76 übertragen worden, die in den letzten Dezennien in noch höherem Sinne für die Volkswohlfahrt von eminent kultureller Bedeutung geworden sind. Im Besitze der synthetischen Methoden der organischen Chemie, dehnten die Forscher ihre Studien auf andere Klassen von Kohlen stoffverbindungen aus, die zu dem menschlichen Leben in irgendeiner Beziehung stehen. In erster Linie steht hier die Bedeutung der chemi schen Synthese für die Bekämpfung der Krankheiten und Seuchen. Der Beginn einer zielbewussten Forschung in dieser Richtung liegt 25 Jahre zurück. Bis dahin hatte man sich von gelegentlichen Beobachtungen und Ver mutungen leiten lassen, bei denen der Zufall oft eine wesentliche Rolle spielte. Schon bei der Einführung eines der wichtigsten Arzneimittel war dies der Fall. Als die Scheringsche Fabrik im Jahre 1869 auf Ver anlassung von O. Liebreich das 1832 von Liebig ent deckte Chloralhydrat als Schlafmittel in die Medizin ein führte, glaubte dieser, es würde sich im Blut allmählich in Chloroform umsetzen, dessen narkotische Wirkung schon 1831 bei seiner ebenfalls durch Liebig erfolgten Ent deckung erkannt worden war. Es zeigte sich, dass zwar der gewünschte Erfolg, nicht aber die Voraussetzung zutraf; dass diese Umwandlung zwar im Reagenzglase mit starkem Alkali, aber nicht im schwach alkalischen Blute vor sich geht. Noch seltsamer war die Entdeckung des ersten er folgreichen synthetischen Fiebermittels, des Azetanilids, im Jahre 1887, die auf einer ganz zufälligen Verwechs lung mit dem ähnlich aussehenden Naphthalin in der Ko p p sehen Apotheke in Strassburg beruht. Bei thera peutischen Versuchen zeigte das vermeintliche Naphthalin