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        <title>Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa</title>
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        <pb n="2" />
        Die  hygienischen
Verhältnisse  der  Insel
FORMOSA

Im  Aufträge  des  Generalgouvernements ­
  Formosa
herausgegeben  von

Dr.  T.  Takaki

Dresden  1911
Druck  von  C.  C.  Meinhold  &amp;amp;  Söhne,  Kgl.  Hofbuchdruckerei
        <pb n="3" />
        Z u  den  wichtigsten  Faktoren,  die  für  die  Entwicklung ­
  und  Hebung  einer  Kolonie  in  Frage
kommen,  gehören  volkshygienische  Maßnahmen.
Der  Gesundheitszustand  kann  daher  sehr  wohl  als
geeigneterMaßstab  gelten,  wenn  man  den  Grad  des
allgemeinen  Fortschritts  einer  Kolonie  erkennen  will.
Die  Insel  Formosa  stand  früher  in  dem  Rufe,  eine
der  ungesündesten  Gegenden  der  Welt  zu  sein;  in
den  letzten  Jahren  jedoch  ist  erfreulicherweise  eine
bedeutende  Besserung  der  Volksgesundheit  eingetreten. ­
  Die  diesbezüglichen  Verordnungen  und  Vorschriften, ­
  die  das  Generalgouvernement  getroffen
hat,  sowie  ihre  zweckmäßige  Durchführung  haben
wir  im  letzten  Grunde  der  Hygiene  zu  verdanken;
ihr  müssen  wir  somit  den  größten  Anteil  an  den
Erfolgen  Formosas  zuerkennen.  Möge  die  Zivilisation ­
  auch  auf  das  fernere  Gedeihen  der  Insel
immerdar  segensreich  wirken.
Taihoku,  April  1911.

Dr.jur.  K.UCHIDA,
Chef  der  Zivilverwaltung.
        <pb n="4" />
        Vorwort  des  Herausgebers.

nläßlich  der  Internationalen  Hygiene-Ausstellung  Dresden  1911

hat  das  Generalgouvernement  Formosa  beschlossen,  eine
Denkschrift  herauszugeben,  um  auch  weiteren  Kreisen

eine  zutreffende  Vorstellung  von  den  gesundheitlichen  Verhältnissen
der  Inselgruppe  zu  ermöglichen.
Die  Ehre,  das  vorliegende  Buch  zu  bearbeiten,  ist  mir  zugefallen ­
  und  damit  zugleich  eine  gewisse  Verantwortlichkeit.  Wenn
der  Inhalt  des  Buches  weder  systematisch  noch  sonst  einheitlich
ist,  so  kommt  dies  daher,  daß  einerseits  lediglich  die  charakteristischen ­
  Einrichtungen  und  Tatsachen  berücksichtigt  wurden  und
daß  anderseits  auch  unter  diesen  nur  die  eine  und  die  andere  ausführlicher ­
  behandelt  sind.  Außerdem  soll  gleich  im  voraus  bemerkt
sein,  daß  eine  streng  wissenschaftliche  Darstellung  nicht  beabsichtigt
war;  viele  wichtige  und  interessante  Untersuchungen,  die  auf  Formosa ­
  angestellt  worden  sind,  mußten  unerwähnt  bleiben.
Zugrunde  liegen  meist  offizielle  Quellen;  bei  ihrer  Verwertung
haben  mich  meine  Amtsgenossen  im  Sanitätsbureau,  in  der  medizinischen ­
  Schule,  im  Regierungshospital,  im  Institut  für  experimentelle ­
  Forschungen,  in  der  Bauabteilung,  im  statistischen  Bureau
und  im  Observatorium  zu  Taihoku  mit  dem  größten  Eifer  unterstützt.
Dresden,  den  6.  Mai  1911,
am  Tage  der  Eröffnung  der  Ausstellung.
Dr.  med.  T.  TAKAKI,

Chef  des  Satiitätsbureaus,  Direktor  der
medizinischen  Schule  und  des  Instituts
für  experimentelle  Forschungen  zu  Taihoku.
        <pb n="5" />
        er  Vft;w.'trtscte‘
iDO  Kiä&amp;gt;i

26  4-  4  5.

Inhaltsverzeichnis.

Einleitung  9
1.  Geographisches  13
2.  Das  Klima  13
3.  Die  Bevölkerung  25
4.  Organe  der  öffentlichen  Gesundheitspflege  32
5.  Quarantänewesen  36
6.  Das  Institut  für  experimentelle  Forschungen  zu  Taihoku.  37
7.  Die  medizinische  Schule  zu  Taihoku  40
8.  Hospitäler  45
9.  Ärzte,  Hebammen  und  Krankenpflegerinnen  59
10.  Apotheker-  und  Arzneimittelwesen  64
11.  Hygienische  Maßnahmen  in  den  Städten  69
12.  Wasserversorgung  77
13.  Kanalisation  89
14.  Nahrungsmittelkontrolle  95
15.  Markthallen  und  Schlachthäuser  97
16.  Pest  100
17.  Andere  Infektionskrankheiten  130
18.  Malaria  133
19.  Über  einige  endemische  Krankheiten  158
20.  Das  Opium  165
21.  Arznei-  und  Giftpflanzen  172
22.  Giftschlangen  und  Giftschlangenbisse  189
23.  Mineralquellen  203
24.  Begräbnisplätze  und  Krematorien  sowie  Beerdigungs-  und
Feuerbestattungswesen  205
25.  Die  Sanitätskassen  208
26  Die  ordentlichen  Ausgaben  für  sanitäre  Zwecke  210
27.  Gefängniswesen  211
28.  Statistik  217
        <pb n="6" />
        Einleitung.
F ormosa  ist  im  April  1895  durch  den  Frieden  von  Shimonoseki
an  Japan  abgetreten  worden.  Hierüber  ergrimmt,  griff
damals  ein  Teil  der  Bevölkerung  zu  den  Waffen  und  lehnte
sich,  verbunden  mit  dem  Reste  der  chinesischen  Truppen,  gegen  die
kaiserlich  japanische  Besatzung  auf.  Dazu  kam,  daß  die  bereits  unter
der  Herrschaft  der  Chinesen  gefürchteten  Räuberbanden,  begünstigt
durch  die  Unruhen  im  Volke,  überall  ihr  Unwesen  trieben.  Nach  alledem ­
  mußten  in  der  ersten  Zeit  der  Besitzergreifung  zahlreiche  militärische ­
  Maßnahmen  getroffen  werden.  Nachdem  die  ganze  Insel  im
Mai  1902  von  Aufständischen  und  Räubern  gesäubert  worden  war,
zog,  von  einzelnen  Gebieten  der  Wilden  abgesehen,  allenthalben  der
Friede  ein,  der  seitdem  nie  wieder  unterbrochen  worden  ist.
Das  anfängliche  Überwiegen  der  kriegerischen  Tätigkeit  hatte
jedoch  auch  in  der  ersten  Zeit  die  Sorge  für  die  Volkshygiene
keineswegs  ausgeschaltet.  Die  hier  in  erster  Linie  zu  lösende
Frage,  die  den  leitenden  Kreisen  zunächst  am  meisten  zu  denken
gab,  war  die,  welche  Stellung  man  den  Opiumrauchern  gegenüber ­
  einnehmen  solle.  Während  in  Japan  das  Opiumrauchen  immer
streng  verboten  war,  fand  man  unter  den  Bewohnern  Formosas  sehr
viele  Opiumraucher  vor.  Noch  nirgends  in  der  Welt  war  damals  etwas
von  einer  Antiopiumbewegung  bekannt.  Wollte  man  das  Verbot  des
Opiumgenusses  wie  im  Inlande,  so  auch  auf  Formosa  unerbittlich
durchführen,  so  mußte  man  bedenken,  daß  eine  solche  Maßnahme  als
eine  grausame  Härte  aufgefaßt  und  von  den  Aufrührern  in  diesem
Sinne  als  Vorwand  und  japanfeindliche  Parole  benutzt  werden  würde.
Anderseits  aber  konnte  das  Opium  auch  nicht  ohne  weiteres  geduldet
werden,  weil  man  ja  dann  nicht  nur  ein  von  der  japanischen  Regierung
bis  jetzt  stets  gewahrtes  Prinzip,  sondern  auch  die  Gebote  der
Humanität  hätte  verletzen  müssen.  Dementsprechend  waren  die  Ansichten ­
  sehr  geteilt.  Da  reichte  der  damalige  Direktor  der  Sanitätsabteilung ­
  des  Ministeriums  des  Innern,  Dr.  med.  Baron  S.  Goto,  der
        <pb n="7" />
        10

spätere  Chef  der  formosaischen  Zivilverwaltung  und  jetzige  Verkehrsminister,
  eine  Denkschrift  ein,  die  von  der  kaiserlichen  Regierung  angenommen ­
  wurde.  Daraufhin  wurde  im  Januar  1897  die  Bestimmung

Eingang-  zum  Verwaltungsgebäude  des  Generalgouvernements  Formosa  zu  Taihoku
getroffen,  daß  die  derzeitigen  unheilbaren  Opiumgewohnheitsraucher
einen  besonderen  Erlaubnisschein  erhalten  und  weiter  rauchen  dürfen
sollten;  alle  anderen  Individuen,  die  diesem  Laster  noch  nicht  frönten,
sollten  davon  möglichst  fern  gehalten  und  die  Opiumschäden  überhaupt ­
  durch  erzieherischen  Einfluß  aus  der  Welt  geschafft  werden.
Da,  wie  für  alle  administrativen  Anordnungen,  so  auch  für  die
hygienischen  Maßnahmen  Landesaufnahme  und  Volkszählung
die  Voraussetzung  und  Grundlage  bilden,  wurden  bereits  im  J  ahre  1898,
also  noch  vor  der  Ausrottung  der  Räuberbanden,  Gesetze  erlassen,  die
die  Durchführung  einer  Landesaufnahme  und  die  Anlage  von  Grundbüchern ­
  forderten;  gleichzeitig  setzte  man  ein  außerordentliches
Landesaufnahmeamt  ein  und  nahm  die  Feststellung  der  Grundbesitzverhältnisse ­
  sowie  die  trigonometrischen  und  topographischen
Vermessungen  in  Angriff.  Diese  Arbeiten  wurden  im  März  1905
        <pb n="8" />
        11  —

vollendet.  Im  Mai  desselben  Jahres  wurde  eine  Verordnung  über  Zusammensetzung ­
  und  Tätigkeit  der  außerordentlichen  Volkszählungsbehörde ­
  erlassen.  Die  erste  und  bis  jetzt  einzige  Volkszählung  erfolgte
in  den  drei  Tagen  vom  1.  bis  3.  Oktober  1905.
Formosa  hat  über  3  Millionen  Einwohner.  Die  weitaus  überwiegende ­
  Mehrzahl  (1905:  95,1%)  hiervon  machen  die  aus  den
Provinzen  Fukien  und  Kwang-tung  eingewanderten  Chinesen  aus;
in  sehr  weitem  Abstande  folgen  die  chinesisierten  und  die  eigentlichen ­
  Wilden.  Unter  diesen  verschiedenen  Völkerschaften  herrscht,
ein  Erbe  von  ihren  Vorfahren  her,  beständig  Fehde.  Um  im
kaufe  der  Zeit  ein  einträchtiges  Zusammenleben  herbeizuführen,
wurden  seit  1901  Erhebungen  über  das  Gewohnheitsrecht  begonnen, ­
  das  sich  unter  ihnen  allmählich  herausgebildet  hat.  Diese
Erhebungen  sind  nunmehr  zu  Ende  geführt.

Gouverneurhaus  zu  Taihoku
Um  die  Herzen  der  Bevölkerung  zu  gewinnen,  beschloß  das
Generalgouvernement,  da  einerseits  Japan  durch  die  medizinische
Wissenschaft  für  die  westliche  Kultur  gewonnen  worden  ist  und  da  es
        <pb n="9" />
        12

anderseits  an  dem  Grundsätze  unbeschränkter  Religionsfreiheit  festhält, ­
  die  Vermittlung  der  Heilkunde  zu  benutzen.  Daher  wurden
schon  im  Jahre  1896  Krankenhäuser  zuTaihoku,  Taichu  und  Tainan
eröffnet.  Allmählich  folgten  solche  an  anderen  Orten,  und  gegenwärtig
sind  bereits  11  Hospitäler  vorhanden.  Ferner  wurde  1899  die  medizinische ­
  Schule  zu  Taihoku  errichtet,  an  der  ausschließlich  junge
Formosachinesen  zu  Ärzten  ausgebildet  werden.  Jetzt  (1911)  haben
schon  181  Studierende  die  Anstalt  erfolgreich  absolviert.  Ferner
wurden  schon  im  Jahre  1896  die  sogenannten  Kö-i,  halbbeamtete
Ärzte,  die  sich  sowohl  mit  der  Behandlung  von  Kranken  aus  dem
Volke  als  auch  mit  der  öffentlichen  Gesundheitspflege  sowie  der  Ausstellung ­
  von  Attesten  und  Gutachten  und  dergleichen  zu  befassen
haben,  an  allen  bedeutenderen  Orten  stationiert.  Augenblicklich
beträgt  ihre  Zahl  83.
In  den  der  Besitzergreifung  folgenden  Jahren  trat  die  Pest
verheerend  auf;  1901  erkrankten  4496  daran,  1904;  4500.  Doch
gelang  es  den  gemeinsamen  Bemühungen  der  Behörden  und  des
Volkes,  die  Kraft  der  Seuche  zu  brechen,  sodaß  im  Jahre  1910  nur
noch  19  Erkrankungsfälle  zu  verzeichnen  waren  und  zwar  ausschließlich ­
  in  entlegenen  Dörfern  des  Distrikts  Kagi.
Von  der  Malaria  wurden  von  jeher  sehr  viele  Menschen  befallen; ­
  insbesondere  hatten  darunter  die  Japaner  als  Neuankömmlinge ­
  stark  zu  leiden.  Infolge  der  Vervollkommnung  der  Wohnungen
und  der  Organisation  der  Häuser-  und  Straßenreinigung,  die  unter
Aufsicht  von  Polizeibeamten  vorgenommen  wird,  treten  aber  jetzt
Massenerkrankungen  im  westlichen  Flachlande  nur  noch  selten
auf;  aus  Taihoku  und  einigen  anderen  Städten  ist  die  Malaria
sogar  spurlos  verschwunden.  Nur  an  der  Ostküste  und  auf  den  Vorhöhen ­
  der  Gebirgsketten  wütet  die  Malaria  noch  weiter.
Auch  sonst  ist  sehr  viel  auf  dem  Gebiete  der  Hygiene  getan
worden.  Man  legte  Wasserleitungen  und  Kanäle,  Markthallen
und  Schlachthäuser  usw.  an  und  arbeitete  rationelle  Stadtbebauungspläne ­
  aus,  um  alsbald  ihre  Durchführung  zu  beginnen.  So  ist
jetzt  alles  ganz  anders  als  früher  geworden.  Die  erfreuliche  Wirkung
der  gesamten  Maßnahmen  ist  natürlich  die,  daß  sich  der  Gesundheitszustand ­
  der  Insulaner  wirklich  mit  jedem  Jahre  verbessert.
        <pb n="10" />
        1.  Geographisches.
D as  Generalgouvernement  Formosa  besteht  aus  der  eigentlichen
Insel  Formosa  (Taiwan),  der  Höko-(Pescadores-)Gruppe  und
einer  Anzahl  kleiner  Nebeninseln.  Es  erstreckt  sich  160  km
östlich  von  dem  in  der  chinesischen  Provinz  Fukien  gelegenen  Hafen
Amoy  und  355  km  nordöstlich  von  den  Philippinen.  Die  Hauptinsel ­
  Taiwan  liegt  zwischen  21°  45'  und  25°  38'  n.  B.  und  120°  2'  und
122°  6'  ö.  L.,  die  Höko-Gruppe  zwischen  23°  1'  und  23°  46'  n.  B.  und
119°  18'  und  119°  43'  ö.  E.
Die  größte  Breite  der  Hauptinsel  von  Osten  nach  Westen
ist  etwa  157  km,  während  ihre  Ausdehnung  von  Norden  nach  Süden
ca.  393  km  beträgt.  Bei  einer  Küstenlinie  von  1140  km  hat  sie
einen  Flächeninhalt  von  über  35  750  qkm.  Nebeninseln  besitzt  sie
14;  sie  haben  einen  Gesamtumfang  von  etwa  98  km  und  einen
Flächeninhalt  von  etwa  93  qkm.  Die  Hauptinsel  der  Höko-Gruppe
hat  einen  Umfang  von  rund  114  km  und  einen  Flächeninhalt  von
über  62  qkm  und  mit  ihren  63  Nebeninseln  zusammen  einen  Umfang ­
  von  rund  212  km  und  einen  Flächeninhalt  von  über  62  qkm.
Der  Gesamtflächeninhalt  des  Ganzen  gleicht  also  beinahe  dem
der  Insel  Kiushu.  Auch  die  Bodengestaltung  ist  in  mancher  Beziehung ­
  ähnlich.  So  durchziehen  mächtige  Gebirgsketten  die  Mitte
von  Taiwan  und  teilen  die  Insel  der  Hänge  nach  in  eine  östliche
und  eine  westliche  Hälfte.  Die  östliche  Hälfte  fällt  jählings  ins
Meer  ab,  während  die  westliche  eine  fruchtbare  Ebene  von  ansehnlicher ­
  Ausdehnung  bildet.
Von  den  Gebirgszügen,  die  die  Mitte  der  Insel  durchziehen,
ist  die  Sylvia-Kette  der  mächtigste.  Sie  erhebt  sich  am  Kap  Dom
südlich  Suö  zu  Gipfeln,  die  mehrere  Tausend  Fuß  hoch  sind  —
der  Sylvia-Berg  selbst  erreicht  eine  Höhe  von  etwa  4000  m  —,
macht  eine  kleine  Biegung  nach  Süden  hin  und  zieht  bis  zum  Schneeberg
  (Taisetzu-zan)  weiter,  wo  sich  die  Kette  ein  wenig  nach  Westen
wendet.  Dann  nimmt  sie  die  südliche  Richtung  wieder  an  und  erhebt
        <pb n="11" />
        14

Bambuswald

sich  als  Shükoran-  und  Pinan-Gipfel
  zu  einer  Höhe  von
etwa  3600  m,  bis  sie  bei  Köshun
  im  Südkap  endet.  Ein
anderer  Gebirgszug,  dieNitakayama-Kette,
  beginnt  im
Kabusran-Berge,  umgeht  den
Sylvia-Zug  auf  der  nordwestlichen ­
  Seite,  läuft  bei
Taiko  und  Töseikaku  vorbei ­
  und  bildet  bei  Horisha
die  Berggruppen  von  Kantösan,
  Shujötaisan  usw.
Sich  weiter  nach  Süden  erstreckend, ­
  erreicht  sie  im
Nitakayama  (Mount  Morrison) ­
  eine  Höhe  von  etwa
4300  m.  Sie  weist  im  Süden
noch  einige  andere  Berge  von
gleicher  Plöhe  auf,  bis  sie
sich  am  Pinan-Gipfel  mit  der
Sylvia-Kette  vereinigt.  Eine
dritte,  nicht  über  1500  m
hohe  Kette  entspringt  am
nördlichen  Rande  des  Kabusran-Gebirges.
  Sie  wendet
sich  als  Sanshö-  und  Sorei-Gebirge
  zunächst  nach  Südwesten, ­
  um  sich  dann,  westlich ­
  an  Töseikaku  und
Horisha  und  östlich  an  Kagi
vorbei,  in  südlicher  Richtung
bis  nach  Hözan  zu  erstrecken.
Die  Berge  im'  nördlichen
Teile  von  Formosa  sind  ungleichmäßig ­
  hoch;  es  befinden ­
  sich  einige  ziemlich
        <pb n="12" />
        15

ansehnlicheSpitzen  darunter,
wie  der  Daitonzan  im  Norden
des  Distrikts  Taihoku  (etwa
1100  m),  der  an  verschiedenen ­
  Stellen  Schwefeldämpfe ­
  ausströmt  und  reich
an  heißen  Quellen  ist,  oder
der  am  Hafeneingang  von
Tamsui  emporragende  Kannonzan
  (600  m),  der  wegen
seiner  schönen  Gestalt  berühmt ­
  ist.
Große  Wasseradern
gibt  es  infolge  dieser  zahlreichen ­
  Bängsketten  naturgemäß ­
  nicht.  Von  einiger
Bedeutung  sind  die  Flüsse
Tamsui,  Körökel,  Taiankei,
Taikölcei,  Taitokei,  Dakusuike'i,
  Sobunkei,  Katamsuikei,
  Pinantaikei,  Shükorankei
  und  Karenkökei.  Sie
haben  sämtlich  starkes  Gefälle. ­
  Nach  den  starken
Regengüssen  im  Juli  und
August  treten  die  Flüsse  mit
außerordentlicher  Schnelligkeit ­
  über,  wobei  die  Ufer
stark  beschädigt  werden,
und  setzen  die  Felder  unter
Wasser.  Dann  kommt  es
vor,  daß  der  Verkehr  auf
Wochen  abgeschnitten  wird.
Sobald  aber  die  trockene
Witterung  eintritt,  versiegen ­
  die  kürzeren  Flüsse
gänzlich.

Betelnußwald
        <pb n="13" />
        i

—  16  —
Die  Westküste  der  Hauptiusel  besteht  meist  aus  Untiefen  mit
abgelagertem  Schlamm  und  Sand,  während  im  Osten  eine  Steilküste ­
  vorherrscht,  die  mitunter  von  Sandbänken  umsäumt  wird.
An  Einschnitten  ist  die  Küste  sehr  arm.  Zu  nennen  sind  da
eigentlich  nur  Kilung  im  Norden  und  Takao  im  Süden,  daneben
höchstens  noch  Tamsui,  Amping,  Tokatsukutsu,  Rokkö,  Taihanroku,
Pinan,  Karenkö,  Suö  usw.  Doch  können  nur  die  beiden  erstgenannten
Häfen  größere  Schiffe  aufnehmen.
Der  Boden  der  Insel  ist  fruchtbar;  man  erzielt  j  ähnlich  eine  zweimalige ­
  Reisernte.  Der  Südwesten,  wo  sich  die  Hauptebene  erstreckt,
weist  sehr  ertragreiche  Zuckerrohrkulturen  auf.  Auch  der  verhältnismäßig ­
  am  stärksten  gebirgige  Norden  und  Osten  ist  ziemlich  reich  an
anbaufähigem  Flachlande.  Dieses  zieht  sich  hier  zwischen  Bergen  hin,
in  denen  sich  Gold,  Kohle,  Petroleum,  Marmor,  Schiefer  u.  a.  finden.
Überall  in  den  Gebirgen  erheben  sich  die  für  Formosa  charakteristischen ­
  Kampferwälder;  ebenso  finden  sich  sehr  zahlreiche  Betelnuß- ­
  und  Bambuswälder.
Die  Höko-Inseln  sind  überall  steinigt  und  erzeugen  kein  Reiskorn. ­
  Dafür  hat  aber  die  Inselgruppe  in  Makiu  einen  von  der  Natur
sehr  begünstigten  Hafenplatz  mit  vorzüglicher  Reede,  deren  Wassertiefe ­
  bedeutend  genug  ist,  um  auch  die  größeren  Schiffe  beherbergen
zu  können.  Daher  suchen  und  finden  alle  Schiffe,  welche  in  der  Nähe
einem  Taifun  begegnen,  hier  stets  sichere  Zuflucht.
        <pb n="14" />
        17

Urwald  im  Arisan-Gebirge
Die  hygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.
        <pb n="15" />
        2.  Das  Klima. 1}

D ie  Insel  Formosa  wird  durch  den  nördlichen  Wendekreis  ungefähr ­
  halbiert.  Sie  liegt  daher  teils  in  der  tropischen,  teils
in  der  subtropischen  Zone.  Der  Sommer  ist  lang  und  sehr
heiß.  Besonders  in  den  Monaten  Juli  und  August  erreicht  die  Maximaltemperatur ­
  jeden  Tag  30°  Cund  mehr;  manchmal  dauert  diese  Hitze
monatelang.  Der  Winter  ist  sehr  mild,  auch  nur  einigermaßen  strenge
Kälte  fast  gänzlich  unbekannt.  Schnee  fällt  nur  auf  den  höchsten
Bergen,  Reif  nur  in  dem  nördlichen  Teile  der  Insel  und  auch  hier  nur
selten.  In  den  letzten  fünfzehn  J  ahren  sank  die  Temperatur  nur  ein
einziges  Mal  unter  den  Gefrierpunkt.  Das  j  ährliche  Mittel  ist  22,7  °.  Im
Juli  steigt  die  durchschnittliche  Temperatur  bis  auf  27,6°.  Die  durchschnittliche ­
  Maximaltemperatur  beträgt  sogar  31,4°.  Der  kälteste
Monat  ist  der  Februar.  Seine  Durchschnittstemperatur  ist  16,2°,
die  durchschnittliche  Minimaltemperatur  13,2°.  Die  absoluten
Extreme  liegen  zwischen  über  37°  und  0°,  doch  werden  sie  nur  in
sehr  wenigen  Jahren  erreicht.
Rings  um  Formosa  ist  von  Mitte  September  bis  März  der
nordöstliche  Monsun  der  vorherrschende  Wind.  Daher  ist  es  zu
dieser  Zeit  auf  dem  umliegenden  Meere  stürmisch.  Besonders  im
Formosa-Kanal  sind  die  Schiffer  nicht  selten  großen  Gefahren
ausgesetzt.  Von  April  bis  September  herrscht  der  südliche  Monsun.
Da  seine  Stärke  nur  gering  ist,  so  ist  dann,  wenn  man  von  den
Taifunen  absieht,  das  Meer  meistens  sehr  ruhig.  Taifune  kommen
auf  dem  umliegenden  Meere  jährlich  ziemlich  oft  vor,  meist  im
August  und  September.
Die  die  Insel  von  Norden  nach  Süden  durchziehenden  hohen
Gebirgsketten  haben  natürlich  Einfluß  auf  die  Niederschlagsverhältnisse. ­
  Im  Winter,  wenn  der  nordöstliche  Monsun  vorherrscht, ­
  ist  das  Wetter  in  Nord-  und  Südformosa  sehr  verschieden.
*)  es  liegen  im  großen  und  ganzen  15  jährige  Beobachtungen  zugrunde
(1896—1910)
        <pb n="16" />
        19

2*

Der  nordöstliche  Monsun  weht  über  die  Meeresfläche  hin  und
führt  viel  Wasserdampf  mit  sich.  Stößt  er  dann  in  Nordformosa
in  der  Umgegend  von  Kilung  gegen  die  kalten  Höhen  des  Gebirges,
so  kondensiert  sich  dieser  Wasserdampf,  bildet  Wolken  und  fällt
als  Regen  herab.  Daher  ist  in  dieser  Zeit  das  Wetter  in  Nordformosa ­
  Tag  für  Tag  trübe  und  regnerisch  —  die  Regenzeit  ist
da.  Im  Dandangai-Tale,  von  wo  die  Wasserleitung  der  Stadt  Kilung
ihren  Wasserbedarf  deckt,  erreicht  die  Regenmenge  jährlich  über
5000  mm.  Kein  anderer  Ort  in  Ostasien  weist  eine  gleich  große
Ziffer  auf.  In  der  Stadt  Taihoku  dagegen,  die  von  Kilung  nur  23  km
entfernt  ist,  ist  die  Regenmenge  kaum  noch  halb  so  stark.
Daher  kommt  es  im  Winter  nicht  selten  vor,  daß  man  in  Taihoku
das  schönste  Wetter  hat,  während  es  in  Kilung  stark  regnet.
Je  weiter  man  nach  Süden  geht,  desto  geringer  wird  die  Regenmenge ­
  und  desto  heiterer  das  Wetter.  In  den  Küstengegenden  wird
man  sogar  durch  Dürre  gepeinigt.
Sobald  aber  der  nordöstliche  Monsun  zu  Ende  ist  und  der
südliche  Monsun  seine  von  April  bis  September  dauernde  Herrschaft
antritt,  beginnt  die  Regenzeit  in  Südformosa.  Allerdings  ist  die
Windstärke  des  südlichen  Monsuns  nicht  so  groß  wie  die  des
nordöstlichen;  dafür  suchen  aber  Donner  und  Blitz  den  südlichen
Teil  der  Insel  häufig  heim,  wo  es  zu  dieser  Zeit  meist  regnerisch
und  naß  ist.  Wenn  sich  noch  ein  Taifun  dazu  gesellt,  schwillt  die
Regenmenge  eines  einzigen  Tages  auf  mehrere  hundert  Millimeter
an.  In  einigen  südformosaischen  Orten  am  westlichen  Fuße  jener
hohen,  die  Mitte  der  Insel  durchziehenden  Ketten  überschreiten  die
Niederschlagsmengen  die  Höhe  von  3000  mm.  Nicht  weniger  als
80%  davon  fallen  im  Sommer.  In  Nordformosa  dagegen  ist  genau
zu  derselben  Zeit  das  Wetter  meist  heiter.
Wie  oben  erwähnt,  ist  es  in  Nordformosa  im  Winter  immer  feucht
und  naß;  der  Feuchtigkeitsgehalt  übersteigt  85%,  während  er  im
Sommer  bis  auf  80%  sinkt.  Das  Gegenteil  davon  trifft  in  Südformosa
zu:  im  Winter  ist  es  überwiegend  heiter  und  trocken,  wobei  der
Feuchtigkeitsgehalt  der  Duft  bis  auf  75%  und  darunter  sinkt;  im
Sommer  aber  steigt  er  auf  83%.
Gehen  wir  nun  etwas  näher  auf  die  klimatischen  Verhältnisse
der  einzelnen  Monate  ein.
        <pb n="17" />
        20

Der  Januar  ist  als  Vorbote  des  nächstfolgenden  und  kältesten
Monats  zu  charakterisieren.  Seine  Durchschnittstemperatur  schwankt
zwischen  15,7  0  in  Taihoku  und  20,7  0  in  Köshun.  Je  weiter  man  nach
Süden  geht,  desto  größer  ist  die  Wärme.  Den  wärmsten  Januar
brachte  das  Jahr  1897;  die  Temperatur  stieg  damals  in  Tainan  auf
32,4°.  Am  kältesten  war  der  Januar  im  folgenden  Jahre,  wo  die
Temperatur  in  Taichu  bis  auf  3,4°  sank.  Eine  solche  Erscheinung  gehört ­
  freilich  zu  den  Seltenheiten.  Im  allgemeinen  ist  der  Monat  sehr
veränderlich,  bald  warm,  bald  kalt.  In  der  Umgebung  der  Insel
herrscht  der  nordöstliche  Monsun  vor.  Seine  Windstärke  ist  recht
bedeutend.  Besonders  ist  dies  im  Formosa-Kanal  der  Fall,  so  daß
hier  das  Meer  unruhig  und  stürmisch  ist.  In  den  Küstengegenden
des  nördlichen  Formosa  ist  das  Wetter  fast  jeden  Tag  trüb  und  der
Himmel  bewölkt.  In  Südformosa  dagegen  regnet  es  zu  dieser  Zeit
sehr  selten,  und  an  den  meisten  Tagen  hat  man  recht  schönes  Wetter.
In  Kilung  hat  der  Januar  durchschnittlich  23  regnerische  Tage,  in
Tainan  durchschnittlich  nur  6.
Der  Februar  ist  der  kälteste  Monat.  Die  durchschnittliche
Temperatur  in  Taihoku  ist  14,1°.  Am  höchsten  ist  sie  mit  20°
in  Köshun.  Der  Unterschied  zwischen  Norden  und  Süden  ist  also
5,9°.  Die  Wärme  nimmt  von  Norden  nach  Süden  ständig  zu.
Am  höchsten  war  die  Temperatur  im  Jahre  1898  in  Tainan,  wo  sie  auf
31,3°stieg.  Im  Jahre  1901  war  es  am  kältesten  und  zwar  in  Taichu;
die  Temperatur  sank  hier  bis  auf  —  1  °.  Das  war  in  dem  letzten  Jahrzehnt ­
  das  einzige  Mal,  daß  der  Nullpunkt  unterschritten  wurde.  In
einer  alten  chinesischen  Schrift  wird  einmal  erwähnt,  daß  das  Eis
einen  Zoll  dick  gewesen  sei.  Das  ist  aber  wohl  weiter  nichts  als  eine
Übertreibung  der  Phantasie.  Frost  allerdings  bringt  der  Februar  hie
und  da,  und  auf  den  höheren  Bergen  sieht  man  in  dieser  Zeit  Schnee
liegen.  Windrichtung  und  Windstärke  entsprechen  dem  vorigen  Monat:
der  nordöstliche  Monsun  ist  vorherrschend.  Im  Norden  der  Insel
ist  das  Wetter  meistens  regnerisch,  in  Südformosa  fast  immer  heiter.
Mit  diesem  Monat  ist  die  formosaische  Kälteperiode  vorüber;
im  Mär  z  wird  es  jeden  Tag  wärmer.  Die  Temperatur  ist  weit  höher  als
im  Februar.  Sie  beträgt  durchschnittlich  in  Kilung  gegen  16,7°  und
in  Köshun  22,3°.  Die  höchste  Temperatur  ward  im  Jahre  1907
in  Taitö  mit  34,9°  verzeichnet,  die  niedrigste  1906  in  Taihoku
        <pb n="18" />
        21

mit  4,2°.  Die  ungewöhnlich  hohe  Wärme  in  Taitö  wird  durch  einen
heißen  Wind  verursacht,  der  dem  Föhn  der  Alpentäler  gleicht  und
jenem  Orte  eigentümlich  ist.  Im  März  herrscht  der  nordöstliche
Monsun  weiter,  aber  seine  Stärke  ist  geringer  als  im  Februar.  Im
nördlichen  Teile  ist  das  Wetter  noch  immer  regnerisch,  in  Südformosa
bei  seltenem  Regenfall  noch  immer  heiter.

■
Meteorologisches  Observatorium  zu  Taihoku
April,  Das  Wetter  wendet  sich  plötzlich,  um  in  die  Sommerzeit ­
  überzugehen.  Die  Temperatur  in  diesem  gewöhnlich  milden
und  warmen  Monat  ist  gleich  der  Durchschnittstemperatur  des
ganzen  Jahres;  sie  schwankt  zwischen  20°  in  Kilung  und  24,7°  in
Köshun.  Als  höchste  Temperatur  überhaupt  beobachtete  man  34,8°
und  zwar  1901  in  Taihoku,  als  niedrigste  8,1°  im  Jahre  1909  am
gleichen  Orte.  Doch  tritt  eine  derartige  Kälte  in  diesem  Monat  nur
ganz  ausnahmsweise  auf;  außerhalb  der  nördlichen  Gegend  beträgt
die  Wärme  nirgends  unter  10°.  Der  nordöstliche  Wind  weht  noch
immer,  aber  sehr  schwach;  das  Meer  ist  still  und  ruhig.  In  Nordformosa ­
  ist  das  Wetter  noch  etwas  trüb,  doch  viel  besser  als  in  den
vorhergehenden  Monaten,  und  mit  jedem  Tage  heitert  es  sich  mehr
        <pb n="19" />
        22

auf.  In  Südformosa  fällt  wenig  Regen;  das  Wetter  ist  hier  überwiegend ­
  schön.
Im  Mai  hat  die  Insel  vollkommen  sommerliche  Witterung.
Die  durchschnittliche  Temperatur  steigt  sehr  hoch:  sie  schwankt
zwischen  23,4°  in  Kilung  und  26,4°  in  Köshun.  Am  höchsten
war  sie  1897  mit  36,5°  in  Taihoku,  am  niedrigsten  1905  mit  14,4°
ebenda.  Eine  so  hohe  Wärme  wie  36,5°  ist  etwas  Außergewöhnliches,
doch  überschreitet  —  von  den  Pescador-Inseln  abgesehen  —  das
Maximum  32  °.  Es  ist  zwar  noch  nordöstlicher  Monsun,  aber  die  Windrichtung ­
  schlägt  jetzt  bereits  sehr  oft  um.  Die  Windstärke  nimmt
bedeutend  ab.  Die  Zahl  der  regnerischen  Tage  im  nördlichen  Teile
übersteigt  noch  die  in  Südformosa,  die  Regenmenge  jedoch  ist  in
Südformosa  größer.  Gewitter  sind  in  diesem  Monat  häufiger.  Ganz
vereinzelt  wüten  Taifune  in  der  Umgegend  der  Insel.
Juni.  Die  Hitze  steigt  stetig.  Die  Durchschnittstemperatur
schwankt  zwischen  26°  in  Kilung  und  27,1°  in  Tainan  und  Köshun.
Am  heißesten  war  es  im  Jahre  1903  in  Taitö  (37,9°),  am  kältesten  im
Jahre  1899  in  Taihoku  und  Taichu  (16,8°).  Diese  große  Hitze  in
Taitö  war  jedoch  eine  durch  jenen  heißen  Wind  hervorgerufene
Ausnahme.  Die  Windrichtung  ist  unbestimmt,  die  Kraft  der
Winde  sehr  gering,  das  Meer  noch  ebenso  ruhig  wie  im  April  und
Mai.  Die  Niederschlagsmenge  nimmt  in  Südformosa,  wo  es  seit
dem  Juni  immer  öfter  regnet,  bedeutend  zu,  im  Norden  etwas  ab.
Es  regnet  in  diesem  Monat  an  allen  Orten  an  mehr  als  an  10  Tagen.
Im  Juli  steigt  die  Hitze  beständig  und  erreicht  ihr  Maximum.
Die  Durchschnittstemperatur  der  ganzen  Insel  ist  über  27°,  der  Unterschied ­
  zwischen  Süd-  und  Nordende  geringer  als  1°.  Am  heißesten
war  es  im  Jahre  1906  mit  37,2°  in  Taitö,  am  kühlsten  in
Taihoku  1897  mit  19,5°.  Vorherrschend  weht  schwacher  Südwind.
Nordformosa  hat  heiteren,  Südformosa  trüben  Himmel;  regnet  es  in
Kilung  gewöhnlich  höchstens  an  10  Tagen,  so  im  Süden  an  20.  Da
die  Taifune  in  dieser  Zeit  nach  und  nach  häufiger  werden,  beginnt
jetzt  die  schwere  Zeit  für  die  Schiffer.
Der  August  ist  nicht  minder  heiß.  Die  durchschnittliche
Temperatur  steigt  an  den  meisten  Orten  über  27°.  Im  Jahre  1902
war  es  am  heißesten  und  zwar  in  Taichu.  Das  Thermometer  stieg
damals  dort  auf  37,2°.  Diese  Maximaltemperatur  ist  also  ebenso
        <pb n="20" />
        —  23  —
hoch  wie  die  im  Juli  1906  zu  Taitö  beobachtete  und  mit  dieser
zusammen  nächst  der  im  Juni  1903  zu  Taitö  die  höchste  überhaupt.
Am  tiefsten  sank  die  Temperatur  1904  in  Taihoku  (19,7°).  Wie  im
Juli  herrscht  auch  im  August  meist  schwacher  Südwind.  Die  Regenmenge ­
  in  Südformosa  ist  in  diesem  Monat  am  reichlichsten:  es  hat
zwei  Drittel  Regentage.  Auch  wüten  jetzt  häufig  gewaltige  Taifune.
Daher  sind  Not  und  Gefahr  zu  Lande  wie  zu  Wasser  im  August  am
größten.
September.  Die  Hitze  mäßigt  sich  etwas,  bleibt  aber  doch
ungefähr  so  stark  wie  im  Juni.  Die  durchschnittliche  Temperatur
schwankt  zwischen  26,1°  in  Taihoku  und  27,1°  in  Tainan.  Am
höchsten  war  die  Temperatur  im  Jahre  1897  in  Tainan  (36,6°),  am
niedrigsten  im  Jahre  1902  in  Taihoku  (13,5°).  Eine  derartig  geringe ­
  Temperatur  ist  ganz  selten.  In  diesem  Monat  schlägt  der
Wind  wieder  um,  und  von  neuem  setzt  mit  stetig  wachsender
Stärke  der  nordöstliche  Monsun  ein.  In  Südformosa  ist  die  Regenzeit ­
  vorüber,  in  Nordformosa  beginnt  sie  zum  zweiten  Male;  in  der
Gegend  von  Kilung  wird  es  mit  jedem  Tage  trüber.  Auch  im
September  gibt  es  manchmal  noch  Taifune.
Im  Oktober  wird  es  stetig  kälter.  Die  durchschnittliche
Temperatur  schwankt  zwischen  23,3°  in  Taihoku  und  25,5°  in  Köshun.
Sie  ist  also  um  2—4°  niedriger  als  im  Juli.  Am  höchsten  war  die
Temperatur  im  Jahre  1909  in  Taichu  (34,9°),  am  niedrigsten  im  Jahre
1899  in  Taihoku  mit  nur  12,6°,  einem  allerdings  recht  selten  vorkommenden ­
  Minimum.  Der  nordöstliche  Monsun  hält  weiter  an.
Seine  Stärke  ist  schon  viel  intensiver,  das  Meer  daher  unruhig  und
gefährlich.  Die  Regenmenge  nimmt  in  Nordformosa  immer  mehr  zu,
in  Südformosa  bedeutend  ab;  in  manchen  Jahren  fällt  an  der  südwestlichen ­
  Küste  in  diesem  Monat  kein  einziger  Tropfen.
Die  durchschnittliche  Temperatur  des  Novembers  schwankt
zwischen  19,7°  in  Taihoku  und  23,2°  in  Köshun;  die  Unterschiede
werden  von  diesem  Monat  an  ständig  größer.  Am  höchsten  war  die
lemperatur  —  gewöhnlich  bleibt  sie  an  allen  Orten  unter  32°  —  im
Jahre  1897  mit  35,2°  in  Tainan,  am  niedrigsten  im  Jahre  1899  mit
6,9°  in  Taichu.  Abgesehen  von  den  Pescador-Inseln  und  dem  südlichsten ­
  Teil  der  Insel  sinkt  die  Temperatur  ab  und  zu  allenthalben
unter  10°.  Der  nordöstliche  Monsun  erlangt  im  November  seine  größte
        <pb n="21" />
        24

Stärke:  im  Formosa-Kanal  ist  es  unaufhörlich  stürmisch.  In
der  Umgebung  von  Kilung  fällt  in  diesem  Monat  die  größte  Regenmenge, ­
  während  sie  in  Südformosa  ganz  geringfügig  ist.  In  Kilung
regnet  es  im  November  durchschnittlich  an  23  Tagen,  in  Tainan  dagegen ­
  nie  an  mehr  als  5  Tagen.  Die  Taifune  hören  auf;  in  den  letzten
Jahren  kamen  sie  um  diese  Zeit  nur  dann  und  wann  in  der  Nachbarschaft ­
  vor  und  zwar  auf  den  Riukiu-Inseln,  von  wo  die  für  Formosa
gefährlichsten  Taifune  zu  kommen  pflegen.
Im  Dezember  verringert  sich  die  Wärme  noch  bedeutend:  die
eigentliche  Winterzeit  beginnt.  Die  durchschnittliche  Temperatur
schwankt  zwischen  16,7°  in  Taihoku  und  21,3°  in  Köshun.  Der  Unterschied ­
  zwischen  Süden  und  Norden  wird  in  diesem  Monat  am  größten.
Am  höchsten  war  die  Temperatur  im  Jahre  1905  in  Tainan  (30,5°),
am  niedrigsten  im  Jahre  1906  in  Taichu  mit  nur  4,3°.  Manchmal
stellt  sich  schon  Frost  ein;  bisweilen  liegt  auf  den  Gebirgen  in  der
Umgebung  von  Taihoku  und  auf  den  großen  Uängsketten  frisch
gefallener  Schnee.  Der  nordöstliche  Monsun  herrscht  vor;  seine  Stärke
ist  sehr  bedeutend.  Nordformosa  hat  Regenwetter,  während  in  Südformosa ­
  der  Himmel  heiter  ist.
        <pb n="22" />
        Eine  formosachinesische  Familie

3.  Die  Bevölkerung.
D as  Generalgouvernement  Formosa  ließ  von  Anfang  seiner
Regierung  an  durch  die  Polizei  eine  Bevölkerungs-  und  Haushaltungsstatistik ­
  aufnehmen.  Die  erste  Volks  Zahlung
fand  im  Oktober  1905  statt;  über  ihre  Ergebnisse,  die  trotz  des
Mangels  einer  größeren  praktischen  Erfahrung  recht  zufriedenstellend
waren,  sind  mehrere  Berichte  in  japanischer  Sprache  veröffentlicht
worden;  auch  eine  kurz  gefaßte  englische  Ausgabe  ist  unter  dem
Titel  Population  Census  of  Formosa  1905  erschienen.
Erst  seit  dieser  Zeit  sind  wir  in  der  Eage,  Größe  und  Bewegung ­
  der  Bevölkerung  hinreichend  genau  angeben  zu  können.
Die  nachfolgenden  Ziffern,  die  auf  jener  Zählung  fußen,  zeigen  die
Menge  der  Bevölkerung  und  den  Grad  ihrer  Vermehrung  für  den
Zeitraum  1906—09,  oder  besser,  jemals  für  das  Ende  dieser  Jahre.
        <pb n="23" />
        26

Zeit

Bevölkerungszahl

Vermehrung  °/oo

Ende  1906

3  193  708

10,7

„  1907

3  223  968

9,5

„  1908

3  252  589

8,9

,,  1909

3  290  186

11,6

Hieraus  läßt  sich  die  Bevölkerungsdichte  leicht  berechnen.
Für  Ende  1909  beispielsweise  entfielen,  da  der  Flächeninhalt  der
Inselgruppe  2322  Quadrat-Ri  35  972,441  qkm  beträgt,  auf
1  Quadrat-Ri  15,423  qkm  1411  Personen.  Schließt  man  diejenigen ­
  Wilden,  die  außerhalb  der  Verwaltungsbezirke  hausen  (121981)
und  den  von  ihnen  bewohnten  Flächenraum  aus,  so  bleiben  1240,3
Quadrat-Ri  und  3  168  205  Einwohner  übrig,  d.  h.  es  kommen  dann
auf  1  Quadrat-Ri  2554  Personen.
Nicht  ganz  so  einfach  gestaltet  sich  die  Beantwortung  der
Frage,  inwieweit  die  sich  in  den  obigen  vier  Zahlen  widerspiegelnde
Bevölkerungsbewegung  auf  natürliche  Ursachen  zurückzuführen
ist,  d.  h.  inwieweit  Zu-  oder  Abnahme  infolge  von  Geburt
und  Tod  vorliegt.  Um  dies  zu  erkennen,  darf  man  nämlich  nicht
von  diesen  vier  Zahlen  ausgehen.  Denn  in  Formosa  herrscht
ziemlich  starke  Zu-  und  Abwanderung.  Man  muß  somit  die  Geburtsund ­
  Sterbeziffern  selbst  heranziehen.  Dabei  empfiehlt  es  sich  im
Interesse  größerer  Exaktheit,  die  außerhalb  der  Verwaltungsbezirke
wohnenden  Wilden  völlig  außer  acht  zu  lassen,  da  für  sie  sichere
statistische  Angaben,  besonders  gerade  solche  bezüglich  der  Geburten
und  Todesfälle,  nicht  möglich  sind.  Unter  dieser  Voraussetzung
ergibt  sich  für  je  1000  Einwohner  das  folgende  Bild.

Jahr

Geburten

Sterbefälle

Überschuß

1906

39,3

34,0

5,3

1907

39,9

33,1

6,8

1908

39,1

32,6

6,5

1909

41,1

31,8

9,3
        <pb n="24" />
        28

Man  sieht  im  allgemeinen,  daß  sich  diese  Zahlen  von  denen  der
Gesamtbevölkerungsbewegung  nicht  unwesentlich  unterscheiden,  und
im  besonderen,  daß  die  Geburtenziffer  allmählich  zugenommen,  die
Sterbeziffer  aber  sich  fortgesetzt  vermindert  hat.  Das  haben  wir  dem
Steigen  des  allgemeinen  Wohlstandes  und  der  Verbesserung  der
sanitären  Verhältnisse  zu  verdanken.

Versammlung  von  Formosawilden

Ein  vom  hygienischen  Standpunkt  wichtiges  Ergebnis  der
Volkszählung  von  1905  ist  ferner  die  Klarlegung  gewisser  demographischer ­
  Tatsachen.  Ebenso  grundlegend  wie  interessant  ist
da  die  Gliederung  der  formosaischen  Bevölkerung  in  Rassen  und
Stämme,  wie  sie  die  nebenstehende  Übersicht  angibt,  die  zugleich
die  Verteilung  auf  die  beiden  Geschlechter  berücksichtigt. 1 )

*)  die  außerhalb  der  Verwaltungsbezirke  wohnenden,  noch  nicht  unterworfenen ­
  Wilden  sind  nicht  mitgezählt
        <pb n="25" />
        29

zus.  zusammen,  m.  männlich,  w.  weiblich.

Rassen  und  Stämme

absolut

relativ

auf  je
100  Männer
entfallen
Frauen

A.  Japaner  ....  zus.

57  355

1,9

m.

34  624

w.

22  711

65,6

B.  Formosaner  .  .  zus.

2  973  280

97,8

m.

1  567  548

w.

1  405  732

89,7

1.  Formosachinesen  .  zus.

2  890  485

95,1

m.

1  527  012

w.

1  363  473

89,3

a)  Fukinesen  .  .  zus.

2  492  784

82,0

m.

1  319  966

w.

1  172  818

88,9

b)  Kantonesen  .  zus.

397  195

13,1

m.

206  699

w.

190  496

92,2

c)  andere  ....  zus.

506

0

m.

347

w.

159

45,8

2.  Chinesisierte  Wilde  zus.

46  432

1,5

m.

22  708

w.

23  724

104,5

3.  Formosawilde  .  .  zus.

36  363

1,2

m.

17  828

w.

18  535

104,0

C.  Ausländer  ....  zus.

9136

0,3

m.

8  644

w.

492

5,7

1.  chin.  Untertanen  .  zus.

8  973

0,3

m.

8  527

w.

446

5,2

2.  andere

163

0

m.

117

w.

46

39,3

ABC.  Gesamtbevölkerung

  zus.

3039  751

100,0

m.

1  610  816

w.

1  428  935

88,7
        <pb n="26" />
        30

Bei  Japanern  und  Ausländern  sind  die  Familienverhältnisse
nicht  natürlich;  die  meisten  leben  ledig.  Infolgedessen  sind  bei
ihnen  auch  die  Altersklassen  nicht  in  der  natürlichen  Weise  vertreten,
während  sie  bei  den  Formosanern  eine  regelrechte  Pyramide  bilden.
Nach  diesen  allgemeinen  Bemerkungen  wird  es  gut  sein,  noch
Zahl  und  Arten  der  Gebrechlichen  zu  betrachten.  Sie  sind  stark
vertreten:  unter  je  10  000  Einwohnern  sind  52  Blinde,  13  Taubstumme, ­
  7  Idioten  und  3  Irrsinnige.  Die  Blindheit  ist  meist  die
Folge  der  Trachomkrankheit.

A.  Zahl  der  Gebrechlichen.

Arten  der  Gebrechlichkeit

Zahl  der
Gebrechlichen ­


Prozentualer  Anteil
der  einzelnen  Klassen
der  Gebrechlichen  an
der  Gesamtzahl  der
Gebrechlichen

Personen  mit  einem  Gebrechen:

Blind

15  582

68,8

Taubstumm

3  929

17,4

Idiotisch

1  961

8,7

Irrsinnig

976

4,3

Zusammen

22  448

99,2

Personen  mit  zwei  Gebrechen:

Blind  und  taubstumm.  .  .

58

0,3

Blind  und  idiotisch  ....

20

0,1

Blind  und  irrsinnig  ....

11

0,1

Taubstumm  und  idiotisch  .

77

0,3

Taubstumm  und  irrsinnig  .

9

0

Irrsinnig  und  idiotisch.  .  .

9

0

Zusammen

184

0,8

Personen  mit  drei  Gebrechen:

Blind,  taubst,  und  idiotisch

2

0

Blind,  taubst,  und  irrsinnig

2

0

Zusammen

4

0

Gesamtzahl  überhaupt  ....

22  636

100,0
        <pb n="27" />
        31

B.  Die  Gebrechlichkeit  nach  ihrer  Verursachung.

Angeboren

Krankheit

Verletzung

Ursache
unbekannt

Insgesamt

abs.

rel.

abs.

rel.

|  abs.

rel.

1  abs.  rel.

abs.

rel.

Blind

773

4,9

14  726

94,0

172

1,1

4  0

15  675

100

Taubst.

3177

77,9

887

21,8

8

0,2

5  0,1

4  077

100

Idiot.

1454

70,3

605

29,2

2

0,1

8  0,4

2  069

100

Irrsinn.

102

10,1

898

89,2

4

0,4

3  0,3

1  107

100

Summe

5506

24,1

17  116

75,0

186

0,8

;  20  1  0,8

22  828

100

Anmerkung.  In  dieser  Tabelle  sind  93  Blinde,  148  Taubstumme,
108  Idioten  und  31  Irrsinnige,  insgesamt  192  Personen,  mehr  vorhanden ­
  als  in  der  vorhergehenden  Tabelle.  Dies  erklärt  sich  daraus,
daß  hier  jede  Abnormität  besonders  gezählt  ist.
Künstliche  Abnormität,  nämlich  gemäß  chinesischer  Sitte  verkrüppelte ­
  Füße,  besitzen  800  616  Personen;  das  sind  56,9%  der
gesamten  weiblichen  Bevölkerung  chinesischer  Abstammung,  deren
Zahl  1  406  224  beträgt.  Zieht  man  die  Zahl  der  Mädchen  unter
5  Jahren  ab  —  denn  bis  zu  diesem  Alter  werden  die  Manipulationen
zum  Zwecke  der  Verkrüpplung  noch  nicht  vorgenommen  —,  so
steigt  der  Prozentsatz  sogar  auf  66,6. 1 )
l )  Unter  diesen  Umständen  können  wir  dem  Verein  für  Bekämpfung  der
Pußverkrüpplungen,  der  auf  Anregung  eines  chinesischen  Arztes  in  Taihoku
Namens  Ko-Gyoku-ICai  am  20.  März  1900  entstanden  ist  und  dem  gleich
damals  1262  Personen  beigetreten  sind,  nur  Glück  und  Erfolg  wünschen.  In
manchen  Gegenden  besitzen  etwa  40—50%  aller  Schulmädchen  bereits  natürliche ­
  Füße.  Nebenbei  sei  angeführt,  daß  durch  denselben  Arzt  auch  ein  Verein
für  Zopfabschaffung  begründet  worden  ist,  dessen  Mitglieder  am  11.  Februar
dieses  Jahres,  am  2571.  Gründungstage  des  japanischen  Kaisertums,  von  ihren
Zöpfen  für  immer  Abschied  genommen  haben.  —  Über  die  Opiumraucher  wird
in  einem  besonderen  Abschnitte  berichtet  werden.  —  Über  die  weiteren  Resultate ­
  der  Volkszählung  1905  verweisen  wir  auf  die  obengenannte  Population
Census  of  Formosa.
        <pb n="28" />
        4.  Organe  der
öffentlichen  Gesundheitspflege.
A.  Zentralorgane.
/\ls  am  2.  Juli  1895  das  Generalgouvernement  Formosa  kone
/  \  stituiert  wurde,  brachte  man  die  Abteilung  für  öffentlich-Ä.
  V.  Gesundheitspflege  in  der  Kanzlei  des  Generalgouverneurs
unter,  und  zwar  wurde  sie,  da  die  Insel  damals  unter  Militärverwaltung ­
  stand,  von  Militärärzten  geleitet.  Im  April  1896  trat  an
Stelle  der  Militär-  die  Zivilverwaltung.  Damals  wurde  als  Zentralstelle ­
  für  die  sanitäre  Verwaltung  der  Insel  ein  Sanitätsbureau  eingerichtet. ­
  Zunächst  bildete  es  eine  Unterabteilung  der  Allgemeinen
Abteilung  des  Zivilverwaltungsamtes.  Nachdem  jedoch  im  November ­
  1901  ein  Polizeipräsidium  des  Generalgouvernements  errichtet
und  damit  beauftragt  worden  war,  außer  der  Oberaufsicht  über
die  Polizei  auch  einen  Teil  der  Verwaltung  zu  übernehmen,  wurde
es  diesem  als  eine  seiner  Sektionen  zugeteilt.  Die  Kompetenz
des  Sanitätsbureaus  wurde  sodann  infolge  der  Abschaffung  des
außerordentlichen  Pestbureaus  erweitert.  Im  September  1903
nämlich  wurden  wegen  der  damals  stark  herrschenden  Pest  zunächst ­
  ein  Seucheninspekteur  und  mehrere  Seuchenärzte  angestellt,
um  die  durch  die  Distriktämter  vorgenommene  Bekämpfung
jener  Epidemie  einheitlich  zu  gestalten.  Sie  wurden  dann  im
Oktober  desselben  Jahres  durch  ein  außerordentliches  Pestbureau
abgelöst.  Sodann  wurden  im  Mai  des  folgenden  Jahres  zwei
Medizinalseucheninspekteure  ernannt.  Als  nun  im  Oktober  1909
eine  Reorganisation  der  Behörden  eintrat,  löste  man,  da  kein
Grund  vorhanden  war,  weshalb  man  eine  Wiederkehr  einer  großen
Pestepidemie  hätte  befürchten  müssen,  das  Pestbureau  auf  und
überwies  seine  Obliegenheiten  dem  Sanitätsbureau;  die  beiden
Medizinalseucheninspekteure  blieben.  Gleichzeitig  wurde  das  Polizeipräsidium ­
  aufgelöst  und  seine  Aufgaben  der  neu  entstandenen
        <pb n="29" />
        33

Abteilung  für  innere  Verwaltung  übertragen.  Ihr  also  wurde  nunmehr
auch  das  Sanitätsbureau  unterstellt.  Es  zerfällt  in  fünf  Untersektionen, ­
  auf  die  sich  die  Aufsicht  über  die  Durchführung  der
einzelnen  hygienischen  Maßnahmen  in  der  folgenden  Weise  verteilt.
Untersektion  A:
1.  Aufsicht  über  die  Sanitätskasse;
Unter  Sektion  B:
2.  Aufsicht  über  die  Bekämpfung  der  Infektions-  und  endemischen ­
  Krankheiten;
3.  Aufsicht  über  die  Untersuchung  der  Prostituierten;
4.  Aufsicht  über  Wasserversorgung,  Kanalisation  und  Bausachen;
5.  Aufsicht  über  Abfuhrwesen  sowie  Straßen-  und  Häuserreinigung ­
  ;
6.  Aufsicht  über  die  von  der  Sanitätskasse  zu  errichtenden
und  errichteten  Baulichkeiten  und  Anlagen;
7.  Aufsicht  über  Fabriken,  Markthallen  und  Schlachthöfe;
8.  Aufsicht  über  Nahrungsmittel,  Koch-  und  Eßgeschirre  sowie
über  Farbstoffe;
9.  Aufsicht  über  Friedhöfe,  Beerdigung  und  Feuerbestattung;
10.  Aufsicht  über  Korporationen,  die  sich  mit  Gesundheitspflege ­
  befassen;
Unter  Sektion  C:
11.  Aufsicht  über  die  Hospitäler  und  über  das  medizinische
Schulwesen;
12.  Aufsicht  über  die  Kö-i  und  die  Kö-i-Anwärter;
13.  Aufsicht  über  die  Privatspitäler,  Ärzte,  Heilkünstler  aus  der
altchinesischen  Schule  (J-sei),  Apotheker,  Drogisten,  Arzneimittelbereiter ­
  und  Heilpersonal  überhaupt;
14.  Aufsicht  über  den  Arzneimittel-  und  Geheimmittelverkehr;
Untersektion  D:
15.  Aufsicht  über  die  Opiumraucher  und  über  den  Opiumpastenverkehr; ­

16.  Aufsicht  über  die  mit  dem  Opium  zusammenhängenden
Handelszweige;
Die  hygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.

3
        <pb n="30" />
        34

17.  Aufsicht  über  die  Bekämpfung  des  Opiumschmuggels  und
über  die  Maßnahmen  gegen  die  heimliche  Bereitung  von  Opiumpaste;
Untersektion  E:
18.  Aufsicht  über  die  Pestbekämpfung;
19.  Aufsicht  über  die  Rattenvertilgung;
20.  Aufsicht  über  die  bakteriologische  Untersuchung  der  Pestfälle ­
  und  der  Ratten;
21.  Aufsicht  über  die  Malariabekämpfung.
Das  Sanitätsbureau  setzt  sich  zusammen  aus:
2  Sanitätsräten  (darunter  einer  im  Chokunin-Range),
1  Seucheninspekteur,
2  Medizinalinspekteuren,
4  Seuchenärzten,
1  Polizeiinspektor,
5  subalternen  Beamten  und  mehreren  außeretatmäßigen  Beamten.

Besondere  Zentralorgane.
Als  solche  sind  vier  Kommissionen  zu  bezeichnen.
a)  Die  Kommission  für  Gesundheitspflege,  seit  März  1897.
Sie  besteht  aus  Regierungs-  und  Medizinalbeamten  sowie  aus  Ärzten
und  Apothekern.  Der  Vorsitzende  ist  der  jedesmalige  Chef  der
Zivilverwaltung.  Sie  wird  vom  Generalgouverneur  in  Fragen  der
Gesundheitspflege  zu  Ratschlägen  herangezogen  und  besitzt  auch
das  Recht,  ihm  Vorschläge  zu  machen.
b)  Die  Kommission  für  Erforschung  der  Infektions-  und  endemischen ­
  Krankheiten,  seit  Februar  1899.  Ihr  fällt  auch  die  Aufgabe
zu,  geeignete  Methoden  für  die  Behandlung  der  Opiumgewohnheitsraucher ­
  zu  ermitteln.  Den  Vorsitz  führt  der  Chef  der  Zivilverwaltung.
c)  Die  Kommission  zur  Bekämpfung  der  Pest,  seit  Oktober  1903.
Den  Vorsitz  hat  der  Chef  der  Zivil  Verwaltung.
d)  Die  Kommission  für  Städteumbau,  seit  Mai  1909.  Von  November ­
  1898  bis  Mai  1909  hat  eine  Kommission  für  den  Umbau  der
Städte  Taihoku  und  Kilung  bestanden.  Der  Vorsitzende  wird  vom
Generalgouverneur  aus  der  Reihe  der  Kommissare  ernannt.
        <pb n="31" />
        35

B.  Distrikts-  und  Lokalorgane.
Mit  der  Ersetzung  der  Militär-  durch  die  Zivilverwaltung  ging
natürlich  die  Organisation  von  Unterbehörden  Hand  in  Hand  und
mit  dieser  wieder  die  Einrichtung  einer  entsprechenden  sanitären
Verwaltung.  Mit  dieser  wurden  die  Polizeiabteilungen  der  Ken
(Bezirksregierungen)  und  des  Tö-chö  (Inselamt)  beauftragt.  Im
Mai  1897  wurde  die  politische  Einteilung  revidiert.  Es  gab  seitdem
drei  Ken  und  außerdem  drei  Chö  (Distrikte).  Die  Sanitätsverwaltung
bildete  nunmehr  allemal  eine  Unterabteilung  der  sechs  Polizeiabteilungen. ­

Seitdem  erfuhr  die  Behördenorganisation  manche  Veränderung.
Im  November  1901  wurden  die  drei  Ken  abgeschafft  und  die  ganze
Insel  in  20  Chö  eingeteilt.  Demgemäß  wurde  die  Sanitätsverwaltung
nunmehr  von  den  Polizeiabteilungen  dieser  20  Distrikte  besorgt.  Im
Oktober  1909  wurden  die  seitherigen  20  Chö  auf  die  jetzigen  12gebracht.
Bei  jedem  Distriktamte  ist  als  beratendes  Organ  in  hygienischen
und  medizinischen  Angelegenheiten  ein  Sanitätsrat  (Yei'se'i-komon)
bestellt.  Mit  dieser  Funktion  sind  die  Direktoren  der  Regierungshospitäler ­
  betraut.  Ferner  sind  in  allen  bedeutenderen  Ortschaften
als  Hilfsorgane  sogenannte  Kö-i 1 )  angestellt.  Außerdem  bestehen
noch  vier  niedere  Hilfsorgane,  die  sich  sehr  bewährt  haben.  Sie  sind
dazu  bestimmt,  die  angeordneten  Maßnahmen  praktisch  durchzuführen. ­
  Es  sind  erstens  die  aus  der  Zeit  der  chinesischen  Herrschaft ­
  übernommenen  Ho-kö  (Hundertschaften) 2 ),  zweitens  die  von
den  Japanern  organisierten  Sanitätssozietäten,  drittens  die  Vorsteher
der  Gai,  Shö  und  Sha  —  es  sind  dies  die  Bezeichnungen  für  Uandstadt,
Dorf  und  Dorf  der  Wilden  —,  viertens  die  auf  Grund  des  Gesetzes
vom  Februar  1908  eingerichteten  Korporationen  zur  Bekämpfung
der  Pest.  Als  Sanitätsbeamte  bei  der  Distriktverwaltung  fungieren
gegenwärtig  Distriktvorsteher,  Sanitätsräte,  Polizeioffiziere,  Polizeiinspektoren, ­
  Polizeiärzte,  Sanitätschemiker,  Vizepolizeiinspektoren,
halbbeamtete  Arzte,  Schutzleute 3 )  und  Hilfsschutzleute 4 ).
4 )  vergl.  Abschnitt  9  A
2 )  Ho  =  10  kö,  kö  =  10  Haushaltungen,  Ho-kö  =  Verband  von
100  Haushaltungen
3 )  Japaner  4 )  Formosachinesen

3*
        <pb n="32" />
        36

Ouarantäne-Zweigstation  zu  Tamsui

5.  Quarantänewesen.
D ie  Pest,  die  1894  in  Hongkong  und  Kanton  auftrat,  griff  in
China  immer  weiter  um  sich.  Im  Jahre  1895  wurde  auch  der
chinesische  Hafen  Amoy,  Formosa  gegenüber,  stark  von  der
Seuche  heimgesucht.  Unter  diesen  Umständen  war  es  dringend  nötig,
die  Schiffe,  die  von  dort  und  überhaupt  aus  chinesischen  Häfen  eintrafen, ­
  streng  zu  überwachen.  So  wurden  die  Vorsteher  der  damaligen
Ken  und  Chö  beauftragt,  die  von  auswärts  kommenden  Schiffe  in
Kilung,  Tamsui,  Amping,  Takao  und  Rokkö  auf  ansteckende  Krankheiten ­
  zu  untersuchen.  Später  —  1897  —  wurde  die  Errichtung  einer
Quarantänestation  in  Kilung  beschlossen;  1899  war  sie  fertig.  Im
August  desselben  J  ahres  wurde  ein  die  Quarantäne  betreffendes  Gesetz ­
  erlassen,  das  seit  dem  4.  dieses  Monats  in  Kraft  trat.  Im  April
1900  wurde  sodann  in  Tamsui  eine  Zweigstation  eröffnet.  Außerdem
ist  laut  einer  Kaiserlichen  Verordnung  vom  November  1900  der
Generalgouverneur  befugt,  falls  eine  ansteckende  Krankheit  droht,
außerordentliche  Quarantänestationen  in  beliebigen  dem  Fremdenverkehr ­
  geöffneten  Häfen  zu  errichten.
        <pb n="33" />
        B  i  K

4.  4  6.

6.  Das  Institut  für  experimentelle
Forschungen  zu  Taihoku.
M an  erkannte  von  vornherein  die  Notwendigkeit  einer  Anstalt ­
  für  chemisch-bakteriologische  Untersuchungen  im
Sinne  der  Hygiene.  Daher  wurde  im  März  1896  für
diese  Zwecke  eine  Unterabteilung  der  pharmazeutischen  Anstalt
(Opiumpastenfabrik)  begründet.  Da  jedoch  im  Mai  1901  die  pharmazeutische ­
  Anstalt  durch  das  Monopolamt  ersetzt  wurde,  so
gingen  nunmehr  jene  Arbeiten  auf  dieses  über,  und  schließlich
kam  es,  weil  die  Vervollständigung  der  Untersuchungsanstalt
vielseitig  befürwortet  wurde,  zur  Errichtung  eines  selbständigen
Instituts  für  experimentelle  Forschungen.  Nachdem  1906  vom

Institut  für  experimentelle  Forschungen  zu  Taihoku
        <pb n="34" />
        38

Parlament  auf  fünf  Jahre  insgesamt  550  000  Yen  bewilligt
worden  waren,  wurde  im  Etatjahre  1907/08  der  Neubau  in
Angriff  genommen  und  zwar  am  Osttore  der  Stadt  Taihoku.  Die
Abteilung  für  Chemie  und  die  für  Hygiene  sind  jetzt  schon  so  gut  wie
fertig.  Ihnen  werden  Abteilungen  für  experimentelle  Pathologie,
Tierpathologie,  Pflanzenpathologie,  Anthropologie  usw.  nachfolgen.
Einteilung.
An  der  Spitze  des  Instituts,  in  dem  Untersuchungen,  Erhebungen ­
  und  Versuche  auf  dem  Gebiete  der  Landwirtschaft  und
Industrie  und  der  Hygiene  angestellt  werden,  steht  ein  Direktor.
Die  beiden  gegenwärtig  bereits  in  Betrieb  befindlichen  Abteilungen
haben  je  einen  Abteilungschef  sowie  eine  Anzahl  höherer  und
niederer  wissenschaftlicher  Beamter.
A.  In  den  Arbeitskreis  der  chemischen  Abteilung  gehören
1.  Untersuchungen  von  Mineralien,  Steinkohlen,  Erdarten,
Zement,  Dungstoffen  und  anderen  Materialien  und  Erzeugnissen  der
Industrie  und  Landwirtschaft;
2.  Untersuchungen  auf  dem  Gebiete  der  Elektrochemie;
3.  hygienisch-chemische  Untersuchungen,  z.  B.  solche  der
Nahrungsmittel  und  des  Leitungswassers;
4.  die  Prüfung  der  Medikamente,  soweit  die  letzteren  nicht  schon
einen  Prüfungsvermerk  der  dem  Ministerium  des  Innern  zu  Tokio
unterstehenden  hygienischen  Untersuchungsanstalten  aufweisen  —
denn  sämtliche  auf  Formosa  zur  Verwendung  kommende  Heilmittel
müssen  zuvor  von  einer  zuständigen  Behörde  untersucht  sein;
5.  in  Ermangelung  einer  öffentlichen  Gasanstalt  die  Erzeugung
von  Steinkohlengas  für  den  Institutsbedarf.
B.  Die  hygienische  Abteilung  befaßt  sich  mit  bakteriologischen ­
  und  protozoischen  Untersuchungen,  ebenso  mit  Untersuchungen ­
  über  Ätiologie,  Prophylaxis  und  Therapie  der  Infektionskrankheiten, ­
  über  Tropenhygiene,  über  Arzneimittelkunde  und
Toxikologie,  über  Viehseuchen  und  nutzbare  Bakterien,  mit  Prüfung
und  Untersuchung  von  Wasser  in  hygienischer  Hinsicht,  mit  Herstellung ­
  von  Impfstoff  gegen  Lyssa  und  Schweineseuche,  ferner  mit  biologischen ­
  Studien  über  die  Termiten  zum  Zwecke  ihrer  Bekämpfung.
        <pb n="35" />
        Institut  für  experimentelle  Forschungen  zu  Taihoku:  Chemisches  Laboratorium

Institut  für  experimentelle  Forschungen  zu  Taihoku:  Hygienisches  Laboratorium
        <pb n="36" />
        7.  Die  medizinische  Schule  zu  Taihoku.
I n  dem  auf  die  Einführung  der  Zivilverwaltung  folgenden  Jahre,  1897
also,  beschloß  die  formosaische  Regierung,  beim  Hospital  zu
Taihoku  versuchsweise  einen  medizinischen  Kursus  zu  eröffnen,
der  einer  Anzahl  junger,  der  japanischen  Sprache  einigermaßen
kundiger  Formosachinesen  außer  allgemeiner  Schulbildung  die  Anfangsgründe ­
  der  Medizin  vermitteln  sollte.  Da  sich  der  Kursus
als  recht  erfolgreich  erwies,  wurde  er  zu  einer  dauernden  Einrichtung
gemacht,  indem  im  April  1899  die  gegenwärtige  medizinische  Schule
ins  Reben  gerufen  wurde.  Sie  bildet  junge  Formosachinesen  zu  praktischen ­
  Ärzten  aus,  gewährt  den  Kö-i-Anwärtern 1 )  eine  ihrem  künftigen
Berufe  entsprechende  Vorbildung  und  stellt  außerdem  Studien  über
die  Tropenkrankheiten  an.
a)  Ausbildung  der  formosachinesischen  Ärzte.
1.  Schulgebäude  und  Internat.  Anfangs  wurde  ein  Raum
des  Regierungshospitals  zu  Taihoku  als  Unterrichtszimmer  benutzt.
Ende  1899  erbaute  man  ein  besonderes  Schulhaus  in  der  inneren
Stadt,  um  nach  wenigen  Jahren  vor  dem  Osttore  einen  Neubau  zu
beginnen,  von  dem  1905  ein  Teil  der  Schulgebäude  und  das  Internat
vollendet  waren.  Bald  darauf  wurde  auch  das  Hospital  des  Japanischen
Roten  Kreuzes,  das  auf  demselben  Grundstück  erbaut  wurde  und  der
medizinischen  Schule  als  Klinik  dienen  sollte,  fertiggestellt.  Als
dann  noch  weitere  1906  in  Angriff  genommene  Teile  der  Schulgebäude
vollendet  waren,  wurde  dadurch  die  Rehrtätigkeit  noch  bedeutend
mehr  erleichtert.  Doch  ist  von  dem  ganzen  Neubau  zurzeit  nur  ein
Viertel  ausgeführt;  erst  in  3—4  Jahren  wird  alles  fertig  sein.  Die  Baukosten ­
  sind  insgesamt  etwa  auf  450  000  Yen  veranschlagt.
2.  Schülermaterial.  Hauptsächlich  werden  Formosachinesen
aufgenommen.  Es  werden  jährlich  über  500  junge  Reute  angemeldet,

1 )  vergl.  darüber  Abschnitt  9  A
        <pb n="37" />
        42

wovon  aber  kaum  ein  Zehntel  aufgenommen  wird.  Das  Aufnahmeexamen ­
  beruht  auf  Zertation;  ihm  wird  die  Abgangsprüfung  der
Kö-gakkö  (Volksschulen)  als  Maßstab  zugrunde  gelegt.  Abgesehen
von  der  Vorschule,  die  ein  Jahr  beansprucht,  dauert  das  medizinische ­
  Studium  vier  Jahre.  1910  hatte  die  Schule  195  Studierende,
die  im  Durchschnitt  19,1  Jahre  alt  waren  (in  der  letzten  Klasse  durchschnittlich ­
  21,9  Jahre).  Die  Schüler  wohnen  sämtlich  im  Internat
und  wurden  ursprünglich  alle  auf  Staatskosten  unterhalten;  doch
hat  man  in  der  letzten  Zeit  angestrebt,  die  Bemittelten  zur  Erstattung
der  Selbstkosten  heranzuziehen,  was  1910  bei  59  (darunter  drei
chinesische  Untertanen)  von  195  Schülern  der  Fall  war.
3.  Uehr-  und  Verwaltungskörper.  Außer  dem  Direktor
sind  25  Professoren  und  Lehrer,  die  zum  Teile  nur  im  Nebenamt
an  der  »Schule  tätig  sind,  und  5  Verwaltungsbeamte  angestellt.
4.  Lehrplan.  Vorschule:  Turnen,  Moralunterricht,  Japanisch,
Geographie,  Geschichte,  Mathematik,  Physik,  Chemie,  Naturgeschichte. ­
  Fachstudium:  Anatomie,  Histologie,  Physiologie,  Pathologie, ­
  Arzneimittelkunde,  innere  Medizin,  Chirurgie,  Geburtshilfe  und
Gynäkologie,  Dermatologie,  venerische  Krankheiten,  Ohren-,  Nasen-,
Rachen-  und  Kehlkopfkrankheiten,  Ophthalmologie,  Kinderkrankheiten, ­
  Bakteriologie,  Hygiene,  gerichtliche  Medizin.
5.  Absolvierte.  Bis  1910  hatten  im  ganzen  149  Schüler  die  Abgangsprüfung ­
  bestanden 1 );  davon  sind  4  gestorben.  Die  Absolvierten ­
  stehen  zum  Teil  als  Ärzte  in  Staatsdiensten,  die  meisten  aber
treiben  Privatpraxis  und  erfreuen  sich  dabei  guten  Rufes  und  Erfolges.
Unter  den  Absolvierten  befinden  sich  übrigens  eine  Anzahl
chinesisierte  Wilde  und  auch  ein  nicht  chinesisierter  Wilder,  der
am  Hospital  zu  Taitö  angestellt  ist  und  bei  der  Aufklärung  seiner
Stammesgenossen  gute  Dienste  leistet.
b)  Heranbildung  der  Kö-i-Anwärter. 2 )
Sie  werden  aus  der  Zahl  der  sich  dazu  meldenden  approbierten
Ärzte  ausgewählt  und  während  einer  gewissen  Zeit,  die  aber  sechs
Monate  nicht  übersteigt,  in  folgenden  Fächern  unterwiesen:

*)  1911  kamen  weitere  32  Absolvierte  hinzu
2 )  J un *  1907  fand  ihre  Ausbildung  am  Regierungshospital  zu  Taihoku  statt
        <pb n="38" />
        43

Medizinische  Schule  zu  Taihoku  :  die  Zöglinge

Infektions-  und  endemische  Krankheiten  auf  Formosa,  Sanitätswesen
auf  Formosa,  Tropenhygiene,  innere  Medizin,  Chirurgie,  Geburtshilfe ­
  und  Gynäkologie,  Kinderkrankheiten,  Ophthalmologie,  gerichtliche ­
  Medizin,  Mikroskopieren,  formosachinesischer  Dialekt.
c)  Studien  über  Tropenkrankheiten.
Die  auf  Formosa  heimischen  Tropenkrankheiten  werden  ganz
besonders  berücksichtigt.

d)  Kostenaufwand.
f'ür  das  Etatjahr  1910/11  waren  76  419  Yen  ausgtworfen.
        <pb n="39" />
        44

Verteilung  ckr  sanitären  Organe  auf  Formosa

V  &amp;lt;_a  ^  .  J
/f

STAATLICHE  KRANKENHÄUSER

ISOLIERANSTALTEN  FÜR
INFEKTIONSKRANKE
.  KRANKENHAUS  FÜR
PROSTITUIERTE
•  SITZ  HALBBEAMTETER  ÄF

Die  Verteilung  der  Krartkenhäuser
-f  FQRMDSA

1:BOD  OOO
Hr±~H
        <pb n="40" />
        8.  Hospitäler.
A.  Gouvernementshospitäler.
N achdem  in  Taihoku  1896  ein  Gouvernementshospital  errichtet ­
  worden  war,  strebte  das  Generalgouvernement
danach,  auch  anderwärts  staatliche  Krankenhäuser  zu
erbauen.  Jetzt  gibt  es  solche  Anstalten  in  10  Städten  und  Landstädten, ­
  nämlich  in  Taihoku,  Kilung,  Giran,  Shinchiku,  Taichu,
Kagi,  Tainan,  Akö,  Taitö  und  Karenkö,  und  außerdem  eine  auf  den
Pescadorinseln.  Unter  diesen  11  Hospitälern  ist  das  in  Taihoku  am
bedeutendsten;  die  nächstgrößten  sind  das  in  Tainan  und  das  in
Taichu.  Alle  anderen  sind  von  geringerem  Umfang.  Im  folgenden
wird  eine  kurze  Beschreibung  des  Hospitals  in  Taihoku  gegeben, ­
  um  durch  ein  Beispiel  eine  Vorstellung  von  der  Organisation ­
  der  Gouvernementshospitäler  zu  ermöglichen.

Regier«ngsliospital  zu  Tainan  :  Gesamtansicht
        <pb n="41" />
        47

Regierungshospital  zu  Tainan  :  Grundriß  des  Erdgeschosses

Das  Hospital  liegt  in  der  Hauptstadt  der  Insel,  hat  ein  Areal  von
49  586  qm,  wovon  16  528  qm  auf  die  Gebäude  entfallen,  und  enthält
mehr  als  250  Betten.  Die  Poliklinik  wird  im  Winterhalbjahr  täglich
von  300—400  und  im  Sommerhalbjahr  von  700—800  auswärtigen
Kranken  besucht.  Es  bestehen  Abteilungen  für  innere  Krankheiten,
Chirurgie,  Augenheilkunde,  Geburtshilfe,  Frauenkrankheiten,  Hautkrankheiten, ­
  venerische  Krankheiten,  Ohren-,  Nasen-,  Rachen-  und
Kehlkopfkrankheiten,  Kinderkrankheiten,  Zahnarzneikunde  und
        <pb n="42" />
        48

Massage.  An  der  Spitze  jeder  Abteilung  steht  ein  Chefarzt,  der  zugleich ­
  Professor  an  der  medizinischen  Schule  ist.  Außer  den  Chefärzten ­
  sind  noch  47  Ärzte  angestellt,  ferner  60  Pflegerinnen  und
21  Beamte.  Neben  der  Krankenbehandlung  geht  die  Ausbildung  von
Pflegerinnen  und  Hebammen  (Japanerinnen  und  Formosachinesinnen) ­
  her.
Das  Hospital  ist  im  Pavillonsystem  erbaut,  und  zwar  besteht  es
zum  Teil  aus  hölzernen  Erdgeschoßbauten,  zum  Teil  aus  einstöckigen
steinernen  Gebäuden.  Es  ist  ein  allmählicher  Ersatz  der  Holzbauten
durch  massive  Gebäude  in  Aussicht  genommen.  Die  Krankenzimmer

Regierungshospital  zu  Tainan  :  Grundriß  des  ersten  Stocks
        <pb n="43" />
        50

werden  in  solche  der  Extra-,  der  1.,  2.  und  3.  Klasse  sowie  in
solche  für  Infektionskranke  eingeteilt.  Auch  findet  unter  Umständen
unentgeltliche  Verpflegung  und  Behandlung  statt.  Außer  den
verschiedenen  Polikliniken  und  Krankenpavillons  sind  noch  Kliniken,
Laboratorien,  Sektionssäle,  Tageräume  für  Patienten,  Koch-  und
Waschküche,  Badehaus,  Barbierraum,  Eismaschinenhaus,  Werkstätten ­
  für  Mechaniker  und  Zimmerleute,  Dampfdesinfektionsanstalt,
Verbrennungsofen,  Leichenhaus,  Pflegerinnenheim  und  dergleichen
vorhanden.  Auch  ist  für  elektrische  und  Gasbeleuchtung  und  für
Dampf-,  Wasserleitungs-  und  Heizeinrichtungen  gesorgt,  was  sonst
nicht  überall  in  Ostasien  der  Fall  ist.

Regierungshospital  zu  Taihoku:  Außenausicht  einer  Krankenstation
B.  Spezialhospitäler.
Zu  den  speziellen  Heilanstalten  gehören
a)  die  Isolieranstalten  für  Infektionskranke,
b)  die  Hospitäler  für  Prostituierte,
c)  die  Hospitäler  für  obdachlose  Kranke.
Der  von  diesen  Anstalten  erforderte  Aufwand  wird  aus  der
Distriktkasse  bestritten.
        <pb n="44" />
        53

THE  TAIHOKU  HOSPITAL,.
f*  I*.  ”-mrvi  15“

m

E«3

B

,A

[K  H

-

FIRST  FLOOR  PLAN.  s

SC  AUE  1:  300.

Regierungshospital  zu  Taihoku:  Grundriß  des  ersten  Stocks
        <pb n="45" />
        54

Ständig  in  Betrieb  befindliche  Isolieranstalten  für  Infektionskranke ­
  gibt  es  in  Taihoku,  Kilung  und  Tainan;  in  anderen  Orten
werden  sie  geöffnet,  sobald  irgend  eine  Infektionskrankheit  epidemisch ­
  auftritt  oder  aufzutreten  droht.  —  Hospitäler  für  Prostituierte ­
  sind  in  Taihoku,  Kilung,  Taichu,  Kagi,  Tainan  und
Hözan.  Ihre  Bestimmung  ist,  die  bei  der  wöchentlichen  Untersuchung ­
  krank  Befundenen  aufzunehmen.  —  Ein  Hospital  für  obdachlose ­
  Kranke  gibt  es  in  Taihoku.

Jsolieranstalt  für  Infektionskranke  zu  Taihoku
C.  Das  Hospital  des  Japanischen  Roten  Kreuzes  auf  Formosa.
Das  Hospital  des  Japanischen  Roten  Kreuzes  wurde  im  Februar
1905  zu  Taihoku  gegründet  und  liegt  auf  dem  Grundstück  der  medizinischen ­
  Schule.  Es  besteht  aus  einem  Hauptgebäude  und  aus  zwei
Krankenpavillons  mit  zusammen  67  Betten.  Der  Bau  kostete  über
100  000  Yen.  Das  Hospital  soll,  den  Zwecken  der  Humanität  und
Barmherzigkeit  entsprechend,  bedürftige  Kranke  entweder  unentgeltlich ­
  oder  gegen  ein  geringes,  fast  nach  den  Selbstkosten  bemessenes ­
  Entgelt  behandeln;  außerdem  soll  in  ihm  Personal  für
        <pb n="46" />
        55

Hospital  vom  Japanischen  Roten  Kreuz  zu  Taihoku:  Krankensaal

Hospital  vom  Japanischen  Roten  Kreuz  zu  Taihoku
        <pb n="47" />
        BS

—  56  —
Krankenpflege  herangebildet  werden.  Bei  kriegerischen  Ereignissen
dient  es  zur  Aufnahme  von  verwundeten  und  kranken  Militär-  und
Marinepersonen.
Nach  einem  zwischen  der  medizinischen  Schule  und  dem  Japanischen ­
  Roten  Kreuz  getroffenen  Abkommen  dient,  wie  oben  erwähnt,
das  Hospital  den  Schülern  jener  Anstalt  als  Klinik  und  zwar  sowohl
hinsichtlich  der  poliklinischen  als  auch  der  in  die  Krankenpavillons
selbst  aufgenommenen  Kranken.  Der  Direktor  und  das  medizinische
Personal  sind  daher  am  Hospital  größtenteils  nur  nebenamtlich
tätig.  Das  medizinische  Personal,  einschließlich  des  Direktors,  besteht
aus  20  Köpfen;  außerdem  sind  4  Apotheker,  11  Verwaltungsbeamte
und  17  Krankenpflegerinnen  da.  Die  Menge  der  im  Jahre  1909  behandelten ­
  Kranken  zeigt  die  folgende  Statistik.

Ambulante  Kranke.

1909

Zahlende
Kranke

Unentgeltlich
Behandelte

Summe

Neue  Kranke

Japaner

1  877

47

1  924

Formosaner  ....

3  993

125

4  118

Zusammen

5  870

172

6  042

Wiederkehrende  Kranke 1 )

J  apaner

6  692

534

7  226

Formosaner  ....

14  902

2511

17  413

Zusammen

21  594

3045

24  639

Insgesamt

27  464

3217

30  681

Behandlungstage

Japaner

17  262

1530

18  792

Formosaner  ....

32  537

5421

37  958

Zusammen

49  799

6951

56  750

1 )  d.  h.  solche,  die  die  Ärzte  während  der  Dauer  einer  Krankheit
zweimal  und  mehr  konsultiert  haben
        <pb n="48" />
        57

Interne  Kranke.

1909

Zahlende
Kranke

Unentgeltlich
Behandelte

Summe

Zahl  der  Behandelten

J  apaner

390

61

451

Formosaner  ....

279

51

330

Zusammen

669

112

781

Krankheitstage

Japaner

8  614

2567

11  181

Formosaner  ....

4  626

2165

6  791

Zusammen

13  240

4732

17  972

Die  1909/10  aufgewandten  Kosten  betrugen  19  942,57  Yen.

D.  Wohltätigkeitseinrichtungen.
Die  Frauenvereine  mit  wohltätigen  Zwecken  haben  auch  in
Formosa  ihre  sehr  berechtigte  Existenz.  Die  drei  namhaftesten  sind
a)  der  Zweigverein  des  Frauenvereins  vom  Japanischen  Roten
Kreuz,
b)  der  Zweigverein  des  vaterländischen  Frauen  Vereins,
c)  der  Frauenverein  für  wohltätige  Zwecke.
Der  erste  Verein  hat  es  sich  zur  Aufgabe  gemacht,  in  Kriegszeiten ­
  die  Verwundeten  und  Kranken  beider  Parteien  zu  pflegen.
Der  zweite  hat  den  Zweck,  die  während  der  Kämpfe  mit  den  Wilden
Verwundeten  und  Erkrankten  zu  unterstützen,  besonders  aber  die
Hinterbliebenen  der  Gefallenen  und  die  Invaliden.  Und  der  dritte
errichtet  Wohnungen  für  die  arme  Bevölkerung,  erzieht  entlassene
Sträflinge  zur  Arbeit,  unterstützt  den  Bau  von  Abendschulen  und
verbessert  die  Badeorte.
Umsonst  oder  ganz  billig  finden  mittellose  Kranke  Behandlung
in  den  zu  Tainan  und  Shöka  gelegenen  Hospitälern  der  British
Presbyterian  Church,  dem  Mackay’s  Hospital  der  Canadian
Presbyterian  Church  in  Tamsui  und  dem  von  der  Familie
Din-Hong-Gen  gestifteten  und  verwalteten  Hakuai-Hospital  zu
Taihoku.
        <pb n="49" />
        58

Jinsai-in 1 )  in  Taihoku,  Jikei-in  in  Tainan,  Fusai-in  auf
den  Pescador-Inseln,  Jikei-in  in  Shöka  und  Kagi  sindEinrichtungen,
welche  von  der  chinesischen  Zeit  her  bestehen  und  hauptsächlich
dazu  bestimmt  sind,  arme  bejahrte  Männer  und  Frauen  sowie  Waisen,
überhaupt  hilfsbedürftige  Menschen  zu  versorgen.  Jikei-in  in  Shöka
ist  auch  Lepraheim.  Mit  Jikei-  in  in  Tainan  ist  außerdem  eine  Blindenanstalt ­
  verbunden,  deren  Begründung  durch  William  Campbelle,
einen  englischen  Missionar,  angeregt  worden  ist.

*)  in  =  Anstalt;  Jinsai,  Jikei,  Fusai  =  Barmherzigkeit
        <pb n="50" />
        9.  Arzte,  Hebammen
und  Krankenpflegerinnen.

A.  Die  Koi-  oder  halbbeamteten  Ärzte.
ie  Formosachinesen  standen  in  ihrer  Mehrzahl  auf  einer  so
niedrigen  Kulturstufe,  daß  sie  bei  Erkrankungen  ärztliche

S  Hilfe  nur  in  sehr  geringem  Maße  in  Anspruch  nahmen.
Zudem  herrschte  unter  ihnen  schon  seit  Jahrhunderten  die  verderbliche ­
  Unsitte  des  Opiumrauchens.  Daher  wurde  beschlossen,
an  allen  bedeutenderen  Orten  halbbeamtete  Ärzte  oder  Kö-i  zu
stationieren  —  halbbeamtet,  weil  sie  keinen  reinen  Beamtencharakter ­
  haben,  sondern  auch  Privatpraxis  zu  treiben  verpflichtet  sein
sollten  —  ,  und  so  kam  es,  daß  schon  zwei  Monate  nach  Einführung  der
Zivilverwaltung,  also  im  Juni  1896,  eine  Bestimmung  über  Einsetzung
und  Pflichten  der  halbbeamteten  Ärzte  erlassen  wurde.  Diese  Kö-i
hatten  sich  gemäß  den  Vorschriften  des  neuen  Opiumgesetzes  mit  der
Feststellung  der  gewohnheitsmäßigen  Opiumraucher  zu  befassen.
Außerdem  wollte  man  durch  sie  auch  die  ins  Gebiet  der
Gesundheitspflege  fallenden  allgemeinen  Maßnahmen  in  exakter
Weise  zur  Ausführung  bringen  und  überhaupt  den  Gesundheitssinn
der  Eingeborenen  heben.  In  der  Tat  bildete  diese  Einrichtung
der  Kö-i  zusammen  mit  den  auf  Staatskosten  errichteten  Hospitälern
eines  der  wichtigsten  Hilfsmittel  bei  der  Verwirklichung  zivilisatorischer ­
  Gedanken  auf  Formosa.  Die  Kö-i  nehmen  an  den  ihnen
zugewiesenen  Orten  Aufenthalt  und  stehen  unter  Aufsicht  der
Distriktvorsteher  und  Sanitätsräte.  Ihnen  liegt  es  ob,  die  ansteckenden ­
  Krankheiten  nach  Möglichkeit  zu  verhüten  und  als  Gerichtsärzte ­
  zu  fungieren.  Ferner  müssen  sie  Studien  über  die  hygienischen
und  medizinischen  Verhältnisse  der  ihnen  zugewiesenen  Bezirke
anstellen  und  allmonatlich  dem  Distriktvorsteher  hierüber  berichten.
Diese  Berichte  umfassen  alle  ins  Gebiet  der  Medizin  und  Hygiene
fallenden  Gegenstände  und  sind  daher  wichtige  Grundlagen  für  die
        <pb n="51" />
        60

Handhabung  der  Sanitätsverwaltung.  Seit  1904  hat  das  Generalgouvernement ­
  für  die  Kö-i  vier  Fortbildungskurse  eingerichtet,  damit
sie  nicht  hinter  den  Fortschritten  der  Wissenschaft  Zurückbleiben.
Auch  wurden  in  den  Distrikten  Vereine  der  halbbeamteten  Ärzte  gebildet, ­
  um  das  Moment  der  gegenseitigen  Anregung  für  ihren  Beruf
wirksam  zu  verwerten.  Anfangs  machte  man  in  der  Hauptsache  nur
besonders  ausgebildete  Anwärter  zu  Kö-i,  gegenwärtig  können  aber
auch  solche  Ärzte,  die  bei  einer  unter  dem  Generalgouvernement
stehenden  Behörde  oder  Anstalt  länger  als  ein  J  ahr  angestellt
gewesen  sind,  unmittelbar  dazu  ernannt  werden,  ohne  daß  sie  jenen
Kursus  an  der  medizinischen  Schule 1 )  durchgemacht  haben.
Zurzeit  gibt  es  83  Kö-i,  die  an  den  folgenden  Punkten  stationiert
sind:
1.  im  Distrikt  Taihoku  in  Shakkö,  Pankyö,  Shinshö,  Shirin,
Kobi  (Tamsui),  Shökirun,  Kinpöri,  Suihenkyaku,  Kilung,  Chösökei,
Shinten,  Shinkö,  Zuihö;
2.  im  Distrikt  Giran  in  Giran,  Parisha,  Ratö,  Soö.Töi,  Heirinbi;
3.  im  Distrikt  Töyen  inTöyen,  Chüreki,  Sankakuyü,  Taikokan,
Kansaihö,  Yöbaireki,  Taikyüyen;
4.  im  Distrikt  Shinchiku  in  Shinchiku,  Jukirin,  Chükö,  Nanshö,
Byörizu,  Körö,  Taiko;
5.  im  Distrikt  Taichu  in  Töseikaku,  Koroton,  Taikö,  Gyubatö,
Tokatsukutsu,  Shöka,  Rokkö,  Inrin,  Hokuto,  Jirin;
6.  im  Distrikt  Nanto  in  Nanto,  Söaton,  Horisha,  Shüshü,
Rinkiho;
7.  im  Distrikt  Kagi  in  Dabyö,  Shinkö,  Doko,  Toroku,  Seira,
Hokkö,  Bokushikyaku,  Yensuikö,  Tenshikö;
8.  im  Distrikt  Tainan  in  Amping,  Wanri,  Matö,  Rokkö,  Tapani,
Taimokukö,  Kante'ibyö,  Aköten,  Nanshinkö,  Takao,  Hokumonsho,
Hözan;
9.  im  Distrikt  Akö  in  Akö,  Arikö,  Banshoryö,  Chöshü,  Tökö,
Böryö,  Bözan,  Köshun;
10.  im  Distrikt  Karenkö  in  Karenkö,  Bokusekikaku;
11.  im  Distrikt  Höko  inMakiu,  Taisekikan,  Shöchikaku,  Möan.

vergl.  Abschnitt  7
        <pb n="52" />
        61

Die  Ausgaben  für  die  Kö-i  wurden  anfangs  vom  Staate  bestritten, ­
  bis  sie  seit  1898  von  den  Distrikten  übernommen  wurden.
Für  die  Tatsache,  daß  sich  in  der  letzten  Zeit  die  Sitten  und  Gebräuche
der  Eingeborenen  gebessert  haben  und  daß  sie  insbesondere  die  Vorzüge ­
  der  modernen  Heilkunde  zu  verstehen  und  eine  mit  jedem  Tage
wachsende  Hochachtung  vor  ihr  zu  zeigen  beginnen,  ist  besonders
charakteristisch,  daß  selbst  Frauen,  die  gemäß  der  alten  Sitte  gewohnt
waren,  ihre  Wohnung  nie  zu  verlassen,  und  es  für  Schande  hielten,
sich  mit  fremden  Männern  zu  unterhalten,  aus  freiem  Entschlüsse
die  halbbeamteten  Arzte  aufsuchten;  sie  brachten  auch  wohl  kleine
Kinder  mit  und  scheuten  oft  selbst  lange  Wege  nicht.  Übrigens
sind  jetzt  auch  schon  14  Kö-i  aus  den  Formosachinesen  selbst  hervorgegangen. ­

B.  Praktische  Ärzte,  l-se'i  und  Zahnärzte.
Im  Jahre  1895  gab  es  etwa  2000  I-sei,  d.  h.  Heilkundige  aus  der
altchinesischen  Schule.  Ein  Teil  von  ihnen  war  in  der  chinesischen
medizinischen  und  schönen  Literatur  wohl  bewandert,  ein  Teil  durch
ausländische  Missionare  mit  den  Anfangsgründen  der  modernen
Medizin  bekannt  gemacht  worden,  die  große  Mehrzahl  jedoch  entbehrte ­
  nicht  nur  der  wissenschaftlichen  Ausbildung,  sondern  auch
der  allgemeinen  Schulbildung.  Daher  rief  das  Generalgouvernement,
wie  erwähnt,  die  Hospitäler,  die  medizinische  Schule  und  die  Institution ­
  der  Kö-i  ins  Leben.  Sodann  siedelten,  seitdem  1896  die
Freizügigkeit  auf  Formosa  eingeführt  worden  war,  eine  Anzahl  Ärzte
aus  Japan  nach  Formosa  über,  um  hier  ihre  Praxis  auszuüben.
Unter  Ärzten  und  Zahnärzten  werden  jetzt  solche  Personen  verstanden,
die  entweder  auf  Grund  der  Ärzteverordnung  für  Formosa  vom
Generalgouverneur  zugelassen  oder  gemäß  dem  Gesetz  betreffend
die  Ausübung  der  ärztlichen  und  zahnärztlichen  Praxis  in  Japan
registriert  sind.  Die  Voraussetzungen  hierzu  werden  erfüllt  durch
erfolgreiches  Studium  auf  einer  Universität  oder  medizinischen
Hochschule  oder  durch  das  Bestehen  des  Staatsexamens  für  Ärzte.
Ausländische  Ärzte,  die  in  ihrer  Heimat  approbiert  sind,  können
nach  Ermessen  des  Generalgouverneurs  zugelassen  werden.
Die  I-sei  wurden  zunächst  ohne  jede  Beschränkung  stillschweigend ­
  geduldet.  Doch  wurde  mit  der  Zeit  für  geboten  erachtet,  sie
        <pb n="53" />
        62

unter  Aufsicht  zu  stellen.  In  diesem  Sinne  wurde  1901  eine  Vorschrift
über  die  Konzessionierung  der  Heilkundigen  erlassen,  wonach  solchen
I-sei,  die  schon  vor  der  Veröffentlichung  der  Vorschrift  auf  Formosa
den  Beruf  eines  Heilkundigen  ausgeübt  haben,  durch  das  Distriktamt ­
  ein  Zeugnis  über  die  Berechtigung  zur  Ausübung  ärztlicher
Praxis  verliehen  werden  kann.
Nach  dem  Stande  von  Ende  September  1910  war  die  Anzahl
der  approbierten  Ärzte,  Zahnärzte  und  Heilkundigen  diese:

Ärzte  (Japaner)  86
Ärzte  (Formosaner,  die  die  hiesige  medizinische
Schule  absolviert  haben)  87
Ärzte  (Ausländer,  und  zwar  Engländer)  ....  5
Zahnärzte  5
I-sei  1275.  fl

Außerdem  sind  noch  Zahnkünstler,  Nadelstich-  und  Moxakünstler, ­
  Masseure  und  Knochenbruchheilkünstler,  sowohl  Japaner
als  auch  Formosaner,  durch  die  Distriktämter  zur  Ausübung  ihres
Berufes  zugelassen.
C.  Hebammen.
Hebammen  waren  früher  auf  Formosa  nicht  vorhanden,  nur  die
Senseima,  Frauen,  die  einige  Erfahrung  in  der  Geburtshilfe  hatten,
sehr  häufig  aber  Mutter  und  Kind  großes  Unheil  zufügten.  Daher
durfte  kein  Augenblick  versäumt  werden,  diesem  Übelstande  abzuhelfen, ­
  zumal  da  die  Zahl  der  nach  Formosa  übersiedelnden  japanischen ­
  Familien  von  Jahr  zu  Jahr  größer  wurde.  Zunächst  holte
man  Hebammen  aus  Japan.  Dann  wurden  mehrere  japanische
Krankenpflegerinnen,  die  sich  dazu  meldeten,  im  Gouvernementshospital ­
  zu  Taihoku  zu  Hebammen  ausgebildet.  Da  aber  zur
Schaffung  eines  Hebammenstandes  auch  die  Ausbildung  eingeborener
Frauen  geboten  schien,  so  hat  man  seit  vier  Jahren  begonnen,  an
dem  genannten  Hospital  zu  diesem  Zwecke  besondere  anderthalbjährige ­
  Kurse  abzuhalten.  Ende  1909  betrug  die  Zahl  der  japanischen ­
  Hebammen  66  und  die  der  formosachinesischen  43.
fl  dazu  111  Ärzte  (83  Japaner,  27  Formosachinesen,  1  Formosawilder),
die  an  den  Hospitälern  und  bei  Behörden  angestellt  waren,  und  83  Ko-i  (69
Japaner,  14  Formosachinesen)
        <pb n="54" />
        Formosachinesische  Hebammen  und  ihre  Lehrer
D.  Krankenpflegerinnen.

In  Formosa  gehören  alle  Krankenpflegerinnen  den  Hospitälern
an;  selbständige  Pflegerinnen  sind  also  nicht  vorhanden.  Prüfungen
für  Krankenpflegerinnen  sind  noch  nicht  eingerichtet,  doch  darf  sich
niemand,  der  nicht  an  einem  Gouvernementshospital  oder  in  Japan
ausgebildet  ist,  als  Krankenpflegerin  bezeichnen.  Gegenwärtig
werden  Frauen  in  der  Krankenpflege  an  den  Gouvernementshospitälern ­
  zu  Taihoku,  Kilung,  Taichu  und  Tainan  unterwiesen.  An  den
Gouvernementshospitälern  wirken  zurzeit  119  Krankenpflegerinnen.
        <pb n="55" />
        10.  Apotheker-  und  Arzneimittelwesen.
Apotheker,  Drogenhändler  und  Arzneimittelbereiter.
D as  Gouvernement  erließ  in  Anbetracht  der  Notwendigkeit,
eine  Kontrolle  über  Apotheker,  Drogenhändler  und  Arzneimittelbereiter
  sowie  über  den  Verkehr  mit  Arzneimitteln
auszuüben,  im  Juni  1896  eine  diesbezügliche  Verordnung.  Ein  Teil
dieser  Verordnung  wurde  im  Juli  1899  erneuert:  es  wurde  die  Bestimmung ­
  getroffen,  daß,  während  bisher  approbierte  Apotheker  als
solche  nur  von  dem  Minister  des  Innern  anerkannt  werden  konnten,
von  nun  an  die  Approbation  auch  vom  Generalgouverneur  von  Formosa ­
  erteilt  werden  dürfe.  Da  aber  in  Formosa  weder  eine  Anstalt  für
die  Ausbildung  der  Apotheker  noch  eine  Prüfung  für  sie  eingerichtet

Japanischer  Apotheker-  und

Drogistenladen  in  Tainan
        <pb n="56" />
        65

ist,  können  vorläufig  nur  solche  Personen  die  Approbation  beantragen,
die  dazu  befähigt  sind,  sich  in  Japan  als  Apotheker  eintragen  zu  lassen.
Demnach  kommen  für  Formosa  alle  diejenigen  Personen  in  Frage,
die  ihr  Fachstudium  auf  einer  vom  japanischen  Unterrichtsministerium
für  geeignet  erklärten  Schule  absolviert  oder  die  für  Japan  vorgeschriebene ­
  Prüfung  bestanden  haben  und  somit  zur  Ausübung
ihres  Berufes  qualifiziert  sind,  sich  aber  nicht  in  Japan  haben  eintragen ­
  lassen,  sondern  nach  Formosa  gehen.  Die  Approbation  wird
demnach  nicht  nur  schlechthin  auf  Grund  des  Lebenslaufes  erteilt.
Alle  Apotheker  in  Formosa  —  1909  waren  es  11 1 )  —  sind  Japaner.
Die  Drogenhändler  werden  von  der  Distriktbehörde  konzessioniert; ­
  ihr  Geschäft  besteht  zum  größten  Teile  im  Vertrieb  der  sogenannten ­
  chinesischen  Drogen.  Deshalb  nehmen  hier  die  Formosachinesen ­
  an  Zahl  die  erste  Stelle  ein.  Auch  einige  Ausländer  sind  zugelassen. ­
  Ende  1909  zählte  man  2592  Konzessionierte:  136  Japaner,
2449  Formosachinesen  und  7  Ausländer  (Chinesen).
Es  existieren  ferner  Arzneimittelmanufakturen;  doch  ist
dieses  Gewerbe  sehr  primitiv  und  außerdem  nicht  von  Bedeutung.
Denn  die  betreffenden  Waren  werden  ganz  überwiegend  als  Fertigprodukte ­
  aus  Japan  eingeführt.  Die  Konzession  zum  Betriebe  dieses
Gewerbes  wird  durch  die  Distriktbehörde  erteilt.  Die  Zahl  der  Konzessionierten ­
  belief  sich  Ende  1909  nur  auf  25;  es  waren  14  Japaner
und  11  Formosachinesen.
Ferner  sind  diejenigen  zu  erwähnen,  die  sich  gleichzeitig  mit  Herstellung ­
  und  Verkauf  einfacher  Hausmittel,  auch  Geheimmittel,  befassen. ­
  Endel909  betrieben  91  Japaner  und  186  Formosachinesen  dieses
Geschäft.  Und  schließlich  gibt  es  für  den  Vertrieb  fertiger  Hausmittel
noch  Wiederverkäufer  und  Reisende.  Ihre  Kopfzahl  betrug  2254:
628  Japaner,  1621  Formosachinesen  und  5  Ausländer  (Chinesen).
B.  Kontrolle  des  Arzneimittelverkehrs.
Anfänglich  waren  Vorschriften  über  den  Arzneimittelverkehr
in  der  1896er  Verordnung  betreffend  Apotheker,  Drogisten  und
Arzneimittelbereiter  enthalten.  Sie  beschränkten  sich  auf  die  Forderung, ­
  daß  die  im  japanischen  Arzneibuch  aufgeführten  Arzneimittel

l)  abgesehen  von  den  im  Staatsdienste  stehenden  Apothekern
Dielhygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.

5
        <pb n="57" />
        66

Formosachinesische  Apotheke  zu  Taihoku

bezüglich  ihrer  Beschaffenheit  den  hier  gegebenen  Bestimmungen  und
die  in  einem  ausländischen  Arzneibuch  aufgeführten  den  betreffenden
Bestimmungen  entsprechen  müßten  und  daß  nur  der  Vertrieb
diesen  Bestimmungen  genügender  Arzneimittel  erlaubt  sei  und  zwar
nur  den  konzessionierten  Gewerbetreibenden,  nämlich  Apothekern,
Drogenhändlern  und  Arzneimittelbereitern.  Man  hatte  aber  noch
keine  ordentliche  Einrichtung  für  Arzneimittelprüfung  und  -Versiegelung ­
  getroffen.  Da  verlautbarte,  daß  mitunter  schlechte  Arzneimittel
eingeführt  würden.  Daraufhin  wurden  Chemiker  der  Opiumpastenfabrik ­
  entsandt,  um  die  in  der  Apotheke  des  Hospitals  zu  Taihoku
vorrätigen  Arzneimittel  zu  revidieren.  Hierbei  fanden  sich  auch  wirklich ­
  einige  minderwertige  Waren.  Auf  diese  Tatsache  wurden  die
Krankenhausdirektoren  durch  ein  Rundschreiben  aufmerksam  gemacht. ­
  Auch  wurden  in  Taihoku  manche  der  in  den  privaten  Apotheken ­
  und  Drogenhandlungen  auf  Vorrat  befindlichen  Medikamente ­
  einer  außerordentlichen  Durchsicht  unterworfen,  und  es  zeigte
sich  auch  hier,  daß  nicht  alle  einwandfrei  waren.  Infolgedessen  ergab
sich  die  Notwendigkeit,  die  Bestimmungen  über  den  Arzneimittel ­
        <pb n="58" />
        67

5*

verkehr  zu  erweitern.  Das  geschah.  Im  September  1900  wurde  ein
neues  Arzneimittelverkehrsgesetz  für  Formosa  veröffentlicht;  es  trat
mit  dem  1.  Januar  1901  in  Kraft.  Hiernach  müssen  —  die  früheren
Bestimmungen  bleiben  —  solche  neue  Arzneimittel,  die  in  keinem
Arzneibuch  aufgeführt  sind,  von  den  zum  Ressort  des  Ministeriums
des  Innern  gehörigen  hygienischen  Untersuchungsanstalten  analysiert
und  mit  einer  entsprechenden  Bescheinigung  versehen  werden;  ferner
sollen  ohne  Ausnahme  sämtliche  Arzneimittel  von  den  genannten
Untersuchungsanstalten  oder  von  dem  Institut  für  experimentelle
Forschungen  zu  Taihoku  geprüft  und  mit  einem  Prüfungsvermerk
versehen  sein.  Dies  ist  zur  Bedingung  des  Verkaufs  und  der  Aushändigung ­
  überhaupt  gemacht  worden.  Im  übrigen  wurden  neue  Vorschriften ­
  über  die  Aufbewahrung  der  Arzneimittel  und  über  den  Verkehr ­
  mit  Giften  und  stark  wirkenden  Stoffen  usw.  gegeben.  Als
Anhang  wurde  ein  Verzeichnis  der  Gifte  und  stark  wirkenden  Stoffe
beigefügt.  Außerdem  erließ  man  Vorschriften  für  die  Prüfung  und
ebenso  für  die  Revision  der  Arzneimittel.  Seitdem  haben  jene  Übelstände ­
  wesentlich  abgenommen.  Es  muß  noch  bemerkt  werden.

Formosachinesisclier  Drogistenladen  zu  Tainan
        <pb n="59" />
        68

daß  die  chinesischen  Drogen  eigentlich  neue  Arzneimittel  im  Sinne
dieses  Gesetzes  sind,  da  sie  in  keiner  Pharmakopoe  aufgezählt  werden.
Sie  bestehen  aber  in  Wahrheit  nur  in  Baumrinden  oder  Kräuterwurzeln ­
  und  werden  nicht  mehr  lange  in  Übung  bleiben.  In  diesen
Drogen  sind  zwar  mitunter  Gifte  oder  stark  wirkende  Stoffe  enthalten,
doch  kommt  es  fast  nie  vor,  daß  die  mit  langjährigen  Erfahrungen
ausgerüsteten  I-sei 1 )  Fehler  in  der  Anweisung  und  Verwendung  derartiger ­
  Mittel  machen.  Deshalb  ging  man  bisher  in  dieser  Richtung
nicht  mit  Strenge  vor.
Für  die  fertigen  Haus-  und  Geheimmittel  ist  eine  allgemeine
Regelung  noch  nicht  durchgeführt,  doch  muß  in  den  Distrikten
laut  einer  hier  bestehenden  Bestimmung  für  jedes  Mittel  bei  der
Distriktbehörde  einzeln  um  Erlaubnis  nachgesucht  werden.  Dadurch
wird  erreicht,  daß  nur  unschädliche  Mittel  in  den  Verkehr  gebracht
werden.  Mittel,  die  in  Japan  genehmigt  worden  sind,  werden  auch  in
Formosa  ohne  weiteres  zugelassen,  dagegen  bedürfen  alle  anderen
und  auch  sämtliche  aus  dem  Auslande  stammenden  Mittel,  genau  so  wie
die  in  Formosa  selbst  hergestellten,  einer  besonderen  Prüfung  und
Genehmigung.  Den  stärksten  Umsatz  weisen  die  japanischen  Mittel
auf,  dann  kommen  die  ausländischen  und  zuletzt  die  formosachinesischen. ­


x )  vergl.  9  E
        <pb n="60" />
        11.  Hygienische  Mafznahmen
in  den  Städten.

A.  Regulierung  der  Städte.
D ie  Häuser  der  alten  Städte  lassen  in  hygienischer  Beziehung
viel  zu  wünschen  übrig.  Es  fehlt  in  ihnen  vor  allen  Dingen
an  Duft  und  Dicht,  auch  sind  sie  nicht  fest  genug  gebaut,
um  sich  gegen  Stürme  oder  gar  Erdbeben  halten  zu  können.  Sodann
ist  die  Front  der  Häuser  so  willkürlich  gewählt,  daß  die  Straßen
außerordentlich  unregelmäßig  geworden  sind;  überdies  sind  sie  viel
zu  eng.  Um  diesen  Übelständen  abzuhelfen,  wurde  im  November  1898
eine  Kommission  für  die  Regulierung  der  Städte  Taihoku  und
Kilung  ins  Deben  gerufen.  Diese  Kommission  hat  zunächst  im  August
1900  den  Arbeitsplan  für  die  innere  Stadt  (Jönai)  von  Taihoku
(Flächeninhalt  350  000  Tsubo  =  1  157  000  qm)  festgelegt,  darauf  im
Juni  1901  den  Plan  für  das  südliche  Stadtviertel,  wo  zum  Teil  noch
jetzt  Reisfelder  liegen,  und  im  Oktober  1905  schließlich  einen  Gesamtplan ­
  für  das  ganze  zukünftige  Taihoku  (Flächenraum  2  000  000  Tsubo
=  6  611  600  qm).  Dieser  letztere  Plan  ist  nämlich  mit  Rücksicht  auf
das  zu  erwartende  Wachstum  der  Stadt  auf  150  000  Einwohner
berechnet  worden,  während  Taihoku  jetzt  85  000  zählt.
Um  einerseits  die  Stadt  vor  Überschwemmung  zu  schützen  und
anderseits  den  Verkehr  auf  demTamsui  zu  erleichtern,  sind  Schutzwälle
und  Kaie  von  3000  m  Dänge  sowie  ein  Ankerplatz  mit  165  300  qm
Fläche  projektiert.  Sodann  sind  über  76  000  qm  Parkanlagen  in  der
inneren  Stadt  vorgesehen,  und  gegenwärtig  ist  man  im  Begriffe,  hier
mehrere  mit  Rasen  und  Bäumen  bepflanzte  Schmuckplätze  sowie
—  an  der  Stelle  der  alten  Stadtmauer  —  einen  Promenadenring  von
45  bez.  82  m  Breite  einzurichten.  Die  Straßenlänge  der  Stadt  wird
insgesamt  22  Ri  (86,4  km)  betragen.  Die  Straßen  sollen  je  nach
Bedarf  eine  Breite  von  12,  10,  8,  6,  5,  4  und  3  Ken 1 )  besitzen.  Zu

!)  1  Ken  =  1,818  m
        <pb n="61" />
        Straßennetz  der  Stadt  Taihoku  nach  der  Regulierung

—  70  —
beiden  Seiten  sind  je  2  Ken  breite  Bürgersteige  anzubringen,  die  dort,
wo  Häuser  anliegen,  überdacht  und  sonst  überall  mit  Bäumen  be-Taihokü


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        71

Dasselbe  Chinesenvierlei  nach  dem  Umbau

Chinesenviertel  in  Taihoku  vor  dem  Umbau
        <pb n="63" />
        72

pflanzt  sein  müssen.  Die  verkehrsreichen  Straßen  werden  nach  Art
der  Packlagechaussee  gebaut  und  durch  die  Dampfwalze  gefestet,
die  stilleren  dagegen  nach  Art  der  Kieschaussee  angelegt.  Der
Kostenanschlag  verlangt  6  671  300  Yen.  In  den  Rechnungsjahren
1895—1909  sind  von  der  Staatskasse  für  die  Zwecke  der  Regulierung
im  ganzen  1  321  000  Yen  ausgegeben  worden;  diese  Summe  wurde
in  der  Hauptsache  für  Straßenbau  und  Kanalisation  in  den  alten
Stadtteilen  verwendet.
In  Kilung  und  Takao,  den  beiden  wichtigsten  Häfen,  sowie  in
Tainan,  Taichu,  Kagi  und  Shinchiku  wird  genau  so  verfahren  wie  in
Taihoku,  nur  daß  in  diesen  Orten  die  Kosten  zum  größten  Teile  aus
den  Sanitätskassen  bestritten  werden.  In  zahlreichen  Eandstädten
hat  man  die  Straßenregulierung  ebenfalls  in  Angriff  genommen  und
meist  sogar  schon  vollendet.  Die  Mittel  dazu  stammen  auch  hier
hauptsächlich  aus  den  Sanitätskassen.
Es  war  vorauszusehen,  daß  die  Eisenbahn,  die  die  Insel  von
Norden  nach  Süden  durchzieht,  große  Umwälzungen  auch  auf  dem
Gebiete  der  Siedelung  hervorrufen  werde;  namentlich  da,  wo  Bahnhöfe
lagen,  war  das  Entstehen  neuer  Ortschaften  und  Eandstädte  sehr
wahrscheinlich.  Daher  hat  man  die  Distriktvorsteher  von  vornherein
angewiesen,  solche  Gegenden  zu  vermessen  und  unter  Umständen  zu
nivellieren  sowie  für  sie  im  voraus  Straßen-  und  Kanalisationspläne
auszuarbeiten.  Auf  diese  Weise  wurde  es  möglich,  dem  Entstehen
unregelmäßiger  Straßengebilde  vorzubeugen.
Baugesetz.
Mit  Rücksicht  auf  die  im  Eingänge  angedeuteten  Verhältnisse
hat  man  im  August  1900  ein  Baugesetz  erlassen,  das  sich  auf  die
Regelung  des  Häuserbaus  erstreckt.  Es  besteht  im  ganzen  aus  neun
Paragraphen.  Die  Orte,  für  die  es  zur  Geltung  kommt,  werden  von
dem  betreffenden  Distriktvorsteher  bestimmt,  doch  muß  dieser  allemal ­
  die  Genehmigung  des  Generalgouverneurs  einholen.  In  dem
Gesetz  steht  etwa  folgendes.
1.  Bei  Neubau,  Anbau  und  Umbau  der  Häuser  muß  von  dem
Distriktvorsteher  Erlaubnis  eingeholt  werden.
2.  Der  Distriktvorsteher  ist  ermächtigt,  Häuser  umbauen  oder
niederreißen  zu  lassen
        <pb n="64" />
        73

a)  wenn  es  für  öffentliche  Zwecke  nötig  ist;
b)  wenn  sie  das  menschliche  Leben  äußerlich  gefährden;
c)  wenn  gesundheitliche  Gefahren  vorliegen;
d)  wenn  sie  den  Bestimmungen  des  Gesetzes  zuwider  gebaut
oder  umgebaut  sind.
3.  Wenn  ein  Haus  unmittelbar  am  Bürgersteig  erbaut  wird,  so
muß  dieser  von  dem  Erbauer  des  Hauses  mit  Bedachung  versehen
werden  usw.
Im  September  1900  wurden  die  Ausführungsbestimmungen  zu
dem  Baugesetz  veröffentlicht.  Da  sich  aber  später  ihre  Unzulänglichkeit ­
  herausstellte,  besonders  bezüglich  der  Bekämpfung  der  Pest,  so
wurden  sie  revidiert;  im  Juli  1907  traten  die  aus  25  Paragraphen
bestehenden  revidierten  Bestimmungen  in  Kraft.  Die  Hauptpunkte
sind  diese.
1.  Die  bebaute  Fläche  darf  niemals  mehr  als  drei  Viertel  des
Grundstücks  ausmachen.
2.  Die  Häuser  an  den  Straßen  dürfen  die  von  dem  Distriktvorsteher ­
  vorgeschriebene  Fluchtlinie  nicht  überschreiten.
3.  Die  Hintergebäude  müssen  ringsum  mit  einer  freien  Fläche
von  mindestens  2  Ken  umgeben  sein  und  einen  mindestens  1  Ken
breiten  Durchgang  nach  der  Straße  besitzen.
4.  Dokazu  (an  der  Sonne  getrocknete  Erdmasse)  darf  als  Baumaterial ­
  nicht  verwendet  werden.
5.  Die  lichte  Höhe  der  Häuser  muß  mindestens  2  Ken  betragen.
6.  Die  Fensteröffnungen  müssen  bei  direkter  Beleuchtung  mindestens ­
  1 / 10 ,  bei  indirekter  Beleuchtung  mindestens  1 / 7  der  Grundfläche ­
  des  zu  erleuchtenden  Raumes  betragen.
7.  Der  Fußboden  des  Erdgeschosses  muß  mindestens  2,2  Shaku 1 )
von  der  Erde  entfernt  sein  und  die  Höhe  jedes  Zimmers  mindestens
9  Shaku  betragen.
Ferner  sind  Bestimmungen  über  Anlage  von  Küche,  Badestube
und  Klosett  getroffen,  vor  allen  Dingen  aber  ist  vorgeschrieben,  daß
die  Wohnhäuser  mit  Vorrichtungen  gegen  das  Eindringen  der  Ratten
versehen  sein  müssen.

*)  1  Shaku  =  0,303  m
        <pb n="65" />
        76

B.  Reinigung  der  Häuser,  Straßen  und  Kanäle.
Zweimal  im  Jahre,  im  Frühling  und  im  Herbst,  werden  sämtliche
Häuser  auf  ganz  Formosa  einer  gründlichen  Reinigung  unterzogen.
Dabei  werden  alle  Hausgeräte  auf  den  Hof  oder  auf  die  Straße  getragen ­
  und  den  Sonnenstrahlen  ausgesetzt  und  alle  Räume,  auch  die
zwischen  Zimmerdecke  und  Dach  und  die  unter  dem  Fußboden,  peinlich ­
  gesäubert.  Außerdem  sind  in  einer  Reihe  von  Städten  das  Müllbeseitigungsgesetz ­
  und  das  Kanalisationsgesetz  in  Kraft  getreten  und
zwar  das  erstere  in  Taihoku,  Kilung,  Giran,  Shinchiku,  Taichu,
Shöka,  Kagi,  Tainan,  Amping  und  Takao,  das  letztere  in  Taihoku,
Kilung,  Giran,  Rats,  Shinchiku,  Taichu  und  Tainan.  Durch  diese
Gesetze  wird  den  Privatpersonen  die  Pflicht  übertragen,  das  in  ihrem
Besitze  oder  unter  ihrer  Aufsicht  stehende  Gelände  und  die  zugehörigen ­
  Privatkanäle  rein  zu  halten,  während  dem  Staate  auferlegt
wird,  das  von  den  Privatpersonen  gesammelte  Müll  abzuführen  sowie
die  Parkanlagen,  Straßen,  öffentlichen  Kanäle  und  öffentlichen  Bedürfnisanstalten ­
  zu  reinigen.  In  anderen  Städten,  wo  derartige  gesetzliche ­
  Anordnungen  fehlen,  vor  allem  in  Randstädten,  werden
diese  Arbeiten  von  den  Sanitätskassen  oder  von  den  Korporationen
für  öffentliche  Gesundheitspflege  oder  auch  von  den  Ho-kö  besorgt.
        <pb n="66" />
        12.  Wasserversorgung.
F ür  die  Wasserversorgung  auf  Formosa  wurden  früher  ausschließlich ­
  Flachbrunnen  und  Flüsse  benutzt.  Was  die
Brunnen  anlangt,  so  bestanden  ihre  Wände  entweder  aus
Flußgeröllsteinen,  die  man  ohne  Mörtelverbindung  aufeinander  geschichtet ­
  hatte,  oder  aus  Ziegelsteinen,  die  durch  Kalkmörtel  verbunden ­
  waren;  sobald  der  Erdboden  verunreinigt  war,  wurde  bei  derartig ­
  undichter  Brunnenkonstruktion  das  Wasser  natürlich  völlig
unbrauchbar.  Und  daß  Flußwasser  nicht  zum  Trinken  geeignet  ist,
braucht  kaum  erwähnt  zu  werden.  In  Taihoku  konnte  man  allerdings ­
  durch  Anlegung  von  Rohrbrunnen  Grundwasser  aus  einer  Tiefe
von  56  m  gewinnen.  Wenn  man  aber  die  Brunnen  den  Einwohnern
zum  Gebrauche  frei  gab,  wurde  das  Wasser  alsbald  ungenießbar.
Auch  war  die  Menge  des  Wassers  nicht  ausreichend,  zumal  da  die
Stadt  im  Begriffe  ist,  sich  stark  auszudehnen.
Unter  diesen  Umständen  beschloß  das  Generalgouvernement,
mit  der  Zeit  allenthalben,  sowohl  in  den  größeren  Städten  als  auch  in
den  Landstädten,  Zentralwasserversorgungsanlagen  zu  schaffen.  Der
Anfang  wurde  1898  mit  den  Anlagen  in  Tamsui  und  Kilung  gemacht.
Andere  Städte  folgten  und  folgen  diesem  Beispiele.  Jetzt  besitzen
bereits  die  fünf  Städte  Taihoku,  Kilung,  Tamsui,  Shöka  und  Kimpöri
Wasserleitungen,  und  für  Takao,  Kagi,  Taikö,  Hokuto  und  Shirin
sind  sie  gegenwärtig  in  Bau.  Im  folgenden  wird  eine  kurze  Beschreibung ­
  von  vier  bereits  vollendeten  Wasserwerken  gegeben.
A.  Das  Wasserwerk  der  Stadt  Taihoku.
Die  Stadt  Taihoku,  der  Sitz  des  Generalgouvernements,  besteht
aus  drei  Teilen:  aus  J  önai,  aus  Manka  und  aus  Daitotei.  Sie  hat  zurzeit ­
  rund  85  000  Einwohner.  Durchflossen  von  dem  schiffbaren
Tamsui  und  mit  den  wichtigsten  Städten,  insbesondere  mit  den  beiden
naheliegenden  Häfen  Kilung  und  Tamsui,  durch  Eisenbahn  verbunden,
ist  sie  der  Mittelpunkt  für  den  formosaischen  Handel  und  Verkehr.
        <pb n="67" />
        78

i.  Die  Wasserquelle.
Es  wurde  zuerst  erwogen,  ob  die  Stadt  nicht  durch  Grundwasser ­
  versorgt  werden  könne.  Denn  der  Boden  in  und  um  Taihoku
besteht  aus  abwechselnd  aufeinander  folgenden  Lehm-  und  Sandschichten, ­
  die  durchschnittlichen  Jahresniederschläge  betragen  etwa
2400—2500  mm,  und  das  bei  Versorgung  mit  Grundwasser  als  natürliche ­
  Sammelfläche  in  Betracht  kommende  Gebiet  wäre  150  qkm
groß  gewesen.  Auch  waren  die  bereits  vorhandenen  Rohrbrunnen  —
800  an  der  Zahl  —  recht  ergiebig;  jeder  lieferte  in  24  Stunden  durchschnittlich ­
  700  Kubikfuß *  1 )  Wasser.  Anderseits  aber  lag  die  begründete
Befürchtung  vor,  es  werde,  da  schon  jetzt  —  und  erst  recht  später
—  eine  Versorgung  der  Stadt  mit  Grundwasser  eine  Vermehrung  der
Brunnen  erfordern  mußte,  der  Wasserstand  der  schon  bestehenden
Brunnen  beeinträchtigt  werden.  Man  hatte  nämlich  beobachtet,  daß
mit  der  Vermehrung  der  Anzahl  der  Brunnen  ihr  Wasserspiegel
immer  tiefer  sank.  Daher  wurde  beschlossen,  das  erforderliche
Wasser  ohne  Anlehnung  an  das  Grundwasser  aus  dem  Tamsui  zu  entnehmen. ­

2.  Die  mutmaßliche  Bevölkerungszahl  der  Stadt.
In  den  sechs  Jahren  von  Ende  1898  bis  Ende  1904  ist  die  Bevölkerung ­
  der  Stadt  Taihoku  von  61  000  auf  78  000  gestiegen.  Das
ist  eine  Vermehrung  um  27  vom  Hundert  in  dem  ganzen  Zeiträume
und  um  durchschnittlich  4,5  vom  Hundert  in  einem  Jahre.  Diese
Vermehrung  kann  jedoch  nicht  als  normal  gelten,  weil  gerade  in  der
genannten  Zeit  sehr  viele  J  apaner  nach  Formosa  eingewandert  sind.
Immerhin  aber  wird  sich  Taihoku  als  Hauptstadt  in  einem  ungewöhnlich ­
  raschen  Tempo  entwickeln.  Man  nahm  daher  an,  daß  die
Einwohnerzahl  jährlich  um  3%  zunehmen  und  sich  also  in  zwanzig
Jahren  auf  150  000  belaufen  wird.  Diese  Zahl  wurde  bei  der
Projektierung  des  Wasserwerks  zugrunde  gelegt.  In  der  Berücksichtigung ­
  der  voraussichtlichen  Versorgungsgebiete  schloß  man  sich
einem  Plane  an,  der  von  der  Kommission  für  Städteumbau  entworfen ­
  und  von  dem  Generalgouverneur  zur  allgemeinen  Kenntnisnahme ­
  veröffentlicht  worden  war.

x )  mit  Fuß  und  Zoll  ist  durchgängig  englisches  Längenmaß  gemeint
1  Fuß  =  0,30479  m,  1  Zoll  =  0,02539  m
        <pb n="68" />
        79

3.  Wasserbedarf.
Für  eine  Stadt,  welche  erst  im  Werden  begriffen  ist  und  deren
Entwicklung,  besonders  in  industrieller  Hinsicht,  sich  nicht  übersehen ­
  läßt,  ist  die  Berechnung  des  benötigten  Wasserbedarfs  sehr
schwer.  Man  hat  deswegen  die  Erfahrungen  in  einigen  japanischen
Städten  zu  Hilfe  genommen.  Der  Wasserverbrauch  pro  Kopf  und  Tag
beträgt
in  Yokohama  2,88  Kubikfuß,
in  Nagasaki  3,00  ,,
in  Hakodate  2,56  „  ,
in  Osaka  3,00
in  Tokio  3,96  ,,  ,
im  Durchschnitt  also  3,08  ,,
Hiernach  setzte  man  für  jeden  Einwohner  von  Taiholcu  als
mittleren  Tagesbedarf  3,00  Kubikfuß  und  als  Maximalbedarf
6,00  Kubikfuß  fest.

Wasserwerk  der  Stadt  Taihoku:  Wasserentuahmestelle
        <pb n="69" />
        80

4.  Technische  Ausführung.
a)  Wasserwerk.  Das  Wasser  wird  etwa  4  km  südöstlich  von
der  Stadt  in  der  Nähe  des  früheren  Militärschießplatzes  dem  Tamsui
entnommen  und  vermittels  eines  etwa  1  m  im  Lichten  messenden
Eisenbetonrohrs  und  ausgemauerter  Wasserwege  zunächst  in  den
Pumpschacht  geleitet,  um  von  hier  in  einen  zweiten  Schacht  gepumpt
und  dann  den  Klärbecken  zugeführt  zu  werden.  Die  elektrisch  betriebene ­
  Pumpstation  hat  Pumpen  zur  Hebung  des  Wassers  aus
dem  Pumpschacht  und  solche  zur  Hebung  des  gereinigten  Wassers.
Zur  Hebung  aus  dem  Pumpschacht  sind  drei  Pumpen  vorgesehen,  von
denen  die  dritte  als  Reserve  dient.  Jede  dieser  Pumpen  ist  imstande,
in  einer  Minute  250  Kubikfuß  Wasser  auf  50  Fuß  Höhe  zu  heben.
Die  Zahl  der  zum  Heben  des  reinen  Wassers  bestimmten  Pumpen
beträgt  ebenfalls  drei;  auch  hier  dient  die  eine  als  Reserve.  Von
diesen  Pumpen  hebt  jede  in  einer  Minute  250  Kubikfuß  Wasser  auf
130  Fuß  Höhe.  Das  dem  zweiten  Schachte  zulaufende  Wasser  soll
für  150  000  Einwohner  in  einer  Minute  468,75  und  in  einem  Tage
675  000  Kubikfuß  betragen.  Zu  dieser  Menge  kommt  man,  wenn  man
den  Wasserverbrauch  pro  Kopf  und  Tag  mit  3  Kubikfuß  annimmt
und  noch  50  %,  d.  h.  1,5  Kubikfuß,  hinzurechnet.  Um  aber
auch  dem  Bedarf  an  Reinigungswasser  für  die  Reservoire  usw.  gerecht
zu  werden,  wurde  das  in  einer  Minute  zulaufende  Quantum  auf
500  Kubikfuß  gebracht.  Klärbecken  sind  zwei  vorhanden;  sie
besitzen  runde  Form  und  bei  52  m  Durchmesser  etwa  4  m
Wassertiefe.  Sie  decken  bei  120  000  Einwohnern  den  1  y 2  tägigen
Bedarf;  sobald  die  Zahl  der  Einwohner  150  000  erreicht,  muß
ein  drittes  hinzu  kommen.  Jedes  dieser  Klärbecken  besitzt  eine
Vorrichtung,  die  dem  Klärschacht  nur  das  klargewordene,  1—1  y 2
Fuß  unter  der  Oberfläche  befindliche  Wasser  übermittelt.  Der
Klärschacht  reguliert  durch  eine  besondere  Vorrichtung  die  Menge
des  Wassers  und  befördert  es  zu  den  Filtern.  Es  sind  6  Filter
von  je  30  m  Breite  und  38  m  Länge  eingerichtet.  Von  diesen  sind
fünf  beständig  in  Betrieb,  während  das  sechste  im  Falle  der  Reinigung ­
  des  einen  oder  des  anderen  als  Ersatz  gebraucht  wird.  Bei
einer  Einwohnerzahl  von  150  000  werden  noch  zwei  weitere,  jetzt
erst  projektierte  Filter  nötig  sein.  Jene  fünf  Filter  können  bei
einer  Arbeitsgeschwindigkeit  von  10  Fuß  in  24  Stunden  insgesamt
        <pb n="70" />
        81

Wasserwerk  der  Stadt  Taihoku  :  Pumpstation

Wasserwerk  der  Stadt  Taihoku:  Maschinenraum  der  Pumpstation
Die  hygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.

6
        <pb n="71" />
        82

eine  Menge  von  540  000  Kubikfuß  liefern,  d.  h.  bei  120  000  Einwohnern ­
  4  y 2  Kubikfuß  pro  Kopf  und  Tag.  In  dem  zu  den  Filtern
gehörigen  Schacht,  in  dem  sich  das  gereinigte  Wasser  sammelt,  ist
ein  Ventil  angebracht,  das  die  Arbeitsgeschwindigkeit  der  Filter
selbsttätig  reguliert.  Das  filtrierte  Wasser  wird  sodann  zwei  auf
einem  Hügel  befindlichen  Hochbehältern  von  je  27X26x4  m
Rauminhalt  zu  geführt.  Die  Behälter  sind  nach  oben  durch  eine
mit  Ventilationsvorrichtungen  versehene  Bedachung  abgeschlossen.
Durch  Einfügung  von  Querwänden  ist  dafür  gesorgt,  daß  das  Wasser
beständig  in  Bewegung  bleibt.  Die  Behälter  können  bei  normalem
Verbrauch  eine  für  150  000  Einwohner  auf  10  Stunden  ausreichende
Wasser  menge  fassen.
b)  Zuleitung  des  Wassers.  Das  Wasser  wird  unter  Benutzung
des  natürlichen  Gefälles  aus  den  Hochbehältern  vermittels  zweier
eiserner  Rohre,  deren  lichter  Durchmesser  zwanzig  Zoll  beträgt,  über
Koteishö  bis  an  das  Südtor  der  inneren  Stadt  geleitet.  Diese  Hauptrohre ­
  haben  eine  Fänge  von  12  000  Fuß.  Da  sich  die  Sohle  der  Hoch-Wasserwerk

  der  Stadt  Taihoku:  Filteraulagen
        <pb n="72" />
        83

6*

Legen  der  Leitungsrohre  in  der  Stadt  Taihoku

behälter  39  m  über  dem  mittleren  Meeresniveau  befindet  und  bei
einem  Gefälle  von  1  :  600  eine  mit  einer  minütlichen  Stärke  von
625  Kubikfuß  strömende  Wassermenge  bei  der  angegebenen  Entfernung ­
  eine  Druckverminderung  um  etwa  6  m  bewirkt,  so  besitzt
das  Wasser  an  dem  Südtor,  das  etwa  8  m  über  dem  Nullpunkt  liegt,
einen  Druck  von  ungefähr  25  m.  Das  Deitungsnetz  in  der  Stadt
selbst  ist  als  Umlaufsnetz  angelegt.  Der  lichte  Durchmesser  der
dabei  verwendeten  Leitungsrohre  beträgt  20,  14,  12,  10,  8,  6  und
4  Zoll.  In  Abständen  von  327  bez.  545  m  sind  Wasserschieber
vorgesehen.  Hydranten  finden  sich  in  Zwischenräumen  von  je
145  m.  Um  den  Gesamtverbrauch  zu  kontrollieren,  ist  an  der
Stelle  des  Eintritts  des  Wassers  aus  den  Hauptrohren  in  das  Umlaufsnetz ­
  ein  Stadtwassermesser  angebracht.  Nach  dem  Budget
betrugen  die  Baukosten  1  900  000  Yen;  sie  sollten  in  den  beiden
Etatjahren  1907  und  1908  zur  Ausgabe  gelangen.  Aber  aus  baulichen
Rücksichten  ist  die  Summe  teilweise  in  das  Rechnungsjahr  1909
übernommen  worden.  Im  Juli  1909  war  der  Bau  beendet.
        <pb n="73" />
        RS

—  84  —
B.  Das  Wasserwerk  der  Stadt  Kilung.
Kilung  ist  einer  der  besten  Häfen  Formosas.  Auf  drei  Seiten  von
steilen  Bergen  umgeben,  steht  er  nur  gegen  Norden  offen.  Die  Reede
ist  geräumig  und  tief  genug,  um  große  Schiffe  beherbergen  zu  können.
Die  Stadt  selbst  liegt  am  Hinterrande  des  Hafens  und  zwar  im  Südwesten. ­
  Seitdem  Kilung  1863  dem  fremden  Handel  freigegeben
worden  war,  stieg  die  Zahl  seiner  Einwohner  mit  jedem  Jahre,  be-&amp;lt;
sonders  nach  1895,  da  der  Hafen  für  den  Verkehr  mit  Japan  ganz
allein  in  Betracht  kommt.  Zweifellos  hat  also  der  Ort  eine  gute  Zukunft. ­
  Daher  wurde  für  notwendig  erkannt,  Kilung  sofort  mit  einer
Wasserleitung  zu  versehen.  Bereits  im  Juni  1898  wurde  die  Er-,
richtung  eines  Wasserwerks  in  Angriff  genommen;  im  März  1902  war
es  vollendet.  Die  Kosten  betrugen  467  000  Yen.
Die  Zahl  der  Einwohner  wurde,  als  man  mit  dem  Bau  begann,  auf
10  000  geschätzt.  Unter  Berücksichtigung  des  künftigen  Bevölkerungszuwachses, ­
  den  man  nach  Vollendung  der  Hafenbauten  und
der  Eisenbahnlinie  Kilung—Takao  x )  in  besonderer  Stärke  erwartete,
hat  man  das  Wasserwerk  für  50000  Einwohner  berechnet.  Das  Versorgungsgebiet ­
  umfaßt  außer  der  Stadt  Kilung  die  politisch  zu  ihr
gehörigen  Ortschaften  Sentö  und  Denryökö.  Als  normale  Verbrauchsmenge ­
  wurden  auch  hier  3  Kubikfuß  pro  Kopf  und  Tag  angenommen
und  als  Maximum  6  Kubikfuß.
a)  Entnahmestelle  und  Wasserwerk.  Die  Entnahmestelle
befindet  sich  am  Selsei-Bache,  einem  Nebenwassex  des  Kilung-Flusses.
In  dem  Bache  ist  ein  Staudamm  von  50  Fuß  Ränge  und  8  Fuß  Höhe
aufgeführt,  und  von  da  fließt  das  Wasser  mit  natürlichem  Gefälle  in
den  Schacht  I.  Hier  sind  drei  Ventile  angebracht,  das  eine  leitet  das
Wasser  nach  dem  Klärbecken,  das  zweite  nach  Schacht  II  und  III,
während  das  dritte  den  Anschluß  an  ein  bei  Bedarf  künftig  hinzuzufügendes ­
  Klärbecken  bilden  wird.  Die  Leitungsrohre  haben  einen
lichten  Durchmesser  von  14  Zoll.  Das  Klärbecken  ist  37  x  24  x  4,6  m
groß.  Sein  Wasserinhalt  reicht  bei  normalem  Wasserverbrauch  bei
30  000  Einwohnern  für  1  y 2  Tage  aus.  Im  übrigen  ist  das  Bassin  ebenso ­
  eingerichtet  wie  bei  dem  Wasserwerk  von  Taihoku.  Zwei  Filter
mit  je  30x  23  x  2,7  m  Inhalt  und  einer  Arbeitsgeschwindigkeit  von

*)  die  inzwischen  fertiggestellt  ist
        <pb n="74" />
        85

10  Fuß  in  24  Stunden  filtrieren  in  einem  Tage  eine  Wassermenge,
die  bei  einem  Verbrauche  von  4,5  Kubikfuß  pro  Kopf  und  Tag  für
30  000  Menschen  ausreicht.  Das  filtrierte  Wasser  wird  dem  Schacht  III
zugeführt.  Um  etwaigem  Wassermangel  vorzubeugen,  ist  an  einer
anderen  Stelle  des  Baches,  kurz  nach  Einmündung  des  Tosei-Baches,
ein  weiterer  Staudamm  gebaut  worden.  Von  hier  aus  kann  man  das
Wasser  eventuell  unmittelbar  nach  der  Stadt  leiten  oder  auch,  vermittels ­
  einer  Dampfpumpe,  dem  Schacht  I  zuführen.
b)  Zuleitung  des  Wassers.  Das  Wasser  wird  aus  Schacht  III
vermittels  eines  14  Zoll  weiten  Stahlrohres  über  die  Eisenbahnbrücke ­
  und  durch  den  Tunnel  bei  Hatto  nach  der  Stadt  geführt.
Das  Hauptrohr  teilt  sich  hier  in  zwei  gußeiserne  Rohre  mit  einem
lichten  Durchmesser  von  je  10  Zoll,  und  diese  wieder  verästeln  sich
dann  durch  Eisenrohre  mit  lichten  Durchmessern  von  14,  10,  8,  6  und
4  Zoll  weiter  über  das  ganze  Versorgungsgebiet.  Die  über  dieses  verteilten ­
  56  Hydranten  dienen  zugleich  als  öffentliche  Wasserzapfstellen.
In  der  unmittelbaren  Nähe  der  Stadt,  dort,  wo  sich  das  Hauptrohr
gabelt,  ist  ein  Stadtwassermesser  angebracht.
C.  Das  Wasserwerk  von  Tamsui.
Tamsui,  1858  geöffnet,  ist  ein  für  den  Verkehr  mit  China  wichtiger ­
  Hafen  und  liegt  etwa  20  km  nördlich  von  Taihoku.  Da  der
Hafen  sozusagen  die  Eingangspforte  für  die  verschiedenen  Infektionskrankheiten, ­
  besonders  für  die  Cholera  darstellt,  so  mußte  er  eher
als  alle  anderen  Orte  Formosas  mit  einwandfreier  Wasserversorgung
versehen  werden.  Der  Bau  der  Wasseranlagen  begann  im  Februar
1898  und  war  im  März  1899  vollendet.  Er  erforderte  einen  Aufwand
von  103  000  Yen.  Als  man  den  Bauplan  entwarf,  wurde  die  Zahl  der
Einwohner,  da  eine  Statistik  damals  noch  nicht  vorlag,  schätzungsweise ­
  mit  6000  angenommen  und  die  Wasserversorgung  in  Rücksicht
auf  die  Zukunft  auf  20  000  Menschen  berechnet.  Als  Durchschnittswasserverbrauch ­
  pro  Kopf  und  Tag  setzte  man  auch  hier  3  Kubikfuß
an  und  als  Maximum  6  Kubikfuß.
a)  Quellfassung  und  Zuleitung.  In  Söshuntö,  vier  Kilometer ­
  von  Tamsui  entfernt,  entspringt  am  Fuße  eines  Berges  eine
Quelle.  Sie  fördert  in  24  Stunden  268  000  Kubikfuß  zu  Tage;  eine
        <pb n="75" />
        86

Wasserwerk  der  Stadt  Tamsui:  Quelle

zweijährige  Beobachtung  hat  festgestellt,  daß  diese  Menge  durch
Witterungs  Verhältnisse  keinerlei  Beeinträchtigung  erleidet.  Die  Temperatur ­
  des  Wassers  schwankt  zwischen  21  und  22,7°  C.  Das  Wasser
eignet  sich  ganz  vorzüglich  zu  Trinkwasser.  Bei  andauernden  Regengüssen ­
  wird  es  allerdings  etwas  trüb,  es  wird  hierdurch  aber  irgend  ein
Bedenken  in  hygienischer  Hinsicht  nicht  erregt.  Diese  Quelle  hat  man
für  die  Wasserversorgung  von  Tamsui  benutzt.  Bei  der  Fassung  der
Quelle  wurden  geeignete  Vorsichtsmaßregeln  getroffen,  um  ein  Eindringen ­
  von  Regen-  oder  Sickerwasser  zu  verhindern.  Das  Quellwasser ­
  wird  durch  eine  aus  Zement  hergestellte  Rinne  in  einen
steinernen,  3,6  x  1,8  x  2,7  m  großen  Behälter  geleitet  und  von  da  in
einem  10  Zoll  weiten  Eisenrohr  nach  Tamsui  geführt.
b)  Leitungsnetz.  Das  Leitungsnetz  in  der  Stadt  besteht  aus
Röhren  mit  lichten  Durchmessern  von  10,  8,  6,  5,  4  und  3,5  Zoll.
Am  Ende  des  Hauptrohrs  ist  ein  Stadtwassermesser  angebracht.
Hydranten,  die  zugleich  als  öffentliche  Zapfstellen  dienen,  sind  im
ganzen  15  vorhanden.
        <pb n="76" />
        87

D.  Das  Wasserwerk  von  Shoka.
Shöka  ist  eine  über  200  Jahre  alte  Stadt  in  Mittelformosa  mit
16  000  Einwohnern.  Hier  war  bereits  im  Jahre  1897  eine  Art  Wasserleitung ­
  hergestellt  worden.  Da  jedoch  das  Wasser  nur  aus  zwei  sehr
kleinen  Quellen,  die  an  den  östlich  von  der  Stadt  gelegenen  Hügeln
entspringen,  entnommen  wurde,  erwies  sich  die  zugeleitete  Wassermenge ­
  gegenüber  dem  Bedarf  der  immer  zunehmenden  Bevölkerung
als  ungenügend.  Es  wurde  demzufolge  im  November  1904  der  Plan
gefaI3t,  ein  neues  Wasserwerk  zu  errichten.  Der  Bau  begann  im  Mai
1906  und  war  im  März  1908  vollendet;  die  Kosten  betrugen
46  490  Yen.
Östlich  von  der  Stadt,  in  einer  Entfernung  von  etwa  1,3  km,
fließt  ein  Bach,  dessen  Sandbett  auf  Felsen  gelagert  ist.  Man  hat
hier  unterhalb  des  Wasserspiegels  einen  Damm  aus  Konkret  durch
den  Sand  hindurch  bis  auf  die  Felsen  gebaut  und  vor  ihm,  ganz  wie
bei  einem  Filter,  Kies  und  Sand  aufgeschüttet.  Das  durchsickernde
gereinigte  Wasser,  dem  durch  Damm  und  Felsen  der  Weg  versperrt
ist,  wird  nunmehr  mittels  zweier  Eisenrohre  in  einen  Behälter  geführt,

Wasserversorgung  der  Formosawilden
        <pb n="77" />
        88

um  von  hier  mit  natürlichem  Gefälle  in  Eisenrohren  (8,  6  und  4  Zoll)
nach  der  Stadt  geleitet  zu  werden.  Der  Höhenunterschied  zwischen
dem  oberen  Rande  des  Dammes  und  der  Bodenfläche  in  der  Mitte
der  Stadt  beträgt  23  m.  &amp;lt;  J  g  •)
Da  die  Menge  des  den  Bach  durchströmenden  Wassers  selbst  in
der  trockensten  Jahreszeit  1,5  Kubikfuß  in  der  Sekunde  beträgt,
so  steht  mehr  als  genug  Wasser  zur  Verfügung.  Denn  nimmt  man
einen  Durchschnittsverbrauch  von  3,5  Kubikfuß  pro  Kopf  und  Tag
an,  so  würde  bei  20  000  Einwohnern  bereits  eine  durchströmende
Menge  von  0,8  Kubikfuß  genügen.  Überdies  sind  die  umliegenden
Hügel  mit  Bäumen  bepflanzt,  um  die  Niederschläge  auf  diese  Weise
noch  besser  festzuhalten.
        <pb n="78" />
        13.  Kanalisation.

E ine  gewisse  Kanalisation  hat  in  Formosa  schon  seit  längerer
Zeit  bestanden.  Ihre  Ausführung  war  im  ganzen  ziemlich
einfach,  nur  in  einigen  Städten  des  Südens,  z.  B.  in  Tainan,
gab  es  bereits  vor  hundert  J  ahren  Kanäle,  die  man  auch  vom  heutigen
Standpunkt  noch  als  sehr  gut  bezeichnen  muß.  Sie  wurden  jedoch
ebenso  sehr  vernachlässigt  wie  die  anderen.  So  kam  es,  daß  allenthalben ­
  die  Abwässer  der  Haushaltungen  eigentlich  sich  selbst  überlassen ­
  blieben.  Es  sickerte  also  fortwährend  schmutziges  Wasser  in
die  Erde,  so  daß  ein  unbeschreiblich  ekelhafter  Zustand  herrschte.
Das  Generalgouvernement  beschloß  daher,  möglichst  bald  für  die
Anlage  öffentlicher  und  privater  Abzugskanäle  zu  sorgen.  Da  man
zunächst  eine  für  die  Verhältnisse  der  formosaischen  Städte  geeignete
Art  der  Kanalisation  ermitteln  mußte,  wurde  W.  K.  Burton,  der
konsultierende  Ingenieur  für  hygienische  Bauten,  beauftragt,  die
Städte  der  Insel  zu  besuchen,  dann  Informationsreisen  nach  den
europäischen  Kolonien  in  Asien  zu  unternehmen  und  darauf  ein
geeignetes  Projekt  auszuarbeiten.  Man  hatte  hierbei  begreiflicherweise ­
  zunächst  an  die  Hauptstadt  Taihoku  gedacht,  und  so  war  denn
auch  die  Denkschrift  Burtons,  der  übrigens  die  Kanalisationsverhältnisse ­
  in  Singapur  zugrunde  gelegt  waren,  völlig  auf  Taihoku  zugeschnitten. ­

Die  Schrift  Burtons  sagte  etwa  das  Folgende:
Da  es  in  Taihoku  stark  regne,  die  Lage  des  Stadtgebietes  aber
nur  ein  sehr  geringes  Gefälle  ermögliche,  werde  ein  unterirdisches
System  im  Unterlaufe  zu  tief  in  die  Erde  hinuntergetrieben  werden
müssen;  das  werde  viel  zu  hohe  Baukosten  erfordern,  auch  technisch
große  Schwierigkeiten  bereiten,  und  außerdem  würden  dann  die
Hausanschlüsse  so  teuer  sein,  daß  die  ganze  Anlage  mit  den
wirtschaftlichen  Verhältnissen  der  Bevölkerung  nicht  in  Einklang
stehen  werde.  Sodann  sei  die  Einwohnerzahl  der  Stadt  nur  von
mittlerer  Größe;  ebenso  sei  der  Verkehr  in  den  Straßen  nur  mäßig
        <pb n="79" />
        90

Erdarbeiten  beim  Kanalbau  in  Taihoku
stark.  Man  möge  sich  aus  allen  diesen  Gründen  für  ein  gemischtes
System  entscheiden  und  die  Sammelkanäle  unterirdisch  führen,
die  öffentlichen  Abzugskanäle  aber  freiliegend  in  den  Straßen,
die  ja  verhältnismäßig  breit  seien.  Freiliegende  Straßenkanäle  hätten
den  Vorteil,  daß  sie  sehr  leicht  gereinigt  werden  könnten;  speziell  in
Taihoku  biete  sich  zu  den  Zwecken  der  Reinigung  ganz  von  selbst
das  Wasser  der  sich  überall  in  der  Stadt  findenden  Bohrbrunnen  an,
deren  Wasserstand  so  hoch  sei,  daß  das  Wasser  beständig  überlaufe 1 ).
So  sei  es  möglich,  die  Abwässer  zu  verdünnen  und  fortzuschwemmen,
ohne  daß  man  eine  Verunreinigung  der  Ruft  zu  befürchten  habe.
Nach  diesem  Vorschläge  Burtons  hat  man  sich  im  großen  und
ganzen  gerichtet.
Die  Straßenkanäle  sind  bis  zu  0,9  m  breit.  Sie  liegen  zwischen
Fahrdamm  und  Bürgersteig;  an  Straßenkreuzungen  werden  sie  durch
feste  Steinplatten  überdeckt.  Die  Straßenkanäle  sind  sämtlich  massiv
ausgeführt.  Das  Fundament  besteht  aus  Geröll  oder  Backstein-Ü
  inzwischen  hat  sich  das  infolge  Anlage  vieler  neuer  Bohrbrunnen  geändert: ­
  vergl.  Abschnitt  12
        <pb n="80" />
        91

Bau  eines  Sammelkanals  aus  Eisenbeton

brocken,  mit  Kies  gemischt  und  festgestampft,  und  die  Wandung  aus
Sandsteinquadern,  die  untereinander  durch  Mörtel  verbunden  sind;
der  Rand  ist  mit  Kordonsteinen  gedeckt  und  der  ganze  Kanal  inwendig ­
  noch  mit  Zementmörtel  gestrichen.  Das  Profil  hat  etwa
U-Form;  Breite  und  Tiefe  stehen  im  Verhältnis  2  :  3.  Die  Kanäle
sind  so  geräumig,  daß  für  gewöhnlich  auch  die  größte  Regenmenge
abgeleitet  werden  kann.
Die  Sammelkanäle  sind  sämtlich  aus  Eisenbeton.  Bis  jetzt
sind  zwei  fertig;  projektiert  sind  sechs:  einer  für  den  südlichen  Teil
der  Stadt  und  für  den  Stadtteil  Manka,  einer  für  den  Osten,  einer  für
Daitötei  und  drei  für  die  innere  Stadt.  Im  allgemeinen  haben  die
Sammelkanäle  Kreisprofil  (Durchmesser  1,5  oder  1,1m).  Nur  im
südlichen  Stadtteil  und  in  Manka  sind  sie  haubenförmig  (lichte
Breite  teils  2,5,  teils  2  m);  eine  in  der  Sohle  angebrachte  halbkreisförmige ­
  Rinne  dient  zur  Abführung  der  täglichen  Abwässer. 1 )
h  vergl.  die  Übersichtskarte:  Straßennetz  der  Stadt  Taihoku  nach  der
Regulierung
        <pb n="81" />
        92

Das  öffentliche  Kanalnetz  hat  eine  Gesamtlänge  von  rund  177  km
und  läuft  unter  Benutzung  eines  natürlichen  Gefälles  von  1  :  600
im  Minimum  von  Südwesten  nach  Nordwesten,  um  sich  in  den  Tamsui
zu  ergießen.
Außerdem  sind  sogenannte  Privatkanäle  vorhanden.  Diese
leiten  die  Abwässer  aus  den  einzelnen  Wohnhäusern  in  die  öffentlichen
Kanäle.  Während  die  letzteren  aus  öffentlichen  Mitteln  hergestellt
und  unterhalten  werden,  fallen  die  Privatleitungen  den  hierzu  verpflichteten ­
  Bürgern  zur  Last.  Die  Privatkanäle  haben  jetzt  bereits
eine  Gesamtlänge  von  etwa  80  km  (Kosten:  170  000  Yen).
Es  sei  noch  bemerkt,  daß  für  die  öffentlichen  Kanäle  das  Steinmaterial ­
  zumeist  von  der  unter  der  chinesischen  Herrschaft  zur
Verteidigung  erbauten  Stadtmauer  genommen  wurde,  weshalb  bedeutend ­
  an  Baukosten  gespart  und  die  ganze  Arbeit  in  verhältnismäßig ­
  kurzer  Zeit  ziemlich  weit  gefördert  werden  konnte.
Taihoku  ist  das  Muster  für  alle  anderen  Städte  und  Landstädte
geworden.  In  Taichu,  Tainan,  Shöka,  Kagi,  Shinchiku,  Kilung,
Giran,  Töyen,  Hözan,  Akö  ist  die  Kanalisation  entweder  bereits
vollkommen  durchgeführt  oder  doch  wenigstens  in  Angriff  genommen.
Die  Kosten  werden  zum  großen  Teil  von  den  Sanitätskassen  getragen. ­

Anhang.
K  analisationsgesetz.
Im  April  1899  ist  ein  Kanalisationsgesetz  für  Formosa  erschienen,
wodurch  die  Art  der  Bauausführung  usw.  geregelt  wurde.  Das  Gesetz
umfaßt  im  ganzen  15  Paragraphen;  die  Hauptpunkte  sind  diese.
1.  Es  werden  öffentliche  und  private  Abzugskanäle  unterschieden. ­
  Zu  den  ersteren  gehören  alle  Sammel-  und  Straßenkanäle
und  solche  Nebenkanäle,  welche  sich  an  wichtigen  Stellen  befinden,
zu  den  letzteren  die  Anschlußleitungen  der  einzelnen  Wohnhäuser.
2.  Die  Sorge  für  die  öffentlichen  Kanäle  liegt  der  Distriktbehörde ­
  ob.  Diese  ordnet  Anlage,  Erneuerung  und  Reparaturen  an,
beseitigt  schädliche  oder  entbehrliche  Kanäle  und  nimmt  die  Reinigung ­
  der  Kanäle  vor.  Die  privaten  Kanäle  sind  nach  Anordnung  und
unter  Aufsicht  der  Distriktbehörde  von  den  Haus-  oder  Grundeigentümern ­
  bez.  -besitzern  zu  unterhalten.  Diese  müssen  für  die
        <pb n="82" />
        93

privaten  Kanäle  dasselbe  leisten,  was  für  die  öffentlichen  Kanäle
von  der  Distriktbehörde  getan  wird.
3.  Wer  eine  von  der  Distriktbehörde  angeordnete  Kanalanlage
nicht  ausführt,  darf  keinen  Neubau,  Umbau  oder  Erweiterungsbau
der  ihm  gehörigen  Gebäude  unternehmen  bez.  in  Benutzung  nehmen.
4.  Erachtet  die  Distriktbehörde  im  Interesse  der  Ausführung
einer  öffentlichen  Kanalanlage  Expropriation  oder  Benutzung  und

Bau  eines  Sammeikauals  aus  Eisenbeton:  ein  fertiger  Teil

Umänderung  von  Grund  und  Boden  oder  von  Gebäuden  für  nötig,
so  darf  sich  kein  Grund-  oder  Hauseigentümer  dem  widersetzen
(gegen  diese  Verfügung  ist  binnen  30  Tagen  Beschwerde  an  den
Generalgouverneur  von  Formosa  zulässig);  doch  kann  in  solchen
Fällen  Schadenersatz  geleistet  werden.
5.  Die  Distriktbehörde  hat,  um  die  Kanalisation  auf  ihren
Zustand  prüfen  und  erforderliche  Verfügungen  treffen  zu  können,
das  Recht,  von  Zeit  zu  Zeit  Beamte  zu  entsenden  und  durch  sie
ein  jedes  Grundstück  oder  Gebäude  betreten  zu  lassen.
        <pb n="83" />
        94

6.  Kommt  ein  zum  Bau  eines  Kanals  Verpflichteter  seiner  Verpflichtung ­
  nicht  nach,  so  hat  die  Distriktbehörde  eventuell  die
Durchführung  auf  dem  exekutiven  Wege  zu  erledigen.
7.  Das  Reglement  ist  nicht  für  ganz  Formosa  maßgebend,
sondern  nur  für  diejenigen  Gegenden,  für  die  die  Distriktbehörden
seine  Geltendmachung  für  nötig  erachten;  dies  bedarf  der  Bestätigung ­
  des  Generalgouverneurs  von  Formosa.  —
Die  Ausführungsbestimmungen  zu  diesem  Gesetze  sind  im  J  uni
1900  erlassen  worden;  es  wurden  darin  die  zu  verwendenden  Baumaterialien, ­
  die  bei  der  Projektierung  zu  beachtenden  Normen,  die
Befugnis,  Abänderungen  der  Anlage  anzuordnen  usw.  geregelt.
Das  Kanalisationsgesetz  steht  gegenwärtig  für  die  Städte
Taihoku,  Kilung,  Shinchiku,  Taichu,  Tainan,  Giran  und  Ratö
in  Kraft.
        <pb n="84" />
        D  ;  is
u  i  h

4  46,

14.  Nahrungsmittelkontrolle.
Z unächst  bestanden  keine  geschriebenen  Vorschriften  über
die  polizeiliche  Kontrolle  von  Nahrungs-  und  Genußmitteln.
Schädliche  Nahrungsmittel  usw.  wurden  in  jedem  konkreten ­
  Falle  vernichtet,  wobei  der  betreffende  Händler  auf  die  Gemeingefährlichkeit ­
  derartiger  Dinge  aufmerksam  gemacht  und  vor
Wiederholung  gewarnt  wurde.  Allerdings  erließen  in  der  Folge
einige  Distriktbehörden  Kontrollbestimmungen  für  gewisse  Nahrungsmittel, ­
  wonach  diejenigen  Händler,  die  wissentlich  gesundheitsschädliche ­
  Waren  verkauften,  bestraft  werden  sollten;  wie  es  aber
mit  den  betreffenden  Waren  selbst  gehalten  werden  sollte,  mußte
natürlich  einer  gesetzlichen  Regelung  Vorbehalten  bleiben.  Daher
sind  seit  dem  1.  November  1903  die  in  Japan  für  die  Nahrungsmittel
usw.  geltenden  gesetzlichen  Bestimmungen  auch  für  Formosa  in
Geltung  gesetzt  worden.  Damit  sind  die  Verwaltungsbehörden  in  der
Dage,  Herstellung,  Gewinnung,  Verkauf,  Aushändigung  und  Gebrauch
solcher  zum  Verkauf  bestimmter  Nahrungs-  und  Genußmittel  und
solcher  zum  Verkauf  oder  zum  Gebrauch  im  Gewerbebetriebe  bestimmter ­
  Eß-,  Trink-  und  Kochgeschirre,  die  geeignet  erscheinen,
die  Gesundheit  zu  gefährden,  gesetzlich  zu  verbieten  bez.  den
beanstandeten  Gewerbebetrieb  auf  immer  oder  auf  Zeit  zu  untersagen. ­
  Ferner  hat  die  Verwaltungsbehörde  dadurch  das  Recht
erhalten,  den  Eigentümer  oder  Besitzer  schädlicher  Gegenstände
zu  deren  Vernichtung  anzuhalten  oder  sie  selbst  zu  vernichten,
im  übrigen  den  zu  untersuchenden  Gegenstand  in  der  erforderlichen ­
  Menge  unentgeltlich  zu  entnehmen  sowie  die  Fokale,  wo  man
Gegenstände  erwähnter  Art  herstellt,  gewinnt,  ausstellt,  aufbewahrt ­
  oder  bei  sich  hält,  während  der  üblichen  Zeit  des  Geschäftsbetriebes ­
  oder  während  der  Zeit,  wo  das  Lokal  zum  Geschäfts-
        <pb n="85" />
        96

betrieb  offen  bleibt,  zu  betreten.  Sodann  wurden  gewisse  in  den  einzelnen ­
  Distrikten  getroffene  Bestimmungen  als  den  modernen  Bedürfnissen ­
  nicht  mehr  genügend  durch  einheitliche  Reglementierung
ersetzt,  indem  im  August  1908  Reglements  für  die  gewerbsmäßigen
Molkereien  und  für  die  erfrischenden  Getränke  und  im  Jahre  1911
Reglements  für  den  Fleischverkehr,  für  die  antiseptischen  Mittel,
für  die  künstlichen  Süßstoffe,  für  die  schädlichen  Farbmittel  und  für
die  Eß-  und  Trinkgeschirre  erlassen  wurden.
        <pb n="86" />
        97

Die  hygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.

7

Markthalle  in  Taihoku

15.  Markthallen  und  Schlachthäuser.
M arkthallen.  In  der  ersten  Zeit  nach  1895  waren  die
Marktgelegenheiten  aller  Städte  in  sehr  primitivem  Zustande; ­
  sie  befanden  sich  zu  beiden  Seiten  von  Straßen
oder  in  der  Nähe  von  Tempeln  und  dergleichen,  also  überhaupt  an
verkehrsreichen  Punkten.  Da  sich  unter  diesen  Verhältnissen  viele
Mängel  in  gesundheitlicher  Beziehung  einstellten,  so  ließ  man,  um
hierin  Besserung  zu  schaffen,  zunächst  Markthallen  von  privatwirtschaftlicher ­
  Seite  anlegen  und  ausnutzen.  Aber  die  hygienischen ­
  Anforderungen  einerseits  und  die  Privatinteressen  anderseits ­
  schienen  verschiedentlich  in  Kollision  zu  geraten.  Daher
wurde  der  Betrieb  der  Markthallen  den  Sanitätskassen  übergeben.
Auf  diese  Weise  kommen  sämtliche  Einnahmen  der  öffentlichen
Gesundheitspflege  zugute.  Gegenwärtig  besitzen  die  beiden  Städte
Taihoku  und  Tainan  und  ebenso  alle  anderen  bedeutenderen  Ortschaften ­
  ziemlich  gut  eingerichtete  Markthallen;  im  Jahre  1910
waren  121  vorhanden,  17  größere  und  104  kleinere.
        <pb n="87" />
        98

Schlachthäuser.  Die  Formosaner  essen  außerordentlich  gern
Schweinefleisch.  Deshalb  wurden  seit  alters  sehr  viele  Schweine  geschlachtet. ­
  Dies  geschah  jedoch  nicht  in  besonderen  Schlachthäusern, ­
  sondern  an  ganz  beliebigen  Orten.  Das  durfte  natürlich  nicht
geduldet  werden.  Daher  wurden  kurz  nach  Abtretung  der  Insel  auf
Veranlassung  der  Distriktbehörden  Schlachthäuser  von  privater  Seite
angelegt.  Sie  standen  unter  polizeilicher  Kontrolle.  Da  jedoch  auch
so  noch  die  Anforderungen  der  Hygiene  großenteils  unerfüllt  blieben,
wurde  die  Bewirtschaftung  der  Schlachthäuser  den  Sanitätskassen
übertragen,  und  erst  mit  dieser  Zeit  entstanden,  wenn  auch  einfache, ­
  so  doch  saubere  Anlagen,  die  ziemlich  einwandfrei  sind.
Gegenwärtig  sind  auf  ganz  Formosa  789  Schlachthäuser  vorhanden.
Im  Jahre  1909  wurden  in  ihnen  geschlachtet:
637  666  Schweine  (51  199  714  Kin 1 ),
16  494  Büffel  und  Rinder  (  4  440  349  ,,  ),
47  776  Ziegen  (  1  048  762  „  ),
7  Pferde  (  1  850  „  ).

')  1  Kin  604,790  g
        <pb n="88" />
        7*

99

Markthalle  in  Tainan

Markthalle  in  Shöka
        <pb n="89" />
        16.  Pest. 1 )

&amp;gt;4

1.  Ursprung  der  Krankheit.
achdem  die  Pest  1894  in  Hongkong  und  Kanton  ausgebrochen
war,  verbreitete  sie  sich  von  da  in  alle  Welt.  Auch  nach
Formosa  kam  sie.  Hier  wurde  die  erste  Epidemie  im
Mai  1896  in  Amping  beobachtet.  Dieser  südformosaische  Hafen  hat
sehr  lebhaften  Verkehr  mit  dem  gegenüberliegenden  chinesischen  Hafen
Amoy,  wo  die  Krankheit  seit  1895  stark  geherrscht  hatte.  Von  Amping
ging  die  Pest  zunächst  auf  das  benachbarte  Tainan  über;  es  war  dies
damals  die  größte  Stadt.  In  dem  in  Nordformosa  gelegenen  Taihoku
wurde  der  erste  Pestfall  im  September  desselben  Jahres  festgestellt.
Wahrscheinlich  war  hier  die  Krankheit  ebenfalls  aus  Amoy  eingeschleppt ­
  und  zwar  wohl  über  den  Hafen  Tamsui.  Im  folgenden
Jahre,  also  1897,  trat  eine  Pestepidemie  von  geringer  Ausdehnung  in
R  ok  k  5,  einer  kleinen  Hafenstadt  Mittelformosas,  auf;  sie  stammte
gleichfalls  aus  China.  Man  kann  somit  Amping  in  Südformosa,  Tamsui
und  Taihoku  in  Nordformosa  und  Rokkö  in  Mittelformosa  als  die
drei  Pforten  bezeichnen,  durch  die  die  Pest  ihren  Einzug  gehalten
hat.  Von  diesen  drei  Punkten  aus  hat  sie  überall  festen  Fuß  gefaßt
und  sich  nach  und  nach  so  verbreitet,  daß  sie  eine  Zeit  lang  alle
Distrikte  mit  Ausnahme  von  zweien  heimgesucht  hat.  In  den  fünfzehn ­
  Jahren  von  1896—1910  betrug  die  Zahl  der  Erkrankungen
28  709  und  die  der  Todesfälle  22  895.  Glücklicherweise  aber  ist  es
den  Maßnahmen,  die  von  dem  Generalgouvernement  getroffen  und
von  den  zuständigen  Beamten  mit  Sorgfalt  und  Energie  ausgeführt
wurden,  sowie  der  lebhaften  Anteilnahme  der  Bevölkerung  gelungen,
die  Krankheit  so  weit  zu  bezwingen,  daß  wir  im  letzten  Jahre  auf
ganz  Formosa  nur  noch  19  Fälle  zu  verzeichnen  hatten;  vor  einer
großen  Epidemie  brauchen  wir  uns  nicht  mehr  zu  fürchten.

x )  diesem  Abschnitt  ist  die  Einteilung  der  Insel  in  20  Distrikte  zugrunde
gelegt,  vergl.  Abschnitt  4
        <pb n="90" />
        101

2.  Verlauf  der  Epidemie.
Die  südf  ormosaische  Pestepidemie,  die  anfangs  auf  Stadt  und
Distrikt  Tainan  beschränkt  war,  wurde  im  Jahre  1897  etwas  stärker
als  vorher,  um  im  folgenden  Jahre  wieder  nachzulassen.  1899  aber
trat  sie  wieder  sehr  kräftig  auf  und  reichte  im  Norden  bis  in  den
Distrikt  Yensuikö,  im  Süden  bis  in  den  Distrikt  Hözan  und  im  Südosten ­
  bis  in  den  Distrikt  Banshoryö;  im  Jahre  1900  griff  sie  außerdem ­
  in  den  noch  weiter  nach  Norden  zu  gelegenen  Distrikt  Kagi
über,  wo  sie  bis  zum  heutigen  Tage  vollkommen  unausrottbar  geblieben ­
  ist.  Die  nördliche  Epidemie  beschränkte  sich  in  den  ersten
Jahren  fast  ganz  auf  den  Distrikt  Taihoku;  sonst  kamen  nur  in
Kilung-Hafen  vereinzelte  Fälle  vor.  1899  jedoch  begann  sie  den  Weg
nach  Süden  und  Osten  einzuschlagen;  infolgedessen  wurden  die
Distrikte  Shinkö,  Töyen  und  Shinchiku  von  der  Seuche  befallen.
Die  von  Rokkö  ausgehende  Epidemie  verbreitete  sich  1898  nach
Norden  und  zwar  bis  in  den  Distrikt  Taichu;  1899  ging  sie  nach
Süden  und  ergriff  den  Distrikt  l'oroku,  1900  nach  Osten  bis  in  den
Distrikt  Nanto.  Schließlich  stellte  sie  die  Verbindung  mit  der  von
Süden  herkonimenden  Epidemie  her.
In  den  Jahren  1900—1901  war  der  Stand  der  Pest  so,  daß  die
vereinigte  Epidemie  von  Süd-  und  Mittelformosa  südlich  von
Taichu  wütete,  während  diejenige  von  Nordformosa  die  Grenze  des
Distrikts  Byörizu  erreichte;  die  ganze  Insel  mit  Ausnahme  der  beiden
Distrikte  Köshun  und  Taitö,  jener  an  der  Südspitze,  dieser  an  der
Ostküste  gelegen,  wurde  von  der  Pest  beherrscht.  Mit  dieser  Ausdehnung ­
  der  Seuche  steht  die  Tatsache,  daß  Formosa  in  den  Jahren
1901  und  1904  am  meisten  unter  ihr  zu  leiden  hatte,  in  natürlichem
Zusammenhang.
Nach  der  großen  Epidemie  vom  Jahre  1901  war  die  Epidemie
in  Mittelformosa  zu  Ende.  Allerdings  erhob  sich,  von  Norden
her  eingeschleppt,  1909  eine  kleine  Epidemie  in  Koroton,  einem
Landstädtchen  nördlich  von  Taichu;  nach  kurzer  Zeit  jedoch
verschwand  sie  wieder.  Im  Süden  und  Norden  blieb  die
Krankheit  stark  genug,  um  1904  eine  große  Epidemie  zu  verursachen. ­
  Seit  1908  aber  erfolgte  auch  hier  eine  merkliche  Abnahme, ­
  die  in  Nordformosa  zum  völligen  Erlöschen  der  Pest
        <pb n="91" />
        102  —

führte,  während  es  im  Süden  noch  im  Jahre  1909  lokal  beschränkte ­
  Epidemien  in  den  Distrikten  Kagi  und  Tainan  gab.  Im
Jahre  1910  sind  nur  noch  19  vereinzelte  Fälle  in  entlegenen  Dörfern
des  Distrikts  Kagi  vorgekommen.  Wenn  man  den  Verlauf  der
Epidemie  in  der  Stadt  Taihoku,  in  dem  Unterdistrikt  Kanteibyö
(Distrikt  Tainan),  in  dem  Unterdistrikt  Bokushikyaku  (Distrikt
Kagi)  und  in  der  Uandstadt  Yensuikö  betrachtet,  d.  h.  in  Gegenden,
wo  die  Krankheit  über  zehn  Jahre  geherrscht  hat,  so  sieht  man
erstens,  daß  sie  Neigung  besitzt,  alle  zwei  Jahre  stärker  aufzutreten,
und  zweitens,  daß  sie  mit  Vorliebe  ihren  Ort  wechselt.  Daher  konnte
man  ungefähr  Vorhersagen,  welche  Stadtteile  oder  welche  Ortschaften
im  nächsten  Jahre  in  Mitleidenschaft  gezogen  werden  würden  und  in
welchem  Maße  (Tabelle  I).
3.  Die  jährliche  Pestperiode.
Die  Zeiten  des  Ausbruchs  und  der  Dauer  der  Pestepidemien  sind
in  den  einzelnen  Jahren  immer  die  gleichen  gewesen.  Wird  die  Insel
als  ein  Ganzes  betrachtet,  so  beginnt  die  Pest  im  Oktober  oder
November,  steigt  dann  allmählich  an  und  erreicht  im  April  oder
Mai  des  nächsten  Jahres  ihren  Höhepunkt,  um  im  August  oder  September ­
  zu  verschwinden.  Da  sich  dieser  Verlauf  jedes  Jahr  wiederholt, ­
  so  ähnelt  bei  einer  sich  auf  eine  Reihe  von  J  ahren  erstreckenden
graphischen  Darstellung  die  Pestkurve  derjenigen  Kurve,  die  sich  bei
intermittierendem  Fieber  ergibt  (Tab.  II).
Wenn  man  jedoch  die  verschiedenen  Gebiete  einzeln  betrachtet
und  den  Verlauf  der  Pest  in  Taihoku  (Nordformosa)  mit  demjenigen
der  Pest  in  Kagi,  Yensuikö  und  Tainan  (Südformosa)  vergleicht,  so
bemerkt  man,  daß  im  allgemeinen  die  Epidemie  im  Süden  später  anfängt ­
  und  früher  aufhört  als  im  Norden.  Demnach  ist  die  Dauer  der
Epidemie  im  Süden  geringer  als  im  Norden  (Tab.  III).
4.  Die  Beziehungen  zwischen  Ratten-  und  Menschenpest.
Die  Pestepidemien  auf  Formosa  stehen  immer  in  engster  Beziehung ­
  mit  der  Rattenpest:  ohne  vorangehende  Rattenpest  bricht
niemals  Pest  bei  Menschen  aus.  Es  wurden  allerdings  zwei  kleine
Epidemien  beobachtet,  wo  sich  Pestbazillen  bei  Ratten  und  Mäusen
        <pb n="92" />
        103

nicht  nachweisen  ließen.  Es  handelte  sich  um  eine  kleine  Lungenpestepidemie
  bei  der  Kinkaseki-Goldmine  in  der  Nähe  von  Kilung,  wo
sechs  Fälle  hintereinander  vorkamen,  und  um  eine  Lungenpestepidemie ­
  in  den  Dörfern  Kaköshö  und  Shüsuishö  im  Distrikt  Shöka
(12  Fälle).  Da  bekanntlich  Lungenpest  sehr  leicht  von  Mensch  zu
Mensch  übertragbar  ist,  so  ist  der  negative  Befund  bei  der  Rattenuntersuchung ­
  von  vornherein  als  ganz  natürlich  anzusehen.  Bei  der
letztgenannten  Epidemie  konnte  man  überdies  tatsächlich  nachweisen,
  daß  der  erste  Kranke  sich  seine  Krankheit  aus  einer  verseuchten ­
  Stadt  geholt  und  sie  dann  auf  seine  Mitmenschen  übertragen ­
  hatte.  Im  allgemeinen  geht  jedoch  die  Menschenpest  mit  der
Rattenpest  Hand  in  Hand  (Tab.  IV  und  V).
Das  ziffernmäßige  Verhältnis  zwischen  Ratten-  und  Menschenpest ­
  war  nach  den  Erhebungen  in  Taihoku,  wo  das  Verhältnis  am
deutlichsten  hervortrat,  das  folgende.  Sobald  die  Anzahl  der  als
pestkrank  festgestellten  Ratten  in  einem  Monate  0,01%  aller  untersuchten ­
  Ratten  betrug,  kamen  vereinzelte  Fälle  auch  unter  den
Menschen  vor;  bei  0,5%  Pestfällen  unter  den  Ratten  war  die  menschliche ­
  Quote  etwa  50  und  bei  1,0%  oder  mehr  100—200.  Das  Maximum
der  in  einem  Monate  in  Taihoku  aufgetretenen  Pesterkrankungen
wurde  im  Juni  1902  mit  221  Erkrankungen  bei  1,°6%  Pestratten
erreicht.  Der  Prozentsatz  der  Pestratten  stieg  im  Mai  1907  auf  2,64  %  ;
in  diesem  Monate  zählte  man  187  Pestfälle.  Auf  jeden  Pestkranken
kamen  durchschnittlich  0,73  (1902),  1,09  (1903),  0,71  (1904),  0,54
(1905),  0,46  (1906)  und  0,17  (1907)  Pestratten.  Diese  Ziffern  heben
sich  von  denen,  die  man  in  Osaka  und  Köbe  festgestellt  hat,  sehr
ungünstig  ab.  Dies  erklärt  sich  dadurch,  daß  die  Formosachinesen
in  ihrem  hygienischen  Wissen  und  Können  weit  hinter  den  Bewohnern ­
  des  Mutterlandes  zurück  sind. 1 )
b  es  entfielen  Pestratten  auf  einen  Pestkranken  in  Osaka:  0,7  (1899),
0,8  (1900),  4,2  (1905),  12,8  (1906),  5,9  (1907),  52,1  (1908),  9,2  (1909),  10,0
(Januar  bis  April  1910);  in  Köbe:  1,8  (1899),  0,21  (1900),  6,5  (1905),  36,0
(1906),  208,5  (1907),  17,3  (1908),  11,7  (1909),  84,0  (Januar  bis  April  1910)
        <pb n="93" />
        104

Tabelle  I.  Die  Pestfälle  cmf  Formosa

Jahr

Giran

Kilung

Taihoku

Shinkö

1896  Erkrankungen

—

2

180

—

Todesfälle

—

2

90

—

1897  Erkrankungen

—

7

26

44

Todesfälle

—

5

22

32

1898  Erkrankungen

—

11

200

38

Todesfälle

—

7

127

35

1899  Erkrankungen

—

7

277

32

Todesfälle

—

4

196

27

1900  Erkrankungen

1

6

340

35

Todesfälle

—

3

294

29

1901  j  Erkrankungen

1

42

1285

163

Todesfälle

1

34

1144

137

1902  1  Erkrankungen

—

66

1040

60

Todesfälle

—

57

900

57

1903  Erkrankungen

—

39

399

23

Todesfälle

—

38

354

14

1904  Erkrankungen

—

24

446

5

Todesfälle

—

23

408

5

1905  1  Erkrankungen

334

24

660

—

Todesfälle

310

23

613

—

1906  Erkrankungen

—

6

536

14

Todesfälle

—

5

490

10

1907  Erkrankungen

—

119

1187

1

I  Todesfälle

—

105

1103

1

1908  [  Erkrankungen

—

—

—

Todesfälle

—

—

—

—

1909  Erkrankungen

—

—

—

—

Todesfälle

—

—

—

—

1910  1  Erkrankungen

—

—

—

—

|  Todesfälle

—

—

—

Summe  Erkrankungen

336

353

6576

415

Todesfälle

311

306

5741

347

Zahl  der  Bevölkerung  j  1905

112  719

115  472

290  200

46  024

in  den  Jahren  11908

120  252

121  452

312  383

48  140

105

i8g6—igio  (nach  Distrikten)

Töyen

Shinchiku

Byorizu

Taichu

Shoka

Nanto

—

—

—

—

—  .

—

—

—

—

—

—

—

23

12

—

—

76

—

20

11

—

—

54

—

3

72

—

32

596

—

1

59

—

25

449

—

7

22

1

18

31

2

19

—

1

17

20

78

11

2

13

2

50

65

8

2

6

2

40

118

4

—

89

—

4

106

3

—

55

—

3

204

31

1

—

—

171

30

1

—

—

—

2

138

—

—

—

—

2

122

—

—

—

—

2

40

—

—

-

2

36

—

—

—

—

—

437

2

—

—

—

—

408

1

—

—

—

1

—

34

—

8

—

1

—

32

—

8

—

1

4

1

—

15

—

1

4

—

—

12

—

—

—

85
72

—

—

—

—

—

—

—

—

—

—

—

—

—

—

—

—

—

439

771

40

216

716

85

371

700

36

159

542

63

204  779

170  538

146  775

207  355

281  399

71  819

208  817

180  375

155  121

213  804

284  621

80  551

Fortsetzung  nächste  Seite
        <pb n="94" />
        106

Tabelle  I.  Die  Pestfälle  auf  Formosa

Jahr

Toroku

Kagi

Y  ensuikö

Tainan

1896

Erkrankungen

1

—

—

74

Todesfälle

1

—

63

1897

Erkrankungen

1

—

—

541

Todesfälle

1

—

—

421

1898

Erkrankungen

182

1

—

98

Todesfälle

121

—

—

58

1899

Erkrankungen

—

—

60

1956

Todesfälle

—

—

45

1488

1900

Erkrankungen

8

39

319

149

Todesfälle

3

35

201

100

1901

Erkrankungen

9

886

206

1461

Todesfälle

8

717

150

1142

1902

Erkrankungen

13

41

418

184

Todesfälle

11

30

256

145

1903

Erkrankungen

—

180

82

23

Todesfälle

—

115

46

18

1904

Erkrankungen

45

1203

912

1815

Todesfälle

36

782

614

1462

1905

Erkrankungen

5

516

264

151

Todesfälle

4

416

199

124

1906

Erkrankungen

167

1038

314

287

Todesfälle

145

793

217

228

1907

Erkrankungen

—

586

273

132

Todesfälle

—

470

232

87

1908

Erkrankungen

79

571

185

192

Todesfälle

68

481

148

149

1909

Erkrankungen

6

512

445

56

Todesfälle

4

438

360

42

1910

Erkrankungen

—

13

—

6

Todesfälle

—

12

—

6

Summe

Erkrankungen

516

5586

3478

7126

Todesfälle

402

4289

2468

5533

Zahl  der  Bevölkerung!  1905

215  037

198  888

271  464

192  379

in  den  Jahren  (1908

220  993

195  570

269  989

195  985

107

18  g  6—igio  (nach  Distrikten)  (Fortsetzung)

Hözan

Banshoryo

Ako

Hölco

Summe

Von  je  100  Erkrank,
verliefen  tödlich

1

—

—

258

1

—

—

—

157

60,85

'

—

—

730

—

—

—

566

77,53

'

'

'

—

1  233

—

—

—

—

882

71,53

175

49

1

1

2  637

132

43

—

1

1  995

75,65

3

9

14

—

1  079

3

7

11

—

809

74,74

222

1

1

7

4  499

171

1

1

—

3  673

81,64

246

4

1

1

2  310

194

2

1

—

1  855

80,30

-

-

-

886

,

—

709

80,02

7

—

—

1

4  500

6

—

—

—

3  374

74,98

4

—

—

—

2  398

2

.

—

2  100

87,57

861

—

6

—

3  272

675

—

5

—

2  609

79,77

246

—

27

—

2  592

200

—

26

—

2  241

86,46

111

—

—

46

1  270

99

—

42

1  059

83,39

7

—

—

—

1  026

4

_

_

—

848

82,65

—

—

19

—

—

—

—

18

94,74

1883

63

49

56

28  709

1487

53

44

43

22  895

79,75

178  306

48  554

163  047

56  327

3  039  751

180  727

53  194

163  193

54  597

3  252  589
        <pb n="95" />
        EEttüj

—  108  —
5.  Die  Ratten.
Iti  den  Wohnungen  und  in  deren  Nähe  trifft  man  gewöhnlich
drei  Rattenarten  an:  Mus  rattus  L.,  Mus  decumanus  Pallas  und
Musmusculus  h.  In  der  Häufigkeit  des  Vorkommens  steht,  nach
den  in  Taihoku  gefangenen  Tieren  zu  urteilen,  Mus  musculus  obenan;
von  den  beiden  anderen  Arten  kam  bis  1908  Mus  rattus  häufiger  vor  als
Mus  decumanus,  ein  Verhältnis,  das  seitdem  ins  Gegenteil  umgeschlagen
ist.  Andere  Arten,  wie  Mus  coxinga  und  Nesokia  bandicota,  lassen  sich
recht  selten  sehen;  sie  scheinen  sich  in  Häusern  und  deren  Nähe  nicht
aufzuhalten.  Unter  den  auf  dem  Lande  gefangenen  Tieren  finden  sich
ferner  Mus  agrarius  Pallas,  der  gewöhnlich  in  unterirdischen  Gängen
unter  den  Feldern  haust,  sowie  noch  eine  andere  Feldmausart;
diese  beiden  dringen  zeitweise  auch  in  menschliche  Wohnungen  ein.
Es  sind  im  großen  und  ganzen  die  erstgenannten  drei  Arten,  von
denen  die  Epidemien  hervorgerufen  werden,  und  zwar  finden  sich
Pestratten  am  häufigsten  unter  Mus  rattus,  in  zweiter  Linie  unter  Mus
decumanus  und  am  seltensten  unter  Mus  musculus.  Absolut  wie
relativ  übertrifft  Mus  rattus  die  beiden  anderen  an  Pesterkrankungen.
Pestepidemien  unter  Mus  rattus  scheinen  Vorboten  von  allgemeiner
Rattenpest  zu  sein;  nach  Mus  rattus  wird  allemal  Mus  decumanus
davon  befallen  (Tab.  VI).  Auch  bei  Impfversuchen  zeigt  sich  Mus
rattus  am  empfänglichsten.  Aus  diesem  Grunde  darf  man  wohl  annehmen, ­
  daß  die  Pestepidemien  nicht  nur  schlechthin  hauptsächlich
unter  dem  Einfluß  dieser  Ratte  entstehen,  sondern  daß  sie  auch  geradezu ­
  in  direktes  Verhältnis  mit  ihrer  Vermehrung  und  Verminderung  zu
setzen  sind.  Die  Tatsache,  daß  gerade  diese  Ratte  am  leichtesten  und
stärksten  von  Septichämie  befallen  wird,  ist  übrigens  für  die  Übertragung ­
  von  Pestbazillen  durch  Rattenflöhe  von  großer  Bedeutung.
Die  Fortpflanzung  der  in  Frage  kommenden  Rattenarten  scheint
man,  nach  der  mutmaßlichen  Tragezeit  und  der  Zahl  der  in  den  einzelnen ­
  Monaten  in  Taihoku  gefangenen  Tiere  zu  schließen,  ungefähr
in  die  Zeit  vom  Oktober  oder  November  bis  zum  nächsten  Frühjahr
setzen  zu  müssen,  mit  anderen  Worten  in  dieselbe  Zeit,  in  die  alljährlich ­
  das  Anwachsen  der  Pest  fällt.  Ein  Vergleich  der  Anzahl  der
vor,  während  und  nach  einer  Epidemie  gefangenen  Ratten  mit  dem
Verlaufe  der  Epidemie  lehrt,  daß  diese  Zahlen  jederzeit  mit  der  Zuoder ­
  Abnahme  der  Pest  steigen  oder  fallen:  mit  der  Zunahme  der
        <pb n="96" />
        Tabelle  II.  Monatliche  Schwankungen  der  Pest  auf  Formosa  1897  bis  1910
1901  1902  1903  1904  1905  1906

1900

Mo/xid

Erkrankungen
—  Todesfälle

ll

I

l

1

$

i

i

1
^  §

1

i

5  'S
■=i  ^

1

5
•3

j|
II

§

NciTmber
Jkzeniber

TI

.  i  -

4-"



!

.

.....

1

/

'N

//

h

i

L

V

v

4
        <pb n="97" />
        Tabelle  III.  Monatliche  Schwankungen  der  Pesterkrankungen  in  Taihoku  und  Tainan  1902  bis  1910.
        <pb n="98" />
        Tabelle  IV.  Monatliche  Schwankungen  der  Pesterkrankungen  bei  Menschen  ui^d  Ratten  auf  Formosa  1902  bis  1910.

7600
tfoo
/wo
/MO
/.200
//OO
/OOO
900
800
700
600
500
WO
300
200
/OO
0
        <pb n="99" />
        Tabelle  V.  Jahr
Monatliche  Schwankungen  mnate
der  Pesterkrankungen  bei
Menschen  und  Ratten  in
Taihoku  1902  bis  1908.
200

1902

1903

1904

1905

1906

1907

1908

Seit  Januar  1908,  wo  eine  Pestratte ­
  untersucht  wurde,  ist  die  Pest
sowohl  unter  Menschen  als  auch
unter  Ratten  ganz  verschwunden.

220

m

m

m

ISO

too

60

w

.  Pester/crankuru/en  beiMenschen
..  _  PesterJcrajikuTUjren,  bei  Ratterv

si'llÜrää’Mis

&amp;gt;1
IJ

1  *

j

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l
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1

i

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\
\

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1

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I

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(
I

1

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        109

gefangenen  Ratten  bricht  die  Epidemie  aus,  und  wenn  die  Ratten
abzunehmen  beginnen,  hat  sie  ihren  Höhpunkt  erreicht.
Ferner:  nach  den  Ergebnissen  der  Impfversuche  mit  Pestbazillen ­
  ist  die  Empfänglichkeit  der  Ratten  für  Pest  je  nach  dem  Alter
verschieden,  und  zwar  sind  jüngere  Tiere  im  allgemeinen  empfänglicher ­
  dafür  als  ältere.  Auch  sind  die  Symptome  der  Septichämie  bei
den  jüngeren  Tieren  bedeutend  stärker.  Diese  Beobachtungen  bestätigen ­
  die  oben  allgemein  ausgesprochene  Parallelität  zwischen
Ratten-  und  Pestvermehrung:  wenn  die  jungen  Tiere  für  Pestbazillen ­
  besonders  empfänglich  sind,  muß  natürlich  die  Pest,  abgesehen ­
  von  der  Rattenvermehrung  an  sich,  auch  noch  aus  diesem
Grunde  zunehmen.  Die  Tatsachen,  daß  die  Seuche  in  solchen
Gegenden,  wo  sie  längere  Zeit  fortwütet,  intermittierend  —  ein  J  ahr
um  das  andere  —  auftritt  und  daß  die  Bezirke  der  Epidemie  öfters
wechseln,  sind  wohl  ebenfalls  mit  den  unter  den  Ratten  herrschenden
Verhältnissen  in  Zusammenhang  zu  bringen.
6.  Die  Flöhe.
Auf  die  Beziehungen  der  Flöhe  zur  Pest  machte  zuerst  Dr.  M.
Ogata,  Professor  an  der  medizinischen  Fakultät  der  Universität
Tokio,  bei  Gelegenheit  der  formosaischen  Pestepidemie  vom  J  ahre  1896
aufmerksam.  Sie  wurden  dann  durch  weitgehende  Studien  der  zur
Erforschung  der  Pest  nach  Indien  entsandten  englischen  Kommission
sowie  durch  Forschungen  von  Prof.  Dr.  S.  Kitasato,  Direktor  des
Instituts  für  Infektionskrankheiten  zu  Tokio,  Prof.  Dr.  M.  Miyajima,
  Mitglied  desselben  Instituts,  und  anderen,  die  sich  auf  die
Pestepidemie  in  Yura  auf  der  Insel  Awaji  im  japanischen  Binnenmeer ­
  erstreckten,  eingehend  aufgeklärt.  Dr.  H.  Kuraoka,  Medizinalinspekteur ­
  im  Sanitätsbureau  des  Generalgouvernements  Formosa,
machte  dieses  Thema  ebenfalls  zum  Gegenstände  seiner  Untersuchungen ­
  und  kam  dabei  zu  folgenden  Ergebnissen.
Die  verschiedenen  Arten  der  Rattenflöhe  sind  Uoemopsylla
cheopis,  Ctenopsylla  musculi  Duges,  Ceratop  hyllus  anisus
Roths,  und  eine  andere  dem  Ceratophyllus  fasciatus  sehr  nahe  stehende ­
  Ceratophyllus-  Art.  Unter  diesen  4  Arten  ist  Uoemopsylla
cheopis  am  stärksten  vertreten;  sie  macht  die  größere  Hälfte  von
allen  zusammen  aus.  An  zweiter  Stelle  folgt  Ctenopsylla  musculi.
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        110

Am  seltensten  lassen  sich  die  Ceratophyllus-Arten  sehen.  Nur  dann
und  wann  wurde  auch  Ctenocephalus  —  diejenige  Art,  die  als  Schmarotzer ­
  der  Hunde  und  Katzen  bekannt  ist  —  in  großer  Masse  gefunden. ­
  Ctenopsylla  musculi  greift  nie  einen  Menschen  an,  auch  bei
Hunger  nicht;  alle  anderen  Arten  aber  stechen  den  Menschen,  sobald
und  so  oft  sich  Gelegenheit  bietet.  Insbesondere  saugt  Uoemopsylla
cheopis  mit  Vorliebe  Menschenblut.  Die  Vermehrung  dieser  Floharten
findet  im  März  oder  April  statt,  fällt  also,  was  sehr  beachtenswert
ist,  ebenfalls  mit  dem  Anschwellen  der  Pest  zusammen  (Tab.  VII).  Um
die  Frage  der  Pestübertragung  durch  Flöhe  zu  klären,  d.  h.  um  festzustellen, ­
  ob  pestempfängliche  Tiere,  ohne  in  Berührung  mit  pestkranken ­
  Tieren  oder  deren  Auswurfstoffen  zu  kommen,  lediglich
durch  Vermittlung  von  Rattenflöhen  von  der  Pest  angesteckt  werden
oder  nicht,  wurde  eine  Reihe  von  Versuchen  angestellt.  Man  setzte
eine  Anzahl  von  Loemopsylla  cheopis  auf  den  Körper  mit  Pestbazillen ­
  geimpfter  Meerschweinchen  und  Ratten,  las  nach  dem  Tode
der  geimpften  Tiere  die  Flöhe  wieder  auf  und  setzte  sie  auf  gesunde
Meerschweinchen  und  Ratten,  die  in  geeigneter  Weise  isoliert  worden
waren.  Diese  wurden  regelmäßig  dann  pestkrank,  wenn  die  mit
Pestbazillen  geimpften  Tiere  merkliche  Symptome  von  Pestseptichämie
  gezeigt  hatten  (Tab.  VIII).
Daß  also  die  Rattenflöhe  unter  verschiedenen  Tieren  Pest  verbreiten, ­
  steht  hiernach  unzweifelhaft  fest.  In  welcher  Weise  aber
übertragen  die  Flöhe  die  Pestbazillen?  Verpflanzen  z.  B.  die  Flöhe
beim  Stechen  Pestbazillen,  die  beim  Blutsaugen  am  Saugrohr  haften,
rein  mechanisch  auf  andere  Tiere?  Oder  erfolgt  die  Ansteckung  in  der
Weise,  daß  Flöhe,  die  vorher  Blut  aus  kranken  Tieren  gesogen  haben,
dann  gesunde  Ratten  stechen  und  von  diesen  infolge  des  Juckreizes
mit  dem  Maule  gesucht  und  gefressen  werden?  Oder  werden  die  Pestbazillen ­
  übertragen,  indem  Flöhe,  die  vorher  Blut  aus  pestkranken
Ratten  gesogen  haben,  an  die  Haut  der  neuen  gesunden  Wirte  ihren
bazillenhaltigen  Kot  kleben,  worauf  die  Bazillen  bei  Gelegenheit  —
z.  B.  könnten  die  Ratten  den  Körperteil,  wo  sie  infolge  von  Insektenstichen ­
  einen  Juckreiz  empfinden,  mit  den  Nägeln  oder  den
Zähnen  kratzen  oder  beißen  —  in  den  Rattenkörper  eindringen?
Um  hier  Klarheit  zu  schaffen,  wurden  eine  Anzahl  Flöhe,  die  in  solche
pestgeimpfte  Tiere,  bei  denen  ganz  deutliche  Symptome  von  Septi-
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        111

chämie  aufgetreten  waren,  gebissen  hatten,  in  zwei  Gruppen  geteilt.
Die  Flöhe  der  einen  Gruppe  wurden  5  Minuten  lang  in  0,1  prozentige
Sublimatlösung  getaucht  und  dann,  nachdem  sie  hierdurch  äußerlich ­
  desinfiziert  waren,  mit  keimfreiem  Wasser  gewaschen.  Alsdann
wurden  sie  auf  gesunde  Meerschweinchen  gesetzt,  die  in  geeigneter
Weise  isoliert  worden  waren.  Die  Flöhe  der  anderen  Gruppe  setzte
man  ebenfalls  auf  isolierte  Meerschweinchen,  aber  ohne  sie  vorher  zu
desinfizieren.  Fs  zeigte  sich,  daß  die  Meerschweinchen  durch  die
zur  zweiten  Gruppe  gehörigen  Flöhe  stets  angesteckt  wurden,  von
den  zur  ersten  Gruppe  gehörigen  Flöhen  dagegen  —  bei  wiederholten
Versuchen  —  nur  ein  einziges.  Hiernach  kann  man  wohl  annehmen,
daß  die  Flöhe  die  Ansteckung  gewöhnlich  rein  mechanisch  durch
Pestbazillen,  die  am  Saugrohr  anhaften,  bewirken.  Natürlich  kann
jetzt  noch  nicht  bestimmt  gesagt  werden,  daß  kein  anderes  Übertragungsmoment ­
  existiere,  soviel  jedoch  steht  fest,  daß  Versuchstiere
durch  Flöhe,  ohne  daß  sie  diese  hinunterschlucken,  von  der  Pest
angesteckt  werden  können;  das  beweisen  drei  Versuche  (Tab.  VIII,
Versuche  XI,  XIV  und  XVI),  bei  denen  die  Flöhe,  die  zu  Beginn  des
Versuchs  auf  die  Versuchstiere  gesetzt  worden  waren,  zuletzt  vollzählig ­
  wiedergefunden  wurden.
Die  durch  Vermittlung  von  Flöhen  von  der  Pest  infizierten
Tiere  weisen  auf  der  Haut  keine  makroskopisch  erkennbare  Veränderung ­
  auf;  ebensowenig  zeigt  die  Sektion  der  auf  natürliche  Weise
angesteckten  Pestratten  eine  solche.  Von  diesen  Tatsachen  ausgehend, ­
  impfte  man  mehreren  Meerschweinchen  durch  Nadelstiche
Pestbazillen  ein  und  fand  bestätigt,  daß  im  Gegensätze  zu  den  früheren ­
  Anschauungen  bereits  eine  makroskopisch  nicht  sichtbare
Wunde  —  z.  B.  von  der  Größe  eines  Flohstiches  —  eine  Infektionspforte ­
  darstellen  kann  (die  hierzu  angestellten  Versuche  waren  übrigens ­
  auch  noch  insofern  interessant,  als  sie  zeigten,  daß  an  der
gestochenen  Stelle  die  Veränderungen  auf  und  unter  der  Haut  von
der  Stärke  des  Stiches  abhängig  sind).  Hiernach  wäre  es  nicht  ausgeschlossen, ­
  daß  die  Pestverbreitung  unter  den  Ratten  in  erster  Pinie
durch  die  Flöhe  verursacht  wird.  Vielleicht  übertragen  sie  die  Pest
sogar  auch  von  den  Ratten  auf  die  Menschen.  Mit  Sicherheit  freilich
kann  man  noch  nicht  sagen,  daß  die  durch  den  Flohstich  hervorgerufene ­
  Infektion  beim  Menschen  die  Regel  ist.
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        112

Tabelle  VI.
Die  Raitenpestfälle  in  Taihoku  Oktober  1902
bis  September  1907,  nach  Wochen  festgestellt.

a.  Vom  4.  Oktober  1902  bis  zum  26.  September  1903.

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—

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        113

Die  hygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.  8

Tabelle  VI.
Die  Rattenpestfälle  in  Taihoku  Oktober  1902
bis  September  1907,  nach  Wochen  festgestellt.

b.  Vom  3.  Oktober  1903  bis  zum  30.  September  1904.

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IX.

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        114

Tabelle  VI.
Die  Rattenpestfälle  in  Taihoku  Oktober  igo2
bis  September  igoy,  nach  Wochen  festgestellt.

c.  Vom  7.  Oktober  1904  bis  zum  29.  September  1905.

Die  Untersuchungs ­
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IV.

5

l

—

14.

X.

11

l

—

14.

IV.

3

l

—

21.

X.

5

—

—

21.

IV.

3

3

—

28.

X.

6

—

—

28.

IV.

2

—

l

4.

XI.

10

—

—

5.

V.

2

2

i

11.

XI.

11

—

—

12.

V.

1

-

—

18.

XI.

13

li

—

19.

V.

3

—

—

25.

XI.

23

2

—

26.

V.

—

1

—

2.

XII.

16

—

l

2.

VI.

2

—

—

9.

XII.

22

1

—

9.

VI.

—

—

—

16.

XII.

9

1

—

16.

VI.

—

1

—

23.

XII.

25

1

6

23.

VI.

3

—

30.

XII.

13

1

1

30.

VI.

—

—

—

6.

I.  05

25

—

—

7.

VII.

1

1

l

13.

I.

15

7

1

14.

VII.

—

—

—

20.

I.

21

3

5

21.

VII.

1

—

—

27.

I.

20

8

1

28.

VII.

—

—

—

3.

II.

11

1

—

4.

VIII.

—

-

:  —

10.

II.

7

2

-—

11.

VIII.

—

—

—

17.

II.

11

5

1

18.

VIII.

—

—

—

24.

II.

8

4

—

25.

VIII.

—

—

—

3.

III.

8

1

1

1.

IX.

—

—

—•

10.

III.

6

4

8.

IX.

—

—

—

17.

III.

9

2

2

15.

IX.

—

—

24.

III.

5

3

—

22.

IX.

-

—

—

31.

III.

5

2

—

29.

IX.

—

—
        <pb n="106" />
        115

8*

Tabelle  VI.
Die  Rattenpestfälle  in  Taihoku  Oktober  igo2
bis  September  igoy,  nach  Wochen  festgestellt.

d.  Vom  6.  Oktober  1905  bis  zum  28.  September  1906.

Die  Untersuchungs ­
 ­
  begann
mit  dem

Zahl  der  Pestfälle  bei

Die  Untersuchungs ­
 ­
  begann
mit  dem

Zahl  der  Pestfälle  bei

Mus
rattus  L.

Mus
decumanus
Pallas

Mus
musculus  L.

Mus
rattus  L.

Mus
decumanus
Pallas

Mus
musculus  L.

6.

X.  05

—

6.

IV.

13.

X.

—

—

—

13.

IV.

l

l

l

20.

X.

—

—

—

20.

IV.

4

2

—

27.

X.

—

l

—

27.

IV.

—

1

2

3.

XI.

—

—

—

4.

V.

5

2

—

10.

XI.

—■

—

11.

V.

3

—

1

17.

XI.

3

l

—

18.

V.

2

1

—

24.

XI.

2

2

25.

V.

4

1

1.

XII.

—

1

i

1.

VI.

9

3

2

8.

XII.

1

—

—

8.

VI.

9

1

1

15.

XII.

—

—

—

15.

VI.

3

1

22.

XII.

—

—

—

22.

VI.

2

1

2

29.

XII.

2

—-—



29.

VI.

2

5.

I.  06

—

—

—

6.

VII.

—

—

12.

I.

—

1

—

13.

VII.

—

1

—

19.

I.

1

—

—

20.

VII.

—

—

—

26.

I.

—

1

l

27.

VII.

1

—

.

2.

II.

—

-

—

3.

VIII.

4

2

1

9.

II.

1

.  —

—

10.

VIII.

3

1

—

16.

II.

—

.  --—



17.

VIII.

2

—

23.

II.

2

.  —

—

24.

VIII.

2

—

—

2.

III.

—

.  —

—

31.

VIII.

2

—

9.

III.

2

—

.

7.

IX.

3

"

16.

III.

—

—

—

14.

IX.

4

1

23.

III.

—

—

—

21.

IX.

3

-—

30.

III.

—

—

—

28.

IX.

2

-r-—
        <pb n="107" />
        116

Tabelle  VI.
Die  Rattenpestfälle  in  Taihoku  Oktober  ig02
bis  September  igoj,  nach  Wochen  festgestellt.

e.  Vom  5.  Oktober  1906  bis  zum  27.  September  1907.

Die  Untersuchungs- ­

  begann
mit  dem

Zahl  der  Pestfälle  bei

Die  Untersuchungs ­
 ­
  begann
mit  dem

Zahl  der  Pestfälle  bei

4
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3  P
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£  «J  3
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Ä  ga&amp;lt;
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„  C“
Ä  3 Ä
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m
«5  P
s  §
3
s

5.  X.  06

3

—

—

5.  IV.

19

2

3

12.  X.

1

—

—

12.  IV.

17

7

1

19.  X.

3

—

—

19.  IV.

23

4

4

26.  X.

3

—

-

26.  IV.

21

6

3

2.  XI.

3

—

—

3.  V.

13

4

5

9.  XI.

8

1

10.  V.

20

2

7

16.  XI.

13

—

—

17.  V.

19

7

6

23.  XI.

10

1

1

24.  V.

13

5

1

30.  XI.

11

2

4

31.  V.

19

6

3

7.  XII.

11

1

—

7.  VI.

9

2

3

14.  XII.

6

2

—

14.  VI.

11

2

—

21.  XII.

16

—

—

21.  VI.

8

4

5

28.  XII.

12

1

1

28.  VI.

5

2

4

4.  I.  07

2

2

—

5.  VII.

3

5

4

11.  I.

17

1

1

12.  VII.

1

2

1

18.  I.

13

1

—

19.  VII.

—

.

—

25.  I.

17

5

—

26.  VII.

—

—

—

1.  II.

9

3

1

2.  VIII.

1

2

1

8.  II.

11

1

—

9.  VIII.

—

—

4

15.  II.

17

2

4

16.  VIII.

—

—

—

22.  II.

10

3

1

23.  VIII.

—

—

—

1.  III.

17

2

1

30.  VIII.

—

—

—

8.  III.

19

5

3

6.  IX.

—

—

—

15.  III.

10

8

2

13.  IX.

—

—

.

22.  III.

17

5

1

20.  IX.

—

—

.

29.  III.

20

4

—

27.  IX.

—

—

—
        <pb n="108" />
        Tabelle  VII  a.  Die  am  Rattenkörper  gefundenen  Flöhe.

Arten

Zahl  der  Flöhe

davon

schmarotzen

absolut

relativ

weiblich  männlich

an

1.  Von  Anfang  November  1907  bis  Ende  April  1909.

Toemopsylla  cheopis
Ctenopsylla  musculi
Ceratophyllus  fasciatus
  (?)
Ceratophyllus  anisus
Ctenocephalus  canis

683
471
123
39
1

51,86
35,76
9,34
2,96
0,07

364
250
87
24
1

319  !
221
36
15

f  Ratten,  stechen
(  auch  Menschen
(Mäusen,  Ratten  und
j  Meerschweinchen,
|  stechen  niemals
l  Menschen
(  Ratten  und
J  Spitzmäusen.
stechen  auch
v  Menschen
1  Ratten,  stechen
*  auch  Menschen
{  Hunden,  Katzen,
1  Kaninchen,
&amp;lt;  Schweinen,  Büffeln,
1  Ratten,  Mäusen
und  Menschen

Summe

1317

99,99

726

591

2.  Von  Anfang  Mai  1909  bis  Ende  März  1910.

Toemopsylla  cheopis

439

46,16

302

137

Ctenopsylla  musculi

310

32,59

237

73

Ceratophyllus  fasciatus
  (?)

67

7,03

42

25  :

(•vergl.VIIal.

Ceratophyllus  anisus

3

0,31

2

1  f

Ctenocephalus  canis

131

13,77

98

33

Pulex  irritans

1

0,14

1

—

*  Menschen,  selten
)  an  Ratten

Summe

951

100,00

682

269

Tabelle  VII  b.  Die  am  Menschenkörper  gefundenen  Flöhe.

Arten

Zahl  der  Flöhe
absolut  relativ

davon
weiblich  männlich

schmarotzen
an

Pulex  irritans

58  j  67,45

39

19

Ctenocephalusart

23  26,74

17

6

Tcemopsylla  cheopis

4  ;  4,65

3

1

„  vgl.  Vlla,  1  u.  2

Ceratophyllus  fasciatus

  (?)

1  1  1,16

1  1

—

Summe

86  100,00

60

26
        <pb n="109" />
        Tabelle  VIII.
Versuche  zur  Pestübertragung  durch  Rattenflöhe.

Versuchs- ­


  mit  Pestbazillen
geimpften  Tiere

Stärke
der

Versuchstiere

Nummer
der  erkrankten ­

Tiere

Erkrankte
Versuchstiere

Veränderungen ­

an  der

Zahl  der
jedem
Tier  an-Zahl

  der  nach
Schluß  des

reihe

und  ihr  Körpergewicht ­


Septichämie


und  deren  Zahl

und  ihre  Diagnose

Oberfläche
des  Körpers

gesetzten
Flöhe

wiedergefundenen
Flöhe

I

Mus  decumanus

schwach

3  Mus  decu-244

  gr

manus  und

2  Mus  rattus

—

—

6

unbekannt

II

Mus  rattus

stark

3  Mus  decu-2



M.  rattus
(Inguinaldrüsenpest)

Geschwüre  am
Scrotum

80  gr

manus  und

3

M.  decumanus
(S  ubmaxillar  dr  üsenpes  t)

2  Mus  rattus

4

M.  decumanus
(zweifelhaft)

7

unbekannt

III

Mus  decumanus

schwach

2  Mus  decu-200

  gr

manus  und

3  Mus  rattus

—

4

unbekannt

IV

Meerschweinchen

schwach

3  Meer-450

  gr

schweinchen

—

—

3

unbekannt

V

Meerschweinchen

stark

1  Meer-4



M  eerschwein  chen

300  gr

schweinchen

(Drüsenpest)

—

4

unbekannt

VI

Meerschweinchen

schwach

3  Meer-475

  gr

schweinchen

—

—

3

unbekannt

VII

Meerschweinchen

schwach

3  Meer-5



Meerschweinchen

Hals  angeschw.,
doch  keine  Ver-295

  gr

schweinchen

(Halsdrüsenpest)

anderun  gen  an
der  Oberfläche

3

2

VIII

Meerschweinchen

stark

3  Meer-6



Meerschweinchen

300  gr

schweinchen

(Inguinaldrüsenpest)

7

Meerschweinchen

(Axillardrüsenpest)

—

5

4

IX

Meerschweinchen

stark

2  Meer-300

  gr

schweinchen

—

-

3

unbekannt

X

Meerschweinchen

schwach

2  Meer-400

  gr

schweinchen

—

-

3

unbekannt

XI

Meerschweinchen

stark

1  Meer-21



Meerschweinchen

310  gr

schweinchen

(Inguinaldrüsenpest)

—

4

4

XII

Meerschweinchen

schwach

2  Meer-400

  gr

schweinchen

—

4

unbekannt

XIII

Meerschweinchen

schwach

2  Meer-480

  gr

schweinchen

—

—

5

unbekannt

XIV

Meerschweinchen

stark

2  Meer-33



Meerschweinchen

Hals  angeschw.,
doch  keine  Ver-260

  gr

schweinchen

(Halsdrüsenpest)

änderungen  an
der  Oberfläche

3

3

XV

Meerschweinchen

stark

1  Meer-36



Meerschweinchen

350  gr

schweinchen

(zweifelhaft)

—

3

1

XVI

Meerschweinchen

stark

2  Meer-37



Meerschweinch  en

450  gr

schweinchen

(Axillar  drüsenpest)

—

4

4

XVII

Meerschweinchen

stark

1  Meer-41



Meerschweinchen

280  gr

schweinchen

(H  alsd  rüsenpest)

—

3

1
        <pb n="110" />
        120

Tabelle  IX.

Die  einzelnen  Pestarten  1898—1908  und  ihre  Prognose
(festgestellt  in  den  Isolieranstalten  zu  l'aihoku,  Tainan,  Kilung  und  Kagi).

Arten

Volksstamm

Erkrankungen ­

absolut

Todes-  1
fälle
absolut

Erkrankungen ­

relativ

Von  100  Erkrankungen ­
  verliefen
tödlich

Drüsenpest

J  apaner

867

458

95,11

52,28

Formosaner

1695

1099

98,26

64,84

zusammen

2571

1557

97,17

60,56

Dungenpest

Japaner

29

28

3,15

96,55

Formosaner

21

20

1,21

95,24

zusammen

50

48

1,89

96,00

Darmpest

J  apaner

2

2

0,23

100,00

Formosaner

—

—

—

—

zusammen

2

2

0,08

100,00

Pestkar-J

  apaner

8

5

0,87

62,50

bunkel

Formosaner

—

—

—

—

zusammen

8

5

0,30

62,50

Augenpest

J  apaner

1

1

0,11

100,00

Formosaner

—

—

—

—

zusammen

1

1

0,04

100,00

Septichä-J

  apaner

5

1

0,54

20,00

mischePest

Formosaner

9

6

0,52

66,67

zusammen

14

7

0,53

50,00

Gesamtzahl

J  apaner

921

495

100,0

53,75

Formosaner

1725

1125

99,99

65,22

zusammen

2646

1620

100,0

61,22

7.  Die  Pestkranken.
a)  Die  verschiedenen  für  Formosa  in  Betracht  kommenden  Arten
der  Pest  sind  nach  den  in  den  ständigen  Isolieranstalten  für  Infektionskranke ­
  zu  Kilung,  Taihoku,  Kagi,  Taichu  und  Tainan  angestellten
  Untersuchungen  Bubonenpest,  Dungenpest,  septichämische
Pest,  Darmpest,  Pestkarbunkel  und  Augenpest.  Die  Bubonenpest
überwiegt  völlig:  sie  macht  97  %  aller  Erkrankungen  aus.  Dungenpest,
        <pb n="111" />
        121

Tabelle  X.

Die  einzelnen  Bubonenpestarten  i8g8—igo8  und  ihre  Prognose
(festgestellt  in  den  Isolieranstalten  zu  Taihoku,  Tainan,  ICilung  und  Kagi).

Lokalisation
der
Bubonen

Volksstamm

Erkrankungen ­

absolut

Todesfälle ­

absolut

Erkrankungen ­

relativ

Von  100  Erkrankungen ­
  verliefen
tödlich

Femoral-J

  apaner

89

38

19,69

42,70

drüsen  .  ..

Formosaner

293

181

28,39

61,77

zusammen

382

219

25,74

57,33

Inguinal-J

  apaner

142

64

31,42

45,07

drüsen  ...

Formosaner

413

267

40,02

64,65

zusammen

555

331

37,40

59,64

Kniekehlen-J

  apaner

3

—

0,66

—

drüsen  ...

Formosaner

8

5

0,78

62,50

zusammen

11

5

0,74

41,67

Suborbital-J

  apaner

12

6

2,65

50,00

drüsen  ..  .

Formosaner

17

8

1,65

47,06

zusammen

29

14

1,95

48,28

Submaxillar-J

  apaner

14

6

3,10

42,86

drüsen  .  .  .

Formosaner

15

7

1,45

46,67

zusammen

29

13

1,95

44,83

Halsdrüsen

J  apaner

89

47

19,69

52,81

Formosaner

108

56

10,47

51,85

zusammen

197

103

13,27

52,28

Mandeln  ..

J  apaner

5

4

1,11

80,00

Formosaner

—

—

—

—

zusammen

5

4

0,34

80,00

Axillar-J

  apaner

88

42

19,47

47,73

drüsen  ...

Formosaner

161

101

15,60

62,73

zusammen

249

143

16,78

57,43

Cubital-J

  apaner

10

3

2,21

30,00

drüsen  ...

Formosaner

17

12

1,65

70,59

zusammen

27

15

1,82

55,56

Gesamtzahl

J  apaner

452

210

100,0

46,46

Formosaner

1032

637

100,0

61,72

zusammen

1484

847

99,99

57,11
        <pb n="112" />
        122

Pestkarbunkel  und  septichämische  Pest  werden  nur  wenig  angetroffen; ­
  alle  übrigen  Arten  gehören  zu  den  größten  Seltenheiten.
Die  ungünstigste  Prognose  bieten  Dungen-,  Darm-,  Augenpest  und
dergleichen;  die  Bubonenpest  dagegen  weist  eine  verhältnismäßig
niedrige  Sterblichkeitsziffer  auf.  Die  sich  bei  der  Bubonenpest
bildenden  Beulen  liegen  zumeist  in  der  Leistengegend;  öfters  sodann
werden  die  Achsel-  und  Halsdrüsen  befallen,  weit  seltener  die  Parotis,
Glandula  submaxillaris,  Glandula  cubitalis  usw.  und  nur  ganz  ausnahmsweise ­
  Mandel-  und  Kniebeugedrüsen  (Tab.  IX  und  X).

Tabelle  XI.
Die  Pestfälle  i8g8—igog  nach  dem  Geschlecht.

Volksstamm

Geschlecht

Erkran-  Todeskungen
  fälle
absolut  absolut

Erkrankungen ­

relativ

Von  100  männlichen ­
  bez.  weiblichen ­
  Erkrankten ­
  starben

J  apaner

männlich

785  446

62,20

56,82

weiblich

477  290

37,80

60,80

zusammen

1  262  736

Formosaner

männlich

12  348  5  830

46,54

79,61

weiblich

14  184  11  563

53,46

81,52

zusammen

26  532  17  393

b)  Auffallend  sind  die  Unterschiede,  die  sich  ergeben,  wenn  man
J  apaner  und  Formosachinesen  hinsichtlich  der  Geschlechter
mit  einander  vergleicht.  Bei  den  Japanern  nämlich  wird,  wie  dies
auch  im  Mutterlande  der  Fall  ist,  die  Pest  im  allgemeinen  häufiger
unter  den  Männern  als  unter  den  Frauen  angetroffen;  bei  den  Formosachinesen ­
  ist  es  umgekehrt:  hier  kommt  die  Pest  häufiger  unter
den  Frauen  vor  als  unter  den  Männern.  Über  die  Ursache  dieser
Erscheinung  herrscht  noch  keine  Klarheit;  jedenfalls  wird  die  abweichende ­
  Lebensweise  und  Sitte  dabei  mitsprechen.  Ob  und  in
welchem  Maße  die  verstümmelten  Füße  der  Frauen  steigernden
Einfluß  auf  die  Pestempfänglichkeit  haben,  läßt  sich  erst  recht  nicht
sagen.  Die  Mortalität  der  Frauen  ist  sowohl  bei  Japanern  als  auch
bei  Formosachinesen  ungünstiger  als  die  der  Männer  (Tab.  XI).
        <pb n="113" />
        c)  Nach  dem  Alter  ist  die  Morbidität  bei  den  Zwanzigern  am
höchsten;  die  zweite  Stelle  nehmen  bei  den  Japanern  die  Dreißiger,
bei  den  Formosachinesen  dagegen  die  Individuen  zwischen  10  und
20  Jahren  ein.  Leute  von  50  oder  mehr  Jahren  leiden  selten  an  der
Pest  (Tab.  XII).
Tabelle  XII.

Die  Pestfälle  i8g8—igo8  nach  dem  Alter  der  Patienten.

Erkran-Todes-





  100

Stamm

Altersstufen

kungen
absolut

fälle
absolut

kungen  .Erkrankten
relativ  starben

Bis  10  Jahre

160

99

14,48

61,87

11—20

182

105

16,46

57,68

21—30

392

217

35,53

55,22

J  apaner  -

31—40

255

138

23,06

54,12

41—50

90

45

8,14

50,00

51—60

21

13

1,90

61,90

Über  60  Jahre

5

4

0,45

80,00

Zusammen

1105

621

Bis  10  Jahre

957

648

10,13

67,71

11—20

2064

1604

21,84

77,71

21—30

1960

1548

20,74

78,98

Formosaner  •

31—40

1681

1268

17,79

75,43

41—50

1277

1118

13,52

87,55

51—60

845

685

8,94

81,06

Über  60  Jahre

665

582

7,04

89,02

Zusammen

9449

7453

8.  Ergebnis  der  Behandlung  der  Pestkranken.
Die  Sterblichkeit  unter  den  in  den  ständigen  Isolieranstalten
untergebrachten  Kranken  betrug  im  Durchschnitt  etwa  61  %.
Dies  bedeutet  gegenüber  den  80  %,  die  sonst  im  allgemeinen
als  mittlere  Sterblichkeit  gelten,  eine  erhebliche  Abnahme.  Nicht
allen  Kranken  freilich  konnte  eine  geeignete  Behandlung  zuteil
werden,  denn  es  fehlte,  besonders  in  entlegenen  Ortschaften,  an
        <pb n="114" />
        124

studierten  Ärzten;  außerdem  wandte  sich  die-Mehrzahl  der  Formosachinesen ­
  infolge  ihrer  Verständnislosigkeit  für  die  neue  Heilkunde
eher  an  die  zum  größten  Teile  ganz  ungebildeten  I-sel,  und  überdies
wurden  die  meisten  Pestfälle  unter  den  Formosachinesen  erst  im
letzten  Stadium  der  Krankheit  oder  gar  erst  nach  dem  Tode  der
Patienten  bekannt.  Daher  war  die  Sterblichkeit  unter  den  Formosachinesen ­
  mit  Notwendigkeit  größer  als  die  der  Japaner.
Über  die  Arten  der  Behandlung  ist  das  Folgende  zu  sagen.
In  den  ersten  Jahren,  wo  man  noch  nicht  die  gehörige  Erfahrung  besaß,
wurden  zur  Heilung  der  Pest  alle  möglichen  chirurgischen  Operationen
und  medikamentösen  Behandlungsmethoden  ausprobiert.  Die  chirurgischen ­
  Eingriffe,  namentlich  die  Exstirpation  der  Bubonen,  bewährten ­
  sich  am  meisten.
Von  der  Blutserumtherapie  behaupten  die  einen,  daß  sie  offenkundigen ­
  Erfolg  habe,  die  anderen,  daß  ihre  Wirkung  unsicher  sei,
die  dritten,  daß  ihr  Erfolg  von  dem  Zeitpunkt  der  Anwendung  und
von  der  Dosis  des  Serums  abhängig  sei.  Die  Ansichten  der  Forscher
gehen  also  noch  sehr  weit  auseinander.  Nach  den  auf  Formosa  erzielten ­
  Ergebnissen  kann  man  noch  nicht  sagen,  daß  die  Serumtherapie ­
  sich  bewähre.
9.  Die  Ergebnisse  der  Schutzimpfung.
In  den  ersten  fünf  bis  sechs  Jahren  des  Auftretens  der  Pest
wurden  überall  im  Norden  und  Süden  Schutzimpfungen  nach  Haffkin
oder  nach  Kolle  und  Pfeiffer  angewandt.  Dr.  K.  Tsukiyama,  seinerzeit
stellvertretender  Direktor  des  Regierungshospitals  in  Tainan,  nahm  im
Jahre  1901  die  Schutzimpfung  an  ca.  25  000  Personen  vor;  die  Ergebnisse ­
  waren  diese:
Tabelle  XIII.

Tainan  1901

geimpft

nicht  geimpft

Beobachtet
Erkrankt
Gestorben
Von  1000  Beobachteten  erkrankten
Von  100  Erkrankten  starben  ....

24  993
41
22
1,64
53,66

92  966
1  869
1  541
20,10
82,45
        <pb n="115" />
        125

10.  Vorbeugungsmaßregeln.
Man  hat  bis  jetzt  auf  Formosa  zwei  Systeme  von  Vorbeugungsmaßregeln ­
  befolgt.  Bis  1901  wurde  das  Augenmerk  lediglich  darauf
gerichtet,  sämtliche  an  der  Pest  erkrankte  Personen  aufzufinden  und
zu  isolieren  sowie  ihre  Wohnungen  zu  desinfizieren.  Seit  1902
aber  wurde  die  Ausrottung  der  Ratten  als  Hauptaufgabe  betrachtet. ­
  Im  Zusammenhänge  damit  wurden  die  Pesthäuser  und
überhaupt  alle  als  menschliche  Wohnungen  nicht  genügenden  Wohnhäuser ­
  abgebrochen  und  gleichzeitig  neue  Bebauungspläne  für  die
Städte  ausgearbeitet.  Außerdem  aber  wurden  auch  Isolierung  und
Desinfektion  durchgeführt  wie  bisher.  Daß  ferner  in  beiden  Perioden
sämtliche  von  ausländischen  oder  japanischen  Häfen  ankomnrende
Schiffe  gemäß  der  Seequarantäneordnung  einer  Desinfektion  unterworfen ­
  wurden,  ist  selbstverständlich.
Die  Pestbekämpfung  wurde  durch  fünferlei  außerordentlich
erschwert.  Erstens  trat  die  Pest  bereits  in  dem  der  Abtretung  folgenden ­
  J  ahre  auf,  in  einer  Zeit,  wo  allenthalben  noch  Räuberbanden
umherschweiften  und  die  Polizei  ihre  Macht  noch  nicht  über  die  ganze
Insel  hatte  ausdehnen  können.  Sodann  waren  die  Wohnhäuser  und
Straßen  in  den  Städten  so  eng  und  schmutzig  wie  nur  möglich  und
boten  der  Seuche  den  denkbar  geeignetsten  Nährboden.  Drittens:
die  Eingeborenen  wußten  nicht,  daß  die  Pest  eine  ansteckende
Krankheit  ist,  sondern  hielten,  vom  Aberglauben  verleitet,  das
Übel  für  ein  himmlisches  Strafgericht  und  fügten  sich  ohne  jede
Gegenwehr  dem  Schicksal.  Daher  waren  in  den  ersten  Jahren  alle
Belehrungen  über  das  den  Ratten  gegenüber  einzuschlagende  Verhalten ­
  vergebens:  die  Formosachinesen  —  und  leider  auch  die  meisten
Japaner  -—  wollten  von  einem  Zusammenhang  zwischen  Pest  und
Ratten  nichts  wissen.  Viertens  kamen  infolge  von  Sprachschwierigkeiten
  zwischen  den  Sanitäts-  und  Polizeibeamten  einerseits  und
den  Formosachinesen  anderseits  öfters  Mißverständnisse  vor,  wodurch ­
  die  Ausführung  der  Maßnahmen  mehrfach  gehemmt  wurde.
Und  fünftens  hatte  die  Mehrzahl  der  Sanitäts-  und  Polizeibeamten
in  der  Bekämpfung  der  Pest  anfangs  keine  Erfahrung.
Die  erste,  vierte  und  fünfte  Schwierigkeit  wurde  mit  der  Zeit
überwunden,  auch  die  dritte  konnte  durch  belehrende  Aufrufe,  populäre ­
  Vorträge,  üaterna-magica-Bilder,  Austeilung  von  Drucksachen,
        <pb n="116" />
        126

außerstundenplanmäßigen  Unterricht  in  den  Volksschulen  usw.
allmählich  beseitigt  werden.  Der  zweite  Punkt  freilich  hätte  zu  seiner
Behebung  ungeheurer  Summen  bedurft.  Man  konnte  sich  daher
nicht  zu  einem  schnellen  Vorgehen  entschließen,  sondern  entschied
sich  dafür,  die  diesbezüglichen  Reformen  allmählich  zur  Ausführung
zu  bringen.

Pesthaus'  (Distrikt  Kagi)

Zu  den  Wohnhäusern  werden  auf  Formosa  Holz  und  Ziegelsteine ­
  nur  in  sehr  geringem  Umfange  verwendet.  Die  Wände  bestehen ­
  durchweg  aus  sogenanntem  Dokazu,  d.  h.  aus  ziegelsteinartig
geformten  Erdklumpen,  die  nicht  gebrannt,  sondern  nur  an  der  Sonne
getrocknet  sind,  und  der  Fußboden  ist  meist  mit  vier-  oder  sechseckigen ­
  Fliesziegeln  überdeckt.  Es  ist  daher  nicht  verwunderlich,
daß  sich  die  Ratten  in  den  Wänden  und  unter  dem  Fußboden  Nester
bauen  und  in  die  Kreuz  und  in  die  Quere  Gänge  anlegen.  Solche
Pesthäuser  zu  Gesicht  zu  bekommen  hat  man  auf  Formosa  oft
genug  Gelegenheit.  In  ihnen  wohnen  Schweine,  Hühner,  zuweilen
sogar  Büffel  mit  den  Menschen  zusammen.  Diese  Häuser  mußte  man
        <pb n="117" />
        128

natürlich  niederreißen.  In  den  Jahren  1907—1910  trug  man  in  der
Stadt  Taihoku  2220  ab  und  im  Distrikt  Kagi  1106.
Die  Ausrottung  der  Ratten  ferner  bewirkt  man  dadurch,  daß
in  Taihoku,  Tainan  und  Amping  für  jedes  Tier  eine  Prämie  von  5  Sen
gewährt  wird;  außerdem  gelangen  Preise  in  Höhe  von  1—100  Yen
zur  Auslosung.  Die  Kosten  werden  in  diesen  drei  Städten  sämtlich
von  der  Staatskasse  gezahlt,  in  anderen  Städten  von  der  Sanitätskasse. ­
  In  den  übrigen  pestbedrohten  Orten  ist  nach  dem  Statut  der
Ho-kö 1 )  eine  jede  Haushaltung  verpflichtet,  monatlich  eine  festgesetzte ­
  Anzahl  Ratten  zu  fangen  und  an  die  Behörde  abzuliefern.
Erreichen  die  abgelieferten  Ratten  die  vorgeschriebene  Zahl  nicht,
so  wird  ein  bestimmter  Betrag  als  Buße  auferlegt.  Auch  bei  den
ährlich  zweimal  stattfindenden  Reinigungen  2 )  werden  die  Ratten  mit
großem  Eifer  gefangen.  Je  nach  Bedarf  werden  solche  Säuberungen
für  einzelne  Orte  auch  außerhalb  der  regelmäßigen  Termine  angesetzt.
Der  Rattenfang  wird  mit  verschiedenartigen  Rattenfallen  oder
mit  Giften,  wie  arsenige  Säure,  Phosphor  usw.,  bewerkstelligt,  oder
man  macht  durch  Klopfen  die  in  der  Wand  oder  unter  dem  Fußboden ­
  befindlichen  Rattennester  ausfindig,  fängt  und  tötet  die  Tiere
und  gräbt  die  Nester  aus.  Von  Juli  1902,  wo  man  mit  dem  Rattenfangen ­
  begann,  bis  Juli  1910  wurden  37  020  228  Ratten  und  Mäuse
gefangen.  Die  gefangenen  Tiere  werden  bei  der  Distrikt-  oder  Unterdistriktbehörde ­
  oder  bei  einer  Polizeistation  abgeliefert  und  von  da
nach  einem  bakteriologischen  Uaboratorium  versandt,  um  hier  einer
sorgfältigen  Untersuchung  unterzogen  zu  werden.  Die  in  Taihoku  und
Umgegend  gefangenen  Tiere  kommen  in  das  Pestlaboratorium  des
Sanitätsbureaus,  die  in  Tainan  und  Amping  gefangenen  Ratten  in
das  Pestlaboratorium  des  Distriktamts  Tainan;  alle  übrigen  werden
in  die  an  allen  größeren  Orten  befindlichen  Untersuchungsstellen  gebracht, ­
  wo  die  Untersuchung  von  Polizeiärzten  oder  von  Kö-i  ausgeführt ­
  wird.
Alle  Ärzte  haben  die  von  ihnen  in  Behandlung  genommenen
Pestfälle,  auch  wenn  sie  zweifelhaft  sind,  anzumelden.  Unter  Umständen ­
  werden  alle  Wohnungen  durch  eigens  zu  diesem  Zwecke
entsandte  Ärzte  und  Polizeibeamte  auf  etwaige  Kranke  revidiert.  Die
J )  vergl.  Abschnitt  4
2 )  vergl.  Abschnitt  11
        <pb n="118" />
        129

Pestkranken  werden  in  die  teils  permanenten,  teils  provisorischen
Isolieranstalten  für  Infektionskranke  gebracht  und  hier  behandelt;
die  Wohnhäuser  der  Erkrankten  werden  desinfiziert  und  eine  Woche
lang  für  den  Verkehr  gesperrt,  die  gesunden  Hausgenossen  in  Beobachtungsanstalten ­
  aufgenommen  oder  nach  erfolgter  Desinfektion
der  Wohnungen  in  diesen  belassen.
Als  Desinfektionsmittel  dient  in  der  Hauptsache  Karbolsäure
und  gelöschter  Kalk,  zuweilen  auch  Desinfektol,  ein  aus  Kampferöl
hergestelltes,  desinfizierendes  Mittel.
Für  die  Handhabung  der  Vorbeugungsmaßregeln  bei  den
Formosachinesen  hat  die  Einrichtung  der  Ho-kö  große  Dienste
geleistet.  Da  diese  Organisation  auf  die  Japaner  nicht  übertragen
werden  konnte,  wurden  in  Städten,  wo  Japaner  und  Formosachinesen ­
  Zusammenleben,  als  Ersatz  Sozietäten  zur  Bekämpfung
der  Pest  gebildet.
Da  die  Art  und  Weise,  in  der  die  an  sich  als  richtig  erkannten
Pestmaßregeln  gehandhabt  werden,  nicht  nur  auf  die  Volkswirtschaft,
sondern  auch  auf  die  inneren  politischen  Verhältnisse  bedeutenden
Einfluß  ausübt,  z.  B.  mitunter  sogar  Unruhen  im  Volke  stiften  kann,
so  ist  aus  den  höheren  Beamten  der  verschiedensten  Verwaltungszweige ­
  eine  Kommission  zur  Bekämpfung  der  Seuche  gebildet  worden,
um  so  durch  Beratung  und  Durchdenkung  von  den  mannigfachsten
Standpunkten  her  für  das  richtige  Ziel  auch  die  für  Volk  und  Insel
geeignetsten  Maßnahmen  festzustellen.

Die  hygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.

9
        <pb n="119" />
        17.  Andere  Infektionskrankheiten.

I n  dem  Gesetz  vom  Oktober  1896  betreffend  die  Bekämpfung
der  Infektionskrankheiten  sind  folgende  8  Krankheiten  genannt:
Cholera,  Pest 1 ),  Dysenterie,  Pocken,  Flecktyphus,  Abdominaltyphus, ­
  Diphtheritis  und  Scharlach.
Eine  Cholera  epidemie  trat  im  J  ahre  1902  auf.  Es  erkrankten
202  Japaner  und  544  Formosachinesen;  davon  sind  134  Japaner
und  479  Formosachinesen  gestorben.
Die  Dysenterie  kommt  auf  Formosa  nur  in  der  Form  der  durch
die  Entamoeba  histolytica  Schaudinn  verursachten  Tropendysenterie
vor.  Diese  ist  ebenso  häufig  als  hartnäckig.  Besonders  gefährlich
kann  sie  werden,  wenn  Eeberabszeß,  Typhlitis,  Appendizitis  usw.
hinzutreten.  Sie  findet  sich  überall  auf  Formosa,  doch  scheint  sie
im  Süden  häufiger  zu  sein  als  im  Norden.  Sie  herrscht  das  ganze
Jahr  hindurch,  am  stärksten  von  April  bis  Oktober.  Epidemisch
trat  sie  nur  ein  einziges  Mal  auf  und  zwar  im  Jahre  1909  in  Horisha
(Distrikt  Nanto).  Sowohl  Japaner  als  auch  Formosachinesen  werden
von  der  Krankheit  befallen,  die  ersteren  öfter.  Die  Formosawilden
scheinen  davon  ebenfalls  nicht  verschont  zu  werden.  Die  tatsächliche ­
  Erkrankungsziffer  läßt  sich  zurzeit  nicht  angeben,  da  die  vorgeschriebene ­
  Anzeigepflicht  meistenteils  vernachlässigt  wird,  besonders
bei  leichten  Fällen.
Pocken.  In  dem  Zeiträume  1896—1902  schwankte  diejährliche
Erkrankungsziffer  etwa  zwischen  250  und  400.  Seit  dieser  Zeit  haben
die  Fälle  in  dem  Maße,  wie  die  Schutzpockenimpfung  verallgemeinert
wurde,  abgenommen.  Besonders  günstige  Ergebnisse  erzielten  wir
seit  dem  Jahre  1906,  wo  das  Impfgesetz  in  Kraft  trat.  Nach  diesem
muß  jeder  Neugeborene  binnen  eines  Jahres  geimpft  und,  falls  diese

1 )  hierüber  ein  besonderer  Abschnitt  (16)
        <pb n="120" />
        —  131

Die  in  den  Jahren  i8gj—igog  zur  Anzeige  gekommenen  Erkrankungen
und  Todesfälle  an  den  wichtigeren  Infektionskrankheiten
(iausschließlich  der  Pest).

E  =  Erkrankungen.  T  ==  Todesfälle.  J.  =  Japaner.  Ch.  =  Chinesen.

Jahr

Cholera
J.  |  Ch.

Dysenterie ­

J.  Ch.

Po
J.

cken
Ch.

Flecktyphus ­

J.  1  Ch.

I  Abdominal ­
 ­

J.  !  Ch.

|  Dij
  phtherie
J.  |  Ch.

Scharlach ­

J.  1  Ch.

Zusammen ­

J.  !  Ch.

1897:E

—

—

303

65

1  46

355

—

—

66

11

—

I

1

—

416

432

T

—

—

1113

42

5

35

—

—

24

8

—

1

—

_

142

86

1898:E

1

—

218

35

11

271

—

—

61

32

6

1

—  297

339

T

—

—

70

24

2

31

—

—

26

18

1

1

—

—

99

74

1899:  E

—

—

262

111

2

396

—

—

56

13

2

3

—

—

322

523

T

—

—

45

51

—

5

—

—

18

6

—

2

—

—

63

64

1900:E

—

—

332

49

10

406

—

—

151

6

16

1

509

462

T

—

■—

74

25

—

6

—

—

34

3

3

1

—

—

111

35

1901:E

—

1

315

343

2

259

—

—

110

14

2

11

1

—

430

628

T

—

1

60

39

—

11

—

—

27

10

1

3

—

—

88

64

1902:  E

202

544

144

610

3

282

—

—

92

100

1

3

—

—  |

442

1539

T

134

479

35

153

—

10

—

—

23

18

—

3

—

—

192

663

1903:E

-

—

116

54

2

37

—

—

81

60

11

7

—

210

158

T

—

-

30

21

—

—

—

—

31

22

5

3

—

66

46

1904:E

—

1

111

47

5

18

—

1

151

38

32

7  *

—

—

299

112

T

—

1

25

29

—

—

—

—

38

18

—

6

—

—

63

54

1905:  E

—

—

92

28

2

21

—

—

125

16

42

15  I

—

—

261

80

T

—

—

34

13

—

—

—

—

32

10

3

11

—

—

69

34

1906:E

—

—

99

47

—

19

—

—

211

37

45

18

1

—

356

121

T

—

—

40

31

—

—

—

—

59

27

9

8

—

—

108

66

1907:  E

3

62

143

—

1

—

—

311

39

10

16

1

—

387

79

T

2

_

24

48

—

—

—

—

53

19

—

9

—

I

199

76

1908:  E

—

—

82

113

11

17

—

—

319

37

11

19

1

1

424

186

T

—

—

35

59

2

—

—

—

82

27

1

12

—

—

120

98

1909:  E

—

—

84

165

5

10

—

—

305

14

26

21

1

—

421

210

T

—

—

34

50

—

—

—

—

86

5

4

16

—

—

124

71

Anmerkung.  Eie  Lepra  gehört  noch  nicht  zu  den  anzeigepflichtigen ­
  Krankheiten.  Nach  polizeilichen  Ermittlungen  waren  im
Jahre  1910  810  Lepröse  auf  Formosa:  8  Japaner,  797  Formosachinesen
und  5  chinesische  Untertanen.
        <pb n="121" />
        132

Impfung  erfolglos  bleibt,  im  Laufe  des  folgenden  Jahres  wieder
geimpft  werden;  ferner  verlangt  es,  wenn  die  Gefahr  einer  Pockenepidemie ­
  vorliegt,  außerordentliche  Schutzimpfungen.
Der  Abdominaltyphus  ist  auf  dem  Lande  seltener  als  in  den
Städten.  Zu  beachten  ist  ferner  die  Tatsache,  daß  die  Chinesen,
weil  sie  ausschließlich  von  gekochter  Nahrung  leben,  relativ  höchst
selten  daran  erkranken.
Die  Diphtheriefälle  sind  wenig  zahlreich;  Flecktyphus
und  Scharlach  kommen  nur  ganz  vereinzelt  vor.
        <pb n="122" />
        18.  Die  Malaria.

D ie  Malaria  ist  den  Formosachinesen  unter  dem  Namen  Koanrja-chen
  =  Krankheit  mit  Kälte  undHitze  und  den  Formosawilden ­
  unter  dem  Namen  Sowarisan  =  Schüttelfrost  seit
undenklichen  Zeiten  bekannt.  Als  im  Jahre  1874  nach  Formosa  eine
Strafexpedition  unternommen  wurde  —•  es  waren  japanische  Untertanen ­
  durch  Formosawilde  ermordet  worden,  die,  wie  die  chinesische
Regierung  mitteilte,  nicht  unter  ihrer  Botmäßigkeit  standen  —,
waren  die  unter  den  japanischen  Soldaten  beobachteten  Krankheiten ­
  größtenteils  Malariafälle.  Ebenso  haben  die  Truppen,  die
1895  und  in  den  folgenden  Jahren  nach  Formosa  kamen,  sehr  stark
unter  der  Malaria  zu  leiden  gehabt.  Bei  den  Zivilbeamten,  Kaufleuten ­
  usw.  stand  es  nicht  anders.  So  war  es  ganz  begreiflich,  daß
sich  Militär-  wie  Zivilärzte  dem  Studium  der  Krankheit  in  hohem
Maße  widmeten  und  die  Muskitotheorie,  sobald  sie  erwiesen  war,
praktisch  anwandten.  Insbesondere  hat  die  Kommission  zur  Erforschung ­
  der  endemischen  Krankheiten  zahlreiche  Untersuchungen
über  die  Krankheit  angestellt  und  mehrere,  zum  Teil  sehr  wichtige
Berichte  darüber  veröffentlicht.
I.  Epidemiologisches,
l.  Vorbedingungen.
Nachdem  Mitteilungen  über  geographische,  klimatische,  Wohnungs-
  und  Bevölkerungsverhältnisse  schon  in  anderen  Abschnitten
gegeben  worden  sind,  genüge  es  hier,  darauf  hinzuweisen,  daß
Bauernhäuser,  wo  Büffel  und  Schweine  mit  den  Menschen  zusammen
wohnen,  ferner  feuchte,  vernachlässigte  und  mit  Unkraut  bewachsene
Höfe  und  die  die  Bauernhöfe  umgebenden  Bambusbüsche,  sodann
die  wasserreichen  Reisfelder,  besonders  die  terrassenförmig  an  Abhängen ­
  angelegten,  und  schließlich  die  Teiche,  in  denen  die  Büffel
baden,  und  die  teichartigen  Anlagen  zur  Erzeugung  von  Pflanzen
wie  Juncus  effusus  E.,  Zizania  latifolia  Turez.,  Nelumbo  nucifera
Gaertn.  usw.,  als  Brut-  und  Aufenthaltsstätten  für  die  Mücken  sehr
        <pb n="123" />
        134

geeignet  sind.  Verschiedene  einheimische  Früchte,  so  Bananen,
Ananas,  Bungan  und  andere,  werden  auch  gern  von  den  Mücken
besucht.
2.  Statistische  Überblicke.
Die  Gesamtzahl  der  Malariakranken  ist  nicht  zu  ermitteln,  da
keine  Anzeigepflicht  besteht.
Tabelle  I  berücksichtigt  die  Fälle,  die  in  den  Jahren  1897  bis
1909  in  den  Regierungshospitälern  und  durch  die  Kö-i  behandelt
wurden  und  vergleicht  sie  mit  der  Zahl  aller  Kranken  überhaupt.

Tabelle  I.

Jahr

Gesamtzahl  aller
Kranken  überhaupt

Zahl  der
behandelten
Malariafälle

Von  1000  Kranken
waren  malariakrank

1897

217  807

47  342

217,3

1898

150  132

39  616

263,8

1899

135  531

29  994

221,3

1900

130  049

27  441

211,0

1901

131  635

29  185

221,7

1902

135  852

31  039

228,3

1903

135  589

27  775

204,8

1904

148  206

23  601

159,2

1905

157  537

21  360

135,6

1906

211  034

34  351

162,7

1907

227  363

49  139

216,5

1908

244  500

51  000

208,6

1909

262  525

52  201

198,7

Das  Anschwellen  der  Zahl  der  Malariafälle  in  den  letzten  Jahren
erklärt  sich  daraus,  daß  infolge  der  wachsenden  Volksaufklärung
die  ärztliche  Hilfe  in  immer  stärkerem  Maße  nachgesucht  wird.
Die  Sterblichkeit  der  Malaria  hat  bei  den  Japanern  allmählich
abgenommen,  bei  den  Formosanern  dagegen  leider  noch  nicht.  Dies
zeigt  die  nebenstehende  Übersicht.
Wenn  man  weiterhin  die  Sterblichkeit  in  den  einzelnen  Distrikten
untersucht,  so  finden  sich  große  Verschiedenheiten.
        <pb n="124" />
        —  135

Tabelle  II.  Die  Malariasterblichkeit  igoö—190g.

1906

1907

1908

1909

Zahl  der  an  Malaria  Gestorbenen ­
  :
Japaner

295

244

183

197

Formosaner

10  267

11  441

11  519

10  136

Zusammen

10  562

11  685

11  702

10  333

Auf  1000  Einwohner  kamen
Todesfälle  an  Malaria:
Japaner

4,15

3,13

2,20

2,19

Formosaner

3,42

3,78

3,79

3,30

Im  Durchschnitt  ....

3,44

3,77

3,75

3,26

Tabelle  III.  Die  Malariasterblichkeit  nach  Distrikten  1908.

Distrikt

Todesfälle
an  Malaria

Malariasterblichkeit
für  1000  Einwohner

Von  100  Todesfällen
überhaupt  waren
Malariafälle

Nordbezirk 1 ):

Taihoku  ....

840

1,75

6,16

Giran

296

2,26

8,53

Töyen

365

1,74

6,75

Shinchiku  .  .  .

476

1,56

6,78

Mitte'bezirk:

Taichu  ....

1  765

3,28

9,62

Nanto

258

2,33

6,96

Kagi

2  432

4,72

12,82

Südbezirk:

Tainan  ....

1  779

3,35

9,57

Akö

1  840

7,70

22,26

Ostbezirk:

Taitö

82

3,03

8,06

Karenkö  ....

172

6,58

20,54

Westbezirk:

Höko

28

0,51

2,06

Zusammen:  .  .

10  333

3,26

10,26

x )  diese  Bezirkseinteilung  gilt  nur  für  gewisse  Besteuerungszwecke;  sie
wird  hier  und  im  folgenden  der  Bequemlichkeit  halber  öfters  verwendet
        <pb n="125" />
        136

Betrachtet  man  die  Malariasterblichkeit  in  den  fünf  Bezirken  nach
Volksstämmen,  so  sieht  man,  daß  sie  bei  den  Japanern  anders  als  bei
den  Formosanern  ist.
Tabelle  IV.

Die  Malariasterblichkeit  bei  je  1000  Japanern  und  Formosanern  igo8.

Nordbezirk

Mittelbezirk

Südbezirk

Ostbezirk

Westbezirk

Japaner

1,02

2,22

3,78

16,08

0,89

Formosaner

1,99

4,06

4,50

4,17

0,61

Weiterhin  haben  auch  die  beiden  Geschlechter  bei  Japanern
und  Formosanern  eine  verschiedene  Malariasterblichkeit.

Tabelle  V.

Die  Malariasterblichkeit  für  1000  Einwohner  nach  dem  Geschlecht
igo6—1908.

1906

1907

1908

Japaner:  männlich  .  .

5,16

3,94

2,55

weiblich  .  .  .

2,56

1,85

1,46

Formosaner:  männlich  .  .

3,29

3,65

3,72

weiblich  .  .  .

3,56

3,95

3,87

Die  Malariasterblichkeit  nach  dem  Alter  zeigt  bei  Japanern  und
Formosanern  ebenfalls  verschiedene  Verhältnisse;  insbesondere  haben
die  Kinder  unter  5  J  ahren  bei  den  Formosanern  eine  sehr  ungünstige
Sterblichkeit.
Die  Verteilung  der  Todesfälle  an  Malaria  auf  die  einzelnen
Monate  zeigt  Tabelle  VI;  ihr  liegt  das  Jahr  1908  zugrunde,  das
als  normal  gelten  kann.
Tabelle  VI.

Monat

%

Monat

0/
/o

Monat

0/
/o

Januar

8,3

Mai

5,8

September  ..

10,2

Februar  ....

6.3
5.4

Juni

6,8
8,6

12,0
13,3

März

Juli

November  ..

April

4,2

August

9,2

Dezember  ...

9,9
        <pb n="126" />
        137

3.  Über  den  Ausbruch  der  Malariaepidemien.
Wenn  in  einer  Gegend,  wo  Anophelen  in  genügender  Menge  vorhanden ­
  sind,  zahlreiche  Neuankömmlinge,  z.  B.  Arbeiter  oder  Einwanderer, ­
  zusammenströmen,  bricht  regelmäßig  eine  mehr  oder
minder  starke  Epidemie  aus.  So  ist  das  Fehlschlagen  der  in  der
chinesischen  Zeit  oft  versuchten  Ansiedlung  großenteils  der  Malaria
zuzuschreiben.  Als  das  beste  Beispiel  für  die  Entstehung  einer  Malariaepidemie ­
  in  der  neueren  Zeit  kann  man  die  Epidemie  unter  den
Arbeitern  der  Kampfergesellschaft  zu  Kösenpo  (Distrikt  Akö)  anführen. ­
  Diese  Gesellschaft  wurde  im  Jahre  1906  begründet  und  machte
es  zu  ihrer  Aufgabe,  in  den  südlichen  Gebirgszügen  der  Nitaka-Kette
auf  einer  Fläche  von  etwa  1000  qkm  die  Kampfergewinnung  zu  betreiben. ­
  Zu  diesem  Zwecke  ließ  sie  aus  Japan  und  aus  allen  Teilen
Formosas  Hunderte  von  Arbeitern  kommen.  Bald  jedoch  brach  unter
diesen  eine  so  starke  Malariaepidemie  aus,  daß  die  Auflösung  des  ganzen
Unternehmens  bevorstand.  Da  wurde  unter  Deitung  von  Dr.  Kinoshita
—  er  war  Professor  an  der  medizinischen  Schule  zu  Taihoku  und  ist
leider  viel  zu  früh  gestorben  —  eine  Bekämpfung  der  Krankheit
unternommen.  Über  die  Ergebnisse  wird  weiter  unten  berichtet.
Ein  anderes  Beispiel.  Auf  den  Hö  ko-Inseln  herrscht  starker
Wind;  Bäume  gibt  es  nur  vereinzelt;  die  Bewohner  leiden  an  Wassermangel. ­
  Daher  trat  die  Malaria  nur  äußerst  selten  auf.  Als  aber
1904  auf  der  Hauptinsel  eine  große  Menge  Arbeiter  benötigt  wurden,
brach  gleich  im  folgenden  Jahre  unter  den  Arbeitern  und  unter  der
Bevölkerung  eine  große  Malariaepidemie  aus.  Es  wurden  in  der  Zeit
von  August  bis  November  1905  in  19  Dörfern  8962  Kranke  (776,5  auf
1000  Einwohner)  und  963  Todesfälle  (10,83  auf  100  Erkrankungen)
beobachtet.  Nach  Mitteilung  von  Prof.  Dr.  Otori  von  der  medizinischen ­
  Schule  zu  Taihoku  sind  alle  von  ihm  untersuchten  Fälle
Malaria  tropica  gewesen.  Im  Jahre  1906  sind  in  denselben  Dörfern
3636  Erkrankungen  und  481  Todesfälle  (13,23  Prozent  der  Erkrankungen) ­
  vorgekommen.  Im  Jahre  1907  brach  sodann  auf  Taisho,
einer  entlegenen  Insel  der  Höko-Gruppe  mit  3136  Einwohnern,  eine
Epidemie  aus;  während  der  Zeit  von  August  bis  Oktober  wurden  hier
382  Erkrankungen  (121,8  auf  1000  Einwohner)  und  84  Todesfälle
(22  Prozent  der  Erkrankungen)  gezählt.  In  den  folgenden  Jahren
kamen  noch  vereinzelte  Fälle  vor.  Jetzt  kann  man  die  Epidemie  auf
        <pb n="127" />
        138

Höko  als  erloschen  ansehen.  Zweifellos  war  sie  durch  Einschleppung
und  starke  Entwicklung  von  Anophelen  verursacht  worden.
Auch  sonst  sind  bei  verschiedenen  Unternehmungen,  bei  denen
viele  Arbeiter  gebraucht  werden,  z.  B.  bei  Eisenbahnbauten  und  an
Wasserelektrizitätswerken,  mehr  oder  minder  starke  Epidemien  zu
beobachten  gewesen.  Seitdem  man  jedoch  Chininprophylaxis  anwendet, ­
  ist  das  epidemische  Auftreten  der  Krankheit  seltener  geworden. ­


Tabelle  VII.

Monat

Zahl  der  untersuchten ­
  Personen

Darunter  Plasmodienträger ­


Von  100  Untersuchten ­
  waren
Plasmodien  träger

Jap-Form.



Jap.

Form.

Jap.

Form.

1907

April  ....

151

68

43

l

28,4

1,4

Juli  ....

923

680

59

46

6,4

6,7

Dezember

1046

810

89

33

8,5

4,0

1908

März  ....

249

690

13

6

5,2

0,8

April  ....

919

309

9

2

0,9

0,6

Mai  ....

206

638

2

17

0,9

2,6

Juni  ....

828

296

25

3

3,0

1,0

Juli  ....

220

943

8

34

3,6

3,6

August  .  .  .

835

304

22

9

2,6

3,0

September  .

235

752

15

31

6,3

4,1

Oktober  .  .

793

311

52

22

6,5

7,1

November  .

201

742

14

28

7,0

3,8

Dezember

798

-

59

—

7,3

—

Jap.  Japaner,  Form.  Formosaner.

4.  Malaria-  und  malariafreie  Gegenden.
Als  Malariagegendensah  man  früher  die  Gegenden  von  Kilung,
Zuihö,  Kusshaku,  Nanshö,  Byörizu,  Sansaho,  Banshoryö,  Akö,
Hözan,  Karenkö,  Gozenjö,  Bokusekikaku,  Taitö,  Seikoö,  Parisha,
Dainan-ö  usw.  an.  In  der  letzten  Zeit  hat  sich  die  Tage  wesentlich
geändert.  Große  Epidemien  herrschen  gegenwärtig  nur  noch  an  der
Ostküste  und  in  Hözan  und  Akö.
        <pb n="128" />
        139

Als  völlig  malariafrei  gilt  jetzt  die  Stadt  Taihoku;  sehr  selten
kommt  die  Malaria  in  Taichu  und  Tainan  vor.  Auf  hohen  Bergen,
wo  die  Anophelen  fehlen,  ist  natürlich  kein  Fall  von  Malaria  zu  beobachten ­
  ;  die  Wilden,  die  dort  hausen,  besuchen  nur  ungern  das  Flachland. ­
  Auch  die  an  der  Grenze  der  Wildengebiete  stationierten  Schutzleute ­
  werden  nur  höchst  selten  von  der  Krankheit  befallen.  Außerdem
stehen  die  beiden  Inseln  Kashötö  und  Shöryukiutö  in  dem  Rufe,  frei
von  Malaria  zu  sein.  5  Malaria!ndex.
Die  Endemizität  einer  Gegend  kann  man  messen,  indem  man  die
Zahl  der  Plasmodienträger  und  die  der  Individuen  mit  Milzvergrößerung ­
  feststellt.  Der  mit  Hilfe  dieser  Zahlen  gewonnene  Malariaindex
dient  als  Grundlage  bei  der  Bekämpfung  der  Krankheit  und  zur  Beobachtung ­
  der  etwa  erzielten  Erfolge.  Dr.  Kinoshita  und  sein  Nachfolger ­
  haben  in  Kösenpo  die  Indizes  der  Tabelle  VII  ermittelt.
Untersuchungen  über  den  jugendlichen  Malariaindex  nahm
Dr.  Hatori  im  April  und  Mai  1910  vor  und  zwar  an  mehreren  Volksschulen ­
  der  Ostküste  bei  Schülern  im  Alter  von  7—18  Jahren.

Tabelle  VIII.

Volksschule
in

Volksstamm

Zahl  der
Untersuchten

Plasmodienträger ­


Von  100
Untersuchten
waren  Plasmodienträger ­


Milzvergrößerung ­

wiesen  auf

Von  100
Untersuchten
hatten  Milzvergrößerung ­


Karenkö

Formosachinesen

66

3

4,5

—

—

Pokupoku

Formosawilde

86

25

29,0

36

45,3

Tauran

Formosawilde

124

30

24,4

56

45,1

Suibi

Formosachinesen

82

18

22,0

45

54,8

Formosawilde

92

14

15,0

45

49,0

Bokuseki-J

  apaner

17

2

11,2

2

11,2

kaku

F  ormosachinesen

28

8

28,5

10

35,7

Formosawilde

38

9

24,0

10

26,3

Pinan

Formosawilde

82

6

7,3

42

51,2

Baran

Formosawilde

104

5

4,8

14

13,5

Taitö

Formosachinesen

80

6

7,5

12

15,0

Tor  an

Formosawilde

102

23

22,5

34

33,3

Marörö

Formosawilde

57

5

8,8

25

43,8

Seikoö

Formosachinesen

39

4

10,3

23

59,0

Formosawilde

46

7

15,2

17

37,0
        <pb n="129" />
        140

Folgendes  sind  die  Ergebnisse  der  Untersuchungen,  die  Dr.
Kojima  im  Juli  1910  in  Hözan  und  Akö,  zwei  Städten  Südformosas,
angestellt  hat.
Tabelle  IX.

Stadt

Volks-  i  ...
Alter
stamm

Zahl  der
Untersuchten

Plasmodienträger ­


Von  100
Untersuchten
waren  Plasmodienträger ­


Milzvergrößerung ­

wiesen  auf

Von  100
Untersuchten
hatten  Milzvergrößerung ­


Hözan

Japaner  [  Jugendl.u.

Erwachsene

83

9

10,8

15

18,0

Formosa-  Jugendliche

121

21

17,4

48

40,0

Chinesen  !  Erwachsene

121

8

6,6

47

38,8

Akö

J  apaner  J  ugendliche

98

11

11,2

7

7,1

Erwachsene

121

6

4,9

15

12,4

Formosa-  Jugendliche

198

30

15,1

73

36,8

Chinesen  !  Erwachsene

41

1

2,4

34

80,3

Die  von  Dr.  Hatori  ausgeführten  Voruntersuchungen  bei  der
Malariabekämpfung  in  Hokuto 1 )  führten  zu  diesen  Indexziffern.

Tabelle  X.

Zeit  der  Untersuchung

:  26.-29.  Juni  1910.

Bezirk ­


Volksstamm

Zahl  der
Untersuchten ­


Plasmodien ­
 ­


Von  100  Untersuchten ­
  waren
Plasmodien  träger

Milzvergrößerung ­

wiesen  auf

Von  100  Untersuchten ­
  hatten
Milzvergrößerung

A {

Japaner.  .

124

2

1,63

5

4,03

Formosaner

277

11

3,98

59

21,29

B

Formosaner

778

16

2,08

7

0,89

Zusammen.

1179

29

2,46

71

6,10

6.  Die  Verteilung  der  Malariaarten.
Auf  Formosa  sind  Malaria  tertiana,  M.  quartana  und  M.  tropica
zu  finden.  In  der  Nähe  von  Bergen  oder  auf  Bergen  ist  M.  tropica
vorherrschend,  während  auf  dem  platten  Tande  M.  tertiana  am
meisten  verbreitet  ist.  M.  quartana  ist  unregelmäßig  verteilt  und
selten.  Die  Frequenz  der  einzelnen  Malariaarten  hängt  offenbar  mit
der  Verteilung  der  Anophelenarten  zusammen.

vgl.  S.  154
        <pb n="130" />
        141

7.  Anophelen.
Die  auf  Formosa  vorkommenden  Anophelen  und  ihre  Beziehungen ­
  zur  Malaria  sind  von  Kinoshita,  Tsuzuki,  Miyajima,  Hanabusa
und  Hatori  studiert  worden.  Man  hat  seit  1900  bis  zur  Gegenwart
acht  Arten  gefunden,  die  zu  vier  Gattungen  gehören.  Es  sind  dies
a)  Anopheles  (Myzorhynchus)  sinensis  Wied.
b)  A.  (Myzomyia)  Listoni  Eist.
c)  A.  (Myzomyia)  punctulatus  Dön.
d)  A.  (Myzomyia)  Rossii  Giles.
e)  A.  (Myzomyia)  sp.  aus  Taitö  (Hatori).
f)  A.  (Nyssorhynchus)  maculatus  Theob.
g)  A.  (Nyssorhynchus)  fuliginosus  Giles.
h)  A.  (Cellia)  Koclrii  Dön.
a)  A.  sinensis  Wied.
Diese  Art  findet  sich  überall  auf  der  Insel,  besonders  häufig  in
den  Ebenen.  Nach  den  Infizierungsversuchen  von  Kinoshita  und
Miyajima  können  sich  die  Oocysten  von  Plasmodium  vivax  und
Plasmodium  malariae  an  der  Magenwand  der  Mücke  entwickeln,
nicht  aber  die  von  Plasmodium  immaculatum.  Daraus  sieht  man,
das  A.  sinensis  der  Hauptüberträger  des  Tertian-  und  Quartanfiebers ­
  ist,  dagegen  nicht  der  des  Tropenfiebers.

b)  A.  Distoni  List.
Diese  am  meisten  gefürchtete  Mücke  ist  nächst  A.  sinensis  am
weitesten  verbreitet;  besonders  reichlich  findet  sie  sich  am  Fuße  der
Gebirge.  Kinoshita  und  Miyajima  stellten  auf  Grund  ihrer  Experimente ­
  fest,  daß  A.  Listoni  der  Hauptüberträger  des  Tropenfiebers  ist,
das  Tertianfieber  dagegen  niemals  vermittelt.

c)  A.  punctulatus  Dön.
Auf  Formosa  hat  diese  Art  zuerst  (1901)  Hatori  gefunden  und
zwar  in  Taihoku,  wo  sie  schon  sehr  selten  geworden  ist.  Häufig  findet
        <pb n="131" />
        142

sie  sich  in  den  Gebirgsgegenden  von  Mittel-  und  in  dem  Flachlande  von
Südformosa.  Es  gelang  Kinoshita,  an  der  Magenwand  dieser  Mücke
die  Oocysten  von  Plasmodium  immaculatum  zu  entwickeln.
d)  A.  Rossii  Giles.
Diese  Mücke  kommt  nur  bis  24°  n.  Br.  vor;  sehr  reichlich  ist  sie
in  der  mittleren  und  südlichen  Ebene  Formosas  vertreten,  besonders
in  den  Küstengegenden;  in  Ostformosa  tritt  sie  nur  spärlich  auf.  Die
Infizierungsversuche  von  Tsuzuki  fielen  positiv  aus,  die  von  Kinoshita
niemals.
e)  A.  (Myzomyia)  sp.  aus  TaitcG(Hatori).
Auch  diese  Spezies  wurde  zuerst  von  Hatori  gefunden  und  zwar
im  Sommer  1909  in  Taitö.  Die  Palpen  sowie  die  Thorax-  und  Hinterleibsbeschuppung
  sind  ganz  so  wie  bei  A.  Rossii.  Trotz  dieser  großen
Ähnlichkeit  mit  A.  Rossii  ist  sie  aber,  weil  sie  auf  den  Flügeln  andere  als
die  für  A.  Rossii  charakteristischen  T-förmigen  Flecke  aufweist,  leicht
davon  zu  unterscheiden;  außerdem  hat  sie  im  Gegensatz  zu  A.  Rossii
und  in  Übereinstimmung  mit  A.  punctulatus  und  A.  maculatus  deutlich ­
  getüpfelte  Schenkel  und  Tibien.  Die  Mücke  ist  in  Ost-  und  Südformosa ­
  sehr  häufig  und  dringt  mit  Vorliebe  in  die  menschlichen
Wohnungen  ein.  Die  Larven  leben  in  Tümpeln  und  Kanälen,  zuweilen ­
  gemeinsam  mit  Culexlarven.  Die  Beziehungen  der  Spezies  zur
Malaria  sind  noch  nicht  klargestellt.
f)  A.  maculatus  Theob.
A.  maculatus  kommt  in  Berggegenden  vor,  besonders  in  Mittel-,
Süd-  und  Ostformosa.  Zuweilen  findet  man  große  Larvenschwärme
in  den  Bächen.
g)  A.  fuliginosus  Giles.
Wie  A.  maculatus,  so  findet  sich  auch  diese  Mücke  in  Berggegenden. ­

h)  A.  Kochii  Dön.
Hiervon  wurde  nur  ein  einziges  Exemplar  gewonnen  und
zwar  von  Kinoshita  in  Kilung.
        <pb n="132" />
        Anopheles  sinensis  Wied.:  Flügel  (15mal  vergrößert)

143

Anopheles  sinensis  Wied.  &amp;lt;5  (9mal  vergrößert)
        <pb n="133" />
        —  145  —

Die  hygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.

10
        <pb n="134" />
        151

Um  die  Verteilung  der  einzelnen  Anophelenarten  zu  ermitteln,
hat  die  Kommission  zur  Erforschung  der  endemischen  und  epidemischen ­
  Krankheiten  im  Januar  1909  die  Mücken  in  großem  Maßstabe ­
  gesammelt.  Sie  entsandte  nach  verschiedenen  Gegenden  Mitglieder; ­
  außerdem  wurden  die  Kö-i  und  die  Polizeibeamten  zu
Hilfe  genommen.  Eine  Übersicht  über  die  auf  diese  Weise  ermittelte
Verteilung  der  Mückenarten  auf  den  Nord-,  Mittel-,  Süd-,  Ost-  und
Westbezirk  der  Insel  gibt  das  folgende  Schema.

Tabelle  XI.

Mückenart

Nordbezirk ­


Mittelbezirk ­


Südbezirk ­


Ostbezirk ­


Westbezirk ­


A.  sinensis  .  .  .

+

+

+

+

+

A.  Eistoni  .  .  .

+

4-+



+

—

A.  punctulatus  .

+

+

+

+

—

A.  Rossi  ....

—

-b

+

+

—

A.  sp.  aus  Taitö  .

—

—

+

+

—

A.  maculatus  .  .

—

+

+

+

—

A.  fuliginosus  .  .

+

+

+

+

—

(-)-  positives,  —  negatives  Vorkommen)

Die  meisten  Anophelenarten  finden  sich  also  im  Süd-,  Ost-  und
Mittelbezirk.  Im  Westbezirk,  d.  h.  auf  den  Pescadorinseln,  gibt  es
nur  eine  einzige  Art  (A.  sinensis).  Der  Menge  nach  kommen  die
Anophelen  am  reichlichsten  in  Süd-  und  Ostformosa  vor;  hier  ist  die
Malaria  sehr  intensiv  und  sehr  gefürchtet.  Die  wichtigen  Untersuchungen ­
  von  Kinoshita,  Miyajima  und  anderen  beschäftigten  sich
mit  den  Beziehungen  zwischen  bestimmten  Anophelenarten  und
den  Plasmodien,  d.  h.  den  Fieberarten.  Sowie  man  weiß,  welche
Anophelen  in  einem  Orte  Vorkommen,  weiß  man  auch,  welche  Arten
der  Malaria  dort  möglich  sind.  Folgende  Tabelle  zeigt  die  Ergebnisse
der  Blutsaugexperimente  von  Kinoshita,  Miyajima  u.  a.
        <pb n="135" />
        152

Tabelle  XII.

Tertia  nparasiten


Quartanparasiten


Tropicaparasiten


A.  sinensis  .  .

-f-  (Kinoshita,
Miyajima)

-j-  (Kinoshita)

—  (Kinoshita,
Miyajima)

A.  Eistoni  .  .

—  (Kinoshita,
Miyajima)

+  (Kinoshita,
Miyajima)

A.  punctulatus

+  (Kinoshita)

A.  Rossii  .  .  .

-J-  (Tsuzuki)
—  (Kinoshita)

—  (Kinoshita)

+  positive,  —  negative  Ergebnisse;  bedeutet  nicht  untersucht)

8.  Das  Schwarzwasserfieber.
Es  gibt  Orte,  wo  das  Schwarzwasserfieber  mit  Vorliebe  auftritt,
so  in  Karenkö,  Gozenjö,  Bokushikaku,  Seikoö  (sämtlich  im  Osten),
Hözan,  Akö  (im  Süden)  usw.  Es  kommt  ferner  am  häufigsten  bei
Japanern,  seltener  bei  Formosachinesen  und  fast  niemals  bei  Formosawilden ­
  vor;  zumeist  werden  Männer  in  den  besten  Jahren
davon  befallen.  Die  direkte  Veranlassung  zu  der  Krankheit  scheint
Mißbrauch  von  Chinin  bei  chronischen  Malariafällen  zu  sein.  Einmal ­
  kam  es  vor,  daß  ein  Japaner  zwei  Monate  nach  seiner  Ankunft
in  Formosa  von  der  Malaria  und  schon  nach  weiteren  zwei  Monaten
vom  Schwarzwasserfieber  heimgesucht  wurde;  das  ist  aber  eine
Seltenheit.  [  Die  Prognose  ist  bei  dem  Schwarzwasserfieber  im  allgemeinen ­
  sehr  schlecht,  doch  nahm,  nachdem  man  genügend  Erfahrung ­
  gesammelt  hatte,  die  Sterblichkeit  in  den  letzten  Jahren
sehr  stark  ab.  Nach  den  für  das  Jahr  1910  von  den  Regierungshospitälern ­
  und  von  den  Kö-i  erstatteten  Berichten  sind  in  diesem
Jahre  im  ganzen  49  Fälle  zu  verzeichnen  gewesen,  und  zwar  47  bei
Japanern  (42  bei  männlichen,  5  bei  weiblichen  Personen)  und  2  bei
Chinesen  (bei  männlichen  Personen).  41  Patienten  wurden  geheilt,
8  sind  gestorben.
        <pb n="136" />
        153

II.  Die  Bekämpfung  der  Malaria,
l.  Assanierung.
Die  Assanierung  der  Städte  und  Dörfer  ist  ungemein  wichtig;
sie  ist  bei  einer  auf  dauernde  Erfolge  ausgehenden  Bekämpfung
der  Malaria  das  wirksamste  Mittel  und  wird  daher  vom  Generalgouvernement ­
  systematisch  angestrebt.
2.  Maßregeln  gegen  die  Muskitos  bei  den  Schutztruppen.
Da  die  japanischen  Schutztruppen  in  den  ersten  Jahren  viel
unter  Malaria  zu  leiden  hatten,  so  ordnete  Baron  Koike,  der  damalige ­
  Generalstabsarzt  im  Kriegsministerium  zu  Tokio,  nachdem  er
Formosa  besichtigt  hatte,  im  Jahre  1901  an,  bei  der  Schutztruppe
in  Kilung  versuchsweise  gewisse  Antimuskitomaßregeln  anzuwenden.
Die  Türen  und  Fenster  der  Kaserne  wurden  mit  Drahtnetz  überspannt, ­
  und  die  auf  Nachtwache  stehenden  Mannschaften  mußten
eine  Maske  aus  Netzgewebe  und  dicke  Handschuhe  tragen.  Da  der
Versuch  glänzenden  Erfolg  hatte,  so  wurden  in  Taihoku,  Taichu  und
Tainan  ebenfalls  neue  Kasernen  mit  Schutzvorrichtungen  gegen
die  Mücken  erbaut.  Voraussetzung  zum  erfolgreichen  Gebrauch
solcher  muskitofester  Wohnungen  ist  freilich  gute  Disziplin.
Tabelle  XIII  zeigt  die  unter  den  Soldaten  in  den  Jahren  1897  bis
1909  durch  die  Malaria  verursachten  Erkrankungen  und  Todesfälle.
3.  Prophylaktische  Maßnahmen  in  Kösenpo  (Distrikt  Akö).
Die  Kampfergesellschaft  in  Kösenpo  hat  unter  den  oben  geschilderten ­
  Umständen  den  Kampf  gegen  die  Malaria  aufgenommen.
Dr.  Kinoshita,  der  die  I.eitung  hierbei  übernahm,  hat,  um  die  Endemizität
  festzustellen,  im  April  1907  bei  den  Bewohnern  von  Kösenpo
eine  Blutuntersuchung  vorgenommen  und  seit  dieser  Zeit  alle  Plasmodienträger ­
  sowie  sämtliche  Malariakranke  systematisch  behandelt.
Seit  Juli  desselben  Jahres  wurde  bei  allen  Angestellten  und  Arbeitern
der  Gesellschaft  und  bei  allen,  die  sonst  mit  ihr  in  Zusammenhang
standen,  sowie  auch  bei  den  Einwohnern  von  Kösenpo,  im  ganzen
bei  etwa  3500  Personen,  Kochs  Chininprophylaxis  in  Anwendung
gebracht.  Die  Zahl  der  Erkrankungs-  und  Todesfälle  vor  und  nach
der  Bekämpfung  konnte  nur  bei  den  Japanern  hinreichend  genau
festgestellt  werden;  vergl.  Tabelle  XIV.
        <pb n="137" />
        154

Da  die  Prophylaxis  sich  glänzend  bewährte,  so  wurde  sie  in
anderen  Malariagegenden  ebenfalls  befolgt,  z.  B.  in  Taitö,  Karenkö,
Gozenjö,  Bokusekikaku;  ferner  wurde  sie  bei  verschiedenen  Expeditionen ­
  durchgeführt,  auch  da  mit  Erfolg.

Tabelle  XIII.

Jahr

Erkrankungen  (%o)

Todesfälle  (°/ 00 )

1897

2724,3

17,3

1898

2493,9

19,3

1899

2351,6

23,9

1900

2345,5

20,7

1901

1768,2

11,5

1902

1142,7

7,1

1903

460,8

1,7

1904

213,8

1,1

1905

145,0

3,1

1906

280,31)

2,1

1907

528,1

2,1

1908

498,3

1,3

1909

599,9

2,2

4.  Die  Malariabekämpfung  in  Hokuto  (Distrikt  Taihoku).
Hokuto,  ein  10  km  nördlich  von  Taihoku  gelegener  Badeort,
galt  als  stark  malariaverdächtig.  Der  eigentliche  Badeort  (Bezirk  A)
hat  eine  gemischte  Bevölkerung,  bestehend  aus  etwa  100  Japanern ­
  und  etwa  300  Formosachinesen;  das  Dorf  Hokuto  selbst
(Bezirk  B),  das  von  dem  Badeort  durch  ein  saures,  seinen  Ursprung
den  Mineralquellen  verdankendes  Bächlein  getrennt  ist,  hat  etwa
1300  Einwohner  chinesischer  Abstammung.
*)  Die  scheinbare  Vermehrung  der  Erkrankungsziffer  seit  1906  ist  darauf
zurückzuführen,  daß  von  da  an  auch  leichtere  Fälle,  die  zum  Dienst  nicht
untauglich  machen,  mitgezählt  sind.  Im  übrigen  werden  die  Schwankungen
auch  durch  Strafexpeditionen  gegen  die  Wilden,  Feldübungen  u.  dgl.  bedingt.
        <pb n="138" />
        155

Tabelle  XIV.

Monat

Zahl  der
J  apaner

Erkrankungen ­
  an
Malaria

Todesfälle ­
  an
Malaria

Von  1000
J  apanern
erkrankten

Von  1000
J  apanern
starben

1906

Januar.  .  .

314

unbekannt

unbekannt

unbekannt

unbekannt

Februar  .

211

56

l

265,4

4,0

März

387

105

l

277,7

2,6

April

502

165

l

328,6

2,0

Mai

741

256

2

345,4

2,7

Juni

754

394

1

522,5

1,3

Juli

836

408

7

488,0

8,3

August...

1006

593

9

580,4

8,9

September

984

503

12

511,1

12,2

Oktober  .

1094

659

6

601,4

5,5

November

1229

579

14

411,1

11,4

Dezember

1364

496

5

363,6

3,7

1907

J  anuar.  ..

1494

329

1

220,2

0,6

Februar  .

1435

244

1

170,3

0,7

März  ....

1508

172

3

114,0

2,0

April  ....

1626

220

0

115,3

—

Mai

1708

243

1

200,8

0,4

Juni  ....

1806

274

2

151,7

1,1

Juli

1487

208

1

139,8

0,6

August...

ob'

1588

141

2

88,7

1,2

September

3

1604

76

1

47,3

0,6

Oktober  .

cT

1625

46

1

28,9

0,6

November

p
r-to&amp;gt;


1668

75

2

44,7

1,1

Dezember

1665

116

2

67,8

1,1

1908
Januar.  .  .

3
&amp;amp;
5'

1669

102

0

61,1

Februar..

er

1668

60

1

35,4

0,6

März  ....

p
'Ö

1675

44

0

36,2

—

April  ....

o

1674

58

0

34,6

—

Mai

£T

1883

92

0

48,0

—

Juni  ....

1918

127

0

66,2

—

Juli

3

1898

169

0

89,0

—

August.  .  .

3
3

1933

152

0

80,0

—

September

3
&amp;amp;

1949

168

2

86,2

1,0

Oktober  .

3
crq

1829

183

2

100,0

1,1

November

1282

169

3

132,0

2,2

Dezember

1258

143

1

114,4

0,8
        <pb n="139" />
        156

Tabelle  XV.

Perioden

Bezirk ­


Volksstamm

Zahl  der
Untersuchten ­


Plasmodienträger ­


Malariafälle

absol.

relativ

absol.

relativ

V  oruntersuchung

A {

J  apaner
Formosachin.

124
277

2
11

1,63
3,98

nicht

(26.  bis  29.  Juni

16

fest-1910)



B

Formosachin.

778

2,08

gestellt

Zusammen

1179

29

2,46

I.  Unter-A

 !

J  apaner

105

2

1,90

14

13,33

suchungsperiode

Formosachin.

263

23

8,74

5

1,90

(23.  Juli  bis

B

Formosachin.

145

12

8,27

7

0,58

15.  August  1910)

Zusammen

513

37

7,21

26

5,07

II.  Unter-A

 {

J  apaner

115

1

0,87

6

4,85

suchungsperiode

Formosachin.

276

9

3,26

2

0,71

(16.  August  bis

B

Formosachin.

1019

14

1,37

2

0,16

8.  Sept.  1910)

Zusammen

1410

24

1,70

10

0,71

III.  Unter-A

  i

J  apaner

102

0

—

1

0,89

suchungsperiode

A  I

P'ormosachin.

286

6

2,09

0

—

(9.  Sept.  bis

B

Formosachin.

1179

2

0,17

1

0,08

2.  Oktober  1910)

Zusammen

1567

8

0,51

2

0,13

IV.  Unter-A

 {

J  apaner

81

0

—

1

1,23

suchungsperiode

Formosachin.

279

2

0,72

0

—

(3.  bis  26.  Ok-B



Formosachin.

1184

9

0,75

1

0,08

tober  1910)

Zusammen

1544

11

0,71

2

0,13

V.  Untersuchung
(27.  bis  30.  Ok-A

 {

J  apaner
Formosachin.

91
278

0
3

1,08

0
1

0,36

tober  1910)

B

Formosachin.

1177

8

0,68

1

0,08

Zusammen

1546

11

0,71

2

0,13

Nachdem  im  Juni  1910  die  Endemizität  durch  Blutuntersuchung
festgestellt  worden  war,  begann  man  im  Juli  den  Kampf  gegen  die
Malaria.  Man  führte  ihn  durch  Assanierungsmaßnahmen,  vor  allem
aber  durch  systematische  Behandlung  der  Plasmodienträger  und
Malariakranken.  Diese  wurden  nach  Nocht  etwa  60  Tage  lang  mit
        <pb n="140" />
        157

Chinin  behandelt.  Die  Kinder  bekamen  statt  Chinin  Euchinin.
Denjenigen  Individuen,  die  starke  Milzvergrößerung  aufwiesen,
wurden  je  nach  Bedarf  2  oder  3  Monate  lang  Esanophelespillen
gegeben.  Die  Blutuntersuchungen  wurden  in  der  Zeit  von  Juli
bis  Oktober  aller  25  Tage  wiederholt,  insgesamt  also  fünfmal  vorgenommen. ­
  Im  ganzen  wurden  während  dieser  Zeit  120  Plasmodienträger ­
  und  42  Malariafälle  gezählt.  Die  Blutuntersuchung  wird  noch
weiter  fortgesetzt.
Die  Ergebnisse  dieser  Malariabekämpfung  in  Hokuto,  die  unter
Eeitung  von  Dr.  Hatori  ausgeführt  wurde,  veranschaulicht  Tabelle  XV.
5.  Oie  Malariabekämpfung  in  der  Zukunft.
Von  der  Wichtigkeit  der  Sache  überzeugt  und  zugleich  durch  die
günstigen  Erfolge  ermutigt,  hat  das  Generalgouvernement  beschlossen, ­
  mit  dem  Rechnungsjahre  1911—1912  die  Malariaprophylaxis ­
  im  großen  Maßstabe  anzuwenden.  In  Betracht  kommen
dabei  zunächst  die  Orte  Karenkö,  Bokusekikaku,  Seikoö  und  Taitö
(sämtlich  im  Osten),  Hözan  und  Akö  (im  Süden),  Chikutöki  (in
Mittelformosa)  und  Hokuto  (im  Norden).  So  dürfen  wir  hoffen,
Formosa  in  einigen  Jahren  gegen  das  epidemische  Auftreten  der
Malaria  gesichert  zu  haben.
        <pb n="141" />
        19.  Über  einige  endemische  Krankheiten.
1.  Lungendistomenkrankheit  (Paragonimiasis).
D iese  durch  Paragonimus  Westermanni  Kerbert  (Distoma  pulmonale ­
  Balz)  verursachte  Krankheit  wurde  zum  ersten  Male
beim  Menschen  festgestellt  im  Jahre  1879  durch  Dr.  Ringer
und  zwar  in  Tamsui  (Nordformosa).  In  der  nördlichen  Hälfte  der
Insel  findet  man  sie  fast  überall,  ab  und  zu  auch  bei  Japanern.
Am  häufigsten  kommt  sie  in  und  bei  Jukirin,  Nanshö  und  Shinchiku
im  Distrikt  Shinchiku  sowie  in  und  bei  Shinkö  und  Oshöshü  im  Distrikt ­
  Taihoku  vor.  Diese  Ortschaften  liegen  meist  an  Bächen.  Die
Krankheit  scheint  auch  unter  den  in  den  nördlichen  Gebirgen
wohnenden  Wilden  zu  herrschen,  doch  läßt  sich  näheres  darüber  zurzeit ­
  nicht  angeben.
Unter  den  im  Jahre  1909  im  Regierungshospital  zu  Shinchiku
behandelten  1701  Kranken  waren  482  Personen  mit  Erkrankungen
der  Atmungsorgane  und  unter  diesen  120  Rungendistomenkranke.
Diese  machten  also  ein  Viertel  aller  Kranken  mit  Störungen  der
Atmungsorgane  aus.  Dr.  Matsuo  von  demselben  Hospital  fand  unter
689  Einwohnern  von  Shinchiku  10,74  %  (74)  mit  Distomeneiern
behaftet.  Ferner  wurden  im  Oktober  1910  bei  25  von  den  104  im
Alter  von  7—20  Jahren  stehenden  formosachinesischen  Schülern
der  Volksschule  zu  Nanshö  durch  Sputumuntersuchung  Distomeneier
  festgestellt.  Um  die  Verbreitung  dieser  Krankheit  unter  Tieren
nachzuweisen,  hat  Dr.  Kubo  von  der  medizinischen  Schule  zu  Taihoku
mehrere  herrenlose  Hunde,  die  zu  anderen  Zwecken  getötet  worden
waren,  genau  untersucht  und  dabei  gefunden,  daß  in  Sinchiku
3  von  7,  in  Nanshö  3  von  5,  in  Jukirin  sogar  alle  6  untersuchten
Tiere  mit  Parasiten  behaftet  waren.
2.  Anchylostomiasis.
Diese  durch  Anchylostomum  duodenale  Dubini  verursachte
Krankheit  ist  auf  Formosa  überall  verbreitet.  Besonders  häufig
        <pb n="142" />
        159

werden  Bauern  davon  befallen.  Die  auf  der  Insel  so  häufige  Anämie
wird  zum  größten  Teile  durch  Malaria  und  Anchylostomiasis  bedingt.
Die  Zahl  der  in  den  letzten  fünf  Jahren  in  den  beiden  Hospitälern ­
  zu  Taihoku  —  in  dem  Regierungshospital  und  in  dem  Hospital
vom  Roten  Kreuz  —  behandelten  Kranken  betrug  im  ganzen
692:  66  Japaner  (45  männliche  und  21  weibliche)  und  626  Formosachinesen ­
  (616  männliche  und  10  weibliche).
3.  Kropf  (Struma).
Die  Verbreitung  dieser  Krankheit  auf  Formosa  ist  durch  Prof.
Dr.  J.  Nagano  vom  Regierungshospital  zu  Taihoku  genau  studiert
worden.  Nach  ihm  gab  es  im  Jahre  1910  im  ganzen  4896  Kropfkranke ­
  auf  der  Insel.  Diese  Zahl,  die  in  Wirklichkeit  wahrscheinlich
noch  höher  ist,  verteilt  sich  auf  die  einzelnen  Distrikte  wie  folgt:

Distrikt

Männer

Frauen

Zusammen

Taihoku

19

71

90

Kilung

2

1

3

Shinkö

4

3

7

Giran

2

54

56

Töyen

20

92

112

Shinchiku  und  Byörizu  .  .

112

375

487

Taichu

133

652

785

Nanto

134

487

621

Shöka

60

427

487

Toroku

139

553

692

Kagi

64

262

326

Yensuikö

5

10

15

Tainan

4

4

Hözan

1

6

7

Akö

125

517

642

Banshoryö

15

93

108

Köshun

1

10

11

Taitö

142

298

440

Höko

2

1

3

Zusammen

980

3916

4896
        <pb n="143" />
        160

Kretin  (formosachinesischer  Knabe  aus  dem  Distrikt  Nanto)

Die  Krankheit  scheint  in  gewisser  Beziehung  zu  den  Flüssen
zu  stehen;  sie  kommt  nämlich  am  häufigsten  an  Flußufern  vor.
Diese  Tatsache  zeigt  sich  besonders  deutlich  bei  dem  Dakusui.  Der
        <pb n="144" />
        161

Lauf  dieses  Flusses  hat  eine  bedeutende  Länge.  Seine  Ufer  sind  bis
tief  in  das  Innere  hinein  bewohnt.  Im  allgemeinen  nehmen  hier  die
Krankheitsfälle  zu,  je  weiter  die  Ansiedlungen  stromaufwärts  liegen.

Kretinen  (Vater  und  seine  beiden  Kinder;  Wilde  aus  dem  Distrikt  Nanto)
Die  hygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.  11
        <pb n="145" />
        —  162  —

So  sind  die  Wilden,  die  ganz  oben  an  dem  hier  Gundai  genannten
Flusse  wohnen,  bis  zu  50  vom  Hundert  mit  Struma  behaftet.
Frauen  werden  viel  öfter  (80%)  von  dieser  Krankheit  befallen
als  Männer  (20  %).  Nach  dem  Alter  gestalteten  sich  die  Fälle
folgendermaßen.  Von  den  4896  Kranken  standen
650  im  Alter  bis  zu  10  Jahren,
508  im  Alter  von  11—15  Jahren,
990  im  Alter  von  16—20  Jahren,
1166  im  Alter  von  21—30  Jahren,
944  im  Alter  von  mehr  als  30  Jahren.
Bei  638  war  das  Alter  nicht  zu  ermitteln.
Die  Kranken  sind  dem  Berufe  nach  zum  allergrößten  Teile
Bauern,  was  nach  den  lokalen  Verhältnissen  auch  nicht  anders  zu
erwarten  ist.  Welche  Rolle  die  Erblichkeit  bei  der  Kropfkrankheit
spielt,  ist  noch  nicht  geklärt.  Erhebungen,  die  in  einem  Teile  des
Distrikts  Nanto  über  154  Kranke  angestellt  wurden,  ergaben,  daß
bei  106  erbliche  Belastung  vorlag  und  bei  48  nicht.
1.  Die  106  erblich  Belasteten  zerfielen  in  drei  Gruppen.
a)  Zu  der  ersten  Gruppe  gehören  alle  die,  deren  Familie  Generationen ­
  hindurch  in  einer  Kropfgegend  gewohnt  und  schon  mehrere
Generationen  hindurch  an  Kropfkrankheit  gelitten  hat.  Ihre  Zahl
beträgt  55.
b)  Mehrere  Jahre  nach  Übersiedlung  in  eine  kropffreie  Gegend
sind  erkrankt  11.
c)  Die  dritte  Gruppe  besteht  aus  denjenigen  erblich  Belasteten,
die  in  einem  Kropforte  geboren  und  nach  Übersiedlung  in  einen
anderen  Kropfort  erkrankt  sind.  Von  solchen  fanden  sich  40.
2.  Die  48  erblich  nicht  Belasteten  sind  in  zwei  Gruppen  zu
scheiden.
a)  Die  eine  Gruppe  setzt  sich  aus  solchen  zusammen,  deren
Familie  Generationen  hindurch  in  einer  Kropfgegend  gewohnt  hat
und  die  in  einem  Kropforte  geboren  sind.  Hierher  gehören  27.
b)  Zu  der  anderen  Gruppe  zählen  alle  die,  deren  Familie  nicht
aus  einer  Kropfgegend  stammt  und  die  nicht  in  einem  Kropforte
geboren,  sondern  erst  nach  Übersiedlung  in  einen  Kropfort  erkrankt ­
  sind.  Es  sind  21.
        <pb n="146" />
        164

Da  sich,  wie  betont,  die  Krankheit  meist  an  Flußufern  findet,
das  Trinkwasser  der  Kropforte  aber  entweder  unmittelbar  aus  den
Flüssen  oder  aber  aus  nahe  an  den  Flüssen  gelegenen  Flachbrunnen
genommen  wird,  so  wird  man  zu  der  Vermutung  geführt,  daß  ihre
Ursache  in  dem  Trinkwasser  zu  suchen  ist.  Man  hat  z.  B.  auch  beobachtet, ­
  daß  längs  eines  gewissen  Baches,  der  einem  bestimmten
Flusse  zuströmt,  viele  Erkrankungen  vorkamen,  während  an  einem
anderen  Bache,  der  unweit  von  dem  ersten  Bache  fließt  und  in  denselben ­
  Fluß  mündet,  gar  keine  Erkrankungen  auftraten.  Nach  Prof.
Dr.  Kishi,  der  früher  auf  Formosa  tätig  war,  soll  schwache  Bindungsfähigkeit ­
  des  Wassers  zu  Jod  ein  charakteristisches  Merkmal  des
sogenannten  Kropfwassers  sein.
Der  auf  Formosa  vor  kommende  Kropf  ist  in  den  allermeisten
Fällen  Struma  parenchymatosa;  in  weitem  Abstande  folgt  sodann
Struma  fibrinosa;  Struma  cystosa  und  Struma  vasculosa  sind  äußerst
selten.  —
Kretinen  gibt  es  in  den  Kropfgegenden,  besonders  in  den  Gebirgen ­
  des  Distrikts  Nanto.  Eine  Expedition,  die  im  Januar  1910
von  dem  Generalgouvernement  entsandt  wurde  und  bei  der  sich
Prof.  Kure  von  der  Universität  Tokio  und  Prof.  Nagano  von  dem
Regierungshospital  zu  Taihoku  befanden,  hat  das  Gundai-Gebirge
(3200  m)  überstiegen  und  sich  in  das  als  Kretinenort  bekannte
Wildendorf  Motzu-sha  begeben.  Hier  hat  sie  zahlreiche  Kretinen
untersucht  und  interessante  Forschungsergebnisse  mitgebracht.
        <pb n="147" />
        20.  Das  Opium.

D as  Opiumrauchen  ist  in  Formosa  seit  Jahrhunderten  eingebürgert. ­
  Es  dient  nicht  nur  zur  Befriedigung  krankhafter ­
  Gelüste  schlechthin,  sondern  es  wird  auch  bei
manchen  Krankheiten,  weil  ihm  die  abergläubischen  Formosachinesen
wunderbare  Heilkraft  zuschreiben,  anstatt  der  Medizin  zur  augenblicklichen ­
  Linderung  der  Schmerzen  benutzt.  Es  geschieht  dies
natürlich  besonders  dann,  wenn  irgend  ein  Familienmitglied  jenem
Laster  frönt.  Eine  weitere  Ursache  für  die  Verbreitung  des  Opiumrauchens ­
  lag  in  der  Sitte,  bei  Besuchen  Opium  aus  Gründen  der
Gastfreundschaft  anzubieten.
Es  ist  stets  schwer,  einem  Volke  ein  Genußmittel,  auch  wenn  es
noch  so  schädlich  ist,  abzugewöhnen.  Und  es  wäre  auch  ebenso
gefährlich  als  erfolglos  gewesen,  das  mit  Anschauung  und  Sitte  der
Formosachinesen  so  eng  verwachsene  Opiumrauchen  gewaltsam  und
plötzlich  zu  unterdrücken;  vielmehr  mußte  man  sich  bestreben,  den
Opiumgenuß  auf  die  bisherigen  Konsumenten  zu  beschränken  und
dafür  zu  sorgen,  daß  das  Laster  mit  diesen  aussterben  werde,  darüber
hinaus  aber  auf  jeden  Fall  den  Versuch  einer  allmählichen  Aufklärung ­
  und  Heilung  machen.  Zu  den  Maßnahmen,  die  man  im
Sinne  des  ersten  Zieles  ergriff,  sind  die  Grundlagen  in  dem  Opiumgesetz ­
  vom  Januar  1897  gelegt  worden.  Die  zugehörigen  Ausführungsbestimmungen ­
  wurden  im  März  desselben  Jahres  erlassen.
Da  jedoch  das  Gesetz  wegen  der  auf  der  Insel  herrschenden  Unruhen
nicht  überall  gleichzeitig  durchgeführt  werden  konnte,  hat  man  es
zunächst  nur  in  der  Hauptstadt  Taihoku  und  erst  nach  und  nach
in  den  anderen  Städten  sowie  auf  dem  platten  Lande  in  Kraft
gesetzt;  seit  Dezember  1897  ist  es  auf  der  ganzen  Insel  in  Geltung.
Durch  dieses  Gesetz  wurde  die  Verarbeitung  des  Rohopiums  zu
Tschandu,  d.  h.  zu  rauchbarem  Opium,  zum  Staatsmonopol  erhoben.
Demgemäß  wurde  Privaten  Einfuhr  und  Verarbeitung  von  Opium
streng  verboten  und  die  gesamte  Tschanduproduktion  der  pharma ­
        <pb n="148" />
        166

zeutischen  Anstalt  überwiesen,  an  deren  Stelle  dann  die  Opiumpastenfabrik
  des  Monopolamts  trat.  Es  werden  durch  das  Monopolamt ­
  drei  Sorten  Tschandu  von  verschiedener  Güte  hergestellt.  Zur
ersten  Sorte  wird  indisches,  zur  zweiten  und  dritten  Sorte  hauptsächlich ­
  persisches  und  chinesisches  Opium  verwendet.  Die  folgende
Tabelle  zeigt,  welche  Quantitäten  während  der  Geltung  des  Gesetzes
verkauft  und  welche  Summen  dafür  vereinnahmt  wurden.

Jahr

Verkaufte  Mengen  in  kg

Gesamtpreis

1.  Sorte

2.  Sorte

3.  Sorte

zusammen

in  Yen

1897

1  014

7  331

42  845

51  190

930  314,955

1898

2  370

23  051

134  102

159  523

3  434  775,539

1899

3  047

43  584

151  242

197  873

4  480  122,397

1900

11  194

51  160

138  573

200  927

4  673  868,092

1901

17  876

24  088

95  528

137  492

3  542  951,830

1902

22  881

10  919

92  894

126  694

3  191  762,667

1903

41  862

2  222

95  146

139  230

3  730  923,469

1904

54  106

166

93  247

147  519

4  129  900,516

1905

66  965

65

90  834

157  864

4  627  786,275

1906

84  126

49

70  914

155  089

4  914  741,648

1907

95  639

1

45  482

141  122

4  852  889,613

1908

107  527

—

35  483

143  010

5  126  342,114

1909

102  115

—

45  865

147  980

5  123  130,831

Wie  die  Herstellung,  so  wurde  auch  der  Vertrieb  des  Tschandu
von  dem  Monopolamt  übernommen.  Das  Monopolamt  versendet  das
Tschandu  an  die  Distriktämter,  und  diese  liefern  den  erforderlichen
Bedarf  unter  Gewährung  von  gewissem  Rabatt  an  vertragsmäßig
verpflichtete  formosachinesische  Zwischenhändler,  die  dann  ihrerseits
das  Tschandu  zu  festen  Tarifsätzen  an  bestimmte  formosachinesische
Wiederverkäufer  zum  Kleinhandel  weitergeben.  Man  hat  aber  nicht
nur  den  Opiumhandel,  sondern  auch  die  Haltung  von  Opiumhöhlen
sowie  Herstellung  und  Vertrieb  von  Opiumrauchzeug  von  staatlicher
Konzession  abhängig  gemacht.  Konzessioniert  waren  Ende  1909
insgesamt  1032  Personen,  und  zwar:
        <pb n="149" />
        167

Die  Fabriken  des  Monopolamts

für  Wiederverkauf  von  Tschandu  886,
für  Herstellung  und  zugleich  für  Vertrieb  von  Opiumrauchzeug ­
  32,
für  Wiederverkauf  von  Opiumrauchzeug  37,
für  Haltung  von  Opiumhöhlen  73,
für  Großhandel  mit  gepulvertem  Opium  zu  Arzneizwecken  .  2. 1 )

Vor  allem  wird  natürlich  der  Konsum  an  Tschandu  überwacht.
Es  wurde  in  dem  Opiumgesetz  angeordnet,  daß  zum  Opiumrauchen
eine  besondere  Erlaubnis  eingeholt  werden  müsse.  Ursprünglich
sollten  alle  gewohnheitsmäßigen  Opiumraucher  im  Laufe  von  fünf
Monaten  mit  einem  Erlaubnisschein  versehen  und  in  eine  Liste  eingetragen ­
  sein.  Da  aber  die  Verhältnisse  auf  Formosa  noch  nicht  gehörig ­
  geordnet  waren  und  auch  noch  keine  vollkommene  Ruhe  im
Volke  herrschte,  so  zog  sich  die  Feststellung  der  Opiumraucher  etwas
in  die  Länge,  so  daß  sie  erst  im  September  1900  ihren  Abschluß
fand.  In  Zukunft  sollte  niemand  mehr  zum  Opiumrauchen  zuge-*)

  Opium  zu  Arzneizwecken  darf  nur  von  Apothekern  und  Drogenhändlern ­
  verkauft  werden
        <pb n="150" />
        168

Das  Innere  der  Opiumfabrik  des  Monopolamts

lassen  werden,  es  sei  denn,  daß  ein  gewohnheitsmäßiger  Opiumraucher ­
  seinerzeit  aus  irgend  welchen  Gründen  nicht  in  die  Liste  aufgenommen ­
  worden  war.  Auf  diese  Weise,  hoffte  man,  werde  sich  das
Opiumrauchen  nicht  über  die  bisherigen  Raucher  hinaus  verbreiten.
Gänzlich  freilich  konnte  man  dies  infolge  der  oben  angedeuteten
Sitten  und  Gewohnheiten  nicht  verhindern.  Da  es  sich  herausstellte,
daß  im  Laufe  der  Zeit  unvermerkt  ziemlich  viele  Individuen  von
jenem  Laster  angesteckt  worden  waren,  so  wurden  zweimal,  in  den
Jahren  1904  und  1908,  außerordentliche  Verfügungen  erlassen  und
den  inzwischen  neu  festgestellten  Opiumrauchern  die  Raucherlaubnis
erteilt.  Zu  gleicher  Zeit  wurden  die  Ausführungsbestimmungen  zum
Opiumgesetz  mit  Rücksicht  auf  die  seither  zutage  getretenen
Mängel  einer  Revision  unterworfen:  es  sollte  für  einen  jeden  Raucher
die  täglich  zulässige  Dosis  festgesetzt,  Einkauf  und  Besitz  von  Dosen
für  mehr  als  zwei  Tage  verboten  und  den  Kleinhändlern  vorgeschrieben ­
  werden,  das  jemals  gekaufte  Quantum  sowie  das  Datum
des  Einkaufs  in  ein  dem  Konsumenten  abzuverlangendes,  behördlich
gestempeltes  Buch  einzutragen.
        <pb n="151" />
        169

Die  erwähnten  Verhältnisse  und  Maßregeln  brachten  es  selbstverständlich ­
  mit  sich,  daß  die  Zahl  der  in  der  Diste  geführten  Opiumraucher ­
  ziemlich  beweglich  war.  In  der  Zeit  von  der  Einführung  des
Opiumgesetzes  bis  zum  Jahre  1900  wuchs  sie  begreiflicherweise  beständig, ­
  weil  eben  immer  neue  Raucher  zugeschrieben  wurden.  Nach
Abschluß  der  Liste  im  September  1900,  wo  sie  169  064  betragen
hatte 1 ),  verminderte  sie  sich  jährlich  um  7000—8000.  Dann  ging
sie  natürlich  in  den  beiden  Jahren  1904  und  1908  wieder  in  die  Höhe.
Im  ganzen  jedoch  betrug  sie  Ende  1909  59  109  weniger  als  zur  Zeit
des  Listenabschlusses.  Hierzu  vergleiche  man  die  folgende  Tabelle.

Die  mit  Erlaubnis  ausgestatteten  Opiumraucher.

Am  Ende
des  Jahres

Zahl
der  opiumrauchenden ­

Männer

Zahl
der  opiumrauchenden ­

Frauen

Zusammen

Auf  100
Einwohner
entfielen
Opiumraucher ­


Zu-  und
Abnahme  der
Opiumraucher

1897

47  688

2  909

50  597

2,09

1898

88  486

6  963

95  449

3,64

+  44  852

1899

121  602

9  360

130  962

4,97

+  35  513

Sept.  1900

155  975

13  089

169  064

6,30

+  38  102

1900

152  950

12  802

165  752

6,18

—  3  312

1901

145  267

12  352

157  619

5,66

—  8  133

1902

130  149

13  343

143  492

5,04

—  14  127

1903

119  959

12  944

132  903

4,53

—  10  589

Sept.  1904

113  434

12  431

125  915

4,26

■  6  988

1904

123  228

14  724

137  952

4,69

+  12  037

1905

115  462

15  014

130  476

4,21

—  7  476

1906

107  199

14  131

121  330

4,01

—  9  146

1907

99  883

13  282

113  165

3,72

—  8  165

1908

105  019

14  972

119  991

3,86

+  6  826

1909

96  032

13  923

109  955

3,52

—  10  036

*)  vor  dem  Inkrafttreten  des  Gesetzes  hatte  man  auf  Grund  eingehender
Erhebungen  festgestellt,  daß  die  Einfuhr  an  Rohopium  im  Durchschnitt
400000  Kin  (240602  kg)  betrage,  und  unter  der  Annahme,  daß  jeder  Raucher
täglich  1  Momme  (3,75  g)  konsumiere,  die  Zahl  der  Opiumraucher  auf  170  bis
180000  geschätzt
        <pb n="152" />
        170

Eine  besondere  Stellung  hatte  man  den  chinesischen  Untertanen
gegenüber  eingenommen.  Es  war  ihnen  in  der  ersten  Zeit  der  japanischen ­
  Herrschaft  das  Opiumrauchen  streng  verboten.  Erst  im  Jahre
1904,  nachdem  die  Regelung  des  Opiumkonsums  Wurzel  gefaßt  hatte
und  nicht  mehr  zu  befürchten  war,  daß  sie  durch  die  Zulassung  der
chinesischen  Untertanen  zum  Opiumrauchen  beeinträchtigt  werden
würde,  beschloß  man,  ihnen  vom  Januar  1905  ab  jemals  auf  ein  Jahr
die  Raucherlaubnis  zu  erteilen,  jedoch  unter  der  Bedingung,  daß  der
Erlaubnisschein  auch  während  der  zugestandenen  Frist  zurückgegeben ­
  werden  müsse,  sobald  sein  Inhaber  Formosa  verlasse.  Diese
Anordnung  schien  vor  allem  auch  deshalb  geboten,  weil  infolge  des
Aufschwungs  der  Industrie  allenthalben  lebhafte  Nachfrage  nach
Arbeitskräften  herrschte.  Sie  war  am  bequemsten  aus  den  Formosa
gegenüberliegenden  südchinesischen  Küstengegenden  zu  decken,  aber
das  Verbot  des  Opiumrauchens  schreckte  die  Arbeiter  ab.  Deshalb
wurde  der  obige  Beschluß  zur  Ausführung  gebracht  und  zwar  aus
begreiflichen  Gründen  gleichzeitig  mit  der  Veröffentlichung  einer
Kontrollordnung  für  die  chinesischen  Arbeiter.  Hiernach  erlangen
jährlich  1000  bis  1500  Arbeiter  die  Erlaubnis  zum  Opiumrauchen,  im
Jahre  1909  z.  B.  1530  Männer  und  23  Frauen.
Die  Aufsicht  über  die  sämtlichen  mit  dem  Opium  in  Zusammenhang ­
  stehenden  Einrichtungen  und  Maßnahmen  wurde  seit  Errichtung
des  Zivil  Verwaltungsamtes  im  April  1896  durch  das  Sanitätsbureau
geführt  und  ist  ständig  bei  diesem  geblieben;  bei  den  Distriktämtern ­
  wurden  die  Opiumsachen  von  Anfang  an  durch  die  Polizeiabteilungen ­
  erledigt.  In  Taihoku,  Tainan  und  anderen  wichtigeren
Konsumtionsorten  wurden  eine  Anzahl  Schutzleute  ausschließlich
zur  Beaufsichtigung  der  Opiumraucher  bestellt.
Mit  diesem  maßvoll  prohibitiven  Vorgehen  verbanden  sich  jedoch
positive  Maßregeln.  Man  klärte  nicht  nur  die  Jugend  in  der  Schule
über  die  mit  dem  Opiumgenusse  verknüpften  schweren  Schädigungen
auf,  sondern  ging  vor  allem  auch  darauf  aus,  Individuen,  die  von
selbst  den  Wunsch  hatten,  sich  das  Opiumrauchen  abzugewöhnen,
die  Heilung  zu  ermöglichen.  Daher  setzte  das  Generalgouvernement
bei  der  Kommission  für  Gesundheitspflege  ein  besonderes  Komitee
ein  mit  dem  Aufträge,  ein  wirksames  Heilverfahren  zu  erforschen.
Später  wurde  dieses  Arbeitsfeld  der  Kommission  zur  Erforschung
        <pb n="153" />
        171

der  endemischen  und  epidemischen  Krankheiten  überwiesen.  Ferner
wurden  die  Regierungshospitäler  und  die  Kö-i  mit  der  Durchführung
therapeutischer  Versuche  beauftragt.  Im  Hospital  zu  Taichu  wurden
vom  Herbst  1903  bis  zum  Frühjahr  1907  von  einem  Mitglied  der
Kommission  zur  Erforschung  der  endemischen  und  epidemischen
Krankheiten  521  Opiumgewohnheitsraucher  behandelt,  wovon  89  von
ihrem  Raster  befreit  wurden.  Von  den  Kö-i  sind  in  den  Jahren  1900
bis  1909  1825  Personen  behandelt  worden,  davon  563  mit  Erfolg.
Freilich  befanden  sich  unter  den  Geheilten  auch  viele,  die  sich  aus
Willensschwäche,  oder  weil  das  Leiden,  das  sie  durch  das  Opiumrauchen ­
  hatten  mildern  wollen,  wiederkehrte,  dem  Tschandu  von
neuem  zuwandten.
Als  Mittel  zur  Bekämpfung  der  durch  das  Opiumrauchen  hervorgerufenen ­
  Schädigungen  bewährte  sich  nach  den  bisherigen  Erfahrungen ­
  salzsaures  Heroin  am  besten.  Neuerdings  wird  Takasagosö
(Eactuca  versicolor  Sch.  Bisp.),  ein  auf  Formosa  wildwachsendes
Kraut,  als  Gegenmittel  versucht.  Es  scheint  bei  leichten  Fällen  von
Wirkung  zu  sein
Leider  zeigt  sich  hier  und  da  die  Unsitte,  anstatt  Opium  zu
rauchen,  die  noch  verderblicheren  Opiumpillen  und  Morphinpräparate
zu  benutzen.  Es  geschah  dies  besonders  auf  der  Reise  und  von  seiten
der  Armen.  Als  infolge  der  1909  in  Schanghai  abgehaltenen  Opiumkonferenz ­
  die  Preise  für  das  Tschandu  stiegen,  nahm  der  Konsum
an  Pillen  und  Morphin  zu;  sie  wurden  in  ziemlich  beträchtlichen
Mengen  aus  China  eingeschmuggelt.  Diesem  Schmuggel  wird  jetzt
durch  die  Zollämter  und  durch  die  an  der  Küste  stationierte  Polizei
mit  großer  Aufmerksamkeit  entgegengetreten.
        <pb n="154" />
        21.  Arznei-  und  Giftpflanzen. 1 )

I.  Liste  der  Arzneipflanzen.
In  dieser  Liste  sind  nicht  nur  solche  Arzneipflanzen,  welche  in
Arzneibüchern  enthalten  sind,  aufgezählt,  sondern  auch  andere,  die
als  Volksmittel  gebraucht  werden.

PHANEROGAMAE.
ANGIOSPERMAE.
DICOTYLEDONES.
Ranunculaceae.
1.  Clematis  chinensis  Retz.
Magnoliaceae.
2.  Kadsura  japonica  L.
3.  Magnolia  grandiflora  L.
Anonaceae.
4.  Anona  squamosa  L.
5.  Artabotrys  odoratissimus  R.  Br.
Menispermaceae.
6.  Cocculus  laurifolius  DC.
7.  Cocculus  Thunbergii  DC.
Berberideae.
8.  Berberis  nepalensis  Spreng.
9.  Podophyllum  pleianthum  Ilanee.
Von  den  Formosacbinesen  bei  Schlangenbissen  gebraucht.
J )  die  Listen  der  Arznei-  und  Giftpflanzen  sind  unter  Zuhilfenahme
von  A  List  of  Plants  of  Formosa  by  Dr.  Takiya  Kawakami  (Taihoku  1910)
zusammengestellt.
        <pb n="155" />
        173

Nymphaeaceae.
10.  Euryale  ferox  Salish.
11.  Nelumbo  nucifera  Gaertn.
Sowohl  der  Samen  als  auch  die  Staubfäden  werden  als
Arzneimittel  gebraucht,  die  letzteren  besonders  als  Gegengift, ­
  z.  B.  bei  Opiumvergiftung,  um  durch  Erbrechen  die
Entfernung  des  Giftes  zu  bewirken.
Papaveraceae.
12.  Argemone  mexicana  L.
13.  Corydalis  pallida  Pers.
14.  Papaver  somniferum  L.
Crucifereae.
15.  Brassica  juncea  Hook,  et  T.
16.  Rhaphanus  sativus  L.
Capparideae.
17.  Crataeva  religiosa  Porst.
18.  Palanisia  viscosa  DC.
Bixineae.
19.  Bixa  orellana  L.
Polygaleae.
20.  Polygala  japonica  Houtt.
Caryophylleae.
21.  Sagina  Linnaei  Presl.  var.  maxima  Max
22.  Stellaria  aquatica  Scop.
23.  Stellaria  uliginosa  L.
Porthulacaceae.
24.  Porthulaca  oleracea  L.
Hypericineae.
25.  Hypericum  cliinense  L.
26.  Hypericum  japonicum  Thunb.
27.  Hypericum  patulum  Thunb.
28.  Hypericum  Sampsoni  Hance.
Guttiierae.
29.  Calophyllum  inophyllum  L.
        <pb n="156" />
        174

Ternstroemiaceae.
30.  Ternstroemia  japonica  Thunb.
31.  Thea  cliinensis  Sims.
Malvaceae.
32.  Abutilon  indicum  G.  Don.
33.  Boinbax  malabaricum  DC.
34.  Gossypium  herbaceum  L.
35.  Hibiscus  Abelmoschus  L.
36.  Hibiscus  rosa-sinensis  L.
37.  Hibiscus  syriacus  L.
38.  Hibiscus  tiliaceus  L.
39.  Malva  sylvestris  L.
40.  Sida  acuta  Burm.
41.  Thespesia  populnea  Corr.
42.  Urena  sinuata  L.
Sterculiaceae.
43.  Kleinhoriea  Hospita  L.
44.  Sterculia  platanil'olia  L.
Zygophylleae.
45.  Tribuius  terrestris  L.
Geraniaceae.
46.  Averrhoa  Carambola  L.
47.  Biophytum  sentivum  DC.
48.  Geranium  nepalense  Sweet.
49.  Oxalis  corniculata  L.
Rutaceae.
50.  Citrus  aurantium  L.  var.  decumana  Bonavia.
51.  Citrus  nobilis  Lour.
52.  Clausena  Wampi  Olive.
53.  Murraya  exotica  L.
54.  Murraya  Koenigii  Spreng.
Burseraceae.
55.  Canariuin  album  Raeusch.
        <pb n="157" />
        175

Meliaceae.
56.  Cedrela  sinensis  A.  Juss.
57.  Melia  Azedarach  L.
Ilicineae.
58.  Ilex  integra  Thunb.
Celastrineae.
59.  Celastrus  articulatus  Thunb.
Rhamnaceae.
60.  Zizyphus  jujuba  Lam.
61.  Zizyphus  vulgaris  Lam.
Ampelideae.
62.  Vitis  japonica  Thunb.
63.  Vitis  labrusca  L.  var.  Thunbergii  Fr.  et  Sav.
Sapindaceae.
64.  Euscaphis  japonica  Pax.
65.  Nephelium  Litchi  Camb.
66.  Nephelium  Longan  Camb.
67.  Sapindus  Mukurosi  Gaertn.
Anacardiaceae.
68.  Mangifera  indica  L.
69.  Rhns  semi-alata  Murr.
70.  Rhus  succedanea  L.
Leguminosae.
71.  Abrus  precatorius  L.
72.  Acacia  Farnensiana  Willd.
73.  Arachis  hypogaea  L.
74.  Caesalpinia  Bonducella  Flem.
75.  Caesalpinia  pulcherrima  Sw.
76.  Canavalia  ensiformis  DC.
77.  Cassia  alata  L.
78.  Cassia  mimosoides  L.
79.  Cassia  occidentalis  L.
80.  Cassia  Tora  L.
81.  Clitoria  Ternatea  L.
82.  Desmodium  Iaburnifolium  DC.
        <pb n="158" />
        176

83.  Dolichos  lablab  L.
84.  Entada  scandens  Benth.
85.  Erytlirina  indica  Lam.
86.  Indigolera  Anil  L.
87.  Phaseolus  radiatus  L.  var.  typica  D.  Prain.
88.  Phaseolus  Mungo  L.
89.  Pongamia  glabra  Vent.
90.  Pterocarpus  indicus  Willd.
91.  Pueraria  Thunbcrgiana  Benth.
92.  Khynchosia  volubilis  Lour.
93.  Sopliora  flavescens  Ait,
94.  Tamarindus  indica  L.
Rosaceae.
95.  Eriobotrya  japonica  Lindl.
96.  Potentilla  chinensis  Ser.
97.  Prunus  Mume  S.  et  Z.
98.  Prunus  persica  S.  et  Z.
99.  Rosa  laevigata  Mich.
100.  Rosa  multiilora  Thunb.
Saxifragaceae.
101.  Deutzia  scabra  Thunb.
102.  Hydrangea  chinensis  Max.
103.  Saxilraga  sarmentosa  L.
Hamamelideae.
104.  Distylium  racemosum  S.  et  Z.
105.  Liquidamber  forrnosana  Hanoe.
Combretaceae.
106.  Quisqualis  indica  L.
107.  Terminalia  Cattapa  L.
Myrtaceae.
108.  Eugenia  Jambos  L.
109.  Psidium  Guyava  L.
Lythraceae.
110.  Lawsonia  inermis  L.
111.  Punica  granatuni  L.
        <pb n="159" />
        177

Die  hygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.

12

Onagrarieae.
112.  Jussiaea  suffauticosa  L.
Passifloreae.
113.  Carica  papaya  L.
Cucurbitaceae.
114.  Benincasa  cerifera  Savi.
115.  Cucumis  sativus  L.
116.  Luffa  cylindrica  L.
117.  Momordica  cochinchinensis  Spr.
118.  Trichosanthes  cucumoroides  Max.
Umbellifereae.
119.  Bupleurum  falcatum  L.
120.  Coriandrum  sativum  L.
121.  Foeniculum  vulgare  Mill.
122.  Hydrocotyle  asiatica  L.
123.  Ligusticum  acutilobum  S.  et  Z.
124.  Peucedanum  decursivum  Max.
125.  Peucedanum  japonicum  Thunb.
126.  Torilis  Anthriscus  Gmel.
Arariaceae.
127.  Fatsia  papyrifera  Benth.  et  Hook.
Caprifoliaceae.
128.  Lonicera  japonica  Thunb.
129.  Sambucus  javanica  Bl.
Rubiaceae.
130.  Coffea  arabiea  L.
131.  Gardenia  florida  L.
132.  Morinda  citrifolia  L.
133.  Oldenlandia  corymbosa  L.
134.  Ourouparia  formosana  Mats.
135.  Randia  dumetorum  Lam.
136.  Rubia  cordifolia  L.
137.  Serissa  foetida  Comm.
        <pb n="160" />
        Compositeae.
138.  Artemisia  capiilaris  Thunb.
139.  Artemisia  vulgaris  L.  var.  indica  Max.
140.  Bidens  bipinnata  L.
141.  Blumea  balsamifera  DC.
142.  Carpecium  abrotanoides  L.
143.  Chrysanthemum  indicum  L.
144.  Eelipta  alba  Hassk.
145.  Eupatorium  chinense  L.  var.  tripartium  Miq.
146.  Gnaphalium  multiceps  Wall.
147.  Lactuca  brevirostris  Champ.
148.  Lactuca  debilis  Max.
149.  Lactuca  denticulata  Max.
150.  Lactuca  versicolor  Sch.  Bip.
151.  Petasites  tricholobus  Franch.
152.  Senecio  campestris  DC.
153.  Siegesbeckia  orientalis  L.
154.  Taraxacum  offieinale  Web.
155.  Xanthium  strumarium  L.
Campanulaceae.
156.  Adenophora  verticellata  Fisch,  var.  linearis  Hay.
157.  Lobelia  sessilifolia  Lamb.
158.  Wahlenbergia  gracilis  A.  DC.
Primulaceae.
159.  Lysimachia  japonica  Thunb.
160.  Lysimachia  leucantlia  Miq.
161.  Lysimachia  simulans  Hemsl.
Von  den  Formosanern  innerlich  und  äußerlich  bei  Giftschlangenbissen ­
  angewandt.
Myrsineae.
162.  Ardisia  crenata  Sims.
163.  Ardisia  hortorum  Max.
Oleaeeae.
164.  Jasminum  sambac.  Ait.

Apoeynaceae.
165.  Plumeria  acutifolia  Foir.
        <pb n="161" />
        179

Asclepiadeae.
166.  Cynanchum  atrutum  Bunge.
167.  Cynanchum  formosanum  Hemsl.
Gentianaceae.
168.  Gentiana  scabride  Hay.
169.  Swertia  alata  Hay.
170.  Swertia  randaiensis  Hay.
Borragineae.
171.  Cordia  Myxa  L.
Convolvulaceae.
172.  Ipomaea  biloba  Forsk.
173.  Ipomaea  hederacea  Jacq.
174.  Ipomaea  Turpethum  R.  Br.
Solanaceae.
175.  Capsicum  anomalum  Pr.  et  Sav.
176.  Capsicum  annuum  L.
177.  Datura  alba  Nees.
178.  Lycium  chinense  Mill.
179.  Nicotiana  tabacum  L.
Orobanchaceae.
180.  Orobanehe  coeruleseens  Steph.
Pedalineae.
181.  Sesamum  indicum  L.
Acanthaceae.
182.  Justicia  gendrarussa  L.
183.  Justicia  procumbens  L.
Verbenaceae.
184.  Clerodendron  trichotomum  Thunb.
185.  Lippia  nodiflora  Rieh.
186.  Verbena  officinalis  L.
187.  Vitex  Xegundo  L.
188.  Vitex  trifolia  L.  var.  triloliata  Shauer.
189.  Vitex  trifolia  var.  unifoliata  Shauer.
        <pb n="162" />
        180

Labiatae.
190.  Anisomeles  ovata  R.  Br.
191.  Leonurus  sibiricus  L.
192.  Mentha  arvensis  L.
198.  Nepela  Gleclioma  Benth.
194.  Ocimum  Basilicum  L.
195.  Ocimum  sanctum  L.
196.  Perilla  nankinensis  DCne.
197.  Perilla  ocymoides  L.
198.  Plectranthus  Serra  Max.
199.  Prunella  vulgaris  L.
200.  Salvia  plectranthoides  Griff.
201.  Salvia  plebeia  R.  Br.
Plantagineae.
202.  Plantago  inajor  L.
Nyctagineae.
208.  Mirabilis  jalapa  L.
Amarantaceae.
204.  Achyranthes  aspera  L.
205.  Achyranthes  bidentata  Bi.
206.  Amarantus  spinosus  L.
207.  Celosia  argentea  L.
Chenopodiaceae.
208.  Chenopodiuni  ambrosioides  L.
209.  Spinacea  oleracea  L.
Phytolaccaceae.
210.  Phytolacca  aeinosa  Roxb.
Polygonaceae.
211.  Polygonum  barbatum  L.
212.  Polygonum  multiilorum  Thunb.
Aristolochiaceae.
213.  Asarum  macranthum  Hook.  f.
        <pb n="163" />
        181

Piperaceae.
214.  Houttuynia  cordata  Thunb.
215.  Piper  Betle  L.
216.  Piper  Futokadzura  S.  et  Z.
Chloranthaceae.
217.  Chloranthus  inconspicuus  SW.
218.  Chloranthus  serratus  Koem.  et  Soli.
Laurineae.
219.  Cassytha  filiformis  L.
220.  Cinnamomum  Camphora  Nees.  et  Ebe.
Thymelaeaceae.
221.  Daphne  odora  Thunb.
Elaeagnaceae.
222.  Elaeagnus  pungens  Thunb.
Loranthaceae.
223.  Loranthus  Yadoriki  Sieb.
Euphorbiaceae.
224.  Aleurites  moluccana  Willd.
225.  Croton  Tiglium  L.
226.  Eupliorbia  helioseopia  L.
227.  Euphorbia  humifusa  Willd.
228.  Euphorbia  pilulifera  L.
229.  Phyllanthus  Niruri  L.
230.  Phyllanthus  reticuiatus  Poir.
231.  Ricinus  communis  L.
Urtieaceae.
232.  Ficus  carica  L.
233.  Humurus  japonicus  S.  et  Z.
234.  Morus  alba  L.
Myricaceae.
235.  Mirica  rubra  S.  et  Z.
Casuarineae.
236.  Casuarina  equisetifolia  Blanes.
        <pb n="164" />
        182

Salicineae.
237.  Salix  Warburgii  0.  Seem.
GYMNOSPERMAE.
Coniferae.
238.  Thuja  orientalis  L.
239.  Cycas  revoluta  Thunb.
MONOCOTYLEDONES.
Orchidaceae.
240.  Dendrobium  graeieaulis  Hay.
241.  Goodyera  procera  Hook.
Scitamineae.
242.  Alpinia  nutans  Rose.
243.  Alpinia  oi'ticinarum  Hance.
244.  Curcuma  longa  L.
245.  Kaempferia  rotunda  L.
246.  Musa  paradisiaca  L.
247.  Zingiber  offieinale  Rose.
Irideae.
248.  Belamacanda  punctata  Moench.
Dioscoreaceae.
249.  Dioscorea  japonica  Thunb.
250.  Dioscorea  sativa  L.
Liliaceae.
251.  Allium  odorum  L.
252.  Allium  scorodoprosum  L.
253.  Aloe  chinensis  Baker.
254.  Asparagus  lusidus  Lindl.
255.  Smilacina  japonica  A.  Gray.
256.  Smilax  China  L.
257.  Smilax  Oldhami  Miq.
258.  Smilax  stenopetala  A.  Gr.
259.  Veratrum  nigrum  L.
        <pb n="165" />
        —  183

Palmae.
260.  Areca  catechu  L.
261.  Cocos  nucifera  L.
Aroideae.
262.  Acorus  gramineus  Ait.
263.  Arisaema  japonicuin  Bl.
Eriocauleae.
264.  Eriocaulon  Sieboldianum  S.  et  Z.
Cyperaceae.
265.  Cyperus  rotundus  L.
Gramineae.
266.  Andropogon  Nardus  L.
267.  Coix  Lachryma-Jobi  L.
268.  Imperata  arundinacea  Cyr.  var.  Koenigii  Hack.
269.  Saccharum  offlcinarum  L.
CRYPTOGAMIAE.
Lycopodiaceae.
270.  Lycopodium  clavatum  L.
Polypodiaceae.
271.  Polypodium  lineare  Thunb.
272.  Pteridium  aquilinum  Kuhn.
        <pb n="166" />
        184

II.  Liste  der  Giftpflanzen.
Diese  Liste  enthält  einerseits  nur  diejenigen  Giftpflanzen,  die
nicht  zu  Arzneizwecken  gebraucht  werden 3 ),  anderseits  aber  auch
solche,  die  unter  Formosachinesen  und  Formosawilden  für  giftig
gelten,  ohne  daß  ihre  Giftigkeit  bis  jetzt  wissenschaftlich  bewiesen  ist.

PHANEROGAMAE.
ANGIOSPERMAE.
DICOTYLEDONES.
Ranunculaeeae.
1.  Clematis  apiifolia  DC.
2.  Clematis  Henryi  Oliv.
3.  Ranunculus  acer  L.
Magnoliaceae.
4.  Illicium  anisatum  L.
Papaveraceae.
5.  Corydalis  raeemosa  Pers.
Rutaceae.
6.  Skimmia  japonica  Thunb.
Anacardiaceae.
7.  Rhus  Toxicodendron  L.  var.  radicans  Miq.
Coriarieae.
8.  Coriaria  intermedia  Mats.
Leguminosae.
9.  Derris  chinensis  Benth. *  2 )
Umbelliierae.
10.  Angelica  kiusiana  Max.
3 )  die  zu  Arzneizwecken  gebrauchten  Giftpflanzen  sind  in  der  Piste  der
Arzneipflanzen  aufgeführt
2 )  vgl.  Unterabschnitt  III
        <pb n="167" />
        Compositae.
11.  Seneeio  Kaempferi  DC.
12.  Sonchus  oleraceus  L.
13.  Spilanthes  Acmella  L.
Ericaceae.
14.  Pieris  japonica  D.  Don.
Plumbagineae.
15.  Plumbago  zeylonica  L.
Auf  die  Haut  appliziert,  rufen  die  zerriebenen  Blätter  dieser  Pflanze
Entzündungserscbeinungen  hervor,  weshalb  sie  von  den  Formosanern
häufig  zur  Simulation  von  Schlägen  verwendet  werden.
Myrsineae.
16.  Maesa  Doraena  Blume.
Apoeynaeeae.
17.  Jferium  odorum  Soland.
Loganiaceae.
18.  Buddleia  asiatica  Lour.
Convolvulaceae.
19.  Ipomaea  congesta  R.  Br.
Solanaceae.
20.  Solanum  duleamara  L.
21.  Solanum  ferox  L.
22.  Solanum  indicum  L.
23.  Solanum  nigrum  L.
Bignoniaceae.
24.  Tecoma  grandiflora  Loisel.
Polygonaceae.
25.  Polygonum  cuspidatum  S.  et  Z.
Euphorbiaceae.
26.  Aleurites  cordata  Steud.
27.  Croton  Cumingii  Muell.  Arg.
28.  Euphorbia  Tirucalli  L.
29.  Excoecaria  Agallocha  L.
30.  Jatropha  curcas  L.
31.  Sapium  sebiferum  Roxb.
        <pb n="168" />
        186

Urticaceae.
32.  Urtica  Tliunbergiana  S.  et  Z.
MONOCOTYLEDONES.
Amaryllideae.
33.  Crinum  asiaticum  L.  var.  sinicum  Baker.
34.  Narcissus  tazetta  L.
Aroideae.
35.  Arisaema  ringens  Schott.
        <pb n="169" />
        187

III.  HT-ten  oder  Roh-ten.
HI-ten  oder  Roh-ten  ist  die  chinesische  Bezeichnung  für  die
Wurzel  von  Derris  chinensis  Benth.,  einer  zu  den  Leguminosen  gehörigen ­
  Pflanze.  Diese  Pflanze  kommt  in  den  nordwestlichen  Teilen
Formosas  häufig  wild  vor;  mitunter  wird  sie  auch  kultiviert.  Die
Formosachinesen  und  die  Formosawilden  verwenden  das  HI-ten  zum
Fischfang.  Zu  diesem  Zwecke  werden  frische  Wurzeln  gesammelt,
am  Flußufer  auf  einem  Steine  zerstampft,  der  herausquellende  Milchsaft ­
  in  das  Flußwasser  gegossen  und  dieses  dann  umgerührt.  Alle
Fische,  die  sich  in  der  Nähe  aufhalten,  werden  dadurch  vergiftet;
betäubt  kommen  sie  an  die  Oberfläche  des  Flusses,  um  nun  von  den
hierauf  Wartenden  gefangen  zu  werden.  Manchmal  kommt  es  auch
vor,  daß  mit  dem  HI-ten  Selbstmord  verübt  wird.
Im  Jahre  1903  fand  Prof.  K.  Nagai,  damals  Chemiker  beim
Monopolamt,  in  dem  Roh-ten  einen  wirksamen  krystallinischen  Bestandteil, ­
  dem  er  den  Namen  Rotenon  gab.  Es  wurde  festgestellt,
daß  die  chemische  Zusammensetzung  des  Stoffes  C, 8  H 16  0 5  ist.
Dr.  O.  Kubo  gelangte  bei  seinen  Untersuchungen  über  das  Rotenon
im  pharmakologischen  Laboratorium  der  Universität  Tokio  zu
folgenden  Ergebnissen:
1.  Rotenon  ist  anscheinend  der  giftige  Bestandteil  von  HI-ten.
Es  wirkt  giftig  auf  kaltblütige  Tiere  wie  Frösche,  Fische  usw.,  auch
auf  Warmblüter  wie  Mäuse,  Kaninchen,  Hunde,  Menschen  usw.
2.  Rotenon  übt  lokalen  Reiz  aus.  Subkutan  eingespritzt,  ruft
es  an  der  betreffenden  Stelle  einen  Abszess  hervor.  Die  vomierende
Wirkung  bei  Menschen,  Hunden  usw.  wird  vielleicht  infolge  der  Reizwirkung ­
  auf  die  Nerven  der  Magenschleimhaut  von  diesen  reflektorisch ­
  hervorgebracht.  Der  Durchfall  bei  Hunden  wird  ebenfalls
auf  lokalen  Reiz  zurückzuführen  sein.
3.  Rotenon  wirkt  auf  verschiedene  Nervenzentren,  namentlich
auf  die  Zentren  der  Krämpfe  und  der  Atmung,  erst  reizend,  dann
lähmend.  Die  Todesursache  liegt  stets  in  der  Lähmung  der  Atmungszentren. ­
  Auch  die  vasomotorischen  Nervenzentren  werden  bedeutend ­
  erregt.  Infolgedessen  erhöht  sich  der  Blutdruck,  und  nach
einer  gewissen  Zeit  scheint  eine  stärkere  oder  schwächere  Lähmung
jener  Zentren  einzutreten.  Es  ist  ferner  nicht  ausgeschlossen,  daß  die
        <pb n="170" />
        188

oben  erwähnte  vomierende  Wirkung  zum  Teil  durch  Reizung  der
Brechzentren  veranlaßt  wird.
4.  Das  Herz  wird  bei  Fröschen  dergestalt  beeinflußt,  daß  die
Zahl  der  Herzschläge  verringert  und  die  Systole  geschwächt  wird.
Vielleicht  wird  dies  durch  die  Verminderung  der  Erregbarkeit  der
Herzmuskeln  und  der  Herzzentren  bedingt.
5.  An  den  Muskeln  beobachtet  man  bei  den  Fröschen  allgemeine
Abnahme  der  Erregbarkeit;  gegenüber  gewissen  Reizen  wird  außerdem ­
  die  Muskelarbeit  geringer.
Da  das  Hi-ten  giftig  ist,  hat  das  Generalgouvernement  die
Verwendung  zum  Fischfang  und  den  Genuß  von  Fischen,  die  mittels
dieses  Giftes  gefangen  worden  sind,  verboten.
        <pb n="171" />
        Ai  i

22.  Giftschlangen  und  Giftschlangenbisse.
F ormosa  gehört  nach  der  zoologischen  Einteilung  der  Erde
der  indischen  oder  orientalischen  Region  an.  Die  Tierarten, ­
  die  sich  auf  der  Insel  finden,  sind  daher  mit  denen
in  Vorder-  und  Hinterindien,  in  Südchina,  auf  Java,  auf  Neuguinea ­
  und  auf  den  Philippinen  usw.  analog,  nicht  aber  mit  denen
Japans.  Dasselbe  gilt  auch  von  den  formosaischen  Giftschlangen.  Es
sind  bisher  13  Arten  studiert  und  beschrieben  worden.  Nach  der
Steinegerschen  Einteilung  sind  es  die  folgenden.
Klasse:  Reptilia.
Ordnung:  Squamata.
Unterordnung:  Serpentes.
Familie:  Crotalidae.
1.  Agkistrodon  acutus  Günther.
2.  Trimeresurus  gramineus  Shaw.
3.  Trimeresurus  mucrosquamatus  Cantor.
4.  Trimeresurus  flavoviridis  Hall.
Familie:  Elapidae.
Unterfamilie:  Elapinae.
5.  Calliophis  macclellandi  Rein.
6.  Bungarus  multicinctus  Blyth.
7.  Naja  naja  atra  Cantor.
Unterfamilie:  Hydrinae.
8.  Uaticaudata  laticaudata  L.
9.  Laticaudata  semifasciata  Rein.
10.  Disteira  melanocephala  Gray.
11.  Disteira  Godoffroyi  Peters.
12.  Hydrus  platurus  L-Familie:
  Natricidae.
Unterfamilie:  Boiginae.
13.  Psammodynastes  pulverulentus  Boie.
        <pb n="172" />
        190

I.  Agkistrodon  acutus  Günther.
Syn.:  Ancistrodon  acutus  Boul.
Diese  Schlange  wurde  zuerst  von  Günther,  der  sie  in  China  gefunden ­
  hatte,  beschrieben;  1903  fand  man  sie  auf  Formosa.  Sie  ist
relativ  selten  und  kommt  u.  a.  in  den  Gebirgsgegenden  der  Distrikte
Shinchiku,  Giran,  Kilung,  Nanto  und  Köshun  vor.  Der  Kopf  ist  groß
und  löffelförmig,  der  Scheitel  mit  9  breiten  Schildern  bedeckt.  Das

Agkistrodon  acutus  Günther

Schnauzende  ragt,  wie  die  Photographie  deutlich  zeigt,  auffallend
nach  oben.  Zu  beiden  Seiten  des  Kopfes  sieht  man  zwischen  Auge
und  Nase  eine  jener  tiefen  Gruben,  die  für  die  Crotalidae  charakteristisch ­
  sind.  Der  lange  und  kräftige  Giftzahn  ist  durchbohrt.  Der
Leib  ist  von  21  Reihen  gekielter  Schuppen  bedeckt  und  zeigt  eine
deutliche  pyramidenförmige  Zeichnung.  Der  Schwanz  ist  kurz  und
auf  der  Endhälfte  mit  hornigen  Schuppen  bedeckt.  Manche  Exemplare ­
  sind  sehr  dick  und  über  120  cm  lang.  Die  Giftdrüse  enthält
eine  große  Menge  Flüssigkeit,  die  beim  Eintrocknen  ca.  74%  an
Wasser  verliert  und  in  Form  von  halbdurchsichtigen,  grauweißlichen
        <pb n="173" />
        192

Schuppen  niederfällt.  Der  Hauptbestandteil  des  Giftes  ist  Haemorrhagin;
  Haemolysin  und  Neurotoxin  sind  darin  nur  in  geringem  Maße
enthalten.  Das  getrocknete  Gift  tötet  Meerschweinchen  im  Verhältnis ­
  von  5  mg  pro  1  kg  Körpergewicht.  In  der  Regel  ruft  das  Gift
heftige  lokale  Entzündung  und  Gewebsnekrose  hervor.  Der  Biß  der
Schlange  ist  selten,  aber  äußerst  gefährlich.
2.  Trimeresurus  gramineus  Shaw.
Syn.:  Tr.  viridis,  erythrurus  usw.
Diese  Schlange,  Baum-  oder  Kletterlochotter  genannt,  lebt  auf
den  Bäumen  und  ist  in  Gebirgsgegenden  fast  überall  anzutreffen.
Sie  hat  durchschnittlich  eine  Ränge  von  60  cm,  wovon  auf  den
greiffähigen  Schwanz  ein  Fünftel  entfällt.  Ihr  Kopf  ist  groß,  der
Scheitel  mit  sehr  kleinen  Schuppen  bedeckt,  das  Supraokularschild
auffallend  umfangreich.  Der  schlanke  Reib  ist  mit  21  Reihen  gekielter ­
  Schuppen  bedeckt;  auf  jeder  Seite  zieht  sich  eine  weiße  Rinie
von  der  Schläfe  bis  zum  Schwanz  hin.  Der  Schwanz  ist  schlank  und
am  Ende  rötlichbraun  oder  dunkelbräunlich  gefärbt,  während  die
Schlange  im  übrigen  gelblichgrün  aussieht.  Ihr  Gift  produziert  sie
nur  in  kleinen  Mengen.  Es  ist  hellgelb  und  fällt  beim  Eintrocknen
in  Gestalt  schöner  goldgelber  Schuppen  nieder.  Der  Biß  der  Schlange
ist  sehr  häufig  und  verursacht  heftige  Entzündung.  Diese  geht  jedoch
regelmäßig  in  Heilung  über;  der  Tod  tritt  äußerst  selten  ein.
j.  Trimer  esurus  mucrosquamatus  Cantor.
Diese  Schlange  unterscheidet  sich  von  Trimeresurus  flavoviridis
der  Riukiuinseln,  mit  dem  sie  im  übrigen  viel  Ähnlichkeit  hat,  durch
eigentümliche  zickzackförmige,  an  den  Rändern  schön  goldgelb  gesäumte ­
  Rückenflecke.  Der  Scheitel  des  starken  Kopfes  ist  mit
kleinen  Schuppen  und  zwei  großen  Supraokularschildern  bedeckt.
In  dem  kleinen  Oberkiefer  sitzt  auf  beiden  Seiten  ein  langer  Giftzahn ­
  sowie  ein  Ersatzzahn.  Der  schlanke  Reib  ist  mit  25—27  Reihen
gekielter  Schuppen  bekleidet.  Die  Schlange  erreicht  nicht  selten
eine  Ränge  von  125  cm  und  mehr.  Der  Schwanz  ist  sehr  schlank.
Die  in  den  Giftdrüsen  enthaltene  Flüssigkeit  ist  gelblich,  reagiert
schwach  sauer  und  zeigt  Biuretreaktion;  durch  Eintrocknen  wird
sie  zu  einer  sehr  schönen  gelblichen  kristallinischen  Masse.  Diese
        <pb n="174" />
        193

Die  hygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.

13

besitzt  allerlei  Giftbestandteile:  Haemagglutinin,  Haemolysin,
Neurotoxin  und  große  Mengen  von  Haemorrhagin.  Wird  einem
Versuchstier  eingetrocknetes  Gift  subkutan  eingespritzt,  so  erzeugt
es  heftige  Entzündung  und  Gewebsnekrose.  Die  minimale  letale
Dosis  beträgt  bei  Meerschweinchen  3  mg  pro  1  kg  Körpergewicht.
Die  Schlange  ist  in  Gebirgsgegenden  weit  verbreitet;  ab  und  zu
kommt  es  vor,  daß  sie  nachts  in  die  Wohnungen  kriecht  und  die

Trimeresurus  mucrosquamatus  Cantor

Bewohner  in  Aufregung  setzt  oder  gar  beißt.  Ihr  Biß  ist  sehr  gefürchtet, ­
  weil  die  auf  ihn  folgende  Entzündung,  unter  den  heftigsten
Erscheinungen  fortschreitend,  entweder  —  unmittelbar  oder  durch
Abfall  der  betreffenden  Gliedmaßen  —  den  Tod  herbeiführt  oder
aber  schwer  heilbare  Nekrose  hinterläßt.
4-  Trimeresurus  flavoviridis  Hall.
Syn.:  T.  Riukianus  Hil.
Von  dieser  auf  den  Riukiuinseln  sehr  gefürchteten  Art  hat  man
bisher  auf  Formosa  nur  zwei  Exemplare  gefunden  über  einen  Biß
ist  noch  niemals  berichtet  worden.
        <pb n="175" />
        194

Bungarus  raulticinctus  Blyth.

Calliophis  macclellandi  Rein.

5.  Calliophis  macclellandi  Rein.
Es  ist  dies  die  sogenannte  Maskenschmuckotter.  Der  schlanke,
zylindrische  Eeib  ist  von  auffallender  bräunlichroter  Farbe  und
weist  schwarze  Querbinden  auf.  Die  Körperlänge  beträgt  bis  zu
60  cm.  Die  Schlange  lebt  in  den  Gebirgsgegenden  der  Distrikte
Shinchiku,  Giran  u.  a.  m.  und  greift  wegen  ihrer  kleinen  Gestalt
niemals  Menschen  und  Haustiere  an.
        <pb n="176" />
        195

Naja  naj.a  atra  Cantor
maßen  dem  der  nicht  giftigen  Schlangen  ähnlich;  ihr  eigentümlich
jedoch  ist  die  bläulichschwarze  Färbung  des  mit  etwa  45  weißen
Querbinden  versehenen  Leibes.  Die  glatten  Schuppen  ordnen  sich
in  15  Reihen;  auf  dem  Rückenfirst  sind  sie  groß  und  hexagonal
geformt.  Die  Giftdrüse  ist  klein.  Das  Gift  sieht  leicht  milchig  aus  und
läßt  nach  dem  Eintrocknen  Lamellen  zurück.  Es  ist  so  stark,  daß
es  Kaninchen  und  Meerschweinchen  bei  0,1  mg  pro  1  kg  Körper-6.

  Bungarus  multicinctus  Blyth.
Syn.:  B.  semifasciatus,
B.  candidus  var.  multicinctus.
Diese  Schlange,  von  den  Formosanern  Hoh-soa-tsah  genannt,
ist  im  Flachlande  weit  verbreitet  und  wird  ab  und  zu  sogar  innerhalb ­
  der  Stadt  Taihoku  gefunden.  Der  kleine  ovale  Kopf  ist  einiger-13*
        <pb n="177" />
        —-  196

gewicht  unfehlbar  tötet.  Es  enthält  viel  Neurotoxin,  ein  wenig
Haemolysin  und  ein  minimales  Quantum  Haemorrhagin.  Aus
dieser  Zusammensetzung  erklärt  sich  die  Tatsache,  daß  das  Bungarusgift
  lokal  nur  ganz  unbedeutende  Veränderungen  hervorruft,
dagegen  auf  die  motorischen  und  besonders  auf  die  Atmungszentren
äußerst  heftig  einwirkt  und  rasch  zum  Atemstillstand  führt.  Der
Biß  des  Bungarus  ist  aus  diesem  Grunde  sehr  gefährlich  und  meist
tödlich.
7.  Naja  naja  atra  Cantor.
Syn.:  Naja  tripudians  var.  atra  Boul.
Die  von  den  Einheimischen  Pun-shie-cheng  (Reislöffelschlange)
genannte  Schlange  ist  eine  Spielart  der  Cobra  de  Capelle  und  besitzt ­
  am  Halsteil  sogenannte  Brillen,  die  durch  Heben  der  vorderen
8  Rippen  zur  Böffelform  erweitert  werden.  Ihr  Reib  ist  schlank  und

Naja  naja  atra  Cantor
        <pb n="178" />
        197

Disteira  Godoffroyi  Peters

mit  21  Reihen  glatter  Schuppen  bedeckt,  der  Bauchteil  etwas  abgeplattet, ­
  der  hintere  Körperteil  pyramidenförmig.  An  dem  bräunlichschwarzen ­
  Leib  sieht  man  eine  Anzahl  weißer  Querbinden.  Bei
manchen  Exemplaren  bemerkt  man  zwischen  je  zwei  Querbinden
links  und  rechts  je  einen  weißen  Punkt.  Die  Länge  der  Schlange
beträgt  zuweilen  über  130  cm.  Die  Pun-shie-cheng  wird  in  allen
Gegenden  der  Insel  gefunden,  doch  ist  ihr  an  sich  ungemein  gefährlicher ­
  Biß  ziemlich  selten,  weil  sie  ein  schneuzendes  Geräusch
von  sich  gibt,  wenn  sich  ihr  jemand  naht.  Beim  Drücken  der  Giftdrüse ­
  erhält  man  eine  große  Menge  sirupartigen  Giftes,  das  ein
spezifisches  Gewicht  von  1047  hat.  Es  fällt  beim  Eintrocknen  als
        <pb n="179" />
        198

schöne  gelbliche  kristallinische  Masse  nieder.  Hauptsächlich  besteht
es  aus  Neurotoxin;  daneben  enthält  es  Haemolysin  und  auch  Haemorrhagin.
  Die  minimale  letale  Dosis  für  Kaninchen  ist  0,2  mg
pro  1  kg  Körpergewicht.  Dieses  Gift  wirkt  also  weniger  heftig  als
das  des  Bungarus,  fließt  aber  in  derartig  reichlicher  Menge,  daß  man
bereits  nach  einmaligem  Drücken  der  Drüsen  durch  Eintrocknen
160mg  Gift  gewinnen  kann;  aus  diesem  Grunde  ist  der  Biß  der
Schlange  so  sehr  gefährlich.

Hydrus  platurus  L.

Die  mit  Nr.  8—12  bezeiclineten  fünf  Arten  sind  Seeschlangen,
sie  finden  sich  an  den  Küsten  Formosas.

13.  Psammodynastes  pulverulentus  Bote.
Die  Schlange  hat  einen  großen  Kopf  und  einen  undeutlich
gefleckten  dunkelbräunlichen  Leib.  Der  hinterste  Furchenzahn  des
Oberkiefers  ist  als  besonderes  Merkmal  dieses  Typus  (Opistoglypha)
anzusehen.  Der  Biß  des  Psammodynastes  soll  häufig  sein.  —
        <pb n="180" />
        —  199  —

Über  die  ziemlich  große  Zahl  der  Personen,  die  jährlich  von
Giftschlangen  gebissen  werden,  gibt  die  folgende  Tabelle  Aufschluß.

Jahr

Gebissen

Davon  gestorben

Mortalität  (%)

1903 1 )

60

3

5,0

1904

306

24

7,5

1905

269

12

4,5

1906

280

18

6,4

1907

281

22

7,9

1908

298

24

8,9

1909

280

23

8,2

Summe

1774

126

7,1

Auf  die  einzelnen  Monate  verteilten  sich  die  Bisse  in  den  fünf
Jahren  1905—1909  folgendermaßen:

Serien  von  je  5
gleichnamigen
Monaten

Gebissen
absolut  !  relativ

J  anuar  ....

27

1,9

Februar  ....

27

1,9

März

47

3,3

April

93

6,6

Mai

137

9,7

Juni

170

12,1

Juli

189

13,5

August  ....

186

13,2

September.  .  .

179

12,7

Oktober  ....

206

14,6

November  .  .  .

97

6,9

Dezember  .  .  .

50

3,6

Gesamtsumme
1905—1909

1408

100,0

*)  von  1903  sind  nur  die  Monate  September  bis  Dezember  berücksichtigt
        <pb n="181" />
        200

In  der  nächsten  Tabelle  sind  die  Schlangenbißfälle  nach
Distrikten  geordnet;  auf  diese  Weise  erhält  man  zugleich  ein  gewisses ­
  Bild  von  der  Verteilung  der  Schlangen.

Distrikte  nach  der
bis  Oktober}  1909
geltenden  Einteilung

Zahl  der  Schlangenbisse

Distrikte  nach  der
seit  Oktober  1909
geltenden
Einteilung

1905—08

1909

Zusammen


Nordbezirk:

Taihoku  ....

481

Kilung

180  l

51

402

Taihoku

Shinkö

123  |

Giran

80

33

113

Giran

Töyen

56

17

73

Töyen

Shinchiku....

45  |

23

114

Shinchiku

Byörizu  ....

46  |

Mittelbezirk:

Taichu

16  I

}

21

56

Taichu

Shöka

19  f

Nanto

65

5

70

Nanto

Toroku  ....

101  |

Kagi

66  }

24

246

Kagi

Yensuikc  .  .  .

55  j

Siidbezirk:

Tainan

23  I

l

12

47

Tainan

Hozan

12  |

Akö

1041

Banshoryö  .  .  .

95

75

504

Akö

Köshun

230  j

Ostbezirk:

|  Taitö

Taitö

60

20

80

|  Karen  kö

West  bezirk:

Höko  (Pescadorinsein)

  ....

0

0

o

Höko

Zusammen  .  .  .

1128

280

OO
O
        <pb n="182" />
        201

Sammeln  des  Giftes

Hieraus  ist  ersichtlich,  daß  Köshun  am  meisten  von  Schlangenbissen ­
  heimgesucht  wird.  Häufig  sind  ferner  die  Fälle  in  Kilung,
Shinkö,  Akö  und  Toroku.  Dagegen  sind  die  Pescadorinseln  völlig
schlangenbißfrei.  Im  allgemeinen  kommen  die  Fälle  entschieden  öfter
in  Gebirgsgegenden  vor  als  in  den  Ebenen.  Von  den  beiden  Geschlechtern ­
  ist  das  männliche  und  von  den  Berufsarten  sind  die  Bauern
und  Tagelöhner  am  meisten  der  Gefahr  ausgesetzt,  von  Schlangen  gebissen ­
  zu  werden.  Die  Giftwirkung  ist  von  der  Art  der  Schlangen
abhängig,  wie  die  umstehende  Tabelle  zeigt.
Was  die  populäre  Behandlung  der  Schlangenbisse  anbetrifft,
so  sind  unter  den  Formosachinesen  Anlegung  von  Digaturen,  Skarifikation,
  Aussaugen  mit  dem  Mund  usw.  als  übliche  Volksmittel
bekannt.  Ferner  legen  sie  zerquetschte  Blätter,  Stengel  und  Wurzeln
verschiedener  Pflanzen,  z.  B.  von  Podophyllum  pelianthum  Hance
und  Dysimachia  simulans  Hemsl.,  auf  die  Wunde  und  geben  zu
gleicher  Zeit  innerlich  Wasser-  oder  Sakedekokt  derselben  Pflanzen.
Die  Formosawilden  legen  Schießpulver  auf  die  frischen  Wunden  und
lassen  es  explodieren.
        <pb n="183" />
        202  —

Giftschlangenbisse  und  Todesfälle  1904—1909.

Schlangenarten

Zahl
der  Bisse

Zahl  der  dadurch
verursachten
Todesfälle

absolut

relativ

Röhrenzähner:

Agkistrodon  acutus  Günth.  .  .  .

11

3

27,2

Trimeresurus  gramineus  Shaw  .  .

821

2

0,24

Trimeresurus  mucrosquamatus

Cantor

484

58

12,0

Furchenzähner:

Bungarus  multicinctus  Blyth.  .  .

94

17

18,0

Naja  naja  atra  Cantor

83

14

16,8

Nicht  angegeben

222

27

12,2

Heißquellenwasserfall  in  Hokuto  (Distrikt  Taihoku)
        <pb n="184" />
        203

Badeort  Hokuto  (Distrikt  Taihoku)

23.  Mineralquellen.
Mineralquellen  —  heiße,  warme  und  kalte  —  sind  auf  Formosa
geradezu  massenhaft  vorhanden.  Im  folgenden  werden  nur  die
namhaftesten  davon  angeführt.

A.  Heiß-  oder  Warmquellen.

Regierungsbezirk  Taihoku:
1.  Hokuto-Tetsunoyu  .  .
2.  Hokuto-Takinoyu  .  .
3.  Hokuto-Kaikösha-Onsen
4.  Reikyakushö-Onsen  .  .
5.  Urai-Onsen
6.  Seiriuheishö-Onsen  .  .
7.  Kinpöri-Onsen  ....
8.  Sözan-Koke'inai-Onsen
9.  Koköshö-Onsen  .  .  .
10.  Banrikatöshö-Onsen
11.  Sözan-Onsen

salinische  Quelle
salinische  Quelle
salinische  Quelle
saure  Schwefelquelle
alkalischer  Säuerling
saure  Schwefelquelle
indifferente  Quelle
Schwefelquelle
Eisenquelle
Säuerling
indifferente  Quelle
        <pb n="185" />
        204

b)  Regierungsbezirk  Giran:
1.  Shökei-Onsen  .  .  .
2.  Yensan-Onsen  .  .  .
c)  Regierungsbezirk  Kagi:
Kanshire'i-Onsen  .  .
d)  Regierungsbezirk  Akö:
1.  Shijükel-Onsen  .  .
2.  Furösen
3.  Yoshitaki-Onsen  .  .
4.  Tetsuno-Yu  ....
5.  Takino-Yu  ....
e)  Regierungsbezirk  Taitö:
Chipon

salinische  Quelle
schwachsalinische  Quelle
alkalische  Quelle
alkalisch-salinischer  Säuerling
alkalischer  Säuerling
salinische  Quelle
salinische  Quelle
salinische  Quelle
salinische  Quelle

B.  Kalte  Mineralquellen.
a)  Regierungsbezirk  Taihoku:
Suihenkyaku-Yuköshö  .  .  .  salinische  Quelle
b)  Regierungsbezirk  Giran:
So-ö  einfacher  Säuerling
c)  Regierungsbezirk  Shinchiku:
Hakkakurinshö  Kochsalz-Säuerling.
        <pb n="186" />
        24.  Begräbnisplätze  und  Krematorien
sowie  Beerdigungs-  und
Feuerbestattungswesen.

ei  der  Einführung  der  Zivilverwaltung  wurden  Erhebungen

über  die  seither  übliche  Einrichtung  der  Begräbnisplätze

JIL  J  und  über  die  für  die  Eeichenbestattung  geltenden  Bestimmungen ­
  angestellt.  Dabei  ergab  sich,  daß  irgend  welche  Vorschriften
nicht  existierten.  Jeder  konnte  sich  an  jedem  beliebigen  Orte  begraben ­
  lassen,  eine  Freiheit,  die  sich  praktisch  freilich  auf  die  Wohlhabenden ­
  beschränkte.  Nach  der  damaligen  Eage  der  Dinge  und
der  Kulturstufe,  auf  der  sich  die  Bevölkerung  befand,  erschien  eine
einheitliche  Regelung,  wie  sie  in  Japan  besteht,  unmöglich;  anderseits ­
  durfte  eine  für  die  öffentliche  Gesundheitspflege  derart  wichtige
Angelegenheit  nicht  länger  sich  selbst  überlassen  bleiben.  Deshalb
wurden  im  Juni  1896  gewisse  den  Umständen  angepaßte  Normen
festgesetzt  und  den  Distriktbehörden  mitgeteilt,  damit  sie  auf  dieser
Grundlage  unter  Berücksichtigung  der  örtlichen  Verhältnisse  speziellere ­
  Anordnungen  treffen  sollten.
Im  Gegensätze  zu  den  Formosachinesen  bedienen  sich  die  auf
Formosa  lebenden  Japaner  besonders  häufig  der  Feuerbestattung,  weil
ja  die  Asche  ohne  jede  Schwierigkeit  in  die  Heimat  überführt  werden
kann.  Als  die  Zahl  der  J  apaner  immer  mehr  zunahm,  machte  sich  daher
das  Bedürfnis  nach  Feuerbestattungsanlagen  fühlbar.  Man  errichtete
infolgedessen  an  vielen  Orten  Krematorien.  Ihre  Bauart  war  aber
so  mangelhaft,  daß  unbedingt  eingeschritten  werden  mußte.  Deshalb ­
  wurden  auch  für  die  Krematorien  allgemeine  Normen  festgesetzt.
Sie  enthielten  u.  a.  Vorschriften  über  Bauart  und  Reinhaltung  und
wurden  den  Distriktbehörden  im  Februar  1897  mitgeteilt.  Sodann
wurde  im  Februar  1906  eine  Verordnung  über  die  Begräbnisplätze  und
Ueichenverbrennungsanstalten  sowie  über  die  Beerdigung  und  Verbrennung ­
  der  Reichen  erlassen.  ^Hiernach  wurden  alle  privaten
        <pb n="187" />
        206

Beerdigungsplätze  untersagt.  Man  richtete  Ortsfriedhöfe  ein  und  bestimmte ­
  erstens,  daß  diese  nicht  an  Wege,  Eisenbahnen  und  Flußläufe ­
  grenzen  dürften  und  von  menschlichen  Wohnungen  mindestens
60  Ken 1 )  entfernt  sein  müßten,  und  zweitens,  daß  sie  an  hochgelegenen
und  trockenen,  das  Trinkwasser  nicht  beeinflussenden  Orten  anzulegen ­
  seien.  Die  Gräber  sollten  so  tief  sein,  daß  die  Ebene  des  Sargdeckels ­
  mindestens  zwei  Fuß  unter  der  Erdoberfläche  liege.  Hierdurch

Formosachinesischer  Grabhügel

wurde  die  bisher  übliche  Art  der  Bestattung,  bei  der  der  Sarg  einfach
oberirdisch  aufgestellt  und  hügelförmig  mit  oft  recht  wenig  Erde
bedeckt  wurde,  gänzlich  abgeschafft.  Es  war  nämlich  infolge  dieser
mangelhaften  Bestattungsweise  oft  vorgekommen,  daß  Särge  und
Deichen  von  Hunden  aus  der  Erde  gescharrt  oder  durch  Regengüsse
bloßgelegt  wurden,  was  natürlich  sittlich  und  gesundheitlich  ganz
unerträglich  war.  Sodann  wurde  auch  die  Anlage  der  Eeichenverbrennungsanstalten
  manchen  Beschränkungen  unterworfen:  sie

!)  1  Ken  =  1,8181  m
        <pb n="188" />
        207

müssen  erstens  von  menschlichen  Wohnungen  und  verkehrsreichen
Orten  mindestens  120  Ken  entfernt  sein;  sie  dürfen  zweitens  nicht  in
der  Hauptwindrichtung  eines  Ortes  liegen;  sie  müssen  drittens  mit
Ofenanlage  und  Rauchfang  ausgestattet  sein,  damit  der  Geruch  nicht
belästigend  wirkt;  endlich  müssen  sie  mit  einer  über  1  Ken  hohen
Mauer  umgeben  sein.  Doch  kommt  diese  vierte  Beschränkung  für
solche  Anstalten  in  Wegfall,  die,  von  menschlichen  Wohnorten  weit
entfernt,  auf  Bergen,  Heiden  usw.  erbaut  sind.
Noch  gewisse  andere  vom  hygienischen  Standpimkt  gefährliche
Gewohnheiten  müssen  beseitigt  werden.  So  herrscht  unter  den
Formosachinesen  jene  sonderbare  chinesische  Sitte,  das  Knochengerüst, ­
  nachdem  es  durch  die  Verwesung  der  beerdigten  Deiche  von
allen  weichen  Teilen  befreit  ist,  nochmals  auszugraben,  auszuwaschen
und  dann  in  besonderen  Urnenhäusern  unterzubringen  oder  von
neuem  zu  beerdigen.  Eine  zweite  ungleich  bedenklichere  Gepflogenheit ­
  ist  die,  daß  man  den  Leichnam  in  einem  Sarge  dicht  verschließt
und  dann  eine  Zeitlang  —  eine  Woche  bis  zu  drei  Jahren  —  im  Hause
behält.  Beide  Sitten  fordern  selbstverständlich  das  Eingreifen  der
Verwaltung.  Es  wurde  zunächst  vorgeschrieben,  daß  zu  solchen
Manipulationen  in  jedem  Falle  die  behördliche  Genehmigung  eingeholt
werden  müsse;  diese  wurde  zur  Aufbewahrung  von  Leichen  im  Hause
niemals  erteilt,  wenn  der  Betreffende  an  einer  ansteckenden  Krankheit ­
  gestorben  war.
        <pb n="189" />
        25.  Die  Sanitätskassen.

U m  für  die  erforderlichen  sanitären  Einrichtungen,  insbesondere ­
  für  Wasserleitung  und  Kanalisation,  die  sämtlich
schleunige  Ausführung  heischten,  die  nötigen  Mittel  zu
beschaffen,  nahm  im  Jahre  1900  das  Generalgouvernement  gemäß
einem  von  Dr.  Baron  S.  Goto,  dem  damaligen  Chef  der  Zivilverwaltung, ­
  ersonnenen  Plane  das  Prinzip  an,  Errichtung  und  Betrieb  von
Markthallen,  Schlachthäusern,  Fähren  usw.  nicht  länger  der  privatwirtschaftlichen ­
  Initiative  zu  überlassen,  sondern  als  Monopol  neuzubildenden, ­
  zunächst  rein  lokal  gedachten  Sanitätskassen  zu
überweisen;  die  aus  den  Gebühren  eingehenden  Beträge  sollten
mit  für  die  sanitären  Anlagen  verwendet  werden.  Demgemäß
wurde  von  da  an  die  Errichtung  von  Markthallen  usw.  durch
Private  nicht  mehr  zugelassen;  diejenigen  Betriebe,  die  schon  vorhanden ­
  waren,  kauften  die  Sanitätskassen  den  Unternehmern  nach
und  nach  ab.  Da  aber  diese  Anlagen  die  denkbar  primitivste  Beschaffenheit ­
  besaßen  und  fast  alle  in  ärmlichen  Schuppen  untergebracht ­
  waren,  so  daß  sie  in  hygienischer  Hinsicht  große  Sorge  bereiteten, ­
  wurde  es  als  ein  dringendes  Bedürfnis  empfunden,  unverzüglich ­
  Neubauten  aufzuführen.  Hierzu  waren  jedoch  infolge  der  zu
geringen  Ausdehnung  der  Sanitätsbezirke  die  Mittel  allenthalben  zu
gering.  Daher  wurden  Stimmen  laut,  man  solle  doch  größere  Bezirke ­
  bilden  und  den  Sanitätskassen  die  Unterdistrikte  zugrunde
legen.  Dieser  Ansicht  schloß  sich  das  Generalgouvernement  an,  und
im  März  1904  gestattete  es  auf  Ansuchen  des  Distriktvorstehers  von
Banshoryö  die  vorgeschlagene  Erweiterung  der  Sanitätskassenbezirke. ­
  Diese  neue  Ordnung  bestand  seit  dem  Finanzjahr  1905/06.
Dem  Beispiele  von  Banshoryö  folgten  fast  alle  anderen  Distrikte.
Mit  den  wachsenden  Aufgaben  wurden  jedoch  bald  auch  die  neuen
Bezirke  zu  klein,  und  so  genehmigte  das  Generalgouvernement  mit
Rücksicht  auf  die  inzwischen  auf  allen  Gebieten  gemachten  Fortschritte ­
  im  Jahre  1907  einen  Antrag  der  Distriktbehörde  zu  Taihoku,
        <pb n="190" />
        209

Die  hygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.

14

der  vom  Finanzjahre  1908  an  eine  Sanitätskasse  für  den  ganzen
Distrikt  verlangte.
Nach  und  nach  schlossen  sich  alle  anderen  Distrikte  dem  Vorgehen ­
  Taihokus  an,  so  daß  es  jetzt  auf  ganz  Formosa  nur  12  Sanitätskassen ­
  gibt.  Infolge  dieser  Vergrößerung  der  Bezirke  vermehrten  sich
auch  Einnahmen  und  Kredit  der  Kassen.  Daher  konnten  nunmehr
überall  Neubauten  von  Markthallen  und  Schlachthäusern  unternommen ­
  werden.  Zugleich  wurden  auch  die  sonstigen  hygienisch
wichtigen  Bauanlagen,  deren  Durchführung  den  eigentlichen  Zweck
der  Sanitätskassen  bildete,  in  größerem  Umfange  in  Angriff  genommen. ­
  Insbesondere  vervollständigte  man,  wo  es  not  tat,  in
den  größeren  Städten  die  privaten  Abzugskanäle,  sorgte  für  Kanalisation ­
  in  kleinen  Städten  und  in  Dörfern,  legte  Bohrbrunnen  an,
übernahm  den  Bau  von  Wasserwerken  in  Shöka,  Kinpöri,  Taikö,
Hokuto  und  Shirin  —  in  den  beiden  zuerst  genannten  Städten  sind
sie  bereits  fertig  —,  schuf  Beerdigungsplätze  und  Eeichenverbrennungsanstalten
  für  die  Städte  Taihoku,  Taichu  und  Tainan,  erbaute ­
  Isolieranstalten  für  Infektionskranke  in  den  kleineren  Städten,
errichtete  Wohnhäuser  für  die  Armen  in  Taichu  und  so  fort.
Außerdem  werden  von  den  Sanitätskassen  alljährlich  nicht  geringe
Summen  für  die  Müllbeseitigung  und  für  die  Bekämpfung  der  Seuchen
ausgegeben.  Gegenwärtig  betragen  die  Einnahmen  der  zwölf  Kassen
jährlich  über  400  000  Yen.
        <pb n="191" />
        210

26.  Die  ordentlichen  Ausgaben  für
sanitäre  Zwecke. 1 )
N ach  1895  fielen  zunächst  alle  sanitären  Aufwendungen  der
Staatskasse  zu  Cast,  bis  1899  das  allgemeine  Gesetz  betreffend ­
  die  Regelung  der  Distriktsteuern  erlassen  wurde.
Seitdem  werden  die  Gehälter  der  Kö-i,  die  Ausgaben  für  die  Bekämpfung ­
  der  Infektions-  und  venerischen  Krankheiten  sowie  die
Kosten  für  die  öffentlichen  Brunnenanlagen,  die  Wasserversorgung,
Kanalisierung,  Straßenreinigung,  Müllabfuhr,  Schlachtviehschau,
Nahrungsmitteluntersuchung  usw.  aus  den  Distriktkassen  bestritten.
Doch  werden  für  die  Bekämpfung  der  Infektionskrankheiten  gewisse
Zuschüsse  aus  der  Staatskasse  gewährt;  außerdem  sind  seit  1904
die  Aufwendungen  für  die  B  ekämpfung  der  Pest  und  seit  1911  auch  diejenigen
  für  die  Malariabekämpfung  in  den  Etat  übernommen  worden.
Die  ordentlichen  Ausgaben  für  sanitäre  Zwecke  in  den  Rechnungsjahren ­
  1907—1909  (in  Yen).

A.  Staatskasse.

Jahr

Bekämpfung  der
Infektionskrankheiten ­


Bekämpfung
der  Pest

Hospitäler

Medizinische
Schule

Institut  für
experimentelle
Forschungen

1907

8  356

41  026

297  371

73  103

—

1908

21  236

37  070

325  532

66  127

—

1909

66  007

—

367  246

65  138

44  987

B.  Distriktkassen.

Jahr

Gehälter
der
Ko-i

Bekämpfung
der
Infektionskrankheiten ­


Bekämpfung
der
venerischen
Krankheiten

Straßenreinigung ­

und  Müllabfuhr ­


Schlachtviehschau ­


Nahrungsmittel-




Unterhaltung
der
Wasserwerke

1907

66  364

32  452

21  573

28  578

8521

511

20  686

1908

68  750

36  520

22  436

32  466

9330

1000

19  683

1909

69  195

29  273

21  880

34  398

9654

1000

254  458

*)  die  Sanitätskassen  (vergl.  Abschnitt  25)  sind  hierbei  infolge  ihrer
besonderen  Stellung  unberücksichtigt  geblieben.
        <pb n="192" />
        211

14*

Gefängnis  in  Taihoku:  Dampfküche

27.  Gefängniswesen.
Anfangs  besaß  man  keine  eigentlichen  Gefängnisanstalten.
j  \  Man  behalf  sich  in  der  Weise,  daß  man  Tempel  und  sonstige
■Ä.  A  öffentliche  Gebäude  aus  der  chinesischen  Zeit  einigermaßen
zweckentsprechend  umgestaltete.  Sie  waren  meist  wenig  geräumig;
insbesondere  fehlte  es  an  Licht  und  Luft.  Daher  war  die  Zahl  der  Erkrankungen ­
  und  Todesfälle  ziemlich  groß.  Aus  diesem  Grunde  wurde
im  Jahre  1899  der  Neubau  von  Gefängnissen  in  Taihoku,  Taichu  und
Tainan  beschlossen.  Diese  Anstalten  erforderten  einen  Kostenaufwand ­
  von  1  200  000  Yen  und  waren  im  Jahre  1904  fertig.
Lebens-  und  GesundheitsVerhältnisse.  Der  Rauminhalt
einer  Einzelzelle  beträgt  390,  derjen'ge  einer  Zelle  für  Gemeinschaftshaft ­
  von  fünf  Personen  1176  Kubikshaku 1 ).  Gebadet  wird  je  nach
der  Art  der  Arbeit  täglich  oder  jeden  zweiten  oder  dritten  Tag.  Die
Nichtarbeitenden  baden  weniger;  das  Mindestmaß  fällt  für  sie  auf  die

’)  1  Shaku  0,303  m
        <pb n="193" />
        Gefängnis  in  Taihoku  :  GrundriB

212
        <pb n="194" />
        213

Wintermonate,  wo  sie  aller  fünf  Tage  baden.  Als  Hauptnahrung
erhalten  die  Gefangenen  Reis  mit  Bataten  gemischt  (8  :  2  Teile),
als  Zuspeisen  Schweinefleisch,  Fisch,  Gemüse  usw.  Je  nachdem,
ob  ein  Gefangener  schwere  oder  leichtere  Arbeit  verrichtet  oder  gar
nicht  arbeitet,  bekommt  er  eines  von  sechs  vorgeschriebenen
Kostmaßen.  Die  Analysen  dieser  Kostmaße  (in  g)  zeigt
folgende  Tabelle:

Kostmaße

Stickstoffhaltige ­

Substanzen

Fett

Kohlehydrate ­


9  Gö 1 )  Reis  mit  Zuspeise  .  .

130,584

47,913

998,779

8,1  Gö  Reis  mit  Zuspeise  .  .

120,917

44,468

890,132

7,2  Gö  Reis  mit  Zuspeise  .  .

111,394

41,018

810,766

6  Gö  Reis  mit  Zuspeise  ....

98,319

36,427

601,521

5,1  Gö  Reis  mit  Zuspeise  .  .

87,231

32,105

594,131

4,2  Gö  Reis  mit  Zuspeise  .  .

78,042

26,153

508,568

Reisbrei  mit  Zuspeise  für
Kranke *  2 )

66,150

23,332

312,752

Normales  Kostmaß

95,850

19,950

449,213

Die  Unterschiede  des  Körpergewichts  der  Gefangenen  bei  der
Aufnahme  und  bei  der  Entlassung  veranschaulicht  diese  Übersicht
(Durchschnitt  von  2497  Personen):

Körpergewicht
bei  der
Aufnahme

Körpergewicht
bei  der
Entlassung

Vermehrung ­


Verminderung ­


Formosaner

48,116

49,301

1,185

—

J  apaner

50,587

50,310

—

0,277

Sodann  die  in  dem  Zeiträume  1898—1910  unter  den  Gefangenen
aufgetretenen  Erkrankungen  und  Todesfälle:
J  1  Gö^  0,18  Liter
2 )  Kranken  werden  auf  Anordnung  der  Gefängnisärzte  auch  andere
Nahrungsmittel,  z.  B.  Milch,  gereicht
        <pb n="195" />
        214

Jahr

Tagesdurchschnitt ­

der
Gefangenen

Gesamtzahl
der  Krankheitsfälle ­


Gesamtzahl
der  Todesfälle ­


Sterblichkeit  des
Tagesdui  chschnittes
der  Gefangenen
(%)

1898

2122

5574

445

12,97

1899

2330

2155

284

12,18

1900

3009

3301

210

6,99

1901

3509

2608

202

5,75

1902

3821

2551

122

3,19

1903

4048

2718

127

3,12

1904

3399

2062

81

2,38

1905

3149

1266

63

2,00

1906

3109

938

73

2,37

1907

3244

1616

120

3,72

1908

3191

870

130

4,07

1909

3271

743

129

3,88

1910

3216

427

95

2,97

Die  Ausgaben  und  die  Einnahmen  gestalteten  sich  in  den
Jahren  1898—1909  folgendermaßen  (Yen):

Etatsjahr ­


Gesamtausgabe ­


Von  den  Gesamtausgaben ­

entfallen  auf
jeden  Gefangenen ­
  pro
Tag

Ausgaben
für  die
Gefangenen
selbst

Ausgaben
für  jeden
Gefangenen ­
  pro
Tag

Einnahmen
aus
Gefängnisarbeit ­


|
Durchschnittliche
tägliche  Einnahme ­
  aus
Gefängnisarbeit
pro  Kopf  der
Arbeitenden

1898

244  337

0,308

90  538

0,114

16  743

0,055

1899

374  055

0,410

134  821

0,148

17  232

0,031

1900

424  736

0,368

156  206

0,135

15  437

0,021

1901

494  711

0,382

178  653

0,138

26  306

0,040

1902

519  873

0,362

193  319

0,134

41  152

0,038

1903

536  485

0,376

194  668

0,136

68  675

0,067

1904

491  171

0,406

178  054

0,147

92  048

0,102

1905

468  825

0,409

171  087

0,149

112  113

0,129

1906

464  302

0,409

163  832

0,144

136  017

0,158

1907

495  232

0,413

188  537

0,158

136  173

0,153

1908

469  450

0,407

165  627

0,144

132  294

0,156

1909

463  514

0,388

160  556

0,134

137  421

0,159
        <pb n="196" />
        215

Arbeiten  der  Gefangenen.  Es  sind  beschäftigt  400  Personen
mit  Flechten  von  Tamsui-Hüten,  250  mit  Anfertigung  europäischer
Anzüge,  300  mit  Holzarbeiten,  250  mit  Rotangflechten  und  200  mit
Herstellung  von  Ziegeln;  im  ganzen  werden  von  den  Gefangenen  35
verschiedene  Arbeiten  verrichtet.  Diese  Erziehung  zur  Arbeit  übt
auch  auf  das  zukünftige  Reben  der  Gefangenen  den  günstigsten  Einfluß ­
  aus,  da  sie  dadurch  in  die  Rage  kommen,  sich  eine  geordnete
Existenz  zu  gründen.
Fürsorge  für  die  entlassenen  Sträflinge.  Im  Jahre  1905
wurden  in  Taihoku,  Taichu  und  Tainan  von  Gefängnisbeamten  und
Privatleuten  Vereine  gegründet,  die  sich  die  Fürsorge  für  die  entlassenen
Gefangenen  zum  Ziele  setzten.  Das  Generalgouvernement  gewährt
ihnen  gewisse  Jahreszuschüsse.  Von  1905—1910  wurden  450  Personen ­
  mit  Arbeit  versehen;  sie  sind  als  Bauern,  Schneider,  Waschleute, ­
  Zimmerleute,  Kaufleute,  Tagelöhner  usw.  tätig  und  haben
größtenteils  eine  gesicherte  Existenz.
        <pb n="197" />
        ——

ii’l.  .  .»ui  iltfri

Klima.

Die  Angaben  beruhen  auf  Beobachtungen  der  sieben  formosaischen  Observatorien  in  der  Zeit  von  ihrer  Gründung  bis  1909.

Taihoku

Taichu

Tainan

Taito

Köshun

Hoko

Sharyöto

Durchschnittlicher  Duftdruck  (mm)  .  .

760,3

759,5

759,1

759,7

759,1

759,5

760,5

„  (Durchschnitt
Temperatur  I  .
:  Maximum
|  Minimum

21,6

22,1

23,1

23,4

24,4

22,5

21,6

37,0

37,2

36,9

37,9

34,4

33,5

35,9

—0,2

—1,0

3,0

8,2

9,8

7,3

3,0

Durchschnittl.  Feuchtigkeitsgehalt  der
Duft  (%)

82

81

79

77

79

83

84

Durchschnittl.  Windgeschwindigkeit  (Min.)

4,7

2,9

4,4

5,0

6,0

10,2

5,0

Durchschnittl.  Windrichtung

N77°F

N  11°  W

£
O
00
r—1
£

N12°E

N43°E

N  37°E

N  40°E

Durchschnittl.  Niederschlagsmenge  (mm)

2055,2

1748,3

1656,7

1720,4

2151,2

1072,9

3516,8

Durchschnittl.  Bewölkung  (nach  einer
Skala  von  10  Graden)

7,1

5,9

5,5

7,1

5,9

6,5

7,6

Durchschnittl.  Verdunstung  (mm)  .  .  .

431,6

1554,1

1689,0

1759,2

1962,3

1860,1

1508,0

regnerisch  ....

186,2

125,8

109,6

156,9

156,2

93,4

222,9

Durchschnittlich

gewittrig

44,1

54,8

42,3

28,3

28,5

15,5

29,7

sind  von  den  Tagen«

neblig

12,7

11,1

7,1

0,0

—

3,5

6,8

des  Jahres

heiter

28,1

48,2

49,5

17,4

31,1

39,7

22,8

trübe

182,4

121,8

94,6

173,3

103,3

156,2

219,6

stürmisch

114,1

37,1

52,1

119,2

138,5

237,8

98,6
        <pb n="198" />
        219

Die  Observatorien.

Observatorium
in

Geographische  Lage

Höhenlage
ü.  M.  (m)

Zeit  der  Errichtung

ö.  L.

n.  B.

Taihoku  ....

121°  31'

25°  02'

9,3

August  1896

Taichu

120°  41'

24°  09'

78,4

Dezember  1896

Tainan

120°  12

23°  00

14,3

Januar  1897

Taitö

121°  09

22°  45'

9,9

Januar  1901

Köshun  ....

120°  44'

22°  00'

23,3

November  1896

Höko

119°  33’

23°  32

11,0

November  1896

Sharyötö  ...

121°  45

25°  09'

3,4

März  1896

Stand  der  Bevölkerung  1905—1909.

31.  XII.
1905

31.  XII.
1906

31.  XII.
1907

31.  XII.
1908

31.  XII.
1909

J  apaner:

männlich  .  .

35  923

43  358

47  671

50  397

53  768

weiblich  .  .  .

23  695

27  682

30  254

32  932

35  928

zusammen  .

59  618

71  040

77  925

83  329

89  696

Formosachin.:

männlich  .  .

1  570  239

1  580  603

1  589  469

1  596  282

1  608  348

weiblich  .  .  .

1  408  779

1  418  611

1  429  933

1  440  573

1  456  569

zusammen  .

2  979  018

2  999  214

3  019  402

3  036  855

3  064  917

Formosawilde

männlich  .  .

57  323

57  378

58  433

60  803

61  507

weiblich  ..  .

55  872

55  785

56  812

59  451

60  474

zusammen  .

113  195

113  163

115  245

120  254

121  981

Ausländer:

männlich  .  .

7  719

9  690

10  599

11  138

12  361

weiblich  .  ..

504

601

797

1013

1231

zusammen  .

8  223

10  291

11  396

12  151

13  592

Summe:

männlich  .  .

1  671  204

1  691  029

1  706  172

1  718  620

1  735  984

weiblich  ..  .

1  488  850

1  502  679

1  517  796

1  533  969

1  554  202

zusammen  .

3  160  054

3  193  708

3  223  968

3  252  589

3  290  186
        <pb n="199" />
        G'iederung  der  Bevölkerung  nach  Volksstämmen  Anfang  Oktober  1905.

Formosaner

Ausländer

Volksstamm ­


Japaner ­


Formosachinesen

Chine-For-



 ­


ZU-Summe



Fukienesen

Kantonesen

andere ­


zusammen

sisierte
Wilde

mosawilde


zusammen

dere

sammen


absolut

57  335

2  492  784

397  195

506

2  890  485

46  432

36  363

2  973  280

8973

163

9136

3  039  751

relativ

1,9

82,0

13,1

0

95,1

1,5

1,2

97,8

0,3

0

0,3

100,0

Anmerkung.  Von  den  Wilden  sind  nur  diejenigen  mitgezählt,  die  in  den  Verwaltungsbezirken  wohnen.

Verhältnis  der  Geschlechter  nach  dem  Stand  der  Bevölkerung  in  den  Jahren  1905—1909.

Zeitpunkt

Von  100  Japanern
waren

Von  100  Formosaehinesen
  waren

Von  100
wilden

Formosawaren ­


Von  100  Ausländern ­
  waren

Von  100
nem

Bewohwaren


männlich

weiblich

männlich

weiblich

männlich

weiblich

männlich

weiblich

männlich

weiblich

31.  XII.  1905

60,25

39,75

52,71

47,29

50,64

49,36

93,87

6,13

52,89

47,11

31.  XII.  1906

61,03

38,97

52,70

47,30

50,70

49,30

94,16

5,84

52,95

47,05

31.  XII.  1907

61,18

38,82

52,64

47,36

50,70

49  30

93,01

6,99

52,92

47,08

31.  XII.  1908

60,48

39,52

52,56

47,44

50,56

49,44

91,66

8,34

52,84

47,16

31.  XII.  1909

59,94

40,06

52,48

47,52

50,42

49,58

90,94

9,06

52,76

47,24
        <pb n="200" />
        Bewegung  der  Gesamtbevölkerung  1906—1909  (absolut).

Jahr

Vermehrung

Verminderung

Totgeburten ­


Eheschließun ­
 ­


Ehescheidun ­
 ­


Lebendgeburten ­


Zuwanderung

zusammen

Todesfälle

Abwanderung

zusammen

1906

121  067

61  437

182  504

104  749

44  321

149  070

2  525

31  289

4  939

1907

124  091

69  380

193  471

102  853

62  440

165  293

3  111

33  597

6  007

1908

122  322

73  651

195  973

102  232

70  129

172  361

3  687

35  061

5  562

1909

130  084

63  852

193  936

100  623

57  441

158  064

4  785

35  965

5  570

Bewegung  der  japanischen  Bevölkerung  1906  —  1909  (absolut).

Jahr

Vermehrung

V  erminderung

Totgeburten ­


Eheschließun ­
 ­


Ehescheidun ­
 ­


Lebendgeburten ­


Zuwanderung

zusammen

Todesfälle

Abwanderung

zusammen

1906

1  922

23  629

25  551

1  432

12  768

14  200

128

204

11

1907

2  277

23  780

26  057

1  436

10  610

12  046

146

236

3

1908

2  419

26  520

28  939

1  287

22  248

23  535

157

324

5

1909

2  661

25  889

28  550

1  507

20  676

22  183

161

379

6
        <pb n="201" />
        Bewegung  der  Gesamtbevölkerung  1906—1909  (relativ).

Auf  100  Lebendgeburten ­
  von
Knaben  entfielen
Leben  dgeburten
von  Mädchen

Auf  100

Auf

je  1000  der  Bevölkerung  entfielen

Jahr

Lebendgeburten
en:  fielen
Todesfälle

Lebendgeburten ­


Totgeburten ­


Todesfälle ­


Zugewandelte ­


Abgewanderte ­


Eheschließungen ­


Ehescheidungen ­


1906

91,58

86,52

39,30

0,82

34,00

19.94

14,39

10,16

1,60

1907

95,27

82,89

39,92

1,00

33,09

70,96

20,09

10,81

1,93

1908

93,32

83,58

39,05

1,18

32,64

23,51

22,39

11,19

1,78

1909

93,73

77,35

41,06

1,51

31,76

20,15

18,13

11,35

1,76

Bewegung  der  japanischen  Bevölkerung  1906—1909  (relativ).

Jahr

Auf  100  Lebendgeburten ­
  von
Knaben  entfielen
Lebendgeburten
von  Mädchen

Auf  100
Lebendgeburten
entfielen
Todesfälle

Auf  je  1000  der  japanischen  Bevölkerung  entfielen

Lebendgeburten ­


Totgeburten ­


Todes-  Zugefälle ­
  wanderte

Abge-  Ehe-  Ehewanderte
  Schließungen  Scheidungen

1906

83,08

74,51

27,60

1,80

20,12  332,62

179,73  2,87  0,15

1907

88,34

63,07

29,22

1,87

18,43  305,17

136,16  3,03  0,04

1908

76,63

53,20

29,03

1,88

15,44  318,26

266,99  3,89  0,06

1909

83,08

56,63

29,67

1,79

16,80  288,63

230,51  4,23  0,07
        <pb n="202" />
        Sanitäre  Organe  nach  dem  Stande  vom  31.  Dezember  1909.

Hospitäler

Ärzte  und  I-sel

Apotheker

Japanische
Hebammen

Chinesische
Hebammen

Drogisten

Arzneimittelbereiter ­


Auf  einen  Arzt
oder  I-se'i  entfielen ­
  Köpfe  der
Bevölkerung

Ärzte

I-sei'

Zusammen ­


Staats-Distrikts-

  Privat-Zu

 ­


beamtete ­


halbbeamtete ­


praktische ­


10

14  26

50

121

77

157

1314

1669

40

69

12

2577

25

1898

Die  von  den  Quarantäneanstalten  im  Jahre  1909  vorgenommenen  Untersuchungen.

Von  den  untersuchten
Schiffen  kamen  aus

Art

der  untersuchten  Schiffe

Gesamttonnen ­
 ­


Zahl  der
Offiziere  und
Mannschaften

Fahrgäste

Dampfer

Segelschiffe ­


Dschonken ­


Sonstige
Schiffe

Zusammen ­


männlich

weiblich

Zusammen ­


japanischen  Häfen.  .

275

l

l

277

785  164

18  130

17  198

8  658

25  856

chinesischen  Häfen  .

32

l

429

—

462

61  702

7  928

471

36

507

anderen  ausl.  Häfen  .

109

—

1

—

110

415  032

9  698

10  297

1  230

11  527

zusammen

416

2

430

i

849

1  261  898

35  756

27  966

9  924

37  890

223
        <pb n="203" />
        Zahl  der  in  den  Jahren  1905—1909  in  den  Regierungshospitälern  behandelten  Kranken.

Jahr

Zahl  der

Kranken

Davon  gestorben

Durchschnittlich  an
einem  Tage  behandelte
Kranke

Durchschnittlich  auf
1  einen  Kranken  entfallende
Behandlungstage

Japaner

Formosaner

Japaner

Formosaner

Japaner

Formosaner

Japaner

Formosaner

1905

49  746

27  468

382

173

1324,7

516,1

9,7

6,9

1906

55  838

34  189

352

184

1421,3

631,4

9,8

6,7

1907

47  421

29  232

383

208

1390,3

600,5

10,7

7,5

1908

55  392

30  661

393

193

1550,4

541,4

10,2

6,4

1909

54  714

33  195

434

167

1662,5

618,5

11,1

6,8

Zahl  der  in  den  Jahren  1905  —  1909  von  den  Kö-i  behandelten  Kranken.

Jahr

Zahl  der  Kranken

Davon

starben

Durchschnittliche  Zahl  der
von  jedem  Kö-i  täglich
behandelten  Kranken

Durchschnittlich  auf
jeden  Kranken  entfallende
B  ehandlungstage

Japaner

Formosaner  Ausländer

Japaner

Formosaner

Japaner

Formosaner

Ausländer

Japaner

Formosaner

Ausländer

1905

39  222

41  101

161

1161

10,9

9,3

—

7,2

5,9

—

1906

51  841

69  166  —

232

2236

14,0

14,2

—

7,0

5,3

—

1907

59  993

90  717

253

2801

14,5

15,6

—

6,3

4,5

—

1908

56  045

102  402  4

235

3551

12,9

16,4

0,0

6,6

4,6

6,3

1909

57  601

117  019  6

260

3612

12,9

19,0

0,0

6,5

4,7

18,3

224
        <pb n="204" />
        225

Die  hygienischen  Verhältnisse  der  Insel  Formosa.  15

Arten  der  im  Jahre  1909  in  den  Regierungshospitälern  behandelten
Krankheiten.

Japaner

Formosaner

Zumännlich



weiblich

männlich

weiblich

sammen

Infektionskrankheiten ­


6  270

3  369

4  956

1  556

16  151

Entwicklungs-  u.  Ernährungsstörungen ­


243

258

282

201

984

Haut-  u.  Muskelkrankheiten ­
  .  .

2  852

2  522

3  137

1  042

9  553

Knochen-  und  Gelenkkrankheiten ­


429

261

327

75

1  092

Krankheiten  d.  Zirkulationsorgane ­
  .

158

112

101

49

420

Krankheiten  d.  Nerven ­
  und  Sinnesorgane ­


5  995

4  866

4  892

1  781

17  534

Krankheiten  der  Atmungsorgane ­
  .  .

4  495

3  358

3  315

1  168

12  336

Krankheiten  d.Verdauungsorgane ­
  .

6  043

4  826

4  404

1  918

17  löl

Krankheiten  d.Urogenitalorgane ­
  .  .

693

4  014

439

694

5  840

Verletzungen  und
sonstige  äußere
Krankheiten  .  .

1  492

781

1  929

346

4  548

Vergiftungen  .  .  .

16

6

228

37

287

Nicht  festgestellte
Krankheiten  .  .

1  040

615

234

84

1  973

Zusammen

29  726

24  988

24  244

8  951

87  909

Unter  den  Infektionskrankheiten  befanden  sich  Fälle  von

Malaria  ....

3  205

1  675

2  709

1  040

8  629

Beri-Befi  .  .  .

678

395

71

18

1  162

Unter  den  Krankheiten  der  Atmungsorgane  befanden  sich  Fälle  von

Eungentuberkul  ose

236

93

322

78

729
        <pb n="205" />
        226

Arten  der  in  dem  Jahre  1909  von  den  Kö-i  behandelten  Krankheiten.

J  apaner

Formosaner

Ausländer ­


Zumännlich



weiblich

männlich

weiblich

m.

W.

sainmen

Infektionskrankheiten



12  390

6  225

26  573

10  182

l

—

55  371

Entwicklungs-  u.  Ernährungsstörungen ­

Haut-  und  Muskel-206



129

1  222

560

—

—

2  117

krankheiten  .  .

2  309

1  172

5  863

1  910

i

—

11  255

Knochen-  und  Gelenkkrankheiten



409

198

856

289

l

—

1  753

Krankheiten  d.  Zirkulationsorgane ­
  .
Krankheiten  d.Ner-294



181

578

324

—

—

1  377

ven  und  Sinnesorgane


Krankheiten  der

3  122

1  881

8  267

2  931

—

—

16  201

Atmungsorgane  .
Krankheiten  d.Ver-5

  965

3  628

12  091

5  301

l

1

26  987

dauungsorgane  .

8  188

4  967

16  479

7  695

l

—

37  330

Krankheiten  d.Urogenitalorgane ­
  .  .
Verletzungen  und

860

1  545

1  559

1  318

—

—

5  282

sonstige  äußere
Krankheiten  .  .

2  632

1  226

9  425

2  609

15  892

Vergiftungen  .  .  .
Nicht  festgestellte

—

4

559

56

—

—

619

Krankheiten  .  .

48

21

249

114

—

—

432

Zusammen

36  423

21  177

83  721

33  289

5

1

174  616

Unter  den

Infektionskrankheiten  waren  Fälle

von

Malaria  ....

8  886

4  685

21  259

8  741

i

—

43  572

Beri-Beri  .  .  .

533

200

153

24

—

—

910

Unter  den  Krankheiten  der  Atmungsorgane  waren

Fälle  von

Lungentuberkulose

168

96

777

276

—

—

1317
        <pb n="206" />
        227

Untersuchung  und  Behandlung  der  Prostituierten  1909.

Japanerinnen

Pormosanerinnen

Zusammen

Durchschnittliche  Zahl
der  bei  der  wöchentlichen
Untersuchung  anwesenden
Prostituierten  .  .  .  .

868

161

1  029

Bei  den  Untersuchungen
krank  befunden  an
Syphilis

99

52

151

Weichem  Schanker.  .

426

124

550

Tripper

1  076

236

1  312

Tuberkulöser  Affektion.

3

3

Sonstigen  kontagiösen
Krankheiten  ....

179

22

201

Zusammen

1  783

434

2  217

Gesund  befunden  .  .  .

43  325

7  955

51  280

Gesamtzahl  der  Untersuchten ­


45  108

8  389

53  497

Zahl  der  Behandlungstage

24  114

5  940

30  054

Von  100  Untersuchten
waren  krank

3,95

5,17

4,14

Durchschnittlich  auf  eine
Kranke  entfallende  Behandlungstage ­
  ....

13,52

13,69

13,66

Zahl  der  in  den  Jahren  1907-1909  in  den  Schlachthäusern  geschlachteten ­
  Tiere.

Jahr

1907

1908

1909

Zahl  der  Schlachthäuser.  .

894

903

872

Art  der  Tiere:

Büffel

10  333

10  132

11  511

Rinder

3  544

4  108

4  980

Schweine

564  357

609  201

637  666

Ziegen

53  941

51  990

47  776

Wert  der  Tiere  (Yen):

Büffel

204  703

202  644

236  743

Rinder

77  094

96  930

120  141

Schweine

7  481  296

7  930  274

8  975  135

Ziegen

122  578

201  559

153  350

15*
        <pb n="207" />
        228

Erkrankungen  und  Todesfälle  der  acht  im  Infektionskrankheitengesetz
erwähnten  Krankheiten  1905—1909  (absolut).

Jahr

1905

1906

1907

1908

1909

Cholera:

Erkrankungen  .

—

—

3

—

—

Todesfälle  .  .  .

—

—

2

•  —

—

Pest:

Erkrankungen

2  .398

3  272

2  592

1  270

1  026

Todesfälle  .  .  .

2  100

2  609

2  241

1  059

848

Abdominaltyphus:

Erkrankungen  .

141

248

352

382

340

Todesfälle  .  .  .

42

86

74

110

91

Dysenterie:

Erkrankungen  .

120

147

207

202

255

Todesfälle  .  .  .

47

71

74

95

84

Diphtherie:

Erkrankungen

57

63

26

31

47

Todesfälle  .  .  .

14

17

9

13

20

Pocken:

Erkrankungen  .

23

19

1

28

19

Todesfälle  .  .  .

—

—

—

2

-

Scharlach:

Erkrankungen  .

—

1

1

1

1

Todesfälle  .  .  .

—

—

—

—

—

Flecktyphus:

Erkrankungen

—

—

—

—

—

Todesfälle  .  .  .

—

—

.  —

—

—

Zusammen:

Erkrankungen  .

2  739

3  750

3  182

1  914

1  688

Todesfälle  .  .  .

2  203

2  783

2  400

1  279

1  043
        <pb n="208" />
        229

Mortalität  der  acht  im  Infektionskrankheitengesetz  erwähnten  Krankheiten ­
  1905—1909  (relativ).

Von  1000  Krk  rankten
starben  an

1905

1906

1907

1908

1909

Cholera  ....

66,67

Pest

87,57

79,74

86,46

83,39

82,65

Abdominaltyphus

29,79

34,68

22,77

28,80

26,76

Dysenterie  .  .  .

36,15

48,30

35,75

47,03

32,94

Diphtherie  .  .  .

24,56

26,98

34,62

41,94

42,55

Pocken  ....

—

—

—

7,14

—

Scharlach  .  .  .

—

—

—

—

Flecktyphus  .  .

—

—

—

—

—

Zusammen

80,43

74,21

75,42

66,82

61,79

Die  Pestfälle  1897  1909.

Jahr

Erkrankungen

Todesfälle

Von  100  Kranken
starben

1897

730

566

77,53

1898

1  233

882

71,53

1899

2  637

1  995

75,63

1900

1  079

809

74,98

1901

4  496

3  670

81,63

1902

2  308

1  853

80,29

1903

885

708

80,00

1904

4  500

3  374

74,98

1905

2  398

2  100

87,57

1906

3  272

2  609

79,74

1907

2  592

2  241

86,45

1908

1  270

1  059

83,39

1909

1  026

848

82,65
        <pb n="209" />
        Die  mit  Erlaubnis  zum  Opiumrauchen  ausgestatteten  Formosaner  1897—1909.

Zeitpunkt

Zahl  der  Opiumraucher

Von  100
männlichen
Formosanern
waren  Opiumraucher ­


Von  100
weiblichen
Formosanern
waren  Opiumraucher ­


Von  100
Formosanern
waren
Opiumraucher ­


Verminderung ­

der  Opiumraucher ­

(Sept.  1900=100)

Männer

Frauen

zusammen

31.  XII.  1897

47  688

2  909

50  597

3,17

0,23

1,87

31.  XII.  1898

88  486

6  963

95  449

6,28

0,56

3,69

—

31.  XII.  1899

121  602

9  360

130  962

8,30

0,76

4,99

—

Sept.  1900

155  975

13  089

169  064

10,66

1,05

6,24

100

31.  XII.  1900

152  950

12  802

165  752

10,45

1,03

6,12

98

31.  XII.  1901

145  267

12  352

157  619

9,66

0,96

5,65

93

31.  XII.  1902

130  149

13  343

143  492

8,48

1,01

5,03

85

31.  XII.  1903

119  959

12  944

132  903

7,79

0,97

4,63

79

31.  XII.  1904

123  228

14  724

137  952

7,91

1,08

4,73

82

31.  XII.  1905

115  462

15  014

130  476

7,35

1,07

4,38

77

31.  XII.  1906

107  199

14  131

121  330

6,78

1,00

4,05

72

31.  XII.  1907

99  883

13  282

113  165

6,28

0,93

3,74

67

31.  XII.  1908

105  019

14  972

119  991

6,58

1,04

3,95

71

31.  XII.  1909

96  032

13  923

109  955

5,79

0,96

3,59

65
        <pb n="210" />
        Die  mit  Erlaubnis  zum  Opiumrauchen  ausgestatteten  chinesischen  Untertanen  auf  Formosa  1905—1909.

Zeitpunkt

Zahl  der  Opiumraucher

Von  100  männlichen
Chinesen  waren
Opiumraucher

Von  100  weiblichen
Chinesen  waren
Opiumraucher

Von  100
Chinesen  waren
Opiumraucher

Schwankung
der  Zahl  der
Opiumraucher
(1905-  100)

Männer

Frauen

zusammen

31.  XII.  1905

792

6

798

9,83

1,35

8,89

100

31.  XII.  1906

838

9

847

9,29

2,02

9,44

106

31.  XII.  1907

762

10

772

8,94

2,24

8,60

97

31.  XII.  1908

872

12

884

10,23

2,69

9,85

111

31.  XII.  1909

932

16

948

10,93

3,59

10,57

119

Verminderung  der  mit  Erlaubnis  zum  Opiumrauchen  ausgestatteten  Formosaner  1897—1909.

J  ahr

Die  Zahl  der  Opiumraucher  verminderte  sich  durch  Fälle  von

Auf  je

1000  Opiumraucher  kamen  Fälle  von

Tod

Abgewöhnung

Tod  und  Abgewöhnung  !
zusammen

Tod

Abgewöhnung

Tod  und  Abgewöhnung
zusammen

1897

1  181

1136

2  317

23,34

22,45

45,79

1898

1  682

890

2  572

17,62

9,32

26,94

1899

2  765

289

3  054

21,11

2,21

23,32

1900

7  398

244

7  642

44,63

1,46

46,09

1901

7  928

721

8  649

50,30

4,58

54,88

1902

13  942

3077

17  019

97,16

21,44

118,60

1903

8  125

1713

9  838

61,13

12,90

74,03

1904

8  065

2480

10  545

58,47

17,98

76,45

1905

7  727

4705

12  432

59,22

36,06

95,28

1906

7  310

634

7  944

60,26

5,23

65,49

1907

7  338

353

7  691

64,84

3,12

67,96

1908

7  989

593

,  8  582

66,62

4,95

71,57

1909

7  384

1603

8  987

67,39

14,58

81,96
        <pb n="211" />
        Verminderung  der  mit  Erlaubnis  zum  Opiumrauchen  ausgestatteten  chinesischen  Untertanen  1905—1909.

Die  Zahl  der  Opiumraucher  verminderte  sich  durch  Fälle  von

Auf  je  1000  Opiumraucher  kamen  Fälle  von

Jahr

Tod

Abgewöhnung

Tod  und  Abgewöhnung
zusammen

Tod

Abgewöhnung

Tod  und  Abgewöhnung
zusammen

1905

24

6

30

18,56

4,64

23,20

1906

24

2

26

17,91

1,49

19,40

1907

17

2

19

22,02

2,59

24,61

1908

24

—■

24

14,61

—

14,61

1909

35

4

39

36,96

4,22

41,18

Opiumverbrauch  der  Opiumraucher  pro  Kopf  und  Tag  1897—1909.

Menge  des  konsumierten
Opiums  (Momme 1 )....

1897

1898

1899

1900

1901

1902

1903

1904

1905

1906

1907

1908

1909

0,74

1,21

1,24

0,89

0,55

0,80

0,92

1,04

0,95

0,99

0,97

0,94

1,07

Tödlich  verlaufene  Vergiftungen  1907—1909.

Zahl  der  Fälle  von

Vergiftungen  durch

Gesamtzahl

Jahr

Genuß  von
Tetrodon

Hi-ten  oder
Roh-ten

Karbolsäure  Alkohol

Kin-yu

Arsen

Opium

Andere  Gifte

der
Vergiftungsfälle ­


1907

3

2

—  '  5

l

—

9

9

29

1908

4

1

1  3

—

—

12

8

29

1909

1

1

1  2

2

l

20

8

36

a )  1  Momme  =  3,75  g
        <pb n="212" />
        the  scale  towards  document

187

S  i.

ioH  sq  III.  HT-ten  oder  Roh-ten.
s  3  Hi-ten  oder  Roh-ten  ist  die  chinesische  Bezeichnung  für  die
3 ”  Iirzel  von  Derris  chinensis  Benth.,  einer  zu  den  Leguminosen  geigen ­
  Pflanze.  Diese  Pflanze  kommt  in  den  nordwestlichen  Teilen
sv  rmosas  häufig  wild  vor;  mitunter  wird  sie  auch  kultiviert.  Die
h  rmosachinesen  und  die  Formosawilden  verwenden  das  Hi-ten  zum
j&amp;gt;  H  chfang.  Zu  diesem  Zwecke  werden  frische  Wurzeln  gesammelt,
Flußufer  auf  einem  Steine  zerstampft,  der  herausquellende  Milch-|_t
  in  das  Flußwasser  gegossen  und  dieses  dann  umgerührt.  Alle
che,  die  sich  in  der  Nähe  aufhalten,  werden  dadurch  vergiftet;
äubt  kommen  sie  an  die  Oberfläche  des  Flusses,  um  nun  von  den
rauf  Wartenden  gefangen  zu  werden.  Manchmal  kommt  es  auch
f  :,  daß  mit  dem  Hi-ten  Selbstmord  verübt  wird.
Im  Jahre  1903  fand  Prof.  K.  Nagai,  damals  Chemiker  beim
[r*nopolamt,  in  dem  Roh-ten  einen  wirksamen  krystallinischen  Bendteil, ­
  dem  er  den  Namen  Rotenon  gab.  Es  wurde  festgestellt,
3  die  chemische  Zusammensetzung  des  Stoffes  C 18  H 16  0 6  ist.
.  O.  Kubo  gelangte  bei  seinen  Untersuchungen  über  das  Rotenon
pharmakologischen  Laboratorium  der  Universität  Tokio  zu
genden  Ergebnissen:
1.  Rotenon  ist  anscheinend  der  giftige  Bestandteil  von  Hi-ten.
wirkt  giftig  auf  kaltblütige  Tiere  wie  Frösche,  Fische  usw.,  auch
[  Warmblüter  wie  Mäuse,  Kaninchen,  Hunde,  Menschen  usw.
2.  Rotenon  übt  lokalen  Reiz  aus.  Subkutan  eingespritzt,  ruft
an  der  betreffenden  Stelle  einen  Abszess  hervor.  Die  vomierende
f^trkung  bei  Menschen,  Hunden  usw.  wird  vielleicht  infolge  der  Reizrkung
  auf  die  Nerven  der  Magenschleimhaut  von  diesen  reflekrisch
  hervorgebracht.  Der  Durchfall  bei  Hunden  wird  ebenfalls
f  lokalen  Reiz  zurückzuführen  sein.
3.  Rotenon  wirkt  auf  verschiedene  Nervenzentren,  namentlich
f  die  Zentren  der  Krämpfe  und  der  Atmung,  erst  reizend,  dann
imend.  Die  Todesursache  liegt  stets  in  der  Lähmung  der  Atmungsitren.
  Auch  die  vasomotorischen  Nervenzentren  werden  beutend ­
  erregt.  Infolgedessen  erhöht  sich  der  Blutdruck,  und  nach
ier  gewissen  Zeit  scheint  eine  stärkere  oder  schwächere  Lähmung
ler  Zentren  einzutreten.  Es  ist  ferner  nicht  ausgeschlossen,  daß  die
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Pesthaus (Distrikt Kagi)
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