aus dem Auslande nach Rußland jährlich zufließenden Geldes den inländischen Kapitalzuvvachs bedeutend übersteigt. Die eigene Kapitalbildung kann nur 42 °/o des nationalen Bedarfes decken, während 58 °/o der notwendigen Kapitalien aus dem Auslande zu bezogen werden müssen. Ferner die einheimischen Kapitalien werden hauptsächlich für Industriezwecke verwendet (97 °/o), wäh rend die ausländischen meistens Staatsgarantien suchen und nur ein geringer Teil derselben (19 °/o) sich der Industrie zuwendet und auch dies nur in dem Falle, wenn die russischen Kapitalien den Weg angebahnt haben J ). Schließlich kommt der Zufluß des auswärtigen Kapitals in die russische Industrie nicht gleich mäßig, sondern sprungweise, unter der direkten Einwirkung der westeuropäischen Industriekrisen. Das russische Kapital dagegen bildet sich gleichmäßig, und ebenso gleichmäßig fließt es der In dustrie zu. Die übermäßige Steuerlast hat somit die inneren Kräfte des ökonomischen Wachstums Rußlands und seine kapitalbildende Fähigkeit auf das äußerste geschwächt. Nach den maximalen, sicherlich übertriebenen Berechnungen spart Rußland jährlich etwa 200 Millionen Rubel. In England aber betragen die jährlichen Ersparnisse etwa 2 Milliarden Rubel, in Deutschland (in der Mitte der neunziger Jahre) 1400 Millionen Rubel (3000 Millionen Mark) und sogar in Italien (um das Jahr 1900) 300—400 Millionen Rubel (800—1000 Millionen Lire). Statistisch genau sind diese Ziffern gewiß nicht, sie sind aber zweifellos symptomatisch und drücken ziemlich genau die relative Kraft des ökonomischen Wachstums verschiedener Länder aus. Die Kapitalakkumulation in einem Lande hängt nicht nur von der Größe des Volkseinkommens, sondern auch von der Größe der Steuerbelastung ab. In bezug auf beides befindet sich Rußland, wie wir gesehen haben, in be sonders ungünstigen Verhältnissen. Nehmen wir, nach der oben angeführten Berechnung * 2 ), an, daß auf die 50 Gouvernements des europäischen Rußlands etwa 80 °/o des akkumulierten Kapitals ent- ') Professor Soboleff sagt: »Die Ausländer stehen ihre Kapitalien für staatliche und kommunale Anleihen gern zur Verfügung, sind dagegen sehr zurückhaltend, sobald es sich um fremde Industrieunternehmen handelt. . , . Bis jetzt wurde nur sehr wenig ausländisches Kapital in die russische Industrie, mit Ausnahme der Bergwerke, placiert.« »Rußlands Zollpolitik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts«, 1911 (russisch), S. 825—826. 2 ) S. S. 32.