77 eine stark antifebrile Wirkung, und als man den Irrtum bemeri-cte, war noch gerade genug von dem willkom menen Mittel vorhanden, dass man es mit dem schon lange bekannten Azetanilid identifizieren konnte, das nun als Antifebrin eine rasche Verbreitung fand. Aehnlich war es um dieselbe Zeit mit der Entdeckung des Anti- pyrins durch L. Knorr in Jena, das auf Grund seiner vermeintlichen Beziehungen zum Chinin als Antipyreti- cum erkannt wurde, obwohl Knorr selbst später nach wies, dass es in seiner Konstitution mit dem Chinin nichts zutun habe, sondern zu einer ganz andern Gruppe, den Pyrazolonderivaten, gehörte. Die neuen Fiebermittel konnten jedoch ihre eminente Bedeutung bald bei der Bekämpfung einer grossen Influenzaepidemie beweisen, die nach 30jähriger Pause die Kulturwelt mit ungeheurer Heftigkeit überfallen hatte; sie zeigten aber zugleich den Pharmakologen die merkwürdige Tatsache an, dass im Gegensatz zu den früheren Anschauungen Heilmittel von unter sich ähn licher Wirkung in sehr verschiedenen Gruppen der orga nischen Chemie angetroffen wurden. Die Folge davon war ein Durchprobieren aller mög lichen chemischen Verbindungen am Tier-und Menschen körper, wobei sich aber gewisse Gesetzmässigkeiten er gaben, die doch einen Einfluss bestimmter Atomgruppie rungen auf bestimmte Wirkungen erkennen Hessen, wie man dies bei den Farbstoffen schon lange gewohnt war. Wie die hypnotische Wirkung bei den gechlorten Methanen mit der Anzahl der Chloratome bis zum Chloroform anstieg, so bemerkte man eine ähnliche Steigerung gelegentlich der Einführung des Sulfonals in den Arzneischatz. Die hypnotische Wirkung dieses