66 metik hat eine Verdoppelung der Zollsätze manchmal eine Ver doppelung, manchmal aber eine absolute Verminderung der Zoll einnahmen zur Folge. Der Schutz der einheimischen Industrie setzt eine freie Einfuhr aller Rohstoffe voraus und eine Einschrän kung des Imports von Fabrikaten, die der Reichskasse nur eine unbedeutende Einnahme gewähren könnte. Für die eine Gruppe von Waren ist somit ein hoher Zoll notwendig, für die andere gar keiner. Schließlich führt der Wunsch, eine vorteilhafte Handels bilanz zu erzielen, zu einem fast gänzlichen Verbot des Imports, nicht nur der Fabrikate, sondern auch der Rohstoffe. Unsere Zoll politik stellt einen Kompromiß dieser drei Tendenzen dar, wobei die fiskalischen Aufgaben sichtlich vorherrschen. Als eine der bequemsten Arten der indirekten Besteuerung müssen die Zölle parallel mit dem Wachstum der Steuerbelastung wachsen. Je größer die Steuerlast in einem Lande ist, desto höher sind die Zölle. Die Regelmäßigkeit dieser Wechselbeziehung wird durch den Charakter der Handelspolitik verschiedener Staaten durchbrochen, indem die einen Länder im Interesse ihrer Industrie dem Protektionismus, die anderen der Handelsfreiheit huldigen. Während der letzten 40 Jahre hat sich in Rußland die Zollein nahme zuerst schneller als die anderen Formen der Besteuerung entwickelt, später aber glich sich das Verhältnis aus: Reicheinnahmen Zoll- In Prozent Jahre insgesamt Mill. Rubel einnahmen Mill. Rubel 1870 461 40,6 8,8 1875 567 62,0 10,9 1880 625 94,7 D,2 LO 00 00 699 94,8 13,6 :89c) 838 141,2 16,8 189s 1038 178,6 17,2 1900 1225 204,0 16,7 1905 1307 212,8 16,3 1909 1620 274,3 16,9 Man sieht: bis zum Jahre 1895 wuchsen die Zolleinnahmen rascher als die anderen Reichseinnahmen; von diesem Jahre an nimmt ihr Steigen allmählich ab und geht parallel dem allge meinen Zuwachs der Besteuerung. Dieser Umschwung in der Ent wicklung der Zollbesteuerung erklärt sich durch den erzwungenen Uebergang Rußlands (in den Jahren 1893—1894) vom autonomen Tarif zum Konventionalsystem, bei welchem der Zoll mit dem