68 grössten, sich immer noch erweiternden und der ausge dehntesten Anwendung fähigen Farbstoffgruppe, den Azofarbstoffen, geführt. Die erste technische Nutz barmachung der neuen Methode, das Chrysoidin von Otto N. Witt, liegt noch vor dem deutschen Patent gesetz und teilt das Schicksal des Eosins, da Hofmann auf Veranlassung von Martius seine Herkunft ergründet und in den Berichten der Chemischen Gesellschaft ver öffentlicht. Dem Einwande Witts*) begegnet er mit den Worten: „Die Zeit der Arkanisten ist vorbei.“**) Das erste deutsche Azofarbstoffpatent vom 12. März 1878 „zur paarweisen Verbindung von Diazophenolen mit Phenolen“ trägt den Namen Peter Griess. Nach dem A. Wintherschen Handbuch sind bis 1905 in Deutsch land 1345 Verfahren dieser Gruppe patentiert worden. Seitdem hat sich diese Zahl auf nahezu 2000 erhöht. Nachdem einmal die Methode gegeben, war kein Halten mehr; eine endlose Kombinationsarbeit beginnt, bei der alle Benzolderivate durch Azogruppen einfach und mehrfach „gepaart“ werden. In dem ersten Patent der Höchster Farbwerke vom 24. April 1878 zeigt H. Baum, dass auch die Naphthalinderivate neue Kombi nationen bilden, und alsbald folgt eine Flut von immer schöneren Farbtönen aller Nuancen. Auch an schönen Namen fehlt es nicht. Da ist das Salmrot von C. L. Müller und das Echtrot von Caro, das Orseillerot von Schunke, die Oxaminfarben von Bernthsen und Julius in der Badischen Fabrik, das Biebricher Scharlach von Nietzki, das Höchster Ponceau von Baum, die Berliner Congofarben von Böttiger, Pfaff und *) Ber. d. d. chem. Ges., 1877, 10 350. **) Ber. d. d. chem. Ges., 1877, 10 388.