7 2 Dinge, sobald die Zahlungsbilanz jährlich ein Defizit 1 ) von 125 Millionen Rubel ergibt und die Zahlungen nach Ausland 40°/o des Exportwerts ausmachen. In einer ausführlichen Arbeit, die sich mit der Geschichte der Zollpolitik Rußlands in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befaßt, kommt Professor Soboleff zum Schluß, daß »im Mechanismus des internationalen Tausch verkehrs Kräfte existieren, die die Fähigkeit besitzen, das gestörte Gleichgewicht des Im- und Exportes wieder herzustellen. Es ist nicht notwendig, um eine künstliche Verminderung des Importes durch Auferlegung eines Zolles zu sorgen, da der Staat immer einen solchen Import hat, der seiner Zahlungsfähigkeit entspricht. Die ganze Zollpolitik nach dieser Richtung hin ist nichts anderes als ein Mißverständnis« ä ). Es unterliegt keinem Zweifel, daß in der modernen Organisation der Industrie und des Handels Kräfte vorhanden sind, die die Fähigkeit besitzen, automatisch das ein mal verlorene Gleichgewicht zwischen dem Im- und Export her zustellen. Jede Verbesserung der Handelsbilanz setzt eine Ver größerung der Produktion oder eine Verminderung des Konsums im Lande voraus. In beiden Fällen bleibt bei der Bevölkerung ein gewisser Zuwachs der Kaufkraft, der sich in Form eines Ueberschusses des aus dem Auslande zugeflossenen Goldes mate rialisiert. Eine Verschlimmerung der Handelsbilanz dagegen be deutet eine Verminderung des freien Geldvorrates der Bevölkerung, das entweder durch eine Abnahme der Produktion oder durch eine Zunahme des Konsums hervorgerufen wurde. Das Erscheinen freier Geldvorräte steigert den Konsum, ihr Verschwinden da gegen schränkt denselben ein; in beiden Fällen verändert sich die Handelsbilanz automatisch in entgegengesetzter Richtung. Solcher Art ist die Tendenz der Kräfte, die im modernen internationalen Verkehr wirken * 2 3 ). v ) Nach den Wytschewskyschen Berechnungen beträgt dieses Defizit 200 Millionen Rubel pro Jahr. Ibid. S. 175. 2 ) Die Zollpolitik Rußlands, S. 849, 3 ) Bei dem Papiergeldverkehr übt der eine oder andere Charakter der Zahlungsbilanz auf das Quantum des im Lande zirkulierenden Geldes gar keine Wirkung aus und setzt folglich die erwähnten Kräfte, welche fähig wären, das gestörte Gleichgewicht zwischen dem Im- und Export wieder herzustellen, nicht in Bewegung. Der Kurs des Papiergeldes hängt ausschließlich von der Größe der Emission ab. Diese theoretische Behauptung findet in der Ge schichte des Papiergeldes in Rußland ihre Bestätigung; die von Professor Soboleff angeführten Daten ergeben, daß in den Jahren 1870—1895 »zwischen