl
der approbierten Ärzte, Zahnärzte und Heilkundigen diese:

Ärzte (Japaner) .................................... 86

Ärzte (Formosaner, die die hiesige medizinische

Schule absolviert	haben)......................... 87

Ärzte (Ausländer, und	zwar Engländer) ....	5

Zahnärzte............................................ 5

I-sei ........................................... 1275.	fl

Außerdem sind noch Zahnkünstler, Nadelstich- und Moxa-
künstler, Masseure und Knochenbruchheilkünstler, sowohl Japaner
als auch Formosaner, durch die Distriktämter zur Ausübung ihres
Berufes zugelassen.

C.	Hebammen.

Hebammen waren früher auf Formosa nicht vorhanden, nur die
Senseima, Frauen, die einige Erfahrung in der Geburtshilfe hatten,
sehr häufig aber Mutter und Kind großes Unheil zufügten. Daher
durfte kein Augenblick versäumt werden, diesem Übelstande abzu-
helfen, zumal da die Zahl der nach Formosa übersiedelnden japa-
nischen Familien von Jahr zu Jahr größer wurde. Zunächst holte
man Hebammen aus Japan. Dann wurden mehrere japanische
Krankenpflegerinnen, die sich dazu meldeten, im Gouvernements-
hospital zu Taihoku zu Hebammen ausgebildet. Da aber zur
Schaffung eines Hebammenstandes auch die Ausbildung eingeborener
Frauen geboten schien, so hat man seit vier Jahren begonnen, an
dem genannten Hospital zu diesem Zwecke besondere anderthalb-
jährige Kurse abzuhalten. Ende 1909 betrug die Zahl der japa-
nischen Hebammen 66 und die der formosachinesischen 43.

fl dazu 111 Ärzte (83 Japaner, 27 Formosachinesen, 1 Formosawilder),
die an den Hospitälern und bei Behörden angestellt waren, und 83 Ko-i (69
Japaner, 14 Formosachinesen)
        <pb n="63" />
        ﻿Formosachinesische Hebammen und ihre Lehrer

D.	Krankenpflegerinnen.

In Formosa gehören alle Krankenpflegerinnen den Hospitälern
an; selbständige Pflegerinnen sind also nicht vorhanden. Prüfungen
für Krankenpflegerinnen sind noch nicht eingerichtet, doch darf sich
niemand, der nicht an einem Gouvernementshospital oder in Japan
ausgebildet ist, als Krankenpflegerin bezeichnen. Gegenwärtig
werden Frauen in der Krankenpflege an den Gouvernementshospi-
tälern zu Taihoku, Kilung, Taichu und Tainan unterwiesen. An den
Gouvernementshospitälern wirken zurzeit 119 Krankenpflegerinnen.
        <pb n="64" />
        ﻿10.	Apotheker- und Arzneimittelwesen.

Apotheker, Drogenhändler und Arzneimittelbereiter.

Das Gouvernement erließ in Anbetracht der Notwendigkeit,
eine Kontrolle über Apotheker, Drogenhändler und Arznei-
mittelbereiter sowie über den Verkehr mit Arzneimitteln
auszuüben, im Juni 1896 eine diesbezügliche Verordnung. Ein Teil
dieser Verordnung wurde im Juli 1899 erneuert: es wurde die Bestim-
mung getroffen, daß, während bisher approbierte Apotheker als
solche nur von dem Minister des Innern anerkannt werden konnten,
von nun an die Approbation auch vom Generalgouverneur von For-
mosa erteilt werden dürfe. Da aber in Formosa weder eine Anstalt für
die Ausbildung der Apotheker noch eine Prüfung für sie eingerichtet

Japanischer Apotheker- und

Drogistenladen in Tainan
        <pb n="65" />
        ﻿65

ist, können vorläufig nur solche Personen die Approbation beantragen,
die dazu befähigt sind, sich in Japan als Apotheker eintragen zu lassen.
Demnach kommen für Formosa alle diejenigen Personen in Frage,
die ihr Fachstudium auf einer vom japanischen Unterrichtsministerium
für geeignet erklärten Schule absolviert oder die für Japan vor-
geschriebene Prüfung bestanden haben und somit zur Ausübung
ihres Berufes qualifiziert sind, sich aber nicht in Japan haben ein-
tragen lassen, sondern nach Formosa gehen. Die Approbation wird
demnach nicht nur schlechthin auf Grund des Lebenslaufes erteilt.
Alle Apotheker in Formosa — 1909 waren es 111) — sind Japaner.

Die Drogenhändler werden von der Distriktbehörde konzes-
sioniert; ihr Geschäft besteht zum größten Teile im Vertrieb der so-
genannten chinesischen Drogen. Deshalb nehmen hier die Formosa-
chinesen an Zahl die erste Stelle ein. Auch einige Ausländer sind zu-
gelassen. Ende 1909 zählte man 2592 Konzessionierte: 136 Japaner,
2449 Formosachinesen und 7 Ausländer (Chinesen).

Es existieren ferner Arzneimittelmanufakturen; doch ist
dieses Gewerbe sehr primitiv und außerdem nicht von Bedeutung.
Denn die betreffenden Waren werden ganz überwiegend als Fertig-
produkte aus Japan eingeführt. Die Konzession zum Betriebe dieses
Gewerbes wird durch die Distriktbehörde erteilt. Die Zahl der Kon-
zessionierten belief sich Ende 1909 nur auf 25; es waren 14 Japaner
und 11 Formosachinesen.

Ferner sind diejenigen zu erwähnen, die sich gleichzeitig mit Her-
stellung und Verkauf einfacher Hausmittel, auch Geheimmittel, be-
fassen. Endel909 betrieben 91 Japaner und 186 Formosachinesen dieses
Geschäft. Und schließlich gibt es für den Vertrieb fertiger Hausmittel
noch Wiederverkäufer und Reisende. Ihre Kopfzahl betrug 2254:
628 Japaner, 1621 Formosachinesen und 5 Ausländer (Chinesen).

B. Kontrolle des Arzneimittelverkehrs.

Anfänglich waren Vorschriften über den Arzneimittelverkehr
in der 1896er Verordnung betreffend Apotheker, Drogisten und
Arzneimittelbereiter enthalten. Sie beschränkten sich auf die Forde-
rung, daß die im japanischen Arzneibuch aufgeführten Arzneimittel

l) abgesehen von den im Staatsdienste stehenden Apothekern
Dielhygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.

5
        <pb n="66" />
        ﻿66

Formosachinesische Apotheke zu Taihoku

bezüglich ihrer Beschaffenheit den hier gegebenen Bestimmungen und
die in einem ausländischen Arzneibuch aufgeführten den betreffenden
Bestimmungen entsprechen müßten und daß nur der Vertrieb
diesen Bestimmungen genügender Arzneimittel erlaubt sei und zwar
nur den konzessionierten Gewerbetreibenden, nämlich Apothekern,
Drogenhändlern und Arzneimittelbereitern. Man hatte aber noch
keine ordentliche Einrichtung für Arzneimittelprüfung und -Versiege-
lung getroffen. Da verlautbarte, daß mitunter schlechte Arzneimittel
eingeführt würden. Daraufhin wurden Chemiker der Opiumpasten-
fabrik entsandt, um die in der Apotheke des Hospitals zu Taihoku
vorrätigen Arzneimittel zu revidieren. Hierbei fanden sich auch wirk-
lich einige minderwertige Waren. Auf diese Tatsache wurden die
Krankenhausdirektoren durch ein Rundschreiben aufmerksam ge-
macht. Auch wurden in Taihoku manche der in den privaten Apo-
theken und Drogenhandlungen auf Vorrat befindlichen Medika-
mente einer außerordentlichen Durchsicht unterworfen, und es zeigte
sich auch hier, daß nicht alle einwandfrei waren. Infolgedessen ergab
sich die Notwendigkeit, die Bestimmungen über den Arzneimittel-
        <pb n="67" />
        ﻿67

verkehr zu erweitern. Das geschah. Im September 1900 wurde ein
neues Arzneimittelverkehrsgesetz für Formosa veröffentlicht; es trat
mit dem 1. Januar 1901 in Kraft. Hiernach müssen — die früheren
Bestimmungen bleiben — solche neue Arzneimittel, die in keinem
Arzneibuch aufgeführt sind, von den zum Ressort des Ministeriums
des Innern gehörigen hygienischen Untersuchungsanstalten analysiert
und mit einer entsprechenden Bescheinigung versehen werden; ferner
sollen ohne Ausnahme sämtliche Arzneimittel von den genannten
Untersuchungsanstalten oder von dem Institut für experimentelle
Forschungen zu Taihoku geprüft und mit einem Prüfungsvermerk
versehen sein. Dies ist zur Bedingung des Verkaufs und der Aushän-
digung überhaupt gemacht worden. Im übrigen wurden neue Vor-
schriften über die Aufbewahrung der Arzneimittel und über den Ver-
kehr mit Giften und stark wirkenden Stoffen usw. gegeben. Als
Anhang wurde ein Verzeichnis der Gifte und stark wirkenden Stoffe
beigefügt. Außerdem erließ man Vorschriften für die Prüfung und
ebenso für die Revision der Arzneimittel. Seitdem haben jene Übel-
stände wesentlich abgenommen. Es muß noch bemerkt werden.

Formosachinesisclier Drogistenladen zu Tainan

5*
        <pb n="68" />
        ﻿68

daß die chinesischen Drogen eigentlich neue Arzneimittel im Sinne
dieses Gesetzes sind, da sie in keiner Pharmakopoe aufgezählt werden.
Sie bestehen aber in Wahrheit nur in Baumrinden oder Kräuter-
wurzeln und werden nicht mehr lange in Übung bleiben. In diesen
Drogen sind zwar mitunter Gifte oder stark wirkende Stoffe enthalten,
doch kommt es fast nie vor, daß die mit langjährigen Erfahrungen
ausgerüsteten I-sei1) Fehler in der Anweisung und Verwendung der-
artiger Mittel machen. Deshalb ging man bisher in dieser Richtung
nicht mit Strenge vor.

Für die fertigen Haus- und Geheimmittel ist eine allgemeine
Regelung noch nicht durchgeführt, doch muß in den Distrikten
laut einer hier bestehenden Bestimmung für jedes Mittel bei der
Distriktbehörde einzeln um Erlaubnis nachgesucht werden. Dadurch
wird erreicht, daß nur unschädliche Mittel in den Verkehr gebracht
werden. Mittel, die in Japan genehmigt worden sind, werden auch in
Formosa ohne weiteres zugelassen, dagegen bedürfen alle anderen
und auch sämtliche aus dem Auslande stammenden Mittel, genau so wie
die in Formosa selbst hergestellten, einer besonderen Prüfung und
Genehmigung. Den stärksten Umsatz weisen die japanischen Mittel
auf, dann kommen die ausländischen und zuletzt die formosa-
chinesischen.

x) vergl. 9 E
        <pb n="69" />
        ﻿11.	Hygienische Mafznahmen
in den Städten.

A. Regulierung der Städte.

Die Häuser der alten Städte lassen in hygienischer Beziehung
viel zu wünschen übrig. Es fehlt in ihnen vor allen Dingen
an Duft und Dicht, auch sind sie nicht fest genug gebaut,
um sich gegen Stürme oder gar Erdbeben halten zu können. Sodann
ist die Front der Häuser so willkürlich gewählt, daß die Straßen
außerordentlich unregelmäßig geworden sind; überdies sind sie viel
zu eng. Um diesen Übelständen abzuhelfen, wurde im November 1898
eine Kommission für die Regulierung der Städte Taihoku und
Kilung ins Deben gerufen. Diese Kommission hat zunächst im August
1900 den Arbeitsplan für die innere Stadt (Jönai) von Taihoku
(Flächeninhalt 350 000 Tsubo = 1 157 000 qm) festgelegt, darauf im
Juni 1901 den Plan für das südliche Stadtviertel, wo zum Teil noch
jetzt Reisfelder liegen, und im Oktober 1905 schließlich einen Gesamt-
plan für das ganze zukünftige Taihoku (Flächenraum 2 000 000 Tsubo
= 6 611 600 qm). Dieser letztere Plan ist nämlich mit Rücksicht auf
das zu erwartende Wachstum der Stadt auf 150 000 Einwohner
berechnet worden, während Taihoku jetzt 85 000 zählt.

Um einerseits die Stadt vor Überschwemmung zu schützen und
anderseits den Verkehr auf demTamsui zu erleichtern, sind Schutzwälle
und Kaie von 3000 m Dänge sowie ein Ankerplatz mit 165 300 qm
Fläche projektiert. Sodann sind über 76 000 qm Parkanlagen in der
inneren Stadt vorgesehen, und gegenwärtig ist man im Begriffe, hier
mehrere mit Rasen und Bäumen bepflanzte Schmuckplätze sowie
— an der Stelle der alten Stadtmauer — einen Promenadenring von
45 bez. 82 m Breite einzurichten. Die Straßenlänge der Stadt wird
insgesamt 22 Ri (86,4 km) betragen. Die Straßen sollen je nach
Bedarf eine Breite von 12, 10, 8, 6, 5, 4 und 3 Ken1) besitzen. Zu

!) 1 Ken = 1,818 m
        <pb n="70" />
        ﻿— 70 —

beiden Seiten sind je 2 Ken breite Bürgersteige anzubringen, die dort,
wo Häuser anliegen, überdacht und sonst überall mit Bäumen be-

Taihokü

4w $**•&gt;**' ■
nf “**?**.

iurth . t&lt;(«

W.

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Straßennetz der Stadt Taihoku nach der Regulierung
        <pb n="71" />
        ﻿71

Chinesenviertel in Taihoku vor dem Umbau

Dasselbe Chinesenvierlei nach dem Umbau
        <pb n="72" />
        ﻿72

pflanzt sein müssen. Die verkehrsreichen Straßen werden nach Art
der Packlagechaussee gebaut und durch die Dampfwalze gefestet,
die stilleren dagegen nach Art der Kieschaussee angelegt. Der
Kostenanschlag verlangt 6 671 300 Yen. In den Rechnungsjahren
1895—1909 sind von der Staatskasse für die Zwecke der Regulierung
im ganzen 1 321 000 Yen ausgegeben worden; diese Summe wurde
in der Hauptsache für Straßenbau und Kanalisation in den alten
Stadtteilen verwendet.

In Kilung und Takao, den beiden wichtigsten Häfen, sowie in
Tainan, Taichu, Kagi und Shinchiku wird genau so verfahren wie in
Taihoku, nur daß in diesen Orten die Kosten zum größten Teile aus
den Sanitätskassen bestritten werden. In zahlreichen Eandstädten
hat man die Straßenregulierung ebenfalls in Angriff genommen und
meist sogar schon vollendet. Die Mittel dazu stammen auch hier
hauptsächlich aus den Sanitätskassen.

Es war vorauszusehen, daß die Eisenbahn, die die Insel von
Norden nach Süden durchzieht, große Umwälzungen auch auf dem
Gebiete der Siedelung hervorrufen werde; namentlich da, wo Bahnhöfe
lagen, war das Entstehen neuer Ortschaften und Eandstädte sehr
wahrscheinlich. Daher hat man die Distriktvorsteher von vornherein
angewiesen, solche Gegenden zu vermessen und unter Umständen zu
nivellieren sowie für sie im voraus Straßen- und Kanalisationspläne
auszuarbeiten. Auf diese Weise wurde es möglich, dem Entstehen
unregelmäßiger Straßengebilde vorzubeugen.

Baugesetz.

Mit Rücksicht auf die im Eingänge angedeuteten Verhältnisse
hat man im August 1900 ein Baugesetz erlassen, das sich auf die
Regelung des Häuserbaus erstreckt. Es besteht im ganzen aus neun
Paragraphen. Die Orte, für die es zur Geltung kommt, werden von
dem betreffenden Distriktvorsteher bestimmt, doch muß dieser alle-
mal die Genehmigung des Generalgouverneurs einholen. In dem
Gesetz steht etwa folgendes.

1.	Bei Neubau, Anbau und Umbau der Häuser muß von dem
Distriktvorsteher Erlaubnis eingeholt werden.

2.	Der Distriktvorsteher ist ermächtigt, Häuser umbauen oder
niederreißen zu lassen
        <pb n="73" />
        ﻿73

a)	wenn es für öffentliche Zwecke nötig ist;

b)	wenn sie das menschliche Leben äußerlich gefährden;

c)	wenn gesundheitliche Gefahren vorliegen;

d)	wenn sie den Bestimmungen des Gesetzes zuwider gebaut
oder umgebaut sind.

3.	Wenn ein Haus unmittelbar am Bürgersteig erbaut wird, so
muß dieser von dem Erbauer des Hauses mit Bedachung versehen
werden usw.

Im September 1900 wurden die Ausführungsbestimmungen zu
dem Baugesetz veröffentlicht. Da sich aber später ihre Unzulänglich-
keit herausstellte, besonders bezüglich der Bekämpfung der Pest, so
wurden sie revidiert; im Juli 1907 traten die aus 25 Paragraphen
bestehenden revidierten Bestimmungen in Kraft. Die Hauptpunkte
sind diese.

1.	Die bebaute Fläche darf niemals mehr als drei Viertel des
Grundstücks ausmachen.

2.	Die Häuser an den Straßen dürfen die von dem Distrikt-
vorsteher vorgeschriebene Fluchtlinie nicht überschreiten.

3.	Die Hintergebäude müssen ringsum mit einer freien Fläche
von mindestens 2 Ken umgeben sein und einen mindestens 1 Ken
breiten Durchgang nach der Straße besitzen.

4.	Dokazu (an der Sonne getrocknete Erdmasse) darf als Bau-
material nicht verwendet werden.

5.	Die lichte Höhe der Häuser muß mindestens 2 Ken betragen.

6.	Die Fensteröffnungen müssen bei direkter Beleuchtung min-
destens 1/10, bei indirekter Beleuchtung mindestens 1/7 der Grund-
fläche des zu erleuchtenden Raumes betragen.

7.	Der Fußboden des Erdgeschosses muß mindestens 2,2 Shaku1)
von der Erde entfernt sein und die Höhe jedes Zimmers mindestens
9 Shaku betragen.

Ferner sind Bestimmungen über Anlage von Küche, Badestube
und Klosett getroffen, vor allen Dingen aber ist vorgeschrieben, daß
die Wohnhäuser mit Vorrichtungen gegen das Eindringen der Ratten
versehen sein müssen.

*) 1 Shaku = 0,303 m
        <pb n="74" />
        ﻿
        <pb n="75" />
        ﻿
        <pb n="76" />
        ﻿76

B. Reinigung der Häuser, Straßen und Kanäle.

Zweimal im Jahre, im Frühling und im Herbst, werden sämtliche
Häuser auf ganz Formosa einer gründlichen Reinigung unterzogen.
Dabei werden alle Hausgeräte auf den Hof oder auf die Straße ge-
tragen und den Sonnenstrahlen ausgesetzt und alle Räume, auch die
zwischen Zimmerdecke und Dach und die unter dem Fußboden, pein-
lich gesäubert. Außerdem sind in einer Reihe von Städten das Müll-
beseitigungsgesetz und das Kanalisationsgesetz in Kraft getreten und
zwar das erstere in Taihoku, Kilung, Giran, Shinchiku, Taichu,
Shöka, Kagi, Tainan, Amping und Takao, das letztere in Taihoku,
Kilung, Giran, Rats, Shinchiku, Taichu und Tainan. Durch diese
Gesetze wird den Privatpersonen die Pflicht übertragen, das in ihrem
Besitze oder unter ihrer Aufsicht stehende Gelände und die zuge-
hörigen Privatkanäle rein zu halten, während dem Staate auferlegt
wird, das von den Privatpersonen gesammelte Müll abzuführen sowie
die Parkanlagen, Straßen, öffentlichen Kanäle und öffentlichen Be-
dürfnisanstalten zu reinigen. In anderen Städten, wo derartige ge-
setzliche Anordnungen fehlen, vor allem in Randstädten, werden
diese Arbeiten von den Sanitätskassen oder von den Korporationen
für öffentliche Gesundheitspflege oder auch von den Ho-kö besorgt.
        <pb n="77" />
        ﻿12.	Wasserversorgung.

Für die Wasserversorgung auf Formosa wurden früher aus-
schließlich Flachbrunnen und Flüsse benutzt. Was die
Brunnen anlangt, so bestanden ihre Wände entweder aus
Flußgeröllsteinen, die man ohne Mörtelverbindung aufeinander ge-
schichtet hatte, oder aus Ziegelsteinen, die durch Kalkmörtel ver-
bunden waren; sobald der Erdboden verunreinigt war, wurde bei der-
artig undichter Brunnenkonstruktion das Wasser natürlich völlig
unbrauchbar. Und daß Flußwasser nicht zum Trinken geeignet ist,
braucht kaum erwähnt zu werden. In Taihoku konnte man aller-
dings durch Anlegung von Rohrbrunnen Grundwasser aus einer Tiefe
von 56 m gewinnen. Wenn man aber die Brunnen den Einwohnern
zum Gebrauche frei gab, wurde das Wasser alsbald ungenießbar.
Auch war die Menge des Wassers nicht ausreichend, zumal da die
Stadt im Begriffe ist, sich stark auszudehnen.

Unter diesen Umständen beschloß das Generalgouvernement,
mit der Zeit allenthalben, sowohl in den größeren Städten als auch in
den Landstädten, Zentralwasserversorgungsanlagen zu schaffen. Der
Anfang wurde 1898 mit den Anlagen in Tamsui und Kilung gemacht.
Andere Städte folgten und folgen diesem Beispiele. Jetzt besitzen
bereits die fünf Städte Taihoku, Kilung, Tamsui, Shöka und Kimpöri
Wasserleitungen, und für Takao, Kagi, Taikö, Hokuto und Shirin
sind sie gegenwärtig in Bau. Im folgenden wird eine kurze Be-
schreibung von vier bereits vollendeten Wasserwerken gegeben.

A. Das Wasserwerk der Stadt Taihoku.

Die Stadt Taihoku, der Sitz des Generalgouvernements, besteht
aus drei Teilen: aus J önai, aus Manka und aus Daitotei. Sie hat zur-
zeit rund 85 000 Einwohner. Durchflossen von dem schiffbaren
Tamsui und mit den wichtigsten Städten, insbesondere mit den beiden
naheliegenden Häfen Kilung und Tamsui, durch Eisenbahn verbunden,
ist sie der Mittelpunkt für den formosaischen Handel und Verkehr.
        <pb n="78" />
        ﻿78

i.	Die Wasserquelle.

Es wurde zuerst erwogen, ob die Stadt nicht durch Grund-
wasser versorgt werden könne. Denn der Boden in und um Taihoku
besteht aus abwechselnd aufeinander folgenden Lehm- und Sand-
schichten, die durchschnittlichen Jahresniederschläge betragen etwa
2400—2500 mm, und das bei Versorgung mit Grundwasser als natür-
liche Sammelfläche in Betracht kommende Gebiet wäre 150 qkm
groß gewesen. Auch waren die bereits vorhandenen Rohrbrunnen —
800 an der Zahl — recht ergiebig; jeder lieferte in 24 Stunden durch-
schnittlich 700 Kubikfuß* 1) Wasser. Anderseits aber lag die begründete
Befürchtung vor, es werde, da schon jetzt — und erst recht später
— eine Versorgung der Stadt mit Grundwasser eine Vermehrung der
Brunnen erfordern mußte, der Wasserstand der schon bestehenden
Brunnen beeinträchtigt werden. Man hatte nämlich beobachtet, daß
mit der Vermehrung der Anzahl der Brunnen ihr Wasserspiegel
immer tiefer sank. Daher wurde beschlossen, das erforderliche
Wasser ohne Anlehnung an das Grundwasser aus dem Tamsui zu ent-
nehmen.

2.	Die mutmaßliche Bevölkerungszahl der Stadt.

In den sechs Jahren von Ende 1898 bis Ende 1904 ist die Be-
völkerung der Stadt Taihoku von 61 000 auf 78 000 gestiegen. Das
ist eine Vermehrung um 27 vom Hundert in dem ganzen Zeiträume
und um durchschnittlich 4,5 vom Hundert in einem Jahre. Diese
Vermehrung kann jedoch nicht als normal gelten, weil gerade in der
genannten Zeit sehr viele J apaner nach Formosa eingewandert sind.
Immerhin aber wird sich Taihoku als Hauptstadt in einem unge-
wöhnlich raschen Tempo entwickeln. Man nahm daher an, daß die
Einwohnerzahl jährlich um 3% zunehmen und sich also in zwanzig
Jahren auf 150 000 belaufen wird. Diese Zahl wurde bei der
Projektierung des Wasserwerks zugrunde gelegt. In der Berück-
sichtigung der voraussichtlichen Versorgungsgebiete schloß man sich
einem Plane an, der von der Kommission für Städteumbau ent-
worfen und von dem Generalgouverneur zur allgemeinen Kenntnis-
nahme veröffentlicht worden war.

x) mit Fuß und Zoll ist durchgängig englisches Längenmaß gemeint

1 Fuß = 0,30479 m, 1 Zoll = 0,02539 m
        <pb n="79" />
        ﻿79

3.	Wasserbedarf.

Für eine Stadt, welche erst im Werden begriffen ist und deren
Entwicklung, besonders in industrieller Hinsicht, sich nicht über-
sehen läßt, ist die Berechnung des benötigten Wasserbedarfs sehr
schwer. Man hat deswegen die Erfahrungen in einigen japanischen
Städten zu Hilfe genommen. Der Wasserverbrauch pro Kopf und Tag
beträgt

in Yokohama....................2,88	Kubikfuß,

in Nagasaki....................3,00	,,

in Hakodate....................2,56	„	,

in Osaka.......................3,00

in Tokio ......................3,96	,,	,

im Durchschnitt also...........3,08	,,

Hiernach setzte man für jeden Einwohner von Taiholcu als
mittleren Tagesbedarf 3,00 Kubikfuß und als Maximalbedarf
6,00 Kubikfuß fest.

Wasserwerk der Stadt Taihoku: Wasserentuahmestelle
        <pb n="80" />
        ﻿80

4.	Technische Ausführung.

a) Wasserwerk. Das Wasser wird etwa 4 km südöstlich von
der Stadt in der Nähe des früheren Militärschießplatzes dem Tamsui
entnommen und vermittels eines etwa 1 m im Lichten messenden
Eisenbetonrohrs und ausgemauerter Wasserwege zunächst in den
Pumpschacht geleitet, um von hier in einen zweiten Schacht gepumpt
und dann den Klärbecken zugeführt zu werden. Die elektrisch be-
triebene Pumpstation hat Pumpen zur Hebung des Wassers aus
dem Pumpschacht und solche zur Hebung des gereinigten Wassers.
Zur Hebung aus dem Pumpschacht sind drei Pumpen vorgesehen, von
denen die dritte als Reserve dient. Jede dieser Pumpen ist imstande,
in einer Minute 250 Kubikfuß Wasser auf 50 Fuß Höhe zu heben.
Die Zahl der zum Heben des reinen Wassers bestimmten Pumpen
beträgt ebenfalls drei; auch hier dient die eine als Reserve. Von
diesen Pumpen hebt jede in einer Minute 250 Kubikfuß Wasser auf
130 Fuß Höhe. Das dem zweiten Schachte zulaufende Wasser soll
für 150 000 Einwohner in einer Minute 468,75 und in einem Tage
675 000 Kubikfuß betragen. Zu dieser Menge kommt man, wenn man
den Wasserverbrauch pro Kopf und Tag mit 3 Kubikfuß annimmt
und noch 50 %, d. h. 1,5 Kubikfuß, hinzurechnet. Um aber
auch dem Bedarf an Reinigungswasser für die Reservoire usw. gerecht
zu werden, wurde das in einer Minute zulaufende Quantum auf
500 Kubikfuß gebracht. Klärbecken sind zwei vorhanden; sie
besitzen runde Form und bei 52 m Durchmesser etwa 4 m
Wassertiefe. Sie decken bei 120 000 Einwohnern den 1 y2 tägigen
Bedarf; sobald die Zahl der Einwohner 150 000 erreicht, muß
ein drittes hinzu kommen. Jedes dieser Klärbecken besitzt eine
Vorrichtung, die dem Klärschacht nur das klargewordene, 1—1 y2
Fuß unter der Oberfläche befindliche Wasser übermittelt. Der
Klärschacht reguliert durch eine besondere Vorrichtung die Menge
des Wassers und befördert es zu den Filtern. Es sind 6 Filter
von je 30 m Breite und 38 m Länge eingerichtet. Von diesen sind
fünf beständig in Betrieb, während das sechste im Falle der Reini-
gung des einen oder des anderen als Ersatz gebraucht wird. Bei
einer Einwohnerzahl von 150 000 werden noch zwei weitere, jetzt
erst projektierte Filter nötig sein. Jene fünf Filter können bei
einer Arbeitsgeschwindigkeit von 10 Fuß in 24 Stunden insgesamt
        <pb n="81" />
        ﻿81

Wasserwerk der Stadt Taihoku : Pumpstation

Wasserwerk der Stadt Taihoku: Maschinenraum der Pumpstation
Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.

6
        <pb n="82" />
        ﻿82

eine Menge von 540 000 Kubikfuß liefern, d. h. bei 120 000 Ein-
wohnern 4 y2 Kubikfuß pro Kopf und Tag. In dem zu den Filtern
gehörigen Schacht, in dem sich das gereinigte Wasser sammelt, ist
ein Ventil angebracht, das die Arbeitsgeschwindigkeit der Filter
selbsttätig reguliert. Das filtrierte Wasser wird sodann zwei auf
einem Hügel befindlichen Hochbehältern von je 27X26x4 m
Rauminhalt zu geführt. Die Behälter sind nach oben durch eine
mit Ventilationsvorrichtungen versehene Bedachung abgeschlossen.
Durch Einfügung von Querwänden ist dafür gesorgt, daß das Wasser
beständig in Bewegung bleibt. Die Behälter können bei normalem
Verbrauch eine für 150 000 Einwohner auf 10 Stunden ausreichende
Wasser menge fassen.

b) Zuleitung des Wassers. Das Wasser wird unter Benutzung
des natürlichen Gefälles aus den Hochbehältern vermittels zweier
eiserner Rohre, deren lichter Durchmesser zwanzig Zoll beträgt, über
Koteishö bis an das Südtor der inneren Stadt geleitet. Diese Haupt-
rohre haben eine Fänge von 12 000 Fuß. Da sich die Sohle der Hoch-

Wasserwerk der Stadt Taihoku: Filteraulagen
        <pb n="83" />
        ﻿83

Legen der Leitungsrohre in der Stadt Taihoku

behälter 39 m über dem mittleren Meeresniveau befindet und bei
einem Gefälle von 1 : 600 eine mit einer minütlichen Stärke von
625 Kubikfuß strömende Wassermenge bei der angegebenen Ent-
fernung eine Druckverminderung um etwa 6 m bewirkt, so besitzt
das Wasser an dem Südtor, das etwa 8 m über dem Nullpunkt liegt,
einen Druck von ungefähr 25 m. Das Deitungsnetz in der Stadt
selbst ist als Umlaufsnetz angelegt. Der lichte Durchmesser der
dabei verwendeten Leitungsrohre beträgt 20, 14, 12, 10, 8, 6 und
4 Zoll. In Abständen von 327 bez. 545 m sind Wasserschieber
vorgesehen. Hydranten finden sich in Zwischenräumen von je
145 m. Um den Gesamtverbrauch zu kontrollieren, ist an der
Stelle des Eintritts des Wassers aus den Hauptrohren in das Um-
laufsnetz ein Stadtwassermesser angebracht. Nach dem Budget
betrugen die Baukosten 1 900 000 Yen; sie sollten in den beiden
Etatjahren 1907 und 1908 zur Ausgabe gelangen. Aber aus baulichen
Rücksichten ist die Summe teilweise in das Rechnungsjahr 1909
übernommen worden. Im Juli 1909 war der Bau beendet.

6*
        <pb n="84" />
        ﻿RS

— 84 —

B. Das Wasserwerk der Stadt Kilung.

Kilung ist einer der besten Häfen Formosas. Auf drei Seiten von
steilen Bergen umgeben, steht er nur gegen Norden offen. Die Reede
ist geräumig und tief genug, um große Schiffe beherbergen zu können.
Die Stadt selbst liegt am Hinterrande des Hafens und zwar im Süd-
westen. Seitdem Kilung 1863 dem fremden Handel freigegeben
worden war, stieg die Zahl seiner Einwohner mit jedem Jahre, be-&lt;
sonders nach 1895, da der Hafen für den Verkehr mit Japan ganz
allein in Betracht kommt. Zweifellos hat also der Ort eine gute Zu-
kunft. Daher wurde für notwendig erkannt, Kilung sofort mit einer
Wasserleitung zu versehen. Bereits im Juni 1898 wurde die Er-,
richtung eines Wasserwerks in Angriff genommen; im März 1902 war
es vollendet. Die Kosten betrugen 467 000 Yen.

Die Zahl der Einwohner wurde, als man mit dem Bau begann, auf
10 000 geschätzt. Unter Berücksichtigung des künftigen Bevölke-
rungszuwachses, den man nach Vollendung der Hafenbauten und
der Eisenbahnlinie Kilung—Takao x) in besonderer Stärke erwartete,
hat man das Wasserwerk für 50000 Einwohner berechnet. Das Ver-
sorgungsgebiet umfaßt außer der Stadt Kilung die politisch zu ihr
gehörigen Ortschaften Sentö und Denryökö. Als normale Verbrauchs-
menge wurden auch hier 3 Kubikfuß pro Kopf und Tag angenommen
und als Maximum 6 Kubikfuß.

a) Entnahmestelle und Wasserwerk. Die Entnahmestelle
befindet sich am Selsei-Bache, einem Nebenwassex des Kilung-Flusses.
In dem Bache ist ein Staudamm von 50 Fuß Ränge und 8 Fuß Höhe
aufgeführt, und von da fließt das Wasser mit natürlichem Gefälle in
den Schacht I. Hier sind drei Ventile angebracht, das eine leitet das
Wasser nach dem Klärbecken, das zweite nach Schacht II und III,
während das dritte den Anschluß an ein bei Bedarf künftig hinzu-
zufügendes Klärbecken bilden wird. Die Leitungsrohre haben einen
lichten Durchmesser von 14 Zoll. Das Klärbecken ist 37 x 24 x 4,6 m
groß. Sein Wasserinhalt reicht bei normalem Wasserverbrauch bei
30 000 Einwohnern für 1 y2 Tage aus. Im übrigen ist das Bassin eben-
so eingerichtet wie bei dem Wasserwerk von Taihoku. Zwei Filter
mit je 30x 23 x 2,7 m Inhalt und einer Arbeitsgeschwindigkeit von

*) die inzwischen fertiggestellt ist
        <pb n="85" />
        ﻿85

10 Fuß in 24 Stunden filtrieren in einem Tage eine Wassermenge,
die bei einem Verbrauche von 4,5 Kubikfuß pro Kopf und Tag für
30 000 Menschen ausreicht. Das filtrierte Wasser wird dem Schacht III
zugeführt. Um etwaigem Wassermangel vorzubeugen, ist an einer
anderen Stelle des Baches, kurz nach Einmündung des Tosei-Baches,
ein weiterer Staudamm gebaut worden. Von hier aus kann man das
Wasser eventuell unmittelbar nach der Stadt leiten oder auch, ver-
mittels einer Dampfpumpe, dem Schacht I zuführen.

b) Zuleitung des Wassers. Das Wasser wird aus Schacht III
vermittels eines 14 Zoll weiten Stahlrohres über die Eisenbahn-
brücke und durch den Tunnel bei Hatto nach der Stadt geführt.
Das Hauptrohr teilt sich hier in zwei gußeiserne Rohre mit einem
lichten Durchmesser von je 10 Zoll, und diese wieder verästeln sich
dann durch Eisenrohre mit lichten Durchmessern von 14, 10, 8, 6 und
4 Zoll weiter über das ganze Versorgungsgebiet. Die über dieses ver-
teilten 56 Hydranten dienen zugleich als öffentliche Wasserzapfstellen.
In der unmittelbaren Nähe der Stadt, dort, wo sich das Hauptrohr
gabelt, ist ein Stadtwassermesser angebracht.

C.	Das Wasserwerk von Tamsui.

Tamsui, 1858 geöffnet, ist ein für den Verkehr mit China wich-
tiger Hafen und liegt etwa 20 km nördlich von Taihoku. Da der
Hafen sozusagen die Eingangspforte für die verschiedenen Infektions-
krankheiten, besonders für die Cholera darstellt, so mußte er eher
als alle anderen Orte Formosas mit einwandfreier Wasserversorgung
versehen werden. Der Bau der Wasseranlagen begann im Februar
1898 und war im März 1899 vollendet. Er erforderte einen Aufwand
von 103 000 Yen. Als man den Bauplan entwarf, wurde die Zahl der
Einwohner, da eine Statistik damals noch nicht vorlag, schätzungs-
weise mit 6000 angenommen und die Wasserversorgung in Rücksicht
auf die Zukunft auf 20 000 Menschen berechnet. Als Durchschnitts-
wasserverbrauch pro Kopf und Tag setzte man auch hier 3 Kubikfuß
an und als Maximum 6 Kubikfuß.

a) Quellfassung und Zuleitung. In Söshuntö, vier Kilo-
meter von Tamsui entfernt, entspringt am Fuße eines Berges eine
Quelle. Sie fördert in 24 Stunden 268 000 Kubikfuß zu Tage; eine
        <pb n="86" />
        ﻿86

Wasserwerk der Stadt Tamsui: Quelle

zweijährige Beobachtung hat festgestellt, daß diese Menge durch
Witterungs Verhältnisse keinerlei Beeinträchtigung erleidet. Die Tem-
peratur des Wassers schwankt zwischen 21 und 22,7° C. Das Wasser
eignet sich ganz vorzüglich zu Trinkwasser. Bei andauernden Regen-
güssen wird es allerdings etwas trüb, es wird hierdurch aber irgend ein
Bedenken in hygienischer Hinsicht nicht erregt. Diese Quelle hat man
für die Wasserversorgung von Tamsui benutzt. Bei der Fassung der
Quelle wurden geeignete Vorsichtsmaßregeln getroffen, um ein Ein-
dringen von Regen- oder Sickerwasser zu verhindern. Das Quell-
wasser wird durch eine aus Zement hergestellte Rinne in einen
steinernen, 3,6 x 1,8 x 2,7 m großen Behälter geleitet und von da in
einem 10 Zoll weiten Eisenrohr nach Tamsui geführt.

b) Leitungsnetz. Das Leitungsnetz in der Stadt besteht aus
Röhren mit lichten Durchmessern von 10, 8, 6, 5, 4 und 3,5 Zoll.
Am Ende des Hauptrohrs ist ein Stadtwassermesser angebracht.
Hydranten, die zugleich als öffentliche Zapfstellen dienen, sind im
ganzen 15 vorhanden.
        <pb n="87" />
        ﻿87

D.	Das Wasserwerk von Shoka.

Shöka ist eine über 200 Jahre alte Stadt in Mittelformosa mit
16 000 Einwohnern. Hier war bereits im Jahre 1897 eine Art Wasser-
leitung hergestellt worden. Da jedoch das Wasser nur aus zwei sehr
kleinen Quellen, die an den östlich von der Stadt gelegenen Hügeln
entspringen, entnommen wurde, erwies sich die zugeleitete Wasser-
menge gegenüber dem Bedarf der immer zunehmenden Bevölkerung
als ungenügend. Es wurde demzufolge im November 1904 der Plan
gefaI3t, ein neues Wasserwerk zu errichten. Der Bau begann im Mai
1906 und war im März 1908 vollendet; die Kosten betrugen
46 490 Yen.

Östlich von der Stadt, in einer Entfernung von etwa 1,3 km,
fließt ein Bach, dessen Sandbett auf Felsen gelagert ist. Man hat
hier unterhalb des Wasserspiegels einen Damm aus Konkret durch
den Sand hindurch bis auf die Felsen gebaut und vor ihm, ganz wie
bei einem Filter, Kies und Sand aufgeschüttet. Das durchsickernde
gereinigte Wasser, dem durch Damm und Felsen der Weg versperrt
ist, wird nunmehr mittels zweier Eisenrohre in einen Behälter geführt,

Wasserversorgung der Formosawilden
        <pb n="88" />
        ﻿88

um von hier mit natürlichem Gefälle in Eisenrohren (8, 6 und 4 Zoll)
nach der Stadt geleitet zu werden. Der Höhenunterschied zwischen
dem oberen Rande des Dammes und der Bodenfläche in der Mitte
der Stadt beträgt 23 m. &lt; J g •)

Da die Menge des den Bach durchströmenden Wassers selbst in
der trockensten Jahreszeit 1,5 Kubikfuß in der Sekunde beträgt,
so steht mehr als genug Wasser zur Verfügung. Denn nimmt man
einen Durchschnittsverbrauch von 3,5 Kubikfuß pro Kopf und Tag
an, so würde bei 20 000 Einwohnern bereits eine durchströmende
Menge von 0,8 Kubikfuß genügen. Überdies sind die umliegenden
Hügel mit Bäumen bepflanzt, um die Niederschläge auf diese Weise
noch besser festzuhalten.
        <pb n="89" />
        ﻿13.	Kanalisation.

Eine gewisse Kanalisation hat in Formosa schon seit längerer
Zeit bestanden. Ihre Ausführung war im ganzen ziemlich
einfach, nur in einigen Städten des Südens, z. B. in Tainan,
gab es bereits vor hundert J ahren Kanäle, die man auch vom heutigen
Standpunkt noch als sehr gut bezeichnen muß. Sie wurden jedoch
ebenso sehr vernachlässigt wie die anderen. So kam es, daß allent-
halben die Abwässer der Haushaltungen eigentlich sich selbst über-
lassen blieben. Es sickerte also fortwährend schmutziges Wasser in
die Erde, so daß ein unbeschreiblich ekelhafter Zustand herrschte.
Das Generalgouvernement beschloß daher, möglichst bald für die
Anlage öffentlicher und privater Abzugskanäle zu sorgen. Da man
zunächst eine für die Verhältnisse der formosaischen Städte geeignete
Art der Kanalisation ermitteln mußte, wurde W. K. Burton, der
konsultierende Ingenieur für hygienische Bauten, beauftragt, die
Städte der Insel zu besuchen, dann Informationsreisen nach den
europäischen Kolonien in Asien zu unternehmen und darauf ein
geeignetes Projekt auszuarbeiten. Man hatte hierbei begreiflicher-
weise zunächst an die Hauptstadt Taihoku gedacht, und so war denn
auch die Denkschrift Burtons, der übrigens die Kanalisationsverhält-
nisse in Singapur zugrunde gelegt waren, völlig auf Taihoku zu-
geschnitten.

Die Schrift Burtons sagte etwa das Folgende:

Da es in Taihoku stark regne, die Lage des Stadtgebietes aber
nur ein sehr geringes Gefälle ermögliche, werde ein unterirdisches
System im Unterlaufe zu tief in die Erde hinuntergetrieben werden
müssen; das werde viel zu hohe Baukosten erfordern, auch technisch
große Schwierigkeiten bereiten, und außerdem würden dann die
Hausanschlüsse so teuer sein, daß die ganze Anlage mit den
wirtschaftlichen Verhältnissen der Bevölkerung nicht in Einklang
stehen werde. Sodann sei die Einwohnerzahl der Stadt nur von
mittlerer Größe; ebenso sei der Verkehr in den Straßen nur mäßig
        <pb n="90" />
        ﻿90

Erdarbeiten beim Kanalbau in Taihoku

stark. Man möge sich aus allen diesen Gründen für ein gemischtes
System entscheiden und die Sammelkanäle unterirdisch führen,
die öffentlichen Abzugskanäle aber freiliegend in den Straßen,
die ja verhältnismäßig breit seien. Freiliegende Straßenkanäle hätten
den Vorteil, daß sie sehr leicht gereinigt werden könnten; speziell in
Taihoku biete sich zu den Zwecken der Reinigung ganz von selbst
das Wasser der sich überall in der Stadt findenden Bohrbrunnen an,
deren Wasserstand so hoch sei, daß das Wasser beständig überlaufe1).
So sei es möglich, die Abwässer zu verdünnen und fortzuschwemmen,
ohne daß man eine Verunreinigung der Ruft zu befürchten habe.

Nach diesem Vorschläge Burtons hat man sich im großen und
ganzen gerichtet.

Die Straßenkanäle sind bis zu 0,9 m breit. Sie liegen zwischen
Fahrdamm und Bürgersteig; an Straßenkreuzungen werden sie durch
feste Steinplatten überdeckt. Die Straßenkanäle sind sämtlich massiv
ausgeführt. Das Fundament besteht aus Geröll oder Backstein-

Ü inzwischen hat sich das infolge Anlage vieler neuer Bohrbrunnen ge-
ändert: vergl. Abschnitt 12
        <pb n="91" />
        ﻿91

brocken, mit Kies gemischt und festgestampft, und die Wandung aus
Sandsteinquadern, die untereinander durch Mörtel verbunden sind;
der Rand ist mit Kordonsteinen gedeckt und der ganze Kanal in-
wendig noch mit Zementmörtel gestrichen. Das Profil hat etwa
U-Form; Breite und Tiefe stehen im Verhältnis 2 : 3. Die Kanäle
sind so geräumig, daß für gewöhnlich auch die größte Regenmenge
abgeleitet werden kann.

Die Sammelkanäle sind sämtlich aus Eisenbeton. Bis jetzt
sind zwei fertig; projektiert sind sechs: einer für den südlichen Teil
der Stadt und für den Stadtteil Manka, einer für den Osten, einer für
Daitötei und drei für die innere Stadt. Im allgemeinen haben die
Sammelkanäle Kreisprofil (Durchmesser 1,5 oder 1,1m). Nur im
südlichen Stadtteil und in Manka sind sie haubenförmig (lichte
Breite teils 2,5, teils 2 m); eine in der Sohle angebrachte halbkreis-
förmige Rinne dient zur Abführung der täglichen Abwässer.1)

h vergl. die Übersichtskarte: Straßennetz der Stadt Taihoku nach der
Regulierung

Bau eines Sammelkanals aus Eisenbeton
        <pb n="92" />
        ﻿92

Das öffentliche Kanalnetz hat eine Gesamtlänge von rund 177 km
und läuft unter Benutzung eines natürlichen Gefälles von 1 : 600
im Minimum von Südwesten nach Nordwesten, um sich in den Tamsui
zu ergießen.

Außerdem sind sogenannte Privatkanäle vorhanden. Diese
leiten die Abwässer aus den einzelnen Wohnhäusern in die öffentlichen
Kanäle. Während die letzteren aus öffentlichen Mitteln hergestellt
und unterhalten werden, fallen die Privatleitungen den hierzu ver-
pflichteten Bürgern zur Last. Die Privatkanäle haben jetzt bereits
eine Gesamtlänge von etwa 80 km (Kosten: 170 000 Yen).

Es sei noch bemerkt, daß für die öffentlichen Kanäle das Stein-
material zumeist von der unter der chinesischen Herrschaft zur
Verteidigung erbauten Stadtmauer genommen wurde, weshalb be-
deutend an Baukosten gespart und die ganze Arbeit in verhältnis-
mäßig kurzer Zeit ziemlich weit gefördert werden konnte.

Taihoku ist das Muster für alle anderen Städte und Landstädte
geworden. In Taichu, Tainan, Shöka, Kagi, Shinchiku, Kilung,
Giran, Töyen, Hözan, Akö ist die Kanalisation entweder bereits
vollkommen durchgeführt oder doch wenigstens in Angriff genommen.
Die Kosten werden zum großen Teil von den Sanitätskassen ge-
tragen.

Anhang.

K analisationsgesetz.

Im April 1899 ist ein Kanalisationsgesetz für Formosa erschienen,
wodurch die Art der Bauausführung usw. geregelt wurde. Das Gesetz
umfaßt im ganzen 15 Paragraphen; die Hauptpunkte sind diese.

1.	Es werden öffentliche und private Abzugskanäle unter-
schieden. Zu den ersteren gehören alle Sammel- und Straßenkanäle
und solche Nebenkanäle, welche sich an wichtigen Stellen befinden,
zu den letzteren die Anschlußleitungen der einzelnen Wohnhäuser.

2.	Die Sorge für die öffentlichen Kanäle liegt der Distrikt-
behörde ob. Diese ordnet Anlage, Erneuerung und Reparaturen an,
beseitigt schädliche oder entbehrliche Kanäle und nimmt die Reini-
gung der Kanäle vor. Die privaten Kanäle sind nach Anordnung und
unter Aufsicht der Distriktbehörde von den Haus- oder Grund-
eigentümern bez. -besitzern zu unterhalten. Diese müssen für die
        <pb n="93" />
        ﻿93

privaten Kanäle dasselbe leisten, was für die öffentlichen Kanäle
von der Distriktbehörde getan wird.

3.	Wer eine von der Distriktbehörde angeordnete Kanalanlage
nicht ausführt, darf keinen Neubau, Umbau oder Erweiterungsbau
der ihm gehörigen Gebäude unternehmen bez. in Benutzung nehmen.

4.	Erachtet die Distriktbehörde im Interesse der Ausführung
einer öffentlichen Kanalanlage Expropriation oder Benutzung und

Bau eines Sammeikauals aus Eisenbeton: ein fertiger Teil

Umänderung von Grund und Boden oder von Gebäuden für nötig,
so darf sich kein Grund- oder Hauseigentümer dem widersetzen
(gegen diese Verfügung ist binnen 30 Tagen Beschwerde an den
Generalgouverneur von Formosa zulässig); doch kann in solchen
Fällen Schadenersatz geleistet werden.

5.	Die Distriktbehörde hat, um die Kanalisation auf ihren
Zustand prüfen und erforderliche Verfügungen treffen zu können,
das Recht, von Zeit zu Zeit Beamte zu entsenden und durch sie
ein jedes Grundstück oder Gebäude betreten zu lassen.
        <pb n="94" />
        ﻿94

6.	Kommt ein zum Bau eines Kanals Verpflichteter seiner Ver-
pflichtung nicht nach, so hat die Distriktbehörde eventuell die
Durchführung auf dem exekutiven Wege zu erledigen.

7.	Das Reglement ist nicht für ganz Formosa maßgebend,
sondern nur für diejenigen Gegenden, für die die Distriktbehörden
seine Geltendmachung für nötig erachten; dies bedarf der Bestäti-
gung des Generalgouverneurs von Formosa. —

Die Ausführungsbestimmungen zu diesem Gesetze sind im J uni
1900 erlassen worden; es wurden darin die zu verwendenden Bau-
materialien, die bei der Projektierung zu beachtenden Normen, die
Befugnis, Abänderungen der Anlage anzuordnen usw. geregelt.

Das Kanalisationsgesetz steht gegenwärtig für die Städte
Taihoku, Kilung, Shinchiku, Taichu, Tainan, Giran und Ratö
in Kraft.
        <pb n="95" />
        ﻿D ; is

u i h

4 46,

14.	Nahrungsmittelkontrolle.

Zunächst bestanden keine geschriebenen Vorschriften über
die polizeiliche Kontrolle von Nahrungs- und Genußmitteln.
Schädliche Nahrungsmittel usw. wurden in jedem kon-
kreten Falle vernichtet, wobei der betreffende Händler auf die Ge-
meingefährlichkeit derartiger Dinge aufmerksam gemacht und vor
Wiederholung gewarnt wurde. Allerdings erließen in der Folge
einige Distriktbehörden Kontrollbestimmungen für gewisse Nahrungs-
mittel, wonach diejenigen Händler, die wissentlich gesundheits-
schädliche Waren verkauften, bestraft werden sollten; wie es aber
mit den betreffenden Waren selbst gehalten werden sollte, mußte
natürlich einer gesetzlichen Regelung Vorbehalten bleiben. Daher
sind seit dem 1. November 1903 die in Japan für die Nahrungsmittel
usw. geltenden gesetzlichen Bestimmungen auch für Formosa in
Geltung gesetzt worden. Damit sind die Verwaltungsbehörden in der
Dage, Herstellung, Gewinnung, Verkauf, Aushändigung und Gebrauch
solcher zum Verkauf bestimmter Nahrungs- und Genußmittel und
solcher zum Verkauf oder zum Gebrauch im Gewerbebetriebe be-
stimmter Eß-, Trink- und Kochgeschirre, die geeignet erscheinen,
die Gesundheit zu gefährden, gesetzlich zu verbieten bez. den
beanstandeten Gewerbebetrieb auf immer oder auf Zeit zu unter-
sagen. Ferner hat die Verwaltungsbehörde dadurch das Recht
erhalten, den Eigentümer oder Besitzer schädlicher Gegenstände
zu deren Vernichtung anzuhalten oder sie selbst zu vernichten,
im übrigen den zu untersuchenden Gegenstand in der erforder-
lichen Menge unentgeltlich zu entnehmen sowie die Fokale, wo man
Gegenstände erwähnter Art herstellt, gewinnt, ausstellt, aufbe-
wahrt oder bei sich hält, während der üblichen Zeit des Geschäfts-
betriebes oder während der Zeit, wo das Lokal zum Geschäfts-
        <pb n="96" />
        ﻿96

betrieb offen bleibt, zu betreten. Sodann wurden gewisse in den ein-
zelnen Distrikten getroffene Bestimmungen als den modernen Bedürf-
nissen nicht mehr genügend durch einheitliche Reglementierung
ersetzt, indem im August 1908 Reglements für die gewerbsmäßigen
Molkereien und für die erfrischenden Getränke und im Jahre 1911
Reglements für den Fleischverkehr, für die antiseptischen Mittel,
für die künstlichen Süßstoffe, für die schädlichen Farbmittel und für
die Eß- und Trinkgeschirre erlassen wurden.
        <pb n="97" />
        ﻿97

Markthalle in Taihoku

15.	Markthallen und Schlachthäuser.

Markthallen. In der ersten Zeit nach 1895 waren die
Marktgelegenheiten aller Städte in sehr primitivem Zu-
stande; sie befanden sich zu beiden Seiten von Straßen
oder in der Nähe von Tempeln und dergleichen, also überhaupt an
verkehrsreichen Punkten. Da sich unter diesen Verhältnissen viele
Mängel in gesundheitlicher Beziehung einstellten, so ließ man, um
hierin Besserung zu schaffen, zunächst Markthallen von privat-
wirtschaftlicher Seite anlegen und ausnutzen. Aber die hygie-
nischen Anforderungen einerseits und die Privatinteressen ander-
seits schienen verschiedentlich in Kollision zu geraten. Daher
wurde der Betrieb der Markthallen den Sanitätskassen übergeben.
Auf diese Weise kommen sämtliche Einnahmen der öffentlichen
Gesundheitspflege zugute. Gegenwärtig besitzen die beiden Städte
Taihoku und Tainan und ebenso alle anderen bedeutenderen Ort-
schaften ziemlich gut eingerichtete Markthallen; im Jahre 1910
waren 121 vorhanden, 17 größere und 104 kleinere.

Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.

7
        <pb n="98" />
        ﻿98

Schlachthäuser. Die Formosaner essen außerordentlich gern
Schweinefleisch. Deshalb wurden seit alters sehr viele Schweine ge-
schlachtet. Dies geschah jedoch nicht in besonderen Schlacht-
häusern, sondern an ganz beliebigen Orten. Das durfte natürlich nicht
geduldet werden. Daher wurden kurz nach Abtretung der Insel auf
Veranlassung der Distriktbehörden Schlachthäuser von privater Seite
angelegt. Sie standen unter polizeilicher Kontrolle. Da jedoch auch
so noch die Anforderungen der Hygiene großenteils unerfüllt blieben,
wurde die Bewirtschaftung der Schlachthäuser den Sanitätskassen
übertragen, und erst mit dieser Zeit entstanden, wenn auch ein-
fache, so doch saubere Anlagen, die ziemlich einwandfrei sind.
Gegenwärtig sind auf ganz Formosa 789 Schlachthäuser vorhanden.
Im Jahre 1909 wurden in ihnen geschlachtet:

637 666	Schweine	(51	199	714 Kin1),

16 494	Büffel und Rinder	( 4	440	349	,,	),

47 776	Ziegen	(	1	048	762	„	),

7	Pferde	(	1	850	„	).

') 1 Kin 604,790 g
        <pb n="99" />
        ﻿99



Markthalle in Tainan

Markthalle in Shöka

7*
        <pb n="100" />
        ﻿16.	Pest.1)

&gt;4

1.	Ursprung der Krankheit.

achdem die Pest 1894 in Hongkong und Kanton ausgebrochen
war, verbreitete sie sich von da in alle Welt. Auch nach
Formosa kam sie. Hier wurde die erste Epidemie im
Mai 1896 in Amping beobachtet. Dieser südformosaische Hafen hat
sehr lebhaften Verkehr mit dem gegenüberliegenden chinesischen Hafen
Amoy, wo die Krankheit seit 1895 stark geherrscht hatte. Von Amping
ging die Pest zunächst auf das benachbarte Tainan über; es war dies
damals die größte Stadt. In dem in Nordformosa gelegenen Taihoku
wurde der erste Pestfall im September desselben Jahres festgestellt.
Wahrscheinlich war hier die Krankheit ebenfalls aus Amoy ein-
geschleppt und zwar wohl über den Hafen Tamsui. Im folgenden
Jahre, also 1897, trat eine Pestepidemie von geringer Ausdehnung in
R ok k 5, einer kleinen Hafenstadt Mittelformosas, auf; sie stammte
gleichfalls aus China. Man kann somit Amping in Südformosa, Tamsui
und Taihoku in Nordformosa und Rokkö in Mittelformosa als die
drei Pforten bezeichnen, durch die die Pest ihren Einzug gehalten
hat. Von diesen drei Punkten aus hat sie überall festen Fuß gefaßt
und sich nach und nach so verbreitet, daß sie eine Zeit lang alle
Distrikte mit Ausnahme von zweien heimgesucht hat. In den fünf-
zehn Jahren von 1896—1910 betrug die Zahl der Erkrankungen
28 709 und die der Todesfälle 22 895. Glücklicherweise aber ist es
den Maßnahmen, die von dem Generalgouvernement getroffen und
von den zuständigen Beamten mit Sorgfalt und Energie ausgeführt
wurden, sowie der lebhaften Anteilnahme der Bevölkerung gelungen,
die Krankheit so weit zu bezwingen, daß wir im letzten Jahre auf
ganz Formosa nur noch 19 Fälle zu verzeichnen hatten; vor einer
großen Epidemie brauchen wir uns nicht mehr zu fürchten.

x) diesem Abschnitt ist die Einteilung der Insel in 20 Distrikte zugrunde
gelegt, vergl. Abschnitt 4
        <pb n="101" />
        ﻿101

2.	Verlauf der Epidemie.

Die südf ormosaische Pestepidemie, die anfangs auf Stadt und
Distrikt Tainan beschränkt war, wurde im Jahre 1897 etwas stärker
als vorher, um im folgenden Jahre wieder nachzulassen. 1899 aber
trat sie wieder sehr kräftig auf und reichte im Norden bis in den
Distrikt Yensuikö, im Süden bis in den Distrikt Hözan und im Süd-
osten bis in den Distrikt Banshoryö; im Jahre 1900 griff sie außer-
dem in den noch weiter nach Norden zu gelegenen Distrikt Kagi
über, wo sie bis zum heutigen Tage vollkommen unausrottbar ge-
blieben ist. Die nördliche Epidemie beschränkte sich in den ersten
Jahren fast ganz auf den Distrikt Taihoku; sonst kamen nur in
Kilung-Hafen vereinzelte Fälle vor. 1899 jedoch begann sie den Weg
nach Süden und Osten einzuschlagen; infolgedessen wurden die
Distrikte Shinkö, Töyen und Shinchiku von der Seuche befallen.
Die von Rokkö ausgehende Epidemie verbreitete sich 1898 nach
Norden und zwar bis in den Distrikt Taichu; 1899 ging sie nach
Süden und ergriff den Distrikt l'oroku, 1900 nach Osten bis in den
Distrikt Nanto. Schließlich stellte sie die Verbindung mit der von
Süden herkonimenden Epidemie her.

In den Jahren 1900—1901 war der Stand der Pest so, daß die
vereinigte Epidemie von Süd- und Mittelformosa südlich von
Taichu wütete, während diejenige von Nordformosa die Grenze des
Distrikts Byörizu erreichte; die ganze Insel mit Ausnahme der beiden
Distrikte Köshun und Taitö, jener an der Südspitze, dieser an der
Ostküste gelegen, wurde von der Pest beherrscht. Mit dieser Aus-
dehnung der Seuche steht die Tatsache, daß Formosa in den Jahren
1901 und 1904 am meisten unter ihr zu leiden hatte, in natürlichem
Zusammenhang.

Nach der großen Epidemie vom Jahre 1901 war die Epidemie
in Mittelformosa zu Ende. Allerdings erhob sich, von Norden
her eingeschleppt, 1909 eine kleine Epidemie in Koroton, einem
Landstädtchen nördlich von Taichu; nach kurzer Zeit jedoch
verschwand sie wieder. Im Süden und Norden blieb die
Krankheit stark genug, um 1904 eine große Epidemie zu ver-
ursachen. Seit 1908 aber erfolgte auch hier eine merkliche Ab-
nahme, die in Nordformosa zum völligen Erlöschen der Pest
        <pb n="102" />
        ﻿102 —

führte, während es im Süden noch im Jahre 1909 lokal be-
schränkte Epidemien in den Distrikten Kagi und Tainan gab. Im
Jahre 1910 sind nur noch 19 vereinzelte Fälle in entlegenen Dörfern
des Distrikts Kagi vorgekommen. Wenn man den Verlauf der
Epidemie in der Stadt Taihoku, in dem Unterdistrikt Kanteibyö
(Distrikt Tainan), in dem Unterdistrikt Bokushikyaku (Distrikt
Kagi) und in der Uandstadt Yensuikö betrachtet, d. h. in Gegenden,
wo die Krankheit über zehn Jahre geherrscht hat, so sieht man
erstens, daß sie Neigung besitzt, alle zwei Jahre stärker aufzutreten,
und zweitens, daß sie mit Vorliebe ihren Ort wechselt. Daher konnte
man ungefähr Vorhersagen, welche Stadtteile oder welche Ortschaften
im nächsten Jahre in Mitleidenschaft gezogen werden würden und in
welchem Maße (Tabelle I).

3.	Die jährliche Pestperiode.

Die Zeiten des Ausbruchs und der Dauer der Pestepidemien sind
in den einzelnen Jahren immer die gleichen gewesen. Wird die Insel
als ein Ganzes betrachtet, so beginnt die Pest im Oktober oder
November, steigt dann allmählich an und erreicht im April oder
Mai des nächsten Jahres ihren Höhepunkt, um im August oder Sep-
tember zu verschwinden. Da sich dieser Verlauf jedes Jahr wieder-
holt, so ähnelt bei einer sich auf eine Reihe von J ahren erstreckenden
graphischen Darstellung die Pestkurve derjenigen Kurve, die sich bei
intermittierendem Fieber ergibt (Tab. II).

Wenn man jedoch die verschiedenen Gebiete einzeln betrachtet
und den Verlauf der Pest in Taihoku (Nordformosa) mit demjenigen
der Pest in Kagi, Yensuikö und Tainan (Südformosa) vergleicht, so
bemerkt man, daß im allgemeinen die Epidemie im Süden später an-
fängt und früher aufhört als im Norden. Demnach ist die Dauer der
Epidemie im Süden geringer als im Norden (Tab. III).

4.	Die Beziehungen zwischen Ratten- und Menschenpest.

Die Pestepidemien auf Formosa stehen immer in engster Be-
ziehung mit der Rattenpest: ohne vorangehende Rattenpest bricht
niemals Pest bei Menschen aus. Es wurden allerdings zwei kleine
Epidemien beobachtet, wo sich Pestbazillen bei Ratten und Mäusen
        <pb n="103" />
        ﻿103

nicht nachweisen ließen. Es handelte sich um eine kleine Lungenpest-
epidemie bei der Kinkaseki-Goldmine in der Nähe von Kilung, wo
sechs Fälle hintereinander vorkamen, und um eine Lungenpest-
epidemie in den Dörfern Kaköshö und Shüsuishö im Distrikt Shöka
(12 Fälle). Da bekanntlich Lungenpest sehr leicht von Mensch zu
Mensch übertragbar ist, so ist der negative Befund bei der Ratten-
untersuchung von vornherein als ganz natürlich anzusehen. Bei der
letztgenannten Epidemie konnte man überdies tatsächlich nach-
weisen, daß der erste Kranke sich seine Krankheit aus einer ver-
seuchten Stadt geholt und sie dann auf seine Mitmenschen über-
tragen hatte. Im allgemeinen geht jedoch die Menschenpest mit der
Rattenpest Hand in Hand (Tab. IV und V).

Das ziffernmäßige Verhältnis zwischen Ratten- und Menschen-
pest war nach den Erhebungen in Taihoku, wo das Verhältnis am
deutlichsten hervortrat, das folgende. Sobald die Anzahl der als
pestkrank festgestellten Ratten in einem Monate 0,01% aller unter-
suchten Ratten betrug, kamen vereinzelte Fälle auch unter den
Menschen vor; bei 0,5% Pestfällen unter den Ratten war die mensch-
liche Quote etwa 50 und bei 1,0% oder mehr 100—200. Das Maximum
der in einem Monate in Taihoku aufgetretenen Pesterkrankungen
wurde im Juni 1902 mit 221 Erkrankungen bei 1,°6% Pestratten
erreicht. Der Prozentsatz der Pestratten stieg im Mai 1907 auf 2,64 % ;
in diesem Monate zählte man 187 Pestfälle. Auf jeden Pestkranken
kamen durchschnittlich 0,73 (1902), 1,09 (1903), 0,71 (1904), 0,54
(1905), 0,46 (1906) und 0,17 (1907) Pestratten. Diese Ziffern heben
sich von denen, die man in Osaka und Köbe festgestellt hat, sehr
ungünstig ab. Dies erklärt sich dadurch, daß die Formosachinesen
in ihrem hygienischen Wissen und Können weit hinter den Be-
wohnern des Mutterlandes zurück sind.1)

b es entfielen Pestratten auf einen Pestkranken in Osaka: 0,7 (1899),
0,8 (1900), 4,2 (1905), 12,8 (1906), 5,9 (1907), 52,1 (1908), 9,2 (1909), 10,0
(Januar bis April 1910); in Köbe: 1,8 (1899), 0,21 (1900), 6,5 (1905), 36,0
(1906), 208,5 (1907), 17,3 (1908), 11,7 (1909), 84,0 (Januar bis April 1910)
        <pb n="104" />
        ﻿104

Tabelle I.	Die Pestfälle cmf Formosa

Jahr	Giran	Kilung	Taihoku	Shinkö
1896	Erkrankungen	—	2	180	—
Todesfälle	—	2	90	—
1897	Erkrankungen	—	7	26	44
Todesfälle	—	5	22	32
1898	Erkrankungen	—	11	200	38
Todesfälle	—	7	127	35
1899	Erkrankungen	—	7	277	32
Todesfälle	—	4	196	27
1900	Erkrankungen	1	6	340	35
Todesfälle	—	3	294	29
1901 j Erkrankungen	1	42	1285	163
Todesfälle	1	34	1144	137
1902	1 Erkrankungen	—	66	1040	60
Todesfälle	—	57	900	57
1903	Erkrankungen	—	39	399	23
Todesfälle	—	38	354	14
1904	Erkrankungen	—	24	446	5
Todesfälle	—	23	408	5
1905 1 Erkrankungen	334	24	660	—
Todesfälle	310	23	613	—
1906	Erkrankungen	—	6	536	14
Todesfälle	—	5	490	10
1907	Erkrankungen	—	119	1187	1
I Todesfälle	—	105	1103	1
1908 [ Erkrankungen		—	—	—
Todesfälle	—	—	—	—
1909	Erkrankungen	—	—	—	—
Todesfälle	—	—	—	—
1910	1 Erkrankungen	—	—	—	—
| Todesfälle	—	—		—
Summe Erkrankungen	336	353	6576	415
Todesfälle	311	306	5741	347
Zahl der Bevölkerung j 1905	112 719	115 472	290 200	46 024
in den Jahren 11908	120 252	121 452	312 383	48 140

105

i8g6—igio (nach Distrikten)

Töyen	Shinchiku	Byorizu	Taichu	Shoka	Nanto
—	—	—	—	— .	—
—	—	—	—	—	—
23	12	—	—	76	—
20	11	—	—	54	—
3	72	—	32	596	—
1	59	—	25	449	—
7	22			1	18	31
2	19	—	1	17	20
78	11	2	13	2	50
65	8	2	6	2	40
118	4	—	89	—	4
106	3	—	55	—	3
204	31	1		—	—
171	30	1	—	—	—
2	138	—	—	—	—
2	122	—	—	—	—
2	40	—		—	-
2	36	—	—	—	—
—	437	2	—	—	—
—	408	1	—	—	—
1	—	34	—	8	—
1	—	32	—	8	—
1	4	1	—	15	—
1	4	—	—	12		
—	—	—	85  72	—	
—	—	—	—	—	—
—		—	—		—
—	—	—	—	—	—
439	771	40	216	716	85
371	700	36	159	542	63
204 779	170 538	146 775	207 355	281 399	71 819
208 817	180 375	155 121	213 804	284 621	80 551

Fortsetzung nächste Seite
        <pb n="105" />
        ﻿106

Tabelle I.	Die Pestfälle auf Formosa

Jahr		Toroku	Kagi	Y ensuikö	Tainan
1896	Erkrankungen	1	—	—	74
	Todesfälle	1	—		63
1897	Erkrankungen	1	—	—	541
	Todesfälle	1	—	—	421
1898	Erkrankungen	182	1	—	98
	Todesfälle	121	—	—	58
1899	Erkrankungen	—	—	60	1956
	Todesfälle	—	—	45	1488
1900	Erkrankungen	8	39	319	149
	Todesfälle	3	35	201	100
1901	Erkrankungen	9	886	206	1461
	Todesfälle	8	717	150	1142
1902	Erkrankungen	13	41	418	184
	Todesfälle	11	30	256	145
1903	Erkrankungen	—	180	82	23
	Todesfälle	—	115	46	18
1904	Erkrankungen	45	1203	912	1815
	Todesfälle	36	782	614	1462
1905	Erkrankungen	5	516	264	151
	Todesfälle	4	416	199	124
1906	Erkrankungen	167	1038	314	287
	Todesfälle	145	793	217	228
1907	Erkrankungen	—	586	273	132
	Todesfälle	—	470	232	87
1908	Erkrankungen	79	571	185	192
	Todesfälle	68	481	148	149
1909	Erkrankungen	6	512	445	56
	Todesfälle	4	438	360	42
1910	Erkrankungen	—	13	—	6
	Todesfälle	—	12	—	6
Summe	Erkrankungen	516	5586	3478	7126
	Todesfälle	402	4289	2468	5533
Zahl der Bevölkerung! 1905		215 037	198 888	271 464	192 379
in den Jahren (1908		220 993	195 570	269 989	195 985

107

18 g 6—igio (nach Distrikten)	(Fortsetzung)

Hözan	Banshoryo	Ako	Hölco	Summe	Von je 100 Erkrank, verliefen tödlich
1			—	—	258	
1	—	—	—	157	60,85
	 '		—	—	730	
		—	—	—	566	77,53
	 '	' 			 '	—	1 233	
—	—	—	—	882	71,53
175	49	1	1	2 637	
132	43	—	1	1 995	75,65
3	9	14	—	1 079	
3	7	11	—	809	74,74
222	1	1	7	4 499	
171	1	1	—	3 673	81,64
246	4	1	1	2 310	
194	2	1	—	1 855	80,30
		-	-	-	886	
	 ,			—	709	80,02
7	—	—	1	4 500	
6	—	—	—	3 374	74,98
4	—	—	—	2 398	
2	. 		—		2 100	87,57
861	—	6	—	3 272	
675	—	5	—	2 609	79,77
246	—	27	—	2 592	
200	—	26	—	2 241	86,46
111	—	—	46	1 270	
99		—	42	1 059	83,39
7	—	—	—	1 026	
4	_	_	—	848	82,65
			—			—	19	
—	—	—	—	18	94,74
1883	63	49	56	28 709	
1487	53	44	43	22 895	79,75
178 306	48 554	163 047	56 327	3 039 751	
180 727	53 194	163 193	54 597	3 252 589
        <pb n="106" />
        ﻿EEttüj

— 108 —

5.	Die Ratten.

Iti den Wohnungen und in deren Nähe trifft man gewöhnlich
drei Rattenarten an: Mus rattus L., Mus decumanus Pallas und
Musmusculus h. In der Häufigkeit des Vorkommens steht, nach
den in Taihoku gefangenen Tieren zu urteilen, Mus musculus obenan;
von den beiden anderen Arten kam bis 1908 Mus rattus häufiger vor als
Mus decumanus, ein Verhältnis, das seitdem ins Gegenteil umgeschlagen
ist. Andere Arten, wie Mus coxinga und Nesokia bandicota, lassen sich
recht selten sehen; sie scheinen sich in Häusern und deren Nähe nicht
aufzuhalten. Unter den auf dem Lande gefangenen Tieren finden sich
ferner Mus agrarius Pallas, der gewöhnlich in unterirdischen Gängen
unter den Feldern haust, sowie noch eine andere Feldmausart;
diese beiden dringen zeitweise auch in menschliche Wohnungen ein.

Es sind im großen und ganzen die erstgenannten drei Arten, von
denen die Epidemien hervorgerufen werden, und zwar finden sich
Pestratten am häufigsten unter Mus rattus, in zweiter Linie unter Mus
decumanus und am seltensten unter Mus musculus. Absolut wie
relativ übertrifft Mus rattus die beiden anderen an Pesterkrankungen.
Pestepidemien unter Mus rattus scheinen Vorboten von allgemeiner
Rattenpest zu sein; nach Mus rattus wird allemal Mus decumanus
davon befallen (Tab. VI). Auch bei Impfversuchen zeigt sich Mus
rattus am empfänglichsten. Aus diesem Grunde darf man wohl an-
nehmen, daß die Pestepidemien nicht nur schlechthin hauptsächlich
unter dem Einfluß dieser Ratte entstehen, sondern daß sie auch gerade-
zu in direktes Verhältnis mit ihrer Vermehrung und Verminderung zu
setzen sind. Die Tatsache, daß gerade diese Ratte am leichtesten und
stärksten von Septichämie befallen wird, ist übrigens für die Über-
tragung von Pestbazillen durch Rattenflöhe von großer Bedeutung.

Die Fortpflanzung der in Frage kommenden Rattenarten scheint
man, nach der mutmaßlichen Tragezeit und der Zahl der in den ein-
zelnen Monaten in Taihoku gefangenen Tiere zu schließen, ungefähr
in die Zeit vom Oktober oder November bis zum nächsten Frühjahr
setzen zu müssen, mit anderen Worten in dieselbe Zeit, in die all-
jährlich das Anwachsen der Pest fällt. Ein Vergleich der Anzahl der
vor, während und nach einer Epidemie gefangenen Ratten mit dem
Verlaufe der Epidemie lehrt, daß diese Zahlen jederzeit mit der Zu-
oder Abnahme der Pest steigen oder fallen: mit der Zunahme der
        <pb n="107" />
        ﻿Tabelle II. Monatliche Schwankungen der Pest auf Formosa 1897 bis 1910

1901	1902	1903	1904	1905	1906

1900

Mo/xid

Erkrankungen
— Todesfälle

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        ﻿
        <pb n="109" />
        ﻿Tabelle III. Monatliche Schwankungen der Pesterkrankungen in Taihoku und Tainan 1902 bis 1910.
        <pb n="110" />
        ﻿
        <pb n="111" />
        ﻿Tabelle IV. Monatliche Schwankungen der Pesterkrankungen bei Menschen ui^d Ratten auf Formosa 1902 bis 1910.

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900

800

700

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500

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300

200

/OO

0
        <pb n="112" />
        ﻿
        <pb n="113" />
        ﻿Tabelle V.	Jahr

Monatliche Schwankungen mnate
der Pesterkrankungen bei
Menschen und Ratten in
Taihoku 1902 bis 1908.

200

1902

1903

1904

1905

1906

1907

1908

Seit Januar 1908, wo eine Pest-
ratte untersucht wurde, ist die Pest
sowohl unter Menschen als auch
unter Ratten ganz verschwunden.

220

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        ﻿109

gefangenen Ratten bricht die Epidemie aus, und wenn die Ratten
abzunehmen beginnen, hat sie ihren Höhpunkt erreicht.

Ferner: nach den Ergebnissen der Impfversuche mit Pest-
bazillen ist die Empfänglichkeit der Ratten für Pest je nach dem Alter
verschieden, und zwar sind jüngere Tiere im allgemeinen empfäng-
licher dafür als ältere. Auch sind die Symptome der Septichämie bei
den jüngeren Tieren bedeutend stärker. Diese Beobachtungen be-
stätigen die oben allgemein ausgesprochene Parallelität zwischen
Ratten- und Pestvermehrung: wenn die jungen Tiere für Pest-
bazillen besonders empfänglich sind, muß natürlich die Pest, ab-
gesehen von der Rattenvermehrung an sich, auch noch aus diesem
Grunde zunehmen. Die Tatsachen, daß die Seuche in solchen
Gegenden, wo sie längere Zeit fortwütet, intermittierend — ein J ahr
um das andere — auftritt und daß die Bezirke der Epidemie öfters
wechseln, sind wohl ebenfalls mit den unter den Ratten herrschenden
Verhältnissen in Zusammenhang zu bringen.

6.	Die Flöhe.

Auf die Beziehungen der Flöhe zur Pest machte zuerst Dr. M.
Ogata, Professor an der medizinischen Fakultät der Universität
Tokio, bei Gelegenheit der formosaischen Pestepidemie vom J ahre 1896
aufmerksam. Sie wurden dann durch weitgehende Studien der zur
Erforschung der Pest nach Indien entsandten englischen Kommission
sowie durch Forschungen von Prof. Dr. S. Kitasato, Direktor des
Instituts für Infektionskrankheiten zu Tokio, Prof. Dr. M. Miya-
jima, Mitglied desselben Instituts, und anderen, die sich auf die
Pestepidemie in Yura auf der Insel Awaji im japanischen Binnen-
meer erstreckten, eingehend aufgeklärt. Dr. H. Kuraoka, Medizinal-
inspekteur im Sanitätsbureau des Generalgouvernements Formosa,
machte dieses Thema ebenfalls zum Gegenstände seiner Unter-
suchungen und kam dabei zu folgenden Ergebnissen.

Die verschiedenen Arten der Rattenflöhe sind Uoemopsylla
cheopis, Ctenopsylla musculi Duges, Ceratop hyllus anisus
Roths, und eine andere dem Ceratophyllus fasciatus sehr nahe ste-
hende Ceratophyllus- Art. Unter diesen 4 Arten ist Uoemopsylla
cheopis am stärksten vertreten; sie macht die größere Hälfte von
allen zusammen aus. An zweiter Stelle folgt Ctenopsylla musculi.
        <pb n="116" />
        ﻿110

Am seltensten lassen sich die Ceratophyllus-Arten sehen. Nur dann
und wann wurde auch Ctenocephalus — diejenige Art, die als Schma-
rotzer der Hunde und Katzen bekannt ist — in großer Masse ge-
funden. Ctenopsylla musculi greift nie einen Menschen an, auch bei
Hunger nicht; alle anderen Arten aber stechen den Menschen, sobald
und so oft sich Gelegenheit bietet. Insbesondere saugt Uoemopsylla
cheopis mit Vorliebe Menschenblut. Die Vermehrung dieser Floharten
findet im März oder April statt, fällt also, was sehr beachtenswert
ist, ebenfalls mit dem Anschwellen der Pest zusammen (Tab. VII). Um
die Frage der Pestübertragung durch Flöhe zu klären, d. h. um fest-
zustellen, ob pestempfängliche Tiere, ohne in Berührung mit pest-
kranken Tieren oder deren Auswurfstoffen zu kommen, lediglich
durch Vermittlung von Rattenflöhen von der Pest angesteckt werden
oder nicht, wurde eine Reihe von Versuchen angestellt. Man setzte
eine Anzahl von Loemopsylla cheopis auf den Körper mit Pest-
bazillen geimpfter Meerschweinchen und Ratten, las nach dem Tode
der geimpften Tiere die Flöhe wieder auf und setzte sie auf gesunde
Meerschweinchen und Ratten, die in geeigneter Weise isoliert worden
waren. Diese wurden regelmäßig dann pestkrank, wenn die mit
Pestbazillen geimpften Tiere merkliche Symptome von Pestsepti-
chämie gezeigt hatten (Tab. VIII).

Daß also die Rattenflöhe unter verschiedenen Tieren Pest ver-
breiten, steht hiernach unzweifelhaft fest. In welcher Weise aber
übertragen die Flöhe die Pestbazillen? Verpflanzen z. B. die Flöhe
beim Stechen Pestbazillen, die beim Blutsaugen am Saugrohr haften,
rein mechanisch auf andere Tiere? Oder erfolgt die Ansteckung in der
Weise, daß Flöhe, die vorher Blut aus kranken Tieren gesogen haben,
dann gesunde Ratten stechen und von diesen infolge des Juckreizes
mit dem Maule gesucht und gefressen werden? Oder werden die Pest-
bazillen übertragen, indem Flöhe, die vorher Blut aus pestkranken
Ratten gesogen haben, an die Haut der neuen gesunden Wirte ihren
bazillenhaltigen Kot kleben, worauf die Bazillen bei Gelegenheit —
z. B. könnten die Ratten den Körperteil, wo sie infolge von In-
sektenstichen einen Juckreiz empfinden, mit den Nägeln oder den
Zähnen kratzen oder beißen — in den Rattenkörper eindringen?
Um hier Klarheit zu schaffen, wurden eine Anzahl Flöhe, die in solche
pestgeimpfte Tiere, bei denen ganz deutliche Symptome von Septi-
        <pb n="117" />
        ﻿111

chämie aufgetreten waren, gebissen hatten, in zwei Gruppen geteilt.
Die Flöhe der einen Gruppe wurden 5 Minuten lang in 0,1 prozentige
Sublimatlösung getaucht und dann, nachdem sie hierdurch äußer-
lich desinfiziert waren, mit keimfreiem Wasser gewaschen. Alsdann
wurden sie auf gesunde Meerschweinchen gesetzt, die in geeigneter
Weise isoliert worden waren. Die Flöhe der anderen Gruppe setzte
man ebenfalls auf isolierte Meerschweinchen, aber ohne sie vorher zu
desinfizieren. Fs zeigte sich, daß die Meerschweinchen durch die
zur zweiten Gruppe gehörigen Flöhe stets angesteckt wurden, von
den zur ersten Gruppe gehörigen Flöhen dagegen — bei wiederholten
Versuchen — nur ein einziges. Hiernach kann man wohl annehmen,
daß die Flöhe die Ansteckung gewöhnlich rein mechanisch durch
Pestbazillen, die am Saugrohr anhaften, bewirken. Natürlich kann
jetzt noch nicht bestimmt gesagt werden, daß kein anderes Über-
tragungsmoment existiere, soviel jedoch steht fest, daß Versuchstiere
durch Flöhe, ohne daß sie diese hinunterschlucken, von der Pest
angesteckt werden können; das beweisen drei Versuche (Tab. VIII,
Versuche XI, XIV und XVI), bei denen die Flöhe, die zu Beginn des
Versuchs auf die Versuchstiere gesetzt worden waren, zuletzt voll-
zählig wiedergefunden wurden.

Die durch Vermittlung von Flöhen von der Pest infizierten
Tiere weisen auf der Haut keine makroskopisch erkennbare Ver-
änderung auf; ebensowenig zeigt die Sektion der auf natürliche Weise
angesteckten Pestratten eine solche. Von diesen Tatsachen aus-
gehend, impfte man mehreren Meerschweinchen durch Nadelstiche
Pestbazillen ein und fand bestätigt, daß im Gegensätze zu den frü-
heren Anschauungen bereits eine makroskopisch nicht sichtbare
Wunde — z. B. von der Größe eines Flohstiches — eine Infektions-
pforte darstellen kann (die hierzu angestellten Versuche waren übri-
gens auch noch insofern interessant, als sie zeigten, daß an der
gestochenen Stelle die Veränderungen auf und unter der Haut von
der Stärke des Stiches abhängig sind). Hiernach wäre es nicht aus-
geschlossen, daß die Pestverbreitung unter den Ratten in erster Pinie
durch die Flöhe verursacht wird. Vielleicht übertragen sie die Pest
sogar auch von den Ratten auf die Menschen. Mit Sicherheit freilich
kann man noch nicht sagen, daß die durch den Flohstich hervor-
gerufene Infektion beim Menschen die Regel ist.
        <pb n="118" />
        ﻿112

Tabelle VI.

Die Raitenpestfälle in Taihoku Oktober 1902
bis September 1907, nach Wochen festgestellt.

a. Vom 4. Oktober 1902 bis zum 26. September 1903.

Die Unter- suchungs- woche begann mit dem		Zahl der Pestfälle bei			Die Unter- suchungs- woche begann mit dem		Zahl der Pestfälle bei		
		Mus  rattus L.	Mus  decumanus  Pallas	Mus  musculus L.			Mus  rattus L.	Mus  decumanus  Pallas	Mus  musculus L.
4.	X. 02							4.	IV.	14	l	l
11.	X.	i	—	—	11.	IV.	11	—	—
18.	X.	—	—	—	18.	IV.	9	l	
25.	X.	—	—’	—	25.	IV.	3	—	—
1.	XI.	—	—	—	2.	V.	15	l	—
8.	XI.	—	—	—	9.	V.	9	—	—
15.	XI.	—	—	—	16.	V.	9	—	l
22.	XI.	—	—	—	23.	V.	8	—	l
29.	XI.	l	—	—	30.	V.	5	—	—
6.	XII.	—	—	—	6.	VI.	4	—'	—
13.	XII.	—		—	13.	VI.	4	--	—•
20.	XII.	l	—	—	20.	VI.	9	l	4
27.	XII.	—■	—	—	27.	VI.	4	—	1
3.	I. 03	5	—	—	4.	VII.	1			—
10.	I.	—	—	—■	11.	VII.	1	—	—
17.	I.	6	—-	—	18.	VII.	4	—	—
24.	I.	12	l	—	25.	VII.	—	—	—
31.	I.	9	l	—	1.	VIII.	—	—	—
7.	II.	11	—	2	8.	VIII.	1	—	—
14.	II.	6	—	—	15.	VIII.	—	l	—
21.	II.	9	l	—	22.	VIII.	—	—	—
28.	II.	8	—	—	29.	VIII.	—	—	—
7.	III.	11	—	2	5.	IX.	—	—	' —
14.	III.	8	—	1	12.	IX.	—	—	—
21.	III.	11	2	4	19.	IX.	-	—	—
28.	III.	15	1	1	26.	IX.	—	—	—
        <pb n="119" />
        ﻿113

Tabelle VI.

Die Rattenpestfälle in Taihoku Oktober 1902
bis September 1907, nach Wochen festgestellt.

b. Vom 3. Oktober 1903 bis zum 30. September 1904.

Die  suc  woch  mi		Zahl der Pestfälle bei					Zahl der Pestfälle bei		
	hungs- e begann t dem	Mus  rattus L.	Mus  decumanus  Pallas	Mus  musculus L.	suchungs- woche begann mit dem		Mus  rattus L.	Mus  decumanus  Pallas	Mus  musculus L.
3.	X. 03	—	-	—	2.	IV.	l	—	—
10.	X.	—	—	—	9.	IV.	—	—	—
17.	X.	—	—	—	16.	IV.	2	—	—
24.	X.	—	—		23.	IV.	—		—
31.	X.	—	—	—	30.	IV.	3	—	—
7.	XI.	—	—	—	7.	V.	4	—	—
14.	XI.	2	—	—	14.	V.	—	—	—
21.	XI.	6	—	—	21.	V.	3	—	—
28.	XI.	6	l	—	28.	V.	1	—	—
5.	XII.	3	—	—	4.	VI.	—	—	—
12.	XII.	4	—	—	11.	VI.	3	-—	' —
19.	XII.	—	—	—	18.	VI.	4	—	—
26.	XII.	5	—	—	25.	VI.	—	—	—
2.	I. 04	—	—	—	1.	VII.	1	—	—
9.	I.	1	—	—	8.	VII.	—	—	—
16.	I.	2	—	—	15.	VII.	1	—	—
23.	I.	2	—	—	22.	VII.	—	—	—
30.	I.	—	—	—	29.	VII.	—	—	—
6.	II.	—	—	—	5.	VIII.	—	—	—
13.	II.	2	—	—	12.	VIII.	—	—	—
20.	II.	1	—	—	19.	VIII.	2	—	—
27.	II.	3	—	—	26:	VIII.	1	—	—
5.	III.	5	—	—	2.	IX.	4	—	—
12.	III.	1	l	—	9.	IX.	2	—	—
19.	III.	—	—	—	16.	IX.	3	l	—
26.	III.	1	—	—	23.	IX.	9	l	—
					30.	IX.	4	—	—

Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.	8
        <pb n="120" />
        ﻿114

Tabelle VI.

Die Rattenpestfälle in Taihoku Oktober igo2
bis September igoy, nach Wochen festgestellt.

c. Vom 7. Oktober 1904 bis zum 29. September 1905.

Die Unter- suchungs- woche begann mit dem		Zahl der Pestfälle bei			Die Unter- su chungs- woche begann mit dem		Zahl der Pestf alle bei		
		Mus  rattus L.	Mus  decumanus  Pallas	Mus  musculus L.			Mus  rattus L.	Mus  decumanus  Pallas	Mus  musculus L.
7.	X. 04	12	—			7.	IV.	5	l	—
14.	X.	11	l	—	14.	IV.	3	l	—
21.	X.	5	—	—	21.	IV.	3	3	—
28.	X.	6	—	—	28.	IV.	2	—	l
4.	XI.	10	—	—	5.	V.	2	2	i
11.	XI.	11	—	—	12.	V.	1	-	—
18.	XI.	13	li	—	19.	V.	3	—	—
25.	XI.	23	2	—	26.	V.	—	1	—
2.	XII.	16	—	l	2.	VI.	2	—	—
9.	XII.	22	1	—	9.	VI.	—	—	—
16.	XII.	9	1	—	16.	VI.	—	1	—
23.	XII.	25	1	6	23.	VI.	3		—
30.	XII.	13	1	1	30.	VI.	—	—	—
6.	I. 05	25	—	—	7.	VII.	1	1	l
13.	I.	15	7	1	14.	VII.	—	—	—
20.	I.	21	3	5	21.	VII.	1	—	—
27.	I.	20	8	1	28.	VII.	—	—	—
3.	II.	11	1	—	4.	VIII.	—	-	: —
10.	II.	7	2	-—	11.	VIII.	—	—	—
17.	II.	11	5	1	18.	VIII.	—	—	—
24.	II.	8	4	—	25.	VIII.	—	—	—
3.	III.	8	1	1	1.	IX.	—	—	—•
10.	III.	6	4		8.	IX.	—	—	—
17.	III.	9	2	2	15.	IX.	—	—	
24.	III.	5	3	—	22.	IX.	-	—	—
31.	III.	5	2	—	29.	IX.	—	—
        <pb n="121" />
        ﻿115

Tabelle VI.

Die Rattenpestfälle in Taihoku Oktober igo2
bis September igoy, nach Wochen festgestellt.

d. Vom 6. Oktober 1905 bis zum 28. September 1906.

Die Unter- suchungs- woche begann mit dem		Zahl der Pestfälle bei			Die Unter- suchungs- woche begann mit dem		Zahl der Pestfälle bei		
		Mus  rattus L.	Mus  decumanus  Pallas	Mus  musculus L.			Mus  rattus L.	Mus  decumanus  Pallas	Mus  musculus L.
6.	X. 05	—				6.	IV.					
13.	X.	—	—	—	13.	IV.	l	l	l
20.	X.	—	—	—	20.	IV.	4	2	—
27.	X.	—	l	—	27.	IV.	—	1	2
3.	XI.	—	—	—	4.	V.	5	2	—
10.	XI.	—■		—	11.	V.	3	—	1
17.	XI.	3	l	—	18.	V.	2	1	—
24.	XI.	2	2		25.	V.	4			1
1.	XII.	—	1	i	1.	VI.	9	3	2
8.	XII.	1	—	—	8.	VI.	9	1	1
15.	XII.	—	—	—	15.	VI.	3		1
22.	XII.	—	—	—	22.	VI.	2	1	2
29.	XII.	2	—-	—	29.	VI.	2				
5.	I. 06	—	—	—	6.	VII.	—	—		
12.	I.	—	1	—	13.	VII.	—	1	—
19.	I.	1	—	—	20.	VII.	—	—	—
26.	I.	—	1	l	27.	VII.	1	—	. 	
2.	II.	—	-	—	3.	VIII.	4	2	1
9.	II.	1	. —	—	10.	VIII.	3	1	—
16.	II.	—	. --	—	17.	VIII.	2	—		
23.	II.	2	. —	—	24.	VIII.	2	—	—
2.	III.	—	. —	—	31.	VIII.	2	—		
9.	III.	2	—	. 		7.	IX.	3			"		
16.	III.	—	—	—	14.	IX.	4				1
23.	III.	—	—	—	21.	IX.	3	-—		
30.	III.	—	—	—	28.	IX.	2	-r-	—

8*
        <pb n="122" />
        ﻿116

Tabelle VI.

Die Rattenpestfälle in Taihoku Oktober ig02
bis September igoj, nach Wochen festgestellt.

e. Vom 5. Oktober 1906 bis zum 27. September 1907.

Die Unter- suchungs- Woche begann mit dem	Zahl der Pestfälle bei			Die Unter- suchungs- woche begann mit dem	Zahl der Pestfälle bei		
	4  Ul  3 P  sg  ctf  lH	to  3  . d m  £ «J 3  3 g 33  Ä ga&lt;  O)  TJ	4  3 5  § g  in  3  s		4  J|  cö  u	in  3  „ C“  Ä 3Ä  a)	«4  m  «5 P  s §  3  s
5. X. 06	3	—	—	5. IV.	19	2	3
12. X.	1	—	—	12. IV.	17	7	1
19. X.	3	—	—	19. IV.	23	4	4
26. X.	3	—	-	26. IV.	21	6	3
2. XI.	3	—	—	3. V.	13	4	5
9. XI.	8	1		10. V.	20	2	7
16. XI.	13	—	—	17. V.	19	7	6
23. XI.	10	1	1	24. V.	13	5	1
30. XI.	11	2	4	31. V.	19	6	3
7. XII.	11	1	—	7. VI.	9	2	3
14. XII.	6	2	—	14. VI.	11	2	—
21. XII.	16	—	—	21. VI.	8	4	5
28. XII.	12	1	1	28. VI.	5	2	4
4. I. 07	2	2	—	5. VII.	3	5	4
11. I.	17	1	1	12. VII.	1	2	1
18. I.	13	1	—	19. VII.	—		.	—
25. I.	17	5	—	26. VII.	—	—	—
1. II.	9	3	1	2. VIII.	1	2	1
8. II.	11	1	—	9. VIII.	—	—	4
15. II.	17	2	4	16. VIII.	—	—	—
22. II.	10	3	1	23. VIII.	—	—	—
1. III.	17	2	1	30. VIII.	—	—	—
8. III.	19	5	3	6. IX.	—	—	—
15. III.	10	8	2	13. IX.	—	—	. 	
22. III.	17	5	1	20. IX.	—	—	. 	
29. III.	20	4	—	27. IX.	—	—	—
        <pb n="123" />
        ﻿Tabelle VII a. Die am Rattenkörper gefundenen Flöhe.

Arten	Zahl der Flöhe		davon		schmarotzen
	absolut	relativ	weiblich männlich		an
1. Von Anfang November 1907 bis Ende April 1909.					
Toemopsylla cheopis  Ctenopsylla musculi  Ceratophyllus fa- sciatus (?) Ceratophyllus anisus  Ctenocephalus canis	683  471  123  39  1	51,86  35,76  9,34  2,96  0,07	364  250  87  24  1	319 !  221  36  15	f Ratten, stechen ( auch Menschen (Mäusen, Ratten und j Meerschweinchen,  | stechen niemals l	Menschen  (	Ratten und  J Spitzmäusen.  stechen auch v	Menschen  1 Ratten, stechen * auch Menschen { Hunden, Katzen,  1	Kaninchen,  &lt; Schweinen, Büffeln,  1 Ratten, Mäusen und Menschen
Summe	1317	99,99	726	591	
2. Von Anfang Mai 1909 bis Ende März 1910.					
Toemopsylla cheopis	439	46,16	302	137	
Ctenopsylla musculi	310	32,59	237	73	
Ceratophyllus fa- sciatus (?)	67	7,03	42	25 :	(•vergl.VIIal.
Ceratophyllus anisus	3	0,31	2	1 f	
Ctenocephalus canis	131	13,77	98	33	
Pulex irritans	1	0,14	1	—	* Menschen, selten ) an Ratten
Summe	951	100,00	682	269	

Tabelle VII b. Die am Menschenkörper gefundenen Flöhe.

Arten	Zahl der Flöhe  absolut	relativ	davon  weiblich männlich		schmarotzen  an
Pulex irritans	58 j 67,45	39	19	
Ctenocephalusart	23	26,74	17	6	
Tcemopsylla cheopis	4 ;	4,65	3	1	„ vgl. Vlla, 1 u. 2
Ceratophyllus fas-				
ciatus (?)	1 1 1,16	1 1	—	
Summe	86 100,00	60	26
        <pb n="124" />
        ﻿Tabelle VIII.

Versuche zur Pestübertragung durch Rattenflöhe.

Ver-  suchs-	Die mit Pestbazillen geimpften Tiere	Stärke  der	Versuchstiere	Nummer der er- krankten Tiere	Erkrankte  Versuchstiere	Ver- änderungen an der	Zahl der jedem Tier an-	Zahl der nach Schluß des
reihe	und ihr Körper- gewicht	Septi-  chämie	und deren Zahl		und ihre Diagnose	Oberfläche des Körpers	gesetzten  Flöhe	wiedergefundenen  Flöhe
I	Mus decumanus	schwach	3 Mus decu-					
	244 gr		manus und					
			2 Mus rattus		—	—	6	unbekannt
II	Mus rattus	stark	3 Mus decu-	2	M. rattus  (Inguinaldrüsenpest)	Geschwüre am Scrotum		
	80 gr		manus und	3	M. decumanus (S ubmaxillar dr üsenpes t)			
			2 Mus rattus	4	M. decumanus (zweifelhaft)		7	unbekannt
III	Mus decumanus	schwach	2 Mus decu-					
	200 gr		manus und					
			3 Mus rattus		—		4	unbekannt
IV	Meerschweinchen	schwach	3 Meer-					
	450 gr		schweinchen		—	—	3	unbekannt
V	Meerschweinchen	stark	1 Meer-	4	M eerschwein chen			
	300 gr		schweinchen		(Drüsenpest)	—	4	unbekannt
VI	Meerschweinchen	schwach	3 Meer-					
	475 gr		schweinchen		—	—	3	unbekannt
VII	Meerschweinchen	schwach	3 Meer-	5	Meerschweinchen	Hals angeschw., doch keine Ver-		
	295 gr		schweinchen		(Halsdrüsenpest)	anderun gen an der Oberfläche	3	2

VIII	Meerschweinchen	stark	3 Meer-	6	Meerschweinchen			
	300 gr		schweinchen		(Inguinaldrüsenpest)			
				7	Meerschweinchen			
					(Axillardrüsenpest)	—	5	4
IX	Meerschweinchen	stark	2 Meer-					
	300 gr		schweinchen		—	-	3	unbekannt
X	Meerschweinchen	schwach	2 Meer-					
	400 gr		schweinchen		—	-	3	unbekannt
XI	Meerschweinchen	stark	1 Meer-	21	Meerschweinchen			
	310 gr		schweinchen		(Inguinaldrüsenpest)	—	4	4
XII	Meerschweinchen	schwach	2 Meer-					
	400 gr		schweinchen			—	4	unbekannt
XIII	Meerschweinchen	schwach	2 Meer-					
	480 gr		schweinchen		—	—	5	unbekannt
XIV	Meerschweinchen	stark	2 Meer-	33	Meerschweinchen	Hals angeschw., doch keine Ver-		
	260 gr		schweinchen		(Halsdrüsenpest)	änderungen an der Oberfläche	3	3
XV	Meerschweinchen	stark	1 Meer-	36	Meerschweinchen			
	350 gr		schweinchen		(zweifelhaft)	—	3	1
XVI	Meerschweinchen	stark	2 Meer-	37	Meerschweinch en			
	450 gr		schweinchen		(Axillar drüsenpest)	—	4	4
XVII	Meerschweinchen	stark	1 Meer-	41	Meerschweinchen			
	280 gr		schweinchen		(H alsd rüsenpest)	—	3	1
        <pb n="125" />
        ﻿120

Tabelle IX.

Die einzelnen Pestarten 1898—1908 und ihre Prognose
(festgestellt in den Isolieranstalten zu l'aihoku, Tainan, Kilung und Kagi).

Arten	Volksstamm	Erkran-  kungen  absolut	Todes- 1 fälle  absolut	Erkran-  kungen  relativ	Von 100 Erkran- kungen verliefen tödlich
Drüsenpest	J apaner	867	458	95,11	52,28
	Formosaner	1695	1099	98,26	64,84
	zusammen	2571	1557	97,17	60,56
Dungenpest	Japaner	29	28	3,15	96,55
	Formosaner	21	20	1,21	95,24
	zusammen	50	48	1,89	96,00
Darmpest	J apaner	2	2	0,23	100,00
	Formosaner	—	—	—	—
	zusammen	2	2	0,08	100,00
Pestkar-	J apaner	8	5	0,87	62,50
bunkel	Formosaner	—	—	—	—
	zusammen	8	5	0,30	62,50
Augenpest	J apaner	1	1	0,11	100,00
	Formosaner	—	—	—	—
	zusammen	1	1	0,04	100,00
Septichä-	J apaner	5	1	0,54	20,00
mischePest	Formosaner	9	6	0,52	66,67
	zusammen	14	7	0,53	50,00
Gesamtzahl	J apaner	921	495	100,0	53,75
	Formosaner	1725	1125	99,99	65,22
	zusammen	2646	1620	100,0	61,22

7.	Die Pestkranken.

a)	Die verschiedenen für Formosa in Betracht kommenden Arten
der Pest sind nach den in den ständigen Isolieranstalten für In-
fektionskranke zu Kilung, Taihoku, Kagi, Taichu und Tainan an-
gestellten Untersuchungen Bubonenpest, Dungenpest, septichämische
Pest, Darmpest, Pestkarbunkel und Augenpest. Die Bubonenpest
überwiegt völlig: sie macht 97 % aller Erkrankungen aus. Dungenpest,
        <pb n="126" />
        ﻿121

Tabelle X.

Die einzelnen Bubonenpestarten i8g8—igo8 und ihre Prognose
(festgestellt in den Isolieranstalten zu Taihoku, Tainan, ICilung und Kagi).

Lokalisation  der  Bubonen	Volksstamm	Erkran-  kungen  absolut	Todes-  fälle  absolut	Erkran-  kungen  relativ	Von 100 Erkran- kungen verliefen tödlich
Femoral-	J apaner	89	38	19,69	42,70
drüsen . ..	Formosaner	293	181	28,39	61,77
	zusammen	382	219	25,74	57,33
Inguinal-	J apaner	142	64	31,42	45,07
drüsen ...	Formosaner	413	267	40,02	64,65
	zusammen	555	331	37,40	59,64
Kniekehlen-	J apaner	3	—	0,66	—
drüsen ...	Formosaner	8	5	0,78	62,50
	zusammen	11	5	0,74	41,67
Suborbital-	J apaner	12	6	2,65	50,00
drüsen .. .	Formosaner	17	8	1,65	47,06
	zusammen	29	14	1,95	48,28
Submaxillar-	J apaner	14	6	3,10	42,86
drüsen . . .	Formosaner	15	7	1,45	46,67
	zusammen	29	13	1,95	44,83
Halsdrüsen	J apaner	89	47	19,69	52,81
	Formosaner	108	56	10,47	51,85
	zusammen	197	103	13,27	52,28
Mandeln ..	J apaner	5	4	1,11	80,00
	Formosaner	—	—	—	—
	zusammen	5	4	0,34	80,00
Axillar-	J apaner	88	42	19,47	47,73
drüsen ...	Formosaner	161	101	15,60	62,73
	zusammen	249	143	16,78	57,43
Cubital-	J apaner	10	3	2,21	30,00
drüsen ...	Formosaner	17	12	1,65	70,59
	zusammen	27	15	1,82	55,56
Gesamtzahl	J apaner	452	210	100,0	46,46
	Formosaner	1032	637	100,0	61,72
	zusammen	1484	847	99,99	57,11
        <pb n="127" />
        ﻿122

Pestkarbunkel und septichämische Pest werden nur wenig an-
getroffen; alle übrigen Arten gehören zu den größten Seltenheiten.
Die ungünstigste Prognose bieten Dungen-, Darm-, Augenpest und
dergleichen; die Bubonenpest dagegen weist eine verhältnismäßig
niedrige Sterblichkeitsziffer auf. Die sich bei der Bubonenpest
bildenden Beulen liegen zumeist in der Leistengegend; öfters sodann
werden die Achsel- und Halsdrüsen befallen, weit seltener die Parotis,
Glandula submaxillaris, Glandula cubitalis usw. und nur ganz aus-
nahmsweise Mandel- und Kniebeugedrüsen (Tab. IX und X).

Tabelle XI.

Die Pestfälle i8g8—igog nach dem Geschlecht.

Volksstamm	Geschlecht	Erkran- Todes- kungen fälle absolut	absolut	Erkran-  kungen  relativ	Von 100 männ- lichen bez. weib- lichen Erkrank- ten starben
J apaner	männlich	785	446	62,20	56,82
	weiblich	477	290	37,80	60,80
	zusammen	1 262	736		
Formosaner	männlich	12 348	5 830	46,54	79,61
	weiblich	14 184 11 563	53,46	81,52
	zusammen	26 532 17 393		

b)	Auffallend sind die Unterschiede, die sich ergeben, wenn man
J apaner und Formosachinesen hinsichtlich der Geschlechter
mit einander vergleicht. Bei den Japanern nämlich wird, wie dies
auch im Mutterlande der Fall ist, die Pest im allgemeinen häufiger
unter den Männern als unter den Frauen angetroffen; bei den For-
mosachinesen ist es umgekehrt: hier kommt die Pest häufiger unter
den Frauen vor als unter den Männern. Über die Ursache dieser
Erscheinung herrscht noch keine Klarheit; jedenfalls wird die ab-
weichende Lebensweise und Sitte dabei mitsprechen. Ob und in
welchem Maße die verstümmelten Füße der Frauen steigernden
Einfluß auf die Pestempfänglichkeit haben, läßt sich erst recht nicht
sagen. Die Mortalität der Frauen ist sowohl bei Japanern als auch
bei Formosachinesen ungünstiger als die der Männer (Tab. XI).
        <pb n="128" />
        ﻿c)	Nach dem Alter ist die Morbidität bei den Zwanzigern am
höchsten; die zweite Stelle nehmen bei den Japanern die Dreißiger,
bei den Formosachinesen dagegen die Individuen zwischen 10 und
20 Jahren ein. Leute von 50 oder mehr Jahren leiden selten an der
Pest (Tab. XII).

Tabelle XII.

Die Pestfälle i8g8—igo8 nach dem Alter der Patienten.

		Erkran-	Todes-	Erkran-	Von 100
Stamm	Altersstufen	kungen  absolut	fälle  absolut	kungen .Erkrankten relativ	starben	
	Bis 10 Jahre	160	99	14,48	61,87
	11—20	182	105	16,46	57,68
	21—30	392	217	35,53	55,22
J apaner -	31—40	255	138	23,06	54,12
	41—50	90	45	8,14	50,00
	51—60	21	13	1,90	61,90
	Über 60 Jahre	5	4	0,45	80,00
	Zusammen	1105	621		
	Bis 10 Jahre	957	648	10,13	67,71
	11—20	2064	1604	21,84	77,71
	21—30	1960	1548	20,74	78,98
Formosaner •	31—40	1681	1268	17,79	75,43
	41—50	1277	1118	13,52	87,55
	51—60	845	685	8,94	81,06
	Über 60 Jahre	665	582	7,04	89,02
	Zusammen	9449	7453		

8.	Ergebnis der Behandlung der Pestkranken.

Die Sterblichkeit unter den in den ständigen Isolieranstalten
untergebrachten Kranken betrug im Durchschnitt etwa 61 %.
Dies bedeutet gegenüber den 80 %, die sonst im allgemeinen
als mittlere Sterblichkeit gelten, eine erhebliche Abnahme. Nicht
allen Kranken freilich konnte eine geeignete Behandlung zuteil
werden, denn es fehlte, besonders in entlegenen Ortschaften, an
        <pb n="129" />
        ﻿124

studierten Ärzten; außerdem wandte sich die-Mehrzahl der Formosa-
chinesen infolge ihrer Verständnislosigkeit für die neue Heilkunde
eher an die zum größten Teile ganz ungebildeten I-sel, und überdies
wurden die meisten Pestfälle unter den Formosachinesen erst im
letzten Stadium der Krankheit oder gar erst nach dem Tode der
Patienten bekannt. Daher war die Sterblichkeit unter den Formosa-
chinesen mit Notwendigkeit größer als die der Japaner.

Über die Arten der Behandlung ist das Folgende zu sagen.
In den ersten Jahren, wo man noch nicht die gehörige Erfahrung besaß,
wurden zur Heilung der Pest alle möglichen chirurgischen Operationen
und medikamentösen Behandlungsmethoden ausprobiert. Die chi-
rurgischen Eingriffe, namentlich die Exstirpation der Bubonen, be-
währten sich am meisten.

Von der Blutserumtherapie behaupten die einen, daß sie offen-
kundigen Erfolg habe, die anderen, daß ihre Wirkung unsicher sei,
die dritten, daß ihr Erfolg von dem Zeitpunkt der Anwendung und
von der Dosis des Serums abhängig sei. Die Ansichten der Forscher
gehen also noch sehr weit auseinander. Nach den auf Formosa er-
zielten Ergebnissen kann man noch nicht sagen, daß die Serum-
therapie sich bewähre.

9.	Die Ergebnisse der Schutzimpfung.

In den ersten fünf bis sechs Jahren des Auftretens der Pest
wurden überall im Norden und Süden Schutzimpfungen nach Haffkin
oder nach Kolle und Pfeiffer angewandt. Dr. K. Tsukiyama, seinerzeit
stellvertretender Direktor des Regierungshospitals in Tainan, nahm im
Jahre 1901 die Schutzimpfung an ca. 25 000 Personen vor; die Ergeb-
nisse waren diese:

Tabelle XIII.

Tainan 1901	geimpft	nicht geimpft
Beobachtet	  Erkrankt 	  Gestorben	  Von 1000 Beobachteten erkrankten Von 100 Erkrankten starben ....	24 993  41  22  1,64  53,66	92 966  1 869  1 541 20,10 82,45
        <pb n="130" />
        ﻿125

10.	Vorbeugungsmaßregeln.

Man hat bis jetzt auf Formosa zwei Systeme von Vorbeugungs-
maßregeln befolgt. Bis 1901 wurde das Augenmerk lediglich darauf
gerichtet, sämtliche an der Pest erkrankte Personen aufzufinden und
zu isolieren sowie ihre Wohnungen zu desinfizieren. Seit 1902
aber wurde die Ausrottung der Ratten als Hauptaufgabe be-
trachtet. Im Zusammenhänge damit wurden die Pesthäuser und
überhaupt alle als menschliche Wohnungen nicht genügenden Wohn-
häuser abgebrochen und gleichzeitig neue Bebauungspläne für die
Städte ausgearbeitet. Außerdem aber wurden auch Isolierung und
Desinfektion durchgeführt wie bisher. Daß ferner in beiden Perioden
sämtliche von ausländischen oder japanischen Häfen ankomnrende
Schiffe gemäß der Seequarantäneordnung einer Desinfektion unter-
worfen wurden, ist selbstverständlich.

Die Pestbekämpfung wurde durch fünferlei außerordentlich
erschwert. Erstens trat die Pest bereits in dem der Abtretung fol-
genden J ahre auf, in einer Zeit, wo allenthalben noch Räuberbanden
umherschweiften und die Polizei ihre Macht noch nicht über die ganze
Insel hatte ausdehnen können. Sodann waren die Wohnhäuser und
Straßen in den Städten so eng und schmutzig wie nur möglich und
boten der Seuche den denkbar geeignetsten Nährboden. Drittens:
die Eingeborenen wußten nicht, daß die Pest eine ansteckende
Krankheit ist, sondern hielten, vom Aberglauben verleitet, das
Übel für ein himmlisches Strafgericht und fügten sich ohne jede
Gegenwehr dem Schicksal. Daher waren in den ersten Jahren alle
Belehrungen über das den Ratten gegenüber einzuschlagende Ver-
halten vergebens: die Formosachinesen — und leider auch die meisten
Japaner -— wollten von einem Zusammenhang zwischen Pest und
Ratten nichts wissen. Viertens kamen infolge von Sprachschwierig-
keiten zwischen den Sanitäts- und Polizeibeamten einerseits und
den Formosachinesen anderseits öfters Mißverständnisse vor, wo-
durch die Ausführung der Maßnahmen mehrfach gehemmt wurde.
Und fünftens hatte die Mehrzahl der Sanitäts- und Polizeibeamten
in der Bekämpfung der Pest anfangs keine Erfahrung.

Die erste, vierte und fünfte Schwierigkeit wurde mit der Zeit
überwunden, auch die dritte konnte durch belehrende Aufrufe, popu-
läre Vorträge, üaterna-magica-Bilder, Austeilung von Drucksachen,
        <pb n="131" />
        ﻿126

außerstundenplanmäßigen Unterricht in den Volksschulen usw.
allmählich beseitigt werden. Der zweite Punkt freilich hätte zu seiner
Behebung ungeheurer Summen bedurft. Man konnte sich daher
nicht zu einem schnellen Vorgehen entschließen, sondern entschied
sich dafür, die diesbezüglichen Reformen allmählich zur Ausführung
zu bringen.

Pesthaus' (Distrikt Kagi)

Zu den Wohnhäusern werden auf Formosa Holz und Ziegel-
steine nur in sehr geringem Umfange verwendet. Die Wände be-
stehen durchweg aus sogenanntem Dokazu, d. h. aus ziegelsteinartig
geformten Erdklumpen, die nicht gebrannt, sondern nur an der Sonne
getrocknet sind, und der Fußboden ist meist mit vier- oder sechs-
eckigen Fliesziegeln überdeckt. Es ist daher nicht verwunderlich,
daß sich die Ratten in den Wänden und unter dem Fußboden Nester
bauen und in die Kreuz und in die Quere Gänge anlegen. Solche
Pesthäuser zu Gesicht zu bekommen hat man auf Formosa oft
genug Gelegenheit. In ihnen wohnen Schweine, Hühner, zuweilen
sogar Büffel mit den Menschen zusammen. Diese Häuser mußte man
        <pb n="132" />
        ﻿127

Pesthaus (Distrikt Kagi)
        <pb n="133" />
        ﻿128

natürlich niederreißen. In den Jahren 1907—1910 trug man in der
Stadt Taihoku 2220 ab und im Distrikt Kagi 1106.

Die Ausrottung der Ratten ferner bewirkt man dadurch, daß
in Taihoku, Tainan und Amping für jedes Tier eine Prämie von 5 Sen
gewährt wird; außerdem gelangen Preise in Höhe von 1—100 Yen
zur Auslosung. Die Kosten werden in diesen drei Städten sämtlich
von der Staatskasse gezahlt, in anderen Städten von der Sanitäts-
kasse. In den übrigen pestbedrohten Orten ist nach dem Statut der
Ho-kö1) eine jede Haushaltung verpflichtet, monatlich eine fest-
gesetzte Anzahl Ratten zu fangen und an die Behörde abzuliefern.
Erreichen die abgelieferten Ratten die vorgeschriebene Zahl nicht,
so wird ein bestimmter Betrag als Buße auferlegt. Auch bei den
ährlich zweimal stattfindenden Reinigungen 2) werden die Ratten mit
großem Eifer gefangen. Je nach Bedarf werden solche Säuberungen
für einzelne Orte auch außerhalb der regelmäßigen Termine angesetzt.

Der Rattenfang wird mit verschiedenartigen Rattenfallen oder
mit Giften, wie arsenige Säure, Phosphor usw., bewerkstelligt, oder
man macht durch Klopfen die in der Wand oder unter dem Fuß-
boden befindlichen Rattennester ausfindig, fängt und tötet die Tiere
und gräbt die Nester aus. Von Juli 1902, wo man mit dem Ratten-
fangen begann, bis Juli 1910 wurden 37 020 228 Ratten und Mäuse
gefangen. Die gefangenen Tiere werden bei der Distrikt- oder Unter-
distriktbehörde oder bei einer Polizeistation abgeliefert und von da
nach einem bakteriologischen Uaboratorium versandt, um hier einer
sorgfältigen Untersuchung unterzogen zu werden. Die in Taihoku und
Umgegend gefangenen Tiere kommen in das Pestlaboratorium des
Sanitätsbureaus, die in Tainan und Amping gefangenen Ratten in
das Pestlaboratorium des Distriktamts Tainan; alle übrigen werden
in die an allen größeren Orten befindlichen Untersuchungsstellen ge-
bracht, wo die Untersuchung von Polizeiärzten oder von Kö-i aus-
geführt wird.

Alle Ärzte haben die von ihnen in Behandlung genommenen
Pestfälle, auch wenn sie zweifelhaft sind, anzumelden. Unter Um-
ständen werden alle Wohnungen durch eigens zu diesem Zwecke
entsandte Ärzte und Polizeibeamte auf etwaige Kranke revidiert. Die

J) vergl. Abschnitt 4

2) vergl. Abschnitt 11
        <pb n="134" />
        ﻿129

Pestkranken werden in die teils permanenten, teils provisorischen
Isolieranstalten für Infektionskranke gebracht und hier behandelt;
die Wohnhäuser der Erkrankten werden desinfiziert und eine Woche
lang für den Verkehr gesperrt, die gesunden Hausgenossen in Be-
obachtungsanstalten aufgenommen oder nach erfolgter Desinfektion
der Wohnungen in diesen belassen.

Als Desinfektionsmittel dient in der Hauptsache Karbolsäure
und gelöschter Kalk, zuweilen auch Desinfektol, ein aus Kampferöl
hergestelltes, desinfizierendes Mittel.

Für die Handhabung der Vorbeugungsmaßregeln bei den
Formosachinesen hat die Einrichtung der Ho-kö große Dienste
geleistet. Da diese Organisation auf die Japaner nicht übertragen
werden konnte, wurden in Städten, wo Japaner und Formosa-
chinesen Zusammenleben, als Ersatz Sozietäten zur Bekämpfung
der Pest gebildet.

Da die Art und Weise, in der die an sich als richtig erkannten
Pestmaßregeln gehandhabt werden, nicht nur auf die Volkswirtschaft,
sondern auch auf die inneren politischen Verhältnisse bedeutenden
Einfluß ausübt, z. B. mitunter sogar Unruhen im Volke stiften kann,
so ist aus den höheren Beamten der verschiedensten Verwaltungs-
zweige eine Kommission zur Bekämpfung der Seuche gebildet worden,
um so durch Beratung und Durchdenkung von den mannigfachsten
Standpunkten her für das richtige Ziel auch die für Volk und Insel
geeignetsten Maßnahmen festzustellen.

Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.

9
        <pb n="135" />
        ﻿17.	Andere Infektionskrankheiten.

In dem Gesetz vom Oktober 1896 betreffend die Bekämpfung
der Infektionskrankheiten sind folgende 8 Krankheiten genannt:
Cholera, Pest1), Dysenterie, Pocken, Flecktyphus, Abdominal-
typhus, Diphtheritis und Scharlach.

Eine Cholera epidemie trat im J ahre 1902 auf. Es erkrankten
202 Japaner und 544 Formosachinesen; davon sind 134 Japaner
und 479 Formosachinesen gestorben.

Die Dysenterie kommt auf Formosa nur in der Form der durch
die Entamoeba histolytica Schaudinn verursachten Tropendysenterie
vor. Diese ist ebenso häufig als hartnäckig. Besonders gefährlich
kann sie werden, wenn Eeberabszeß, Typhlitis, Appendizitis usw.
hinzutreten. Sie findet sich überall auf Formosa, doch scheint sie
im Süden häufiger zu sein als im Norden. Sie herrscht das ganze
Jahr hindurch, am stärksten von April bis Oktober. Epidemisch
trat sie nur ein einziges Mal auf und zwar im Jahre 1909 in Horisha
(Distrikt Nanto). Sowohl Japaner als auch Formosachinesen werden
von der Krankheit befallen, die ersteren öfter. Die Formosawilden
scheinen davon ebenfalls nicht verschont zu werden. Die tatsäch-
liche Erkrankungsziffer läßt sich zurzeit nicht angeben, da die vor-
geschriebene Anzeigepflicht meistenteils vernachlässigt wird, besonders
bei leichten Fällen.

Pocken. In dem Zeiträume 1896—1902 schwankte diejährliche
Erkrankungsziffer etwa zwischen 250 und 400. Seit dieser Zeit haben
die Fälle in dem Maße, wie die Schutzpockenimpfung verallgemeinert
wurde, abgenommen. Besonders günstige Ergebnisse erzielten wir
seit dem Jahre 1906, wo das Impfgesetz in Kraft trat. Nach diesem
muß jeder Neugeborene binnen eines Jahres geimpft und, falls diese

1) hierüber ein besonderer Abschnitt (16)
        <pb n="136" />
        ﻿—	131

Die in den Jahren i8gj—igog zur Anzeige gekommenen Erkrankungen
und Todesfälle an den wichtigeren Infektionskrankheiten
(iausschließlich der Pest).

E = Erkrankungen. T == Todesfälle. J. = Japaner. Ch. = Chinesen.

Jahr	Cholera  J. | Ch.		Dys-  enterie  J. Ch.		Po  J.	cken  Ch.	Fleck-  typhus  J. 1 Ch.		I Abdomi- nal- typhus  J. ! Ch.		| Di- j phtherie  J. | Ch.		Schar-  lach  J. 1 Ch.		Zu-  sammen  J. ! Ch.	
1897:E	—	—	303	65	1 46	355	—	—	66	11	—	I	1	—	416	432
T	—	—	1113	42	5	35	—	—	24	8	—	1	—	_	142	86
1898:E	1	—	218	35	11	271	—	—	61	32	6	1		— 297		339
T	—	—	70	24	2	31	—	—	26	18	1	1	—	—	99	74
1899: E	—	—	262	111	2	396	—	—	56	13	2	3	—	—	322	523
T	—	—	45	51	—	5	—	—	18	6	—	2	—	—	63	64
1900:E	—	—	332	49	10	406	—	—	151	6	16	1			509	462
T	—	■—	74	25	—	6	—	—	34	3	3	1	—	—	111	35
1901:E	—	1	315	343	2	259	—	—	110	14	2	11	1	—	430	628
T	—	1	60	39	—	11	—	—	27	10	1	3	—	—	88	64
1902: E	202	544	144	610	3	282	—	—	92	100	1	3	—	— |	442	1539
T	134	479	35	153	—	10	—	—	23	18	—	3	—	—	192	663
1903:E	-	—	116	54	2	37	—	—	81	60	11	7		—	210	158
T	—	-	30	21	—	—	—	—	31	22	5	3		—	66	46
1904:E	—	1	111	47	5	18	—	1	151	38	32	7 *	—	—	299	112
T	—	1	25	29	—	—	—	—	38	18	—	6	—	—	63	54
1905: E	—	—	92	28	2	21	—	—	125	16	42	15 I	—	—	261	80
T	—	—	34	13	—	—	—	—	32	10	3	11	—	—	69	34
1906:E	—	—	99	47	—	19	—	—	211	37	45	18	1	—	356	121
T	—	—	40	31	—	—	—	—	59	27	9	8	—	—	108	66
1907: E	3		62	143	—	1	—	—	311	39	10	16	1	—	387	79
T	2	_	24	48	—	—	—	—	53	19	—	9	—		 I	199	76
1908: E	—	—	82	113	11	17	—	—	319	37	11	19	1		 1	424	186
T	—	—	35	59	2	—	—	—	82	27	1	12	—	—	120	98
1909: E	—	—	84	165	5	10	—	—	305	14	26	21	1	—	421	210
T	—	—	34	50	—	—	—	—	86	5	4	16	—	—	124	71

Anmerkung. Eie Lepra gehört noch nicht zu den anzeige-
pflichtigen Krankheiten. Nach polizeilichen Ermittlungen waren im
Jahre 1910 810 Lepröse auf Formosa: 8 Japaner, 797 Formosachinesen
und 5 chinesische Untertanen.
        <pb n="137" />
        ﻿132

Impfung erfolglos bleibt, im Laufe des folgenden Jahres wieder
geimpft werden; ferner verlangt es, wenn die Gefahr einer Pocken-
epidemie vorliegt, außerordentliche Schutzimpfungen.

Der Abdominaltyphus ist auf dem Lande seltener als in den
Städten. Zu beachten ist ferner die Tatsache, daß die Chinesen,
weil sie ausschließlich von gekochter Nahrung leben, relativ höchst
selten daran erkranken.

Die Diphtheriefälle sind wenig zahlreich; Flecktyphus
und Scharlach kommen nur ganz vereinzelt vor.
        <pb n="138" />
        ﻿18.	Die Malaria.

Die Malaria ist den Formosachinesen unter dem Namen Koan-
rja-chen = Krankheit mit Kälte undHitze und den Formosa-
wilden unter dem Namen Sowarisan = Schüttelfrost seit
undenklichen Zeiten bekannt. Als im Jahre 1874 nach Formosa eine
Strafexpedition unternommen wurde —• es waren japanische Unter-
tanen durch Formosawilde ermordet worden, die, wie die chinesische
Regierung mitteilte, nicht unter ihrer Botmäßigkeit standen —,
waren die unter den japanischen Soldaten beobachteten Krank-
heiten größtenteils Malariafälle. Ebenso haben die Truppen, die
1895 und in den folgenden Jahren nach Formosa kamen, sehr stark
unter der Malaria zu leiden gehabt. Bei den Zivilbeamten, Kauf-
leuten usw. stand es nicht anders. So war es ganz begreiflich, daß
sich Militär- wie Zivilärzte dem Studium der Krankheit in hohem
Maße widmeten und die Muskitotheorie, sobald sie erwiesen war,
praktisch anwandten. Insbesondere hat die Kommission zur Erfor-
schung der endemischen Krankheiten zahlreiche Untersuchungen
über die Krankheit angestellt und mehrere, zum Teil sehr wichtige
Berichte darüber veröffentlicht.

I.	Epidemiologisches,

l.	Vorbedingungen.

Nachdem Mitteilungen über geographische, klimatische, Woh-
nungs- und Bevölkerungsverhältnisse schon in anderen Abschnitten
gegeben worden sind, genüge es hier, darauf hinzuweisen, daß
Bauernhäuser, wo Büffel und Schweine mit den Menschen zusammen
wohnen, ferner feuchte, vernachlässigte und mit Unkraut bewachsene
Höfe und die die Bauernhöfe umgebenden Bambusbüsche, sodann
die wasserreichen Reisfelder, besonders die terrassenförmig an Ab-
hängen angelegten, und schließlich die Teiche, in denen die Büffel
baden, und die teichartigen Anlagen zur Erzeugung von Pflanzen
wie Juncus effusus E., Zizania latifolia Turez., Nelumbo nucifera
Gaertn. usw., als Brut- und Aufenthaltsstätten für die Mücken sehr
        <pb n="139" />
        ﻿134

geeignet sind. Verschiedene einheimische Früchte, so Bananen,
Ananas, Bungan und andere, werden auch gern von den Mücken
besucht.

2.	Statistische Überblicke.

Die Gesamtzahl der Malariakranken ist nicht zu ermitteln, da
keine Anzeigepflicht besteht.

Tabelle I berücksichtigt die Fälle, die in den Jahren 1897 bis
1909 in den Regierungshospitälern und durch die Kö-i behandelt
wurden und vergleicht sie mit der Zahl aller Kranken überhaupt.

Tabelle I.

Jahr	Gesamtzahl aller Kranken überhaupt	Zahl der behandelten Malariafälle	Von 1000 Kranken waren malariakrank
1897	217 807	47 342	217,3
1898	150 132	39 616	263,8
1899	135 531	29 994	221,3
1900	130 049	27 441	211,0
1901	131 635	29 185	221,7
1902	135 852	31 039	228,3
1903	135 589	27 775	204,8
1904	148 206	23 601	159,2
1905	157 537	21 360	135,6
1906	211 034	34 351	162,7
1907	227 363	49 139	216,5
1908	244 500	51 000	208,6
1909	262 525	52 201	198,7

Das Anschwellen der Zahl der Malariafälle in den letzten Jahren
erklärt sich daraus, daß infolge der wachsenden Volksaufklärung
die ärztliche Hilfe in immer stärkerem Maße nachgesucht wird.

Die Sterblichkeit der Malaria hat bei den Japanern allmählich
abgenommen, bei den Formosanern dagegen leider noch nicht. Dies
zeigt die nebenstehende Übersicht.

Wenn man weiterhin die Sterblichkeit in den einzelnen Distrikten
untersucht, so finden sich große Verschiedenheiten.
        <pb n="140" />
        ﻿— 135

Tabelle II. Die Malariasterblichkeit igoö—190g.

	1906	1907	1908	1909
Zahl der an Malaria Ge- storbenen :  Japaner 		295	244	183	197
Formosaner		10 267	11 441	11 519	10 136
Zusammen 		10 562	11 685	11 702	10 333
Auf 1000 Einwohner kamen Todesfälle an Malaria: Japaner 		4,15	3,13	2,20	2,19
Formosaner		3,42	3,78	3,79	3,30
Im Durchschnitt ....	3,44	3,77	3,75	3,26

Tabelle III. Die Malariasterblichkeit nach Distrikten 1908.

Distrikt	Todesfälle an Malaria	Malariasterblichkeit für 1000 Einwohner	Von 100 Todesfällen überhaupt waren Malariafälle
Nordbezirk1):			
Taihoku ....	840	1,75	6,16
Giran		296	2,26	8,53
Töyen 		365	1,74	6,75
Shinchiku . . .	476	1,56	6,78
Mitte'bezirk:			
Taichu ....	1 765	3,28	9,62
Nanto		258	2,33	6,96
Kagi		2 432	4,72	12,82
Südbezirk:			
Tainan ....	1 779	3,35	9,57
Akö		1 840	7,70	22,26
Ostbezirk:			
Taitö		82	3,03	8,06
Karenkö ....	172	6,58	20,54
Westbezirk:			
Höko		28	0,51	2,06
Zusammen:	. .	10 333	3,26	10,26

x) diese Bezirkseinteilung gilt nur für gewisse Besteuerungszwecke; sie
wird hier und im folgenden der Bequemlichkeit halber öfters verwendet
        <pb n="141" />
        ﻿136

Betrachtet man die Malariasterblichkeit in den fünf Bezirken nach
Volksstämmen, so sieht man, daß sie bei den Japanern anders als bei
den Formosanern ist.

Tabelle IV.

Die Malariasterblichkeit bei je 1000 Japanern und Formosanern igo8.

	Nordbezirk	Mittelbezirk	Südbezirk	Ostbezirk	Westbezirk
Japaner	1,02	2,22	3,78	16,08	0,89
Formosaner	1,99	4,06	4,50	4,17	0,61

Weiterhin haben auch die beiden Geschlechter bei Japanern
und Formosanern eine verschiedene Malariasterblichkeit.

Tabelle V.

Die Malariasterblichkeit für 1000 Einwohner nach dem Geschlecht

igo6—1908.

	1906	1907	1908
Japaner:	männlich . .	5,16	3,94	2,55
weiblich . . .	2,56	1,85	1,46
Formosaner: männlich . .	3,29	3,65	3,72
weiblich . . .	3,56	3,95	3,87

Die Malariasterblichkeit nach dem Alter zeigt bei Japanern und
Formosanern ebenfalls verschiedene Verhältnisse; insbesondere haben
die Kinder unter 5 J ahren bei den Formosanern eine sehr ungünstige
Sterblichkeit.

Die Verteilung der Todesfälle an Malaria auf die einzelnen
Monate zeigt Tabelle VI; ihr liegt das Jahr 1908 zugrunde, das
als normal gelten kann.

Tabelle VI.

Monat	%	Monat	0/  /o	Monat	0/  /o
Januar 		8,3	Mai		5,8	September ..	10,2
Februar ....	6.3  5.4	Juni		6,8  8,6		12,0  13,3
März			Juli			November ..	
April		4,2	August		9,2	Dezember ...	9,9
        <pb n="142" />
        ﻿137

3.	Über den Ausbruch der Malariaepidemien.

Wenn in einer Gegend, wo Anophelen in genügender Menge vor-
handen sind, zahlreiche Neuankömmlinge, z. B. Arbeiter oder Ein-
wanderer, zusammenströmen, bricht regelmäßig eine mehr oder
minder starke Epidemie aus. So ist das Fehlschlagen der in der
chinesischen Zeit oft versuchten Ansiedlung großenteils der Malaria
zuzuschreiben. Als das beste Beispiel für die Entstehung einer Malaria-
epidemie in der neueren Zeit kann man die Epidemie unter den
Arbeitern der Kampfergesellschaft zu Kösenpo (Distrikt Akö) an-
führen. Diese Gesellschaft wurde im Jahre 1906 begründet und machte
es zu ihrer Aufgabe, in den südlichen Gebirgszügen der Nitaka-Kette
auf einer Fläche von etwa 1000 qkm die Kampfergewinnung zu be-
treiben. Zu diesem Zwecke ließ sie aus Japan und aus allen Teilen
Formosas Hunderte von Arbeitern kommen. Bald jedoch brach unter
diesen eine so starke Malariaepidemie aus, daß die Auflösung des ganzen
Unternehmens bevorstand. Da wurde unter Deitung von Dr. Kinoshita
— er war Professor an der medizinischen Schule zu Taihoku und ist
leider viel zu früh gestorben — eine Bekämpfung der Krankheit
unternommen. Über die Ergebnisse wird weiter unten berichtet.

Ein anderes Beispiel. Auf den Hö ko-Inseln herrscht starker
Wind; Bäume gibt es nur vereinzelt; die Bewohner leiden an Wasser-
mangel. Daher trat die Malaria nur äußerst selten auf. Als aber
1904 auf der Hauptinsel eine große Menge Arbeiter benötigt wurden,
brach gleich im folgenden Jahre unter den Arbeitern und unter der
Bevölkerung eine große Malariaepidemie aus. Es wurden in der Zeit
von August bis November 1905 in 19 Dörfern 8962 Kranke (776,5 auf
1000 Einwohner) und 963 Todesfälle (10,83 auf 100 Erkrankungen)
beobachtet. Nach Mitteilung von Prof. Dr. Otori von der medi-
zinischen Schule zu Taihoku sind alle von ihm untersuchten Fälle
Malaria tropica gewesen. Im Jahre 1906 sind in denselben Dörfern
3636 Erkrankungen und 481 Todesfälle (13,23 Prozent der Erkran-
kungen) vorgekommen. Im Jahre 1907 brach sodann auf Taisho,
einer entlegenen Insel der Höko-Gruppe mit 3136 Einwohnern, eine
Epidemie aus; während der Zeit von August bis Oktober wurden hier
382 Erkrankungen (121,8 auf 1000 Einwohner) und 84 Todesfälle
(22 Prozent der Erkrankungen) gezählt. In den folgenden Jahren
kamen noch vereinzelte Fälle vor. Jetzt kann man die Epidemie auf
        <pb n="143" />
        ﻿138

Höko als erloschen ansehen. Zweifellos war sie durch Einschleppung
und starke Entwicklung von Anophelen verursacht worden.

Auch sonst sind bei verschiedenen Unternehmungen, bei denen
viele Arbeiter gebraucht werden, z. B. bei Eisenbahnbauten und an
Wasserelektrizitätswerken, mehr oder minder starke Epidemien zu
beobachten gewesen. Seitdem man jedoch Chininprophylaxis an-
wendet, ist das epidemische Auftreten der Krankheit seltener ge-
worden.

Tabelle VII.

Monat	Zahl der unter- suchten Personen		Darunter Plas- modienträger		Von 100 Unter- suchten waren Plasmodien träger	
	Jap-	Form.	Jap.	Form.	Jap.	Form.
1907						
April ....	151	68	43	l	28,4	1,4
Juli ....	923	680	59	46	6,4	6,7
Dezember	1046	810	89	33	8,5	4,0
1908						
März ....	249	690	13	6	5,2	0,8
April ....	919	309	9	2	0,9	0,6
Mai ....	206	638	2	17	0,9	2,6
Juni ....	828	296	25	3	3,0	1,0
Juli ....	220	943	8	34	3,6	3,6
August . . .	835	304	22	9	2,6	3,0
September .	235	752	15	31	6,3	4,1
Oktober . .	793	311	52	22	6,5	7,1
November .	201	742	14	28	7,0	3,8
Dezember	798	-	59	—	7,3	—

Jap. Japaner, Form. Formosaner.

4.	Malaria- und malariafreie Gegenden.

Als Malariagegendensah man früher die Gegenden von Kilung,
Zuihö, Kusshaku, Nanshö, Byörizu, Sansaho, Banshoryö, Akö,
Hözan, Karenkö, Gozenjö, Bokusekikaku, Taitö, Seikoö, Parisha,
Dainan-ö usw. an. In der letzten Zeit hat sich die Tage wesentlich
geändert. Große Epidemien herrschen gegenwärtig nur noch an der
Ostküste und in Hözan und Akö.
        <pb n="144" />
        ﻿139

Als völlig malariafrei gilt jetzt die Stadt Taihoku; sehr selten
kommt die Malaria in Taichu und Tainan vor. Auf hohen Bergen,
wo die Anophelen fehlen, ist natürlich kein Fall von Malaria zu be-
obachten ; die Wilden, die dort hausen, besuchen nur ungern das Flach-
land. Auch die an der Grenze der Wildengebiete stationierten Schutz-
leute werden nur höchst selten von der Krankheit befallen. Außerdem
stehen die beiden Inseln Kashötö und Shöryukiutö in dem Rufe, frei
von Malaria zu sein. 5 Malaria!ndex.

Die Endemizität einer Gegend kann man messen, indem man die
Zahl der Plasmodienträger und die der Individuen mit Milzvergröße-
rung feststellt. Der mit Hilfe dieser Zahlen gewonnene Malariaindex
dient als Grundlage bei der Bekämpfung der Krankheit und zur Be-
obachtung der etwa erzielten Erfolge. Dr. Kinoshita und sein Nach-
folger haben in Kösenpo die Indizes der Tabelle VII ermittelt.

Untersuchungen über den jugendlichen Malariaindex nahm
Dr. Hatori im April und Mai 1910 vor und zwar an mehreren Volks-
schulen der Ostküste bei Schülern im Alter von 7—18 Jahren.

Tabelle VIII.

Volksschule  in	Volksstamm	Zahl der  Untersuchten	Plasmodien-  träger	Von 100 Untersuchten waren Plas- modienträger	Milz- vergrößerung wiesen auf	Von 100 Untersuchten hatten Milz- vergrößerung
Karenkö	Formosachinesen	66	3	4,5	—	—
Pokupoku	Formosawilde	86	25	29,0	36	45,3
Tauran	Formosawilde	124	30	24,4	56	45,1
Suibi	Formosachinesen	82	18	22,0	45	54,8
	Formosawilde	92	14	15,0	45	49,0
Bokuseki-	J apaner	17	2	11,2	2	11,2
kaku	F ormosachinesen	28	8	28,5	10	35,7
	Formosawilde	38	9	24,0	10	26,3
Pinan	Formosawilde	82	6	7,3	42	51,2
Baran	Formosawilde	104	5	4,8	14	13,5
Taitö	Formosachinesen	80	6	7,5	12	15,0
Tor an	Formosawilde	102	23	22,5	34	33,3
Marörö	Formosawilde	57	5	8,8	25	43,8
Seikoö	Formosachinesen	39	4	10,3	23	59,0
	Formosawilde	46	7	15,2	17	37,0
        <pb n="145" />
        ﻿140

Folgendes sind die Ergebnisse der Untersuchungen, die Dr.
Kojima im Juli 1910 in Hözan und Akö, zwei Städten Südformosas,
angestellt hat.

Tabelle IX.

Stadt	Volks- i	...  Alter  stamm	Zahl der  Untersuchten	Plasmodien-  träger	Von 100  Untersuchten  waren Plas-  modienträger	Milz-  vergrößerung wiesen auf	Von 100  Untersuchten  hatten Milz-  vergrößerung
Hözan	Japaner [ Jugendl.u.					
	Erwachsene	83	9	10,8	15	18,0
	Formosa- Jugendliche	121	21	17,4	48	40,0
	Chinesen ! Erwachsene	121	8	6,6	47	38,8
Akö	J apaner	J ugendliche	98	11	11,2	7	7,1
	Erwachsene	121	6	4,9	15	12,4
	Formosa- Jugendliche	198	30	15,1	73	36,8
	Chinesen ! Erwachsene	41	1	2,4	34	80,3

Die von Dr. Hatori ausgeführten Voruntersuchungen bei der
Malariabekämpfung in Hokuto1) führten zu diesen Indexziffern.

Tabelle X.

	Zeit der Untersuchung			: 26.-29. Juni 1910.		
Be-  zirk	Volksstamm	Zahl der Unter- suchten	Plas-  modien-  träger	Von 100 Unter- suchten waren Plasmodien träger	Milzver- größerung wiesen auf	Von 100 Unter- suchten hatten Milzvergrößerung
A{	Japaner. .	124	2	1,63	5	4,03
	Formosaner	277	11	3,98	59	21,29
B	Formosaner	778	16	2,08	7	0,89
	Zusammen.	1179	29	2,46	71	6,10

6.	Die Verteilung der Malariaarten.

Auf Formosa sind Malaria tertiana, M. quartana und M. tropica
zu finden. In der Nähe von Bergen oder auf Bergen ist M. tropica
vorherrschend, während auf dem platten Tande M. tertiana am
meisten verbreitet ist. M. quartana ist unregelmäßig verteilt und
selten. Die Frequenz der einzelnen Malariaarten hängt offenbar mit
der Verteilung der Anophelenarten zusammen.

vgl. S. 154
        <pb n="146" />
        ﻿141

7.	Anophelen.

Die auf Formosa vorkommenden Anophelen und ihre Bezie-
hungen zur Malaria sind von Kinoshita, Tsuzuki, Miyajima, Hanabusa
und Hatori studiert worden. Man hat seit 1900 bis zur Gegenwart
acht Arten gefunden, die zu vier Gattungen gehören. Es sind dies

a)	Anopheles (Myzorhynchus) sinensis Wied.

b)	A. (Myzomyia) Listoni Eist.

c)	A. (Myzomyia) punctulatus Dön.

d)	A. (Myzomyia) Rossii Giles.

e)	A. (Myzomyia) sp. aus Taitö (Hatori).

f)	A. (Nyssorhynchus) maculatus Theob.

g)	A. (Nyssorhynchus) fuliginosus Giles.

h)	A. (Cellia) Koclrii Dön.

a)	A. sinensis Wied.

Diese Art findet sich überall auf der Insel, besonders häufig in
den Ebenen. Nach den Infizierungsversuchen von Kinoshita und
Miyajima können sich die Oocysten von Plasmodium vivax und
Plasmodium malariae an der Magenwand der Mücke entwickeln,
nicht aber die von Plasmodium immaculatum. Daraus sieht man,
das A. sinensis der Hauptüberträger des Tertian- und Quartan-
fiebers ist, dagegen nicht der des Tropenfiebers.

b)	A. Distoni List.

Diese am meisten gefürchtete Mücke ist nächst A. sinensis am
weitesten verbreitet; besonders reichlich findet sie sich am Fuße der
Gebirge. Kinoshita und Miyajima stellten auf Grund ihrer Experi-
mente fest, daß A. Listoni der Hauptüberträger des Tropenfiebers ist,
das Tertianfieber dagegen niemals vermittelt.

c)	A. punctulatus Dön.

Auf Formosa hat diese Art zuerst (1901) Hatori gefunden und
zwar in Taihoku, wo sie schon sehr selten geworden ist. Häufig findet
        <pb n="147" />
        ﻿142

sie sich in den Gebirgsgegenden von Mittel- und in dem Flachlande von
Südformosa. Es gelang Kinoshita, an der Magenwand dieser Mücke
die Oocysten von Plasmodium immaculatum zu entwickeln.

d)	A. Rossii Giles.

Diese Mücke kommt nur bis 24° n. Br. vor; sehr reichlich ist sie
in der mittleren und südlichen Ebene Formosas vertreten, besonders
in den Küstengegenden; in Ostformosa tritt sie nur spärlich auf. Die
Infizierungsversuche von Tsuzuki fielen positiv aus, die von Kinoshita
niemals.

e)	A. (Myzomyia) sp. aus TaitcG(Hatori).

Auch diese Spezies wurde zuerst von Hatori gefunden und zwar
im Sommer 1909 in Taitö. Die Palpen sowie die Thorax- und Hinter-
leibsbeschuppung sind ganz so wie bei A. Rossii. Trotz dieser großen
Ähnlichkeit mit A. Rossii ist sie aber, weil sie auf den Flügeln andere als
die für A. Rossii charakteristischen T-förmigen Flecke aufweist, leicht
davon zu unterscheiden; außerdem hat sie im Gegensatz zu A. Rossii
und in Übereinstimmung mit A. punctulatus und A. maculatus deut-
lich getüpfelte Schenkel und Tibien. Die Mücke ist in Ost- und Süd-
formosa sehr häufig und dringt mit Vorliebe in die menschlichen
Wohnungen ein. Die Larven leben in Tümpeln und Kanälen, zu-
weilen gemeinsam mit Culexlarven. Die Beziehungen der Spezies zur
Malaria sind noch nicht klargestellt.

f)	A. maculatus Theob.

A. maculatus kommt in Berggegenden vor, besonders in Mittel-,
Süd- und Ostformosa. Zuweilen findet man große Larvenschwärme
in den Bächen.

g)	A. fuliginosus Giles.

Wie A. maculatus, so findet sich auch diese Mücke in Berg-
gegenden.

h)	A. Kochii Dön.

Hiervon wurde nur ein einziges Exemplar gewonnen und
zwar von Kinoshita in Kilung.
        <pb n="148" />
        ﻿143

Anopheles sinensis Wied. &lt;5 (9mal vergrößert)

Anopheles sinensis Wied.: Flügel (15mal vergrößert)
        <pb n="149" />
        ﻿
        <pb n="150" />
        ﻿—	145 —

Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.

10
        <pb n="151" />
        ﻿
        <pb n="152" />
        ﻿
        <pb n="153" />
        ﻿
        <pb n="154" />
        ﻿
        <pb n="155" />
        ﻿
        <pb n="156" />
        ﻿151

Um die Verteilung der einzelnen Anophelenarten zu ermitteln,
hat die Kommission zur Erforschung der endemischen und epide-
mischen Krankheiten im Januar 1909 die Mücken in großem Maß-
stabe gesammelt. Sie entsandte nach verschiedenen Gegenden Mit-
glieder; außerdem wurden die Kö-i und die Polizeibeamten zu
Hilfe genommen. Eine Übersicht über die auf diese Weise ermittelte
Verteilung der Mückenarten auf den Nord-, Mittel-, Süd-, Ost- und
Westbezirk der Insel gibt das folgende Schema.

Tabelle XI.

Mückenart	Nord-  bezirk	Mittel-  bezirk	Süd-  bezirk	Ost-  bezirk	West-  bezirk
A. sinensis . . .	+	+	+	+	+
A. Eistoni . . .	+	4-	+	+	—
A. punctulatus .	+	+	+	+	—
A. Rossi ....	—	-b	+	+	—
A. sp. aus Taitö .	—	—	+	+	—
A. maculatus . .	—	+	+	+	—
A. fuliginosus . .	+	+	+	+	—

(-)- positives, — negatives Vorkommen)

Die meisten Anophelenarten finden sich also im Süd-, Ost- und
Mittelbezirk. Im Westbezirk, d. h. auf den Pescadorinseln, gibt es
nur eine einzige Art (A. sinensis). Der Menge nach kommen die
Anophelen am reichlichsten in Süd- und Ostformosa vor; hier ist die
Malaria sehr intensiv und sehr gefürchtet. Die wichtigen Unter-
suchungen von Kinoshita, Miyajima und anderen beschäftigten sich
mit den Beziehungen zwischen bestimmten Anophelenarten und
den Plasmodien, d. h. den Fieberarten. Sowie man weiß, welche
Anophelen in einem Orte Vorkommen, weiß man auch, welche Arten
der Malaria dort möglich sind. Folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse
der Blutsaugexperimente von Kinoshita, Miyajima u. a.
        <pb n="157" />
        ﻿152

Tabelle XII.

	Tertia n- parasiten	Quartan-  parasiten	Tropica-  parasiten
A. sinensis . .	-f- (Kinoshita, Miyajima)	-j- (Kinoshita)	— (Kinoshita, Miyajima)
A. Eistoni . .	— (Kinoshita, Miyajima)		+ (Kinoshita, Miyajima)
A. punctulatus			+ (Kinoshita)
A. Rossii . . .	-J- (Tsuzuki)  — (Kinoshita)		— (Kinoshita)

+ positive, — negative Ergebnisse; bedeutet nicht untersucht)

8.	Das Schwarzwasserfieber.

Es gibt Orte, wo das Schwarzwasserfieber mit Vorliebe auftritt,
so in Karenkö, Gozenjö, Bokushikaku, Seikoö (sämtlich im Osten),
Hözan, Akö (im Süden) usw. Es kommt ferner am häufigsten bei
Japanern, seltener bei Formosachinesen und fast niemals bei For-
mosawilden vor; zumeist werden Männer in den besten Jahren
davon befallen. Die direkte Veranlassung zu der Krankheit scheint
Mißbrauch von Chinin bei chronischen Malariafällen zu sein. Ein-
mal kam es vor, daß ein Japaner zwei Monate nach seiner Ankunft
in Formosa von der Malaria und schon nach weiteren zwei Monaten
vom Schwarzwasserfieber heimgesucht wurde; das ist aber eine
Seltenheit. [ Die Prognose ist bei dem Schwarzwasserfieber im all-
gemeinen sehr schlecht, doch nahm, nachdem man genügend Er-
fahrung gesammelt hatte, die Sterblichkeit in den letzten Jahren
sehr stark ab. Nach den für das Jahr 1910 von den Regierungs-
hospitälern und von den Kö-i erstatteten Berichten sind in diesem
Jahre im ganzen 49 Fälle zu verzeichnen gewesen, und zwar 47 bei
Japanern (42 bei männlichen, 5 bei weiblichen Personen) und 2 bei
Chinesen (bei männlichen Personen). 41 Patienten wurden geheilt,
8 sind gestorben.
        <pb n="158" />
        ﻿153

II.	Die Bekämpfung der Malaria,

l.	Assanierung.

Die Assanierung der Städte und Dörfer ist ungemein wichtig;
sie ist bei einer auf dauernde Erfolge ausgehenden Bekämpfung
der Malaria das wirksamste Mittel und wird daher vom General-
gouvernement systematisch angestrebt.

2.	Maßregeln gegen die Muskitos bei den Schutztruppen.

Da die japanischen Schutztruppen in den ersten Jahren viel
unter Malaria zu leiden hatten, so ordnete Baron Koike, der da-
malige Generalstabsarzt im Kriegsministerium zu Tokio, nachdem er
Formosa besichtigt hatte, im Jahre 1901 an, bei der Schutztruppe
in Kilung versuchsweise gewisse Antimuskitomaßregeln anzuwenden.
Die Türen und Fenster der Kaserne wurden mit Drahtnetz über-
spannt, und die auf Nachtwache stehenden Mannschaften mußten
eine Maske aus Netzgewebe und dicke Handschuhe tragen. Da der
Versuch glänzenden Erfolg hatte, so wurden in Taihoku, Taichu und
Tainan ebenfalls neue Kasernen mit Schutzvorrichtungen gegen
die Mücken erbaut. Voraussetzung zum erfolgreichen Gebrauch
solcher muskitofester Wohnungen ist freilich gute Disziplin.
Tabelle XIII zeigt die unter den Soldaten in den Jahren 1897 bis
1909 durch die Malaria verursachten Erkrankungen und Todesfälle.

3.	Prophylaktische Maßnahmen in Kösenpo (Distrikt Akö).

Die Kampfergesellschaft in Kösenpo hat unter den oben ge-
schilderten Umständen den Kampf gegen die Malaria aufgenommen.
Dr. Kinoshita, der die I.eitung hierbei übernahm, hat, um die Ende-
mizität festzustellen, im April 1907 bei den Bewohnern von Kösenpo
eine Blutuntersuchung vorgenommen und seit dieser Zeit alle Plas-
modienträger sowie sämtliche Malariakranke systematisch behandelt.
Seit Juli desselben Jahres wurde bei allen Angestellten und Arbeitern
der Gesellschaft und bei allen, die sonst mit ihr in Zusammenhang
standen, sowie auch bei den Einwohnern von Kösenpo, im ganzen
bei etwa 3500 Personen, Kochs Chininprophylaxis in Anwendung
gebracht. Die Zahl der Erkrankungs- und Todesfälle vor und nach
der Bekämpfung konnte nur bei den Japanern hinreichend genau
festgestellt werden; vergl. Tabelle XIV.
        <pb n="159" />
        ﻿154

Da die Prophylaxis sich glänzend bewährte, so wurde sie in
anderen Malariagegenden ebenfalls befolgt, z. B. in Taitö, Karenkö,
Gozenjö, Bokusekikaku; ferner wurde sie bei verschiedenen Expe-
ditionen durchgeführt, auch da mit Erfolg.

Tabelle XIII.

	Jahr	Erkrankungen (%o)	Todesfälle (°/00)	
	1897	2724,3	17,3	
	1898	2493,9	19,3	
	1899	2351,6	23,9	
	1900	2345,5	20,7	
	1901	1768,2	11,5	
	1902	1142,7	7,1	
	1903	460,8	1,7	
	1904	213,8	1,1	
	1905	145,0	3,1	
	1906	280,31)	2,1	
	1907	528,1	2,1	
	1908	498,3	1,3	
	1909	599,9	2,2	

4.	Die Malariabekämpfung in Hokuto (Distrikt Taihoku).

Hokuto, ein 10 km nördlich von Taihoku gelegener Badeort,
galt als stark malariaverdächtig. Der eigentliche Badeort (Bezirk A)
hat eine gemischte Bevölkerung, bestehend aus etwa 100 Ja-
panern und etwa 300 Formosachinesen; das Dorf Hokuto selbst
(Bezirk B), das von dem Badeort durch ein saures, seinen Ursprung
den Mineralquellen verdankendes Bächlein getrennt ist, hat etwa
1300 Einwohner chinesischer Abstammung.

*) Die scheinbare Vermehrung der Erkrankungsziffer seit 1906 ist darauf
zurückzuführen, daß von da an auch leichtere Fälle, die zum Dienst nicht
untauglich machen, mitgezählt sind. Im übrigen werden die Schwankungen
auch durch Strafexpeditionen gegen die Wilden, Feldübungen u. dgl. bedingt.
        <pb n="160" />
        ﻿155

Tabelle XIV.

Monat		Zahl der  J apaner	Erkran- kungen an Malaria	Todes- fälle an Malaria	Von 1000  J apanern erkrankten	Von 1000  J apanern starben
1906						
Januar. . .		314	unbekannt	unbekannt	unbekannt	unbekannt
Februar .		211	56	l	265,4	4,0
März			387	105	l	277,7	2,6
April			502	165	l	328,6	2,0
Mai			741	256	2	345,4	2,7
Juni 			754	394	1	522,5	1,3
Juli			836	408	7	488,0	8,3
August...		1006	593	9	580,4	8,9
September		984	503	12	511,1	12,2
Oktober .		1094	659	6	601,4	5,5
November		1229	579	14	411,1	11,4
Dezember		1364	496	5	363,6	3,7
1907						
J anuar. ..		1494	329	1	220,2	0,6
Februar .		1435	244	1	170,3	0,7
März ....		1508	172	3	114,0	2,0
April ....		1626	220	0	115,3	—
Mai			1708	243	1	200,8	0,4
Juni ....		1806	274	2	151,7	1,1
Juli			1487	208	1	139,8	0,6
August...	ob'	1588	141	2	88,7	1,2
September	3	1604	76	1	47,3	0,6
Oktober .	cT	1625	46	1	28,9	0,6
November	p  r-t-  o&gt;	1668	75	2	44,7	1,1
Dezember		1665	116	2	67,8	1,1
1908  Januar. . .	3  &amp;  5'	1669	102	0	61,1	
Februar..	er	1668	60	1	35,4	0,6
März ....	p  'Ö	1675	44	0	36,2	—
April ....	o	1674	58	0	34,6	—
Mai		£T	1883	92	0	48,0	—
Juni ....		1918	127	0	66,2	—
Juli		3	1898	169	0	89,0	—
August. . .	3  3	1933	152	0	80,0	—
September	3  &amp;	1949	168	2	86,2	1,0
Oktober .	3  crq	1829	183	2	100,0	1,1
November		1282	169	3	132,0	2,2
Dezember		1258	143	1	114,4	0,8
        <pb n="161" />
        ﻿156

Tabelle XV.

Perioden	Be-  zirk	Volksstamm	Zahl der Unter- suchten	Plasmodien-  träger		Malariafälle	
				absol.	relativ	absol.	relativ
V oruntersuchung	A{	J apaner Formosachin.	124  277	2  11	1,63  3,98	nicht	
(26. bis 29. Juni				16		fest-	
1910)	B	Formosachin.	778		2,08	gestellt	
		Zusammen	1179	29	2,46		
I. Unter-	A!	J apaner	105	2	1,90	14	13,33
suchungsperiode		Formosachin.	263	23	8,74	5	1,90
(23. Juli bis	B	Formosachin.	145	12	8,27	7	0,58
15. August 1910)		Zusammen	513	37	7,21	26	5,07
II. Unter-	A{	J apaner	115	1	0,87	6	4,85
suchungsperiode		Formosachin.	276	9	3,26	2	0,71
(16. August bis	B	Formosachin.	1019	14	1,37	2	0,16
8. Sept. 1910)		Zusammen	1410	24	1,70	10	0,71
III. Unter-	A i	J apaner	102	0	—	1	0,89
suchungsperiode	A I	P'ormosachin.	286	6	2,09	0	—
(9. Sept. bis	B	Formosachin.	1179	2	0,17	1	0,08
2. Oktober 1910)		Zusammen	1567	8	0,51	2	0,13
IV. Unter-	A{	J apaner	81	0	—	1	1,23
suchungsperiode		Formosachin.	279	2	0,72	0	—
(3. bis 26. Ok-	B	Formosachin.	1184	9	0,75	1	0,08
tober 1910)		Zusammen	1544	11	0,71	2	0,13
V. Untersuchung (27. bis 30. Ok-	A{	J apaner Formosachin.	91  278	0  3	1,08	0  1	0,36
tober 1910)	B	Formosachin.	1177	8	0,68	1	0,08
		Zusammen	1546	11	0,71	2	0,13

Nachdem im Juni 1910 die Endemizität durch Blutuntersuchung
festgestellt worden war, begann man im Juli den Kampf gegen die
Malaria. Man führte ihn durch Assanierungsmaßnahmen, vor allem
aber durch systematische Behandlung der Plasmodienträger und
Malariakranken. Diese wurden nach Nocht etwa 60 Tage lang mit
        <pb n="162" />
        ﻿157

Chinin behandelt. Die Kinder bekamen statt Chinin Euchinin.
Denjenigen Individuen, die starke Milzvergrößerung aufwiesen,
wurden je nach Bedarf 2 oder 3 Monate lang Esanophelespillen
gegeben. Die Blutuntersuchungen wurden in der Zeit von Juli
bis Oktober aller 25 Tage wiederholt, insgesamt also fünfmal vor-
genommen. Im ganzen wurden während dieser Zeit 120 Plasmodien-
träger und 42 Malariafälle gezählt. Die Blutuntersuchung wird noch
weiter fortgesetzt.

Die Ergebnisse dieser Malariabekämpfung in Hokuto, die unter
Eeitung von Dr. Hatori ausgeführt wurde, veranschaulicht Tabelle XV.

5.	Oie Malariabekämpfung in der Zukunft.

Von der Wichtigkeit der Sache überzeugt und zugleich durch die
günstigen Erfolge ermutigt, hat das Generalgouvernement be-
schlossen, mit dem Rechnungsjahre 1911—1912 die Malariaprophy-
laxis im großen Maßstabe anzuwenden. In Betracht kommen
dabei zunächst die Orte Karenkö, Bokusekikaku, Seikoö und Taitö
(sämtlich im Osten), Hözan und Akö (im Süden), Chikutöki (in
Mittelformosa) und Hokuto (im Norden). So dürfen wir hoffen,
Formosa in einigen Jahren gegen das epidemische Auftreten der
Malaria gesichert zu haben.
        <pb n="163" />
        ﻿19.	Über einige endemische Krankheiten.

1. Lungendistomenkrankheit (Paragonimiasis).

Diese durch Paragonimus Westermanni Kerbert (Distoma pul-
monale Balz) verursachte Krankheit wurde zum ersten Male
beim Menschen festgestellt im Jahre 1879 durch Dr. Ringer
und zwar in Tamsui (Nordformosa). In der nördlichen Hälfte der
Insel findet man sie fast überall, ab und zu auch bei Japanern.
Am häufigsten kommt sie in und bei Jukirin, Nanshö und Shinchiku
im Distrikt Shinchiku sowie in und bei Shinkö und Oshöshü im Di-
strikt Taihoku vor. Diese Ortschaften liegen meist an Bächen. Die
Krankheit scheint auch unter den in den nördlichen Gebirgen
wohnenden Wilden zu herrschen, doch läßt sich näheres darüber zur-
zeit nicht angeben.

Unter den im Jahre 1909 im Regierungshospital zu Shinchiku
behandelten 1701 Kranken waren 482 Personen mit Erkrankungen
der Atmungsorgane und unter diesen 120 Rungendistomenkranke.
Diese machten also ein Viertel aller Kranken mit Störungen der
Atmungsorgane aus. Dr. Matsuo von demselben Hospital fand unter
689 Einwohnern von Shinchiku 10,74 % (74) mit Distomeneiern
behaftet. Ferner wurden im Oktober 1910 bei 25 von den 104 im
Alter von 7—20 Jahren stehenden formosachinesischen Schülern
der Volksschule zu Nanshö durch Sputumuntersuchung Distomen-
eier festgestellt. Um die Verbreitung dieser Krankheit unter Tieren
nachzuweisen, hat Dr. Kubo von der medizinischen Schule zu Taihoku
mehrere herrenlose Hunde, die zu anderen Zwecken getötet worden
waren, genau untersucht und dabei gefunden, daß in Sinchiku
3 von 7, in Nanshö 3 von 5, in Jukirin sogar alle 6 untersuchten
Tiere mit Parasiten behaftet waren.

2.	Anchylostomiasis.

Diese durch Anchylostomum duodenale Dubini verursachte
Krankheit ist auf Formosa überall verbreitet. Besonders häufig
        <pb n="164" />
        ﻿159

werden Bauern davon befallen. Die auf der Insel so häufige Anämie
wird zum größten Teile durch Malaria und Anchylostomiasis bedingt.
Die Zahl der in den letzten fünf Jahren in den beiden Hospi-
tälern zu Taihoku — in dem Regierungshospital und in dem Hospital
vom Roten Kreuz — behandelten Kranken betrug im ganzen
692: 66 Japaner (45 männliche und 21 weibliche) und 626 Formosa-
chinesen (616 männliche und 10 weibliche).

3.	Kropf (Struma).

Die Verbreitung dieser Krankheit auf Formosa ist durch Prof.
Dr. J. Nagano vom Regierungshospital zu Taihoku genau studiert
worden. Nach ihm gab es im Jahre 1910 im ganzen 4896 Kropf-
kranke auf der Insel. Diese Zahl, die in Wirklichkeit wahrscheinlich
noch höher ist, verteilt sich auf die einzelnen Distrikte wie folgt:

Distrikt	Männer	Frauen	Zusammen
Taihoku		19	71	90
Kilung		2	1	3
Shinkö		4	3	7
Giran		2	54	56
Töyen 		20	92	112
Shinchiku und Byörizu . .	112	375	487
Taichu		133	652	785
Nanto		134	487	621
Shöka 		60	427	487
Toroku 		139	553	692
Kagi		64	262	326
Yensuikö		5	10	15
Tainan					4	4
Hözan		1	6	7
Akö		125	517	642
Banshoryö		15	93	108
Köshun		1	10	11
Taitö 		142	298	440
Höko		2	1	3
Zusammen		980	3916	4896
        <pb n="165" />
        ﻿160

Die Krankheit scheint in gewisser Beziehung zu den Flüssen
zu stehen; sie kommt nämlich am häufigsten an Flußufern vor.
Diese Tatsache zeigt sich besonders deutlich bei dem Dakusui. Der

Kretin (formosachinesischer Knabe aus dem Distrikt Nanto)
        <pb n="166" />
        ﻿161

Lauf dieses Flusses hat eine bedeutende Länge. Seine Ufer sind bis
tief in das Innere hinein bewohnt. Im allgemeinen nehmen hier die
Krankheitsfälle zu, je weiter die Ansiedlungen stromaufwärts liegen.

Kretinen (Vater und seine beiden Kinder; Wilde aus dem Distrikt Nanto)
Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.	11
        <pb n="167" />
        ﻿— 162 —

So sind die Wilden, die ganz oben an dem hier Gundai genannten
Flusse wohnen, bis zu 50 vom Hundert mit Struma behaftet.

Frauen werden viel öfter (80%) von dieser Krankheit befallen
als Männer (20 %). Nach dem Alter gestalteten sich die Fälle
folgendermaßen. Von den 4896 Kranken standen

650 im Alter bis zu 10 Jahren,

508 im Alter von 11—15 Jahren,

990 im Alter von 16—20 Jahren,

1166 im Alter von 21—30 Jahren,

944 im Alter von mehr als 30 Jahren.

Bei 638 war das Alter nicht zu ermitteln.

Die Kranken sind dem Berufe nach zum allergrößten Teile
Bauern, was nach den lokalen Verhältnissen auch nicht anders zu
erwarten ist. Welche Rolle die Erblichkeit bei der Kropfkrankheit
spielt, ist noch nicht geklärt. Erhebungen, die in einem Teile des
Distrikts Nanto über 154 Kranke angestellt wurden, ergaben, daß
bei 106 erbliche Belastung vorlag und bei 48 nicht.

1.	Die 106 erblich Belasteten zerfielen in drei Gruppen.

a)	Zu der ersten Gruppe gehören alle die, deren Familie Gene-
rationen hindurch in einer Kropfgegend gewohnt und schon mehrere
Generationen hindurch an Kropfkrankheit gelitten hat. Ihre Zahl
beträgt 55.

b)	Mehrere Jahre nach Übersiedlung in eine kropffreie Gegend
sind erkrankt 11.

c)	Die dritte Gruppe besteht aus denjenigen erblich Belasteten,
die in einem Kropforte geboren und nach Übersiedlung in einen
anderen Kropfort erkrankt sind. Von solchen fanden sich 40.

2.	Die 48 erblich nicht Belasteten sind in zwei Gruppen zu
scheiden.

a)	Die eine Gruppe setzt sich aus solchen zusammen, deren
Familie Generationen hindurch in einer Kropfgegend gewohnt hat
und die in einem Kropforte geboren sind. Hierher gehören 27.

b)	Zu der anderen Gruppe zählen alle die, deren Familie nicht
aus einer Kropfgegend stammt und die nicht in einem Kropforte
geboren, sondern erst nach Übersiedlung in einen Kropfort er-
krankt sind. Es sind 21.
        <pb n="168" />
        ﻿
        <pb n="169" />
        ﻿164

Da sich, wie betont, die Krankheit meist an Flußufern findet,
das Trinkwasser der Kropforte aber entweder unmittelbar aus den
Flüssen oder aber aus nahe an den Flüssen gelegenen Flachbrunnen
genommen wird, so wird man zu der Vermutung geführt, daß ihre
Ursache in dem Trinkwasser zu suchen ist. Man hat z. B. auch be-
obachtet, daß längs eines gewissen Baches, der einem bestimmten
Flusse zuströmt, viele Erkrankungen vorkamen, während an einem
anderen Bache, der unweit von dem ersten Bache fließt und in den-
selben Fluß mündet, gar keine Erkrankungen auftraten. Nach Prof.
Dr. Kishi, der früher auf Formosa tätig war, soll schwache Bindungs-
fähigkeit des Wassers zu Jod ein charakteristisches Merkmal des
sogenannten Kropfwassers sein.

Der auf Formosa vor kommende Kropf ist in den allermeisten
Fällen Struma parenchymatosa; in weitem Abstande folgt sodann
Struma fibrinosa; Struma cystosa und Struma vasculosa sind äußerst
selten. —

Kretinen gibt es in den Kropfgegenden, besonders in den Ge-
birgen des Distrikts Nanto. Eine Expedition, die im Januar 1910
von dem Generalgouvernement entsandt wurde und bei der sich
Prof. Kure von der Universität Tokio und Prof. Nagano von dem
Regierungshospital zu Taihoku befanden, hat das Gundai-Gebirge
(3200 m) überstiegen und sich in das als Kretinenort bekannte
Wildendorf Motzu-sha begeben. Hier hat sie zahlreiche Kretinen
untersucht und interessante Forschungsergebnisse mitgebracht.
        <pb n="170" />
        ﻿20.	Das Opium.

Das Opiumrauchen ist in Formosa seit Jahrhunderten ein-
gebürgert. Es dient nicht nur zur Befriedigung krank-
hafter Gelüste schlechthin, sondern es wird auch bei
manchen Krankheiten, weil ihm die abergläubischen Formosachinesen
wunderbare Heilkraft zuschreiben, anstatt der Medizin zur augen-
blicklichen Linderung der Schmerzen benutzt. Es geschieht dies
natürlich besonders dann, wenn irgend ein Familienmitglied jenem
Laster frönt. Eine weitere Ursache für die Verbreitung des Opium-
rauchens lag in der Sitte, bei Besuchen Opium aus Gründen der
Gastfreundschaft anzubieten.

Es ist stets schwer, einem Volke ein Genußmittel, auch wenn es
noch so schädlich ist, abzugewöhnen. Und es wäre auch ebenso
gefährlich als erfolglos gewesen, das mit Anschauung und Sitte der
Formosachinesen so eng verwachsene Opiumrauchen gewaltsam und
plötzlich zu unterdrücken; vielmehr mußte man sich bestreben, den
Opiumgenuß auf die bisherigen Konsumenten zu beschränken und
dafür zu sorgen, daß das Laster mit diesen aussterben werde, darüber
hinaus aber auf jeden Fall den Versuch einer allmählichen Auf-
klärung und Heilung machen. Zu den Maßnahmen, die man im
Sinne des ersten Zieles ergriff, sind die Grundlagen in dem Opium-
gesetz vom Januar 1897 gelegt worden. Die zugehörigen Aus-
führungsbestimmungen wurden im März desselben Jahres erlassen.
Da jedoch das Gesetz wegen der auf der Insel herrschenden Unruhen
nicht überall gleichzeitig durchgeführt werden konnte, hat man es
zunächst nur in der Hauptstadt Taihoku und erst nach und nach
in den anderen Städten sowie auf dem platten Lande in Kraft
gesetzt; seit Dezember 1897 ist es auf der ganzen Insel in Geltung.
Durch dieses Gesetz wurde die Verarbeitung des Rohopiums zu
Tschandu, d. h. zu rauchbarem Opium, zum Staatsmonopol erhoben.
Demgemäß wurde Privaten Einfuhr und Verarbeitung von Opium
streng verboten und die gesamte Tschanduproduktion der pharma-
        <pb n="171" />
        ﻿166

zeutischen Anstalt überwiesen, an deren Stelle dann die Opium-
pastenfabrik des Monopolamts trat. Es werden durch das Monopol-
amt drei Sorten Tschandu von verschiedener Güte hergestellt. Zur
ersten Sorte wird indisches, zur zweiten und dritten Sorte haupt-
sächlich persisches und chinesisches Opium verwendet. Die folgende
Tabelle zeigt, welche Quantitäten während der Geltung des Gesetzes
verkauft und welche Summen dafür vereinnahmt wurden.

Jahr	Verkaufte Mengen in kg				Gesamtpreis
	1. Sorte	2. Sorte	3. Sorte	zusammen	in Yen
1897	1 014	7 331	42 845	51 190	930 314,955
1898	2 370	23 051	134 102	159 523	3 434 775,539
1899	3 047	43 584	151 242	197 873	4 480 122,397
1900	11 194	51 160	138 573	200 927	4 673 868,092
1901	17 876	24 088	95 528	137 492	3 542 951,830
1902	22 881	10 919	92 894	126 694	3 191 762,667
1903	41 862	2 222	95 146	139 230	3 730 923,469
1904	54 106	166	93 247	147 519	4 129 900,516
1905	66 965	65	90 834	157 864	4 627 786,275
1906	84 126	49	70 914	155 089	4 914 741,648
1907	95 639	1	45 482	141 122	4 852 889,613
1908	107 527	—	35 483	143 010	5 126 342,114
1909	102 115	—	45 865	147 980	5 123 130,831

Wie die Herstellung, so wurde auch der Vertrieb des Tschandu
von dem Monopolamt übernommen. Das Monopolamt versendet das
Tschandu an die Distriktämter, und diese liefern den erforderlichen
Bedarf unter Gewährung von gewissem Rabatt an vertragsmäßig
verpflichtete formosachinesische Zwischenhändler, die dann ihrerseits
das Tschandu zu festen Tarifsätzen an bestimmte formosachinesische
Wiederverkäufer zum Kleinhandel weitergeben. Man hat aber nicht
nur den Opiumhandel, sondern auch die Haltung von Opiumhöhlen
sowie Herstellung und Vertrieb von Opiumrauchzeug von staatlicher
Konzession abhängig gemacht. Konzessioniert waren Ende 1909
insgesamt 1032 Personen, und zwar:
        <pb n="172" />
        ﻿167

für Wiederverkauf	von	Tschandu..................... 886,

für Herstellung und zugleich für Vertrieb von Opiumrauch-
zeug ...........................................32,

für Wiederverkauf	von	Opiumrauchzeug.................37,

für Haltung von Opiumhöhlen..........................73,

für Großhandel mit gepulvertem Opium zu Arzneizwecken .	2.1)

Vor allem wird natürlich der Konsum an Tschandu überwacht.
Es wurde in dem Opiumgesetz angeordnet, daß zum Opiumrauchen
eine besondere Erlaubnis eingeholt werden müsse. Ursprünglich
sollten alle gewohnheitsmäßigen Opiumraucher im Laufe von fünf
Monaten mit einem Erlaubnisschein versehen und in eine Liste ein-
getragen sein. Da aber die Verhältnisse auf Formosa noch nicht ge-
hörig geordnet waren und auch noch keine vollkommene Ruhe im
Volke herrschte, so zog sich die Feststellung der Opiumraucher etwas
in die Länge, so daß sie erst im September 1900 ihren Abschluß
fand. In Zukunft sollte niemand mehr zum Opiumrauchen zuge-

*) Opium zu Arzneizwecken darf nur von Apothekern und Drogen-
händlern verkauft werden

Die Fabriken des Monopolamts
        <pb n="173" />
        ﻿168

Das Innere der Opiumfabrik des Monopolamts

lassen werden, es sei denn, daß ein gewohnheitsmäßiger Opium-
raucher seinerzeit aus irgend welchen Gründen nicht in die Liste auf-
genommen worden war. Auf diese Weise, hoffte man, werde sich das
Opiumrauchen nicht über die bisherigen Raucher hinaus verbreiten.
Gänzlich freilich konnte man dies infolge der oben angedeuteten
Sitten und Gewohnheiten nicht verhindern. Da es sich herausstellte,
daß im Laufe der Zeit unvermerkt ziemlich viele Individuen von
jenem Laster angesteckt worden waren, so wurden zweimal, in den
Jahren 1904 und 1908, außerordentliche Verfügungen erlassen und
den inzwischen neu festgestellten Opiumrauchern die Raucherlaubnis
erteilt. Zu gleicher Zeit wurden die Ausführungsbestimmungen zum
Opiumgesetz mit Rücksicht auf die seither zutage getretenen
Mängel einer Revision unterworfen: es sollte für einen jeden Raucher
die täglich zulässige Dosis festgesetzt, Einkauf und Besitz von Dosen
für mehr als zwei Tage verboten und den Kleinhändlern vorge-
schrieben werden, das jemals gekaufte Quantum sowie das Datum
des Einkaufs in ein dem Konsumenten abzuverlangendes, behördlich
gestempeltes Buch einzutragen.
        <pb n="174" />
        ﻿169

Die erwähnten Verhältnisse und Maßregeln brachten es selbst-
verständlich mit sich, daß die Zahl der in der Diste geführten Opium-
raucher ziemlich beweglich war. In der Zeit von der Einführung des
Opiumgesetzes bis zum Jahre 1900 wuchs sie begreiflicherweise be-
ständig, weil eben immer neue Raucher zugeschrieben wurden. Nach
Abschluß der Liste im September 1900, wo sie 169 064 betragen
hatte1), verminderte sie sich jährlich um 7000—8000. Dann ging
sie natürlich in den beiden Jahren 1904 und 1908 wieder in die Höhe.
Im ganzen jedoch betrug sie Ende 1909 59 109 weniger als zur Zeit
des Listenabschlusses. Hierzu vergleiche man die folgende Tabelle.

Die mit Erlaubnis ausgestatteten Opiumraucher.

Am Ende des Jahres	Zahl  der opium- rauchenden  Männer	Zahl  der opium- rauchenden  Frauen	Zusammen	Auf 100  Einwohner  entfielen  Opium-  raucher	Zu- und  Abnahme der Opiumraucher
1897	47 688	2 909	50 597	2,09	
1898	88 486	6 963	95 449	3,64	+ 44 852
1899	121 602	9 360	130 962	4,97	+ 35 513
Sept. 1900	155 975	13 089	169 064	6,30	+ 38 102
1900	152 950	12 802	165 752	6,18	— 3 312
1901	145 267	12 352	157 619	5,66	— 8 133
1902	130 149	13 343	143 492	5,04	— 14 127
1903	119 959	12 944	132 903	4,53	— 10 589
Sept. 1904	113 434	12 431	125 915	4,26	■ 6 988
1904	123 228	14 724	137 952	4,69	+ 12 037
1905	115 462	15 014	130 476	4,21	— 7 476
1906	107 199	14 131	121 330	4,01	— 9 146
1907	99 883	13 282	113 165	3,72	— 8 165
1908	105 019	14 972	119 991	3,86	+ 6 826
1909	96 032	13 923	109 955	3,52	— 10 036

*) vor dem Inkrafttreten des Gesetzes hatte man auf Grund eingehender
Erhebungen festgestellt, daß die Einfuhr an Rohopium im Durchschnitt
400000 Kin (240602 kg) betrage, und unter der Annahme, daß jeder Raucher
täglich 1 Momme (3,75 g) konsumiere, die Zahl der Opiumraucher auf 170 bis
180000 geschätzt
        <pb n="175" />
        ﻿170

Eine besondere Stellung hatte man den chinesischen Untertanen
gegenüber eingenommen. Es war ihnen in der ersten Zeit der japa-
nischen Herrschaft das Opiumrauchen streng verboten. Erst im Jahre
1904, nachdem die Regelung des Opiumkonsums Wurzel gefaßt hatte
und nicht mehr zu befürchten war, daß sie durch die Zulassung der
chinesischen Untertanen zum Opiumrauchen beeinträchtigt werden
würde, beschloß man, ihnen vom Januar 1905 ab jemals auf ein Jahr
die Raucherlaubnis zu erteilen, jedoch unter der Bedingung, daß der
Erlaubnisschein auch während der zugestandenen Frist zurück-
gegeben werden müsse, sobald sein Inhaber Formosa verlasse. Diese
Anordnung schien vor allem auch deshalb geboten, weil infolge des
Aufschwungs der Industrie allenthalben lebhafte Nachfrage nach
Arbeitskräften herrschte. Sie war am bequemsten aus den Formosa
gegenüberliegenden südchinesischen Küstengegenden zu decken, aber
das Verbot des Opiumrauchens schreckte die Arbeiter ab. Deshalb
wurde der obige Beschluß zur Ausführung gebracht und zwar aus
begreiflichen Gründen gleichzeitig mit der Veröffentlichung einer
Kontrollordnung für die chinesischen Arbeiter. Hiernach erlangen
jährlich 1000 bis 1500 Arbeiter die Erlaubnis zum Opiumrauchen, im
Jahre 1909 z. B. 1530 Männer und 23 Frauen.

Die Aufsicht über die sämtlichen mit dem Opium in Zusammen-
hang stehenden Einrichtungen und Maßnahmen wurde seit Errichtung
des Zivil Verwaltungsamtes im April 1896 durch das Sanitätsbureau
geführt und ist ständig bei diesem geblieben; bei den Distrikt-
ämtern wurden die Opiumsachen von Anfang an durch die Polizei-
abteilungen erledigt. In Taihoku, Tainan und anderen wichtigeren
Konsumtionsorten wurden eine Anzahl Schutzleute ausschließlich
zur Beaufsichtigung der Opiumraucher bestellt.

Mit diesem maßvoll prohibitiven Vorgehen verbanden sich jedoch
positive Maßregeln. Man klärte nicht nur die Jugend in der Schule
über die mit dem Opiumgenusse verknüpften schweren Schädigungen
auf, sondern ging vor allem auch darauf aus, Individuen, die von
selbst den Wunsch hatten, sich das Opiumrauchen abzugewöhnen,
die Heilung zu ermöglichen. Daher setzte das Generalgouvernement
bei der Kommission für Gesundheitspflege ein besonderes Komitee
ein mit dem Aufträge, ein wirksames Heilverfahren zu erforschen.
Später wurde dieses Arbeitsfeld der Kommission zur Erforschung
        <pb n="176" />
        ﻿171

der endemischen und epidemischen Krankheiten überwiesen. Ferner
wurden die Regierungshospitäler und die Kö-i mit der Durchführung
therapeutischer Versuche beauftragt. Im Hospital zu Taichu wurden
vom Herbst 1903 bis zum Frühjahr 1907 von einem Mitglied der
Kommission zur Erforschung der endemischen und epidemischen
Krankheiten 521 Opiumgewohnheitsraucher behandelt, wovon 89 von
ihrem Raster befreit wurden. Von den Kö-i sind in den Jahren 1900
bis 1909 1825 Personen behandelt worden, davon 563 mit Erfolg.
Freilich befanden sich unter den Geheilten auch viele, die sich aus
Willensschwäche, oder weil das Leiden, das sie durch das Opium-
rauchen hatten mildern wollen, wiederkehrte, dem Tschandu von
neuem zuwandten.

Als Mittel zur Bekämpfung der durch das Opiumrauchen hervor-
gerufenen Schädigungen bewährte sich nach den bisherigen Erfah-
rungen salzsaures Heroin am besten. Neuerdings wird Takasagosö
(Eactuca versicolor Sch. Bisp.), ein auf Formosa wildwachsendes
Kraut, als Gegenmittel versucht. Es scheint bei leichten Fällen von
Wirkung zu sein

Leider zeigt sich hier und da die Unsitte, anstatt Opium zu
rauchen, die noch verderblicheren Opiumpillen und Morphinpräparate
zu benutzen. Es geschah dies besonders auf der Reise und von seiten
der Armen. Als infolge der 1909 in Schanghai abgehaltenen Opium-
konferenz die Preise für das Tschandu stiegen, nahm der Konsum
an Pillen und Morphin zu; sie wurden in ziemlich beträchtlichen
Mengen aus China eingeschmuggelt. Diesem Schmuggel wird jetzt
durch die Zollämter und durch die an der Küste stationierte Polizei
mit großer Aufmerksamkeit entgegengetreten.
        <pb n="177" />
        ﻿21.	Arznei- und Giftpflanzen.1)

I. Liste der Arzneipflanzen.

In dieser Liste sind nicht nur solche Arzneipflanzen, welche in
Arzneibüchern enthalten sind, aufgezählt, sondern auch andere, die
als Volksmittel gebraucht werden.

PHANEROGAMAE.

ANGIOSPERMAE.

DICOTYLEDONES.

Ranunculaceae.

1.	Clematis chinensis Retz.

Magnoliaceae.

2.	Kadsura japonica L.

3.	Magnolia grandiflora L.

Anonaceae.

4.	Anona squamosa L.

5.	Artabotrys odoratissimus R. Br.

Menispermaceae.

6.	Cocculus laurifolius DC.

7.	Cocculus Thunbergii DC.

Berberideae.

8.	Berberis nepalensis Spreng.

9.	Podophyllum pleianthum Ilanee.

Von den Formosacbinesen bei Schlangenbissen gebraucht.

J) die Listen der Arznei- und Giftpflanzen sind unter Zuhilfenahme
von A List of Plants of Formosa by Dr. Takiya Kawakami (Taihoku 1910)
zusammengestellt.
        <pb n="178" />
        ﻿173

Nymphaeaceae.

10.	Euryale ferox Salish.

11.	Nelumbo nucifera Gaertn.

Sowohl der Samen als auch die Staubfäden werden als
Arzneimittel gebraucht, die letzteren besonders als Gegen-
gift, z. B. bei Opiumvergiftung, um durch Erbrechen die
Entfernung des Giftes zu bewirken.

Papaveraceae.

12.	Argemone mexicana L.

13.	Corydalis pallida Pers.

14.	Papaver somniferum L.

Crucifereae.

15.	Brassica juncea Hook, et T.

16.	Rhaphanus sativus L.

Capparideae.

17.	Crataeva religiosa Porst.

18.	Palanisia viscosa DC.

Bixineae.

19.	Bixa orellana L.

Polygaleae.

20.	Polygala japonica Houtt.

Caryophylleae.

21.	Sagina Linnaei Presl. var. maxima Max

22.	Stellaria aquatica Scop.

23.	Stellaria uliginosa L.

Porthulacaceae.

24.	Porthulaca oleracea L.

Hypericineae.

25.	Hypericum cliinense L.

26.	Hypericum japonicum Thunb.

27.	Hypericum patulum Thunb.

28.	Hypericum Sampsoni Hance.

Guttiierae.

29.	Calophyllum inophyllum L.
        <pb n="179" />
        ﻿174

Ternstroemiaceae.

30.	Ternstroemia japonica Thunb.

31.	Thea cliinensis Sims.

Malvaceae.

32.	Abutilon indicum G. Don.

33.	Boinbax malabaricum DC.

34.	Gossypium herbaceum L.

35.	Hibiscus Abelmoschus L.

36.	Hibiscus rosa-sinensis L.

37.	Hibiscus syriacus L.

38.	Hibiscus tiliaceus L.

39.	Malva sylvestris L.

40.	Sida acuta Burm.

41.	Thespesia populnea Corr.

42.	Urena sinuata L.

Sterculiaceae.

43.	Kleinhoriea Hospita L.

44.	Sterculia platanil'olia L.

Zygophylleae.

45.	Tribuius terrestris L.

Geraniaceae.

46.	Averrhoa Carambola L.

47.	Biophytum sentivum DC.

48.	Geranium nepalense Sweet.

49.	Oxalis corniculata L.

Rutaceae.

50.	Citrus aurantium L. var. decumana Bonavia.

51.	Citrus nobilis Lour.

52.	Clausena Wampi Olive.

53.	Murraya exotica L.

54.	Murraya Koenigii Spreng.

Burseraceae.

55.	Canariuin album Raeusch.
        <pb n="180" />
        ﻿175

Meliaceae.

56.	Cedrela sinensis A. Juss.

57.	Melia Azedarach L.

Ilicineae.

58.	Ilex integra Thunb.

Celastrineae.

59.	Celastrus articulatus Thunb.

Rhamnaceae.

60.	Zizyphus jujuba Lam.

61.	Zizyphus vulgaris Lam.

Ampelideae.

62.	Vitis japonica Thunb.

63.	Vitis labrusca L. var. Thunbergii Fr. et Sav.

Sapindaceae.

64.	Euscaphis japonica Pax.

65.	Nephelium Litchi Camb.

66.	Nephelium Longan Camb.

67.	Sapindus Mukurosi Gaertn.

Anacardiaceae.

68.	Mangifera indica L.

69.	Rhns semi-alata Murr.

70.	Rhus succedanea L.

Leguminosae.

71.	Abrus precatorius L.

72.	Acacia Farnensiana Willd.

73.	Arachis hypogaea L.

74.	Caesalpinia Bonducella Flem.

75.	Caesalpinia pulcherrima Sw.

76.	Canavalia ensiformis DC.

77.	Cassia alata L.

78.	Cassia mimosoides L.

79.	Cassia occidentalis L.

80.	Cassia Tora L.

81.	Clitoria Ternatea L.

82.	Desmodium Iaburnifolium DC.
        <pb n="181" />
        ﻿176

83.	Dolichos lablab L.

84.	Entada scandens Benth.

85.	Erytlirina indica Lam.

86.	Indigolera Anil L.

87.	Phaseolus radiatus L. var. typica D. Prain.

88.	Phaseolus Mungo L.

89.	Pongamia glabra Vent.

90.	Pterocarpus indicus Willd.

91.	Pueraria Thunbcrgiana Benth.

92.	Khynchosia volubilis Lour.

93.	Sopliora flavescens Ait,

94.	Tamarindus indica L.

Rosaceae.

95.	Eriobotrya japonica Lindl.

96.	Potentilla chinensis Ser.

97.	Prunus Mume S. et Z.

98.	Prunus persica S. et Z.

99.	Rosa laevigata Mich.

100.	Rosa multiilora Thunb.

Saxifragaceae.

101.	Deutzia scabra Thunb.

102.	Hydrangea chinensis Max.

103.	Saxilraga sarmentosa L.

Hamamelideae.

104.	Distylium racemosum S. et Z.

105.	Liquidamber forrnosana Hanoe.

Combretaceae.

106.	Quisqualis indica L.

107.	Terminalia Cattapa L.

Myrtaceae.

108.	Eugenia Jambos L.

109.	Psidium Guyava L.

Lythraceae.

110.	Lawsonia inermis L.

111.	Punica granatuni L.
        <pb n="182" />
        ﻿177

Onagrarieae.

112.	Jussiaea suffauticosa L.

Passifloreae.

113.	Carica papaya L.

Cucurbitaceae.

114.	Benincasa cerifera Savi.

115.	Cucumis sativus L.

116.	Luffa cylindrica L.

117.	Momordica cochinchinensis Spr.

118.	Trichosanthes cucumoroides Max.

Umbellifereae.

119.	Bupleurum falcatum L.

120.	Coriandrum sativum L.

121.	Foeniculum vulgare Mill.

122.	Hydrocotyle asiatica L.

123.	Ligusticum acutilobum S. et Z.

124.	Peucedanum decursivum Max.

125.	Peucedanum japonicum Thunb.

126.	Torilis Anthriscus Gmel.

Arariaceae.

127.	Fatsia papyrifera Benth. et Hook.

Caprifoliaceae.

128.	Lonicera japonica Thunb.

129.	Sambucus javanica Bl.

Rubiaceae.

130.	Coffea arabiea L.

131.	Gardenia florida L.

132.	Morinda citrifolia L.

133.	Oldenlandia corymbosa L.

134.	Ourouparia formosana Mats.

135.	Randia dumetorum Lam.

136.	Rubia cordifolia L.

137.	Serissa foetida Comm.

Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.

12
        <pb n="183" />
        ﻿Compositeae.

138.	Artemisia capiilaris Thunb.

139.	Artemisia vulgaris L. var. indica Max.

140.	Bidens bipinnata L.

141.	Blumea balsamifera DC.

142.	Carpecium abrotanoides L.

143.	Chrysanthemum indicum L.

144.	Eelipta alba Hassk.

145.	Eupatorium chinense L. var. tripartium Miq.

146.	Gnaphalium multiceps Wall.

147.	Lactuca brevirostris Champ.

148.	Lactuca debilis Max.

149.	Lactuca denticulata Max.

150.	Lactuca versicolor Sch. Bip.

151.	Petasites tricholobus Franch.

152.	Senecio campestris DC.

153.	Siegesbeckia orientalis L.

154.	Taraxacum offieinale Web.

155.	Xanthium strumarium L.

Campanulaceae.

156.	Adenophora verticellata Fisch, var. linearis Hay.

157.	Lobelia sessilifolia Lamb.

158.	Wahlenbergia gracilis A. DC.

Primulaceae.

159.	Lysimachia japonica Thunb.

160.	Lysimachia leucantlia Miq.

161.	Lysimachia simulans Hemsl.

Von den Formosanern innerlich und äußerlich bei Gift-
schlangenbissen angewandt.

Myrsineae.

162.	Ardisia crenata Sims.

163.	Ardisia hortorum Max.

Oleaeeae.

164.	Jasminum sambac. Ait.

Apoeynaceae.

165.	Plumeria acutifolia Foir.
        <pb n="184" />
        ﻿179

Asclepiadeae.

166.	Cynanchum atrutum Bunge.

167.	Cynanchum formosanum Hemsl.

Gentianaceae.

168.	Gentiana scabride Hay.

169.	Swertia alata Hay.

170.	Swertia randaiensis Hay.

Borragineae.

171.	Cordia Myxa L.

Convolvulaceae.

172.	Ipomaea biloba Forsk.

173.	Ipomaea hederacea Jacq.

174.	Ipomaea Turpethum R. Br.

Solanaceae.

175.	Capsicum anomalum Pr. et Sav.

176.	Capsicum annuum L.

177.	Datura alba Nees.

178.	Lycium chinense Mill.

179.	Nicotiana tabacum L.

Orobanchaceae.

180.	Orobanehe coeruleseens Steph.

Pedalineae.

181.	Sesamum indicum L.

Acanthaceae.

182.	Justicia gendrarussa L.

183.	Justicia procumbens L.

Verbenaceae.

184.	Clerodendron trichotomum Thunb.

185.	Lippia nodiflora Rieh.

186.	Verbena officinalis L.

187.	Vitex Xegundo L.

188.	Vitex trifolia L. var. triloliata Shauer.

189.	Vitex trifolia var. unifoliata Shauer.
        <pb n="185" />
        ﻿180

Labiatae.

190.	Anisomeles ovata R. Br.

191.	Leonurus sibiricus L.

192.	Mentha arvensis L.

198.	Nepela Gleclioma Benth.

194.	Ocimum Basilicum L.

195.	Ocimum sanctum L.

196.	Perilla nankinensis DCne.

197.	Perilla ocymoides L.

198.	Plectranthus Serra Max.

199.	Prunella vulgaris L.

200.	Salvia plectranthoides Griff.

201.	Salvia plebeia R. Br.

Plantagineae.

202.	Plantago inajor L.

Nyctagineae.

208.	Mirabilis jalapa L.

Amarantaceae.

204.	Achyranthes aspera L.

205.	Achyranthes bidentata Bi.

206.	Amarantus spinosus L.

207.	Celosia argentea L.

Chenopodiaceae.

208.	Chenopodiuni ambrosioides L.

209.	Spinacea oleracea L.

Phytolaccaceae.

210.	Phytolacca aeinosa Roxb.

Polygonaceae.

211.	Polygonum barbatum L.

212.	Polygonum multiilorum Thunb.

Aristolochiaceae.

213.	Asarum macranthum Hook. f.
        <pb n="186" />
        ﻿181

Piperaceae.

214.	Houttuynia cordata Thunb.

215.	Piper Betle L.

216.	Piper Futokadzura S. et Z.

Chloranthaceae.

217.	Chloranthus inconspicuus SW.

218.	Chloranthus serratus Koem. et Soli.

Laurineae.

219.	Cassytha filiformis L.

220.	Cinnamomum Camphora Nees. et Ebe.

Thymelaeaceae.

221.	Daphne odora Thunb.

Elaeagnaceae.

222.	Elaeagnus pungens Thunb.

Loranthaceae.

223.	Loranthus Yadoriki Sieb.

Euphorbiaceae.

224.	Aleurites moluccana Willd.

225.	Croton Tiglium L.

226.	Eupliorbia helioseopia L.

227.	Euphorbia humifusa Willd.

228.	Euphorbia pilulifera L.

229.	Phyllanthus Niruri L.

230.	Phyllanthus reticuiatus Poir.

231.	Ricinus communis L.

Urtieaceae.

232.	Ficus carica L.

233.	Humurus japonicus S. et Z.

234.	Morus alba L.

Myricaceae.

235.	Mirica rubra S. et Z.

Casuarineae.

236.	Casuarina equisetifolia Blanes.
        <pb n="187" />
        ﻿182

Salicineae.

237.	Salix Warburgii 0. Seem.

GYMNOSPERMAE.

Coniferae.

238.	Thuja orientalis L.

239.	Cycas revoluta Thunb.

MONOCOTYLEDONES.

Orchidaceae.

240.	Dendrobium graeieaulis Hay.

241.	Goodyera procera Hook.

Scitamineae.

242.	Alpinia nutans Rose.

243.	Alpinia oi'ticinarum Hance.

244.	Curcuma longa L.

245.	Kaempferia rotunda L.

246.	Musa paradisiaca L.

247.	Zingiber offieinale Rose.

Irideae.

248.	Belamacanda punctata Moench.

Dioscoreaceae.

249.	Dioscorea japonica Thunb.

250.	Dioscorea sativa L.

Liliaceae.

251.	Allium odorum L.

252.	Allium scorodoprosum L.

253.	Aloe chinensis Baker.

254.	Asparagus lusidus Lindl.

255.	Smilacina japonica A. Gray.

256.	Smilax China L.

257.	Smilax Oldhami Miq.

258.	Smilax stenopetala A. Gr.

259.	Veratrum nigrum L.
        <pb n="188" />
        ﻿— 183

Palmae.

260.	Areca catechu L.

261.	Cocos nucifera L.

Aroideae.

262.	Acorus gramineus Ait.

263.	Arisaema japonicuin Bl.

Eriocauleae.

264.	Eriocaulon Sieboldianum S. et Z.

Cyperaceae.

265.	Cyperus rotundus L.

Gramineae.

266.	Andropogon Nardus L.

267.	Coix Lachryma-Jobi L.

268.	Imperata arundinacea Cyr. var. Koenigii Hack.

269.	Saccharum offlcinarum L.

CRYPTOGAMIAE.

Lycopodiaceae.

270.	Lycopodium clavatum L.

Polypodiaceae.

271.	Polypodium lineare Thunb.

272.	Pteridium aquilinum Kuhn.
        <pb n="189" />
        ﻿184

II. Liste der Giftpflanzen.

Diese Liste enthält einerseits nur diejenigen Giftpflanzen, die
nicht zu Arzneizwecken gebraucht werden3), anderseits aber auch
solche, die unter Formosachinesen und Formosawilden für giftig
gelten, ohne daß ihre Giftigkeit bis jetzt wissenschaftlich bewiesen ist.

PHANEROGAMAE.

ANGIOSPERMAE.

DICOTYLEDONES.

Ranunculaeeae.

1.	Clematis apiifolia DC.

2.	Clematis Henryi Oliv.

3.	Ranunculus acer L.

Magnoliaceae.

4.	Illicium anisatum L.

Papaveraceae.

5.	Corydalis raeemosa Pers.

Rutaceae.

6.	Skimmia japonica Thunb.

Anacardiaceae.

7.	Rhus Toxicodendron L. var. radicans Miq.

Coriarieae.

8.	Coriaria intermedia Mats.

Leguminosae.

9.	Derris chinensis Benth.* 2)

Umbelliierae.

10.	Angelica kiusiana Max.

3) die zu Arzneizwecken gebrauchten Giftpflanzen sind in der Piste der
Arzneipflanzen aufgeführt

2) vgl. Unterabschnitt III
        <pb n="190" />
        ﻿Compositae.

11.	Seneeio Kaempferi DC.

12.	Sonchus oleraceus L.

13.	Spilanthes Acmella L.

Ericaceae.

14.	Pieris japonica D. Don.

Plumbagineae.

15.	Plumbago zeylonica L.

Auf die Haut appliziert, rufen die zerriebenen Blätter dieser Pflanze
Entzündungserscbeinungen hervor, weshalb sie von den Formosanern
häufig zur Simulation von Schlägen verwendet werden.

Myrsineae.

16.	Maesa Doraena Blume.

Apoeynaeeae.

17.	Jferium odorum Soland.

Loganiaceae.

18.	Buddleia asiatica Lour.

Convolvulaceae.

19.	Ipomaea congesta R. Br.

Solanaceae.

20.	Solanum duleamara L.

21.	Solanum ferox L.

22.	Solanum indicum L.

23.	Solanum nigrum L.

Bignoniaceae.

24.	Tecoma grandiflora Loisel.

Polygonaceae.

25.	Polygonum cuspidatum S. et Z.

Euphorbiaceae.

26.	Aleurites cordata Steud.

27.	Croton Cumingii Muell. Arg.

28.	Euphorbia Tirucalli L.

29.	Excoecaria Agallocha L.

30.	Jatropha curcas L.

31.	Sapium sebiferum Roxb.
        <pb n="191" />
        ﻿186

Urticaceae.

32.	Urtica Tliunbergiana S. et Z.

MONOCOTYLEDONES.

Amaryllideae.

33.	Crinum asiaticum L. var. sinicum Baker.

34.	Narcissus tazetta L.

Aroideae.

35.	Arisaema ringens Schott.
        <pb n="192" />
        ﻿187

III.	HT-ten oder Roh-ten.

HI-ten oder Roh-ten ist die chinesische Bezeichnung für die
Wurzel von Derris chinensis Benth., einer zu den Leguminosen ge-
hörigen Pflanze. Diese Pflanze kommt in den nordwestlichen Teilen
Formosas häufig wild vor; mitunter wird sie auch kultiviert. Die
Formosachinesen und die Formosawilden verwenden das HI-ten zum
Fischfang. Zu diesem Zwecke werden frische Wurzeln gesammelt,
am Flußufer auf einem Steine zerstampft, der herausquellende Milch-
saft in das Flußwasser gegossen und dieses dann umgerührt. Alle
Fische, die sich in der Nähe aufhalten, werden dadurch vergiftet;
betäubt kommen sie an die Oberfläche des Flusses, um nun von den
hierauf Wartenden gefangen zu werden. Manchmal kommt es auch
vor, daß mit dem HI-ten Selbstmord verübt wird.

Im Jahre 1903 fand Prof. K. Nagai, damals Chemiker beim
Monopolamt, in dem Roh-ten einen wirksamen krystallinischen Be-
standteil, dem er den Namen Rotenon gab. Es wurde festgestellt,
daß die chemische Zusammensetzung des Stoffes C,8 H16 05 ist.
Dr. O. Kubo gelangte bei seinen Untersuchungen über das Rotenon
im pharmakologischen Laboratorium der Universität Tokio zu
folgenden Ergebnissen:

1.	Rotenon ist anscheinend der giftige Bestandteil von HI-ten.
Es wirkt giftig auf kaltblütige Tiere wie Frösche, Fische usw., auch
auf Warmblüter wie Mäuse, Kaninchen, Hunde, Menschen usw.

2.	Rotenon übt lokalen Reiz aus. Subkutan eingespritzt, ruft
es an der betreffenden Stelle einen Abszess hervor. Die vomierende
Wirkung bei Menschen, Hunden usw. wird vielleicht infolge der Reiz-
wirkung auf die Nerven der Magenschleimhaut von diesen reflek-
torisch hervorgebracht. Der Durchfall bei Hunden wird ebenfalls
auf lokalen Reiz zurückzuführen sein.

3.	Rotenon wirkt auf verschiedene Nervenzentren, namentlich
auf die Zentren der Krämpfe und der Atmung, erst reizend, dann
lähmend. Die Todesursache liegt stets in der Lähmung der Atmungs-
zentren. Auch die vasomotorischen Nervenzentren werden be-
deutend erregt. Infolgedessen erhöht sich der Blutdruck, und nach
einer gewissen Zeit scheint eine stärkere oder schwächere Lähmung
jener Zentren einzutreten. Es ist ferner nicht ausgeschlossen, daß die
        <pb n="193" />
        ﻿188

oben erwähnte vomierende Wirkung zum Teil durch Reizung der
Brechzentren veranlaßt wird.

4.	Das Herz wird bei Fröschen dergestalt beeinflußt, daß die
Zahl der Herzschläge verringert und die Systole geschwächt wird.
Vielleicht wird dies durch die Verminderung der Erregbarkeit der
Herzmuskeln und der Herzzentren bedingt.

5.	An den Muskeln beobachtet man bei den Fröschen allgemeine
Abnahme der Erregbarkeit; gegenüber gewissen Reizen wird außer-
dem die Muskelarbeit geringer.

Da das Hi-ten giftig ist, hat das Generalgouvernement die
Verwendung zum Fischfang und den Genuß von Fischen, die mittels
dieses Giftes gefangen worden sind, verboten.
        <pb n="194" />
        ﻿Ai i

22.	Giftschlangen und Giftschlangenbisse.

Formosa gehört nach der zoologischen Einteilung der Erde
der indischen oder orientalischen Region an. Die Tier-
arten, die sich auf der Insel finden, sind daher mit denen
in Vorder- und Hinterindien, in Südchina, auf Java, auf Neu-
guinea und auf den Philippinen usw. analog, nicht aber mit denen
Japans. Dasselbe gilt auch von den formosaischen Giftschlangen. Es
sind bisher 13 Arten studiert und beschrieben worden. Nach der
Steinegerschen Einteilung sind es die folgenden.

Klasse: Reptilia.

Ordnung: Squamata.

Unterordnung: Serpentes.

Familie: Crotalidae.

1. Agkistrodon acutus Günther.

2. Trimeresurus gramineus Shaw.

3.	Trimeresurus mucrosquamatus Cantor.

4.	Trimeresurus flavoviridis Hall.

Familie: Elapidae.

Unterfamilie: Elapinae.

5.	Calliophis macclellandi Rein.

6.	Bungarus multicinctus Blyth.

7.	Naja naja atra Cantor.

Unterfamilie: Hydrinae.

8.	Uaticaudata laticaudata L.

9.	Laticaudata semifasciata Rein.

10.	Disteira melanocephala Gray.

11.	Disteira Godoffroyi Peters.

12.	Hydrus platurus L-
Familie: Natricidae.

Unterfamilie: Boiginae.

13.	Psammodynastes pulverulentus Boie.
        <pb n="195" />
        ﻿190

I.	Agkistrodon acutus Günther.

Syn.: Ancistrodon acutus Boul.

Diese Schlange wurde zuerst von Günther, der sie in China ge-
funden hatte, beschrieben; 1903 fand man sie auf Formosa. Sie ist
relativ selten und kommt u. a. in den Gebirgsgegenden der Distrikte
Shinchiku, Giran, Kilung, Nanto und Köshun vor. Der Kopf ist groß
und löffelförmig, der Scheitel mit 9 breiten Schildern bedeckt. Das

Agkistrodon acutus Günther

Schnauzende ragt, wie die Photographie deutlich zeigt, auffallend
nach oben. Zu beiden Seiten des Kopfes sieht man zwischen Auge
und Nase eine jener tiefen Gruben, die für die Crotalidae charakte-
ristisch sind. Der lange und kräftige Giftzahn ist durchbohrt. Der
Leib ist von 21 Reihen gekielter Schuppen bedeckt und zeigt eine
deutliche pyramidenförmige Zeichnung. Der Schwanz ist kurz und
auf der Endhälfte mit hornigen Schuppen bedeckt. Manche Exem-
plare sind sehr dick und über 120 cm lang. Die Giftdrüse enthält
eine große Menge Flüssigkeit, die beim Eintrocknen ca. 74% an
Wasser verliert und in Form von halbdurchsichtigen, grauweißlichen
        <pb n="196" />
        ﻿
        <pb n="197" />
        ﻿192

Schuppen niederfällt. Der Hauptbestandteil des Giftes ist Haemorrha-
gin; Haemolysin und Neurotoxin sind darin nur in geringem Maße
enthalten. Das getrocknete Gift tötet Meerschweinchen im Verhält-
nis von 5 mg pro 1 kg Körpergewicht. In der Regel ruft das Gift
heftige lokale Entzündung und Gewebsnekrose hervor. Der Biß der
Schlange ist selten, aber äußerst gefährlich.

2.	Trimeresurus gramineus Shaw.

Syn.: Tr. viridis, erythrurus usw.

Diese Schlange, Baum- oder Kletterlochotter genannt, lebt auf
den Bäumen und ist in Gebirgsgegenden fast überall anzutreffen.
Sie hat durchschnittlich eine Ränge von 60 cm, wovon auf den
greiffähigen Schwanz ein Fünftel entfällt. Ihr Kopf ist groß, der
Scheitel mit sehr kleinen Schuppen bedeckt, das Supraokularschild
auffallend umfangreich. Der schlanke Reib ist mit 21 Reihen ge-
kielter Schuppen bedeckt; auf jeder Seite zieht sich eine weiße Rinie
von der Schläfe bis zum Schwanz hin. Der Schwanz ist schlank und
am Ende rötlichbraun oder dunkelbräunlich gefärbt, während die
Schlange im übrigen gelblichgrün aussieht. Ihr Gift produziert sie
nur in kleinen Mengen. Es ist hellgelb und fällt beim Eintrocknen
in Gestalt schöner goldgelber Schuppen nieder. Der Biß der Schlange
ist sehr häufig und verursacht heftige Entzündung. Diese geht jedoch
regelmäßig in Heilung über; der Tod tritt äußerst selten ein.

j. Trimer esurus mucrosquamatus Cantor.

Diese Schlange unterscheidet sich von Trimeresurus flavoviridis
der Riukiuinseln, mit dem sie im übrigen viel Ähnlichkeit hat, durch
eigentümliche zickzackförmige, an den Rändern schön goldgelb ge-
säumte Rückenflecke. Der Scheitel des starken Kopfes ist mit
kleinen Schuppen und zwei großen Supraokularschildern bedeckt.
In dem kleinen Oberkiefer sitzt auf beiden Seiten ein langer Gift-
zahn sowie ein Ersatzzahn. Der schlanke Reib ist mit 25—27 Reihen
gekielter Schuppen bekleidet. Die Schlange erreicht nicht selten
eine Ränge von 125 cm und mehr. Der Schwanz ist sehr schlank.
Die in den Giftdrüsen enthaltene Flüssigkeit ist gelblich, reagiert
schwach sauer und zeigt Biuretreaktion; durch Eintrocknen wird
sie zu einer sehr schönen gelblichen kristallinischen Masse. Diese
        <pb n="198" />
        ﻿193

besitzt allerlei Giftbestandteile: Haemagglutinin, Haemolysin,
Neurotoxin und große Mengen von Haemorrhagin. Wird einem
Versuchstier eingetrocknetes Gift subkutan eingespritzt, so erzeugt
es heftige Entzündung und Gewebsnekrose. Die minimale letale
Dosis beträgt bei Meerschweinchen 3 mg pro 1 kg Körpergewicht.
Die Schlange ist in Gebirgsgegenden weit verbreitet; ab und zu
kommt es vor, daß sie nachts in die Wohnungen kriecht und die

Trimeresurus mucrosquamatus Cantor

Bewohner in Aufregung setzt oder gar beißt. Ihr Biß ist sehr ge-
fürchtet, weil die auf ihn folgende Entzündung, unter den heftigsten
Erscheinungen fortschreitend, entweder — unmittelbar oder durch
Abfall der betreffenden Gliedmaßen — den Tod herbeiführt oder
aber schwer heilbare Nekrose hinterläßt.

4- Trimeresurus flavoviridis Hall.

Syn.: T. Riukianus Hil.

Von dieser auf den Riukiuinseln sehr gefürchteten Art hat man
bisher auf Formosa nur zwei Exemplare gefunden über einen Biß
ist noch niemals berichtet worden.

Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.

13
        <pb n="199" />
        ﻿194

Calliophis macclellandi Rein.

5. Calliophis macclellandi Rein.

Es ist dies die sogenannte Maskenschmuckotter. Der schlanke,
zylindrische Eeib ist von auffallender bräunlichroter Farbe und
weist schwarze Querbinden auf. Die Körperlänge beträgt bis zu
60 cm. Die Schlange lebt in den Gebirgsgegenden der Distrikte
Shinchiku, Giran u. a. m. und greift wegen ihrer kleinen Gestalt
niemals Menschen und Haustiere an.

Bungarus raulticinctus Blyth.
        <pb n="200" />
        ﻿195

Naja naj.a atra Cantor

maßen dem der nicht giftigen Schlangen ähnlich; ihr eigentümlich
jedoch ist die bläulichschwarze Färbung des mit etwa 45 weißen
Querbinden versehenen Leibes. Die glatten Schuppen ordnen sich
in 15 Reihen; auf dem Rückenfirst sind sie groß und hexagonal
geformt. Die Giftdrüse ist klein. Das Gift sieht leicht milchig aus und
läßt nach dem Eintrocknen Lamellen zurück. Es ist so stark, daß
es Kaninchen und Meerschweinchen bei 0,1 mg pro 1 kg Körper-

6.	Bungarus multicinctus Blyth.

Syn.: B. semifasciatus,

B. candidus var. multicinctus.

Diese Schlange, von den Formosanern Hoh-soa-tsah genannt,
ist im Flachlande weit verbreitet und wird ab und zu sogar inner-
halb der Stadt Taihoku gefunden. Der kleine ovale Kopf ist einiger-

13*
        <pb n="201" />
        ﻿—- 196

gewicht unfehlbar tötet. Es enthält viel Neurotoxin, ein wenig
Haemolysin und ein minimales Quantum Haemorrhagin. Aus
dieser Zusammensetzung erklärt sich die Tatsache, daß das Bun-
garusgift lokal nur ganz unbedeutende Veränderungen hervorruft,
dagegen auf die motorischen und besonders auf die Atmungszentren
äußerst heftig einwirkt und rasch zum Atemstillstand führt. Der
Biß des Bungarus ist aus diesem Grunde sehr gefährlich und meist
tödlich.

7.	Naja naja atra Cantor.

Syn.: Naja tripudians var. atra Boul.

Die von den Einheimischen Pun-shie-cheng (Reislöffelschlange)
genannte Schlange ist eine Spielart der Cobra de Capelle und be-
sitzt am Halsteil sogenannte Brillen, die durch Heben der vorderen
8 Rippen zur Böffelform erweitert werden. Ihr Reib ist schlank und

Naja naja atra Cantor
        <pb n="202" />
        ﻿197

mit 21 Reihen glatter Schuppen bedeckt, der Bauchteil etwas ab-
geplattet, der hintere Körperteil pyramidenförmig. An dem bräun-
lichschwarzen Leib sieht man eine Anzahl weißer Querbinden. Bei
manchen Exemplaren bemerkt man zwischen je zwei Querbinden
links und rechts je einen weißen Punkt. Die Länge der Schlange
beträgt zuweilen über 130 cm. Die Pun-shie-cheng wird in allen
Gegenden der Insel gefunden, doch ist ihr an sich ungemein ge-
fährlicher Biß ziemlich selten, weil sie ein schneuzendes Geräusch
von sich gibt, wenn sich ihr jemand naht. Beim Drücken der Gift-
drüse erhält man eine große Menge sirupartigen Giftes, das ein
spezifisches Gewicht von 1047 hat. Es fällt beim Eintrocknen als

Disteira Godoffroyi Peters
        <pb n="203" />
        ﻿198

schöne gelbliche kristallinische Masse nieder. Hauptsächlich besteht
es aus Neurotoxin; daneben enthält es Haemolysin und auch Hae-
morrhagin. Die minimale letale Dosis für Kaninchen ist 0,2 mg
pro 1 kg Körpergewicht. Dieses Gift wirkt also weniger heftig als
das des Bungarus, fließt aber in derartig reichlicher Menge, daß man
bereits nach einmaligem Drücken der Drüsen durch Eintrocknen
160mg Gift gewinnen kann; aus diesem Grunde ist der Biß der
Schlange so sehr gefährlich.

Hydrus platurus L.

Die mit Nr. 8—12 bezeiclineten fünf Arten sind Seeschlangen,
sie finden sich an den Küsten Formosas.

13. Psammodynastes pulverulentus Bote.

Die Schlange hat einen großen Kopf und einen undeutlich
gefleckten dunkelbräunlichen Leib. Der hinterste Furchenzahn des
Oberkiefers ist als besonderes Merkmal dieses Typus (Opistoglypha)
anzusehen. Der Biß des Psammodynastes soll häufig sein. —
        <pb n="204" />
        ﻿— 199 —

Über die ziemlich große Zahl der Personen, die jährlich von
Giftschlangen gebissen werden, gibt die folgende Tabelle Aufschluß.

Jahr	Gebissen	Davon gestorben	Mortalität (%)
19031)	60	3	5,0
1904	306	24	7,5
1905	269	12	4,5
1906	280	18	6,4
1907	281	22	7,9
1908	298	24	8,9
1909	280	23	8,2
Summe	1774	126	7,1

Auf die einzelnen Monate verteilten sich die Bisse in den fünf
Jahren 1905—1909 folgendermaßen:

Serien von je 5 gleichnamigen Monaten	Gebissen  absolut ! relativ	
J anuar ....	27	1,9
Februar ....	27	1,9
März		47	3,3
April		93	6,6
Mai		137	9,7
Juni		170	12,1
Juli		189	13,5
August ....	186	13,2
September. . .	179	12,7
Oktober ....	206	14,6
November . . .	97	6,9
Dezember . . .	50	3,6
Gesamtsumme  1905—1909	1408	100,0

*) von 1903 sind nur die Monate September bis Dezember berücksichtigt
        <pb n="205" />
        ﻿200

In der nächsten Tabelle sind die Schlangenbißfälle nach
Distrikten geordnet; auf diese Weise erhält man zugleich ein ge-
wisses Bild von der Verteilung der Schlangen.

Distrikte nach der bis Oktober} 1909 geltenden Einteilung	Zahl der Schlangenbisse			Distrikte nach der seit Oktober 1909 geltenden Einteilung
	1905—08	1909	Zu-  sammen	
Nordbezirk:				
Taihoku ....	481			
Kilung		180 l	51	402	Taihoku
Shinkö		123 |			
Giran		80	33	113	Giran
Töyen		56	17	73	Töyen
Shinchiku....	45 |			
		23	114	Shinchiku
Byörizu ....	46 |			
Mittelbezirk:				
Taichu		16 I			
	}	21	56	Taichu
Shöka 		19 f			
Nanto		65	5	70	Nanto
Toroku ....	101 |			
Kagi		66 }	24	246	Kagi
Yensuikc . . .	55 j			
Siidbezirk:				
Tainan		23 I			
	l	12	47	Tainan
Hozan		12 |			
Akö		1041			
Banshoryö . . .	95	75	504	Akö
Köshun		230 j			
Ostbezirk:				| Taitö
Taitö		60	20	80	
				| Karen kö
West bezirk:				
Höko (Pescador-				
insein) ....	0	0	o	Höko
Zusammen . . .	1128	280	OO  O
        <pb n="206" />
        ﻿201

Sammeln des Giftes

Hieraus ist ersichtlich, daß Köshun am meisten von Schlangen-
bissen heimgesucht wird. Häufig sind ferner die Fälle in Kilung,
Shinkö, Akö und Toroku. Dagegen sind die Pescadorinseln völlig
schlangenbißfrei. Im allgemeinen kommen die Fälle entschieden öfter
in Gebirgsgegenden vor als in den Ebenen. Von den beiden Ge-
schlechtern ist das männliche und von den Berufsarten sind die Bauern
und Tagelöhner am meisten der Gefahr ausgesetzt, von Schlangen ge-
bissen zu werden. Die Giftwirkung ist von der Art der Schlangen
abhängig, wie die umstehende Tabelle zeigt.

Was die populäre Behandlung der Schlangenbisse anbetrifft,
so sind unter den Formosachinesen Anlegung von Digaturen, Skari-
fikation, Aussaugen mit dem Mund usw. als übliche Volksmittel
bekannt. Ferner legen sie zerquetschte Blätter, Stengel und Wurzeln
verschiedener Pflanzen, z. B. von Podophyllum pelianthum Hance
und Dysimachia simulans Hemsl., auf die Wunde und geben zu
gleicher Zeit innerlich Wasser- oder Sakedekokt derselben Pflanzen.
Die Formosawilden legen Schießpulver auf die frischen Wunden und
lassen es explodieren.
        <pb n="207" />
        ﻿202 —

Giftschlangenbisse und Todesfälle 1904—1909.

Schlangenarten	Zahl  der Bisse	Zahl der dadurch verursachten Todesfälle	
		absolut	relativ
Röhrenzähner:			
Agkistrodon acutus Günth. . . .	11	3	27,2
Trimeresurus gramineus Shaw . .	821	2	0,24
Trimeresurus mucrosquamatus			
Cantor 		484	58	12,0
Furchenzähner:			
Bungarus multicinctus Blyth. . .	94	17	18,0
Naja naja atra Cantor		83	14	16,8
Nicht angegeben		222	27	12,2

Heißquellenwasserfall in Hokuto (Distrikt Taihoku)
        <pb n="208" />
        ﻿203

Badeort Hokuto (Distrikt Taihoku)

23.	Mineralquellen.

Mineralquellen — heiße, warme und kalte — sind auf Formosa
geradezu massenhaft vorhanden. Im folgenden werden nur die
namhaftesten davon angeführt.

A. Heiß- oder Warmquellen.

Regierungsbezirk Taihoku:

1.	Hokuto-Tetsunoyu . .

2.	Hokuto-Takinoyu . .

3.	Hokuto-Kaikösha-Onsen

4.	Reikyakushö-Onsen . .

5.	Urai-Onsen..........

6.	Seiriuheishö-Onsen . .

7.	Kinpöri-Onsen ....

8.	Sözan-Koke'inai-Onsen

9.	Koköshö-Onsen . . .

10.	Banrikatöshö-Onsen

11.	Sözan-Onsen.........

salinische Quelle
salinische Quelle
salinische Quelle
saure Schwefelquelle
alkalischer Säuerling
saure Schwefelquelle
indifferente Quelle
Schwefelquelle
Eisenquelle
Säuerling

indifferente Quelle
        <pb n="209" />
        ﻿204

b)	Regierungsbezirk Giran:

1.	Shökei-Onsen . . .

2.	Yensan-Onsen . . .

c)	Regierungsbezirk Kagi:

Kanshire'i-Onsen . .

d)	Regierungsbezirk Akö:

1.	Shijükel-Onsen . .

2.	Furösen..........

3.	Yoshitaki-Onsen . .

4.	Tetsuno-Yu ....

5.	Takino-Yu ....

e)	Regierungsbezirk Taitö:

Chipon............

salinische Quelle
schwachsalinische Quelle

alkalische Quelle

alkalisch-salinischer Säuerling
alkalischer Säuerling
salinische Quelle
salinische Quelle
salinische Quelle

salinische Quelle

B. Kalte Mineralquellen.

a)	Regierungsbezirk Taihoku:

Suihenkyaku-Yuköshö . . . salinische Quelle

b)	Regierungsbezirk Giran:

So-ö........................einfacher Säuerling

c)	Regierungsbezirk Shinchiku:

Hakkakurinshö...............Kochsalz-Säuerling.
        <pb n="210" />
        ﻿24.	Begräbnisplätze und Krematorien
sowie Beerdigungs- und
Feuerbestattungswesen.

ei der Einführung der Zivilverwaltung wurden Erhebungen

über die seither übliche Einrichtung der Begräbnisplätze

JIL--J und über die für die Eeichenbestattung geltenden Bestim-

mungen angestellt. Dabei ergab sich, daß irgend welche Vorschriften
nicht existierten. Jeder konnte sich an jedem beliebigen Orte be-
graben lassen, eine Freiheit, die sich praktisch freilich auf die Wohl-
habenden beschränkte. Nach der damaligen Eage der Dinge und
der Kulturstufe, auf der sich die Bevölkerung befand, erschien eine
einheitliche Regelung, wie sie in Japan besteht, unmöglich; ander-
seits durfte eine für die öffentliche Gesundheitspflege derart wichtige
Angelegenheit nicht länger sich selbst überlassen bleiben. Deshalb
wurden im Juni 1896 gewisse den Umständen angepaßte Normen
festgesetzt und den Distriktbehörden mitgeteilt, damit sie auf dieser
Grundlage unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse spe-
ziellere Anordnungen treffen sollten.

Im Gegensätze zu den Formosachinesen bedienen sich die auf
Formosa lebenden Japaner besonders häufig der Feuerbestattung, weil
ja die Asche ohne jede Schwierigkeit in die Heimat überführt werden
kann. Als die Zahl der J apaner immer mehr zunahm, machte sich daher
das Bedürfnis nach Feuerbestattungsanlagen fühlbar. Man errichtete
infolgedessen an vielen Orten Krematorien. Ihre Bauart war aber
so mangelhaft, daß unbedingt eingeschritten werden mußte. Des-
halb wurden auch für die Krematorien allgemeine Normen festgesetzt.
Sie enthielten u. a. Vorschriften über Bauart und Reinhaltung und
wurden den Distriktbehörden im Februar 1897 mitgeteilt. Sodann
wurde im Februar 1906 eine Verordnung über die Begräbnisplätze und
Ueichenverbrennungsanstalten sowie über die Beerdigung und Ver-
brennung der Reichen erlassen. ^Hiernach wurden alle privaten
        <pb n="211" />
        ﻿206

Beerdigungsplätze untersagt. Man richtete Ortsfriedhöfe ein und be-
stimmte erstens, daß diese nicht an Wege, Eisenbahnen und Fluß-
läufe grenzen dürften und von menschlichen Wohnungen mindestens
60 Ken1) entfernt sein müßten, und zweitens, daß sie an hochgelegenen
und trockenen, das Trinkwasser nicht beeinflussenden Orten an-
zulegen seien. Die Gräber sollten so tief sein, daß die Ebene des Sarg-
deckels mindestens zwei Fuß unter der Erdoberfläche liege. Hierdurch

Formosachinesischer Grabhügel

wurde die bisher übliche Art der Bestattung, bei der der Sarg einfach
oberirdisch aufgestellt und hügelförmig mit oft recht wenig Erde
bedeckt wurde, gänzlich abgeschafft. Es war nämlich infolge dieser
mangelhaften Bestattungsweise oft vorgekommen, daß Särge und
Deichen von Hunden aus der Erde gescharrt oder durch Regengüsse
bloßgelegt wurden, was natürlich sittlich und gesundheitlich ganz
unerträglich war. Sodann wurde auch die Anlage der Eeichenver-
brennungsanstalten manchen Beschränkungen unterworfen: sie

!) 1 Ken = 1,8181 m
        <pb n="212" />
        ﻿207

müssen erstens von menschlichen Wohnungen und verkehrsreichen
Orten mindestens 120 Ken entfernt sein; sie dürfen zweitens nicht in
der Hauptwindrichtung eines Ortes liegen; sie müssen drittens mit
Ofenanlage und Rauchfang ausgestattet sein, damit der Geruch nicht
belästigend wirkt; endlich müssen sie mit einer über 1 Ken hohen
Mauer umgeben sein. Doch kommt diese vierte Beschränkung für
solche Anstalten in Wegfall, die, von menschlichen Wohnorten weit
entfernt, auf Bergen, Heiden usw. erbaut sind.

Noch gewisse andere vom hygienischen Standpimkt gefährliche
Gewohnheiten müssen beseitigt werden. So herrscht unter den
Formosachinesen jene sonderbare chinesische Sitte, das Knochen-
gerüst, nachdem es durch die Verwesung der beerdigten Deiche von
allen weichen Teilen befreit ist, nochmals auszugraben, auszuwaschen
und dann in besonderen Urnenhäusern unterzubringen oder von
neuem zu beerdigen. Eine zweite ungleich bedenklichere Gepflogen-
heit ist die, daß man den Leichnam in einem Sarge dicht verschließt
und dann eine Zeitlang — eine Woche bis zu drei Jahren — im Hause
behält. Beide Sitten fordern selbstverständlich das Eingreifen der
Verwaltung. Es wurde zunächst vorgeschrieben, daß zu solchen
Manipulationen in jedem Falle die behördliche Genehmigung eingeholt
werden müsse; diese wurde zur Aufbewahrung von Leichen im Hause
niemals erteilt, wenn der Betreffende an einer ansteckenden Krank-
heit gestorben war.
        <pb n="213" />
        ﻿25.	Die Sanitätskassen.

Um für die erforderlichen sanitären Einrichtungen, insbe-
sondere für Wasserleitung und Kanalisation, die sämtlich
schleunige Ausführung heischten, die nötigen Mittel zu
beschaffen, nahm im Jahre 1900 das Generalgouvernement gemäß
einem von Dr. Baron S. Goto, dem damaligen Chef der Zivilverwal-
tung, ersonnenen Plane das Prinzip an, Errichtung und Betrieb von
Markthallen, Schlachthäusern, Fähren usw. nicht länger der privat-
wirtschaftlichen Initiative zu überlassen, sondern als Monopol neu-
zubildenden, zunächst rein lokal gedachten Sanitätskassen zu
überweisen; die aus den Gebühren eingehenden Beträge sollten
mit für die sanitären Anlagen verwendet werden. Demgemäß
wurde von da an die Errichtung von Markthallen usw. durch
Private nicht mehr zugelassen; diejenigen Betriebe, die schon vor-
handen waren, kauften die Sanitätskassen den Unternehmern nach
und nach ab. Da aber diese Anlagen die denkbar primitivste Be-
schaffenheit besaßen und fast alle in ärmlichen Schuppen unter-
gebracht waren, so daß sie in hygienischer Hinsicht große Sorge be-
reiteten, wurde es als ein dringendes Bedürfnis empfunden, unver-
züglich Neubauten aufzuführen. Hierzu waren jedoch infolge der zu
geringen Ausdehnung der Sanitätsbezirke die Mittel allenthalben zu
gering. Daher wurden Stimmen laut, man solle doch größere Be-
zirke bilden und den Sanitätskassen die Unterdistrikte zugrunde
legen. Dieser Ansicht schloß sich das Generalgouvernement an, und
im März 1904 gestattete es auf Ansuchen des Distriktvorstehers von
Banshoryö die vorgeschlagene Erweiterung der Sanitätskassen-
bezirke. Diese neue Ordnung bestand seit dem Finanzjahr 1905/06.
Dem Beispiele von Banshoryö folgten fast alle anderen Distrikte.
Mit den wachsenden Aufgaben wurden jedoch bald auch die neuen
Bezirke zu klein, und so genehmigte das Generalgouvernement mit
Rücksicht auf die inzwischen auf allen Gebieten gemachten Fort-
schritte im Jahre 1907 einen Antrag der Distriktbehörde zu Taihoku,
        <pb n="214" />
        ﻿209

der vom Finanzjahre 1908 an eine Sanitätskasse für den ganzen
Distrikt verlangte.

Nach und nach schlossen sich alle anderen Distrikte dem Vor-
gehen Taihokus an, so daß es jetzt auf ganz Formosa nur 12 Sanitäts-
kassen gibt. Infolge dieser Vergrößerung der Bezirke vermehrten sich
auch Einnahmen und Kredit der Kassen. Daher konnten nunmehr
überall Neubauten von Markthallen und Schlachthäusern unter-
nommen werden. Zugleich wurden auch die sonstigen hygienisch
wichtigen Bauanlagen, deren Durchführung den eigentlichen Zweck
der Sanitätskassen bildete, in größerem Umfange in Angriff ge-
nommen. Insbesondere vervollständigte man, wo es not tat, in
den größeren Städten die privaten Abzugskanäle, sorgte für Kanali-
sation in kleinen Städten und in Dörfern, legte Bohrbrunnen an,
übernahm den Bau von Wasserwerken in Shöka, Kinpöri, Taikö,
Hokuto und Shirin — in den beiden zuerst genannten Städten sind
sie bereits fertig —, schuf Beerdigungsplätze und Eeichenver-
brennungsanstalten für die Städte Taihoku, Taichu und Tainan, er-
baute Isolieranstalten für Infektionskranke in den kleineren Städten,
errichtete Wohnhäuser für die Armen in Taichu und so fort.
Außerdem werden von den Sanitätskassen alljährlich nicht geringe
Summen für die Müllbeseitigung und für die Bekämpfung der Seuchen
ausgegeben. Gegenwärtig betragen die Einnahmen der zwölf Kassen
jährlich über 400 000 Yen.

Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.

14
        <pb n="215" />
        ﻿210

26.	Die ordentlichen Ausgaben für
sanitäre Zwecke.1)

Nach 1895 fielen zunächst alle sanitären Aufwendungen der
Staatskasse zu Cast, bis 1899 das allgemeine Gesetz be-
treffend die Regelung der Distriktsteuern erlassen wurde.
Seitdem werden die Gehälter der Kö-i, die Ausgaben für die Be-
kämpfung der Infektions- und venerischen Krankheiten sowie die
Kosten für die öffentlichen Brunnenanlagen, die Wasserversorgung,
Kanalisierung, Straßenreinigung, Müllabfuhr, Schlachtviehschau,
Nahrungsmitteluntersuchung usw. aus den Distriktkassen bestritten.
Doch werden für die Bekämpfung der Infektionskrankheiten gewisse
Zuschüsse aus der Staatskasse gewährt; außerdem sind seit 1904
die Aufwendungen für die B ekämpfung der Pest und seit 1911 auch die-
jenigen für die Malariabekämpfung in den Etat übernommen worden.

Die ordentlichen Ausgaben für sanitäre Zwecke in den Rechnungs-
jahren 1907—1909 (in Yen).

A. Staatskasse.

Jahr	Bekämpfung der Infektions- krankheiten	Bekämpfung der Pest	Hospitäler	Medizinische  Schule	Institut für experimentelle Forschungen
1907	8 356	41 026	297 371	73 103	—
1908	21 236	37 070	325 532	66 127	—
1909	66 007	—	367 246	65 138	44 987

B. Distriktkassen.

Jahr	Gehälter  der  Ko-i	Bekämpfung  der  Infektions-  krankheiten	Bekämpfung  der  venerischen  Krankheiten	Straßen- reinigung und Müll- abfuhr	Schlacht-  viehschau	Nahrungs-  mittel-  unter-  suchung	Unterhaltung  der  Wasserwerke
1907	66 364	32 452	21 573	28 578	8521	511	20 686
1908	68 750	36 520	22 436	32 466	9330	1000	19 683
1909	69 195	29 273	21 880	34 398	9654	1000	254 458

*) die Sanitätskassen (vergl. Abschnitt 25) sind hierbei infolge ihrer
besonderen Stellung unberücksichtigt geblieben.
        <pb n="216" />
        ﻿211

Gefängnis in Taihoku: Dampfküche

27.	Gefängniswesen.

Anfangs besaß man keine eigentlichen Gefängnisanstalten.
j \ Man behalf sich in der Weise, daß man Tempel und sonstige
■Ä. A öffentliche Gebäude aus der chinesischen Zeit einigermaßen
zweckentsprechend umgestaltete. Sie waren meist wenig geräumig;
insbesondere fehlte es an Licht und Luft. Daher war die Zahl der Er-
krankungen und Todesfälle ziemlich groß. Aus diesem Grunde wurde
im Jahre 1899 der Neubau von Gefängnissen in Taihoku, Taichu und
Tainan beschlossen. Diese Anstalten erforderten einen Kostenauf-
wand von 1 200 000 Yen und waren im Jahre 1904 fertig.

Lebens- und GesundheitsVerhältnisse. Der Rauminhalt
einer Einzelzelle beträgt 390, derjen'ge einer Zelle für Gemeinschafts-
haft von fünf Personen 1176 Kubikshaku1). Gebadet wird je nach
der Art der Arbeit täglich oder jeden zweiten oder dritten Tag. Die
Nichtarbeitenden baden weniger; das Mindestmaß fällt für sie auf die

’) 1 Shaku 0,303 m

14*
        <pb n="217" />
        ﻿212

Gefängnis in Taihoku : GrundriB
        <pb n="218" />
        ﻿213

Wintermonate, wo sie aller fünf Tage baden. Als Hauptnahrung
erhalten die Gefangenen Reis mit Bataten gemischt (8 : 2 Teile),
als Zuspeisen Schweinefleisch, Fisch, Gemüse usw. Je nachdem,
ob ein Gefangener schwere oder leichtere Arbeit verrichtet oder gar
nicht arbeitet, bekommt er eines von sechs vorgeschriebenen
Kostmaßen. Die Analysen dieser Kostmaße (in g) zeigt
folgende Tabelle:

Kostmaße	Stickstoff-  haltige  Substanzen	Fett	Kohle-  hydrate
9 Gö1) Reis mit Zuspeise . .	130,584	47,913	998,779
8,1 Gö Reis mit Zuspeise . .	120,917	44,468	890,132
7,2 Gö Reis mit Zuspeise . .	111,394	41,018	810,766
6 Gö Reis mit Zuspeise ....	98,319	36,427	601,521
5,1 Gö Reis mit Zuspeise . .	87,231	32,105	594,131
4,2 Gö Reis mit Zuspeise . .	78,042	26,153	508,568
Reisbrei mit Zuspeise für Kranke* 2) 		66,150	23,332	312,752
Normales Kostmaß		95,850	19,950	449,213

Die Unterschiede des Körpergewichts der Gefangenen bei der
Aufnahme und bei der Entlassung veranschaulicht diese Übersicht
(Durchschnitt von 2497 Personen):

	Körpergewicht bei der Aufnahme	Körpergewicht bei der Entlassung	Ver-  mehrung	Ver-  minderung
Formosaner	48,116	49,301	1,185	—
J apaner	50,587	50,310	—	0,277

Sodann die in dem Zeiträume 1898—1910 unter den Gefangenen
aufgetretenen Erkrankungen und Todesfälle:

J 1 Gö^ 0,18 Liter

2) Kranken werden auf Anordnung der Gefängnisärzte auch andere
Nahrungsmittel, z. B. Milch, gereicht
        <pb n="219" />
        ﻿214

Jahr	Tages-  durchschnitt  der  Gefangenen	Gesamtzahl der Krank- heitsfälle	Gesamtzahl der Todes- fälle	Sterblichkeit des Tagesdui chschnittes der Gefangenen (%)
1898	2122	5574	445	12,97
1899	2330	2155	284	12,18
1900	3009	3301	210	6,99
1901	3509	2608	202	5,75
1902	3821	2551	122	3,19
1903	4048	2718	127	3,12
1904	3399	2062	81	2,38
1905	3149	1266	63	2,00
1906	3109	938	73	2,37
1907	3244	1616	120	3,72
1908	3191	870	130	4,07
1909	3271	743	129	3,88
1910	3216	427	95	2,97

Die Ausgaben und die Einnahmen gestalteten sich in den
Jahren 1898—1909 folgendermaßen (Yen):

Etats-  jahr	Gesamt-  ausgabe	Von den Ge- samtausgaben entfallen auf jeden Ge- fangenen pro Tag	Ausgaben für die Gefangenen selbst	Ausgaben für jeden Gefange- nen pro Tag	Einnahmen  aus  Gefängnis-  arbeit	|  Durchschnittliche tägliche Ein- nahme aus Gefängnisarbeit pro Kopf der Arbeitenden
1898	244 337	0,308	90 538	0,114	16 743	0,055
1899	374 055	0,410	134 821	0,148	17 232	0,031
1900	424 736	0,368	156 206	0,135	15 437	0,021
1901	494 711	0,382	178 653	0,138	26 306	0,040
1902	519 873	0,362	193 319	0,134	41 152	0,038
1903	536 485	0,376	194 668	0,136	68 675	0,067
1904	491 171	0,406	178 054	0,147	92 048	0,102
1905	468 825	0,409	171 087	0,149	112 113	0,129
1906	464 302	0,409	163 832	0,144	136 017	0,158
1907	495 232	0,413	188 537	0,158	136 173	0,153
1908	469 450	0,407	165 627	0,144	132 294	0,156
1909	463 514	0,388	160 556	0,134	137 421	0,159
        <pb n="220" />
        ﻿215

Arbeiten der Gefangenen. Es sind beschäftigt 400 Personen
mit Flechten von Tamsui-Hüten, 250 mit Anfertigung europäischer
Anzüge, 300 mit Holzarbeiten, 250 mit Rotangflechten und 200 mit
Herstellung von Ziegeln; im ganzen werden von den Gefangenen 35
verschiedene Arbeiten verrichtet. Diese Erziehung zur Arbeit übt
auch auf das zukünftige Reben der Gefangenen den günstigsten Ein-
fluß aus, da sie dadurch in die Rage kommen, sich eine geordnete
Existenz zu gründen.

Fürsorge für die entlassenen Sträflinge. Im Jahre 1905
wurden in Taihoku, Taichu und Tainan von Gefängnisbeamten und
Privatleuten Vereine gegründet, die sich die Fürsorge für die entlassenen
Gefangenen zum Ziele setzten. Das Generalgouvernement gewährt
ihnen gewisse Jahreszuschüsse. Von 1905—1910 wurden 450 Per-
sonen mit Arbeit versehen; sie sind als Bauern, Schneider, Wasch-
leute, Zimmerleute, Kaufleute, Tagelöhner usw. tätig und haben
größtenteils eine gesicherte Existenz.
        <pb n="221" />
        ﻿
        <pb n="222" />
        ﻿

——



ii’l. . .»ui iltfri

Klima.

Die Angaben beruhen auf Beobachtungen der sieben formosaischen Observatorien in der Zeit von ihrer Gründung bis 1909.

		Taihoku	Taichu	Tainan	Taito	Köshun	Hoko	Sharyöto
Durchschnittlicher Duftdruck (mm) . .		760,3	759,5	759,1	759,7	759,1	759,5	760,5
„	(Durchschnitt	  Temperatur I	.  : Maximum	  | Minimum 			21,6	22,1	23,1	23,4	24,4	22,5	21,6
		37,0	37,2	36,9	37,9	34,4	33,5	35,9
		—0,2	—1,0	3,0	8,2	9,8	7,3	3,0
Durchschnittl. Feuchtigkeitsgehalt der Duft (%)			82	81	79	77	79	83	84
Durchschnittl. Windgeschwindigkeit (Min.)		4,7	2,9	4,4	5,0	6,0	10,2	5,0
Durchschnittl. Windrichtung			N77°F	N 11° W	£  O  00  r—1  £	N12°E	N43°E	N 37°E	N 40°E
Durchschnittl. Niederschlagsmenge (mm)		2055,2	1748,3	1656,7	1720,4	2151,2	1072,9	3516,8
Durchschnittl. Bewölkung (nach einer Skala von 10 Graden)			7,1	5,9	5,5	7,1	5,9	6,5	7,6
Durchschnittl. Verdunstung (mm) . . .		431,6	1554,1	1689,0	1759,2	1962,3	1860,1	1508,0
	regnerisch ....	186,2	125,8	109,6	156,9	156,2	93,4	222,9
Durchschnittlich	gewittrig		44,1	54,8	42,3	28,3	28,5	15,5	29,7
sind von den Tagen«	neblig		12,7	11,1	7,1	0,0	—	3,5	6,8
des Jahres	heiter		28,1	48,2	49,5	17,4	31,1	39,7	22,8
	trübe 		182,4	121,8	94,6	173,3	103,3	156,2	219,6
	stürmisch		114,1	37,1	52,1	119,2	138,5	237,8	98,6
        <pb n="223" />
        ﻿219

Die Observatorien.

Observatorium  in	Geographische Lage		Höhenlage ü. M. (m)	Zeit der Errichtung
	ö. L.	n. B.		
Taihoku ....	121° 31'	25° 02'	9,3	August 1896
Taichu 		120° 41'	24° 09'	78,4	Dezember 1896
Tainan		120° 12	23° 00	14,3	Januar 1897
Taitö		121° 09	22° 45'	9,9	Januar 1901
Köshun ....	120° 44'	22° 00'	23,3	November 1896
Höko 		119° 33’	23° 32	11,0	November 1896
Sharyötö ...	121° 45	25° 09'	3,4	März 1896

Stand der Bevölkerung 1905—1909.

	31. XII. 1905	31. XII. 1906	31. XII. 1907	31. XII. 1908	31. XII. 1909
J apaner:					
männlich . .	35 923	43 358	47 671	50 397	53 768
weiblich . . .	23 695	27 682	30 254	32 932	35 928
zusammen .	59 618	71 040	77 925	83 329	89 696
Formosachin.:					
männlich . .	1 570 239	1 580 603	1 589 469	1 596 282	1 608 348
weiblich . . .	1 408 779	1 418 611	1 429 933	1 440 573	1 456 569
zusammen .	2 979 018	2 999 214	3 019 402	3 036 855	3 064 917
Formosawilde					
männlich . .	57 323	57 378	58 433	60 803	61 507
weiblich .. .	55 872	55 785	56 812	59 451	60 474
zusammen .	113 195	113 163	115 245	120 254	121 981
Ausländer:					
männlich . .	7 719	9 690	10 599	11 138	12 361
weiblich . ..	504	601	797	1013	1231
zusammen .	8 223	10 291	11 396	12 151	13 592
Summe:					
männlich . .	1 671 204	1 691 029	1 706 172	1 718 620	1 735 984
weiblich .. .	1 488 850	1 502 679	1 517 796	1 533 969	1 554 202
zusammen .	3 160 054	3 193 708	3 223 968	3 252 589	3 290 186
        <pb n="224" />
        ﻿G'iederung der Bevölkerung nach Volksstämmen Anfang Oktober 1905.

		Formosaner							Ausländer			
Volks-  stamm	Japa-  ner	Formosachinesen				Chine-	For-		Chi-  nesen		ZU-	Summe
		Fukienesen	Kantonesen	an-  dere	zusammen	sisierte  Wilde	mosa-  wilde	zusammen		dere	sam-  men	
absolut	57 335	2 492 784	397 195	506	2 890 485	46 432	36 363	2 973 280	8973	163	9136	3 039 751
relativ	1,9	82,0	13,1	0	95,1	1,5	1,2	97,8	0,3	0	0,3	100,0

Anmerkung. Von den Wilden sind nur diejenigen mitgezählt, die in den Verwaltungsbezirken wohnen.

Verhältnis der Geschlechter nach dem Stand der Bevölkerung in den Jahren 1905—1909.

Zeitpunkt	Von 100 Japanern waren		Von 100 Formosa- ehinesen waren		Von 100 wilden	Formosa-  waren	Von 100 Auslän- dern waren		Von 100 nem	Bewoh-  waren
	männlich	weiblich	männlich	weiblich	männlich	weiblich	männlich	weiblich	männlich	weiblich
31. XII. 1905	60,25	39,75	52,71	47,29	50,64	49,36	93,87	6,13	52,89	47,11
31. XII. 1906	61,03	38,97	52,70	47,30	50,70	49,30	94,16	5,84	52,95	47,05
31. XII. 1907	61,18	38,82	52,64	47,36	50,70	49 30	93,01	6,99	52,92	47,08
31. XII. 1908	60,48	39,52	52,56	47,44	50,56	49,44	91,66	8,34	52,84	47,16
31. XII. 1909	59,94	40,06	52,48	47,52	50,42	49,58	90,94	9,06	52,76	47,24
        <pb n="225" />
        ﻿Bewegung der Gesamtbevölkerung 1906—1909 (absolut).

Jahr	Vermehrung			Verminderung			Tot-  geburten	Ehe-  schließun-  gen	Ehe-  scheidun-  gen
	Lebend-  geburten	Zuwanderung	zusammen	Todesfälle	Abwanderung	zusammen			
1906	121 067	61 437	182 504	104 749	44 321	149 070	2 525	31 289	4 939
1907	124 091	69 380	193 471	102 853	62 440	165 293	3 111	33 597	6 007
1908	122 322	73 651	195 973	102 232	70 129	172 361	3 687	35 061	5 562
1909	130 084	63 852	193 936	100 623	57 441	158 064	4 785	35 965	5 570

Bewegung der japanischen Bevölkerung 1906 — 1909 (absolut).

Jahr	Vermehrung			V erminderung			Tot-  geburten	Ehe-  schließun-  gen	Ehe-  scheidun-  gen
	Lebend-  geburten	Zuwanderung	zusammen	Todesfälle	Abwanderung	zusammen			
1906	1 922	23 629	25 551	1 432	12 768	14 200	128	204	11
1907	2 277	23 780	26 057	1 436	10 610	12 046	146	236	3
1908	2 419	26 520	28 939	1 287	22 248	23 535	157	324	5
1909	2 661	25 889	28 550	1 507	20 676	22 183	161	379	6
        <pb n="226" />
        ﻿Bewegung der Gesamtbevölkerung 1906—1909 (relativ).

	Auf 100 Lebend- geburten von Knaben entfielen Leben dgeburten von Mädchen	Auf 100		Auf	je 1000 der Bevölkerung entfielen				
Jahr		Lebendgeburten en: fielen Todesfälle	Lebend-  geburten	Tot-  geburten	Todes-  fälle	Zuge-  wandelte	Abge-  wanderte	Ehe-  schließungen	Ehe-  scheidungen
1906	91,58	86,52	39,30	0,82	34,00	19.94	14,39	10,16	1,60
1907	95,27	82,89	39,92	1,00	33,09	70,96	20,09	10,81	1,93
1908	93,32	83,58	39,05	1,18	32,64	23,51	22,39	11,19	1,78
1909	93,73	77,35	41,06	1,51	31,76	20,15	18,13	11,35	1,76

Bewegung der japanischen Bevölkerung 1906—1909 (relativ).

Jahr	Auf 100 Lebend- geburten von Knaben entfielen Lebendgeburten von Mädchen	Auf 100 Lebendgeburten entfielen Todesfälle	Auf je 1000 der japanischen Bevölkerung entfielen			
			Lebend-  geburten	Tot-  geburten	Todes-	Zuge- fälle	wanderte	Abge-	Ehe-	Ehe-  wanderte Schließungen Scheidungen
1906	83,08	74,51	27,60	1,80	20,12	332,62	179,73	2,87	0,15
1907	88,34	63,07	29,22	1,87	18,43	305,17	136,16	3,03	0,04
1908	76,63	53,20	29,03	1,88	15,44	318,26	266,99	3,89	0,06
1909	83,08	56,63	29,67	1,79	16,80	288,63	230,51	4,23	0,07
        <pb n="227" />
        ﻿Sanitäre Organe nach dem Stande vom 31. Dezember 1909.

Hospitäler			Ärzte und I-sel					Apotheker	Japanische  Hebammen	Chinesische  Hebammen	Drogisten	Arzneimittel-  bereiter	Auf einen Arzt  oder I-se'i ent-  fielen Köpfe der Bevölkerung
			Ärzte			I-sei'	Zu-  sammen						
Staats-	Distrikts- Privat-	Zu-  sammen											
			be-  amtete	halbbe-  amtete	prak-  tische								
10	14	26	50	121	77	157	1314	1669	40	69	12	2577	25	1898

Die von den Quarantäneanstalten im Jahre 1909 vorgenommenen Untersuchungen.

Von den untersuchten  Schiffen kamen aus	Art	der untersuchten Schiffe				Gesamt-  tonnen-  gehalt	Zahl der Offiziere und Mannschaften	Fahrgäste		
	Dampfer	Segel-  schiffe	Dschon-  ken	Sonstige  Schiffe	Zu-  sammen			männlich	weiblich	Zu-  sammen
japanischen Häfen. .	275	l		l	277	785 164	18 130	17 198	8 658	25 856
chinesischen Häfen .	32	l	429	—	462	61 702	7 928	471	36	507
anderen ausl. Häfen .	109	—	1	—	110	415 032	9 698	10 297	1 230	11 527
zusammen	416	2	430	i	849	1 261 898	35 756	27 966	9 924	37 890

223
        <pb n="228" />
        ﻿Zahl der in den Jahren 1905—1909 in den Regierungshospitälern behandelten Kranken.

Jahr	Zahl der	Kranken	Davon gestorben		Durchschnittlich an einem Tage behandelte Kranke		Durchschnittlich auf  1 einen Kranken entfallende Behandlungstage	
	Japaner	Formosaner	Japaner	Formosaner	Japaner	Formosaner	Japaner	Formosaner
1905	49 746	27 468	382	173	1324,7	516,1	9,7	6,9
1906	55 838	34 189	352	184	1421,3	631,4	9,8	6,7
1907	47 421	29 232	383	208	1390,3	600,5	10,7	7,5
1908	55 392	30 661	393	193	1550,4	541,4	10,2	6,4
1909	54 714	33 195	434	167	1662,5	618,5	11,1	6,8

Zahl der in den Jahren 1905 — 1909 von den Kö-i behandelten Kranken.

Jahr	Zahl der Kranken		Davon	starben	Durchschnittliche Zahl der von jedem Kö-i täglich behandelten Kranken			Durchschnittlich auf jeden Kranken entfallende  B ehandlungstage		
	Japaner	Formosaner Ausländer	Japaner	Formosaner	Japaner	Formosaner	Ausländer	Japaner	Formosaner	Ausländer
1905	39 222	41 101	161	1161	10,9	9,3	—	7,2	5,9	—
1906	51 841	69 166	—	232	2236	14,0	14,2	—	7,0	5,3	—
1907	59 993	90 717	253	2801	14,5	15,6	—	6,3	4,5	—
1908	56 045	102 402	4	235	3551	12,9	16,4	0,0	6,6	4,6	6,3
1909	57 601	117 019	6	260	3612	12,9	19,0	0,0	6,5	4,7	18,3

224
        <pb n="229" />
        ﻿225

Arten der im Jahre 1909 in den Regierungshospitälern behandelten

Krankheiten.

	Japaner		Formosaner		Zu-
	männlich	weiblich	männlich	weiblich	sammen
Infektionskrank- heiten 		6 270	3 369	4 956	1 556	16 151
Entwicklungs- u. Er- nährungsstörungen	243	258	282	201	984
Haut- u. Muskel- krankheiten . .	2 852	2 522	3 137	1 042	9 553
Knochen- und Ge- lenkkrankheiten	429	261	327	75	1 092
Krankheiten d. Zir- kulationsorgane .	158	112	101	49	420
Krankheiten d. Ner- ven und Sinnes- organe 		5 995	4 866	4 892	1 781	17 534
Krankheiten der At- mungsorgane . .	4 495	3 358	3 315	1 168	12 336
Krankheiten d.Ver- dauungsorgane .	6 043	4 826	4 404	1 918	17 löl
Krankheiten d.Uro- genitalorgane . .	693	4 014	439	694	5 840
Verletzungen und sonstige äußere Krankheiten . .	1 492	781	1 929	346	4 548
Vergiftungen . . .	16	6	228	37	287
Nicht festgestellte Krankheiten . .	1 040	615	234	84	1 973
Zusammen	29 726	24 988	24 244	8 951	87 909
Unter den Infektionskrankheiten befanden sich Fälle von					
Malaria ....	3 205	1 675	2 709	1 040	8 629
Beri-Befi . . .	678	395	71	18	1 162
Unter den Krankheiten der Atmungsorgane befanden sich Fälle von					
Eungentuberkul ose	236	93	322	78	729

Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa.	15
        <pb n="230" />
        ﻿226

Arten der in dem Jahre 1909 von den Kö-i behandelten Krankheiten.

	J apaner		Formosaner		Aus-  länder		Zu-
	männlich	weiblich	männlich	weiblich	m.	W.	sainmen
Infektionskrank-							
heiten		12 390	6 225	26 573	10 182	l	—	55 371
Entwicklungs- u. Er- nährungsstörungen Haut- und Muskel-	206	129	1 222	560	—	—	2 117
krankheiten . .	2 309	1 172	5 863	1 910	i	—	11 255
Knochen- und Ge-							
lenkkrankheiten	409	198	856	289	l	—	1 753
Krankheiten d. Zir- kulationsorgane . Krankheiten d.Ner-	294	181	578	324	—	—	1 377
ven und Sinnes-							
organe 	  Krankheiten der	3 122	1 881	8 267	2 931	—	—	16 201
Atmungsorgane . Krankheiten d.Ver-	5 965	3 628	12 091	5 301	l	1	26 987
dauungsorgane .	8 188	4 967	16 479	7 695	l	—	37 330
Krankheiten d.Uro- genitalorgane . . Verletzungen und	860	1 545	1 559	1 318	—	—	5 282
sonstige äußere Krankheiten . .	2 632	1 226	9 425	2 609					15 892
Vergiftungen . . . Nicht festgestellte	—	4	559	56	—	—	619
Krankheiten . .	48	21	249	114	—	—	432
Zusammen	36 423	21 177	83 721	33 289	5	1	174 616
Unter den	Infektionskrankheiten waren Fälle				von		
Malaria ....	8 886	4 685	21 259	8 741	i	—	43 572
Beri-Beri . . .	533	200	153	24	—	—	910
Unter den Krankheiten der Atmungsorgane waren					Fälle von		
Lungentuberkulose	168	96	777	276	—	—	1317
        <pb n="231" />
        ﻿227

Untersuchung und Behandlung der Prostituierten 1909.

	Japanerinnen	Pormosanerinnen	Zusammen
Durchschnittliche Zahl der bei der wöchentlichen Untersuchung anwesenden Prostituierten . .	. .	868	161	1 029
Bei den Untersuchungen krank befunden an Syphilis		99	52	151
Weichem Schanker. .	426	124	550
Tripper		1 076	236	1 312
Tuberkulöser Affektion.	3		3
Sonstigen kontagiösen Krankheiten ....	179	22	201
Zusammen	1 783	434	2 217
Gesund befunden . . .	43 325	7 955	51 280
Gesamtzahl der Unter- suchten 		45 108	8 389	53 497
Zahl der Behandlungstage	24 114	5 940	30 054
Von 100 Untersuchten waren krank		3,95	5,17	4,14
Durchschnittlich auf eine Kranke entfallende Be- handlungstage ....	13,52	13,69	13,66

Zahl der in den Jahren 1907-1909 in den Schlachthäusern ge-
schlachteten Tiere.

Jahr	1907	1908	1909
Zahl der Schlachthäuser. .	894	903	872
Art der Tiere:			
Büffel		10 333	10 132	11 511
Rinder		3 544	4 108	4 980
Schweine		564 357	609 201	637 666
Ziegen		53 941	51 990	47 776
Wert der Tiere (Yen):			
Büffel		204 703	202 644	236 743
Rinder		77 094	96 930	120 141
Schweine		7 481 296	7 930 274	8 975 135
Ziegen		122 578	201 559	153 350

15*
        <pb n="232" />
        ﻿228

Erkrankungen und Todesfälle der acht im Infektionskrankheitengesetz
erwähnten Krankheiten 1905—1909 (absolut).

Jahr	1905	1906	1907	1908	1909
Cholera:					
Erkrankungen .	—	—	3	—	—
Todesfälle . . .	—	—	2	• —	—
Pest:					
Erkrankungen	2 .398	3 272	2 592	1 270	1 026
Todesfälle . . .	2 100	2 609	2 241	1 059	848
Abdominaltyphus:					
Erkrankungen .	141	248	352	382	340
Todesfälle . . .	42	86	74	110	91
Dysenterie:					
Erkrankungen .	120	147	207	202	255
Todesfälle . . .	47	71	74	95	84
Diphtherie:					
Erkrankungen	57	63	26	31	47
Todesfälle . . .	14	17	9	13	20
Pocken:					
Erkrankungen .	23	19	1	28	19
Todesfälle . . .	—	—	—	2	-
Scharlach:					
Erkrankungen .	—	1	1	1	1
Todesfälle . . .	—	—	—	—	—
Flecktyphus:					
Erkrankungen	—	—	—	—	—
Todesfälle . . .	—	—	. —	—	—
Zusammen:					
Erkrankungen .	2 739	3 750	3 182	1 914	1 688
Todesfälle . . .	2 203	2 783	2 400	1 279	1 043
        <pb n="233" />
        ﻿229

Mortalität der acht im Infektionskrankheitengesetz erwähnten Krank-
heiten 1905—1909 (relativ).

Von 1000 Krk rankten starben an	1905	1906	1907	1908	1909
Cholera ....			66,67		
Pest		87,57	79,74	86,46	83,39	82,65
Abdominaltyphus	29,79	34,68	22,77	28,80	26,76
Dysenterie . . .	36,15	48,30	35,75	47,03	32,94
Diphtherie . . .	24,56	26,98	34,62	41,94	42,55
Pocken ....	—	—	—	7,14	—
Scharlach . . .	—		—	—	—
Flecktyphus . .	—	—	—	—	—
Zusammen	80,43	74,21	75,42	66,82	61,79

Die Pestfälle 1897	1909.

Jahr	Erkrankungen	Todesfälle	Von 100 Kranken starben
1897	730	566	77,53
1898	1 233	882	71,53
1899	2 637	1 995	75,63
1900	1 079	809	74,98
1901	4 496	3 670	81,63
1902	2 308	1 853	80,29
1903	885	708	80,00
1904	4 500	3 374	74,98
1905	2 398	2 100	87,57
1906	3 272	2 609	79,74
1907	2 592	2 241	86,45
1908	1 270	1 059	83,39
1909	1 026	848	82,65
        <pb n="234" />
        ﻿Die mit Erlaubnis zum Opiumrauchen ausgestatteten Formosaner 1897—1909.

Zeitpunkt	Zahl der Opiumraucher			Von 100 männlichen Formosanern waren Opium- raucher	Von 100 weiblichen Formosanern waren Opium- raucher	Von 100 Formosanern  waren  Opium-  raucher	Ver- minderung der Opium- raucher (Sept. 1900=100)
	Männer	Frauen	zusammen				
31. XII. 1897	47 688	2 909	50 597	3,17	0,23	1,87	
31. XII. 1898	88 486	6 963	95 449	6,28	0,56	3,69	—
31. XII. 1899	121 602	9 360	130 962	8,30	0,76	4,99	—
Sept. 1900	155 975	13 089	169 064	10,66	1,05	6,24	100
31. XII. 1900	152 950	12 802	165 752	10,45	1,03	6,12	98
31. XII. 1901	145 267	12 352	157 619	9,66	0,96	5,65	93
31. XII. 1902	130 149	13 343	143 492	8,48	1,01	5,03	85
31. XII. 1903	119 959	12 944	132 903	7,79	0,97	4,63	79
31. XII. 1904	123 228	14 724	137 952	7,91	1,08	4,73	82
31. XII. 1905	115 462	15 014	130 476	7,35	1,07	4,38	77
31. XII. 1906	107 199	14 131	121 330	6,78	1,00	4,05	72
31. XII. 1907	99 883	13 282	113 165	6,28	0,93	3,74	67
31. XII. 1908	105 019	14 972	119 991	6,58	1,04	3,95	71
31. XII. 1909	96 032	13 923	109 955	5,79	0,96	3,59	65
        <pb n="235" />
        ﻿Die mit Erlaubnis zum Opiumrauchen ausgestatteten chinesischen Untertanen auf Formosa 1905—1909.

Zeitpunkt	Zahl der Opiumraucher			Von 100 männlichen Chinesen waren Opiumraucher	Von 100 weiblichen Chinesen waren Opiumraucher	Von 100 Chinesen waren Opiumraucher	Schwankung der Zahl der Opiumraucher (1905- 100)
	Männer	Frauen	zusammen				
31. XII. 1905	792	6	798	9,83	1,35	8,89	100
31. XII. 1906	838	9	847	9,29	2,02	9,44	106
31. XII. 1907	762	10	772	8,94	2,24	8,60	97
31. XII. 1908	872	12	884	10,23	2,69	9,85	111
31. XII. 1909	932	16	948	10,93	3,59	10,57	119

Verminderung der mit Erlaubnis zum Opiumrauchen ausgestatteten Formosaner 1897—1909.

J ahr	Die Zahl der Opiumraucher verminderte sich durch Fälle von			Auf je	1000 Opiumraucher kamen Fälle von	
	Tod	Abgewöhnung	Tod und Abgewöhnung ! zusammen	Tod	Abgewöhnung	Tod und Abgewöhnung zusammen
1897	1 181	1136	2 317	23,34	22,45	45,79
1898	1 682	890	2 572	17,62	9,32	26,94
1899	2 765	289	3 054	21,11	2,21	23,32
1900	7 398	244	7 642	44,63	1,46	46,09
1901	7 928	721	8 649	50,30	4,58	54,88
1902	13 942	3077	17 019	97,16	21,44	118,60
1903	8 125	1713	9 838	61,13	12,90	74,03
1904	8 065	2480	10 545	58,47	17,98	76,45
1905	7 727	4705	12 432	59,22	36,06	95,28
1906	7 310	634	7 944	60,26	5,23	65,49
1907	7 338	353	7 691	64,84	3,12	67,96
1908	7 989	593	,	8 582	66,62	4,95	71,57
1909	7 384	1603	8 987	67,39	14,58	81,96
        <pb n="236" />
        ﻿Verminderung der mit Erlaubnis zum Opiumrauchen ausgestatteten chinesischen Untertanen 1905—1909.

	Die Zahl der Opiumraucher verminderte sich durch Fälle von			Auf je 1000 Opiumraucher kamen Fälle von		
Jahr	Tod	Abgewöhnung	Tod und Abgewöhnung zusammen	Tod	Abgewöhnung	Tod und Abgewöhnung zusammen
1905	24	6	30	18,56	4,64	23,20
1906	24	2	26	17,91	1,49	19,40
1907	17	2	19	22,02	2,59	24,61
1908	24	—■	24	14,61	—	14,61
1909	35	4	39	36,96	4,22	41,18

Opiumverbrauch der Opiumraucher pro Kopf und Tag 1897—1909.

Menge des konsumierten Opiums (Momme1)....	1897	1898	1899	1900	1901	1902	1903	1904	1905	1906	1907	1908	1909
	0,74	1,21	1,24	0,89	0,55	0,80	0,92	1,04	0,95	0,99	0,97	0,94	1,07

Tödlich verlaufene Vergiftungen 1907—1909.

			Zahl der Fälle von	Vergiftungen durch				Gesamtzahl
Jahr	Genuß von Tetrodon	Hi-ten oder Roh-ten	Karbolsäure	Alkohol	Kin-yu	Arsen	Opium	Andere Gifte	der  Vergiftungs-  fälle
1907	3	2	—	'	5	l	—	9	9	29
1908	4	1	1	3	—	—	12	8	29
1909	1	1	1 2	2	l	20	8	36

a) 1 Momme = 3,75 g
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187

S i.

ioH sq	III. HT-ten oder Roh-ten.

s 3	Hi-ten oder Roh-ten ist die chinesische Bezeichnung für die

3” Iirzel von Derris chinensis Benth., einer zu den Leguminosen ge-
igen Pflanze. Diese Pflanze kommt in den nordwestlichen Teilen
sv rmosas häufig wild vor; mitunter wird sie auch kultiviert. Die
h rmosachinesen und die Formosawilden verwenden das Hi-ten zum
j&gt; H chfang. Zu diesem Zwecke werden frische Wurzeln gesammelt,
Flußufer auf einem Steine zerstampft, der herausquellende Milch-
|_t in das Flußwasser gegossen und dieses dann umgerührt. Alle
che, die sich in der Nähe aufhalten, werden dadurch vergiftet;
äubt kommen sie an die Oberfläche des Flusses, um nun von den
rauf Wartenden gefangen zu werden. Manchmal kommt es auch
f :, daß mit dem Hi-ten Selbstmord verübt wird.

Im Jahre 1903 fand Prof. K. Nagai, damals Chemiker beim
[r*nopolamt, in dem Roh-ten einen wirksamen krystallinischen Be-
ndteil, dem er den Namen Rotenon gab. Es wurde festgestellt,
3 die chemische Zusammensetzung des Stoffes C18 H16 06 ist.

. O. Kubo gelangte bei seinen Untersuchungen über das Rotenon
pharmakologischen Laboratorium der Universität Tokio zu
genden Ergebnissen:

1.	Rotenon ist anscheinend der giftige Bestandteil von Hi-ten.
wirkt giftig auf kaltblütige Tiere wie Frösche, Fische usw., auch
[ Warmblüter wie Mäuse, Kaninchen, Hunde, Menschen usw.

2.	Rotenon übt lokalen Reiz aus. Subkutan eingespritzt, ruft
an der betreffenden Stelle einen Abszess hervor. Die vomierende

f^trkung bei Menschen, Hunden usw. wird vielleicht infolge der Reiz-
rkung auf die Nerven der Magenschleimhaut von diesen reflek-
risch hervorgebracht. Der Durchfall bei Hunden wird ebenfalls
f lokalen Reiz zurückzuführen sein.

3.	Rotenon wirkt auf verschiedene Nervenzentren, namentlich
f die Zentren der Krämpfe und der Atmung, erst reizend, dann
imend. Die Todesursache liegt stets in der Lähmung der Atmungs-
itren. Auch die vasomotorischen Nervenzentren werden be-
utend erregt. Infolgedessen erhöht sich der Blutdruck, und nach
ier gewissen Zeit scheint eine stärkere oder schwächere Lähmung
ler Zentren einzutreten. Es ist ferner nicht ausgeschlossen, daß die
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