74 Indigorot Schwefel farbstoffe halb Gramm des natürlichen Farbstoffs, der mit dem künstlichen Dibromiridigo identisch ist. Diese geringe Ausbeute erklärt die Kostbarkeit des Farbstoffs, mit dem im Altertum nur die königlichen Gewänder gefärbt werden durften, und dessen damaligen Preis Fried länder auf 40—50 000 Mark pro kg schätzt. Die Farbe entspricht nicht unserem heutigen Begriff des Purpurs, sondern zeigt ein rötliches Violett. Schon vor dieser schönen Untersuchung hatte der selbe Forscher versucht, andere Elemente in das Indigo molekül einzuführen. Als er den Stickstoff durch Schwefel ersetzte, erhielt er einen Thioindigo, von karmoisin- roter Farbe, der zu einer neuen Gruppe zahlreicher indigoider Farbstoffe verschiedener Töne geführt hat, die an Echtheit und Widerstandskraft gegen Witterungs einflüsse dem Indigo nicht nachstehen und deshalb ebenso wie der künstliche Indigo selbst zum Färben von Militär- und Marihetudh verwendet werden; insbesondere auch für die neuen feldgrauen und khakifarbenen Stoffe. Endlich hat die Einführung des Schwefels auch bei anderen Farbenklassen zu sehr echten Farbstoffen ge führt. Diese Schwefelfarbstoffe, die sich zugleich durch ihre Billigkeit auszeichnen, geben gelbe, orange, grüne, blaue, braune und schwarze Töne und werden seit etwa zehn Jahren in grossen Mengen zum Färben von Wolle und Baumwolle verwandt. In dieser Zeit ist die Zahl der patentierten Verfahren auf 630 ange wachsen. Aber wir müssen es uns versagen, noch weiter in die Geheimnisse der Farbchemie einzudringen, zumal dieser, wenn auch flüchtige Einblick in ihre Geschichte die Bedeutung für unsere Volkswirtschaft und für die Befreiung Von ausländischen Tributen zur Genüge dartut.