46 die Schiessbaum wolle, namentlich in der Tropentem peratur, eine beständige Neigung zu langsamer innerer Zersetzung besitzt, die je nach dem verwendeten Ma terial und der angewandten Herstellungsmethode ver schieden ist, so spielen die Mittel zur Bekämpfung und Einschränkung dieser Tendenz, die sog. Stabilisatoren, für die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit des Pulvers eine grosse Rolle. Es hat den Anschein, dass dieser Frage nicht überall die unerlässliche Sorgfalt gewidmet worden ist, denn die Unglücksfälle der französischen Panzer schiffe „Jena“ und „Liberte“ sind aller Wahrscheinlich keit nach auf die Vernachlässigung dieser Frage zurück zuführen, um deren Lösung sich der deutsche Spreng stoffchemiker W. Will in der Zentralstelle für wissen schaftlich-technische Untersuchungen zu Neubabelsberg, einem von den vereinigten deutschen Sprengstofffabriken geschaffenen Forschungsinstitut, grosse Verdienste er worben hat. Man wird dabei an einen Ausspruch des Fürsten Bismarck erinnert, der im Jahre 1889 über die staatserhaltende Rolle der Chemiker sagte, dass sie es seien, die in letzter Richtung über Krieg und Frieden entscheiden und z. B. bei schlechter Herstellung des Pulvers und anderer Ausrüstungsgegenstände des Gegners denselben unter Umständen zwängen, das Schwert in der Scheide zu lassen.*) Eine andere Klasse von brisanten Sprengstoffen sind die hochnitrierten Benzolkohlenwasserstoffe. Die Pikrin säure, ein dreifach nitriertes Phenol, wurde im Jahre 1771 von dem Erfinder der zweihalsigen Flasche P. Woulfe in London bei der Behandlung von Indigo mit Salpetersäure beobachtet. 1881 wurde sie, nach- *) Ztschr. ang. Chem. 1913, 26, wirtschaftl. Th. S. 166.