74 land »kein selbständiges Ziel der Wirtschaftspolitik sei, sondern eher ein Nebenprodukt der fiskalischen Bestrebungen der Regierung« 1 ). Dies ist nicht ganz richtig. Die russische Zollpolitik ist gewiß von den fiskalischen Interessen der Regierung beherrscht. Trotz dem ist es nicht zu leugnen, daß diese Politik auch ganz be stimmte protektionistische Ziele verfolgte und daß der Protektio nismus eine selbständige Rolle in der russischen Zollpolitik spielte. Folgende Tabelle veranschaulicht den Entwicklungsgang des Zoll protektionismus in Rußland und die Veränderung, die die Norm der Zollbelastung in den Jahren 1870—1908 erfahren hat: Rohstoffe Jahre und Halb fabrikate Fabrikate Differenz Prozent Prozent Prozent 1870 7,7 11,8 4,1 1875 7,9 12,6 4,7 1880 ”,7 16,6 4,9 1885 13,8 24,9 11,1 1890 18,3 26,0 7,7 189S 24,5 24,1 - 0,4 1900 23,7 24,6 0,9 1905 25,6 22,3 -3,3 1908 25,2 24,8 -0,4 Analysieren wir die Aenderung der Zollsätze auf Fabrikate, so finden wir, daß in den siebziger und besonders in den achtziger Jahren diese Sätze sehr rasch in die Höhe gingen, von da an bleiben sie fast auf demselben Niveau stehen. Der Zoll auf Roh stoffe und Halbfabrikate dagegen, der in den siebziger und acht ziger Jahren eine rasche Steigerung erfuhr, wuchs auch weiter und erreichte im Jahre 1895 das Niveau, auf welchem sich die Ver zollung der Fabrikate befindet; seit da bleibt er stationär. Die Differenz zwischen der Belastung der Fabrikate und derjenigen der Rohstoffe, die vom Jahre 1870 an unaufhörlich stieg und im Jahre 1887 eine Maximalgrenze (15,40/0) erreichte, sank dann im Jahre 1894 bis auf 1,4°/o und ergab schließlich im Jahre 1898 ein umgekehrtes Maximum von —,6°/o. Der Handelsvertrag mit Deutsch land vom Jahre 1894 spielte somit die Rolle eines Wendepunktes in unserer Schutzpolitik. Bis zu diesem Jahre wurde hauptsächlich die Produktion der Fabrikate, nach diesem Jahre die Gewinnung '' Ibid. S. 694.