6 Für die Fortschritte der Naturwissenschaften und insonderheit für die Chemie hat der Kaiser oft und noch in jüngster Zeit eine tätige Anteilnahme bekundet; sind doch die ersten Forschungsinstitute seiner grosszügigen Schöpfung, der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, dieser Wissenschaft gewidmet. In dieser Fürsorge dürfen wir wohl ein Vermächtnis erkennen, nicht nur der Kaiser lichen Mutter, die seit den Tagen von Windsor den beredten Worten ihres begeisterten chemischen Lehrers A. W. von Hofmann mit Vorliebe gelauscht hat, sondern ebenso des erlauchten Geschlechts der Hohen- zollern, die seit einem halben Jahrtausend mit der Scheidekunst häufig in innige Berührung gekommen sind und an chemischen Ereignissen, daran die Geschichte der HohenzollernsChen Lande und im besonderen ihrer Haupt- und Residenzstadt nicht arm ist, stets lebhaften Anteil genommen haben. Einleitung Als der Burggraf Friedrich von Nürnberg im Jahre 1412 die ihm vom Kaiser Sigismund verpfän dete Mark in Besitz nahm, bediente er sich alsbald der soeben in die Kriegskunst eingeführten chemischen Energie, um das Volk vor den Unterdrückungen des raubritterlichen Adels zu schützen, denen es fast ein Jahrhundert preisgegeben war. Unter der vernichtenden Wirkung des Schwarzpulvers und dem Donner der „Faulen Grete“ fallen die Burgen der märkischen Barone*), und unter den Hohen zoll ern kehren allmählich geord nete Zustände in die Mark zurück. In der Hand der Bauleute formt sich der gebrannte Ziegel zu kunstvollen *) Allein den Quitzows musste Friedrich 24 feste Schlösser nehmen, bis er sie besiegt hatte. Werke Friedrich d. Grossen, 1913.1.13.