80 Hypnotica Diuretica j s den Indianern, die beim Lastentragen in den Bergen Südamerikas beständig Cocablätter kauen, benutzt wird, um grosse Strapazen und Arbeitsleistungen zu be wältigen, ohne ein Ermüdungsgefühl zu empfinden. Durch die bahnbrechende Entdeckung Kollers im Jahre 1884 wurde die Anwendung des Cocains in der Medizin zum Zwecke der Lokalanästhesie eröffnet. Das Studium dieses für die Chirurgie unentbehrlichen Stoffes führte zu der Vermutung, dass die anästhesierende Wirkung auf einzelne Atomgruppierungen des komplizierten Mole küls zurückzuführen sei, die dadurch bestätigt wurde, dass man auf Grund solcher Ueberlegungen in dem Eucain, dem Stovain, dem Alypin und dem Neocain Ersatzmittel von weit einfacherer Zusammensetzung, aber besserer Wirkung und geringerer Giftigkeit auf fand. Dem Chloralhydrat folgten eine grosse Anzahl syn thetischer Halogenderivate, wie die halogenisierte Fett säure, das Sabromin, Von E. Fischer und von Meh ring, die den Aerzten neue Schlaf- und Nervenheil- mittel in die Hand gaben; die schon genannten Sulfonal- präparate wurden übertroffen durch das Veronal,*) mit dem dieselben Forscher die Barbitursäureabkömmlinge in den Arzneischatz einführten. Von Emil Fischer wur den endlich die Alkaloide der Puringruppe aufgebaut, das Theobromin des Kakaos, das Coffein des Kaffees und das Theophyllin des Thees, und viele ihrer Deri vate, die sich als wertvolle Diuretica namentlich im Kampfe gegen die Leiden der Wassersucht bewährt haben. *) Statt des unlöslichen Veronals ist neuerdings das lösliche Veronalnatrium oder Medina! vorgeschlagen worden.