Koksöfen 1° dem Masse, wie in den siebziger Jahren die deutsche Farbenindustrie emporwuchs, steigerte sich der Bedarf an Steinkohlenteer und seinen Destillationspro dukten, die, wie erwähnt, damals zum grössten Teil von England bezogen wurden, wo die Leuchtgasfabrikä- tion einen viel grösseren Umfang angenommen hatte als bei uns. Erst mit der Einführung der Koksöfen, die sich wiederum mit der mächtigen Entwicklung der deutschen Eisenindustrie und ihren koksverschlingenden Hochöfen beständig vermehrten, konnte den Bedürf nissen der Teerindustrie und damit zugleich einer fort schreitenden Gewinnung von Ammoniak in der Haupt sache genügt und sowohl die deutsche Farbenindustrie wie die deutsche Landwirtschaft von englischer. Bevormun dung in Teerprodukten und Ammoniakdüngeribefreit werden. Stickstoff- So günstig sich diese Verhältnisse aber auch ge- Landwir? r haben, so ist doch nicht zu verkennen, dass die schaft Ammoniakproduktion durch die Bedürfnisse des Leucht gasbedarfs und der Eisenindustrie begrenzt ist. Wir sind also fast für die Hälfte des landwirtschaftlichen Stickstoffbedarfs noch mit einer Ausgabe für Chile salpeter von rund 100 Millionen Mark auf das Ausland angewiesen. Wenn man aber weiter erwägt, dass wir jährlich für 2 Milliarden Mark landwirtschaftliche Pro dukte in Gestalt von Getreide, Futtermitteln usw. vom Auslande kaufen müssen, um unsere Bevölkerung zu ernähren, eine Ausgabe, die sich erheblich vermindern würde, wenn unsere Felder, deren Ertrag sich in den letzten vierzig Jahren bereits verdoppelt hat, durch weiter gesteigerte Stickstoffzufuhr intensiver bewirt schaftet werden könnten, so ist ein Bedürfnis nach wei teren Stickstoffquellen nicht von der Hand zu weisen. Obwohl die deutsche Landwirtschaft mehr Stickstoff-